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Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11)

Geschichte von England

Reading edition

seit der

Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten.

Aus dem Englischen.

Vollständige und wohlfeilste Stereotyp-Ausgabe.

Fünfter Band

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Leipzig, 1854.

G. H. Friedlein.

Neuntes Kapitel.

Jakob II.

Inhalt.

Seite

Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des Widerstandes 5

Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in England vor 11

Heinrich Sidney 11

Devonshire 12

Shrewsbury. — Halifax 12

Danby und der Bischof Compton 13

Nottingham 14

Lumley 14

Absendung der Einladung an Wilhelm 14

Mariens Verhalten 15

Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm’s 16

Jakob’s Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe 19

Entlassungen und Ernennungen 20

Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus 22

Unzufriedenheit des Klerus. — Vorgänge in Oxford 23

Unzufriedenheit der Gentry 23

Unzufriedenheit der Armee 24

Es werden irische Truppen herübergezogen. — Unwille des Volks 25

Lillibullero 39

Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen 30

Fehler des Königs von Frankreich 31

Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte auswärtiger Gesandter 32

Das Erzbisthum Köln 33

Kluges Verfahren Wilhelm’s 33

Seine Rüstungen zu Lande und zur See 34

Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England 35

Sunderland 36

Wilhelm’s Befürchtungen 39

Jakob wird gewarnt 40

Ludwig’s Bemühungen, um Jakob zu retten 41

Jakob vereitelt dieselben 42

Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein 44

Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für seine Expedition 45

Britische Abenteurer im Haag 46

Wilhelm’s Erklärung 47

Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen 49

Seine Seemacht 49

Seine militairischen Mittel 50

Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen 51

Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz 51

Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen 53

Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt des Prinzen von Wales vorgelegt 55

Sunderland’s Ungnade 56

Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten 57

Er schifft sich ein und segelt ab 58

Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen 58

Seine Erklärung kommt in England an 58

Jakob befragt die Lords 58

Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel 60

Er passirt die Meerenge 61

Seine Landung bei Torbay 62

Sein Einzug in Exeter 65

Unterredung des Königs mit den Bischöfen 69

Ruhestörungen in London 71

Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen 72

Lovelace 72

Colchester 73

Abingdon 73

Abfall Cornbury’s 74

Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments 77

Der König begiebt sich nach Salisbury 79

Seymour 79

Wilhelm’s Hoflager in Exeter 79

Aufstand im Norden 80

Gefecht bei Wincanton 82

Churchill’s und Grafton’s Abfall 84

Rückzug der königlichen Armee von Salisbury 85

Abfall des Prinzen Georg und Ormond’s 85

Flucht der Prinzessin Anna 86

Jakob hält eine Berathung mit den Lords 88

Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm 91

Die Unterhandlung eine Finte 91

Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu senden 93

Aufregung in London 94

Falsche Proklamation 94

Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes 95

Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an 97

Spaltung im Lager des Prinzen 97

Ankunft des Prinzen in Hungerford 99

Gefecht bei Reading 100

Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford 100

Unterhandlung 100

Die Königin und der Prinz von Wales werden nach Frankreich geschickt 104

Lauzun 104

Anstalten des Königs zur Flucht 107

Seine Flucht 108

Die Freisprechung der Bischöfe war nicht das einzige Ereigniß, das den 13. Juni 1688 zu einem wichtigen Datum unsrer Geschichte macht. An dem nämlichen Tage, während auf hundert Kirchthürmen alle Glocken läuteten, während von Hydepark bis Mile-End das Volk beschäftigt war, für die Freudendemonstrationen in der Nacht Reisigbündel zusammenzutragen und Päpste anzuputzen, wurde ein Actenstück, das für die Freiheiten Englands kaum minder wichtig war, als die Magna Charta, von London nach dem Haag gesandt.

Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des Widerstandes. Der Prozeß der Bischöfe und die Geburt des Prinzen von Wales hatten in den Gesinnungen vieler Tories einen großen Umschwung herbeigeführt. In dem Augenblicke, wo ihrer Kirche eine so empörende Beleidigung und Verhöhnung widerfuhr, mußten sie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung aufgeben. Bisher hatten sie gehofft, daß die Prüfung, welche ihre Loyalität zu ertragen hatte, wenn auch hart, doch nur vorübergehend sein werde und daß ihre Leiden ohne Verletzung der feststehenden Thronfolgeordnung bald gehoben werden würden. Jetzt aber eröffnete sich ihnen eine ganz andre Aussicht. So weit sie vorwärts blickten, sahen sie die verkehrte Regierung der letzten drei Jahre durch ganze Menschenalter sich fortspinnen. Die Wiege des präsumtiven Thronfolgers war von Jesuiten umgeben und es stand zu befürchten, daß dem kindlichen Gemüth des Prinzen ein tödtlicher Haß gegen die Kirche, deren Oberhaupt er dereinst werden sollte, eingeimpft, daß dieser Haß das leitende Prinzip seines Lebens werden und auf seine Nachkommenschaft übergehen würde. Und diese unheilvolle Aussicht hatte keine Grenze, sie reichte über die Lebenszeit des jüngsten Menschen, bis über das achtzehnte Jahrhundert hinaus. Niemand konnte sagen, wie viele Generationen protestantischer Engländer noch ein Joch zu tragen haben würden, das man selbst bei der Voraussicht einer kurzen Dauer schon für unerträglich hielt. Gab es denn gar kein Heilmittel? Eines gab es noch, ein rasches, heftiges und entscheidendes, ein Mittel, zu dem die Whigs nur zu bereitwillig gegriffen hätten, das aber von den Tories jederzeit und unter allen Umständen als verwerflich betrachtet worden war.

Die größten anglikanischen Gelehrten der damaligen Zeit hatten den Satz aufgestellt, daß keine Übertretung eines Gesetzes oder eines Vertrags, kein Übermaß von Härte, Raubsucht oder Willkür von Seiten eines rechtmäßigen Königs sein Volk zum gewaltsamen Widerstande gegen ihn berechtigen könne. Einige von ihnen hatten etwas darin gesucht, die Lehre vom Nichtwiderstande in einer so überspannten Form darzustellen, daß der gesunde Verstand und die Humanität sich dagegen empören mußten. Sie bemerkten häufig und mit Nachdruck, daß Nero an der Spitze des römischen Reiches gestanden habe, als Paulus die Pflicht des Gehorsams gegen die Obrigkeit einschärfte. Daraus zogen sie den Schluß, daß, wenn ein englischer König, ohne ein andres Gesetz als seinen Willen, seine Unterthanen wegen Nichtanbetung von Götzenbildern verfolgte, sie den Löwen im Tower vorwürfe, sie in getheerte Tücher hüllte und zur Beleuchtung des St. Jamesparkes anzündete, und wenn er mit diesen Grausamkeiten fortführe, bis ganze Städte und Grafschaften entvölkert wären, die Überlebenden trotzdem noch immer verpflichtet sein würden, sich willig zu unterwerfen und sich ohne Widerstand in Stücken zerreißen oder lebendig braten zu lassen. Allerdings waren die Gründe, welche zu Gunsten dieser Behauptung angeführt wurden, unhaltbar, aber der Mangel vernünftiger Argumente wurde reichlich ersetzt durch die Alles vermögende Sophistik des Eigennutzes und der Leidenschaft. Viele Schriftsteller haben ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, wie die stolzen Kavaliere Englands sich für die knechtischeste Theorie, die die Welt je gesehen hat, so begeistern konnten. Dies kommt daher, weil diese Theorie dem Kavalier anfangs als der directe Gegensatz des Knechtischen erschien, denn sie machte ihn nicht zum Sklaven, sondern zum freien Herrn und Gebieter. Sie gefiel ihm, weil sie dem gefiel, den er als seinen Beschützer, als seinen Freund, als das Oberhaupt seiner geliebten Partei und seiner noch mehr geliebten Kirche betrachtete. Unter der Herrschaft der Republikaner hatte der Royalist Unbilden und Kränkungen ertragen müssen, welche er nach der Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung hatte vergelten können. Rebellion war daher in seinem Sinne gleichbedeutend mit Unterwerfung und Erniedrigung, monarchische Autorität mit Freiheit und Übergewicht. Es war ihm nie eingefallen, daß eine Zeit kommen könnte, wo ein König, ein Stuart die loyalsten Geistlichen und Edelleute mit größerer Erbitterung verfolgen würde, als einst der Rumpf oder der Protector. Eine solche Zeit war gekommen. Jetzt mußte es sich zeigen, wie die Geduld, welche die Anhänger der Landeskirche aus den Schriften des Paulus gelernt zu haben vermeinten, die Probe einer Verfolgung bestehen würde, die noch keineswegs so schlimm war, wie die eines Nero. Das Ergebniß war so, wie es Jedermann, der die menschliche Natur nur einigermaßen kannte, vorausgesagt haben würde. Der Despotismus bewirkte bald, was, der Philosophie und der Beredtsamkeit nie gelungen wäre. Die Angriffe Locke’s hatte Filmer’s System überleben können, aber von dem tödtlichen Schlage, den Jakob ihm versetzte, erholte es sich nie wieder.

Die Gründe, welche für unwiderleglich erklärt wurden, so lange man damit beweisen wollte, daß Presbyterianer und Independenten Haft und Eigenthumsberaubung mit Sanftmuth und Geduld ertragen müßten, schienen bedeutend an Haltbarkeit zu verlieren, als es sich fragte, ob anglikanische Bischöfe eingesperrt und die Einkünfte anglikanischer Collegien eingezogen werden dürften. Es war von den Kanzeln aller Kathedralen des Landes herab oft wiederholt worden, daß das apostolische Gebot, der bürgerlichen Obrigkeit zu gehorchen, unbedingt und allgemein und daß es eine gottlose Anmaßung der Menschen sei, ein im Worte Gottes ohne alle Beschränkung erlassenes Gebot beschränken zu wollen. Jetzt aber entdeckten die Geistlichen, deren Scharfsinn durch die drohende Gefahr, ihrer Ämter und Pfründen entsetzt zu werden, um Papisten Platz zu machen, bedeutend erhöht wurde, einige Lücken in dem Raisonnement, das ihnen früher so überzeugend vorgekommen war. Die ethischen Stellen der heiligen Schrift, meinten sie, dürfe man nicht wie Parlamentsverordnungen oder wie casuistische Abhandlungen der Gelehrten deuten. Welcher Christ werde dem Grobian, der ihn auf die rechte Wange geschlagen, wirklich auch die linke hinhalten? Welcher Christ werde dem Diebe, der ihm den Rock genommen, auch noch den Mantel geben? Im Alten wie im Neuen Testament seien durchgängig nur allgemeine Regeln aufgestellt, ohne die Ausnahmen mit anzuführen. So stehe darin das allgemeine Gebot, nicht zu tödten, aber ohne einen Vorbehalt zu Gunsten des Kriegers, der zur Vertheidigung seines Königs und seines Vaterlandes tödtet. So stehe ferner darin das allgemeine Gebot nicht zu schwören, aber ohne Vorbehalt zu Gunsten des Zeugen, der vor dem Richter schwört, daß er die Wahrheit sagen wolle. Die Rechtmäßigkeit des Vertheidigungskrieges und des gerichtlichen Eides werde aber nur von einigen obscuren Sectirern bestritten, und sei in den Artikeln der anglikanischen Kirche ausdrücklich behauptet. Alle die Gründe, welche bewiesen, daß die Weigerung des Quäkers, Waffen zu tragen oder das Evangelium zu küssen, unvernünftig und verkehrt sei, könnten auch gegen Diejenigen gewendet werden, welche den Unterthanen das Recht des gewaltsamen Widerstandes gegen maßlose Tyrannei absprachen. Wenn man behaupte, daß die Bibelstellen, welche das Tödten und das Schwören verboten, trotz ihrer allgemeinen Fassung doch als Unterwerfung unter das große Gebot ausgelegt werden müßten, welches jedem Menschen befiehlt, die Wohlfahrt seines Nächsten zu fördern und daß sie bei solcher Auslegung nicht auf Fälle angewendet werden könnten, in denen das Tödten und Schwören zum Schutze der theuersten Interessen der Gesellschaft durchaus nothwendig sei, dann werde man auch schwerlich leugnen können, daß die Bibelstellen, welche den gewaltsamen Widerstand gegen Vorgesetzte verbieten, ebenso gedeutet werden dürften. Wenn dem alten Volke Gottes unter Umständen gestattet worden sei, Menschenleben zu vernichten und sich durch Eide zu binden, so sei es ihnen unter Umständen auch erlaubt gewesen, schlechten Fürsten Widerstand zu leisten. Wenn die alten Väter der Kirche gelegentlich eine Sprache geführt hätten, aus welcher hervorzugehen schiene, daß sie jeden gewaltsamen Widerstand mißbilligten, so hätten sie gelegentlich auch eine Sprache geführt, aus welcher hervorgehe, daß sie allen Krieg und alle Eide verwarfen. In der That, die Lehre vom passiven Gehorsam, wie sie unter der Regierung Karl’s II. in Oxford gepredigt wurde, kann nur durch eine einseitige Auslegung, die uns unvermeidlich zu den Schlußfolgerungen Barclay’s und Penn’s führen wurde, aus der Bibel hergeleitet werden.

Es waren jedoch nicht allein dem Wortlaute der heiligen Schrift entlehnte Gründe, vermittelst deren die anglikanischen Theologen in den unmittelbar auf die Restauration folgenden Jahren ihren Lieblingssatz zu beweisen versuchten. Sie hatten sich auch bemüht darzuthun, daß selbst wenn die Offenbarung darüber schweige, schon die Vernunft den Weisen von der Thorheit und Verwerflichkeit jedes gewaltsamen Widerstandes gegen die bestehende Regierung überzeugt haben würde. Es werde allgemein zugegeben, daß solcher Widerstand, außer im höchsten Nothfalle, nicht zu rechtfertigen sei. Aber wer könne die Grenze zwischen höchsten Nothfällen und gewöhnlichen Fällen bestimmen? Gäbe es wohl eine Regierung, unter der sich nicht Mißvergnügte und Aufwiegler finden würden, welche sagten und vielleicht auch wirklich glaubten, daß ihre Beschwerden einen höchsten Nothfall begründeten? Ja, wenn sich eine klare und bestimmte Regel aufstellen ließe, welche den Menschen verböte, sich gegen einen Trajan zu empören, ihnen aber erlaubte, sich gegen einen Caligula aufzulehnen, so würde eine solche Regel allerdings höchst wohlthätig sein. Aber eine derartige Regel sei nie aufgestellt worden und könne auch nie aufgestellt werden. Wenn man sage, der Aufruhr sei unter gewissen Umständen erlaubt, ohne diese Umstände genau zu bezeichnen, so sei dies eben so gut als wenn man sage, Jedermann dürfe sich empören, sobald es ihm passend erscheine; eine Gesellschaft aber, in der sich Jedermann empören könne, wenn er es für zweckmäßig halte, sei schlechter bestellt als eine unter der Herrschaft des grausamsten und willkürlichsten Despoten stehende. Daher sei es nothwendig, das große Prinzip des Nichtwiderstandes in seinem vollen Umfange aufrecht zu erhalten. Allerdings könnten besondere Fälle eintreten, in denen der Widerstand eine Wohlthat für die Gesellschaft sein würde; im Ganzen genommen aber sei es immer besser, wenn das Volk geduldig eine schlechte Regierung ertrage, als wenn es sich durch Verletzung eines Gesetzes zu helfen suche, auf dem die Sicherheit jeder Regierung beruhe.

