Rhodos.
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Lage, Himmel, Volkszahl.
Diese einst der Sonne geweihte Insel der Rosen, nach Kandia die größte des griechischen Archipels und die berühmteste der Sporaden, erstreckt sich von Nordwest nach Südost in die Länge, und erhebt den Atabyris (Artamit) zum höchsten Berge. Die Fruchtbarkeit des Eilandes auf dem glücklichen Erdstriche sucht Ihresgleichen. Der Himmel in Syrakus und Rhodos, rühmte schon Plinius, wird nie so bewölkt, daß die Sonne nicht an einer Stunde des Tages herabblicke. In die Sommerhitze fächeln unermüdliche Winde angenehme Kühlung, und milde fließt der Winter dahin. Der gegenwärtige aber war ein wenig strenger: selbst das Wasser wurde von Eis überschossen, was freilich mit außerordentlicher Seltenheit sich ereignet. Jedoch begrüßten mich auf einem Spaziergange im Freien die Auen im schweizerischen Maiengewande. In Jaffa, wo zwar die Blöker auch in der kältesten Zeit graseten, ward das Grün durch den Frost ein wenig erschreckt und bleich. Hier, vier Grade weiter gegen Norden, scheint es minder gelitten zu haben.
Die Bewohner des Eilandes theilen sich, wie der Sohn des österreichischen Konsuls in Rhodos, des Herrn Josef Anton Giulianich, mir bezeugte, in beiläufig 26,000 Griechen, 11,000 Türken und 2000 Juden. Gering sind an der Zahl die Lateiner, noch viel geringer die Protestanten. Man darf gar nicht zweifeln, daß die Insel eine weit größere Bevölkerung ertragen würde, wäre der Boden besser angebaut. Sie wird von einem türkischen Pascha regiert. Griechen beklagen den jetzigen als einen Wütherich.
Die Stadt Rhodos.
Kaum war ich angelandet, als ich einen Scioten traf, der mir in einem Athem seine Schicksale, seine Leiden schilderte. Leidensgefährten leihen einander gerne das Ohr. Er erzählte, daß er, den 5. Christmonat des vergangenen Jahres von Beirut abgereist, wegen der entsetzlichen Stürme erst vor acht Tagen hier anlangte. So schlimm diese Nachricht an und für sich lautete, so sehr durfte ich nun froh sein, daß ich über das böse Wetter in Jaffa verblieb. Ich war doch auf festem Boden und unter trockenem Obdache, und, wenn man so sagen will, auch bei trockenen Mönchen.
Rhodos sprach mich sogleich freundlich an. Ich brachte Gott meinen Dank dar, daß ich den häßlichen Städten Palästinens entronnen war. Die Stadt nebst den einen Büchsenschuß abliegenden, städtisch gebauten Dörfern ist von nicht ganz unbedeutender Größe, und steht dem Umfange nach dem schweizerischen St. Gallen nicht nach.
Die Häuser, mit meistens platten Dächern, sind ziemlich hoch, ihre Mauern gerade, davon manche mit Kalk übertüncht. Die Vorderseite vieler Wohnungen, gleich über den Pforten, schmücken die Wappen der alten Johanniter. Man freut sich hier ordentlich wieder der Glasfenster, von denen Wohnlichkeit entgegenglänzt. Die Kamine ragen als kleine Thürmchen hinauf, die eine Pyramidenspitze und auf dieser etwas Spießartiges tragen. Mehr, als neun runde, dünne Moscheethürme steigen empor, und, Abends beleuchtet, goßen sie goldene Säulen über den schwarzen Wasserspiegel des Hafens bis zum — vergangenen Riesenbilde.
Anmerkung. Bekanntlich soll als eines von den sieben Wundern der alten Welt eine eherne Riesensäule des Helios Phöbus am Eingange des Hafens gestanden und als Leuchtthurm gedient haben. Dieser Koloß, woher die Rhodier Kolosser genannt wurden, war nach Plinius siebenzig, nach Andern achtzig Ellen hoch; allein sechsundfünfzig Jahre nach der Aufstellung des Riesen stürzte der Stolz menschlicher Unternehmungen durch ein Erdbeben zusammen. So baut der Mensch mit Zuversicht in die Gegenwart, damit die Nachwelt staune, doch weniger über seine größten Werke, als vielmehr über das Wunder, womit eine andere Hand, als die seinige die Zukunft leitet. Noch die Trümmer wurden bewundert. Wenige vermochten den Daumen des Riesenbildes mit den Armen zu umspannen. Die Trümmer blieben bis zum Jahre 656 n. Chr., da sie an einen jüdischen Handelsmann verkauft wurden, welcher damit neunhundert Kameele belud.
Die Gassen sind enge und krumm. Ueber denselben wölbt sich an manchen Stellen von einer Häuserreihe zur andern eine schmale Bogenbrücke, jene zu verbinden, und so eher den Schaden der Erdbeben zu verhüten, die, wie sie in den alten Zeiten, z. B. beim Sturze der Riesensäule, ihre Stärke durch Verheerungen ankündigten, so bis auf den heutigen Tag von den Rhodiern gefürchtet werden.
