IX. Ortssagen. (continued 2)
Reading edition
570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)
Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.
Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)
571. Der frühere Name von Lichtenstein.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)
In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.
572. Der Zeisigstein und der »Storch« bei Frauenstein.
(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und Dr. Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)
Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.
573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen Einwohner näher der Kirche wieder an.
574. Das Brautbette bei Rabenau.
(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in den Junker Jeschke (Jesico) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.
Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht bekannt geworden.
575. Der Katharinenstein bei Lauenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)
Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau, Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich, denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein sich erhebt, – da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels.
Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der Katharinenstein.
576. Die Kutte bei Elterlein.
(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 35.)
Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen, zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab und noch jetzt die Kutte heißt.
577. Sechs Brüder bei Geyer.
(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)
Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen, in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen. So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten.
Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.
578. Die Dreibrüderhöhe bei Marienberg.
(Mündlich.)
An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe, welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube »Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt.
579. Die Waldung »Reue« bei Waldkirchen.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)
Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung, »Reue« genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt, welchen sie noch heute führt.
580. Woher der Name des Waldgrundes »Bär« bei Blauenthal stammt.
(Mündlich.)
Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt. Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären nun soll der Name des Grundes herrühren.
581. Der Ursprung des Felsnamens Bärenstein.
(Mitgeteilt vom Prof. Dr. Friedrich Polle in Dresden.)
An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären die Felswand hinunter warf.
582. Der Ursprung des Namens Mückenberg mit dem Mückentürmchen.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur, 1882, No. 24.)
I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden und durch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. – Auf derselben Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da – majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheit des Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.
II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.
Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde fortzusetzen.
583. Ursprung des Namens Fastenberg.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)
Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Berge eine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«
584. Der weiße Helm, eine Anhöhe bei Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)
Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt.
585. Ursprung des Bergnamens »Schweiger.«
(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)
Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar, fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage zubrachte.
586. Ursprung des Namens Silberbach.
(Mündlich.)
Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopf des Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin der Silberbach genannt wurde.
587. Ursprung des Namens Höllengrund im Oederaner Walde.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)
Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber den Namen »Höllengrund.«
588. Das Schulmeisterbächel bei Wildenthal.
(Mündlich.)
Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.
589. Der Spitzberg bei Pfaffengrün.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)
Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.
Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.
590. Der Dreimännerberg.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.
591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)
Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken zurückgeblieben sei.
Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) – Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10–13.)
Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?
592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)
Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.
593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)
Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl hervorgequollen sei.
594. Der Claußberg in Schneeberg.
(Meltzer, Hist. Schneeberg., 1716, S. 24.)
Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll.
595. Der Galgenberg bei Euba.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)
Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg.
596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
(Dr. Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)
Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden »Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.
Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels »Buttertöpfchen«.
597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)
In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.
598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.
(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)
Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.
Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz bewachen.
Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen den Felsen nieder.
In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.
599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)
Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:
Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch bei Außig.
600. Von den Namen einiger Brunnen.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)
1) Der Jüdenbrunnen bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.
2) Mit dem Wasser des Löffelbrunnens auf Satzunger und Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.
3) An dem Traubrunnen zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die Eheleute getraut.
4) Der kurfürstliche Jagdbrunnen liegt eine Meile von Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern.
5) Der süße Kühl- und Löschbrunnen zu Schlettau. Am 23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.
6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt Finkenbrunnen. Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.
7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die Goldbörner heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte.
8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der Goldborn heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.
In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.
9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der Zigeunerbrunnen. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; daher der Name desselben.
601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
1) »Grauen Manns Fundgrube« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren.
2) »Glockenklang und Vogelgesanger Fdgr.« bei Johanngeorgenstadt hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.
3) »Hohe Tanne« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.
4) »Scheller Traum« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.
(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.)
5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein alter Stollen, das Bocksloch genannt. In demselben soll sich ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die Vorübergehenden zu necken.
(Meltzer, Historia Schneebergensis, 1716, S. 47.)
6) Die fruchtbare Thorheit, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)
602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)
Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.
603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.
(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 150.)
In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen und ihn zu rufen pflegte: Bacchale patszem! welches in böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen Bacchale zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.
604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.
605. Das Stadtwappen von Geyer.
(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, 1740, S. 31 u. 32.)
Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.
606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.)
Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.
607. Das Stadtwappen von Öderan.
(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.)
Öderan führt im Wappen ein auf zwei Türmen liegendes Wagenrad, um damit anzudeuten, daß die Entstehung der Stadt im 12. oder 13. Jahrhundert ein Fuhrmann veranlaßte, welcher auf dem Platze eine Herberge erbaute. Bald gesellten sich noch andere Anbauer und unter anderen einige Mönche hinzu, welche vor ihrer Einsiedelei ein großes Kreuz aufpflanzten und Vorübergehende um Almosen ansprachen. Man nannte sie »Schmerbrüder«, und es soll zu diesem Namen die Wagenschmiere den Fuhrleuten Veranlassung gegeben haben, wie alte Erzählungen berichten, nach denen auch der lang erhaltene Gebrauch des schwarzen Siegels bei dem Rate zu Öderan darauf zurückzuführen ist.
608. Das Stadtsiegel von Frankenberg.
(Bahn, Hist. Nachrichten v. Frankenberg u. Sachsenburg, 1755, S. 36.)
