Einleitung zur Weltreise. (continued 11)
Reading edition
Der japanische Maler malt nur auf Seide und Papier, und zwar mit Tusche oder Wasserfarben, die mit Leim versetzt sind. Nach der Form teilt man die Bilder in Kakemono (hängende Dinge), in Makimono (gerollte Dinge) und in Oribon (Klappbücher). Auch die faltbaren Wandschirme (Byōbu) haben in der Malerei eine Rolle gespielt. Das Kakemono ist ein schmaler und hoher Papier-oder Seidenstreifen, der auf zähes Papier geklebt und oft mit farbigen Brokatstoffen umrahmt ist. Die Makimono sind niedrige Streifen von beliebiger Länge, die aufgerollt bewahrt werden.—Die Malerei steht im innigsten Zusammenhange mit dem Kunstgewerbe, das von ihr befruchtet wird und ebenfalls aus China gekommen, aber durch die höhere Intelligenz des japanischen Volkes künstlerisch verfeinert worden ist. Vornehmlich werden die Lackmalerei, die in Japan ihre überhaupt höchste Ausbildung erfahren hat, die Keramik, das Email, die Bronzeindustrie, die Waffenschmiedekunst, die Schnitzerei in Holz, Elfenbein, Knochen und Stein, die Weberei und Färberei gepflegt. Von den Porzellanen sind die aus der Provinz Kaga, aus der Provinz Hizen, nach dem Ausfuhrhafen »Imari-Ware« genannt, das Seladonporzellan aus Sanda und die Setoware, von den Fayencen das durch seine durchsichtige Glasur ausgezeichnete Steingut aus Satsuma beliebt. Ihren reich entwickelten Farbensinn haben die Japaner in der Dekoration von Gefäßen etc. aus Porzellan, Steingut und Kupfer mit Schmelzfarben (Zellenschmelz, Email cloisonné), in der Färbung von Kupferlegierungen durch Beizen und im Tauschieren von Bronzen und Eisenarbeiten mit Silber, Gold und farbigen Legierungen bewährt. Eine Spezialität der Metallindustrie sind die oft reich geschmückten Schwertzieraten (Tsuba = Stichblätter etc.), die eifrig gesammelt werden. (Vgl. Brinckmann, Kunst und Handwerk in Japan, Berlin 1889; Münsterberg, Japanische Kunstgeschichte, 3 Bände, 1907; Cohn, Stilanalysen, 1908; Seidlitz, Geschichte des japanischen Farbenholzschnitts, 1897; Kurth, Utamaro, 1907, Harunobu 1910, Sharaku 1910; Brockhaus, Netsuke, 1910.) Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse führt man am besten in Kyōto und Tōkyō aus. Sprache. Die japanische Schrift-und Umgangssprache ist aus einem heimischen Idiom, der Yamato-Kotoba, durch Beimischung vieler chinesischer Lehnwörter (in verdorbener Aussprache) hervorgegangen, ähnlich wie das moderne Englisch aus dem Angelsächsischen unter Beimischung normannisch-französischer Bestandteile entstanden ist. Die Japaner bedienen sich zum Schreiben der chinesischen Wortzeichen (ji, kanji), haben diese aber durch eine eigene Silbenschrift (Kana, zwei Systeme, aus chinesischen Zeichen abgeleitet) ergänzt. Die in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgetretenen Bestrebungen zugunsten der Einführung der europäischen (lateinischen) Schrift haben bislang wenig Erfolg aufzuweisen.— Auch wer nur wenige Wochen in Japan zubringt, sollte sich die Mühe geben, einige Redensarten zu lernen, um außerhalb der großen Städte sich verständlich zu machen. Für längern Aufenthalt sind einige, übrigens leicht zu erwerbende Sprachkenntnisse unbedingt nötig. Zu empfehlen hierfür sind Plauts Japanische Konversations-Grammatik (Heidelberg 1904), Der kleine Toussaint-Langenscheidt, Japanisch (Berlin 1910) sowie die englischen Kelly und Walsh's Handbooks im Taschenformat. Grammatiken gibt es von J. Hoffmann (1877, veraltet); B. H. Chamberlain, A Handbook of Colloquial Japanese, 1908; Lange (2. Aufl., Berl. 1906); Wörterbücher von Hepburn (1886), Brinckley (1896), Jukichi Inouye (1909) und viele andre kleine, auch japanisch-deutsche Wörterbücher, meist wenig befriedigend. Wirtschaftsleben. Die Grundlage der japanischen Volkswirtschaft bildet der Ackerbau, und zwar im Klein-und Zwergbetrieb. 41 Proz. der Bodenfläche dienen ihm. Hauptfrucht ist der Reis, dessen Kultur durch die reichlichen Frühsommerregen und die darauffolgende Hitze sehr begünstigt wird. Außerdem baut man Getreide und Bohnen, Obst und Südfrüchte, allerlei Industriepflanzen (Baumwolle, Papiermaulbeerbaum, Indigo etc.).

Wichtig ist die Kultur des Teestrauches und des Maulbeerbaumes zur Zucht der Seidenraupe.—Die Viehzucht nimmt zwar neuerdings rasch zu, ist aber noch gering, und man bekommt nur wenig frische Milch und Fleisch zu kaufen.—Die Waldbestände Japans sind noch sehr groß und reich an Steineichen, Tschujabäumen, Kampferbäumen und Kryptomerien. Ein neues Forstgesetz steuert dem frühern Raubbau.—Der Bergbau fördert vor allem Kupfer, außerdem Gold, Silber, Eisen, Schwefel, Steinkohlen u. a. Auch Petroleum wird gewonnen.—Die Fischerei, besonders die Seefischerei, ist wichtig für die Volksernährung.—Die Jagd spielt keine Rolle.—Die Industrie blühte, solange Japan nach außen abgeschlossen war, hauptsächlich als Kunsthandwerk. Massenproduktion und Großindustrie haben sich aber seit der Öffnung des Landes dank der Gelehrigkeit der Japaner und dem unüberlegten Entgegenkommen der Weißen rasch entwickelt, und Japan strebt in vielen Industeriezweigen jetzt schon nach Selbständigkeit. Die Herstellung von Seiden-und Baumwollenstoffen, Porzellan, Lackwaren, Stahl-und Kupferarbeiten steht in hoher Blüte. Die Hauptfabrikstädte sind Tōkyō, Kyōto, Hyōgo, Nagasaki, Kanazawa, Nagoya und Ōsaka.— Handel. Dem fremden Verkehr geöffnete Vertragshäfen sind Yokohama, Nagasaki, Hakodate, Niigata, Hyōgo (Kobe) und Osaka, wo fremde Konsulate bestehen. Haupteinfuhrartikel: Baumwolle, Ölkuchen, Reis, Zucker, Petroleum, Wollengewebe, Eisenwaren, Maschinen etc., in Summa 1909: 394,2 Mill. Yen; Hauptausfuhrartikel: Rohseide und Seidenwaren, Baumwollengarn, Baumwollwaren, Kohlen, Kupfer, Tee etc., in Summa 1909: 413,1 Mill. Yen. Der Haupthandelsverkehr geht nach Großbritannien, Britisch-Indien, den Vereinigten Staaten, China, Deutschland etc. Münzwesen. In Japan besteht seit 1897 Goldwährung, doch bekommt man Goldmünzen selten zu sehen; 1 Yen (Gold) hat 100 sen; 1 sen hat 10 rin. 1 Yen nach Berliner Kurswert ungefähr 2,09 M. Im Verkehr sind an Goldmünzen: 20, 10 u. 5 Yen; Silbermünzen: 50, 20, 10 sen; Nickelmünzen: 5 sen; Kupfermünzen: 2, 1, 1/2 sen. Papiergeld (viel im Umlauf) 1, 5, 10, 100 Yen und größere Scheine. Falsches Geld ist selten. Bei Reisen über Land fern von großen Städten nehme man hauptsächlich Papiergeld mit, aber nicht größere Scheine als 10 Yen, weil das Wechseln in kleinern Städten oft sehr schwierig ist. Fremde Banknoten kann man nur bei Bankgeschäften und Geldwechslern in Nagasaki, Kōbe und Yokohama wechseln. Staatsverfassung. Japan ist seit 11. Febr. 1889 eine konstitutionelle erbliche Monarchie, deren Haupt »Tennō« (veralteter Name Mikado) in Tōkyō residiert. Der Kaiser hat die Entscheidung über Organisation des Heeres, der Flotte und der Zivilverwaltung und übt mit den zehn Ministern und einem Geheimen Rat (Sūmitsu-in) die vollstreckende Gewalt aus. Der Landtag (Kokkai) besteht aus einem Herrenhaus (Kizoku-in) und einem Abgeordnetenhaus (Shūgi-in). Das Herrenhaus (364 Mitglieder) bestand im Dezember 1910 aus 200 Mitgliedern des Adels (von ihren Standesgenossen gewählt), nämlich 14 Prinzen von Geblüt, 13 Fürsten, 30 Marquis, 17 Grafen, 70 Vicomtes, 56 Baronen, ferner 121 vom Kaiser Ernannten und 43 Vertretern der höchsten Steuerzahler. Das Abgeordnetenhaus zählt 379 Mitglieder, die bezirksweise von allen männlichen Untertanen, die wenigstens 10 Yen Steuern zahlen, öffentlich zu wählen sind. Nicht wählbar sind Offiziere, Priester und die meisten Beamten. Die Landtagsmitglieder erhalten Diäten (2000 Yen pro Jahr).—In der Verwaltung bestehen Tōkyō, Osaka und Kyōto als Großstadtbezirke (Fu), außerdem 43 Landbezirke (Ken) unter Gouverneuren (Hokkaidō und Ōkinawa nicht eingeschlossen); diese Bezirke zerfielen Ende 1908 in 538 Gun oder Kōri (Kreise) mit 61 Städten, 1140 Landstädtchen (Flecken) und 10751 Dörfern. Die Namen der frühern Provinzen sind jedoch noch vielfach in Gebrauch.— Die Rechtspflege (früher willkürlich und grausam) ist jetzt nach europäischen Rechtsgrundsätzen umgestaltet. Die Richter werden vom Kaiser oder vom Justizminister ernannt und sind unabsetzbar.
Heer und Flotte. Der Kriegsdienst war früher ein Vorrecht der Samurai, seit 1889 besteht allgemeine Wehrpflicht nach deutschem Muster; das Oberkommando führt der Kaiser, Bewaffnung nach europäischem Muster. Stärke der japanischen Armee 1911: 9820 Offiziere im Frieden, wozu im Krieg 12200 Reserve-und Landwehroffiziere treten; 255000 Mannschaften im Frieden, 740000 im Krieg außer Reserveformationen; 24000 Pferde (Kriegsstärke nicht bekannt); 990 Feldgeschütze im Frieden, Kriegsstärke etwa 1400.—Die vorzügliche Flotte verfügte 1911 über 13 Linienschiffe, 13 Panzerkreuzer, 2 Küstenpanzerschiffe, 12 geschützte Kreuzer, 4 Avisos, 58 Torpedobootszerstörer, 69 Torpedoboote, 12 Unterseeboote; im Bau waren noch 3 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 3 geschützte Kreuzer. Personal der Flotte 48000 Mann. Heer und Flotte haben ihre offensive Kraft im Kriege gegen Rußland bewährt. Geschichte. Von den ältesten Bewohnern Japans haben sich nur geringe Spuren in Form von Wohngruben erhalten. Jünger sind schon die Ainu, Verwandte der weißen Rasse, die mindestens ganz Hokkaido bewohnten, bis sie durch Einwanderer mongolischer Rasse, die von Korea herüberkamen, zurückgedrängt wurden. Die politische Einigung erfolgte im 7. Jahrh. v. Chr. durch Jimmu Tennō, den Stammvater des heute noch regierenden Herrscherhauses. Der Tennō wurde unumschränkter Herrscher, die Provinzen wurden von Statthaltern verwaltet; Hauptstadt war 719-784 Nara, 794-1868 Kyōto. Der Mikado, mit dem chinesischen Titel »Tenshi« (Himmelssohn) und »Tennō« (himmlischer Herrscher), überließ aber allmählich die Regierungsgeschäfte ganz seinen Beamten und zog sich von der Öffentlichkeit zurück, so daß die Macht der Statthalter wuchs, die vielfach untereinander kämpften; seit dem 12. Jahrh. verwüsteten Bürgerkriege fünf Jahrhunderte das Land, der Kaiser wurde Spielball der Parteien. Gegen Ende des 12. Jahrh. vereinigte Yoritomo aus der Minamotofamilie die gesamte Zivil-und Militärgewalt in seiner Hand (Sitz in Kamakura), ließ sich vom machtlosen Mikado 1186 zum Polizeiminister, 1192 zum Sei-i-tai Shōgun (der die Barbaren besiegende große Feldherr) machen; diese Würde des Shōgunats blieb erblich. Aber nach Yoritomos Tod wiederholte sich am Hofe des Shōguns wie vorher am Hofe des Mikado die Erscheinung des Hausmeiertums, die Shikken (die ersten Beamten der Shōgune) rissen die Macht an sich. Erst im 14. Jahrh. gelang es Ashikaga Takauji, das mächtige Shōgunat der Ashikaga zu begründen, das von 1335-1573 dauerte; der Mikado war nur Schattenkaiser. Gegen Ende des 15. Jahrh. bildete sich unter den Territorialfürsten, den Daimyō, ein starker Kriegsadel (Buke), der die Ursache vieler Bürgerkriege wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrh. gelang es Ōta Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi, die Ruhe im Lande herzustellen, die Macht des letzten Ashikaga-Shōgun und den Übermut der buddhistischen Bonzen zu brechen. Spätere Fehden zwischen den Daimyō endeten mit der Schlacht bei Sekigahara 1600; der Sieger, Tokugawa Ieyasu, begründete das Shōgunat der Tokugawa, das bis 1868 bestand. Fortan lag der Schwerpunkt der japanischen Politik in Yedo (jetzt Tōkyō), wo die Tokugawa-Shōgune regierten. Unter der Herrschaft der Tokugawa entwickelte sich die japanische Kultur in langem Frieden zu hoher Blüte, die Stände nahmen die S. 339 gegebenen Formen an. Aber das Drängen der fremden Mächte auf Öffnung des Handels mit dem bisher gänzlich abgeschlossenen Japan wurde für die Shōgune verhängnisvoll; nach Abschluß der Handelsverträge mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Mächten (1854-61) verlangten die Gegner des unfähigen Shōguns Iesada die Vertreibung der fremden Barbaren und versicherten sich dabei der Zustimmung des Mikado. Gewaltakte der Daimyō von Satsuma und von Chōshū wurden 1864 durch die Beschießung von Kagoshima durch eine englische Flotte und von Shimonoseki durch eine englisch-französisch-holländisch-amerikanische Flotte gerächt, wobei die Daimyō ihre Machtlosigkeit gegen die fremden Barbaren erkannten, aber nun erst recht alle Mittel anwandten, um die alte Mikadoherrschaft wiederherzustellen.
