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Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zweiter Band

Geschichte von England (continued 2)

Wilhelm Beseler translation

Die Freisassen. Dem Einflusse des Landadels und der Landgeistlichkeit hielt indessen der Einfluß der Freisassen, einer höchst energischen und biederen Klasse, einigermaßen die Wage. Die kleinen Grundbesitzer, welche mit eigner Hand ihr Feld bestellten und ein mäßiges Einkommen genossen, ohne sich um Wappen und Helmbüsche zu kümmern oder nach einem Sitze auf der Richterbank zu trachten, bildeten damals einen viel bedeutenderen Theil der Bevölkerung als gegenwärtig. Wenn man den besten Statistikern jener Zeit glauben darf, so lebten nicht weniger als hundertsechzigtausend Gutsbesitzer, welche mit ihren Familien mehr als ein Siebentel der ganzen Bevölkerung ausgemacht haben müssen, von dem Ertrage kleiner Freigüter. Das durchschnittliche Jahreseinkommen dieser kleinen Grundeigenthümer, bestehend aus Renten, Nutznießungen und Miethzinsen, wurde auf sechzig bis siebzig Pfund Sterling geschätzt. Man hatte berechnet, daß die Anzahl der Gutsbesitzer, welche ihren Grund und Boden selbst bebauten, größer war als die Zahl Derer, welche die Güter Anderer pachtweise bewirthschafteten.62 Ein großer Theil der Freisassen hatte sich seit dem Beginn der Reformation zu dem Puritanismus hingeneigt, war im Bürgerkriege auf die Seite des Parlaments getreten, hatte auch nach der Restauration dabei beharrt, Presbyterianer- und Indepedentenprediger zu hören, hatte die Exclusionisten bei den Wahlen stets kräftig unterstützt und betrachtete selbst nach der Entdeckung des Ryehousecomplots und der Verbannung der Whighäupter das Papstthum und die Willkürherrschaft noch mit ungeschwächter Feindseligkeit.

Wachsthum der Städte. So groß auch die Veränderungen waren, die seit der Revolution auf dem platten Lande vorgingen, in den Städten waren sie noch viel staunenerregender. Gegenwärtig ist ein Sechstel der ganzen Bevölkerung in den Provinzialstädten von mehr als dreißigtausend Einwohnern zusammengedrängt. Zur Zeit Karl’s II. hatte noch keine einzige Provinzialstadt im ganzen Reiche dreißigtausend Einwohner, nur vier zählten zehntausend Seelen.

Bristol. Der Hauptstadt zunächst, aber noch immer in ungeheurem Abstande, kamen Bristol, damals der wichtigste Seehafen, und Norwich, damals die erste Fabrikstadt Englands. Beide sind seitdem von jüngeren Nebenbuhlerinnen weit überflügelt worden, haben aber gleichwohl beide sehr bedeutende positive Fortschritte gemacht, denn die Bevölkerung von Bristol hat sich vervierfacht, die von Norwich mehr als verdoppelt.

Pepys, welcher Bristol acht Jahre nach der Restauration besuchte, war erstaunt über den Glanz dieser Stadt. Allerdings scheint er keinen hohen Maßstab angelegt zu haben, denn er bezeichnet es als ein Wunder, daß man in Bristol allenthalben nichts als Häuser erblicke, wenn man sich umsehe. Danach scheint es, daß in keiner andren ihm bekannten Stadt, London ausgenommen, die Häuser Wald und Feld völlig verdrängt hatten. So groß Bristol damals erschien, bedeckte es doch nur einen sehr kleinen Theil des Flächenraumes, den es gegenwärtig einnimmt. Einige Kirchen von ausgezeichneter Schönheit erhoben sich aus einem Labyrinth von engen Gäßchen, deren Häuser keine besonders festen Grundmauern hatten. Fuhr ein Wagen oder Karren durch diese Gassen, so lief er Gefahr, zwischen den Häusern stecken zu bleiben oder in die Kellergewölbe einzubrechen. Die Waaren wurden daher fast ausschließlich auf kleinen, von Hunden gezogenen Karren in die Stadt gebracht und die reichen Einwohner trugen ihren Wohlstand nicht in goldstrotzenden Equipagen zur Schau, sondern indem sie sich auf ihren Gängen durch die Stadt von einer zahlreichen Dienerschaft in prächtiger Livree begleiten ließen und glänzende Gastmähler gaben. Der Pomp bei Taufen und Leichenbegängnissen überstieg dort Alles, was man irgend anderwärts in England sah. Die Gastfreundschaft dieser Stadt war weit berühmt, ganz besonders die Collationen, mit denen die Besitzer der Zuckerraffinerien ihre Gäste bewirtheten. Diese Mahlzeiten wurden in dem Siedekessel servirt und waren stets von einem aus dem besten spanischen Weine bereiteten köstlichen Getränk begleitet, das im ganzen Lande unter dem Namen „Bristolmilch“ bekannt war. Der damals blühende Handel mit den nordamerikanischen Pflanzungen und mit Westindien gestattete diesen Luxus. Die Leidenschaft für den Handel mit den Colonien war so allgemein, daß es in Bristol kaum einen Krämer gab, der nicht Handelsgüter am Bord eines nach Virginien oder nach den Antillen bestimmten Schiffes gehabt hätte. Diese Geschäfte waren allerdings zum Theil nicht der ehrenvollsten Art. In überseeischen Besitzungen der Krone war große Nachfrage nach Arbeitern und diesem Bedarfe wurde theilweis durch ein förmliches Preß- und Menschenraubsystem genügt, das sich in den englischen Seehäfen gebildet hatte. Dieses System wurde nirgends mit solcher Thätigkeit und in solchem Umfange betrieben als in Bristol. Selbst die höchsten Magistratsbeamten der Stadt scheuten sich nicht, sich durch einen so schmachvollen Handel zu bereichern. Aus den damaligen Heerdgeldlisten geht hervor, daß die Häuserzahl im Jahre 1685 gerade fünftausenddreihundert betrug. Die Zahl der Bewohner eines Hauses dürfen wir kaum höher annehmen, als sie in der City von London war, und hier kamen damals auf je zehn Häuser fünfundfünfzig Personen. Demnach muß die Bevölkerung von Bristol sich auf ungefähr neunundzwanzigtausend Seelen belaufen haben.63

Norwich. Norwich war die Hauptstadt einer großen und fruchtbaren Provinz, der Sitz eines Bischofs und eines Kapitels und der Hauptsitz des wichtigsten Fabrikationszweiges. Manche ausgezeichnete Männer der Wissenschaft hatten in letzter Zeit dort gelebt und keine Stadt des Landes, die Hauptstadt und die Universitätsstädte ausgenommen, enthielt so viele Sehenswürdigkeiten. Die Mitglieder der Royal Society waren der Meinung, schon die Bibliothek, das Museum, das Vogelhaus und der botanische Garten Sir Thomas Browne’s seien einer weiten Reise werth. Auch besaß Norwich einen kleinen Hof. Im Herzen der Stadt stand ein alter Palast der Herzöge von Norfolk, der für das größte städtische Wohnhaus im ganzen Lande, mit Ausnahme von London, galt. Dieser Palast, zu dem ein Ballhaus, eine Kegelbahn und ein großer Park gehörte, der sich an den Ufern des Wansum hinzog, ward zu Zeiten von der vornehmen Familie der Howard bewohnt, welche ein Haus führte wie mancher kleine Souverain. Die Getränke wurden den Gästen in Bechern von reinem Golde gereicht, selbst die Kohlenschaufeln und Feuerzangen waren von Silber. Die Wände waren mit Gemälden von italienischen Meistern geschmückt und die Zimmer mit einer prächtigen Sammlung von Gemmen gefüllt, die jener Earl von Arundel gekauft hatte, dessen Marmorbilder jetzt eine Zierde von Oxford sind. Hier war im Jahre 1671 König Karl mit seinem Hofstaate glänzend bewirthet worden, hier waren jedes Jahr von Weihnacht bis zum Dreikönigstag alle Gäste willkommen. Für das gemeine Volk floß das Bier in Strömen; drei Wagen, von denen einer, der vierzehn Personen faßte, fünfhundert Pfund Sterling gekostet hatte, fuhren jeden Abend in der Stadt umher, um die Damen zu den Festlichkeiten zu holen, und der Tanz wurde jedesmal mit einem glänzenden Festmahle beschlossen. Wenn der Herzog von Norfolk nach Norwich kam, wurde er empfangen wie ein König, der in seine Residenz einzieht. Die Glocken der Kathedrale und der Kirche St. Peter-Mancroft wurden geläutet, die Kanonen des Schlosses abgefeuert und der Mayor und die Aldermen überreichten ihrem hohen Mitbürger Glückwunschadressen. Im Jahre 1693 fand man durch wirkliche Zählung, daß die Bevölkerung von Norwich zwischen achtundzwanzig- und neunundzwanzigtausend Seelen betrug.64

Viel tiefer als Norwich, aber doch immer hoch in Ansehen und Bedeutung standen die Hauptstädte einiger anderen Grafschaften. Es geschah damals selten, daß ein Landgentleman mit seiner Familie nach London kam; seine Metropole war die Hauptstadt der Grafschaft und dort verlebte er zuweilen einen Theil des Jahres. Jedenfalls riefen ihn Geschäfte und Vergnügungen, Assisen, Quartalsitzungen, Wahlen, Musterungen der Miliz, Pferderennen und andere Festlichkeiten oft dahin. Dort waren die Säle, in denen die Richter in ihren scharlachrothen Röcken und begleitet von Trompetern und Hellebardieren zweimal des Jahres im Namen des Königs ihre Verhandlungen eröffneten. Dort waren die Märkte, auf welchen die Umgegend ihr Getreide, ihr Vieh, ihre Wolle und ihren Hopfen zum Verkauf brachte, sowie die großen Jahrmärkte, zu denen selbst Kaufleute von London kamen und wo die Landkrämer ihren Jahresbedarf an Zucker, Schreibmaterialien, Stahlwaaren und Kleiderstoffen einkauften. Dort waren endlich die Läden und Magazine, aus denen die angesehendsten Familien der Nachbarschaft ihre Spezereiwaaren und Modeartikel bezogen. Einige von diesen Städten hatten außerdem wegen geschichtlicher Erinnerungen eine gewisse Berühmtheit. Bald war es eine Kathedrale, die in aller Kunst und Pracht des Mittelalters strahlte, bald ein Palast, den eine lange Reihe von Prälaten bewohnt hatte, bald ein Domkapitel, umgeben von den ehrwürdigen Wohnungen der Dechanten und Canonici, bald ein festes Schloß, das in alter Zeit den Nevilles oder De Vere widerstanden hatte und das noch die neueren Spuren der Rache Cromwell’s oder Ruprecht’s zeigte.

Andere Provinzialstädte. Unter diesen interessanten Städten zeichneten sich namentlich York, die Hauptstadt des Nordens, und Exeter, die Hauptstadt des Südens, aus. Keine von beiden kann damals viel über zehntausend Einwohner gehabt haben. Worcester, die Königin des Ciderlandes, zählt deren achttausend, Nottingham wahrscheinlich eben so viel. Gloucester, berühmt durch seine entschlossene Vertheidigung, welche Karl I. so verderblich wurde, hatte gewiß zwischen vier- und fünftausend, Derby nicht ganz viertausend. Shrewsbury war der Hauptort eines großen fruchtbaren Bezirks, und die Sitzungen der Marken von Wales wurden daselbst gehalten. In der Sprache der Gentry viele Meilen im Umkreise von Wrekin hieß „zur Hauptstadt gehen“ so viel als nach Shrewsbury gehen. Die Stutzer und Damen, der Provinz ahmten so gut sie konnten, auf den Promenaden am Ufer des Severn die Moden und Sitten von St. James-Park nach. Die Einwohnerzahl belief sich auf ungefähr siebentausend.65

Die Bevölkerungen aller dieser Städte haben sich seit der Revolution mehr als verdoppelt, in einigen ist sie auf das Siebenfache gestiegen. Die Straßen sind fast durchgängig neu gebaut, das Stroh ist durch Schiefer, das Holz durch Backsteine ersetzt worden. Unser gegenwärtiges Pflaster und unsere Straßenbeleuchtung, die prachtvolle Ausstattung vieler Kaufläden und die in den Wohnungen der Gentry herrschende geschmackvolle Eleganz würden im siebzehnten Jahrhundert wie eben so viele Wunder angestaunt worden sein; dessen ungeachtet haben die alten Provinzialhauptstädte jetzt bei weitem nicht die relative Wichtigkeit, die sie ehedem hatten. Jüngere Städte, die von unseren früheren Geschichtsschreibern selten oder gar nicht erwähnt werden und welche keine Vertreter ins Parlament schickten, sind unter den Augen noch lebender Personen zu einer Größe herangewachsen, die unsere Generation mit Stolz und Bewunderung, aber auch nicht ohne Angst und Besorgniß betrachtet.

Manchester. Indessen waren die hervorragendsten dieser Städte schon im siebzehnten Jahrhunderte als wichtige Sitze des Gewerbfleißes bekannt. Ja ihr rasches Emporblühen und ihr Reichthum ward sogar zuweilen in einer Sprache geschildert, welche Jedem, der ihren gegenwärtigen Glanz steht, spaßhaft vorkommt. Eine der bevölkertsten und blühendsten war Manchester. Der Protector hatte sie aufgefordert, einen Vertreter in sein Parlament zu schicken und die Schriftsteller aus der Zeit Karl’s II. nennen sie eine betriebsame und reiche Stadt. Seit einem halben Jahrhunderte schon wurde Baumwolle von Cypern und Smyrna dahin gebracht, aber die Fabrikation war noch in ihrer Kindheit, denn Whitney hatte noch nicht gelehrt, wie der Rohstoff in fast fabelhaften Quantitäten erlangt werden konnte, so wenig als Arkwright die Kunst gezeigt, sie mit einer zauberhaften Geschwindigkeit und Akkuratesse zu verarbeiten. Die jährliche Gesammteinfuhr erreichte zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts noch nicht zwei Millionen Pfund, ein Quantum, das gegenwärtig kaum den Bedarf von achtundvierzig Stunden decken würde. Diese wundervolle Handelsstadt, die an Einwohnerzahl und Reichthum so viele berühmte Hauptstädte, wie Berlin, Madrid und Lissabon bei weitem übertrifft, war damals noch ein kleiner und schlecht gebauter Marktflecken mit kaum sechstausend Einwohnern. Damals hatte es nicht eine einzige Presse, jetzt hat es hundert Druckereien; damals besaß es nicht eine einzige Kutsche, jetzt zählt es zwanzig Wagenfabrikanten.66

Leeds. Leeds war schon damals der Hauptsitz der Wollenmanufactur von Yorkshire, aber die älteren Einwohner erinnerten sich noch recht gut der Zeit, als das erste Backsteinhaus, damals und noch lange nachher das „rothe Haus“ genannt, erbaut worden war. Sie rühmten sich laut ihres zunehmenden Wohlstandes und der ungeheuren Tuchverkäufe, welche unter freiem Himmel auf der Brücke abgeschlossen wurden. Hunderte, ja Tausende von Pfunden Sterling wurden an einem einzigen lebhaften Markttage umgesetzt. Die zunehmende Bedeutung von Leeds hatte die Aufmerksamkeit mehrerer aufeinanderfolgenden Regierungen auf diese Stadt gelenkt. Karl I. gewährte ihr gewisse städtische Vorrechte und Oliver Cromwell forderte sie auf, einen Vertreter in das Haus der Gemeinen zu senden. Aus den Heerdgeldlisten scheint jedoch klar hervorzugehen, daß die Bevölkerung des ganzen Stadtgebiets, zu welchem damals mehrere Dörfer gehörten, unter der Regierung Karl’s II. die Zahl von siebentausend Seelen nicht überstieg. Im Jahre 1841 zählte es deren mehr als hundertfunfzigtausend.67

