Rom als Republik. (continued 5)
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Dieser für das Reich so wohltätige Fürst starb als ein siebzigjähriger Greis (79). Als er zum ersten Male in seinem Leben erkrankte und den Tod herannahen fühlte, sprang er mit den Worten: „Ein Imperator muß stehend sterben!“ vom Lager auf und sank tot um.
Er hinterließ die Herrschaft seinem Sohne Flavius Vespasianus Titus, den er schon längst zum Mitregenten angenommen hatte. Wegen seiner unordentlichen Lebensart und Neigung zur Grausamkeit hegte man von ihm keine günstigen Hoffnungen, aber als Kaiser erschien er wie umgewandelt und offenbarte das edelste und wohlwollendste Gemüt. Als er sich einst bei der Mahlzeit erinnerte, daß er an dem ganzen Tage niemanden eine Wohltat erwiesen hatte, rief er aus: „Freunde, ich habe einen Tag verloren!“ Oft sagte er, von seinem Fürsten dürfte niemand traurig weggehen. Den Regierungsgeschäften widmete er sich mit der größten Gewissenhaftigkeit, behandelte jeden mit Milde und Güte, selbst seine Feinde mit Großmut, und suchte die Leiden der Menschheit durch Wohltätigkeit zu lindern, sodaß ihn das Volk die Liebe und Wonne des Menschengeschlechts nannte. Seine kurze Regierung gab ihm Gelegenheit genug, seine Freude am Wohltun in reichem Maße zu offenbaren. Eine schreckliche Feuersbrunst wütete drei Tage lang in Rom; eine verheerende Pest raffte Tausende hin. Furchtbarer noch war der ganz unerwartete Ausbruch des Vesuvs. Bis fast zum Gipfel reich angebaut, begann dieser Berg damals zum ersten Male und ganz plötzlich die in ihm schlummernden vulkanischen Kräfte zu offenbaren. Am Mittag des 24. August 79, unter gleichzeitigem Erdbeben und heftiger Bewegung des nahen Meeres, erhob sich eine himmelhohe pinienförmige Rauch- und Feuersäule, welche alles Land meilenweit mit einer mehrere Meter hohen Schicht von kleinen Bimssteinen und dann mit einer noch höheren von nasser Asche bedeckte. Mehrere Tage dauerte dieser Aschenregen, der die Luft mit erstickendem Qualm erfüllte und den Tag in tiefe Nacht verwandelte. Feurige Lavaströme brachen aus den Seiten des Berges und erhöhten das Entsetzen des Volkes. Drei blühende Städte am Meerbusen, Herculanum, Pompeji und Stabiä, wurden gänzlich verschüttet. Viele tausend Menschen verloren Gut und Leben. Unter den Toten war der Befehlshaber der Flotte im Hafen von Misēnum, der gelehrte Naturforscher Plinius, der das unerhörte Ereignis in der Nähe schauen wollte. Sein Neffe, Plinius der Jüngere, hat in Briefen an seinen Freund, den Geschichtschreiber Tacitus, den ganzen Vorgang geschildert.
Am 24. August, erzählt er, erhob sich plötzlich ein Geschrei, es steige aus dem Berge Vesuv eine ganz ungewöhnliche, fürchterliche Wolke auf. Der unerschrockene Oheim wollte ein so merkwürdiges Ereignis in größerer Nähe beobachten, bestieg ein Schiff und eilte der Gefahr entgegen. Schon auf dem Meere erreichte ihn fallende Asche und Bimsstein; der Steuermann bat ihn umzukehren. Vergebens. „Mit dem Tapfern ist das Glück!“ rief er und ließ sich nach Stabiä bringen, wo er die Nacht hindurch ruhig schlief, während die Flammen aus dem Vesuv hervorbrachen und alles, was fliehen konnte, floh. Am Morgen aber entstand die Besorgnis, daß der stärker strömende Aschenregen zuletzt den Ausgang aus der Stadt versperren, oder die von dem heftigen Erdbeben schwankenden Mauern einstürzen möchten. So zog man denn hinaus, auf das Meer zu, welches fürchterlich tobte. Eine stockfinstere Nacht überall, nur von den Fackeln, welche die Sklaven trugen, und den Flammen des Berges erhellt. Da sank Plinius plötzlich tot nieder. Er war von den bösen Dämpfen erstickt; seinen Leichnam fand man erst am dritten Tage, denn so lange dauerte die Finsternis. Sein Neffe war indes in Misenum geblieben, bis auch dort das entsetzliche Erdbeben die Gebäude zu verlassen zwang. Eine Menge