Am 9. Nov. 1867 gab der letzte Shōgun freiwillig seine Gewalt dem damals kaum 15jährigen Mikado Mutsuhito zurück. Nun richtete der Mikado am 6. Nov. 1868 eine moderne Regierung, die Periode der Erleuchteten Regierung (Meiji) ein, nach der seitdem die Jahre amtlich gezählt werden, also 1912 = 45. Jahr Meiji; am 26. Nov. 1868 verlegte der Mikado seine Residenz von Kyōto nach Yedo, das seitdem Tōkyō (Hauptstadt des Ostens) heißt. Aus dem bisherigen mittelalterlichen Feudalstaat ging ein neuzeitlicher Beamtenstaat mit monarchischer Spitze hervor. Die alte Ständeordnung wurde aufgehoben, der Adel reformiert, Eisenbahnen, Telegraphen, Dampferlinien wurden begründet, Heer und Flotte europäisch bewaffnet und geschult, Schulzwang eingeführt, Universität und wissenschaftliche Institute wurden begründet. Unzufrieden waren nur die 400000 Samuraifamilien, die die Aufhebung ihrer Privilegien, besonders des Schwertertragens, als persönliche Schmach empfanden, und die, ebenso wie die großen Daimyō, mit 10 Proz. ihrer frühern Einkünfte abgefunden wurden. So entstanden mehrere Aufstände, deren gefährlichster, der Satsuma-Aufstand 1877, unter dem tapfern Saigō Takamori, erst nach 8 Monaten unterdrückt werden konnte und die Staatsfinanzen gänzlich erschöpfte. Um den Samurai Mitwirkung bei der Regierung zu gewähren, wurde 1889 das japanische Parlament eingerichtet und 1890 zuerst eröffnet. Noch bessere Gelegenheit, die Unzufriedenheit der patriotischen Samurai zu beheben, boten die siegreichen Kriege gegen China 1894 und 1900 sowie besonders gegen Rußland 1904, die für Japan großen Gebietszuwachs (Formosa, Korea, Sachalin, Kwangtunghalbinsel mit Port Arthur und Dalni) brachten. Seit dem Abschluß des Bündnisses mit England (am 30. Jan. 1902) rechnet Japan zu den Großmächten; durch den Sieg über Rußland ist Japans politische Bedeutung als ostasiatische Vormacht zur vollsten Geltung gelangt. Die Literatur enthält Arbeiten über Reichsgeschichte, große Enzyklopädien, Länderbeschreibungen etc. und erzeugt geschichtliche, moralische, geographische Werke, Gedichte, Romane und Novellen, Schauspiele etc. in Menge, zum Teil illustriert. Vgl. K. Florenz, Geschichte der japanischen Literatur (Leipzig, 2 Bände, 2. Aufl. 1910); Aston, Japanese Literature, London 1899; B. H. Chamberlain, Japanese Poetry, London 1910; K. Florenz, Dichtergrüße aus dem Osten; Weißaster, ein Epos; Japanische Dramen (sämtlich Leipzig, Amelangs Verlag, illustriert und in Japan hergestellt).— Zeitungen: Die erste Tageszeitung erschien 1872; 1900 betrug die Zahl der Zeitungen und Zeitschriften 944. Es besteht nominell Preßfreiheit, doch sind die Gesetze sehr streng und gestatten leicht die Unterdrückung einer Zeitschrift.
Reisepläne für Japan. Auf 14 Tage. 1. Tag: Kōbe; 2. Tag: Nara; 3. u. 4. Tag: Kyōto; 5. Tag: Bahnfahrt über Nágoya nach Miyanóshita; 6. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 7. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 8. Tag: Bahnfahrt über Tōkyō nach Nikkō; 9. Tag: Nikkō; 10. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 11. u. 12. Tag: Tōkyō; 13. u. 14. Tag: Yokohama. Bei sehr knapper Zeit mag man auf Osaka und Kōbe verzichten und für Yokohama nur 1 Tag ansetzen. Einkäufe japanischer Kunsterzeugnisse besorge man in Kyōto und Tōkyō. Auf 3 Wochen. 1. Tag: Nagasaki; 2. Tag: Bahnfahrt u. Fähre nach Shimonoseki; 3. Tag: Bahnfahrt nach Kōbe mit Unterbrechung in Miyajima (oder 2. u. 3. Tag Dampferfahrt durch die Binnenlandsee nach Kōbe); 4. Tag: Hyōgo u. Kōbe; 5. Tag: Ōsaka; 6. Tag: Nara; 7. u. 8. Tag: Kyōto; 9. Tag: Biwasee und Stromschnellen; 10. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 11. u. 12. Tag: Miyanóshita und Hakonesee; 13. Tag: Bahnfahrt über Enóshima u. Kamákura nach Yokohama; 14. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 15. u. 16. Tag: Nikkō; 17. Tag: Bahnfahrt nach Tōkyō; 18. u. 19. Tag: Tōkyō; 20. u. 21. Tag: Yokohama.
Auf 4 Wochen: 1. u. 2. Tag: Nagasaki; 3. u. 4. Tag: Fahrt nach Kōbe (s. vorher), 1/2 Tag in Miyajima; 5. u. 6. Tag: Hyōgo und Kōbe; 7. Tag: Ōsaka; 8. Tag: Nara; 9. u. 10. Tag: Kyōto; 11. Tag: Biwasee u. Stromschnellen; 12. Tag: Bahnfahrt nach Nagoya; 13. u. 14. Tag: Miyanóshita u. Hakonesee; 15. Tag: Bahnfahrt über Enóshima und Kamákura nach Yokohama; 16. Tag: Bahnfahrt nach Nikkō; 17. u. 18. Tag: Nikkō; 19. Tag: Chuzenjisee; 20. Tag: Bahnfahrt nach Maebashi und Pferdebahn nach Ikao; 21. Tag: Ikao; 22. Tag: zu Fuß nach Harunasee und Haruna; 23. Tag: zu Fuß nach Myōgi und Bahnfahrt nach Tōkyō; 24., 25. u. 26. Tag: Tōkyō; 27. u. 28. Tag: Yokohama. Auf 5 Wochen: wie vorher, nach dem 14. Tage schalte man eine Besteigung des Fuji mit Fußwanderungen in dessen Umgebung ein, wozu 7 Tage bequem ausreichen. Reisezeit. Um Japan mit Ruhe kennen zu lernen, empfiehlt sich ein Aufenthalt von mehreren Monaten. Beste Reisezeit für Japan ist der Frühling, die Zeit der Kirschblüte, oder der Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, die Zeit der Chrysanthemumblüte. Sommer und Spätsommer sind regnerisch, ersterer auch heiß. Des Seeklimas wegen muß man auch im Spätfrühling zwischen wunderbar schönen Tagen noch mit stürmischem und regnerischem Wetter rechnen. Ins Hochgebirge gehe man nicht vor Mai. Februar und März sind am wenigsten zu empfehlen. Führer. Wer nur wenige Wochen für Japan Zeit hat, sollte sich, um möglichst viel zu sehen, für die ganze Zeit einen Führer nehmen; Vermittelung von Führern (auch Deutsch sprechenden) durch die Hotels oder die Welcome Society of Japan (s. unten). Man bestellt den Führer an den ersten Ort, an dem man Japan betritt.— Führer tägl. etwa 4 Yen (außer der Fahrt). Gasthofspreise 8-10 Yen tägl.; Vorausbestellung von Zimmern in der Reisezeit ratsam. Welcome Society of Japan (Kihin kai), eine vornehme Gesellschaft zur Unterstützung des Fremdenverkehrs, begründet 1893, mit der Präsidialstelle in Tōkyō (Adresse Tōkyō-Handelskammer, Nr. 1, Itchome, Yuraka-cho, Kojimachi-ku) und Zweigstellen in Yokohama und Kōbe (Präsident Marquis Hachisuka, Vizepräsident Baron E. Shibusawa) nimmt fremde Reisende gegen 3 Yen Gebühr als Mitglieder auf und gibt mit der Mitgliedskarte eine Karte, das vorzügliche Reisebuch »Guidebook of Japan« (5. Aufl. 1910) und andre Veröffentlichungen in englischer Sprache aus. Die Mitgliedschaft erwirkt Zutritt zu manchen Sehenswürdigkeiten, Behörden und Unterrichtsanstalten in Tōkyō, Kyōto etc., die Nichtmitgliedern unzugänglich sind. Für längern Aufenthalt empfiehlt es sich sehr, der Gesellschaft beizutreten. Die Gesellschaft verschafft auch zuverlässige Führer, Dolmetscher und gut erzogene japanische Gesellschafterinnen für reisende Damen. Gasthöfe. In allen größern Städten gibt es europäisch eingerichtete Hotels (Pensionspreis tägl. 4-10 Yen und mehr). In kleinern Landstädten findet man halb europäische oder sehr gute japanische Gasthöfe, meist sehr sauber, oft mit etwas europäischer Kost. Im japanischen Gasthof zahlt man 1-3 Yen für Abendbrot, Schlafraum und Frühstück; es ist üblich, kurz nach Ankunft im japanischen Gasthof 1-2 Yen Trinkgeld (chadai = Teegeld) zu geben, wonach der Gast eingeschätzt wird. Auch in Rasthäusern, einfachen Häuschen oder Hütten an schönen Landschaftspunkten, zahlt man etwas chadai, z. B. für eine Schale Tee 10-20 sen. Verkehrsmittel. Die japanischen Eisenbahnen sind ordentlich; das Bahnnetz besteht zwar aus Schmalspurbahnen, ist aber weitverzweigt (8000 km Länge, fast alles Staatsbahnen), so daß man alle sehenswerten Orte mit der Bahn oder im Anschluß an die Bahn mit Dampfern erreichen kann. Man kaufe stets den monatl. erscheinenden Tedzuka's Railway and Steamship Guide (30 sen); in den großen Städten geben die Touristenagenturen oder Gasthöfe europäisch gedruckte (aber häufig falsche) Fahrpläne heraus.—Eisenbahnzeit ist die Zeit des 135.° östl. L., mithin 8 St. vor gegen Mitteleuropäische Zeit; sie gilt für ganz Japan.—Fahrkarten der Tōkaidōbahn, der Sanyō- und der Kwansei-Eisenbahn gelten für 50-100 Miles 2 Tage, darüber für je 100 Miles einen Tag länger; Fahrpreis I. Kl. etwa 4 sen für 1 Mile.
Verkehrssteuerzuschlag (Tsūkō-zei) zu den Fahrpreisen I. (II.) Kl. bis 50 Miles 5 (3), bis 100 Miles 20 (10), bis 200 Miles 40 (20), über 200 Miles 50 (25) sen; Schnellzugzuschlag bei den Hauptschnellzügen I. Kl. bis 50 Miles 1 Yen, über 150 Miles 1,50 Yen; II. Kl. 60 sen und 1 Yen. Europäer fahren meist I. Kl.; in II. Kl. hat man oft Gelegenheit, japanische Sitten genauer kennen zu lernen, was aber, wenn die Hitze groß und Kinder im Abteil, nicht immer nach jedermanns Geschmack ist. Abteile für Nichtraucher sind selten vorhanden.— Schlafwagen (mäßig) findet man nur in den Schnellzügen der Sanyōeisenbahn, der Tōkaidōbahn und der Nihonbahn (Tōkyō nach Aomori). Auf der Sanyō-und Tōkaidōbahn kostet im gewöhnlichen Schlafwagen ein Bett für die Nacht 4 Yen außer der I. Klasse-Fahrkarte, im kombinierten I. Klasse- und Schlafwagen auf der Sanyō-, Tōkaidō- und Nihonbahn 3 Yen; auf der Sanyōbahn im kombinierten II.Klasse- und Schlafwagen wird für ein Unterbett 20 sen, für ein Oberbett 40 sen als Zuschlag zur Fahrkarte II. Kl. erhoben. Schlafwagenbillette möglichst 2-3 St. vor Abfahrt bestellen!—Speisewagen führen die Schnellzüge der Sanyō-, Tōkaidō-und Nihonbahn, Speisen à la carte oder Table d'hôte sowie Getränke. Auf der Kwanseibahn sind zwischen Osaka und Nagoya Verkäufer europäischer Gerichte und Getränke im Zuge. Wenn kein Speisewagen im Zuge ist (man erkundige sich), geben die Gasthöfe gute Proviantschachteln mit.—Bahnwirtschaften europäischer Art nur in Kameyama; aber fast auf jedem Bahnhof sind Verkäufer von Lebensmitteln in saubern kleinen Holzschachteln (10 sen und mehr; »bentō« genannt) mit Papierserviette, Eßstäbchen und Holzlöffel; man erhält eingemachte Früchte, gesalzene Fische, Wurzelgemüse, Reis. Flaschenbier (teuer), Tee und Limonade (man hüte sich vor Eiswasser!) sind überall zu haben.—Gepäck bis 100 Pfund in I., 60 in II. ist frei, Überfracht nach Taxe; man achte darauf, daß das Gepäck mit dem richtigen Zettel versehen und der Zettel gut festklebt! Auch auf dem Ankunftsbahnhof kümmere man sich um sein Gepäck! Gepäckträger haben rote Mützen (daher akabōshi genannt). Neben den Eisenbahnen ist die sehr gut ausgebildete Küstenschiffahrt das Hauptverkehrsmittel. Auf den Landstraßen kommt man mit Hilfe der von Kulis gezogenen Rikschas auf ebenem Gelände überraschend schnell vorwärts. Feiertage für alle Ämter, Banken, Schulen etc. sind: 1., 3., 5. Jan.: Neujahrsfest (Shiunen Shuku-jitsu); 30. Jan.: Todestag des verstorbenen Kaisers (Kōmei Tennō-sai); 11. Febr.: Thronbesteigung des ersten Kaisers Jimmu Tennō (Kigen-sétsu); 21. März: Frühlingsgleiche (Shunki Kōrei-sai); 3. April: Todestag von Jimmu Tennō (Jimmu Tennō-sai); 23. Sept.: Herbstgleiche (Shūki Kōrei-sai); 17. Okt.: Herbstdankesfest (Kanname-matsuri); 3. Nov.: Kaisers Geburtstag (Tenchō*setsu); 23. Nov.: Herbstfest (Niiname-matsuri). Ortsfeiertage sind später erwähnt. Reisen in Japan. Reisezeit s. S. 345. Für den Sommer braucht man leichte Kleidung, für den Winter warme wie in Deutschland; Tropenhelm, Sonnenschirm und Moskitoschleier sind im Sommer zu gebrauchen. Die Gasthäuser im Innern Japans haben selten Heizung. Leichtes Schuhzeug in den Ortschaften, und nur solches, das man schnell und bequem aus-und anziehen kann (also nicht zum Schnüren), weil man bei jedem Besuch eines Hauses oder Tempels die Schuhe ausziehen muß, um die japanischen Sitzmatten nicht schmutzig zu machen. Man würde einen groben Verstoß begehen und sich Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn man diese Sitte nicht beachtet. Die japanischen Strohsandalen sind empfehlenswert auf glattem Gestein; doch muß man die dazu passenden Socken tragen und den Strang mit Baumwolle bewickeln, der zwischen die große und zweite Zehe geklemmt wird. Wer von Reis, Eiern und Fisch allein nicht leben kann, muß sich ins Innere Lebensmittel mitnehmen; auch Wein ist nicht zu bekommen, doch mäßiges Bier in den meisten Städten. Currypulver und Soya macht die Reisgerichte schmackhafter. Wasser sollte man stets nur abgekocht trinken, besser aber nur Tee.—In der Ebene benutze man Rikschas (jap. Jinrikĭsha oder Kuruma), die Wege sind gut.