Sheffield. Ungefähr eine Tagereise südlich von Leeds lag am Saume einer wilden Moorstrecke ein alter jetzt reich angebauter, damals aber unfruchtbarer und nicht einmal eingehegter Gutsbezirk, der unter dem Namen Hallamshire bekannt war. Dort gab es Eisen im Überfluß und die daselbst fabricirten plumpen Messer wurden im ganzen Lande verkauft. Geoffrey Chaucer erwähnt ihrer in seinen Canterbury Tales. Die Fabrikation machte jedoch während der nächstfolgenden drei Jahrhunderte nur sehr langsame Fortschritte. Dieser Umstand läßt sich vielleicht dadurch erklären, daß der Handel fast während jenes ganzen langen Zeitraums den Bestimmungen unterworfen war, welche der Gutsherr und dessen Gerichtshof vorzuschreiben für gut fanden. Die feineren Messerschmiedewaaren wurden daher theils in London fabricirt, theils vom Continent eingeführt. Erst unter Georg I. hörten die britischen Ärzte auf, die feinen Instrumente, deren sie zu ihren chirurgischen Operationen bedurften, aus Frankreich zu beziehen. Die Mehrzahl der Werkstätten von Hallamshire befand sich in einem Marktflecken, der in der Nähe des herrschaftlichen Schlosses entstanden war und der noch unter Jakob I. ein elender Ort mit etwa zweitausend Einwohnern war, von denen der dritte Theil aus halbverhungerten und halbnackten Bettlern bestand. Aus den Kirchenregistern ergiebt sich mit ziemlicher Gewißheit, daß die Bevölkerung zu Ende der Regierung Karl’s II. noch nicht viertausend Seelen betrug. Man sah dort eine Menge Krüppel und jeder Reisende erkannte auf den ersten Blick die verderblichen Wirkungen einer der Gesundheit und Kraft des menschlichen Körpers höchst nachtheiligen Beschäftigung. Dies war das Sheffield, welches gegenwärtig mit seinen Vorstädten hundertzwanzigtausend Einwohner zählt und seine vortrefflichen Messer, Scheeren und chirurgischen Instrumente bis nach den entferntesten Weltgegenden versendet.68

Birmingham. Birmingham ward zu Oliver’s Zeiten noch nicht für wichtig genug gehalten, um im Parlament durch ein Mitglied vertreten zu sein. Indessen waren die dortigen Fabrikanten schon ein sehr betriebsames Völkchen, dessen Wohlstand sich fortwährend vermehrte. Sie waren stolz auf den Ruf, den ihre Eisenwaaren, wenn auch noch nicht in Peking und Lima, in Bokhara und Timbuktu, so doch in London und selbst in Irland genossen. Eine minder ehrenvolle Berühmtheit hatten sie als Falschmünzer erlangt. Der Spottname „Birminghams“, den die Torypartei den Demagogen gab, welche einen heuchlerischen Eifer gegen das Papstthum zur Schau trugen, war eine Anspielung auf die dort verfertigten falschen Groatstücke. Die Bevölkerung der Stadt, welche gegenwärtig nicht viel unter zweimalhunderttausend Seelen beträgt, belief sich damals noch nicht auf viertausend. Die Birminghamer Knöpfe fingen eben erst an bekannt zu werben, von Birminghamer Schießgewehren hatte noch kein Mensch etwas gehört, und die Stadt, aus der zwei Generationen später die Prachtwerke Baskerville’s hervorgingen, welche alle Buchhändler Europa’s in Erstaunen setzten, hatte damals noch nicht einen einzigen ordentlichen Buchladen, wo man eine Bibel oder einen Kalender kaufen konnte. Nur an den Markttagen kam ein Buchhändler, Namens Michael Johnson, der Vater des großen Samuel Johnson, von Lichfield, um auf einige Stunden seine Marktbude zu öffnen, und diese literarische Bezugsquelle wurde lange Zeit für den Bedarf genügend erachtet.69

Diese vier Hauptsitze unsrer großartigen Fabrikindustrie verdienen besondere Erwähnung. Es würde ermüdend sein, wollten wir außerdem alle die jetzt dicht bevölkerten und reichen Bienenstöcke des Gewerbfleißes anführen, welche vor hundertfunfzig Jahren noch Dörfer ohne Pfarrkirche oder öde Moorstrecken waren, auf denen nur Birkhühner und andres Wild hauste. Nicht minder wichtig sind die Veränderungen in den Ausfuhrplätzen gewesen, durch welche sich die Erzeugnisse der englischen Webstühle und Schmieden nach allen Weltgegenden ergießen.

Liverpool. Liverpool zählt gegenwärtig dreimalhunderttausend Einwohner und der Rauminhalt der in seinen Hafenregistern eingezeichneten Schiffe beträgt zwischen vier- und fünfmalhunderttausend Tonnen. Mehr als einmal ist im dortigen Zollhause in einem Jahre eine Summe bezahlt worden, welche das Gesammteinkommen der englischen Krone im Jahre 1685 um mehr als das Dreifache übersteigt. Die Einnahme des Postamtes zu Liverpool übertrifft selbst seit der Portoermäßigung die Summe, die das Postwesen des ganzen Reiches dem Herzoge von York eintrug. Seine riesigen Docks, Quais und Waarenspeicher werden zu den Weltwundern gerechnet, und doch scheinen sie für den Bedarf des ungeheuren Merseyhandels kaum zu genügen, so daß bereits eine rivalisirende Stadt am andren Ufer des Flusses rasch emporwächst. Zu den Zeiten Karl’s II. wurde Liverpool als eine aufblühende Stadt beschrieben, welche neuerdings große Fortschritte gemacht habe und mit Irland und den Zuckercolonien einen ergiebigen Handel treibe. Binnen sechzehn Jahren hatte sich der Ertrag der Zölle verachtfacht und die damals als ungeheuer betrachtete Summe von fünfzehntausend Pfund Sterling jährlich erreicht. Die Bevölkerung kann jedoch kaum viertausend Seelen überstiegen haben, der Gehalt seiner Schiffe betrug ungefähr vierzehnhundert Tonnen, das heißt weniger als der Tonnengehalt eines einzigen unserer jetzigen Ostindienfahrer erster Klasse, und die Anzahl der zum Hafen gehörenden Seeleute darf auf nicht mehr als zweihundert Köpfe angeschlagen werden.70

Die Badeorte. So wuchsen die Städte empor, in denen Reichthümer erworben und aufgehäuft wurden. Nicht minder rasch erhob sich eine andre Klasse von Städten, in denen der anderwärts erworbene Reichthum entweder aus Gesundheitsrücksichten oder um des Vergnügens willen verzehrt wird. Von den bedeutendsten derselben sind einige erst seit den Zeiten der Stuarts entstanden.

Cheltenham. Cheltenham ist jetzt größer als irgend eine Stadt des ganzen Reichs im siebzehnten Jahrhundert, London allein ausgenommen, während es im siebzehnten und noch zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts von Lokalgeschichtschreibern nur als ein ländliches Kirchspiel erwähnt wird, das am Fuße der Cotswold-Hügel liege und guten Boden für Ackerbau und Weide habe. An der Stelle, welche gegenwärtig mit freundlichen Straßen und Landhäusern bedeckt ist, wuchs damals Korn und weidete Vieh.71

Brighton. Brighton wurde als ein ehemals wohlhabender Ort geschildert, der eine Menge kleiner Fischerboote besessen und in seiner höchsten Blüthe etwa zweitausend Einwohner gehabt habe, jetzt aber seinem Untergänge entgegeneile. Das Meer spülte ein Haus nach dem andren fort und die Stadt mußte endlich ganz verschwinden. Noch vor neunzig Jahren konnte man zwischen den Steinen und dem Seetang am Strande die Trümmer eines alten Forts sehen, und alte Leute konnten noch die Spuren der Grundmauern einer Straße von mehr als hundert Hütten bezeichnen, die von den Wogen verschlungen worden war. Nach diesem Unglücke verödete der Ort bald dermaßen, daß man die dortige Pfarrei kaum noch des Besitzes werth hielt. Einige arme Fischer fuhren jedoch fort, ihre Netze auf den Küstenfelsen zu trocknen, wo jetzt eine Stadt, die mehr als zweimal so groß und volkreich ist, als das Bristol der Stuarts in einer Ausdehnung von mehreren Meilen ihre freundliche und fantastische Fronte dem Meere zeigt.72

Buxton. England war jedoch im siebzehnten Jahrhundert durchaus nicht ohne alle Badeorte. Die Gentry von Derbyshire und der benachbarten Grafschaften begab sich nach Buxton, wo sie in niedrigen hölzernen Hütten zusammengepfercht und mit einem Brode von Hafermehl und einem Fleische bewirthet wurden, welches die Gastwirthe für Hammelfleisch ausgaben, das aber die Consumenten stark in dem Verdachte hatten, daß es von Hunden herrührte.73

Tunbridge Wells. Weit mehr Anziehendes hatte Tunbridge Wells, das etwa eine Tagereise von London in einer der reichsten und kultivirtesten Gegenden des Reiches lag. Gegenwärtig erblicken wir daselbst eine Stadt, die der Einwohnerzahl nach vor hundertsechzig Jahren die vierte oder fünfte Stadt Englands gewesen wäre. Die Eleganz der Läden und der Luxus der Privatwohnungen übertrifft jetzt Alles was England damals irgendwo aufzuweisen hatte. Als der Hof kurz nach der Restauration Tunbridge Wells besuchte, war es noch keine Stadt, sondern man sah nur eine Anzahl Hütten, etwas freundlicher und sauberer als die gewöhnlichen Hütten jener Zeit, welche in der nächsten Umgebung der Heilquellen zerstreut umherlagen. Einige von diesen Hütten waren transportabel und wurden auf Schleifen versetzt wohin man es wünschte. In diese Hütten kam die feine Welt von London, des Geräusches und des Rauches der Hauptstadt müde, zuweilen im Sommer, um frische Luft einzuathmen und einen Vorgeschmack vom Landleben zu erhalten. Während der Saison wurde täglich in der Nähe der Quellen eine Art Markt gehalten. Die Frauen und Töchter der Landwirthe von Kent brachten aus den umliegenden Dörfern Rahm, Obst, Weißkehlchen und Wachteln zum Verkauf, und mit ihnen zu scherzen und zu tändeln, ihre Strohhüte und ihre kleinen Füßchen zu rühmen, war für Wüstlinge, welche der prätentiösen Manieren der Schauspielerinnen und Hofdamen überdrüssig waren, ein angenehmer Zeitvertreib. Putzmacherinnen, Galanteriewaarenhändler und Juweliere kamen von London und eröffneten unter den Bäumen einen Bazar. In der einen Bude fand der Politiker seine Tasse Kaffee und die Londoner Zeitung; in einer andren wurde heimlich Basset gespielt; an schönen Abenden fanden sich Musikanten ein und auf einem weichen Rasenplatze wurde der Mohrentanz aufgeführt. Im Jahre 1685 war eben unter den Brunnengästen eine Sammlung zum Bau einer Kirche eröffnet worden, welche auf Verlangen der damals überall dominirenden Tories dem heiligen Karl, dem Märtyrer, geweiht werden mußte.74

Bath. Der wichtigste Badeort Englands war jedoch unstreitig Bath. Die dortigen Heilquellen waren schon zu den Zeiten der Römer berühmt und mehrere Jahrhunderte lang war die Stadt der Sitz eines Bischofs gewesen. Aus allen Theilen des Landes strömten die Kranken dahin und selbst der König hielt dort zuweilen seinen Hof. Bei alledem war Bath damals nur ein winkeliger Ort von vier- bis fünfhundert Häusern, welche unweit des Avon innerhalb einer alten Befestigungsmauer zusammengedrängt waren. Es giebt noch Abbildungen von den schönsten dieser Häuser, welche große Ähnlichkeit mit den schlechtesten Hütten und Schenken an der Radcliffestraße zeigen. Selbst die damaligen Reisenden klagten über die Enge und Unsauberkeit der Straßen. Die schöne Stadt, welche gegenwärtig selbst das Auge Derer entzückt, die an den Anblick der Meisterwerke eines Bramante und Palladio gewöhnt sind, und deren Boden durch den Genius von Anstey und Smollett, von Frances Burney und Johanna Austen eine klassische Berühmtheit erlangt hat, existirte damals noch nicht. Die jetzige Milsomstraße war noch ein Stück Feld, das weit außerhalb der Umfassungsmauer lag, und Baumhecken durchzogen den Platz, den gegenwärtig der „Crescent“ und der „Cirkus“ einnehmen. Die bedauernswerthen Kranken, denen der Gebrauch der Heilquellen verordnet war, mußten in Räumen zubringen, welche, um uns des Ausdrucks eines damaligen Arztes zu bedienen, mehr einem Stalle, als einer menschlichen Wohnung glichen. Über den Luxus und die Bequemlichkeiten, welche die zum Zwecke, der Kur oder des Vergnügens dahin kommenden vornehmen Badegäste in den Häusern fanden, haben wir vollständigere und genauere Nachrichten, als sie sonst in Bezug auf derartige Gegenstände zu erlangen sind. Ein Schriftsteller, der ungefähr sechzig Jahre nach der Revolution eine Beschreibung der Stadt herausgab, schildert mit großer Genauigkeit die Veränderungen, die im Bereiche seiner Erinnerung daselbst stattgefunden haben. Er versichert uns, daß in seinen jüngeren Jahren die Badegäste in Zimmern schlafen mußten, welche nicht viel besser waren als die Dachkammern, die er später von den Dienstleuten bewohnt fand. Der Fußboden der Speisezimmer war mit keinem Teppiche bedeckt und mit einer aus Ruß und Dünnbier bereiteten Flüssigkeit überstrichen, um seine Unsauberkeit zu verbergen; keine Wand war gemalt, kein Herd oder Kaminmantel war von Marmor, eine Platte von ordinären Quadern und Feuerböcke, die nicht mehr als einige Schillinge kosteten, wurden für genügend erachtet. Die besten Zimmer waren mit einem groben wollenen Stoffe ausgeschlagen und mit Rohrstühlen versehen. Leser, die sich für die Fortschritte der Civilisation und der nützlichen Künste interessiren, werden dem bescheidenen Topographen für die Aufzeichnung dieser Details dankbar sein und es vielleicht bedauern, daß anspruchsvollere Geschichtschreiber ihre Erzählungen von Schlachten und politischen Intriguen nicht zuweilen um einige Seiten abkürzen, um uns mitzutheilen, wie es in den Wohn- und Schlafzimmern unserer Voreltern aussah.75

London. London nahm im Verhältniß zu den anderen Städten des Königreichs zur Zeit Karl’s II. einen viel höheren Rang ein als gegenwärtig. Seine Bevölkerung ist jetzt wenig mehr als sechsmal so stark wie die von Manchester oder Liverpool; unter Karl II. aber überstieg dieselbe die von Bristol oder Norwich um mehr als das Siebzehnfache. Ich glaube nicht, daß es noch eine andre Hauptstadt in der Welt giebt, deren Größe in einem ähnlichen Verhältnisse zu der zweiten Stadt des Landes steht. Man hat guten Grund zu glauben, daß London schon 1685 seit etwa einem halben Jahrhundert die volkreichste Stadt in Europa war. Die Einwohnerzahl, welche jetzt mindestens neunzehnhunderttausend Seelen beträgt, belief sich damals wahrscheinlich auf nicht viel über eine halbe Million.76 Als Handelsstadt hatte London nur eine Nebenbuhlerin, die jedoch längst überflügelt ist: das mächtige, und reiche Amsterdam. Die englischen Schriftsteller rühmten den Wald von Masten, der von der Brücke bis zum Tower den Fluß bedeckte, und die enormen Summen, welche im Zollhause von Thames Street eingingen. Es unterliegt in der That keinem Zweifel, daß der Handel der Hauptstadt damals zu dem Handel des ganzen Landes in einem günstigeren Verhältnisse stand als jetzt; allein unserer Generation müssen die übrigens wohlbegründeten Lobpreisungen unserer Vorfahren doch ein wenig komisch vorkommen. Der Inhalt der der Stadt gehörenden Schiffe, den sie als ungeheuer betrachteten, scheint siebzigtausend Tonnen nicht überstiegen zu haben. Allerdings war dies damals mehr als ein Drittel des Tonnengehalts sämmtlicher Schiffe des Landes, gegenwärtig aber ist es nur ein Viertel von dem Tonnengehalte Newcastle’s, und der Tonnengehalt der Themsedampfer allein dürfte ihm ziemlich gleichkommen. Der Ertrag der Zölle belief sich 1685 in London auf ungefähr dreihundertdreißigtausend Pfund jährlich; in unseren Tagen übersteigt der Reinertrag derselben zehn Millionen.77

Wenn man die zu Ende der Regierung Karl’s II. erschienenen Pläne von London betrachtet, so findet man, daß damals nur erst der Kern der gegenwärtigen Hauptstadt existirte. Die Stadt erstreckte sich noch nicht in unmerklichen Abstufungen weit über die ländliche Umgegend. Es zogen sich noch keine langen Reihen von Landhäusern, umrankt von Hollunder und Bohnenbaum, von dem großen Mittelpunkte des Reichthums und der Civilisation bis zu den Grenzen von Middlesex und tief ins Herz von Kent und Surrey hinein. Man dachte noch nicht an die Anlage der endlosen Reihen von Waarenmagazinen und der künstlichen Seen, die sich jetzt im Osten der Stadt vom Tower bis Blackwall erstrecken. Im Westen sah man kaum eines von den stattlichen Häusern, in denen jetzt die Reichen und Vornehmen wohnen, und Chelsea, das gegenwärtig über vierzigtausend Einwohner zählt, war noch ein bloßes Dorf, dessen Bevölkerung tausend Seelen nicht überstieg.78 Im Norden weidete das Vieh und Jäger streiften mit ihren Hunden und Flinten umher, wo sich jetzt der Borough Marylebone befindet, sowie auf der noch weit größeren Fläche, welche die Boroughs Finsbury und Tower Hamlets bedecken. Islington war fast noch eine Einöde, deren friedliche Stille die Dichter gern dem lärmenden Getümmel des Ungeheuers London gegenüberstellten.79 Im Süden ist die Hauptstadt jetzt mit ihren Vorstädten durch mehrere Brücken verbunden, die an Schönheit und Festigkeit den stolzesten Bauwerken der Cäsaren nicht nachstehen. Im Jahre 1685 hemmte nur eine einzige Linie unregelmäßiger Bögen, mit einer Anzahl schmutziger und halb verfallener Häuser bedeckt und nach einer der nackten Barbaren von Dahomey würdigen Sitte mit etwa zwanzig verwesenden Köpfen verziert, die Schifffahrt auf dem Flusse.

