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China und Japan

Erster Teil: China. (continued 9)

Reading edition

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Tatarengeneral mit Gefolge.

❏ GRÖSSERES BILD

Die Truppen der einzelnen Provinzen sind nicht in Regimenter und Bataillone eingeteilt, sondern liegen in Abteilungen verschiedenster Stärke in Städten, Forts oder in einzelnen Lagern. Jede Provinz ist in eine gewisse Zahl militärischer Distrikte unter dem Befehl eines Obersten eingeteilt, und in jedem Distrikt befinden sich mehrere Lager. In den Städten versehen die Garnisonen gleichzeitig den Polizeidienst, denn Polizei im europäischen Sinne giebt es in China nicht. In den Lagern, besonders wenn diese auf dem Lande gelegen sind, hat der Soldat nicht viel zu thun. Ausgenommen zur Zeit der Manöver oder bei Inspektionen durch die Kommandierenden, beschäftigt er sich mit Ackerbau, Gartenzucht oder allerhand Gewerben. Gewöhnlich ist er auch noch verheiratet und hat Weib und Kind bei sich.

In jeder Provinz giebt es einen Mandschu- oder Tatarengeneral, der unabhängig von dem Provinzgouverneur seine (kaiserlichen) Mandschutruppen befehligt und direkt der Zentralregierung untersteht, außerdem noch einen General der Provinztruppen. Der kommandierende General von Schantung hat sein Hauptquartier nicht in der Kaiserstadt, sondern in Yentschou-fu, wo ich Gelegenheit bekam, Tieng-min-leh, dies sein Name, kennen zu lernen. Er erwies mir nämlich die Ehre seines Besuches. Ihm voraus trabte seine berittene Leibgarde, mit kurzen Schwertern bewaffnet, dann kamen die Träger der Zeremonienschirme und fantastisch geformten, auf langen Stangen sitzenden Zeremonienwaffen, endlich der Karren des Generals, umgeben von zwölf Schwertträgern. Militärmandarine bedienen sich bei Ausgängen oder Besuchen gewöhnlich eines zweiräderigen Maultierkarrens, Zivilmandarine der Sänfte. Der alte Herr war von einer Liebenswürdigkeit, wie ich sie noch bei keinem Mandarin angetroffen hatte. Er blieb eine halbe Stunde bei mir sitzen, sprach unter anderm von Napoleon III. und Moltke, dessen Schriften, ins Chinesische übersetzt, sich in seiner Bibliothek befänden. Er erwähnte auch, er hätte in den chinesischen Zeitungen Shanghais und Pekings von meiner Reise gelesen, sowie von meiner publizistischen Thätigkeit zu Gunsten Chinas während des japanischen Krieges, und ich könne in China überall des freundlichsten Empfanges sicher sein. Er sei ein großer Freund der Deutschen, hätte von diesen viel gelernt und ließe auch seine Truppen nach deutschem Muster drillen. Wie diese aussehen, ist aus den Abbildungen dieses Kapitels zu entnehmen. Im ganzen mochte er in seinem Lager einige hundert Mann haben.

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Europäisch gedrillte Truppen in Tientsin.

❏ GRÖSSERES BILD

Der Sold der Soldaten des grünen Banners ist äußerst gering und beträgt kaum mehr als zwanzig bis dreißig Pfennige für den Tag, wovon er sich beköstigen und uniformieren muß, vorausgesetzt, daß ihm der Sold überhaupt regelmäßig bezahlt wird. Gewöhnlich halten die Offiziere kleinere Beträge zurück und geben sie den Soldaten dafür an Festtagen oder zum neuen Jahre. Eine feste Dienstzeit giebt es in China nicht, ebensowenig eine allgemeine Wehrpflicht. Es giebt keine Pension, keine Alterszulagen, keine ärztliche Pflege, keine Armeeverpflegung, jeder muß sich selbst nach Belieben verpflegen, nähren und kleiden. Die Uniform der Provinzialtruppen besteht aus einer blauen Bluse mit rotem oder weißem Besatz, auf deren Brust- und Rückenteil in einem etwa zwanzig Centimeter großen, weißgeränderten Kreise die Provinz und das Lager, in welchem der Mann steht, in chinesischen Lettern verzeichnet sind. Die leinenen Beinkleider, gewöhnlich von blauer Farbe, stecken in den kurzen Schäften der aus Filz verfertigten Stiefeln, und auf dem Kopfe sitzt ein tellerartiger Tatarenhut aus Bambusgeflecht, bei manchen Truppen mit einem roten Roßschweif geschmückt. Im Polizeidienst besteht die Bewaffnung der Soldaten aus einer kurzen, ein-, zwei- oder dreispitzigen Lanze, zuweilen auch aus einem Doppelschwert mit zwei Klingen in einer Scheide. Auf dem Lande, außer Dienst, oder in den Lagern sind die Soldaten gar nicht bewaffnet.

Die Rekrutierung erfolgt am Werbetische, und trotz des erbärmlichen Soldes ist der Andrang doch immer stärker als der Bedarf. Ich sah eine derartige Rekrutierung in Nanking. Auf dem freien Platze vor dem Hause eines der höheren Offiziere war ein Zelt aufgeschlagen, in welchem sich einige Offiziere befanden. Ein paar Soldaten, mit Lanzen bewaffnet, hielten die sich herandrängenden Bewerber und das Volk in Ordnung. Vor dem Zelte lag ein etwa sechs Fuß langer Bambusstock auf dem Boden mit runden Steinen im Gewicht von zusammen hundert Catties (etwa 65 Kilogramm), an den Enden des Stabes gleichmäßig verteilt. Die Soldaten ließen die bis zur Hüfte entblößten Applikanten der Reihe nach vortreten. Die Offiziere warfen ein paar prüfende Blicke auf sie, dann wurde ihnen befohlen, den Bambusstock mit beiden Händen bis über den Kopf emporzuheben. Bestanden sie diese Kraftprobe, so wurde ihr Name in ein Register eingetragen und ihnen geheißen, im Lager vorzusprechen. Dort erhielten sie einiges Handgeld, kaum viel mehr als einer Mark entsprechend, und blauen Stoff, um ihre Uniform daraus nähen zu lassen. Damit waren sie kaiserliche Soldaten.

Für diejenigen, welche auf Offiziersstellen Anspruch machen, sind unter der gegenwärtigen Regierung ähnliche Prüfungen eingeführt worden wie für den Zivildienst, und den erfolgreichen Kandidaten werden je nach der Art, wie sie die Prüfung bestehen, auch dieselben Titel, Siu-tsai, Kü-jin und Tsin-sz, verliehen. Für den letzten (höchsten) Grad erfolgt die Prüfung in Peking. Man darf jedoch nicht glauben, daß die Offizierskandidaten wie jene für die Beamtenstellen auf ihre litterarischen Kenntnisse hin oder gar in Taktik und Strategie, Befestigungs- und Ingenieurkunst geprüft werden. Das wird von einem chinesischen Offizier nicht verlangt. Dafür müssen die Kandidaten gewandte Reiter, Fechter und Ringkämpfer sein; nicht die geistige, sondern die Muskelkraft giebt den Ausschlag, und die besten Noten erhalten jene, welche sich überdies als Bogenschützen bewähren. Dazu wird auf dem militärischen Uebungsplatze ein dreißig bis fünfzig Centimeter tiefer gradliniger Graben von etwa einem halben Kilometer Länge und hinreichender Breite gegraben, daß ein Pferd in demselben galoppieren kann. Auf etwa fünfzig bis sechzig Meter Entfernung von dem Graben sind Scheiben aufgestellt, mit Zwischenräumen von etwa fünf Meter voneinander. Der Kandidat, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, hat zu Pferd zu steigen und, während dieses den Graben entlang galoppiert, Pfeile nach den Scheiben abzuschießen. Treffen diese Pfeile das Schwarze, so wird von den Wächtern der Gong angeschlagen, um die Examinatoren davon in Kenntnis zu setzen. Noch 1898 hatte ich selbst in Yentschou-fu, im Innern von Schantung, Gelegenheit, eine derartige Prüfung zu sehen.

Mit dem erfolgreichen Bestehen der Prüfung wird jedoch der Kandidat noch lange nicht Offizier. Dazu muß er entweder viel Geld oder viele Freunde haben. In einem Aufsatz über das Offizierskorps, der in der ersten Zeitung Shanghais, der Daily News erschien, heißt es in dieser Hinsicht: „Irgendwelche wissenschaftliche Ansprüche werden an den Offizier nicht gestellt; die höheren Offiziersstellen werden verkauft, die niedrigeren an Freunde und Verwandte gegeben. Die wenigsten haben eine Ahnung vom praktischen Militärdienst, und es kommt vor, daß die höchsten Kommandostellen der Armee von gänzlich Unwissenden eingenommen werden.”

Deshalb ist der Soldatenstand in China auch keineswegs angesehen, ja man blickt auf ihn verächtlich herab. Die Offizierschargen stehen nicht im gleichen Rang mit den entsprechenden Chargen des Zivildienstes, sondern um einen Grad tiefer. Als in den neunziger Jahren zwei deutsche Instruktionsoffiziere mit dem Einexerzieren der Infanterie der Provinz Tschihli betraut wurden, nahmen auch die Offiziere an den einfachsten Exerzitien teil, gerade so wie die Soldaten. Bald hatten die deutschen Offiziere den Chinesen deutsche Strammheit beigebracht, und diese führten alle Evolutionen vortrefflich aus. Nun wurden von den so gedrillten Bataillonen Unteroffiziere als Drillmeister zu den anderen Truppenkörpern kommandiert, ja die Vicekönige anderer Provinzen erbaten sich solche, und der Einfluß der deutschen Offiziere ist heute in den meisten Provinzialarmeen wahrzunehmen. In einigen dieser letzteren giebt es vortreffliche Truppenkörper, die selbst europäischen Ansprüchen genügen dürften, vor allem in den Armeen von Kwangtung und Tschihli, welch letzterer Li-Hung-Tschang besondere Sorgfalt zuwendete. Die Infanterie ist dort mit dem deutschen Infanteriegewehr bewaffnet, gut geschult und schlagfertig. Noch besser soll, nach dem Urteil von Fachleuten, die Artillerie sein, aus dem begreiflichen Grunde, weil die alten chinesischen Armeen keine Artillerie besaßen, deshalb auch keine althergebrachten Gebräuche und Vorschriften umzustoßen waren. Das ganze Geschützwesen mußte von Grund auf neu gelernt werden, und die deutschen Instruktoren haben in dieser Hinsicht die größten Erfolge aufzuweisen; die Feldgeschütze wurden hauptsächlich von Krupp geliefert, und das Material befindet sich im Gegensatz zu dem Festungsmaterial in bester Ordnung.

Schlimmer ist es in den Provinzialarmeen um die Kavallerie bestellt. China wird niemals eine solche im europäischen Sinne besitzen können, denn vor allem hat es keine Pferde. Die mongolischen Ponies sind wohl kräftig und ausdauernd, besonders auf langen Märschen, aber viel zu klein und leicht. Alle zehn Jahre wird das Material erneuert, dadurch, daß der Vicekönig dem Kommandierenden gewisse Summen zum Ankauf neuer Pferde anweist, oder selbst Remontekommissionen nach der Mongolei entsendet. Den einzelnen Lagerkommandanten wird für den Unterhalt der Pferde das Geld monatlich angewiesen. In Tschihli beträgt dasselbe vierzehn Mark per Pferd und Monat. Die Reiter sind mit Winchester-Karabinern bewaffnet.

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Chinesische Artillerie in Wutschang.

In den anderen Provinzen ist es um die Kavallerie ebenso schlecht bestellt wie um die Infanterie, doch soll es in der Mandschurei eine zwischen 40000 und 50000 Mann zählende Armee von Reitern geben. In den Garnisonen der Küstenprovinzen ist davon nichts zu sehen. Wären die 650000 Mann der Armee des grünen Banners wirklich gut geschult und vor allem wirklich vorhanden, so würde dies eine höchst respektable Macht vorstellen. Allein allgemein erzählt man sich, daß die Kommandanten vieler Lager im Inland die vorgeschriebene Truppenzahl nur auf dem Papier besäßen. Das Geld für den Sold und Unterhalt wird eingesteckt. Steht eine Inspektion bevor, so werden schnell Rekruten in der erforderlichen Zahl angeworben, in Uniformen gesteckt und gedrillt. Ist diese Inspektion vorüber, so werden sie wieder entlassen.

Neben dem grünen Banner besteht in China noch die alte Mandschuarmee in ganz derselben Organisation wie vor dreihundert Jahren, zur Zeit der Eroberung Chinas durch die Mandschus. Damals teilte ihr Führer, der nachherige Kaiser Tien-ming, seine Horden in vier Banner, das rote, gelbe, blaue und weiße. Als im Laufe des Krieges zahlreiche Mongolen und abtrünnige Chinesen seinem Heere zuströmten, organisierte er diese in vier weitere Banner mit denselben Farben, nur mit verschiedenfarbigen Rändern. Nach der Gründung des großchinesischen Reiches genügten diese acht Banner für den Dienst nicht mehr, und es wurden neben denselben noch acht weitere Mongolenbanner und acht Chinesenbanner organisiert, die noch bis auf den heutigen Tag bestehen, nominell in einer Gesamtstärke von 105000 Mann. Die stärksten Banner sind jene der Mandschus mit je 85 Kompagnien von je 80 bis 90 Mann; die Mongolenbanner sind durchschnittlich nur 28 Kompagnien, die Chinesenbanner 33 Kompagnien stark. Zusammen besitzen die mandschurischen Banner 678, die mongolischen 221, die chinesischen 266 Kompagnien, im ganzen also sind 1165 Kompagnien Bannertruppen verfügbar, welche von der kaiserlichen Zentralregierung in Peking unterhalten werden und jährlich 16 Millionen Taels, d. h. etwa 64 Millionen Mark erfordern. Mit den Truppen des grünen Banners zusammen beträgt das militärische Budget Chinas demnach 30½ Millionen Taels, und die Bevölkerung Chinas auf 400 Millionen angenommen, entfällt auf den Kopf eine jährliche Militärsteuer von etwa 35 Pfennigen.