Mit Reit-und Packpferden hat man viel Schwierigkeiten. Im Gebirge gehe man zu Fuß und nehme Träger für das Gepäck. Radfahren ist nur auf einzelnen Landstraßen zu empfehlen; für Automobile sind nur wenige Landstraßen mäßig geeignet. Man sorge für wenig Gepäck in kleinen Stücken, mit Ölpapier gegen Regen geschützt für Bergbesteigungen. Man nehme einen zuverlässigen, empfohlenen Führer (s. oben) oder Diener an. Bei Reisen ins Innere nehme man Insektenpulver, Kampfer, Seife, reichlich Lichte und Laterne, Handtücher, Decken, ein Kopfkissen mit. Man beachte, daß warme Bäder den Europäern in Japan besser bekommen als kalte. Heiße Bäder werden viel und fast überall genommen. Man sei auch unterwegs stets mit Visitenkarten versehen; selbst in kleinen Landstädtchen wird man gelegentlich Deutsch sprechende Ärzte, Apotheker und Techniker finden. Man sei stets höflich und zuvorkommend und nie ungeduldig; Heftigkeit macht keinen Eindruck auf die Japaner. Man verschaffe sich Empfehlungen an Behörden und versäume nie, Besuche auch bei Japanern im Gesellschaftsanzug zu machen. Frackanzug ist unentbehrlich. In den japanischen Häfen und Befestigungen sowie 12 km im Umkreis außerhalb davon ist das Photographieren streng verboten; dazu gehören Nagasaki, Moji, Shimonoseki, Miyajima, Amanohashidate, Kamakura und Hakodate etc. (Die Karte der Welcome Society, Preis 50 sen, gibt genaue Auskunft.) Reiseliteratur für Japan: Joseph Lauterer, Japan, das Land der aufgehenden Sonne (Leipzig 1907); Franz Doflein, Ostasienfahrt (Leipzig und Berlin 1906); Basil Hall Chamberlain, Things Japanese (London 1898); Murray, Handbook for Travellers in Japan (London 1907); A Guide-book for Tourists in Japan, herausgegeben von der Welcome Society of Japan (5. Aufl., Tōkyō 1910).


17. Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee nach Kōbe, über Ōsaka, Kyōto nach Yokohama, Tōkyō und Nikkō.
Vgl. die Karte bei S. 337.
Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd (S. 247) von Schanghai alle 14 Tage in 1 Tag nach (412 Seem.) Nagasaki für I. Kl. 77, II. Kl. 48,40, III. Kl. 22 M.; weiter nach (389 Seem.) Kōbe und (719 Seem.) Yokohama. Außerdem ein Zweigdampfer der Austral-Japan-Linie des Nordd. Lloyd monatl. einmal von Hongkong in 6 Tagen nach (1600 Seem.) Yokohama, von da nach 1 Tag Aufenthalt in 11/2 Tag nach (346 Seem.) Kōbe, oder umgekehrte Folge. —Österreich. Lloyd von Schanghai monatl. einmal in 5-6 Tagen direkt nach (1031 Seem.) Yokohama, von da in 11/2 Tag nach (346 Seem.) Kōbe.— Messageries Maritimes von Schanghai alle 14 Tage in 3-4 Tagen nach (755 Seem.) Kōbe, von da in 11/2 Tag nach (346 Seem.) Yokohama.—Peninsular and Oriental Steam Navig. Co. (Zwischendampfer) unregelmäßig etwa alle 14 Tage bis 4 Wochen von Hongkong über Schanghai nach Yokohama.— Canadian Pacific Railway and Steamship Line alle 14 Tage von Hongkong über Schanghai, Nagasaki und Kōbe nach Yokohama.—Pacific Mail S. S. Co. und Tōyō Kisen Kaisha gemeinschaftlich abwechselnd alle 7-10 Tage von Hongkong über Schanghai, Nagasaki und Kōbe nach (2002 Seem.) Yokohama. (Für die Fahrpreise beachte S. 411 u. 423.)—Japanische Dampfer. Nippon Yūsen Kaisha: monatl. von Hongkong über Schanghai, Moji, Kōbe nach (1101 Seem.) Yokohama; Ōsaka Shōsen Kaisha monatlich von Schanghai nach Japan.
Von Schanghai (Ausfahrt S. 266) führt der kürzeste Seeweg mit ONO.-Kurs quer durch das Ostchinesische Meer (s. unten und S. 246) zwischen den Inseln l. Torishima und r. Meshima (shima = Insel) hindurch nach Nagasaki (S. 349); oder mit östlichem Kurs durch die Van Diemenstraße zwischen den Inseln Kyūshū und Tanegashima hindurch, dann nö. bis vor den Kiikanal (Linschotenstraße) und durch diese nördl. in die Ōsakabucht nach Kōbe (S. 361); oder schließlich nö. bis zur nördlichsten der Sieben Inseln (Shichi-tō), die Ōshima oder Miharayama heißt, und dann nördl. durch den Uragakanal in die Tōkyōbucht nach Yokohama (S. 388).
Das Ostchinesische Meer (Tunghai) erstreckt sich von der Formosastraße bis zur Koreastraße; seine Nordgrenze gegen das Gelbe Meer (Hwanghai) liegt zwischen der nördlichen Yangtsemündung und der Insel Quelpart, seine Ostgrenze nach dem Stillen Ozean hin (von dem es ein Randmeer ist) bilden die Ryū-kyū-Inseln. Es ist überall tief und frei von besondern Gefahren für die Schiffahrt, abgesehen von den Taifunen (S. 220 u. 246). Das Gebiet, in dem diese entstehen, liegt zwischen den Marshallinseln und den Philippinen sowie auch zwischen den Bonininseln und den Ryū-kyū-Inseln. Ziemlich selten beginnen sie aber auch nahe westl. von den Philippinen. Gegen Anfang und Ende des Jahres halten sie sich mehr im südl. Gebiet, in der Haupttaifunzeit mehr im mittlern und nördl. Gebiet. Nördl. von der Linie zwischen der Yangtseinündung, der Van Diemenstraße und den Bonininseln sind die Bahnrichtungen der Taifune in der Hauptzeit nördl. bis nö. Regeln zum Erkennen der Bahnrichtung eines Taifuns sowie zum Manövrieren, um der sehr gefährlichen Sturmmitte zu entgehen, sind in den deutschen Seehandbüchern des Reichsmarineamts und der deutschen Seewarte enthalten (diese Bücher sind an Bord aller deutschen Dampfer). Über Sturmwarnungsdienst in Ostasien vgl. S. 252 unter Zikawei. In allen japanischen Häfen besteht ein sehr gut geregelter Wetterbeobachtungs- und Sturmwarnungsdienst; vorzügliche tägliche Wetterkarten für die ostasiatischen Gewässer werden vom Meteorologischen Institut in Tōkyō herausgegeben, auf denen Wetterdepeschen von der chinesischen Küste, von Formosa und den Philippinen mit verwertet werden. Das internationale Zusammenwirken zum Schutze der Seefahrenden ist in Ostasien wesentlich weiter entwickelt als in Europa, dank der Tätigkeit der Jesuitenväter in Zikawei und Manila sowie der japanischen, englischen (Hongkong) und der deutschen (Tsingtau) Regierung.—Die Linie Yangtsemündung-Van Diemenstraße bezeichnet ungefähr die Nordgrenze des Monsungebiets; man trifft daher bei der Reise von Schanghai nach japanischen Häfen veränderliche Winde, und zwar im Winter vorwiegend mäßige bis frische NW.-Winde, die viel Kälte aus dem Innern Asiens bringen, im Sommer vorwiegend schwache Südwinde. Die Meeresströmung ist auf der westl. Hälfte des Weges schwach und veränderlich, auf der östl. nordöstlich unter dem Einfluß des Kuro-shiwo (Schwarzstrom), eines warmen Stroms, der am stärksten längs der Süd-und Ostküste der japanischen Inseln, aber auch vor Nagasaki und im südl. Teil der Koreastraße fühlbar ist und sich durch blaues Wasser auszeichnet, während die aus dem Golf von Petschili von November bis April ausströmende kalte, südl. gerichtete chinesische Küstenströmung trübes, gelbliches Wasser führt.
Auf der Dampferfahrt sieht man bei der Annäherung an die japanische Küste zuerst l. die bergigen Gotoinseln, deren größte und südwestlichste, Fukae, etwa 460 m hoch ist und an ihrer SW.-Spitze den Leuchtturm von Ose Saki trägt; nach etwa 3 St. Fahrt kommen die Berge der Hauptinsel Kyūshū in Sicht, man steuert auf den Leuchtturm von Iwo Shima zu, der auf einem kahlen Gipfel steht; die Insel bleibt r., sie zeigt bis 107 m hohe Hügel. Nun führt östl. Kurs auf die äußere Einfahrt der Förde von Nagasaki zu, zwischen den Inseln Kamino Shima und Papenberg (Takaboko), beide l., und Kagenoo, r. hindurch. Auf Naginata Saki, der Nordspitze von Kagenoo, steht wieder ein Leuchtturm. Etwa 2 km nö. liegt die eigentliche, nur 550 m breite Einfahrt in die nach NO. etwa 3,5 km tief einschneidende Hafenbucht von Nagasaki. Das Landschaftsbild zeigt eine neue Welt: reich gegliederte Küste mit Felsen und Bergen, deren Abhänge Nadelwälder bedecken; dazwischen verstreut liegen am Strande Fischerdörfer, einzelne Hütten, auf den Höhen Tempel und zierliche Landhäuser. Man glaubt auf einem Gebirgssee zu fahren. Überraschend wirkt bei Sonnenschein die Buntheit der japanischen Ansiedelungen zwischen dem grünen Gehölz. Im Hintergrund r. liegt die Stadt in einem Seitentale, zieht sich aber auch an den Anhöhen hinauf; gegenüber, l., liegen Schiffswerften und große Trockendocks (Mitsubishi Dock Yards).
Nagasaki.
Vgl. beifolgenden Plan.
Ankunft. Die Dampfer ankern sw. von der frühern Insel Deshima, etwa 5-10 Min. Bootsfahrt nach der Landungsbrücke beim Zollamt; Ausschiffung geschieht meist stündlich auf kleinen Dampfbooten gratis, sonst jederzeit mit Sampan (Ruderbooten): 1 Pers. ohne Gepäck 20 sen, je ein Gepäckstück 5 sen; man landet beim Zollamt. Die Zolldurchsicht ist streng, man hüte sich, etwas zu verheimlichen; getragene Kleider etc sowie gebrauchte Sportsachen, Fahrräder, Kameras zum eignen Gebrauch sind zollfrei, auch wird üblich je eine Kiste Zigarren und Zigaretten zollfrei durchgelassen, aber sonst darf Tabak, weil Staatsmonopol, nicht eingeführt werden; alle Handelssachen müssen verzollt werden. An japanischen Festtagen (S. 346) ist das Zollamt geschlossen. Gasthöfe: Cliff House, Pens. tägl. 4-6 Yen.—Bellevue, 3-5 Yen.—De France, 2,50-4 Yen.—Du Japon, 3,50-5 Yen. Restaurants. Europäisches Essen: in obigen Gasthöfen.—Japanisches Essen: Fukiro in Suwa Matsunomori; —Koyote in Kami Chikugo Machi;—Fujite in Ima Machi. Als Getränk zu empfehlen: Sake (Reiswein), warm; sonst Bier. Post und Telegraph am Bund (Hafenstraße). Das japanische Postwesen ist nach europäischem Muster eingerichtet. —Telephon 5 sen für 5 Min. innerhalb der Stadt. Rikschas (Kuruma): 1 St. mit 1 Kuli 25 sen, jede St. mehr 71/2 sen; 1 Tag 1 Yen; für 2. Kuli doppelter Preis; auf schlechten Wegen 10 sen mehr stündl. —Sänften (Kago), unbequem, doch für Damen bei Bergbesteigungen brauchbar; Tragstühle (Chairs) etwas bequemer. —Reitpferde. Eisenbahn nach (262 km) Moji, an der Shimonosekistraße, in 7-10 St., I. 5,30 Yen, II. 3,18 Yen; hat durch Fährdampfer nach Shimonoseki Anschluß an das Bahnnetz von Nippon, also nach Miyajima, Kōbe, Ōsaka, Yokohama etc.; nach Kagoshima und Oita auf Kyūshū.
Plan von Nagasaki

Dampfer (vgl. S. 347) nach Schanghai wöchentl. einigemal;—Ōsaka Shōsen Kaisha und Nippon Yūsen Kaisha nach Moji, Kōbe und Yokohama wöchentl. einigemal; nach Formosa (Kilung) 14tägig; nach Korea (Fusan, Tschimulpo, Gensan), Dairen (Dalny), Port Arthur (Ryōjunkō) monatl. 4mal; nach Tschifu, Taku etwa 14tägig; nach Niutschwang 2mal wöchentlich; nach Wladiwostok wöchentlich. Außerdem kleine Dampfer mit wechselndem Fahrplan nach den Nachbarhäfen und Inseln, z. B. nach den Gotōinseln wöchentl., nach Sasebo tägl.; nach Kagoshima 2mal wöchentlich etc.— Dampferagenturen: Norddeutscher Lloyd: H. Ahrens & Co. Nachf. (Tel.-Adr.: »Nordlloyd«);—Hamburg-Amerika Linie: C. E. Boeddinghaus (Tel.- Adr.: »Paketline«); außerdem mehrere englische, amerikanische, russische und japanische Linien.—Abfahrt und Ankunft aller Dampfer werden in der »Nagasaki Press« tägl. angezeigt. Banken: Deutsch-Asiatische Bank, —Hongkong-Shanghai-Bank; beide Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—Yokohama Specie Bank (Shōkin-Ginkō), Korresp. der Deutschen Bank. Theater: Maizuru-za, Shin-Daikumachi. Fremdenführer durch Vermittelung der Gasthöfe; sie erhalten etwa 21/2 Yen tägl. für 1-2 Pers., 1/2 Yen für jede Person mehr, dazu Verpflegung und freie Fahrt. Wer etwas Japanisch versteht, tut besser, einen Diener (Boy), der kochen kann, auf Reisen ins Innere mitzunehmen. Konsulate: Deutsches Reich, Amt am Bund, Konsul Dr. Ohrt; ferner britisches, amerikanisches und russisches Konsulat. Vereine: Nagasaki Club, am Bund; International Club in Deshima. Ärzte: Ein amerikanischer Arzt. Von den japanischen haben einige in Deutschland studiert.—Katholisches Krankenhaus St. Bernard. Zeitung: »Nagasaki Press«, täglich. Photographen: Tamemasa, Moto Kago-machi; Ueno in Deshima; Tenyōkwan in Shikkui Machi. Geschäftsadressen: Hauptgeschäftsstraßen sind die Moto Kago-machi und deren Verlängerung bis zur Moto Shikkui Machi sowie deren Querstraßen Hamano Machi, wo alle Spezialitäten Nagasakis käuflich sind: Schildpattwaren bei Yesaki in Imauwono Machi und Sakata in Moto Kago-machi u. a. (man hüte sich vor Nachahmungen aus Kuhhorn!); Lackrahmen bei Yamamoto in Moto Kago-machi; Porzellan bei Koransha in Deshima; japanische Curios (Raritäten) bei Sato in Moto Kago-machi und Ikeshima in Togiya Machi. Es empfiehlt sich aber, mit Einkäufen bis Kōbe, Kyōto, Yokohama und Tōkyō zu warten, wo Auswahl reicher und Preise häufig billiger. Photographieren ist in Nagasaki streng verboten! Vgl. S. 347.