Das Stadtsiegel von Frankenberg stellt ein mit einer Krone auf dem Haupte und mit einem Kranze in der rechten Hand geziertes Frauenzimmer vor, so zwischen zweien Türmen über einer Mauer mit offenem Thore stehet. Vor Zeiten aber hat Frankenberg ein redendes oder Namenssiegel gehabt, sintemal auf einem Kupferstich, der Anno 1690 gestochen worden, sich in dem Stadtsiegel ein Franke präsentieret, der mit einem Mantel bekleidet ist und in der rechten Hand ein großes Schlachtschwert mit der Spitze unterwärts zwischen zweien Türmen über einem offenen Thore vor sich gestemmt hat, anzuzeigen, wie die alten Franken, wenn sie ihren Feind aus dem Felde geschlagen, die Schwerter in die Erde gestoßen und gleichsam Besitz von der Wahlstatt genommen haben.
609. Das Gerichtssiegel von Rabenau.
(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B., S. 183.)
Das Gerichtssiegel von Rabenau führt von altersher einen Raben mit gespaltenem oder offenem Schnabel und mit zum Schlagen oder Fliegen fertigen, halb ausgespannten Flügeln. Auch soll auf der Kirchturmspitze ein die Flügel ausbreitender Rabe zu sehen gewesen sein. Damit will man den Namen des Ortes von den vielen Raben, welche sich daselbst aufgehalten haben, ableiten.
610. Das Stadtsiegel von Zöblitz.
(Steinbach, Historie von Zöblitz. Dreßden, 1750, S. 29.)
Das Stadtsiegel von Zöblitz stellt einen Bärenkopf vor, und will man vorgeben, es sei vor Alters ein Bärenfang hier gestanden.
611. Das Wappen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea. Zwickau, 1656, S. 136.)
Im Jahre 1013 hat Kaiser Heinrich der Stadt Zwickau und dem Rate ihr Wappen gegeben, nämlich einen Schild vierfach zerteilet, ganz rot, oben drei weiße Schwanen, im andern Teil drei Türme, unter denen ein Wasserfluß; in dem untern Teile des Schildes ebenso, nur umgekehrt, daß sich die Schwanen gegen die rechte Hand, die Türme aber gegen die linke befinden. Die Helmdecke ist rot und weiß, auf dem Schilde aber zwei Helme, auf dem einen ein roter Kurhut, dessen Aufschläge weiß, und auf demselben sieben rote und weiße Fähnlein. Auf dem andern Helm aber stehet der Ritter Moritz, welchen der Kaiser der Stadt zum Patron gegeben.
Bei weniger wichtigen Sachen gebrauchte der Rat nur den vierten Teil des Schildes, nämlich ein rotes Feld mit drei Schwanen.
612. Das Wappen der Stadt Freiberg.
(Moller, Theatrum Freibergense Chronicum. Freiberg, 1653, S. 21.)
Das Wappen und Siegel Freibergs hat etliche Türme, samt einem Thore und Gatter. Den aufgerichteten schwarzen Löwen im gelben Felde darin soll Markgraf Dietrich von Meißen aus seinem eigenen Wappen der Stadt für geleistete Dienste dazu verliehen haben.
613. Das Denkbild zum Stadtsiegel von Scheibenberg.
(Oesfeld, Hist. Beschreib. einiger merkwürdiger Städte im Erzgebirge, 2. Teil. Halle, 1777, S. 89.)
Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.
In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.
614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)
Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt Dippoldiswalde war.
615. Siegel der Stadt Frauenstein.
(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)
Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.
Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.
616. Das Gemeindesiegel von Olbernhau.
(Führer durch Olbernhau und Umgegend, S. 16.)
Das Gemeindesiegel von Olbernhau zeigt ein waldumgrenztes Thal mit drei hohen Tannen, darüber ein Auge und unten in einem beckenartigen Schilde einen aufwärts kriechenden Frosch. Auch das reichsgräflich von Loß'sche Wappen am Herrenhause des Rittergutes hat einen Frosch im runden Mittelschilde und als mittelste Helmzier. Man deutet das angebliche Wappen von Olbernhau damit, daß sich aus dem abgetrockneten See, für welchen man die flache Thalsohle, in welchem der Ort liegt, ansieht, der letzte Frosch entfernt, um nach dem auf der Höhe sich zeigenden Walde zu flüchten.
617. Das Siegel des Dorfes Auerbach.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4 und 49.)
Auerbach bei Zwickau hat seinen Namen von dem kleinen, das Dorf durchziehenden und am Ausgange der Thalschlucht in die Zwickauer Mulde sich ergießenden Bache, und von den Auerhähnen, welche früher in dem Thale sich aufgehalten haben sollen, weshalb sowohl das Kirchen- als das Gemeindesiegel einen Hahn auf einem Baume führt.
Auch das Dorf Auerbach bei Stollberg soll seinen Namen von den vielen Auerhühnern, welche sich einst daselbst aufhielten, und von dem Bache, welcher mitten durchs Dorf fließt, erhalten haben. Das Siegel führt deshalb einen Auerhahn am Bache.
618. Wahrzeichen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea, Zwickau, 1656, S. 37.)
Zu oberst am Giebel des Kaufhauses in Zwickau ist eine große Brille in Stein gehauen zu sehen, davon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige wissen müßte, der zu Zwickau gewesen sein wollte, wie vor diesem die reisenden Handwerker viel auf dergleichen Zeichen zu achten pflegten.
619. Die Wahrzeichen Freibergs.
(Moller, Theatrum Freibergense Chron., 1653, S. 29, 37 u. 138. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 270.)
