Der Deutsche Lausbub in Amerika
Reading edition
3ter Teil


von
Erwin Rosen

Der Deutsche Lausbub in Amerika
Erinnerungen und Eindrücke von Erwin Rosen
Dritter Teil
Zwölfte Auflage
Verlag — Robert Lutz — Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
Druck von A. Bonz' Erben in Stuttgart.
Copyright 1913 by Robert Lutz, Stuttgart.
Inhaltsverzeichnis
Seite
Von der Zeltstadt zum Signalfort.
Im Gesundheitslager. — Was Sergeant Souder als Engelein tun würde. — Die auf-neu lackierten Fahrräder. — Reiseorder! — Ahnungen von harter Arbeit. — Wie wir mit dem 21. Infanterieregiment pokerten. — Nachwirkungen des Kubakrieges. — Vom geruhigen Leben des amerikanischen Regulären. — Der bestbezahlte und am wenigsten arbeitende Soldat der Welt. — Vom verschwenderischen Onkel Sam. — Wie der Reguläre auf Staatskosten marschiert. — Vorzügliche Soldaten, aber keine Armee. — Major Stevens übernimmt das Signalfort 21
Das Signalfort bei Washington.
Orville Wright in Fort Myer. — Eine Erinnerung. — Der amerikanische Nationalfriedhof. — Unser Einzug ins Fort. — Hastings und der Kavalleriewachtmeister. — Major Stevens und sein Oho! — Die erste Paroleausgabe. — Im Materialdepot zu Washington. — Amerikanische Wirtschaft aus dem Vollen. — Wie der Major zauberte. — Hastings will verdammt sein 41
Arbeit und Allotria.
Die gemütlichen Plakatrekruten. — Wie wir sie müde machten. — Ein verrückter Tag. — Hastings sammelt den Honig des Fleißes. — Wie uns der Major müde machte. — Die neue Arbeit. — Automobilversuche. — Immer noch ein verrückter Tag. — Die Majorin mit der Silberstimme. — Das geheime Liebestelephon. — Sonstige Allotria. — Die ersten amerikanischen Versuche mit drahtloser Telegraphie. — Die Wunderröhre des Kohärers. — Das Wunder spricht 60
Ich nehme meinen Abschied.
Acht Wochen der Macht. — Veränderungen im Korps. — Ich werde ins Kriegsministerium kommandiert. — General Adolphus W. Greely. — Mein Entlassungsgesuch. — Die weggeworfenen 1200 Dollars. — Von Beamtinnen Onkel Sams und Dampfaustern. — Ich bin entlassen. — Sergeant Souder wird Offizier. — Abschied von Major Stevens. — Nun fängt ein neues Leben an 92
Nun fängt ein neues Leben an.
Nur weg mit alten Dingen. — Das neue Ich im neuen Anzug. — Im Virginiahotel zu Washington. — Mumm extra dry. — Das Filmbild der Erinnerung. — Was Rockefeller mit 600 Dollars anfinge. — Was ich damit unternahm! — Empfang beim Präsidenten McKinley. — Die idiotische Zeremonie. — Ein schneller Entschluß. — Ich fahre nach Neuyork. — Das neue Leben hat begonnen ... 105
Wie mich Neuyork empfing.
Ankunft in Neuyork. — Der Lichterwahnsinn in der Luft. — Der Wirrwarr der Riesenstadt. — Die elegante Pension. — Mrs. Bailey. — Nicky und Flossy. — Die eingeschneite Riesenstadt. — Der Humor auf der Straße. — Fünf Minuten auf der Redaktion des New York Journal. — »Sie haben gar keine Aussichten!« — »Herrgott, war das ein süßer Anfang« 116
Im Zeitungsgetriebe.
Ich diktiere den ersten Artikel. — Bei Flossy. — Das Gummimädel. — Das erste Honorar. — Im Zeitungsklub. — Die Tammaniten. — Wie man von Ideen lebt. — Zeitungsatmosphäre. — Die Tat der Miß Flynn. — Eine große Sensation und ihre Folgen. — Landsknechte der Feder. — Der Marschallstab im Füllfederhalter. — Das kleine Herrgöttlein! 137
Landsknecht der Feder.
