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Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form

Rom als Republik. (continued 3)

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Inzwischen waren die noch unbesiegten Cimbern über den Brennerpaß vorgedrungen, hatten das Heer des Lutatius Catulus an der unteren Etsch geschlagen und südwärts über den Po zurückgedrängt. Ihr Plan war, sich mit den Teutonen, deren Schicksal ihnen noch unbekannt war, zu vereinigen und dann gegen Rom zu ziehen. Darüber versäumten sie die günstige Gelegenheit, sofort nach ihrem Siege über den Po vorzurücken und das wehrlose Italien zu erobern. Im Frühlinge des folgenden Jahres (101) verband sich Marius mit Catulus. So rückten sie, 50000 Mann stark, wieder über den Po und stießen bei Vercellä auf den Feind, nahe der Mündung der Sesia in den Po, wo einst Hannibal seine erste italische Schlacht geschlagen hatte. Die Cimbern aber schickten Abgeordnete an die römischen Feldherren und ließen um Land für sich und ihre Brüder, die Teutonen, bitten. Sie erhielten die Antwort: für ihre Brüder sei bereits gesorgt; sie hätten ein Land bekommen, wo sie ewig bleiben würden. Dabei ließ Marius, um ihnen die Vernichtung der Teutonen glaublich zu machen, den gefangenen Teutobod in Ketten vorführen. Jetzt rückten die Cimbern vor das Lager der Römer, und Bojorix, ihr König, forderte, nach dem Brauche seines Volkes, den Gegner auf Ort und Zeit zur Schlacht zu bestimmen. Marius bezeichnete den folgenden Tag und das raudische Feld, das der überlegenen römischen Reiterei einen günstigen Kampfplatz bot.

Die Cimbern erwarteten den Angriff in einer viereckigen Schlachtstellung, die sich dreiviertel Meilen in Breite und Tiefe erstreckte. In den äußeren Gliedern hatten sich die Kämpfer mit eisernen Ketten aneinander gebunden, um das Eindringen der Feinde zu verhindern. Bei den Römern stand das Heer des Catulus im Mitteltreffen, das des Marius bildete die Flügel. Im Morgennebel ward die cimbrische Reiterei von der römischen überrascht und auf ihr Fußvolk zurückgetrieben, das sich eben erst ordnete. Schon aber rückte das römische Fußvolk, Sonne und Wind im Rücken, aus der staubigen Ebene heran. Der Tag war schwül; die Cimbern hatten Sonne und Wind gegen sich und ertrugen nicht lange die ungewohnte Hitze. So errangen die Legionen mit geringen Verlusten einen völligen, mit der Vernichtung des cimbrischen Volkes endigenden Sieg. Nachdem ein Teil der Feinde dem römischen Schwerte erlegen war, floh der Rest der Wagenburg zu, wo auch die Frauen sich zur Wehr stellten. Hier begann ein neues Gemetzel, dem nur wenige Haufen durch die Flucht entgingen. Auch hier geschah es, daß viele der Frauen, um nicht in Gefangenschaft zu geraten, erst ihre Kinder, dann sich selbst töteten. Dennoch betrug die Zahl der Gefangenen 60000; die der Gefallenen 120000.

Die Römer aber erwiesen dem Marius als dem Retter Italiens die höchste Ehre. Sie nannten ihn den dritten Gründer der Stadt und erteilten ihm zum sechsten Male das Konsulat. Am Triumphe aber ließ Marius den Catulus teilnehmen. Vor dem Triumphwagen mußte der gefangene Teutobod einherschreiten, ein Mann von so riesigem Wuchse, daß er noch über die Siegeszeichen emporragte.

XXIV. Bürgerkrieg. Sulla und Marius.

1. Sulla, Feldherr gegen Mithridates, vertreibt den Marius.

Lucius Cornelius Sulla stammte aus einem patricischen Geschlechte. Ein stattlicher Mann, von vornehmer stolzer Haltung, hochbegabt, mit griechischer Sprache, Kunst und Wissenschaft gründlich vertraut, dabei ein tapferer Soldat und geschickter Heerführer, im Verkehr gesprächig, witzig, liebenswürdig und einnehmend, war er in Tugenden und Fehlern das Muster der damaligen römischen Aristokratie. Ausschweifend im Genuß, sittenlos und verschwenderisch, bewies er doch in Amt und Dienst, in den Kämpfen des Krieges und der Politik eine unermüdliche Kraft des Geistes und Leibes, und wo es den Sieg seiner Partei, der Optimaten, galt, schreckte er vor keiner blutigen Gewalttat zurück. So war er fast in allen Stücken das Gegenteil des Marius; nur in maßloser Ruhmbegier und in der Kunst der Heerführung waren beide Männer einander gleich. Schon seit dem Ende des jugurthinischen Krieges, wo Sulla dem Marius die Ehre, sich der Person des Jugurtha zu bemächtigen, entrissen hatte, lebten beide in bitterer Feindschaft, die dadurch unversöhnlich wurde, daß Marius, nach seinen glorreichen Siegen, in Rom bald offen an die Spitze der allmählich wieder erstarkten Volkspartei trat. Aber zu offenem Kampfe steigerte sich dieser Gegensatz erst, als Rom in einen neuen großen Krieg verwickelt wurde.

Mithridátes, der König von Pontus, an der Südküste des schwarzen Meeres, war ein Mann von ungewöhnlichen Eigenschaften. Körperlich ungemein stark und abgehärtet gegen alle Beschwerden, kühn und rastlos in Gefahren und Wagnissen, enthaltsam im Sinnengenuß, wilden, unbeugsamen Sinnes, doch nicht ohne alle Großmut, dabei von großem Verstand und außerordentlichem Gedächtnis, herrschsüchtig, mißtrauisch und grausam, war er ein unversöhnlicher, erbitterter Feind der Römer. Nicht zufrieden mit seinem Reiche Pontus, erweiterte er seine Macht durch Eroberung anderer Staaten Kleinasiens, wobei ihm der Umstand zu großem Vorteil gereichte, daß er, der zweiundzwanzig asiatische Sprachen redete, mit jedem Volke in seiner eigenen Sprache unterhandeln konnte. Er hatte die Absicht sich zum Herrn von ganz Asien zu machen. Schon hatte er einen römischen Feldherrn, den Manius Aquillius, geschlagen, und als er ihn in seine Gewalt bekommen, gefesselt auf einem Esel durch die Städte Kleinasiens führen und ihm zuletzt geschmolzenes Gold in den Hals gießen lassen, um in ihm die römische Habgier zu verhöhnen und zu strafen. Mit Freuden öffneten ihm die griechischen Städte, als dem Erretter vom römischen Druck, ihre Tore. Daran erließ er an alle Städte Kleinasiens den greulichen Befehl, an einem bestimmten Tage alle römischen Bürger, ohne Unterschied des Standes, Alters und Geschlechts zu töten. Mit schrecklicher Pünktlichkeit erfüllten die Obrigkeiten aller Orte den Befehl, und 80000 Italiker erlagen an einem Tage der Wut des Volkes. Nachdem Mithridates den Römern in Asien ihre Provinz entrissen hatte, streckte er seine Hände auch nach Griechenland aus, und es war hohe Zeit für die Römer gegen diesen Eroberer entscheidende Maßregeln zu ergreifen.

Kurz vorher hatte sich Sulla in dem gefährlichen Kriege der Römer mit ihren aufständischen italischen Bundesgenossen (90–88), die sich die völlige politische Gleichstellung erkämpfen wollten und auch größtenteils erlangten, ausgezeichnet und wegen seiner überall siegreichen Erfolge den Ehrennamen des Glücklichen erhalten. Während seines Konsulats (88) wurde der Krieg gegen Mithridates beschlossen, und da ihm für das folgende Jahr, bei der üblichen Verlosung der Provinzen, die Verwaltung der Provinz Asia (des westlichen Kleinasiens) zufiel, so übertrug ihm der Senat auch den Oberbefehl gegen Mithridates. Dadurch fühlte sich der alternde Marius, dessen Ehrgeiz trotz seiner 68 Jahre noch nicht gesättigt war, zurückgesetzt und gekränkt. Wenn auch kränklich, besuchte er täglich das Marsfeld und machte dort unter den jungen Männern alle körperlichen Übungen mit, um den Verdacht der Hinfälligkeit zu entfernen. Er verband sich mit dem verwegenen Volkstribunen Sulpicius Rufus, der ein ihm ergebenes Gefolge von 600 Rittern hatte, die er ihrer dem Adel feindlichen Gesinnung wegen seinen Gegensenat nannte, und außerdem noch eine Schar von 3000 Bewaffneten in seinem Sold hatte.

Mit Hilfe dieses Sulpicius und seines Anhanges wußte Marius einen Volksbeschluß zu erzwingen, durch den der Oberbefehl gegen Mithridates dem Sulla genommen und ihm, dem Marius, übertragen wurde. Unter solchen Umständen verließ der Konsul Sulla nicht ohne persönliche Gefahren die Stadt und begab sich nach Nola in Campanien, wo die ihm angewiesenen Legionen standen. Diesen stellte er die ihm widerfahrene Unbill und Gewalt vor, worauf sie ihn mit stürmischem Eifer aufforderten sie ungesäumt nach Rom zu führen, um sich sein Recht zu holen. Als daher die von Marius abgeschickten Kriegstribunen kamen, um das Heer für ihn zu übernehmen, wurden sie von Sullas erbitterten Soldaten gesteinigt. Bald rückte dieser an der Spitze von sechs Legionen gegen Rom vor. Als seine Soldaten anfangs von der Partei des Marius zurückgeschlagen wurden, befahl Sulla den Bogenschützen Brandpfeile auf die Dächer zu schießen, und ergriff selbst eine brennende Fackel. Darauf drangen seine Legionen aufs neue vor, und umsonst riefen die Anhänger des Marius Bürger und Sklaven zu den Waffen. Sulla zog siegreich in Rom ein, vertrieb den Marius, Sulpicius und zwölf ihrer Genossen aus der Stadt und brachte es dahin, daß sie als Feinde des Vaterlandes in die Acht erklärt wurden. Hierauf schickte er Reiter aus, um die Flüchtigen aufzusuchen und zu töten. Sulpicius wurde gefunden und ermordet, aber Marius entging mit seinem Sohne und einigen Freunden den Verfolgern.

2. Flucht des Marius.

Er hatte sich an der Tibermündung nach Ostia begeben, wo er ein Boot fand, das ihn aufnahm, aber durch einen Sturm genötigt wurde, bei Circeji zu landen. Von den Anstrengungen der Fahrt erschöpft, von Hunger gequält und auf allen Seiten von Gefahren umgeben, irrte Marius mit seinen Begleitern in der Gegend umher. Gegen Abend stieß er auf einige Kuhhirten, die er um Lebensmittel ansprach; allein sie waren selbst arm und konnten ihm nichts geben. Indessen rieten sie ihm doch sich eilig zu entfernen, denn eben wären Reiter dagewesen, die nach ihm geforscht hätten. Marius verließ daher die Landstraße und floh mit den Seinigen tief in den Wald. Am folgenden Morgen ging er, von Hunger genötigt, wieder an die Küste, um Unterhalt und Mittel zur ferneren Flucht zu suchen. Er war sehr ermattet, dennoch aber bestrebte er sich seine Begleiter zu erheitern. Er bat sie nicht zu verzweifeln, und erzählte ihnen folgendes Geschichtchen. Einst wäre er als Knabe auf dem Felde gewesen, da wäre ihm ein Adlernest mit sieben Jungen in den Schoß gefallen. Seine Eltern hätten die Wahrsager darüber befragt und von diesen die Antwort erhalten, er werde einst unter den Sterblichen sehr berühmt werden und siebenmal die höchsten Würden bekleiden. Durch solche und ähnliche Unterhaltungen stärkte Marius den Mut seiner Gefährten und zeigte ihnen, daß er selbst mitten im Unglück die Hoffnung hegte, noch einmal Konsul zu werden; denn schon hatte er sechsmal diese Würde bekleidet.

Marius war mit seinen Gefährten nicht mehr weit von der Küstenstadt Minturnä entfernt, als er auf der einen Seite einen Haufen Reiter erblickte, die auf ihn zueilten, und zugleich auf der andern Seite zwei Fahrzeuge gewahr wurde, die nicht weit von der Küste hinsegelten. Ohne sich lange zu bedenken, warf er sich mit den Seinen ins Meer und kam, durch zwei seiner Diener unterstützt, in eines jener Schiffe; seine übrigen Gefährten gelangten zu dem andern. Inzwischen kamen die Reiter heran und schrieen den Schiffern zu, sie sollten landen und den Marius entweder ausliefern oder über Bord werfen. Lange Zeit schwankten die Schiffer, endlich ließen sie sich durch die Bitten des alten Mannes rühren und riefen zurück, sie würden den Flüchtling schützen. Aber kaum hatten die Reiter sich entfernt, so änderten die Schiffer ihre Gesinnung. Sie fuhren zur Mündung des Liris zurück. Hier rieten sie dem Marius ans Land zu gehen, einige Nahrung zu sich zu nehmen und ruhig zu schlafen, so lange sie hier am Ufer verweilten. Er folgte ihnen, schlief ein, und sogleich entfernten sich die Schiffer. Als Marius erwachte und sich allein, von allen verlassen sah, blieb er lange Zeit entmutigt am Ufer liegen. Traurige Betrachtungen mochten sein Herz erfüllen und seinen Mut beugen. Erst nach einiger Zeit faßte er sich wieder. Er schleppte sich durch unwegsame und sumpfige Gegenden fort und kam zur einsamen Hütte eines Greises, den er um Schutz und Beistand bat. Der Greis wurde durch den Anblick des Unglücklichen gerührt und verbarg ihn unter dem gehöhlten Ufer des Liris. Aber nicht lange darauf kamen die Reiter des Sulla und verlangten die Auslieferung des Marius. Das hörte dieser; er verließ das Ufer und eilte zu den Morästen bei Minturnä. Hier zog er seine Kleider aus, tauchte sich bis ans Kinn ins Wasser und verhüllte den Kopf mit Rohr. Dennoch ward er von einigen Reitern entdeckt. Diese warfen ihm einen Strick um den Hals, zogen ihn aus dem Wasser und führten ihn nach Minturnä ins Gefängnis.