Eine solche Argumentation überzeugte wohl eine herrschende und glückliche Partei sehr leicht, aber die Prüfung von Geistern, welche durch königliche Ungerechtigkeit und Undankbarkeit heftig gereizt waren, hielt sie nicht aus. Es ist allerdings unmöglich, eine strenge Grenze zwischen rechtmäßigem und unrechtmäßigem Widerstande zu ziehen; aber diese Unmöglichkeit liegt in dem ganzen Wesen von Recht und Unrecht und findet sich in fast jedem Zweige der ethischen Wissenschaft. Eine gute Handlung unterscheidet sich von einer schlechten nicht durch so deutliche Kennzeichen, wie ein Sechseck von einem Quadrat. Es giebt eine Grenze, wo Tugend und Laster in einander verschmelzen. Wer hat jemals eine genaue Grenzlinie zwischen Muth und Unbesonnenheit, zwischen Vorsicht und Feigheit, zwischen Sparsamkeit und Geiz, zwischen Freigebigkeit und Verschwendung zu ziehen vermocht? Wer hat jemals sagen können, wie weit die Nachsicht gegen Verbrecher gehen darf, wo sie aufhört den Namen Nachsicht zu verdienen, um verderbliche Schwäche zu werden? Welcher Casuist, welcher Gesetzgeber ist jemals im Stande gewesen, die Grenzen des Selbstvertheidigungsrechts zu bestimmen? Alle unsere Juristen sind der Ansicht, daß ein gewisses Maß von Gefahr für Leben oder Glieder den Menschen berechtige, einen Angreifer niederzuschießen oder zu erstechen, aber den Versuch, das Maß der Gefahr in bestimmten Worten zu bezeichnen, haben sie längst als unausführbar aufgegeben. Sie sagen nur, es dürfe keine unbedeutende, sondern eine solche Gefahr sein, die einen muthigen Menschen ernstlich um sich besorgt machen kann; aber wer wird es unternehmen zu sagen, welcher Grad von Besorgniß wirklich ernst genannt zu werden verdient oder wie der Geist eines Menschen beschaffen sein muß, um als muthig gelten zu können? Man muß es allerdings beklagen, daß die Natur der Worte und die Natur der Dinge eine genauere Gesetzgebung nicht gestattet, und es läßt sich nicht leugnen, daß oft Jemandem Unrecht geschieht, wenn die Menschen Richter in ihrer eignen Sache sind und ihr Urtheil augenblicklich vollziehen. Aber wer könnte deshalb alle und jede Nothwehr verbieten? Das Recht eines Volks, einer schlechten Regierung Widerstand zu leisten, ist ganz analog dem Rechte, mit dem der Einzelne in Ermangelung gesetzlichen Schutzes einen ihn Angreifenden erschlagen darf. In beiden Fällen muß die Gefahr sehr ernst sein; in beiden Fällen müssen alle gesetzlichen und friedlichen Vertheidigungsmittel erschöpft sein, ehe die verletzte Partei zum Äußersten schreitet; in beiden Fällen ladet man sich eine große Verantwortlichkeit auf; in beiden Fällen ruht die Beweislast auf Demjenigen, der es gewagt hat, zu einem so verzweifelten Auskunftsmittel zu greifen, und vermag er sich nicht zu rechtfertigen, so verwirkt er mit Recht die schwersten Strafen. Aber in keinem der beiden Fälle können wir das Vorhandensein alles Rechts leugnen. Ein von Mördern überfallener Mensch ist nicht verpflichtet, sich ohne von seinen Waffen Gebrauch zu machen, martern und abschlachten zu lassen, weil noch Niemand im Stande gewesen ist, das Maß der Gefahr, welches einen Todtschlag rechtfertigt, genau zu bestimmen. Ebenso wenig ist eine Gesellschaft verpflichtet, Alles was die Tyrannei über sie verhängen kann, mit passiver Geduld zu ertragen, weil noch Niemand das Maß der Regierungssünden, das eine Empörung rechtfertigt, genau zu bestimmen vermochte.

Aber konnte der Widerstand der Engländer gegen einen Fürsten wie Jakob eigentlich Empörung genannt werden? Die ächten Schüler Filmer’s behaupteten allerdings, daß zwischen unsrem Regierungssystem und dem der Türkei nicht der geringste Unterschied sei, und wenn der König sich nicht den Inhalt aller Kaufmannskasten in Lombard Street zueigne und Stumme mit der seidenen Schnur zu Sancroft und Halifax sende, so geschehe dies nur, weil Seine Majestät zu mild und gnädig sei, als daß er seine ganze, ihm vom Himmel ertheilte Macht ausüben sollte. Aber wenn auch die Tories zuweilen in der Hitze des Wortstreits eine Sprache führten, welche anzudeuten schien, daß sie diesen überspannten Lehren Beifall zollten, so verabscheuten sie den Despotismus doch gründlich. Die englische Regierungsform war nach ihren Begriffen eine beschränkt monarchische. Aber wie kann eine Monarchie beschränkt genannt werden, wenn niemals, selbst nicht im äußersten Nothfalle Gewalt angewendet werden darf, um sie innerhalb der ihr vorgeschriebenen Schranken zu halten? In Rußland, wo der Herrscher nach der Verfassung des Staats unbeschränkt war, konnte man vielleicht mit einem Schein von Richtigkeit behaupten, daß er, welche Übergriffe er sich auch erlaubte, noch immer nach christlichen Grundsätzen von seinen Unterthanen Gehorsam verlangen durfte. Bei uns aber stand der Fürst so gut unter dem Gesetze wie das Volk. Es war daher Jakob, der das Wehe über sich brachte, welches Denen angedroht ist, die der bestehenden Gewalt Hohn sprechen. Jakob war es, der sich den Anordnungen Gottes widersetzte, der sich gegen die rechtmäßige Autorität auflehnte, welcher er nicht allein aus Furcht vor dem göttlichen Zorne, sondern schon nach eigenem Gewissen hätte unterthan sein sollen, und der im wahren Sinne der Worte Jesu dem Kaiser nicht gab was des Kaisers war.

In Folge derartiger Betrachtungen fingen die kundigsten und aufgeklärtesten Tories an zuzugeben, daß sie in der Lehre vom passiven Gehorsam doch zu weit gegangen waren. Der Streit zwischen diesen Männern und den Whigs bezüglich der gegenseitigen Verpflichtungen der Könige und Unterthanen war jetzt kein Prinzipstreit mehr. Es blieben allerdings noch einige gerichtliche Streitpunkte zwischen der Partei, welche jederzeit die Rechtmäßigkeit des gewaltsamen Widerstandes behauptet hatten, und den Neubekehrten. Das Andenken des gesegneten Märtyrers wurde von den alten Kavalieren, welche bereit waren, gegen seinen entarteten Sohn die Waffen zu ergreifen, noch immer so hoch als je verehrt. Sie sprachen noch immer mit Abscheu von dem langen Parlamente, von dem Ryehousecomplot und von dem Aufstande im Westen. Aber wie sie auch über die Vergangenheit denken mochten, ihre Ansicht von der Gegenwart war entschieden whiggistisch, denn sie waren jetzt der Meinung, daß äußerster Druck gewaltsamen Widerstand rechtfertigen könne und daß der Druck, unter dem die Nation eben seufzte, den äußersten Grad erreicht habe.1

Man darf jedoch nicht glauben, daß alle Tories selbst unter den damaligen Umständen einem Prinzipe entsagten, daß sie von Kindheit auf als einen wesentlichen Bestandtheil des Christenthums betrachten gelernt, zu dem sie sich viele Jahre lang mit prahlender Heftigkeit bekannt und das sie durch Verfolgung zu verbreiten gesucht hatten. Manche hielten aus wirklicher Überzeugung, Andere aus Scham an dem alten Glauben fest. Der größere Theil aber selbst von Denen, welche nach wie vor jeden gewaltsamen Widerstand gegen den Landesherrn für unstatthaft erklärten, war geneigt, im Falle eines Bürgerkriegs neutral zu bleiben. Keine Herausforderung sollte sie zum Aufstande bewegen, wenn aber ein solcher ausbräche, so glaubten sie sich nicht verpflichtet, für Jakob II. zu kämpfen, wie sie für Karl I. gekämpft haben würden. Paulus habe den Christen in Rom verboten, sich gegen die Herrschaft Nero’s zu empören; aber es sei kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß, wenn der Apostel noch gelebt hätte, als die Legionen und der Senat sich gegen den ruchlosen Kaiser erhoben, er den Brüdern befohlen haben würde, zur Unterstützung der Tyrannei zu den Waffen zu eilen. Die Pflicht der verfolgten Kirche sei klar: sie müsse geduldig ausharren und ihre Sache Gott anheim stellen. Wenn es aber Gott, dessen weise Fürsorge stets das Böse zum Guten lenkt, gefallen sollte, wie es ihm oft gefallen habe, sich zur Abstellung ihrer Leiden der Vermittelung solcher Menschen zu bedienen, deren heftige Leidenschaften ihre Lehren nicht zu bezähmen vermocht hätten, so könne sie dankbar von ihm eine Befreiung annehmen, welche auf eigne Hand zu bewerkstelligen ihre Grundsätze ihr nicht gestatteten. So waren die meisten von den Tories, welche noch immer jeden Gedanken an einen Angriff auf die Regierung aufrichtig zurückwiesen, doch keineswegs gemeint, sie zu vertheidigen, und freuten sich vielleicht, während sie sich ihrer eigenen Gewissensscrupel rühmten, im Stillen darüber, daß nicht Jedermann so bedenklich war als sie.

Die Whigs sahen, daß ihre Zeit gekommen war. Ob sie das Schwert gegen die Regierung ziehen sollten, war schon seit sechs oder sieben Jahren bei ihnen nur noch eine Frage der Klugheit und jetzt gebot ihnen eben die Klugheit, einen kühnen Weg einzuschlagen.

Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in England vor. Im Mai, vor der Geburt des Prinzen von Wales und während es noch ungewiß war, ob die Indulgenzerklärung in den Kirchen verlesen werden würde oder nicht, hatte sich Eduard Russell nach dem Haag begeben, hatte dem Prinzen von Oranien den Zustand der Volksstimmung eindringlich geschildert und Seiner Hoheit gerathen, an der Spitze einer starken Truppenmacht in England zu erscheinen und das Volk zu den Waffen zu rufen.

Wilhelm hatte die ganze Bedeutung der Krisis auf den ersten Blick erkannt. „Jetzt oder nie!“ sagte er auf Lateinisch zu Dykvelt.2 Gegen Russell sprach er sich vorsichtiger aus, gab zu, daß die Leiden des Staats von der Art seien, daß sie ein außergewöhnliches Heilmittel erheischten, sprach aber sehr ernstlich von dem möglichen Scheitern des Unternehmens und von dem Unheil, welches dadurch über Großbritannien und über ganz Europa gebracht werden konnte. Er wisse nur zu gut, daß Viele, die sich jetzt in hochtönenden Worten bereit erklärten, Gut und Blut dem Vaterlande zu opfern, wieder zaghaft werden würden, wenn ihnen die Aussicht auf eine Wiederholung der Blutigen Assisen nahe vor Augen träte, und er könne sich daher nicht mit unbestimmten Versicherungen von Geneigtheit begnügen, sondern verlange bestimmte Einladungen und schriftliche Unterstützungszusagen von einflußreichen und bedeutenden Männern. Russell bemerkte ihm dagegen, daß es gefährlich sein werde, eine größere Anzahl von Personen in den Plan einzuweihen. Wilhelm stimmte ihm bei und sagte, daß einige wenige Unterschriften genügen würden, wenn es die von Staatsmännern wären, welche große Parteien repräsentirten.3

Heinrich Sidney. Mit dieser Antwort kehrte Russell nach London zurück, wo er die Aufregung bedeutend gestiegen und noch täglich zunehmend fand. Die Einsperrung der Bischöfe und die Entbindung der Königin erleichterten ihm seine Aufgabe mehr als er es hätte erwarten können. Er eilte die Stimmen der Oberhäupter der Opposition zu sammeln und sein Hauptgehülfe bei diesem Geschäft war Heinrich Sidney, der Bruder Algernon’s. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß Eduard Russell sowohl als Heinrich Sidney dem Hofstaate Jakob’s angehört hatten, daß Beide theils aus politischen, theils aus Privatgründen seine Feinde geworden waren und daß Beide das Blut naher Verwandter zu rächen hatten, welche in einem und demselben Jahre als Opfer seiner unerbittlichen Strenge gefallen waren. Hier endet jedoch die Ähnlichkeit. Russel war, bei bedeutenden Fähigkeiten, stolz, sarkastisch, ruhelos und heftig. Sidney schien bei sanftem Gemüth und einnehmenden Manieren seine besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse zu besitzen und in Genußsucht und Indolenz versunken zu sein. Von Gesicht und Gestalt war er auffallend hübsch. In seiner Jugend war er der Schrecken der Ehemänner gewesen und selbst jetzt, dem fünfzigsten Jahre nahe, war er noch der Liebling der Frauen und ein Gegenstand des Neides für jüngere Männer. Er hatte sich früher in amtlicher Stellung im Haag aufgehalten und es war ihm gelungen, sich Wilhelm’s Vertrauen in hohem Grade zu erwerben. Viele wunderten sich darüber, denn man hätte glauben sollen, daß der ernsteste Staatsmann und der ausschweifendste Müßiggänger nichts mit einander gemein haben könnten. Swift konnte viele Jahre später nicht begreifen, daß ein Mann, den er nur als einen wissenschaftlich ungebildeten und frivolen alten Wüstling gekannt hatte, wirklich in einer großen Revolution eine große Rolle gespielt haben sollte. Doch selbst ein minder scharfsichtiger Beobachter als Swift hätte wissen können, daß es einen gewissen instinktartigen Takt giebt, der oft großen Rednern und Philosophen fehlt, aber oft bei Personen gefunden wird, die man für einfältige Menschen erklären würde, wenn man sie nur nach ihren Reden und Schriften beurtheilte. In der That, wer diesen Takt besitzt, für den ist es in gewissem Sinne ein Vortheil, wenn ihm die glänzenderen Talente mangeln, die ihn zu einem Gegenstande der Bewunderung, des Neides und der Furcht machen würden. Sidney war ein sprechender Beleg für diese Wahrheit. So untüchtig, unwissend und ausschweifend er zu sein schien, so erkannte er doch ober fühlte er vielmehr, gegen wen er zurückhaltend sein mußte und gegen wen er ohne Gefahr mittheilend sein durfte. In Folge dessen leistete er was Mordaunt mit all’ seiner Lebhaftigkeit und all’ seinem Erfindungsgeiste oder Burnet mit all’ seinem vielseitigen Wissen und seiner fließenden Beredtsamkeit nie hätten ausführen können.4

Devonshire. Bei den alten Whigs konnte es keine Schwierigkeiten haben. Ihrer Meinung nach hatte es seit vielen Jahren kaum einen Augenblick gegeben, wo die öffentlichen Rechtsverletzungen nicht den Widerstand gerechtfertigt hätten. Devonshire, der als ihr Oberhaupt betrachtet werden konnte, hatte sowohl private als öffentliche Unbilden zu rächen. Er ging mit ganzem Herzen auf den Plan ein und bürgte für seine Partei.5

Shrewsbury. — Halifax. Russell theilte den Plan Shrewsbury mit und Sidney sondirte Halifax. Shrewsbury entschloß sich mit einem Muthe und einer Entschiedenheit, welche späterhin seinem Character zu fehlen schienen. Er erklärte sich sofort bereit, sein Vermögen, seine Ehre und sein Leben aufs Spiel zu setzen. Halifax aber nahm die erste Andeutung des Vorhabens in einer Weise auf, welche bewies, daß es nutzlos und vielleicht sogar gefährlich gewesen wäre, sich deutlicher auszusprechen. Er war in der That auch nicht der Mann zu einem solchen Unternehmen. Sein Geist war unerschöpflich in subtilen Unterscheidungen und Einwendungen, sein Temperament friedliebend und nicht waghalsig. Er war bereit, dem Hofe im Hause der Lords und durch anonyme Schriften bis aufs Äußerste zu opponiren; aber seine vornehme Ruhe mit dem unsicheren und bewegten Leben eines Verschwörers zu vertauschen, sich in die Gewalt von Mitverschwornen zu geben, in beständiger Angst vor Verhaftbefehlen und Königsboten zu leben, ja vielleicht gar auf dem Schaffot zu enden, oder in einer Hintergasse im Haag von Almosen zu existiren, dazu hatte er wenig Lust. Er äußerte daher einige Worte, welche deutlich erkennen ließen, daß er nicht wünschte, in die Pläne seiner verwegeneren und ungestümeren Freunde eingeweiht zu werden. Sidney verstand ihn und sagte nichts mehr.6