Die vierundzwanzig Banner bilden zum Unterschiede von den Provinzialarmeen die eigentliche kaiserliche Armee. In Wirklichkeit aus Leibeigenen bestehend, vom Throne bezahlt und seit Generationen von Vater auf Sohn militärpflichtig, bilden sie die wahren Stützen des Kaiserthrones und der Dynastie in dem von dieser unterworfenen chinesischen Reiche. Die Bannersoldaten sind es, welche den Garnisons- und Polizeidienst in den Großstädten versehen. Doch sind sie dort nicht wie europäische Truppen in Kasernen untergebracht, sondern sie bewohnen in jeder Stadt eigene, mit Mauern umgebene und abgeschlossene Stadtviertel, die sogenannte Tatarenstadt. Dort hausen sie mit Weib und Kind in eigenen Häuschen, jeder Soldat für sich; in der Mitte der Tatarenstadt erhebt sich gewöhnlich der Yamen des Tatarengenerals, unter welchem diese Bannertruppen sowohl wie die Provinzialtruppen stehen. Die Bannertruppen sind über das ganze Reich, je nach der Größe und Zahl der Städte, verteilt, manche Provinzen, wie z. B. Kiangsi, Hunan, Yünnan und Kueitschau, besitzen deren gar keine, andere Provinzen, wie z. B. die Mandschurei, besitzen nur Bannertruppen. Am zahlreichsten sind sie in der Hauptstadt Peking selbst. Dort stehen außer den 4000 Mann der kaiserlichen Leibgarde etwa 15000 Mann der verschiedenen Banner. Je nach ihrer Farbe garnisonieren sie in verschiedenen Stadtteilen: das rote Banner im Süden, das weiße im Westen, das blaue im Norden und die Truppen des grünen Banners (Chinesen) im Osten. Die eigentliche Kaiserstadt wird von den Truppen des gelben Banners bewacht.

Daß die kaiserliche Regierung es mit dieser Bewachung wie überhaupt mit der Disziplin der Pekinger Bannertruppen recht ernst nimmt, geht aus der Regierungszeitung vom 1. April 1894 hervor, deren Bericht ich hier folgen lasse, weil er auch auf die Bestrafungsarten in der Armee einiges Licht wirft. In der Nähe der Stadtthore hatte sich verdächtiges Gesindel herumgetrieben und war zum Teil sogar in die Stadt gedrungen. Dies gelangte zur Kenntnis der Regierung, und diese verordnete Folgendes: „Der Kommandeur der Gardeabteilung des geränderten weißen Banners, Kochin, welcher an dem betreffenden Tage die Wache hatte, wird seiner sämtlichen Aemter entsetzt; aus besonderer Gnade wird ihm aber sein Rangknopf (auf dem Hut) und der Posten eines dienstthuenden Gardeoffiziers zweiter Klasse geschenkt. Der Oberst desselben Banners, ferner vier Gardeoffiziere (namentlich angeführt) sind auf der Stelle zu entlassen. Dem Brigadegeneral des linken Flügels, Shan-yin, und jenem des rechten Flügels, Chang-liu, werden ihre amtlichen Einkünfte während eines Jahres, ferner dem Prinzen Tsai-yina und dem General des mongolischen rotgeränderten Banners ihre amtlichen Einkünfte während drei Monaten entzogen. Die Mannschaften, welche an dem betreffenden Tage die Wache hatten, sind zu prügeln und zu entlassen. Beachtet dies mit Zittern.”

Die Uniform der Bannertruppen weicht von jener der Provinztruppen einigermaßen ab. Sie besteht aus einer bis über die Knie reichenden, nachthemdartigen weißen Tunika, über welcher eine ärmellose Jacke von der Farbe der betreffenden Banner getragen wird. Von derselben Farbe sind die Beinkleider, von denen jedoch nicht viel zu sehen ist, da sie in den kurzen Schäften der Filzstiefeln stecken. Der Hut ist mit zwei Eichhörnchenschwänzen geschmückt. Auf ihren kleinen, kräftigen Ponies sitzend und zu Kompagnien vereinigt, sehen diese Tatarentruppen ungemein malerisch aus. Ueber die farbenreichen Uniformen erhebt sich in jeder Kompagnie ein großes Banner, umgeben von zahlreichen kleineren Fähnchen, welche die Soldaten in eigenen Schäften auf dem Rücken tragen. Die Pfeilköcher sind über die Schultern gehängt, die Säbel aber hängen nicht am Gürtel der Reiter, sondern stecken horizontal auf der linken Seite des Pferdes unter dem Sattel, der Griff voraus. In der Rechten halten die Reiter die Zügel, in der Linken den Bogen. Zur vollkommenen Ausrüstung gehören überdies Tabakspfeife, Fächer und der mit scheußlichen Fratzen bemalte runde Schild.

Allerdings dürfen diese Truppen einem europäisch geschulten und bewaffneten Feinde gegenüber weitaus im Nachteil sein. Indessen müssen die ungeheuren Fortschritte in Betracht gezogen werden, die in den letzten zwei Jahrzehnten in Bezug auf die Ausbildung mancher Truppenkörper gemacht wurden. Neben Abteilungen, die heute noch ebenso sind wie vor hundert Jahren, giebt es andere, die vollständig nach modernen Mustern ausgerüstet und einexerziert sind und die auch, wie die letzten Kriege gezeigt haben, an Tapferkeit manchen europäischen Truppen nicht nachstehen. Von der ganzen verfügbaren Armee, mit den mongolischen und tibetanischen Truppen etwa eine Million, dürften vielleicht nur 50000 Mann den Anforderungen der modernen Kriegskunst entsprechen. Die Armee Li-Hung-Tschangs allein besteht, mit den Bannerleuten zusammen, aus etwa 50000 Mann gut geschulter Truppen mit über 500 Geschützen, von denen etwa die Hälfte moderne Hinterlader sind. Dank dem Einfluß des genannten Vicekönigs von Tschihli sind seit dem letzten Franzosenkrieg in Tientsin, Nanking und anderen Städten von europäischen Fachleuten geleitete Militärschulen und Arsenale angelegt worden, von denen jene von Shanghai und Futschau wohl die bedeutendsten sind. In Bezug auf Ingenieurwesen, Verpflegung, Sanitätswesen ist es bisher noch beim alten geblieben, doch tritt dafür wieder ein anderer wichtiger Umstand in den Vordergrund: die Ausdauer, Furchtlosigkeit und überraschende Mäßigkeit der chinesischen Soldaten. Hätten sie auch noch Disziplin, China würde es mit irgend einem Feinde aufnehmen können. Aber gerade diese fehlt dem chinesischen Soldaten vollständig, und sie kann ihm auch nicht so rasch beigebracht werden.

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Tieng-min leh, kommandierender General von Schantung.

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Besuch des Gouverneurs in der katholischen Mission in Tsinan-fu.

Die christlichen Missionsanstalten in China.

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Die ziemlich verbreitete Ansicht, die Missionen in China stammten erst aus neuerer Zeit und fielen beiläufig mit der Eröffnung chinesischer Häfen für den europäischen Handel zusammen, ist irrig. In China wurde das Christentum schon viel früher gepredigt als in so manchem europäischen Lande. Der Tradition nach soll sogar der Apostel Thomas nach China gekommen sein. Sicher ist es, daß die Nestorianer dieses große Reich zum Felde ihrer Missionsthätigkeit ausersehen haben und schon in den ersten Jahren des sechsten Jahrhunderts, etwa um das Jahr 505, dorthin gelangten. Williams sagt in seinem großen Werke über China u. a.: „Eines der interessantesten alten Denkmäler in China, und gleichzeitig die älteste christliche Inschrift in Asien, rührt von den Nestorianern her und stammt aus dem Jahre 781”. Diese Inschrift wurde 1625 in Schang-an, einer Stadt der Provinz Schensi, entdeckt und beschreibt die Ankunft der christlichen Missionare, sowie den Schutz, den die chinesischen Kaiser der neuen Lehre während anderthalb Jahrhunderten angedeihen ließen. Ein Priester, Olopun, wurde im Jahre 635 vom Kaiser in seinem Palaste empfangen, und in dem gleichen Jahre wurde ein kaiserliches Edikt erlassen, das mit dem Satze schließt: „Laßt den neuen Glauben freien Lauf nehmen durch das ganze Reich”. Nachfolgende Herrscher schützten die christliche Religion, und Klöster erhoben sich bald in hundert Städten. Zu Ende des achten und in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts wetteiferten die buddhistischen Missionare mit den Christen. Im Jahre 841 gelang es der Sekte der Taoisten, den Kaiser zu bewegen, ein Edikt gegen den Buddhismus zu erlassen, und mit diesem litt auch das Christentum. Kirchen und Klöster wurden zerstört, und die Nestorianer konnten sich von diesem Schlage nicht mehr ganz erholen. Wohl erwähnt Marco Polo noch christliche Kirchen in China, allein es wird bezweifelt, daß sie aus der Zeit der Nestorianer stammten. Doch gelang es im Jahre 1307 dem Pater Johannes von Monte Corvino in Peking, oder wie es damals hieß, Khanbalik, festen Fuß zu fassen. Papst Clement V. ernannte ihn zum Erzbischof von Peking, und als solcher wirkte er beinahe zwei Jahrzehnte lang. Sein einziger europäischer Gefährte war ein Deutscher, Bruder Arnold von Köln. Als bald darauf die mongolische Dynastie gestürzt wurde, fand auch die neubegründete Mission ein Ende.

Drei Jahrhunderte nach Marco Polo, in den Jahren 1579 und 1581, erreichten die ersten römisch-katholischen Missionare, die Jesuiten Michael Ruggiero und Matteo Ricci, das chinesische Reich. Von Canton wanderte Ricci nordwärts bis nach Nanking, wo er 1610 starb. Der Kaiser empfing ihn freundlich, und unter seinem Schutz bekehrte Ricci eine beträchtliche Anzahl vornehmer Chinesen zum Christentum; die Tochter eines von ihnen, in der Geschichte unter dem Namen Candida bekannt, erbaute 39 Kirchen, ließ auf ihre Kosten 130 Bücher drucken und sandte zahlreiche eingeborene Missionare in die Provinzen, um den neuen Glauben zu predigen. Bald folgten den ersten Jesuitenvätern eine Anzahl anderer, darunter die berühmten Adam Schaal, Verbiest, Regis, die unter dem Schutz des letzten Kaisers der Mingdynastie, sowie unter den beiden ersten Kaisern der neuen Mandschudynastie Hervorragendes leisteten. Das astronomische Observatorium in Peking, eine Kanonengießerei und eine Anzahl großer geographischer Werke über China legen davon noch heute Zeugnis ab. Unter dem mächtigen Schutz des Hofes und der Regierung machte der Katholizismus in China überaus rasche Fortschritte, bis es aus Anlaß religiöser Fragen zum Zwiespalt zwischen dem Kaiser und den dem Papst gehorchenden Missionaren kam. Den Chinesen leuchtete es nicht ein, daß sie einer außerhalb Chinas residierenden höheren Autorität als jener ihres eigenen Kaisers gehorchen sollten, und 1724 wurde ein Edikt erlassen, wodurch die Verbreitung des katholischen Glaubens in China verboten wurde. Alle Missionare, ausgenommen einige in Peking thätige Gelehrte, wurden des Landes verwiesen. Viele folgten dem Befehl, andere blieben im geheimen und befestigten die Uebergetretenen in ihrem neuen Glauben. Bis zum Jahre 1842 machte der Katholizismus nur geringe Fortschritte. In diesem Jahre jedoch wurde das Christentum in China durch die Verträge mit den europäischen Mächten gestattet; zahlreiche Missionare trafen bald darauf wieder in China ein, und heute giebt es unter den Chinesen weit über eine Million Katholiken. Die in Hongkong erscheinende katholische Zeitschrift „The Roman Catholic Register” gab vor kurzem folgende Statistik der katholischen Missionen in China: 41 Bischöfe, 664 europäische und 559 chinesische Priester; gegen 2000 niedere und 34 höhere Schulen; 34 Klöster, 3000 Kirchen und Kapellen und 1092818 Bekehrte. Es kommt also auf je 400 Chinesen ein Katholik. Neben den Schulen sind in vielen der über alle Provinzen Chinas verbreiteten Missionen auch Hospitäler und Waisenhäuser errichtet worden, die nicht wenig zur Bekehrung der Chinesen beitragen. Am wirksamsten ist jedoch immer noch die Propaganda vermittelst Zeitschriften, Büchern und Flugblättern in chinesischer Sprache geblieben; diese stammen hauptsächlich aus der großen Druckerei der Jesuitenmission in Zikawei, wohl die bedeutendste Druckerei in ganz China.

Von den acht in dem Reiche der Mitte thätigen katholischen Missionen sind jene des Pariser Seminars die zahlreichsten, mit zehn Vikariaten, gegen 250 christlichen Missionaren und gegen 175000 Christen. Erst dann kommt der seit 1660 in China thätige Jesuitenorden mit zwei Vikariaten, 130 Missionaren und etwa 140000 Christen. Dann schließen sich an die Lazaristen, Franziskaner und Dominikaner, deren Mission aus dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts stammen; ferner das belgische Seminar, das Mailänder Seminar seit der Mitte dieses Jahrhunderts und endlich der Augustinerorden, der 1879 eine Mission errichtete. Als letzte kam im Jahre 1887 die deutsche katholische Mission von Südschantung, die binnen kurzer Zeit sehr große Erfolge erzielt hat. Bemerkenswert ist es, daß die beiden Kathedralen von Canton und Peking zu den größten Bauten dieser Städte gehören und daß die katholischen Missionare vielfach die Kleidung der Chinesen und sogar den langen chinesischen Haarzopf annehmen.