Die Obrigkeit von Minturnä war entschlossen den Befehlen des Senats zu folgen und den Marius zu töten. Sie schickte deshalb einen cimbrischen Sklaven von riesigem Wuchs ab, um durch diesen das Todesurteil vollziehen zu lassen. Als der Sklave in das Gefängnis des Marius trat, sah ihn dieser mit grimmem Blick und feuersprühenden Augen an und rief ihm mit donnernder Stimme zu: „Sklave, du unterstehst dich den Gajus Marius zu töten?“ Voll Schrecken und Entsetzen warf der Riese sein Schwert weg, lief hinaus auf die Straße und rief: „Ich kann den Marius nicht töten!“ Da wurden auch die Minturnenser unsicher in ihrem Vorhaben; sie glaubten in der Furcht des Sklaven vor dem hilflosen Greise einen Wink der Götter zu erkennen, ließen den Marius frei, versahen ihn mit Geld und Kleidung und halfen ihm zur Flucht nach Afrika.

Unterwegs hörte Marius, daß sich sein Sohn und einige seiner Anhänger in Numidien befanden und segelte daher nach dem alten Hafen von Karthago. Aber kaum war er daselbst angekommen, als ihm der Statthalter Sextius durch einen Liktor befehlen ließ Afrika zu verlassen. Marius war eben in düstere Betrachtungen versunken. Der Platz, auf welchem sonst Karthago gestanden hatte, erinnerte ihn lebhaft an den Wechsel seines eigenen Glückes. So blieb er eine Zeitlang stumm, bis ihn der Liktor fragte, ob er ihm keine Antwort an den Prätor erteilen wollte. Da sprach er die bedeutsamen Worte: „Melde dem Sextius, du habest den alten Marius auf den Trümmern von Karthago sitzen sehen.“ Bald darauf fand er seinen Sohn und dessen Gefährten. Mit diesem begab er sich auf eine Insel unweit der Küste von Afrika, wo er den Winter hindurch lebte und auf Rache sann.

3. Sullas Krieg gegen Mithridates.

Mittlerweile hatte Sulla in Rom die Wahl des ihm treu ergebenen Octavius zum Konsul durchgesetzt, neben welchem das Volk den eifrigen Marianer Cornelius Cinna wählte. Diesen ließ Sulla schwören, daß er an der Ordnung und Verfassung des Staates nichts ändern würde, und zog im folgenden Jahre (87) mit seinem Heere gegen Mithridates, dessen Feldherr Archelaos sich inzwischen Makedoniens und des größten Teils von Griechenland bemächtigt und besonders in der Stadt Athen einen festen Stützpunkt für sein Heer und seine Flotte gefunden hatte.

Sulla landete in Epirus und drang durch Thessalien und Böotien gegen Athen vor, dessen Bewohner es mit Mithridates hielten. Da seine Versuche, die von Archelaos verteidigte Stadt zu erstürmen, mißlangen, so mußte er sich zu einer langen und mühseligen Belagerung entschließen. Um sich Geld zu verschaffen, nahm er die Tempelschätze zu Delphi, und um Holz für die Belagerungswerke zu bekommen, ließ er die Bäume im Haine der Akademie fällen, wo einst der große Philosoph Platon gelebt und gelehrt hatte. Unter diesen und anderen Zurüstungen, wie sie die Belagerung erforderte, verging der Winter. Mit Beginn des Frühlings (86) wurden Stadt und Hafen enger eingeschlossen und die Versuche sie zu erstürmen mehrmals, obgleich vergeblich, erneuert. In der Stadt aber erreichte die Hungersnot einen so hohen Grad, daß die Einwohner sich entschließen mußten, mit Sulla des Friedens wegen zu unterhandeln. Ihre Gesandten hielten vor Sulla eine abgeschmackte Rede, in der sie alle Herrlichkeiten des alten Athens aufzählten und in stolzem Tone Schonung ihrer Stadt verlangten. Sulla aber schickte sie mit den Worten zurück, solche Dinge sollten sie die Schüler in den Redeschulen vortragen lassen. Endlich wurde die Stadt durch einen Zufall verraten. Spione meldeten, daß einige alte Männer in einer Barbierstube sich unwillig darüber geäußert hätten, daß eine Stelle der Stadt nicht gehörig bewacht wäre. Diese Stelle wurde in der nächsten Nacht erstiegen und die Stadt eingenommen. Raubend und mordend drangen die sullanischen Soldaten ein und richteten ein furchtbares Blutbad an. Erst am andern Tage tat Sulla der zerstörenden Wut seiner Truppen Einhalt. Er gedachte der ruhmvollen Vergangenheit der Stadt, ihrer vielen großen Männer, welche als Staatsmänner, Dichter, Künstler und Schriftsteller die Welt mit dem Glanze ihrer Namen erfüllt hatten, und rief: „Ich will vielen um weniger willen, und den Lebenden der Toten wegen verzeihen.“

Nach der Eroberung Athens zog Sulla nach Böotien, wo der Sohn des pontischen Königs und der aus Athen entkommene Archelaus mit 120000 Mann standen, denen er kaum 40000 Mann entgegenzustellen hatte. In der Nähe von Chäroneia, wo einst die Freiheit Griechenlands den Makedonern unter König Philipp und seinem Sohne Alexandros erlegen war, trafen beide Heere zusammen. Sullas Soldaten, der anstrengenden Arbeiten müde, forderten laut eine Schlacht. Ihr Wunsch ward erfüllt, und so vollständig war ihr Sieg, daß Archelaus nur mit 10000 Mann entkommen sein soll. Noch blutiger und entscheidender war die Schlacht bei Orchomenos, wo Archelaus, durch ein neues von seinem König geschicktes und besonders an Reiterei überlegenes Heer verstärkt, eine feste Stellung genommen hatte (85). Schon neigte sich der Sieg auf die Seite des Gegners, als Sulla vom Pferde sprang, einem Fahnenträger den Adler aus der Hand riß und mit den Worten: „Hier will ich sterben, und wenn man euch fragt, wo ihr euren Feldherrn verlassen habt, so sagt: bei Orchomenos!“ sich auf die Feinde stürzte. Da warfen sich seine Truppen von neuem in den Kampf und schlugen den Feind mit einem Verlust von 15000 Mann zurück. Am folgenden Tage sollen noch 30000 Mann in den nahen Sümpfen umgekommen sein. Archelaus selbst hielt sich zwei Tage lang in einem Sumpfe versteckt und entkam am dritten Tage nach der Insel Euböa hinüber.

In demselben Jahre unterhandelte Archelaus persönlich mit Sulla über den Frieden. Zu Delion in Böotien kamen beide Feldherren zusammen. Als Archelaus die Bedingungen Sullas zu hart fand, rief dieser: „Mithridates sollte es mir auf den Knieen danken, daß ich ihm die rechte Hand lasse, mit der er so viele Römer getötet hat.“ So wurden die Unterhandlungen abgebrochen. Mithridates knüpfte sie aber von neuem wieder an, als Sulla in Asien erschien. Hier hatte er mit dem König selbst eine Unterredung zu Dardanos (in der Nähe des alten Troja) wo jener in alle Forderungen Sullas einwilligte. Bei dieser Zusammenkunft schwieg Mithridates anfänglich und schien Sulla die Eröffnung der Unterredung überlassen zu wollen, doch dieser sagte: „Sprich du zuerst, da du den Frieden nötig hast; der Sieger hat das Recht zu schweigen und zu hören.“ Mithridates begann nun seine früheren Taten zu rechtfertigen, aber Sulla versetzte: „Wohl hatten diejenigen recht, die mir deine Beredsamkeit rühmten; denn es gehört in der Tat ein großer Redner dazu, solche Schandtaten zu beschönigen.“ — Der König mußte alle seine Eroberungen herausgeben, 2000 Talente (gegen 10 Millionen Mark) bezahlen und 80 Schiffe ausliefern. Die kleinasiatischen Städte, die jetzt wieder unter römische Gewalt kamen, mußten ungeheure Kriegssteuern zahlen, zusammen 20000 Talente (fast 100 Millionen Mark) und außerdem die römischen Truppen lange Zeit auf ihre Kosten unterhalten. Nie hat die Provinz Asia sich von dem Druck dieser Lasten ganz erholt. Denn um die großen Summen aufzubringen, wurden sie die Schuldner römischer Kapitalisten, denen sie hohe Wucherzinsen zahlen mußten. Sulla selbst kehrte alsbald nach dem Friedensschluß nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, wenn nicht seine Partei den Marianern völlig erliegen sollte.

4. Cinna in Rom. Marius’ Rückkehr und Tod.

Kaum hatte nämlich Sulla im Jahre 87 Italien verlassen, als der eine der neuen Konsuln, L. Cornelius Cinna, eine Volksversammlung berief, um die Zurückberufung des Marius und der übrigen Geächteten zu bewirken. Hierbei kam es zu blutigen Kämpfen. Der andere Konsul Octavius eilte mit seinen Scharen herbei und drängte Cinna bis an die Tore der Stadt zurück; 10000 Anhänger Cinnas sollen bei dem Gemetzel das Leben verloren haben. Hilflos floh dieser, seiner Konsulwürde verlustig erklärt, nach Campanien. In Nola gewann er die Kriegstribunen der dortigen Legionen und trat dann vor den versammelten Truppen auf. Von Liktoren umgeben, mit allen Zeichen seiner konsularischen Würde angetan, begann er seine Anrede, ließ dann aber plötzlich die Liktoren abtreten und erzählte weinend, wie ihn der Senat seiner Würde entsetzt habe; er zerriß seine Kleidung, sprang von der Rednerbühne und warf sich auf die Erde. Die Soldaten ließen sich durch dieses Schauspiel zu Mitleid hinreißen, sie führten ihn zur Rednertribüne zurück, gaben ihm alle Zeichen seiner Würde zurück und versprachen den dem Konsul gebührenden Gehorsam. Nach diesem Erfolge rief er alle Anhänger der senatsfeindlichen Partei zu seinen Fahnen, lud den geächteten Marius zur Rückkehr ein, und erschien mit einem gewaltigen Heere vor Rom.

Die Zeit der Rache war für Marius gekommen. Er landete in Etrurien und brachte dort 1000 Reiter und außerdem eine Bande von mehreren Tausend Sklaven zusammen, und an der Spitze dieser wilden Rotte stieß er zum Heere Cinnas. Der Senat war außerstande, die Stadt zu verteidigen, und da zudem noch Hungersnot ausbrach, so suchte er die erbitterten Gegner durch Unterhandlungen zu gewinnen. Als die Gesandten zum Cinna kamen, fragte er sie, ob sie zu ihm als ihrem Konsul kämen. Darauf konnten sie nicht antworten und gingen unverrichteter Sache zurück. Nun erkannte ihn der Senat als Konsul an und schickte von neuem Abgeordnete an ihn. Sie fanden ihn auf seinem Amtssessel sitzend und mit allen Zeichen der konsularischen Würde angetan. Marius stand schweigend neben ihm, aber sein finsterer Blick verriet die grimmige Rachgier seines Herzens.

Die beiden Verbündeten kamen hierauf zum Stadttor. Cinna zog ein; Marius aber blieb am Tore stehen und sagte mit bitterem Lächeln: „Verbannte dürfen ja die Stadt nicht betreten.“ Cinna ließ daher sogleich das Volk zusammenkommen, um die Aufhebung des Beschlusses zu bewirken, durch welchen Marius geächtet worden war. Allein kaum hatten drei Abteilungen des Volkes für seine Rückkehr gestimmt, so konnte sich dieser nicht länger halten. Er brach in die Stadt, ließ mit wütender Grausamkeit alles, was ihm in den Weg kam, niederstoßen, befahl Sullas Haus dem Erdboden gleich zu machen, und erlaubte seinen wilden Horden die schrecklichsten Ausschweifungen. Als das Morden fünf Tage und fünf Nächte lang gedauert hatte, ward Cinna dessen überdrüssig; aber der alte Marius hatte seinen Blutdurst noch nicht gesättigt; wem er den Gruß weigerte, der wurde getötet, darunter die vornehmsten und verdienstvollsten Männer des Staates, unter anderen der Konsul Octavius, die Konsulare M. Antonius, der größte römische Redner seinerzeit, Q. Catulus, der Mitsieger bei Vercellä (S. 118). Da überfiel endlich Cinna mit einer Schar Bewaffneter diese Mordsklaven in ihrem nächtlichen Lager und ließ sie niedermetzeln.

Als die erste Wut vorüber war, ernannten sich Cinna und Marius eigenmächtig zu Konsuln. Marius bekleidete dieses Amt nun zum siebenten Male, aber nur auf wenige Tage. Sulla hatte den Senat von seinen Siegen über Mithridates benachrichtigt und zugleich versichert, er werde bald kommen, um an seinen Feinden Rache zu nehmen. Diese Nachricht erfüllte den alten Wüterich, der selbst seinen Parteigenossen ein Greuel und Schrecken geworden war, mit Unruhe und Angst, und vergebens suchte er den fliehenden Schlaf in maßlosem Weingenuß. In solchem Taumel befiel ihn ein hitziges Fieber, dem er nach sieben Tagen erlag. Er starb im Januar 86, am siebenzehnten Tage seines Konsulats.

