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Erwachen und Bestimmung

Erwachen und Bestimmung

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Nach abgerastem Tag, der schlimme Lust, Verzweiflung, Hassen trug Und mir den Abend, da ich mild zurück mich fand, vergällte, Kam eine Nacht, die riesig windgetürmte Wogen schlug, Mit Wrack und Hilfschrei laut an meine Schlafesufer bellte. Ich sah mich in der Elemente Wut hineingetan Und spritzte mit der Brandung Donner hoch in rasendem Schwung. Und wieder trieb ich, wunderbar gelöst, in leichtem Kahn, Auf dunkelrotem See mit meines Bluts Verwilderung. Doch Sterne zogen am Gewölbe auf Und gaben Ruhe, wachsendes Besinnen. Und ließen Scham erglühn, die kein Entrinnen Mehr gönnte der Gesichte düsterm Lauf. Ein Strom von anderm Blut war ausgegossen Und dampfte schwarz und stockend in die Nacht; Drauf schwammen Menschenklumpen aus der Schlacht, Gebläht von Schärfe, giftigen Geschossen. Die Sternenbilder, grauenhaft verflochten, Sich spiegelten in dem gurgelnden Naß, Daß Ekel und ein grenzenloser Haß Mir in den Gaumen und die Schläfen kochten. Ein Fluch entschwelte dem erstarrten Munde Vor soviel Gräßlichem mit einemmal; Der rohe Mord, das Winseln, alle Qual Zusammenstürzte mir in diese Stunde. O Scham, zu atmen eine falsche Zeit, Die aufgetürmtes, unnennbares Leid Mit Phrasen, Lügen und mit Eitelkeit, Mit frechen Worten höhnisch überschreit! O Scham, selbstisch im kleinen Kreis zu liegen, Wo die Gewalt stachlichten Knüppel schwingt! Wo Menschheitsschmach von allen Türmen singt, Im Sattel der Gefühle hinzufliegen! — — — — — Ich tauchte, angstgeschüttelt, meine Hände, Die lustgewohnten, in das dunkle Bad Und schauerte zu Gott empor und bat, Daß er dies fürchterliche Schauspiel wende. Ein Schauspiel?! donnerten die Schlünde wider. O schnödes Wort! wie fuhr es in mein Hirn! Das noch der Mund sprach ohn’ Bedacht, indes die Stirn Sich neigte schon vor den Gewalten nieder. Es sprengte, berstend, die verwachsene Rinde, Warf den Erlebnis-Fetisch aus dem Schrein, Daß sich erschrocken mein erwachtes Sein Schwang in das Weh’n der morgenkühlen Winde — Doch eh’ mich noch der neue Tag umschallte Und mich verschlug in einen engern Raum, Ward ich erlöst durch einen dritten Traum, An den Zertretner ich mich rettend krallte: Tief in verworrener Wildnis hub es an, Ein Sausen, das sich tagwärts heller tönte Und brausend schwoll zu Chören, die (erst süß geahnt) erdröhnten, Als der erste Strahl des Lichts begann, Der auf mich traf mit unirdischer Helle. Doch Stimmen standen auf aus dem Gesang, und eine Welle Von Duft (aus frühen Gärten) und von Jauchzen schlug mir ins Gesicht. Und als sich klärte bald der Sinne heißes Drehen Und ich mich kühler hob aus dem verwirrenden Gischt: Sah ich mich ragend auf dem höchsten Punkt gebogener Brücke stehen, Von unten durchgleitenden Schiffen fröhliche Wimpel in den Sturz des blauen Himmels zu mir wehen; Die Arme warf ich weit und sprach zu Menschen, tausenden, beglückten, Die nach Not- und Elendjahren die verbrauchten Körper in den Teich der Sonne bückten. Meine Stimme sprang in den Taumel neugeborener Kreatur! Jubelnder Schrei schlug lohend empor .. Indes hinauf, hinab an der Ätherwand der versöhnende Bogen Gottes fuhr. Leicht an mein Ohr Durch das Tosen der Wasser Kam eine ferne Stimme, Gütig und furchtbar, Und sprach ein Wort, Das ungeheure Wort: Erwache! Da wußt’ ich mein Teil, Zu dem ich geboren; Sah meiner Brüder wühlendes Leid, Die verpestete Zeit Mit fanatischem Grollen Auf den Flammenwink endlos verschlungener Hände in den Orkus rollen. Sah wieder den göttlichen Bogen Und Paradiese blühen auf den blutgedüngten Ackerwogen.

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