Der gewiß überraschende Erfolg der katholischen Missionen wäre nach der Ansicht zahlreicher Katholiken in Ostasien noch großartiger, wenn Frankreich sich nicht so auffällig als der alleinige und rechtmäßige Beschützer aller Katholiken in Asien, vor allem in China, aufspielen würde. Die Sache hat viel zu sehr einen politischen Beigeschmack, und die Chinesen, die von den Franzosen schon wiederholt bekriegt worden sind, fürchten, daß die Franzosen diesen Schutz über die Katholiken nur als Deckmantel für politische Zwecke benützen. Ich habe das von einflußreichen Chinesen selbst wiederholt aussprechen hören, und sie trauen der Aufrichtigkeit der Franzosen in dieser Sache um so weniger, als sie erfahren haben, mit welchem Eifer die Franzosen in Frankreich selbst gegen alle katholischen Institute vorgehen. Viel lieber sehen sie hinter Katholiken in China den Papst als die Franzosen stehen, und es geschah wohl, um ihrem Einfluß möglichst vorzubeugen, daß sie sich herbeiließen, einen päpstlichen Delegaten in Peking zu empfangen. Gleichzeitig wurde aber von der obersten Stelle das sogenannte Duldungsedikt erlassen, worin den Chinesen, die zum Christentum übertreten, wiederholt eingeschärft wird, daß sie dadurch nicht aufhören, Chinesen zu sein, und als solche unter dem Schutz der eigenen Regierung stehen, der allein sie Gehorsam schuldig sind. Von den vorgenannten Bischöfen, oder wie sie in China heißen, apostolischen Vikaren, sind die weitaus große Mehrzahl auch Franzosen, und zwar Jesuiten, Lazaristen oder Priester der schon 1663 gegründeten Gesellschaft der Missions etrangères in Paris, neun Vikare sind Italiener, der Rest verteilt sich auf Spanier und Belgier. Als im Jahre 1887 die deutsche (Steyler) Mission in Südschantung gegründet wurde, ist dort auch ein deutscher Vikar, Bischof von Anzer thätig, und eine der ersten Maßnahmen dieses eifrigen Mannes war es, seine Mission unter deutschen Schutz zu stellen. Alle anderen katholischen Missionen in China stehen auch heute noch unter französischem Schutz.

Der erste protestantische Missionar, der China besuchte, war Doktor Robert Morrison im Jahre 1807, und er blieb bis auf den heutigen Tag auch der verdienstvollste. Damals war der Fremdenhaß in China so stark, daß er an ein Bekehrungswerk nicht denken konnte; dafür unternahm er die Herausgabe eines großen chinesischen Wörterbuchs und die Uebersetzung der ganzen Bibel ins Chinesische, Werke, die seinen Namen für alle Sinologen unsterblich machen. Nach dem Vertrag von Nanking 1842, in welchem Hongkong an England abgetreten und fünf Häfen den Europäern geöffnet wurden, kamen eine Anzahl protestantischer Missionare nach China und begannen ihre Bekehrungsthätigkeit. Damals gab es nur sehr wenige chinesische Protestanten, kaum einige Dutzend. Seither wurde das Reisen im ganzen Reiche freigegeben, andere Häfen wurden eröffnet, den Missionaren der ständige Aufenthalt und die Errichtung von Kirchen, Schulen und Spitälern in einer Reihe von Inlandstädten gestattet. Heute giebt es nach der offiziellen Statistik im ganzen 40 verschiedene protestantische Missionsgesellschaften, die in fast allen Provinzen Chinas thätig sind und ein Personal von 1300 Europäern (darunter 700 Frauen) und 1657 chinesischen Missionaren besitzen. Während die katholischen Missionare europäischer Abstammung größtenteils der französischen Nation angehören, sind die protestantischen zumeist Engländer und Amerikaner, dann auch Deutsche und Schweden. Die Zahl der zum Protestantismus bekehrten Chinesen, Methodisten, Baptisten, Lutheraner, Presbyterianer und dergleichen beträgt im ganzen etwa 50000. Berücksichtigt man die große Zahl der Missionare und die Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, so entfällt auf die Thätigkeit jedes protestantischen Missionars nicht viel mehr als jährlich eine bekehrte Seele.

Die Ursachen dieser spärlichen Resultate zu beleuchten, ist hier nicht der Platz. Wer darüber näheres zu erfahren wünscht, lese die Werke der, nebenbei bemerkt, protestantischen Reisenden Cummings, Williams, Moules, Knollys, Spencers, Percivals, Exners und anderer. Die darin enthaltenen Ausführungen lassen es sehr wünschenswert erscheinen, daß das ganze System der protestantischen Missionen eine gründliche Umgestaltung erfahren möge, sollen die ungeheuren Summen, die für Missionszwecke in China geopfert werden, wirklich wenigstens einigermaßen Nutzen bringen.

Der frühere kaiserliche Gesandte in China, Herr v. Brandt, sagt darüber: „Manche Widersprüche würden sich bei gemäßigterem Vorgehen der Missionare vielleicht vermeiden oder ausgleichen lassen, aber wie der Zelotismus der Bettelorden im siebzehnten Jahrhundert das klug begonnene Werk der Jesuiten zerstörte, so tritt jetzt der Fanatismus protestantischer Eiferer einer Annäherung hindernd in den Weg; es kann nur gewünscht werden, daß das zwanzigste Jahrhundert nicht einen Rückschlag zeitigen möge, wie das siebzehnte ihn gesehen.”

Rühmenswerte Ausnahmen bilden nach dem allgemeinen Urteil, das man in China zu hören bekommt, die vier deutschen protestantischen Missionen, die seit 1847 thätige Rheinische Missionsgesellschaft, die Berliner Gesellschaft zur Beförderung evangelischer Missionen, der Allgemeine evangelische Missionsverein und der Berliner Frauen-Missionsverein für China. Die drei erstgenannten Missionsgesellschaften, von denen die Berliner die größte und erfolgreichste ist, haben zusammen etwa 1500 bis 1800 chinesische Gemeindemitglieder aufzuweisen.

Herr v. Brandt sagt über die Missionen weiter: „Versucht man die Thätigkeit der katholischen und protestantischen Missionen nach ihrer erzieherischen Thätigkeit zu charakterisieren, so findet man, daß die ersteren mehr Wert auf praktische, die letzteren auf geistige Erfolge zu legen scheinen. Selbstverständlich besitzen beide besondere Schulen und Institute für die Ausbildung der für den Priesterstand bestimmten Chinesen, aber während in den Waisenhäusern und großen Schulen der katholischen Missionen die Knaben mehr für die praktischen Zwecke des Lebens vorgebildet und zu Handwerkern erzogen und die Mädchen in allen für die künftige Hausfrau erforderlichen Gegenständen unterrichtet werden, da die Erfahrung gelehrt hat, daß eine christliche Frau selbst in einer heidnischen Familie einen oft zur Bekehrung derselben führenden Einfluß auszuüben im stande ist, scheinen die protestantischen Missionen größeren Wert auf eine wissenschaftliche Ausbildung zu legen. Man könnte das eine als das System des Labora et ora, das andere als das des Ora et labora bezeichnen.”

Wurde von den englischen und amerikanischen Missionen bisher irgendwo ein thatsächlicher, wenn auch verhältnismäßig nur geringer Erfolg erzielt, so ist vor allem die Provinz Fukien zu nennen, und hier, ebenso wie auch in den andern Provinzen, hauptsächlich unter der Landbevölkerung, nicht in den Städten. So hat beispielsweise die bedeutendste und hervorragendste der protestantischen Missionsgesellschaften in China, die Christian Society in Shanghai, wo sie eine große Missionsanstalt besitzt, während vierzigjähriger Thätigkeit im ganzen 33 Bekehrungen erzielt. Arthur Moule, einer der angesehensten protestantischen Missionare in China, sagt in seinem Buche New China and old, daß in dem Hauptsitze der Church Missionary Society, also in der großen Stadt Futschau, nach elfjähriger angestrengter Thätigkeit die Zahl der Christen sehr gering und fast gar kein Fortschritt wahrzunehmen sei.

Knollys erzählt in seinem Buche English life in China, er sei einem Missionar begegnet, der während zwölf Jahren in China thätig war. Auf die Frage, wieviel Bekehrungen er in dieser Zeit vorgenommen hätte, nannte ihm der Missionar drei.

Ich selbst habe in Taingan-fu, im Herzen von Schantung, aus dem Munde des vielleicht ältesten Missionars, Dr. Crawford, einem Baptisten, vernommen, daß er in seiner sechsundvierzigjährigen Thätigkeit noch keine wahre Bekehrung zu seiner Glaubenssekte aufzuweisen hätte.

In Peking übertrug ein protestantischer Missionar während seiner zeitweiligen Abwesenheit die Besorgung der Kirche und des Gottesdienstes einem chinesischen Christen, an dessen vollständiger Bekehrung er dank siebenjähriger Erfahrung mit ihm nicht zweifeln konnte. Als der Missionar nach Peking zurückkehrte, erfuhr er, daß sein Stellvertreter in der Kirche eine Spielhölle etabliert habe. Mir selbst erzählte ein Prediger der christlichen Missionsgesellschaft, einmal seine Bekehrten dabei angetroffen zu haben, wie sie ihre buddhistischen Götzen verehrten und nach lang anhaltender Dürre um Regen baten. Als er sie darüber zurechtwies, antworteten sie ihm: „Dein Gott hat uns nicht geholfen, wir versuchen es jetzt mit unsern Göttern”. Wiederholt hörte ich von Missionaren die Ansicht aussprechen, daß sich Chinesen aus Spekulation dem Christentum zuwenden, indem sie sagen: „Buddha Gott ist gut, christlicher Gott auch gut, zwei Stück Gott noch besser”. Eine große Zahl Chinesen zeigen sich wenigstens äußerlich dem Christentum nicht abgeneigt, weil sie dann Gelegenheit haben, kostenfrei die Missionsschulen zu besuchen, die englische Sprache, Lesen, Schreiben und andere praktische Kenntnisse sich anzueignen. Sind sie damit fertig, so legen sie das Christentum wieder ab.

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Mädchen im katholischen Waisenhaus bei Tsinan-fu.

❏ GRÖSSERES BILD

Aus diesen Beispielen, denen unzählige andere beigefügt werden könnten, ist zu ersehen, daß die Chinesen für das Christentum im allgemeinen bisher keine große Empfänglichkeit gezeigt haben, ja sie stehen den Missionaren, wie überhaupt allen Fremden, feindlicher gegenüber als jemals zuvor. Das beweisen die wiederholten Angriffe auf die Missionen, die Zerstörung von Kirchen, Wohnhäusern und Schulen, die Verfolgung und Niedermetzelung von Missionaren in fast allen Provinzen des weiten Reiches. Aber man braucht daraus nicht zu folgern, daß die Missionare den Chinesen besonders viel verhaßter sind als die übrigen Fremden. Haben die Missionare zunächst unter dieser Fremdenverfolgung zu leiden, so ist es vornehmlich deshalb, weil sie größtenteils mitten im Inlande zerstreut, fern von den offenen Häfen vollständig schutzlos leben und daher feindlichen Angriffen zu jeder Zeit ausgesetzt sind, während die große Zahl anderer Fremder in den offenen Häfen, die dort zeitweilig vorhandenen Kriegsschiffe und die regen Beziehungen mit Nachbarhäfen solche Angriffe viel schwieriger machen.

Der Schutz der Fremden in China ist eine der schwierigsten Aufgaben, welche die Mächte dort zu lösen haben, um so mehr, als es bisher der Zentralregierung in vielen Fällen thatsächlich an der Kraft und Möglichkeit gefehlt hat, den Fremdenschutz selbst durchzuführen. In Bezug auf die Missionare handelt es sich dabei nicht allein um das religiöse Moment. Was man von dem Vorgehen, der Gesittung und dem Wesen einzelner Gruppen von Missionaren auch halten mag, es darf nicht vergessen werden, daß die Missionare in China, gerade so wie anderwärts, nicht nur die Pioniere des Christentums, sondern auch die Pioniere europäischer Kultur und europäischen Handels sind. Wo die Missionen festen Fuß gefaßt haben, da werden die Chinesen mit europäischem Wesen vertraut, da ist es auch leichter, Handelsposten zu gründen, und zu dem idealen kommt mit der Zeit materieller Gewinn. Mit den Missionen stehen oder fallen die Hoffnungen, friedlichen Eingang in das Reich der Mitte zu erzielen. Schon deshalb verdienen und bedürfen die christlichen Missionen ohne Unterschied des Glaubens den weitgehendsten Schutz der Mächte. Mit Parlamentieren kommt man bei den Chinesen nicht vorwärts, eine Kanonenmündung flößt ihnen größeren Respekt ein als alle Gesandten zusammengenommen.

Seit 1891 sind in China, besonders im Stromgebiet des Jangtsekiang, Dutzende von Missionen zerstört und zahlreiche Missionare ermordet worden; diese Gewaltthaten vermehrten sich noch seit dem Abschluß des chinesisch-japanischen Krieges und erreichten ihren Höhepunkt in dem Ausbruch des Aufstandes in der Provinz Fukien, ja es hat den Anschein, als ob der Feldzug gegen die Missionen in einer Reihe von Provinzen systematisch betrieben würde.

Die englischen Blätter von Shanghai, Tientsin und Hongkong enthalten seit Jahren fast in jeder Woche Berichte über Christenverfolgungen, die sich nicht allein auf die europäischen Missionen beschränken, sondern auch gegen die chinesischen Christen gerichtet sind. Besonders hat man es dabei auf ansässige Missionare und ihre Niederlassungen in größeren Städten abgesehen, also gerade dort, wo sich Behörden und Garnisonen befinden.

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Inneres des Taischantempels in Taingan-fu.