Die City. Der wichtigste Theil der Hauptstadt war die City. Sie war zur Zeit der Restauration größtentheils aus Holz und Mörtel erbaut worden, die wenigen Backsteine, die man dazu verwendet, waren schlecht gebrannt, die Buden, in denen die Waaren feilgeboten wurden, traten weit in die Straße hervor und die oberen Stockwerke der Häuser hingen gleichsam über ihnen. Einige Beispiele von dieser Bauart kann man noch in den Straßen sehen, die bei dem großen Brande verschont geblieben waren. Diese Feuersbrunst hatte binnen wenigen Tagen einen Flächenraum von ziemlich einer Quadratmeile mit den Trümmern von neunundachtzig Kirchen und dreizehntausend Häusern bedeckt. Die City aber war mit einer Schnelligkeit wiedererstanden, welche die Bewunderung der Nachbarländer erweckte. Leider wurde die vorherige Richtung und Breite der Straßen zum großen Theile beibehalten und da sie ursprünglich zu einer Zeit angelegt waren, wo selbst die Prinzessinnen zu Pferde reisten, waren sie meist zu schmal, damit Räderfuhrwerke einander bequem ausweichen konnten. Reiche Leute konnten daher zu jener Zeit, wo sechsspännige Equipagen ein modischer Luxus waren, die City nicht gut bewohnen. Der Baustyl der neuen Häuser war übrigens weit schöner als der der niedergebrannten und das gewöhnliche Baumaterial waren Ziegelsteine von viel besserer Qualität, als die früher benutzten. An der Stelle der früheren Pfarrkirchen hatten sich eine Menge neuer Kathedralen, Thürme und Thürmchen erhoben, welche das fruchtbare Genie Wren’s bekundeten. Überall, mit Ausnahme eines einzigen Punktes, waren die Spuren der verheerenden Feuersbrunst vollständig verschwunden, aber noch lange sah man unzählige Arbeiter, gigantische Gerüste und Massen behauener Steine an der Stelle, wo sich der stolzeste aller protestantischen Tempel langsam aus den Trümmern der alten St. Paulskathedrale erhob.80

Seit jener Zeit hat sich der ganze Character der City durchaus verändert. Gegenwärtig kommen die Bankiers, die Großhändler und die vornehmsten Detailhändler an den sechs Werktagen der Woche jeden Morgen dahin, um ihre Geschäfte zu besorgen, aber sie wohnen in anderen Theilen der Hauptstadt oder auf nahegelegenen Landsitzen mit schönen Parken und Gärten. Diese Umwälzung in den Privatgewohnheiten hat eine politische Veränderung von nicht geringer Wichtigkeit hervorgebracht. Die reichen Kaufleute hängen nicht mehr mit der Vorliebe, die Jedermann für seine Heimath empfindet, an der City und es knüpfen sich keine häuslichen Zuneigungen und Annehmlichkeiten mehr an diesen Namen, denn der häusliche Herd, die Kinderstube, die gesellige Tafel und das trauliche Bett befinden sich nicht mehr dort. Lombard Street und Threadneedle Street sind weiter nichts mehr als Lokalitäten zum Arbeiten und Geldverdienen; um das erworbene Geld auszugeben und zu genießen geht man anderswohin. Des Sonntags oder des Abends nach den Geschäftsstunden sind viele Höfe und Passagen, in denen es wenige Stunden zuvor von eiligen Füßen und ängstlichen Gesichtern wimmelte, still und einsam wie ein Friedhof. Die Häupter des Handelsstandes sind nicht mehr Bürger der City; sie vermeiden und verachten fast die städtischen Ehren und Pflichten und überlassen dieselben Anderen, welche zwar ebenfalls ganz nützliche und achtbare Männer sein mögen, aber doch nur selten den fürstlichen Handelshäusern angehören, deren Firmen in der ganzen Welt bekannt sind.

Im siebzehnten Jahrhunderte dagegen wohnten die Kaufleute auch in der City. Die noch vorhandenen Wohnhäuser der ehemaligen reichen Bürger sind zu Comptoirs und Waarenmagazinen eingerichtet, aber man sieht es ihnen noch heute an, daß sie ursprünglich den Palästen des hohen Adels an Schönheit und Pracht nicht nachstanden. Sie stehen zum Theil in abgelegenen und düsteren Höfen und haben unbequeme Zugänge, aber ihr Umfang ist bedeutend und ihr Aussehen majestätisch. Ihre Eingänge sind mit reicher Bildhauerarbeit verziert, die Treppenhäuser und Vorplätze sind prächtig und die Fußböden zuweilen auf französische Art parquettirt. Der Palast Sir Robert Clayton’s in der alten Judenstadt enthielt einen prachtvollen Speisesaal mit Wandgetäfel von Cedernholz und mit Frescogemälden, welche die Kämpfe der Götter und Titanen darstellten.81 Sir Dudley North verwendete viertausend Pfund, eine Summe, welche damals für einen Herzog schon bedeutend gewesen wäre, auf die reiche Ausschmückung seiner Wohnzimmer in Basinghall Street.82 In solchen Häusern entfalteten noch unter den letzten Stuarts die Häupter der großen Firmen eine außerordentliche Pracht und Gastfreundschaft, und die stärksten Bande des Interesses und des Herzens fesselten sie an dieselben. Hier hatten sie ihre Jugend verlebt, ihre Freundschaften geschlossen, ihre Gattinnen kennen gelernt und ihre Kinder heranwachsen sehen; hier ruhten die irdischen Überreste ihrer Eltern, an deren Seite sie ebenfalls einst ruhen wollten. Unter solchen Verhältnissen mußte sich in hohem Maße der glühende Patriotismus entwickeln, welcher Denen eigen ist, die auf einem engen Raume beisammenleben. London war dem Londoner, was Athen zu den Zeiten des Perikles dem Athener, was Florenz dem Florentiner des fünfzehnten Jahrhunderts war. Der Bürger war stolz auf die Größe seiner Stadt, legte hohen Werth auf die Wahrung ihres Ansehens wie auf die Bekleidung von städtischen Ehrenämtern und war eifersüchtig auf ihre Freiheiten.

Zu Ende der Regierung Karl’s II. erfuhr der Stolz der Londoner eine schmerzliche Demüthigung. Ihr alter Freibrief war ihnen genommen und die Magistratur neu organisirt worden. Alle städtischen Beamten waren Tories und die Whigs, obgleich an Zahl und Reichthum ihren Gegnern überlegen, sahen sich von jedem Ehrenamte ausgeschlossen. Indessen hatte sich der äußere Glanz der städtischen Verwaltung durch diesen Wechsel eher noch vermehrt als vermindert. Unter der Herrschaft einiger Puritaner, welche unlängst an der Spitze der Behörden gestanden, hatte der alte Ruf der City hinsichtlich des heiteren Wohllebens in der That abgenommen, unter dem neuen Magistrate aber, der einer lebenslustigeren Partei angehörte und an dessen Tafel oft vornehme und angesehene Gäste von jenseit Temple Bar zu finden waren, wurden Guildhall und die Säle der großen Gesellschaften oft durch glänzende Gastmähler belebt. Bei diesen Banketten wurden Oden, die der gekrönte Dichter der Corporation zu Ehren des Königs, des Herzogs und des Mayors verfaßt hatte, unter Musikbegleitung gesungen. Es wurde stark getrunken und laut gejubelt. Ein toryistischer Beobachter, der oft an diesen Gelagen Theil genommen, bemerkt, daß die Sitte, nach ausgebrachten Toasten donnernde Hurrahs erschallen zu lassen, sich aus jener fröhlichen Zeit herschreibe.83

Der höchste städtische Beamte entfaltete eine fast königliche Pracht. Der vergoldete Staatswagen, welcher jetzt alljährlich von der gaffenden Menge bewundert wird, existirte damals allerdings noch nicht, denn bei feierlichen Gelegenheiten erschien der Lordmayor zu Pferde, begleitet von einer zahlreichen Cavalcade, die an Pracht nur dem Gefolge nachstand, das bei einer Krönung den Monarchen vom Tower nach Westminster geleitete. Er zeigte sich öffentlich nie ohne seinen prachtvollen Mantel, sein schwarzes Sammetbarett, seine goldene Kette, seine Juwelen und ein großes Gefolge von Läufern und Garden.84 Dieser ihn beständig umgebende Pomp hatte auch durchaus nichts Lächerliches in den Augen der damaligen Zeitgenossen, denn er entsprach nur der Stellung, welche dieser Mann als Repräsentant der Macht und Würde der Stadt London im Staate einnahm. Diese Stadt, welche damals im ganzen Lande nicht ihres Gleichen, ja nicht einmal eine ihr nahekommende Rivalin hatte, übte fünfundvierzig Jahre lang einen fast eben so großen Einfluß auf die Politik Englands aus, wie Paris in unseren Zeiten auf die Politik Frankreichs. An Intelligenz war London allen übrigen Theilen des Königreichs weit überlegen, und eine Regierung, welche die Unterstützung und das Vertrauen der Hauptstadt besaß, konnte in einem Tage Geldmittel erlangen, zu deren Aufbringung in den übrigen Theilen der Insel viele Monate nöthig gewesen wären. Auch die militairischen Hülfsquellen der Hauptstadt waren nicht zu verachten. Die Gewalt, welche in anderen Theilen des Landes die Lordleutnants ausübten, war in London einer Commission von angesehenen Bürgern anvertraut. Unter den Befehlen dieser Commission standen zwölf Regimenter Infanterie und zwei Regimenter Kavalerie. Allerdings würde diese Armee von Handlungsdienern und Schneidergesellen, deren Hauptleute Gemeinderäthe und deren Obersten Aldermen waren, gegen reguläre Truppen nicht lange Stand gehalten haben, aber es gab damals auch nur sehr wenig reguläre Truppen im Lande. Daher mußte eine Stadt, die binnen einer Stunde zwanzigtausend von natürlichem Muthe beseelte und leidlich bewaffnete Streiter, denen es keineswegs ganz an militairischer Disciplin fehlte, ins Feld stellen konnte, eine eben so werthvolle Bundesgenossin als furchtbare Feindin sein. Man hatte noch nicht vergessen, daß Hampden und Pym durch die Londoner Miliz gegen gesetzwidrige Tyrannei vertheidigt worden, daß in der kritischen Zeit des Bürgerkrieges die Londoner Miliz nach Gloucester marschirt war, um die Belagerung dieser Stadt aufzuheben, noch daß sie bei der Bewegung gegen den Militairdespotismus, der auf den Sturz Richard Cromwell’s folgte, eine sehr bedeutende Rolle gespielt hatte. Man kann ohne Übertreibung behaupten, daß Karl I. nie besiegt worden wäre, wenn er die City nicht gegen sich gehabt hätte, und daß Karl II. ohne den Beistand der City schwerlich hätte wiedereingesetzt werden können.

Aus diesen Verhältnissen läßt es sich auch erklären, warum trotz des Zuges, der seit einer langen Reihe von Jahren die Aristokratie allmälig nach der weltlichen Seite Londons führte, einige wenige Männer von hohem Range bis auf die neueste Zeit in der Nachbarschaft der Börse und von Guildhall wohnen blieben. Als Shaftesbury und Buckingham in heftiger und rücksichtsloser Opposition gegen die Regierung verwickelt waren, glaubten sie ihre Intriguen nirgends so sicher und bequem betreiben zu können, wie unter dem Schutze der städtischen Behörden und der Miliz. Shaftesbury wohnte daher in Aldersgate Street, in einem Hause, das noch jetzt an seinen Säulen und guirlandenartigen Verzierungen, dem geschmackvollen Werke Inigo’s, leicht zu erkennen ist. Buckingham hatte seinen Palast unweit Charing Croß, die ehemalige Wohnung der Erzbischöfe von York, niederreißen lassen und während an dieser Stelle neue Straßen und Gassen entstanden, welche noch jetzt seinen Namen führen, zog er es vor, in Dowgate zu wohnen.85

Der vornehme Theil der Hauptstadt. Dies waren jedoch nur seltene Ausnahmen. Fast alle hochadeligen Familien Englands hatten die Mauern der City schon längst verlassen. Der Stadttheil, in dem sich die Mehrzahl ihrer Wohnhäuser befand, liegt zwischen der City und den Straßen, welche gegenwärtig als die vornehmsten gelten. Nur wenige Große behielten ihre ererbten Paläste zwischen dem Strand und dem Flusse inne. Am gesuchtesten waren damals die stattlichen Wohnungen südlich und westlich von Lincoln’s Inn Fields, die Piazza of Coventgarden, Southampton Square, jetzt Bloomsbury Square genannt, und King’s Square in Soho Fields, der gegenwärtig Soho Square heißt. Bloomsbury Square wurde selbst fremden Fürsten als eines der Wunder Englands gezeigt.86 Soho Square, der eben erst angelegt war, wurde von unseren Vorfahren mit einem Stolze betrachtet, den ihre Nachkommen wohl schwerlich theilen werden. So lange das Glück des Herzogs von Monmouth blühte, dessen Palast sich auf der Südseite erhob, hatte der Platz den Namen Monmouth Square geführt. Die Façade dieses Palastes war zwar unschön, aber imposant und reich verziert. Die Wände der Prunkgemächer waren mit Schnitzwerk in Früchten, Laubgewinden und Wappenfiguren geschmückt und mit gesticktem Seidenstoffe ausgeschlagen.87 Jetzt ist von dieser Pracht nichts mehr vorhanden und man findet in diesem ehedem aristokratischen Stadttheile nicht eine einzige aristokratische Wohnung mehr. Etwas weiter nördlich von Holborn, am Saume von Weiden und Kornfeldern, standen zwei berühmte Paläste, jeder mit einem großen Garten. Der eine davon, zu jener Zeit Southampton House und später Bedford House genannt, ward vor etwa fünfzig Jahren niedergerissen, um einem neuen Stadttheile Platz zu machen, der mit seinen Plätzen, Straßen und Kirchen eine große Fläche bedeckt, die im siebzehnten Jahrhundert ihrer Pfirsichen und Schnepfen wegen berühmt war. Der andre, Montague House, der sich durch seine Fresken und seine Möbeln auszeichnete, brannte einige Monate nach dem Tode Karl’s II. bis auf den Grund nieder, wurde aber alsbald wieder durch ein neues und viel prächtigeres Montague House ersetzt, das, nachdem es lange Zeit so mannichfaltige und kostbare Schätze der Kunst, Wissenschaft und Literatur geborgen, wie sie schwerlich je zuvor unter einem Dache vereinigt waren, unlängst einem noch prachtvolleren Gebäude Platz gemacht hat.88

Dem Hofe näher, auf einem Platze mit Namen St. James Fields, waren vor Kurzem St. James’ Square und Jermyn Street angelegt und zur Bequemlichkeit der Bewohner dieses Stadttheils die St. Jameskirche eröffnet worden.89 Golden Square, der in der nächstfolgenden Generation von Lords und Staatsministern bewohnt wurde, war damals noch nicht begonnen. Überhaupt sah man im Norden von Piccadilly noch keine anderen Wohnungen als einige alleinstehende, fast ländlich aussehende Häuser, von denen das berühmteste der von Clarendon erbaute kostspielige Palast war, den man den Spottnamen Dunkirk House gegeben hatte. Nach dem Sturze seines Erbauers war er vom Herzoge von Albemarle angekauft worden. Das Hotel Clarendon und Albemarle Street erinnern noch an die Lage des Platzes.

Wer sich damals in die Gegend verlief, welche jetzt den schönsten und lebhaftesten Theil von Regent Street bildet, sah sich in einer Einöde, wo er vielleicht so glücklich war, eine Schnepfe schießen zu können.90 Weiter nördlich zog sich die Straße nach Oxford zwischen Hecken hin. Einige hundert Yards gegen Süden sah man die Gartenmauern einiger großen Häuser, die nicht mehr als zur Stadt gehörend betrachtet wurden. Auf der Westseite befand sich eine Wiese, berühmt durch eine Quelle, welche später der Conduit Street (Wasserleitungsstraße) den Namen gab. Östlich war ein Feld, über welches damals kein Londoner ohne Grauen gehen kennte. An dieser von jeder menschlichen Wohnung entfernten Stelle war zwanzig Jahre früher, zur Zeit der großen Pest, eine ungeheure Grube angelegt worden, in welche die Leichenkarren allnächtlich Haufen von Todten warfen. Das Volk war der Meinung, die Erde sei dadurch verpestet und könne nicht ohne Gefahr für das menschliche Leben wieder ausgegraben werden. Erst nachdem zwei Generationen vorübergegangen waren, ohne daß die Pest zurückkehrte, und nachdem der unheimliche Platz schon auf allen Seiten von Häusern umgeben war, wagte man es endlich, ihn zu bebauen.91

Wir würden uns sehr irren, wenn wir glaubten, daß irgend eine der Straßen oder einer der Plätze so ausgesehen habe wie jetzt. Die große Mehrzahl der Häuser ist seitdem ganz oder theilweis neugebaut worden. Die vornehmsten Stadttheile würden, wenn sie uns jetzt in ihrer damaligen Gestalt vor Augen träten, uns durch ihr schmutziges Aussehen und durch ihre verdorbene Atmosphäre abstoßen. In Coventgarden wurde ganz nahe bei den Wohnungen der Großen ein unsauberer und lärmender Markt gehalten. Obstweiber riefen ihre Waare aus, Kärrner schlugen sich und Kohlstengel und verfaulte Äpfel lagen haufenweis vor den Hausthüren der Herzogin von Berkshire und des Bischofs von Durham.92

Der Mittelpunkt von Lincoln’s Inn Fields war ein freier Platz, auf dem sich jeden Abend der Pöbel wenige Schritte von Cardigan House und Winchester House versammelte, um die Reden von Marktschreiern anzuhören und Bärentänze oder Kämpfe zwischen Hunden und Stieren anzusehen. Eine widerliche Unreinlichkeit herrschte auf dem ganzen Platze, Pferde wurden daselbst zugeritten und das Bettelvolk war dort so lärmend und zudringlich wie in den am schlechtesten verwalteten Städten des Continents. Die Bezeichnung „Lincoln’s-Inn-Bettler“ war sprichwörtlich. Die ganze Sippschaft kannte das Wappen und die Livree jedes mildthätigen Großen in der nächsten Umgebung und sobald die sechsspännige Equipage Seiner Herrlichkeit erschien, hinkten und krochen sie schaarenweis herbei, um ihn durch ihr Gewinsel zu belästigen. Diese Unordnungen währten trotz vielfacher Unfälle und jeweiligen gerichtlichen Einschreitens so lange, bis unter der Regierung Georg’s II. der Staatsarchivar, Sir Joseph Jeckyll, mitten auf dem Platze zu Boden geschlagen und fast ermordet wurde. Jetzt endlich wurde er eingezäunt und durch freundliche Gartenanlagen verschönert.93

St. James Square war der Sammelplatz für allen Unrath, alle Asche und alle todten Katzen und Hunde von Westminster. Eine Zeitlang gab ein Stockkämpfer dort seine Vorstellungen; später erbaute ein frecher Mensch aus eigner Machtvollkommenheit einen Schuppen zur Aufbewahrung von Lumpen und anderen Abgängen, unter den Fenstern der vergoldeten Prunksäle, in denen die ersten Magnaten des Reichs, die Norfolk, die Ormond, die Kent und die Pembroke Gastmähler und Bälle gaben. Erst nachdem diese Unzuträglichkeiten ein ganzes Menschenalter gedauert hatten und viel darüber geschrieben worden war, wendeten sich die Bewohner an das Parlament und erhielten die Erlaubniß, den Platz einzäunen und einige Bäume auf demselben pflanzen zu dürfen.94

Wenn sich der von der vornehmsten Klasse der Gesellschaft bewohnte Stadttheil in einem solchen Zustande befand, so läßt sich leicht denken, daß die große Masse der Bevölkerung Dinge ertragen mußte, welche jetzt für unerträglich gehalten werden würden. Das Straßenpflaster war abscheulich und alle Fremden schrieen Zeter darüber; die Abzugskanäle waren so schlecht, daß bei starkem Regen die Gossen zu reißenden Strömen wurden. Mehrere humoristische Dichter haben die Wuth besungen, mit der sich diese schwarzen Ströme Snow Hill und Ludgate Hill hinabwälzten, um Fleet Ditch einen ansehnlichen Beitrag an animalischem und vegetabilischem Unrath aus den Buden der Metzger und der Gemüsehändler zuzuführen. Durch die vorüberfahrenden Wagen und Karren wurde dieses schmutzige Wasser nach allen Seiten hin emporgesprützt, so daß jeder Fußgänger sich möglichst weit von dem Fahrwege zu entfernen, suchte. Die Sanftmütigen und Schüchternen gaben die Mauer frei, der sich die Dreisteren und Stärkeren bemächtigten; begegneten einander aber zwei Starrköpfe, so drückten sie die Hüte ins Gesicht und stießen sich so lange herum, bis der Schwächere in den Rinnstein taumelte. War der Besiegte ein Poltron, so zog er mit der Drohung, es werde sich schon eine Gelegenheit finden, ab; war er dagegen rauflustig, so endete die Geschichte zuweilen mit einem Zweikampfe hinter Montague House.95

Die Häuser waren damals nicht nummerirt, was auch nur geringen Nutzen gehabt haben würde, da die große Mehrzahl der Kutscher, Sänftenträger, Hausknechte und Laufburschen Londons nicht lesen konnte. Man mußte sich daher solcher Kennzeichen bedienen, die auch der Unwissendste verstand, und zu dem Ende waren alle Läden mit gemalten Schildern versehen, welche den Straßen ein eben so freundliches als seltsames Ansehen gaben. Der Weg von Charing Croß nach Whitechapel führte durch eine endlose Reihe von Mohrenköpfen, Königseichen, Blauen Bären und Goldenen Lämmern, welche verschwanden, sobald sie dem gemeinen Volke nicht mehr als Wegweiser dienen konnten.

Des Abends war eine Fußwanderung durch London in der That mit ernsten Schwierigkeiten und selbst mit Gefahren verknüpft. Die Fenster wurden geöffnet und allerhand Gefäße ohne Rücksicht auf die Vorübergehenden ausgeschüttet. Fälle, Quetschungen und Arm- oder Beinbrüche kamen sehr häufig vor, denn bis zum letzten Regierungsjahre Karl’s II. ließ man die meisten Straßen des Nachts in tiefster Finsterniß. Diebe und Straßenräuber konnten ungestraft ihr Handwerk ausüben, doch waren diese von den friedlichen Bürgern kaum so gefürchtet, als eine andre Klasse von Bösewichtern. Es war ein Lieblingsvergnügen der übermüthigen jungen Herren, des Nachts durch die Stadt zu schwärmen und Fenster einzuwerfen, Sänften umzustürzen, ruhige Leute zu prügeln und hübsche Damen durch rohe Zudringlichkeiten zu belästigen. Seit der Restauration hatten schon mehrere Dynastien dieser Tyrannen die Straßen beherrscht. Die „Muns“ und die „Tityre Tus“ hatten den „Hectors“ Platz gemacht und auf die „Hectors“ waren neuerdings die „Scourers“ gefolgt. Später kam der „Nicker“, der „Hawcubite“ und der noch weit mehr gefürchtete „Mohawk“.96

Die Londoner Polizei. Die Maßregeln zur Aufrechthaltung der Ruhe waren höchst mangelhaft. Zwar gab es eine Verordnung des Gemeinderaths, nach welcher mehr als tausend Nachtwächter fortwährend von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang auf den Beinen sein und daß jeder Einwohner der Reihe nach diesen Dienst versehen sollte, allein diese Verordnung wurde nur sehr lässig durchgeführt. Wenige von Denen, welche aufgefordert waren, verließen das Haus und diese Wenigen fanden es meist angenehmer, in den Bierhäusern zuzubringen als durch die Straßen zu wandern.97

Beleuchtung von London. Es muß bemerkt werden, daß im letzten Jahre der Regierung Karl’s II. in dem Polizeiwesen der Hauptstadt eine wichtige Veränderung eintrat, welche zum Wohle der Gesammt­bevölkerung vielleicht eben so viel beigetragen hat, als manche andre viel berühmtere Umwälzung. Ein spekulativer Kopf, Namens Eduard Heming, erhielt ein Patent, durch welches ihm auf eine bestimmte Anzahl Jahre die Beleuchtung London’s ausschließlich überlassen wurde. Gegen eine mäßige Vergütung verpflichtete er sich in mondlosen Nächten von Michaelis bis zum Tage Maria Verkündigung, Abends von sechs bis zwölf Uhr an jeder zehnten Hausthür ein Licht anzubringen. Wer jetzt die Hauptstadt das ganze Jahr hindurch von der Abend- bis zur Morgendämmerung in einem Lichtmeere strahlen sieht, gegen welches die festlichen Illuminationen wegen der Siege von La Hogue und Blenheim matt erschienen sein würden, der wird vielleicht bei dem Gedanken an Heming’s Laternen lächeln, die ungefähr den dritten Theil des Jahres während einiger Stunden der Nacht vor jedem zehnten Hause einen schwachen Lichtschein verbreiteten. Heming’s Zeitgenossen waren andrer Meinung; sein Plan fand enthusiastischen Beifall, erfuhr aber auf der andren Seite auch die heftigsten Angriffe. Die Freunde des Fortschritts priesen ihn als den größten Wohlthäter seiner Vaterstadt. Was waren, fragten sie, die vielgerühmten Erfindungen des Archimedes im Vergleich zu der Verbesserung dieses Mannes, der die Schatten der Nacht in helles Tageslicht verwandelt! Aber trotz dieser beredten Lobeserhebungen hatte auch die Sache der Finsterniß ihre Vertheidiger. Es gab zu jener Zeit Schwachköpfe, die sich der Einführung dieses sogenannten „neuen Lichtes“ eben so hartnäckig widersetzten, wie sich die Thoren unsrer Zeit der Einführung der Kuhpockenimpfung und der Eisenbahnen und die Thoren der grauen Vorzeit ohne Zweifel der Einführung des Pfluges und der Buchstabenschrift widersetzt haben. Noch viele Jahre nach Ertheilung des Patents an Heming gab es ganze Stadttheile, in denen keine Lampe zu sehen war.98

Whitefriars. Man kann daraus leicht schließen, in welchem Zustande sich damals diejenigen Stadttheile London’s befunden haben mögen, die von dem Auswurfe der Gesellschaft bewohnt waren. Einer von diesen Stadttheilen war ganz besonders berüchtigt. An den Grenzen der City und des Temple war im dreizehnten Jahrhunderte ein Kloster für Karmeliter, die sich durch ihre weißen Kaputzen unterschieden, erbaut worden. Die Räume dieses Klosters waren vor der Reformation eine Zufluchtsstätte für Verbrecher gewesen und es besaß noch immer das Privilegium, verfolgte Schuldner vor der Verhaftung zu schützen. Das ganze Kloster war daher beständig, vom Keller bis zum Dachboden, mit solchen Leuten angefüllt, von denen ein großer Theil Schurken und Wüstlinge waren, die gewöhnlich noch verworfenere Weibspersonen mit in dieses Asyl brachten. Die bürgerliche Gewalt war nicht im Stande, in einem Stadtbezirke, der von solchen Bewohnern wimmelte, Ordnung zu halten, und so wurde Whitefriars der Lieblingsaufenthalt aller Derjenigen, die sich von dem lästigen Zwange des Gesetzes befreien wollten. Obgleich sich die dem Kloster gesetzlich zustehenden Vorrechte nur auf Schuldverhältnisse erstreckten, so fanden doch auch Betrüger, falsche Zeugen, Fälscher und Räuber daselbst bereitwillige Aufnahme. Unter einem so verzweifelten Gesindel war ein öffentlicher Beamter seines Lebens nicht sicher. Auf den Ruf „zu Hülfe!“ stürmten Raufbolde mit Schwertern und Knitteln und kampflustige Weiber mit Bratspießen und Besenstielen zu Hunderten herbei, und der unberufene Eindringling konnte noch von Glück sagen, wenn er ohne Kleider und am ganzen Körper zerschlagen die Straße wieder erreichte. Selbst ein Verhaftbefehl von Seiten des Oberrichters von England konnte nicht ohne den Beistand einer Compagnie Soldaten vollzogen werden. Solche Überreste von dem Barbarismus des rohesten Zeitalters fanden sich in geringer Entfernung von den Zimmern, in denen Somers Geschichte und Rechtswissenschaft studirte, von der Kirche, in welcher Tillotson predigte, von dem Kaffeehause, wo Dryden über Poesie und Theater sein Urtheil abgab, und von dem Saale, in welchem die Königliche Societät das Sternensystem Isaak Newton’s prüfte.99

Der Hof. Jede der beiden Städte, welche zusammen die Hauptstadt England’s bildeten, hatte ihren besonderen Mittelpunkt, der seine Anziehungskraft ausübte. In der Hauptstadt des Handels war dieser Centralpunkt die Börse, in der Hauptstadt der vornehmen Welt der königliche Palast. Letzterer behauptete jedoch seinen Einfluß nicht so lange als die Börse. Die Revolution führte eine vollständige Veränderung des Verhältnisses zwischen dem Hofe und den höheren Klassen der Gesellschaft herbei. Man kam nach und nach dahinter, daß der König für seine Person sehr wenig zu vergeben hatte, daß Adelsdiplome und Orden, Bisthümer und Gesandtschaften, Schatz- und Zahlmeisterposten in der Schatzkammer, ja selbst Stallmeister- und Kammerherrnstellen eigentlich nicht von ihm, sondern von seinen Räthen vergeben wurden. Jeder Ehrgeizige und Habsüchtige sah ein, daß er weit besser für seinen Vortheil sorge, wenn er die Herrschaft in einem Flecken von Cornwall erlangte und dem Ministerium in einer kritischen Parlamentssession gute Dienste leistete, als wenn er der Gesellschaft und selbst der Günstling seines Fürsten wurde. Die Menge der Stellenjäger war daher alltäglich nicht in den Vorzimmern Georg’s I. und Georg’s II., sondern in denen Walpole’s und Pelham’s zu finden. Auch muß bemerkt werden, daß die nämliche Revolution, die es unseren Königen unmöglich machte, das ihnen zustehende Patronatsrecht im Staate lediglich zur Befriedigung ihrer persönlichen Neigungen auszuüben, uns mehrere Könige gab, die in Folge ihrer Erziehung und ihrer Gewohnheiten unfähig waren, freundliche und angenehme Wirthe zu sein. Sie waren auf dem Continent geboren und erzogen und fühlten sich nie recht heimisch auf unsrer Insel. Wenn sie unsre Sprache überhaupt sprachen, so sprachen sie sie doch ohne Eleganz und nur mit Anstrengung, verstanden unsren Nationalcharacter nie vollkommen und versuchten es kaum, sich unsere Nationalsitten anzueignen. Zwar erfüllten sie den wichtigsten Theil ihrer Pflicht besser als irgend einer ihrer Vorgänger, denn sie regierten streng den Gesetzen gemäß, aber nie konnten sie die ersten Gentlemen des Reichs, die Oberhäupter der gebildeten Gesellschaft werden. Wenn sie einmal den Zwang der Etikette abwarfen, so geschah es nur in einem sehr kleinen Kreise, in welchem kaum ein englisches Gesicht zu erblicken war und sie fühlten sich nie glücklicher, als wenn sie auf einen Sommer in ihr Geburtsland entfliehen konnten. Sie empfingen zwar an bestimmten Tagen unsren Adel und unsre Gentry, aber dieser Empfang war eine bloße Formalität und wurde zuletzt so feierlich wie ein Leichenbegängniß.