Früher war am Turme des Petersthores in der Höhe unter dem Dache auf allen vier Seiten ein Manneskopf in Stein abgebildet zu sehen, wovon die gemeine Rede gegangen, daß es ein geheimes Zeichen wäre, welches derjenige kennen müsse, der zu Freiberg gewesen sein wolle. Etliche meinten, dieser Kopf sei zur Warnung wegen eines Überläufers, der 1297 die Stadt verraten habe, an dem Turme angebracht worden. – Als Wahrzeichen Freibergs galten auch eine große uralte männliche Statue wie ein Roland, mit dem königl. dänischen, kurfürstl. sächsischen und Stadtwappen und der Jahrzahl 1557, welche sich an der Brücke befand, sowie der Stein auf dem Markplatze, welcher die Stelle bezeichnet, auf der 1455 Kunz von Kauffungen enthauptet wurde.
Desgleichen galten als Wahrzeichen am Markte zwei Ecksteine mit eingehauenen Kreuzen, in die Erz gefasset war.
Von dem Steine auf dem Marktplatz, welcher die Stelle bezeichnet, auf welcher Kunz von Kauffungen enthauptet wurde, erzählt Joh. Vulpius (Plagium Kauffungense, als Beigabe zu Dr. Daniel Wilh. Triller, der sächs. Prinzenraub, 1743, S. 229) folgendes: »Als 1702 der Markt ganz neu gepflastert wurde, und der Stein fast in kleine Stücke zerfahren lag, hat man ihn aufgehoben, und einen anderen neuen an dessen Stelle zu legen beschlossen. Als ihn aber in Anwesenheit des E. E. Raths Baumeister und Arbeiter aufhuben, funden sie einen schwartz-blaulichten ungepolirten Marmor-Stein darunter, auf welchem ein alter Silbergroschen gelegen, dessen Schrifft und Gemählde Altershalben nicht mehr erkennet werden konnte, sondern so mürbe war, daß man ihn in kleine Stücklein zerbrechen mögen. Da man auch diesen, in Hoffnung einige Schrifft oder sonst eine Antiquität darunter zu finden, auffgehoben, hat man noch einen Stein von der Art des ersten, sonst aber gar nichts gefunden. Diese drey, nunmehr aber noch zwey Steine hatten einerlei Große, Länge und Breite. Der Marmorstein wurde in die Höhe gerücket, daß er dem Pflaster gleich kommen, und wiederum ein Chur-Fürstl. Sächß. Groschen, wie sie jetziger Zeit gepräget, gänge und gäbe sind, darunter geleget, auch ein Creutz zu bessern Merkmahl, drauff gehauen, und siehet nochmal der steinerne Kopf recta darauff.«
Über die Bedeutung dieses Kopfes sagt die angegebene Schrift: »Am Erker des Rathhauses, so An. 1578 angebauet worden, siehet ein steinerner Kopff, welcher für Cuntz Kauffungs Bildnis gehalten wird, mit einem gräßlichen Gesichte, großen Knebel-Barte und Sturmhaube, über sich das Bildniß der Gerechtigkeit habende, auf angedeuteten vierecketen Stein.«
620. Wahrzeichen von Crimmitschau.
(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 53.)
Als Wahrzeichen von Crimmitschau galt ein Mühlstein, welcher mitten auf dem Markte eingemauert war.
621. Die Wahrzeichen von Chemnitz.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)
Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache 1415 geschehen.
Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.
622. Das Wahrzeichen von Tharand.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)
Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Ort selbst Granaten hieß.
623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)
Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein »Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.
Das zweite Schlackenwerther Wahrzeichen, der »große Mann«, wurde vor einigen dreißig Jahren in Stücke zerschlagen, ohne daß sich eine Zeichnung davon erhalten hätte. Es war dies eine der römischen Mythologie entnommene Gottheitsstatue, welche in dem einst in ganz Mitteleuropa seiner Schönheit und prächtigen Einrichtung halber berühmten Schlackenwerther Schloßparke aufgestellt war.
624. Die frühere Größe des Städtchens Platz.
(W. Kunz in der Erzgebirgszeitung, 4. Jahrg. S. 19.)
Das Bergstädtchen Platz verdankt seine Entstehung jedenfalls dem ehemaligen Bergbau in dortiger Gegend. Noch wird erzählt, daß beim sogenannten »Röhrl« in der Nähe des Forsthauses, wo die Einwohner in trockenen Jahren ihr Wasser holen, ein Silberstollen gewesen sei. Die Sage berichtet weiter, daß Platz einst gegen 300 Häuser (jetzt nur 64!) gezählt habe, in einer Kriegszeit aber zerstört worden sei, worauf sich der besitzende Bürgerstand inmitten seiner von Platz nach Norden und Osten auslaufenden Felder und Wälder angebaut habe, und auf diese Weise sollen die beiden Ortschaften Hohentann, d. i. bei der hohen Tanne, und Plaßdorf, früher Platzdorf, entstanden sein.
625. Die frühere Größe und Bedeutung der Stadt Meerane.
(Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 44.)
Nach der Volkssage, welche die Stadt Meerane sich bis Götzenthal erstrecken läßt und nach der Erzählung eines böhmischen Historikers des 12. Jahrhunderts und nach ihm des pirnaischen Mönchs im 16. Jahrhunderte, soll Meerane im Mittelalter ein sehr bedeutender Ort und sogar die nachmalige Residenz des böhmischen Königs Wladislav und seiner Gemahlin Jutta oder Judith, welche, nebst ihrer Schwiegertochter Elisabeth, vor ihrem tyrannischen Sohn Sobieslaw im Jahre 1174 flohen, gewesen sein. Merkwürdig ist, daß sechs Häuser in der Stadt heute noch die Burghäuser heißen und die Befreiung von der Abgabe des sogenannten Dienerkornes genießen.