❏ GRÖSSERES BILD

Als hervorragendstes Beispiel der letzten Jahre können die Gewaltthaten in der Provinz Szetschuen im oberen Stromgebiet des Jangtsekiang an der tibetanischen Grenze gelten. Dort waren seit Jahren etwa dreißig katholische und protestantische Missionen thätig, mit eigenen Kirchen, Kapellen, Hospitälern und Schulen und über zweihundert Missionaren. In der Hauptstadt von Szetschuen, Tscheng-tu, befanden sich elf Missionen, und die katholische Mission war gleichzeitig der Sitz des Bischofs Dunand. Seit dem letzten Maitage des Jahres 1895 sind diese Missionen vom Erdboden verschwunden, mit ihnen wurden auch andere Missionen in den Provinzstädten zerstört, die Missionare angegriffen, verwundet und gewaltsam vertrieben. Der eigentliche Anstifter war kein anderer als der damalige Vicekönig der Provinz, Li-ping-Tschang, ein fanatischer Fremdenhasser. Während seiner neunjährigen Regierung hat er der Verbreitung des Christentums und europäischer Ideen unaufhörlich Schwierigkeiten in den Weg gelegt, und seinem Widerstand ist es zuzuschreiben, daß der obere Jangtsekiang für die Dampfschiffahrt so lange Zeit nicht freigegeben wurde.

Auch in Schansi, Yünnan, Hunan und Kiangsi gärt es fortwährend unter den Christenfeinden, und was Schantung betrifft, so fanden die Christenverfolgungen nach der Ermordung der deutschen Missionare Nieß und Henle nur eine zeitweilige Unterbrechung durch das energische Auftreten der Deutschen. Wagt man es nicht, den Europäern selbst entgegenzutreten, so wird die einheimische Bevölkerung gegen den Christenglauben aufgehetzt und die Wut der Leute auf die chinesischen Christen gelenkt. Auffällig war es bei all den Angriffen auf die christlichen Missionen, daß sie in verschiedenen Provinzen fast gleichzeitig vorfielen, und daß nach jeder Greuelthat die Telegraphenleitungen zwischen den betreffenden Provinzen und Peking oder Shanghai unterbrochen wurden. Erst nachdem den Ministern in Peking von seiten der fremden Vertreter energisch zu Leibe gegangen worden, waren die Telegraphen rasch wieder in Ordnung. Ebenso auffällig ist es, daß die Edikte zur Beschützung des Christentums, zur Bestrafung von Gouverneuren und Beamten, welche diese Beschützung unterlassen hatten, zur Auszahlung von Schadenersatz und dergleichen sehr selten in die Pekinger Regierungszeitung kommen. Man hat die Regierung deshalb stark in Verdacht, daß sie gegenüber den fremden Vertretern ein doppeltes Spiel treibt und indirekt die Ausschreitungen gegen Christentum und Fremdlinge duldet. Von seiten vieler Mandarine geschieht dies, wie allgemein anerkannt, ziemlich offen.

Der Grund davon liegt teils darin, daß die Mandarine fürchten, durch das Ueberhandnehmen der christlichen Kultur und des fremden Einflusses ihren Halt am Volk zu verlieren, teils darin, daß sie sich dem Fremdenhaß der Geheimbündler nicht offen gegenüberstellen wollen; wissen sie doch, daß ein Widerstand der geheimen Hunggesellschaft oder den Vegetarianern gegenüber die schlimmsten Folgen für sie selbst hätte. Deshalb hüten sie sich auch, selbst wenn ihnen die wahren Missethäter bekannt wären, sich an ihnen zu vergreifen. Um den Befehlen der Pekinger Regierung und den Anforderungen der fremden Vertreter Genüge zu thun, werden ein paar ganz unschuldige Menschen oder im letzten Fall ein paar Sträflinge aus den Gefängnissen um einen Kopf kürzer gemacht, die als Schadenersatz erforderlichen Summen vom Volke erpreßt, und die Sache ist erledigt. So ist es während der letzten Jahrzehnte gegangen, so wird es auch in Zukunft gehen, wenn nicht von seiten der Mächte ganz andere Schritte unternommen werden als bisher. Es genügt nicht, daß die Chinesen für jede zerstörte Mission, für den Kopf jedes ermordeten Missionars eine bestimmte Summe zu zahlen haben; es geht nicht, daß die Schuldigen straflos ausgehen und ein paar Unschuldige dafür ins Gras beißen. Es handelt sich nicht allein um das Leben des Missionars als einzelnen Menschen, das durch eine gewisse Summe gewissermaßen erkauft werden kann. Den Mandarinen würde dies dann immer ein, allerdings kostspieliger, Spaß bleiben, aber immerhin ein Spaß, den sie sich mit irgend einem Missionar heute oder morgen erlauben dürften. In Peking allein ist diesen elenden Verhältnissen durch Proteste der Vertreter und energisches Einschreiten derselben nicht abzuhelfen. Da die Regierung, wie gesagt, nicht immer die Macht oder Mittel hat, die Verbrecher exemplarisch zu bestrafen, so kann dies nur durch die Mächte geschehen.

Der Jangtsekiang, diese Hanptverkehrsroute Chinas, ist bis über Tschungking, also bis nahe an die tibetanische Grenze für kleinere Dampfer schiffbar, im Jahre 1899 wurde sogar eine deutsche Dampferlinie auf dieser Wasserstraße eingerichtet, und zeitweilig fahren auch englische, französische und deutsche Kriegsschiffe bis Hankau. Nützen die Proteste der Mächte zum Schutze der Missionare nichts, dann brauchen sich die Mächte auch nicht um etwaige Proteste der Chinesen gegen ein Vordringen der Kriegsschiffe bis Itschang und Tschungking zu scheren. Und wurden ägyptische, tunesische und marokkanische Häfen bombardiert, so braucht man vor den chinesischen nicht stille zu halten. Die Chinesen müssen vor dem Europäer Respekt bekommen und durch Schaden erfahren, daß er und sein Eigentum durch Kanonen geschützt wird. Allgemein wird in ganz China, ja in ganz Ostasien, ein gemeinschaftliches Auftreten der Mächte gefordert und die Flußpolizei auf dem Jangtse verlangt. Wäre in Tschungking ein Kanonenboot vor Anker gelegen, so hätten es sich die Chinesen wohl kaum einfallen lassen, die Missionen in Tscheng-tu anzugreifen, und wären nur hundert europäische Marinesoldaten von Futschau landeinwärts marschiert, mit dem Brennen und Morden in den Fukien-Missionen wäre sofort eingehalten worden. Einen ernstlichen Widerstand hätten die mit Bogen, Pfeilen und Feuersteingewehren bewaffneten chinesischen Soldaten in den Provinzen des Innern gewiß nicht geleistet. Allgemein wird auch ein kräftiges Einschreiten in Peking zur endlichen Anlage von Eisenbahnen verlangt, die vor allem andern der Zentralregierung in Peking selbst vom allergrößten Nutzen wäre. Nur mit Eisenbahnen kann das Land regiert werden, durch Eisenbahnen können Aufstände im Keime rasch unterdrückt, die Zentralgewalt des Kaisers befestigt werden. Diese Erfahrungen wurden ja in einer Anzahl anderer Länder gemacht, zuletzt in Mexiko. Vor der Aera der Eisenbahnen verging kein Jahr ohne Pronunciamento, ohne Revolution. Seitdem das Eisenbahnnetz von Amerikanern hergestellt wurde, reicht der Arm der Zentralregierung bis in entfernte Winkel des Aztekenreiches. Dasselbe würde in China geschehen, dann erst wären die Mandarine sofort am Kragen zu fassen, dann Ordnung im Lande zu erhalten. Last, not least würden die Eisenbahnen die ungeheuren Schätze Chinas eröffnen, den Missionen und Handelsleuten und damit dem europäischen Handelsverkehr und Export Schutz und Förderung gewähren. Kräftiges, gemeinsames Auftreten in Peking, Kriegsschiffe auf den Flüssen und in Tientsin würden den Widerstand der starren Mandarine wohl brechen. Freilich kosten derlei Expeditionen Geld, allein die Summen sind verschwindend im Verhältnis zu dem Nutzen, welcher Europa durch die Eröffnung des chinesischen Reiches in den Schoß fiele. Vor einigen Jahrzehnten, im Jahre 1853, waren es die amerikanischen Kriegsschiffe, welche, mit ihrem wackern Commodore Perry an der Spitze, auf dieselbe Weise die Eröffnung von Japan erzwangen. Wenige Schiffe mit ein paar hundert Mann haben dazu hingereicht, der Welt ein großes asiatisches Reich zu erschließen. Haben wir seither keine Fortschritte gemacht? Haben die vereinten Großmächte nicht die Mittel und die Kraft, dieselbe Prozedur mit China vorzunehmen? Ist kein Perry mehr da? Mit christlicher Liebe allein ist noch kein orientalisches Reich den Europäern geöffnet worden. Immer und überall mußte die Gewalt mitsprechen. Die alten, erstarrten, den Fremden trotzenden Mächte sind wie Austern. Man muß sie mit Gewalt öffnen, dann sind sie tot und können von den Europäern verspeist werden.

Verkehrswege im Innern von China.

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Um sich eine Vorstellung von den Schwierigkeiten des Reisens in China zu machen, muß man sich zunächst vor Augen halten, daß es im ganzen chinesischen Reiche keine Straßen, keine fahrbaren Wege nach unseren Begriffen giebt. Wohl sind in früheren Jahrhunderten (man könnte von Jahrtausenden sprechen) einzelne sogenannte Kaiserstraßen angelegt worden, die in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens besser gebaut waren als unsere Chausseen. Dieser Straßenbau erfolgte aber in vielen Fällen nicht etwa, um den Bedürfnissen des Verkehrs zu entsprechen, sondern nur auf Routen, welche die Kaiser des Reiches zu bereisen beabsichtigten. Als beispielsweise die Residenz von Peking nach Nanking und ein paar Jahrhunderte später wieder von Nanking nach Peking verlegt wurde, baute man zwischen diesen beiden Städten quer durch die Provinzen Kiangsu, Schantung und Petschili eine vorzügliche Straße, deren Spuren ich vom Jangtsekiang nach Norden an verschiedenen Stellen begegnet bin. So z. B. in der Nähe von Yangtschou, der früheren Hauptstadt des längst vergangenen Yangreiches, in welcher vor mehr als siebenhundert Jahren der berühmte Venetianer Marco Polo drei Jahre lang Gouverneur war. Dann wieder in verschiedenen Teilen von Westschantung, wo mir stellenweise die großen, durch eine Art Zement miteinander verbundenen Steinquader die Richtung der einstigen Kaiserstraße anzeigten. In China werden, wie schon früher erwähnt, Pagoden und Tempel, Wohnhäuser, Straßen und Brücken selten ausgebessert; einmal gebaut, bleiben sie sich selbst überlassen. Geschieht es zeitweilig doch, dann sind es weniger die Mandarine, die dafür Geld opfern, sondern die Bürger der an der Verkehrsroute liegenden Ortschaften, die es als wohlthätiges Werk betrachten und gewöhnlich an den Brücken oder Wegstrecken, welche sie auf ihre Kosten ausbessern lassen, womöglich schon vor der Ausbesserung eine Steintafel aufstellen, auf welcher in großen Lettern ihre Namen und ihre That verewigt sind. Nur wenn ein Provinzgouverneur oder gar der Kaiser (was freilich schon jahrzehntelang nicht mehr geschehen ist) eine Reise durch ein bestimmtes Gebiet unternehmen soll, dann werden die Wege durch die Mandarine in die schönste Ordnung gebracht. Alle zehn Jahre reist beispielsweise der Kaiser oder ein Prinz als sein Stellvertreter von der Hauptstadt durch Petschili und die chinesische Mandschurei nach Mukden, um dort nach altem Herkommen an den Gräbern seiner Vorfahren zu opfern. Ungeheure Summen werden dann angewendet, um den elenden Weg mit Steinen zu pflastern, alle Unebenheiten auszufüllen und das ganze Straßenbett mit gelbem Sand zu überschütten. Alle Dörfer und Städte längs der ganzen Strecke werden bis auf den letzten Heller gebrandschatzt. Von sieben zu sieben Kilometern werden längs der Straße Pavillons als Rastorte errichtet und mit den kostbarsten Seidenstoffen und Stickereien ausgeschmückt. Selbst wenn der Kaiser nicht in eigener Person die Wallfahrt unternimmt, sondern an seiner Statt nur sein Bildnis nach Mukden schickt, muß dies geschehen. Auf der jüngsten Flucht des Kaiserhofes von Peking nach dem Westen waren die Straßen gewiß in schönster Ordnung. Der Telegraph mußte spielen, Meldereiter wurden vorausgesandt, um den Mandarinen das hohe Glück zu verkünden, daß die Kaiserin in nächster Zeit passieren würde, und die Mandarine preßten die Bevölkerung in den Dienst, um die Wege in aller Eile herzurichten. Leider finden aber diese Reisen des Kaiserhofes und der hohen Excellenzen nur zu selten statt, und deshalb spotten die Wege in den meisten Gegenden jeder Beschreibung. Stieß ich bei meinen Fahrten auf Teile der Kaiserstraßen, dann wich ich ihnen sorgfältig aus und zog mit meiner Karawane gewöhnlich rechts oder links in die Felder, denn die alten Granitquader haben sich an vielen Stellen gesenkt, ein Block steht einen Fuß unter, der nächste oder zweitnächste um einen Fuß über dem anderen. Streckenweise fehlten sie ganz, und tiefe Löcher traten an ihre Stelle. Diese Straße zu benutzen, hätte meinen federlosen Karren wohl die Räder und Achsen, meinen Zugtieren die Beine gekostet. Und doch haben Straßen das chinesische Reich durchzogen, als die ägyptischen Pyramiden noch nicht gebaut waren. Kaiser Hwang-Li, der eigentliche Gründer des Reiches war es, der zuerst im Jahre 2640 vor Christi Geburt, also vor etwa viereinhalb Jahrtausenden, gepflasterte Straßen nach allen Großstädten anlegen ließ. Wäre seinem Beispiel doch nur von einigen seiner Nachfolger gefolgt worden!

