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Frühling

Schwalbenmärchen

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Auf dem stillen, schwülen Pfuhle Tanzt die dünne Wasserspinn; Unten auf kristallnem Stuhle Thront die Unkenkönigin. Von den edelsten Metallen Hält ein Reif ihr Haupt umzogen, Und wie Silberglocken schallen Unkenstimmen durch die Wogen. Denn der Lenz erschien; die Schollen Sind zerflossen; Blüten zittern; Dumpfe Frühlingsdonner rollen Durch die Luft, schwarz von Gewittern. Wasserlilienkelche fließen Auf des Teiches dunkelm Spiegel, Und die ersten Schwalben schießen Drüberhin mit schnellem Flügel. Aus den zarten Schnäbeln leise Tönt Gezwitscher in die Wellen: „Viele Grüße von der Reise Haben wir dir zu bestellen. Lange waren wir in fremden, Sandbedeckten, heißen Ländern, Wo in weiten Kaftanhemden Träge Turbanträger schlendern. Purpurfarbne Wunderpflanzen Dienten uns zu Meilenweisern; Gelbe Mauren sahn wir tanzen Nackt vor ihren Leinwandhäusern. Lechzend auf dem warmen Sattel Saß der Araber, der leichte, Während Ziegenmilch und Dattel Ihm aufs Pferd die Gattin reichte. Auf die Jagd der Antilopen Kriegerisch mit Spieß und Pfeile Zogen schlanke Äthiopen; Klagend tönte Memnons Säule. Aus des Niles Flut getrunken Haben wir, matt von der Reise; Gruß dir, Königin der Unken, Von dem königlichen Greise! Alles grüßt dich, Blumen, Blätter! Doch zumeist der Grüße viele Bringen wir von deinem Vetter, Von dem Krokodil im Nile!“ Ferdinand Freiligrath

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