626. Die wüste Mark Kraxdorf.
(Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II., 1748, S. 21. F. A. Türke im »Glückauf«, 2. Jahrg. No. 3.)
Vor der Gründung von Neudorf an der Sehma, das mitten im Walde aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Krafftsdorf gestanden haben, wovon früher und zwar auf dem westlich im Walde gelegenen Morgenberge noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel gefunden wurden.
In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr wahrscheinlich einst an einem Feuerherde erhalten hatten.
627. Breitenau wird entvölkert und Wüstung.
(Brandner, Lauenstein, 1845, S. 339.)
Neben den Dörfern Erdmannsdorf, Lichtenberg, Beilstein u. s. w., welche jetzt nur noch als wüste Marken existieren, wurde auch im östlichen Gebirge der Ort Breitenau hart von den hussitischen Horden heimgesucht. Denn um 1440 sollen daselbst nur noch »etzliche Hütten, zur Nothdurfft erbauet«, vorhanden gewesen sein, und 46 Jahre später wurde das Dorf als wüster Ort von Herzog Albrecht an Hans und Georg von Mügeln verliehen. Außerdem soll auch nach einer alten Sage die Pest den Ort so von Menschen entblößt haben, daß von der ganzen Bevölkerung nur zwei alte Jungfern am Leben blieben, welche sich im Heu verborgen hatten.
628. Das Gemäuer und der böse Brunnen zwischen Marienthal und Königswalde.
(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea. II, 1656, S. 157. G. Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißengrundes, 1794, S. 308.)
Etwa eine halbe Meile von Zwickau, zwischen Marienthal und Königswalde, findet man im sogenannten »tiefen Thal« altes Mauerwerk, welches über einen Haufen gefallen und wie ein ziemliches Berglein, weil es beraset und mit Holz bewachsen, anzusehen ist. Von diesem Gemäuer wird erzählt, daß es ein Raubschloß gewesen sei. Dabei ist auch ein sehr tiefer und ausgemauerter Brunnen, welchen die Bauern den bösen Brunnen nennen, weil sich bisweilen Gespenster daselbst haben sehen lassen. Es sollen hier nämlich die Geister zweier Mädchen, welche ihren Bruder umgebracht haben, umgehen. Eine Viertelstunde von Königswalde soll auch ein Dorf, Rappendorf genannt, gelegen haben. (S. No. 642.)
629. Das ehemalige Schloß Bödigen bei Dippoldiswalde.
(Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863, S. 3. Der Schluß mündlich.)
Es wird erzählt, daß ehemals in der Kommunwaldung von Dippoldiswalde ein Schloß, mit Namen Bödigen oder Bodenichen, gestanden habe. Man sieht von dem Gemäuer keine Spur mehr; nur ein nach dem Berreuther Thale zu gelegener Raum wird der Schloßplatz und ein in der Nähe befindlicher Brunnen der Schloßbrunnen genannt. Auf dem Platze soll eine Braupfanne voll Gold vergraben liegen.
630. Wüste Orte in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein.
(Oesfeld, Histor. Beschr. einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge, 1. Teil, 1776, S. 111.)
In uralten Zeiten haben in der Gegend von Lößnitz und Hartenstein einige verwüstete Dörfer gestanden, wie denn nicht nur Mauern noch in den Feldfluren hin und wieder gefunden werden, sondern auch in einigen Wäldern noch Ackerbeete zu sehen sind. Dieselben sind im Hussitenkriege, teils aber auch lange vorher zerstört worden. So lag Sebottensdorf in der Gegend zwischen Lößnitz, Alberoda, Raum und Grüna am Anfange des Alberodaer Baches. Ferner hat ein Wittendorf am Würschnitzbache, in der Gegend, wo jetzt Thierfeld bei Hartenstein ausgeht, gestanden; dasselbe muß sehr groß gewesen sein, wie die Fluren beweisen, welche noch jetzt diesen Namen führen und von denen ein Teil jetzt zu Beutha und Neuwiese gehört. Bei Gablenz soll auch ein Dorf mit Namen Kempfersgrün gestanden haben.
631. Die wüste Mark Oberopritz.
(Dr. Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 98. 12. B., S. 92.)
Da, wo jetzt am linken Muldenufer und westlichen Fuße des Räderkopfes zwischen den Ortschaften Langenbach, Wildbach und Stein die zu letztgenanntem Orte und Schlosse gehörige Schäferei steht, soll früher das Dorf Oberopritz gelegen haben, das wahrscheinlich im Hussitenkriege zerstört wurde. In der Nähe liegt an der Mulde und zwar da, wo in dieselbe ein kleines, aus der Gegend von Oberopritz kommendes Bächlein mündet, die Wüstung Niederopritz.
632. Wüste Marken in der Gegend von Chemnitz.
(Dr. Herzog, a. a. O., S. 60 etc.)
1) Die alte Harth heißt noch eine Stelle auf der Höhe zwischen Harthau und Einsiedel; es soll daselbst vor dem Hussitenkriege ein gleichnamiges Dorf gestanden haben. Man findet in der Gegend noch Spuren von Ackerbeeten. (S. auch Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 16. B., S. 19.)