Im nördlichen Teile Chinas sind Landwege (Straßen kann man diese über Stock und Stein führenden Routen nicht nennen) viel häufiger als südlich des Jangtsekiang, denn im Norden giebt es viel weniger Flüsse und Kanäle. Wären solche vorhanden, dann gäbe es keine Landwege, denn der Chinese benutzt, wo immer möglich, nur Wasserwege. Selbst Großstädte sind untereinander nur durch solche, für Karren kaum benutzbare Wege miteinander verbunden, und ein europäischer Reisewagen könnte auf keiner Straße in China zehn Kilometer zurücklegen, ohne daß die Achsen brechen würden. Am besten sind die Wege auf ebenem Boden und in den Alluvialgebieten von Westschantung und Petschili. Dort giebt es keine Steine; wo in der Nähe von Städten die Wege mit Steinen gepflastert waren, sind die letzteren längst von der Bevölkerung zum Hausbau weggenommen worden, was dem Reisenden keineswegs unangenehm ist, denn, wie bemerkt, haben die chinesischen Reisekarren keine Federn. Der Wagenkasten, einem großen, nach vorne offenen Reisekoffer ähnlich, sitzt direkt auf der schweren Holzachse zwischen den beiden Rädern, und man kann sich lebhaft vorstellen, welche Reiseeindrücke man auf holperigen Steinstraßen von unten hinauf erhält, zumal der Wagenkasten keine Sitze hat. Der Reisende kriecht von der Gabeldeichsel aus auf allen Vieren in den Karren und nimmt direkt auf dem nackten Holzboden Platz.

Wo keine Straßenpflasterung vorhanden ist, sind die zwischen den Feldern sich dahinschlängelnden, viel gewundenen Wege in der trockenen Jahreszeit natürlich mit knietiefem Staub, in der nassen Jahreszeit mit eben so tiefem dünnflüssigen Kot gefüllt, man fährt also ziemlich weich dahin, hat aber dafür nach einer Stunde Fahrt eine fingerdicke Schicht Staub oder Straßenkot auf dem Leibe und den Augen, Nase und Lunge damit halb verklebt. Stellenweise sind längs der großen Verkehrsrouten schattige Bäume vorhanden, die einzige Labsal während der ermüdenden, anstrengenden Reisen. In bevölkerten Gegenden reist man im allgemeinen ziemlich sicher, in einsameren wird der Reisende nur zu häufig von Räubern angehalten, besonders im Hochsommer, wenn der Sorghum auf den Feldern zu beiden Seiten des Weges zu Manneshöhe gewachsen ist und die Wegelagerer vollständig gedeckt sind und ohne jede Gefahr für sich ihrem einträglichen Beruf nachkommen können. Der fremde Reisende, welcher das Glück hat, einen kaiserlichen Reisepaß zu erhalten und überdies an die hohen Mandarine empfohlen ist, erhält gewöhnlich von den Mandarinen der Ortschaften, die er passiert, eine Anzahl Soldaten als Schutz, aber ich verließ mich wenig auf meine überdies nur mit Stöcken oder alten ungeladenen Pistolen bewaffnete Begleitmannschaft, sondern hielt meinen Revolver schußbereit. In einsameren Gegenden, sowie auf den sogenannten kaiserlichen Hauptrouten sind die Wege durch eine Art Landjäger bewacht, oder sollen es wenigstens sein. Auf Hunderten von Kilometern, die ich diese Straßen entlang gewandert bin, sah ich trotz dem vielen Raubgesindel, das die Gegend dort unsicher machte, nicht einen einzigen Soldaten; doch sagte man mir, die Wachthäuser, die sich alle zwei Kilometer neben der Straße erheben, wären zur Nachtzeit von mehreren Soldaten besetzt. Wozu, ist mir nicht klar geworden, denn der Chinese reist zur Nachtzeit nicht, es ist also auch niemand zu beschützen. Diese Wachthäuser sind eine charakteristische Beigabe der Kaiserstraßen. In den Ueberschwemmungsgebieten des Hoangho stehen sie auf drei bis fünf Meter hohen Erdpyramiden und zeigen nach der Straßenseite eine von einer Mauer umsäumte Veranda, in anderen Gegenden stehen sie in gleicher Höhe mit dem Straßenboden, und von ihren Ecken laufen diagonal zwei mannshohe, mehrere Meter lange Lehmwände aus, wie Schutzleder für Pferdeaugen. Ihren Zweck konnte ich nicht erfahren. Die weißgestrichenen Mauern tragen in riesigen schwarzen Schriftzeichen die Bezeichnung „Wachthaus für Straßenpolizei”. Das Innere dieser Häuschen ist jeder Einrichtung bar, nicht einmal Strohmatten liegen auf dem Boden, dafür zeigen sich gewöhnlich viele Beweise, daß diese Regierungsbauten von den Passanten für Zwecke benutzt werden, zu denen man gewöhnlich die Einsamkeit und Dunkelheit aufsucht.

Wo Flüsse und Bäche zu überschreiten sind, giebt es an den Kaiserstraßen überall Brücken, die meisten aus Steinquadern mit riesigen Pfeilern erbaut, aber mit so holperigem steinernen Pflaster auf dem Brückenbett, daß die Reisenden zur Sicherung der Körperteile, auf denen sie sitzen, die federlosen Karren zu verlassen pflegen. Viele Brücken sind eingestürzt, und neben den Ruinen hat irgend ein unternehmender Chinese aus Bambusstangen und Reisstroh eine fliegende Brücke angelegt, für deren Passierung er von dem Reisenden einen kleinen Betrag erhebt. Freilich senkt sich diese Brücke zuweilen bis in das Wasser, oder ein schwerer Karren bricht mit den Rädern durch das Strohbett, aber wer hinüber will, muß sich eben dieser Gefahr aussetzen. Sind die Flüsse tief genug, dann treten an die Stelle solcher Brücken Fährboote. Auf großen Verkehrsrouten machen die Eigentümer derselben vortreffliche Geschäfte, und zuweilen fand ich an beiden Ufern Dutzende von Karren, Hunderte von Reisenden mit Pferden und Maultieren auf die Beförderung an das jenseitige Ufer wartend. Sobald ich aber mit meiner, nur einem hohen Mandarin gebührenden Begleitmannschaft erschien, mußte alles Platz machen, und ich hatte den Vorzug, mit der ganzen Reisekarawane allein sofort übergesetzt zu werden, ohne daß man eine Zahlung von mir begehrte. Ich leistete sie indessen doch in allen Fällen. Mandarine sind nämlich in China die größten Freiberger. Sie haben überall den Vortritt, und alle Verkehrseinrichtungen, sogar der Aufenthalt in den Mandarinsyamen der verschiedenen Städte, in denen sie übernachten, sind frei, während der Ortsmandarin verpflichtet ist, sie und ihr Gefolge zu verpflegen. Natürlich thun sie das auch nicht aus eigener Tasche, sondern das Volk muß herhalten.

Die gewöhnlichen Reisenden werden auf die verschiedensten Arten ausgebeutet. So traf ich beispielsweise an dem Westschantung durchfließenden Tawönho, über welchen mein Weg mich nach dem Kaiserkanal führte, keine Brücke und keine Fährboote, sondern nur eine Furt. Am Ufer lagerten einige zwanzig junge Burschen, welche ein Geschäft daraus machen, für einige Kupfermünzen Zahlung die Reisenden durch die gelben trüben Fluten zu führen. Damit ihnen dieser Verdienst nicht entgehe, graben sie an verschiedenen Stellen des Flußbettes unter dem Wasser tiefe Löcher und lassen nur eine schmale, ihnen allein bekannte Furt frei. Würde es einem Reisenden einfallen, den Fluß ohne ihre Führung zu durchschreiten, so ist zwei gegen eins zu wetten, daß er in eines dieser Löcher fällt, und dann muß er erst recht die Hilfe der Burschen in Anspruch nehmen, um für zehnfache Zahlung seinen Karren wieder herauszuziehen.

Ueber den ganzen Unterlauf des Hoangho giebt es keine einzige Brücke. Die letzte Brücke befindet sich bei der alten Kaiserstadt Kaifung.

Angenehmer als auf den Kaiserstraßen reist man auf den gewöhnlichen Landwegen, welche die nördlichen Provinzen durchziehen, aber wohlverstanden nur im Frühjahr und Herbst, denn zu anderen Zeiten stehen diese Wege unter Wasser oder sind mit knietiefem Staub bedeckt. Sie sind wenigstens nicht gepflastert und weisen auch nicht so viele Verkehrsstockungen durch Kamel- und Karrenkarawanen auf, die sich gewöhnlich den Hauptspaß machen, mitten auf den Straßen ihre Rasten zu halten. Ehe die Karren, Waren, schlafenden Tiere und Menschen aus dem Wege geräumt sind, vergeht geraume Zeit. Schlimm werden die Reiseverhältnisse, wenn man die Provinzen Anhuei, Kiangsu und Ostschantung verläßt und am unteren Hoangho das ungeheure Lößgebiet betritt, welches, stellenweise schon in Westschantung auftretend, den größten Teil von Schensi, Schansi und Honan umfaßt, ja auch noch viele Tausende Quadratkilometer der westlichen Mongolei einnimmt. Ich stieß auf die ersten Lößmassen am Nordostfuß der Gebirge von Mittelschantung. Karrenräder und Pferdehufe reißen den trockenen, aus feinstem Sand und Erdteilchen bestehenden Boden auf, und der Wind trägt die gelockerte, staubige Schicht fort; kommen Regengüsse, so fließt das Wasser durch den tiefen Wegeinschnitt ab und wäscht diesen noch tiefer. Wird das während Jahrtausenden fortgesetzt, wie es in China der Fall war, so wird aus dem ursprünglich im gleichen Niveau mit der Ebene liegenden Wege eine enge tiefe Schlucht mit senkrechten Wänden auf beiden Seiten. Die Dörfer, Felder, Gärten sind oben, die Wege fünf, zehn, zwanzig und mehr Meter tief unter ihnen. Wo die Lößschichten nicht so stark und die Wege demgemäß nicht so tief eingesunken sind, pflegen Fußgänger diesen, auch noch mit knietiefem, gelbem Staub gefüllten Wegschluchten auszuweichen und oben den Rand derselben entlang zu wandern. Schubkarren, Maultierkarren und Reiter aber müssen durch diese Schluchten, die mitunter viele Kilometer lang sind und nur wenige Unterbrechungen oder Erweiterungen zeigen. Dabei sind die Wegschluchten mit ihren senkrecht aufstrebenden kahlen Lößwänden unten kaum zwei Meter breit. Kommen zwei Karren in entgegengesetzter Richtung gefahren oder auch nur Lastschubkarren, so können sie einander nicht ausweichen. Hier lernte ich zum erstenmal den Wert meiner sonst wenig nützenden Soldatenbegleitung recht kennen; denn kamen wir zu einer derartigen Wegschlucht, so ritt einer der Soldaten rasch voraus, um die etwa entgegenkommenden Karren vor dem Einfahren in die Schlucht zu warnen. Mitunter kam aber dieser bezopfte Vortrab zu spät, eine ganze Kolonne von Lastkarren war bereits eingefahren, und dann galt es für uns, in diesen backofenheißen, staubigen, sonnigen, trockenen Schluchten zu warten, bis die Kutscher ihre Zugtiere ausgespannt, mit unsäglicher Mühe und Gefahr aus den senkrechten Wänden eine kleine Höhlung gegraben hatten, um die Tiere zurückführen und hinten wieder an die Karren spannen zu können. Nun konnten sie die Karren wieder aus der Schlucht heraus bis zur nächsten Ausweichestelle führen, und der Weg war für meine Karawane frei. Keiner wagte es, darüber sich aufzuhalten; sobald sie die nur durch ihre roten oder blauen Kittel erkennbaren, zuweilen ganz unbewaffneten Soldaten gewahrten, gehorchten sie ohne Widerrede.

Um diese höchst beschwerlichen und zeitraubenden Unterbrechungen zu verhindern, pflegen die Kutscher beim Einfahren in die Schluchten mit ihren langen Peitschen zu knallen und laute, langgezogene Warnungsrufe erschallen zu lassen. Mitunter hören sie einander auch deutlich, aber einer hofft auf die Nachgiebigkeit des anderen, beide fahren darauf los, bis sie einander auf der Nase sitzen. Dann geht das Geschimpfe und das Geschrei los, aber was macht’s? Die Chinesen haben ja Zeit, und kommen sie nicht heute ans Ziel, so doch morgen.

Viel tiefer eingeschnitten sind die Wege in Schansi und Honan, und dabei sind sie viele Tausende von Kilometern die einzigen Verkehrsrouten. In den senkrechten Lößwänden, zwischen denen man über sich nur einen schmalen Himmelsstreifen wahrnimmt, giebt es sogar Wohnungen der Landleute, Hotels, Tempel und Götzenschreine. Die Leute graben sich lange Galerien, die sie als Wohnzimmer, Küchen und Vorratskammern einrichten, die Reisenden müssen in ähnlichen Höhlen einkehren, die sie mit ihren Dienern und Zugtieren teilen. In manchen Gebieten haben die Lößablagerungen, welche ein Flußthal, und damit auch eine Stadt, von dem nächsten Flußthal mit dem Reiseziele trennen, Hunderte von Kilometern Ausdehnung, und einmal in der Wegschlucht, kann man nicht wieder heraus, ausgenommen auf steilen Pfaden, die sich gewöhnlich am Zusammenfluß zweier Schluchten die senkrechten Lößwände hinanschlängeln. Man kann unter diesen Umständen begreifen, warum einflußreiche Mandarine schon lange darauf hinwirken, die Kaiserresidenz von dem für Europäer leicht erreichbaren Peking mitten in die Lößgebiete nach dem alten Singanfu zu verlegen. Dort wäre die Regierung der Beeinflussung durch europäische Kriegsschiffe und Kanonen entrückt, dorthin kann niemals ein europäisches Heer gelangen, und die Mandarine könnten nach Belieben schalten und walten. Engpässe wie die Lößwege von Schansi und Honan habe ich nur noch im nördlichen Arizona gefunden. Eine geringe Anzahl Leute genügt, um auch der stärksten Armee den Durchgang zu wehren, und aus diesem Grunde allein schon wäre es einem Heere unmöglich, auf der Route durch Schansi und Honan gegen Singanfu vorzugehen.

Während sich der ungemein lebhafte Verkehr zwischen den großen Städten und Handelsmittelpunkten nördlich des Jangtsekiangs auf den geschilderten Landwegen abwickelt, findet der weitaus größte Verkehr in den südlich des Jangtsekiangs gelegenen Provinzen auf dem Wasser statt. Der Chinese benützt Flüsse und Kanäle in viel größerem Maße, als es in Europa der Fall ist. Schon Kaiser Hwang-ti, unter dessen Regierung die Chinesen, lange vor den Phöniziern, zum erstenmal die offene See befuhren, ließ vor 4500 Jahren ein ausgebreitetes Netz von Kanälen anlegen, und dieses wurde im Laufe der Zeiten vervollständigt, wo immer sich nur eine Gelegenheit darbot. Im Süden des Reiches, vornehmlich in Kwangtung, sind die Flüsse die Hauptstraßen, und Straßen auf dem Festlande wurden dort nicht als Verbindungen zwischen Handelszentren, sondern zwischen zwei nicht durch Kanäle zu verbindenden Wasserstraßen angelegt. Das südliche China ähnelt mit seinen Wasserstraßen Holland. Diese gewöhnlich nur kurzen Landwege sind im Süden in viel besserer Verfassung als im Norden, und selbst Pfade im Hinterlande sind zuweilen mit großen Granitplatten gepflastert, die durch eine Art Zement miteinander verbunden sind. Am auffälligsten zeigt sich das Gewirr von Kanälen dem Reisenden im südlichen Kiangsu und in Tschekiang, im Gebiet der großen Handelsstädte Sutschau und Hangtschau. Fast der gesamte Handels- und Personenverkehr spielt sich auf den Kanälen und Flüssen ab. Ist die Wasserreise auch zeitraubender, so ist sie doch unvergleichlich wohlfeiler als der Landverkehr, und das ist ein Umstand, der bei den vielen Eisenbahnprojekten eine viel viel zu wenig berücksichtigte Rolle spielt. Gewinnsüchtige Unternehmer in Europa haben für den Süden Chinas ein ganzes Netz von Eisenbahnen ausgeheckt, aber sie sollten die Sache doch eingehender prüfen, ehe sie das europäische Kapital zur Beteiligung einladen. Bei einem so ausgebreiteten Kanalverkehr ist der Unterschied in den Transportkosten zwischen Eisenbahn und Wasser ein so gewaltiger, daß er für die Chinesen die Vorteile einer schnelleren Beförderung weitaus aufwiegt. Ueberdies wären über dieses Netzwerk von Kanälen so viele Brücken zu bauen, in dem weichen Boden so kostspielige Fundierungen vorzunehmen, daß die Kapitalsanlage in vielen Fällen kaum eine entsprechende Verzinsung finden würde. Deshalb ist unter anderen auch Hongkong mit der Zweimillionenstadt Canton noch durch keine Eisenbahn verbunden.

Anders liegen die Verhältnisse im Norden, vornehmlich in Schantung und Petschili, und dementsprechend sind auch die meisten, ja fast einzigen Bahnen bisher nur in diesen Provinzen zur Ausführung gekommen. In Schantung giebt es so gut wie keine Wasserwege, der sehr bedeutende Verkehr steht im Zeichen des Schubkarrens und Packesels, und dort werden sich die im Bau begriffenen Eisenbahnen, zunächst jene von Tsingtau nach Tsinanfu, vortrefflich lohnen. Dabei kommt ihnen der Umstand zu statten, daß es sozusagen dort, wie bemerkt, gar keine Straßen giebt und die Mandarine sich im allgemeinen um die Verkehrswege nicht im mindesten kümmern. Freilich ist ungeachtet der elenden Verkehrsverhältnisse das Reisen in Schantung doch sehr wohlfeil. Warentransporte kosten durchschnittlich für je 100 Li und 100 Kattie (= 1 Pikul = 60½ Kilogramm) 50 bis 70 Pfennig. So z. B. kostet der Transport von Tsinanfu nach Peking, etwa 1000 Li (nahe an 500 Kilometer), 5 Mark für den Pikul. Die Kosten eines Karrens oder einer der in Ostschantung gebräuchlichen, von Maultieren getragenen Sänften, Schen-tze genannt, belaufen sich für den Tag auf 3 Mark, und damit kann der Reisende täglich 60 bis 70 Kilometer zurücklegen. Werden auf den neuen Bahnen in Schantung dieselben Fahrpreise gerechnet wie in Deutschland, etwa 6 Pfennig der Kilometer in zweiter Klasse und 4 Pfennig in dritter Klasse, so würden sich die Transportkosten bei einer Tagesreise von etwa 400 Kilometer auf 24 resp. 16 Mark stellen. Die Reise im Karren würde auf derselben Strecke etwa 20 Mark kosten, aber eine Woche Zeit in Anspruch nehmen, so daß die Chinesen wohl die Eisenbahn vorziehen würden.

Im ganzen sind bis heute in China gegen 450 Kilometer Eisenbahnen in Betrieb. Die längste ist die von Tientsin über Tongschan und Tongku nach Schanhaikwan an der großen Mauer führende Bahn mit 214 englischen Meilen. Eine zweite Bahn läuft von Taku über Tientsin nach Peking, eine dritte von 80 englischen Meilen Länge von Peking nach Pautingfu. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt auf diesen Bahnen nur 20 englische Meilen in der Stunde. Sonst giebt es in China nur noch die Bahn von Woosung nach Shanghai und eine kurze Kohlenbahn am Jangtsekiang. Die Bahn von Peking nach Pautingfu soll von einer belgischen Gesellschaft durch Schansi nach Kaifung und von dort nach Hankau verlängert werden. Kommt sie zu stande, dann öffnen die glänzenden Stahlschienen wie mit einer Lanzette das Herz des chinesischen Reiches, dann ist Honan und damit auch Singanfu leicht erreichbar, in Berührung mit der abendländischen Welt. Aber bis dahin wird noch eine lange, sehr lange Zeit vergehen. Die Chinesen werden noch viele Jahre fortfahren, ihre bisherigen Verkehrsmittel anzuwenden, und ob sie die Eisenbahn durch Schansi und Honan, wenn sie einmal gebaut ist, auch so rasch benutzen werden, ist noch fraglich.

In Honan, wo ähnlich wie in Schantung der Transport vielfach mit Schubkarren erfolgt, kostet ein solcher mit einem Mann 50 bis 80 Pfennig, bei einer täglichen Durchschnittsfahrt von 30 Kilometer; ein Ochsenwagen, der dieselbe Strecke zurücklegt, kostet je nach der Beschaffenheit der Straße 2 bis 3 Mark täglich. Der Preis eines mit zwei Maultieren bespannten Karrens vom Jangtsekiang bis Peking kostet einschließlich der Unterkunft und Mahlzeiten 70 bis 80 Mark. Die etwa 1000 Kilometer lange Strecke wird in zwei bis drei Wochen zurückgelegt. Bei diesen Verhältnissen ist es zweifelhaft, ob eine Bahn in Honan, die unverhältnismäßig hohe Baukosten erfordert, auf einer gesunden finanziellen Grundlage stehen wird.

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Chinesischer Briefumschlag.

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Schantungpflug mit Dreigespann.

Die künftige Bedeutung Chinas für den europäischen Handel.

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Angesichts der neuesten Unruhen in China, der ewigen Gefahr, in der die Fremden dort leben, der großen Opfer an Menschen und Geld, der kostspieligen militärischen Expeditionen, welche die Beziehungen Europas mit dem Reiche der Mitte zur Folge gehabt haben und voraussichtlich noch in Zukunft haben werden, hört man die Frage: Hat der Handel mit China überhaupt eine so große Bedeutung, daß er diese Opfer rechtfertigt; wäre es nicht besser, sich anderen Gebieten zuzuwenden und deren Erschließung anzustreben?

Wie groß ist dieser Handel? Im Jahre 1898 belief sich im Gesamtwert die Ein- und Ausfuhr, soweit die in den Vertragshäfen bestehenden Zollbehörden ihn kontrollieren, auf etwa elfhundert Millionen Mark. Diese Summe erscheint nicht groß, wenn man bedenkt, daß der Außenhandel des kleinen Belgien einen Wert von über zweiundzwanzighundert Millionen besitzt, also das Doppelte des Außenhandels von China. Selbst Argentinien hat trotz seiner Jugend als Staat bereits einen Außenhandel von nahezu tausend Millionen Mark. In einer Reihe anderer Staaten entwickeln sich die Handelsbeziehungen mit Europa ruhig, ohne besondere Schwierigkeiten, ohne jedwede Opfer und militärische Expeditionen. Warum, so hört man fragen, sollen also die Steuerzahler wegen des verhältnismäßig geringen Handels so tief in den Säckel greifen?

Und dennoch geschieht dies seitens fast aller Seemächte. Neben dem Deutschen Reiche sind bei den letzten Unruhen England, Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Italien, Rußland, Holland, selbst das kleine Belgien an der Expedition gegen China beteiligt gewesen, dazu die Vereinigten Staaten und Japan. Freilich stand dabei zunächst die Aufgabe im Vordergrunde: Bestrafung des Bruchs des Völkerrechts durch die Mißhandlung der Gesandten seitens der chinesischen Machthaber, man könnte besser sagen, der chinesischen Ohnmachtshaber, Sühne für die vielen Menschenleben, die schweren Verluste an Hab und Gut der fremden Einwohner. Aber dabei wurden doch auch geschäftliche Interessen verfolgt, und man dachte auch an den Nutzen, welchen die Expedition nach dem Friedensschluß für die verschiedenen Mächte bringen soll.

Ebenso sicher, wie die endliche Niederwerfung Chinas durch die verbündeten Streitkräfte, ist es auch, daß eine Aufteilung Chinas in absehbarer Zeit nicht stattfinden wird. Im Gegenteile, statt als Kriegsbeute verschiedene Provinzen und Länderstriche einzuheimsen, haben die Mächte alles Interesse daran, das chinesische Reich intakt zu erhalten und ihm eine feste, starke Regierung zu geben, sogar unter der Leitung eines Kaisers aus der gegenwärtig herrschenden Dynastie. Ganz abgesehen von der Eifersucht unter den Mächten bei einer Aufteilung und der Unmöglichkeit einer Einigung über die von jeder Macht beanspruchten Gebiete, hat man sich gewiß schon in jedem Kabinette gefragt, auf welche Weise und zu welchem Zwecke die verschiedenen Provinzen des aufgeteilten Vierhundertmillionenreiches von den Mächten regiert und verwaltet werden sollten. Es ist ja hinlänglich bekannt, welchen Aufwand an Geld, Beamten, Militär, Schiffen und dergleichen schon ein Landgebiet von der Größe einiger hundert Quadratkilometer, etwa wie Deutsch-China, erfordert. Wie viele Hunderte Millionen, Zehntausende von Soldaten, Hunderte von Beamten würde erst die Verwaltung einer ganzen Provinz bedürfen! Es handelt sich bei den chinesischen Provinzen um Ländergebiete so groß wie Preußen oder ganz Süddeutschland, mit Einwohnerzahlen von zwanzig bis vierzig Millionen. Selbst wenn solche Gebiete an die erobernden Reiche angrenzen würden, wie etwa Nordchina an Sibirien, würden solche Bissen in Anbetracht der heterogenen feindlichen Bevölkerung nicht zu verdauen sein. Wie erst, wenn man die ungeheure Entfernung Chinas von den mitteleuropäischen Reichen in Betracht zieht! Der Krieg der Amerikaner gegen das im Vergleich mit den Chinesen verschwindend kleine Völkchen der Philippiner, der Frankreichs gegen Tonkin und Englands gegen die handvoll Boeren sprechen deutlicher, als es alle Argumente vermögen.

Und selbst wenn eine solche Verwaltung unter der Anspannung aller Kräfte doch eingerichtet würde, so würde die Frage entstehen: wozu? Was ist der Nutzen, den ein solch unsinniges Wagnis hätte? Die Erschließung der betreffenden Provinz? Die Hebung der Kaufkraft ihrer Bevölkerung? Die Schaffung eines neuen Absatzgebietes? Würde das letztere wirklich ausschließlich der Industrie der betreffenden Kolonialmacht zu gute kommen, dann wäre dies zum wenigsten etwas Greifbares, obschon viele Jahrzehnte der Aufwand unverhältnismäßig größer sein würde als der Ertrag. Das Spiel wäre die Kerzen nicht wert, die man dabei verbrennt. Aber das ausschließliche Recht der kommerziellen Ausbeutung einer Provinz würde von anderen Mächten niemals zugestanden werden. Mehrere haben mit Säbelgerassel erklärt, unter allen Umständen an der Politik der offenen Thür festzuhalten. Gleiches Recht, gleiche Handelsfreiheit für alle Mächte ist ihre Politik in Bezug auf den chinesischen Markt, und eine Macht, welcher es gelingen sollte, eine Provinz als Kriegsbeute zu ergattern, würde dann einfach nur anderen Mächten, zunächst den Japanern und Amerikanern, die Kastanien aus dem Feuer holen. Wohl ist heute und wohl auf Jahrzehnte hinaus England am chinesischen Handel am meisten beteiligt, aber der Handelsverkehr Japans und Amerikas mit China geht mit Riesenschritten vorwärts; sie haben heute schon alle anderen Mächte, England ausgenommen, überholt, und dank ihrer günstigen geographischen Lage, geringen Frachtsätzen und anderen Umständen wird in Zukunft unzweifelhaft ihnen der Hauptanteil am chinesischen Handel zufallen. Provinzen auf Kosten europäischer Steuerzahler zu erschließen, oder gar die Verwaltung selbst zu übernehmen, hieße also, den genannten großen Handelsrivalen in die Hände arbeiten.

Ueber diese Fragen ist man in den europäischen Kabinetten wohl schon längst im klaren. Es giebt in China keine Provinzen zu holen, keine Kolonien zu gründen, und doch besteht unter allen Industriemächten ein wahrer Wetteifer in Bezug auf China.

Der Grund und Endzweck dieser Bestrebungen ist der Handel, nicht wie er heute ist, denn schon eingangs wurde angeführt, daß er im ganzen nur die Summe von elfhundert Millionen erreicht, sondern der Handel Chinas, wie er sich in Zukunft gestalten wird. Er ist bisher deshalb nicht bedeutender gewesen, weil zunächst nur eine kleine Anzahl von Häfen dem Außenhandel geöffnet waren und es von den wenigsten derselben Verkehrswege nach dem Hinterlande giebt. Europäische Waren konnten demnach nur kleinen Gebieten zu entsprechenden Preisen zugängig gemacht werden. Die Chinesen machen sich diese, wenn sie von ihrem Nutzen überzeugt sind, zu eigen. Aber sie hegen für die europäischen Errungenschaften, Maschinen, Dampfschiffe, Eisenbahnen und dergleichen ebensowenig Bewunderung wie für deren Erfinder und Erzeuger. Es ist ihnen im Laufe der Jahrhunderte von den benachbarten kleineren Völkern viel zu viel Weihrauch gestreut worden, sie werden von ihrer Kindheit an viel zu sehr in dem Glauben ihrer eigenen Unübertrefflichkeit erhalten, als daß sie den Europäern höhere Achtung schenken sollten als etwa dem Zauberkünstler, über dessen Kunststückchen sie staunen. Gerade so wie wir unsere europäische Kultur für die beste halten, so halten die Chinesen die ihrige für die beste, und ebensowenig wie wir die unserige mit der chinesischen vertauschen würden, ebensowenig würden sie die ihrige für die europäische aufgeben. Ein kleines bewegliches Volk wie die Japaner, mit großem Verkehr und ausgebreiteter Schiffahrt, war leichter zu überzeugen, aber auch sie nahmen von den Europäern nur jene Dinge an, deren praktischer Nutzen ihnen sofort ins Auge sprang, alles andere ließen sie links liegen. Es kann keinen größeren Irrtum geben als zu glauben, die Japaner hätten die europäische Kultur angenommen. Dazu gehört unsern Begriffen nach die christliche Religion und Moral. Die Japaner sind aber in diesen ethischen Beziehungen ganz dieselben geblieben, die sie vor der großen Umwälzung waren. Für Christentum und christliche Moral sind sie unendlich viel weniger zugänglich als die Chinesen, was die beiderseitigen Erfolge der Missionen auch beweisen.

Die Chinesen werden ähnlich wie die Japaner zu Werke gehen, nur unendlich viel langsamer; auch sie werden alle europäischen Erzeugnisse und Einrichtungen annehmen, sobald sie ihre Nützlichkeit einsehen lernen. Das beweist die ganze Entwickelung des chinesischen Handels mit Europa. Aber die große Masse der Chinesen kennt mit Ausnahme leicht zu transportierender kleiner Massenartikel die europäischen Produkte überhaupt noch nicht. Würden sie den Chinesen vor Augen geführt werden, so würden sie auch bald ausgedehnte Märkte dort finden, denn die Chinesen sind zu praktische Menschen, zu vorzügliche Geschäftsleute, um den Wert eines Artikels nicht sofort zu erkennen. Was bisher an europäischen und amerikanischen Waren eingeführt wurde, kommt also nicht ganz China zu gute, sondern nur kleineren Gebieten in der Umgebung von offenen Häfen und längs der Wasserstraßen.

Um nur einige Beispiele hervorzuheben: Ich habe noch am Hoangho Leute gefunden, die ihre Kleider mit selbstgeschmiedeten und gefeilten Nähnadeln nähten; mit Staunen betrachteten sie die glänzenden Näh- und Stecknadeln, die ich ihnen zeigte. Den Mandarinen im Binnenlande konnte ich kein willkommeneres Geschenk machen als ein Notizbuch mit Bleistift. Gewöhnt, ausschließlich mit Pinsel und Tusche zu schreiben, kennen sie auch die Stahlfeder noch nicht, die sich für die Niederschrift chinesischer Schriftzeichen auch gar nicht eignet, und wenn ich des Abends in einer Dorfherberge meine Reisenotizen machte, umdrängten mich gewöhnlich Dutzende staunender Chinesen, um dem raschen Lauf meiner Feder auf dem Papier zu folgen. Bleistifte aber eignen sich für die chinesische Schrift, und die Mandarine konnten sich nicht genug wundern, daß ein Stift auch ohne Tusche chinesische Schriftzeichen auf dem Papier hervorbringen kann. Die Verwunderung stieg jedoch aufs höchste, wenn ich den Bleistift umdrehte und mit dem am anderen Ende befindlichen Radiergummi die Schriftzeichen wieder wegputzte. In Städten und Dörfern war ich ein wanderndes Museum. Die Leute hatten wohl schon zuweilen Weiße gesehen, denn die Missionare sind bereits in die meisten Gegenden des Innern vorgedrungen, tragen aber fast ausschließlich chinesische Tracht. Weiße in Europäertracht, wie ich sie trug, waren ihnen noch fremd. Sie befühlten neugierig meine Kleider und Stiefel, besahen Hut und Regenschirm, verwunderten sich in Orten, wo Feuer noch immer mit Feuerstein und Stahl gemacht wird, über meine Zündhölzchen und noch mehr über den in Papier gewickelten Tabak, d. h. Cigaretten, die sogar viele Mandarine noch nicht kannten. Auf den großen inneren Märkten fand ich gerade so wenig europäische Artikel wie auf unseren Märkten chinesische, und wo sie sich dort oder hier vorfinden, werden sie als Kuriosa, nicht als praktische Waren für den allgemeinen Nutzgebrauch betrachtet. Eisenwerkzeuge, Lampen, Gerätschaften werden immer noch zum weitaus größten Teil von den Chinesen selbst gemacht, ebenso Kleiderstoffe und alle möglichen Gebrauchsartikel. Sie kennen eben die praktischen Erzeugnisse des Abendlandes, wie gesagt, nur in beschränkten Bezirken ihres ungeheuren Landes. Wird dieses aber durch Eisenbahnen und freien Verkehr, ungehinderte Ansiedelung seitens europäischer Kaufleute, dann Abschaffung der Inlandszölle den Europäern wirklich erschlossen, wie es früher oder später doch geschehen wird und muß, dann wird der Absatz all dieser Artikel nach vielen Millionen berechnet werden müssen.

Gerade in diesen Massenartikeln ist aber die deutsche Industrie groß. Jetzt schon werden davon nach den wenigen geöffneten Häfen, von denen vielleicht nur ein Zehntel bis ein Zwanzigstel der chinesischen Bevölkerung erreicht wird, große Massen ausgeführt. Wie erst, wenn es sich um ein Absatzgebiet handelt, das auf seinen elf Millionen Quadratkilometer Fläche vierhundert Millionen Einwohner zählt! Die Chinesen brennen heute noch größtenteils Oel in irdenen Lampen; und doch sind Petroleum und Petroleumlampen bereits wichtige Einfuhrartikel. Eine einzelne Lampe hat freilich wenig Wert, handelt es sich aber darum, achtzig Millionen Haushaltungen, so viel wie ganz Europa zählt, mit Lampen zu versehen, dann gewinnt dieser Artikel eine ganz andere Bedeutung. Ebenso geht es mit den meisten anderen Artikeln.

Um dafür einen Markt zu gewinnen, müssen die Leute auch die Mittel haben, alle diese Dinge wirklich zu kaufen. China ist nun thatsächlich ein Land, das viel größere Mittel und damit Kaufkraft besitzt, als man gewöhnlich annimmt. Statt daß die Kaufkraft Chinas erschöpft wäre, könnte man das gerade Gegenteil behaupten. Niemand würde es beispielsweise einfallen, China mit Ländern wie Siam oder Marokko zu vergleichen, und doch ist der auswärtige Handel dieser letzteren im Verhältnis bedeutend größer als jener Chinas. In Siam entfallen etwa 23 Mark jährlich auf den Kopf, in Marokko ungefähr 9 Mark 50 Pfennige, in China nur 3 Mark. Im Jahre 1874 entfielen vom auswärtigen Handel nur 1 Mark 50 Pfennige auf den Kopf. Es ist also eine Steigerung auf das Doppelte innerhalb eines Vierteljahrhunderts zu verzeichnen. Ist es anzunehmen, daß China als einziges Reich der Erde dabei stehen bleiben und nicht weiter fortschreiten wird?

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Das Grab des Confucius.

❏ GRÖSSERES BILD

Freilich sind die großen Massen der Chinesen arm, und in Zeiten von Ueberschwemmungen oder Dürre leben Millionen Menschen im größten Elend. In viel größerem Maße ist dies in Indien der Fall. Land und Bevölkerung sind dort viel ärmer als in China, dabei auch nur halb so groß, und doch ist der auswärtige Handel von Jahr zu Jahr gestiegen, bis er heute an dreieinhalb Milliarden Mark erreicht hat, mehr als das Dreifache von China. Man hat eben die Hilfsquellen Indiens entwickelt und dem Lande Eisenbahnen, moderne Verkehrsmittel gegeben. In China sind alle Bedingungen für den blühendsten Handel, für den reichsten Absatz an Waren aller Art vorhanden, das Land verfügt selbst über ganz bedeutendes Großkapital, und Geld ist nach Hunderten von Millionen Mark im Verkehr. Der einheimische, chinesische Binnenhandel besitzt ungeachtet der primitiven Verkehrsmittel, der Dschunken auf dem Wasser, Kamele, Maultiere und Schubkarren auf dem Lande einen Umfang, von dem man sich kaum eine Vorstellung machen kann. In Schantung allein sind mehrere hunderttausend Kulis als Schubkarrenführer beschäftigt und Jahr aus Jahr ein mit Frachten unterwegs. Flüsse und Kanäle wimmeln von Fahrzeugen, Frachtbooten aller Art. In den Großstädten, darunter viele mit Hunderttausenden von Einwohnern, Orte, die man in Europa kaum dem Namen nach kennt, herrscht Wohlstand und Reichtum, giebt es ausgebreitete Industrien, Bankhäuser, Großkaufleute, Postämter, Verkehrsanstalten, alles natürlich nach chinesischem Schnitt. Ich habe all dies in meinem Buche „Schantung und Deutsch-China” (Verlag von J. J. Weber, Leipzig) mit allen wissenswerten Einzelheiten geschildert.

Indessen, diese schon vorhandene Kaufkraft kann noch verdoppelt, verdreifacht werden, wenn es einmal dazu kommt, die geradezu unerschöpflichen Hilfsquellen, welche noch im Schoße der Erde schlummern, zu öffnen. Welche Massen von Gold bergen die Höhen der Mandschurei und die „goldenen Hügel” nördlich von Peking, die aus verschiedenen Gründen nur zum Teil und das auch nur auf die primitivste Art von den Chinesen ausgebeutet werden! Welche Silbermengen bergen Schantung, Schansi, Tschili, Honan, und doch sind die Mehrzahl der Silberlager noch gar nicht eröffnet! Aber wichtiger als Gold und Silber sind die schwarzen Diamanten, die Kohlen. Schansi, diese ungemein wichtige, an die deutsche Interessensphäre Schantung grenzende Provinz hat in seinem südlichen, an den Hoangho grenzenden Teil Kohlenlager, wo über sechshundert Millionen Tonnen der besten Anthrazitkohle der Ausbeute harren. Dort, ebenso wie in ungeheuren Kohlenlagern des benachbarten Honan liegen zwischen den Kohlenschichten solche von vortrefflichem Eisenerz. Dasselbe gilt, wenn auch in geringerem Umfange, von Schantung, und in allen diesen Gebieten wird wohl Kohle schon gewonnen, hat sich auch eine sehr beträchtliche Eisenindustrie schon entwickelt, aber alles mit den primitivsten Mitteln und bedrückt durch die beutesüchtigen Mandarine.

Welcher Ausdehnung sind ferner die Thee- und Seidenkultur in China noch fähig! Und vor allem unter europäischer Anweisung die Industrie, wenn man in Rechnung zieht, welche Millionen fleißiger, flinker, genügsamer Arbeiter den Chinesen zur Verfügung stehen! Werden diese in dem ungeheuren Reiche schlummernden Schätze und Kräfte geweckt, dann wird es kein größeres und dankbareres Absatzgebiet auf Erden geben als China. Dieses wird den Industrieländern der Alten und Neuen Welt stets erhalten bleiben. Vielfach kommt zwar die Befürchtung zum Ausdruck, China könnte das alte Europa einmal, wenn es zu modernem Leben und Schaffen erwacht ist, erdrücken. Diese Befürchtung ist unbegründet. Zunächst wird es noch vieler Jahrzehnte bedürfen, ehe an einen wirksamen Wettbewerb Chinas ernstlich gedacht werden kann; während Europa diese ganze Zwischenzeit vor sich hat, entwickeln sich auch hier die Industrien immer mehr, es entstehen immer neue Industriezweige, neue Artikel, in welchen die europäischen Industrieländer den Chinesen voraus bleiben werden. Der zeitliche Abstand, um welchen China in seiner Entwicklung hinter Europa zurückgeblieben ist, kann nicht leicht ausgeglichen werden. Weder China noch Japan wird Europa bei den hier fortwährend auftauchenden neuen Erfindungen einholen können, sie werden in dieser Hinsicht für absehbare Zeit von Europa abhängig bleiben.

Aus dem Gesagten kann man ersehen, daß der Handel Chinas noch tief in den Kinderschuhen steckt, aber er schreitet doch rasch voran, und wenn alle Mächte sich so sehr um China bemühen, so geschieht es, um sich bei Zeiten einen Platz dort zu sichern. Im Jahre 1766 haben 23 fremde Schiffe hingereicht, den auswärtigen Handel Chinas zu bewältigen; im Jahre 1830 waren schon 150 Schiffe dazu erforderlich; im Jahre 1898 erreichte der Schiffsverkehr in den chinesischen Häfen die Riesenzahl von 43000 Dampfern und 9000 Segelschiffen mit zusammen 34 Millionen Tonnen Gehalt. Vor einem halben Jahrhundert war der Wert des Außenhandels weniger als hundert Millionen Mark. Heute hat er elfhundert Millionen erreicht, d. h. soweit er auf europäischen Schiffen und in den dreißig offenen Vertragshäfen sich abwickelt. Welche Unmassen ausländischer Waren in den anderen Häfen des Reiches und in den 21000 chinesischen Schiffen mit acht Millionen Tonnen Gehalt dazu kommen, entzieht sich der Beurteilung; der Gesamtwert des Außenhandels kann aber jährlich nicht geringer sein als anderthalb Milliarden Mark.

Wohl kann dieser Außenhandel in dem einen oder anderen Jahre durch außergewöhnliche Ursachen, wie Kriege oder geschäftliche Krisen in Europa, durch Währungsschwankungen oder vor allem durch Kriege, Revolutionen und dergleichen in China selbst zeitweilig eine Verminderung erfahren; er wird aber im ganzen und großen stetig zunehmen, und diese Weiterentwicklung zu hemmen, haben weder die reaktionären Mandarine, noch die Regierung die Macht. Ein Blick in die Vergangenheit eröffnet dem Auge auch die Zukunft. Wie lagen die Verhältnisse in China noch vor sechs Jahrzehnten, zur Zeit des berühmten Opiumkrieges? Das Innere Chinas war jedem Europäer verschlossen, und in den wenigen Häfen, in denen sie sich aufhalten durften, waren sie den strengsten, mitunter schmachvollen Beschränkungen unterworfen.

Wäre es damals jemandem eingefallen, zu prophezeien, daß fünfzig Jahre später europäische Großstädte auf chinesischem Boden stehen würden, daß die Flüsse von europäischen Dampfern befahren, Eisenbahnen, Telegraphen das Land durchziehen würden, man hätte ihn für verrückt gehalten. Die Wirklichkeit von heute übertrifft sogar solche Prophezeiungen; dreißig seiner größten und wichtigsten Häfen sind europäischen Kaufleuten und Ansiedlern erschlossen, aus Shanghai und Hongkong sind europäische Großstädte geworden, in denen man mit derselben Sicherheit und Bequemlichkeit wohnt, als lägen sie in Europa. Telegraphenlinien verbinden die Hauptstadt mit den Provinzen, Kabel die Inseln mit dem Festlande; zwischen Tientsin und Shanghaikwan, Tientsin und Peking, Shanghai und Woosung u. s. w. verkehren Eisenbahnzüge. Die einzelnen Küstenpunkte von Tongkin bis hinauf in die Mandschurei sind durch regelmäßige Dampferlinien unter fremden Flaggen miteinander verbunden; auf den Hauptflüssen verkehren europäische Dampfer, und die Hauptwasserstraße des chinesischen Reiches, der Jangtsekiang, ist eine Hanptverkehrsstraße des europäischen Handels geworden bis hinauf gegen die tibetanischen Grenzdistrikte für Handelsschiffe aller Flaggen, vornehmlich auch der deutschen Flagge. Das so lange verschlossene sagenhafte Peking ist heute der Sitz der europäischen Gesandten, die mit den höchsten Beamten des Riesenreiches verkehren und von dem Kaiser in seinem eigenen Palaste empfangen werden. In Peking befinden sich Kirchen, Klöster, Schulen und Universitäten, die letztern chinesische Unternehmungen, aber mit europäischen Lehrkräften. Die Armee hat europäische Instruktoren, moderne Arsenale stehen unter europäischer Leitung, ebenso der ganze Telegraphen-, Post- und Zolldienst mit Beamten, welchen die höchsten chinesischen Auszeichnungen verliehen worden sind. Wer hätte das vor dreißig oder vierzig Jahren zu hoffen gewagt?

Die Wirren der letzten Zeit sind vorübergehend, die Kugel ist einmal ins Rollen gekommen und, wie gesagt, nicht mehr aufzuhalten. Der Aufstand gegen die Fremden und ihre Kultur, welche sie dem alten China bringen wollen, scheint wie ein letztes Aufraffen der Reaktionäre, der alten Partei der Mandarine und Litteraten, der Geheimgesellschaften und des von ihnen abhängigen Gesindels, zusammen immer noch bedeutend genug, daß die schwache Regierung sich ihnen nicht wiedersetzen konnte. Ihnen gegenüber steht aber eine ganz bedeutende Partei von aufgeklärten Leuten, welche in den offenen Häfen oder in Singapore, Hongkong, Batavia moderne Bildung und Kultur kennen gelernt haben, dann der ganze großenteils vom Auslande abhängige Kaufmannstand in den Handelsstädten. Dazu kommen auch zahlreiche Mandarine und ein großer Teil des gebildeten Teils des Volkes. Wenn diese nicht offen für die Erschließung des Reiches eintreten, so ist es teils aus Furcht vor der Regierung einerseits, die ihre Absichten niemals klar und offen zum Ausdruck bringt, und vor den Geheimgesellschaften anderseits, welche fremdenfreundlichen Mandarinen gleich mit dem Mordstahl zu Leibe gehen. Ich habe in den verschiedenen Städten des Innern mit Hunderten von Mandarinen und anderen aufgeklärten gebildeten Leuten gesprochen und aus ihren Aeußerungen diesen Eindruck gewonnen. Dazu kommt noch bei ihnen die Furcht, daß durch die Eröffnung des Reiches die politische Selbständigkeit desselben verloren gehen könnte. So gern sie die europäischen Industrien verwerten möchten, sie haben doch eine ganz ausgesprochene Vaterlandsliebe, die in dem Grundsatz gipfelt: „China für die Chinesen”. Ich hatte Gelegenheit, Einblick zu bekommen in die Berichte, welche seitens der Zentralregierung von den Provinzgouverneuren über die projektierten Eisenbahnen eingeholt wurden. In diesen Berichten kommen Aeußerungen vor, wie: „Zum Bau der Bahnen können wir chinesisches Material benutzen, zur Ausführung von Arbeiten können Leute aus unserem Volke herangezogen werden. Die Gehälter der etwa in Dienst zu stellenden Europäer würden doch nur einen beschränkten Betrag ausmachen” .... „Das nötige Eisenbahnmaterial vom Auslande zu beziehen, wäre zu umständlich und kostspielig. Unser Eisen ist für Schienen ganz geeignet. Wenn sie auch vielleicht teurer zu stehen kämen, so wären sie doch unsere Landeserzeugnisse”.... „Nur für die erste Strecke würde ich empfehlen, Eisenmaterial aus dem Auslande zu beziehen, bis die Hochöfen und Hüttenwerke für die Fabrikation unserer Schienen fertig sind. Dann sollte lediglich einheimisches Eisen verwendet werden, damit die Entwicklung des Eisenbahnnetzes unserer eigenen Industrie zum Vorteil gereiche”.... „Wir sollten für den Eisenbahnbau keine ausländischen Gelder aufnehmen, sondern ebenso wie die chinesische Dampfergesellschaft dreißig Millionen Taels im Inlande aufgebracht hat, eine inländische Anleihe aufnehmen. Eurer Majestät möchte ich das allerunterthänigste Gesuch unterbreiten, alle Anträge, die fremde Anleihen bezwecken, kurzweg abzulehnen, um das Unwesen der ausländischen Banken und Geschäftsvermittler, dieses Ratten- und Heuschreckenungeziefers, das uns aufzehrt, zu vermeiden”... „Wollen wir Bahnen bauen, so müssen wir uns die Erbauer aus unserem eigenen Volke durch Schulen und ausländische Lehrer selbst heranziehen”.... „Wir wollen fremdes Kapital und fremde Arbeit von unseren Eisenbahnunternehmungen ausschließen”....

In diesen Gutachten sprechen die Provinzgouverneure auch die Ueberzeugung aus, daß die Eisenbahnen dem Handel und Wohlstand der Chinesen förderlich sein und überdies die Ausländer von diesem Handel verdrängen werden. Das zeigen unter anderen folgende Stellen in den Berichten: „Der Handel, der jetzt auf fremden Schiffen erfolgt, würde wieder den Landweg einschlagen und den Fremden den Gewinn wegnehmen zu gunsten unserer Bevölkerung. Wenn aber den Fremden kein Gewinn mehr bei uns in Aussicht steht, so werden sie die Sache bald aufgeben und nach Hause zurückkehren”... „Eure Majestät würden durch die Eisenbahnen und die durch sie wachsende Ausfuhr chinesischer Erzeugnisse den Staat und die Nation auf eine sichere Grundlage stellen und nicht den fremden Händlern ein Mittel zum Wettbewerb und zu größerem Gewinn verschaffen”... „Eisenbahnen fördern den Handel, die Maschinen, die Industrie; durch sie wird man die Erzeugnisse des Landes aus entfernten Gegenden zu versenden im stande sein. Die Eisenbahnen sollen uns helfen, durch Eröffnung der verschlossenen Quellen unserer Reichtümer die Verluste wieder gut zu machen, welche wir durch die Ausfuhr unseres Kapitals erlitten haben.”

Wie man sieht, wird in diesen Berichten der Fremdenhaß, welcher die Chinesen kennzeichnet, auch durch die höchsten Reichsbeamten in offizieller Weise zum Ausdruck gebracht. Fremdenhaß ist die bisherige Richtschnur der ganzen Beziehungen Chinas zum Auslande gewesen; nur in geringem Grade bei der Landbevölkerung vorhanden, steigt er mit den höheren Gesellschaftsklassen und wird zum Fanatismus bei den Litteraten, sowie bei der Mehrzahl der Machthaber. Er liegt auch den ganzen jüngsten Unruhen zu Grunde und ist, wenn man die Sache mit kaltem Blute betrachtet, begreiflich. Man denke sich doch in einem europäischen Reiche die wichtigsten Häfen in chinesischem Besitz und den dortigen Welthandel in chinesischen Händen; man denke sich chinesische Dampfer auf den europäischen Hauptströmen, Eisenbahnen, industrielle Anlagen mit chinesischem Kapital gebaut, durch Chinesen verwaltet, in den Hauptstädten chinesische Missionare, den unteren Volksklassen von Buddha und Confucius erzählend, und alles das unter dem Schutze chinesischer Gesandten in den Hauptstädten der europäischen Reiche, mit chinesischen Kanonen und Kriegsschiffen an den Grenzen, welche alle Begehren der Gesandten unterstützen. Gewiß würde sich der Haß gegen die chinesischen Eindringlinge ganz gewaltig regen, und man würde alles einsetzen, um sie wieder hinauszuwerfen. Nun dünken sich die Chinesen auf einer viel höheren Kulturstufe, als die der Europäer; sie sind stolz auf ihre uralte Zivilisation, die sich Jahrtausende lang bewährt und alle anderen überdauert habe. In ihrem Dünkel betrachten sie die Fremdlinge als ebenso „minderwertige” Wesen, wie wir die Chinesen betrachten, und hegen ihnen gegenüber denselben Haß, den wir gegen sie empfinden würden, wenn sie unsere Heimatländer kommerziell ausbeuten würden.

Indessen, diese Gefühle der Chinesen können nicht geschont werden, zumal sie selbst mit Europa und Amerika in den mannigfaltigsten Verkehr getreten sind. China muß entwickelt, erschlossen werden, und dazu ist es nötig, daß China die erdrückende Macht Europas und die große Ueberlegenheit seiner Kultur noch eingehender kennen und fühlen lernt. Es giebt China gegenüber kein Zurück mehr, sondern nur ein Vorwärts. China wird militärisch niedergezwungen werden, wie schon mehrmals zuvor. Ist das geschehen, dann soll wieder Friede herrschen. Damit aber die alten Fehler der Friedensabschlüsse mit China vermieden werden, ist es erforderlich, daß genügende Macht auch in Zukunft über die Erfüllung der Friedensbedingungen wache. Eine der vornehmsten der letzteren wird es sein müssen, daß Angehörige aller Nationen ungehindert in China verkehren dürfen; es soll keine „Vertragshäfen” mehr geben; jede Stadt soll offen sein; Flüsse und Kanäle müssen frei sein für die Schiffahrt der Flaggen aller Länder; es sollen keine „Interessensphären” für verschiedene Staaten mehr geschaffen werden; ganz China soll eine Interessensphäre sein für die ganze Welt und damit auch für sich selbst. Es darf nicht geduldet werden, daß beispielsweise ausschließliche Absichten Englands auf das ganze Jangtsekiangthal, das Rückgrat des chinesischen Reiches, zur Ausführung kommen. Hongkong, Macao, Tsingtau und andere bestehende feste Besitzungen fremder Mächte werden als solche bestehen bleiben, neue aber sollen nicht dazu kommen.

Wieviel von diesen Wünschen zur Durchführung kommen kann, steht dahin. Es wird dies mehr von den Mächten, als von China abhängen, am meisten von England, das schon jetzt bestrebt ist, eine Sonderstellung einzunehmen und seine eigenen Ziele zu verfolgen. Die größten Gewinner aber werden jene Mächte sein, welche als jüngste auf der chinesischen Bildfläche erschienen sind, Amerika und Japan. Alle Konzessionen Chinas kommen zunächst diesen beiden Mächten zu gute; ihr Einfluß und ihr Handel sind, wie bemerkt, in den letzten Jahren rascher gestiegen als die irgend welcher anderer Staaten. Das bringt ihre geographische Lage und ihre Entwickelung mit sich und kann nicht geändert werden. Von den europäischen Mächten ist am chinesischen Handel nächst England das Deutsche Reich am meisten beteiligt. Hoffentlich wird der Friede diese Beziehungen zwischen Deutschland und China zu noch einträglicheren machen!

Illustration from China und Japan: Erlebnisse, Studien, Beobachtungen

Brücke über den Sze-shui-fluß in Yentschou-fu.

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