Die Steine werden zeugen
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Der Ostermorgen lächelt, Ein Bräutgam, in die Welt, Vom Frühlingsduft gefächelt, Steigt er aus seinem Zelt. Und rings herum das Schweigen! Der Wald, er steht so still; Kein Blümlein sich verneigen, Kein Blättchen rauschen will. Im fernen Kirchlein singet Die fromme Christenschar; Da von den Steinen klinget Das Echo wunderbar. Als wenn aus Bergestiefen Das Singen kläng hervor, Als wenn die Felsen riefen: „Er lebt! er lebt!“ im Chor. „Er lebt! er lebt!“ da lauschen Die Blümlein, neigen sich, Da bücket sich mit Rauschen Der Wald so feierlich. Und mächtger immer wieder: „Er lebt! er lebt!“ vom Stein — Mir läuft ein Schauer nieder Im tiefsten Mark und Bein; Und denk — und muß mich beugen — Was dort geschrieben ist: Die Steine werden zeugen, Wenn mich der Mensch vergißt. Otto Ludwig