Danby und der Bischof Compton. Hierauf wendete man sich nun zunächst an Danby und mit weit besserem Erfolg. Für seinen kühnen und thatkräftigen Geist hatten Gefahr und Aufregung, welche dem zarter organisirten Gemüth Halifax’ unerträglich waren, einen großen Reiz. Die verschiedenen Charactere der beiden Staatsmänner waren schon in ihren Gesichtszügen zu erkennen. Halifax’ Stirn, Auge und Mund verriethen einen ausgezeichneten Verstand und einen ungewöhnlichen Sinn für die Satire; aber sein Gesichtsausdruck war der eines Skeptikers, eines Sybariten, eines Mannes, der so leicht nicht Alles auf eine Karte setzt oder für irgend eine Sache zum Märtyrer wird. Wer sein Gesicht kennt, wird sich nicht wundern können, daß der Schriftsteller, der ihm am meisten Vergnügen machte, Montaigne war.7 Danby war ein Skelett; sein hageres und faltenreiches, obgleich ansprechendes und edles Gesicht verrieth sowohl seine ausgezeichneten Geistesgaben, als auch seinen ruhelosen Ehrgeiz. Er hatte sich schon einmal aus der Dunkelheit auf den Gipfel der Macht emporgeschwungen und war dann plötzlich von seiner Höhe herabgestürzt. Sein Leben war in Gefahr gewesen und er hatte Jahre lang im Gefängniß zugebracht. Jetzt war er frei, aber damit war er nicht zufrieden, er wollte wieder groß werden. Als treuer Anhänger der anglikanischen Kirche und Feind des französischen Übergewichts konnte er nicht hoffen, an einem von Jesuiten wimmelnden und dem Hause Bourbon ergebenen Hofe etwas Großes zu werden. Wenn er aber eine Hauptrolle in einer Revolution übernahm, welche alle Pläne der Papisten vereiteln, der langen Vasallenschaft Englands ein Ziel setzen und die königliche Macht auf ein erlauchtes Paar übertragen sollte, dessen eheliches Band er geknüpft hatte, so konnte er mit neuem Glanze aus seiner Dunkelheit hervortreten. Die Whigs, deren Groll ihn neun Jahre früher aus dem Amte gestoßen hatte, verbanden bei seinem glücklichen Wiedererscheinen gewiß ihren Beifallsjubel mit dem seiner alten Freunde, der Kavaliere. Schon hatte er sich mit einem der Ausgezeichnetsten von Denen, welche ihn vormals angeklagt hatten, mit dem Earl von Devonshire, vollständig wieder ausgesöhnt. Die beiden Kavaliere waren in einem Dorfe im Peak zusammengekommen und hatten einander ihrer freundschaftlichen Gesinnungen versichert. Devonshire hatte offen eingestanden, daß die Whigs sich einer großen Ungerechtigkeit schuldig gemacht und hatte erklärt, daß sie jetzt von ihrem Irrthum überzeugt wären. Auch Danby hatte Mancherlei zurückzunehmen. Er hatte einst wirklich oder vorgeblich der Lehre vom passiven Gehorsame im weitesten Sinne gehuldigt. Auf seine Anregung oder mit seiner Genehmigung war ein Gesetz beantragt worden, das, wenn es angenommen worden wäre, alle Diejenigen, die sich weigerten eidlich zu erklären, daß sie gewaltsamen Widerstand unter allen Umständen für unerlaubt hielten, vom Parlament ausgeschlossen haben würde. Aber sein scharfer Verstand, durch die Sorge um das öffentliche wie um sein persönliches Wohl vollständig erleuchtet, ließ sich jetzt nicht mehr durch solche kindische Trugschlüsse täuschen, wenn dies überhaupt jemals der Fall gewesen war. Er erklärte sofort seinen Beitritt zu der Verschwörung, und bemühte sich dann, die Mitwirkung Compton’s, des suspendirten Bischofs von London zu gewinnen, was ihm auch ohne Schwierigkeit gelang. Kein Prälat war von der Regierung so rücksichtslos und ungerecht behandelt worden als Compton, auch hatte kein Prälat soviel von einer Revolution zu erwarten als er, denn er war der Erzieher der Prinzessin von Oranien gewesen und man glaubte allgemein, daß er ihr Vertrauen in hohem Maße genoß. Er hatte wie seine Collegen, so lange er noch nicht unterdrückt wurde, entschieden behauptet, daß es ein Verbrechen sei, sich gegen den Druck aufzulehnen; seitdem er aber vor der Hohen Commission gestanden, war ein neues Licht in ihm aufgegangen.8

Nottingham. Danby und Compton wünschten Beide, sich der Unterstützung Nottingham’s zu versichern. Der ganze Plan wurde ihm mitgetheilt und er billigte denselben. Aber schon nach wenigen Tagen fing er an besorgt zu werden. Seine Seele war nicht stark genug, um sich von anerzogenen Vorurtheilen loszureißen. Er ging von einem Geistlichen zum andern, legte ihnen in allgemeinen Ausdrücken angenommene Fälle von Tyrannei vor und fragte sie, ob in solchen Fällen der Widerstand erlaubt sei. Die Antworten, die er erhielt, vermehrten seine Angst. Endlich sagte er seinen Mitverschwornen, daß er nicht weiter mit ihnen gehen könne. Wenn sie ihn für fähig hielten, sie zu verrathen, so sollten sie ihn umbringen, und er werde sie schwerlich deshalb tadeln, denn indem er zurücktrete, nachdem er so weit gegangen sei, gebe er ihnen eine Art von Recht über sein Leben. Er versichere aber, daß sie von ihm nichts zu fürchten hatten; er werde ihr Geheimniß streng bewahren und könne nicht anders als ihnen den besten Erfolg wünschen, aber sein Gewissen gestatte ihm nicht, thätigen Antheil an einem Aufstande zu nehmen. Sie vernahmen sein Bekenntniß mit Argwohn und Verachtung. Sidney, der sehr unbestimmte Begriffe von Gewissensscrupeln hatte, benachrichtigte den Prinzen, daß Nottingham Angst bekommen habe. Man ist es jedoch Nottingham schuldig, zu sagen, daß sein allgemeiner Lebenswandel uns zu dem Glauben berechtigt, daß er bei dieser Gelegenheit durchaus rechtschaffen, wenn auch höchst unklug und unentschlossen handelte.9

Lumley. Einen vollständigeren Erfolg hatten die Agenten des Prinzen bei Lord Lumley, der wohl wußte, daß er trotz des hochwichtigen Dienstes, den er zur Zeit des Aufstandes im Westen geleistet, in Whitehall nicht blos als Ketzer, sondern als Renegat verhaßt war, und der sich daher mehr als die meisten gebornen Protestanten danach sehnte, zur Vertheidigung des Protestantismus die Waffen zu ergreifen.10

Absendung der Einladung an Wilhelm. Im Monat Juni hatten die ins Geheimniß Eingeweihten häufige Zusammenkünfte, und am Letzten dieses Monats, dem Tage, an welchem die Bischöfe für nichtschuldig erklärt wurden, geschah endlich der entscheidende Schritt. Es wurde eine von Sidney geschriebene, aber von einer in der Abfassung derartiger Aufsätze geübteren Person entworfene förmliche Einladung nach dem Haag abgeschickt. In diesem Schreiben wurde Wilhelm versichert, daß neunzehn Zwanzigstel des englischen Volks sich nach einer Änderung sehnten und sich gern zur Herbeiführung einer solchen verbinden würden, wenn sie den Beistand einer solchen auswärtigen Macht erlangen könnten, welche die sich in Waffen Erhebenden vor der Gefahr sichere, zerstreut und niedergehauen zu werden, ehe sie sich in irgend einer militairischen Ordnung formiren könnten. Wenn Seine Hoheit an der Spitze eines Truppencorps in England erschiene, würden viele Tausende zu seinen Fahnen eilen, und er würde bald über eine der regulären Armee Englands weit überlegene Streitmacht zu verfügen haben. Überdies könne sich die Regierung selbst auf diese Armee nicht unbedingt verlassen. Die Offiziere seien unzufrieden und die gemeinen Soldaten theilten den Widerwillen gegen den Papismus, der in dem Stande, welchem sie angehörten, allgemein sei. Bei der Seemacht sei die protestantische Gesinnung noch allgemeiner. Es sei daher von Wichtigkeit, daß ein entscheidender Schritt geschehe, so lange sich die Dinge in diesem Zustande befänden. Das Unternehmen würde viel schwieriger sein, wenn es verschoben würde, bis der König durch Umgestaltung der Wahlkörper und der Regimenter sich ein Parlament und ein Heer gebildet habe, auf die er sich verlassen könnte. Die Verschwornen baten demnach den Prinzen dringend, so schleunig als möglich zu ihnen zu kommen. Sie gaben ihr Ehrenwort darauf, daß sie sich ihm anschließen würden und machten sich anheischig, die Mitwirkung einer so großen Anzahl Personen zu erlangen, als man ohne Gefahr in ein so wichtiges und gefährliches Geheimniß ziehen könne. Über einen Punkt hielten sie es für ihre Pflicht, Seiner Hoheit eine Vorstellung zu machen. Er habe die Meinung der großen Masse der Engländer über die kürzliche Geburt eines Prinzen nicht zu seinem Vortheile benutzt, sondern im Gegentheil Glückwünsche nach Whitehall gesandt, wodurch es scheinen müsse, als ob das Kind, welches den Namen eines Prinzen von Wales bekommen habe, der rechtmäßige Erbe des Thrones sei. Dies sei ein großer Fehler gewesen und habe den Eifer abgekühlt. Nicht Einer unter Tausend zweifle daran, daß der Knabe untergeschoben sei und der Prinz würde seinen Vortheil nicht richtig erkennen, wenn er nicht die verdächtigen Umstände, welche die Niederkunft der Königin begleitet hätten, unter den Gründen für seine bewaffnete Erhebung obenan stelle.11

Dieses Schreiben war mit den Namenschiffern der sieben Oberhäupter der Verschwörung, Shrewsbury, Devonshire, Danby, Lumley, Compton, Russell und Sidney, unterzeichnet. Herbert übernahm das Amt des Überbringers. Seine Sendung war mit nicht geringer Gefahr verknüpft. Er legte die Tracht eines gemeinen Matrosen an und erreichte am Freitag nach dem Prozesse der Bischöfe die niederländische Küste. Er eilte augenblicklich zu dem Prinzen. Bentinck und Dyckvelt wurden gerufen und es vergingen mehrere Tage unter Berathungen. Das erste Resultat dieser Berathungen war, daß das Gebet für den Prinzen von Wales nicht mehr in der Kapelle des Prinzen verlesen wurde.12

Mariens Verhalten. Von Seiten seiner Gemahlin hatte Wilhelm keine Opposition zu fürchten. Er übte eine unbeschränkte Gewalt über ihren Geist aus und, was noch merkwürdiger war, er hatte ihre ganze Zuneigung gewonnen. Er ersetzte ihr die Eltern, die sie durch den Tod und durch Entfremdung verloren hatte, die Kinder, die ihren Gebeten versagt worden, und das Vaterland, aus dem sie verbannt war. Er theilte die Herrschaft über ihr Herz nur mit ihrem Gott. An ihrem Vater hatte sie wahrscheinlich nie mit Liebe gehangen, sie hatte ihn in früher Jugend verlassen, seit vielen Jahren hatte sie ihn nicht gesehen und sein Benehmen gegen sie seit ihrer Vermählung hatte weder Zärtlichkeit von seiner Seite verrathen noch in ihr ein derartiges Gefühl erwecken können. Er hatte alles Mögliche gethan, um ihr häusliches Glück zu stören und unter ihrem Dache ein förmliches System von Spioniererei, Aushorcherei und Angeberei eingeführt. Er bezog größere Einkünfte als irgend einer seiner Vorgänger und bewilligte ihrer jüngeren Schwester ein regelmäßiges Jahrgehalt von vierzigtausend Pfund;13 die muthmaßliche Erbin seines Thrones aber hatte nie die geringste Geldunterstützung von ihm erhalten und war kaum im Stande, den ihrem hohen Range unter den europäischen Fürstinnen zukommenden Aufwand zu machen. Sie hatte es gewagt, sich für ihren alten Freund und Lehrer Compton bei ihm zu verwenden, der von seinen bischöflichen Functionen suspendirt worden war, weil er sich geweigert hatte, eine Handlung empörender Ungerechtigkeit zu begehen, aber ihre Fürsprache war ungnädig abgewiesen werden.14 Von dem Tage an, wo es sich klar herausgestellt hatte, daß sie und ihr Gemahl entschlossen waren, sich bei dem Umsturze der englischen Verfassung nicht zu betheiligen, war es ein Hauptzweck der Politik Jakob’s gewesen, sie Beide zu kränken. Er hatte die britischen Regimenter aus Holland zurückberufen, er hatte mit Tyrconnel und mit Frankreich gegen Mariens Rechte conspirirt und Anstalten getroffen, um sie wenigstens einer der drei Kronen zu berauben, auf welche sie bei seinem Tode Anspruch gehabt haben würde. Jetzt glaubte die große Masse seines Volks und viele Personen von hohem Range und ausgezeichneten Fähigkeiten, daß er einen unächten Prinzen von Wales in die königliche Familie eingeschmuggelt habe, um sie eines reichen Erbtheils zu berauben, und man konnte nicht zweifeln, daß auch sie den herrschenden Argwohn theilte. Einen solchen Vater konnte sie unmöglich lieben. Ihre religiösen Grundsätze waren allerdings so streng, daß sie sich wahrscheinlich bemüht haben würde, das was sie für ihre Pflicht hielt, auch gegen einen nicht geliebten Vater zu erfüllen. In dem vorliegenden Falle aber war sie der Meinung, daß Jakob’s Anrecht auf ihren Gehorsam einem geheiligteren Anrechte weichen müsse. In der That stimmen alle Theologen und Publicisten darin überein, daß, wenn die Tochter des Fürsten eines Landes mit dem Fürsten eines andren Landes vermählt ist, sie ihr eignes Volk und ihr Vaterhaus vergessen und im Falle eines Bruches zwischen ihrem Gemahl und ihren Eltern auf die Seite des Ersteren treten muß. Dies ist die feststehende Regel, selbst wenn der Gatte im Unrecht wäre; in Mariens Augen aber war das von Wilhelm beabsichtigte Unternehmen nicht nur gerecht, sondern heilig.

Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm’s. Obgleich sie es aber sorgfältig vermied, irgend etwas zu thun oder zu sagen, was die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten vermehren konnte, so waren diese Schwierigkeiten doch sehr ernster Art. Sie wurden jedoch selbst von Einigen von Denen, die ihn einluden hinüberzukommen, nur unvollkommen begriffen, und sind auch von einigen Geschichtsschreibern der Unternehmung nur unvollkommen geschildert worden.

Die Hindernisse, welche er auf englischem Boden zu erwarten hatte, waren zwar die mindest furchtbaren, die der Ausführung seines Planes entgegenstanden, waren aber doch auch sehr ernst. Er sah wohl ein, daß es Wahnsinn gewesen wäre, nach dem Beispiele Monmouth’s mit einigen wenigen britischen Abenteurern über das Meer zu fahren und auf eine allgemeine Erhebung der Bevölkerung zu rechnen. Es war nothwendig und wurde von Allen, die ihn einluden, als nothwendig erkannt, daß er eine Armee mitbrachte. Aber wer konnte für den Eindruck stehen, den das Erscheinen einer solchen Armee machen würde? Die Regierung war allerdings mit Recht verhaßt, aber ließ sich wohl erwarten, daß das an die Einmischung festländischer Mächte in englische Streitigkeiten nicht gewohnte englische Volk einen von fremden Soldaten umgebenen Befreier mit wohlwollendem Auge betrachten würde? Wenn nur ein Theil der königlichen Truppen dem Eindringenden entschlossenen Widerstand entgegensetzte, würde dieser Theil nicht bald die vaterländischen Sympathien von Millionen auf seiner Seite haben? Eine Niederlage würde dem ganzen Unternehmen verderblich geworden sein. Ein blutiger Sieg der Söldlinge der Generalstaaten über die Coldstreamgarden und die Buffs im Herzen der Insel wäre fast ein eben so großes Unglück gewesen als eine Niederlage. Ein solcher Sieg würde die schmerzlichste Wunde gewesen sein, welche je dem Nationalstolze einer der stolzesten Nationen geschlagen worden. Die so eroberte Krone hätte nie in Ruhe und Frieden getragen werden können. Der Haß, mit dem man die Hohe Commission und die Jesuiten betrachtete, wäre durch den viel stärkeren Haß gegen fremde Eroberer verdrängt worden, und Viele, die seither auf Frankreichs Macht mit Furcht und Abscheu geblickt hatten, würden gesagt haben, daß wenn nun einmal ein fremdes Joch getragen werden müsse, das französische weniger schimpflich sei als das holländische.