Nagasaki (Nangasaki), Hauptstadt der Provinz Hizen und des Regierungsbezirks (ken) Nagasaki, dem Fremdenverkehr geöffneter Hafen an der Westküste der Insel Kyūshū, unter 32° 43' nördl. Br. (etwa wie Jerusalem), am Ende einer langen, schmalen Bucht prächtig gelegen, einer der tiefsten und sichersten Häfen von Japan, auf drei Seiten von 300-400 m hohen Hügeln, auf der vierten, westlichen, durch die Insel Takaboko geschützt, von deren steiler Höhe nach einer Legende einst viele hundert Christen hinabgestürzt worden sein sollen, von den Holländern deshalb Papenberg (»Pfaffenberg«) genannt. Die Stadt hat (1909) 177000 Einw., darunter 300 Europäer und Amerikaner und 700 Chinesen; die Straßen sind eng, auch im Chinesenviertel, doch ist das Fremdenviertel an der Küste und auf den Hügelabhängen geräumig und sauber. Öffentliche Anstalten: Hospital, medizinische Schule, zwei Handelsschulen, Taubstummen-und Blindenanstalt, Schiffswerft (drei große Trockendocks der Mitsubishi-Gesellschaft), Gefängnis, Land-und Oberlandesgericht, mehrere Missionsgesellschaften. Der Handel tritt jetzt gegen den von Yokohama, Moji und Kōbe weit zurück. Die Einfuhr besteht hauptsächlich aus Ölkuchen und Knochen (als Dungmittel), Rohbaumwolle, Reis, Maschinen, Schiffbaumaterial und Petroleum (über 8 Mill. Yen). Die Ausfuhr umfaßt Meereserzeugnisse (ohne Fische) und Pilze nach China, Kohle und Holzkohle, Kartoffeln und Gemüse sowie Papier. Der Hafen war zuerst den Portugiesen, seit 1639, und bis 1859 nur den Holländern und Chinesen geöffnet. Die erstern hatten auf der künstlichen, jetzt infolge Aufschüttungen im Innern der Stadt liegenden ehemaligen Insel Deshima ihre Warenlager nebst Gefängnis, während die chinesische Faktorei, von einer Mauer umschlossen, im Innern der Stadt lag.—Rundfahrt. Von der Landestelle oder vom Gasthof fahre man mit Rikscha am Bund (Hafenstraße) entlang, wo europäische Häuser (Konsulate, Geschäftshäuser etc.) stehen, nach Deshima oder durch die Hauptgeschäftsstraße Moto Kago-machi, entweder gleich zum Ō-Suwa-Tempel oder, wenn hinreichend Zeit, zunächst nach der nahen Tera Machi (Tempelstraße), an der eine Reihe buddhistischer Tempel liegen, dahinter am Hang des Kasagashirabergs malerische alte Friedhöfe. Der Aufstieg durch die Grabanlagen bis zum Berggipfel (schönster *Ausblick in Nähe der Stadt) ist außerordentlich lohnend; er liegt auf dem Weg zum berühmtem, viel besuchten *Ō-Suwa-Tempel und Park. Dieser Shintōtempel, der gegenüber Kasagashira über den Terrassenstraßen der Stadt am Hange des Kompiraberges im Hintergrund des Hafens liegt, wird auf mächtiger Freitreppe unter prächtigen Torii (Tempeltoren) aus Stein und Bronze erreicht; man steigt hinauf zum Tempelgarten, der wie der untere Tempelhain durch sehr alte Kampferbäume und Kiefern beschattet ist.—Von der ersten Terrasse gelangt man r. zum Matsunomoritempel (mit berühmten Holzschnitzereien).—Bei weiterm Aufstieg über die Freitreppe sieht man auf dem Tempelhof vor dem Ō-Suwa-Tempel ein großes bronzenes Pferd, Weihgeschenk eines Daimyō, dabei allerhand Kriegstrophäen; die Tempelanlage zeigt verschiedene Hallen und Nebengebäude, Priesterwohnungen, Opferplätze etc. Das letzte Tor führt zu einem einfachen Hauptgebäude nach Art eines Shintötempels; dahinter und l. liegt der Ō-Suwa-Park mit guter *Aussicht über den Hafen. Unterhalb des Parks liegt das sehenswerte Handelsmuseum. Tempelfeste, die in Nagasaki durch feierliche Umzüge besonders prunkvoll begangen werden, sind: das Suwa no Matsuri oder Kunichi, am 7., 8. und 9. Okt., mit Tänzen von Kindern und Geishas; das Bon Matsuri, ein Totenfest (Allerseelen) auf den Kirchhöfen an den Berghängen im August mit charakteristischen Laternenprozessionen; das Gion Matsuri im Juli. Interessant ist auch das nicht religiöse Drachenfest im April auf dem Gipfel des Kompira-yama, zu dem man vom Ō-Suwa-Tempel in 3/4 St. hinaufsteigt; *Rundblick oben noch schöner und umfassender.
Ausflüge: 1) Mit Rikscha (2 Kulis, 2 Yen) in etwa 11/2 St. nach (8 km sö.) *Mogi (Gasthof Katsutaro, F. 1, Lunch u. Dinn. je 1,50, Z. 3,50 Yen, und Nagasaki-Hotel), einem malerischen Fischerdorf am Golf von Obama. Der Weg führt über einen Bergsattel (oben Teehaus) mit schöner Aussicht auf den Hafen, dann bergab durch ein schönes Tal. Von Mogi fährt ein kleiner Dampfer tägl. in 3 St. nach Obama (Hotel Ikkaku-rō, Pens. 3 Yen; Obama Hotel), einem hübscheu Fischerort an der Ostküste des Obamagolfs. Von Obama Besteigung des Unzen-dake (oder Onsenga-take, 1483 m); zuerst 11/2 St. steil bergan zu einem Teehaus, dann in 11/2 St. auf ebenerm Wege nach Shinyu-Unzen (Yumei-u. Shinyu-Hotel, Pens. 3 Yen), einem kleinen Badeort mit heißen Schwefelquellen, umgeben von Wald.
Von da in etwa 4 St. beschwerlicher Aufstieg auf meist schlechtem Wege auf einen der drei Gipfel des Unzen-dake, mit Vorliebe auf den Fugen-dake. Die Besteigung fordert 2 Tage Zeit: 1. Tag bis Shinyu-Unzen, 2. Tag Aufstieg und zurück nach Obama.—2) Fahrt nach (9 km) Aba über den Bergpaß des *Himitoge, etwa 5 km östl. von Nagasaki, mit schöner Aussicht über den Golf von Obama (11/2 St. Spaziergang dorthin schon lohnend). Vom Fischerdorf Aba gelangt man in 1 St. über Yagami zum Kwannontempel, mit einem durch seine Azaleenblüte berühmten Park und Wasserfall. Ein schöner, aber beschwerlicher Weg führt in 3 St. nach Mogi. ———— Eisenbahn Nagasaki-Moji (und Kagoshima) 262 km in 7 St.—Der Bahnhof in Nagasaki liegt am innersten Ende des Hafens. Man fährt über (5 km) Michinoo (in der Nähe das Solbad Urakami no Onsen in hübscher Gegend, wo in Narutaki der Japanforscher v. Siebold lebte) nach (29 km) Isahaya am SO.-Zipfel der Ōmurabucht, dann an deren Ostküste entlang über (42 km) Ōmura, das früher Sitz eines Daimyō war und noch dessen Schloß zeigt, ferner über (77 km) Haiki (von hier Zweigbahn nach [9 km] Sasebo, wichtigem Kriegshafen mit Marinewerft), dann (96 km) Arita (alte Porzellanindustrie mit Verkaufsläden, deren Erzeugnisse, Arita-yaki, vom 13 km entfernten Hafen Imari ausgeführt werden, daher Imari-Porzellan genannt) nach (104 km) Takeo (Gasthöfe: Tōkyō-ya; Tōyōkwan; Hill-side Hotel), Stadt mit heißen Quellen und öffentlichen Bädern, von schönen Bergen umgeben. Dann über (123 km) Ushizu (Zweigbahn zum Kohlenausfuhrhafen Karatsu [Gasthof Hakataya; tägl. Dampfer nach Fusan, Korea] mit heißen Seebädern) nach (132 km) Saga (Gasthof Matsukawaya), alte Stadt mit Ahnenschloß des Nabeshimageschlechts und dem schönen Shimbabapark mit Mausoleen und Lotosteichen. —(156 km) Tosu. Zweigbahn (Kyūshū-Südbahn) von Tosu über Kumamoto (Gasthof Togiya; 60000 Einw., Hauptstadt einer Präfektur; östl. der 1500 m hohe Vulkan Aso-take mit 20 km langem Ringwall nach (200 km) Kagoshima (Gasthöfe: Okabe; Ikebata; europ. Speisehaus Kakumeikwan), Hauptstadt eines Ken und der japan. Provinz Satsuma, an der SW.-Küste der schönen Bai von Kagoshima gelegen, Sitz eines Gerichtshofs; Fabriken für weltberühmte Fayence und Waffen, Baumwollspinnerei und 63700 Einw. Früher Residenz des mächtigen Daimyō von Satsuma, Shimazu, wurde es 1864 durch eine englische Flotte beschossen und fast ganz zerstört. Die Umgebung der Stadt bietet schöne Spaziergänge. Die Umgebung des Kagoshimagolfs ist ein ganz vulkanisches Gebiet und als das Nordende des vulkanischen »Kurilenbogens« zu betrachten. Nö. des Golfs, von der Bahn durchschnitten, erhebt sich das Vulkangebirge des Kirishima-yama (1688 m) mit Kratern, Solfataren usw.; im Golfe selbst, der Stadt gegenüber, liegt die aus einem Vulkan bestehende Insel Sakura (900 m), und am Westausgange des Golfs der Vulkan Kaimon (920 m). Südl. der Bucht das sogen. Satsumameer, in dem eine Anzahl z. T. erst zwischen 1780 und 1800 entstandener Vulkaninseln liegt. Heiße Quellen nahebei. Hauptbahn. Von Tosu nordwärts durch Hügelland nach (171 km) Futsukaichi, Station für die historisch berühmte Pilgerstadt *Dazaifu, 2 km nördl. vom Bahnhof, mit alten Shintō-Tempelanlagen, Temmangū (sehenswerte Bronzefiguren), früher Hauptstadt der Generalstatthalter der Insel Kyūshū, deren berühmtester, Sugawara-no-Michizane, hier 903 als exilierter Kanzler gestorben, noch jetzt als Gott der Kalligraphie unter dem Namen Tenjin verehrt wird. (Sein Bild auf den Zehn-Yen-Scheinen.) Die Bahn erreicht dann wieder die Küste bei—(186 km) Hakata (Gasthof Matsushimaya, mit europ. Essen), Hafenstadt der alten Stadt Fukuoka mit schönem alten Schloß und Stadtpark sowie berühmten Seidenwebereien (für Hakata-ori und E-ori-komi, Bild-Einweberei), Takatoriporzellan, Tonfiguren Hakata ningyō; Medizinschule.
Im Stadtpark ein Denkmal zum Andenken an den 6. Shikken von Kamakura, Hōjo Tokimune, unter dessen Regentschaft 1274 und 1281 die Angriffe des mongolischen Eroberers Kublai-Chan (japan. Koppitsu-retsu) abgeschlagen wurden. Etwa 2 km vom Park liegt der prächtige Shintōtempel Hakozaki Hachiman-gū; etwa 5 km weiter ein sehr alter Tempel, der Göttin Benzaiten geweiht, an prächtigem Aussichtsplatz; am Strand unterhalb des Tempels liegen Bruchstücke einer versteinerten Kiefer, der Sage nach die Masten der Dschunke der Kaiserin Jingō, die hier bei der Rückkehr aus dem siegreichen Feldzug gegen Korea um 200 n. Chr. Schiffbruch erlitten haben soll. Auf dem Rückwege besuche man den buddhistischen Tempel Sōfukuji.— Nach dem Besuch des Hakozaki Hachimantempels mit großem steinernen Torii und schönem Nadelwald kann man zur Weiterfahrt die Bahnstation (190 km) Hakozaki benutzen; die Bahn bietet sehr schöne Blicke aufs Meer (Genkai Nada) zwischen der Insel Ikishima und der Shimonosekistraße und steigt zwischen (218 km) Akama und (230 km) Ongagawa bis 90 m ü. M. über einen Bergkamm mit schönen Aussichten r. und gelangt dann über (250 km) Kokura, eine lebhafte Geschäftsstadt, früher Daimyōsitz (Abzweigung der Kyūshūbahn, fertig bis Usa, im Bau bis Oita [Gasthof Yaoya], einem beträchtlichen Handelsplatz und Seehafen, in dessen Nähe in schöner Landschaft die heilkräftigen heißen Bäder von Beppu [Gasthof Hinako] liegen), nach (262 km) Moji (S. 355).
Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach Kōbe.
Die *Fahrt durch die Binnenlandsee ist ein Glanzpunkt der Reise in Japan.—Dampfer, vgl. S. 349. Fahrzeit der großen Dampfer 28-32 St.; lohnender, aber zeitraubender (bis zu 6 Tagen) ist die Fahrt mit japanischen Küstendampfern, die viele Häfen der Binnenlandsee anlaufen. Fahrpläne geben die japanischen Zeitungen in Nagasaki und Kōbe sowie die Agenturen der Nippon Yūsen Kaisha und Ōsaka Shōsen Kaisha.
Aus dem Hafen von Nagasaki (S. 349) dampft man zunächst mit nw. Kurs längs der Küste von Kyūshū an mehreren hohen Klippen und den Inseln Ikeshima und Hikishima, beide l., vorbei bis zu der mit Kiefern bestandenen und gut bebauten Insel Matsushima, die r. bleibt. Nun führt NW.-Kurs zwischen den Inseln Sakitoshima r. und Ōdateshima l. und nahe r. am Leuchtturm auf der gefährlichen Klippe Fukuse vorbei auf die Südspitze der großen Insel Hiradoshima zu, die von den Dampfern meist r. gelassen wird, trotzdem an ihrer Westküste oft heftiger Seegang steht. Aber die zwar gut geschützte Hirado- oder Spexstraße zwischen der Ostküste der Insel Hirado und der Westküste von Kyūshū hat eine sehr enge, vieler Klippen wegen gefährliche Stelle an ihrem Nordende, die nur bei hellem Tage und mit sehr erfahrenen Lotsen benutzt werden kann; die meisten Dampfer ziehen den kleinen Umweg westl. um Hiradoshima vor. Die Insel Hirado ist wegen ihres blauweißen Porzellans berühmt und war im 16. u. 17. Jahrh. der Sitz holländischer und englischer Handelsfaktoreien. Die Stadt Hirado, am Nordende der Spexstraße, zeigt noch die malerischen Ruinen eines Daimyoschlosses. An der Westküste der Insel Hirado durchläuft man die kaum 400 m breite Obreestraße (Ikutsuki no Seto), die die Südspitze der Insel Ikutsuki vom Kap Tobusaki der Insel Hirado trennt; diese nur sehr kurze Enge liegt 53 Seem. von Nagasaki. Mit NO.-Kurs wird das Nordende von Hirado umsteuert, wobei die Inseln Dōshima und Atsushi no Ōshima l. bleiben. Man gelangt nun in den mit vielen Inseln besetzten östl. Teil der Koreastraße, den Schauplatz der Seeschlacht bei Tsushima am 27. und 28. Mai 1905, in der die russische Flotte unter Admiral Roshestwenski vom japanischen Admiral Tōgō nahezu vernichtet wurde; dann dampft das Schiff durch die Ikistraße zwischen Ikishima l. und Madarashima und andern Inseln r. längs der NW.-Küste von Kyūshū, allmählich östl. Kurs aufnehmend; viele Fischerfahrzeuge beleben die See. Im NO. erhebt sich eine dunkle Bergkette, man sieht weiße Leuchttürme auf den Inseln Rokuren, Takenoko und Manaita Iwa, das Fahrwasser zwischen den Inseln wird enger, große Leuchttonnen bezeichnen die Fahrrinne zwischen Sandbänken; man nähert sich der Meerenge von Shimonoseki, die zwischen den Inseln Kyūshū und dem Westende von Nippon oder Hondo die stark befestigte Westeinfahrt zur Binnenlandsee bildet. Über die entzückende Landschaft dieser Straße schreibt Hans Meyer: »Allmählich löste sich die scheinbare Landmauer in einen Haufen von Inseln auf, die sich wie Kulissen hintereinanderschoben und durch die Aufeinanderfolge von bunten, niedlichen See-und Küstenbildern, von kleinen lachenden Buchten, netten Dörfchen und Wäldchen ganz den Eindruck gelungener Theaterdekorationen machten; eine Miniaturlandschaft, wie sie naiver und freundlicher nur vorgestellt werden konnte, wenn man sommerliche Farben aufgetragen dachte. Nach einer weitern halben Stunde erreichten wir die Einfahrt zur Inlandsee, einen Meereskanal, der völlig einer bewaldeten Bergpartie der Mosel oder des Neckars gleicht. Und von nun ab folgte eine Menge unbeschreiblich schöner Landschaftsbilder so schnell, daß man nur immer zu schauen und wieder zu schauen hatte und doch nicht müde wurde, denn alles ist wie aus Einem Guß, nichts ist unverständlich, nichts düster.«—Bald öffnet sich die Enge zu einer breitern Bucht, der Dampfer ankert mitten zwischen den Hafenstädten Moji und Shimonoseki, 150 Seem. von Nagasaki.