Anders war es am Hofe Karl’s II. Whitehall war während seines Aufenthalts daselbst der Brennpunkt der politischen Intriguen und der vornehmen Vergnügungen. Die Hälfte aller Ränke und Umtriebe der ganzen Hauptstadt wurde unter seinem Dache gesponnen. Wer es verstand, sich die Gunst des Fürsten oder seiner Maitresse zu erwerben, der durfte hoffen, sich emporzuschwingen, ohne der Regierung Dienste geleistet zu haben, ja ohne einem Minister nur von Ansehen bekannt zu sein. Dieser erlangte eine Fregatte, Jener eine Compagnie, ein Dritter die Begnadigung eines reichen Verbrechers, ein Vierter die Pachtung von Kronländereien unter billigen Bedingungen. Sprach der König den Wunsch aus, daß ein unbeschäftigter Advokat zum Richter, oder ein ausschweifender Baronet zum Peer ernannt werden mochte, so fügten sich auch die ernstesten Räthe der Krone nach schüchterner Einsprache.100 Das Interesse führte daher beständig eine Menge Bittsteller an die Thore des Palastes und diese waren stets geöffnet. Der König hielt jeden Tag vom Morgen bis zum Abend offenes Haus für die gute Gesellschaft von London, mit alleiniger Ausnahme der heftigsten Whigs. Einem Gentlemen wurde es fast niemals schwer, zu der Person des Königs zu gelangen. Das Lever war ein solches im wahren Sinne des Worts, denn jeden Morgen fanden sich einige hochstehende Männer ein, um ihrem Gebieter Gesellschaft zu leisten und ihn zu unterhalten, während er sich ankleiden ließ, und ihn dann auf seinem Morgenspaziergange durch den Park zu begleiten. Jeder der bei Hofe gehörig vorgestellt war, konnte ohne besondere Einladung in den Palast kommen, um den König speisen, tanzen oder spielen zu sehen, und konnte das Vergnügen haben, ihm höchst interessante und unterhaltende Geschichten von seiner Flucht aus Worcester und von den Leiden, die er als Staatsgefangener in den Händen der frömmelnden und anmaßenden Priester Schottland’s hatte ertragen müssen, erzählen zu hören. Anwesende, die Seine Majestät erkannte, wurden oft mit einem freundlichen Worte beglückt. Dieses Verfahren erwies sich als weit nutzbringender für den König als das seines Vaters oder seines Großvaters. Auch der starrste Republikaner aus Marvel’s Schule konnte dem Zauber einer solchen Freundlichkeit und Herablassung nicht leicht widerstehen, und mancher alte Veteran, in dessen Herzen der Gedanke an unvergoltene Opfer und Dienste zwanzig Jahre lang bitteren Groll gehäuft hatte, fühlte sich für Wunden und Vermögensconfiscation durch den freundlichen Blick seines Souverains und durch ein „Gott grüß’ Euch, alter Freund!“ in einem Augenblicke entschädigt.

So wurde Whitehall ganz natürlich die Hauptquelle aller Neuigkeiten. Wenn sich das Gerücht verbreitete, daß irgend etwas Wichtiges geschehen sei oder geschehen werde, so strömte alsbald das Volk dahin, um aus der ersten Hand Nachricht zu erhalten. Die Corridors hatten dann das Aussehen eines modernen Clubzimmers in bewegter Zeit. Sie waren angefüllt mit Leuten, die sich erkundigten, ob die holländische Post eingetroffen sei, welche Nachrichten der Expresse aus Frankreich gebracht, ob Johann Sobiesky die Türken geschlagen habe oder ob der Doge von Genua wirklich in Paris sei. Dies waren Dinge, von denen man ungescheut sprechen durfte, allein es gab auch andere, über die man nur leise Erkundigungen einzog und Auskunft gab. War Rochester durch Halifax verdrängt? Sollte das Parlament einberufen werden? Ging der Herzog von York wirklich nach Schottland? War Monmouth wirklich aus dem Haag zurückberufen wurden? Man versuchte es in den Mienen des Ministers zu lesen, der sich eben durch das Gewühl drängte, um in das königliche Kabinet zu gehen, oder aus demselben zurückkehrte. Aus dem Tone, in welchem Seine Majestät mit dem Lord Präsidenten gesprochen, oder aus dem Lächeln, mit dem Seine Majestät einen Scherz des Lord Geheimsiegelbewahrers beehrt hatte, wurden allerhand Schlüsse gezogen, und binnen wenigen Stunden hatten sich die aus solchen geringfügigen Anzeichen geschöpften Hoffnungen oder Befürchtungen durch alle Kaffeehäuser vom St. Jamespalast bis zum Tower verbreitet.101

Die Kaffeehäuser. Das Kaffeehaus darf nicht bloß oberflächlich berührt werden, denn es hätte damals nicht mit Unrecht eine höchst wichtige politische Institution genannt werden können. Seit Jahren war kein Parlament versammelt gewesen; der Gemeinderath der City war nicht mehr der Repräsentant der Gesinnung der Bürger; Volksversammlungen, Reden, Beschlüsse und das ganze übrige neuere Getriebe der Agitation war noch nicht angekommen, es gab noch kein Zeitungswesen, das dem unsrigen ähnelte. Unter solchen Umständen waren die Kaffeehäuser die Hauptorgane, durch welche sich die öffentliche Meinung der Hauptstadt äußerte.

Das erste derartige Etablissement war zur Zeit der Republik von einem mit der Türkei Handel treibenden Kaufmanne errichtet worden, der bei den Muhamedanern Geschmack an ihrem Lieblingsgetränk gefunden hatte. Die Annehmlichkeit, in allen Theilen der Stadt Zusammenkunftsorte zu haben und die Abende sehr wohlfeil in Gesellschaft zubringen zu können, war so groß, daß sich die Mode rasch verbreitete. Jeder Mann aus den höheren und mittleren Ständen ging täglich in sein Kaffeehaus, um Neuigkeiten zu erfahren und darüber zu sprechen, und jedes Kaffeehaus hatte einen oder mehrere Wortführer, deren Reden der große Haufe mit Bewunderung anhörte und welche bald das wurden, als was man auch die Journalisten unsrer Zeit bezeichnet hat: ein vierter Stand des Reichs. Der Hof hatte das Erstehen dieser neuen Macht im Staate schon längst mit mißliebigem Auge betrachtet und es war auch unter Danby’s Verwaltung ein Versuch gemacht worden, die Kaffeehäuser zu schließen; aber Männer aller Parteien vermißten ihre gewohnten Versammlungsorte so schmerzlich, daß ein allgemeines Wehgeschrei ertönte. Die Regierung wagte es daher nicht, so allgemein und entschieden ausgesprochenen Wünschen entgegen eine Verordnung durchzuführen, deren Gesetzmäßigkeit wohl in Zweifel gezogen werden konnte. Seitdem waren zehn Jahre vergangen und während dieses Zeitraums hatte sich die Zahl und der Einfluß der Kaffeehäuser beständig vermehrt. Fremde machten die Bemerkung, daß das Kaffeehaus das sei, wodurch sich London wesentlich von allen anderen Städten unterscheide, daß es die eigentliche Heimath des Londoners sei und daß Derjenige, der einen Gentleman aufsuchen wolle, nicht danach zu fragen pflege, ob er in Fleet Street oder in Chancery Lane wohne, sondern ob er den „Griechen“ oder den „Regenbogen“ besuche. Niemand war von diesen Lokalen ausgeschlossen, der seinen Penny bezahlte. Indessen hatte jeder Rang und Stand und jede religiöse und politische Farbe ihr besondres Hauptquartier. In der Nähe von St. James Park waren Kaffeehäuser, in denen sich Stutzer versammelten, deren Kopf und Schultern mit schwarzen oder weißen Perrücken von nicht geringerem Umfange bedeckt waren, wie sie jetzt der Kanzler und der Sprecher des Hauses der Gemeinen tragen. Die Perrücke stammte aus Paris, eben so auch der übrige Staat des feinen Herrn: der gestickte Frack, die mit Fransen besetzten Handschuhe und die Troddelschnur, die das Beinkleid über den Hüften festhielt. Dort wurde in dem Dialecte gesprochen, der noch lange, nachdem er in den vornehmen Kreisen aus der Mode gekommen war, im Munde Lord Foppington’s die Lachlust des Theaterpublikums reizte.102 Die Atmosphäre hatte Ähnlichkeit mit der eines Parfümerieladens und der Tabak war in jeder andren Form als in der eines lieblich duftenden Schnupftabaks streng verpönt. Fiel es einem mit den Sitten bei Hauses noch Unbekannten etwa ein, eine Pfeife zu verlangen, so belehrten ihn das höhnische Lächeln der Anwesenden und die kurzen Antworten der Kellner sehr bald, daß er besser thun würde, anderswohin zugehen. Er hatte auch nicht weit zu gehen, denn in den meisten Kaffeehäusern wurde geraucht wie in einer Wachstube und Fremde wunderten sich zuweilen darüber, daß so viele Leute ihre Wohnung verließen, um beständig in einem solchen Nebel und Gestank zu sitzen. Am stärksten wurde in Will’s Kaffeehause geraucht. Dieses berühmte Haus, das zwischen Coventgarden und Bow Street lag, war den schönen Wissenschaften geweiht. Die Hauptgegenstände der Unterhaltung waren dort die poetische Gerechtigkeit und die Einheit von Raum und Zeit; es gab eine Faction für Perrault und die Neueren, eine andere für Boileau und die Alten. Die eine Gruppe diskutirte darüber, ob das „Verlorene Paradies“ nicht hätte in Reimen geschrieben werden sollen, einer andern bewies ein mißgünstiges Poetlein, daß das „Gerettete Venedig“ im Theater hätte ausgezischt werden sollen. Nirgends konnte man unter einem Dache eine größere Mannichfaltigkeit von Gestalten sehen: Earls mit Sternen und Ordensbändern, Geistliche in ihren Priesterröcken, naseweise Templer, schüchterne Knaben von den Universitäten, Übersetzer und Indexmacher in zerrissenen Flausröcken. Das ärgste Gedränge war immer in der Nähe des Platzes, auf dem John Dryden saß. Im Winter war dieser Platz im wärmsten Winkel unweit des Kamins, im Sommer auf dem Balcon. Ihn zu begrüßen und seine Meinung über Racine’s neuestes Trauerspiel oder über Bossu’s Werk über die epische Dichtkunst zu hören, galt für ein Glück. Eine Prise aus seiner Dose war eine Ehre, die einem jungen Enthusiasten den Kopf verrücken konnte. Es gab ferner Kaffeehäuser, in denen man die angesehensten Ärzte consultiren konnte. Der Doctor John Radcliffe, der im Jahre 1685 von allen Londoner Ärzten die ausgedehnteste Praxis besaß, kam täglich um die Zeit, wo es an der Börse am lebhaftesten war, aus seiner Wohnung in Bow Street, damals einem eleganten Stadttheile von London, in Garraway’s Kaffeehaus, wo man ihn regelmäßig, von Wundärzten und Apothekern umgeben, an einem besonderen Tische fand. Auch gab es puritanische Kaffeehäuser, in denen man keinen Schwur hörte, und wo glattköpfige Männer in näselndem Tone von Gnadenwohl und Verdammniß sprachen; ferner jüdische Kaffeehäuser, wo sich schwarzäugige Geldwechsler aus Venedig und Amsterdam versammelten, und endlich papistische, in denen, wie die guten Protestanten glaubten, Jesuiten bei der Kaffeetasse über den Plan zu einem neuen großen Brande brüteten und silberne Kugeln gossen, um damit den König zu erschießen.103

Diese geselligen Gewohnheiten bildeten einen characteristischen Zug des Londoners der damaligen Zeit. Er war in der That ein von dem englischen Provinzbewohner ganz verschiedenes Wesen, und es bestand damals zwischen diesen beiden Klassen noch nicht der Verkehr, wie gegenwärtig. Nur sehr vornehme und reiche Leute pflegten ihren Aufenthalt zwischen Stadt und Land zu theilen. Wenige Landedelleute kamen in ihrem Leben dreimal nach London, und ebensowenig war es damals Mode, daß die wohlhabenderen Bewohner der Hauptstadt im Sommer einige Wochen lang die frische Landluft einathmeten. Das Londoner Stadtkind wurde auf dem Dorfe angestaunt, als ob es sich in ein Hottentotten-Kraal verlaufen hätte. Wenn auf der andren Seite ein Gutsbesitzer aus Lincolnshire oder Shropshire in Fleet Street erschien, so wurde er von den Stadtbewohnern eben so leicht unterschieden, wie ein Türke oder ein Lascar. Seine Kleidung, sein Gang, seine Sprache, die Art und Weise, wie er die Läden anstaunte, in die Rinnsteine stolperte, gegen die Lastträger anrannte und unter den Dachtraufen stehen blieb, machte ihn zu einem willkommenen Schlachtopfer für Gauner und zu einer trefflichen Zielscheibe für muthwillige Spaßvögel. Raufbolde stießen ihn absichtlich in die Gosse, Miethkutscher bespritzten ihn vom Kopf bis zu den Füßen, und wenn er mit bewunderndem Entzücken den Lord Mayor mit seinem glänzenden Gefolge vorüberziehen sah, untersuchten gewandte Diebe mit alter Bequemlichkeit die weiten Taschen seines Reitrockes. Verschmitzte Gauner, noch wund von der Peitsche des Zuchtmeisters, knüpften ein Gespräch mit ihm an und dünkten ihm die liebenswürdigsten und rechtschaffensten Männer, die er jemals kennen gelernt. Geschminkte Dirnen, der Auswurf von Lewkner Lane und Whetstone Park, gab sich ihm gegenüber für Gräfinnen und Hoffräuleins aus. Wenn er sich nach dem Wege nach St. James erkundigte, schickte man ihn nach Mile End. Trat er in einen Laden, so erkannte man in ihm sogleich einen Käufer für solche Waaren, die kein Mensch sonst haben mochte, und man hing ihm verlegene Stickereien, kupferne Ringe und Uhren auf, die nicht gehen wollten. Ließ er sich in einem eleganten Kaffeehause blicken, so wurde er alsbald die Zielscheibe des rücksichtslosen Spottes der Stutzer und ernsterer Neckereien von Seiten der Studenten. Voll Ärger und Verdruß kehrte er sehr bald auf sein Landgut zurück und fand in der Ehrerbietung seiner Pächter und in der Unterhaltung mit seinen heiteren Genossen Trost für die erlittenen Demüthigungen und Kränkungen. Hier fühlte er sich wieder als Mann von Gewicht und erblickte Niemanden über sich, ausgenommen, wenn er bei den Assisen seinen Platz neben dem Richter einnahm oder wenn er bei der Musterung der Miliz den Lordlieutenant begrüßte.

Schwierigkeiten des Reisens. Ein Haupthinderniß für die Verschmelzung der verschiedenen Elemente der Gesellschaft war die große Schwierigkeit, die es unseren Vorfahren machte, wenn sie sich an einen andren Ort begeben wollten. Mit alleiniger Ausnahme des Alphabets und der Buchdruckerkunst haben diejenigen Erfindungen, welche die Entfernung abkürzten, zur Civilisation unsres Geschlechts am meisten beigetragen. Jede Vervollkommnung der Communicationsmittel bringt der Menschheit sowohl in materieller, als auch in moralischer und intellectueller Hinsicht Nutzen und erleichtert nicht nur den Austausch der verschiedenen Natur- und Kunstproducte, sondern trägt auch zur Beseitigung nationaler und provinzieller Vorurtheile und zur engeren Verbindung aller Zweige der großen menschlichen Familie bei. Im siebzehnten Jahrhundert waren die Bewohner von London zu fast jedem praktischen Zwecke von Reading weiter entfernt, als heutzutage von Edinburg, und von Edinburg weiter als jetzt von Wien.