5. Sullas Rückkehr und Proskriptionen. Sein Tod.

Drei Jahre hindurch behauptete sich Cinna im Konsulat, als er aber dem zurückkehrenden Sulla entgegen ziehen wollte, ward er in einem Aufstand von seinen eigenen Leuten, die nicht gegen Sulla fechten wollten, getötet. Sulla erschien an der Spitze eines siegreichen Heeres von 40000 Mann, das er überschwenglich belohnt hatte, in Italien (84), wo ihm die Marianer eine Macht von 200000 Mann entgegenstellen konnten. Aber von den sie führenden Konsuln ward der eine geschlagen, der andere von seinen Truppen, die zu Sulla übergingen, verlassen. Sulla wußte sogar das Heer des jungen Marius durch geschickte Überredung auf seine Seite zu bringen, sodaß Papirius Carbo, einer der marianischen Parteihäupter, sagte: „In Sulla steckt ein Löwe und ein Fuchs, und dieser ist noch mehr zu fürchten als jener.“ Der junge Marius warf sich in die hochgelegene feste Stadt Präneste, nicht weit von Rom, wo er sich heldenmütig verteidigte. Als aber Sulla vor den Toren Roms ein großes Heer der Samniter, den letzten Rest der aufständischen Italiker, geschlagen und vernichtet hatte, ließ sich Marius, am glücklichen Erfolge verzweifelnd, durch einen Sklaven töten. Seinen Kopf stellte Sulla auf der Rednerbühne aus und sagte spottend: „Das Bürschchen hätte erst Ruderer werden sollen, zum Steuermann war es noch zu jung.“

Nach einer Reihe von Siegen zog Sulla in Rom ein, und jetzt verwandelte er sich in den blutgierigsten Wüterich, den Rom jemals gehabt hat. Er hatte in der letzten Schlacht 6000 Gefangene gemacht. Diese ließ er in der großen Rennbahn, dem Zirkus Maximus, auf einmal niederhauen. Während dies geschah, versammelte er den Senat nicht weit vom Zirkus im Tempel der Bellōna. Hier hielt er eine drohende Rede, worin er die Senatoren nicht als Häupter eines freien Staates, sondern als pflichtvergessene Untertanen eines stolzen Gebieters behandelte. Während dieser Rede hörten die Senatoren das klägliche Geschrei jener Gefangenen, die eben im Zirkus ermordet wurden. Alle erschraken und sprangen bestürzt von ihren Sitzen auf. Nur Sulla blieb unbewegt. Ohne eine Miene zu verändern, sagte er bloß: „Laßt euch nicht stören, versammelte Väter! Was ihr hört, ist das Geschrei einiger Aufrührer, die auf meinen Befehl gestraft werden.“ Dann setzte er seine Rede fort, bis das Geschrei verstummte. Nicht lange nachher hielt er eine Rede vor dem Volk, worin er deutlich sagte, daß er keines Menschen schonen würde, der gegen ihn die Waffen getragen hätte. Der Grausame hielt Wort. Denn nun erfolgte das fürchterlichste Blutbad in Rom und ganz Italien. Vierzig Senatoren, sechzehnhundert Ritter und viele tausend Bürger wurden getötet, viele italische Städte zerstört, und jeder konnte ungestraft den ermorden, den er haßte oder dessen Vermögen er zu besitzen wünschte.

Als das Morden schon einige Tage gedauert hatte, sprach Metellus, ein Haupt der Optimaten und Parteigenosse Sullas, in der Senatssitzung zu ihm: „Wir bitten dich nicht diejenigen leben zu lassen, die du zu töten beschlossen hast, sondern nur diejenigen nicht durch Angst zu töten, die du erhalten willst.“ Sulla ward durch diese Freimütigkeit nicht beleidigt. Er erwiderte bloß, daß er selbst noch nicht wisse, wen er verschonen wolle. Hierauf sagte Metellus weiter: „Nun, so nenne uns diejenigen, die du zu töten entschlossen bist.“

Dies geschah. Sulla ließ die Namen derjenigen in Listen verzeichnen, die ihre Güter und ihr Leben verlieren sollten. Mit solchen Verzeichnissen, den sogenannten Proskriptionen, gab Sulla das erste und schrecklichste Beispiel politischen Massenmordes. Die Listen der zum Tode Bestimmten wurden öffentlich auf dem Forum ausgestellt und zugleich durch ein Gesetz bekannt gegeben, daß mit der Ächtung auch der Verlust des Vermögens verbunden sei. Sulla schickte ganze Scharen gallischer Reiter aus, um die Verurteilten aufzusuchen und umzubringen. Wer den Kopf eines Geächteten brachte, erhielt zwei Talente (fast 10000 Mark) zur Belohnung; wer einen Verurteilten aufnahm, verbarg oder ihm zur Flucht verhalf, ward mit dem Tode bestraft. Diese Achtserklärungen erzeugten die greulichsten Schandtaten. Sklaven verrieten ihre Herren, Kinder gaben ihre Eltern preis, Brüder und Gatten gerieten in Streit und tödlichen Haß. Tempel und Altäre wurden mit dem Blute der Verfolgten befleckt. Nicht nur Rom, sondern fast alle Städte Italiens waren der Schauplatz solcher unerhörten Greuel. Verrat, Undank, Meuchelmord, Bosheit, Raub und Habsucht wüteten allenthalben. Die Zahl der Getöteten ließ sich nicht genau bestimmen; in Rom sollen nahe an 5000 gefallen sein. Sulla hörte nicht eher auf durch Achtserklärungen seine wirklichen oder angeblichen Gegner zu verfolgen, als bis die Rache und die Habsucht aller seiner Anhänger gesättigt war. Ein gewisser Furfidius mahnte ihn doch einige seiner Feinde leben zu lassen, damit Menschen übrig blieben, über die er herrschen könnte.

Als Sulla seine Rache endlich gesättigt hatte, ließ er sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen und begann durch eine Reihe von Gesetzen die Verfassung und Verwaltung des Staates umzugestalten, wobei sein Absehen vor allem darauf gerichtet war, die Macht und das Ansehen der Optimaten und des Senates zu verstärken, die Geltung und den Einfluß der Tribunen zu schwächen, und überhaupt der verhaßten Volksherrschaft enge Schranken zu setzen. Wegen seiner Siege über Mithridates hielt er einen glänzenden Triumph, und belohnte alle Soldaten und seine Anhänger mit Geld und Landgütern.

Aber schon im zweiten Jahre legte er die Diktatur nieder (79), nachdem er noch einmal in einer Rede vor dem Volke seine Taten und sein Glück gepriesen hatte. Er lebte dann noch ein Jahr als Privatmann, dem Vergnügen und der Jagd ergeben. Seine letzten Tage wurden ihm durch eine sehr schmerzhafte und Ekel erregende Krankheit verbittert. Er starb im Jahre 78. In seiner Zurückgezogenheit hatte er die Denkwürdigkeiten seines Lebens in griechischer Sprache geschrieben. Sein Leichnam ward auf dem Marsfeld verbrannt. In der Grabschrift, die er selber verfaßt hatte, rühmte er sich, daß er alles gute oder schlimme, daß er von Menschen erfahren hätte, ihnen reichlich vergolten habe.

XXV. Gnaeus Pompejus Magnus.

1. Sein erstes Auftreten.

Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen (91–88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters, durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal, als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn.

Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war, offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen (Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr.

Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege anderer und ihre Früchte anzueignen.

2. Pompejus gegen Sertorius.

Quintus Sertorius stammte aus dem Sabinerlande, aus einer bislang namenlosen Familie. In seiner Vaterstadt erlangte er einigen Ruf durch seine Beredsamkeit; bald aber widmete er sich einzig und allein dem Waffendienste. Er machte die Feldzüge gegen die Cimbern und Teutonen mit und kämpfte später im Bundesgenossenkrieg. Er verrichtete so bewunderungswürdige Taten, daß das Volk ihn mit lautem Freudengeschrei begrüßte, so oft er zu Rom im Theater erschien. Bei dem Ausbruche des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla schloß er sich jenem an, und als die Sache der Marianer in Italien verloren war, ging er nach Spanien, wo er sich acht Jahre lang, 80–72, als Haupt der in Italien unterlegenen Volkspartei gegen die Übermacht der gegen ihn vom Staat geschickten Heerführer siegreich behauptete. Unermüdlich in allen Anstrengungen des Krieges, abgehärtet und bedürfnislos wie ein einfacher Kriegsmann, dabei mit List und Gewandtheit allen Gefahren sich entziehend, mit immer neuen Anschlägen die Gegner überraschend, ward er ein Abgott seiner Anhänger und des spanischen Volkes, das ihn den zweiten Hannibal nannte.

Anfangs, als sein Heer noch klein und ungeregelt war, wurde er von dem ersten Heere, das Sulla gegen ihn geschickt hatte, genötigt, Spanien zu verlassen. Da fuhr er denn mit seinen 3000 Mann eine Zeitlang abenteuernd an den spanischen Küsten umher, und schon kam ihm der trübe Gedanke, aus der zerrütteten römischen Welt auszuscheiden und sich auf den „glücklichen Inseln“ (den kanarischen), deren paradiesische Schönheit die überlieferten Erzählungen griechischer Seefahrer nicht genug rühmen konnten, eine neue Heimat zu suchen. Aber seine Truppen hatten dazu keine Lust, und so führte er sie nach Afrika hinüber zu den Mauretaniern, denen er in einem Aufstande gegen ihren König half. Hier erwarben ihm seine Taten einen solchen Ruf, daß eine Einladung der noch immer freiheitsstolzen Lusitaner (im heutigen Portugal) an ihn erging, sie gegen die Heere der römischen Statthalter anzuführen. Nun ging er wieder nach Spanien. Hier wußte er durch Mut und Tapferkeit, durch Klugheit und erfindsamen Geist, sowie durch milde und rücksichtsvolle Behandlung der Eingeborenen die Hälfte aller spanischen Völkerschaften auf seine Seite zu ziehen. Sie räumten ihm volle Feldherrngewalt ein und ließen sich sogar die Strenge des römischen Kriegsdienstes gefallen. Um die Eingeborenen im Gehorsam zu erhalten, kam ihm ein Aberglaube zustatten. Die Spanier standen nämlich in der Meinung, eine Gottheit tue ihm ihren Willen durch die weiße Hindin kund, die er sich gezähmt hatte, und die ihn überall begleitete, selbst mitten im Kriegslärm.

So bildete er aus Lusitanern und Celtiberern waffengeübte Heerhaufen, mit denen er, verstärkt durch die aus Italien ihm zuströmenden marianischen Flüchtlinge, lange Zeit im kleinen Gebirgskrieg den römischen Legionen widerstand. Zwei Prokonsuln waren schon im Kampf gegen ihn gefallen. Die ganze Provinz schien bereits dem römischen Reiche verloren und Italien selber und die Herrschaft der Optimaten in Rom bedroht, zumal auch der Prokonsul Metellus Pius wenig gegen ihn ausrichtete. Perpenna, ein aus Italien vertriebener Marianer, der im Jahre 77 mit dem Rest der marianischen Truppen in Spanien erschienen war, ward von seinen Soldaten genötigt sich mit Sertorius zu vereinigen und ihm unterzuordnen. Dieser bildete nun einen eigenen Senat von 300 Mitgliedern, den er für den eigentlichen römischen Senat erklärte, während der Senat zu Rom nur aus Sullas Sklaven bestände. Auch errichtete er zu Oska auf seine Kosten eine Schule, wo die vornehmsten Hispanier ihre Söhne nach Art der jungen Römer erziehen und in der lateinischen und griechischen Sprache unterrichten ließen.

Sertorius vermied auch nach seiner Verstärkung durch Perpenna fortwährend offene Feldschlachten, sondern beschränkte sich auf den kleinen Krieg, den er in dem bergigen Lande mit Glück führte. Einst verlangten seine eigenen Soldaten, kühn geworden durch die immer zunehmende Zahl ihres Heeres, mit Ungestüm eine förmliche Schlacht. Sertorius gab nach. Bald aber wurden sie von den Feinden so bedrängt, daß ihr Untergang unvermeidlich gewesen wäre, wenn nicht Sertorius im rechten Augenblick zu ihrem Schutz herbeigeeilt wäre und sie sicher ins Lager zurückgeführt hätte. Als sie durch diesen Unfall mutlos geworden waren, ließ er einige Tage später zwei Pferde vorführen. Das eine war alt und schwach, das andere stark und jung mit einem dicken Schweif. Hinter jenes stellte er einen starken, hinter das andere einen kleinen schwächeren Soldaten. Auf ein gegebenes Zeichen mußten beide versuchen, den Pferden die Schweife auszuziehen. Der starke Soldat ergriff mit einem Mal den ganzen Schweif des schwachen Pferdes, um ihn mit einem Zuge auszureißen; aber er zog und zog, immer vergeblich. Indeß riß der kleine Soldat dem starken Pferde ein Haar nach dem andern aus, bis er zuletzt den ganzen Schweif in Händen hielt. So lehrte er sie, wie sie durch Ausdauer und kleine Gefechte auch einen überlegenen Feind schwächen könnten.

Die Fortschritte des Sertorius erregten endlich in Rom solche Besorgnisse, daß man den Pompejus mit einem neuen Heere nach Spanien schickte. Pompejus führte sein Heer von 30000 Mann zu Fuß und 1000 Reitern durch Gallien über die Pyrenäen (76). Jahrelang focht er, aber ohne Glück und Entscheidung gegen den unbesiegbaren Marianer, der sich sogar mit König Mithridates von Pontus in ein Bündnis einließ, bis endlich schnöder Verrat und Meuchelmord den Helden zu Fall brachte.