Moji (Gasthof Ishidaya; man suche lieber das Sanyō-Hotel in Shimonoseki zu erreichen), rasch aufblühende Hafenstadt am Nordende der Kyūshū-Eisenbahnen (Nagasaki-Moji, s. S. 353), in der Nähe große Kohlenlager; Ausfuhr von Kohlen. Die Umgegend ist stark befestigt, um die Binnenlandsee zu sperren. Von der Reede von Moji aus beschoß 1864 die Flotte der verbündeten Engländer, Nordamerikaner, Franzosen und Niederländer das Dorf Dan-no-ura und Fort Maeda (jetzt englisches Konsulat auf einem Berg) an der Binnenlandsee bei Shimonoseki als Strafe für die Zerstörung eines amerikanischen Handelsschiffs und zur Erzwingung von Handelsverträgen.
Shimonoseki (Photographieren verboten!), auch Bakan genannt (Gasthöfe: Sanyō Railway Hotel, europ., gelobt; Daikichi, Shumpanrō), am Nordufer der Meerenge, mit starken Küstenbefestigungen. Deutsches Konsulat, Konsul Dr. W. Müller. Eisenbahnfährdampfer in 15 Min. nach Moji. Die Umgegend bietet hübsche Waldspaziergänge. Hier wurde 17. April 1895 der Friede zwischen Japan und China geschlossen.—Shimonoseki ist westl. Endpunkt der Sanyōeisenbahn, die auf der Hauptinsel Hondo meist längs der Nordküste der Binnenlandsee bis Kōbe läuft; Bahnfahrt Shimonoseki-Kōbe vgl. S. 358.

Die *Japanische Binnenlandsee (Seto no uchi [d. h. »Zwischen den Meerengen«] oder Naikai) wird von den Inseln Hondo (Nippon), Kyūshū und Shikoku umschlossen, steht einerseits durch die Shimonoseki- (oder Van der Kapellen-) Straße mit der Koreastraße, anderseits durch die Bungostraße und den Kiikanal (Linschotenstraße) mit dem Stillen Ozean in Verbindung, ist sehr seicht und mit vielen, meist vulkanischen Inseln besät. Sie ist wahrscheinlich durch Einbruch während der Tertiärzeit entstanden. Die Japaner teilen die Binnensee in fünf offene, durch Inselketten oder Meerengen voneinander geschiedene Seeflächen, die von W. an heißen: Suwō Nada, von der Shimonosekistraße östl. bis zur Insel Iwaishima; Iyo Nada, nö. bis Nakashima; Mishima Nada, nö. bis Oshima; Bingo Nada, nö. bis Shözushima; Harima Nada, östl. bis Awajishima; östl. davon liegt als sechste Teilsee der Golf von Osaka, auch Izumi Nada genannt. Die Inseln der Binnenlandsee sind meist gebirgig und reich bewaldet, ebene Stellen sind mit Städten, Dörfern, Gehöften, Tempeln, Daimyōburgen und Reisfeldern besetzt; viele Berghänge sind urbar gemacht und terrassenförmig bebaut. Unzählige Fischerboote beleben das Inselmeer, oft zu ganzen Flottillen vereint, die den Dampfern die Durchfahrt erschweren; Dschunken treiben lebhafte Küstenfahrt.—Der Dampfer steuert aus der Shimonosekistraße mit SO.-Kurs in die Suwō Nada, wobei man r. die bis 1600 m hohen Gebirge der NO.-Küste von Kyūshū erblickt. Etwa 13 Seem. von Shimonoseki, d. h. etwa nach 1 St., wird der Kurs osö., man läßt Himeshima r. und hält auf Yashima zu. Von der Südspitze dieser Insel (63 Seem. von Shimonoseki) wird der Kurs onö., man gelangt in die Īyo Nada, hat l. viele malerische Inseln in nächster Nähe und erreicht bald (92 Seem. von Shimonoseki) den Ankerplatz von
Mitsugahama, auch Mitsu genannt (Gasthof Kubota, Pens. 5 Yen; Eisenbahn stündl. nach Matsuyama in 1/2 St., Dampfer nach Beppu [S. 354], Oita, Hiroshima [S. 359], Ōsaka etc.), auf der Insel Shikoku, Hafenplatz für die Antimonausfuhr aus dem nahen Bergwerk von Ichi-no-kawa, während die Kupferausfuhr aus dem alten Bergwerk von Besshi, das jährlich etwa 5000 Tonnen liefert, meist über den kleinen Hafen Niihama geht, der etwa 28 Seem. östl. von Mitsugahama liegt. Nahe östl. von Mitsu liegt der geschütztere Hafen Takahama (Gasthof Yūshinsha), Endpunkt der Iyobahn. Man fahre mit der kleinen Bahn nach
(5 km) Matsuyama (Gasthöfe: Kidoya, 30 Z. 1, F. 0,50, Lunch 1, Din. 1,50 Yen; Shioya), stille, alte Hauptstadt der Provinz Īyo der Insel Shikoku, sehr sauber, 37842 Einw. Mitten in der Stadt erhebt sich eine alte *Daimyōburg, 1603 von dem Geschlecht der Hisamatsu erbaut und vorzüglich erhalten; Erlaubnis zum Besuch vorher bei der Präfektur (Kenchō) einholen! Der nur zum Reiten oder Sänfteträgen bestimmte Weg führt steil auf den mit prächtigen Kiefern bewachsenen Burgberg; auf halber Höhe liegt ein schöner Tempel, von dessen Haupteingang eine Prachttreppe zur Stadt hinabführt. Auf dem Berggipfel steht man plötzlich vor einer etwa 15 m hohen schrägen Zyklopenmauer, um die man herumgeht, um den Eingang, etwa fünf im Zickzack hintereinander gelegene Tore, zu finden; hinter jedem Tor ein Vorhof, umschlossen von hohen Mauern. Dann erst gelangt man in den Hofraum der Burg, der in der Höhe der Krone der Umfassungsmauern liegt; im Hofe liegen die Wohngebäude der Samurai, der Vasallen des Daimyō, inmitten von Obstpflanzungen, Gärten und Feldern. An der Südecke erhebt sich auf einer zweiten, gleichhohen Zyklopenmauer der Prachtbau des Daimyōschlosses in mehreren Stockwerken, mit turmartigen Ecken verziert. Prachtvolle *Aussicht vom Schloß auf die Binnenlandsee und die Gebirge von Shikoku.
2 km östl. von Matsuyama liegt das älteste japanische Mineralbad Dōgo (gute Gasthöfe: Funaya; Chakin) mit hübschem Park und öffentlichen Bädern; man benutze nur das schwächste Mineralbad Ichi-no-yu für Gesunde (die andern sind für Hautkranke). In Dōgo kauft man das hübsche weiße Fayence Tobeyaki.
Von Mitsugahama durch die Meerenge östl. von der Insel Gogo Shima, während der Hauptdampferweg zwischen Shimonoseki und Kōbe durch die Tsuru Shima Seto, eine Enge zwischen Gogo Shima r. und den Insebi Naka, Musuki und Nokotsuna (l.) hindurch in die Mishima Nada führt. Mit nö. Kurs an der Nordwestküste von Shikoku entlang bis Mitarai, einem engen, landschaftlich schönen Schutzhafen zwischen den Inseln Ōsakishima oder Mitarai und Okamura. Von hier mit SO.-Kurs bis zum Kap Ōsumi Bana; dann gelangt man mit sö. und südl. Kurs durch die mit vielen Inseln besetzte Enge Kurushima no Seto in die Bingo Nada, an deren Westende auf Shikoku die Hafenstadt Imabaru oder Imabari (Gasthof Asahiya) mit altem Schloß (1602 vom Daimyō Tōdō Takatora erbaut) sehr malerisch liegt. Nun führt onö. Kurs zwischen den Inseln Takaikami (l.) und Oki Shima (r.) hindurch und in das dichte Inselgewirr hinein, das am Ostende der Bingo Nada die Fahrt landschaftlich reizvoll, aber nautisch schwierig macht; man fährt dabei dicht unter der Südküste der Insel Hiro Shima (nicht zu verwechseln mit der Stadt Hiroshima, S. 359) entlang. Hier liegt an der Nordküste von Shikoku r. vom Dampferkurs
Tadotsu (Gasthof Hanabishi; Dampfer tägl. in 21/2 St. zur Bahnstation Onomichi, S. 360), lebhafte Hafenstadt; in einigen Stunden erreicht man von hier mit Rikscha Byōbu-ga-Ura, den vermutlichen Geburtsort des berühmten Buddhapriesters Kōbō Daishi (*Aussicht). —Die Eisenbahn führt von Tadotsu nach (13 km) Kotohira oder Kompira (gute Gasthöfe: Toraya; Bizenya Hotel, 12 Z., Pens. 3 Yen), Pilgerstadt mit dem berühmtesten Heiligenschrein von Shikoku und der Goldenen Halle (Kondō), von Kōbō Daishi im 9. Jahrh. gegründet, jetzt aber zum Shintōtempel mit dem Namen Asahi no Yashiro (»Schrein der aufgehenden Sonne«) umgetauft, eine großartige Tempelanlage mit vielerlei Sehenswürdigkeiten, das Ziel vieler Wallfahrten. Tempelfeste sind am 8.-10. Sept. (Shiogawa Matsuri) und am 10. und 11. Okt. (Hauptfest, sehr sehenswert), außerdem kleinere am 10. jeden Monats.—Eine zweite Bahnlinie führt von Tadotsu über (5 km) Marugame (Gasthof Tamagawa-rō), Stadt mit Daimyōburgruine nahe dem Bahnhof und kleinem Seehafen, nach
(32 km) Takamatsu (Takamatsu Hotel; Dampfer nach vielen Plätzen der Binnenlandsee), Hafenstadt und Hauptstadt der Provinz Sanuki, mit 37430 Einw., Daimyōburgruine am Strand; in der südl. Vorstadt der schöne Landschaftsgarten *Kuri-bayashi Kōen mit phantastischen Kiefern. Lohnender Ausflug auf den *Yashimayama (etwa 4 km) an der Ostseite des Hafens, ein Vorgebirge, wo im 12. Jahrh. eine große Seeschlacht zwischen den Anhängern der Minamoto und Taira geschlagen wurde; eine Dampferfahrt in 1 St. nach der idyllischen Bucht Uchi no Umi auf der Insel Shōzu-(Shōdo-)Shima ist sehr empfehlenswert.
Der Hauptdampferweg führt um die Südküste der Insel Shōzu-Shima herum in die Harima Nada und durch diese mit nö. Kurs durch die Meerenge Akashi no Seto am Nordende der Insel Awaji Shima in den schönen Golf von Ōsaka (Idzumi Nada) und dort längs der Küste von Hondo zur Reede von Kōbe (S. 361), 234 Seem. von Shimonoseki.
Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe.
Eisenbahn. Die Sanyōbahn läßt von Shimonoseki nach Kōbe tägl. einen Schnellzug laufen; er legt die Strecke von 350 km in 141/2 St. zurück; die Durchgangswagen haben elektrisches Licht und Dampfheizung; Speisewagen in den Schnellzügen, Schlafwagen in den Nachtzügen. In jedem Wagen ist ein »Boy« zur Bedienung der Reisenden. —Die Reisenden I. und II. Kl. der Dampfer der Nippon Yūsen Kaisha können diese Bahn ohne Mehrkosten benutzen, wenn sie vorher eine Austauschfahrkarte (interchangeable ticket) lösen. Dasselbe Vorrecht genießen die Reisenden der Great Northern S. S. Co. und Tōyō Kisen Kaisha zwischen Kōbe u. Nagasaki. Man gebe das Gepäck auf für die Sannomiyastation in Kōbe und beachte, ob man richtig verstanden ist! Die Bahn folgt dem altberühmten Tokkaido, der »alten Heerstraße«, durch das Hügelland des südl. Küstengebiets von Chiogoku, wie die westl. Halbinsel von Hondo heißt. In Chiogoku, das Mittelgebirgscharakter hat, fehlen jungvulkanische Gesteine fast ganz.

Der Schnellzug (r. sitzen!) verläßt Shimonoseki (S. 355) in nö. Richtung, gegenüber Dan-no-ura, dem Orte der größten Seeschlacht in den japanischen Geschlechterkämpfen 1185, wo Yoshitsune die bisher allmächtigen Taira besiegte. Dann folgt (14 km) Chōfu oder Toyoura (Gasthof Shin-ichi), Grabstätte des Mikado Chū-ai Tennō, gest. 201, dessen Frau Jingō Kōgō, die japanische Semiramis, nach seinem Tode Korea erobert haben soll.—(69 km) Ogōri; von hier erreicht man mit elektr. Bahn in 11/2 St. (11 km) Yamaguchi (Gasthof Fujimara) mit Daimyō Mōri-Schloß und den heißen Quellen von Yuda, Mittelpunkt des japanischen Christentums gegen Ende des 16. Jahrh. Auf dem Hügel Kameyama ein Park mit Reiterstatuen der Familie Mōri.—Dann (87 km) Mitajiri (guter Gasthof Kashiwagi am Bahnhof), ein hübscher Hafenort, in dessen Nähe, in Miyaichi (Gasthof Fujimura, mit Rikscha zu erreichen), der Matsu-zaki-jinja, ein berühmter Schrein des Gottes Tenjin auf malerischem Hügel mit *Aussicht, liegt.—Die Bahn folgt nun der Küste, führt über (114 km) Tokuyama (Gasthof Matsumasa) mit Brikettfabrik für die japanische Marine, zu dem malerischen Hafen (150 km) Yanaitsu, dann immer dicht am Strande, zum Teil auf einem Damm und über den Nishikigawa nach (183 km) Iwakuni (Gasthof Komehei), lebhafter Gewerbestadt mit schönem Park und Tempel, berühmt wegen der 230 m langen und 24 m hohen seltsamen Bogenbrücke Kintaikyō, zuerst 1673 vom Daimyō Kikkawa Motonobu erbaut und stets in alter Form erneuert.
(203 km) *Miyajima (Mikado Hotel, europäisch, Pens. etwa 8 Yen; Momiji Hotel; Gasthof Iwaso; auf der Insel, mit Sampan in 20 Min., mit Dampfboot in 10 Min. zu erreichen), eine heilige Insel dicht am Strand, auch Itsukushima (d. h. heilige Insel) genannt, gehört zu den Sankei (den drei Hauptsehenswürdigkeiten Japans). Von Kōbe kann man auch mit Dampfer der Osaka-Shimonoseki-Linie der Osaka Shōsen Kaisha in etwa 22 St. für I. Kl. 5,30, II. 3,15 Yen (jede europäische Mahlzeit 1 Yen extra) die Fahrt hierher machen, die infolge Anlaufens von elf kleinen Zwischenplätzen (darunter Takamatsu, Onomichi und Kure) sehr lohnend ist.

