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Die Heiligen der Merowinger

Inhaltsverzeichnis.

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Heiligenleben und Heiligengrab 1

Erstes Buch: Das Heiligenleben.

Die Unmöglichkeit einer Biographie. Die Schwierigkeiten psychologischer Beobachtung 2–6

Erster Abschnitt: Die Memorie.

Erstes Kapitel: Die Martinsschriften des Sulpizius Severus.

1. Das Martinsleben des Sulpizius Severus.

2. Der Erfolg des Martinslebens. Die drei Briefe. Allgemeiner Charakter der Dialogen.

3. Inhalt der Dialogen.

4. Die Martinsschriften des Sulpizius Severus in ihren Schwächen.

5. Zur Charakteristik des heiligen Martin. Sankt Martin der Standardheilige der Merowinger 6–35

Zweites Kapitel: Die Panegyriker.

1. Gallische Ehrenpredigten.

2. Ennodius von Pavia. Das Epiphaniusleben des Ennodius 35–46

Drittes Kapitel: Severinus von Noricum. Fulgentius von Ruspe. Cäsarius von Arles.

1. Das Severinsleben des Eugipius. Zur Charakteristik Severins. Eugipius als Schriftsteller. Das litterarische Milieu des Eugipius in Rom.

2. Das Leben des Fulgentius von Ruspe.

3. Das Leben des Cäsarius von Arles. — Die römische Hagiographie. Rufin. Gregor der Große 46–73

Zweiter Abschnitt: Die Forschung.

Alte merowingische Viten und Passionen 73–75

Viertes Kapitel: Die panegyrische Heiligenforschung des Venantius Fortunatus.

1. Martinsepen des Paulin von Périgueux und des Fortunat. Die sechs Heiligenleben des Fortunat.

2. Das Radegundenleben des Fortunat. Die heilige Radegunde. Das Radegundenleben der Baudonivia 75–87

Fünftes Kapitel: Die Heiligengelehrsamkeit des Gregor von Tours.

1. Martins-Chronologie Gregors. Gregors Schriften und ihr Heiligencharakter. Das sepulkrale und das memoriale Interesse.

2. Gregors Heiligenleben. Venantius. Lupizinus und Romanus. Abraham. Lupizin II. Portian. Martius. Patroklus. Urs und Leubas. Monegunde. Caluppan. Emilian und Bärchen. Senoch. Leobard. Illidius. Quintian. Gallus. Nicetius von Trier. Nicetius von Lyon. Gregor von Langres.

3. Gregors Charakteristik der älteren Herrscher. Childebert und Chlothar. Chlothars Söhne. Chilperich. Sankt Gunthram 88–121

Sechstes Kapitel: Heiligenleben des siebenten Jahrhunderts.

Die Hagiographie nach Gregor.

1. Der Desiderius des Königs Sisebut. Gaugerich von Cambrai.

2. Columban.

3. Jonas von Susa. Das Johannesleben des Jonas. Johannes von Reomaus. Das Leben des Vedastes von Arras. Die Hagiographenschule von Luxeuil.

4. Die Heiligenschreiber im Zeitalter der Königin Balthilde. Leodegar von Autun. Eligius von Noyon. Audoen von Rouen. Amand. Der harmlose Charakter der merowingischen Heiligenlitteratur 121–149

Dritter Abschnitt: Die Legende.

Siebentes Kapitel: Wanderheilige.

Das Wanderelement im Mythus und in der Heiligenwelt.

1. Sankt Christoph. Sankt Georg. Georg und Mithra. Georgs Stellung in der Religion des Orients. Georg im alten Frankenreiche.

2. Die Sieben Schläfer. Die Sage vom langen Schlaf. Die Siebenzahl und die Kabiren. Die Siebenschläfer von Marmoutiers.

3. Sankt Kümmernis und ihre Bilder. Die heidnische Grundlage des Kümmernisdienstes 151–174

Achtes Kapitel: Ortsheilige.

1. Die Gründungssagen fränkischer Bistümer. Dionysius von Paris. Fränkische Apostelbischöfe.

2. Die beiden Moritze. Die Walliser Sage und Theodor von Sitten. Der fränkische Moritz.

3. Zuwachs der thebäischen Legion, Verena. Verena als Gauheilige. Die Alamannengöttin Verena 175–190

Neuntes Kapitel: Geschichtsheilige.

1. Das Leben der Genovefa. Genovefa von Paris Fluß- und Kornheilige. Genovefa von Brabant. Die heilige Gertrud. Die Walküre Keretrud als deutsche Isis.

2. Sankt Oswald. Oswald englischer König und tiroler Wetterherr. Sankt Oswald ein christlicher Wodan.

3. Die Stellung der Franken zum Mythus. Der epische Martin der Franzosen. Der mythische Martin der Deutschen 191–209

Zweites Buch: Das Heiligengrab.

Der fränkische Gräberkultus 210–211

Vierter Abschnitt: Der Name.

Zehntes Kapitel: Die Grundheiligen.

Stammgräber elf kirchlicher Provinzen: Der Ersten bis Vierten Lyoner, der Ersten und Zweiten Belgischen, der Viennischen, Arelatischen, Ersten und Zweiten Aquitanischen und der Narbonensis 212–222

Elftes Kapitel: Das Reichsheiligtum.

Das Martinsgrab. Die Martinskirche von Tours. Sankt Julian von Brioude. Saint Denis 222–227

Zwölftes Kapitel: Missionen und Translationen.

1. Die gallischen Martinskirchen.

2. Die fränkische Martinsmission unter den heidnischen Germanen.

3. Tauschverkehr einheimischer Heiliger.

4. Einfuhr fremder Heiliger.

5. Die fränkische Verehrung der Urheiligen 227–237

Fünfter Abschnitt: Die Kraft.

Dreizehntes Kapitel: Die Reliquie.

1. Ausländische Reliquien, Memorialreliquien.

2. Die Reliquie als Kraftbehälter. Die Empfindlichkeit der Reliquie.

3. Die Reliquie als Persönlichkeit 237–248

Vierzehntes Kapitel: Der heilige Ort.

Heiligkeit ein kultischer Begriff.

1. Sankt Julian und die Kirchendiebe. Bestrafte Kirchendiebstähle.

2. Armenpflege und Gefangenenpatronage. Sankt Martin Patron der Gefangenen.

3. Der kirchliche Schutz des Geächteten. Das Asylrecht zu Sankt Martin in Tours 249–261

Fünfzehntes Kapitel: Amulet und Fluidum.

1. Die Reliquie in Laienbesitz. Kraftträger zweiter Ordnung.

2. Versinnlichung und Verstofflichung der Geisteswelt. Profanation der Reliquienverehrung. Moralischer Defekt und harmlose Naivität im Reliquienglauben 261–272

Sechster Abschnitt: Das Wunder.

Sechzehntes Kapitel: Die Erscheinung.

Der niedere Mythus Hauptschauplatz der Heiligenerscheinung.

1. Julian und Martin zweierlei Wetterheilige. Der Kampf gegen Wind- und Wasserwichte. Heilige Quellen.

2. Das Floramirakel der Baum- und Feldheiligen. Heilige Pflanzen.

3. Heilige Thiere. Die Stadien der persönlichen Erscheinung des Heiligen.

4. Anwendung physischer Reizung im Kultus: Krystallvision. Offizielle und private Glasschauung 272–287

Siebenzehntes Kapitel: Die Heilung.

1. Diagnostische und abergläubische Beobachtung.

2. Gliederkranke. Blinde. Das mantische Wesen der Geisteskranken.

3. Das Heilverfahren. Tempelschlaf. Die therapeutische Vision.

4. Der Glaube als wesentlichste Vorbedingung tatsächlicher Heilung. Der kirchliche Nutzen der Kurerfolge 287–304

Achtzehntes Kapitel: Der Glaube.

1. Die sieben Weltwunder und die sieben Himmelswunder. Die Wundermacht des orthodoxen Bekenntnisses. Die Wundermacht des Christentums gegenüber dem Judentum. Christus als Oberwunderthäter.

2. Beziehungen zum Orient. Abhängigkeit vom römischen Christentum. Der römische Geist der Heiligenorganisation. Die Deutung des Zufalls und die Traumphantasie. Die Macht und Umsicht in der Verwaltung des Wunderglaubens.

3. Heiligenglaube und Heidentum. Der Germanenbekehrer Martin von Bracara. Das Weiterleben der gestürzten Götter als Dämonen. Die Einbürgerung des Wunders im täglichen Leben. Das typische Wunder als kirchliches Zucht- und Beweismittel. Begründete Begeisterung der Franken für das Christentum 304–334

Geschichtliche Würdigung des merowingischen Christentums. Das Kulturfundament des Mittelalters 334–336

Die zwei Jahrhunderte merowingischer Geschichte, das sechste und das siebente, sind, vor andern, dunkel, wild und grausam gewesen. Und doch hat eben diese Zeit, mehr als sonst eine von diesem Umfange, den Kalender um Hunderte von Heiligen bereichert. Wohl mochte die Hegemonie des Lasters eine Steigerung der noch vorhandenen Tugend hervorrufen, aber eher auf dem finsteren Untergrunde jeder als Heiliger sich abheben, der nur einigermaßen einen rechten Wandel führte. Obwohl für damalige Begriffe zum Heiligen mehr gehörte und in den höheren Rang erst der hinaufrückte, der als Geistlicher zur Welt in Gegensatz trat, stellen für jene Zeit die Heiligen doch etwa das dar, was man heutzutage gute Gesellschaft heißt. Viele unter ihnen waren adelig, einzelne sogar Prinzen. Auch die Merowingischen Könige, so unheilig sie selbst waren, mit den Heiligen stellten sie sich, wo es nur immer anging, gut; in ihren Augen waren es Gewaltsmenschen, die nützen und schaden konnten. Auf alle Fälle waren im jungen Frankenreiche die Heiligen eine Macht.

An Heilige giebt es jedoch zweierlei Gedächtnis: das Andenken an den lebenden und das Andenken an den toten. Was sich an Erinnerung aufsammelte, was sich an Sage damit verband, wurde zum ›Leben‹, zum ›Leiden‹: Vita, Passio. War der Heilige gestorben, barg die Gebeine der geweihte Grabhügel, erhob sich über dem Hügel die Votivkirche, stand überdies der Todestag im Kalender und wurde zum Wallfahrtsfeste, so wurden die Gelübde, deren Empfänger, die Wunder, deren Urheber der Heilige dann war, auch litterarisch ›Wunder‹ und ›Kräfte‹: Miracula, Virtutes. Klause und Sarkophag sind Brennpunkte, um die sich Heiligengeschichte elliptisch abspielt. Einsiedler oder Reliquie, vor beiden sanken Fürst und Volk ins Knie. Der Glaube des Heiligen an Gott und der Glaube des Laien an den Heiligen verschwisterten sich und wirkten verbündet.

Die Ueberlieferung von den Heiligen ist fragwürdig. Desto mächtiger fordert sie untersucht zu werden. Es gilt zunächst die Vorstellungen der Nachwelt vom Heiligenleben zu betrachten und dann die gläubigen Handlungen, die dem Heiligengrabe gewidmet waren.

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