Als nämlich die Römer einen Preis von 100 Talenten und 20000 Morgen Landes auf den Kopf des Sertorius setzten, da ließen sich viele zum Abfall bewegen. Gefährlicher noch ward daher im eigenen Heer der ehrgeizige Perpenna, der, weil er dem Sertorius den Oberbefehl mißgönnte, die Gemüter vieler Untergebenen von ihm abwendig machte. Er stiftete Zwietracht im Senat des Sertorius und machte auch die Treue der Eingeborenen wankend. Da wurde Sertorius mißtrauisch und grausam und ließ sich zu einer furchtbaren Tat hinreißen: er ließ die Söhne der vornehmsten Spanier, welche er des Abfalles bezichtigte, in der Schule zu Oska töten. Die tiefe Mißstimmung und Erbitterung, die solches Verfahren auch bei den bisher treuesten Anhängern hervorrief, benutzte sein Legat Perpenna als Gelegenheit zu seinem Untergang. Er stiftete eine Verschwörung an und lud seinen arglosen Feldherrn zu einem Gastmahl ein, zu dem dieser mit zweien seiner Geheimschreiber erschien. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Mitverschworenen des Gastgebers und töteten Sertorius mit den beiden Schreibern (72).

Perpenna stellte sich nun selbst an die Spitze des Heeres und hoffte die Sache der Marianer weiter zu führen. Bald aber ward er von Pompejus geschlagen und gefangen genommen. Vergebens erbot er sich die in seinen Händen befindlichen Briefe auszuliefern, durch die viele römische Senatoren in Gefahr gekommen wären. Pompejus ließ die Briefe ungelesen verbrennen und den Verräter hinrichten. Die überlebenden Marianer flüchteten übers Meer nach Mauretanien oder warfen sich auf den Seeraub. Die beiden spanischen Provinzen kehrten unter die römische Herrschaft zurück.

Da Metellus inzwischen schon nach Italien zurückgekehrt war, konnte sich Pompejus rühmen dem langjährigen und gefährlichen Kriege ein Ende gemacht zu haben, und mit jenem zusammen im folgenden Jahre einen glänzenden Triumph feiern. Sein Glück sollte ihm bald Gelegenheit bieten, neue kriegerische Lorbeern zu ernten.

3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes.

Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht, wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht, der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden, Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat. gladius „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher; allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr Leben hin.

Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen Fechterschule zu Capua der Thraker Spartacus mit einer Anzahl seiner thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte.

Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten, die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten.

Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte, um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen, daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende von Sklaven zuliefen.

Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen; alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten. Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig bewachten Stelle.

So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können, so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus, trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen Rom zu führen.

Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte Licinius Crassus zum Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten, und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein. Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach Oberitalien durchzuschlagen.

Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat, in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate; Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu fördern (70).

Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten, erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause.

4. Pompejus besiegt die Seeräuber.

Schon seit vielen Jahren befanden sich die östlichen Provinzen des römischen Reiches in fortgesetzter Bedrängnis durch das überhandnehmende Unwesen der Seeräuber, die namentlich seit dem Kriege mit Mithridates durch die Söldnerscharen, welche in seinen Diensten gestanden, außerordentlichen Zuwachs erhalten hatten. Sie hatten ihren Sitz hauptsächlich an den rauhen Küsten Ciliciens in Kleinasien und auf Kreta, und betrieben ihre Raubzüge in planmäßiger Ordnung. Alle Küstenländer und Küstenstädte, sowie die Inseln von der Küste Asiens bis zur spanischen Meerenge wurden durch Plünderungen, Menschenraub und Erpressungen in Not und Schrecken gesetzt. Sie befuhren mit weit über tausend trefflich bemannten und schnell segelnden Schiffen das Meer, erschienen in ganzen kriegsmäßig geleiteten Geschwadern, geboten über 400 eroberte Städte und hatten allenthalben ihre festen Plätze, wo sie ihren Raub verbargen und verpraßten. Sie liefen in die Mündungen der Flüsse ein und überall, wo sie landeten, wagte man es nicht mehr das Feld zu bestellen. Dabei hatten sie immer ihre Hehler und Helfer in den Provinzen wie in Italien selbst. Vorzüglich gingen sie darauf aus, angesehene Personen aufzufangen, um hohe Lösegelder für sie zu bekommen; wer sich nicht löste, verlor Freiheit oder Leben. Besonders suchten sie die Küsten Italiens heim, wo sie bald da, bald dort landeten und einmal sogar die Tochter eines Senators, ja selbst zwei Prätoren samt ihren Liktoren fortschleppten. So waren die Herren der Welt nicht mehr Herren an ihrem eigenen Herde.

Schon seit dem Jahre 78 v. Chr. führten die Römer Krieg gegen die Seeräuber; aber wenn diese auch einmal geschlagen und ihre Raubnester zerstört wurden, so war doch das Unwesen nicht ausgerottet, ja es trat nach einiger Zeit noch stärker hervor, sodaß Handel und Verkehr allgemein stockte, die Getreideschiffe aus Sizilien und Afrika ausblieben, in Rom die Teuerung immer höher stieg, und Hungersnot und Aufruhr des Stadtvolkes drohte. Als nun endlich sogar vor Ostia, wenige Meilen von der Hauptstadt, eine römische Flotte von den Seeräubern geschlagen und versenkt wurde, da erkannte man die Notwendigkeit entscheidende Maßregeln zu ergreifen (67). Der Volkstribun Aulus Gabinius, ein Anhänger des Pompejus, trat mit dem Vorschlage auf, man solle einen der gewesenen Konsuln mit der Führung des Krieges gegen die Seeräuber betrauen und ihm auf drei Jahre mit den nötigen Truppen und Geldmitteln die unumschränkte Gewalt, Verfügung über die ganze Seemacht und über alle Küstenländer des römischen Reiches bis auf zehn Meilen landeinwärts übertragen.

Da jedermann einsah, daß unter dem Einen, dem man auf diese Weise den Befehl über fast das halbe römische Reich in die Hände legen sollte, kein anderer als Pompejus gemeint sein konnte, so setzte der Senat den ernstesten Widerstand entgegen. Bei den Beratungen über den Antrag des Gabinius ging es so stürmisch und gewalttätig zu, daß dieser selbst in Lebensgefahr geriet; aber auch die Senatoren würden vom Volke, das dem Tribunen zu Hilfe in den Sitzungssaal eingedrungen war, erschlagen worden sein, wenn sie nicht geflohen wären. Pompejus selbst gab sich zwar in einer Rede vor der Volksversammlung den Anschein, als wünsche er dieser großen Aufgabe, die so vielen Neid und Widerspruch errege, überhoben zu sein; er habe schon so viel im Kriege ausgestanden, daß er (der kaum 40 Jahre alt war) sich selbst als ein abgebrauchter alter Mann vorkäme; man sollte daher einen Tüchtigeren wählen. Das Volk ward dadurch nur noch bestärkt in dem Entschlusse den Vorschlag des Tribunen durchzusetzen, und es erhob sich ein solcher Lärm, daß ein oben vorbeifliegender Rabe, von dem Geschrei betäubt, zur Erde fiel.

Der Antrag ging durch, und Pompejus erhielt 500 Schiffe, 120000 Legionssoldaten mit 7000 Reitern und 25 Unterfeldherren (Legaten), dazu 144 Millionen Sesterze (33 Millionen Mark) aus dem Staatsschatz, nebst der Vollmacht über alle Mittel der Provinzen zu verfügen. Eine solche Macht hatte gesetzmäßig vor ihm noch kein römischer Feldherr besessen.

Nun teilte Pompejus das ganze Mittelmeer in dreizehn Bezirke, über deren jeden er einen Legaten mit den nötigen Streitmitteln setzte, und befahl sodann die Piraten zunächst aus dem westlichen Meere, also aus allen Schlupfwinkeln an den Küsten Italiens, Spaniens, Afrikas und der dazwischen liegenden Inseln aufzuscheuchen und nach dem östlichen Meere zu treiben. Als dies geschehen war, wendete er sich mit der Hauptmacht nach Osten. Schon auf dem Wege dorthin ergaben sich ihm viele auf Gnade und Ungnade, und er behandelte sie mit schonender Milde, um durch diese Mäßigung den andern die Rückkehr zur Ordnung zu erleichtern. Die meisten aber suchten ihre Zuflucht in den cilicischen Buchten und Bergfesten. Pompejus schlug dort ihre Flotte in einer regelmäßigen Schlacht gänzlich, zerstörte ihre Burgen, nahm ihnen alle ihre Städte, Schiffe, Vorräte, Waffen, und verpflanzte die Gefangenen, über 20000, tief in das Land hinein, um sich dort anzubauen und des Piratenlebens zu entwöhnen.

Auf diese Weise hatte er in drei Monaten das Seeräuberwesen vertilgt und Rom die Herrschaft zur See wiedergegeben.

Die rasche und glückliche Beendigung dieses Krieges versetzte das römische Volk in solche Freude, daß es den Freunden des Pompejus leicht wurde, dem Gefeierten ein noch größeres Feld des Ruhmes zu verschaffen, auf dem er abermals die Frucht der Arbeit anderer ernten sollte.

5. Pompejus in Asien.

Während Pompejus diese schnellen Siege erfocht, hatte sich Mithridates, der den Römern so furchtbare König von Pontus, zu einem neuen Kampfe gerüstet. Er hatte seine Land- und Seemacht verstärkt und durch römische Hauptleute, die ihm nach der Unterdrückung der Marianer in Menge zuströmten, in römischer Weise einüben lassen. Mit seinem Eidam, dem König Tigránes von Armenien, und mit Sertorius in Spanien schloß er ein Bündnis und suchte die kriegerischen Völker im Norden des schwarzen Meeres und an der Donau zum Kampfe gegen die Römer aufzureizen. Nach dem Tode des Königs Nikomédes von Bithynien, der die Römer zu Erben seines Reiches ernannt hatte, fiel Mithridates in Bithynien ein mit einem Heer von 120000 Mann zu Fuß, 16000 Reitern und 100 Sichelwagen (74 v. Chr.). Allenthalben ward er als Befreier vom römischen Druck gern aufgenommen. Die Römer aber beauftragten die beiden Konsuln dieses Jahres, L. Licinius Lucullus und M. Aurelius Cotta, mit der Führung des Krieges, von denen dieser hauptsächlich die Leitung der Flotte, ersterer die des Hauptheeres zu Lande erhielt.

Nachdem Cotta in der Propontis unglücklich gegen Mithridates gekämpft und dabei seine ganze Flotte eingebüßt hatte, gelang es Lucullus, der von Cilicien her eben dorthin vorgerückt war, das weit zahlreichere Heer, womit der König die große Seestadt Kyzikos hart bedrängte, völlig zu schlagen, die Stadt zu entsetzen, und bald darauf auch die Flotte des Königs zu vernichten (73). Noch sieben Jahre, bis 67, dauerte der Krieg, der sich allmählich ostwärts bis in die Gebirge Armeniens und Mediens zog und den Gegner immer härter bedrängte. Schon gab Mithridates sein Reich verloren und ließ in seiner Hauptstadt seine Schwestern und Frauen töten, um sie vor römischer Gefangenschaft zu bewahren; er selbst floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, der eben im Begriff stand, das Königreich Syrien mit dem seinigen zu vereinigen. Lucullus ließ ihn auffordern, den Flüchtling auszuliefern. Da er aber sein Schreiben an den „König“ Tigranes richtete, statt an den „König der Könige“, wie sich jener hochmütig nannte, so fühlte sich Tigranes gekränkt und gab eine abschlägige Antwort. Da zog Lucullus auch gegen ihn und schlug das zwanzigmal stärkere armenische Heer bei seiner Hauptstadt Tigranokerta in die Flucht (69). Dieser Sieg gewährte unermeßliche Beute. Lucullus gedachte noch weiter vorzudringen, allein der Ungehorsam seiner meuterischen Soldaten, deren Genuß- und Beutegier er nicht genug frönte, hemmte ihn in seinen Unternehmungen, und mitten im glücklichsten Lauf seiner Siege riefen ihn Neid und Mißgunst und boshafte Verleumdungen seiner Gegner vom Schauplatze des Krieges ab.

Diese Feinde hatte sich Lucullus durch seine rücksichtsvolle und menschliche Behandlung der kleinasiatischen Städte zugezogen. Die ihnen von Sulla auferlegten 20000 Talente waren durch die Schulden, die sie bei den römischen Wucherern hatten machen müssen, zu der entsetzlichen Höhe von 120000 Talenten angewachsen, und die unvermögenden Schuldner wurden durch Kerkerstrafen und Martern aufs schrecklichste gepreßt. Lucullus setzte die Schuld auf 40000 Talente herab und gewährte den Städten noch andere Erleichterungen. Dafür ward er denn von den römischen Wucherern daheim auf das heftigste angegriffen und verleumdet. Diese und die Anhänger des Pompejus brachten es dahin, daß ihm der Oberbefehl genommen und auf den Antrag des Volkstribunen Manilius, den Cicero in einer Rede verteidigte, dem Pompejus übertragen wurde (67). Nun ging Pompejus nach Kleinasien, wo er in Galatien mit Lucullus eine Unterredung hatte. Anfangs spendeten sich beide die größten Lobsprüche; zuletzt überhäuften sie sich gegenseitig mit Vorwürfen, indem Lucullus dem Pompejus seinen unersättlichen Ehrgeiz, dieser dem Lucullus seine unersättliche Habgier vorhielt.

Lucullus ging nach Rom, wo er nach langem Warten einen Triumph erhielt, und dann sein weiteres Leben in der Beschäftigung mit Kunst und Literatur und im Genuß seiner ungeheuren Reichtümer hinbrachte. Seine reichen Sammlungen von kostbaren Gemälden, Bildsäulen, Büchern, seine prächtigen Paläste, Landhäuser, Lustgärten, seine Fischteiche und künstlichen Seen, seine Prachtgeräte und Kleinodien, seine üppigen Gastmähler, wozu er die seltensten Speisen und Weine aus allen Weltgegenden herbeischaffen ließ, machten lucullischen Luxus zum Sprichwort. Kostete ihm doch ein einziges Prunkmahl im Apollo (so hieß einer seiner Speisesäle) an 30000 Mark nach unserem Gelde! Durch ihn wurden die Kirschen und andere aus Asien eingeführte edle Obstarten in Europa einheimisch Sein Beispiel blieb natürlich nicht ohne verderbliche Nachahmung; fast alle reichen und vornehmen Männer Roms wetteiferten seitdem in der Pracht ihres Haushalts und ihrer Lebensführung, und je größer ihre Verschwendung ward, um so gieriger suchten sie sich in den Provinzen durch Erpressungen und Bestechlichkeit zu bereichern.

Pompejus, dem sein Vorgänger schon durch große Erfolge vorgearbeitet hatte, setzte nun den Krieg gegen Mithridates fort. Dieser hatte sich inzwischen wieder erholt und mit rastloser Tätigkeit ein neues Heer von 33000 Mann aufgestellt. Vor dem andringenden Pompejus zog er sich in das Innere seines Landes zurück und suchte den Euphrat zu gewinnen. Hier holte ihn Pompejus ein, umging ihn unbemerkt und besetzte die umgebenden Höhen eines Engtals, durch welches die Gegner ihren Marsch nehmen mußten. Mithridates schlug, ohne Ahnung von der Nähe der Feinde, in diesem Tal sein Lager auf. Die Nacht kam und alles lag in tiefer Ruhe. Plötzlich schmetterten auf allen Seiten die römischen Trompeten; die römischen Legionen erhoben ihren gefürchteten Schlachtruf und schlugen mit den Waffen an die Schilde, daß die Schluchten widerhallten. Hierauf ergoß sich ein Pfeil- und Speerregen von den Anhöhen herab über die Aufgeschreckten, die in wildestem Gedränge den Ausweg im Dunkeln suchten. Dann verließen die Römer die Berge; der Feind sah sie nicht, aber er fühlte ihr Schwert; alles flüchtete und drängte nach der Mitte, wo man sich erdrückte und zertrat. Endlich ging der Mond auf und beleuchtete das gräßliche Nachtstück. Mithridates selber entkam mit zwei Begleitern und einer seiner Frauen, die ihn in persischer Reitertracht zu begleiten und alle Gefahren zu teilen pflegte. Sein ganzes Heer war vernichtet.

Pompejus wandte sich darauf gegen Tigranes nach Armenien, das er ohne Schwertstreich einnahm. Der alte Tigranes, von dem eigenen Sohne verraten und an seinem Glücke verzweifelnd, kam in das Lager des Pompejus, legte ihm sein Diadem zu Füßen und bat um Schonung. Er behielt sein Erbreich und zahlte 6000 Talente.

Während Mithridates in die fernsten Teile seines Reiches am Kaukasus und auf die taurische Halbinsel (Krim) geflohen war, um sich zu neuem Widerstande zu rüsten, drang Pompejus durch die Kaukasusländer bis nach Kolchis am schwarzen Meere vor. Bald aber begab er sich wieder in das Reich Pontus, wo zwölf Fürsten der benachbarten Länder demütig vor ihm als ihrem Gebieter erschienen, um seine Befehle zu empfangen. Dann brach er auf, um südwärts nach Syrien zu ziehen, das, seit dem Erlöschen der Dynastie der Seleukiden (312–64), in völlige Zerrüttung geraten war, und machte auch dies große Reich mühelos zur römischen Provinz. Von da wandte er sich westwärts nach Palästina (63).

In Palästina stritten damals zwei Brüder aus dem Heldengeschlechte der Makkabäer um die Herrschaft, und beide hatten den Pompejus zu Hilfe gerufen. Dieser entschied zu Gunsten des älteren Bruders, Hyrkānos, dem er die Regierung und das Hohepriestertum, aber nicht den Königstitel bewilligte. Der zurückgesetzte Aristobūlos zog sich darauf mit seinen Anhängern auf den Tempelberg in Jerusalem zurück und verteidigte sich dort mit der äußersten Tapferkeit. Erst im dritten Monat eroberten die Römer an einem Sabbat, als die Juden die Waffen ruhen ließen, den Tempel; 12000 Juden, darunter die Priester, die sich im Opferdienst nicht irre machen ließen, verloren hierbei das Leben. Nichts schmerzte aber die Juden mehr, als daß Pompejus sich nicht scheute, mit seinem Gefolge in das Allerheiligste des Tempels einzudringen, das doch bei ihnen niemand als der Hohepriester und auch dieser nur einmal im Jahre betreten durfte. Pompejus tat dies in der neugierigen Erwartung, daß er hier den einzigen Gott der Juden sehen werde. Allein, wie erstaunte er über das Volk der Juden, als er darin kein Götterbild wahrnahm, sondern nur den goldenen Leuchter, den goldenen Tisch mit den Schaubroten und die heiligen Schriften. Dem heidnischen Römer mußte dies alles ein verschlossenes Geheimnis sein. Pompejus legte den Juden eine schwere Kriegssteuer auf und machte das Land zinspflichtig; Aristobulus aber und seine Kinder führte er gefangen fort, um sie in Rom beim Triumphe aufzuführen.

In Palästina erfuhr Pompejus auch den Tod des Mithridates. Dieser hatte zuletzt in seiner eigenen Familie Verrat erfahren müssen. Auch sein liebster Sohn Phárnakes empörte sich wider ihn und gewann sein Heer. Der alte, sogar von seinen Leibwachen verlassene König flüchtete sich in eine Burg, wo ihn sein Sohn belagerte, um ihn den Römern auszuliefern. Aber Mithridates, als er das seiner harrende Los erkannte, nahm er das Gift, das er stets im Knaufe seines Schwertes trug, und mischte für sich, seine Frauen und Töchter, unter diesen die beiden Bräute der Könige von Ägypten und Cypern, den Giftbecher, den er selber als der letzte trank. Da er aber seinen Körper, um sich gegen Vergiftung zu schützen, seit lange an alle Arten von Gift gewöhnt und dagegen abgehärtet hatte, so wirkte der Trank nur schwach und langsam. Da bot der König einem seiner keltischen Söldner den Nacken zum Todesstreich. So endete dieser große Feind der Römer sein Leben im 68. Lebensjahre, nach 56jähriger Regierung und 26jährigem Kampf gegen die römische Weltherrschaft (63).

Jetzt eilte Pompejus in das Reich Pontus und traf hier umfassende Anordnungen über die eroberten asiatischen Länder. Er setzte Könige und Fürsten ab und ein, löste Königreiche und Fürstentümer auf und schuf neue, ordnete die neuerworbenen Provinzen nach seinem Gutdünken, und kehrte dann, überreich an Erfolgen, Ruhm und Beute, nach Italien zurück. In Brundisium, wo er landete, entließ er sein Heer und begab sich, wie ein einfacher Bürger, nach Rom. Auf dem ganzen Wege begrüßte ihn das Volk unter stetem Beifallrufen bis zu den Toren Roms, wo ihn der ganze Senat erwartete. In Rom feierte er als Sieger über den dritten Weltteil und zweiter Alexander seinen dritten Triumph, der zwei Tage dauerte und alles, was man bisher in dieser Art in Rom gesehen hatte, an Pracht und Glanz weit hinter sich ließ. Voran trug man Tafeln mit den Namen von sechzehn besiegten Ländern und Völkern, mit der Angabe von 1000 Burgen, 900 Städten, 800 Schiffen, die er genommen, und von 39 Städten, die er gegründet oder bevölkert hatte. Unter den Siegeszeichen und erbeuteten Schätzen und Kostbarkeiten, die er zur Schau stellte, befanden sich 33 Kronen mit Perlen, 3 goldene Götterbildnisse, 9 Schenktische voll goldener Trinkgeschirre, die unermeßlichen Schätze des Mithridates, darunter eine kostbare Sammlung geschnittener Steine, sein goldenes, 8 Ellen hohes Brustbild, sein Thron, sein 4 Fuß breites und 3 Fuß langes Brettspiel von 30 Pfund Gold an Gewicht, mit Würfeln von Edelsteinen, ein Musentempel mit einer Sonnenuhr im Giebel u. s. w. Die Menge der Kostbarkeiten war so groß, daß sie nicht alle in diesen beiden Tagen aufgeführt werden konnten. Unter den 324 vornehmen Gefangenen aus den verschiedensten Völkerschaften, die ungefesselt vor dem Triumphwagen einhergingen, befanden sich fünf Söhne und zwei Töchter des Mithridates. Endlich folgte auf einem von Edelsteinen schimmernden Triumphwagen Pompejus selbst, angetan mit einer Rüstung Alexanders des Großen, die er in der königlichen Schatzkammer des Mithridates gefunden hatte. In den römischen Staatsschatz lieferte er 20000 Talente (fast 10 Millionen Mark).

XXVI. Cicero.

Marcus Tullius Cicero wurde im Jahre 106 v. Chr. im südlichen Latium, nahe bei Arpinum, der Vaterstadt des Marius, geboren. Er stammte aus einem wohlhabenden Rittergeschlechte und empfing von seinem Vater seine erste Bildung. Früh zeigte er den Ehrgeiz „immer der Beste zu sein und emporzustreben vor allen.“ Seine weitere Vorbildung erhielt er zu Rom, wo er schon in der Schule durch Wißbegierde, schnelle Auffassung und rasche Fortschritte allgemeine Bewunderung erregte. Dann machte er sich mit den Werken der besten griechischen Dichter, Redner und Philosophen vertraut, und ließ sich in die römische Rechtskunde einführen. Durch fleißiges Übersetzen griechischer Dichtungen und Reden erlangte er eine große Gewandtheit auch im Gebrauch der lateinischen Sprache. Nachdem er im marsischen oder Bundesgenossenkriege (S. 121) einen Feldzug mitgemacht hatte, lebte er drei Jahre in Rom als Anwalt, indem er die Verteidigung von Angeklagten übernahm. Dann ging er, um seine Gesundheit herzustellen und sich weiter auszubilden, nach Athen, Kleinasien und Rhodus, wo er die berühmtesten Lehrer der Beredsamkeit hörte. In Rhodus, erzählt man, forderte ihn eines Tages sein Lehrer, der berühmte Apollonios Molon, auf, einen griechischen Vortrag zu halten. Cicero tat es und wußte seine Zuhörer so hinzureißen, daß sie in Lobsprüchen über ihn wetteiferten; nur Molon saß lange Zeit nachdenkend da und sprach endlich: „Dich, o Cicero, preise und bewundere ich, aber Griechenlands Geschick bedauere ich, da ich sehe, daß auch der einzige Vorzug, der uns Griechen noch übrig blieb, Bildung und Beredsamkeit, durch dich den Römern zuteil wird.“ Einige Jahre nach seiner Rückkehr ward er Quästor in Sicilien, wo er durch seine menschenfreundliche und gerechte Amtsführung sich allgemeine Achtung erwarb. Deshalb übertrugen ihm hernach die Städte dieser Provinz die Anklage gegen Gajus Verres, der sie als Prätor drei Jahre lang durch unersättliche Habgier, schamlose Erpressungen von Geld und Kunstwerken aller Art, durch ungerechte und grausame Urteilssprüche in Verzweiflung gebracht hatte. Cicero führte diese Anklage mit solchem Erfolge, daß Verres noch vor Beendigung des Prozesses seine Sache verloren gab und in die Verbannung ging. Dieser Erfolg begründete den Ruf Ciceros als des ersten Redners in Rom und erwarb ihm so allgemeine Anerkennung, daß er die nächsthöheren Ämter, die Ädilität und Prätur, mühelos erreichte und endlich auch, obgleich wie sein Landsmann Marius ein „Neuling“ (homo novus), das höchste Ziel seines Ehrgeizes, das Konsulat, für das Jahr 63 erlangte. Als Konsul erwarb er sich um sein Vaterland dadurch ein großes Verdienst, daß er die Verschwörung des Catilina entdeckte und vernichtete.

Lucius Sergius Catilina war aus dem altpatrizischen Geschlechte der Sergier entsprossen. Von Jugend auf von allen Lastern jener Zeit befleckt, durch Verschwendung verarmt und verschuldet, war er vertraut mit allen durch Ausschweifung und Leichtsinn zugrunde gerichteten jungen Adligen, die er zu Meineid und Betrug, zu Gewalttat und Mord verführte. Schon zur Zeit der sullanischen Proskriptionen hatte er durch Ermordung des eigenen Bruders seine Verworfenheit gezeigt. Dennoch wußte er sich so zu verstellen, daß er hohe Ämter erlangte und sich sogar um das Konsulat bewarb. Da er aber als Proprätor in Afrika wegen Erpressungen angeklagt wurde, mußte er von dieser Bewerbung abstehen. Aus Erbitterung über diesen Fehlschlag seiner Hoffnung und aus Furcht vor weiteren gerichtlichen Verfolgungen faßte er den Entschluß die neuen Konsuln und die ihm verhaßten Senatoren zu ermorden, und sich so das Konsulat mit Gewalt zu verschaffen und die herrschende Aristokratie zu stürzen.

Da sein Versuch, diesen Plan auszuführen, zweimal mißlungen war, stiftete er eine weit verbreitete Verschwörung zum Umsturz des Staates an. Er gewann in Rom selbst zehn Senatoren, eine Anzahl Ritter, außerdem noch viele Unzufriedene in den übrigen Städten, Leute, die, wie er selbst, durch eine völlige Umwälzung aus Armut, Schuldennot oder Unehre wieder emporzukommen hofften. Diesen allen verhieß er Ämter, Tilgung ihrer Schulden und Reichtümer.

Zur Ausführung seines ruchlosen Planes bewarb er sich von neuem um das Konsulat, diesmal zugleich mit Cicero, für das Jahr 63. Zwar er selbst fiel durch, aber neben Cicero wurde ein heimlicher Gesinnungsgenosse Catilinas, Antonius Pätus, gewählt. Durch seinen neuen Mißerfolg nicht abgeschreckt, sondern zum äußersten gereizt und entschlossen, betrieb Catilina seinen Verrat mit erhöhter Kraft. Er ließ in aller Stille in allen Teilen Italiens seine Anhänger sich sammeln und bewaffnen, und traf in Rom selbst alle Anstalten, um die Stadt auf ein gegebenes Zeichen in Brand stecken und den neuen Konsul Cicero mit allen Häuptern der herrschenden Partei ermorden zu lassen. Aber er fand in Cicero einen wachsamen und unerschrockenen Gegner, der alle seine Schritte beobachtete und rechtzeitig zu vereiteln wußte. So verging ein großer Teil des Jahres. Endlich gelang es dem Konsul durch den Verrat einer Frau und durch die Aussagen eines Teilnehmers einen Beweis für Catilinas Hochverrat zu erhalten. Da trat er im Senat offen mit seiner Anklage gegen Catilina hervor. Vergebens suchte dieser sich zu verteidigen. Als er die ihm feindliche Stimmung erkannte, rief er mit drohendem Trotz: „Aus zwei Körpern besteht unser Staat: der eine ist hinfällig und hat ein schwaches Haupt; der andere ist kräftig, jedoch ohne Haupt. Es soll ihm, wenn ich am Leben bleibe, nicht lange mehr fehlen!“ Dann stürzte er hinaus.

Inzwischen hatten seine Anhänger unter der Führung eines gewissen Manlius bei Fäsulä (heute Fiesole, nahe bei Florenz) ein Lager bezogen. Da Catilina auch bei der Konsulwahl dieses Jahres wieder durchgefallen war, so versammelte er in der darauf folgenden Nacht die Verschworenen und wies jedem sein Geschäft zu. Die vornehmsten Gegner sollten getötet, die Stadt an verschiedenen Stellen zugleich angezündet, vor allem aber Cicero vor Anbruch des Tages ermordet werden. Dieser erfuhr den Plan, ließ die beiden Verschworenen, die ihn ermorden wollten, vor seiner Tür abweisen und berief den Senat. Auch Catilina erschien. Jetzt enthüllte Cicero das ganze ruchlose Treiben des Mannes in gewaltiger Rede, richtete dann sein Wort unmittelbar an diesen selbst und forderte ihn auf mit seiner Rotte Rom zu verlassen, wo für seine heimlichen Anschläge kein Raum mehr sei, wo der Konsul und die Staatsgewalt ihn auf Schritt und Tritt bewache und das Volk ihn verabscheue; draußen möge er den offenen Kampf gegen die Vaterstadt beginnen. Und Catilina folgte dieser höhnischen Aufforderung: in der folgenden Nacht eilte er aus der Stadt ins Lager zu Manlius.

Die Mitverschworenen aber, die er in Rom zurückließ, bestimmten die Feier der Saturnalien (im Dezember) zur Ausführung ihres Planes; die Stadt sollte an zwölf Ecken angezündet, die Häupter des Senats und die Konsuln durch bestimmte Verschworene ermordet werden, und Catilina in der allgemeinen Verwirrung mit seinem Heere einrücken. Auch eine Gesandtschaft der Allóbroger, einer Völkerschaft in der gallischen Provinz, welche gekommen war, um über ungerechte Behandlung Beschwerde zu führen, wurde mit in die Verschwörung gezogen und zum Aufstande aufgefordert; aber dies beschleunigte nur den Untergang der Frevler. Da diese Gesandten schwankten, was sie tun sollten, so teilten sie die Sache einem Senator mit, durch den Cicero alles erfuhr. Sie erhielten den Rat, sich von den Häuptern der Verschwörung Briefe an ihr Volk geben zu lassen. Dies geschah; aber Cicero ließ die abreisenden Gesandten, bei denen sich auch ein Verschworener befand, nahe bei der Stadt aufheben und bekam durch die Briefe nun auch schriftliche Beweise gegen die Verschworenen in die Hand.

Die Schuldigen wurden darauf überführt und in Haft gegeben. Cicero erhielt den Dank des Senats und den Namen Vater des Vaterlandes. Von den neun Hauptschuldigen waren vier entflohen, die übrigen fünf, an ihrer Spitze der Stadtprätor Lentulus, wurden vom Senat zum Tode verurteilt und dieser Beschluß sogleich im Gefängnis vollzogen. Mit den Worten: „Sie haben gelebt!“ verkündigte Cicero dem Volke die Vollstreckung der Strafe und ward von ihm, wie im Triumphe, nach seinem Hause begleitet.

Gegen Catilina selbst aber wurde mit Waffengewalt vorgeschritten. Der Feldzug gegen ihn fiel ins folgende Jahr (62). Bei Pistoria in Etrurien kam es zum Treffen. Catilina und seine 3000 Gefährten fochten mit verzweifelter Tapferkeit; sie fielen bis auf den letzten Mann.

Wiewohl Cicero durch die Entdeckung der Verschwörung den Staat gerettet hatte, so wurde doch der Umstand, daß er die Verbrecher wider das herkömmliche Rechtsverfahren, ohne gerichtliche Untersuchung und Verurteilung, bloß auf einen Senatsbeschluß hin, hatte hinrichten lassen, die Ursache, daß er später heftig angegriffen wurde, wobei er von seinen politischen Freunden nur schwach unterstützt wurde. Der Volkstribun Clodius beantragte einige Jahre nachher ein Gesetz, daß jeder, der einen römischen Bürger ohne Richterspruch hingerichtet habe, geächtet sein solle. Dieses Gesetz, das unverkennbar gegen Cicero gerichtet war, fand die Zustimmung des Volkes, und so mußte dieser, um seinen Feinden zu entgehen, freiwillig in die Verbannung wandern (58). Er ging nach Thessalonike in Makedonien. In Rom zog man seine Güter ein und zerstörte sein Haus. Doch schon im folgenden Jahre (57) wurde er durch Volksbeschluß zurückgerufen. Seine Rückkehr glich einem Triumphzuge. Sein Haus und seine Güter wurden ihm wieder hergestellt.

XXVII. Julius Cäsar. Der zweite Bürgerkrieg.

1. Cäsar bis zum Kampfe gegen Pompejus.

Gajus Julius Cäsar wurde im Jahre 100 v. Chr. zu Rom als Sprößling eines der vornehmsten alten Adelsgeschlechter, dem der Julier, geboren. Von seiner Mutter Aurelia mit der größten Sorgfalt erzogen, zeigte er schon als Knabe eine ganz ungewöhnliche Begabung des Geistes und eine Willenskraft, die vor keinem Widerstande, vor keiner Schwierigkeit zurückwich. Von seinem Gedächtnis und seiner Geisteskraft erzählte man Erstaunliches: er sei imstande und gewohnt, zu gleicher Zeit zu schreiben, zu lesen und zu hören, und auf einmal vier bis sieben Briefe zu diktieren. Bei so seltenen Gaben, die mit rastloser Tätigkeit verbunden waren, erwarb er sich eine reiche Fülle von Kenntnissen aller Art und erreichte die volle Bildungshöhe seiner Zeit.

Zur Zeit der Diktatur Sullas stand Cäsar auf Seiten des Marius. Schon durch Verwandtschaft war er mit dieser Partei verbunden, da Marius mit Cäsars Tante vermählt war und er selbst eine Tochter Cinnas, Cornelia, zur Gemahlin hatte. Dadurch zog er sich die Feindschaft des allgewaltigen Diktators zu. Sulla verlangte, Cäsar sollte sich von seiner Gemahlin scheiden; dieser aber weigerte sich standhaft, während Pompejus, an den Sulla eine gleiche Forderung gestellt hatte, sich dem Willen des Diktators nachgiebig fügte. Durch diese Weigerung erbittert, ließ Sulla Cäsars Namen auf die Liste der Geächteten (Proskribierten) setzen. Dadurch verlor dieser das Heiratsgut seiner Frau und sein väterliches Erbe, mußte Rom verlassen und eine Zeitlang unter den größten Gefahren umherirren. Fast jede Nacht war er genötigt sich an einem anderen Orte zu verbergen, und hatte unter solchen Umständen um so schwerer zu leiden, als zugleich ein Fieber seine Kräfte verzehrte. Als er dennoch zuletzt entdeckt wurde, mußte er sich von den Häschern mit vielem Gelde loskaufen. Endlich verzieh ihm Sulla und begnadigte ihn auf Fürbitten einiger vornehmen Freunde und besonders der Vestalinnen, dabei sprach er aber die merkwürdigen Worte: „So nehmt ihn denn hin, aber wisset, daß dieser Jüngling uns einst zum Verderben gereichen wird; denn in dem einen Cäsar stecken viele Marius!“

Aber auch nach seiner Begnadigung mochte sich Cäsar noch nicht für ganz sicher gehalten haben, denn bald verließ er Rom und begab sich nach Rhodus, um sich dort in der Beredsamkeit auszubilden. Auf der Fahrt dorthin geriet er in die Hände von Seeräubern, die damals noch ihr Unwesen trieben. Während der vierzig Tage, die er bei ihnen bleiben mußte, bis er das verlangte Lösegeld herbeischaffen konnte, wußte er sich so in Achtung zu setzen, daß er nicht ihr Gefangener, sondern ihr Herr zu sein schien. So hatten sie für seine Auslösung zwanzig Talente verlangt, da rief er: „Wie? für einen Mann, wie ich bin, nur zwanzig Talente? Ihr sollt fünfzig haben.“ Während der Gefangenschaft beschäftigte er sich mit der Abfassung von Reden und Gedichten, die er dann wohl den Piraten vorlas. Kargten sie dabei mit ihrem Beifall, so schalt er sie und drohte, er werde sie alle ans Kreuz schlagen lassen. Wenn er schlafen wollte, verbot er ihnen jedes Geräusch, und sie gehorchten. So mächtig erwies sich seine geistige Überlegenheit selbst auf die verwilderten Gemüter dieser rohen Gesellen. Kaum war er frei, so brachte er einige milesische Schiffe zusammen, überfiel damit die Seeräuber und ließ sie wirklich, wie er ihnen im Scherze gedroht, in Pergamon ans Kreuz schlagen.

Nach Rom zurückgekehrt, schloß er sich an Pompejus an, den er bei Herstellung der Gewalt der Tribunen unterstützte, und wußte durch seine Beredsamkeit und Leutseligkeit die Gunst des Volkes zu gewinnen. Besonders erwarb er sich den Beifall der noch zahlreichen Anhänger des Marius dadurch, als er seiner Tante, der Witwe des Marius, bei ihrer Bestattung eine Grabrede hielt, worin er die Verdienste des den Optimaten so verhaßten Mannes zu preisen wagte und sein Bildnis, dem Verbote trotzend, unter den Ahnenbildern seines eigenen Geschlechtes einhertragen ließ. Auch ließ er auf dem Kapitolium die Bildsäule desselben und seine Siegeszeichen aus dem jugurthinischen und cimbrischen Kriege, die von Sulla zerstört waren, wieder herstellen.

Im Jahre 67 wurde er Quästor in der spanischen Provinz Lusitanien. Als er dort zu Gades im Herkulestempel ein Standbild Alexanders des Großen sah, rief er unter Tränen aus: „Der hatte in meinem Alter schon die Welt erobert, und ich habe noch gar nichts getan!“ Als Ädil gewann er durch ungemein prachtvolle und kostbare Spiele, wobei er unter anderem 320 Fechterpaare in silbernen Rüstungen auftreten ließ, die Gunst der Volksmenge in hohem Grade, stürzte sich aber auch in große Schulden. Im Vertrauen auf diese Volksgunst bewarb er sich, obwohl noch sehr jung, um die erledigte Würde des Oberpriesters, die bislang nur die ältesten und geehrtesten Konsulare zu bekleiden pflegten. Als ihn am Tage der Wahl seine Mutter nicht ohne Tränen zur Tür geleitete, sagte er: „Heute, Mutter, siehst du deinen Sohn entweder als Oberpriester oder als Verbannten wieder!“ Und in der Tat hatte er das Glück dem an Alter und Amtswürde weit überlegenen Catulus bei der Wahl vorgezogen zu werden. Als Prätor bekam er die Verwaltung desselben Spaniens, in dem er Quästor gewesen war. Doch hätte er Schulden halber nicht abreisen können, wenn nicht Crassus für ihre ungeheure Summe (18 Millionen Mark) seine Bürgschaft gewährt hätte. Als er auf dieser Reise durch ein kleines Städtchen jenseits der Alpen kam, warf einer aus seiner Begleitung die Frage auf, ob man sich in diesem Örtchen wohl auch um Rang und Ämter streite. „Gewiß“, antwortete Cäsar, „ich wenigstens will lieber hier der erste als in Rom der zweite sein!“ In seiner Provinz Spanien erwarb er übrigens so viel, und machte in glücklichen Kriegen solche Beute, daß er nicht nur seine Schulden bezahlen, sondern auch noch eine große Summe in den Staatsschatz legen konnte.

Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, stand gerade die Konsulwahl für das Jahr 59 bevor. Um das Konsulat zu erlangen, verband er sich mit Pompejus, der durch seine Taten und Erfolge der angesehenste Mann in Rom war, und mit Crassus, der einen ungeheuren Reichtum besaß. Diesen Bund der drei Römer nannten ihre Gegner spöttisch ein Triumvirat (Dreimännerschaft). Sie versprachen sich einander, in den Kämpfen mit ihren politischen Gegnern bei Wahlen und im Senat mit allen Mitteln zu unterstützen. Denn auch Pompejus war mit dem Senat zerfallen, der die Einrichtungen, die er aus Eigenmacht in Asien getroffen hatte, nicht bestätigen wollte. Diese Bestätigung versprach ihm Cäsar beim Volke durchzusetzen. Cäsar erlangte das Konsulat, erhielt aber als Kollegen in diesem Amte den Kandidaten seiner Gegner, M. Calpurnius Bibulus.

Als Konsul fuhr er fort sich um die Gunst des Volkes zu bewerben und die Macht der Senatspartei zu schwächen. Dazu diente ihm besonders ein Gesetz, das armen römischen Bürgern Landbesitz in Campanien anwies. Als Bibulus sich diesem Gesetze entgegenstellte, entstand eine solche Bewegung in der Volksversammlung gegen ihn, daß er nur mit Mühe sein Leben rettete. Seit dieser Zeit wagte der eingeschüchterte Mitkonsul überhaupt keinen Widerstand mehr; ja, er hielt sich fortan, aus Furcht vor Cäsars gebieterischem Auftreten, während des Restes seines Amtsjahres in seinem Hause verschlossen. Daher nannten die Spötter dieses Konsulat nicht das des Cäsar und Bibulus, sondern das des Julius und des Cäsar.

Am Schlusse des Jahres ließ sich Cäsar die Provinzen Illyrien und das diesseitige Gallien (Gallia cisalpina) als Statthalterschaft auf fünf Jahre zuweisen, worauf der Senat noch die Provinz des jenseitigen Galliens (Gallia transalpina) hinzufügte, in der geheimen Hoffnung, er werde dort in allerlei Verlegenheiten verwickelt und auf diese Weise am besten von Rom ferngehalten werden. Um seine Verbindung mit Pompejus zu befestigen, gab Cäsar ihm seine Tochter Julia zur Gemahlin. Sodann wußte er noch zwei Männer aus Rom zu entfernen, die seine geheimen Absichten durchschaut hatten und seinen Plänen gefährlich werden konnten. Diese Männer waren Cato und Cicero; Cato ward nach der Insel Cypern gesandt, um dieselbe in eine römische Provinz zu verwandeln, Cicero aber durch den Volkstribunen Clodius genötigt in die Verbannung zu gehen (S. 151).

Im Frühjahr des Jahres 58 eilte Cäsar hinüber nach Gallien, dem Lande der Kelten. Von diesem Lande besaßen die Römer damals nur den südöstlichen Teil (s. S. 116); das übrige Gallien war von den Römern noch nicht bezwungen. Hier fand Cäsar in achtjährigem Kriege (58–51) Gelegenheit, das römische Reich um drei große Provinzen zu vergrößern, sich selber aber den Ruhm eines der größten Feldherrn zu erwerben und ein ihm treu ergebenes großes Heer zu bilden, mit dessen Hilfe er sich bald der Reichsherrschaft selber bemächtigen konnte.

Gleich im ersten Jahre seiner Statthalterschaft geriet er in Kampf mit den gefürchteten Germanen. In einem Zwiste der gallischen Äduer und Sequaner hatten die letzteren den Sueben Ariovist vom rechten Rheinufer her zu Hilfe gerufen. Dieser besiegte die Äduer und setzte sich mit seinen Scharen, die allmählich auf 120000 Mann anwuchsen, im Lande der Äduer fest. Auch die Sequaner zwang er ein Dritteil ihres Landes ihm zu überlassen, und ein zweites Dritteil nahm er gerade für neue Ankömmlinge in Anspruch, als Cäsar von Äduern und Sequanern zu Hilfe gerufen ward. Ariovist war unter Cäsars Konsulat mit dem Ehrentitel „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“ ausgezeichnet worden und stand mit diesem bis dahin in gutem Vernehmen. Dennoch glaubte Cäsar die fortwährenden Zuzüge der Germanen nach Gallien, die auch für die römische Provinz gefährlich werden konnten, hindern zu müssen, und forderte den Ariovist zu einer Unterredung auf. Dieser aber gab die stolze Antwort: wenn er selbst von Cäsar etwas begehren sollte, so würde er selbst ihn aufsuchen; so möge Cäsar das Gleiche tun und zu ihm kommen. Übrigens begreife er nicht, was die Römer in diesem seinem Gallien zu tun und zu sagen hätten. Hierauf ließ ihn Cäsar auffordern den Galliern ihre Freiheit wiederzugeben und keine Germanen mehr über den Rhein kommen zu lassen. Dagegen erklärte Ariovist: es sei Brauch des Krieges, daß die Sieger über die Besiegten nach Gutdünken herrschten; auch die Römer herrschten über die Besiegten nach eigenem und nicht nach fremdem Ermessen. Wie er den Römern nicht vorschreibe, wie sie ihr Recht gebrauchen sollten, so wollte auch er in seinem Rechte vom römischen Volke nicht behindert sein. Wenn übrigens Cäsar Krieg wolle, möge er nur kommen; dann werde er einsehen, was seine noch nie besiegten Germanen, die in vierzehn Jahren harten Kriegsdienstes unter kein Dach gekommen wären, auszurichten vermöchten.

Als hierauf Cäsar die Hauptstadt der Sequaner Vesontio (Besançon) besetzte und eine Schlacht bevorstand, wurde das römische Heer von gewaltiger Furcht und Mutlosigkeit überfallen. Die Gerüchte von der Wildheit und Unüberwindlichkeit der Germanen, deren Mienen und feuriger Blick nicht zu ertragen seien, hatten ein Zagen und Klagen unter den Legionen erregt. Viele Offiziere, meist junge vornehme und des Krieges noch ungewohnte Männer, verlangten unter allerlei Vorwänden Urlaub, um nach Hause zu gehen; andere machten ihr Testament. Aber durch eine kräftige Rede wußte Cäsar die Verzagten zu beschämen und den Mut seiner Legionen wieder aufzurichten. In der bald darauf folgenden Schlacht, in der Gegend zwischen Vesontio und dem Rhein, wahrscheinlich in der Nähe von Mülhausen im Elsaß, siegte die römische Kriegskunst über die Germanen, die völlig geschlagen wurden. Ariovist rettete sich auf einem Kahne über den Rhein.

In den folgenden Jahren zwang Cäsar, unter blutigen Kämpfen und nach wiederholten Aufständen, fast alle gallischen Stämme sich der römischen Herrschaft zu unterwerfen. Auch war er der erste Feldherr, der zweimal nach Germanien (55 und 53) und Britannien (55 und 54) übersetzte, nicht um auch diese Länder dauernd zu behaupten, sondern um ihre kriegslustigen Völker von Einfällen in Gallien und Unterstützung der Gallier abzuschrecken.

Gallien schien endlich beruhigt, als sich im Jahre 52 noch einmal alle gallischen Völkerschaften zwischen Seine, Loire und Garonne zu einem Kampfe um ihre Freiheit erhoben. An der Spitze derselben stand der kräftige und kluge Vercingétorix, ein Fürst der Arverner. Allein die Geistesgegenwart und Feldherrnkunst Cäsars, sowie die Tüchtigkeit seiner Legionen, insbesondere auch die Tapferkeit germanischer Söldner trug einen entschiedenen Sieg davon. Der Krieg zog sich endlich um die Stadt Alesia (heute Alise St. Reine, zwischen Dijon und Chatillon) zusammen. In diese hochgelegene feste Stadt warf sich Vercingetorix mit 80000 Mann, worauf Cäsar Stadt und Lager der Feinde mit 60000 Mann einschloß, indem er eine Umwallung von fast zwei Meilen an Umfang errichtete und dann eine zweite noch ausgedehntere Reihe von Befestigungen aufwarf, um sich gegen ein Heer von 257000 Mann zu schützen, welches heranzog, um Alesia zu entsetzen. Aber sowohl gegen die Ausfälle der Belagerten als gegen die Angriffe der Gallier, die von außen seine Werke umzingelten, behauptete sich Cäsar mit Beharrlichkeit und Glück. Die Heerhaufen der Gallier wurden geschlagen und zogen einzeln wieder davon; Vercingetorix sah keine Hilfe mehr, und in der Stadt nahm Hunger und Elend immer mehr zu. Da faßte er den Entschluß durch Aufopferung seiner selbst die Eingeschlossenen zu retten. In voller Rüstung, auf seinem besten Roß, erschien er vor dem Sieger, umritt dessen Tribunal, gab dann Roß und Waffen ab und ließ sich schweigend auf den Stufen zu Cäsars Füßen nieder. Fünf Jahre später ward er bei Cäsars Triumph durch die Straßen Roms geführt und dann enthauptet. Nach der Übergabe von Alesia baten die abgefallenen Völker um Frieden. Der Widerstand der Gallier war gebrochen, und nur wenige Stämme versuchten noch, aber ohne allen Erfolg, das Glück der Waffen. Cäsar konnte die Unterwerfung Galliens als vollendet betrachten. Er hatte in diesen Kriegen 800 Städte erobert, 300 Völkerschaften unterworfen und im ganzen eine Million Streiter vernichtet, zwei Millionen aber zu Gefangenen gemacht.

2. Cäsars Kampf gegen Pompejus (49–48).

Während Cäsar Gallien unterjochte, blieb Pompejus fortwährend in Rom, um durch seine Gegenwart seine Macht zu behaupten und zu erhöhen. Im Jahre 55 bekleidete er mit Crassus zum zweiten Male das Konsulat, nach dessen Ablauf dem Crassus Syrien, ihm selber Spanien und Afrika als Provinzen zufielen. Cäsar hingegen erhielt die Erneuerung seiner Statthalterschaft auf weitere fünf Jahre.

Crassus eilte nach Syrien, um von dort aus einen Feldzug gegen die Parther, die Nachbarn der Meder und Perser, welche mit ihren zahlreichen Reiterscharen von Osten her die römischen Provinzen in Vorderasien seit mehreren Jahren heimsuchten, zu unternehmen. Aber in unersättlicher Habsucht brachte er seine Zeit damit zu allenthalben Geld zu erpressen und die Tempelschätze zu plündern, wie er denn im Tempel zu Hierapolis tagelang mit Abwägen des Goldes beschäftigt war. Inzwischen gewannen die Parther Zeit zu mächtigen Rüstungen, und als es dann in Mesopotamien bei Karrhä zur Schlacht kam, wurde er gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzug ließ er sich durch den parthischen Feldherrn in einen Hinterhalt locken, in dem er verräterisch getötet ward (53).

Durch den Tod des Crassus hatte sich das sogenannte Triumvirat in ein Duumvirat, d. h. in eine Verbindung zweier Männer verwandelt. Da aber im Jahre 52 Julia, die Tochter Cäsars und Gemahlin des Pompejus, welche bis dahin die Eintracht zwischen den beiden Machthabern erhalten hatte, starb, so wurde die Verbindung zwischen ihnen, die ja nie aufrichtig gemeint war, noch mehr gelockert. Pompejus war nach Ablauf seines Konsulates nicht in seine Provinzen gegangen, sondern ließ sie durch Legaten verwalten, um nur immer in Rom zu sein, wo es ihm gelang für das Jahr 52 gegen alles Herkommen, zum alleinigen Konsul ernannt zu werden. Dagegen unterließ aber auch Cäsar nicht durch Bestechungen die einflußreichsten Männer in Rom zu gewinnen, darunter den talentvollen und beredten Volkstribunen Curio. Als nun der Zeitpunkt herannahte, wo die feindselige Spannung zwischen beiden Männern in offenen Kampf ausbrechen sollte, überließ sich Pompejus einer großen Sorglosigkeit, ohne an Gegenrüstungen zu denken. Als ihn jemand daran erinnerte, äußerte er in stolzer Zuversicht: „Wo ich nur in Italien mit dem Fuße auf die Erde stampfe, da werden Legionen hervorkommen.“

Cäsar gedachte sich um das Konsulat für das Jahr 49 zu bewerben, wollte aber nicht, nach der herkömmlichen Ordnung, ein halbes Jahr vor dem Antritt des Amtes sich persönlich in Rom bewerben. Denn dann hätte er seine Stellung als Statthalter der ihm übertragenen Provinzen zuvor verlassen und seine Legionen abgeben müssen, und wäre als Privatmann gegen die Angriffe seiner Gegner machtlos geworden. Aber eben deshalb bestand auch der Senat hartnäckig auf der Forderung, daß er nur persönlich, nicht aus der Ferne, und als Privatmann, ohne Amt und Heerbefehl, als Bewerber um das Konsulat auftreten solle. An dieser Frage entzündete sich der seit lange drohende Kampf. Denn Cäsar forderte, daß dann auch Pompejus auf seine Provinzen und Legionen verzichten müsse. So wurde eine Zeit lang über die Frage, hin und her gestritten. Endlich beschloß der Senat, daß Cäsar seine Kriegsmacht abgeben sollte, wo nicht, so werde er als Feind des Vaterlandes betrachtet werden. Die dem Cäsar treu ergebenen Tribunen M. Antonius und C. Cassius erhoben leidenschaftlichen Einspruch. Da schritt der Senat zu dem äußersten Mittel: er erteilte den Konsuln unbeschränkte Vollmacht mit der alten Formel, „die Konsuln sollten darauf achten, daß das Gemeinwesen (res publica) keinen Schaden nehme“, und gegen Cäsars Unbotmäßigkeit mit Waffengewalt einzuschreiten. Jetzt flohen die beiden Tribunen, als wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, als Sklaven verkleidet, nach Ravenna, einer nahe an der Grenze gelegenen Stadt der gallischen Provinz, wo sich Cäsar damals aufhielt, und meldeten ihm, daß der Krieg gegen ihn beschlossen sei. Er war seit lange auf diesen Ausgang seines Streites mit Pompejus und der Senatspartei vorbereitet, und handelte nun mit seiner gewohnten Raschheit.

Er führte die Tribunen in derselben entwürdigenden Kleidung, in der sie zu ihm geflohen waren, vor die Reihen der Legion, mit der er nach Ravenna vorgerückt war, stellte ihnen das ihm widerfahrene Unrecht vor und schloß seine Rede mit der Frage, ob sie die Ehre ihres Feldherrn verteidigen wollten, unter dessen Anführung sie so viele glückliche Schlachten geliefert hätten. Freudig riefen alle, sie wären bereit ihn zu verteidigen, und gelobten ihn niemals zu verlassen, wohin er sie auch führen würde. Kaum war er der Treue seiner Legionen gewiß, so schickte er sie heimlich an den Fluß Rúbico, der seine Provinz von dem eigentlichen Italien trennte. Er selbst blieb bis zu Ende des folgenden Tages in Ravenna. Um sein Vorhaben zu verbergen und keinen Verdacht zu erregen, besuchte er früh ein öffentliches Schauspiel, besah zur Mittagszeit die Anlage einer Fechterschule, die er zu Ravenna bauen lassen wollte, und gab gegen Abend seiner Gewohnheit gemäß ein großes Gastmahl. Erst nach Sonnenuntergang stand er von Tische auf, unter dem Vorwand, daß er durch ein kleines Geschäft abgerufen werde, und mit dem Versprechen sobald als möglich wiederkommen zu wollen. Aber er kam nicht zurück. Er reiste vielmehr mit seinen vertrautesten Freunden zum Fluß Rubico, den er vor Tagesanbruch erreichte. Und nun stand er im Begriff den Krieg gegen sein Vaterland zu beginnen, denn mit dem Übergang über den Grenzfluß überschritt er zugleich seine amtliche Befugnis und erhob die Fahne der Empörung gegen die bestehende Staatsordnung. Es war der Beginn des Bürgerkriegs. Ein solches Beginnen mußte, wenn auch seit lange von Cäsar erwogen und beschlossen, ihm in letzter Stunde noch einmal alle damit verbundenen Bedenken und Gefahren vor die Seele führen. Wohl möchten diese Gedanken auch eines Cäsars Geist erschüttern. „Noch ist es Zeit zurückzukehren“, sagte er zu seinen Freunden, „sind wir aber einmal über diese Brücke gegangen, dann muß alles mit den Waffen entschieden werden.“

Lange, so erzählt man, stand er und sann. Endlich rief er: „Wohlan, die Götter wollen es, die Feinde fordern uns, der Würfel sei geworfen!“ Und sogleich ließ er seine Truppen hinübergehen, rückte in größter Eile vor Ariminum (Rimini) und nahm diese Stadt noch am Morgen des Tages ein.

Zu spät erwachte jetzt Pompejus aus dem Schlummer der Sorglosigkeit. Auf seine Soldaten, die, wenn auch 30000 Mann stark, keine Lust hatten sich mit Cäsars sieggewohnten Legionen zu schlagen, konnte er sich nicht verlassen. Jetzt mußte er sogar den Vorwurf hören, er möge doch nun die verheißenen Legionen aus der Erde hervorstampfen! Dagegen rückte Cäsar in raschem Siegeslauf die Küste entlang und nahm ohne Schwertstreich eine Stadt nach der anderen. Da verlor Pompejus den Mut; er verließ Rom mit den Konsuln, den meisten Senatoren und allen seinen Anhängern, und ging nach Capua, wo seine Legionen standen. So übereilt war die Flucht, daß die Konsuln den gefüllten Schatz in Rom zurückließen und sich begnügten nur die Schlüssel mitzunehmen. Von Capua eilte Pompejus nach Brundisium (Bríndisi), um von da über das Meer nach Griechenland zu gehen. Ohne Kampf überließ er Italien seinem Gegner.

Cäsar, von dessen Siege man die Wiederkehr der Schreckenszeiten unter Marius und Sulla befürchtete, verfuhr allenthalben mit unerwarteter Milde und zuvorkommender Großmut. Auch Sardinien und Sizilien kamen ohne Kampf in seine Gewalt. Den Zugang zum Schatz in Rom ließ er erbrechen und erklärte dem Tribunen Metellus, der dies verhindern wollte, daß er ihn bei fortgesetztem Widerstande werde hinrichten lassen, indem er hinzufügte: „Wisse, junger Mann, daß es mir schwerer fällt dies zu sagen als zu tun.“ Im Schatze fand er 26000 Barren Goldes und 40 Millionen Sesterzen. In 60 Tagen ward er Herr von Italien und hatte alle Gemüter durch Freundlichkeit und Wohlwollen beruhigt. Die Bewachung der Stadt übergab er dem Lépidus, das Kommando in Italien dem Marcus Antonius, und zog dann nach Spanien, um dort „das Heer ohne Feldherrn“ und nach seiner Rückkehr „den Feldherrn ohne Heer“ zu bekämpfen. Bald nötigte er die Legaten des Pompejus in Spanien sich zu ergeben, und reiste dann nach Rom zurück, wo er sich zum Diktator ernennen ließ, aber schon nach elf Tagen diese Würde mit dem Konsulat vertauschte. Jetzt erst gedachte er den Pompejus selbst zu verfolgen und zu bekämpfen.

Dieser hatte indessen großartige Rüstungen betrieben. Aus den östlichen Provinzen des römischen Reiches und von verbündeten Fürsten hatte er Truppen, Schiffe und Geld zusammengebracht, und stand jetzt an der Spitze eines Heeres von 63000 Mann zu Fuß und mehr als 10000 Reitern, wozu eine Flotte von 800 Schiffen kam. Zugleich gab er durch den Glanz seines Hauptquartiers, wo ein großer Teil des römischen Adels versammelt war, und durch die Einrichtung eines eigenen Senates zu erkennen, daß er sich als den eigentlichen Machthaber und seinen Senat als den eigentlichen Sitz der Reichsregierung betrachtete. Cäsar fuhr mit sieben Legionen von Brundisium ab und landete an der Küste von Epirus; die leeren Schiffe sandte er zurück, Antonius sollte die übrigen fünf Legionen auf ihnen hinüberführen. Aber von diesen Schiffen wurden 30 von einem Legaten des Pompejus abgefangen, die übrigen durch die Stürme des Winters an der Überfahrt gehindert. Ungeduldig vor langem Warten bestieg Cäsar selbst in einer stürmischen Nacht in Sklavenkleidung eine Barke, um nach Brundisium zu segeln und die Einschiffung seiner Truppen zu beschleunigen. Aber das Meer war so ungestüm, daß der Steuermann wieder umkehren wollte. Um ihn zu neuer Anstrengung zu ermuntern, wagte Cäsar sich ihm zu entdecken: „Sei guten Mutes!“ rief er, „du fährst Cäsar und Cäsars Glück!“ Dennoch mußte er den allzu mächtig tobenden Elementen weichen und in den Hafen zurückkehren. Endlich landete Marcus Antonius mit den übrigen Legionen.

Anfangs ließ sich der Krieg in Epirus für Cäsar ungünstig an. Bei Dyrrháchion (Durazzo) durchbrach Pompejus seine Verschanzungen und brachte ihm einen großen Verlust bei. Darauf zog Cäsar, dessen Heer den Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen nicht länger tragen konnte, über das Gebirge nach dem fruchtbaren Thessalien hinüber.

Hier kam es in der Ebene von Pharsálos zur entscheidenden Schlacht (9. August 48). Das Heer des Pompejus betrug 47000 Mann zu Fuß und 7000 Reiter, und bildete eine zehn Mann tiefe Linie. Von Cäsars Heer waren nur 22000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter zur Stelle und in dreifacher Schlachtreihe aufgestellt. Da Pompejus mit seiner Reiterei den linken Flügel hielt, weil sein rechter von einem Fluß gedeckt war, so stellte sich Cäsar mit seiner treuen, in vielen Schlachten bewährten zehnten Legion und sechs Kohorten kräftiger Germanen, jenem gegenüber, hinter seinem rechten Flügel auf.

Pompejus befahl seinen Soldaten den feindlichen Angriff ruhig zu erwarten. Cäsar dagegen ließ, um den Stoß auf den Feind zu verstärken, sein Heer anlaufen, dann mitten im Anlauf ein wenig halten und sich ordnen, und so auf den noch immer ruhigen Feind anstürmen. Zwar warf des Pompejus Reiterei die des Cäsar, wurde aber mitten im Vorstürmen plötzlich von der zehnten Legion und den deutschen Kohorten so empfangen, daß sie die Flucht ergriff, worauf die verfolgenden Kohorten Cäsars dem linken Flügel des feindlichen Fußvolkes in den Rücken fielen und durch dessen völlige Versprengung den Sieg herbeiführten. Am meisten Ruhm erntete im Heere Cäsars der Centurio Crástinus. Dieser rief seinen Kameraden zu: „Wohlan, ihr Kriegsgefährten! Mir nach und leistet eurem Feldherrn den Dienst, den ihr ihm verheißen habt; dieser eine Kampf ist noch übrig, dann wird er seine gebührende Würde und wir unsere Freiheit erlangen.“ Dann sagte er mit einem Blick auf Cäsar: „Heute, Feldherr, will ich mir deinen Dank verdienen, ob ich falle oder am Leben bleibe!“ Nach diesen Worten stürzte er sich an der Spitze von 120 Auserlesenen auf den Feind, in deren Mitte er aufs tapferste kämpfend den Tod fand.

Die geschlagenen Truppen des Pompejus flohen ins Lager, wohin sich dieser schon gleich nach der Flucht seiner Reiter begeben hatte. Noch saß er wie betäubt und sprachlos in seinem Zelte, als man ihm meldete, der Feind habe schon die äußeren Schanzen genommen. „Also gar bis in unser Lager!“ rief er bestürzt und fassungslos, vertauschte sein purpurnes Feldherrngewand mit einem schlichten Kleide, warf sich auf ein Roß und floh, von wenigen Getreuen begleitet, in der Nacht durch das Tal Tempe dem Meere zu.

Indessen eroberte Cäsar das feindliche Lager mit Sturm; 15000 Feinde lagen tot oder verwundet. Der Rest des feindlichen Heeres, der sich gerettet hatte, gegen 20000 Mann, ergab sich am folgenden Morgen, während Cäsar nur 30 Hauptleute und 200 Gemeine verloren hatte. Allen Gefangenen schenkte der Sieger Leben, Freiheit und Eigentum. Die Gemeinen nahm er in sein eigenes Heer auf. Die gefangenen Senatoren dagegen und Ritter wurden fast alle mit dem Tode bestraft, nur wenige fanden Schonung und Gnade; die übrigen suchten ihr Heil in der Flucht nach den westlichen Provinzen, denn der ganze Osten fiel alsbald in die Gewalt des Siegers.

Als Pompejus auf seiner Flucht an das Meer gelangt war, bestieg er ein Schiff und segelte nach der Stadt Amphípolis in Makedonien, wo er den Befehl ausgehen ließ, daß alle junge Mannschaft dieser Provinz sich zur Werbung einstellen sollte. Wahrscheinlich tat er dies, um den Plan seiner ferneren Flucht zu verbergen; denn nur eine Nacht blieb er bei Amphipolis vor Anker, dann segelte er weiter nach der Insel Lesbos, um seine Gattin Cornelia, die sich dort aufhielt, zu sich zu nehmen. Durch einen Boten ließ er ihr die Nachricht von seiner Niederlage mitteilen. Die unglückliche Frau, welche in dem süßen Wahn lebte, daß Cäsar seit dem Verluste bei Dyrrhachion schon völlig besiegt sei, sank bei dieser Kunde sprachlos zu Boden, und als sie sich wieder aufgerichtet hatte, stürzte sie, einer Rasenden gleich, aus der Stadt dem Hafen zu; Pompejus kam ihr hier entgegen; sie fiel kraftlos in seine Arme. Pompejus, selbst des Trostes bedürftig, suchte sie zu ermutigen und stellte ihr vor, daß das Glück den, welchen es stürzt, auch wieder erheben könne.

Nach einigen Tagen segelte er mit seiner Gemahlin von Lesbos ab. Er hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen sich in den Schutz des Königs Ptolemäos von Ägypten zu begeben. Denn er durfte mit vollem Recht auf die Dankbarkeit und das Wohlwollen desselben hoffen, weil er selbst einst dessen Vater wieder auf den Thron gesetzt hatte. Er segelte also nach Pelusion, einer Stadt an der östlichen Mündung des Nils. Als er nicht mehr weit vom Ufer entfernt war, ließ er den König von seiner Ankunft benachrichtigen und um Schutz und Zuflucht bitten. Ptolemäos, erst dreizehn Jahre alt und noch unfähig selbst zu regieren, ließ sich von Achillas, dem Obersten seines Heeres, von seinem Vormund Potheinos und seinem Lehrer, dem Rhetor Theódotos, leiten. Diese drei Männer berieten über die Bitte des Pompejus. Anfangs waren sie in ihren Meinungen geteilt, zuletzt sagte Theodotos: „Nehmen wir ihn auf, so werden wir ihn zum Herrn und den Cäsar zum Feinde haben; weisen wir ihn zurück, so werden wir ihn beleidigen, weil wir ihm die Aufnahme versagt haben, und Cäsar nicht gewinnen, weil wir jenen haben entwischen lassen. Der beste Rat ist daher den Pompejus kommen zu lassen und sogleich zu töten; so beweisen wir uns dem Cäsar gefällig und brauchen uns vor Pompejus nicht zu fürchten! denn“ — setzte er hohnlachend hinzu — „die Toten beißen nicht mehr.“

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