Einleitung zur Weltreise. (continued 7)
Reading edition
Von Djokjakarta fährt die Bahn durch Reisfelder und große Dörfer am Fuße des Vulkans Merapi entlang, r. die scharfzackigen Felsen der südlichen Gebirge, nach dem Bahnknotenpunkt
(620 km) Soerakarta oder Solo (104 m; Hotel Slier, weit vom Bahnhof, Wagen zu haben), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats mit 109459 Einw., darunter etwa 5000 Chinesen und 1200 Europäer, Sitz des Susuhunan (Kaisers) des ehemaligen Reiches von Mataram und des von diesem unabhängigen Prinzen Mangkoe Negoro sowie eines beide überwachenden niederländischen Residenten. Der Kraton, die Kaiserstadt, ist mit hohen Mauern umgeben; Eintrittserlaubnis erhält man durch ein Schreiben an den Residenten. Gelegenheit zur Teilnahme an Hoffesten mit interessanten, Jahrhunderte alten Hofbräuchen und schönen Tänzen der kaiserlichen Bedojohs (Tänzerinnen fürstlicher Abkunft), dazu Gamelang-(Orchester-) Spiel, »wajang-wong« (Schattenspiele; vgl. S. 192) und »topèng« (Maskentanz). Der Kaiser erscheint stets von Zwergen, Lanzen- und Schildträgern und großem Hofstaat umgeben. (Gesuche um Audienz müssen vom Generalgouverneur befürwortet sein und mindestens vier Tage voraus beim niederländischen Residenten in Soerakarta angemeldet werden.)—Rundfahrt durch die Stadt sehr lohnend wegen des bunten Volkslebens; morgens besuche man den Markt (pasar). Sehenswert der schöne Palast (dalem) des Prinzen Mangkoe Negoro, mehrere Tigerkäfige und der Elefantenstall des Kaisers; kleiner Zoologischer Garten mit schönen Schlangen, Affen und Tigern. Prächtige Tamarindenalleen führen zum holländischen Fort Vastenburg, in der Mitte des Europäerviertels. Auch das lebhafte Chinesenviertel ist besuchenswert.
Von Soerakarta nach Samarang. Von der Hauptroute zweigt eine nördliche Linie ab und führt über Goendih und Kedoengdjatti (Zweigbahn nach Ambarawa, s. oben) nach
(125 km) Samárang, Seehafenstadt mit 96000 Einw. (5000 Europäer).
Gasthöfe: Hôtel du Pavillon, am Bodjongweg, Pens. 5,5-6,5 Fl.;—Hôtel Jansen, Heerenstraat, beide gut.— Hôtel Tjandi, für längern Aufenthalt, oberhalb der Stadt, Dampfstraßenbahn bis Djomblang, dann mit (voraus zu bestellendem) Gasthofswagen hügelaufwärts. Viele Pensionen; gute Restaurants. Post u. Tel. neben dem Rathaus, Telephon neben dem Rathaus.—Wagen zu haben.—Straßenbahnen: vom Bahnhof zur Zentralstation und von da am Rathaus vorbei den Bodjongweg entlang zur Wohnung des Residenten; vom Bahnhof durch Oengaran-Allee südwärts bis Djomblang.— Eisenbahn nach Cheribon (Anschlußstrecke nach Krawang im Bau, zur Herstellung einer direkten Linie Batavia-Samarang) und über Soerakarta nach Soerabaja.—Dampfer der Koninklijke Paketvaart Mij., wöchentlich in 2 Tagen nach und von Batavia und in 1 Tag nach und von Soerabaja Landung in Samarang mit Dampfbarkassen (2 Fl.) oder Segelprauen (11/2 Fl.). Im Westmonsun ist die Landung oft gefährlich. —Dampferagenturen: Norddeutscher Lloyd, C. A. Bertsch (Tel.-Adr.: Nordlloyd, Samarang); Rotterdamsche Lloyd, Internationale Credieten Handelsvereeniging »Rotterdam«; Stoomvaart Mij. Nederland und Koninklijke Paketvaart Mij.; Messageries Maritimes. Bank: Javasche Bank; Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.—Konsulat: Deutsches Reich: Generalkonsulat in Batavia.
Die alte Stadt Samarang, nahe der Mündung des Ngaran oder Samarangflusses, war bis 1824 befestigt, wovon noch das Fort Prins van Oranje erhalten ist. Der neue Stadtteil liegt hauptsächlich an der von Kanarienbäumen und Tamarindenbäumen beschatteten Bodjong-Allee. Im Stadtgarten Mi. und So. Konzert. Eine Oberstadt liegt auf einem 100 m hohen Hügel etwa 3,5 km südl. von Samarang in Tjandi; dorthin führt die schöne Oengaran-Allee bis Djomblang, einen Teil des Chinesenviertels durchschneidend. Lohnende Wagenfahrt nach dem chinesischen Felsentempel Gedong Batoe. Am Westende der Stadt liegt das arabische und javanische Viertel, das bei Westmonsun früher oft überschwemmt wurde. Samarang bietet wenig für Vergnügungsreisende, ist aber der zweitgrößte Handelsplatz Javas; lebhafte Ausfuhr von Kaffee, Zucker, Kopra, Indigo und Büffelhäuten.
Von Soerakarta nach Soerabaja führt die Hauptbahnlinie durch die mitteljavanische Ebene zwischen den nördlichen Hügelketten und den südlichen Vulkangebirgen hindurch nach (95 km) Madioen (Hotel Madioen) und weiter über (175 km) Djomblang und (215 km) Modjokerto nach
(265 km) Soerabaja (Surabaya), Seehafenstadt mit (1905) 163611 Einw., darunter 8000 Europäer und 11200 Chinesen.
Ankunft zur See. Mit Dampfer der Koninklijke Paketvaart Mij. von Batavia dampft man, wenn im SO. der weiße Leuchtturm von Soerabaja in Sicht und der Lotse an Bord, durch das schwierige und sehr seichte Fahrwasser der Madoera-Straße, r. Java, l. die gebirgige, von den unzuverlässigen Maduresen bewohnte, mit üppigem Grün bewachsene Insel Madoera, vorbei an vielen ins Wasser hineingebauten Fischerdörfern, vor denen zahllose Fischerprauen segeln oder treiben, auf die mit Dampfern und Seglern meist dichtgefüllte Reede von Soerabaja, wo der Dampfer bei dem weißen Wachtschiff ankert, dicht beim Landungsplatz Oedjong, an der Mündung des Flusses Kalimas, beim Wilhelminatoren. Man landet im Tambangan (Ruderboot, wie Sampan) für 1/2 Fl. beim Zollamt (kleine Boom), wo stets, auch wenn man von Batavia kommt, Zolluntersuchung stattfindet; Einfuhr von Schußwaffen ist nur mit Erlaubnis (S. 195) gestattet. Viel Gepäck lasse man mit Boot zum Gasthof schaffen; sonst nehme man beim Zollamt einen Wagen. Ankunft am Bahnhof: Man steige womöglich an Hst. Stat. Goebeng bei Simpang aus, oder an Hst. Soerabaja (Kotta), je nach Wahl des Gasthofs. Gasthöfe: Oranje Hotel, am Simpangweg; 72 Z. mit Bad u. Telephon, modern, Pens. 7-12 Fl., Auto.—Hotel Embong Malang (Wijnveld), gut; 40 Z., Pens. 6 Fl., am Djalan Embong-Malang, nahe Stat. Goebeng.—Hotel Sarkies, Pens. 6 Fl.—Hotel Simpang, am Simpangweg; 40 Z., Pens. 6 Fl.—Hôtel des Indes, in der untern Stadt; 50 Z., Pens. 5 Fl.—Hotel-Pension van Vlooten, Simpang.—N. V. Hotel & Pens. v. d. Blij, Embong Malang, Pens. 5 Fl.—Restaurants: Restaurant Grimm und Hellendoorn, die besten Kaffeehäuser auf Java, nahe dem Stadtpark und Stat. Soerabaja (Kotta).—Bierhaus eines Chinesen, beim Bültzingslöwen-Denkmal, europäisches Faßbier. Post u. Tel. nahe dem Stadtbahnhof. —Telephon ebenda.—Kabel nach Celebes, Singapore, Australien, Borneo.—Wagen: Zweisp. (Kosongs) sind kaum teurer als Sádos.—Straßenbahn: vom Hafen zum Südende der Vororte.—Eisenbahn: nach Batavia über Soerakarta, nach Samarang etc.
Plan von Soerabaja.

Dampfer der Koninklijke Paketvaart Mij. wöchentl. in 3-4 Tagen nach und von Batavia über Samarang. —Dampferagenten: Koninkl. Paketvaart Mij., Geschäftshaus: Willems Kade.—Norddeutscher Lloyd, Behn, Meyer & Co., Societeitstraat (Tel-Adr.: Nordlloyd, Soerabaja).— Rotterdamsche Lloyd, Internationale Crediet-en Handelsvereeniging »Rotterdam«. —Stoomvaart Mij. Nederland. —Messageries Maritimes, Anemaet & Co. Banken: Javasche Bank; Nederlandsche Handels-Maatschappij, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Hongkong & Shanghai Banking Corporation; Chartered Bank of India, China & Australia; Ned. Ind. Escompto Mij., Korrespondent der Deutsch-Asiatischen Bank (Behn, Meyer & Co.). Theater: Javanische und chinesische im Hafenviertel, sind nicht empfehlenswert. —Zeitung: »Soerabaja Handelsblad«. Konsulate. Deutsches Reich: Konsul G. Rademacher.—Österreich-Ungarn: Vizekonsul Bernhard Wolf. —Vereine: Simpangsche Societeit (Club) und Concordia, beide international; Deutscher Verein (eignes Haus in Genteng, deutschen Reisenden sehr zu empfehlen).—Ärzte: Dr. Grün, Genteng; Dr. van Steden, ebenda; Dr. van Hasselt, Simpang Doekoe.—Zahnarzt: Dr. Schöppe, Kaliassin.—Apotheke: De Vriendschap, Dir. P. C. Gilde in Aloen-Aloen.—Simpangsche Apotheke, Simpang.—Krankenhäuser: Militärkrankenhaus, auch für Zivilisten; Zivilkrankenhaus Ngemplak.
Soerabaja ist die erste Handelsstadt Niederländisch-Indiens und liegt auf 7° 14' südl. Br. Am schönsten ist das Stadtviertel Simpang mit dem *Simpang-und Scheepsmakerspark und schönen Villen, darunter das Haus des Residenten. In der Nähe des schönen Restaurant Grimm ist ein Denkmal zu Ehren des tapfern freiwilligen Krankenträgers v. Bültzingslöwen. In der eigentlichen Stadt stehen die Häuser nahe beieinander, auch sind die Wohnungen, Geschäftsräume, Läden der Europäer kaum von denen der Eingebornen getrennt, infolgedessen die Straßen schmutzig und häßlich sind. Reger Handelsverkehr herrscht auf dem Flusse Kalimas, an dem die Warenspeicher und großen Exportgeschäfte liegen. Am Nordende der Stadt liegt das alte Fort Prins Hendrik, nördl. davon am Hafen eine große Marinewerft mit Trockendocks und vielen Werkstätten sowie dem Kasino Modderlust. Der Handelshafen wird neu ausgebaut. Für Vergnügungsreisende bietet Soerabaja nichts. Der Handel der Stadt ist sehr bedeutend, Ausfuhr umfaßt Zucker, Tabak, Kaffee, Kopra; Einfuhr europäischer Waren ist groß.—Nahe südl. von Soerabaja liegen am Strande von Kalangandjar zwei Schlammvulkan-Hügel. (Von Soerabaja beste Dampfergelegenheiten zu Ausflügen nach Borneo, Celebes und den Molukken.)
Von Soerabaja auf den Bromo.
Eisenbahn bis Pasoeroean; dann mit Sádos (Zweispänner) für 21/2 Fl. in 11/2 St. nach Pasrepan und weiter mit Bergwagen für 3 Fl. (2 Personen) nach Poespo. Von hier zu Fuß oder zu Pferd (auch Tragsessel für Damen) in 3 St. nach Tosari, wo man übernachtet, um am andern Morgen vor Sonnenaufgang die Besteigung (am besten zu Pferd) des Bromo unternimmt. Man kann auch an bestimmten Tagen mit Automobil von Soerabaja nach Tosari fahren (Mi. und Sa. Nm. für 75 Fl., zurück Do. und Mo. früh für 60 Fl.) In Pasoeroean oder Soerabaja bestelle man telegraphisch Zimmer für die Nacht in Tosari, weil oben oft alles besetzt ist; der Agent in Pasoeroean besorgt auch Karten für 6 Fl. zur Fahrt nach Tosari.

Von Soerabaja mit der Bahn (Automobilverbindung s. oben) über Sidhoardjo und Bangil in etwa 3 St. nach (65 km) Pasoeroean, »Betelgarten« (Marine-Hotel; Hotel Morbeck), einer hübschen Hafenstadt mit 35000 Einw. (500 Europäer), Hauptstadt der gleichnamigen Residentschaft, die bei Malang den besten Kaffee und Tabak Javas sowie Zucker und Indigo liefert. Bank: Nederlandsche Handels-Maatschappij (Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft).
Von Pasoeroean im Sádos-Zweispänner (s. oben) durch schattige Alleen auf guter Straße durch das Dorf Gondang-wètan, mit lebhaftem Markt, in 11/2 St. nach Pasrepan am Fuße des Berges; von da mit kleinem Bergwagen (s. oben; wenig Gepäck, wollene Decke und Überzieher mitnehmen!) durch dichten tropischen Urwald steil bergauf nach Poespo (kleiner Gasthof und Sanatorium), 630 m. Nach Einnahme des Reistafelfrühstücks geht man in 3 St. hinauf bis Tosari; wem die Hitze zu groß, nehme Reitpferd (2 Fl.) nebst Saumpferd (2 Fl.) für Gepäck (größere Koffer werden von Poespo durch Kulis [je 60 cts.] hinaufgetragen), oder für Damen Tragsessel (3,60 Fl.) mit 6-8 Trägern (je 60 cts.). Ein guter Weg führt in vielen Windungen bergan durch den mit großen schwarzen und grauen Affen und überraschend buntfarbigen Vögeln belebten Urwald, zuletzt durch Felder, mit europäischen Gemüsen und Kartoffeln, Mais und Zwiebeln.
Tosari (1777 m; Sanatorium Tosari, 1845 begründet, Dir. und Arzt Dr. Fangmann, vorzüglich, angenehme Geselligkeit, Zimmer telegraphisch vorausbestellen, Telephon nach Pasoeroean, Pasrepan und Poespo, 104 Z., F. 2, Lunch 2, Din. 2,50, Pens. 7 Fl.; noch etwas höher das Kurhaus Tengger [1840 m], Inhaber J. Elfferich, Z. 5-6 Fl.), die höchste Sommerfrische Javas, wird wegen seines frischen und trocknen Bergklimas (Luftwärme zwischen 10 und 20° C) viel von Erholungsbedürftigen besucht. Schöner »europäischer« Garten am Kurhaus. Im April und Mai sowie Oktober und November ist Tosari am stärksten besucht. Spaziergang zum *Nymphenbad mit prächtigem Wasserfall in 40 Min.
Besteigung des Bromo. Von Tosari Aufstieg zum *Bromo (2300 m) möglichst früh vor Sonnenaufgang zu Pferde (besser als im Tragsessel); zu Fuß hin und zurück ist etwas anstrengend, da man sowieso zu Fuß klettern muß. Führer 90 cts.; Zeit zur Besteigung etwa 3-4 St. Die Gegend zeigt anfangs europäisch-alpinen Pflanzenwuchs (Wolfsmilch, Brombeeren, Kamillen, Rhododendron, Alpenveilchen, Edelweiß, Baldrian, Erdbeeren, Vergißmeinnicht etc.). Auf halber Berghöhe prächtiger Ausblick nach S., auf den höchsten Berg Javas, den Vulkan Semeroe (3676 m), dessen ovaler Riesenkrater von 9 km Durchmesser in 2125 m Höhe mit Asche ausgefüllt ist (nur der Kilaueakrater, S. 422, ist noch größer). Nach etwa 2 St. Ritt erreicht man den Moenggal-Paß (2482 m); der Weg teilt sich, l. erreicht man nach kurzer, steiler Steigung eine kleine Fläche, auf der eine Hütte steht; dort, am innern, schroffen Abhang, *Blick auf den etwa 200 m tiefer liegenden Sandsee des alten Tengger-Vulkans, dessen Riesenkrater von etwa 8 km Durchmesser mit Sand gefüllt ist; im Sandsee (Dasar) erheben sich vier kleine Vulkankegel: der Widodarèn, der Giri (von N. gesehen, hinter ersterm), der stets tätige Bromo und der alleinstehende Batok. Nun etwa 200 m mühsamer Abstieg (Pferde besser führen) zum Sandsee, dann Ritt über den Sand in 3/4 St. westl. und nw. um den Fuß des Batok zum Fuße des Bromo bis zu der neuen Steintreppe, die mit etwa 250 Stufen zum obern Kraterrand führt, wo die Pferde mit Kulis zurückbleiben. Dann Aufstieg zum obern Kraterrand des Bromo (2300 m). Auf 3/4-Höhe hört man schon das grollende Donnern und Dröhnen des Bromo; man glaubt, der Krustenrand zittere.
Oben ist eine breite Fläche, wo man das von den Kulis heraufgebrachte Frühstück verzehrt. Ein etwa 1/2 m breiter Fußpfad (nur Schwindelfreien zu empfehlen) führt in 1 St. um den 200 m tiefen Kratertrichter herum, dessen Anblick Hans Meyer wie folgt beschreibt: »Aus dem Boden heben sich wiederum zwei kleinere Kegel, die zurzeit von kleinen, schmutziggrünen Teichen ausgefüllt sind und bisweilen große Blasen treiben. Dicht daneben aber gähnt unter einem überhängenden Fels ein feuriger Schlund, so furchtbar großartig, daß die Phantasie eines Höllenbrueghel keinen greulichern Höllenschlund hätte ersinnen können. Daraus fährt sausend, zischend und heulend eine Glutflamme, angefacht wie von Tausenden von Hochofengebläsen und tobend, daß man mühsam seine fünf Sinne zusammenhalten muß, und hoch über uns verdichten sich die Wasserdämpfe zu jener weißen Wolke, die wir schon vom Rande des großen Kraters aus beobachtet hatten. Ich machte trotz der Einwendung meines Führers einen Versuch, in den Krater hinabzuklettern, fand aber an der abschüssigen Wand und in dem nachrutschenden Sandschlamm so wenig Halt, daß ich schleunigst umkehrte.« In der Nähe von Tosari liegt ein *Tenggeresen-Dorf, dessen Bambushütten viele kleine Kammern haben. Die Tenggeresen sind Ureinwohner, die noch der alten javanischen Naturreligion treu geblieben sind; sie sind ein sittsamer, friedlicher und fleißiger Volksstamm, deren Andachtsstätte der Bromo ist, in dessen Sandmeer sie sich an jedem zwölften Vollmond mit ihren Priestern (Dunkun's) in Festkleidern versammeln, dort Gelübde erfüllen (z. B. Tänzerinnen tanzen lassen); schließlich wird auf ein Zeichen des Oberpriesters unter Vorantritt aller Priester von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern der etwa 220 m höhere Kraterrand des Bromo erstürmt; oben werden als Opfer Früchte, Hühner, Kleider, Münzen, Kuchen niedergelegt, von den Priestern gesegnet und dann in den Krater geworfen (wobei Jungen aber im innern Kraterrand auffangen, was sie fassen können). Das Opfer gilt für die Seelen der Verstorbenen, die ein Fegfeuer im Bromokrater durchmachen müssen, ehe sie auf den Gipfel des benachbarten, 1000 m höhern Seméroe, wo ihr Gott-Vater Batoro Guru lebt (die Walhalla!), gelangen. Wer vom Tengger-Gebirge noch mehr sehen will, kehrt nicht nach Tosari zurück, sondern reitet durch den Sandsee nach dem Passe von Ngadisari, nach etwa 200 m Aufstieg wird der Oberrand des Tenggerberges wieder erreicht, auf dessen äußerm sanften Hang das von grünen Wiesen und Bäumen umgebene höchste Tenggeresendorf Ngadisari liegt. Nach 1-2 St. gelangt man weiter auf landschaftlich sehr schönem Gebirgsweg (mit vielen steilen Abhängen und schwierigen Stellen) nach Soekapoera, wo man in dem prachtvoll gelegenen Rasthaus, pasanggrâhan, übernachtet (gute, reine Betten). Man telegraphiere schon von Tosari zum Residenten von Pasoeroean um Erlaubnis zum Übernachten im Rasthaus. In Soekapoera bestelle man telegraphisch von Probolinggo einen Wagen zum Fuß des Gebirges. —Am andern Morgen recht früh zu Wagen (6 Fl.) in etwa 6 St. nach Probolinggo (Hotel Egener, gut), Bahnstation und kleiner, malerischer Seehafenplatz mit 8000 Einw., an der Madoerastraße, mit schönen Tamarinden-Alleen. Von hier zurück mit der Eisenbahn (100 km) über Soerabaja (S. 208) nach Batavia (S. 195).
Von Tosari sind sehr viele schöne Ausflüge auf guten Pferden (Tarif im Sanatorium) zu machen; die Leitung des Sanatoriums gibt Auskünfte und besorgt alles. Man muß stets sehr früh aufbrechen, da mittags meist Nebel eintritt. Sehr schön und bequem ist der Ritt nach dem *Penandjaan (2780 m); man hat das Sandmeer tief unter sich und schaut in den Bromokrater hinein. Prächtiger Rundblick!
II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea, Japan.
11. Südchina: Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila S. 214-240
Südchines. Meer S. 214. — Südchina S. 215. — Hongkong S. 220. — Kanton S. 225. — Macao S. 233. — Von Hongkong nach Manila S. 234. — Philippinen S. 235.
12. Von Hongkong nach Schanghai. Yangtse-Fahrt S. 240-265
Swatau. Amoy S. 241. — Futschou S. 243. — Kuschan. Jungfu. Ningpo S. 244. — Insel Formosa S. 245. — Ostchines. Meer. Schanghai S. 246. — Yangtse-Fahrt Schanghai-Hankau-Itschang S. 254. — Nanking S. 256. — Minggrab S. 257. — Kiukiang S. 258. — Hankau S. 259. — Itschang S. 262. — Tschungking S. 263.
13. Nordchina: Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking S. 265-280
Kiautschou S. 266. — Tsingtau S. 267. — Lauschangebirge S. 270. — Tsinanfu S. 272. — Küfu S. 273. — Tientsin S. 275. — Weihaiwei. Tschifu S. 278. — Tongku S. 279.
14. Peking und Umgebung S. 280-301
Große Chinesische Mauer S. 295. — Minggräber S. 296. — Jehol S. 297. — Peking-Hankau S. 299.
15. Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen Bahn über Charbin nach Wladiwostok, Dairen u. Peking S. 301-329
Moskau S. 305. — Tomsk S. 314. — Krassnojarsk. Jenissei. Irkutsk S. 315. — Baikalsee S. 316. — Amurfahrt Srjetensk-Chabarowsk S. 317. — Charbin S. 318. — Wladiwostok S. 320. — Chabarowsk S. 323. — Von Charbin nach Dairen S. 323. — Mukden S. 324. — Chienshan. Dairen S. Port Arthur S. 327. — Von Charbin nach Peking S. 328.
16. Korea S. 330-337
Von Mukden nach Söul S. 331. — Tschimulpo S. 332. — Söul S. 333. — Von Söul nach Fusan und Shimonoseki S. 336.
17. Japan. Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee nach Kōbe, über Osaka, Kyōtō nach Yokohama, Tōkyō und Nikkō S. 341-411
Ostchines. Meer S. 348. — Nagasaki S. 349. — Eisenbahn Nagasaki-Moji. Kagoshima. Dazaifu. Hakata S. 353. — Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach Kōbe S. 354. — Shimonoseki S. 355. — Eisenbahn von Kōbe über Osaka und Nara nach Kyōtō S. 356. — Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe S. 358. — Kōbe-Hyōgo S. 361. — Kyōtō S. 369. — Über den Hiyei-zan zum Biwasee S. 377. — Hozugawa S. 378. — Momoyama. Eisenbahn von Kyōtō nach Yokohama S. 379. — Yamada. Futami S. 382. — Kunozan S. 383. — Fuji-no-yama S. 384. — Mianoshita. Über den Hakonesee und den Jikkokutoge nach Atami S. 386. — Yokohama S. 388. — Kamakura S. 391. — Enoshima. Kanazawa S. 392. — Tōkyō S. 393. — Nikkō S. 404. — Chuzenjisee S. 407. — Yumotosee. Nyohō-zan S. 408. — Ikao. Harnausee. Harunatempel S. 409. — Asama-yama S. 411.
18. Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco S. 411-423
Stiller Ozean S. 411. — Haiwai- (Sandwichs-Inseln) S. 413. — Honolulu S. 416. — Kilauea. Mauna Kea. Mauna Loa S. 420.

Südchina.
China wird durch das Tsinlinggebirge und seine niedrigere östl. Fortsetzung, das Hwaigebirge, die sich aus Innerasien heraus bis nahe an die Meeresküste bei Nanking erstrecken, in zwei Hauptteile zerlegt, Südchina und Nordchina, die sich in den mannigfachsten Beziehungen unterscheiden. Südchina, auf dessen Betrachtung wir uns zunächst beschränken, umfaßt von den 18 Provinzen, in die das eigentliche China geteilt ist, folgende zehn: Yünnan, Szetschuan und Kweitschou im SW., Kwangsi und Kwangtung im SO., Hunan, Hupeh und Kiangsi in der Mitte, Fukien, Tschekiang und den Südteil von Nganhwei im NO. Für den Weltreisenden kommen fast nur die Küstenprovinzen Kwangtung (mit Kanton und Swatau), Fukien (mit Amoy und Futschou) und Tschekiang (mit Ningpo und Hangtschou) sowie die Provinzen des untern Yangtsegebiets: Kiangsu, Nganhwei (Anhwei) und Hupeh in Betracht. Die Küstenprovinzen Südchinas sind, abgesehen von der Delta-Ebene des Hsikiang, an der Kanton und Macao liegen, fast ganz von Gebirgsland erfüllt, das sich mit meist von SW. nach NO. streichenden Ketten hinter einer insel-und buchtenreichen, trotz Verschlammung der Buchten nicht hafenarmen Küste erhebt. Die Längstäler dieses Gebirgslandes werden von gut schiffbaren und durch niedrige Talwasserscheiden miteinander in bequemer Verbindung stehenden Flüssen durchzogen, deren bedeutendster der gegenüber Hongkong mündende Hsi-kiang ist. Die Flüsse stellen die besten Verkehrswege des Landes dar, da Eisenbahnen noch fast ganz fehlen und Landstraßen nicht vorhanden sind. Der Landverkehr ist vielmehr ausschließlich auf Saumpfade angewiesen und auf Fußwege, auf denen Menschenkraft als wichtigstes Transportmittel verwendet wird. Klima. In gleicher Breite wie das nördl. Drittel Vorderindiens gelegen, hat Südchina doch ein viel rauheres Klima als dieses abnorm warme Gebiet, weil ihm die schützende nördl. Gebirgsschranke fehlt. Ganz Ostasien steht ebenso wie Südasien unter der klimatischen Wechselwirkung zwischen der großen asiatischen Landmasse, deren Inneres sich im Winter stark abkühlt und im Sommer stark erhitzt, und den viel gleichmäßiger temperierten Randmeeren; es hat also Monsunklima (vgl. S. 40). Der sommerliche SW.-Monsun, der weiter nordostwärts in S.-und SO.-Monsun übergeht, ist auch hier warm und bringt Trübung und Regen; der winterliche NW.-Monsun weht dagegen in ganz Ostasien viel stärker als der Sommerwind, ist kalt, sehr trocken und bringt heiteres Wetter. So haben nur Hongkong und Kanton noch ein einigermaßen tropisches Klima mit feuchtheißem Sommer, aber regenarmem und ziemlich rauhem Winter; weiter nordostwärts wird der Temperaturgegensatz zwischen Sommer und Winter immer stärker, die Sommerhitze erreicht überall noch tropische Höhe, während im Winter schon im Hinterland von Swatau unterm Wendekreis die Berge bis tief hinab gelegentlich in Schnee gehüllt sind. Die Pflanzendecke hat gleichfalls nur im S. noch tropischen Charakter mit Palmen, Bananen, Bambus u. dgl.; weiter nordostwärts und im Gebirge spielen immergrüne, hartblätterige (subtropische) Gewächse die Hauptrolle, unter denen die Kamelien und deren Verwandter, der Teestrauch, die bekanntesten sind. Die ursprüngliche Vegetation tritt jedoch stark zurück hinter den Kulturgewächsen, denn die Küstenprovinzen sind äußerst dicht bevölkert und sogar die Berghänge bis zu 1500 m hinauf mit Hilfe von Terrassenkultur in Benutzung genommen. Außer Nahrungspflanzen, unter denen Reis, Mais, Hirse und andre Getreidearten, Zuckerrohr, Hülsenfrüchte und Gemüse die Hauptrolle spielen, werden besonders Baumwolle, der Teestrauch und der Maulbeerbaum (für die Seidenraupenzucht) kultiviert. Ebenso ist auch von der freilebenden höhern Tierwelt außer den schönen Fasanen wenig mehr zu merken.
Die Chinesen und ihre Werke werden daher fast überall für den Besucher Chinas im Vordergrunde des Interesses stehen. Seitdem sie seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Innerasien in ihr heutiges Land vorgedrungen sind, das (mit Ausschluß der Mandschurei, der Mongolei, Ilis und Tibets) etwa 4 Mill. qkm umfaßt (annähernd 71/2mal so viel wie das Deutsche Reich), haben sie dieses in ein Kulturland zu verwandeln verstanden, wie kein anderes Volk der Erde seinen Wohnsitz. Die Fruchtbarkeit und das dem Ackerbau günstige Klima sowohl des lößbedeckten Nordteils des Reiches wie des lößfreien Südteils wiesen von jeher auf den Ackerbau als die natürliche Grundlage der Volkswirtschaft hin, und die rasch zunehmende Volksverdichtung zwang zu immer weiterer Ausdehnung des Kulturlandes und zu immer sorgfältigerer Ausnutzungsweise desselben, die heute geradezu als »Gartenbau« bezeichnet werden kann. Die starke Volksvermehrung (die große Zahl der Kinder ist eine der auffälligsten Erscheinungen im menschenwimmelnden China) hat ihren Hauptgrund in der den Grundzug der chinesischen Volksreligion bildenden Ahnenverehrung, welche die Darbringung von Ahnenopfern durch männliche Nachkommen verlangt und auch die Ärmsten zu frühzeitiger Heirat zwingt. Die Gesamtbevölkerung Chinas soll nach der letzten Volkszählung (1910) reichlich 400 Mill. betragen, was einer mittlern Volksdichte von 100 entspräche (Deutsches Reich 1910: 65 Mill. auf 541000 qkm, Dichte 120). Doch ist diese Zahl wohl zu hoch angenommen. Indem so die Lebensbedingungen für den einzelnen auf dem gegebenen Raum immer knapper wurden, sind höchste Genügsamkeit und ausdauernder Fleiß (Sonntag in China unbekannt) Haupteigenschaften des Chinesen geworden; der chinesische Bauer ernährt sich und seine Familie von einem uns Europäern winzig erscheinenden Stückchen Land, der Kuli von einem lächerlich geringen Arbeitslohn. Das namentlich im N. stark kontinentale Klima mit seinen plötzlichen Witterungsschwankungen vertilgte alle weichlichen Individuen und hat die Chinesen durch natürliche Auslese gegen Witterungseinflüsse unempfindlich gemacht; sie sind das einzige Volk der Erde, das in allen Klimaten arbeitsfähig bleibt; daher die weite Verbreitung chinesischer Kulis. Trotzdem die Chinesen ein Ackerbauvolk sind und der Bauernstand (außer den Akademikern) als der höchste gilt, wohnen sie nur in einzelnen Landesteilen auf dem Lande verstreut; meist drängen sie sich vielmehr in großen, volkreichen Dörfern und in mauerumgürteten Städten zusammen, den Plätzen der großen Märkte, des Warenaustausches und des Handels, in denen der lebhafte Handelsgeist des Volkes seine Wirkungsstätten findet. Das enge Zusammenwohnen und die starke Konkurrenz in diesen Wohnplätzen hat als sehr unangenehme Eigenschaften Hinterlist und Unreinlichkeit sowie anderseits eine einseitig materielle Lebensauffassung hervorgerufen. Der maßlose nationale Hochmut des Chinesen, der ihn auch in uns Europäern nur »Barbaren« sehen läßt, und die Erstarrung ihrer Kultur, die sich erst in allerjüngster Zeit zu lösen beginnt, finden ihre Erklärung in dem Umstande, daß China, das »Reich der Mitte«, stets von kulturell tieferstehenden Völkern umgeben war und alle seine Bedürfnisse selbst erzeugte, so daß es sich Jahrtausende hindurch nach außen ganz abschließen konnte. Die chinesische Volksreligion sieht, wie bereits oben erwähnt, ihren Endzweck in der Verehrung der Ahnen und des Herrschers. Ihre philosophische Weiterbildung hat sie im Konfuzianismus, der Lehre des Kungfutsze (551-478 v. Chr.), gefunden, dessen noch heute im höchsten Ansehen stehende Philosophie den einzelnen lehrt, sich nur als Glied der Gesamtheit zu betrachten und dessen Wohle sich unterzuordnen. Der Buddhismus hat in China, so weit seine Klöster dort auch verstreut sind, nie eine große Rolle zu spielen vermocht. Der Islam zählt etwa 30 Mill. Anhänger in entlegeneren Teilen des Reiches. Sehr gering sind auch die Aussichten auf Ausbreitung des Christentums unter diesem ältesten Kulturvolk Asiens; nur die Jesuiten haben einst (um 1600) große Erfolge erzielt, aber nur, weil sie dem Volke ihren Ahnenglauben und die Verehrung des Kungfutsze ließen.
Die gegenseitige Eifersucht der verschiedenen christlichen Konfessionen, Sekten und Richtungen, die heute noch alle Anstrengungen der Missionen illusorisch machen, haben schon damals das Werk der Jesuiten zerstört: gerade als der kaiserliche Hof in Peking im Begriffe stand, zum Christentum überzutreten, wurden die Jesuiten dank den Einflüsterungen der Dominikaner und Franziskaner vom Papst zurückgerufen. Heute zählt man unter den Chinesen etwa 1 Mill. katholische und 150000 protestantische Christen, die vorwiegend den untern Volksklassen angehören. Die ganzen staatlichen Verhältnisse sind zurzeit in stärkster Umbildung begriffen; den Hauptanteil an dieser Umwälzung haben die Südchinesen. Das Beamtenheer der Mandarinen erfährt seine Ausbildung auf rein formalistischem Wege durch das Studium der Klassiker. Die darin erlangten Kenntnisse werden durch Prüfungen nachgewiesen, an denen jedermann teilnehmen kann. Es herrscht Ämterkauf. Die Amtssitze der höhern Beamten (die durch kleine Knöpfe auf den Mützen und Stickerei des Brustlatzes gekennzeichnet sind) tragen die Bezeichnung fu (z. B. Singanfu, Tschifu). Geschichte. Ursprünglich war China von unzivilisierten Stämmen bewohnt; um 2600 v. Chr. drangen die Stammväter der heutigen Chinesen aus Zentralasien in das nordwestchinesische Lößgebiet ein. Singanfu in der heutigen Provinz Schensi wurde ihre Hauptstadt. Sie brachten aus ihren trocknen Ursitzen die Teekultur und die Berieselungskunst mit. Im Laufe langer Zeiten dehnten sie ihre Herrschaft über das ganze heutige China und noch weiter aus, wurden aber später vielfach von fremden Dynastien unterworfen, die teils von W., teils von N. kamen. Im ersten nachchristlichen Jahrtausend waren es vor allem tungusische Stämme, die aus der nördl. Mandschurei ins Liautal (um Mukden) gelangt waren und nun durch die schmale Pforte von Liauhsi (vgl. S. 329) nach Nordchina vordrangen. Am bekanntesten unter ihnen sind die Kitan geworden, die die in China von 905-1125 n. Chr. herrschende Liau-Dynastie begründeten; auf sie geht die Bezeichnung Chinas als Kitai zurück. Zu Anfang des 13. Jahrh. wurde China ein Teil des gewaltigen Reiches der Mongolen, und Kublai Chan, der Enkel Dschingis Chans, machte Peking zu seiner Hauptstadt und begann den Bau des gewaltigen Kaiserkanals (S. 265); Marco Polo stand längere Zeit in seinen Diensten. Schon 1356 machte sich aber ein chinesischer Priester, Tschuyüentschang, zum Herrn von Nanking und begründete 1368 als Kaiser die einheimische Ming-Dynastie, die bis 1644 herrschte, dann aber dem tatkräftigen jungen Chan der gleichfalls von N., aus dem Liautal, gekommenen tungusischen Mandschu weichen mußte, der als Kaiser Schuntschi die Tsing-Dynastie begründete. 1662 wurden die Holländer aus Formosa vertrieben, das sie 1625 besetzt hatten. Im 17. und 18. Jahrh. wurden vereinzelte Niederlassungen der Russen, Franzosen und Engländer geduldet. Wichtig für die Eröffnung des Handelsverkehrs mit Europa war der Opiumkrieg 1840-42, in dem die Engländer Hongkong erwarben und die Öffnung der Häfen Kanton, Amoy, Futschou, Ningpo und Schanghai erzwangen. Ernstlich bedroht wurde die Tsing-Dynastie durch den Taiping-Aufstand, dessen Führer Hung-Siutsuen Anhang unter christenfreundlichen Chinesen fand, sechs Provinzen und 1853 die alte Hauptstadt Nanking einnahm. Bald darauf geriet die kaiserliche Regierung in Krieg mit England und Frankreich; 1860 wurde Peking besetzt, der Sommerpalast geplündert und zerstört und China zu Handelsverträgen mit allen Seemächten gezwungen. Dann unterstützten aber die Engländer und Franzosen die chinesische Regierung gegen die Taiping, deren letzte Stütze, die Stadt Nanking, 1864 genommen wurde. Im Krieg um Korea zwischen Japan und China 1894/95 verlor letzteres Formosa und die Pescadores-Inseln. 1897 nahm Deutschland als Sühne für die Ermordung zweier Missionare die Kiautschoubucht, 1898 Rußland Port Arthur und Talienwan, Frankreich Kwangtschou und England Weihaiwei und Nord-Kowloon bei Hongkong; hierdurch entstand eine fremdenfeindliche Stimmung, die zu der Boxerbewegung führte.
Nach Zerstörung der Takuforts am 17. Juni 1900, Ermordung des deutschen Gesandten (20. Juni), Befreiung des Landungskorps unter Admiral Seymour und Entsatz Tientsins wurde Peking am 14. Aug. genommen. Seit dem Ausbruch der Revolution im Herbst 1911, welche die Stürzung der monarchischen Dynastie und republikanische Verfassung anstrebt, ist das chinesische Reich in innere Wirren verwickelt; europäische Streitkräfte schützen Leben und Eigentum der fremden Staatsangehörigen. Reiseliteratur für China: v. Richthofen, Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou (Berlin 1898); E. Tiessen, China (Berlin 1902); W. Grube, Religion und Kultus der Chinesen (Leipzig 1910); M. v. Brandt, 33 Jahre in Ostasien (Leipzig 1901); G. Wegener, Zur Kriegszeit durch China 1900/01 (Berlin 1902); Madrolle, Chine du Sud; Ders., Chine du Nord (Paris 1904). ———— Reisen in China. Reisepaß für die chinesischen Behörden besorgt der deutsche Konsul im Ankunftshafen; man tut gut, sich mit Visitenkarten in chinesischer Schrift zu versehen (die Namen, Rang, Heimatsort und Reisezweck angeben). Das Gepäck ist zu beschränken, weil die Verkehrsverhältnisse schlecht sind. Am bequemsten reist man in Südchina auf Flußdampfern und Flußbooten (gemieteten »Hausbooten« [Sampans] oder Dschunken); letztere sind auch bei Kanalfahrten zu gebrauchen, aber die Reise geht langsam vonstatten, flußaufwärts mit Ziehleuten. Landreisen am besten zu Pferde, viel unbequemer sind die Maultiersänfte und der zweiräderige Reisekarren (ohne Federn!); letzterer ist für größeres Gepäck unentbehrlich, doch gibt es Fahrstraßen nur vereinzelt und nur in Nordchina; Südchina kennt außer den Wasserstraßen nur Saumpfade und als Transportmittel nur Menschen und Tragtiere. Wenn man die Karre mit eignen Feldbettstücken polstert, ist sie allenfalls erträglich. Reittiere kauft man am besten, Packtiere (Maultiere) mietet man. v. Richthofen empfiehlt die Benutzung von Reit-und Packtieren für alle Landesteile von Nordchina; man kann mit ihnen auf Fußwegen auch Berge übersteigen. Gute Maultiere leisten die besten Dienste. Moskitonetz ist im Sommer unentbehrlich. Im Winter sorge man für warme Kleidung, Decken und mit Schaffell gefütterten Mantel sowie hohe, derbe Wasserstiefel. Laterne, großer Vorrat an Stearinlichten, europäisches Tischgerät, Glas und Porzellan zwischen Filzplatten verpackt, Kochgerät. Der Diener muß europäisch kochen können, die chinesische Kost ist ungesund, nur gekochter Reis und Brot sind frisch brauchbar. Hühner, Enten und deren Eier sind billig, Rind-und Hammelfleisch nur in Städten, wo Mohammedaner wohnen und in den Städten mit größern Europäerkolonien; die Chinesen selbst verwenden das Rind nur als Zugtier. Chinesisches Schweinefleisch ist wegen großer Verbreitung der Trichinose ungenießbar. Zum Mundvorrat nehme man reichlich Fleischextrakt, gepreßte Gemüse, Kakao, Tee (schwarzen, die Chinesen trinken grünen), kondensierte Milch. Über den Verkehr mit der Bevölkerung hole man sich vorher bei Landeskennern Rat; niemals vergesse man, daß man sich unter einem Kulturvolk befindet. In größern Orten mache man dem Gemeindevorsteher Besuch; wenn er Geschenke schickt, gebe man dem Hauptdiener etwa so viel, wie die Lebensmittel wert sind. Geld. In Hongkong werden Silbermünzen zu 1 $ (Dollar), 50, 20, 10 und 5 cents geprägt; 1 Hongkong-Dollar = 100 cents = 1,78-1,95 M., je nach dem Kurs. Post und Telegraph nehmen nur Hongkong-Dollar sowie Noten der Lokalbanken, kein englisches Geld etc. Im Geschäftsverkehr ist der Tschop-Dollar (mit meist rotem chinesischen Geschäftsstempel versehener Kanton-Dollar), auch »old und new Mexican Dollar«, dem Hongkong-Dollar ungefähr gleichwertig. Höheren Wert, etwa 2-2,40 M., hat der echte Mexikanische Dollar, der überall an der chinesischen Küste vollwertig ist (man hüte sich vor falschen Dollars, die am Klang kenntlich sind!); der Hongkong-Dollar ist nur in Hongkong, Kanton, Swatau, Amoy und Singapore vollwertig, an andern chinesischen Plätzen wird er gar nicht oder nur mit Verlust genommen.
Kupferstücke von 20 Käsch gelten nur im südlichen China. Auch mit dem Papiergeld ist Vorsicht geboten; manche Noten sind nur in Hongkong und dem südlichen China vollwertig, während man (selbst bei Scheinen der Hongkong-Shanghai Bank, die in Hongkong ausgestellt sind) in Schanghai 10 Proz. und mehr Verlust erleidet. Deshalb erkundige man sich vor größern Geldabhebungen bei zuverlässigen Bankgeschäften, ob das aufgenommene Geld auch im nächsten Hafen noch vollwertig ist. Im chinesischen Reiche laufen als Münzen die Tungtsien, Sapeken oder Käsch um, das sind auf einer Seite bezeichnete Rundstücke aus Kupfer mit Zinn, Blei und Zink, von ungleicher Größe und Dicke mit vierkantigem Loch. Je 100 werden zu einem Mahs oder Tsiën aufgereiht und 10 Schnüre zu einem Liang oder Tael gebündelt. Diesem wurde ein Kegel fast reinen Silbers (engl. sycee) von in Schanghai 34,246 g Gewicht gleichgesetzt; aber man erhält für solches Tael 750-2000 Käsch, je nach dem Platzkurs. In Haikuan-Tael von 38,246 g oder bei vertragsmäßig 11/3 Unze Avoirdupois = 37,799 g werden die Zölle bezahlt. 1 Haikuan-Tael = 11/2 mexikan. Dollar = etwa 2,95 M. = 0,70 amerikan. Dollar. Als wirkliche Münzen, jedoch vielfach verunstaltet, benutzt man mexikanische und andre Dollars, die seit 1873 auch in Kanton geprägt werden und hier 24,494 g fein wiegen sollen; dieser Dollar von Kanton, = 4,409 M. Silber, erhielt 1890 Gültigkeit im ganzen Reiche, wird aber, wie die übrigen Edelmetallmünzen, außerhalb der Vertragshäfen in der Regel gewogen. Größere Barzahlungen erfolgen in gestempelten Silberbarren von meist 50 Tael. Außerdem zahlt man in Goldblättern, deren Feinheit der Goldschmied in chinesischer oder englischer Schrift beglaubigt. Alle diese Wertzeichen haben gegeneinander veränderlichen Kurs. Den Geldverkehr mit Europa und Amerika vermitteln in den Vertragshäfen ansässige Banken. Von den chinesischen Bankgeschäften sind die wichtigsten u. sichersten die »Schansi-Banken« (Hsihao). Der Zinsfuß beträgt durchschnittlich 10-15 Proz. Die chinesischen Banken geben eigne Noten aus. Allein in Tientsin emittieren gegen 300 Banken solche. Sie haben ungefähr die Größe europäischer Banknoten, sind auf starkes, grobes Papier gedruckt und mit einer Menge Stempel versehen, um Fälschungen zu verhüten. Die Noten lauten auf 100-10000 Käsch. Sprache. Mit chinesischen Dienern, Geschäftsleuten, Boys spricht man meist das Pidgin English (Geschäftssprache), ein Gemisch aus Englisch, Portugiesisch und Chinesisch, bei den europäischen Wörtern stets l statt r, also plople statt propre = rein. Beispiele: Gut so, macht nichts, genug = maskee; Art und Weise = fashion; Ort, Gegend, Haus = side; holen, kaufen, bekommen = catch; bring' mir = catch this side; holen = makee come; oben = topside; trage hinauf = catch topside; schnell = tschop; sofort = tschop-tschop; sehr gut (Nr. 1) = numbel one; haben Sie bekommen = have gott?; ich oder er kann oder darf nicht = no can do!; der Herr weiß schon = master savee; Kellner, hol' einen kräftigen Träger, der mir meine beiden Koffer sofort hier heraufbringt, hast du verstanden? = boy! makee come numbel one side kuli tschop-tschop two piecee topside must have this side! savee?; Wünscht der Herr Frühstück? = Master wantchee tschau-tschau? Ich will sofort eine Selterwasser haben = My wantchee soda, tschop-tschop!; Whisky und Soda, ich verstehe = Whisky soda! My savee!; Bring' Champagner her = champaign-lai!; das Wasser gehört nicht dem Herrn, es gehört ihm, und er will Geld dafür = Water no belong master, water belong he, he wantchee money!; Du bist ein sehr schlechter Diener = You belong very bad boy; Verstand = savee-box; es ist sehr schlecht (kaput, zerrissen, verdorben etc.) = belong bad; ich weiß nicht = my no savee; Ich bin ein Deutscher = My belong German. Die Sprache der Chinesen ist unter allen Kultursprachen die einfachste. Sie besteht nur aus einsilbigen Wörtern. Ihr fehlen alle Beugungen, jede Unterscheidung von Haupt-und Zeitwort, jede Wortbildung überhaupt, außer Zusammensetzung der Silben. Die Bedeutung der Wörter im Satz wird durch ihre Stellung hervorgebracht.
Die Umgangssprache zerfällt in zahlreiche Dialekte, die in Aussprache und Artikulation so voneinander abweichen, daß sich die Angehörigen verschiedener Provinzen oft kaum verstehen. Allgemein verbreitet ist dagegen das sogen. Kwānhoá (Hochchinesisch) als Sprache der Gebildeten und als Verkehrssprache. Die chinesische Schrift ist aus einer Bilderschrift hervorgegangen.—Über Namenschreibung vgl. S. 281. Für Erlernung der wichtigsten hochchinesischen Worte und Redewendungen zu empfehlen: »Konversationsbuch für die Reise und den Selbstunterricht« von Hsüeh Chi Tschong.

11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila.
Vgl. die Karte S. 155 und die beifolgende Karte.
Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd (S. 166) von Singapore alle 14 Tage Fr. oder Sa. in 5 Tagen nach (1437 Seem.) Hongkong, für I. Kl. 8 £ 16 sh., II. Kl. 6 £ 12 sh. Rückfahrkarte 11/2facher Preis.—Österreich. Lloyd monatl. einmal von Singapore nach (1448 Seem.) Hongkong in 6 Tagen.—Messageries Maritimes alle 14 Tage von Singapore über (648 Seem.) Saïgon (S. 179) in 7 Tagen nach (1582 Seem.) Hongkong.— Peninsular and Oriental Co. von Singapore alle 14 Tage in 6 Tagen nach (1440 Seem.) Hongkong.
Von Singapore führt der kürzeste Seeweg mit NNO.-Kurs etwas westl. an den holländischen Anambas-Inseln vorbei, dann in Sicht der französischen Inseln Great Catwick und Cécir de Mer, weiter während des SW.-Monsuns mit nördlichem Kurs unter der Küste von Annam entlang, wobei Kap Padaran mit Leuchtfeuer eine gute Ansteuerungsmarke bildet, und westl. von den Paracel-Inseln vorbei, dann vom 17.° nördl. Br. ab mit NO.-Kurs nach Hongkong. Dieser Weg ist der beste für die Monate April bis September; trotzdem laufen viele Dampfer während des ganzen Jahres von Cécir de Mer mit nordöstl. Kurs zwischen den Paracel-Inseln und Riffen und der großen, mit gefährlichen Riffen besetzten Macclesfield-Bank hindurch, obwohl dieser mittlere Seeweg etwas länger ist. Bei starkem NO.-Monsun macht der Dampfer gewöhnlich einen östlichen Umweg, weil dann im östlichen Teile des Südchinesischen Meeres schwächerer Gegenwind als nahe vor der Küste von Annam vorgefunden wird. Bei der Annäherung an Hongkong kommen kleine Inseln, dann die schön geformte hohe Felseninsel Hongkong (S. 222) in Sicht. Von den vorgelagerten Ladronen und Kaipong-Inseln ist die 448 m hohe Große Ladronen-Insel an ihrer Bergkuppe zu erkennen; die Insel Paktsim (Kaipong-Inseln) zeigt die auffälligen Eselsohren, zwei fast senkrechte, 286 m hohe spitze Gipfel. Die vorgelagerte, 30 m hohe Gap-Klippe trägt einen weißen Leuchtturm (mit Blinkfeuer von 18 Seem. Sichtweite), von dem aus ankommende Dampfer telegraphisch nach Hongkong gemeldet werden. Bei der Annäherung an den Tschukiang (Perlfluß) oder Kantonfluß, dem die Insel Hongkong inmitten einer Gruppe kleiner Felseninseln östl. vorgelagert ist, trifft man meist auf große Flottillen kleiner Fischerdschunken. Die Gap-Klippe r. lassend, steuert der Dampfer mit nördlichem Kurs östl. von der Lingting-Insel auf die West-Lamma-Durchfahrt zu und dann r. drehend durch die Sulphur-Durchfahrt zwischen Green Island und der Insel Hongkong auf die Reede von Hongkong, die einen geschützten Hafen bildet.
Das Südchinesische Meer (Nanhai) erstreckt sich von der Halbinsel Malakka bis zur Formosa-Straße (vgl. beifolgende Karte). Der südliche Teil wie auch die Golfe von Siam und Tonkin haben weniger als 200 m Tiefe, während im nordöstlichen Teil, zwischen den Philippinen und Hongkong, mehr als 4000 m Wassertiefe gefunden sind. Sehr gefährliche Korallenriffe findet man an vielen Stellen, besonders ausgedehnt westl. von der Insel Palawan bis 110° östl. L. Im nördlichen Teile liegen die Paracel-Inseln, umgeben von Riffen und Bänken; östl. davon die große Macclesfield-Bank u. a. Die Strömungen im Südchinesischen Meere sind von den herrschenden Winden abhängig: während des SW.-Monsuns setzt der Strom zwischen Singapore und Hongkong sowie unter der Küste von Annam nnö., während des NO.-Monsuns ssw. Der SW.-Monsun beginnt im Golf von Tonkin Mitte April und weht im Juni, Juli und August überall zwischen Singapore und Hongkong. Der NO.-Monsun ist am stärksten und gleichmäßigsten im Januar, Februar und März. In der zweiten Hälfte des SW.-Monsuns treten vor dem Golf von Siam, der Küste von Indochina und dem Golf von Tonkin häufig heftige Gewitterböen mit dunklem Gewölk auf. Taifune kommen im Mai bis November, doch meist nur im August, September und Oktober vor; bei westlichem Sturm ist die Gefahr, in die Mitte des Taifuns zu geraten, für Schiffe, die von Singapore nach Hongkong fahren, nicht groß, weil man sich wahrscheinlich an der linken Seite der Sturmbahn befindet und nur beizudrehen braucht, bis das Wetter besser und der Wind sw. geworden ist. Wenn der Barometerstand sich wenig ändert, kann das Sturmgebiet an seiner Südseite umsteuert werden, mit südlichen und östlichen Kursen. Bei südlichem Wind kann man den Kurs beibehalten, muß sich aber hüten, der Sturmmitte zu nahe zu kommen. Am unsichersten ist die Lage des Schiffes, wenn der Sturm aus Richtungen zwischen NO. über N. bis NNW. weht. Nur wenn der Wind dann nach l. dreht, oder wenn er gleich aus NNW. beginnt, kann man mit SW.-Kurs abhaltend sicher sein, der gefährlichen Sturmmitte zu entgehen.
Hongkong.
Vgl. die beifolgenden Pläne.

Ankunft zur See. Der Hafen ist stark belebt mit großen Dampfern, deren täglich bis zu 60 ein-und auslaufen (vgl. S. 223). Die Hafenstadt Victoria baut sich am Fuße des Pik der Insel Hongkong stufenweise auf, ihre weißen, palastartigen Häuser liegen zwischen schönen Gärten mit grauem Felsenhintergrund. Alle großen Dampferlinien haben Festmachetonnen für Dampfer; die deutschen Reichspostdampfer legen an dem Pier von Kowloon an; Ausschiffung erfolgt mit Dampfbarkassen der Gasthöfe oder mit Sampan (1/2 St. Fahrt, 10 cents jede Person). Da Hongkong Freihafen ist, findet keine Zolluntersuchung statt. Gasthöfe: Hongkong Hotel, 170 Z., Pens. $ 6-12.—Grand Hotel (deutscher Besitzer), Pens. von $ 5 an.— King Edward Hotel, Ice House Street, sehr mäßig (indischer Manager); 85 Z., F. 1, Lunch 1,25, Dinn. 1,25, Sup. 1, Pens. $ 6-12.—Astor House Hotel, Queen's Road Central.
—Peak Hotel, nahe dem Endpunkte der Drahtseilbahn auf dem Pik, für Fremde zu empfehlen, die Zeit haben, außerhalb der Stadt zu wohnen; Pens. von $ 5 an.—Connaught Hotel, Main Street; 90 Z., Pens. $ 5-15, monatl. $ 90-100.— Grand Carlton Hotel (Familienpension), Ice House Road 8 u. 10, Pens. von $ 4 an.—Thomas Hotel.—Kowloon Hotel. —Privatpension Kingsclerc, Kennedy Road, gelobt (deutsche Besitzerin G. Sachse). Cafés (mit kalter Küche): Weismann, Des Voeux Road.—Wiener Café, Queen's Road. Post: Queen's Road, beim Uhrturm; Briefe nach Deutschland 10 cents, Postkarten 4 cents.—Telegraph: New Praya, Connaught Road. Die Preise für Telegramme schwanken nach dem Dollarkurs.—Kabel nach Saïgon, Labuan, Manila, Schanghai und Macao. —Telephon. Wagen gibt es nicht. Elektr. Straßenbahn von Westpoint bis Shankiwan am Meeresufer entlang, in 60 Min. für 40 cents, Teilstrecken 5 cents. Umsteigen bei Happy Valley. Tragstühle (chair) mit 2 Trägern, nach Tarif: in der Stadt 1/2 St. 20 cents, 1 St. 30 cents, 3 St. 70 cents; für den Tag $ 1; außerhalb der Stadt mit 4 Trägern: 1 St. 60 cents, 3 St. $ 1, für den Tag $ 2. Im Bergdistrikt die Hälfte höher. Rikschas: 1/4 St. 5 cents, 1/2 St. 10 cents, 1 St. 15 cents, jede Stunde mehr 10 cents.—Drahtseilbahn (Peak tramway) von Garden Road zum Pik in 7 Min., einfache Fahrt 30 cents, Hin-u. Rückfahrt 50 cents; von 71/2 Uhr früh bis 8 Uhr abds. alle 10 u. 15 Min.; von 8-111/4 Uhr abds. jede 1/2 St.—Fahrräder: Verleihgeschäft in Queen's Road Central, westl. von New Praya.— Pferde zu mieten in Kennedy Stables. Flußdampfer. 1) Nach Kanton: Hongkong, Canton and Macao Steamboat Co. 3mal tägl. (außer So.), 8 Uhr Vm. und 9 u. 10,30 Uhr Nm.; Fahrpreis $ 8, jede Mahlzeit $ 11/2, F. 9 Uhr, Tiffin 1 Uhr, Dinner 71/2 Uhr. Schlafkabine, wenn frei. Französische Dampfer (vorzuziehen!) jeden Abend 51/2 Uhr (außer So.), Fahrpreis $ 5, Mahlzeit $ 11/2; Schlafkabine.—2) Nach Macao: H. C. & M. S. Co. tägl. (außer So.) abds., Fahrpreis $ 4; Wing-on Steamship Co. jeden Morgen 8 Uhr, Fahrpreis $ 3; Sonntags Sonderschiffe hin und zurück $ 2, Aufenthalt ca. 4 St. Fährdampfer (Ferry launch) von Hongkong, Ice House Street, nach dem nördl. gegenüberliegenden Kowloon, Godown Wharf, in 9 Min. für 15 cents; von 51/2 Uhr früh bis 73/4 Uhr abds. alle 10 Min., bis 91/4 Uhr jede 1/4 St., bis Mitternacht jede 1/2 St. Seedampfer: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur: Melchers & Co., Queen's Building I., Tel.-Adresse »Nordlloyd-Hongkong«) alle 14 Tage nach Schanghai und Japan, ebenso nach Singapore und Europa; Anschlußdampfer über Manila, Angaur, Jap, Friedrich-Wilhelmshafen, Rabaul und Brisbane nach Sydney.— Österreichischer Lloyd (Agentur: Sander, Wieler & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano Hongkong«) monatlich nach Schanghai, Yokohama, Kobe sowie über Singapore nach Europa.—Messageries Maritimes (Agentur: de Champeaux, Tel.-Adr.: »Messagerie-Hongkong«) alle 14 Tage über Schanghai, Kobe nach Yokohama, ebenso über Saïgon, Singapore nach Europa.—Peninsular and Oriental Co. alle 14 Tage nach Europa und über Schanghai nach Japan.— Pacific Mail Steamship Co., Great Northern S. S. Co., Toyo Kisen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha etwa alle 10 Tage über Japan nach San Francisco.—Nach den Philippinen (Manila) vgl. S. 234. Banken: Deutsch-Asiatische Bank, Tel.-Adr. »Teutonia«, Queen's Road Central Nr. 7, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken;—Hongkong-Shanghai Bank und Banque de l'Indochine, beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. Theater: Im Winter zuweilen eine europäische Truppe; außerdem chinesische, eins (Koshing in Queen's Road West), wo stets gespielt wird, auch Singspielhallen; mitunter Promenadenkonzerte am Drahtseilbahnhof. Reisebureau: Thos. Cook & Son, Des Voeux Road Central 16, gibt gratis: »Information for Travellers landing at Hongkong«; liefert Fahrkarten für Führung und Fahrt nach Kanton, empfehlenswert.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul Dr. E. A. Voretzsch, Wyndham Street 8 u. 10, etwa 5 Min. von Blake Pier, mit Lesezimmer für deutsche Seeleute.—Österreich-Ungarn, Konsul Ritter v. Wiser, Princes' Buildings.— Deutscher Klub »Germania«, Kennedy Road, nahe Union Church und Drahtseilbahn; Hongkong Club (engl.), am Hafen, Connaught Road, New Praya. —Deutscher Gottesdienst (deutscher Pfarrer) in der Kapelle des Berliner Findelhauses, So. 11 Uhr.—Deutsche Schule, Kennedy Road, hinter Union Church. Polizei: Hauptamt (Central Police Station) Old Bailey Street, südl. vom katholischen Dom. Deutsche Ärzte: Dr. Müller; Dr. Justi, Mansion House; Dr. Hoch.— Deutsche Apotheke: Medical Hall (Inhaber E. Niedhardt & H. Kammel), Ecke Ice House Str. u. Des Voeux Road. —Krankenhäuser: Civil Hospital, Queen's Road West; Peak Hospital. Buchhandlungen: Kelly & Walsh Ltd.—W. Brewer & Co.—Presse: Hongkong Daily Press; China Mail; Hongkong Telegraph; South China Morning Post.—Photographien: Viele Geschäfte, die auch Platten und Films in gutem Tropenverschluß liefern, z. B. Long Hing & Co., Queen's Road Central. n der Festungswerke und Marineanlagen ist streng verboten. Geschäftsadressen: Queen's Road ist Hauptgeschäftsstraße. Optiker: Charles J. Gaupp & Co. (deutsch), Alexandra Building.—N. Lazarus, im Hongkong Hotel.—Zigarren, Ansichtskarten: Kruse & Co. (deutsch), Mansion House.—Warenhaus Lane Crawford & Co., Ecke Ice House Street und Chater Road.— Kleider- und Wäschehändler: Tak Cheong, Queen's Road Central; Bon Ton, D'Aguilar Street 2.—Curios und japanische Waren: Kun & Komor, Hongkong Hotel Building (sehr gut); Loong Shing Co., Queen's Road Central 26.—Seidenspitzen und Grasleinen: Madame Flisch & Co.—Blackwood-Möbel: Lok-Hing; Kwong Hing. —Porzellan: Wing Hing.—Juwelier J. Ullmann & Co., Queen's Road Central 34, gegenüber Hauptpost.—Silbersachen: Wang Hing; Wing Nam, sämtlich Queen's Road Central.—Man kauft sehr preiswürdig schöne Seidenstickereien, Goldstickereien auf Seide u. Samt, Grasleinenstickereien, Blackwood-Kunstmöbel und andre Kunstschnitzarbeiten in Elfenbein, Ebenholz, Speckstein, Cloisonne-(Metallemaille-)Kunstsachen, Bronzen, Silberarbeiten verschiedenster Art, goldene Ringe etc., Eisenschmiedearbeiten, Korb-u. Strohflechtereien, mottensichere Kampferkisten, chinesische Bilder auf Reispapier und in Öl etc. Zeiteinteilung auf 5 Tage. I. Tag: Hongkong, Fahrt auf den Peak; Queen's Road; Nachtfahrt nach Kanton. —2. Tag: Kanton.—3. Tag: Kanton.—4. Tag: Früh Rückfahrt nach Hongkong; Nm. Park und Promenade Kennedy Road oder Bowen Road (Wasserleitung).—5. Tag: Vm. Happy Valley, Nm. Einkäufe.—Auf 8 Tage: 1.-4. Tag wie vorher.— 5. Tag: Früh nach Macao.—6. Tag: Macao, Nm. Rückfahrt nach Hongkong. —7. Tag: Happy Valley, Nm. Einkäufe.—8. Tag: Fahrt auf den Peak, zu Fuß Nm. zurück.

Hongkong, chines. Heung Kong (»Tal der reichen Wasser«), britische Insel östl. der Einfahrt in den Kantonfluß, ist 15 km lang, 7-8 km breit, 75 qkm groß mit (1905) 377850 Einw., von denen nur 17977 Nichtchinesen (Engländer, Portugiesen, Inder, etwa 300 Deutsche etc.). Dazu kommt auf der gegenüberliegenden Halbinsel Kowloon (Kaulun) ein seit 1898 gepachtetes Gebiet von 974 qkm mit 85011 Einw. Die ganz aus Granit und Basalt bestehende Insel erhebt sich im Victoria Peak 551 m ü. M. Das Klima kann mit einer mittlern Jahrestemperatur von 22° (Februar 14,3°, Juli 27,6°) noch als tropisch bezeichnet werden, wenn auch die jährliche Temperaturschwankung schon stark (absolute Extreme etwa 35° und 2°) ist. Doch hat Hongkong unter den kalten trocknen Landwinden nicht so stark zu leiden wie das benachbarte Festland. Die Regen fallen hauptsächlich im Sommerhalbjahr. Europäern ist das Klima Hongkongs nicht sehr zuträglich; die angenehmste Zeit ist November bis Januar, August und September sind wegen der feuchten Hitze sehr ungesund. Die Pflanzenwelt war auf der Felseninsel ursprünglich dürftig, trägt aber nun in den von den Engländern geschaffenen Gartenanlagen tropischen Charakter. Auch vermag Hongkong seinen Bedarf an Gemüse sowie etwas Reis, Yams, süße Kartoffeln zu erzeugen; Mango-, Birn-und Orangenbaum sind heimisch. Von Tieren finden sich die Wildkatze, Ameisenfresser, zahlreiche Vögel, Landschildkröte, einige Schlangen (auch giftige), das Holzwerk zerstörende Termiten (»weiße Ameisen«). Taifune richten zuweilen großen Schaden an. Die Hauptstadt der Insel, Victoria, an der Nordküste, ist in 7 km Länge terrassenförmig am Abhang des Gebirges aufgebaut, hat einen Palast des Gouverneurs, Stadthaus, Theater, Museum, Bibliothek, Kasernen, Marinehospital, Marinedepot, Marinedock, Sternwarte, Kohlenmagazine, ist Sitz eines anglikanischen Bischofs, des Vizeadmirals der englischen Flottenstation für China (etwa 60 Schiffe), des kommandierenden Generals der Truppen (139 Offiziere, 3659 Mann), hat eine Polizeitruppe von 1018 Mann (Engländer, Sikh, Chinesen) und 83 öffentliche und mehrere private Schulen, darunter eine deutsche Vorschule der deutschen Kirchen-und Schulgemeinde. Die Stadt ist sehr reinlich und ordentlich, unregelmäßig gebaut ist nur das westliche Chinesenviertel.— Die Industrie ist jung; Werft und Dock in Kowloon, zwei große Zuckerraffinerien, Baumwollspinnerei, Stuhl-, Hanfseil-, Zement-und Seifenfabrik; berühmt sind die Hongkongstühle aus geflochtenem Rattan (span. Rohr). Die Bedeutung der Stadt liegt in Handel und Schiffahrt; die Insel beherrscht den Zugang zur Mündung des Hsikiang, des Hauptflusses und Hauptverkehrsweges Südchinas, und hat vor Schanghai die sichere Lage voraus. Als Freihafen begünstigt, steht es mit Europa und den Seehäfen des Stillen und Indischen Ozeans in lebhaftem Verkehr. Die Einfuhr umfaßt Reis, Zucker, Baumwolle, Opium, Salz, Öl, Tee, Seide; da Hongkong Umschlagshafen ist, werden dieselben Waren auch wieder ausgeführt.
Rundfahrt (in den untern Straßen mit Rikscha, in den obern mit Tragstuhl). Vom Landungsplatz bei der Ice House Street in die große Geschäftsstraße Queen's Road Central, vorbei am Stadthaus (City Hall), neben dem mehrere Bankgebäude stehen, weiterhin der Uhrturm neben dem Postamt und vorbei an der Zentralmarkthalle bis zur Queen's Road West im Chinesenviertel; von da am Hafen längs Connaught Road oder durch eine der obern Straßen, z. B. Holywood Road, zurück zum Park (Public Gardens), an dessen Nordseite in schönem Garten der Palast des Gouverneurs liegt. In der Nähe ist der Bahnhof der Drahtseilbahn (S. 221), die hinaufführt nach *Victoria Peak (551 m); Auffahrt sehr malerisch mit prächtigen Ausblicken; vom obern Bahnhof führt eine Treppe zum Peak Hotel; der Weg r. führt an Kasernen vorbei zum Gipfel mit Signalstation (20 Min.), wo herrliche *Aussicht auf das Meer im S. mit den Inseln und auf den Hafen. Zurück gehe man die steile Peak Road bergab, oder wende sich vom obern Bahnhof nach l. um die kleine Bergkuppe nach O. und kehre auf Bowen Road zur Stadt zurück. Oder man steigt sw. hinab vorbei am Wasserbehälter und dem französischen Kloster Pok Fulum (Erholungsstation) und wendet sich um die SW.-Ecke der Insel, erreicht nach etwa 3 St. anstrengendem Marsche die Chinesenstadt und kehrt auf der Game Road oder Bonham Road zurück. Man beachte, daß alle diese Wege, da sie viele Windungen und Zickzacklinien machen, länger sind, als man sie vom Gipfel des Peak schätzen kann. Den Peak besuche man öfters, lasse sich nicht durch trübes Wetter abhalten, da man oben stets reine, frischere Luft (und gute Verpflegung im Hotel) findet. Auf allen Wegen kann man sich ohne Führer auf den Zickzackwegen leicht verlaufen und zu sehr großen Umwegen gezwungen sehen. Auch hüte man sich, einen photographischen Apparat zu zeigen.—Schöne Spaziergänge bieten Kennedy Road und Bowen Road.—Ausflug nach Happy Valley mit Rikscha oder elektrischer Straßenbahn bis Stat. »Bowen Road«, bis Robinson Road, dann l. auf der schönen Bowen Road 6 km; oder (event. im Tragstuhl) vom Uhrturm am stattlichen Army Hospital vorbei bis zum Rennplatz (Race course), an dessen Westseite nebeneinander der mohammedanische, katholische, protestantische, parsische und hindustanische Friedhof liegen. An Renntagen im Frühjahr versammelt sich ganz Hongkong auf dem Rennplatze; die Gasthöfe und Klubs haben Tribünen dort. In der Nähe liegt der Spielplatz (Recreation Ground) des Golf Club und östl. davon der hübsche East Point Hill. Rückfahrt am bequemsten durch das östliche Chinesenviertel (Wanshai), vorbei am Royal Naval Hospital, und durch die Queen's Road East, an der r. die englische Marinewerft mit Werkstätten, Vorratslagern und Trockendock liegt.—Mit Fährdampfer (S. 221) in 9 Min. hinüber nach Kaulun (Kowloon); Rikschas sind zu haben; dort liegen die großen Waren-und Kohlenlager, Werftanlagen mit Docks und Kasernen für englisch-indische Truppen. Der Ort ist ohne Sehenswürdigkeiten, aber wichtig für den Seehandel. Etwa 3 km nördl. liegt der chinesische Fischereihafen Yaumati, wo auch Dschunken gebaut werden.
Eisenbahn Kaulun-Kanton (170km; I. Kl. $ 5,40, II. 2,70; Fahrzeit des Schnellzugs 5 St.). Die 1910 fertiggestellte Bahn beginnt im Nordzipfel der östl. an Kowloon grenzenden Hongham Bay. Um Raum für die Bahnhofsanlagen und Kais zu gewinnen, mußte ein Teil der Bucht zugeschüttet werden. Die vorgelagerte Bergkette durchschneidet die Bahn in dem 2198 m langen Beacon Hill-Tunnel und läuft am Tolohafen entlang in NW.-Richtung über Lofa, wo das chinesische Gebiet beginnt, und Schaklung (der einzigen Station des Schnellzugs) nach Kanton (S. 225).
1. Seitentour: Hongkong-Kanton.
Dampfer, s. S. 221 (die französischen Schiffe haben bessere Küche, die englischen bessere Kabinen); 90 Seem.; Fahrzeit etwa 7 St. bei Tage, 12 St. nachts. Für die Nachtfahrt Schlafkoje vorausbestellen. Eilige fahren am besten nachts nach Kanton, verbringen hier den Tag und kehren 5 Uhr abds. mit dem gleichen Dampfer nach Hongkong zurück, da Nachtlager in Kanton nicht zu empfehlen. Ankunft Mitternacht, man schlafe auf dem Dampfer bis früh.—Cook & Son geben Fahrkarten für Kanton einschl. Dampferfahrt und Führung aus; zu empfehlen.—Eisenbahn s. oben.
Die Fahrt ist landschaftlich schön; zunächst mit westl. Kurs zwischen den Inseln Mahwan und Lantao durch, dann nördl. in die 30 km breite Mündung des Kantonflusses, eigentlich eine Meeresbucht, die von W. her durch das Delta des Sikiang schon großenteils ausgefüllt ist. Man sieht anfangs nur einzelne kleine Inseln, bis die kahle Küste mit geschwungenen Berglinien näher tritt, das Wasser gelb wird und die Ufer in der Bocca Tigris zusammentreten; diese Enge wird von Inseln gebildet, auf denen chinesische Küstenwerke, meist verfallen, zu sehen sind. Durch die Enge gelangt man in den Perlfluß, dessen Ufer gut bebaut sind; man sieht in der Ebene Bananen, Obstbäume und Reisfelder. Zum Abgeben von Post und Reisenden stoppt der Dampfer bei Whampoa (Huangpu), chinesischer Stadt mit verfallenen Werftanlagen, Marine-und Militärakademie, Torpedo-und Seeminenabteilung; es ist der Ankerplatz für große Seeschiffe mit Ladung für Kanton. Weiter oberhalb wird das Fahrwasser flach (3,5 m Tiefe). Die Zahl der Dschunken und Sampans nimmt zu, das Getümmel und Getöse wirkt sinnverwirrend; die Dampfpfeife muß ununterbrochen heulen, um eine schmale Fahrrinne zu erzwingen. Einzelne Türme von Kanton erscheinen: etwa 100000 Kantonesen leben auf dem Wasser in Booten aller Art, in zehnfachen Reihen dicht nebeneinander. Schmutzige Holzhütten und ärmliche Steinhäuser, Speicher, Pagoden, einzelne Gärten, ein Stück Stadtmauer mit Wachttürmen, das ist der Anblick der Riesenstadt vom Fluß aus; das schönste Wahrzeichen ist der Turm der französischen Kathedrale.
Kanton.
Vgl. die Karte S. 226.
Ankunft. Der Dampfer legt im Stadtgebiet nicht weit von der Insel Schamien an; man gelangt mit Tragsessel oder wegen des Gepäcks mit Sampan (5-10 cents) nach dem Gasthof. Für eintägigen Aufenthalt (genügt!) vermittelt der Dampferkapitän Führer mit Tragsessel; der Dampfer gibt Tiffin mit (das man an der fünfstöckigen Pagode verzehrt), in der Stadt erhält man nichts für Europäer Eßbares. Gasthof: Hotel Victoria, auf der Insel Schamien; 20 Z., Pens. $ 8-12, Ged. $ 11/2, Hausboot zum Dampfer 50 c.; als Nachtquartier nicht zu empfehlen. Die sogen. Blumenboote (Flower Boats), wo halb chinesische, halb europäische Gastmahle zu haben waren, sind 1909 abgebrannt und nicht erneuert worden. Europäer werden dringend davor gewarnt, sich ohne Begleitung bekannter Chinesen in einem Boot auf dem Fluß aufzuhalten! Post: Deutsches, englisches, französisches, japanisches Postamt auf der Insel Schamien, chinesisches in der Stadt.—Telegraph chinesisch auf Schamien. Tragsessel (chair) mit 3 Trägern $ 11/2-21/4 für den Tag.—Sampans (Boote) für Flußfahrten nach Zeit, etwa $ 1 stündlich. Dampfer nach Hongkong: Abfahrt 8 Uhr Vm. (Fahrzeit 7 St.); 5 Uhr Nm. (Fahrzeit 7-12 St.). Fahrpreise: englische Dampfer $ 8, französische 5, chinesische 4, ohne Mahlzeiten;— nach Macao: jeden Wochentag 8 Uhr Vm. für $ 5;—nach den Vertragshäfen Samschui und Wutschau am Westfluß dreimal wöchentl., für $ 15, hin und zurück $ 25. Eisenbahn: Kanton-Samschui in 2 St.; Kanton-Hankau im Bau, 90 km im Betrieb; Kanton-Kaulun (S. 224).

Plan von Kanton.

Banken: Hongkong & Shanghai Banking Corp.; Banque de l'Indochine, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Deutsch-Asiatische Bank im Hause der Herren Arnold Karberg & Co.; Carlowitz & Co., Korr. der Deutsch-Asiatischen Bank, sämtlich auf der Fremdenniederlassung Schamien. Fremdenführer sind unentbehrlich, man nehme aber nur solche mit guten Empfehlungen durch Vermittelung von Thos. Cook in Hongkong (s. S. 221), der die alte Führerfamilie Ah-Cum (John und Ah-On) als zuverlässigste empfiehlt, oder des Dampferkapitäns oder des Gasthofs; sie erhalten etwa $ 2 und einen Tragsessel für den Tag, größere Gesellschaften nach Übereinkunft; man überträgt ihnen am besten die Gestellung der Tragsessel nebst je drei Kuli (zu etwa $ 2); Besichtigungsplan verabrede man vorher mit dem Führer womöglich mit Hilfe eines ortsansässigen Europäers. Der Führer ist auch bei Einkäufen nicht gut zu entbehren, aber nicht stets zuverlässig; auch chinesische Speise-und Spielhäuser kann man mit ihm besuchen. Wegen des oft fremdenfeindlichen Pöbels gehe man nicht ohne Führer und Tragsessel in die Stadt und meide jede Volksansammlung. Besuch öffentlicher Hinrichtungen ist des gebildeten Europäers unwürdig und ekelhaft. Konsulate: Deutsches Reich, Konsul. Dr. W. Rößler, Dolmetscher Tigges. Klub: Canton Club, auf Schamien, international für Europäer, Einführung durch Mitglieder. Krankenhaus: Ein französisches und ein amerikanisches Hospital. Einkäufe: Die Gewerbe liegen meist gassenweise zusammen. Man findet: Jade-Schmucksachen (Nephrit), Silber, alte und neue Seidenstickereien, Specksteinschnitzereien, Schwarzholz- und Elfenbeinschnitzereien u. a. Die Preise sind meist billiger als in Hongkong und Schanghai; viele der dortigen Waren werden in Kanton hergestellt, doch ist in Schanghai die Auswahl für europäischen Geschmack leichter. Für Europäergeschmack bestimmte Waren (Seide, Silber, Elfenbein) in der Sai Hing Gei (2 Minuten von der Brücke).

Kanton, Canton (chines. Kwang-tschou-fu), die wichtigste Handelsstadt Südchinas, zweitgrößte Stadt des chinesischen Reiches und Hauptstadt der Provinz Kwangtung, liegt unter 23° 8' nördl. Br. am l. Ufer des Perl- oder Kantonflusses, nahe dem Nordrande des Sikiangdeltas, in einem Gebiete, das noch üppige, tropenartige Vegetation besitzt, aber im Winter zuweilen schon Nachtfröste erleidet. Durch sein Straßenleben ist es die interessanteste Stadt Chinas. Die Stadt ist von der üblichen rechteckigen Backsteinmauer (nebst Graben) umgeben, die hier 10 km lang, 12 m hoch und an der Krone 7 m breit ist, und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche einnehmende alte Tatarenstadt. Hervorzuheben sind hier die Yamen (Residenzen) des Generalgouverneurs und des Tatarengenerals, das Kungfutszekollegium und der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode, 120 andre Tempel, eine Moschee, mehrere buddhistische Klöster, die Münze, der große Exerzierplatz und die französische katholische Kirche. Neu-und Weststadt sind das Geschäftsviertel. Ein interessantes Wirrwarr von Straßen, Gassen, Sackgassen und Wassergraben, 1,2-4 m breit, mit Granitquadern belegt, darunter meist Wasser-oder Schlammgräben, darüber von April bis Oktober Strohmatten oder »Himmelsfenster« (mosaikartige Schiebefenster aus Muschelschalen), darin Menschenknäuel wie in keiner ändern Großstadt (vor den Essenszeiten in den Märkten!), Gewimmel, Gelärm, Geschrei, Geruch. Auf dem flachen, durch zahllose Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb der Mauer), auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte verankerten Booten der »Wasserstadt« wohnt gleichfalls eine zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich auf der Insel Schamien, die, ehemals eine Schlammbank, 1859-61 erhöht und ummauert wurde und jetzt mit ihren breiten Banyanalleen angenehmen Eindruck macht; die Engländer erhielten 4/5, die Franzosen 1/5. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner, Niederländer niedergelassen. Die Einwohnerzahl wird auf 900000 angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (9/10 buddhistische); mehr als 100000 Menschen wohnen auf etwa 84000 Fahrzeugen im Strom.—Als Industriestadt nimmt Kanton in China den ersten Rang ein als Hauptsitz der Seidenspinnerei und-weberei und Seidenstickerei, durch Borten-und Schnurenfabrikation, Färberei, Glasbläserei, Glas-und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz-und Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt die Seiden-, Metall-und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in den Zuckermühlen.—Der Handel Kantons liegt zum größten Teil in englischen und deutschen Händen. Werden die meist für Kanton bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so beläuft sich der Gesamtwert des Handels von Kanton auf etwa 900 Mill. Mark. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für 31,4 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Porzellan, Feuerwerkskörper; der Einfuhr Opium (für 5,3 Mill. Taels), Baumwollenzeuge, Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der Handel wird stark durch Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des auswärtigen Geschäfts liegt.—Stadt und Hafen sind durch Forts und Batterien geschützt; auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunter Dutch Folly, jetzt Station für drahtlose Telegraphie, auf einer kleinen Felseninsel mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa das Haukwa-, Napier- und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris (S. 225), mit vielen Geschützen bewaffnet, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Kämpfen mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.
Das Klima von Kanton zeigt starke Extreme, das Thermometer steigt im Sommer bis 38° C und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee und Eis sollen als Seltenheit vorgekommen sein (z. B. 1893).
Rundfahrt mit Führer (S. 227) und im Tragsessel (kaltes Frühstück sowie an Kleingeld etwa $ 2 für Priester und Händler mitnehmen, dessen Verteilung man dem Führer überlasse; Trinkgelder nur, wo Wächter Türen öffnen: im Wa Lam Tse, in der Fünfstockpagode, in Tsans Ahnenhalle, etwa 5-10 cents). Beim Gasthof über die Brücke in die engen Gassen der Chinesenstadt. Durch die Schuhmacherstraße geradeaus zum Hung Sing-Tempel, dort r. in die Ha Gao Po (Hauptstraße für chinesische Seidenstoffe, am Anfang der Straße, r., Läden mit Sänften für Hochzeiten-und Begräbnisse), dann l. durch die Sai Loi Tso Te (Schwarzholzmöbel mit Marmor-und Perlmuttereinlagen) zum *Tempel der 500 Götzen (Wa Lam Tse; »Tse« = buddhistische, »Kün« = taoistische Klöster). Am Eingang die sagenumsponnenen Torwächter, buntbemalte Figuren aus gebrannter Erde hinter schmutzigen Holzgittern. Erste Halle: die drei Buddha. Zweite Halle: siebenstöckige Marmorpagode, Geschenk des Kaisers Kien Lung. Dann l.: Halle der 500 »Lohan« (Schüler Buddhas): 500 lebensgroße Tonfiguren sitzen in langen Reihen an den Wänden. Dem Eingange gegenüber Kaiser Kien Lung in goldschimmerndem Gewande. Rechts von ihm zeigt der Tempelwächter »Marco Polo«. Wer will, kann sich die Priesterwohnungen ansehen. Zurück zur Ha Gao Po, durch die Ta Tung Gei (chinesische Banken, Apotheken; Seidenfaden) nach der Tsong Yün Fong (Seidenstickereien, Bilder in Schwarzholzrahmen). In Nachbarstraßen alle Arten Laternen. Die nächste Straße, Dai Sann Gei, ist eine Haupthandelsstraße (Elfenbein, Kuriositäten, Fächer; Nephrit = »Jadestone« fast nur hier echt zu haben). In der Parallelstraße Ho Bunn Gei Schwarzholzmöbel, Musikinstrumente und Felle. Durch das »Tor der Tugend« (Kwai Tak Mun) in die Altstadt. Am Tor viele Läden mit Käfigvögeln, Schlangen, Affen und anderm Getier. L. durch die Dai See Gei in das Mandschuviertel. Hier der »Tempel der fünf Genien« (Ng Sin Gunn). »Die fünf Genien flogen auf Rammblöcken durch die Luft nach Kanton. Die Balken wurden in Steine verwandelt und hier aufbewahrt«. Eine große Glocke (5000 kg schwer) hängt hier: »ihr Klang bringt Unglück über die Stadt«; 1857, bei der Belagerung durch Franzosen und Engländer, schlug eine Granate ein Stück aus ihr heraus und machte sie tönen. Im Tempelhof eine Fußspur Buddhas.—Nordwestl., ganz nahe, die älteste Moschee (Wai Sing Tse) in China, um 626 gegründet; über ihr der »Nackte Turm« (Kwong Tap) als Minaret; die Moschee soll von einem Onkel Mohammeds gebaut sein, dessen Grab sich in einer andern der drei Moscheen Kantons befindet. In der Nähe der »Kwong Tap« wohnen meist Mohammedaner, deren Gesamtzahl auf 3000 angegeben wird.—Nördl. anschließend das Reservat der Bannertruppen, auch Mandschu. Ihre Häuser sind meist klein, unordentlich, weiß gestrichen mit schwarzgemalten »Querbalken« über der Tür. Keine Läden hier, die Männer sind Soldaten, Wächter oder ohne Gewerbe. Die Mandschufrauen fallen durch lange, hellblaue Gewänder auf, während Chinesenfrauen Obergewänder, die nur bis zum Rumpfende reichen, tragen.—Nach N., durch die Fa Tap Gei nach der *Blumenpagode (Fa Tap, richtiger »Geschmückter Turm«, im Gegensatz zum »Nackten Turm«, Kwong Tap), einem achtseitigen, neunstöckigen, rosaübertünchten Turm von 51 m Höhe; 505 n. Chr. erbaut; ins Innere kein Zutritt.— Weiter nördl. bis zum großen Nordtor (Dai Pak Mun); unterwegs hübscher Blick auf das Wachthaus über dem Tor.—Von hier besuche man ein »Totenhaus« (z. B. das Buddhistenkloster Sao San).
Ein hof-oder gartenartiger Raum, oft im Anschluß an ein Kloster, ist mit Längs-und Quermauern durchzogen, an jeder Wandseite liegen Zimmerfluchten; das Ganze gleicht einer Miniaturstadt aus kleinen viereckigen Grabkapellen. Gegen Eintrittsgeld und jährliche Miete lassen reiche Leute hier ihre Toten niederlegen, bis der Wahrsager Ort und Zeit für die Beerdigung bestimmt hat, was Jahrzehnte dauern kann. Die Ausstattung des Raumes ist verschieden; meist ist in der Mitte ein Altartisch, dahinter hängt ein Vorhang oder Teppich zum Verhüllen des Sarges. Auf oder neben dem Altar sind Opfergefäße, Räucherstäbchen, Speisen, große Figuren aus buntem Papier, an den Wänden Bilder, an der Decke hängen Lampen und, senkrecht oder wagerecht, gestickte oblongische Läufer.
Oft ist auch ein Diener anwesend, wohnt oder schläft in einem Nebenraum der »Totenstadt« und sorgt für frisches Essen und Wasser. »Bei Kindersärgen steht Spielzeug, bei Frauensärgen Spiegel, Salbentöpfe, kostbare Kleider. Zuweilen wird der Tote betrogen und erhält Speisen aus Wachs, die haltbarer sind. In manchen Kapellen lesen in weiße Trauerkleider gehüllte Chinesen aus Folianten laut Totengebete, während ein buddhistischer Priester den Takt in Pentametern auf einer kleinen Topftrommel schlägt«(nach Hans Meyer). Die Herstellung der Papierwaren für Toten-und Opferkult (Papierblumen,-sänften,-treppen, -figuren,-tabakspfeifen,-geld,-opferschnitzel) ist eine bedeutende Industrie der Stadt.
Nahe beim Nordtor der Kun Yam-Berg, einer der heiligen Orte Kantons. Kun Yam ist die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit (Sanskrit Avalokitêshvara) und eine der häufigsten Bildsäulen hier. 1858-62 war am Berg das Hauptquartier der Engländer und Franzosen. Unten das Taoistenkloster Sam Yün Kung, einer der saubersten und schönsten Tempel der Stadt; eine lange Flucht breiter Granitstufen führt empor zum Kun Yam-Tempel; vom Tempelhof schöner Blick über die Stadt.—Zwei Minuten weiter die Fünfstockpagode (Ng Tsang Lao), keine Pagode, sondern ein mächtiger Burgturm von Hausgröße, rechteckig, fünfstöckig, aus rotem Gestein, die Simse weit vorspringend, erbaut unter dem ersten Ming-Kaiser (zwischen 1366 und 1399). Vom Obergeschoß weiter *Ausblick: Im S. die Stadt, der Perlfluß als schimmerndes Band, an seinen Ufern zwei Neunstockpagoden, in der Ferne die Sai Siu-Hügel. Im O. und W. die dörferbesäte Ebene, im N. und NO. dicht hinter der Stadtmauer die »Weißen Wolkenberge« (ein andrer heiliger Ort; hier findet der Totenkult sein letztes Ziel: vom Fuße bis zum Gipfel liegen die Hufeisengräber neben-und übereinander). Im Oberstock zwei Bildsäulen: Kun Yü und Wan Tsèng (heilig gesprochener Kultusminister aus dem 7. Jahrh.), denen die Prüflinge opfern, um gut zu bestehen. Höhe und Lage auf der schon an sich 10 m hohen Stadtmauer machen die Fünfstockpagode zu einer Landmarke. Die Chinesen sagen: Kanton gleicht einer mächtigen Dschunke, die Fünfstockpagode ist der Hintermast mit gespreiteten Segeln, die Blumenpagode der Vordermast (Zeichen des steigenden Handels und steigenden Wohlstandes der Stadt).
Auf der Stadtmauer (zu Fuß) oder durch die Stadt (in Sänfte) nach dem kleinen Nordtor (Siu Pak Mun). Geradeaus, immer nach S., bis zur Hauptstraße der Altstadt, der etwa 1 St. langen Wei Ngoi Gei (»Straße der Wohltätigkeit und Liebe«), dann r. zum »Tempel des Schreckens« (Sing Wong Miu, »Sing Wong« ist der Schutzgott der ummauerten Städte, deshalb findet sich sein Tempel ebenso in jeder Stadt wie der des Kungfutsze).
Der Sing Wong Miu ist ein typisch-kantonesischer Tempel: klein, neuerdings renoviert. Er wird von Frauen, Landleuten, Soldaten besucht, gleichzeitig von »Bauernfängern«; Bettler, Spieler, Wahrsager, Hausierer drängen sich hier, zumal an Festtagen. An den Wänden des Hofes werden die Strafen der buddhistischen Hölle in Bildern vorgeführt (r. und l. je fünf).
»Da wird ein Kerl lebendig in Öl gesotten, während grausige Ungeheuer die Glut des Ofens anfachen; dort wird ein armer Sünder aufgeschraubt wie ein Korkzieher, an andrer Stelle wird ein Bösewicht Zoll für Zoll zerstückelt, am dritten Ort ein andrer unter einer Riesenglocke zu Tode geläutet, und so geht es fort durch alle erdenklichen Stufen der raffiniertesten Grausamkeit« (Hans Meyer). Das Ganze erinnert an ein Panoptikum.
Dem Sing Wong-Tempel gegenüber durch die Fu Hog Tung Gei nach dem *Kungfutsze-Tempel (Kuong Tsao Fu Hog Kung). Kanton hat drei Kungfutsze-Tempel, dieser ist der erste. An bestimmten Tagen im Frühling und Herbst versammeln sich hier alle Zivil-und Militärbeamten, an ihrer Spitze der Generalgouverneur. Die Verehrung des großen Weisen besteht im Räuchern, Verbrennen von Kerzen, Opfern von Reis, Wein, Fleisch, Musik, Niederknien u. a.—Nicht weit davon, in der Söng Mun Dai Gei (Hauptstraße der chinesischen Buchhändler) die *Wasseruhr. Sie besteht aus vier Kupferkübeln, die auf Stufen stehen. Das Wasser tropft von einem zum andern; im untersten schwimmt ein Anzeiger, der angibt, wie lange das Wasser fließt. Nach 12 St. wird es ins oberste Gefäß zurückgegossen. Erbaut wurde die Wasseruhr um 1320.—Nördl. zurück zur Wei Ngoi Gei und diese entlang bis zum Westtor (Sai Mun). Auf dem Weg mehrere Yamen (Amtsgebäude). Das Schatzmeistersyamen (der Einmündungsstelle in die Wei Ngoi Gei gegenüber), dann ein wenig weiter, r., das Präfektsyamen, zuletzt das des Tatargenerals (die Straße führt durch die großen Tore des Vorhofs, l. eine Wand mit dem kaiserlichen Drachen).—Nach Schamien zurück durch die Sap Tsat Po und Sap Bat Po (wichtige Handelsstraßen, hier auch viele europäische Waren).
Kürzere Rundfahrt: Wem diese Fahrt zu lang ist, gehe von der Ha Gao Po zum Westtor und hier auf die Stadtmauer: schöne Blicke auf den Tempel der fünf Genien, den »Nackten Turm«, die Blumenpagode, den Kun Yam San, die Fünfstockpagode. (Vom Nackten Turm auf der Stadtmauer zum Großen Nordtor; uralte Geschütze auf der Stadtmauer, Schweine und Hühner liegen darunter, menschliche Faulenzer schlafen darauf, daneben kochen die Wächter ihr Essen; auch l. durch die Mauerluken manch hübsches Bild; bis zum Großen Nordtor 25 Minuten zu Fuß, vom Tor aus gehe man wie bei der ersten Fahrt beschrieben.)
Zwei hervorragend schöne Gebäude erfordern weitere Ausflüge: 1) die Ahnenhalle der Familie Tsan. Man fahre mit der Nordbahn (7 Min.) nach der ersten Station Hgai Chim. L. vom Bahnhof die Hochschule der beiden Kuong-Provinzen (mauer-und grabenumzogenes Viereck, mit vielen Gebäuden und Baumgruppen, einer kleinen Stadt ähnlich). Mit Sänfte nach der Ahnenhalle (15 Min.), einem der schönsten Gebäude in Südchina, drei Reihen Hallen hintereinander. Überreiche Stuckarbeiten an Dach und Mauerwerk, die weiten stillen Höfe erinnern an die Alhambra; in der letzten Halle viele kleine Ahnentafeln.—2) Der Kungfutsze-Tempel des Pünjü-Distrikts (Pun Yü Hog Kung), großer Bau, prächtig gelbrotes Ziegeldach, ornamentale Drachen über dem Eingang zur Haupthalle (nur an Kungfutszes Geburtstag geöffnet, sonst Eingang durch Seitentüren), im Innern seltsame Riesenfigur des großen Philosophen. —Daneben die Amtsgebäude des Pun Yü-Magistrat; Besuch der Gefängnisse (Erlaubnis des Beamten!) nicht uninteressant. Die Schauerszenen, früher häufig, sind jetzt unterdrückt. Am Flußufer der Richtplatz, in »Friedenszeiten« werden hier Töpfe getrocknet. Soviel Hinrichtungen am Tage stattfinden, soviel Holzkreuze werden vorher dort etwas erhöht aufgebaut; das Schauspiel (meist Kopfabschlagen) ist widerlich.—Unter den vielen Tempeln der Stadt sind noch zu erwähnen: der Medizintempel, vor dessen Eingang eine vergoldete Holzschnitzerei hängt; im Innern schöne Reliefs und im Nebensaal 60 Götzenbilder, von denen jedes ein Jahr des Menschenlebens und der 60jährigen Kalenderperiode darstellt; vor jedem steht eine Vase zum Opfern von Räucherkerzen. Eine kreisrunde Tür führt in einen andern Saal mit zwei Altären.—Einer der ältesten Tempel, 362 erbaut, liegt im NW. der alten Stadt, nahe der Blumenpagode, im Kloster der glänzenden Elternliebe (Kwang hiao tse); er hat zwei kleine siebenstöckige, eiserne Türme mit Inschriften aus dem 10. Jahrh.—Bemerkenswert ist noch der Kaiser-Tempel (Wan tscheu kong) ein Staatsgotteshaus, wo die Zivil-und Militärbeamten Kantons an Kaisers Geburtstag, beim Neujahrsfest und bei Verheiratung des Kaisers Festgottesdienst abhalten. Auf dem kahlen Altar steht eine Tafel, auf der der goldene Namenszug des Kaisers auf grünem Lack angebracht ist.—Für weitere Auskunft ist zu empfehlen: »A Guide to the city and suburbs of Canton, by Dr. Kerr« (Hongkong, Kelly and Walsh).
Ausflug. Kanton gegenüber, am Südufer des Perlflusses, die Vorstadt Honam auf gleichnamiger Insel; Bootsbauerei, Hauptsitz der Mattenindustrie, etwa 200000 Einw. Mit Sampan fährt man (nicht ohne ortskundigen Europäer!) über den Fluß. Sehenswert sind eine große Tempelanlage (Hoi tswang tse) im Kloster des Meer-Banners, zu der man durch eine lange Reihe von Toren und Holzstatuen gelangt, zwei Hauptpagoden und drei riesige Buddhafiguren; am interessantesten sind die vielen Bonzen, die man in ganzen Rotten trifft (listige Augurenphysiognomien). —Dann fährt man flußaufwärts zur Insel Fati, gegenüber von Schamien, wo sehenswerte Ziergärten liegen; sie enthalten außer vielen Blütengewächsen, Palmen, Dracaenen auch absonderliche Buschpflanzen, die zu allerlei Figuren (Menschen, Drachen, Fische, Fächer u. a.) zurechtgestutzt sind, denen mit Glas und Porzellanansätzen nachgeholfen wird; sehr eigenartig sind auch die Miniaturlandschaften, meist Berge mit Häusern, Grotten, Brücken, Menschen, Bäumen. Bei der Wasserfahrt kann man gelegentlich beobachten, wie Priester auf großen Dschunken Andachten abhalten; auch das Treiben auf dem Wasser, das Familienleben in den Fahrzeugen bietet Sehenswertes. Am angenehmsten sind Fahrten mit »Hausboot« der auf Schamien ansässigen Europäer; sie sind für Ausflüge zu Wasser bestimmt.
2. Seitentour: Hongkong-Macao.
Dampfer, s. S. 221. 40 Seem.; Fahrzeit etwa 31/2 St., Ausflug auf 1 Tag (besser 2 Tage). Fahrpreis $ 4; So. Sonderschiffe hin und zurück $ 2, 6 St. Aufenthalt (genügt für Rickschafahrt, Besuch der Spielhöllen und aller Sehenswürdigkeiten). (NB. Man kann auch von Kanton direkt nach Macao in etwa 8 St. fahren [Fahrpreis $ 5], doch sind die Dampfer [S. 225] sehr klein, daher bei Seegang unbequem.)
Die Fahrt von Hongkong ostwärts, je nach dem Wetter dicht längs der Nord-oder Südküste der großen Insel Lantao, ist reizvoll; dann durch die ziemlich offene Mündung des Kantonflusses, vorbei an kleinen Inseln nach dem versandenden Hafen von Macao, der an landschaftlicher Schönheit mit Hongkong wetteifert, trotzdem die Felsenhalbinsel Macao nur 100 m hoch ist. Auf dem Fort Nossa Senhora da Guia steht der erste europäische Leuchtturm, der in China brannte; die Hügel tragen alte Festungswerke. Die kleine Stadt sieht von See mit ihren Kirchen, Terrassen, Arkaden und Balustraden malerisch aus. Im Hafen liegen meist nur Fischerfahrzeuge.
Macao
(vgl. den Karton auf der Karte S. 219).
Gasthöfe: Hotel Boa Vista, über der Stadt in schönster Lage, Rua do Tanque do Mainato 1, gut, allein zu empfehlen; Pens. $ 8.—Macao-Hotel an der Grande Promenade, mäßige Preise.—Post u. Tel. (Kabel) portugiesisch. —Rikschas: 1 St. 10 cents in der Stadt, 15 cents außerhalb.—Tragsessel mit 2 Trägern ein Weg 15 cents; 6 St. 50 cents; für den Tag $ 1.—Dampfer: nach Hongkong tägl. früh, Sa. und So. 2mal tägl., für $ 4-2; nach Kanton Mo. Mi. Fr. früh.—Sprache portugiesisch, doch kommt man mit Englisch überall durch.—Geld portugiesisch; 1 Milreis (1000 reis) etwa 4,53 M., also 100 reis = 45 Pf. Es gelten Banknoten der Hongkong-Schanghai Banking Co. und das in Hongkong umlaufende Kleingeld. Der Goldkurs schwankt täglich.—Spielhöllen (mit Roulette): Fantam; Wong hang; Wong wo; Einsatz von $ 1 an, man gewinnt beim »fan tam« den vierfachen Einsatz, weniger 10 Proz.; Spielzeit den ganzen Tag, das Spiel ist primitiv (man wird enttäuscht sein). Macao wurde 1517 von den Portugiesen besetzt und diente einst als alleiniger Vermittelungsplatz des europäischen Handels mit China. Seitdem aber die Fremden in Kanton selbst Zutritt gefunden, und vollends, seitdem die Engländer die Insel Hongkong und die Halbinsel Kaulun besetzt haben, ist Macao als Handelsplatz völlig bedeutungslos geworden, zumal auch der Hafen durch die Sinkstoffe des Hsikiang ganz verschlammt ist. Der Besuch des Ortes lohnt aber auch heute noch wegen seiner herrlichen, an Monte Carlo erinnernden Lage auf einer kleinen Felsenhalbinsel und wegen der zahlreichen Zeugen der einstigen portugiesischen Kolonialherrlichkeit. Es ist kein größerer Gegensatz denkbar als zwischen dem reichen Leben, das in Honkongs Straßen und Hafen pulsiert, und dem menschenleeren Macao. Die Portugiesen selbst haben hier wie überall in ihren Kolonien ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern sind zu einer Mischrasse herabgesunken. Der Baucharakter der Europäerstadt ist dagegen noch rein portugiesisch.—Das Klima ist im Sommer weniger heiß, angenehmer und gesünder als auf Hongkong.
Macao (spr.-kāu) liegt 60 km westl. von Hongkong auf einer felsigen Halbinsel, die eine nur 100 m breite Landzunge mit der flachen chinesischen Insel Heongschan, des Südteils des Hsikiang-Deltas, verbindet. Die Grenzmauer, deren Tor früher chinesische Soldaten bewachten, ist jetzt verfallen. Macao hat 63991 Einw. Der Handel ist sehr im Niedergang (Waffenschmuggel) und ganz in Händen von Chinesen.—Die Stadt Macao ist malerisch auf einer Hügelreihe erbaut, die bis 100 m vom Strand aufsteigt; die Straßen sind vielfach steil. Auf den Höhen mehrere alte Forts, die mit je einer Kompanie Festungsartillerie und Infanterie besetzt sind. Macao scheidet sich in die regelmäßig gebaute portugiesische (jetzt verödete) Stadt mit fünf Kirchen, darunter die St. Pauls-Kathedrale, zahlreichen Kapellen und (seit 1834 aufgehobenen) Klöstern, aber auch nicht minder zahlreichen Spielhöllen, und das chinesische Viertel mit großem Basar und engen, schmutzigen Gassen. Macao ist Sitz des Gouverneurs, eines Bischofs und eines chinesischen Mandarins und Hauptsitz der französischen Missionen in China.—Der äußere Hafen ist ungenügend geschützt, zwei innere Häfen sind eng und verschlammen, daher nur für Flußdampfer und Dschunken brauchbar, während große Seeschiffe 9-10 km von Macao ankern müssen. Eingeführt wird aus China: Seide, Matten, Tee, Zucker, Schweine, Tabakblätter, Bambus; aus Hongkong: Reis, Erdnußöl, Petroleum, Kohle, Mehl. Ausgeführt werden nach China Opium, Baumwollengarn und Reis.—Die Portugiesen erhielten bereits 1557 gegen jährliche Zahlung von 500 Taels an China das Recht zur Niederlassung; diese Summe wurde bis 1848 entrichtet.—Seit 1845 ist Macao Freihafen, konnte sich aber neben Hongkong nicht behaupten, besonders seit 1873 der Kulihandel verboten wurde.
Rundfahrt in der Stadt mit Rikscha vom Gasthof Boa Vista hinunter in die Hauptstraße der Stadt, Praia Grande, wo der Palast des Gouverneurs und andre Regierungsgebäude liegen und am Nordende ein Park, in dem Nm. Musik spielt, während ganz Macao dort promeniert.—Dann l. den Berg hinauf zur Ruine der São Paolo-Jesuitenkirche mit schönem Portal und etwas weiterhin zum Camões-Garten, wo der verbannte Dichter seine »Lusiaden« vollendet haben soll und eine Büste des Dichters steht, mit mehreren Inschriften, darunter einer sehr stimmungsvollen Widmung eines Franzosen.— Ein guter Weg, die Avenida Vasco da Gama, führt nördl. zur chinesischen Grenze; auf einer Anhöhe sieht man einen terrassenförmigen Parsenfriedhof.—Jenseit des kleinen Grenztores 8 km weiter liegt eine reiche chinesische Besitzung mit sehenswertem Park.—In dem fleißigen, aber häßlichen Chinesenviertel von Macao ist eine Opiumfabrik sehenswert.—Die Spielhöllen (Casa do Jogo, Gambling saloon) liegen meist in der Rua da Felicidade. Macao gewährt wegen seiner idyllischen Ruhe und malerischen Umgebung genußreichen Aufenthalt für 2-8 Tage.—26 km von Macao liegen die heißen Quellen von Yo muh.
3. Seitentour: Hongkong-Manila
(vgl. Karte s. 155).
Dampfer der China Navigation Co. und der Indo-China Steam Navigation Co. (wöchentl.), der Philippine Steamship Co. (14tägig) laufen von Hongkong nach Manila (640 Seem.) in 21/2 Tagen; Fahrpreise veränderlich, je nach Güte der Dampfer $ 30-50, Hin-und Rückfahrt $ 50-80. Der Norddeutsche Lloyd (Austral-Japan Linie) läuft Manila alle 28 Tage an. Es ist notwendig, einen Paß bei sich zu haben, der vom amerikanischen Konsul in Hongkong visiert ($ 1 Gold) wird. Bei der Passagebelegung in Hongkong wird von allen Dampferlinien die auf den Philippinen verlangte Immigration Tax von 8 Pesos = $ 4 Gold hinzugerechnet. Bleibt der Reisende weniger als 3 Monate auf den Philippinen, kann er diese Summe durch die Agentur der Linie, mit der er nach Manila fuhr, reklamieren. Das Beste ist, dies 14 Tage oder 3 Wochen vor der Abreise zu veranlassen, da es solange dauert, bis das Zollamt den Betrag zurückzahlt.
Die Fahrt von Hongkong (S. 220) mit südöstl. Kurs durch das Südchinesische Meer (S. 214) ist sowohl im NO.-wie im SW.-Monsun des Seeganges wegen unbequem und besonders unruhig beim Monsunwechsel. Bei Ansteuerung der Westküste von Luzon erkennt man meist zuerst den 1070 m hohen Monte Agudo auf der Halbinsel, hinter der die kleine Bucht von Subic liegt, und erst später die 1300 m hohe Sierra de Mariveles auf der großen Halbinsel, die die große Bai von Manila nach W. abschließt. Zwischen dem Kap Mariveles und der gefährlichen Klippe La Monja und der 1 km östlichern Felseninsel Corregidor (mit Leuchtturm; diese Insel und die Inseln Caballo, Carabao, Fraile in der Einfahrt sind sehr stark befestigt) hindurch steuert man in die geräumige Bucht ein, deren Küstenumfang etwa 150 km mißt. Der Leuchtturm auf der San Nicholas-Bank bleibt r., dann erscheint r. die flache Waldküste von Cavite, und voraus sieht man auf künstlichem Ufer neue große Gebäude der Manila Hotel Co., des Army und Navy Club und Elk Club, dahinter die düstern Festungsmauern, Kirchtürme und Häuser der Stadt Manila, im Hintergrunde die Höhen von San Mateo.
Die Philippinen, die nördlichste Inselgruppe des Indischen Archipels, im W. vom Chinesischen Südmeer, im O. vom Stillen Ozean begrenzt, besteht aus 3146 größern und kleinen Inseln, darunter die größten: Luzon, Mindanao, Samar, Negros, Palawan, Mindoro, Leyte, Cebu, Bóhol, Basilan, Panay, Masbate, mit (einschließlich der Suluinseln) 296310 (Italien 286682) qkm Gesamtfläche. Die Küsten sind meist zerrissen und von Korallenriffen umrahmt. Die Inseln werden von dichtbewaldeten Bergketten durchzogen, die, wo sie nicht von Laven, Aschen und Tuffen der Vulkane überdeckt sind, aus kristallinischen Schiefern bestehen. Die zum Teil noch tätigen Vulkane bilden zwei Reihen, eine östliche, die mit dem erloschenen Butulan (1097 m) auf Mindanao beginnt und sich über die erloschenen Vulkane Malutun (2000 m) und Apo (3200 m) bis zu der erst 1871 entstandenen, 1627 m hohen Insel Camiguin und bis zu dem Bulusan, dem 2530 m hohen, noch tätigen Mayon oder Albay in Südluzon fortsetzt, und eines westliche, die von dem Cotaboto auf Mindanao über den tätigen Canloon (2497 m) auf Negros und über den Halcon (2700 m) auf Mindoro bis zu den Vulkanen bei Manila hin und weiter nördl. sich erstreckt. Einige Vulkane sind erst in jüngster Zeit entstanden, Erdbeben sind ziemlich häufig. Der Reichtum an Metallen ist groß, aber noch wenig ausgenutzt, Gold ist auf fast allen größern Inseln nachgewiesen; einige zwanzig amerikanische Gesellschaften sind an der Arbeit. Mit Gold kommen Silber, Platin (Kizal), Eisen, Kupfer, Blei und Zink (Camarines) vor, außerdem Zinnober, Schwefel, Petroleum, Steinsalz, Kaolin u. a. Das wichtigste Fossil ist eine treffliche Braunkohle, die auf der Insel Batan gefördert und von den Küstendampfern viel benutzt wird. Das Klima ist ein tropisch-insulares Monsunklima mit gleichmäßig hoher mittlerer Wärme und zwei Jahreszeiten, einer Regen-und einer Trockenzeit. Die Periode des NO.- Monsuns (Oktober bis April), der für die Nord-und Ostküsten regnerisch ist, ist die kühlere, die des SW.-Monsuns, der hauptsächlich der Westseite Regen bringt, die wärmere Jahreszeit. Die Verteilung der Regen über das Jahr ist an den einzelnen Orten je nach ihrer Lage zu den Gebirgszügen sehr verschieden; Manila hat seine Regenzeit, in der jeden Nachmittag ein starker Gewitterregen niedergeht, vom Juni bis September. Sprichwörtlich (aber übertrieben): 6 Monate Staub, 6 Monate Schlamm. Manila: Januar 25°, Mai 28,6°; mittlere Jahresextreme 36,3° und 17,1°; Regenmenge 1927 mm (davon Juni bis November 1700 mm). Der Wechsel der Monsune (Mai-Juni und September-Oktober) ist mit heftigen Wirbelstürmen verbunden. Die nördlichen Inseln sind häufiger, die südlichen seltener furchtbaren Zyklonen (Taifunen) ausgesetzt. Die Pflanzenwelt ist die malaiisch-tropische der Sundainseln und besonders reich an Palmen; die Tierwelt gehört zwar ebenso der malaiischen an, doch fehlen ihr fast sämtliche, auf den übrigen Sundainseln allgemein verbreitete Großtiere; die Raubtiere sind nur durch eine Viverre und eine Marderart vertreten. Die Bevölkerung zählt (1909) 8189760, davon 30000 Amerikaner, 100000 Chinesen, 650000 Negritos, d. h. Ureinwohner, die in den entlegenern Gebirgsteilen leben; die Hauptmasse der Eingebornen besteht aus (stark mit fremdem Blut gemischten) Malaien mit zahlreichen Stämmen.
Eine große Rolle spielen die Mestizen (Mischlinge aus Malaien und Spaniern). Die christlichen Malaien von Luzon nennt man Tagalen. Sie haben die Niederungen und Gebirge zwischen ihren unter Kokospalmen versteckten Pfahlbaudörfern gut angebaut mit Nahrungspflanzen (vor allem Reis), Zuckerrohr, Tabak und der Bananenart Musa textilis, der Lieferantin der Manilahanffasern. Gewerbebetriebe: Schnitzarbeiten, Manilahanfverarbeitung zu Stoffen und Matten; Trepang-und Perlenfischerei, Entenzucht. Ausfuhr: Manilahanf, Kopra, Zucker, Tabak, Kaffee, Farbholz, Ilang-Ilang, Aloefaser, Gold. Der Straßenbau in den Provinzen schreitet rüstig vorwärts. Auf Luzon sind bis jetzt 600 km, auf Cebu 110 km, auf Panay 125 km Eisenbahnen im Betrieb. Unter dem Zivilgouverneur stehen das Oberhaus, bestehend aus neun von Washington aus ernannten Beamten, das Unterhaus aus 81 gewählten Abgeordneten, ferner die 40 Provinzen mit vom Volke gewählten Gouverneuren; die Städte haben Selbstverwaltung. Geschichtliches. Magalhães entdeckte und besetzte die Inseln 1521 und taufte sie Inseln des heiligen Lazarus; 1543 wurde der Name nach dem Kronprinzen (spätern König Philipp II.) in »Islas Filipinas« umgeändert. 1645 erlitten die Philippinen ein schweres Erdbeben. Im 18. Jahrh. begannen die Spanier eifrige Plantagenwirtschaft und Missionstätigkeit durch geistliche Orden (Augustiner, Dominikaner und Jesuiten); die Ordensgeistlichen machten sich durch Härte verhaßt, so daß seit 1876 Aufstände unter Führung aufgeklärter Filipinos kein Ende nahmen. Nach Beendigung des spanisch-amerikanischen Kriegs 1898 trat Spanien die Philippinen an die Vereinigten Staaten ab, die aber in der kurzen seitdem verflossenen Zeit trotz großer Geldopfer die schweren, dem Wirtschaftsleben der Inseln durch die spanische Mißwirtschaft geschlagenen Wunden und das tiefgewurzelte Mißtrauen der Eingebornen gegen die weißen Beherrscher noch nicht beseitigen konnten. Die Eingebornen sind auch jetzt noch recht unruhig. Beste Reisezeit Januar und Februar.
Manila
(vgl. den Plan S. 237).
Ankunft zur See. Seedampfer ankern innerhalb des Wellenbrechers, Küstendampfer im Pasigfluß. Schiffe bis zu 10 m Tiefgang können Passagiere und Ladung in den beiden Landungshallen absetzen. Strenge Zolluntersuchung; Waffen werden, solange keine Erlaubnis zum Tragen eingeholt ist, zurückbehalten. Gasthöfe (sehr mäßig): Delmonico Hôtel, das beste am Platz, Deutsch gesprochen;—Hôtel Métropole, Plaza Goiti;—Hôtel Bay View, San José, Ermita;—Hôtel de France, Escolta, in allen Pens. 5-10 Pesos.—Manila Hotel, modern, im Bau.—H. Wechsler, deutsche Gastwirtschaft und Bierhalle, Anloague (an der deutschen Flagge kenntlich); Mitt. $ 1 (2,10 M.). Post. Brief nach Deutschland 10, Postkarte 4 centavos, über Sibirien (besonders zu vermerken) 20 u. 8 centavos. Telegraph: Eastern Extension, überall hin; Pacific Cable Co. nach Manila, Schanghai und San Francisco. Sämtliche Philippinen-Inseln sind durch Kabel miteinander verbunden. Mietswagen kosten für die erste St. 40 cts., jede folgende St. 30 cts.— Elektrische Straßenbahn bis Malabon und Fort Mac Kinley.—Eisenbahn von Manila nach Camp I und San Fernando mit Zweigbahnen, Manila-Batangas, Manila-Cavite, Manila-Antipolo, etwa 600 km. Dampfer: Nach Hongkong s. S. 234;—Great Northern Steamship Co., monatl. über Hongkong, Schanghai nach Seattle;—Pacific Mail S. S. Co. (Agentur Castle Bros. Wolf & Sons) und Tojo Kisen Kaisha, monatl. über Hongkong, Schanghai nach San Francisco; —Norddeutscher Lloyd (Agentur Behn, Meyer & Co., Ltd., Tel.-Adr. Nordlloyd Manila), alle 4 Wochen nach Australien und Neuguinea;—Küstendampfer der Philippine Steamship Co. (Agentur Warner, Barnes & Co.), nach allen Inseln des Archipels.—Außerdem Agenturen der Hamburg-Amerika Linie, Messageries Maritimes u. a.
Karte der Umgebung und Lageplan von Manila.

Geld: 1 Peso = 1/2 $ Gold (Vereinigte Staaten, II. Teil, S. 2) = 2,10 M.—Banken: Hongkong & Shanghai Banking Corporation und Chartered Bank of India, Australia & China; beide Korrespondenten der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; International Banking Corporation; Banco Español Filipino. Sprache. Mit Englisch kommt man gut aus. Vergnügungen: Militärkonzerte an der Luneta (Reede), Hahnenkämpfe etc. Konsulate: Deutsches Reich, Dr. Zitelmann, Calle Real 346, Malate etc. —Österreich-Ungarn, Konsul Peter Krafft. Deutscher Klub: General Solano 402, San Miguel, im Villenviertel; von seiner Terrasse *Aussicht. Die Polizei ist gut; die amerikanischen Polizisten geben höflich Auskunft und zeigen den Weg. Deutscher Arzt: Dr. Bartels, Calle Marina 67, Ermita. Deutsche Apotheken: Stahl & Rümcker, Escolta 83; Santos & Jährling, Plaza Goiti. Zeitungen. Englisch: Manila Times, Abendzeitung; Cablenews American, Daily Bulletin, Morgenzeitungen. Spanisch: El Comercio, El Mercantil. Sehenswürdigkeiten: Kathedrale und die alten Kirchen in Intramuros, Museen, alte Festungswälle in Cavite, Bilibid Prison. Geschäftsadressen. Viele deutsche Kaufleute leben in Manila; man frage im Gasthof nach dem »Directory«. Zeiteinteilung. Für Manila genügen einige Tage; für Ausflüge nach Baguio 4 Tage, nach den Majayjay-Fällen 3 Tage, zur Insel und dem Vulkan Taal 4 Tage, nach Sibul Springs 3 Tage, nach Los Baños 11/2 Tag. Geschichtliches. Manila wurde 1572 begründet, 1590 als Festung ausgebaut; 1643 wurde es von den Holländern, später von asiatischen Piraten und aufständischen Eingebornen bedroht, aber nie eingenommen. Am 1. Mai 1898 erzwang der amerikanische Admiral Dewey die Einfahrt in die Bucht von Manila, zerstörte in der Bucht von Cavite das aus kleinen, alten Schiffen bestehende spanische Geschwader und blockierte Manila von der Seeseite, während die verbündeten Filipinos sie von der Landseite einschlossen, so daß die spanische Besatzung 13. Aug. 1898 kapitulieren mußte. Auch während der Kämpfe, die bald zwischen den Amerikanern und den Filipinos ausbrachen, wurde Manila wiederholt von letztern angegriffen.
Manila, Hauptstadt und Haupthandelshafen der Philippinen, liegt im Südteile der größten, nördlichsten Insel des Archipels, Luzon, am Ostufer der prächtigen Bai von Manila, unter 14° 35' nördl. Br., hat 234409 Einw. (Tagalen, Mestizen, Spanier und etwa 30000 Ausländer, meist Chinesen), macht den Eindruck einer südeuropäischen Stadt. Die meisten Häuser sind wegen der Erdbeben aus Holz (nur das Erdgeschoß aus Stein), aber darum den Wirkungen der Wirbelstürme preisgegeben; der letzte Zyklon (1882) verwüstete in einer Stunde die halbe Stadt. Manila besteht aus der alten, von moosbewachsenen Ringmauern umgebenen innern Stadt (Intramuros) und den durch eine Stein-und drei eiserne Brücken mit dieser verbundenen Vorstädten (Extramuros). Erstere, am l. Ufer der Pasig, hat gerade Straßen, Palast des Erzbischofs, Rathaus, 10 reichgeschmückte Kirchen, viele Klöster, Hospitäler, Kasernen, Observatorium (von dem berühmten Meteorologen und Taifunspezialisten Jesuitenpater José Algué, Verfasser des Werks »The Cyclones of the Far East«, vorzüglich geleitet). Die innere Stadt, an die sich die Vororte Ermita, Paco und Malate und das Fort Santiago eng anschließen, ist Sitz des Zivilgouverneurs und des obersten Gerichtshofs und hat nur etwa 20000 Einw.
Manila, Plan der Innern Stadt.

Die Vorstädte Binondo und Santa Cruz am r. Pasigufer sind Sitze des europäischen, amerikanischen und chinesischen Handelsverkehrs, dagegen blüht in dem von Mestizen und Fremden bewohnten Tondo der Kleinhandel. Hauptindustrie ist Zigarrenfabrikation und Verarbeitung von Manilahanf; daneben Verfertigung von Nanking, Flechtarbeiten, Teppichen, Goldschmiedearbeiten und andern Metallwaren; durch europäische und amerikanische Unternehmer sind Zuckerraffinerie, Maschinenfabriken, Brennereien und Zündhölzchenfabrik entstanden. Der Handel liegt meist in den Händen von Engländern, Deutschen und Amerikanern. Die Einfuhr umfaßt Baumwollengewebe, Eisenwaren, Petroleum, Seiden- und Wollwaren, Papier, Kohlen, Kupfer, Reis, Wein, Schirme etc., Ausfuhr Zucker, Hanf, Tabak, Zigarren, Kopra, Kokosnußöl u.a. Der Handel richtet sich größtenteils nach den Vereinigten Staaten und England. Von Unterrichtsanstalten besitzt Manila eine Universität, höhere Schulen, Lehrerseminar für Eingeborne, Sternwarte, bürgerliches und militärisches Hospital. Das Klima ist trotz Feuchtigkeit gesund (Durchschnittstemperatur 27°, Januar 25°, Mai 28,6°), Cholera und Pest aber haben zahlreiche Opfer gefordert. Zyklone und Erdbeben haben die Stadt wiederholt schwer heimgesucht. —Rundfahrt. Man besuche die Geschäftsstraße La Escolta; sie ist Hauptsitz des Handels-und Schiffsverkehrs, lebhafter Verkehr bei Geschäftsschluß an der großen Pasigbrücke, Puente de España; von dort wandert man zum Strande. Der Bagumbayan und die Luneta, wo Militärmusik spielt, sind beliebte Spaziergänge. Auf der Plaza steht das Standbild Isabellas II., in der Nähe der alten Festung, bei der Brücke, die Magalhães-Säule und vor dem frühern erzbischöflichen Palast, jetzt Sitz des amerikanischen Truppenbefehlshabers, das Denkmal Karls IV. Sehenswert sind die Zigarrenfabriken und die Barbierläden sowie die Vororte der Eingebornen, die Tabakpflanzungen, Bambushaine und Kokospalmenhaine in der Umgebung.
Ausflüge: Lohnend ist ein Ausflug nach dem Kratersee Laguna encantada (bezauberter See) und nach dem Wasserfall in der prächtigen Schlucht bei Santa Cruz (bequem mit Auto, die Stunde 4-6 Pesos), ferner nach dem Kriegshafen Cavite mit Bahn in 13/4 St., zurück mit Fährdampfer 1 St.; mit Bahn westl. nach Laguna de Bay zum Kurort Los Baños (gutes Hotel) mit heißen Quellen; in die Berge von San Mateo, Montalbani und Antipolo. Vor größern Ausflügen ziehe man Erkundigungen über den Reiseweg ein. Ausflug nach Baguio (4 Tage erforderlich): Mit Frühzug der Dagupan Railway nordwärts Manila durch die Provinzen Rizal, Bulacan, Pampanga, Tarlac und Pangasinan, gut angebautes, ebenes Land mit Reis-und Zuckerrohrfeldern, dann durch Wälder von Nipa-Palmen und sandige Moore mit 5-8 m hohem Cogan-Gras. Hinter Dagupan steigt die Bahn etwa 100 m zum vorläufigen Endpunkt Camp One; hier beginnt das Gebirgsland der Provinz Benguet (man fährt ab Camp One mit staatlichen Gebirgsautomobilen); die Benguet-Landstraße steigt in der Talschlucht des Bued-Flusses durchschnittlich 1: 25 etwa 40 km in prächtigem Alpenpanorama empor; erste Haltestelle (20 km) Twin Peaks (Bungalow mit Erfrischungen). Von da in 2 St. auf großartigem Weg zum Gebirgskamm (eine der schönsten Landschaften der Erde); halbwegs hört die Tropenflora auf, Myrten und Nadelholz beginnen, die Luft wird kühl. Man sieht r. einen Durchhau nach Camp John Hay und erreicht 100 m weiter Hill Side (*Aussicht) und bald darauf *Baguio (Hotel Pines, gelobt, in prächtiger Lage), die Sommerresidenz der amerikanischen Beamten mit frischem, gesundem Bergklima, 1456 m ü. M., in schönster Landschaft gelegen, als Kurort sehr beliebt. Die höchste in 4 Jahren beobachtete Temperatur beträgt nur 26,4°, die niedrigste 6,8°, die Niederschlagsmenge aber nicht weniger als 4000 mm, der meiste Regen fällt im Mai-Oktober, Dezember-März sind ganz trocken.—Etwa 5 km weiter liegt Gibraltar und weiter l. Topside, die Residenz des Zivilgouverneurs mit Park und Sportplatz. L. vom Hotel liegt der Bezirk Brook Side.

12. Von Hongkong nach Schanghai. Die Yangtse-Fahrt.
Vgl. die Karte S. 214.
Dampfer (Österr. Lloyd, Messageries Maritimes und P. & O. Line) in 3-4 Tagen von Hongkong nach Schanghai, vgl. S. 221.—Die Reichspostdampfer (s. S. 245 B.) gehen von Hongkong in 3 Tagen nach (870 Seem.) Schanghai und laufen auf der Rückreise zur Teezeit Futschou an. Fahrpreise Hongkong-Schanghai I. Kl. $ 66, II. Kl. $ 44.—Außerdem Pacific Mail Steamship Co., Canadian Pacific Steamship Co., Toyo Kisen Kaisha und Nippon Yusen Kaisha.—Nach Formosa gehen Dampfer der Osaka Shosen Kaisha über Swatau, Amoy und Futschou nach (930 Seem.) Schanghai in 7 Tagen.— Küstendampfer (s. unten A.), darunter die Deutsche Reederei M. Jebsen, die Douglas Steamship Co., die Indo-China Steam Nav. u. a., berühren Swatau, Amoy, Futschou und Ningpo. Näheres in den Tageszeitungen in Hongkong.
A. Die Küstenfahrt zwischen Hongkong und der Yangtse-Mündung wird nur von kleinen Dampfern ausgeführt, da der große Bogen der südchinesischen Küste zwar außerordentlich viele Buchten besitzt und zum Teil in Inselscharen aufgelöst ist, aber wenige tiefe Häfen besitzt. Die Buchten sind entstanden, indem das Land sich senkte und das Meer in die Täler des bisherigen Küstenlandes eindrang; nachträglich sind sie zum Teil durch Sinkstoffe der Flüsse wieder verschlammt worden. So bestehen auf der ganzen langen Strecke nur drei bedeutendere Hafenorte, bei denen wie bei Kanton Flußmündungen die Stelle von Häfen vertreten: Swatau, Amoy und Futschou. Sie alle haben es nicht zu größerer Bedeutung bringen können, weil ihre Hinterländer zwar sehr reich und mit guten Wasserwegen ausgestattet, aber nicht allzusehr ausgedehnt, sondern gegen das Innere durch eine höhere Gebirgsschranke abgeschlossen sind. Kleinere, dem Fremdenhandel zugängliche Häfen sind Santuao, Funing, Wentschou.—Man verläßt Hongkong durch den Lyemun-Paß, läuft zwischen den Küsteninseln und nahe unter Land bis zum Kap Gute Hoffnung (Good Hope Cape), 50 m hoch, mit kleinem weißen Leuchtturm an der Mündung des Han-Flusses; zwischen Inseln und Klippen steuert man durch das Zuckerhut-Fahrwasser (Sugarloaf Channel) über die Barre in den mit Fischerbuhnen besetzten Fluß und gelangt nach 1 St. Fahrt nach
(175 Seem.) Swatau (Astor House Hotel, Pens. $ 6-12; Swatow Hotel, an der Landestelle, mäßig), Scha-tou, Hafenstadt der Provinz Kwangtung, dem fremden Handel seit 1858 geöffnet, auf 23°22' nördl. Br., also etwa unterm Wendekreis gelegen, mit etwa 48000 Einw. (unter 250 Ausländern etwa 30 Deutsche), hat bedeutenden Seeverkehr, namentlich als Mittelpunkt der Rohrzuckererzeugung, und europäische Niederlassungen an beiden Ufern des Hanflusses 8 Seem. innerhalb der Mündung; deutsches Konsulat (Dr. v. Borch) und deutsches Postamt am Nordufer, größere Niederlassung auf der Insel Kakchioh am Südufer zwischen schönen tropischen Gärten und felsigen Hügeln; je ein (internationaler) Klub auf jedem Ufer (Einführung durch Mitglied). Einkäufe: Zinkteebüchsen, Zigarrenkasten, Grasleinengewebe, Fächer und Curios. Chinesische Flußdampfer fahren bis zu der volkreichen Industriestadt Tschautschoufu (Chaochowfu; bis hierher auch Eisenbahn, 48 km, täglich 3 Züge) und Kityang, dem Mittelpunkte des Zuckerrohrbaues. Auf dem Fluß im Winter Jagdgelegenheit auf Wildenten und Wildgänse etc.
Nördl. von Swatau gelangt man in die Formosastraße, die im NO.-wie SW.-Monsun meist starken Seegang hat; man fährt in Sicht der Küste an vielen Inseln vorbei und biegt, nachdem man die Nantai Wuschan-Pagode auf 524 m hohem Berggipfel erblickt hat, in eine weite Bucht; im Innern liegt
(310 Seem.) Amoy (Hsiamen, in der Provinz Fukiën), dem fremden Handel seit 1842 geöffnet, auf etwa 24° 30' nördl. Br., mit 114000 Einw. (30 Deutsche), Sitz eines Titu (Admirals), eines Taotai und eines Haifangting (Seepräfekt), auf der Insel Amoy, die, 15 km lang und 11 km breit, von 400000 Menschen in 136 Ortschaften bewohnt ist und an der Mündung des Drachenflusses (Kiulungkiang) liegt. Letzterer bildet eine gute Wasserstraße ins Hinterland. Die Bedeutung des Ortes als Handelsplatz ist stark zurückgegangen, seitdem Japan die gegenüberliegende große Insel Formosa besetzt hat und der Verkehr zwischen dieser und dem Festland gering geworden ist. Die Innenstadt, in der die Yamen der chinesischen Beamten liegen, ist mit Mauern umgeben. Vor dem Südtor eine alte Ehrenpforte mit Steinfiguren, die eine im 17. Jahrh. vom Vizekönig in Futschou empfangene holländische Gesandtschaft darstellen, und Inschriften, wonach den Holländern gestattet wurde, in Amoy Handel zu treiben. Reste der Mauern um die alte holländische Niederlassung hinter dem New Amoy Dock. Amoy wurde 1544 von Portugiesen besucht; später war den Spaniern dort der Verkehr gestattet.—Bei Amingkang, Dorf 1 km südl. von Amoy, liegt das Grab des Prinzen Lu Wang, der 1660 auf der Flucht vor den Mandschus in Amoy starb, daneben zwei Steinfiguren und ein steinernes Pferd, die Symbole der Abstammung vom Herrscherhaus.—An den Bergabhängen ein weißer Grabstein neben dem andern, aus der Taiping-Rebellion herrührend. —Gegenüber Amoy die alte Nan tai wu-Pagode.—Vier große Forts verteidigen die Stadt.—Im Hafen sehr lebhafter Handelsverkehr; Einfuhr hauptsächlich Opium und Baumwollwaren, Ausfuhr schwarzer Tee und Zucker. Eisenbahn nach Tschangtschoufu (Changchowfu) im Bau. Gelegenheit zu billigen Einkäufen (man muß stark handeln!) chinesischer Kuriositäten: Katzenaugen, Schnitzereien aus Pfirsichkernen, hölzerne Götzenfiguren, Speckstein. Sehenswert sind auch die Fabriken für Spitzen, künstliche Blumen, Porzellan und Seide, die Markthallen, Malerwerkstätten und der Fischmarkt, Teehandlungen. Amoy ist eine der schmutzigsten Städte Chinas, man nehme Riechsalz mit; auch herrschen Cholera und und Pest dort häufig.—Gegenüber dem Hafen von Amoy liegt Kulangsu, eine kleine Insel mit der sehr gesunden und malerischen internationalen Fremdenniederlassung unter eigner Verwaltung, dem Sea view Hotel und dem New Amoy Hotel, dem Amoy Club, der Masonic Hall, dem Deutschen Postamt, ferner den Banken: Hongkong & Shanghai Banking Co. (Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft) und National Bank of China; Deutsches Konsulat (Konsul Dr. Merz). Spaziergang (2 St.) rund um die malerische Insel auf bequemem Weg, beliebte Promenade der Europäer, die auf Kulangsu international zusammenhalten und sehr gastfrei sind.