Meine allerersten Nerven! — Die Morgenarbeit. — Die Jagd nach der Anregung. — Wo sie zu finden ist! — »Nur nichts Naheliegendes!« — Die Schwitzmädel-Idee. — Wie sie im Zeitungshirn arbeitet. — Der Sensationsprozeß. — Mittagessen à la Neuyork. — Der Mann, mit dem ich einst Codfische pökelte. — Vom Stockfischarbeiter zum Hochfinanzier. — In der Bank. — Das Warenhaus. — Die Amazonenschlacht um den Frühlingshut. — Der Oster-Hut-Trust! — Bei Delmonico. — Träume. — »Einmal ein Zeitungsgaul, immer ein Zeitungsgaul.« — Der Zeitung verfallen mit Haut und Haaren 155
Neuyork und die Neuyorker.
Im Zeppelin über Hamburg. — Die deutsche Hansestadt und das geheimnisvolle Neuyork. — Der Guldensinn der Mynheers, die Neuyork gründeten. — Her mit dem Dollar! — Das Wunderkind mit dem Wasserkopf. — Sein Wachstum. — Der Geist des Wolkenkratzers. — Die Ungereimtheit der Gegensätze. — Neuyorks fremdes Menschenfutter. — Der Zweckmäßigkeitsmensch. — Der arme Milliardär und seine Rätsel. — Die Ehre der Arbeit. — Geldverdienen als Sport. — Die Seele Neuyorks: Tätigstes Leben 183
Die sogenannte Amerikanerin.
Der Lausbub und die Frauen. — Die dumpfe Sehnsucht. — Der Mädelknopf. — Der langweilige Zeitungsgeselle. — Nicky's und Flossy's Privatansichten. — Die Frauen meiner Freunde. — Mrs. Burton und ihre Ehe. — Gibt es eine amerikanische Frau? — Die Becken-Theorie. — Die verdienende Amerikanerin. — Die Tragödie der Arbeit. — Frauentypen. — Die tolle Abstinenzlerin. — Frauenverehrung? — Der grobzotige Amerikaner. — Das Gibsongirl. — Tausend Wahrheiten und tausend Widersprüche. — Es gibt doch keine Amerikanerin! 203
Wie das Wandern wieder begann.
Meine periodische Frühlingsdummheit. — Das große Neuyork ist zu klein für mich. — Die Sehnsucht nach dem großen Ereignis. — Hinaus! Erleben! — Die neue Wanderschaft beginnt. — Journalist im Herumziehen. — Der pennsylvanische Bergarbeiterstreik. — Der Sergeant wird ausgepumpt. — Ich schlage der Miliz ein Schnippchen. — Die Bergleute schlagen mir ein Schnippchen. — Das Ende des Streiks. — Seine Ursachen. — Ein raffiniertes Ausbeutesystem. — Die Blechmarkenwirtschaft. — Journalistenfahrten kreuz und quer. — Das Ereignis fehlt immer noch ... 224
Vor dem letzten Lausbubenstreich.
Im St. Louis'er Palasthotel. — Der einstige Geschirrputzer und seine vergnügte Stimmung. — Weshalb ich nach St. Louis gekommen war. — Sergeant O'Bryan der Polizeizentrale. — Was der betrunkene Mann verriet. — Die Leichenräuber. — Ihr Geständnis und meine »copy«. — Frederick Haveland, der Mann mit den vielen Namen. — Der Gentleman mit der dunklen Existenz. — Dynamite-Johnny, der Dynamit-Kapitän. — Von Flibustiern und Gesetzlosigkeit. — Haveland macht mir einen Vorschlag. — Mein großes Ereignis. — Eine nebelhaft unklare Expedition nach Venezuela: Der letzte Lausbubenstreich ... 243
Wie ich Flibustier wurde.
In Galveston. — »Na, immer noch nicht gehenkt?« — Die undurchsichtige Venezuela-Transaktion. — Ich lasse mich auf ein »Geschäft ohne Reden« ein. — Flibustier. — Das Werben der Rekruten. — Jack, der Nevadamann. — »Wenn ich heute Haveland erwischen könnte!« — Wir schmuggeln uns auf den Dampfer. — Unterwegs nach Venezuela. — Die »City of Hartford.« — Klarierte Ladung mit Nebenzwecken. — Ein kleiner Namenwechsel auf hoher See 262
In Venezuela.