Miyajima ist etwa 550 m hoch, felsig und dicht bewaldet, mit prächtigen Aussichtspunkten und malerischen Tälern; viel zahme Hirsche; Teehäuser und Fischerdörfer; früher durfte niemand auf der Insel geboren werden oder sterben. Jetzt beliebte Sommerfrische mit Seebad und Wallfahrtsplatz. Die *Tempel der Insel sind meist den drei Töchtern des (schintoistischen) Meergottes Susanoo geweiht, weshalb die Torii (Tempeltore) und auch die Tempelanlagen vielfach im Meere stehen. Der erste Tempel wurde im 6. Jahrh. erbaut. Die Tempel sind sehr sehenswert, enthalten groteske Schnitzereien und alte Bilder. Interessant ist das Anzünden aller Opferlaternen gegen Abend (man bestelle es bei einem Bonzen für etwa 2-4 Yen). Die große Tempelhalle Senjōjiki auf einer Anhöhe l.vom Haupttempel soll Hideyoshi aus einem einzigen Kampferbaum erbaut haben; sie diente seinem Kriegsrat vor dem großen Seezug gegen Korea am Ende des 16. Jahrh. In einem Tempel auf einem Berggipfel wird das von Kōbō Daishi (S. 357) angezündete heilige Feuer gehütet.
Die Bahn fährt von Miyajima weiter längs der Küste;
(225 km) Hiroshima (Gasthöfe: Kikkawa; Mizoguchi, in beiden europäisches Essen), Hauptstadt der Provinz Hiroshima, mit 121196 Einw., eine sehr lebhafte Gewerbestadt (für Lack, Bronze und andres Kunsthandwerk) an der Mündung des Ōtagawa sehr malerisch gelegen; Eisenbahn nach dem (5 km) Hafenort Ujina (Gasthof Naganuma; Dampfer 3mal tägl. nach Takahama, S. 356). Rundfahrt durch die Stadt mit Rikscha zunächst zum Landschaftspark *Sentei des Asanogeschlechts, in dessen Nähe ein fünfstöckiger Wartturm (tenshu) fast der einzige Rest des alten Daimyōschlosses ist (Zutritt verboten); neben dem alten Schloß liegt der Stadtpark Kōen mit der Tempelanlage Nigi-tsu-Jinja. Überall sieht man das Wappen der Asano, zwei gekreuzte Falkenfedern, nach dem auch der Hügel Futabayama (oben schöne *Aussicht und kleine Teehäuser) hinter dem Tempel benannt ist.—Ausflug mit Dampfer nach Kure (Gasthof Miyoshi), etwa 8 Seem. ssö. von Ujina, einer wichtigen Marinestation und Kriegswerft (Erlaubnis zur Besichtigung nur durch den Marineminister zu erwirken); auf der kleinen Insel Etajima die kaiserliche Marineschule.
Hinter Hiroshima verläßt die Bahn die Küste und läuft durch gebirgiges Land über (250 km) Hachi-kon-matsu und (274 km) Kōchi, erreicht dann die Küste wieder bei (296 km) Mihara (Gasthof Go-un-rō), Stadt mit Daimyōburgruine, und läuft längs der Meerenge, die die vorgelagerte Insel Mukōjima bildet, nach—(307 km) Onomichi (Gasthof Hamakichi; Dampfer nach Tadotsu tägl. in 3 St.), lebhaftem Hafenplatz mit schönen alten Tempeln, deren schönste Senkōji und *Saikokuji (auf dem Gipfel eines steilen Hügels, auf den eine schier endlose Treppe führt; oben *Aussicht).—Dann verläßt die Bahn kurze Zeit die Küste und erreicht—(328 km) Fukuyama (Gasthöfe: Kurisada; Yoshino-Kadan, am Bahnhof, 7 Z., Pens. 3 Yen), Hauptstadt der Provinz Bingo mit *Daimyōburg (Besichtigung erlaubt); etwa 10 km südl. liegt der malerische Hafen Tomo (Gasthof Marutsune), geeignet zu Bootsausflügen nach Abuto (Tempel der Kwannon) und nach den Inseln Benten-jima und Sensuitō (Seebad), gegenüber vom Kwannon-Tempel, 4,5 km westl. von Tomo.— Weiterhin berührt die Bahn die Küste nur bei (343 km) Kasaoka und erreicht dann—(386 km) Okayama (Gasthöfe: Miyoshi-Kadan, nahe beim Bahnhof; Jiyūsha; Zweigbahn nach Tsuyama), Hauptstadt der Provinz Bizen, mit 81025 Einw.; neben dem alten, jetzt als Schule benutzten Daimyōschloß (die »Rabenburg«) der weitberühmte Garten *Kōraku-en, eine echt altjapanische Anlage mit Hügeln, Seen, zahmen Kranichen, Brücken und Pavillons; Gymnasium (Kōtōgakkō), Medizinschule und das größte Waisenhaus Japans.
Ausflug von Samban, dem Hafenort für Okayama (3 km südl.), mit Dampfer in 11/2 St., dazu 1/2 St. Bootsfahrt nach der großen Insel Shōdoshima, wo man einen Tag zubringt, um mit Rikscha und zu Fuß einige der 88 heiligen Plätze der Insel, z. B. die Felsen von Kankake, den Wasserfall Nishi no taki, die Höhle der Göttin Beuten in Gōtō, zu besuchen. Auskunft und Führer besorgt die Agentur der Dampfer (funa-donya) an der Landungsbrücke. Gelegenheit zum Übernachten in den Hauptorten Tonoshō und Fuchizaki.—Über Uchi no Umi vgl. S. 358.
Hinter Okayama bleibt die Bahn der Küste fern und führt über unbedeutende Plätze durch bergige Landschaft nach—(475 km) Himeji (Gasthof Akamatsu; europ. Speisehaus: Daishika; Toyo, Bierhalle; Zweigbahn nach Ikuno, mit Silberminen, und nach den heißen Quellen von Kinosaki, auch Yushima genannt [Gasthof Ōmeikan], schöne Sommerfrische), Hauptstadt der Provinz Harima mit 36509 Einw. und lebhaftem Handel; sehenswerte *Daimyōburg Rojō, vorzüglich erhalten, fünfstöckig, oben *Aussicht (Erlaubnis zum Besuch beim Kenchō, Präfektur, in Himeji oder Kōbe vorher einholen), gegründet 1339 von Akamatsu Sadanori, geschichtlich berühmt, jetzt Kaserne einer Division.—Hinter Himeji ist bei (483 km) Sone (Amida) Gelegenheit zu Ausflügen mit Rikscha nach den Stranddörfern Sone und Takasago (Gasthof Shikataya); in der Nähe die sehr alten, heiligen Kiefern Ai-oi no Matsu (die »zusammenwachsenden Kiefern«, als Symbole der Langlebigkeit und der ehelichen Treue in der japanischen Poesie oft genannt) und andre in Literatur oder Geschichte berühmte Örtlichkeiten (z. B. das Tal Ichi-no-tani, wo 1184 große Schlacht zwischen den Minamoto und Taira) sowie ein Tenjintempel; man erreicht nach kurzer Rundfahrt die Bahn wieder bei (491 km) Kakogawa. Nun nähert sich die Bahn der Küste und erreicht sie bei (511 km) Akashi (Gasthof Yebisuya; europ. Speisehaus: Jiyūtei-Restaurant), mit hübschem Shintōtempel zu Ehren des alten Dichters Hitomaro und großer Daimyōburgruine, auch Nullmeridian für die japanische Zeit.—Dann folgen die hübschen Seebäder (515 km) Maiko (Gasthof Manki-rō); (520 km) Shioya (Oriental's Seaside Villa) und (523 km) Suma (Gasthof Hoyōin), wo viele Europäer aus Kōbe Sommerwohnung haben.—Nun folgen die Vorstadt (525 km) Takatori, dann (528 km) Hyōgo und Kōbe-Hauptbahnhof und schließlich (530 km) Bahnhof Sannomiya von Kōbe.
Kōbe-Hyōgo.
Vgl. beifolgenden Plan.
Ankunft zur See. Von Shimonoseki durch die Binnenlandsee kommend, vgl. S. 356; von Schanghai außen herum vgl. S. 347. In die Linschotenstraße steuert man mit südlichem Kurs hinein, wobei das hohe Kap Murotosaki und die bergige Landspitze Hi no Misaki (mit Leuchtturm) die besten Landmarken sind. Weiter innen erkennt man bald die scharfen Gipfel von Numashima, Tomagashima und die Kuppe des Takayama, des höchsten Berges im südlichen Teile der Insel Awaji. Durch die mit zwei Inseln besetzte Izumistraße (Tomagashima suido) steuert man dann in die Izumi Nada (den Golf von Ōsaka) ein und ankert nach kaum 2 St. auf der schönen malerischen Reede von Kōbe, hinter deren flachen Küste sich die bis 914 m hohen Berge erheben. Ausschiffung mit Dampfbooten der Schiffsagenturen oder Hotels 1-2stündl. frei oder mit Sampan, etwa 20-50 sen für eine Person je nach Entfernung (Tarif auf Tafel der Landungsbrücke). Zolldurchsicht (S. 349) für Schiffsreisende, die aus dem Auslande kommen, im Zollamt der East Hatoba (östl. Bootshafen) beim Fremdenviertel. Gasthöfe: Tor Hotel (deutscher Leiter), Prachtbau I. Ranges, auf dem Hügel schön gelegen, Garten, Pens. von 8 Yen an; sehr zu empfehlen, Auto zur Stadt frei. — Oriental, Kyō-Machi 80 (Neubau am Bund), Pens. von 8 Yen an. — Mikado, in der Nähe des Kōbe-Bahnhofs, 15 Min. Rikschafahrt von der Fremdenniederlassung, II. Ranges; ebenso Pleasanton, California u. a. — Restaurants: Grill Room im Oriental Hotel sowie bei Sannomiya und Kōbe-Station; japanisch: Nishimura, Gotō. — Tokiwa-Kadan, beim Kōbe-Bahnhof, oder Nishi-Tokiwa, beim Suwayama, Teehäuser für japanische Gastmahlzeit mit Tanz (vorauszubestellen, teuer). Post (Sannomiya Postoffice) in der Fremdenniederlassung Nr. 33. — Telegraph neben der Sannomiya-Bahnstation (s. oben). — Rikschas 1 St. 25 sen mit 1 Kuli, 50 sen mit 2 Kulis; jede Stunde mehr 20 sen, für 2 Kulis doppelt; 1/2 Tag 1 Yen, 1 Tag 1,50 Yen; bei Dunkelheit 20 Proz., bei Regenwetter 30 Proz. mehr; innerhalb der Stadt kleinere Taxe, für die man an den Bahnhofsausgängen Tickets lösen kann. Wagen (Mikado Hotel): Einspänner 1/2 Tag 3 Yen, 1 Tag 5 Yen; Zweispänner (3-4 Pers.) 1/2 Tag 5 Yen, 1 Tag 9 Yen. Elektrische Stadtbahn vom Bahnhof Hyōgo nach Kōbe am Settlement vorbei; vom Hyōgo-Bahnhof nach Suma, alle 5-10 Min. Eisenbahnen: Hauptbahnhof am Südende der Stadt, nahe bei Hyōgo; für die Fremdenniederlassung ist der Bahnhof Sannomiya am nächsten, weshalb man Fahrkarte stets nach dieser Station lösen soll. Von Kōbe fährt die Sanyōbahn nach Shimonoseki (S. 355), die Tōkaidōstaatsbahn nach Tōkyō (S. 393). Dampfer: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur H. Ahrens & Co. Nachf., Bund Nr. 10, Tel.-Adresse »Nordlloyd«), 14tägig mit Dampfer der Europa-Linie über Nagasaki oder Tsingtau nach Europa sowie nach Yokohama; mit Dampfer der Austral-Japan-Linie jede 4. Woche nach Australien über Hongkong, Manila und Neuguinea, oder nach Yokohama. — Hamburg-Amerika Linie (Agentur C. Illies & Co.). — Österreichischer Lloyd (Agentur Samuel, Samuel & Co.), monatl. nach Schanghai. — Messageries Maritimes (Agentur G. Abily, Mayemachi Nr. 8), 14tägig nach Yokohama und Europa über Schanghai.
—Peninsular & Oriental Co. (Itomachi Nr. 109).—Nippon Yūsen Kaisha (Agentur gegenüber American Hatoba), 14tägig nach Hongkong, zweimal wöchentlich nach Schanghai und Yokohama. —Canadian Pacific R. & O. St. S. (Agentur Mayemachi Nr. 14), 1-2mal monatl. nach Vancouver bzw. nach Schanghai und Hongkong über Nagasaki. —Pacific Mail und Tōyō Kisen Kaisha (Agentur Kyōmachi Nr. 83 u. 81), abwechselnd etwa 3mal monatl. nach Yokohama, Honolulu, San Francisco, Nagasaki, Schanghai, Hongkong und Manila.—Nippon Yūsen Kaisha fährt an der Küste; auch nach Europa, Australien und Seattle (Vereinigte Staaten).—Ōsaka Shōsen Kaisha im japanischen Binnenmeer und nach Formosa und Dalny (Port Arthur).— Agentur der Russischen Freiwilligen Flotte: Samuel, Samuel & Co. Banken: Deutsch-Asiatische Bank, Kyōmachi 25.—Yokohama Specie Bank, Sakaye Machi 8.—Chartered Bank of India, Australia & China, alle drei Korr. der Deutschen Bank.— Hongkong & Shanghai Bank, Bund 2, Korr. der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Alle vier Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. Theater: Daikokuza.—Bentenza in Hyōgo auf dem Minatogawa; ebenda Kinematographen und Vergnügungsplätze. Fremdenführer: Oriental Guides Society, 163 Kitanagasa Nichōme. (Führer tägl. 4 Yen für 1-3 Pers., 1 Yen für jede Person mehr); Kōbe Kaiyūsha, 4 Sannomiya-chō, Nichōme, Preis ebenso. Deutsches Konsulat: Higashi Machi Nr. 115; Konsul Thiel.—Deutscher Klub Concordia (gutes Lesezimmer), am Ostende der Fremdenniederlassung (Settlement);—Kōbe Club (international), ebenso. Tennis, Cricket, Rowing und Athletic Club. Cricket-u. Tennisplatz. —Deutscher Arzt: Dr. Quosig, Ahashi Machi Nr. 39 in Kōbe; internationales Krankenhaus.—Deutsche Apotheke, Harimamachi Nr. 7 im Kōbe Building. Polizei am Nordende der Fremdenniederlassung; Hafenpolizei an der American Hatoba. Buchhandlungen: Thompson & Co., Division Street 3 (für Kelly & Walsh, Schanghai): für deutsche Bücher: Kawase, Motomachi.—Zeitungen (in englischer Sprache): Japan Chronicle; Kōbe Herald.—Photographen: Ichida (für Porträte), Motomachi, 2 chōme.— Tamamura (für Landschaften, Volksszenen), Uramachi, Nordende der Fremdenniederlassung. Geschäftsadressen. Japan. Kunstsachen: Harishin;—Hamada, beide Motomachi, 2 chōme.—Silbersachen: Nambu und Chodaisha, Motomachi, 2 chōme.—Porzellan: Shintō Kaisha, Motomachi, 2 chōme; Taniguchi u. a., ebendaselbst.—Bambusarbeiten: Iwamoto, nahe beim Nankotempel.—Seide: Matsumoto, Motomachi, 3 chōme.— Lackwaren: Nakamura (roter Loochoo-Lack), Motomachi. Spediteur: J. A. Christensen & Co., Nakamachi 38, gegenüber der Post.