Diese Betrachtungen hätten Wilhelm wohl bedenklich machen können, selbst wenn ihm alle militairischen Hülfsmittel der Vereinigten Provinzen zur unumschränkten Verfügung gestanden hätten. In Wirklichkeit aber schien es sehr zweifelhaft, ob er die Unterstützung eines einzigen Bataillons würde erlangen können. Von allen Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, war die größte, obgleich von den englischen Geschichtsschreibern wenig beachtete, die, welche in der Verfassung der batavischen Republik selbst lag. Noch nie hatte ein großer Staat unter einer so unzweckmäßigen Verfassung eine lange Reihe von Jahren existirt. Die Generalstaaten konnten ohne die Zustimmung der Staaten jeder einzelnen Provinz weder Krieg noch Frieden beschließen, weder ein Bündniß eingehen, noch eine Steuer erheben. Und die Provinzialstaaten konnten wieder ihre Zustimmung nicht ohne die Zustimmung derjenigen Municipalitäten geben, welche einen Antheil an der Vertretung hatten. Jede Municipalität war gleichsam ein souverainer Staat und beanspruchte als solcher das Recht, mit den fremden Gesandten direct zu verkehren und mit ihnen die Mittel zur Vereitelung von Plänen zu verabreden, welche andere Municipalitäten beabsichtigten. In einigen Stadträthen hatte die Partei, welche mehrere Generationen hindurch den Einfluß der Stadthalter mit eifersüchtigem Auge ansah, ein große Masse. An der Spitze dieser Partei standen die Behörden der stolzen Stadt Amsterdam, welche damals in ihrer höchsten Blüthe war. Sie hatten seit dem Frieden von Nymwegen mit Ludwig durch die Vermittelung seines geschickten und thätigen Gesandten, des Grafen von Avaux, stets einen freundschaftlichen Verkehr unterhalten. Vorschläge, die der Statthalter als zum Wohle der Republik unumgänglich nöthig beantragt, die von allen Provinzen außer Holland und von siebzehn unter den achtzehn holländischen Stadträthen genehmigt worden, waren schon mehr als einmal durch die einzige Stimme Amsterdam’s verworfen worden. Das einzige verfassungsgemäße Hülfsmittel in solchen Fällen bestand darin, daß Deputationen von den zustimmenden Städten der andersmeinenden Stadt einen Besuch machten, um sie womöglich zu überreden. Die Anzahl der Deputirten war unbeschränkt, sie konnten ihre Vorstellungen so lange fortsetzen, als es ihnen gutdünkte, und währenddem mußte die starrsinnige Commun, die sich ihren Gründen nicht fügen wollte, für ihren Unterhalt sorgen. Dieses abgeschmackte Zwangsmittel war einmal mit Erfolg gegen die kleine Stadt Gorkum angewendet worden, machte aber voraussichtlich keinen großen Eindruck auf das mächtige und reiche Amsterdam, das durch seinen von zahllosen Masten strotzenden Hafen, durch seine von stattlichen Gebäuden eingefaßten Kanäle, durch seine prächtige Stadthalle mit Wänden, Decken und Fußböden von polirtem Marmor, durch seine mit den kostbarsten Producten Ceylon’s und Surinam’s gefüllten Waarenmagazine und seine Börse, in der das endlose Summen aller Sprachen der civilisirten Völker ertönte, in der ganzen Welt berühmt war.15

Die Streitigkeiten zwischen der Majorität, welche den Statthalter unterstützte, und der Minorität, zu deren Spitze der Magistrat von Amsterdam stand, waren schon mehrmals so heftig geworden, daß Blutvergießen unvermeidlich zu sein schien. Einmal hatte der Prinz den Versuch gemacht, die widerspenstigen Deputirten als Verräther bestrafen zu lassen. Ein andermal waren ihm die Thore von Amsterdam versperrt und Truppen zur Vertheidigung der Privilegien des Municipalraths ausgehoben worden. Es war nicht zu erwarten, daß die obrigkeitliche Behörde dieser großen Stadt je in eine Expedition willigen würde, welche für Ludwig, dem sie den Hof machte, im höchsten Grade beleidigend war und voraussichtlich das ihr verhaßte Haus Oranien zu größerer Macht erhob. Und doch konnte eine solche Expedition ohne ihre Einwilligung gesetzlich nicht unternommen werden. Ihren Widerstand durch Waffengewalt zu brechen, war ein Mittel, daß der entschlossene und kühne Statthalter unter anderen Umständen nicht gescheut haben würde. In vorliegendem Falle aber war es von höchster Wichtigkeit, daß er sorgfältig jeden Schritt vermied, der als tyrannisch dargestellt werden konnte. Er durfte es nicht wagen, in demselben Augenblicke, wo er gegen seinen Schwiegervater das Schwert zog, weil dieser die Grundgesetze Englands verletzt hatte, die Grundgesetze Holland’s zu verletzen. Der gewaltsame Umsturz einer freien Verfassung würde ein sonderbares Vorspiel zur gewaltsamen Aufrichtung einer andren gewesen sein.16

Außerdem gab es noch eine andre Schwierigkeit, welche von den englischen Geschichtschreibern zu wenig beachtet worden ist, die aber Wilhelm nicht einen Augenblick aus dem Gesicht verlor. Er konnte das beabsichtigte Unternehmen nur dann glücklich durchführen, wenn er an das protestantische Gefühl Englands appellirte und dieses Gefühl so kräftig anspornte, daß es eine Zeit lang das vorherrschende und fast ausschließliche Gefühl der Nation würde. Dies würde in der That eine sehr einfaches Verfahren gewesen sein, hätte seine Politik einzig und allein dahin gezielt, auf unsrer Insel eine Revolution hervorzurufen und daselbst zu regieren. Aber er hatte ein andres Endziel vor Augen, das er nur mit Beihülfe von Fürsten, welche der römischen Kirche aufrichtig ergeben waren, erreichen konnte. Er wollte das deutsche Reich, den katholischen König und den heiligen Stuhl mit England und Holland zu einem Bündnisse gegen das Übergewicht Frankreichs vereinigen, daher war es nöthig, daß er, während er den gewaltigsten Schlag führte, der je zur Vertheidigung des Protestantismus geführt worden war, sich das Wohlwollen von Regierungen zu erhalten suchte, welche den Protestantismus als eine gefährliche Ketzerei betrachteten.

Dies waren die verwickelten Schwierigkeiten dieses großen Unternehmens. Staatsmänner des Continents erkannten einen Theil dieser Schwierigkeiten, britische Staatsmänner einen andren. Nur ein scharfblickender und gewaltiger Geist übersah sie mit einem einzigen Blicke und beschloß sie alle zu überwinden. Es war kein leichtes Ding, die englische Regierung vermittelst einer fremden Heeresmacht zu stürzen, ohne den Nationalstolz der Engländer zu verwunden. Es war kein leichtes Ding, von der batavischen Faction, welche Frankreich mit Vorliebe und das Haus Oranien mit Widerwillen betrachtete, eine Entscheidung zu Gunsten einer Expedition zu erlangen, die alle Pläne Frankreichs über den Haufen warf und das Haus Oranien auf den Gipfel der Größe erheben mußte. Es war kein leichtes Ding, begeisterte Protestanten zu einem Kreuzzuge gegen den Papismus zu führen, und sich trotzdem die Freundschaft fast aller papistischen Regierungen und des Papstes selbst zu erhalten. Doch alles dies führte Wilhelm aus. Er erreichte alle seine Zwecke, selbst die, welche sich am wenigsten mit einander zu vertragen schienen, vollständig und zu gleicher Zeit. Die ganze Geschichte der alten wie der neuen Zeit berichtet keinen zweiten ähnlichen Triumph der Staatskunst.

Die Aufgabe würde allerdings selbst für einen solchen Staatsmann wie der Prinz von Oranien zu schwierig gewesen sein, wären nicht seine Hauptgegner damals in einer Bethörung befangen gewesen, welche von vielen gerade nicht abergläubischen Leuten als eine besondere göttliche Strafe betrachtet wurde. Nicht nur der König von England war wie immer verblendet und verkehrt, sondern selbst die Räthe des klugen Königs von England waren thöricht geworden. Was Weisheit und Energie irgend vermögen, das that Wilhelm. Die Hindernisse aber, welche keine Weisheit oder Energie hätte überwinden können, räumten seine Feinde selbst geflissentlich aus dem Wege.

Jakob’s Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe. An dem wichtigen Tage, an welchem die Bischöfe freigesprochen und die Einladung nach dem Haag abgesandt wurde, kehrte Jakob in verdrüßlicher und gereizter Stimmung von Hounslow nach Westminster zurück. Er bemühte sich diesen Nachmittag heiter zu scheinen;17 aber die Freudenfeuer, die Raketen und vor Allem die wächsernen Päpste, welche in allen Stadttheilen Londons leuchteten, waren eben nicht geeignet, ihn zu erheitern. Wer ihn am andren Morgen sah, konnte in seinen Zügen und in seiner Haltung ohne Mühe die heftigen Gemüthsbewegungen erkennen, die in seiner Brust tobten.18 Einige Tage lang schien er sehr ungern von dem Prozeß zu sprechen, so daß selbst Barillon es nicht wagen durfte, die Sache zur Sprache zu bringen.19

Bald begann es sich klar zu zeigen, daß die Niederlage und Demüthigung das Herz des Königs nur noch mehr verhärtet hatte. Die ersten Worte, die über seine Lippen kamen, als er erfuhr, daß die Gegenstände seiner Rache ihm entschlüpft, waren: „Sie sollen es bereuen!“ Schon nach wenigen Tagen wurde der Sinn dieser Worte, die er seiner Gewohnheit nach sehr häufig wiederholte, vollkommen klar. Er machte sich Vorwürfe, nicht darüber, daß er die Bischöfe gerichtlich verfolgt, sondern daß er sie vor ein Tribunal gestellt hatte, wo die factischen Fragen durch Geschworne entschieden wurden und die feststehenden Rechtsgrundsätze auch von den servilsten Richtern nicht gänzlich aus den Augen gelassen werden konnten. Diesen Fehler beschloß er wieder gut zu machen. Nicht nur die sieben Prälaten, welche die Petition unterzeichnet hatten, sondern die gesammte anglikanische Geistlichkeit sollte Ursache haben, den Tag zu verwünschen, an welchem sie einen Sieg über ihren Landesherrn davon getragen. Etwa vierzehn Tage nach dem Prozeß wurde eine Kabinetsordre erlassen, welche allen Diöcesankanzlern und Archidiakonen anbefahl, in ihren betreffenden Sprengeln eine strenge Untersuchung vorzunehmen und binnen fünf Wochen der Hohen Commission die Namen aller derjenigen Pfarrer, Vikare und Curaten aufzugeben, welche die Indulgenzerklärung nicht verlesen hatten.20 Der König weidete sich schon im voraus an dem Entsetzen, mit dem die Ungehorsamen vernehmen würden, daß sie vor ein Tribunal gestellt werden sollten, von dem sie keine Gnade zu erwarten hatten.21 Die Anzahl der Schuldigen betrug wenig unter, wenn nicht volle zehntausend und nach dem, was im Magdalenen-Collegium geschehen war, konnte jeder von ihnen mit gutem Grunde darauf gefaßt sein, daß ihm die Ausübung aller seiner geistlichen Functionen untersagt, daß er aus seiner Pfründe vertrieben, zur Bekleidung irgend eines andren Amtes für unfähig erklärt und in die Kosten des Prozesses verurtheilt würde, der ihn zum Bettler gemacht.

Entlassungen und Ernennungen. Dies war die Verfolgung, durch welche Jakob im Ärger über seine große Niederlage in Westminsterhall die Geistlichkeit zu züchtigen beschloß. Vor der Hand bemühte er sich, den Männern des Gesetzes durch rasche und ausgedehnte Vertheilung von Belohnungen und Strafen zu zeigen, daß consequente und schamlose Servilität, wenn sie auch nicht zum Ziele führte, ein sicheres Anrecht auf seine Gunst verleihe und daß Jeder, der nach jahrelanger Unterwürfigkeit nur einen Augenblick auf den Pfad des Muthes und der Rechtschaffenheit überzuspringen wagte, sich eines unverzeihlichen Verbrechens schuldig mache. Die Heftigkeit und Frechheit, welche der Renegat Williams während des ganzen Prozesses der Bischöfe an den Tag gelegt, hatte ihn der ganzen Nation verhaßt gemacht.22 Er wurde mit dem Baronettitel belohnt. Holloway und Powell hatten ihren Ruf durch die Erklärung gehoben, daß die Petition ihrer Ansicht nach kein Libell sei. Sie wurden ihrer Stellen entsetzt.23 Wright’s Schicksal scheint einige Zeit zweifelhaft gewesen zu sein. Er hatte zwar gegen die Bischöfe resumirt, hatte es aber geduldet, daß ihr Rechtsbeistand die Dispensationsgewalt bestritt; er hatte die Petition ein Libell genannt, es aber sorgfältig vermieden, die Indulgenzerklärung gesetzlich zu nennen, und während der ganzen Verhandlung hatte er in dem Tone eines Mannes gesprochen, welcher wußte, daß ein Tag der Rechenschaft kommen konnte. Allerdings hatte er auch gegründete Ansprüche auf Nachsicht, denn es war wohl kaum zu erwarten, daß irgend eines Menschen Frechheit in einer solchen Aufgabe, angesichts einer solchen Barre und eines solchen Auditoriums von Anfang bis zu Ende hätte aushalten können, ohne zu erschlaffen. Die Mitglieder der jesuitischen Cabale tadelten ihn jedoch wegen seines Mangels an Muth; der Kanzler nannte ihn einen Esel und man glaubte allgemein, daß ein neuer Oberrichter ernannt werden würde.24 Aber es fand keine derartige Veränderung statt. Es würde auch nicht leicht gewesen sein, Wright’s Stelle wieder zu besetzen. Die vielen Juristen, welche in Talenten und Kenntnissen hoch über ihm standen, waren fast ohne Ausnahme den Plänen der Regierung feindlich gesinnt; und die sehr wenigen, die ihn in Gewissenlosigkeit und Frechheit übertrafen, waren fast ohne Ausnahme nur in den untersten Schichten ihres Standes zu finden und würden unfähig gewesen sein, nur die gewöhnlichen Geschäfte des Kingsbenchgerichts zu leiten. Williams vereinigte allerdings alle Eigenschaften in sich, welche Jakob von einem hohen Gerichtsbeamten verlangte, aber seiner Dienste bedurfte man bei der Staatsanwaltschaft und wäre er von derselben entfernt worden, so würde der Krone nicht der Beistand eines Advokaten dritten Ranges geblieben sein.

Nichts hatte den König mehr in Erstaunen gesetzt und gekränkt, als die Begeisterung, welche die Dissenters für die Sache der Bischöfe an den Tag legten. Penn, der, obgleich er selbst seinen Gewissensscrupeln Reichthum und Ehrenstellen aufgeopfert hatte, zu glauben schien, daß außer ihm Niemand ein Gewissen habe, schrieb die Unzufriedenheit der Puritaner dem Neide und dem unbefriedigten Ehrgeize zu. Er meinte, sie hätten keinen Antheil an den durch die Indulgenzerklärung verheißenen Wohlthaten gehabt, keiner von ihnen sei zu einem hohen und ehrenvollen Posten berufen worden, und es sei daher kein Wunder, daß sie auf die Katholiken eifersüchtig wären. In Folge dessen wurde acht Tage nach dem hochwichtigen Verdict der Geschwornen in Westminsterhall, Silas Titus, ein angesehener Presbyterianer, ein heftiger Exclusionist und einer der Hauptankläger Stafford’s, eingeladen, einen Sitz im Geheimen Rathe einzunehmen. Er gehörte zu Denen, auf welche die Opposition am sichersten gerechnet hatte. Aber die ihm jetzt angetragene Ehre und die Aussicht eine bedeutende Summe zu erhalten, die ihm die Krone schuldete, gewannen die Oberhand über seine Tugend und er wurde zum großen Ärgerniß aller Klassen von Protestanten vereidigt.25

Die Rachepläne des Königs gegen die Kirche gingen nicht in Erfüllung. Fast sämmtliche Archidiakonen und Diöcesankanzler verweigerten die verlangten Angaben. Der Tag, an welchem die ganze Masse der Geistlichen vorgeladen werden sollte, um sich wegen ihres Ungehorsams zu verantworten, kam heran.

Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus. Die Hohe Commission trat zusammen. Es zeigte sich, daß kaum ein kirchlicher Beamter eine Liste eingeschickt hatte. Zu gleicher Zeit wurde der Commission eine Schrift von der höchsten Bedeutung vorgelegt. Es war ein Schreiben von Sprat, dem Bischof von Rochester. Zwei Jahre lang hatte er in der Hoffnung auf ein Erzbisthum den Vorwurf ertragen, daß er die Kirche verfolge, deren Vertheidigung eine Gewissens- und Ehrenpflicht für ihn war. Aber seine Hoffnung war getäuscht worden. Er sah, daß er keine Aussicht hatte, auf den Metropolitenthron von York zu gelangen, wenn er nicht seinem Glauben entsagte. Er war zu gutherzig, als daß er an der Tyrannei hätte Gefallen finden können und zu scharfblickend, um nicht die Anzeichen der kommenden Vergeltung zu erkennen. Daher beschloß er, seine gehässigen Functionen niederzulegen, und er theilte diesen Entschluß seinen Collegen in einem Schreiben mit, das gleich allen Erzeugnissen seiner Prosa in einem sehr eleganten und würdevollen Style abgefaßt war. Er sagte, es sei ihm nicht möglich, noch länger Mitglied der Commission zu bleiben. Er habe zwar selbst aus Gehorsam gegen den königlichen Befehl die Erklärung verlesen, aber er könne es nicht auf sich nehmen, Tausende von frommen und loyalen Geistlichen, die eine andre Ansicht von ihrer Pflicht hätten, dazu zu verurtheilen, und da man beschlossen habe, sie dafür zu bestrafen, daß sie ihrer Überzeugung gemäß gehandelt, müsse er erklären, daß er lieber mit ihnen leiden, als zu ihren Leiden beitragen wolle.

Die Commissare lasen das Schreiben mit nicht geringem Erstaunen. Gerade die Fehler ihres Collegen, die bekannte Lockerheit seiner Grundsätze und seine bekannte Zaghaftigkeit machten seinen Abfall ganz besonders beunruhigend. Wenn Männer wie Sprat in der Sprache eines Hampden zu einer Regierung redeten, so mußte diese Regierung in der That sehr gefährdet sein. Das vor kurzem noch so übermüthige Tribunal wurde mit einem Male merkwürdig zahm. Die kirchlichen Beamten, welche seiner Autorität getrotzt, erhielten nicht einmal einen Verweis. Man hielt es nicht für rathsam, nur den Verdacht zu äußern, daß ihr Ungehorsam absichtlich gewesen sei. Es wurde ihnen nur bedeutet, daß ihre Berichte in vier Monaten fertig sein müßten. Dann ging die Commission bestürzt auseinander. Sie hatte den Todesstoß empfangen.26

Unzufriedenheit des Klerus. — Vorgänge in Oxford. Während die Hohe Commission sich vor einem Conflict mit der Kirche scheute, reizte diese im Bewußtsein ihrer Stärke und von neuer Begeisterung beseelt, die Hohe Commission durch eine Reihe von Herausforderungen zum Angriff. Bald nach der Freisprechung der Bischöfe erlag der ehrwürdige Ormond, der vornehmste Kavalier aus dem großen Bürgerkriege, den Gebrechlichkeiten seines hohen Alters. Sein Tod wurde sogleich nach Oxford berichtet und die Universität, deren Kanzler er seit vielen Jahren gewesen war, versammelte sich augenblicklich, um einen Nachfolger für ihn zu wählen. Ein Theil war für den beredtsamen und gebildeten Halifax, ein andrer für den ernsten und orthodoxen Nottingham. Einige erwähnten auch den Earl von Abingdon, der in ihrer Nähe wohnte und unlängst seiner Stelle als Statthalter der Grafschaft entsetzt worden war, weil er sich geweigert hatte, den König in seinen Maßregeln gegen die Landeskirche zu unterstützen. Die Mehrheit aber, aus hundertachtzig Graduirten bestehend, stimmte für den jungen Herzog von Ormond, den Enkel ihres verstorbenen Oberhauptes und Sohn des tapferen Ossory. Die Eil, mit der sie zu diesem Beschlusse kamen, hatte ihren Grund in der Besorgniß, daß, wenn sie nur einen Tag zögerten, der König es versuchen möchte, ihnen einen Kanzler aufzudringen, der ihre Rechte nicht wahren würde. Diese Besorgniß war auch gegründet, denn kaum zwei Stunden nachdem sie auseinander gegangen waren, kam ein Befehl von Whitehall, der ihnen vorschrieb Jeffreys zu wählen. Zum Glück war die Wahl des jungen Ormond bereits vollendet und nicht mehr rückgängig zu machen.27 Einige Wochen darauf wurde der ehrlose Timotheus Hall, der sich durch Verlesung der Indulgenzerklärung unter der londoner Geistlichkeit ausgezeichnet hatte, mit dem Bisthum Oxford belohnt, welches seit dem Tode des nicht minder ehrlosen Parker unbesetzt war. Hall kam nach Oxford, um seinen Bischofssitz einzunehmen, aber die Canonici seiner Kathedrale weigerten sich seiner Einsetzung beizuwohnen, die Universität wollte ihn nicht zum Doctor creiren, nicht ein einziges Mitglied der akademischen Jugend wendete sich an ihn behufs der Ordination, kein Hut wurde vor ihm abgenommen und er war in seinem Palaste beständig allein.28

Bald darauf kam eine Pfründe zur Erledigung, welche das Magdalenen-Collegium von Oxford zu vergeben hatte. Hough und seine vertriebenen Collegen versammelten sich und schlugen einen Candidaten vor, den der Bischof von Gloucester, in dessen Diöcese die Pfründe lag, auch ohne Besinnen einsetzte.29

Unzufriedenheit der Gentry. Die Gentry war nicht minder widerspenstig, als der Klerus. Die Assisen dieses Sommers gewährten im ganzen Lande einen noch nie dagewesenen Anblick. Die Richter waren vor dem Antritt ihrer Rundreise zum Könige beschieden worden und hatten von ihm die Weisung erhalten, daß sie den Mitgliedern der großen Jury’s und den Magistratsbeamten im ganzen Reiche die Pflicht einschärfen sollten, nur solche Mitglieder ins Parlament zu wählen, die seine Politik unterstützen würden. Sie gehorchten seinem Befehle, ließen sich heftig über die Geistlichkeit aus, schmähten die sieben Bischöfe, nannten die denkwürdige Petition ein aufrührerisches Libell, kritisirten Sancroft’s Styl mit großer Schärfe und sagten, Seine Gnaden sollten für ihr schlechtes Englisch vom Doctor Busby ausgepeitscht werden. Diese unschicklichen Reden hatten jedoch keine andre Wirkung, als daß sie die öffentliche Unzufriedenheit noch vermehrten. Alle öffentlichen Achtungsbezeigungen, welche sonst dem richterlichen Amte und der königlichen Vollmacht erwiesen worden waren, wurden unterlassen. Die alte Sitte verlangte eigentlich, daß angesehene und vermögende Männer im Gefolge des Sheriffs ritten, wenn er die Richter nach der Hauptstadt der Grafschaft begleitete; jetzt aber hielt es schwer, in irgend einem Theile des Landes einen solchen Zug zusammen zu bringen. Besonders die Nachfolger Powell’s und Holloway’s wurden mit auffallender Geringschätzung behandelt. Ihnen waren die Assisen von Oxford zugefallen und sie hatten erwartet, daß sie in jeder Grafschaft von einer Cavalcade der loyalen Gentry begrüßt werden würden. Als sie sich aber Wallingford näherten, wo sie ihre Sitzungen für Berkshire eröffnen sollten, kam nur der Sheriff ihnen entgegen. Auch vor Oxford, der höchst loyalen Hauptstadt einer höchst loyalen Provinz, wurden sie abermals von dem Sheriff allein bewillkommnet.30

Unzufriedenheit der Armee. Die Armee war kaum weniger mißvergnügt, als die Geistlichkeit und die Gentry. Die Besatzung des Tower hatte auf das Wohl der gefangenen Bischöfe getrunken. Die in Lambeth stehenden Fußgarden hatten den Primas bei seiner Rückkehr in seinen Palast mit allen Zeichen der Ehrerbietung bewillkommnet. Nirgends war die Nachricht von der Freisprechung mit lauterem Jubel aufgenommen worden, als im Lager von Hounslow. Die große Truppenmacht, welche der König zusammengezogen hatte, um seine meuterische Hauptstadt im Schach zu halten, war in der That meuterischer geworden, als die Hauptstadt selbst, und wurde vom Hofe mehr gefürchtet, als von den Bürgern. Anfangs August wurde daher das Lager aufgehoben und die Truppen in verschiedenen Theilen des Landes einquartirt.31

Jakob schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß einzelne Bataillone leichter im Zaume zu halten sein würden, als viele tausend auf einem kleinen Raume zusammengedrängte Soldaten. Das erste Experiment wurde mit Lord Lichfield’s Infanterieregiment, dem gegenwärtigen zwölften Linienregiment gemacht. Man hatte dieses Regiment wahrscheinlich deshalb gewählt, weil es zur Zeit des Aufstandes im Westen in Staffordshire ausgehoben worden war, einer Provinz, die verhältnißmäßig mehr Katholiken zählte, als irgend ein andrer Theil Englands. Die Mannschaften wurden vor dem Könige aufgestellt und ihr Major setzte sie in Kenntniß, daß Seine Majestät wünschte, sie sollten eine Verpflichtung unterschreiben, durch die sie sich verbindlich machten, ihn bei der Ausführung seiner Absichten bezüglich des Testes zu unterstützen, und daß alle Diejenigen, die sich nicht dazu verstehen wollten, auf der Stelle den Militairdienst verlassen müßten. Zum großen Erstaunen des Königs legten ganze Reihen augenblicklich ihre Piken und Musketen nieder. Nur zwei Offiziere und einige Gemeine, sämmtlich Katholiken, gehorchten seinem Befehle. Er schwieg eine Weile, dann befahl er den Leuten, daß sie ihre Waffen wieder aufnehmen sollten, und sagte mit einem finstren Blicke zu ihnen: „Ein andermal werde ich Euch nicht die Ehre erzeigen, Euch erst zu fragen.“32

Es war klar, daß er die Armee vollständig reorganisiren mußte, wenn er auf seinen Plänen beharren wollte. Die dazu geeigneten Elemente aber konnte er auf unsrer Insel nicht finden. Die Mitglieder seiner Kirche bildeten selbst in den Districten, wo sie am zahlreichsten waren, nur den bei weitem kleineren Theil der Bevölkerung. Der Haß gegen den Papismus hatte sich durch alle Klassen seiner protestantischen Unterthanen verbreitet und war das vorherrschende Gefühl selbst der Landleute und Handwerker geworden. Aber es gab einen andren Theil seines Reichs, wo die Hauptmasse der Bevölkerung von einem ganz andren Geiste beseelt war. Die Zahl der römisch-katholischen Soldaten, welche durch den guten Sold und die guten Quartiere Englands von jenseit des St. Georgskanals herübergelockt werden würden, hatte keine Grenze. Tyrconnel hatte sich seit einiger Zeit bemüht, aus dem Landvolke seiner Heimath eine Heeresmacht zu bilden, auf die sein Gebieter sich verlassen konnte. Fast die ganze irische Armee bestand schon aus Papisten von celtischer Abkunft und Sprache. Barillon hatte dem Könige schon öfters ernstlich gerathen, diese Armee herüberkommen zu lassen, um der englischen Respekt einzuflößen.33

Es werden irische Truppen herübergezogen. — Unwille des Volks. Jakob schwankte. Er wollte gern von Truppen umgeben sein, auf die er sich verlassen konnte; aber er fürchtete den Ausbruch des Nationalunwillens, den das Erscheinen einer bedeutenden irischen Militairmacht auf englischem Boden hervorrufen mußte. Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wenn ein schwacher Mann einander entgegengesetzte Nachtheile vermeiden will, schlug er endlich einen Weg ein, der sie alle in sich vereinigte. Er zog so viele Irländer herüber, als in der That nicht hingereicht haben würden, um nur die Hauptstadt oder die Grafschaft York im Zaume zu halten, die aber doch genügten, um die Besorgniß und den Unwillen des ganzen Königreiches von Northumberland bis Cornwall zu erregen. Ein Bataillon nach dem andren, von Tyrconnel ausgehoben und eingeübt, landete an der Westküste und marschirte nach der Hauptstadt, und irische Rekruten wurden in bedeutender Anzahl herübergezogen, um die Lücken in den englischen Regimentern auszufüllen.34

Dies war einer der verderblichsten von den vielen Fehlern, welche Jakob beging. Er hatte sich schon die Herzen seiner Nation durch Verletzung ihrer Gesetze, durch Einziehung ihrer Güter und durch Verfolgung ihrer Religion entfremdet. Von Denen, welche einst die eifrigsten Anhänger der Monarchie gewesen waren, hatte er schon viele dahin gebracht, daß sie im Herzen Rebellen waren. Indessen hätte er noch immer mit einiger Aussicht auf Erfolg den patriotischen Sinn seiner Unterthanen gegen einen eindringenden Feind aufrufen können. Denn sie waren der Gesinnung wie der geographischen Lage nach ein Inselvolk, und ganz besonders damals waren ihre nationalen Antipathien über alle Maßen heftig und lieblos. Noch nie waren die Engländer an die Gewalt oder Einmischung eines Fremden gewöhnt gewesen; das Erscheinen einer ausländischen Armee auf ihrem Boden hätte sie bestimmen können, sich selbst um einen solchen König zu schaaren, den sie zu lieben keine Ursache hatten. Wilhelm wäre vielleicht nicht im Stande gewesen, diese Schwierigkeit zu überwinden; aber Jakob räumte sie selbst aus dem Wege. Selbst die Ankunft einer Brigade von Ludwig’s Musketieren würde keine solche Entrüstung und Beschämung hervorgerufen haben, als sie unsere Vorfahren beim Anblick der aus Dublin ankommenden papistischen Colonnen empfanden, die sich mit militairischem Gepränge auf den Landstraßen fortbewegten. Kein geborener Engländer betrachtete damals die Ureinwohner Irlands als seine Landsleute. Sie gehörten nicht zu unsrem Zweige der großen menschlichen Familie, sie unterschieden sich von uns durch mehr als eine moralische und intellectuelle Eigenthümlichkeit, welche der Unterschied der Lage und der Erziehung, so groß derselbe auch sein mochte, nicht genügend erklärte. Sie hatten ein andres Aussehen und eine andre Muttersprache. Wenn sie englisch sprachen, war ihre Aussprache fehlerhaft; ihre Phraseologie war holprig, wie immer bei Denen, welche in einer Sprache denken und ihre Gedanken in einer andren ausdrücken. Sie waren daher Ausländer und zwar die am meisten verhaßten und verachteten von allen Ausländern; am meisten verhaßt deshalb, weil sie seit fünf Jahrhunderten stets unsere Feinde gewesen waren, und am meisten verachtet, weil wir sie besiegt, unterjocht und ausgeplündert hatten. Der Engländer verglich mit Stolz seine Felder mit den öden Sümpfen, aus denen irische Räuber hervorstürzten, um zu plündern und zu morden, und seine Wohnung mit den elenden Hütten, in denen die Landleute und die Schweine vom Shannon sich zusammen im Kothe wälzten. Der Engländer gehörte einer Gesellschaft an, welche in Reichthum und Civilisation allerdings noch weit unter der stand, in welcher wir jetzt leben, die aber doch eine der reichsten und civilisirtesten der damaligen Zeit war; der Irländer dagegen war fast so roh wie die Wilden von Labrador. Er war ein freier Mann, die Iren waren die erblichen Leibeigenen seines Stammes. Er verehrte Gott nach einem reinen und vernünftigen Brauche der Irländer und war in Götzendienerei und Aberglauben versunken. Er wußte, daß mehr als einmal große Massen von Iren vor einer kleinen englischen Streitmacht geflohen waren und daß eine kleine englische Colonie die ganze irische Bevölkerung niedergehalten hatte, und daraus zog er den selbstgefälligen Schluß, daß er von Natur ein höher stehendes Wesen sei als der Irländer, denn so erklärt ein herrschender Stamm immer sein Übergewicht und entschuldigt damit seine Tyrannei. Jetzt werden die Irländer allgemein als ein Volk anerkannt, das in Bezug auf Lebhaftigkeit, Mutterwitz und Beredtsamkeit einen hohen Rang unter den Nationen der Erde einnimmt, und daß sie bei guter Leitung vortreffliche Soldaten sind, haben sie auf hundert Schlachtfeldern bewiesen. Gleichwohl ist es gewiß, daß sie vor anderthalb Jahrhunderten auf unsrer Insel allgemein als ein dummes und zugleich feiges Volk verachtet wurden. Und ein solches Volk sollte mit bewaffneter Hand England im Schach halten, während des Letzteren bürgerliche und kirchliche Verfassung vernichtet wurde. Das Blut der ganzen Nation kochte bei diesem Gedanken. Von Franzosen oder Spaniern besiegt zu werden, würde im Vergleich damit noch als ein erträgliches Loos erschienen sein, denn die Franzosen und Spanier waren wir gewohnt als unsrer ebenbürtig zu betrachten. Wir hatten zuweilen ihr Glück beneidet, zuweilen ihre Macht gefürchtet, zuweilen uns zu ihrer Freundschaft gratulirt. Bei all unsrem schroffen Stolze gaben wir zu, daß sie große Nationen waren und daß sie sich in den Künsten des Kriegs und des Friedens ausgezeichneter Männer rühmen konnten. Aber von einer tief unter uns stehenden Kaste dominirt zu werden, war eine Schmach, gegen die jede andre Schmach nichts war. Die Engländer fühlten dasselbe, was die weißen Bewohner von Charleston oder Neworleans fühlen würden, wenn diese Städte Negergarnisonen erhalten sollten. Die wirklichen Thatsachen würden schon hingereicht haben, um Besorgniß und Unwillen zu erregen; die wirklichen Thatsachen aber verschwanden in einer Masse verworrener Gerüchte, welche unaufhörlich von einem Kaffeehause zum andren, von einer Bierschenke zur andren flogen und auf jeder Station ihrer Wanderung immer wunderbarer und erschreckender wurden. Die Zahl der irischen Truppen, welche an unseren Küsten gelandet waren, konnte allerdings ernste Besorgnisse wegen der daraus ersichtlichen Zwecke des Königs erregen, aber sie wurde durch den Schrecken des Publikums um das Zehnfache vergrößert. Es war wohl kaum anders zu erwarten, als daß der rohe Kerne von Connaught, mit bewaffneter Hand unter ein fremdes Volk gestellt, das er haßte und von dem er wieder gehaßt wurde, einige Excesse beging; aber diese Excesse wurden durch das Gerücht übertrieben und als Zugabe zu den Gewaltthätigkeiten, die sich der Fremde wirklich erlaubt hatte, wurden auch die, welche seine englischen Kameraden begangen, mit auf seine Rechnungen gesetzt. Aus allen Winkeln des Reiches erscholl ein allgemeiner Schrei gegen die fremden Barbaren, die sich in Privathäuser eindrängten, Pferde und Wagen wegnähmen, Geld erpreßten und die Frauen insultirten. Diese Menschen, sagte man, seien die Söhne Derer, welche vor siebenundvierzig Jahren die Protestanten zu Tausenden hingeschlachtet hätten. Die Geschichte des Aufstandes von 1641, eine Geschichte, die selbst bei nüchterner Betrachtung wohl Mitleid und Entsetzen erregen konnte und welche durch nationale und religiöse Antipathien schrecklich entstellt worden war, bildete jetzt das Lieblingsthema der Unterhaltung. Grauenvolle Geschichten von Häusern, welche sammt allen ihren Bewohnern niedergebrannt worden, von kaltblütig abgeschlachteten Frauen und Kindern, von nahen Verwandten, welche durch die Folter gezwungen wurden, einander gegenseitig zu morden, von geschändeten und verstümmelten Leichen, wurden in vollem Ernste erzählt und mit vollem Glauben und gespannter Aufmerksamkeit angehört. Dann setzte man hinzu, daß die feigen Wilden, welche heimtückischerweise alle diese Grausamkeiten an einer nichts Arges vermuthenden und wehrlosen Colonie verübt hätten, sobald Oliver zu seinem großen Rachewerk unter ihnen erschienen sei, in panischem Schrecken die Waffen weggeworfen hätten, und ohne das Glück einer einzigen Schlacht zu versuchen, in die ihnen gebührende Sklaverei versunken seien. Viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß der Lordstatthalter eine zweite große Beraubung und Niedermetzelung der sächsischen Ansiedler beabsichtige. Tausende protestantischer Colonisten, die sich vor der Ungerechtigkeit und frechen Willkür Tyrconnel’s geflüchtet, hatten durch Schilderung der überstandenen und der nur zu wahrscheinlich in Aussicht stehenden ferneren Leiden den Unwillen des Mutterlandes erregt. Wie heftig das Publikum durch die Klagen dieser Flüchtlinge erbittert wurde, hatte sich noch ganz kürzlich in unverkennbarer Weise gezeigt. Tyrconnel hatte der königlichen Genehmigung die Hauptpunkte einer Bill unterbreitet, die das Gesetz aufhob, auf welchem das Besitzrecht der Hälfte des ganzen irländischen Grund und Bodens beruhte, und hatte als Bevollmächtigte zwei seiner katholischen Landsleute, die erst unlängst zu hohen richterlichen Ämtern befördert worden waren, nach Westminster gesandt: Nugent, Oberrichter der irischen Kings Bench, eine Verkörperung aller Laster und Schwächen, welche die Engländer damals für characteristische Eigenschaften der papistischen Celten hielten, und Rice, ein Baron der irischen Schatzkammer, der in Talent und Wissen vielleicht der Ausgezeichnetste seines Stammes und seines Glaubens war. Der Zweck dieser Sendung war wohl bekannt, und die beiden Richter durften es daher nicht wagen, sich auf der Straße sehen zu lassen, denn wo sie erkannt wurden, rief sogleich der Pöbel: „Platz für die irischen Gesandten!“ und ihr Wagen wurde mit höhnischer Feierlichkeit von einem Zuge Ceremonienmeister und Läufer begleitet, welche Stöcke mit daran gespießten Kartoffeln trugen.35

Die Abneigung der Engländer gegen die Irländer war damals in der That so groß und so allgemein, daß selbst die ausgezeichnetsten Katholiken sie theilten. Powis und Bellasyse sprachen sogar im Geheimen Rathe in den rücksichtslosesten und schärfsten Worten ihren Widerwillen gegen die Fremdlinge aus.36 Unter den englischen Protestanten war diese Aversion noch stärker und vielleicht am stärksten war sie in der Armee. Weder Offiziere noch Soldaten waren geneigt, den Vorzug, den ihr Gebieter einem fremden und unterjochten Stamme gab, sich ruhig gefallen zu lassen. Der Herzog von Berwick, welcher Oberst des damals in Portsmouth stehenden achten Linieninfanterieregiments war, gab Befehl, daß dreißig Mann, welche soeben von Irland angekommen waren, eingereiht werden sollten. Die englischen Soldaten erklärten, daß sie mit diesen Eindringlingen nicht dienen wollten. Der Oberstlieutenant Johann Beaumont protestirte für sich und im Namen von fünf Hauptleuten dem Herzoge ins Gesicht gegen diese Beschimpfung der englischen Armee und Nation. „Wir haben,“ sagte er, „das Regiment auf unsere eigenen Kosten errichtet, um die Krone Seiner Majestät in Zeiten der Gefahr zu vertheidigen. Es wurde uns damals nicht schwer, Hunderte von englischen Rekruten zu finden, und wir können leicht jede Compagnie vollzählig erhalten, ohne Irländer aufzunehmen. Wir halten es daher für unvereinbar mit unsrer Ehre, und diese Fremdlinge aufdringen zu lassen, und bitten, daß es uns gestattet werde, entweder Leute unsrer eignen Nation zu befehligen, oder unsren Abschied zu nehmen.“ Berwick schickte nach Windsor, um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der König war höchlich entrüstet und sandte sofort eine Abtheilung Reiterei nach Portsmouth mit dem Befehl, die sechs widerspenstigen Offiziere vor ihn zu bringen. Sie wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, und da sie sich durchaus nicht fügen wollten, wurden sie zur Ausstoßung aus der Armee verurtheilt, der höchsten Strafe, welche damals ein Kriegsgericht zuerkennen konnte. Die ganze Nation zollte den entlassenen Offizieren ihren Beifall und die herrschende Stimmung wurde durch das ungegründete Gerücht, daß sie während ihrer Haft mit Härte behandelt worden seien, noch mehr aufgereizt.37

Lillibullero. Die öffentliche Stimmung äußerte sich damals noch nicht durch die Zeichen, welche jetzt bei uns gebräuchlich sind, durch große Volksversammlungen und heftige Reden. Dessenungeachtet fand sie ein Organ. Thomas Wharton, der beim letzten Parlament die Grafschaft Buckingham vertreten und der sich schon als Freigeist und als Whig ausgezeichnet, hatte eine satyrische Ballade auf Tyrconnel geschrieben. In diesem kleinen Gedicht gratulirt ein Irländer einem Landsmanne in barbarischem Jargon zu dem nahe bevorstehenden Triumphe des Papismus und des milesischen Stammes. Der protestantische Erbe würde enterbt werden; die protestantischen Offiziere würden verabschiedet werden; die Magna Charta und die Maulhelden, welche darauf pochten, würden gehängt werden; der gute Talbot würde seine Landsleute mit Stellen und Ämtern überschütten und den Engländern die Kehle abschneiden. Diese Verse, die sich in keiner Hinsicht über das gewöhnliche Niveau der Gassenhauerpoesie erhoben, hatten zum Refrain ein Kauderwelsch, das angeblich im Jahre 1641 das Feldgeschrei der Insurgenten von Ulster gewesen sein sollte. Die Verse und die Melodie entsprachen ganz der Stimmung der Nation und die hohlen Reime wurden daher von einem Ende des Landes zum andren von allen Klassen beständig gesungen. Ganz besonderen Anklang fanden sie bei der englischen Armee. Mehr als siebzig Jahre nach der Revolution schilderte ein Schriftsteller mit außerordentlicher Treue einen Veteranen, der am Boyne und bei Namur gefochten,38 und ein characteristischer Zug dieses wackeren alten Kriegers ist seine Gewohnheit, den Lillibullero zu pfeifen.39

Wharton rühmte sich später, daß er einen König aus drei Königreichen hinausgesungen habe. In Wahrheit aber war der Erfolg des Lillibullero nicht die Ursache, sondern die Wirkung des aufgeregten Zustandes der Volksstimmung, der die Revolution erzeugte.

Während Jakob so alle die Nationalgefühle gegen sich aufstachelte, die seinen Thron hätten retten können, wenn er nicht so verblendet gewesen wäre, bemühte sich Ludwig auf andre Weise nicht minder wirksam, dem Prinzen Wilhelm die Ausführung seines Unternehmens zu erleichtern.

Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen. Die Partei in Holland, welche Frankreich geneigt war, war eine Minorität, die aber der Verfassung des Batavischen Staatenbundes gemäß stark genug war, um den Statthalter an jedem großen Schlage zu verhindern. Diese Minorität sich zu erhalten, würde für den Hof von Versailles, wenn er klug gewesen wäre, eine Aufgabe gewesen sein, der unter den damaligen Verhältnissen alles Andre hätte nachstehen müssen. Ludwig aber hatte sich seit einiger Zeit wie absichtlich bemüht, sich seine holländischen Freunde zu entfremden, und es gelang ihm endlich, obwohl nicht ohne Schwierigkeit, sie zu zwingen, daß sie gerade in dem Augenblicke, wo ihr Beistand von unschätzbarem Werthe für ihn gewesen sein würde, seine Feinde wurden.

Zwei Dinge waren es, in Bezug auf welche die Bevölkerung der Vereinigten Provinzen besonders empfindlich war; die Religion und der Handel, und der französische König griff sie sowohl in ihrer Religion als in ihrem Handel an. Die Verfolgung der Hugenotten und die Widerrufung des Edicts von Nantes hatte überall den Schmerz und die Entrüstung der Protestanten erregt. In Holland aber waren tiefe Gefühle stärker als in irgend einem andren Lande, denn viele geborne Holländer hatten sich im Vertrauen auf die wiederholten feierlichen Versicherungen Ludwig’s, daß die von seinem Großvater gewährte Duldung aufrecht erhalten werden sollte, zu Handelszwecken in Frankreich niedergelassen und ein großer Theil der Übergesiedelten war daselbst naturalisirt worden. Jetzt brachte jede Post die Nachricht nach Holland, daß diese Leute ihres Glaubens wegen mit außerordentlicher Strenge behandelt würden. Dem Einen waren Dragoner ins Quartier gelegt worden, ein Andrer war nackt an ein Feuer gehalten worden, bis er halb gebraten war; und Allen war bei strengster Strafe verboten, ihre gottesdienstlichen Gebräuche auszuüben, oder das Land zu verlassen, in das sie unter falschen Vorspiegelungen gelockt worden waren. Die Anhänger des Hauses Oranien äußerten laut ihren Unwillen über die Grausamkeit und Treulosigkeit des Tyrannen. Die Opposition war beschämt und entmuthigt. Selbst der Stadtrath von Amsterdam, so sehr derselbe dem französischen Interesse und der arminianischen Theologie zugethan, und so wenig er geneigt war, Ludwig zu tadeln oder mit den von ihm verfolgten Calvinisten zu sympathisiren, durfte es nicht wagen, sich gegen die allgemeine Stimmung aufzulehnen, denn es gab in dieser großen Stadt kaum einen einzigen reichen Kaufmann, der nicht einen Verwandten oder einen Freund unter den Verfolgten hatte. Es wurden den Bürgermeistern Petitionen mit zahlreichen und sehr angesehenen Unterschriften überreicht, in denen sie dringend gebeten wurden, dem Grafen Avaux energische Vorstellungen zu machen. Verschiedene Bittsteller begaben sich sogar persönlich in das Rathhaus, fielen auf die Knie, schilderten unter Thränen und Schluchzen die traurige Lage ihrer Lieben und flehten den Magistrat um seine Verwendung an. Auf allen Kanzeln ertönten Schmähungen und Klagen, und die Presse ergoß sich in herzzerreißenden Schilderungen und aufregenden Mahnungen. Avaux erkannte die ganze Größe der Gefahr. Er berichtete seinem Hofe, daß selbst die Gutgesinnten — denn so pflegte er die Feinde des Hauses Oranien zu nennen — die allgemeine Stimmung entweder theilten oder durch dieselbe eingeschüchtert würden, und er rieth ernstlich dazu, auf ihre Wünsche einige Rücksicht zu nehmen. Er erhielt jedoch kalte und geringschätzende Antworten von Versailles. Es wurde zwar einigen holländischen Familien, welche nicht in Frankreich naturalisirt waren, die Rückkehr in ihr Vaterland gestattet, den naturalisirten Holländern aber verweigerte Ludwig jedes Zugeständniß. Keine Macht der Erde, sagte er, habe ein Recht, zwischen ihn und seine Unterthanen zu treten; diese Leute wären aus eigenem Antriebe seine Unterthanen geworden, und wie er sie behandle, das gehe keinen Nachbarstaat etwas an. Der Magistrat von Amsterdam fühlte sich durch den hochmüthigen Undank des Potentaten, den er gegen die allgemeine Stimmung ihrer eigenen Landsleute kräftig und rücksichtslos unterstützt hatte, natürlich sehr unangenehm berührt. Bald folgte eine andre Herausforderung, die sie noch schmerzlicher empfanden. Ludwig begann ihren Handel anzugreifen. Er erließ zuerst eine Verordnung, welche die Heringseinfuhr in seine Staaten verbot. Avaux beeilte sich seinem Hofe zu melden, daß dieser Schritt großen Unwillen erregt habe, daß in den Vereinigten Provinzen sechzigtausend Menschen vom Heringsfang lebten und daß die Generalstaaten wahrscheinlich strenge Repressalien beschließen würden. Der König antwortete, daß er nicht nur auf dem Verbot beharre, sondern auch die Einfuhrzölle auf viele Waaren, mit denen Holland einen einträglichen Handel mit Frankreich trieb, zu erhöhen beabsichtige. Die Folge dieser Mißgriffe, welche trotz wiederholter Warnungen, wie es scheint aus bloßem übermüthigen Eigensinn begangen wurden, war, daß sich jetzt, wo die Stimme eines einzelnen mächtigen Mitgliedes der Batavischen Föderation ein der ganzen Politik Ludwig’s Verderben drohendes Ereigniß hätte abwenden können, eine solche Stimme nicht erhob. Der Gesandte bemühte sich mit all’ seiner diplomatischen Gewandtheit vergebens, die Partei, mit deren Hülfe er seit mehreren Jahren den Statthalter in Schach gehalten hatte, zu ralliiren. Die Arroganz und der Starrsinn seines Gebieters vereitelten alle seine Anstrengungen.