Auf dem Karibischen Meer. — Das Erschlaffende der Tropenfahrt. — An Ort und Stelle. — Die geheime Landung. — Der Fußpfad im Urwald. — »Santa madre de Dios«. — Das einsame Haus. — Der kranke Mann darin. — Wie Percy F. Matthews und Fred Haveland sich einigten. — Zurück zum Dampfer. — Wir werden beschossen. — Geplänkel im Urwald. — Die Raketen. — Weiter, weiter! 279
Das Ende des letzten Streichs.
Endlich am Strand. — Der Dampfer wartet. — Das überfüllte Boot. — Jack und ich bleiben zurück. — Der Dampfer läßt uns im Stich. — Das Kriegsschiff der Vereinigten Staaten. — Wir geben Raketensignale und ein Boot holt uns ab. — Der Marinekadett verhaftet uns. — Ein altes Gesicht. — Eine kleine Ohnmacht. — Der Wahnsinn der Wirklichkeit. — Wie durch Billys Hilfe sich alles in Wohlgefallen auflöste — Das Nebelhafte ... — Wie schön es ist, etwas nicht zu wissen — — — 294
Fahrwohl, Amerika! 301
Rückblick. 307
Vorwort
Vorwort
Ein Wörtchen der Entschuldigung:
Es tut mir leid, daß ich die absonderlich wahre Geschichte von dem, was in sechs amerikanischen Lausbubenjahren erlebt, gesehen und gearbeitet wurde, betrüblicherweise durchaus nicht in harmonischer Abrundung beschließen kann. Wie erfreulich wäre es zum Beispiel gewesen, wenn sich der Lausbub zu gigantischem Milliardärtum emporgeschwungen hätte; wie nett, würde er einen Goldklumpen gefunden haben und stolz nach Hause zurückgekehrt sein wie die glücklichen Menschen im Märchen; wie gut und schön, hätte er nach diesen gärenden Zeiten der Lebensjagd sich zu klugem, weisem Tun gefunden!
Doch nichts von alledem war zu berichten.
Nur ein drittes Stück wirklichen Lebens konnte ich geben — nur ganz einfach erzählen, wie es mir im amerikanischen Sergeantenrock ergangen ist, was ich als Reporter im Dollarland getan und gesehen habe, in welchen Formen Menschen und Dinge sich in meinem Sinn einst spiegelten. Wer aus dem Erleben des kleinen Reporters das Wesen der amerikanischen Zeitung herausklügeln wollte, der wäre gar närrisch... Wer ein unerhörtes Abenteuer mitzuerleben vermeint, wenn er von der Venezuelafahrt liest, die mich zum guten Schluß in die Eigentümlichkeiten exotischer Zustände auf gar närrische Weise ein wenig hineingucken ließ und beinahe ein unfröhliches Ende genommen hätte — der sieht sehr gegen meinen Willen diese Dinge in einem falschen Licht! Denn so fremdartig die Abenteuerlein in diesen Büchern manchmal erscheinen mögen, so winzig und unbedeutend sind sie, gemessen am Maßstab der großen Wirklichkeiten, die in Hunderten und Aberhunderten von Erdenwinkeln und in den Schicksalen von Tausenden und Abertausenden von Menschen die Romantik unserer Zeit verkörpern und aus jedem Zeitungsblatt herauszuahnen sind. Nein; die äußeren Ereignisse in meinem amerikanischen Leben sind unwichtig. Wer aber aus all dem Auf und Nieder, aus all der Tollheit, aus all dem Arbeiten die frohe Lebensbejahung, das Unbekümmertsein, das lustige Sichherumschlagen mit den Nöten der Wirklichkeit herauszulesen und sich zu freuen vermag über die kraftvolle Sorglosigkeit der Jugend — der mag mir Freund und Bruder sein!
Denn er ist ein Mensch nach meinem Herzen.
Hamburg im Sommer 1913
Erwin Carlé (Erwin Rosen)