Volks zog aus; da wandelte sich auch hier in so weiter Entfernung der Tag in Nacht, und die Asche begann zu stäuben. Das Rufen, das Geschrei und Gejammer der auf dem Felde umhertappenden, die Ihrigen suchenden Menschen war schrecklich. Endlich, als der lange und schwere Aschenregen nachließ, und die Sonne, wiewohl mit fahlem Scheine, wieder hervortrat, boten die Gegenstände umher den traurigsten Anblick dar; der Boden war hoch mit Asche wie mit Schnee bedeckt. — Aus dem, was bei Misenum geschah, kann man sich ungefähr vorstellen, wie die dem schrecklichen Ausbruch so viel näheren Städte Pompeji und Stabiä unter der Asche, Herculanum unter den Lavaströmen verschüttet wurden und gänzlich verschwanden. Erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts sind ihre Reste teilweise wieder aufgedeckt und zugänglich gemacht worden.
Titus, der Rom auch durch ein herrliches Werk der Baukunst, die nach ihm genannten Thermen (allem Volk zugänglichen Bäder), zierte, regierte zum Unglück für das Reich nur zwei Jahre und drei Monate. Er starb kinderlos nach kurzer Krankheit (81).
Sein Bruder Domitianus, der ihm in der Herrschaft folgte, schien anfangs die Regierungsweise seiner beiden Vorgänger fortsetzen zu wollen, bis allmählich die übermäßige Vorstellung von seiner persönlichen Bedeutung, mit der er schon dem Vater lästig und dem Bruder feindselig gewesen war, in eine Art Herrscherwahnsinn ausartete, und seine Regierung für alle gefährlich machte, welche seine Eifersucht oder seinen Argwohn weckten. Die Zeiten Caligulas und Neros schienen sich zu erneuern. Endlich bildete sich unter den Freigelassenen, seinen Günstlingen, welchen er die Verwaltung der Staatsgeschäfte anvertraut hatte, und Mitgliedern des Senates, die alle in steter Furcht für ihr Leben standen, eine Verschwörung, die ihm ein blutiges Ende bereitete (96). Selbst seine Gemahlin Domitia half den Wüterich zu beseitigen. Mit ihm erlosch die Dynastie der Flavier. Das Reich aber hatte unter ihm, wenn auch ohne sein Verdienst, eine ansehnliche Erweiterung erfahren. Die Eroberung Britanniens, die schon von Cäsar eingeleitet, aber erst unter Kaiser Claudius ernstlich begonnen war, wurde im Jahre 85, trotz des langen und heldenmütigen Widerstandes der Britanner, durch Julius Agricola, den Schwiegervater des Geschichtschreibers Tacitus, vollendet.
XXXIV. Die glücklichste Periode der römischen Kaiserherrschaft: Nerva, Trajanus, Hadrianus und die beiden Antonine (96–180).
Auf die Flavier folgte, während einer fast hundertjährigen Zeitdauer, eine stetige Reihe trefflicher Fürsten, unter denen die Bewohner des Reiches sich einer einsichtigen und gerechten Verwaltung, ungestörten inneren Friedens und zunehmenden Wohlstandes erfreuten, sodaß man diesen Zeitraum das goldene Zeitalter des römischen Reiches genannt hat.
Zunächst wurde der alte würdige Senator Coccejus Nerva auf den Thron erhoben (96–98). Er gab dem Senat den ihm gebührenden Anteil an der Regierung zurück, bemühte sich durch Milde und Gerechtigkeit, den Leiden und Klagen der armen Bevölkerung abzuhelfen, den zerrütteten Staatshaushalt zu ordnen, erleichterte die Abgaben und ließ arme Kinder auf öffentliche Kosten erziehen. Da er aber fühlte, daß ihm, dem Übermut und den Ansprüchen der Leibgarden gegenüber, die nötige Kraft fehlte, so adoptierte er den kriegserprobten Statthalter des oberen Germaniens, Ulpius Trajanus, einen in Spanien geborenen römischen Bürger, und ernannte ihn zu seinem Mitregenten. Er starb einige Monate nach dieser Wahl, worauf ihm Trajanus als Alleinherrscher folgte (98–117).