Der Kai ergötzte mich mit seinem feinen Straßenpflaster, das überhaupt in der Stadt sehr schön ist, selbst mit seinen wohlgemeinten Zierereien nicht überall in den Hauptstädten Europens Nebenbuhler findet. Es drängt sich das schneidende Gegentheil auf: In Syrien die elendesten Gassen, in Rhodos reine und zierliche. Die Pflaster sind wohl eine der Hauptzierden und ein Ehrenpunkt bei den Rhodiern. Man betritt sogar hübsch gepflasterte Landwege. Man hat Ursache, das Lob, das Salomo Schweigger vor drittehalb Jahrhunderten dem Pflaster spendete, vollkommen zu bestätigen. Die Bassar sind schön, gewiß schöner, als viele der unsrigen, aber nicht sehr belebt. In einigen Gassen frohlockt als ein Siegeszeichen der Christenfeinde eine Gruppe sehr großer Steinkugeln, die von den türkischen Erobern hereingeschleudert worden.
Die Stadt wird von einer mehrfachen Mauer und einem doppelten Wallgraben umzingelt. An den sehr starken Thoren, wie an andern Theilen des Festungswerkes, sind die Spuren der alten christlichen Machthaber, der Johanniter-Ritter, noch nicht ausgelöscht. So erblickt man über den Thoren Kreuze, welche den Verehrern des Halbmondes wenig Anstößiges darzubieten schienen. Wie bald würden manche Christen Mond und Sterne zerstören, sobald sie ein Mond- und Sternland unter ihre Botmäßigkeit gebracht hätten. Ich sah über einem Thore, selbst in halb erhabener Arbeit, das Bild eines Mannes, wenn ich nicht irre, des Apostels Paulus. Ich verwunderte mich um so lebhafter darüber, als bekanntlich sonst der Islam die Erzeugnisse der bildenden Künste nicht duldet.
In und bei der Stadt bewegen sich mehrere Windmühlen; eine neben einer großen, in den Felsen geteuften uralten Zisterne.
Das Leichenfeld.
Rings um die Stadt von Meer zu Meer streicht der Leichenacker. Den Leichen räumen die Mohammetaner ungemein viel Feld ein, weil sie ungerne ein altes Grab ruhestörerisch aufzubrechen scheinen. Das steppenartige Weichbild bewirkt daher wegen der vielen Steine einen unangenehmen Eindruck. Es würde dieser allenfalls leidlich gemildert, wenn die Grabsteine, wie die Gebäude, zu Rathe gehalten und vom Zerfalle gerettet würden; allein deswillen ladet man keine Sorge sich auf. Der eine Leichenstein steht gerade aufrecht und schön erhalten mit einem wohlausgehauenen und hohen Turbane, der andere ist halb, der dritte ganz umgestürzt, ein vierter zertrümmert, und zwischen den in frommer Erinnerung an die Verstorbenen gesetzten Zeichen lockt wucherndes Gras das Vieh zur Weidung daher. Soll in der wilden Zerfallenheit der Grabmäler etwa das Sinnbild sich abspiegeln, daß eben noch hinfälliger und vergänglicher die Hülle des Menschen sei, als der fallende und zerbrechliche Stein? Eine solche Betrachtung dürfte indessen über dem Gesichtskreise des gemeinen Muselmannes hinausliegen. Auch die Kinder, mehr oder minder der Wiederhall der Erwachsenen, beweisen, wie wenig man sich um die Leichensteine bekümmere. Zwei Buben warfen nach einem Ziele, und dieses war ein Turban auf dem Grabe. Es wäre schade, wenn die Menschen nicht stürben; sonst könnten die Rosse nicht nach Lust in den Todtenkammern zu Alexandrien ein Freudenlied wiehern, noch die Rhodier-Buben die Turbane der Gräber zur Zielscheibe der Vergnügungen nehmen.
Im Uebrigen wird in Rhodos für die Stiftung von Grabmälern weit mehr gethan, als in Jaffa, von dessen Leichenacker man das Auge am liebsten wegwendet, weil es darin vergebens sich erbauen würde; in Joppe sogar zerschneidet die Grabhügel ein Weg, als ein gepflasterter da, wo Denksteine mit Füßen getreten werden. In Rhodos gibt es auch, mitten im großen Leichenfelde, mehrere kleinere Leichenhöfe, in deren Einfangsmauer an der Außenseite dreieckige Ziegelbröckchen eingesprengt sind.
Das heilige Feld (Campo Santo) erhält das Andenken der einst für den Schiffsbau im Dienste des Großherrn gestandenen Schweden.
Die Bewohner; das lateinische Hospiz; ein Knabenspiel; große Hähne.
Die Bewohner zeichnen sich durch Schönheit aus. Ich begegnete auffallend hübschen Frauenzimmern. Die Griechinnen verschleierten sich vor mir nicht; sie sollen sich jedoch vor dem Mohammetaner verhüllen. Es mag ersprießlich sein, daß die Schwärmerei den Gesichtsschleier befängt. Hinwieder sind die Türkinnen um kein Haar besser. Ich ging durch eine Gasse, worin mohammetanische Weiber einen kleinen Kreis, wie es schien, zu Disputirübungen bildeten; ein großer Knabe daneben ergriff ängstlich und lärmend sogleich den Schleier eines Weibes, um dessen Gesicht vor mir zu verbergen. Ich brach in Lachen aus, und kehrte den närrischen Leuten den Rücken. In der höflichern Manier ist der Rücken der abendländische Schleier des Gesichtes.