2) Der Name des von der Chemnitz durchflossenen Blankenauer Grundes, in welchem die Dörfer Glösa, Furth, Borna, Draisdorf und Heinersdorf liegen, rührt von der früheren Blankenburg oder Burg Blankenau her, deren Spuren, bestehend aus zwei konzentrischen Gräben und Wällen nebst verglaseten Backsteinen, man zwischen Borna und Heinersdorf in einem kleinen Laubwäldchen gefunden hat. Die Sage setzt die Einäscherung der Burg, von der sich ein Rittergeschlecht von Blankenowe schrieb, in den Krieg Friedrich des Gebissenen mit den Süddeutschen. (S. auch Schumann und Schiffner a. a. O., 14. B., S. 478. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 114.)
3) Man kennt in der Chemnitzer Gegend außerdem die Wüstungen Adels- oder Adlersberg und Altdorf bei Ober- und Niederhennersdorf, Oneritz (Auritz?) bei Ober-Rabenstein, Borssendorf zwischen Chemnitz und Altendorf an der Pleiße, und Streit- oder Strytdorf zwischen Chemnitz und Furth am linken Ufer des Chemnitzflusses.
633. Wüste Marken bei Augustusburg.
(Dr. Herzog, Archiv für sächs. Geschichte, 2. B., S. 93 etc.)
1) Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende große fiskalische Mörbitz-Wald, welcher von einem darin gestandenen verschwundenen Dorfe seinen Namen haben soll.
2) Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf und Reifland gelegene bedeutende fiskalische Wald Röthenbach enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das wahrscheinlich im Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf Röthenbach lag.
3) In dem fiskalischen, zwischen Euba, Bernsdorf und Flöha gelegenen Forste »Struth«, auch »junge Strutt« genannt, soll vor dem Hussitenkriege ein Dorf (die Sage macht auch wohl ein Städtchen »Bernstadt« daraus) gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden. (S. auch Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen zu der Kultur- und Kunstgeschichte von Ober-Sachsen, 1. B., Schneeberg, 1750, S. 268.)
634. Von früheren Festen bei Schneeberg.
(Schumann, Lex. v. Sachsen, 12. B., S. 447. Lehmann, Chronik von Schneeberg, S. 4. Peck, Beschreibung des Chursächs. Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 14.)
Noch ehe die reichen Silberschätze des Schneeberges entdeckt wurden und als die ganze Gegend daselbst ein dichter Wald war, führte eine Straße von Lößnitz am Gleeßberge vorüber nach Eibenstock und ins Vogtland. Dieselbe war aber der vielen Räubereien wegen unsicher. Eine Überlieferung meldet, daß einiges Gemäuer, welches man früher am südöstlichen Rande des Schneeberges dicht über dem sogenannten Grunde sah, der Überrest eines Raubschlosses gewesen sei, und ebenso soll ehemals am Abhange des Gleeßberges, da wo sich jetzt das Brünnlasgut befindet, eine Warte gestanden haben.
635. Die Wüstungen Erbendorf und Großmitweida.
(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 154.)
Gegenüber dem hohen Wege, welcher von den Erbgütern in Pöhla bis an die Gottesgaber Straße läuft, liegt ein Berg, der Brand geheißen, weil einst daselbst vom Hinterholze alles weggebrannt worden ist. Daselbst sollen, wie alte Leute berichten, zwei Dörfer, Erbendorf und Großmitweida, gestanden haben. Man sah daselbst noch Brandstätten und Ackerbeete.
636. Die wüste Mark Eibendorf.
(Nach einer Mitteilung des Cantors F. A. Türke.)
Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kennen die meisten Waldarbeiter noch einen Ort im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das im dreißigjährigen Kriege zerstört worden sein soll.
637. Die wüste Mark Nennigkau.
(Dr. Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 95.)
Eine Ortschaft soll einst in der Nennigkau gelegen haben. Dieselbe wird von dem Nennig- oder Kretschmarbache durchflossen, welcher im Thesenwalde entspringt und bei der Nennigmühle in die Flöha mündet.
638. Wüstungen bei Bärenstein.
(Dr. Herzog, Archiv für sächsische Geschichte, 2. B., S. 71 u. 76.)
Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und Johnsbach lag einst das Dorf Greifenbach, und ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dörfchens Elend, welches im 30jährigen Kriege zerstört wurde.
639. Wüstungen bei Freiberg und Öderan.
(Dr. Herzog a. a. O., S. 60, 86 u. 97.)
Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das Dorf Kuhren stand.
Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)
640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.
(Dr. Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.
II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.
III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme als Decem gehalten haben.
641. Die Wüstung Sahnau.
(Dr. Herzog a. a. O., S. 109.)
In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.
642 Die Wüstung Rappendorf.
(Dr. Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)
In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen gefunden.
643. Die Wüstung Boberau.
(Herzog a. a. O., S. 64.)
An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.
644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.
(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)
Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.
645. Die wüste Mark Warnsdorf.
(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 174)
In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.
646. Die ehemalige Burg Sohra.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)
Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.
647. Alt-Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)
Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.
Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.
648. Die Grillenburg.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und Dörfer, 1727, II, S. 287.)
Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich gestatten würde.
Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht, sie lauteten:
I. »Meines lieben Bruders kläglich End, Der schwere Eingang zum Regiment, Groß Widerwärtigkeit und Gefahr Mir schwere Sorg und Müh gebahr. Zu vertreiben solch Fantasey, Fieng ich diß neu Gebäu, Die Grüllen-Burg ichs davon nennt, In einem Jahr wurds gar vollend. II. Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen, Da baut Hertzog August zu Sachsen In einem Jahr diß Jagd-Haus behend, Welches er die Grüllen-Burg nennt, Vor schwerer Sorg und Gedanken, Die ihm oblagen und bedrangten, Und richtets an zur Lust und Freud, Drum wird man hier der Grüllen queit. III. Ich bin genannt die Grüllenburg, Darauf geschieht gar mancher Schlurg, Gedanken und schwere Fantasey, Legt man auf diesem Hause bey; Gegen Hasen, Hirsch und Schwein Vertreibt man hier die Zeit allein. Wer nun hat Grüllen und Mücken, Der lasse sie hinter sich zurücken.«
649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.
(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)
Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.
650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.
(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)
Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.
651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.
(Moller, Theatrum Freib. Chron. II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)
Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.
652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.
(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)
Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.
Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt erhoben wurde.
653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.
(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)
Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche Amtsgericht befindet.
Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.
Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige Stadt Kirchberg.
654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.
(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)
Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.
Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.
655. Der Peststein bei Rauenstein.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)
Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.
656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.
(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)
Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:
Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.
657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)
In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.
658. Zeichen auf dem Katzensteine.
(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)
Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.
Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.
659. Die zwei Messer zu Eibenstock.
(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)
Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.
660. Das Steinkreuz bei Schlettau.
(Mündlich.)
An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein schwedischer Offizier begraben wurde.
661. Das Steinkreuz bei Werda.
(Mündlich.)
In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.
662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)
Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des Hirten.
663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.
(Mündlich.)
Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.
664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.
(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)
An der alten Frühbußer Straße, welche sich zwischen Eibenstock und Wildenthal in der Nähe der Waldschenke von der Chaussee abzweigt, steht ungefähr 400 Schritte von genannter Schenke entfernt im Walde ein alter Stein mit eingehauenem schwarzen Kreuze. Anno 1799 ist an dieser Stelle ein Fuhrmann, welcher von Karlsfeld kommend, nachts mit seinem Fuhrwerk auf dieser Straße fuhr, von dem Hausknechte des Gasthofes zu Karlsfeld ermordet worden. Der Fuhrmann ließ sich gegen Abend vom Wirte des genannten Gasthofes für Silbergeld neue Kupfermünze geben. Dies sahe der Hausknecht, welcher jedoch das glänzende Kupfergeld für Goldstücke hielt. Ihn gelüstete nach denselben, und er ging deshalb, als der Fuhrmann bereits ein gutes Stück fort war, demselben nach, ermordete ihn und nahm ihm die vermeintlichen Goldstücke ab. Zur Erinnerung an diese That ist der Stein gesetzt worden.
665. Der Denkstein in Fürstenwalde.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit u. s. w., 1845, S. 321.)
Auf Gotthelf Tittels Gute in Fürstenwalde steht ein Denkmal mit der Bezeichnung G. D. und einer Schneiderschere, nebst der Jahreszahl 1622. Einer Tradition zufolge ist dort im besagten Jahre ein aus Rudolphsdorf gebürtiger Schneidergeselle auf seiner Rückkehr aus der Fremde von einem Fleischerburschen ermordet, später in einem Reisighaufen versteckt aufgefunden und von Jakob Tittel hereingefahren und in Fürstenwalde beerdigt worden.
666. Drei Steinkreuze bei Lößnitz.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, 2. Teil, 1777, S. 10.)
Vor dem Schneeberger Thore in Lößnitz lagen ehemals drei Kreuze aus Sandstein; auf zweien derselben sahe man deutlich ein eingehauenes Kreuz. Man erzählte, daß diese Kreuze als Denkmäler einer Mordthat hingesetzt worden seien, indem sich in alten Zeiten daselbst Fleischerknechte totgeschlagen hätten.
667. Das steinerne Kreuz vor der Johanniskirche in Chemnitz.
(Ad. Daniel Richter, Chronica der Stadt Chemnitz, I. 1767, S. 35.)
Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.
668. Die drei Kreuze bei Brand.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)
Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen, die drei Kreuze errichten lassen.
669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.
(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)
An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen knüpft sich folgende Sage:
Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.
670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.
(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 63.)
Am südwestlichen Ende von Schmiedeberg, unweit des jetzigen Wirtshauses »Zum letzten Pfennig«, stand in alter Zeit eine Schenke, in welcher es oft sehr lustig herging. So auch einst an einem Sonntage, als ein schweres Gewitter heraufzog. Der immer näher erschallende Donner, wie der ganz verdunkelte Himmel mahnten zur Einstellung der Lustbarkeiten. Man achtete jedoch nicht auf diese drohenden Zeichen; die Ausbrüche wilder Lust verdoppelten sich vielmehr, die Musik begann ein munteres Tanzstück zu spielen und unter Lärmen und Johlen drehten sich die Paare im Kreise. Diesem frevelhaften Treiben konnte die Strafe des Himmels nicht ausbleiben. Das Unwetter hatte seine ganze Macht entfesselt, Blitze über Blitze durchzuckten grell das Halbdunkel und das betäubende Krachen des Donners vermischte sich mit dem Brausen des wütenden Sturmes. Den tollen Wirtshausjubel unterbrach plötzlich ein fürchterlicher Schlag, alle Gegenstände ringsum wurden eine Sekunde lang sonnenhell beleuchtet und dann von dichter Finsternis umfaßt. Ein mächtiger Blitzstrahl hatte die Schenke getroffen und die Erde zu einem gräßlich gähnenden Spalt geöffnet, in welchem das Gebäude samt allen darin Anwesenden spurlos versank. – An der Stelle, wo die Schenke stand, wurde später als Wahrzeichen ein rot angestrichenes Kreuz errichtet. Dieses ist zwar auch schon längst verschwunden, der Name »Beim roten Kreuz« jedoch bis heute geblieben.