Durch seine Kraft und Milde, Güte und Bescheidenheit, Einsicht und Gerechtigkeit erwarb er sich die Liebe und Bewunderung der römischen Welt in dem Grade, daß ihm der Senat den Beinamen der „Beste“ erteilte, und noch nach zweihundert Jahren die neugewählten Kaiser den Thron unter dem Glückwunsch bestiegen: „Sei glücklicher als Augustus und besser als Trajanus!“ Alle Tugenden, die den Herrscher, Feldherrn und Menschen zieren, übte er in gleichem Maße. Die Majestätsprozesse hörten auf; der Senat erhielt Freiheit der Beratungen. Der Kaiser selbst unterwarf sich den Gesetzen und förderte dadurch auch in allen Bürgern die Achtung vor Gesetz und Recht. Jedem Bürger gestattete er freien Zutritt; die Provinzen beschützte er vor Bedrückung der Beamten; die Armen unterstützte er, indem er in allen Teilen Italiens arme Kinder auf Kosten des Staates erziehen ließ. Das Christentum aber, in dem der heidnische Römer nichts anderes als einen jüdischen Aberglauben sah und verachtete, suchte dieser beste der Kaiser planmäßig zu unterdrücken. Wenn er auch geheime Anklagen und Verfolgungen der Christen nicht gestattete, so befahl er doch die gesetzmäßig angeklagten und überführten, wenn sie nicht widerrufen wollten, hinzurichten.
Auch glänzende Kriegstaten und eine erhebliche Ausdehnung des Reichs sind mit dem Namen dieses Kaisers verknüpft. Zur Sicherung der Provinz Moesia an der unteren Donau unternahm er einen Kriegszug gegen das unruhige Volk der Daken am jenseitigen linken Ufer des Stromes (im heutigen Rumänien und Siebenbürgen), deren König Decébalus dem römischen Reiche unter Domitianus gegen die jährliche Zahlung eines Tributes Frieden gewährt hatte. Trajanus befreite Rom von dieser schmählichen Abgabe; Decebalus mußte seine Hauptstadt erobert, seine Festungen geschleift und einen Teil seines Landes von den Römern besetzt sehen (103). Als er sich dann, dem Friedensvertrage zuwider, heimlich mit Nachbarvölkern gegen die Römer verband, zog Trajanus zum zweiten Mal gegen die Daken. Zu diesem Zwecke baute er, in der Nähe der heutigen Stadt Czernetz in der Walachei, über die Donau eine steinerne Brücke, die aus 20 steinernen Pfeilern ruhte und 2500 Fuß lang war. Dann drang er tief in das Land der Feinde und bedrängte den Decebalus so, daß dieser sich selbst das Leben nahm (106). Sein Land ward römische Provinz (Dacia) und nahm bald römische Sprache und Art so gründlich an, daß noch der Name und die Sprache der heutigen Rumänier davon zeugen.
Seine Siege über die Daken feierte Trajanus durch glänzende Triumphe und Festspiele, bei denen an 123 Tagen 11000 wilde Tiere getötet wurden. Das Andenken daran erhält noch heute die Trajanssäule in Rom. Sie erhebt sich auf dem vormals mit Säulenhallen umgebenen Platze des Trajanischen Forums, ist 117 Fuß hoch und aus hohlen Zylindern von weißem Marmor zusammengesetzt, welche einen unten 11, oben 10 Fuß starken Schaft bilden, an dessen Außenfläche Trajans Kriegstaten mit etwa 2500 menschlichen Figuren dargestellt sind. Die Säule, unter der sich des Kaisers Grabkammer befand, ist innen hohl, und 184 Stufen führen auf ihre Spitze, auf welcher eine 22 Fuß hohe eherne Bildsäule Trajans stand, die aber im Laufe der Zeit zerstört und im 16. Jahrhundert durch die Bildsäule des Apostels Petrus ersetzt worden ist.
Da die Parther die Grenze des römischen Reiches im Osten beunruhigten, so unternahm Trajanus auch einen Feldzug in die Morgenländer. Er unterwarf Armenien, Mesopotamien und Assyrien und machte diese Länder zu römischen Provinzen, deren Besitz jedoch von nur kurzer Dauer war. Mit einer Flotte fuhr er den Tigris hinab in den persischen Meerbusen und war schon nahe seinem Ziele, der Herstellung des Reiches Alexanders des Großen. Das Reich der Parther machte er, unter einem einheimischen, von ihm eingesetzten Fürsten, abhängig von Rom. Aber diese Eroberungen waren nicht von Bestand. Die Parther setzten ihren vertriebenen König wieder ein, und bevor er den Aufstand bezwingen konnte, starb Trajanus zu Selinus in Cilicien, das ihm zu Ehren Trajanopolis genannt ward. Seine Gebeine wurden nach Rom geschafft und unter der Trajanssäule beigesetzt.
Nach seinem Tode ließ sich T. Aelius Hadrianus, der vom sterbenden Trajan als Sohn angenommene Befehlshaber des Heeres und Statthalter von Syrien, sogleich von dem Heere zum Kaiser ausrufen, und der Senat bestätigte ihn in dieser Würde. Er war ein sehr gebildeter Mann und mit einem so außerordentlichen Gedächtnis begabt, daß er schon in seinem fünfzehnten Jahre die griechische Sprache so vollkommen wie ein Grieche sprach und jedes einmal gelesene Buch fast auswendig wußte. Als Kaiser wandte er den inneren Angelegenheiten seines Reiches die größte Sorgfalt zu. Er bereiste selbst fast alle Provinzen seines weiten Reiches, und zwar meistenteils zu Fuß, „denn ein Kaiser,“ sagte er, „muß wie die Sonne alle Teile seines Reiches beleuchten“. Auch die Literatur und die bildenden Künste gediehen unter ihm zu einer Art von Nachblüte. Von den zahlreichen Bauwerken, die er in allen Provinzen errichten ließ, verdient das sogenannte Mausoléum oder Grabmal des Hadrianus Erwähnung, das jetzt die Engelsburg heißt. Außer seinen glänzenden Eigenschaften besaß er aber auch grobe Fehler, und besonders waren Neid und Argwohn hervorstechende Züge seines Charakters, die ihn zuweilen zu grausamen Handlungen verleiteten. Er regierte von 117 bis 138.
Es folgte ihm sein Adoptivsohn T. Aelius Hadrianus Antoninus (138–161). Die kindliche Ehrfurcht, mit der er das Andenken seines Vorgängers in Ehren hielt, erwarb ihm den Beinamen Pius. Er regierte wie ein zweiter Numa, den er sich auch zum Muster genommen haben soll. Von ihm, den seine Zeit mit Recht den Vater der Menschen genannt, hat die Geschichte keine Kriegstaten, sondern nur wohltätige Einrichtungen zu melden. Selbst die unter früheren Kaisern verfolgten Christen konnten unter ihm ein ruhiges Leben führen. Er pflegte zu sagen: „Ich will lieber das Leben eines einzigen Bürgers erhalten, als tausend Feinde töten!“
Marcus Aurelius Antoninus, in Spanien geboren, war von Antonius Pius zusammen mit dessen zweitem Adoptivsohn zum Nachfolger ernannt worden. Mit edlen Anlagen des Geistes und Herzens begabt, hatten ihn ausgezeichnete Lehrer schon früh in die Lehren der griechischen Weisheit eingeführt, die auf seine Regierung von großem Einfluß wurden. Mit der ganzen sittlichen Kraft, die er aus der Beschäftigung mit dieser Weisheit schöpfen konnte, bestand er die mannigfachen Stürme, die während seiner neunzehnjährigen Regierung (161–180) über ihn und sein Reich kamen. Er sorgte für Recht und Gesetze und beobachtete eine weise Sparsamkeit in der Verwaltung. Besonders lag ihm die Besserung der Sitten am Herzen. In den Christen aber sah er eine staatsgefährliche Partei und ließ sie besonders in Kleinasien und Gallien grausam verfolgen. Seine Milde und Wohltätigkeit zeigte er, als Rom von einer Überschwemmung und Hungersnot heimgesucht ward. Zu derselben Zeit wurde das Reich durch die Einfälle der Germanen und Parther im Norden und Osten beunruhigt. Am furchtbarsten war der schwere und langwierige Krieg gegen die germanischen Markomannen (166–190), der das römische Reich an den Rand des Untergangs brachte und die Römerwelt in eine solche Angst versetzte, daß einer auf dem Markte zu Rom den Untergang des Erdballes verkündete. Alle Donauvölker erhoben sich wie in einem Bunde vereinigt, darunter besonders die Markomannen (in Böhmen) und Quaden (in Mähren und Ungarn), stürmten über die Donau in die römischen Provinzen und schleppten unter furchtbaren Verheerungen ganze Bevölkerungen hinweg. Zu diesem Unglück kam noch die Pest, welche die Legionen aus Asien mitbrachten und die nun auch Italien und andere westliche Provinzen verheerte. Zwar zog Marcus Aurelius gegen die Quaden und schlug sie mehrmals, feierte auch zu Rom einen Triumph, aber die Markomannen und ihre Verbündeten brachen immer wieder los und nötigten den Kaiser zu neuen Feldzügen. Um die Mittel dazu aufzubringen, verkaufte er seine Kostbarkeiten und Kunstschätze, bewaffnete Sklaven und Sträflinge, und nahm sogar zur Wahrsagerei seine Zuflucht. Auf den Rat eines ägyptischen Wahrsagers ließ er zwei Löwen über die Donau treiben, um die Barbaren durch diesen Anblick zu erschrecken. Allein die Germanen hielten die Löwen für große Hunde und schlugen sie mit Prügeln tot. In einer bald darauf folgenden Schlacht töteten sie 20000 Römer.
Auf einem seiner Feldzüge stand der Kaiser mit seinem Heere diesseits der Gran, eines Nebenflusses der Donau in Ungarn, in einer wasserlosen Gegend, rings von Feinden eingeschlossen. Er und alle die Seinen waren dem Verschmachten nahe, als plötzlich ein Gewitter mit Regengüssen erfolgte und die Erschöpften, die den Regen in ihren Schildern auffingen, erfrischte. Nach einer christlichen Legende war der Gewitterregen eine Folge des Gebets der zwölften Legion, die meist aus Christen bestand, während römische Berichte ihn dem Gebete des Kaisers zuschrieben. Es war dem Kaiser nicht vergönnt, den Krieg gegen die Markomannen und Quaden zu beendigen. Er starb zu Vindóbona (Wien). Sein unwürdiger Sohn Commodus (180–192) erkaufte von ihnen einen schimpflichen Frieden.
XXXV. Bis zum Ausgange des weströmischen Reiches (180–476).
Mit Marcus Aurelius schließt die Reihe der guten Kaiser. Zwar folgte noch eine große Anzahl von Imperatoren nach ihm, von denen aber nur sehr wenige verdienen hier erwähnt zu werden. Die innere Zerrüttung des Reiches, der Verfall der Sitten, die Schwäche nach außen nahmen immer mehr zu, und es zeigte sich in jeder Beziehung, daß die römische Welt sich ausgelebt hatte. Ein anderes Volk war berufen an ihre Stelle zu treten, das morsche Gebäude des römischen Reiches zu zertrümmern und Träger des Christentums zu werden. Dieses Volk waren die Germanen.
Aber noch ehe die Germanen das alte Reich in den Staub traten, feierte das Christentum einen vollständigen Sieg über das Heidentum. Konstantinus der Große[1] (306–337) gewährte dem Christentum die staatliche Anerkennung. Damit hörten die Verfolgungen der Christen auf, und der Glaube an den Erlöser, zu dem sich Konstantinus selbst bekannte, verbreitete sich immer weiter. Auch ward die Regierung dieses Kaisers noch dadurch von großer Bedeutung, daß er die Residenz von Rom nach Byzantion verlegte, das ihm zu Ehren den Namen Konstantinopolis erhielt.
Nach seinem Tode waren noch nicht vierzig Jahre verstrichen, als durch die Ankunft der Hunnen, die aus Asien in Europa einfielen, der Anstoß zur sogenannten Völkerwanderung gegeben wurde (375). Seitdem hörten die Angriffe der Germanen gegen das römische Reich nicht mehr auf, und nur mit Mühe vermochte der römische Kaiser Theodosius der Große (378–395) die in das oströmische Reich eingedrungenen Westgoten zu beruhigen. Dieser Kaiser vereinigte noch einmal das ganze römische Reich unter seinem Szepter. Vor seinem Tode (395) teilte er das Ganze unter seine Söhne Honorius und Arkadius, von denen jener das weströmische oder lateinische Reich mit der Hauptstadt Rom, dieser das oströmische oder griechische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel erhielt. Die Feindschaft beider Brüder machte die Teilung zu einer dauernden. Gegen das weströmische Reich richteten sich jetzt die stürmischen Angriffe der Germanen, die nach und nach eine Provinz nach der andern, Spanien, Gallien, Afrika und Britannien, davon losrissen, bis endlich im Jahre 476 Odoáker, ein Anführer deutscher Soldtruppen, den letzten römischen Kaiser Romulus Augústulus absetzte und sich zum Könige von Italien machte. Dadurch ward dem weströmischen Reiche ein Ende gemacht, während das oströmische oder byzantinische Kaisertum im Laufe des Mittelalters zwar immer mehr an Umfang und Macht verlor, aber sich doch in der Hauptstadt erhielt, bis auch diese im Jahre 1453 von den Türken erobert wurde.

Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr.
Professor Dr. Ludwig Stacke’s Schriften.
Erzählungen aus der
Griechischen Geschichte. 30. Auflage. Gebd. 1 90 .


Römischen Geschichte. 27. Auflage. Gebd. 1 90 .


Mittelalter. 17. Auflage. Gebd. 1 90 .


Neuen Geschichte. 14. Auflage 2 75 , gebd. 3 25 .




Neuesten Geschichte (1815 bis zur Abberufung Bismarcks). 6. Auflage. 5 50 , eleg. gebd. 6 25 .




Über Stackes „Erzählungen aus der Geschichte“ schreiben in ihrem letzten Bande die in Berlin im Auftrage der historischen Gesellschaft erscheinenden „Jahresberichte der Geschichtswissenschaft“ gelegentlich der Besprechung von Volks- und Jugendschriften: „Hier sind in erster Linie die Stackeschen Schriften zu erwähnen, die sich auch, wie ihre hohen Auflagen zeigen, einer großen Beliebtheit erfreuen. An Rankes und Beckers Weltgeschichte angelehnt, verstehen sie es, durch korrekte Sprache und fesselnde Erzählungsform den Leser zu gewinnen und ihn in jene gehobene Stimmung zu versetzen, welche die schönste Frucht der Geschichtsbeschäftigung genannt worden ist.“
„Die fortgesetzten vielfachen Auflagen dieser vom echten Forschergeiste und warmer Empfindung getragenen Geschichten beweisen mehr als alle Anpreisungen den hohen Rang, welchen sie unter den zahlreichen literarischen Erscheinungen ähnlicher Art einnehmen. Die Darstellung ist in allen Richtungen anregend und frisch, die Form, meist klassischen Mustern angepaßt, tadellos. Die Gunst der Lehrer wird sicher diesen Büchern stets in steigendem Maße zu teil werden.“
(Schlesische Presse.)
„Die Verlagshandlung und der als Oberlehrer am Gymnasium zu Rinteln wirkende Verfasser sind zu diesem erfreulichen, wohlverdienten Erfolge, den diese „Erzählungen“ erzielt haben, zu beglückwünschen.“
(Wissenschaftl. Beilage d. Leipziger Zeitung.)
„Eine herrliche Lektüre, eingehend, belehrend und angenehm unterhaltend. Die Schilderungen fesseln nicht bloß 12–15jährige Knaben und Mädchen, sondern auch reifere Jünglinge und Jungfrauen, gebildete Männer und Frauen. Auswahl und Darstellung ist vortrefflich. Die zahlreichen Auflagen sind verdiente.“
(Repertorium der Pädagogik.)
Hülfsbücher fürs die erste Unterrichtsstufe in der Geschichte.
I. Teil.
Altertum. 3. Auflage Geh. 1 , geb. 1 50 .



II. Teil.
Mittelalter. 2. Auflage. Geh. 1 , geb. 1 50 .



III. Teil.
Neue Zeit. 2. Auflage. Geh. 1 75 , geb. 2 25 .




„Der Herr Verfasser hat aus seinen „Erzählungen“ einen Auszug zusammengestellt, der sich zur Einführung in die Schulen, in deren Unterklassen alte Geschichte behandelt wird, im hohen Maße eignet. Die Vorzüge dieses Buches vor allen andern der Art bestehen darin, daß nicht einzelne, für sich behandelte Erzählungen aus der alten Geschichte gegeben werden, sondern der Verfasser gibt uns stets ein Gesamtbild der alten Geschichte. Dabei ist der Einzelgeschichte und dem geographischen Elemente überall die nötige Berücksichtigung zu teil geworden. Wer längere Zeit in diesem Unterricht sich mit recht schwachen Hülfsbüchern hat behelfen müssen, wird das Buch mit großer Freude begrüßen; denn er findet in demselben alles das, was er als wissenswert dem Gedächtnis des Kindes eingeprägt sehen möchte. Möge das Buch den Schulen bestens empfohlen sein!“
(Magazin für Lehr- und Lernmittel.)
Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr.
Das beste Buch für die deutsche Jugend und das deutsche Volk!
Nordisch-Germanische Götter- und Heldensagen.
Für die deutsche Jugend und das deutsche Volk
von
Gustav Schalk
3. Auflage
(mit Illustrationen).
Preis gebd. . 2.80.

„Mit Freuden begrüße ich jedes Werk, welches deutsche Mythologie und Heldensage behandelt. — Seit den dornenvollen Arbeiten von Jak. Grimm, K. Simrock, W. Wägner u. a. hat sich das Interesse für die Religion unserer Altvordern, für ihre Sitten, Anschauungen und Gebräuche gesteigert. — Eine edlere Begeisterung für die längst entschwundene Welt unserer Altvordern ist es auch, der dieses Werk seine Entstehung verdankt, welches wir als ein wohlgelungenes bezeichnen können. Es wird sicher die Kenntnis der alten Vorzeit verbreiten und Begeisterung für die Helden erwecken und so wieder Heldenmut und Edelsinn erzeugen. Die Darstellung ist eine recht gewandte und die Gruppierung des Stoffes ebenso geschickt. Den Glanzpunkt des Ganzen bildet die bezaubernd schöne Frithjofsage, die nach Tegner erzählt ist. — Wer kennt nicht Ingeborg, die schönste Rose des Nordens, und Frithjof, die königliche Eiche auf Nordlands Bergen? Schon diese eine Sage macht das Buch jedem Leser lieb und wert. Die Sprache des Verfassers perlt hier gleichsam im Morgentau und Frühlingssonnenschein. — Möge das Buch zahlreiche Leser finden.“
Mainz.
Dr. Heinrich Haskamp. (Rhein.-Westf. Schulzeitung.)
„Was dieses Buch vor manchen seinesgleichen ganz besonders auszeichnet, das ist die durchweg knappe, klare und doch so poesievolle Darstellung, der einfache, naive, meisterhafte Märchenton. Aus diesem Grunde sei das vortreffliche, übersichtlich gehaltene Buch, welches sich für Schüler aller Schulen als Nachlesebuch ganz vorzüglich eignet, aufs Wärmste empfohlen.“
(Westfälische Lehrer-Zeitung.)
Se. Excellenz der General der Infanterie von Keßler, General-Inspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, schreibt der Verlagsbuchhandlung unterm 4. Dezember 1897 über das Buch: „Das Kommando des Kadettenkorps, welchem ich das Buch mitgeteilt habe, hat mit Anerkennung in Aussicht genommen, das Buch mit benutzen zu lassen.“
Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr.
Harms, Prof. Chr., Rechenbuch für die Vorschule. Heft I. 12. Aufl. kart. 50 . Heft II, 13. Aufl., kart. 80 .


Harms, Prof. Chr., Kopfrechenbuch. Eine Anleitung zur Lösung vieler angewandter Kopfrechenaufgaben. 1 . 50 .


Harms, Zwei Abhandlungen über den Rechenunterricht. 80 .

Kallius, Prof. Dr., Die vier Species in ganzen Zahlen, und Das Münz-, Maß- und Gewichtssystem im Rechenunterricht. 4. Aufl. 1 20 .


Lefèbre, Abriß der griechischen und römischen Geschichte für Quarta. Preis 35 .

Rechenbuch für Unterklassen von H. Friedrichs, A. Klusmann, F. Logemann. 23. Aufl. Bearbeitet von H. Friedrichs und C. Krüder. 65 .

„Das angezeigte Rechenbuch ist eine methodisch geordnete Aufgabensammlung für die vier Species im Zahlenraume von 1–10000. Der betreffende Stoff ist reichhaltig und wohlgegliedert. — — Somit wird in den Unterklassen ein guter Grund gelegt, auf welchem der Lehrer der Oberklasse mit Erfolg weiter zu bauen vermag.“
(Schulblatt f. d. Provinz Brandenburg.)
Stacke, Prof. Dr. Ludwig, Abriß der Geschichte der Preußischen Monarchie von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. 2. Aufl. 1 .

„Außerordentlich reich an Stoff, klar und lichtvoll in der Anordnung, anziehend und lebendig in der Sprache, anschaulich und malerisch in der Schilderung, kräftig und kernig in der Charakterisierung, durchdrungen von patriotischem Sinn und sittlichem Ernst, ist dieser „Abriß“ Lehrenden und Lernenden angelegentlichst zu empfehlen.“
(Deutsche Schulzeitung, herausg. v. F. E. Keller, Berlin.)
„Gleich den übrigen Geschichtsdarstellungen des Verfassers eine der ansprechendsten und gediegensten Arbeiten auf diesem Gebiete der Literatur.“
(Pädag. Jahresbericht.)
„Das Buch zeichnet sich durch allseitige Berücksichtigung der wichtigsten historischen Momente, durch volle Beherrschung des Stoffes, treffende und präzise Darstellung und durch warme Hingebung an die Sache des Vaterlandes ganz besonders aus, und wird für Schule und Haus, für Volksbibliotheken und als Prämie gleich gut empfohlen werden können.“
(National-Zeitung.)
Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr.
Stacke, Prof. Dr. Ludwig, Die französische Revolution und das Kaisertum Napoleons I. Geschichtliche Übersicht der Zeit von 1789 bis 1815. 660 Seiten. Geh. 4 50 .


„Wir haben bereits eine große Menge Schriften aus den für Europa ewig denkwürdigen 26 Jahren gelesen, aber kaum eine unter ihnen gefunden, welche wie diese auf eine so weise und zweckmäßige Weise die gebotenen Quellen benutzt und den gegebenen reichhaltigen Stoff in so gründlicher Weise ausgearbeitet und mit einer so ruhigen Würde dem Publikum zur Beurteilung und Belehrung dargeboten hätte. Dabei ist der Stil prägnant und entschieden und die Darstellungsweise edel und männlich, würdig den großen, welterschütternden Begebenheiten der damaligen Zeit. Wir empfehlen darum auch das Buch, nicht als ob es etwas Neues, Unbekanntes enthielte, sondern vielmehr darum, weil wir das Bekannte und teilweise Miterlebte hier auf meisterhafte Weise wiedergegeben finden.“
(Münchener Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik.)
Müller, Prof. E. R., Leitfaden der unorganischen Chemie für Gymnasien, Realgymnasien, höhere Bürgerschulen, Seminare etc. Preis 60

„Das Buch zerfällt in drei Abschnitte: A. Das Wichtigste aus den Hülfswissenschaften der Chemie, §§ 1–10, B. Methodischer Kursus der Chemie, §§ 11–23, C. Systematischer Kursus der Chemie, §§ 24–57. Diese Einteilung und die ihr entsprechende Durchführung machen das Buch zu einer vollkommen neuen Erscheinung in der chemischen Schulliteratur. Ganz besonders aber ist an ihm zu loben, daß die wichtigsten Lehren der Chemie in streng synthetischer Weise entwickelt sind. Die Darstellung ist präzis und klar.“
(Zeitung f. d. höhere Unterrichtswesen Deutschlands.)
Müller, Prof. E. R., Planimetrische Konstruktionsaufgaben nebst Anleitung zu deren Lösung für höhere Schulen. 5. Aufl., kart. 1

„Diese Sammlung ist trotz ihres geringen Umfanges recht reichhaltig und durchaus methodisch angelegt. — — Sie empfiehlt sich durch zweckmäßige methodische Behandlung, durch Gedrängtheit und Schärfe des Ausdrucks und durch Korrektheit, auch des Druckes. Wir zweifeln nicht, daß sich das kleine Buch neben einem Lehrbuche, welches, wie das Kamblysche, den Aufgaben nur geringe Beachtung schenkt, recht geeignet erweisen wird.“
(Zeitschrift f. d. Gymn.-Wesen.)
„Wir haben es hier mit einem Büchlein zu tun, das ebenso durch seine Kompendiosität, als durch die äußerst übersichtliche Gruppierung des behandelten Stoffes unstreitig die Sympathieen des Lesers wachruft. — — Der Referent kam bei der Durchsicht des Büchleins zu der Überzeugung, daß die Benutzung desselben in wirksamer Weise den planimetrischen Unterricht beleben und fördern dürfte.“
(Zeitschrift f. d. Realschulwesen.)
Müller, Prof. E. R., Lehr- und Übungsbuch der Elementar-Geometrie. I. Teil (Quinta-Kursus). Geh. 40 .

Verlagsanträge
aus dem Gebiete der
Schulbücher-Literatur
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gewissenhafte Prüfung.
Oldenburg i. Gr.
Gerhard Stalling, Verlagsbuchhandlung. Gegründet 1789.