Den Unterthanen Karl’s II. war übrigens die Kraft, die in unseren Tagen eine beispiellose Umwälzung in allen menschlichen Dingen hervorgebracht, welche Flotten in den Stand gesetzt hat gegen Wind und Fluth zu steuern, und Bataillone, mit Gepäck und Geschützen ganze Reiche mit der Geschwindigkeit des besten Renners zu durcheilen, nicht mehr ganz unbekannt. Der Marquis von Worcester hatte unlängst die Expansivkraft des durch Hitze verdünnten Wassers erkannt, und nach vielen Versuchen war es ihm gelungen, eine rohe Dampfmaschine zu construiren, die er Feuerwasserwerk nannte und als eine bewunderungswürdige Fortbewegungsmaschine von außerordentlicher Kraft bezeichnete.104 Aber man hielt den Marquis für wahnsinnig und überdies war er als Papist bekannt. Seine Erfindungen fanden daher keine günstige Aufnahme; sein Feuerwasserwerk gab vielleicht Stoff zu einem Vortrage in der Königlichen Societät, aber zu einem praktischen Zwecke wurde es nicht angewendet. Schienenwege gab es damals noch nicht, einige hölzerne ausgenommen, von den Kohlengruben in Northumberland bis an die Ufer des Tyne.105 Die inneren Wasserverbindungen waren ebenfalls noch sehr spärlich; zwar hatte man einige Versuche gemacht, die Flüsse zu vertiefen und zu dämmen, aber mit sehr geringem Erfolge. Kaum ein einziger schiffbarer Kanal war nur projectirt. Die damaligen Engländer sprachen mit einer neidischen Bewunderung von dem großen Kanale, durch welchen Ludwig XIV. den Atlantischen Ocean mit dem Mittelländischen Meere verbunden hatte. Sie ahneten nicht, daß ihr ganzes Land einige Generationen später auf Kosten von Privatunternehmern von künstlichen Strömen durchschnitten sein würde, welche viermal so lang sind als die Themse, der Severn und der Trent zusammengenommen.

Schlechter Zustand der Landstraßen. Die Reisenden und Waaren wurden meist auf den Landstraßen von Ort zu Ort geschafft und diese befanden sich in einem viel schlechteren Zustande, als man es bei dem Grade von Reichthum und Civilisation, den die Nation schon damals erreicht, hätte erwarten sollen. Die besten Verbindungswege hatten tiefe Geleise, steile Abhänge und waren im Dunkeln kaum von den zu beiden Seiten befindlichen Haiden und Sümpfen zu unterscheiden. Der Alterthumsforscher Ralph Thoresby war in Gefahr, sich auf der großen Nordstraße zwischen Barnby Moor und Tuxford zu verirren und verirrte sich wirklich zwischen Doncaster und York.106 Pepys und seine Gattin, welche mit eigner Equipage reisten, verirrten sich zwischen Newbury und Reading; auf der nämlichen Reise verirrten sie sich noch einmal in der Nähe von Salisbury, wo sie die Nacht fast hätten auf freiem Felde zubringen müssen.107 Nur bei gutem Wetter konnte die Straße in ihrer ganzen Breite von Räderfuhrwerk benutzt werden. Oft lag tiefer Koth zu beiden Seiten und nur ein schmaler Streifen festen Bodens zog sich zwischen dem Moraste hin.108 Zu solchen Zeiten gab es häufigen Aufenthalt und Streit, denn die Straße war zuweilen lange von Fuhrleuten versperrt, die einander nicht ausweichen wollten. Es kam fast täglich vor, daß Kutschen stecken blieben, bis ein Ochsenvorspann aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft werden konnte, um sie aus dem Schlamme zu ziehen. In der schlechten Jahreszeit aber hatte der Reisende mit noch viel größeren Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Thoresby, der oft von Leeds nach der Hauptstadt und zurück reisen mußte, hat in seinem Tagebuche eine Reihe von Gefahren und Unfällen aufgezeichnet, die für eine Reise nach dem Eismeere oder durch die Wüste Sahara vollkommen genug sein würden. Einmal erfuhr er, daß zwischen Ware und London die Flüsse ausgetreten waren, daß Reisende sich nur durch Schwimmen gerettet hatten und daß ein Hausirer, der dies, auch hatte versuchen wollen, ums Leben gekommen war. In Folge dieser Nachrichten lenkte er von der Heerstraße ab und ritt über einige Wiesen, wo ihm das Wasser bis an den Sattel ging.109 Auf einer andren Reise entging er mit knapper Noth der Gefahr, von einer Überschwemmung des Trent hinweggespült zu werden. Später einmal mußte er des schlechten Zustandes der Straße wegen vier Tage in Stamford liegen bleiben und wagte dann die Weiterreise nur in Gesellschaft von vierzehn Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, welche mit Führern und einem zahlreichen Gefolge nach London zum Parlament reisten.110 Auf den Straßen von Derbyshire waren die Reisenden in steter Gefahr, den Hals zu brechen und mußten oft absteigen und ihre Pferde führen.111 Die Hauptstraße durch Wales nach Holyhead war in einem solchen Zustande, daß im Jahre 1685 ein Vicekönig, der sich nach Irland begab, fünf Stunden brauchte, um den vierzehn Meilen langen Weg von St. Asaph nach Conway zurückzulegen. Zwischen Conway und Beaumaris mußte er eine große Strecke zu Fuß gehen und seine Gemahlin in einer Sänfte tragen lassen. Sein Wagen konnte ihm nur mit Beihülfe vieler Hände in unverändertem Zustande nachgeschickt werden. In der Regel wurden die Wagen in Conway auseinandergenommen und von kräftigen waleser Landleuten bis ans Ufer der Menaistraße getragen.112 In einigen Theilen von Kent und Sussex konnten im Winter nur die stärksten Pferde durch den Schlamm kommen, in den sie bei jedem Schritte versanken. Die Märkte mußten deshalb oft mehrere Monate ausgesetzt werden. Es wird erzählt, daß die Feldfrüchte zuweilen an einem Orte unbenutzt verfaulten, während an einem wenige Meilen davon entfernten Orte der Vorrath bei weitem nicht dem Bedarf entsprach. Die Räderfuhrwerke wurden in dieser Gegend meist von Ochsen gezogen.113 Als der Prinz Georg von Dänemark bei nassem Wetter das prächtige Schloß Petworth besuchte, brauchte er sechs Stunden zu neun Meilen Wegs und mehrere kräftige Männer mußten zu beiden Seiten des Wagens gehen, um denselben zu stützen. Von den Wagen seines Gefolges wurden mehrere umgeworfen und beschädigt. Es existirt noch ein Brief von einem seiner Kammerdiener, worin der gute Mann sich beklagt, daß er in vierzehn Stunden nicht ein einziges Mal ausgestiegen sei, außer wenn sein Wagen umwarf oder im Kothe stecken blieb.114

Eine Hauptursache der schlechten Beschaffenheit der Heerstraßen scheint die Mangelhaftigkeit der Gesetze gewesen zu sein. Jedes Kirchspiel war verpflichtet, die durch sein Gebiet führende Chaussee in Stand zu halten. Zu dem Ende mußte jeder Landmann sechs Tage im Jahre unentgeltlich daran arbeiten, und genügte dies nicht, so wurden Arbeiter gemiethet und die Kosten durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Daß eine Heerstraße, welche zwei große Städte verbindet, die einen lebhaften und einträglichen Handel mit einander treiben, auf Kosten der zwischen ihnen zerstreuten ländlichen Bevölkerung unterhalten werden soll, ist offenbar unbillig, und diese Unbilligkeit war namentlich bei der großen Nordstraße in die Augen fallend, indem dieselbe durch sehr arme und dünn bevölkerte Districte führte, aber sehr wohlhabende und volkreiche mit einander verband. Es liegt wohl klar am Tage, daß man den Gemeinden von Huntingdonshire nicht zumuthen konnte, eine Straße in Stand zu halten, welche durch den lebhaften Handelsverkehr zwischen dem Westen von Yorkshire und London arg zugerichtet wurde. Bald nach der Restauration erregte dieser Übelstand die Aufmerksamkeit des Parlaments und es wurde eine Verordnung, das erste unserer zahlreichen Chausseegesetze, erlassen, durch welche den Reisenden und Gütern eine kleine Abgabe als Beitrag zu den Unterhaltungskosten dieser wichtigen Verbindungslinie auferlegt ward.115 Diese Neuerung erregte jedoch heftiges Murren und die übrigen großen Zugänge nach der Hauptstadt blieben daher noch lange unter dem alten Systeme, bis endlich, nicht ohne große Schwierigkeiten, eine Veränderung vorgenommen wurde. Ungerechte und zwecklose Steuern, an die das Volk einmal gewöhnt ist, zahlt es oft williger als eine neue, wenn auch noch so vernünftige Abgabe. Erst nachdem viele Schlagbäume gewaltsam zerstört, in vielen Bezirken die bewaffnete Macht gegen das Volk eingeschritten und viel Blut vergossen worden war, gewann das zweckmäßige System festen Boden.116 Der Verstand siegte nach und nach über das Vorurtheil und gegenwärtig ist unsre Insel mit einem Netze von dreißigtausend Meilen vortrefflicher Chausseen überzogen.

Auf den besseren Landstraßen wurden zur Zeit Karl’s II. schwere Güter gewöhnlich durch öffentliche Frachtfuhrwerke befördert. In dem Strohe dieser Frachtwagen nistete immer ein Häufchen Passagiere, welche nicht die Mittel hatten, um in einer Kutsche oder zu Pferde zu reisen und die durch Gebrechlichkeit oder durch ihr Gepäck verhindert waren, zu Fuße zu gehen. Die Kosten der Versendung von Frachtgütern auf diesem Wege waren enorm. Von London nach Birmingham betrug die Fracht sieben Pfund, von London nach Exeter zwölf Pfund Sterling für die Tonne.117 Dies machte pro Tonne etwa fünfzehn Pence auf die Meile, ein Drittel mehr als später auf den besten Chausseen bezahlt wurde, und fünfzehnmal so viel als jetzt die Eisenbahngesellschaften verlangen. Bei manchen nützlichen Gegenständen waren die hohen Frachtkosten so gut wie ein Prohibitivzoll. Besonders Steinkohlen sah man nirgends als in den Districten, wo sie zu Tage gefördert wurden, oder höchstens in den Gegenden, wohin sie zur See gebracht werden konnten, weshalb sie auch im südlichen England allgemein unter dem Namen „Seekohlen“ bekannt waren.

Auf Nebenwegen und namentlich durch das ganze Gebiet nördlich von York und westlich von Exeter wurden die Frachtgüter durch lange Züge von Packpferden befördert. Diese starken und frommen Thiere, deren Schlag jetzt ausgestorben ist, wurden von einer eignen Menschenklasse geführt, welche große Ähnlichkeit mit den spanischen Maulthiertreibern gehabt zu haben scheint. Dem unbemittelten Reisenden war es oft willkommen, wenn er auf einem Packsattel zwischen zwei Waarenballen unter der Obhut dieser kräftigen Führer reisen konnte. Die Kosten dieser Reisegelegenheit waren gering, aber die Karawane ging nur im Schritt und die Kälte war daher im Winter oft nicht zu ertragen.118

Die Reichen reisten gewöhnlich in eigenen Wagen und mit wenigstens vier Pferden. Der humoristische Dichter Cotton versuchte es von London nach dem Peakgebirge nur zweispännig zu fahren; in St. Albans aber überzeugte er sich, daß die Reise entsetzlich langweilig werden würde, und er änderte daher seinen Plan. Sechsspännige Equipagen sieht man heutzutage fast nie mehr, außer bei feierlichen Gelegenheiten. Die häufige Erwähnung solcher Equipagen in alten Büchern kann uns leicht zu dem Irrthum führen, diesen Aufwand der Prachtliebe zuzuschreiben, während er in Wirklichkeit nur eine sehr unangenehme Nothwendigkeit war. Zur Zeit Karl’s II. reiste man mit sechs Pferden, weil man mit wenigeren große Gefahr lief, im Kothe stecken zu bleiben. Selbst sechs Pferde waren nicht immer hinreichend. Unter der nächsten Generation beschrieb Vanbrugh mit geistreichem Humor die Reise eines zum Parlamentsabgeordneten gewählten Landedelmanns nach London. Alle Anstrengungen der sechs Pferde, deren zwei vom Pfluge weggenommen waren, vermochten bei dieser Gelegenheit die Familienkutsche nicht dagegen zu schützen, daß sie in den Schlamm gebettet wurde.

Die Diligencen. Die öffentlichen Reisegelegenheiten waren neuerdings sehr verbessert worden. Während der ersten Jahre nach der Restauration war die Diligence zwischen London und Oxford zwei Tage unterwegs, und in Beaconsfield wurde übernachtet. Im Frühjahr 1669 ward endlich eine wichtige und kühne Neuerung versucht. Es wurde angekündigt, daß ein Wagen, den man die „fliegende Kutsche“ nannte, die ganze Reise zwischen Aufgang und Untergang der Sonne machen werde. Das muthige Unternehmen ward von den Häuptern der Universität feierlich berathen und genehmigt und erregte damals das Interesse in gleichem Maße, wie heutzutage die Eröffnung einer neuen Eisenbahn. Der Vicekanzler bestimmte in einer an allen Straßenecken angeschlagenen Bekanntmachung Ort und Stunde der Abfahrt. Der Versuch gelang vollkommen. Um sechs Uhr Morgens fuhr der Wagen von dem Platze vor dem Allerseelen-Collegium in Oxford ab, und um sieben Uhr Abends stiegen die muthigen Gentlemen, welche die gefährliche Reise zuerst gewagt hatten, wohlbehalten am Thore ihres Gasthofes in London aus.119 Dadurch wurde der Wetteifer der Schwesteruniversität rege gemacht, und bald war eine Diligence eingerichtet, welche die Passagiere ebenfalls in einem Tage von Cambridge nach London brachte. Zu Ende der Regierung Karl’s II. fuhren dreimal wöchentlich solche fliegende Kutschen von London nach den wichtigsten Provinzialstädten. Aber keine Diligence und selbst kein Frachtwagen scheint weiter nach Norden als bis York und weiter nach Westen als bis Exeter gefahren zu sein. Eine Eilkutsche machte im Sommer gewöhnlich ungefähr funfzig Meilen den Tag; im Winter aber, wo die Wege schlecht und die Nächte lang waren, wenig mehr als dreißig. Die Diligencen von Chester, York und Exeter erreichten während der schönen Jahreszeit London gewöhnlich in vier Tagen, um Weihnachten aber nicht vor dem sechsten Tage. Die Passagiere, sechs an der Zahl, saßen alle im Innern des Wagens, denn es kamen so häufig Unfälle vor, daß es lebensgefährlich gewesen wäre, die Imperiale zu besteigen. Das gewöhnliche Fahrgeld betrug im Sommer etwa dritthalb Pence auf die Meile, im Winter etwas mehr.120

Diese Art zu reisen, welche der Engländer unserer Tage als unerträglich langsam betrachtet haben würde, dünkte unseren Vorfahren wunderbar, ja erschreckend schnell. In einem wenige Monate vor dem Tode Karl’s II. erschienen Werke werden die Eilkutschen als alle ähnlichen Fuhrwerke, die die Welt je gesehen, weit übertreffend gepriesen. Ganz besonders wird ihre Schnelligkeit gerühmt und triumphirend mit dem Schneckengange der festländischen Posten verglichen. Mit diesen Lobeserhebungen vermischten sich jedoch auch klagende und schmähende Stimmen. Die Einführung der neuen Diligencen hatte in der That die Interessen einiger Klassen beeinträchtigt, und außerdem erhoben, wie immer, Viele aus bloßer Beschränktheit und zäher Anhänglichkeit an das Bestehende, ein lautes Geschrei gegen diese Neuerung, lediglich deshalb, weil es eben eine Neuerung war. Man behauptete mit Heftigkeit, daß eine solche Beförderungsweise der Pferdezucht und der edlen Reitkunst verderblich werden, daß die Themse, welche so lange eine wichtige Schule für Seeleute gewesen sei, aufhören werde, die Hauptfahrstraße von London nach Windsor hinauf und nach Gravesend hinunter zu sein, daß Hunderte von Sattlern und Sporern ruinirt und zahlreiche Gasthöfe, in denen Reisende mit eigenem Geschirr abzusteigen pflegten, veröden und keine Abgaben mehr zahlen würden, daß es in den neuen Wagen im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt sei, daß die Passagiere durch Kranke und durch schreiende Kinder arg belästigt würden, daß die Kutsche zuweilen so spät an Ort und Stelle ankomme, daß man kein Abendessen mehr erhalten, und zuweilen so frühzeitig abfahre, daß man noch kein Frühstück bekommen könne. Aus allen diesen Gründen wurde ganz ernstlich darauf angetragen, daß es keinem öffentlichen Wagen erlaubt sein solle, mehr als vier Pferde vorzuspannen, öfter als ein Mal wöchentlich zu fahren und mehr als dreißig Meilen den Tag zurückzulegen. Man hoffte, daß wenn dieses Regulativ angenommen würde, Jedermann, mit Ausnahme von Kranken und Gebrechlichen, zu der früheren Art des Reisens zurückkehren würde. Petitionen in diesem Sinne von verschiedenen Corporationen der City, von mehreren Provinzialstädten und von den Richtern mehrerer Grafschaften wurden dem Könige im Ministerrathe überreicht. Wir lächeln jetzt über dergleichen Dinge, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß unsere Nachkommen, wenn sie die Geschichte der Opposition lesen, welche die Verbesserungen des neunzehnten Jahrhunderts von Seiten der Habsucht und des Vorurtheils erfahren haben, ebenfalls lächeln werden.121

Trotz der Vortheile, welche die Eilkutschen gewährten, pflegten gesunde und kräftige Leute, die nicht viel Gepäck bei sich zu führen brauchten, längere Reisen noch häufig zu Pferde zu machen. War dem Reisenden um schnelles Fortkommen zu thun, so bediente er sich dazu der Postpferde. Auf allen großen Hauptstraßen waren in gemessenen Entfernungen frische Reitpferde und Führer zu bekommen. Jedes Pferd kostete für die Meile drei Pence und vier Pence erhielt der Führer für die Station. Wenn die Wege gut waren, konnte man auf diese Weise eine geraume Zeit so schnell vorwärts kommen, wie durch irgend ein vor der Erfindung der Dampfkraft in England bekanntes Transportmittel. Postchaisen gab es damals noch nicht, auch konnten Diejenigen, welche mit eigener Equipage reisten, in der Regel die Pferde nicht wechseln. Nur der König und die vornehmsten Staatsbeamten konnten Relais bestellen. So reiste Karl gewöhnlich in einem Tage von Whitehall nach Newmarket, ein etwa fünfundfünfzig Meilen langer Weg in durchaus ebener Gegend, und dies galt bei seinen Unterthanen für eine außerordentliche Geschwindigkeit. Evelyn machte diese Reise einmal, in Gesellschaft des Lordschatzmeisters Clifford. Der Wagen ward von sechs Pferden gezogen, welche zuerst in Bishop Stortford und dann noch einmal in Chesterford gewechselt wurden. Die Reisenden erreichten Newmarket in der Nacht. Eine solche Art zu reisen scheint jedoch als ein nur Fürsten und Ministern zustehender Luxus betrachtet worden zu sein.122

Straßenräuber. Mochte man indeß reisen wie man wollte, stets war man der Gefahr ausgesetzt, angefallen und beraubt zu werden, wenn man nicht in zahlreicher und wohlbewaffneter Gesellschaft reiste. Der berittene Straßenräuber, den unsre Generation nur noch aus Büchern kennt, war auf jeder Hauptstraße zu finden, ganz besonders aber hausten diese Banditen auf den öden Strecken, welche zur Seite der großen Chausseen unweit London lagen. Am berüchtigtsten in dieser Beziehung waren vielleicht die Hounslow-Haide an der großen Weststraße und der Finchley-Anger an der großen Nordstraße. Die Studenten von Cambridge zitterten selbst am hellen Tage, wenn sie sich dem Eppingwalde näherten. Seeleute, welche eben in Chatham ihren Sold ausgezahlt bekommen hatten, mußten häufig ihre Börsen bei Gadshill herausgeben, welcher Ort hundert Jahre früher von dem größten aller Dichter als Schauplatz der Missethaten Poins’ und Fallstaff’s gefeiert worden war. Die Behörden schienen oft nicht zu wissen, wie sie die Räuber behandeln sollten. Einmal wurde in der Gazette angekündigt, daß mehrere Personen, welche stark im Verdachte des Straßenraubes ständen, gegen die aber keine genügenden Beweise vorlägen, in Newgate in Reitkleidern zur Schau ausgestellt werden sollten; auch sollten ihre Pferde gezeigt werden und alle Gentlemen, welche kürzlich ausgeplündert worden, waren eingeladen, die sonderbare Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Ein andermal wurde einem Räuber öffentlich Straflosigkeit zugesichert, wenn er einige ungeschliffene Diamanten von ungeheurem Werthe herausgebe, die er bei einem Überfalle der Harwicher Eilpost entwendet hatte. Kurze Zeit darauf erschien eine andre Bekanntmachung, in der den Gasthaltern bedeutet wurde, daß die Regierung ein wachsames Auge auf sie habe, indem ihr verbrecherisches Einverständniß mit den Banditen es diesen möglich mache, die Heerstraßen ungestraft zu beunruhigen. Daß dieser Verdacht nicht ungegründet war, beweisen die letzten Geständnisse einiger reuiger Straßenräuber jener Zeit, denen die Wirthe offenbar ähnliche Dienste geleistet hatten, wie Farquhar’s Bonifaz dem Gibbet leistete.123

Um das gefährliche Handwerk mit Erfolg und Sicherheit betreiben zu können, mußte der Straßenräuber ein kühner und gewandter Reiter und sein Äußeres und sein Benehmen von der Art sein, wie man es von dem Besitzer eines schönen Pferdes erwartete. Er nahm daher in der Gemeinschaft der Diebe einen hohen Rang ein, besuchte die elegantesten Kaffee- und Spielhäuser und wettete auf der Rennbahn mit vornehmen Männern.124 Zuweilen war er auch wirklich von guter Herkunft und Bildung. Es knüpfte sich daher und knüpft sich vielleicht jetzt noch ein romantisches Interesse an die Namen der Freibeuter dieser Klasse. Der große Hause war ganz versessen auf die Geschichtchen von ihrer Wildheit und Verwegenheit, von gelegentlichen Acten der Großmuth und Gutherzigkeit, von ihren Liebschaften, ihren wunderbaren Entweichungen, ihren verzweifelten Kämpfen und ihrem männlichen Benehmen vor Gericht und auf dem Karren. So wurde von Wilhelm Nevison, dem großen Räuber von Yorkshire, erzählt, daß er von allen Viehhändlern des Nordens eine bestimmte Abgabe erhob, wogegen er nicht allein selbst sie verschonte, sondern sie auch gegen alle anderen Räuber schützte, daß er die Börsen auf die höflichste Manier abforderte, von dem, was er den Reichen genommen, den Armen reichlich gab, daß die königliche Gnade ihm einmal das Leben schenkte, daß er aber dessenungeachtet wiederholt sein Glück versuchte und endlich im Jahre 1685 in York am Galgen starb.125 Es wurde ferner erzählt, wie Claude Duval, der französische Page des Herzogs von Richmond, daß Räuberhandwerk ergriff, der Hauptmann einer gefürchteten Bande wurde und die Ehre hatte, in einem königlichen Erlasse gegen berüchtigte Missethäter zuerst genannt zu werden; wie er an der Spitze seiner Schaar den Wagen einer Dame anhielt, in welchem er eine Beute von vierhundert Pfund fand, von denen er nur hundert nahm und die übrigen dreihundert der schönen Eigenthümerin unter der Bedingung ließ, daß sie dafür mit ihm einen Coranto auf der Haide tanzte; wie er durch seine feurige Galanterie die Herzen aller Frauen gewann, wie seine Geschicklichkeit im Gebrauche der Waffen ihn zum Schrecken aller Männer machte und wie er endlich im Jahre 1670 im Weinrausch ergriffen ward; wie vornehme Damen ihn im Gefängniß besuchten und sich mit Thränen für sein Leben verwendeten; wie der König ihn auch begnadigt haben würde, hätte der Richter Morton, der Schrecken aller Straßenräuber, nicht Einsprache dagegen erhoben und gedroht, sein Amt niederzulegen, wenn man dem Gesetze nicht seinen Lauf lasse, und wie nach der Hinrichtung der Leichnam mit allem Gepränge von Wappenschildern, Wachskerzen, Trauerbehängen und stummen Wächtern zur Parade ausgestellt wurde, bis der nämliche herzlose Richter, der sich der Gnade des Königs widersetzt, Beamte abschickte, um die Todtenfeier zu stören.126 Gewiß hat die Phantasie starken Antheil an diesen Anekdoten, aber sie verdienen deshalb nicht minder erwähnt zu werden, denn es ist eine ebenso authentische als bedeutungsvolle Thatsache, daß solche Erzählungen, mochten sie nun wahr oder unwahr sein, bei unseren Vorfahren ein bereitwilliges und gläubiges Ohr fanden.

Die Gasthöfe. Die mannichfachen Gefahren, denen der Reisende ausgesetzt war, wurden durch die Dunkelheit noch bedeutend vergrößert, und er wünschte daher für die Nacht ein schützendes Obdach, das nicht schwer zu erlangen war. Die Gasthöfe Englands sind schon von Alters her berühmt. Unser erster großer Dichter (Chaucer) hat schon die vortrefflichen Bequemlichkeiten geschildert, die sie den Reisenden des vierzehnten Jahrhunderts darboten. Neunundzwanzig Personen nebst ihren Pferden fanden in den geräumigen Zimmern und Ställen des „Waffenrocks“ in Southwark Platz. Die Speisen waren vortrefflich und die Weine so, daß sie die Tischgesellschaft zum reichlichen Genusse verleiteten. Zweihundert Jahre später, unter der Regierung Elisabeth’s, gab Wilhelm Harrison eine anziehende Beschreibung von dem Überflusse und dem Comfort der großen Gasthöfe. Er sagte, das ganze übrige Europa habe nichts Ähnliches aufzuweisen. Es gab Gasthöfe, in denen zwei- bis dreihundert Menschen mit ihren Pferden ohne Schwierigkeit Aufnahme und Unterhalt finden konnten. Die Betten, die Teppiche und vor Allem die Fülle und Sauberkeit des Leinzeugs setzten Jedermann in Erstaunen. Auf den Tafeln sah man nicht selten kostbares Silbergeschirr und manche Schilder hatten dreißig bis vierzig Pfund Sterling gekostet. Im siebzehnten Jahrhundert hatte England schon Überfluß an vortrefflichen Gasthöfen jeden Ranges. Oft fand der Reisende in einem kleinen Dorfe ein Gasthaus, wie Walton es beschrieben hat, wo die steinernen Fußböden von Sauberkeit glänzten, wo die Wände mit Balladen geschmückt waren, die Betten nach Lavendel dufteten und ein behagliches Feuer, ein Krug guten Bieres und ein Gericht Forellen, im nahen Bache frisch gefangen, für wenig Geld zu haben waren. In den größeren Gasthöfen fand man Betten mit seidenen Vorhängen, feine Küche und Claret, wie er in London nicht besser getrunken wurde.127 Auch die Wirthe, sagte man, seien ganz verschieden von den Gastwirthen anderer Länder. Auf dem Festlande war der Wirth der Tyrann Derer, die seine Schwelle überschritten, in England war er ihr Diener. Der Engländer fühlte sich nie heimischer, als wenn er es sich in seinem Gasthofe bequem machte. Selbst reiche Leute, die sich in ihrem eigenen Hause jeden nur denkbaren Luxus erzeugen konnten, pflegten oft ihre Abende im Gesellschaftszimmer eines nahen Gasthofes zuzubringen; sie schienen der Meinung zu sein, daß sie Comfort und Freiheit nirgends in gleicher Vollkommenheit genießen konnten. Diese Neigung war mehrere Generationen hindurch ein characteristischer Zug der Nation. Die Ungebundenheit und Fröhlichkeit des Gasthoflebens bot lange Zeit unseren Roman- und Schauspieldichtern reichen Stoff. Johnson erklärte, ein Stuhl im Gasthause sei der Thron des irdischen Glücks, und Shenstone beklagte sich sanft darüber, daß kein auch noch so befreundetes Privathaus den Wanderer so freundlich und zuvorkommend aufnehme, als das Dach eines Gasthofes.

In den Hotels unsrer Zeit findet man manche Annehmlichkeiten, welche im siebzehnten Jahrhundert in Hampton Court und Whitehall unbekannt waren. Im Ganzen genommen aber ist soviel gewiß, daß die Verbesserung unserer Gasthöfe mit den Verbesserungen unserer Straßen und unserer Beförderungsmittel keineswegs gleichen Schritt gehalten hat. Dies kann auch nicht auffallen, denn es liegt auf der Hand, daß unter übrigens gleichen Verhältnissen die Gasthäuser da am besten sein werden, wo die Beförderungsmittel am mangelhaftesten sind. Je schneller man reisen kann, um so weniger bedarf es zahlreicher angenehmer Ruheplätze für den Reisenden. Wer vor hundertsechzig Jahren aus einer entfernten Grafschaft in die Hauptstadt kam, brauchte in der Regel unterwegs zwölf bis fünfzehn Mahlzeiten und fünf bis sechs Nachtquartiere. War er ein vornehmer Mann, so erwartete er überall eine wohlbesetzte Tafel und eine bequeme, ja selbst elegante Wohnung. Gegenwärtig fliegen wir von York oder Exeter nach London beim Sonnenschein eines einzigen Wintertages. Der Reisende hält sich daher jetzt selten bloß der Ruhe und Erfrischung halber unterwegs auf, und die Folge davon ist, daß Hunderte vortrefflicher Gasthöfe gänzlich in Verfall gerathen sind. Binnen Kurzem wird man gute Häuser dieser Art nur noch an solchen Orten finden, wo sich beständig viel Fremde in Geschäften oder zum Vergnügen aufhalten.

Die Briefposten. Die Art und Weise der Briefbeförderung zwischen entfernten Punkten mag der jetzigen Generation ein mitleidiges Lächeln entlocken, aber sie würde die Bewunderung und den Neid der gebildetsten Nationen des Alterthums sowie der Zeitgenossen Raleigh’s und Cecil’s erregt haben. Bereits unter Karl I. war eine rohe und mangelhafte Briefpost eingerichtet worden, der Bürgerkrieg aber hatte sie wieder zerstört. Unter der Republik wurde der Plan von neuem aufgenommen. Nach der Restauration ward der Ertrag der Postanstalt, nach Abzug aller Kosten, dem Herzoge von York überwiesen. Auf den meisten Routen gingen und kamen die Briefposten nur einen Tag um den andren; in Cornwall, in den Sümpfen von Lincolnshire und zwischen den Bergen und Seen von Cumberland erhielt man sogar nur einmal wöchentlich Briefe. Während einer Reise des Königs wurde täglich eine Briefpost von London nach dem Orte expedirt, wo der Hof sich eben aufhielt. Ebenso bestand eine tägliche Postverbindung zwischen London und den Dünen, welcher Vorzug zuweilen auch auf Tunbridge Wells und Bath ausgedehnt wurde, während der Monate, wo diese Bäder von den Großen zahlreich besucht waren. Die Postfelleisen wurden zu Pferde, am Tage wie bei Nacht, mit einer Schnelligkeit von etwa fünf Meilen in der Stunde befördert.128

Das Briefporto war übrigens nicht die einzige Ertragsquelle dieser Anstalt. Das Postamt war außerdem allein berechtigt, Postpferde zu liefern, und die Zähigkeit, mit der man dieses Monopol aufrecht erhielt, beweist am besten, daß es sehr einträglich war.129 Hatte indessen ein Reisender eine halbe Stunde gewartet, ohne das gewünschte Pferd erhalten zu haben, so durfte er anderwärts eins miethen.