671. Das Kreuz in Böhmisch-Moldau.
(Mündlich.)
Im Dorfe Moldau erblickt man auf einer steil ansteigenden Höhe am rechten Ufer des Muldenbaches ein hohes Kreuz. Daselbst soll ein Mann mit schwerbeladenem Wagen herabgestürzt sein, ohne daß weder er noch seine Pferde Schaden genommen haben.
672. Der Stein mit dem Kreuze in Bärenwalde.
(Mitgeteilt vom Sem. Müller aus Bärenwalde.)
In Bärenwalde liegt am Berge, wo die Straße vorüberführt, ein großer Stein, in welchem man ein kleines eingemeißeltes Kreuz sieht. Die Sage erzählt davon, es seien an der Stelle einst bei einem heftigen Gewitter zwei Bettelknaben vorübergegangen. Als es heftig donnerte, spotteten sie in gottloser Weise und der eine sprach: »Dort oben fährt der liebe Gott mit dem Schubkarren herum!« Kaum aber hatte er diese Worte gesagt, so erschlug ihn ein niederfahrender Blitz. Der Knabe wurde darauf an dem Orte begraben, und zur Erinnerung an diese Begebenheit meißelte man ein Kreuz in den großen Stein, der bereits an dem Platze gelegen hatte, wo dies geschehen war.
673. Das Arnodenkmal bei Klaffenbach.
(Chemnitzer Landbote, 1881, No. 34, Beilage. Flathe, Die Vorzeit des sächs. Volkes in Schilderungen aus den Quellenschriftstellern, 1860, S. 3.)
Wenn man von der an der Chemnitz-Annaberger Straße gelegenen Bergschenke nahe dem Dorfe Klaffenbach hinabwandert, so gelangt man sehr bald an ein auf einer Wiese des Gutsbesitzers August Bachmann stehendes uraltes, steinernes Kreuz, auf dessen einer Seite ein Schwert eingegraben ist. Hier soll Arno, Bischof der heiligen Kirche zu Würzburg, den Tod eines Blutzeugen erlitten haben. Als er nämlich, heimkehrend von einem Zuge gegen die Böhmen, an der Landstraße gegen Mitternacht in seinem Zelte, das er auf einem Hügel hatte aufschlagen lassen, Messe las, ward er plötzlich von einer feindlichen Schar ringsum eingeschlossen. Nachdem er darauf alle seine Gefährten in den Märtyrertod vorausgesandt hatte, brachte er sich zuletzt selbst dem Herrn dar an der Stelle, wo noch heutzutage brennende Lichter erblickt werden; daß aber diese die heiligen Blutzeugen sind, bezweifeln selbst die Slaven nicht. Dies war im Jahre 892, zur Zeit des Kaisers Arnulf geschehen.
Über den Namen des Dorfes Klaffenbach s. S. 7.
674. Die Marterlinde in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., 246.)
In Dorfchemnitz steht eine Linde, welche den Namen Marterlinde führt. Dieselbe wurde an der Stelle einer alten, welche sehr stark und zerspalten war, gepflanzt, und soll den Platz bezeichnen, wo ein Mensch verbrannt worden ist und viele Martern ausgestanden hat.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Name »Marterlinde« von einem Kruzifix, welches zur Zeit des Katholizismus daselbst gestanden hat, herrührt. – Erwähnt mag noch werden, daß Albert Schiffner hier den Platz vermutet, an welchem 892 die Ermordung des Bischofs Arno von Würzburg durch die Sorben geschah. (Archiv für sächs. Gesch. 2. S. 175.) Es wird in dieser Beziehung auf die Vorbemerkungen zu den Göttersagen und auf die vorhergehende Sage verwiesen.
675. Von einem Zweikampfe in Dorfchemnitz bei Sayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 246.)
In einem Garten in Dorfchemnitz stand vor Jahren ein Denkmal von Sandstein. Dasselbe bezeichnete die Stelle, wo sich einmal zwei Fleischergesellen (andere sagen, es wären Müller gewesen) mit Beilen gehauen haben, so daß beide gestorben sind.
676. Das Marienbild in Maria-Kulm.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 170.)
Ein Fleischhauer aus Falkenau fand einst auf dem bewaldeten und unbewohnten Kulmerberge, noch ehe daselbst das Kloster gestiftet wurde, in einer Haselstaude ein Marienbild, und er errichtete darüber ein Bretterdach, an dessen Stelle später eine Kapelle entstand. Auch wird erzählt, daß sich nachher in den umliegenden Berggruben eine Räuberbande niedergelassen und die Gegend durch Raub und Mord unsicher gemacht habe, bis die Unholde durch ein Damenbrett, das ein Ritter aus Falkenau gelegentlich eines Besuches zu Katzengrün in der Kapelle auf dem Kulmerberge vergessen hatte, entdeckt, eingefangen und dem Strafgerichte in Eger übergeben wurden.
677. Das Zedelsbild in Weidmannsruhe.
(Köhler, Volksbrauch etc., S. 622.)