Kōbe, erster Einfuhrhafen Japans und Hauptstadt des Hyōgo-Ken (Präfektur) in der Provinz Settsu, an der Südküste der Hauptinsel (Hondo), 36 km westl. von Ōsaka, mit dem es durch Eisenbahn sowie durch elektrische Bahn verbunden ist, bildet mit dem westlicher gelegenen Hyōgo eine Doppelstadt von 387915 Einw. Kōbe ist eine neue Stadt mit tiefem, in großartigem Ausbau begriffenem Hafen, an dem entlang das Fremdenviertel (Settlement) mit seinen Geschäftshäusern und Villen und 3328 (davon etwa 250 Deutsche und 2000 Asiaten) eingewanderten Fremden sich ausbreitet, die nahen Hügellehnen hinansteigend. Hyōgo, die ältere Stadt, mit rein japanischem Charakter, ist ein sehr alter Seehafen, der schon im 12. Jahrh. blühte. 1868 dem Fremdenhandel eröffnet, hat es seitdem großen Aufschwung genommen, ist Sitz vieler Handelsgesellschaften (122 europäische und amerikanische Firmen, 4 europäische Banken), hat viele Reisschälmühlen, eine große Baumwollspinnerei, viele Zündhölzerfabriken und andre Fabriken.
Plan von Kōbe-Hyōgo.

Die Mitsu Bishi Co. besitzt zwei große Docks in Wada bei Hyōgo, die Kawasaki Co. Docks und Schiffsbauanstalt in Kōbe. Die Einfuhr umfaßt Rohbaumwolle, Musselin, Eisenwaren, Maschinen, Petroleum, Zucker, die Ausfuhr Reis, Tee, Baumwollengarn, Seide, Fische, Kampfer, Zündhölzer, Porzellanwaren, Schirme. Die Stadt ist sehr gesund für Europäer, die Umgebung sehr reizvoll. Die deutsche Einfuhr betrug 1910 rund 50 Mill. Mk.—Rundfahrt. Von Kōbe zunächst durch das Fremdenviertel und über den Bund zum *Ikutatempel, oberhalb des Bahnhofs Sannomiya zwischen Kampferbäumen und Kryptomerien versteckt, erbaut im 3. Jahrh. von der Kaiserin Jingō Kōgō nach ihrem Sieg über Korea; von da nach den Wasserfällen Nunobiki (s. unten) und zurück zum Fremdenviertel, dann nach W. durch die Hauptgeschäftsstraße Motomachi nach dem Hauptbahnhof Kōbe zu. Wenig sehenswert ist der Nanko-(Minatogawa-) Tempel nördl. vom Hauptbahnhof, in dessen Nähe ein Aquarium und ein Basar liegen.—Dann fahre man über eine der Brücken nach Hyōgō zum *Nōfukujitempel, berühmt durch den großen Bronzebuddha, japan. Daibutsu, eine riesige Bronzefigur von 16 m Höhe und 26 m Leibumfang (1891 vom Papierfabrikanten Nanjo Shōbei gestiftet); im Innern des 2,5 m langen Gesichts, durch Treppen zugänglich, ein Altar für den Lichtgott Amida; wie im großen Tempel, hängen auch im Innern des Daibutsu viele Metallspiegel, Weihgeschenke frommer Stifter.—In der Nähe der Shinkōjitempel mit künstlerischer Bronzefigur des Amida vor einem Lotosteich. Gegenüber ein Denkmal des Kiyomori aus dem Tairageschlecht, des einst allmächtigen Premierministers (gest. 1181). —In der Nähe liegt der Seifukujitempel, und 10 Min. südl. die Landzunge Wada no Misaki, mit schönem Blick aufs Meer.—Auf der Rückfahrt besichtige man den Shintōtempel Wada no Myōjin.— Auch ein Handelsmuseum (Shōhin Chinretsujo) ist in Kōbe neben dem Sannomiyatempel.
Ausflüge: Vom Fremdenviertel nördl. auf der breiten Takemichistraße in 20 Min. zu den beiden hübschen Wasserfällen von Nunobiki, der untere Men-daki (weiblicher Wasserfall), der obere On-daki (männlicher Wasserfall) genannt, beide mit Teehäusern; weiter durch ein Tor in 10 Min. zu einem schönen Stausee. Auch auf dem Hügel Suwayama, 8 Min. westl. vom Tor Hotel, liegt ein Teehaus mit *Aussicht.— 300 m östl. vom obern Fall auf schmalem Bergpfad (schwer zu finden!) oder 20 Min. weiter östl. hinter dem Friedhof Kasugano auf breitem Weg weitergehend, gelangt man in etwa 2 St. zum höchsten Gipfel bei Kōbe, den *Mayasan (750 m), auf dem ein Tempel der Maya (Buddhas Mutter), irrtümlich Mondtempel genannt, steht; prächtige *Fernsicht über den Golf von Ōsaka; Teehäuser beim Tempel. Abstieg in 11/2 St. bis Kōbe.—Bequemer ist der Aufstieg auf den Bergkamm hinter dem Suwayama (etwa 1/2 St.), auch auf Bergpfaden hinter dem Tor Hotel zu erreichen; *Aussicht.—Im Tale westl. vom Suwayama steigt man in etwa 1 St. zum *Futatabi-san (500 m), mit schöner Tempelanlage auf dem Gipfel und vorzüglicher *Aussicht.—Ausflüge nach Akashi (S. 360), Maiko (S. 361), Shioya (S. 361). Mit Rikscha (2 Mann) in 40 Min. nach Gomotera, dann zu Fuß oder mit Tragstuhl (3 Mann zu je 60 sen) auf den Kamm des Rokkosan (850 m), 8 km lang (Bergrücken westl. hinter Kōbe, oben 60 Sommerhäuser der Fremden, Golfklub und schlechte Teehäuser. Im Sommer auch zu Pferd (1,30 Yen) oder zu Fuß von Oishi (elektr. Bahnstation) über Gomo nach Rokkosan.
Elektr. Eisenbahn über Nishinomiya und dann mit Rikscha; oder Eisenbahn über (26 km) Kanzaki (s. unten), dann Zweigbahn in 3/4 St. nach Takarazuka (Takarazuka Hotel, Tansan Hotel), Sommerfrische mit vorzüglichen heißen Bädern und dem berühmten Tansanmineralwasser. Von der nächsten Bahnstation Namaze (hübscher, aber beschwerlicher) oder auch von Sanda mit Rikscha in 11/4 St. nach Arima (Arima Hotel; einf. Gasthöfe: Sugimoto; Masuda), Sommerfrische der Fremden von Kōbe, etwa 430 m ü. M., in hübscher Landschaft gelegen; heiße Bäder; Ausflüge zum Takotori mit schöner Aussicht über das japanische Binnenmeer; ferner elektrische Bahn über Nishimomiya zum Kabutoyama (Bismarckhügel genannt wegen vier einsamer auf seinem runden Gipfel aufragender Bäume) und lohnender Fußweg von Oishi (Station der elektr. Bahn) über Gomo nach Rokkosan (s. oben).
Von Kōbe über Ōsaka und Nara nach Kyōto.
Die Tōkaidō-Staatsbahn führt vom Bahnhof Sannomiya in Kōbe über (26 km) Kanzaki durch Flußniederung nach
(33 km) Ōsaka (früher Naniwa), zweite Stadt des Reiches und mit Tōkyō und Kyōto eine der drei Fu oder großen Hauptstädte, an der Mündung des Yodogawa in die Idzumi Nada (Golf von Ōsaka).
Gasthöfe: Ōsakahotel, 12 Z., aber mäßig, Pens. etwa 7 Yen, im Nakanoshimapark, 10 Min. vom Tōkaidōstaatsbahnhof. —Nippon-Hotel.—Restaurants: europäische: Shinkaite, Naniwa, empfohlen; japanische: Hanaya u. a. —Stadtbahn umgibt die Stadt, mit vielen Stationen, darunter Umeda (nahe dem Osakahotel), der Hauptbahnhof für Kōbe, Shimonoseki, Kyōto, Nagoya und Yokohama; Minatomachi-Bahnhof für Nara, Nagoya; Namba-Bahnhof für Sakai, Hamadera, Wakayama und der Hafenbahnhof Ajikawaguchi. —Eisenbahnen nach Kōbe, Kyōto, Wakayama, Maizuru und Nara.— Elektr. Bahnen 50 km Stadtbahnnetz; Fernbahn nach Kyōto (Keihandensha) und nach Takarazuka mit Zweiglinie nach dem Ahorndorf Mino.— Dampfer der Nippon Yūsen Kaisha und der Ōsaka Shōsen Kaisha nach allen japanischen, koreanischen und chinesischen Häfen.—Banken: nur japanische.—Theater (gut): Fünf große im Dōtombori-Stadtviertel; Geishavorstellungen. —Photographische Apparate: Kuwada, Shinsaibashi.—Geschäftsadressen. Satsumaporzellan: Yabu Meizan, 197 Naka Nichome, Dōjima;—Seidenstoffe: Takashimaya, Shinsai-bashi-suji;—Kunstsachen: Yamanaka, Kōraibashi und Naniwabashi-dōri. —Gute Geschäfte aller Art in Shinsai-bashi-suji; auch die Basare (Kwankoba), besonders Furitsu Hakubutsu-jō nahe Umedabahnhof, sind gut.
Ōsaka liegt in der Deltaebene des Jodogawa und wird von vielen Kanälen durchschnitten (»japanisches Venedig«), hat berühmte Tempel, ein schön gebautes, aber unbedeutendes Fremdenviertel in Kawaguchi, die Ruine eines alten Schlosses und (1910) 1226590 Einw. Für den Binnenverkehr ist Ōsaka die erste Handelsstadt des Reiches, namentlich für Reis, Baumwolle und Seidenwaren. Neuerdings verliert Ōsaka seinen spezifisch japanischen Charakter aber sehr rasch, obgleich wenig Europäer hier wohnen, und entwickelt sich immer mehr zu einer von hastigem Leben erfüllten rauchigen Industriestadt; große Textilindustrie (Baumwollspinnereien, Teppichwebereien) und Zündholzfabriken.
Plan von Osaka.

Im J. 1909 zerstörte ein Brand mehrere Stadtviertel zwischen Nakanoshima und Umeda-Bahnhof. Ein großer Hafen ist fertig, muß aber wegen Versandung jährlich gebaggert werden und wird vorläufig meist nur von kleinen Dampfern angelaufen. Die Stadt ist wegen ihres Sumpfgrundes nicht gesund, Epidemien sind nicht selten.—Rundfahrt. Vom Gasthof fahre man mit Rikscha über die große Naniwa-bashi Brücke (r. schwimmende Teehäuser im Fluß) zum *Temmangū (Tempel des Gottes Tenjin), im 10. Jahrh. erbaut, dessen kleiner Heiligentempel Taishi schöne Bronzen und Schnitzereien enthält, auch eine fünfstöckige Pagode und ein Tempel der Kwannon (Göttin der Gnade), ein Teich mit Schildkröten und Störchen. Tempelfeste am 25. Juli und 25. Okt.—Eine andre große Tempelanlage, Sakura-no-miya, ist gegenüber der großen Kaiserlichen Münze (Zōheikyoku; Besuch interessant).—Sö. davon liegt die Hauptsehenswürdigkeit, die große Daimyōburg *O-shiro (Erlaubnis zum Besuch erteilt das Ōsaka Fu, Stadtamt, 1/4 St. vom Gasthof; So. geschlossen, Sa. nur bis mittags), ein mächtiges, finsteres, fünfstöckiges Schloß (tenshu) mit gewaltigen Granitmauern, jetzt Riesenkaserne, früher Shōgunsitz, 1538 von Hideyoshi erbaut, zugänglich durch ein einziges Bronzetor; von der obersten Plattform schöne *Aussicht über Stadt und Umgebung.— Von der Burg fährt man mit 2 Kulis durch Tee-und Maulbeerpflanzungen zur Tempelanlage von *Tennōji, im SO. der Stadt, um 600 begründet; durch das Südtor eintretend, liegt r. der Taishi-dō (Schrein des Gründers, des Kronprinzen Shōtoku-taishi, der sich in der Regierungsära der Kaiserin Suiko um Einführung des Buddhismus und der chinesischen Kultur hochverdient machte), gegenüber l. der Schrein mit der Seelengeleitglocke (Indō no kane), weiterhin eine Halle mit Steinbecken, in das aus steinerner Schildkröte Wasser fließt; dahinter ein Teich mit Schildkröten, daneben eine Tanzbühne, die zum Rokuji-dō-Tempel führt. In der Nähe eine fünfstöckige Pagode mit sehr urwüchsigen Holzschnitzereien, ebensolche im Bethaus daneben.—Rückfahrt durch das Vergnügungsviertel Dōtombori, das nachts besonders belebt ist; Schaustellungen aller Art, Seiltänzer, Schießbuden, Zuckerbäckerbuden, Affenbuden, eine Straße voller Theater etc. (das St. Pauli von Ōsaka!).—Nicht weit davon liegen in Shinsai-bashi-suji zwei Tempel der buddhistischen Hongwanji-Sekte: Higashi Hongwanji, 1615 erbaut, und Nishi Hongwanji, mit schönem Torweg (Chrysanthemumarabesken!) und Amida-Altar. Unterwegs besichtige man eine Werkstätte der Satsuma-Porzellanmaler und besteige den siebenstöckigen Turm Ryō-un Kaku. Sehenswert sind auch die Shintōtempel Kōzu-no-miya und Ikudama Jinja sowie der Blumengarten von Kichisuke, besonders im November zur Chrysanthemumausstellung (Kwangiku-en, Chrysanthemumschaugarten).
Ausflüge mit der Nankaibahn vom Bahnhof Namba nach (5 km) Sumiyoshi mit berühmtem, den drei Meergöttern geweihtem und besonders von Seeleuten und Fischern aufgesuchtem Tempel; ferner nach (10 km) Sakai mit schönem Seestrand (Teehäuser) und (63 km, 21/2 St. Fahrt von Ōsaka) Wakayama (Gasthof Fujigen; europ. Speisehaus Shugatei) mit schöner *Daimyōburg (Eintrittsgeld), dem Tempel von *Kimii-dera, 770 erbaut, mit prächtiger Aussicht auf den Strand von *Waka-no-ura, ein nach japanischem Geschmack, der sich mehr für das Sanftliebliche als für das Wildromantische u. Gewaltige entscheidet, idealschönes Landschaftsbild; man fährt mit Rikscha dahin zunächst nach Ashibe-no-ura (Gasthof); andre Lieblingspunkte von Waka-no-ura sind: Imose-yama, Shio-gama, Tamatsu-shima, Tengu-yama (*Aussicht), der Hügel von Dejima und Gongen-yama (*Aussicht).