Fehler des Königs von Frankreich. Endlich sah Avaux sich genöthigt, die beunruhigende Nachricht nach Versailles zu senden, daß man sich auf die der französischen Sache so lange ergeben gewesene Stadt Amsterdam nicht mehr verlassen könne, daß ein Theil der Gutgesinnten um ihre Religion besorgt sei und daß die Wenigen, deren Gesinnungen unverändert geblieben wären, es nicht wagen dürften, ihre Gedanken zu äußern. Die feurige Beredtsamkeit der Prediger, welche gegen die Greuel der französischen Verfolgung eiferten und die Wehklagen der bankerottirten Kaufleute, die ihren Untergang den französischen Maßregeln zuschrieben, hatten das Volk in eine so gereizte Stimmung versetzt, daß kein Bürger es mehr wagen durfte, sich offen für Frankreich zu erklären, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, in den nächsten Kanal geworfen zu werden. Man erinnerte daran, daß vor nicht mehr als fünfzehn Jahren das vornehmste Oberhaupt der dem Hause Oranien feindlich gesinnten Partei im Bereiche des Palastes der Generalstaaten von dem wüthenden Pöbel in Stücke zerrissen worden war. Ein gleiches Schicksal könnte nicht unwahrscheinlich auch Diejenigen treffen, welche beschuldigt werden sollten, daß sie in diesem kritischen Augenblicke den Absichten Frankreichs gegen ihr Vaterland und gegen den reformirten Glauben dienten.40

Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte auswärtiger Gesandter. Während Ludwig auf diese Weise seine Freunde zwang, seine wirklichen oder vorgeblichen Feinde zu werden, arbeitete er mit nicht geringerem Erfolge darauf hin, alle Bedenken zu zerstreuen, welche die römisch-katholischen Fürsten vielleicht noch hätten abhalten können, die Pläne Wilhelm’s zu unterstützen. Es hatte sich zwischen dem Hofe von Versailles und dem Vatikan ein neuer Streit erhoben, ein Streit, in welchem sich die Unbilligkeit und der Übermuth des Königs von Frankreich vielleicht in beleidigenderer Weise zeigte, als bei irgend einem andren Schritte seiner Regierung.

Seit langer Zeit hatte in Rom die Regel gegolten, daß kein Justiz- oder Finanzbeamter das Haus eines Gesandten betreten durfte, der einen katholischen Staat repräsentirte. Im Laufe der Zeit war dieses Vorrecht so weit ausgedehnt worden, daß nicht nur die Wohnung, sondern auch ein beträchtlicher Umkreis um dieselbe als unverletzbar betrachtet wurde. Jeder Gesandte suchte eine Ehre darin, die Grenzen des unter seinem Schutze stehenden Raumgebiets möglichst zu erweitern, so daß endlich die halbe Stadt aus privilegirten Bezirken bestand, in denen die päpstliche Regierung nicht mehr Gewalt hatte als im Louvre oder im Escurial. Jedes Asyl wimmelte von Schleichhändlern, betrügerischen Bankerotteurs, Dieben und Mördern; in jedem Asyle waren Massen von gestohlenen oder eingeschmuggelten Waaren aufgehäuft; aus jedem Asyle zogen des Nachts Banditen aus, um zu rauben und zu morden. In keiner Stadt der Christenheit war daher das Gesetz so ohnmächtig und das Verbrechen so dreist als in der alten Hauptstadt der Religion und Civilisation. Innocenz dachte darüber, wie es einem Priester und Fürsten geziemte. Er erklärte, daß er keinen Gesandten mehr aufnehmen werde, der auf diesem alle Ordnung und Sittlichkeit untergrabenden Rechte bestände. Anfangs wurde laut darüber gemurrt, aber die Gerechtigkeit seines Entschlusses war so in die Augen springend, daß alle Regierungen, mit Ausnahme einer einzigen, ihm nach und nach beipflichteten. Der Kaiser, der unter den christlichen Monarchen die erste Stelle einnahm, der spanische Hof, der sich unter allen Höfen durch seine Empfindlichkeit und Zähigkeit in Sachen der Etikette auszeichnete, entsagten dem verderblichen Privilegium. Nur Ludwig blieb unbeugsam. Was andere Fürsten thäten, sagte er, gehe ihn nichts an. Er schickte daher eine Gesandtschaft nach Rom, die von einer starken Abtheilung Reiterei und Fußvolk begleitet war. Der Gesandte zog im Triumph nach seinem Palaste, wie ein siegreicher General durch eine eroberte Stadt marschirt. Der Palast wurde stark bewacht und Patrouillen machten Tag und Nacht die Runde um den geschützten Bezirk, wie auf den Wällen einer Festung. Der Papst ließ sich dadurch nicht einschüchtern. „Sie vertrauen auf Wagen und Rosse,“ sagte er, „wir aber denken an den Namen des Herrn unsres Gottes.“ Er griff energisch zu seinen geistlichen Waffen und belegte das von den Franzosen besetzte Gebiet mit einem Interdict.41

Als dieser Streit den Höhepunkt erreicht hatte, brach noch ein andrer aus, bei welchem Deutschland eben so stark betheiligt war als der Papst.

Das Erzbisthum Köln. Köln und das umliegende Gebiet wurde von einem Erzbischof regiert, der zugleich ein Kurfürst des deutschen Reiches war. Das Recht der Erwählung dieses mächtigen Prälaten stand unter gewissen Beschränkungen dem Domkapitel zu. Der Erzbischof war zu gleicher Zeit auch Bischof von Lüttich, von Münster und von Hildesheim, seine Besitzungen waren bedeutend und enthielten mehrere starke Festungen, welche im Falle eines Feldzugs am Rhein von höchster Wichtigkeit waren. In Kriegszeiten konnte er zwanzigtausend Mann ins Feld stellen. Ludwig hatte keine Mühe gespart, um einen so werthvollen Bundesgenossen zu gewinnen, und dies war ihm so gut gelungen, daß Köln fast von Deutschland losgetrennt und ein Außenwerk Frankreichs geworden war. Viele dem Hofe von Versailles ergebene Priester waren in das Kapitel gebracht und der Cardinal Fürstenberg, eine notorische Creatur des Hofes, war zum Coadjutor ernannt worden.

Im Sommer des Jahres 1688 kam das Erzbisthum zur Erledigung. Fürstenberg war der Candidat des Hauses Bourbon; die Feinde dieses Hauses schlugen den jungen Prinzen Clemens von Baiern vor. Fürstenberg war bereits Bischof und konnte daher nur vermittelst einer Dispensation vom Papste, oder einer Postulation, der sich zwei Drittheile des kölner Domkapitels anschließen mußten, in eine andre Diöcese versetzt werden. Der Papst wollte einer Creatur Frankreichs keine Dispensation bewilligen, und der Kaiser bewog mehr als ein Drittheil des Kapitels, für den bairischen Prinzen zu stimmen. Inzwischen war auch in den Kapiteln von Lüttich, Münster und Hildesheim die Majorität gegen Frankreich. Ludwig sah mit Unwillen und Besorgniß, daß eine ausgedehnte Provinz, die er schon angefangen hatte als ein Besitzthum seiner Krone zu betrachten, nahe daran war, nicht allein unabhängig von ihm, sondern sogar ihm feindlich gesinnt zu werden. In einem mit großer Bitterkeit abgefaßten Schreiben beklagte er sich über die Ungerechtigkeit, mit der Frankreich bei jeder Gelegenheit vom heiligen Stuhle behandelt werde, während derselbe doch der ganzen Christenheit seinen väterlichen Schutz angedeihen lassen sollte. Viele Anzeichen verriethen, daß er fest entschlossen war, die Ansprüche seines Candidaten mit bewaffneter Hand gegen den Papst und dessen Verbündete zu unterstützen.42

Kluges Verfahren Wilhelm’s. So stachelte Ludwig durch zwei einander entgegengesetzte Fehler den Zorn der beiden Religionsparteien, die sich in das westliche Europa theilten, zu gleicher Zeit gegen sich auf. Nachdem er sich die eine große Abtheilung der Christenheit durch Verfolgung der Hugenotten entfremdet hatte, entfremdete er sich auch die andre durch Beleidigung des römischen Stuhles. Und diese Mißgriffe that er in einem Augenblicke, wo kein Fehler ungestraft begangen werden konnte, und vor den Augen eines Gegners, der keinem Staatsmanne, dessen Andenken die Geschichte aufbewahrt hat, an Wachsamkeit, Scharfblick und Energie nachstand. Wilhelm sah mit heimlicher Freude, wie seine Gegner sich bemühten, ein Hinderniß nach dem andren aus seinem Wege zu entfernen. Während sie sich die Feindschaft aller Parteien zuzogen, arbeitete er darauf hin, sie alle zu gewinnen. Mit seltener Klugheit stellte er den im Sinne habenden Plan den verschiedenen Regierungen in verschiedenem Lichte dar, und man muß hinzusetzen, daß keine seiner Darlegungen trotz ihrer Verschiedenheit falsch war. Er forderte die norddeutschen Fürsten auf, sich zur Vertheidigung der gemeinsamen Sache aller reformirten Kirchen um ihn zu schaaren, und den beiden Oberhäuptern des Hauses Österreich stellte er die Gefahr vor, die ihnen von Seiten des französischen Ehrgeizes drohte, sowie die Nothwendigkeit, England aus seiner Abhängigkeit zu befreien und es in den europäischen Staatenbund aufzunehmen.43 Er verwahrte sich, und zwar aufrichtig, gegen jede Bigotterie. Der wahre Feind der britischen Katholiken, sagte er, sei der kurzsichtige und halsstarrige König, der ihnen leicht hätte gesetzliche Duldung verschaffen können, anstatt dessen aber Gesetz, Freiheit und Eigenthum mit Füßen getreten hätte, um ihnen ein gehässiges und unsicheres Übergewicht zu geben. Wenn man Jakob seine schlechte Regierung ungehindert fortsetzen lasse, müsse dieselbe in nicht zu ferner Zeit einen allgemeinen Volksaufstand herbeiführen, der eine grausame Verfolgung der Papisten nach sich ziehen könne. Der Prinz erklärte es als einen seiner Hauptzwecke, den Greueln einer solchen Verfolgung vorzubeugen. Wenn sein Plan gelinge, würde er die Macht, die er dann als Oberhaupt der protestantischen Interessen besitzen müsse, zum Schutze der Mitglieder der römischen Kirche anwenden. Zwar könnten die durch Jakob’s Tyrannei entzündeten Leidenschaften es ihm vielleicht unmöglich machen, die Strafgesetze aus dem Gesetzbuche zu streichen; aber diese Strafgesetze sollten dann wenigstens durch gelinde Ausübung gemildert werden. Keine Klasse werde aus dem beabsichtigten Unternehmen mehr Gewinn ziehen, als die friedliebenden und anspruchsloseren Katholiken, welche nur den Wunsch hegten, ungestört ihrem Berufe nachgehen und ihren Schöpfer verehren zu dürfen. Die einzigen, welche dabei verlieren würden, seien die Tyrconnel, die Dover, die Albeville und anderen politischen Abenteurer, welche zum Dank für Schmeichelei und schlimmen Rath von ihrem leichtgläubigen Gebieter Statthalterposten, Regimenter und Gesandtschaften erhalten hätten.

Seine Rüstungen zu Lande und zur See. Während Wilhelm sich bemühte, die Sympathien der Protestanten sowohl als der Katholiken zu gewinnen, sorgte er mit nicht geringerer Energie und Klugheit für Anschaffung der zu seinem Unternehmen erforderlichen militairischen Hülfsmittel. Er konnte eine Landung in England nicht ohne Genehmigung der Vereinigten Provinzen bewerkstelligen. Hielt er um diese Genehmigung an bevor sein Plan zur Ausführung reif war, so konnten seine Absichten durch eine seinem Hause feindlich gesinnte Partei möglicherweise vereitelt werden und jedenfalls mußte die ganze Welt Kenntniß davon erhalten. Er beschloß daher, seine Voranstalten mit größter Eil zu betreiben und nach Vollendung derselben einen günstigen Augenblick abzuwarten, wo er den Bund um seine Zustimmung ersuchen konnte. Die Agenten Frankreichs bemerkten, daß sie ihn noch nie so geschäftig gesehen hatten. Es verging kein Tag, wo man ihn nicht von seiner Villa nach dem Haag sprengen sah, und beständig hielt er geheime Berathungen mit seinen ausgezeichnetsten Anhängern. Vierundzwanzig Schiffe wurden zur Verstärkung der gewöhnlichen Seemacht der Republik vollständig ausgerüstet. Für diese Vermehrung der Flotte bot sich zufällig ein vortrefflicher Vorwand dar, denn es hatten sich kürzlich einige algierische Corsaren in der Nordsee zu zeigen gewagt. Bei Nymwegen wurde ein Lager gebildet und viele tausend Mann daselbst zusammengezogen. Um diese Armee zu verstärken, wurden die Besatzungen aus den Festungen von Holländisch Brabant genommen; selbst die berühmte Festung Bergopzoom wurde fast ganz entblößt. Feldgeschütze, Bomben und Munitionswagen wurden aus allen Arsenalen der Vereinigten Provinzen nach den Hauptquartieren geschafft. Sämmtliche Bäcker von Rotterdam bucken Tag und Nacht Schiffszwieback; alle Gewehrfabrikanten von Utrecht reichten nicht hin, um die Bestellungen auf Pistolen und Flinten auszuführen; alle Sattler von Amsterdam arbeiteten mit der größten Anstrengung an Kürassen und Holftern. Die Schiffsmannschaft wurde um sechstausend Matrosen vermehrt und siebentausend neue Soldaten ausgehoben. Diese konnten allerdings nicht ohne Genehmigung des Bundes förmlich eingereiht werden; aber sie wurden inzwischen immer eingeübt und in solcher Kriegszucht gehalten, daß sie binnen vierundzwanzig Stunden nach erlangter Genehmigung ohne Schwierigkeit unter die verschiedenen Regimenter vertheilt werden konnten. Diese Rüstungen erforderten zwar viel baares Geld; aber Wilhelm hatte auch durch weise Sparsamkeit für den Fall unvorhergesehener großer Bedürfnisse einen Reserveschatz zurückgelegt, der sich auf ungefähr zweihundertfünfzigtausend Pfund Sterling belief. Das noch Fehlende wurde von seinen Anhängern bereitwilligst zugeschossen. Außerdem erhielt er auch aus England große Massen Gold, man sprach von nicht weniger als hunderttausend Guineen. Die Hugenotten, welche bedeutende Quantitäten des edlen Metalls ins Exil mitgenommen hatten, liehen ihm gern Alles, was sie besaßen, denn sie lebten der frohen Hoffnung, daß sie, wenn sein Unternehmen gelang, in ihr Vaterland würden zurückkehren dürfen, und fürchteten, daß sie im Falle des Mißlingens in ihrer Adoptivheimath kaum noch sicher sein würden.44

Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England. Während der letzten Hälfte des Juli und im Laufe des ganzen August nahmen die Rüstungen einen raschen, dem ungestümen Wilhelm aber noch immer zu langsamen Fortgang. Mittlerweile wurde zwischen England und Holland ein lebhafter Verkehr unterhalten. Da man die gewöhnlichen Mittel zur Beförderung von Nachrichten und Passagieren nicht mehr für sicher hielt, fuhr ein leichtes Boot von wunderbarer Schnelligkeit beständig zwischen Scheveningen und der Ostküste unsrer Insel hin und her.45 Durch dieses Fahrzeug erhielt Wilhelm von hochstehenden Männern der Kirche, der Politik und des Heeres eine Reihe von Zuschriften. Von den sieben Prälaten, welche die denkwürdige Petition unterzeichnet, hatten zwei, Lloyd, Bischof von St. Asaph, und Trelawney, Bischof von Bristol, während ihres Aufenthalts im Tower die Lehre vom Nichtwiderstande noch einmal in Erwägung gezogen und waren bereit, einen bewaffneten Befreier willkommen zu heißen. Ein Bruder des Bischofs von Bristol, der Oberst Karl Trelawney, der eines der tangerschen Regimenter commandirte, welches jetzt als das vierte Linienregiment bekannt ist, erklärte sich bereit, für den protestantischen Glauben sein Schwert zu ziehen. Ähnliche Versicherungen kamen auch von dem rohen Kirke. Churchill erklärte in einem Briefe, der in ziemlich pathetischem Tone, dem sicheren Zeichen, daß er einen Schurkenstreich im Sinne hatte, geschrieben war, er sei entschlossen, seine Pflicht gegen den Himmel und gegen sein Vaterland zu erfüllen, und lege seine Ehre ganz in die Hände des Prinzen von Oranien. Wilhelm las dieses Schreiben gewiß mit jenem bittern und cynischen Lächeln, das seinen Zügen den mindest angenehmen Ausdruck gab. Er hielt sich nicht für bemüßigt, die Ehre Anderer in seine Obhut zu nehmen; auch hatten es die strengsten Casuisten nicht für unrecht erklärt, wenn ein General die Dienste von Überläufern, die er nur verachten konnte, erbat, benutzte und belohnte.46

Churchill’s Brief wurde von Sidney überbracht, dessen Stellung in England gefährlich geworden war und der, nachdem er die Spur seines Weges durch zahlreiche Vorsichtsmaßregeln verborgen hatte, Mitte August nach Holland kam.47 Um die nämliche Zeit schifften Shrewsbury und Eduard Russell in einem Boote, das sie in aller Stille gemiethet hatten, durch die Nordsee und erschienen im Haag. Shrewsbury brachte zwölftausend Pfund Sterling mit, die er auf seine Güter aufgenommen hatte und bei der Bank von Amsterdam deponirte. Devonshire, Danby und Lumley blieben in England, wo sie sich, sobald der Prinz den Fuß auf die Insel setzte, bewaffnet erheben wollten.

Sunderland. Man hat Grund zu glauben, daß Wilhelm um diese Zeit auch die ersten Beitrittsversicherungen von einer ganz andren Seite erhielt. Die Geschichte der Intriguen Sunderland’s ist in ein Dunkel gehüllt, das schwerlich je ein Forscher wird aufzuklären vermögen; wenn es aber auch nicht möglich ist, die ganze Wahrheit zu entdecken, so kann man doch leicht einige handgreifliche Erdichtungen nachweisen. Die Jakobiten behaupteten aus naheliegenden Gründen, die Revolution von 1688 sei die Frucht eines schon vor langer Zeit angezettelten Complots gewesen, und Sunderland bezeichneten sie als das Haupt der Verschwörung. Sie behaupteten, er habe in der Verfolgung seines großen Planes seinen nur zu vetrauensvollen Gebieter angereizt, von Gesetzen zu dispensiren, ein ungesetzliches Tribunal zu errichten, freies Eigenthum zu confisciren und die Väter der Landeskirche ins Gefängniß zu werfen. Dieser Roman stützt sich auf keinen Beweis, und obgleich er bis auf unsre Zeit nacherzählt worden ist, verdient er doch kaum eine Widerlegung. Nichts ist gewisser, als daß Sunderland sich einigen der unklügsten Schritte Jakob’s widersetzte, insbesondere der Verfolgung der Bischöfe, welche eigentlich die entscheidende Krisis herbeiführte. Aber wenn auch diese Thatsache nicht feststände, so würde noch ein andres Argument den Streit entscheiden. Welchen denkbaren Grund konnte Sunderland haben, eine Revolution herbeizuwünschen? Unter dem herrschenden Systeme stand er auf dem Gipfel des Ansehens und des Glücks. Als Präsident des Geheimen Raths hatte er den Vorrang vor allen weltlichen Peers, und als erster Staatssekretär war er das thätigste und mächtigste Mitglied des Kabinets. Er durfte den Herzogstitel erwarten. Er hatte den Hosenbandorden erhalten, den noch unlängst der glänzende und leichtfertige Buckingham getragen, der nach Vergeudung seines fürstlichen Vermögens und seines reichbegabten Geistes verlassen, verachtet und mit gebrochenem Herzen ins Grab gesunken war.48 Geld, auf das Sunderland mehr Werth legte als auf Gunst- und Ehrenbezeigungen, strömte ihm in solcher Fülle zu, daß er bei einigermaßen geregelter Verwaltung seiner Einkünfte hoffen konnte, binnen wenigen Jahren einer der reichsten Unterthanen in Europa zu werden. Die directen Einkünfte seiner Stellen waren, obwohl sehr bedeutend, doch nur ein kleiner Theil seiner Revenüen. Von Frankreich allein bezog er ein regelmäßiges Jahrgeld von nahe an sechstausend Pfund, abgesehen von bedeutenden Gelegenheitsgratifikationen. Mit Tyrconnel war er, wie wir wissen, auf fünftausend Pfund jährlich, oder fünfzigtausend ein für allemal, einig geworden. Welche Summen er außerdem durch den Handel mit Stellen, Titeln und Begnadigungen verdiente, kann nur gemuthmaßt werden, aber sie müssen enorm gewesen sein. Es schien Jakob Vergnügen zu machen, einen Mann, den er als durch sich bekehrt betrachtete, mit Reichthümern förmlich zu überschütten. Alle Geldbußen, alles verfallende Eigenthum erhielt Sunderland. Von jeder Verleihung bekam Sunderland Gebühren. Wenn irgend ein Bittsteller es wagte, sich direct an den König zu wenden, so erhielt er von diesem die Antwort: „Haben Sie mit meinem Lordpräsidenten gesprochen?“ Ein beherzter Mann erlaubte sich einmal die Äußerung, der Lordpräsident verschlinge das ganze Geld des Hofes. „Ja,“ erwiederte Seine Majestät, „aber er verdient es auch.“49 Wir werden das Gesammteinkommen des Ministers nicht zu hoch anschlagen, wenn wir es auf dreißigtausend Pfund jährlich schätzen, und man darf nicht vergessen, daß ein solches Einkommen damals seltener war als gegenwärtig ein Einkommen von hunderttausend Pfund. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es damals nicht einen einzigen Peer gab, dessen Privateinkünfte den Amtseinkünften Sunderlands gleichgekommen waren.

Hatte nun ein in ungesetzliche und unpopuläre Regierungsmaßregeln so tief verwickelter Mann, ein Mitglied der Hohen Commission, ein Renegat, den die Menge auf öffentlichen Plätzen mit dem Geschrei: „Papistischer Hund!“ verfolgte, wohl Aussicht, unter einer neuen Ordnung der Dinge noch größer und reicher zu werden? Hatte er wohl nur Aussicht, der verdienten Strafe zu entgehen?

Er hatte gewiß schon seit langer Zeit die Möglichkeit im Auge, daß Wilhelm und Maria nach dem natürlichen Laufe der Natur und des Gesetzes einst an die Spitze der englischen Regierung kommen könnten, und wahrscheinlich hatte er es auch schon versucht, sich durch Versprechungen und Dienstleistungen, die, wenn sie entdeckt worden wären, seinen Credit in Whitehall gerade nicht erhöht haben würden, ihre Gunst zu erwerben. Aber man darf mit Gewißheit behaupten, daß es nicht sein Wunsch war, sie durch eine Revolution auf den Thron erhoben zu sehen, und daß er eine solche Revolution nicht im entferntesten vermuthete, als er gegen Ende Juni 1688 feierlich in den Schooß der römischen Kirche übertrat.

Kaum jedoch hatte er sich durch dieses unverzeihliche Verbrechen den Haß und die Verachtung der ganzen Nation zugezogen, so erfuhr er, daß die bürgerliche und kirchliche Verfassung Englands demnächst durch fremde und einheimische Waffen vertheidigt werden sollte. Von diesem Augenblicke an scheinen alle seine Pläne eine Umgestaltung erfahren zu haben. Angst und Furcht drückten ihn gänzlich darnieder und sprachen so deutlich aus seinen Gesichtszügen, daß Jedermann sie auf den ersten Blick darin lesen konnte.50 Es unterlag kaum einem Zweifel, daß im Falle einer Revolution die den Thron umgebenden bösen Rathgeber zu strenger Rechenschaft gezogen werden würden, und er stand unter diesen bösen Rathgebern obenan. Der Verlust seiner Stellen, seiner Gehalte und seiner Pensionen war das Geringste, was er zu fürchten hatte. Sein Stammschloß Althorpe mit seinen großen Waldungen konnte confiscirt werden. Er konnte viele Jahre im Gefängniß schmachten oder sein Leben in fremdem Lande als Pensionair der Freigebigkeit Frankreichs beschließen müssen. Und selbst dies war noch nicht das Schlimmste. Der unglückliche Staatsmann begann von schrecklichen Visionen verfolgt zu werden; er sah im Geiste Towerhill mit einer zahllosen Menschenmenge bedeckt, die beim Anblicke des Apostaten in ein wildes Jubelgeschrei ausbrach, er sah ein schwarz behangenes Schaffot, er sah Burnet, der das Sterbegebet für ihn las, und Ketch, auf das Beil gestützt, mit welchem Russell und Monmouth in so grauenvoller Weise abgeschlachtet worden waren. Wohl gab es noch einen Ausweg, durch den er sich retten konnte, aber dieser Weg würde einem edlen Character noch viel schrecklicher gewesen sein, als ein Kerker oder das Schaffot. Er konnte sich durch einen rechtzeitigen und nützlichen Verrath von den Feinden der Regierung Verzeihung erwirken. Es stand in seiner Macht, ihnen in jenem Augenblicke unschätzbare Dienste zu leisten, denn der König befolgte stets seinen Rath, er hatte großen Einfluß auf die jesuitische Cabale, und der französische Gesandte schenkte ihm blindes Vertrauen. An einer des Zweckes, dem sie dienen sollte, würdigen Vermittlerin fehlte es ihm nicht. Die Gräfin von Sunderland war ein schlaues Weib, die unter einem Schein von Frömmigkeit, durch welchen sich viele erfahrene Männer täuschen ließen, mit großer Thätigkeit verliebte und politische Intriguen betrieb.51 Der schöne und leichtfertige Heinrich Sidney war seit geraumer Zeit ihr begünstigter Anbeter, und ihrem Gatten war es ganz angenehm, sie auf diese Weise mit dem Hofe im Haag verbunden zu sehen. Wenn er eine geheime Botschaft nach Holland befördern wollte, sprach er mit seiner Gattin darüber, diese schrieb an Sidney, und Sidney theilte ihren Brief dem Prinzen Wilhelm mit. Ein derartiges Schreiben wurde aufgefangen und Jakob hinterbracht. Sie behauptete keck, es sei gefälscht, und ihr Gatte vertheidigte sich mit der ihm eigenen Geschicklichkeit, indem er dem Könige vorstellte, es sei unmöglich, daß irgend ein Mensch so schlecht sein könne, das zu thun, was er gleichwohl fortwährend that. „Selbst wenn dies wirklich Lady Sunderland’s Hand wäre,“ sagte er, „so würde ich doch nichts damit zu thun haben. Eure Majestät kennt mein häusliches Mißgeschick. Es ist nur zu bekannt, auf welchem Fuße meine Frau mit Sidney steht. Wer könnte glauben, daß ich einen Mann zu meinem Vertrauten machen werde, der meine Ehre an der empfindlichsten Seite gekränkt hat, den Mann, den ich von Allen am meisten hassen muß?“52 Diese Vertheidigung wurde für genügend erachtet und nach wie vor gingen geheime Nachrichten von dem wissentlich betrogenen Gatten an die Ehebrecherin, von der Ehebrecherin an den Galan und von dem Galan an die Feinde Jakob’s.

Notes in this chapter

Note 1 · Dieser Umschwung in den Ansichten eines Theiles der Torypartei ist in einem Schriftchen, welches zu Anfang des Jahres 1689 unter dem Titel eNote 2 · „Aut nunc, aut nunquam.“ — Witsen’s Handschriften, citirt von Wagenaar, Buch 60. 3. Burnet, I. 763.Note 3 · Sidney’s Diary and Correspondence, edited by Blencowe; Mackay’s Memoirs und Swift’s Note; Burnet, I. 763.Note 4 · Burnet, I. 764; Chiffrirter Brief an Wilhelm vom 18. Juni 1688 in Dalrymple.Note 5 · Ibid.Note 6 · In Betreff Montaigne’s siehe Halifax’ Brief an Cotton. Ich weiß nicht, ob Halifax’ Kopf in der Westminsterabtei nicht ein richtigeres Bild vNote 7 · Burnet, I. 764; Sidney an den Prinzen von Oranien, 30. Juni 1688, in Dalrymple.Note 8 · Burnet, I. 763; Lumley an Wilhelm, 31. Mai 1688 in Dalrymple.Note 9 · Siehe die ausführliche Einladung bei Dalrymple. 12. Sidney’s Brief an Wilhelm, 30. Juni 1688; Avaux, 11.(21.), 12.(22.) Juli.Note 10 · Bonrepaux, 18.(28.) Juli 1687. 14. Birch’s Auszüge im Britischen Museum.Note 11 · Avaux Neg., Oct. 29. (Nov. 8.) 1683. 16. In Betreff des Verhältnisses, in welchem der Statthalter und die Stadt Amsterdam zu einander standeNote 12 · Adda, 6.(16.) Juli 1688. 18. Reresby’s Memoirs. 19. Barillon, 2.(12.) Juli 1688. 20. London Gazette, July 16. 1688. Die Kabinetsordre ist voNote 13 · In einer der zahlreichen Balladen jener Zeit kommen folgende Zeilen vor: „Unsere beiden Briten sind Thoren, Die sich gegen das Gesetz verscNote 14 · Sprat’s Briefe an den Earl von Dorset; London Gazette, Aug. 23. 1688.Note 15 · London Gazette, July 26. 1688; Adda, 27. Juli (6. Aug.); Neuigkeitsbrief vom 23. Juli in der Mackintosh-Sammlung; Ellis Correspondenz, 28., Note 16 · Ellis’ Correspondenz, 4. 7. Aug. 1688; Bischof Sprat’s Bericht über die Conferenz vom 6. Nov. 1688.Note 17 · Luttrell’s Diary, Aug. 8, 1688. 32. Dies wird uns von drei Schriftstellern erzählt, die sich jener Zeit wohl erinnern konnten: von Kennet, ENote 18 · Luttrell’s Diary, Aug. 27. 1688. 35. King’s State of the Protestants of Ireland; Secret Consults of the Romish Party in Ireland. 36. Secret Note 19 · Der Onkel Tobias in Sterne’s Tristram Shandy. Der Übers. 39. Das Lillibullerolied findet sich in den State Poems. In Percy’s Relics findet mNote 20 · Siehe die Depeschen des Grafen Avaux. Es würde mir kaum möglich sein, alle die Stellen anzuführen, welche mir Material zu diesem Theile meinNote 21 · Prof. Ranke’s Römische Päpste, Buch 8; Burnet I. 789.Note 22 · Burnet I. 758; Ludwig’s Schreiben ist vom 27. Aug. (6. Sept.) 1688 datirt. Es findet sich im Recueil des Traités, vol. IV. No. 219.Note 23 · Wegen der außerordentlichen Geschicklichkeit, mit der er zwei verschiedenen Parteien seine Politik in verschiedenem Lichte darstellte, wurdeNote 24 · Avaux Neg., Aug. 2.(12.), 10.(20.), 11.(21.), 14.(24.), 16.(26.), 17.(27.), Aug. 23. (Sept. 2.) 1688.Note 25 · Avaux Neg., Sept. 4.(14.) 1688. 46. Burnet I. 765; Churchill’s Brief ist vom 4. August 1688 datirt. 47. Memoirs of the Duke of Shrewsbury, 1
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