Über der Thür des Försterhauses in Weidmannsruhe bei Neudeck und Fraureuth in der Werdauer Staatswaldung befindet sich eine hölzerne Tafel mit geschnitzter weiblicher Figur, die einen Kranz in der Hand hält und folgende Umschrift hat:
»Das Zedels-Bild bin ich genannt Die löbliche Jägerei bin ich wol bekannt Sie komen her zu mir Und suchen auf dem Abschied Der Wölfe ihr Quartir Drincke auch gehrne gutes Bir Anno 1695.«
An den unteren Ecken zu beiden Seiten des Bildes ist Gebüsch gemalt, aus welchem Wölfe und ein Jäger vorragen. Wahrscheinlich ist das Bild ein altes Wirtshausschild, aus der Zeit herrührend, wo die letzten Wölfe in dieser Gegend erlegt wurden. Erzählt wird, daß das Bild früher etwas weiter im Walde angebracht war und daß es die Stelle bezeichnete, wo ein Mädchen von Wölfen zerrissen wurde.
678. Das Schnitzwerk in der Kirche zu Neumark.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtl., S. 608.)
Dasselbe befand sich ehedem am herrschaftlichen Chore und soll von dem Diener eines Herrn von Römer ausgeführt worden sein. Über die Entstehung dieser Schnitzerei wird folgendes erzählt: Der Künstler sollte aufs Zuchthaus kommen; da bat er sich die Gnade aus, vorher diese Arbeit ausführen zu dürfen. Man gestattete es ihm, aber er soll seine Arbeit nicht vollendet haben, so daß er dem erhaltenen Worte gemäß niemals jene Strafe verbüßte.
679. Die Walfischrippen in Zwota.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 621.)
In dem Dorfe Zwota bei Klingenthal waren vor mehreren Jahren am Wege zwei sogenannte Walfischrippen, eigentlich Unterkiefern des Walfisches, zu einem Bogen zusammengestellt; später lagen dieselben in einem Garten des genannten Ortes. Dieselben sollen früher an dem jetzt eingegangenen Hammerwerke, welches nach der Überlieferung des Volkes das feinste und zäheste Eisen im Vogtlande herstellte, gestanden haben, und es wird erzählt, daß ehemals selbst aus den Seestädten Fuhrleute nach dem Hammer kamen, um das weit und breit geschätzte Eisen zu holen. Von solchen Fuhrleuten sollen die genannten »Walfischrippen« mitgebracht worden sein.
680. Ein Eber wühlt bei der »alten Zelle« bei Nossen zwei Glocken aus.
(Alfr. Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 7.)
Die große Glocke zu Marbach bei Nossen und die der Frauenkirche zu Dresden sollen von einem angeschossenen Eber in seinem verzweifelten Todeskampfe bei der »alten Zelle« im Zellwalde ausgewühlt worden sein.
681. Eine Glocke der Lungwitzer Kirche ist von einer wilden Sau ausgewühlt worden.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, S. Martin genanndt, was man merkwürdiges von alters her, von mehr denn 200 biß 300 Jahren a) wegen der Kirchen, b) wegen des Thurms und c) wegen derer Glocken gefunden, und von mir dem dasigen Schulmeister besage derer Kirchen Bücher allhier aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)
Etliche sagen, es hätte bei Hohenstein von der Hüttenmühle am Grunde an dem Bächel hinauf ein Dorf gestanden, etliche wieder sagen, es wäre ein Städtchen mit Namen Kirchberg gewesen, und die Einwohner dieses Ortes hätten ein böses Geschrei gehabt und des sündigen Wesens so hoch getrieben, daß Gottes Strafe über sie ergangen und der Ort versunken wäre. Nach dieser Zeit sollen zwei Viehhirten ohnweit des ehemaligen Ortes Kirchberg ihr Vieh gehütet haben, und solche hätten wahrgenommen, daß eine wilde Sau zwei Glocken ausgewühlt hätte, davon der eine gesagt. »Diese Glocke will ich der Lungwitzer Kirche verehrt haben.« Der andere habe gesprochen: »Das laß ich wohl bleiben; ich will mit meiner Glocke mir etwas zu gute thun und wohlleben.« Darauf wäre solche Glocke wieder in die Erde gegangen und versunken. Und die allerältesten Männer haben erzählt und auch noch bekräftiget, daß sie es von ihren Vätern und Großvätern gehöret, wie die von dem einen Viehhirten gefundene Glocke hernach nach Lungwitz gebracht worden wäre. Sogar geben sie nach ihrer Einfalt vor, wenn diese Glocke geläutet würde, sie gleichsam taktweise ihren Klang hätte.
»Baum maum Kirchberg, Kirchberg ist mein Vaterland, Da mich die wilde Sau umwandt«.
Über die Wüstung Kirchberg s. auch No. 640.
682. Die Glocke von Jahnsgrün.
(Mitgeteilt vom Sem. Andrä aus Schneeberg.)
Da, wo jetzt von Wald umgeben der kleine Weiler Jahnsgrün bei Bärenwalde liegt, soll ein größeres Dorf mit demselben Namen gelegen haben. Dasselbe ist einst, man weiß nicht mehr auf welche Weise, untergegangen und es ist von ihm nichts weiter aufgefunden worden, als eine Glocke, welche eine wilde Sau aus dem moorigen Boden wühlte. Diese Glocke soll noch jetzt auf dem Kirchturme zu Bärenwalde hängen. Man hat über die Begebenheit folgendes Volkslied: