ANZEIGER DES GERMANISCHEN NATIONALMUSEUMS. (continued 3)
Reading edition
117) K., 79. Do man nhu... mit der Kirchweyung wolte vortfharen und die Diener Saltz, Wein und Asche, welchs man zur Kirchweihung bedorffte, süchten....
118) K., 390. [Ao. 1523. Bildersturm zu Stralsund.] Wie villeicht etliche Reichen sich besorgten, es wurde auff den Ostern geschehen, liessen etliche ire Bilde aus iren Laden, so sie in Gestoltzen in Sanct Niclas Kirchen hetten, wegkholen. [Kirchl. Gerät vergl. Nr. 48; 55. Gottesdienst 135; Kirchhof 78.]
Kirchliches Jahr.
[Kirchenfeste vergl. Nr. 74. Weihnachten 129; Ostern 54; 123; Himmelfahrt 128.]
Sacramente.
119) K., 62/3. So unterrichtete sie Sanct Otto und die Seinen bey sieben Tagen im Catechismo. Darnach gepot er inen 3 Tage lanck zu fasten und zu baden und darnach weisse und reine Kleider anzuthun und also erst mit reinem Hertzen und darneben mit sawberm Leibe zur Tauffe zu khomen. Und lies mitler Zeit drey Teuffe zurichten, eins vor die Knaben, die Sanct Otto selbst tauffte, das ander vor die Menner, das dritte vor die Weiber und Meigtlin. Die ummehingen sie fein mit Tapeten, domit man nichts Unhofflichs sehen khonte, und die Priester stunden hieaussen, und vor inen hinck ein zindel, das sie auch nichts Ungeburlichs sehn khonten. Und wan sich das Folck eingedunckt, das der Priester dan wol horen khonte, so ergreiff er inen den Khopff und duncket sie dreymal unter und sahe nichts mehr wan den Kopff, domit kein Ergernus am Sacrament der Tauffe gespurt wurde und sich erliche Personen nicht schemen türsten. Und ein iglicher ginck nhur mit einem Peten in die Tauff, da legt er dan erst die Kleider ab und gab das Wachslicht und die Kleider dem Peten und steig hinein. Der Pete hielt das Licht und hielt die Kleider vor die Awgen, das er nichts sahe. Wan dan der Priester horete, das er im Wasser ware, greiff er um und tunckte ine ein und cresemte ine und sahe ine wol nicht eins. Darnach steig er widder aus; so gaben ime die Peten die Kleider wider und beleiteten ine. Er aber das sie getaufft wurden, verhorte Sanct Otto sie, und wan sie die Worte des Catechismi wol wusten, confirmirt er sie mit Oele. Also hats Sanct Otto alhie und im gantzen Lande mit der Tauffe gehalten. Im Winter hat er aber umb Kelte willen in Stuben Tauffe zugericht und mit Reuchkertzlin und Weirauch kostlichen Geruch gemacht. [Vergl. Herbord II, cap. 15. Scriptores XII, pg. 782/3.] [Gebet vergl. Nr. 41; 130; 135.| (Dazu Randbemerkung:) Gebet.]
120) K., 143. [c. 1217.] Siguinus, 17 ungeferlich gestorben, hat geordnet, das die losen Weiber nicht in den Ostern, wie andere, sonder auf Karfreitag solten communiceren, das domit ein Schewen gemacht, auf das ein igliche sich darnach ehrlich hielte.
Gebet.
[Gebet vergl. Nr. 41; 130; 135.]
Fluch.
121) K., 314/5. [c. 1470. Herzog Erich hört von einem Kassenverwalter, daß in einem Jahre 1400 Mark Schulden gemacht sind]. Darvber was er scheldig geworden und hette gesagt, wie seine Gewonheit zu fluchen was: »Dar slagen euch vierzehenhundert Mörde zu...«
122) K., 324. [Ao. 1477.] »Da solten noch drey seuen Duuel, wie er [Herzog Bugslaff] auff pomerisch pflag zu fluchen, durchfahren.«
Spott.
123) K., 366. [Ao. 1498.] Wurt Hertzog Baltzar [von Mecklenburg] etwas verdrossen und legte sich in ein Fenster und hub an zu singen, wie man in den Ostern pflag zu singen ein Salue festa dies etc.: »Infernum vicit et astra tenet.« So verkerte ers und sang »Infernum visitat, Astrot tenet.« Und meinte, solliche Ratslege macheten keinen Steig zum ewigen Leben. [Vergl. Nr. 134.]
Reformation.
124) K., 384. [1520.] So wurt auch das Volck aus Doctor Martinus Schreiben, so er von christlicher Freyheit tette, weil sie die Freyheit auf iren Motwillen des Fleisch’s zogen, frecher und ungezamer.
125) P. II, 409/411. Hirnach aber als der ehrwürdige her doctor Martinus Luther vns aus gnaden gottes viel mißbreuche der roͤmischen kirchen anzeigte, vnd das heilige evangelium lawter vnd klar widder dargestelt: hat die gantze lantschafft, herren, adel vnd stette im jar 1534 auff befurdern der fuͤrsten hertzog Barnims und hertzog Philipsen, in gegenwertigkeit vnd mit rhat doctor Pomerani auff lucie zur Treptow an der Rega das heilige evangelium einmuͤthiglich angenhomen; vnangesehen obgleich die geistlicheit gerne were dawidder gewest. Vnd ist sieder der zeit eine große verenderunge aller sachen, wie dan pfleget, geworden, gegen vhorige andechtigkeit ruchlosigkeit, gegen miltigkeit berawbung der gotteshewßer, gegen almosen karkheit, gegen fasten fraß vnd schwalch, gegen feyren arbeit, gegen die feine zucht der kinder motwillen vnd vnerzogkenheit, gegen ehr der priester große verachtung der prediger vnd kirchendiener. Vnd daßelbige ist leider gemeinlich, vnd man findt jetzt in den stetten die kirchendiener sehr vbel versorget, deßgleichen die schulen vbel bestellet, darneben seint auch auffn lande viel dorffpfarren wuͤste, die keinen pfarhern oder prediger haben, also das man billig sagen moͤchte, das sich die lewte am evangelium mehr geslimmert den gebeßert hetten. Aber es mus so sein, den es ist der menschen arth so in gottes sachen, das sie allewege das widderspyl halten; do sie den alten mißprawch verstunden, begerten sie den rechten geprawch zu haben, nhun meinen sie, es sey jnen frey zu thunde was jnen beduͤnckt bequeme seyn, vnd kheren also die christliche freyheit zu jren motwillen vnd geitz.
Nichtesweiniger hat dennoch vnser herre got allezeit die seinen ausgesondert. Es seint noch viel christliche biderlewte, die gottes wort mit aller andacht vnd fleiß auffnhemen vnd handthaben, den kirchendienern vnd armen nach allen vermugen helffen, vnd ist jtzt eine sonderliche feine lust bei den gotforchtigen lewten zu sehen, wie gar ehrlich jre kinder in gottesforcht ertzogen werden, wie huͤpsch sie jren catechismum wißen, beide von wort zu wort zu erzellen, vnd auch fein reinlich auszulegen, wie zuͤchtigk kneblyn vnd megdtlyn zu tische beten, vnd darnach das gratias lesen, des abends wen sie zu pette gehen jre segen vnd gepete sprechen, deßgleichen, des morgens wen sie auffstehen. Vnd ist die wahrheit, das jtzund ein klein kind von acht oder newn jaren beßer vnterricht seines christenthumbs hat vnd weis, den zuvor die alten, auch die pfaffen selbst nicht gewust haben. [Vgl. Nr. 63; 132.]
Kirchenraub.
126) K., 379/380. [Ao. 1519.] Ausführliche Beschreibung eines Kirchenraubes.
Opfer.
127) K., 238. [Ao. 1407.] Es seint drey grosse Pfarren zum Sunde und darneben etliche Capellen in und aussen der Stat welche der Kirchher alle unter seiner gewalt hette und mit Pfarnern und Predigern versorgen moste. Dieselben alle hetten keine Lantgutter oder gewisse Gelt vor den Kirchhern und die Kirchendiener, sonder sie musten sich vom Opffer erhalten, welchs inen dan so viel trug, das sich der Kirchher vor einen grossen Hern und die Unterpfarner vor grosse Prelaten, auch die Capellane, Coster, Chorschuler und andere Kirchendiener statlich darvon khonten halten. Dan es ist eine Stat von etlichen vielen tawsent Lewten und ist ein prechtig Volck. Darum, wan eine Brawt zur Trewe kham oder ein Kind geporn wurt, das mans wolte teuffen lassen, oder eine Frawe nach den sechs Wochen zur Kirche ginck oder ein Totter begraben wurt, so bat der gemeine Man nicht allein seine Freund und Nachpar darzu, sonder alle seine Amptsverwanten, Man und Fraw, müsten bei einer Geltstraffe auch khomen und opfferen, das also offte ein arm Man so viele Lewte hette als ein Reicher, der in keinem Ampt saß. Das eickelte den Reichen, und wolten in dem hoher sein, wan der gemeine Man, und liessen so viel mehr Freuntschafft und Nachparn pitten und steyerten den Pracht untreglich hoch, und sonderlich zum Seelmessen und Begengnussen der Totten. Dan so opfferte man nicht zu einem Altar allein, sonder zu drey, vieren und bisweilen mehr und zu iglichem Altar zwei mall. Das sahe ein Rat, das es sich zu unmessigem Gelt verlieff und sonderlich das Armut sehr beschwerete. Dan die Pfenninge, wie ich derselbigen noch etliche gesehen hab, seint wol so gut gewest, als itzund drey oder vier. Darum erdachten sie einen Rat, das sie newe geringer Pfennige muntzeten. Da opfferten die Burger dieselbigen newen Pfenninge, und der Kirchher und seine Unterpfarner wolten sie nicht annhemen und wurffen sie den Lewten vom Altar widder zu, und der Kirchher beklagte sich, man schmelerte ime seine Gerechtickheit. Der Rat aber sagte nein, dan es stunde je in eins jedern Gefallen, ob er die alten Pfenninge wolte opfferen oder nicht, es were je so sehr keine Pflicht, sonder nur ein gutter Wille der Lewte, was sie geben wollen.
128) K., 364. [Ao. 1498.] Kirchenstiftung des Hertzog Bugslaff an die St. Otten Kirche zu Stettin: »den Hertzog Hut und das gulden Schwert, das ime der Bapst gegeben, ... da es alle Jar am Tag der Auffart Christi in der Procession wurt umgetragen und gezeigt«. Ferner ein Tafelbild.
Fasten.
129) K., 415. Vom Christenthumb her ists [das Land Pommern] bepstischen Glawbens gewest und das Folck sehr andechtig, und hat viele in die Kirchen, Closter und den Armen gegeben, auch viel gefastet. Am Mitwochen und Sonnabend haben sie kein Fleisch und am Freitag kein Fleisch, Eer oder Butter gegessen. Und so nhur ein geringe Fest gewest, so haben sie es vhest gefastet, auch die Kinder zu Vhasten gewehnet und sie mit Schencken darzu gereitzet. Dan auff die heilige Nacht haben die Kinder müssen ire Schuch etwar an einen Ort setzen. So legten dan die Eltern Gelt, Epffel, Birn, Nüsse oder sunst wes darin. Des Morgends, wan die Kinder auffstunden und dasselbig funden, sagten die Eltern, der Heilige, des Abend sie gefastet, hette es gegeben; bisweilen legten sie inen nichts in die Schuch und sagten, sie hetten nicht recht gefastet. Von deswegen wurden dan die Kinder trawrig und beflissen sich darnach mehr zu fasten.
Procession.
130) K., 211. Anm. 1. 1350 seint die Loitzken Bruder gewest, und ist ein groß Sterben gewest; so nhamen sich zwen bei den Henden und gingen Procession von der einen Kirchen zur andern, und hette iglicher eine Fanen, und wan sie in Kirchen, Kirchhofe oder auff andere rawme Pletze khemen, so zogen sie ire Kleider aus und tette einen Tuch fur umb die Lenden und geisselten sich, so sanck dan ir Meister:
»Huy, holdet up iwe Hende, dat Got dissem Steruen wende, strecket ut iwe Arme, dat sick Got iwer erbarme.«
Sollicker Lewte wurden grosse Scharen, und wolten keine Weiber anrhüren, aber man wurts innen, das es Buberey war, und verprante sie eines Teils und stillets also. [Vergl. Nr. 128.]
Jerusalemfahrt.
131) K., 349 ff. Herzog Bugslaff’s Jerusalemfahrt Ao. 1496. [Vergl. Nr. 68; 89.]
Zauberei.
132) P. II, 365–372. 1525... hetten die von Landspergk newlich einen schwartzen muͤnnichen bekhomen, der jnen predigen solte... Derselbe gingk, wie jre art was, den wulffstieg... So was ein buͤrger zu Landspergk, der hies Thewas Hase, der was halb lutherisch, vnd verdros jme des muͤnnichen gawkelwerk. Vnd wie der muͤnnich einmal vber die bruͤcke ginck, vnd Thewes Hase bei jme hinginck, sagete Thewes Hase zu ime: wulff heuchler, wulff heuchler! dan so pflagk man gemeinlich zu der zeit die muͤnniche vnd pfaffen auszuschreien. Das verdros den muͤnnichen sehr... Und machte sich darnach vnsichtlich, vnd ginck in Hasen haws, vnd sahe was da gekochet wurt, vnd nham stets das beste gerichte vom fewer wegk, das nymands wuste wo es pleib... Darnach warff er mit steinen vnd stoͤcken im haws, das nymands darin pleiben tuͤrste; bisweilen wen Hase mit seinem weibe zu bette ginck, zuͤndete er das betstroh an. vnd wen sie wolten retten oder fewer schreien, so hette er es balde geleschet. Offte zuͤndete er Hasen haws an im tage, vnd schweiffte vnsichtlich durch die stat, vnd schrey: fewer, fewer! vnd wen das volck zulieff vnd wolte es retten, so leschete ers; vnd wurt derhalben ein große angst in der stat, vnd gepot der rhat Hasen, das er solte mit weib vnd kint aus der stat zihen. Vnd darvber verzuffete der gute man gar, vnd ginck in eine gemeine badstuben, vnd badete schyr den gantzen halben tag, das es jederman sahe, das ers aufs verzuffen tette. Darvmb troͤsteten sie jne, vnd sagten, er solte aus dem bade gehen, vnd sich selbst nicht vorwarlosen, vnd sagten jme zu, das sie wolten mit jme heimgehen, ob sie khoͤnten mercken was es were. Darvnter was der hencker, der sich auff schwartze kunst wol verstundt. So sagte einer darvnter: es khoͤnte nicht wol muͤglich sein, das es ein geist were, dan wan es ein geist were, doͤrffte er so viel wunders nicht trejben, dan es khoͤnte wol auff einmal haws vnd hoff vmbkheren: es muͤste eigentlich zawberei sein, das es etwan ein alt weib oder gelehrter, die mit solchen kuͤnsten vmbgingen, muͤsten anrichten... Die lenge ginck [der Mönch]... die stiege hinauff auff den boden. So was Thewes Hase ein feiner reisiger buͤrger gewest, das er gutten harnisch hette, der auff dem boden hinck. Den zogk der muͤnnich an, vnd gingk lange mit damit auff dem boden, wie ein kuͤritzer. Vnd wie er nhu genug damit gespalcket hette, wurt es die lenge stil. So gingen die lewte auff den boden... vnd funden nichts anders wan sewkoth...
Auff den abend gingk der muͤnnich, wie er gewonen was, in das calandhaws, da alleine die priester pflegen, jre zeche zu halten... Do sagte ein priester vngefherlich zu jme: her Johan, wolt jr nicht bald außreiten?... Den man heißet es außreiten, wan einer durch schwartze kunst wohin schwebet. So nahm es der muͤnnich für schertz an, vnd hette es doch im synne das ers thun wolte, vnd sagte, er wolte seiner nottorfft nach wohin gehen. Vnd domit es one vordacht were so lies er seine kappe da, vnd gingk in dem vnterrocke wegk... [Der Mönch wird in einem Bürgerhause gefaßt], da der rhat hinkham vnd befhal jne wegkzusetzen. So bat der muͤnnich, man muchte jme doch seine schwartze kappen aus dem calande holen, das er sich im torm damit decken moͤchte. Das rhiet aber der hencker abe vnd sagte, er wird eigentlich seine zawberei darinne haben... Darumb lies der rhat die kappe holen, vnd besuchten sie, vnd funden das er forn an der brust hette vernehet einen zettel mit characteren, vnd haar, vnd etzliche kreutter, vnd ander seltzsam dingk, welches die zawberei was.... [Dieser Mönch soll dann den Markgrafen Joachim in der schwarzen Kunst unterwiesen haben.] [Vgl. Nr. 106.]
Aberglauben.
133) P. I., 333/4. [c. 1325.] Es sol ein poltergeist, den die vnsern chimmeken nennen, auff dem schlosse [zu Loitz] lange jar gewesen sein. Dem hat man alle abend pflegen, süße milch hinsetzen, das er sie die nacht esse, vnd hat also keinen schaden gethan. Wie aber die Meckelburger das schloß inne hetten, sol ein kuͤchenbube jme die milch genhomen haben, vnd sie selbst ausgesoffen, vnd dem geiste spöttische wort gegeben. Daßelbe hat dem geiste sehr verdroßen; vnd wie einmal der koch fruͤ auffgestanden, und der bube fewer machete, vnd der koch hinginck vnd wolte fleisch holen das er beysetzete, hat der geist mitlerweilen den buben genhomen, vnd in stücken gehawen, vnd in den großen ehrnen grapen gesteckt, der mit heißem waßer bei dem fewer stundt. Vnd demnach, wie der koch wiederkhomen, hat der Chimmeke gelachet vnd gesaget, es were alle gahr, er solte anrichten vnd essen. Do hat der koch den grapen gesehen, vnd hende und fuͤsse gefunden, vnd gesehen, das er der bube gewesen, vnd ist erschrocken; darnach sey der geist wegkgezogen, vnd habe sich nicht mehr vernhemen lasßen. Es sey nhun so oder nicht, dennoch ist es daselbst eine gemeine sage, vnd man zeiget noch diesen tag den grapen, darin es sol geschehen sein.
134) K., 367 Anm. 2. [c. 1500.] Wie es George Kleiste bey der Diuenow begegnete, do er in der Nacht uber das Wasser fhur und alsbalde alles finster wurt, das er und seine Knechte nicht wüsten, wo hin aus und ein Stim kham: »hieher, hieher,« da er nicht hin wolte. Darnach ein fewriger Man kham und sich zum Wagen tette und die Lehnunge angreiff und so bey her lieff und ummerzu grosser und grosser wurt, da ime doch nymands antwortete; dan Georg Kleist hets verbotten. Und ein Hund lieff unter dem Wagen und gischete als solte er sterben. Die Lenge, do nymands nichts sagte, lies das Gespenst den Wagen gehn und echterte sich, und die Lenge fhur es auff und slug den Mantel von ein. Do sahe man ime in den Leib hinein, Rippen und alles wie ein hollisch Fewr; mit des verschwandt er. Dis sagte man, das es Georg Kleist geschehn were umb des willen, das er das Fegfewr nicht glewben wolte. — Item Jacob Fleminge begegnete es so, das er bey dem Strande zwuschen der Zweine und Diuenow auch reisete, und was finster; so warden den Knechten oben die Fhurspiesse brennen; des erschraken sie alle und wolten das Fewr abslagen, und floch das Fewr auff den Wagen, da Flemingk auff fhur und lieff ummeher. Des erschrack der Knab, der vor im Wagen saß, und fil unter den Wagen, und mit des leufft auch ein Kugel der Flamme unter den Wagen. Des wurden die Knechte scheldig und stachen darnach und hetten den Knaben schyr erstochen, wan er nicht auffgeschrien hette. Diesser Flemingk solle gesagt haben, ob noch ein Mensch im andern steche, und wan er scheldig wurt, sagte er: »Dyr soll Ulck bestehen!« (sic!)
Abgötterei.
135) P. II., 57/8. Auch ist zu dieser zeit [c. 1440.], wie man saget, der Putzkeller sekta im Lande zu Bard gewest, vnbewust woher sie erstanden. Das ist eine teuffelsche lere gewest, schyr auff die art wie die Adamiter vnd gartenbruͤder sein, haben gehalten, das nach dem juͤngsten tage der teuffel solle Christum aus dem himmel vertreiben, vnd er sampt seinen glewbigen widder in den himmel khomen, vnd er so lange darin regiren, wie Christus geregiret hat. Vnd sein des jares an einen ort zusamen khomen, daselbst sie auff die nacht etliche ceremonien vnd gepete gehalten, vnd hat jr vaterunser angegangen: »vader vse, hulder buse, thovorm werestu du ower vns, nu bistu vnder vns,« vnd wan sie alles gethan haben, haben sie sich verschworen, die ceremonien vnd glewben nicht zu vbergeben, vnd darnach hat der oberste alle lichter ausgeschlagen, vnd gesagt: »wachset vnd vermehret euch«. Vnd sein also zusamen gefallen, man, weib, gesellen, junckfrawen, wie sie vngefehrlich bei einander gestanden; vnd haben es dafuͤr gehalten, wer in dem glewben were, der khunte nimmer arm werden. Vnd jr abzeichen gegen einander was, wan sie sunst bei den andern christen in der kirchen saßen, wan man in der kirchen vnter der messe das sacrament auffhielt, das sie sich vmbkhereten oder ja nicht danach sahen. Vnd was diese abgoͤtterej vnter dem adel allein vnd hielten es so heimlich, das es nymandts ertbaren khunte, bis das der teuffel einmal den zehenden von jnen nham, vnd ein edeljunckfraw von Datenberges geschlecht, da sie einmal also zusamen weren, wegkfhuͤrete, darvber die sach begunte auszubrechen, vnd also der convent verstoͤret wurt. Vnd derselben Ketzer sein auch viele vmb New Angermuͤnde in der Marke gewest, vnd sagen etliche, das die stat darvmb Ketzer-Angermuͤnde heiße. Dan hernach im jare 1500 vngefher, als jederman solche vnchristliche sekta tadelte, vnd dennoch viel bestendig darin pleiben wolten, ist einer Marquardt Behre von Forckenbecke aus diesem lande in Picardien ein jar fuͤrgewichen, vnd nach ausgange des jares widder khomen, vnd hat Metzkawen von dem Grellenberge nachgelassne witwe, Margreta Leisten eine junckfrawe, vnd noch mehr junckfrawen mit sich wegkgefhüret, hat vier reisige pferde vnd einen verdeckten wagen gehapt, darin er die fraw vnd junckfrawen wegkgefhuͤret, vnd nymans weis auff diesen tag wohin; werden noch von den lewten, so sie gekhant, beklaget.
136) Über die Götzen Triglaf, Borveit, Gerveit, Schwanteveit, Rhugieveit und Poronutz vergl. K., 70; 78; 103/4; 112; 113/4.
Wissenschaftliche Altertümer.
Gelehrtenleben.
137) K., 336/7. [Bischof Marinus von Camin Ao. 1480] nachdem er wüste, das die Gotten und Wenden, so in den benhometen Landen gewonet, Rhom und Italien offt geplundert hetten und widder in diesse Lande gezogen weren, darum meinte er, sie müsten viele schone Bucher, die man zu diessen Zeiten missete, mit sich wegkgefhurt und in ire Land gepracht haben. Darum, wo er kham, ginck er allein in die Libreyen, sam wolte er studiren, und was er Guts fand, das nham er gantz wegk oder schneit es aus den Buchern und verbarg es unter dem Rock und stalls so wegk. Und nachdem man auff inen, als des Bapsts Legaten sollicher Dieberey keinen Argwohn hette, ist mans nicht ehe enwahr geworden, sonder do er wegk ist gewest.
Praehistorie.
138) K., 138. Von Begrebnus... [Es] lesst sich ansehen, das sie [die Pommern] vor dem Christentumb bereit geglewbt haben, das die Selen nicht ersturben. Dan wan einer gestorben ist, so haben sie yme ein herlich Grab gemacht, gemeinlich von newen grossen Veltsteinen, deren sechsse in einem Rinck wie ein Sarck in die Erde gesetzt und drey die allergrossisten uberher gelegt wurden, welcher Greber noch hin und widder im Lande auff dem Acker verhanden seint, und ein iglicher Stein so groß ist, das man sich verwundern moge, wie Menschen solliche Last haben handlen khonnen; dan ich halte, das sie eins Teils uber hundert oder anderthalb hundert Zentener haben. Und unter sollich Grab haben sie yne gegraben und allweg etwas mit yme hineingegraben, dazu er sein Lebenlanck die grossiste Lust gehapt: ist er ein Rewter gewest, so haben sie yme den Harnisch mit in die Grube gelegt; ist er ein Trencker gewest, haben sie yme ein Vas Bier mit eingegraben, und dergleichen mehr. Und ist darnach die Freuntschafft auff den dreitzigsten Tag und abermal auff den sechssigsten Tag und darnach auff den hundersten Tag stets bei dem Grab gegangen, haben da gegessen und getruncken, und wan sie sat weren, dem Totten sein Teill auch in das Grab unter die Steine gesetzt und darvon gegangen. So ists da des Morgens verzeret gewest, villeicht vom Teuffel; darumb haben sie gemeint, der Totte habe es auffgefressen.
139) K., 3/4. Herkunft der Wenden. K., 18/19. Herkunft der Langobarden. K., 418/9. Tuisko und die übrigen Stammväter.
Rechtslehrer.
140) K., 361. Ao. 1496. Berufung italienischer Rechtslehrer nach Greifswald.
Naturwissenschaft.
[Naturwissenschaft vergl. Nr. 76; 82.]
Arzt.
141) K., 339. [Herzog Bugslaff ist c. 1485 von einem Hirsch schwer verletzt]. Aber der Artzste hette ime aus Eile die Lunge mit in die Wunde geheilet, derhalben er dan bisweilen, wan er hoch steig, schwaren Athem hette, und dasselbig fand man auch nach seinem Tott, do man ine aushnam.
142) K., 355. [Ao. 1496.] Peter Podewils... khonte die Fliche [von einem auf der Jerusalemfahrt erhaltenen Schuße] on Schaden des Gesichts lange nicht ausschneiden oder ausbrechen lassen und muste sie also mit grossen Schmertzen tragen, bis sie die Lenge selbst ausgerottet ist; aber es hat ime durch Gottes Hulffe nichts am Gesichte geschadt.
143) K., 402/3. [c. 1530.] Das Awge, das er [Herzog Georg von Pommern † 1531] ausgestochen, was ime doch so widder geheilet, das mans ime nicht wol ansehen khonte, das er nichts mit sahe. Aber dennoch sahe er ein weinig grewlicher domit wan mit dem andern.
144) K., 312. [Dr. Georg Walther starb Ao. 1469 plötzlich] wie man achtet, das er einen welschen Pfeil empfangen hatte.
145) K., 400. Im Jar 1529 umb Pfingsten entstund im Land zu Pomern bey der Oder und umb das frische Haff eine seltzam Kranckheit: es kham den Lewten an, das sie bey irem Arbeite von Stund an on bewuste Ursach lam wurden an Henden und Fussen, und hetten sich nicht helffen khonnen, wan sie gleich sterben hetten sollen... Dieselbigen Lewte müste man warm zudecken und inen warm Bier mit Buttern zu trincken geben, und sie frassen auch sehr viel, und dan in den dritten oder vierten Tag wurden sie widder gesunt. Und ich achte es darvor, das das Wasser musse vergifftet sein gewest, aus der Ursach, das viele Merschwein in der Fasten zuvor bis vor Stettin khemen, da man sie ny gesehen hatte... und das man auch umb das frische Haff und bey dem Strande derselbigen viele tott fand.
Umb diesseselbe Zeit, do die Kranckheit so ginck, was es uberaus heis bis auff Sanct Johannis Geporttag. Do hub es an zu regen und zu slaggen und war den gantzen Somer so neblicht und kalt bis auff Bartholomei, das man zu der Zeit die Stuben einheissen müste, und verdurb also getreidig und Wein und alle Fruchte. Und umb Bartholomei wurt es so schwul und warm, doch unter dunckeler Lufft, das einer sich vor Schweis nicht retten khonte. Mit dem Wetter erhub sich im Niderland an dem Meer eine newe Kranckheit, die man den engelischen Schweis oder die Schweissucht hieß; dan da was sie hergekhomen. Von dar floch sie wie ein Plitz uber gantze teutzsche Land und wanderte von der einen Stat zur andern. Von Hamburgk kham sie auff Lubeck, von Lubeck auff Wismar, von dar auff Rostock, von Rostock aufn Sund und also vortdhan auf Gripswald, Ancklam und kham in vierzehen Tagen von Hamburgk gein Stettin; und es khonte so bald kein Geruchte von derselbigen Kranckheit worhin khomen, alsofort was die Kranckheit auch dar. Und was so gestalt: den Lewten kam Krywelnt an in Henden und Beynen und grosse Hitze, Schweis und Angst, und viele wurden darvon rasen. So muste man sie warm halten und bedecken, das sie die Lufft nicht anwehete. Darumb benehete man sie in den Petten, und musten 24 Stunden so legen oder sie sturben, wiewol sich hernach befunden hat, das es nicht von notten gewest, so lange zu legen. Diesse Kranckheit kham Dinstag nach decollationis Johannis zu Stettin, und fil der Fursten Kuchemeister Johan Alte ersten darin: der ginck des Abend gesunt zu Pette, umb Mitternacht kham es ime an, des Morgens umb funffen was er tot. Des andern Tages fillen die Furstin und viele vom Hofgesinde und Borgern darin und zu forderst alle Doctores und Licentiaten Medicine, und wusten nicht, was es vor eine Kranckheit war und was man darzu geprauchen solte, alleine das sie cordialia ordinereten. Und fillen so gut als in zwey Tagen etliche tawsent Lewte darin. So khemen zween Knechte dahin, dieselben weren von Hamburgk der Kranckheit nachgefolgt, das sie den Lewten lereten, wie sie sich halten solten. Dieselbigen hettens am Geruch des Schweisses, ob es der rechte Schweis war oder nicht. Dan viele, so nur schwitzten, legten sich aus Forchte auch kranck. So lereten die Knechte den Lewten, wie sie die Krancken benehen und warten solten, und wan inen alzu heis were, das man inen mehlich den Dawn aus den Oberpetten abzog, domit sie nicht erstickten. Nach denselbigen und nach den Predigern war des Nachts mit Lichten und Laternen sollich ein Lauffen und Rennen, das es Wunder was. Und was die Stat nicht anders, dan ob sie vul Totten were; dan des andern Tags was auch keine gasse, da zum weinigsten nicht zwu, drey oder mehr Leiche weren. Die folgenden Tag nham es aber ummer ab und verginck schyr in newn Tagen, das es nicht so heftig pleib. Viele wurden in den Petten verhitzt und erstickt und viel sturben sunst. Die aber genasen, die nham man nach 24 Stunden aus den Petten und wischete sie mit feinen reinen Tuchern aus dem Schweis und setzte sie vor ein Fewr in ein Gemach, dar es nicht wehete, und machete inen ein Eyersuplin. So wurden sie in einem Tag oder achten etwas widder gesunt, aber in langen Zeiten khonten sie die Sucht nicht recht verwinnen. Zur selbigen Zeit lag auch Soliman, der turckische Kaiser, in Hungern und kham vor Wyne und belagerte das; so kham der Schweis auch unter sein Kriegsfolck, das er widder zu rugge zihen moste; er hette aber Hungern und Ofen all gewunnen.
146) K., 314. Anm. 1. [c. 1470.] Bischoff Hennigk... hat gesagt, es were mit uns wie mit jennen, die in Peste legen: etlichen sluge es aus, etlichen plebe die Gifft inwendig; dens ausschluge, den were besser zu helffen wan den, den es inwendig plebe.
147) K., 391. [Ao. 1523.] Die Medici redeten ungeferlich unter sich, das es ime [Herzog Bugslaff] der fulle Man thun würde [= daß er mit Vollmond sterben würde]. [Vergl. Nr. 20; 41; 76; 78.]
LITERARISCHE NOTIZEN.
Studien zur Reichs- und Kirchenpolitik des Würzburger Hochstifts in den Zeiten Kaiser Ludwigs des Bayern (1333–1347). Von Joseph Hetzenecker. Würzburger Diss. Augsburg. Matth. Rieger’sche Buchhandlung (A. Himmer.) 1901. 8. 88 Seiten.
Die Geschichte des erbitterten Ringens zwischen Kaiser und Papst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhdts. erhält durch die fleißige Arbeit des Verfassers einen neuen erwünschten Beitrag. Hetzenecker schildert auf Grund größeren gedruckten Materials, in welcher Weise das Würzburger Hochstift in diese Kämpfe hineingezogen worden und wie Würzburg selbst mit Plan und That Anteil genommen. Die Schilderung des Streites über die Besetzung des Bischofstuhls nach dem Tode Wolframs v. Grumbach und der zwiespältigen Wahl im Jahre 1333 wird abgelöst von der lebendigen Zeichnung der Charakterbilder eines Hermann v. Lichtenberg, Ottos von Wolfskeel und Albrechts von Hohenlohe unter Darlegung der wechselvollen Politik jener Kirchenfürsten. Unter den Beilagen bietet die zweite: Bischof Ottos »Letze u. Gebote« (1341–43) für den Kultur- und Rechtshistoriker mancherlei von Interesse.
H. H.
Geschichte Lothringens. (Der tausendjährige Kampf um die Westmark.) Von Hermann Derichsweiler. Zwei Bände. Wiesbaden. C. G. Kunzes Nachfolger (W. Jacoby). 1901. 8. XIV, 538 und 649 Seiten.
Deutscher Seits hat Lothringens Geschichte bisher unverdient geringe Beachtung gefunden, selbst nach seiner Wiedergewinnung, während die Franzosen sich sehr feiner Bearbeitungen erfreuen konnten. Liegt es seit 1870 an sich nah, der wechselvollen Geschicke des Landes sich zu erinnern, so ist zudem zu bedenken, daß die lothringische Geschichte, weit über partikulare Bedeutung hinausgehend, auch die Geschichte Altdeutschlands, ja Europas, den Schauplatz und den Preis tausendjähriger Kämpfe zwischen Deutschland und Frankreich bedeutet. Der Verfasser, in die schöne Gegend zwischen Wasgau und Mosel versetzt, hat bald den Wunsch in sich gefühlt, mit der historischen Vergangenheit seiner neuen Heimat sich abzufinden und so aus der Fülle des französischen und deutschen Materials heraus nunmehr diese neue Geschichte Lothringens vollendet, die uns von »deutscher Warte« aus weite Ausblicke in die bunt bewegte Vergangenheit dieses Landes gewährt.
H. H.
Der älteste deutsche Wohnbau und seine Einrichtung. I. Band. Der deutsche Wohnbau und seine Einrichtung von der Urzeit bis zum Ende der Merovingerherrschaft. Von K. G. Stephani. Mit 209 Abb. Leipzig 1902, Baumgärtners Buchhandlung XII u. 448 S. 8.
Der Verfasser hat selbst in seinen einleitenden Ausführungen betont, daß es sich in dem vorliegenden Buche eigentlich mehr um eine Materialsammlung, als eine eigentliche Geschichte des ältesten Wohnbaus handele. Das ist schon durch die große Lückenhaftigkeit der literarischen Quellen und der Denkmale, die an sich gegen die ersteren für die behandelte Zeit mehr zurücktreten, bedingt. Zudem lassen beide nur in den wenigsten Fällen gesicherte Schlüsse zu. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, das mit größtem Fleiß gesammelte Material nur zu einem einleitenden Kapitel über den an die hier behandelten Perioden sich anschließenden mittelalterlichen Wohnbau zu verdichten, wie ursprünglich in der Absicht des Verfassers lag. Die angedeutete Sachlage hat dazu geführt, daß Stephani in der Mehrzahl der Fälle doch nur zu mehr oder minder hypothetischen Resultaten gelangte. Abgesehen von diesen Bedenken gegenüber der Behandlung des Stoffes muß aber mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß die Gruppierung desselben eine recht glückliche ist. Die Schriftquellen sind mit bewunderungswürdigem Fleiße zusammengetragen und ihre Zusammenstellung allein verleiht dem Werke für die deutsche Kulturgeschichte einen dauernden Wert.
Der Verfasser beginnt mit dem gemeingermanischen Wohnbau als Ausgangspunkt für die späteren stammesverschiedenen Bauarten. Aus den sogenannten Hausurnen sucht er Entwicklung und Nebeneinanderbestehen der Grubenhütten, des Zelts und der Jurte zum eigentlichen Haus in prähistorischer Zeit darzulegen. Den Abschluß dieser Epoche bildet die vorchristlich-römische Zeit.
Daran schließt sich die Untersuchung des germanischen Wohnbaus nach Ost- und Westgermanen geschieden, vor und während der Völkerwanderungszeit im Stammland, und weiter auf fremder Erde während und nach der Völkerwanderungszeit. Dieselbe Einteilung ist für den entwickelten stammesverschiedenen Wohnbau auf heimatlichem und fremdem Boden nach der Völkerwanderungszeit gewählt. Es entspricht den Verhältnissen, daß die Quellen natürlich in den späteren historischen Zeiten weit reichlicher fließen, als in den früheren, insbesondere gilt dies auch von den Denkmalsquellen. Für den nordischen Wohnbau aber tritt insbesondere noch die Analogie mit den späteren Bauten, die die frühere Art treu bewahrten, hinzu, um eine verhältnismäßig zuverläßige Anschauung zu ermöglichen.
H. St.
Das städtische Museum in Eger. Mit 8 Illustrationen und 3 Plänen. Von Alois John. Eger 1901. Verlag der Stadtgemeinde Eger.
Der unermüdliche Forscher auf dem Gebiete der deutsch-böhmischen Volkskunde erfreut uns mit der von ihm besorgten 4. Ausgabe des Katalogs der städtischen Sammlungen in Eger. Das kleine Büchlein, das wie seine Vorgänger gewiß, jeder Besucher der alten Kaiserstadt gerne zur Hand nehmen wird, behandelt ein Museum, das sich rühmt, unter den deutschen Provinzialmuseen im Lande das älteste und bei zielbewußter Beschränkung auf einen Gau reichhaltigste zu sein, wie es in der That als Beispiel und Muster für andere deutsche Städte Böhmens gedient hat. Seit 1872 im oberen Stock des althistorischen Stadthauses untergebracht, vereinigt dasselbe eine Fülle von Gegenständen, die in ihrer Gesamtheit ein treues Bild des Egerlandes nach Vergangenheit und Gegenwart gewähren. Im Wallensteinzimmer findet der Geschichtsfreund neben Erinnerungen an den im gleichen Hause ermordeten Feldherrn und seine Zeit, Siegel, Münzen, Waffen, Möbel u. a. m. zur Illustration des alten Eger. Die bürgerliche Zunft- und die Bauernstube verwahren Zeugnisse z. T. noch der jüngsten Zeit, u. a. Hausrat und Trachten des Bürgers und Bauern. Andere Zimmer veranschaulichen die Blüte des Kunstgewerbes in Alteger oder zeigen Denkmäler seiner kirchlichen Kunst. Selbst naturwissenschaftliche Sammlungen fanden hier Unterkunft, so daß auch nach dieser Seite die Sonderart der Landschaft sich heraushebt.
Dem einen oder anderen der Freunde und Besucher des Museums mag es vielleicht von Interesse sein zu erfahren, daß seit April 1901 besondere »Mitteilungen aus dem städtischen Museum in Eger« als Beigabe zu »Unser Egerland« erscheinen.
H. H.