Die Erleichterung des Briefverkehrs zwischen den verschiedenen Theilen von London gehörte ursprünglich nicht zu den Zwecken des Postamts. Unter der Regierung Karl’s II. aber errichtete ein unternehmender Bürger der Hauptstadt, Namens Wilhelm Dockwray, mit großen Kosten eine Pennypost, durch welche Briefe und Packete in den geschäftsreichen und belebten Straßen zunächst der Börse täglich sechs- bis achtmal, in den entfernteren Stadttheilen aber viermal besorgt wurden. Diese Verbesserung stieß, wie jede andre, auf heftigen Widerstand. Die Austräger beklagten sich, daß man ihren Verdienst schmälere und rissen die Anschläge ab, in denen der Plan dem Publikum mitgetheilt wurde. Die durch Godfrey’s Ermordung und durch die Auffindung von Coleman’s Papieren hervorgerufene Erbitterung hatte damals gerade ihren Höhepunkt erreicht und die Pennypost wurde daher allgemein als eine papistische Erfindung ausgeschrieen. Man behauptete, der große Doctor Oates habe den Verdacht geäußert, daß die Jesuiten hinter dem Plane steckten und daß man die Briefbeutel bei näherer Untersuchung voll verrätherischer Papiere finden werde.130 Der Nutzen des Unternehmens war jedoch so groß und in die Augen springend, daß aller Widerstand erfolglos blieb. Sobald es sich zeigte, daß die Spekulation einträglich war, verklagte der Herzog von York den Unternehmer wegen Eingriffs in sein Monopol und die Gerichtshöfe sprachen sich zu Gunsten des Ersteren aus.131

Der Ertrag des Postamts steigerte sich von allem Anfang an fortwährend. Im Jahre der Restauration hatte ein Ausschuß des Hauses der Gemeinen nach sorgfältiger Prüfung den reinen Gewinn auf ungefähr zwanzigtausend Pfund geschätzt; zu Ende der Regierung Karl’s II. betrug derselbe schon wenig unter funfzigtausend Pfund, und dies galt damals für eine ungeheure Summe. Die Bruttoeinnahme belief sich auf etwa siebzigtausend Pfund. Das Porto für einen einfachen Brief betrug bis zu achtzig Meilen zwei Pence, für eine größere Entfernung drei Pence. Es stieg im Verhältniß zu dem Gewicht des Packets.132 Gegenwärtig wird ein einfacher Brief bis ans äußerste Ende von Schottland oder Irland für einen Penny befördert und das Postpferdmonopol besteht schon längst nicht mehr. Trotzdem beläuft sich die jährliche Bruttoeinnahme dieses Departements auf mehr als achtzehnhunderttausend Pfund und der Nettoertrag auf siebenhunderttausend Pfund. Es ist daher kaum zu bezweifeln, daß die Zahl der gegenwärtig durch die Post beförderten Briefe siebzigmal so groß ist als sie zur Zeit der Thronbesteigung Jakob’s II. war.

Zeitungen. Der wichtigste Theil der Packereien, welche die alten Posten beförderten, waren die Neuigkeitsbriefe. Im Jahre 1685 gab es noch nichts, was der heutigen Londoner Tagespresse ähnlich sah, und es konnte auch nichts Derartiges geben. Weder das nöthige Kapital, noch das nöthige Geschick war dazu vorhanden; auch fehlte die Freiheit, ein nicht minder wesentlicher Mangel als der des Kapitals und der Geschicklichkeit. Allerdings stand die Presse damals noch nicht unter einer allgemeinen Censur, denn das kurz nach der Restauration erlassene Censurgesetz war schon 1679 nicht mehr in Kraft. Jedermann konnte daher auf eigne Gefahr und ohne vorherige Genehmigung von Seiten irgend eines öffentlichen Beamten eine Geschichte, eine Predigt oder ein Gedicht drucken; aber die Richter waren einstimmig der Meinung, daß diese Freiheit sich nicht auch auf Zeitungen erstrecke, und daß nach dem gemeinen Rechte Englands Niemand ohne specielle Erlaubniß der Krone berechtigt sei, politische Neuigkeiten zu veröffentlichen.133 So lange die Whigpartei noch mächtig war, hielt die Regierung es für gerathen, eine Übertretung dieser Regel vorkommendenfalls nicht zu streng zu nehmen. Während des großen Kampfes wegen der Ausschließungsbill durften viele Zeitungen erscheinen, wie die Protestant Intelligence, die Current Intelligence, die Domestic Intelligence, die True News, der London Mercury.134 Keine von diesen erschien jedoch öfter als zweimal wöchentlich und keine überstieg in Umfang ein einfaches kleines Blatt. Die Quantität des Stoffes, die der ganze Jahrgang einer dieser Zeitungen enthielt, war nicht größer als man oft in zwei Nummern der „Times“ findet. Nach Besiegung der Whigs hatte der König nicht mehr nöthig, bei der Ausübung des ihm nach dem Ausspruche aller seiner Richter unzweifelhaft zustehenden Hoheitsrechts besondere Rücksichten zu nehmen. So durfte denn auch gegen das Ende seiner Regierung keine Zeitschrift mehr ohne seine Genehmigung erscheinen, und diese wurde ausschließlich der „London Gazette“ ertheilt. Auch die „London Gazette“ erschien nur Montags und Donnerstags. Der Inhalt einiger Nummern bestand gewöhnlich in einer königlichen Proklamation, einigen toryistischen Adressen, der Anzeige von einigen Beförderungen, einen Bericht von einem Scharmützel zwischen den Kaiserlichen und den Janitscharen an der Donau, das Signalement eines Straßenräubers, die Ankündigung eines von zwei hochstehenden Personen veranstalteten Hahnenkampfes und eine Anzeige, welche dem Wiederbringer eines entlaufenen Hundes eine Belohnung zusicherte. Dies Alles füllte zwei Seiten von mäßig großem Format. Alle Mittheilungen über Angelegenheiten von hoher Bedeutung waren in dem hölzernsten und förmlichsten Style abgefaßt. Wenn es indessen der Regierung zuweilen beliebte, die öffentliche Neugierde in Betreff eines wichtigen Vorfalls zu befriedigen, so wurde ein großer Bogen ausgegeben, der ausführlichere Mittheilungen enthielt, als die Gazette sie geben konnte; aber weder diese noch irgend eine amtlich gedruckte Beilage brachte je eine Nachricht, deren Veröffentlichung nicht den Zwecken des Hofes diente. Die wichtigsten parlamentarischen Verhandlungen und Staatsprozesse, von denen uns die Geschichte erzählt, wurden mit tiefem Stillschweigen übergangen.135 In der Hauptstadt ersetzten die Kaffeehäuser einigermaßen die fehlenden Zeitungen; dahin strömten die Londoner, wie einst die alten Athener nach dem Marktplatze, um zu hören, ob etwas Neues geschehen sei. Dort konnte man erfahren, wie brutal ein Whig am vorigen Tage in Westminsterhall behandelt worden war, welche haarsträubenden Berichte von den Folterqualen der Covenanters die Briefe aus Edinburg enthielten, wie gröblich die Admiralität die Krone bei der Verproviantirung der Flotte betrogen und welche schweren Anschuldigungen der Geheimsiegelbewahrer in Betreff des Heerdgeldes gegen das Schatzamt erhoben habe.

Die Neuigkeitsbriefe. Aber Diejenigen, welche von der großen Schaubühne des politischen Kampfes entfernt waren, konnten von dem, was daselbst vorging, nur durch die sogenannten Neuigkeitsbriefe regelmäßig Nachricht erhalten. Das Schreiben derartiger Briefe wurde daher in London ein Erwerbszweig, wie es dies jetzt bei den Eingeborenen Indiens ist. Der Neuigkeitsschreiber wanderte von Kaffeehaus zu Kaffeehaus, um Nachrichten zu sammeln, drängte sich in den Sitzungssaal der Old Bailey, wenn daselbst ein interessanter Prozeß verhandelt wurde, und erlangte sogar zuweilen Zutritt in die Galerien von Whitehall, wo er bemerken konnte, wie der König und der Herzog aussahen. Auf diese Weise sammelte er Materialien zu Wochenberichten, welche bestimmt waren, eine Provinzialstadt oder einen ländlichen Magistrat zu erleuchten. Dies waren die Quellen, aus denen die Bewohner der größeren Provinzialstädte und die Gesammtheit der Landgentry und der Geistlichkeit fast allein ihre ganze Kenntniß der Geschichte ihrer Zeit schöpften. Wir dürfen annehmen, daß es in Cambridge eben so viele Leute gab, welche gern erfahren wollten, was in der Welt vorging, als in irgend einer andren Stadt des Königreichs, London ausgenommen. Dennoch hatten die Doctoren des Rechts und die Magister der freien Künste in Cambridge während eines großen Theils der Regierung Karl’s II. keine andre regelmäßige Neuigkeitsquelle als die Londoner Gazette, bis endlich die Dienste eines der Nachrichtensammler in der Hauptstadt angenommen wurden. Es war ein denkwürdiger Tag, an welchem die ersten Neuigkeitsbriefe aus London auf einem Tische des einzigen Kaffeehauses von Cambridge ausgelegt waren.136 Auf dem Wohnsitze eines reichen Mannes auf dem Lande wurde der Neuigkeitsbrief stets mit Ungeduld erwartet, und acht Tage nach seiner Ankunft war er durch die Hände von zwanzig Familien gegangen. Er lieferte den umwohnenden Squires den Stoff zu ihrer Unterhaltung an Winterabenden und den benachbarten Pfarrern Themata zu heftigen Predigten gegen Whiggismus oder Papismus. Bei genauer Nachsuchung in den Archiven alter Familien würden sich ohne Zweifel noch viele von diesen merkwürdigen Journalen finden. Einige werden in unseren öffentlichen Bibliotheken aufbewahrt und eine Reihenfolge derselben, welche einen werthvollen Theil der von Sir Jakob Mackintosh gesammelten literarischen Schätze bildet, wird im Verlaufe dieses Werks noch dann und wann citirt werden.137

Es bedarf kaum der Erwähnung, daß es damals keine Provinzialblätter gab. Ja es gab sogar, außer in der Hauptstadt und in den beiden Universitätsstädten, kaum noch einen Buchdrucker im Königreiche. Die einzige Presse in England nördlich vom Trent scheint sich in York befunden zu haben.138

Der „Observator.“ Die „London Gazette“ war übrigens nicht das einzige Organ, durch welches die Regierung dem Volke politische Belehrung ertheilte. Dieses Journal enthielt nur spärliche Nachrichten ohne Commentar; ein andres, ebenfalls unter dem Patronat des Hofes erscheinendes Journal, brachte dagegen nur Commentare ohne Nachrichten. Dieses Blatt, „der Observator“ betitelt, wurde von einem alten toryistischen Pamphletschreiber, Namens Roger Lestrange, herausgegeben. Es fehlte diesem Lestrange durchaus nicht an schriftstellerischer Gewandtheit und an Schlauheit; seine Diction war zwar gemein und durch einen damals im Vorzimmer und im Wirthshause für witzig geltenden Jargon verunziert, aber dennoch nicht ohne Schwung und Kraft. In jeder Zeile aber, die aus seiner Feder floß, zeigte sich sein heftiger und unedler Character. Als die ersten Nummern des „Observator“ erschienen, gab es allerdings einige Entschuldigungsgründe für seine Bitterkeit, denn die Whigs waren damals mächtig und er hatte zahlreiche Gegner zu bekämpfen, deren rücksichtslose Heftigkeit eine gleiche Sprache zu rechtfertigen schien. Im Jahre 1685 aber war alle Opposition unterdrückt, und ein edler Character würde es daher verschmäht haben, eine Partei, die nicht antworten durfte, zu beschimpfen und die traurige Lage von Gefangenen, Verbannten und beraubten Familien noch zu verschlimmern; aber dem hämischen Lestrange war selbst das Grab und das Trauerhaus nicht heilig. Im letzten Monate der Regierung Karl’s II. starb Wilhelm Innkyn, ein hochbetagter und angesehener Dissenterpfarrer, der wegen keines andren Vergehens, als weil er Gott auf die Weise anbetete, welche damals von dem ganzen protestantischen Europa allgemein angenommen war; grausame Verfolgungen zu erdulden hatte, in Newgate an Gram und Entbehrungen. Dem Ausdruck der innigen Theilnahme von Seiten des Volks konnte man nicht Schweigen gebieten, und es folgte daher dem Sarge ein Zug von hundertfunfzig Wagen. Selbst Höflinge betrauerten den Verstorbenen und sogar der gedankenlose König zeigte einige Theilnahme. Lestrange allein brach in ein rohes Freudengeheul aus, lachte über das weibische Mitleid der Trimmer, erklärte laut, daß der lästerliche alte Heuchler seine wohlverdiente Strafe erhalten, und gelobte alle Scheinheiligen und falschen Märtyrer nicht nur bis zum Tode, sondern noch über das Grab hinaus zu bekriegen.139 Dies war der Geist des Blattes, welches damals das Orakel der Torypartei und ganz besonders der Landgeistlichkeit war.

Notes in this chapter

Note 1 · Ich habe hierbei Davenant’s Schätzung zum Grunde gelegt, die etwas niedriger ist als die von King.Note 2 · Evelyn’s Diary, June 27. 1654; Pepys’s Diary, June 13. 1668; Roger North’s Lives of Lord Keeper Guildford, and of Sir Dudley North; Petty’s Note 3 · Fuller’s Worthies; Evelyn’s Diary, Oct. 17. 1671; Journal of E. Browne, dem Sohne des Sir Thomas Browne, vom Januar 1663—64; Blomfield’s HisNote 4 · Aus den Tauf- und Sterbelisten in Drake’s Geschichte geht hervor, daß die Bevölkerung von York im Jahre 1730 ungefähr dreizehntausend SeelenNote 5 · Blome’s Britannia, 1678; Aikin’s Country round Manchester; Manchester Directory, 1845; Baines, History of the Cotton Manufacture. Die bestenNote 6 · Thoresby’s Ducatus Leodensis; Whitaker’s Loidis and Elmete; Wardell’s Municipal History of the Borough of Leeds.Note 7 · Hunter’s History of Hallamshire.Note 8 · Blome’s Britannia, 1763; Dugdale’s Warwickshire; North’s Examen, 321; Vorrede zu Absalom and Achitophel; Hutton’s History of Birmingham; BosNote 9 · Blome’s Britannia; Gregson’s Antiquities of the County Palatine and Duchy of Lancaster, Part. II.; Petition von Liverpool in dem Privy CouncNote 10 · Atkyns’ Gloucestershire.Note 11 · Magna Britannia; Grose’s Antiquities; New Brighthelmstone Directory, 1770.Note 12 · Tour in Derbyshire, by Thomas Browne, Son of Sir Thomas Browne.Note 13 · Memoires de Grammont; Hasted’s History of Kent; Tunbridge Wells, a Comedy, 1678; Causton’s Tunbridgialia, 1688; Metellus, a poem on TunbridgNote 14 · Siehe Wood’s History of Bath, 1749; Evelyn’s Diary, June 27. 1654; Pepys’s Diary, June 12, 1668; Stukeley’s Itinerarium Curiosum; Collinson’Note 15 · Nach King fünfhundertdreißigtausend. 77. Macpherson’s History of Commerce; Chalmers’s Estimate; Chamberlayne’s State of England, 1684. Der GNote 16 · Die ausführlichsten und glaubwürdigsten Aufschlüsse über den damaligen Zustand der Londoner Gebäude findet man auf den Plänen und ZeichnungeNote 17 · Reisen des Großherzogs Cosmus. 87. Chamberlayne’s State of England, 1684; Pennant’s London; Smith’s Life of Nollekens. 88. Evelyn’s Diary, ONote 18 · Seymour’s London.Note 19 · Angliae Metropolis, 1690, Sect. 17, unter der Überschrift: „On the new lights“. — Seymour’s London.Note 20 · Stowe’s Survey of London; Shadwell’s squire of Alsatia; Ward’s London Spy; Stat. 8. and 9 Gul. III. cap. 27.Note 21 · Siehe Sir Roger North’s Account of the way in which Wright was made a judge, und Clarendon’s Account of the way in which Sir George Savile wNote 22 · Die Haupteigenthümlichkeit dieses Dialectes bestand darin, daß in einer Menge von Wörtern das o wie a ausgeprochen wurde. So wurde z.B. storNote 23 · Century of Inventions, 1663, No. 68. 105. North’s Life of Guildford, 136.Note 24 · Thoresby’s Diary, Oct. 21, 1680, Aug. 3, 1712. 107. Pepys’s Diary, June 12. & 16. 1668. 108. Ibid. Feb. 28. 1660. 109. Thoresby’s Diary, MayNote 25 · Anthony à Wood’s Life of himself. 120. Chamberlayne’s State of England, 1684. Man sehe auch das Verzeichniß der öffentlichen Personen- und FNote 26 · Siehe die London Gazette vom 14. Mai 1677, vom 4. Aug. 1687 und vom 5. Dec. 1687. Die letzte Beichte Augustin King’s, welcher der Sohn einesNote 27 · Siehe den Prolog zu den Canterbury Tales, Harrison’s Historical Description of the Island of Great Britain und Pepys’ Beschreibung seiner ReNote 28 · Stat. 12 Car. II. c. 35. Chamberlayne’s State of England, 1684. Angliae Metropolis, 1690. London Gazette, June 12. 1685, Aug. 15. 1687. 129.Note 29 · London Gazette vom 5. und 17. Mai 1680. 134. Eine höchst interessante und meines Wissens die einzige Sammlung dieser Zeitungen befindet sichNote 30 · Roger North’s Life of Dr. John North. Über die Neuigkeitsbriefe sehe man das Examen, 133. 137. Ich ergreife diese Gelegenheit, um der FamiliNote 31 · Observator vom 29. und 31. Januar 1685. Calamy’s Life of Baxter. Nonconformist Memorial.
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