Nunmehr in dem Lande, wo der Sultan unmittelbarer herrscht, durchmusterte ich mit Verwunderung die Kleidung des Militärs. Sieht man einen Theil desselben, so glaubt man sich kaum mehr unter den Türken. Auch gibt es, außer den Kriegsleuten, nicht wenig fränkisch gekleidete Personen, und da ich in Syrien von den Weltneuigkeiten beinahe ganz abgeschieden war, so lebte ich gleichsam neu auf, als ich wieder so Manches erfuhr; denn Rhodos zählt immer eine beträchtliche Anzahl Schiffe in seinen Häfen, weil es die Straße von Konstantinopel und Smyrna nach Alexandrien und aufwärts nach der ganzen Küste bis hin zu dem gegenüber Himmel und Meer trennenden Streifen Natoliens berührt, und weil viele Schiffe vor der Insel sich mit frischem Mundvorrathe versehen, letzteres um so gewisser, als die Lebensmittel in sehr billigem Preise stehen. Ich bekam für zwei Kreuzer so viel Pomeranzen, daß ich geflissentlich kleinere auslas, um sie in den Taschen bequem tragen zu können. Eine kleine Maß (Ocke) vortrefflicher Wein kostet sechs Kreuzer R. W. Leute, wie die Bewohner dieses Landes, die sich besser ausfinden, wissen ihn noch um die Hälfte wohlfeiler zu kaufen. Eine Ocke Honig kostet sechszig bis achtzig Para (12 bis 16 Kreuzer). Nur das Brot ist theuer und schlecht; denn der Pascha, welcher sich mit Alleinhandel befaßt, zog die Bäckereien an sich. Sollte man etwa bedauern, daß nicht auch die höhern und edlern Güter des Menschen in den Bereich des Handels, des Alleinhandels fallen? Gewaltige der Erde fänden doch eine viel mächtigere Quelle zu Vermehrung ihrer Schätze, und ohne Widerrede wäre es für einzelne Begüterte ein herrlicher Gewinn, wenn sie auf dem Ruhepolster das, worüber sie noch nicht verfügten, nämlich einen hellern Verstand und ein lautereres Gemüth, durch Geld sich aneignen könnten.
Die Konsuln wohnen in einem griechischen Dorfe gegen West außerhalb der Stadt. In demselben besitzen die Lateiner auch ein Hospiz, welches von zwei Patres bedient wird. Die lateinische Gemeinde ist etwa 120 Seelen stark. Der eine Pater, ein gar freundlicher und gefälliger Mann, zeigte mir in der Kirche ein Frauenbild von gehauenem und gemaltem Marmor, welches sehr alt sein soll. Der Pater erzählte: In einem Grundstücke des Eilandes ward von einem Sklaven umgegraben. Da vernahm dieser eine Stimme: „Laß mich gehen.“ Als er tiefer drang, stieß er auf etwas Hartes, und siehe, es war ein Frauenbild, ein sehr wunderthätiges (molto miracolosa).
Griechische Knaben belustigten sich, indem sie unter scherzenden Bewegungen über den Weg sangen, und türkische —, indem sie spielten. Diese übten sich in einem Spiele, welches einem in der Schweiz unter verschiedenen Namen bekannten durchaus ähnelt. Ein Knabe stellt sich vorne, der andere hinten. Der vordere setzt ein Pflöckchen vor eine Grube, in welche er ein kleines Stäbchen steckt. Treibt er dieses nach vornen und aufwärts, so fliegt das von ihm getroffene Pflöckchen gegen den hintern Knaben. Wenn der letztere mit der Hand das noch fliegende Pflöckchen erhaschen kann, so ist der vordere besiegt, und beide wechseln ihre Rollen; wo nicht, so wirft der hintere nach der Grube. Bleibt das Pflöckchen in einer gewissen Nähe von derselben liegen, so ist es Gewinn; kommt es nicht nahe genug, so schlägt der vordere Knabe mit einem Stäbchen darauf, damit es aufhüpfe, und damit er es sodann im Fluge — fortschlage. Fliegt das Pflöckchen jetzt nur so weit, daß der hintere Knabe die Grube von jenem an erspringen kann, so ist er verloren, sonst aber nicht. Gleichermaßen darf der vordere Knabe nur bestimmte Male auf das Pflöckchen schlagen, um es flügge zu machen. Schlägt er diese Male erfolglos, so ist er überwunden. Ich möchte den Alterthumsforscher mit nichten tadeln, wenn er sogar Staub und Moder ausbeutet; er darf aber auch mir nicht verargen, wenn ich in manchen Kinderspielen nichts minder, als Kinderspiele für den Freund der alten Welt erblicke. Ueberlieferungen von Munde zu Munde können sich so rein bewahren, als Ueberbleibsel von Werken der Menschenhand.
Es würde der, im Vergleiche selbst mit palästinischen, auffallend großen Hähne keine Erwähnung geschehen, wenn nicht schon die Alten die großen und streithaften Hähne von Rhodos gepriesen hätten.
Der Abend im Schiffsraume.
Man führte mich in ein jüdisches Haus, wo ein ausnehmend guter Wein ausgeschenkt werde. Ich kaufte einen großen Krug mit herrlichem rothen Rhodier.
Der Rhodier-Wein, zu meinen Füßen gestellt, schwänkt mir den Zwieback. Der Krug mahnt mich an die Weinkrüge, welche untreue Weiber oder Mägde in irgend einen Winkel verbergen, um daraus gelegentlich Muth zu Verblendung der Männer oder Meister zu schöpfen. Ich sitze auf Wrack, einer niedrigen Windenscheibe, die mit einem großen Damenbrete ausgemalt war. Unter mir breitet sich ein Strohteppich aus, neben mir das Bett mit einer Pomeranze darauf, damit sie den Wein mir kühle, — dann meine Habseligkeiten, vor allen der Spender des Segens, der Brotkorb. Gegenüber lagert der unsäuberliche Jude mit einem Graubarte, der schmutzig auf die Brust herunterkräuselt. Nahe über ihm steht eine Katze, deren Augen von der Begierde nach Beute glänzen. Würde der lauernde Vierfüßer ein wenig abwärts gerückt sein, — der Judenkopf wäre das segelnde Schiff unter der ehernen Riesensäule der — Katze gewesen. Der Mann des Hebrons schläft fest und schnarcht, daß die Nasenflügel zittern wie Espenlaub. Vielleicht hörte das hebräische Schnarchen selbst der Maure, welcher, voll Freude über das eingetretene mohammetanische Jubelfest (das große Beiram), in der Stadt sich gütlich that, und einmal eine ganze Nacht im Kaffeehause zubrachte. So hängt man gemeinhin an die Fasten ein Gegengewicht: Man enthält sich kürzer oder länger, mehr oder minder der Speisen und Getränke, man sammelt die Eßlust, und man leert nach der Hand um so leckerer größere Schüsseln und Becher. Bloß drei Fuß über der Schiffsladung von Sesam hängt vom Verdecke ein Laternchen herunter, welches die Höhle erleuchtet.
All’ diese Armseligkeiten betrachtend, bin ich doch zufrieden, und nun blicke ich durch die Oeffnung des Verdeckes gen Himmel zu Gott empor, dem ich mit gerührter Seele meinen Dank für die goldene Gabe der Gesundheit darbringe. Sie war mehrmals auf der Neige, und ich lernte sie schätzen, die mich von so manchem Joche befreite; unbesorgt genieße ich jetzt die frische Luft der Nacht, die grünen Früchte des Südens und seine glühenden Weine.
Spaziergang gegen Trianda.
Mich gelüstete, eine griechische Dorfschaft in einiger Entfernung von der Stadt zu besehen. Ich erstieg zuerst den Hügel gleich über Rhodos; der Weg durchstach einmal einen Felsen. Jener soll heute Smiths Höhe heißen, weil der englische Admiral Sidney Smith auf demselben wohnte, ehe seine Flotte nach Egypten absegelte. Auf der Höhe eröffnet sich die köstliche Aussicht über die Stadt und einen Theil der Insel, auf andere Eiländer und an die Küste des alten Karien. Von den schneebedeckten, kühn in den blauen Aether tauchenden Ausläufern des Taurus schwang sich mein Gedanke beinahe unwillkührlich in die Gegend des Bodensees; denn das Meer, in engen Schranken zwischen Kleinasien und den Eiländern, glich einem See. Ich ging sofort eine Strecke weit auf dem Scheitel des Hügels, und lenkte dann rechts hinunter zum Meeresstrande, wo mir mehrere Marktleute mit Eseln und Maulthieren begegneten; Kameele traf ich nicht. Vor dem Siechenhause (casa dei leprosi) saßen einige Menschen, die bettelnd ihre Hand schüsselförmig hervorstreckten; eben ruhte auf ihren Gesichtern die erwärmende Sonne, von dem kalten Nordwinde sich erholend. Eine starke Stunde im Westen von Rhodos liegt eine sehr weitläufig gebaute Dorfschaft mit fest gemauerten Häusern, die in Höfe eingesperrt sind. Eine Menge Oelbäume trägt dazu bei, daß die Häuser noch mehr in der Verborgenheit erscheinen. Die alte Stadt Rhodos soll in der bedeutenden Länge vom Vorgebirge Bovo, dem gleich nördlich die neue Stadt Rhodos sich anschließt, die nach Trianda sich ausgedehnt haben.
Die Männer auf dem Lande waren mit einem Turbane bedeckt. Die meisten von denjenigen, welche an mir vorübergingen, hatten eine wilde, unfreundliche Miene. Ein Mann, der viele Jahre auf der Insel verlebte, versicherte mich, daß die rhodischen Griechen durchaus wackere Leute seien, und daß man unter ihnen völlig sicher reise, bei Tag und Nacht, über Berg und Thal. Nach dem Aeussern würde ich in der That ein ungünstiges Urtheil gefällt haben. Damit nicht dem Irrthume der Fang gelinge, soll Niemand verkündigen, daß er Fische gefangen habe, sobald er die Schwere des Netzes in der Tiefe des trüben Wassers verspürt, sondern erst dann, wenn er die Fische fühlt oder sieht.
Auf dem Rückwege, immer am Meere vorbei, hörte ich, seit ich Triest verlassen habe, wieder zum ersten Male einen Brunnen plätschern, zum ersten Male sah ich wieder den lautern Wasserstrahl mit den Perlen scherzen. Man nennt die Insel sehr reich an Brunnquellen, welche auf wohlthätige Weise in der wolkenlosen oder wolkenarmen Jahreszeit die Stelle des Regens übernehmen, um, durch die Hand des berechnenden Landmannes geleitet, das Feld zu berieseln und zu befruchten.
Nach Konstantinopel, Triest und heim.
Wir gingen am 20. Jenner schon unter Segel; allein ein heftiger Gegenwind jagte uns gegen die nun öden Feuerschlünde zurück, die zu Ehren des Beiram so laut gedonnert haben, er verbannte uns in den Hafen von Rhodos. Ich benützte diesmal die Zeit, meinen Reisepaß bei dem österreichischen Konsul, Herrn Giulianich, unterschreiben zu lassen. Die Hausfrau ist eine Deutsche, und mit einem innigen Vergnügen sprach ich wieder einmal mit deutscher Zunge. Die freundliche Aufnahme im Schoße einer europäisch gebildeten Familie erquickte mich wie ein Frühlingslüftchen.
Die Rückreise über Konstantinopel werde ich nicht ausführlich schildern. Die Sehnsucht nach dem Abendlande, wirkliche Reisesattheit, ungewöhnlich ungünstige Umstände machten mich nachlässiger im Beobachten und im Aufzeichnen des Beobachteten, obschon ich mein Tagebuch fortsetzte.
Am 24. Jenner steuerten wir endlich von Rhodos weg. Links erhoben sich die Sporaden, rechts bald das Vorgebirge Krio (Knidus der Alten) und linker Hand vorwärts die Insel Kos. Mit ehrfurchtsvollen Erinnerungen heftete ich auf dieselbe meinen Blick; denn Kos ist das Geburtsland von Hippokrates. An der Morgenseite spielte das Halbgrün der Weiden bis an den Gipfel des Berges in der Sonne, welche von Karien lieblich herüberleuchtete. Wie vor Jahrtausenden kreiset noch die gleiche Sonne, noch umschweben das gleiche Land die Lüfte, noch bespülen das gleiche die Fluthen des Meeres, ach, muß es denn unabänderlicher Wille sein, daß der gleiche Sterbliche dort nicht umherwandle, und lehre, wie Andere, gleich ihm, die Krone der Unsterblichkeit verdienen? Der Theil der Morgenseite, welcher, gegen Mitternacht, völlig in die Nähe trat, war unbewohnt. Als wir umbogen, kam die Stadt Kos zum Vorscheine, großartig in der Schminke der Ferne. Die Thürme trugen sich schlank über den Moscheedom, und die vielen weißen Landhäuser verliehen dem schönen Landschaftsbilde einen besondern Reiz. Nahe der Stadt belebten die Küste mehrere Windmühlen, auf welche das Schloß Putrun (das alte Halikarnaß) von Kleinasien herabschaute. Eben trieb ein Kahn die Meerstraße querein, schief in den Wind, gegen Kos. Ich beneidete die Leute in dem Fahrzeuge, in das ich hätte hinüberhüpfen mögen, um in die gefeierte Stadt der Aerzte zu wallfahrten; ich zürnte dem Winde, vor dem unsere Segel so bereitwillig sich blähten, damit mein Auge an dem Lande der Koer um so minder sich weiden könne. Es ist wohl verzeihlich, wenn ein Arzt, vor der Insel Kos vom Strome seiner Gefühle hingerissen, die Fesseln der Kürze in der Beschreibung ausnahmsweise abwirft.
Wir segelten vorüber an den Inseln Kalmino (Kalymna), Leros und Pathmos, Samos und Ikaria (Nikarie) nach Tschesme, wo ich mich mit dem Hauptmanne Bagsîno über die Mitfahrt nach Konstantinopel verständigte. Chios lag herrlich vor den Blicken und nahe; ringsum Ionier-Land. In Tschesme wechselte ich ein freundlich Wort mit dem wackern österreichischen Konsul. Ipsara, Metelino, (das alte Lesbos); das sigrische Vorgebirge doublirt; Blitz und Donner begleitete den Regen auf dem ägäischen Meere vor Tenedos (Bogdscha), gegenüber von Troas. Ich setzte meinen Fuß auf den Boden dieses Eilandes. Der thrazische Chersonesus gewährte wieder den ersten Anblick Europens; die Dardanellen (Hellespont), ihre Schlösser; die Flüsse Simois und Rhodius; Abydos und Gallipolis; wir ankerten vor dem asiatischen Dorfe Kamares, dem Lande der Mysier; dann schwamm unser Fahrzeug im Marmarameere (Propontis) an der Marmarainsel (Prokonnesus) vorüber. Donnerstags den 4. Hornung Morgens liefen wir beim Mondesscheine in den Bospor und, vorbei an Skutari, mit Tagesanbruch in den Hafen von Konstantinopel (Stambul). Einzig war das Schauspiel. In der großen Kaiserstadt, welche meine nicht geringen Erwartungen sogar überbot, weilte ich bis zum 17. Hornung. Auf dem Dampfschiffe reiste ich ab; der Olympus thronte vor den Augen; es entzückte mich die Fahrt längs des trojischen Feldes, vor dem Kap Baba (promontorium Lectum), neben dem Ida, zwischen Lesbos und Äolien; und deutlich sah ich die Stadt Metelino (Mitylene). Spät Abends den 18. Hornung erreichten wir den Hafen von Smyrna (Ismir). Mich durchströmte die seltene Freude, einen Landsmann, Herrn Sturzenegger von Trogen, so wie früher in Konstantinopel einen andern Schweizer-Bürger, Herrn Morelli, Handelsmann aus Bern, zu treffen.
Am 23. Hornung reisete ich am Bord der Brigg Macacco, Kapitän Radonicich, mit dem Sohne des österreichischen Konsuls in Rhodos von Smyrna ab. Das Ankertau hielt uns später im Meerbusen, dessen Hafen wir verlassen haben; wir fuhren durch die Seestraße von Chios; zwischen den Inseln Tino (Tenos) und Mykone, zwischen Syra (Syros) und Delos, zwischen Paros und Thermia (Cythnus), zwischen Serfo (Seriphus) und Sifanto (Siphnus); ein Sturm zwang uns zurück gegen Hydrea vor Argolis; vorwärts segelten wir dann gegen Cerigo — rechts das Gebiet der alten Spartaner, links die Cykladen — und vorüber am Kap St. Angelo (Vorgebirge Malea der alten Lakedemonier). Statt die Meerenge nach der Bucht von Kolokythia (Laconicus sinus) zwischen Lakonien und dem englischen Cerigo (Cythera) zu wählen, umsteuerten wir diese Insel; dort das Kap Matapan (tänarische Vorgebirge) und das Mainagebirge (Taygetus); die Küste von Messene (Navarin sehr deutlich); weiter Zante, Cephalonia, Santa Maura, Antipaxos und Paxos; durch die Straße der Insel Korfu und nahe der freundlichen Stadt gleichen Namens; zum letzten Male erblickte ich einen Moscheethurm im Epirus; wegen eines stürmischen Windes warfen wir die Anker aus im Hafen von Arcangelo der Dalmazier.
Dinstags den 15. Merz langte ich mit einem Herzen voll Wonne zu Triest an. Schon waren die Bäume auf dem Felde mit ihrem Blüthenstrauße geschmückt. Der jugendliche Lenz erwies mir die Gefälligkeit, das harte, vierzigtägige Gefängniß im Theresienlazarethe wenigstens einigermaßen zu lindern. Unbeschreibliche Freude athmete meine Brust, als ich mit dem neubesiegelten Freibriefe am 23. April aus der Quarantäneanstalt trat. Ich berührte einige Städte Oberitaliens, in denen die indische Cholera wüthete; in Tirol, von Meran bis Mals ging ich zu Fuß; am 1. und 2. Mai fuhr ich über Schnee, selbst am 3. noch im Schlitten, und am 4. schüttelte ich, im vollen Besitze der Gesundheit, zu Hause die Hand der Meinigen.
Anleitung zu der Pilgerfahrt nach Jerusalem.
Es würden vielleicht mehr Abendländer nach Palästina pilgern, wenn ihnen eine umfassende Anleitung zur Reise bekannt wäre. Ich will trachten, dieselbe so zu geben, daß ich eine Antwort auf Fragen über wesentliche Dinge nicht schuldig bleibe.
Was für polizeiliche Schriften werden erfordert? Um in der Türkei, in Syrien und Egypten zu reisen, bedarf man keines Passes der herrschenden Landesbehörde. Ein Reisepaß aus der Heimath genügt, sofern er von der Gesandtschaft desjenigen Staates beglaubigt ist, durch den man zu wandern vorhat. In der Türkei, in Syrien und Egypten wendet der Pilgrim sich an den Konsul, unter dessen Schutz er sich stellen will.
Wie versieht man sich am beßten in Beziehung auf die Geldangelegenheiten? Außer dem Reisescheine ist denn freilich der Nerv der Unternehmungen nöthig. Den Vorzug verdient ein Kreditschreiben oder auch, an dessen Statt, mehrere Wechsel an Handelshäuser der Hauptstädte, durch die man reiset. Es wäre aus einleuchtenden Gründen unrathsam, viel Geld mitzuschleppen. Bis an den Ort, wo man sich einschifft, weiß ein Jeder den Kurs des Geldes. Hier aber räth am beßten das Handelshaus, an welches man addressirt ist. Zu meiner Zeit kursirten in der Türkei, in Syrien und Egypten z. B. die levantischen Thaler (tallero, österreichische Münze am Werthe von beiläufig 2 Gl. 24 Kr. R. W.). Auch Goldmünzen gehen, als: die österreichischen und holländischen Dukaten, die venezianische Zechine. Das ist zuverlässig. Für Syrien nehme man bares Geld mit sich wegen der wenig häufigen Geldgeschäfte mit diesem Lande und wegen vorauszusehender Unannehmlichkeiten oder Schwierigkeiten, welche ein an ein syrisches Haus addressirtes Kreditschreiben oder Wechsel verursachen könnte. Bezieht man in Alexandrien oder sonst wo egyptische Münze, so läuft sie in Syrien; von Konstantinopel gehen dort wenigstens die Silbermünzen, z. B. die Beschlik (Fünfpiasterstücke). Faßt man die Sache fest und klar auf, so wird man nicht leicht in Geldverlegenheit gerathen. Ich, für meinen Theil, wählte am liebsten Goldmünzen, und verwahrte sie in einem Papiere so, daß sie weder bemerkt, noch bei einiger Vorsicht verloren werden konnten, noch auch im mindesten mich belästigten.
Mit welcher Sprache kommt man am beßten aus? Ich wiederhole, daß die italienische schon seit Jahrhunderten die herrschende unter den Franken im Morgenlande ist.
Welches ist der kürzeste und beßte Weg nach Jerusalem und wieder nach Hause zurück? Ich rathe, zuerst nach Marseille, Livorno oder Triest zu reisen. Letzterer Hafen dürfte der beachtenswertheste sein, weil die Gelegenheiten zur Abfahrt sich häufiger darbieten, wenigstens öfter, als in demjenigen von Livorno[12]. In Triest kann man manchmal schon am Tage der Ankunft auf einem Segelschiffe abreisen, und selten muß man nur eine Woche lang auf ein solches warten. Der gerade Weg führte allerdings nach Jaffa; allein hieher findet man, meines Wissens, keine, nach Beirut selten eine Gelegenheit, welche übrigens schon deswillen vorzüglicher wäre, weil man eine Quarantäne ersparen würde. Von Beirut nach Jaffa und umgekehrt sind in der regenfreien Zeit, nach Versicherung des Konsuls Damiani, die Gelegenheiten, wenigstens auf arabischen Fahrzeugen, häufig. Sonst schiffe man sich nach Alexandrien in Egypten ein. Es mag auch dem Umstande, daß man meist nur auf Umwegen zum Ziele gelangt, der seltene Besuch Jerusalems durch die Abendländer zugeschrieben werden. Der römische Hof, in manchen andern Dingen doch wohl über das Maß eifrig, thut nichts oder wenig zu stärkerer Bevölkerung der Hospizien im verheißenen Lande und zu Belebung der Wallfahrt nach dem wichtigsten Wallfahrtsorte, und sie könnte nur so leicht, zum mindesten alle Jahre einmal, auf eigene Rechnung ein Dampfschiff nach Jaffa ausrüsten, nachdem die Gläubigen vom Orte und von der Zeit der Abreise gehörig in Kenntniß gesetzt worden wären. Oder warum sorgt in unserm unternehmenden Zeitalter nicht eine Dampfschiffahrtsgesellschaft, wie diejenige in Triest, einmal für eine direkte Fahrt nach Jaffa? Wie angenehm müßte es für Manche sein, wenn sie, selbst in der Mitte Deutschlands, voraussagen könnten: In drei Wochen werde ich die Ostern in Jerusalem feiern. Von Alexandrien nach Jaffa legte ich den Seeweg zwar nicht zurück; allein nach einem Gewährsmanne, Failoni, segeln täglich arabische, zwar nicht reinliche, aber sichere Küstenfahrer dahin ab. Ich glaube auf das Wort; ich denke bloß hinzu: außer der Regenzeit, da der Himmel heller ist, und sollte noch ein heftiger Wind die Sicherheit bedrohen, so ersteuert der Küstenfahrer bald das Land. Als ich Failonis Angabe las, wurmten in mir zuerst manche Bedenklichkeiten; die Worte arabisch, Barke, Meer waren mir anstößig, und ich würde mich einem arabischen Seemanne mit Widerwillen und Besorgniß anvertraut haben: seit ich aber den nachgibigen Araber, die bedachtsame Küstenfahrt und die stillere, bessere Jahreszeit, theilweise aus eigener Erfahrung, kenne, so wollte ich mit einem arabischen Küstenfahrer unbedenklich reisen. — Von Jaffa erreicht man bald Jerusalem. Dann kehre man nach Jaffa zurück. Hier miethe man sich an Bord eines griechischen, nach Konstantinopel laufenden Schiffes. Von Stambul bis Wien wird das Boot vom Dampfe getrieben. Ich überlasse nun einem Jeglichen selbst, den Weg nach Hause zu suchen. An der türkisch-österreichischen Grenze währt die Quarantäne kürzere Zeit, als in Triest; auch soll sie nicht so theuer sein. Von Alexandrien nach Jaffa fährt man mit und ohne Dragoman, mit einem solchen schon darum angenehmer und bequemer, weil ihm zugleich auch das Geschäft eines Koches übertragen wird.
Wann soll man die Reise antreten? Der Pilger will in Jerusalem ein bedeutendes Fest feiern. An Ostern mögen bei 10,000 griechische und armenische Pilgrime die Stadt besuchen, und wegen dieses Festes warten Schiffe auf der Rhede von Jaffa, welche ihre Bestimmung nach Konstantinopel haben. Darauf muß man durchaus das Augenmerk richten, wenn man nicht gleichsam an Jaffa gefesselt sein will, wie Andromeda an die Felsen. Im Hornung oder Merz in die See zu stechen, darf Niemanden bangen. Vor Korfu schon koset ein blauer Himmel, und der Merz und April Palästinas, noch mehr des Egyptenlandes gehören zu der warmen, regenfreien Jahreszeit, in welcher die Küstenfahrt gewöhnlich mit keinen, selten mit einigen Gefahren kämpft. Ich ertheile den Rath, die Reise, wo möglich, so zu veranstalten, daß man inmitten des Monates Hornung die Seefahrt beginnt.
Wie lange dauert die Reise? Ich will nun die Dauer annähernd berechnen, und lieber zu lang, als zu kurz.
Von Triest nach Alexandrien 20 Tage.
Aufenthalt in Alexandrien 3 „
Seefahrt von Alexandrien nach Jaffa 4 „
Quarantäne in Jaffa 19 „
Wanderung von Jaffa nach Jerusalem 2 „
Aufenthalt in Jerusalem, den Ausflug nach Bethlehem inbegriffen 8 „
Nb. Kürze oder Länge des Aufenthalts würde hauptsächlich vom Erwarten des Festes bestimmt.
Zurück nach Jaffa 1 „
Nb. Die Rückreise, auf der man sich nicht, wie auf der Hinreise nach Jerusalem, in Arimathia aufhält, wird deswegen einen Tag kürzer angegeben, als letztere.
Abwarten eines Schiffes 4 „
Reise nach Konstantinopel 20 „
Aufenthalt in Konstantinopel 14 „
Wasserreise nach Wien mit Einschluß der Quarantäne (kürzestens 30 Tage) 41 „
Zusammen 136 Tage.
Man könnte bis Ende Brachmonates wieder zu Hause eintreffen, nach einer Abwesenheit von etwa fünftehalb Monaten.
Wie lebt man? Man kauft in Triest zwei Leintücher, eine Wollendecke, eine Matratze und ein Kissen: die Schiffsbettung, deren man, wenn auch nicht auf dem Dampfschiffe, doch auf der Küstenfahrt nach Joppe und später bedarf. In jenem Schiffe kann man auf eine Beköstigung zählen, wie in einem Gasthofe. Alexandrien besitzt Wirthshäuser nach fränkischer Einrichtung. Hier versehe man sich für die Fahrt nach Jaffa mit Nahrungsmitteln, z. B. mit gewöhnlichem Brote (Zwieback ist für die kleine Reise kaum nöthig), das acht Tage gut bleibt, mit frischem Fleische, mit Hühnern, mit Reis, Kartoffeln, Zucker, Kaffee, mit Zitronen und einer Flasche Aquavit, und man schaue vor der Abfahrt besonders nach, ob der Rais süßes Wasser in gehöriger Menge gefaßt habe. Ohnehin wird man nicht vergessen, eine kleine Kaffeekanne von Weißblech, eine eiserne Kasserole (zum Kochen des Fleisches u. dgl.) mit einem schüsselförmigen, als Teller dienenden Deckel, so wie Messer, Gabel und Löffel, einen Becher und Holzkohlen zu kaufen. Es gibt Araber, die sich so gerne auf Andere stützen, daß man wohl thut, selbst an Salz und Feuerzeug sich nicht mangeln zu lassen. Nimmt man gleich von Hause aus etwas mit, um wenigstens den Zucker, Kaffee und Reis gehörig aufzubewahren, so wird man es nicht bereuen. Für den Mundbedarf schafft man sich zugleich einen Korb nach egyptischer Art an[13]. Im jüdischen Lande spricht man bei den Bewohnern der Klöster oder Hospizien zu. In Jaffa trifft man zweifelsohne einen griechischen Schiffshauptmann; seine Kost ist eher schlecht. Beköstiget man sich selbst, so lebt man besser und freier, während man zugleich um ein Bedeutendes wohlfeiler durchkommt. Man kaufe also einen Vorrath an Lebensmitteln etwa auf zwanzig Tage, Zwieback aber etwa auf dreißig Tage, auf längere Zeit ja nicht, da die Griechen bei schlimmer Witterung gerne in einen Hafen steuern, wo man wieder frischen Mundbedarf aufkaufen kann. Beim Abschlusse der Uebereinkunft mit dem Schiffshauptmanne muß das Kochen und das hiezu nöthige Holz wohl bedungen werden. Wenn man sich recht deutlich erklärt, so ist vom griechischen Hauptmanne, welcher wenig zu schreiben pflegt, ein schriftlicher Aufsatz nicht geradezu erforderlich. Meine Uebereinkunft mit dem Hydrioten geschah mündlich; ich schrieb sie bloß in meine Brieftasche, worauf ich sie noch dem griechischen Konsul anzeigte. Zu Konstantinopel, nämlich in Galata und Pera, laden den Reisenden, neben einem ospizio della Terra Santa, fränkische Wirthshäuser ein. Auf allen Dampfschiffen sorgt die Küche für ein üppiges Leben. Ich müßte eine recht saure Mühe mir aufbürden, wenn ich, nach dem Beispiele der abendländischen Reisehandbücher, angeben sollte, welches das beßte Wirthshaus in Wien sei. Der Ankömmling aus dem Lande des Aufganges kennt mehr Genügsamkeit.
Wie viel kostet die Reise? Es wäre leicht, zu antworten, würden nur die Preise zu verschiedenen Zeiten nicht schwanken. So waren die Lebensmittel zu meiner Zeit in Jaffa mindestens um ein Drittel kostspieliger, als vor der Besetzung Palästinas mit egyptischen Truppen. Und davon abgesehen, läßt sich der Voranschlag der Kosten nur beiläufig bestimmen. Wer gesonnen ist, den Reiseplan geradenweges zu verfolgen, und nirgends sich längere Zeit aufzuhalten, wer weder wissenschaftliche Forschungen anstellen, noch durch großen Aufwand Aufsehen erregen will, immer und überall aber für die Gesundheit, als eine unschätzbare Juwele, Sorge trägt, und in steter Rücksicht auf dieselbe die verschiedenartigen Vergnügungen der Reise genießt: der wird diese mit 600 Gl. R. W. bestreiten können. Es fiele nicht schwer, in die Einzelnheiten einzugehen. Jeder, welcher die Reise zu unternehmen Willens ist, wird übrigens leichter durch Erfahrung das Nähere finden, als durch die Uebung des Gedächtnisses in Angaben aus dem todten Munde eines Buches.