Vom Bahnhof Minatomachi in Ōsaka fährt man durch liebliche Landschaft (an Thüringen erinnernd) über (11 km) Yao (mit berühmtem Tempel auf dem Hügel Shigi-sen) nach (24 km) Ōji (Zweigbahn nach Takada und Sakurai); dann folgt
(41 km) Nara (Nara Hôtel, 75 Z., prächtig gelegen, im Winter geschlossen; halbeurop. Gasthof: Kikusui-rō, am Park, recht gelobt; Teehaus Musashino, mit europ. Küche), jetzt eine stille Stadt, altertümlich und idyllisch, mit 34000 Einw., die rote Lacksachen, Tusche und Waffen anfertigen; früher, von 709-784 Hauptstadt Japans, während der Glanzzeit des japanischen Buddhismus, daher die prächtigen, gut erhaltenen Tempel.—Zahllose Läden mit Reiseandenken, da Nara von Japanern sehr viel besucht wird.—Rundfahrt vom Gasthof in den riesigen Naturpark, in dem die Hügel Mikasa und Wakakusa liegen und vorzügliche Wege von Tempel zu Tempel führen. An der Südseite des Mikasayama führt ein Weg in urwaldähnlichen Forst. Tausendjährige Baumriesen säumen die Wege ein und beschatten die Tempelanlagen; Kryptomerien, andre Kiefern, Kampferbäume, Steineichen, Glyzinien in prächtigen Formen; Rudel von kleinen Hirschen folgen der Rikscha und lassen sich mit flachen Kuchen, die Verkäufer feilbieten, füttern. Zahlreiche Bronze-und Steinlaternen bezeichnen die Tempelanlagen, deren Bauten alle rot lackiert sind. Zuerst besucht man den 767 erbauten Tempel *Kasuga-jinja, am obern Ende einer romantischen Schlucht (Tempelfest am 17. Dez.); r. vom Haupttempel, am Ende einer langen Laternenallee, steht der *Wakamiyatempel, wo stets junge Mädchen bereit sind, unter Aufsicht und Musikbegleitung alter Priester (für 1,50 Yen »Opfergeld«) den uralten *Tempeltanz »Kagura« in seltsamer Tracht zu tanzen. Auf dem Hofe des Haupttempels verschiedene Heiligtümer, darunter ein Wunderbaum, der an einem Stamme sieben Pflanzen, Kamelien, Kirschen, eine Wistaria u. a., dicht verwachsen miteinander, trägt. (Wer Zeit hat, steige [180 m Steigung] auf den Gipfel des Mikasa-yama hinter dem Kasugatempel, oben bei einem Stein schöne *Aussicht.) Vom Kasugatempel gelangt man zu dem halbverfallenen Tempel Tamuke-yama no Hachiman und zu dem schönen Tempel Ni-gwatsu-dō, schon 752 erbaut und der Göttin Kwannon geweiht, 1898 erneuert; in der Nähe im Tempelhof Tōdaiji die 732 gegossene *Riesenglocke von 37 Tonnen Gewicht (das Anschlagen kostet 5 sen). Hügelabwärts gelangt man dann zu einer Tempelanlage, in deren Haupthalle große Buddhafigur aus Bronze, Daibutsu, von über 16 m Höhe, 749 erbaut (der älteste in Japan), der Kopf im 16. Jahrh. erneuert, die Göttin Roshana (Skr. Vairochana) darstellend; im Vorhof schöne Bronzelaterne. Hinter dem Daibutsu im Gehölz das frühere kaiserliche Vorratshaus *Shōsō-in, jetzt durch sein Alter zum Archäologischen Museum geworden (Besichtigung nur ausnahmsweise gestattet). Man gelangt vom Daibutsu durch die Tore Nitenmon und Niō-mon (mit Riesenfiguren der Ni-ō, der beiden Tempelwachtgötter Indra und Brahma, gegen 1095 vom Künstler Kwaikei geschnitzt) zum *Museum (Hakubutsu-kwan) mit vielen wertvollen Altertümern. Dahinter liegt am Wege l. der Tempel *Kōfukuji, 710 begründet, doch 1717 zum Teil verbrannt.
Plan von Kyōto.

Ausflüge von Nara. Nach dem berühmten romantischen Waldkloster *Kōya-san: 3 St. Bahnfahrt bis Kōya-guchi an der Linie nach Wakayama, dann Rikscha über den Fluß zum Fuß des Bergs und 4 St. Aufstieg; oben Übernachten als Klostergast (gegen 4-6 Yen Gastgeschenk!). Die Sehenswürdigkeiten des Klosters Kongō-buji (816 gegründet von Kōbō Daishi) beanspruchen 1/2 Tag Zeit (sehr lohnend). Wer Zeit hat und gut zu Fuß ist, wandere zurück durch prächtige wilde Wälder über Dorogawa (58 km) und Yoshino (Gasthof Kadoya), berühmt zur Kirschblüte, die man von Hitome Senbon (d. h. 1000 Bäume mit einem Blick) genießt; nahebei der Bergtempel Zōōdō. Ausflug in 1/2 Tag nach Hōryūji (Station der Bahn nach Ōsaka), dem ältesten Buddhatempel in Japan, 607 von Shōtōku-taishi erbaut; wertvolle Tempelschätze; Ausflug von Hōryūji in 3/4 St. Rikschafahrt nach dem Tempel Yakushi-ji, wo einige prachtvolle alte Bronzen koreanischer Arbeit.
Von Nara läuft die Kyōto-Nara-Bahn in 2 St. durch sehr gut angebaute hügelige Landschaft mit Teepflanzungen (die in der wärmern Jahreszeit zum Schutz gegen den Sonnenbrand mit Bastmatten überdeckt werden; der beste Tee Japans wird hier gewonnen), Bambus-und Maulbeerwäldchen und vielen hübschen Dörfern zum (42 km) Bahnhof Shichijo (gute Bahnwirtschaft) von Kyōto.
Kyōto.
Vgl. beifolgenden Plan.
Gasthöfe: Miyako Hôtel (E3), Awata-guchi, mit herrlicher Aussicht über nördl. Stadt und Gebirge, europäisch, mehr für den Sommer, gut geführt; Informationsbureau und Handbuch für Reisende im Hotel; Deutsch gesprochen; 100 Z. von 2 Yen an, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. u. Sup. je 2, Pens. von 6 Yen an.—Kyōto Hôtel (C3), gegenüber dem Rathaus, in Kawara Machi, mehr für den Winter, hat Zimmer mit Bad; Pens. von 6 Yen an, F. 1, Lunch u. Din. 1,50 Yen. Beide schicken Vertreter zum Bahnhof.— Japanische Gasthöfe: Nakamura-rō, Gion.—Tawaraya; Hiiragiya und Sawabun, sämtlich in Fuyachō (C3, 4). Restaurants, europäische, zahlreich; japanische: Tawaraya; Hachi-shin; Hirano-ya u. a. Post, Tel., Fernspr. (BC3, 4), Sanjō-dōri Higashi-no-Tōin.—Rikschas haben Polizeitaxe, die auf jedem Zahlzettel (Ticket) steht; diese Zettel erhält man nur am Bahnhof. Wagen (Landauer und Victoria) im Kyōto-und Miyako-Hotel. Straßenbahnen durch die Stadt und nach Fushimi, vgl. den Plan. Fahrpreis für jede Teilstrecke von etwa 0,8 km ist 2 sen.—Eisenbahnen, vier Staatsbahnlinien: Nach Maipuru, Ōsaka, Nara und Tōkyō (S. 393). Neue Bahn über Ayabe nach Maipuru (für Ama-no-Hashidate). —Elektrische Bahnen nach Ōsaka und nach Arashiyama fertig, nach Ōtsu und dem Biwasee im Bau. Banken: Kyōto Shōko Ginkō, Kyōto Ginkō, Dai-ichi Ginkō, Nippon Ginkō und andre. Theater: Mehrere gute in Shin-Kyōgoku u. eins in Shijō Hashizume. Fremdenführer: Durch die Gasthöfe erhält man Führer der Oriental Guides Society (Tūyū tsūben kyūkwai) zu 4 Yen tägl. für 1-2 Pers., 50 sen für jede Pers. mehr; dazu die Reisekosten. Ausführliche Beschreibung von Kyōto und Umgegend enthält das Buch: Kyōto, Japan, zusammengestellt vom Stadtrat von Kyōto, und die guten Handbücher (englisch) des Kyōto-und Miyako-Hotels. Vgl. S. 345. Reisebureau in Furumonzen, Telegrammadresse »Advisory«. Vgl. S. 345. Polizei im Präfekturgebäude (B2), Shimodachiuri, westl. vom Kaiserpark. Buchhandlung: Daikokuya, gegenüber dem Kyōto-Hotel; Nankōdō, in Sanjōdōri, westl. der Brücke; Maruzen, östl. vom Postamt, in Sanjōdōri.— Zeitungen: Fünf japanische. Photographen: Nakai, beim Giontempel. —Hori Marumi, Tera Machi.— Photographische Apparate: Asanuma & Co., Minami Bukkoji Machi.
Geschäftsadressen. Porzellan: Kinkōzan Sōbei, Sanjō, östl. von Shirakawabashi; Yasuda, am Shirakawa. —Stickereien: Nishimura Sozaemon, Sanjō, Karasu-maru; Iida Shinshichi, Karasumaru, Takatsuji.—Cloisonné-Sachen: Namikawa Yasuyuki, Sanjō, Kita-ura, Shirakawa-bashi; Kin-un-ken, Sanjō-dōri, Shirakawa-bashi.—Bronzen und Stahl: Kuroda, Tera Machi Shijō sagaru; Jōmi Eisuke, Tera Machi, Shijō; Nogawa Nōboru, Shijō, östl. von Tera Machi; Komai Otojiro, Furumonzen, Yamato-ōji; Inouye, neben Kinkōzan. —Lackwaren: Nishimura Hikobei, Tera Machi Ayanokōji.—Fächer: Hirano Kyūgoro, Tominokōji, Gojō; Nishida, Higashi-no-Tōin, Shichijō— Puppen: Shimizu Katsuzō, Tominokōji, Shijō.—Farbenholzschnitte: Matzuki, Shimmonzen.—Alte Kunstsachen: Ikeda Seisuke, Shimmonzen 114; *Benten Co., Shimmonzen; Hayashi Shinsuke, Furumonzen 39; Yamanaka, Sanjō Goten mae. Viele andre in der Straße Manjūji-dōri.—Man besuche in Kyōto die Hauptwerkstätten der größern Geschäfte! Zeiteinteilung: 1. Tag: Kaiserpalast, Nijōburg und Katsura-rikyū-Sommerpalast. —2. Tag: Tempel Higashi-Hongwanji, Nishi-Hongwanji, Sanjūsangendō, Hōkōji, Yasakapagode, Giontempel. —3. Tag: Hōzugawa-Stromschnellen, Arashiyama, Kinkakuji, Kitano Tenjin.—4. Tag: Shugakuin-Sommerpalast, Hiyeisan, Chūdōkloster, Sannōtempel, Sakamoto-Karasaki-Ōtsu. —5. Tag: Museum, Gewerbeausstellung, Sporthalle, Kaufläden in der Stadt.—6. Tag: Tempel: Inari, Kiyomizudera, Chion-in, Awatapalast, Maruyamapark.—7. Tag: Keage, Nanzenji, Eikwandō, Ginkakuji; Shinnyodō, Yoshidayama, Kurodani; abds. Shijōbrücke und Kyōgoku.— Bei nur kurzem Aufenthalt nehme man einen Führer, gebe ihm aber genau an, was man sehen will, damit man durch allzuviele Tempelbesichtigungen nicht ermüdet wird; die im Text mit * bezeichneten Tempelanlagen genügen, um ein Bild des japanischen Rom zu geben. Festlichkeiten und Sehenswürdigkeiten nach der Jahreszeit. Beste Besuchszeit für Kyōto ist Anfang März bis Ende Mai sowie von Mitte September bis Mitte November; Pflaumenblüten sieht man Anfang März in Momoyama, in Fushimi, im Kaiserpark; dann folgt bis Mitte April die Pfirsichblüte im Maruyamapark, in Momoyama; in der *Kirschblütenzeit im April besuche man den Kaiserpark, den Maruyamapark, Arashiyama, den Hiranotempelgarten und andre Plätze sowie das Theater, um den »Kirschblütentanz« zu sehen. Im Mai Päonien- und Azaleenblüte, im Herbst Chrysanthemumblüte. —Gewerbe-und Kunstausstellung in Okazakichō ist 2 Monate im Frühjahr geöffnet.—*Miyako-odori (Residenztanz) findet in der Sing-und Tanzschule Kaburenjō in Hanami-kōji, Gion Machi vom 1. April an 4 Wochen lang tägl. von 5 Uhr Nm. bis 10 Uhr abds. statt; 36 Geisha tanzen in seltsamen Kostümen, andre Mädchen spielen dazu »shamizen« und »tsuzuki«.— Kamogawa-odori, ein ähnlicher Tanz im Teehausviertel zwischen Shijō und Sanjō, beginnt 1. Mai und dauert 16 Tage.—*Aoifest der Kamotempel am 15. Mai ist die größte Shintōfeierlichkeit (besteht seit dem 6. Jahrh.); 8 Uhr morgens Prozession in alten Kostümen vom Haupttor des Kaiserpalastes; bei Ankunft des Festzugs in Shimo-gamo religiöses Konzert mit Tempeltanz, später ebenso in Kami-gamo.—Andre Tempelfeste am 15. März (Gedächtnistag Buddhas), 8. April (Geburtstag Buddhas), Anfang Mai zweitägiges Inarifest, am 3. März das Puppenfest (Hina-matsuri) für Mädchen, am 5. Mai das Knabenfest (Tango-sekku).—Im Juli und August Lotosblüte im Kaiserpark, Ogurasee, Tōji.—Im Sommer die beliebte Volksunterhaltung Shijō-Suzumi, am Westufer des Kamogawa auf hölzernen Plattformen im Flusse gesellige Zusammenkünfte mit Geishatänzen. —In Arashiyama Bauerntänze 14.-16. Aug.—Am 17. und 24. Juli *Gionfest (seit 870 jährlich) im Tempelbezirk der innern Stadt.—Am Abend des 16. Aug. Illumination (Daimonji) der Berghöhe Nioi-ga-dake östl. von Kyōto.—Auch der Herbst ist sehr schön in Kyōto. Vollmondfest im September oder Oktober, in Momoyama, Arashiyama oder Uji. 15. Sept. Hachimanfest, Otokoyama; 1.-4. Okt. Zuikifest im Kitanotempel; 12. Okt. Ochsenfest in Uzumasa; 20. Okt. Ebisufest in Kenninji Machi.—Heianjingūfest mit historischem Festzug am 22. Okt.—

*Chrysanthemumblüte im Oktober und November.—Neujahrsfest dauert sieben Tage, manche Tempelfeste währen sogar zehn Tage.—Sportklub (E3), Nm. belebt; Bogenschießen; Schwerterfechten und Jūjitsu.
Kyōto, Hauptstadt der Provinz Yamashiro, mit (1908) 408410 Einw., Hauptsehenswürdigkeit Japans, liegt in einer fruchtbaren Ebene, durchflossen vom Kamogawa, über den mehrere schöne Brücken führen. Die Stadt ist sehr regelmäßig gebaut, hat gerade, reinliche Straßen, innerhalb des Weichbildes 82 Shintō-Schreine und 878 vielfach verfallene Buddhatempel (Kyōto wird das »Rom Japans« genannt), zwei große hölzerne Paläste des Mikado und der Shōgune und bedeutende Industrie in Seidengeweben, Silber-, Bronze-und Emailwaren, Porzellan und Steingut, die den ersten Rang in Japan behauptet. Kyōto ist die geeignetste Stadt zum Studium japanischer Kunst und Kultur sowie der feinsten Erzeugnisse des Kunsthandwerks, daher auch am geeignetsten zum Einkauf guter (meist freilich kostbarer) Japansachen.—Kyōto gilt als eine der gesündesten Städte Ostasiens, mit mildem Klima. Das Straßenleben ist noch altjapanisch, ebenso das Sommerleben an und auf dem Flusse Kamogawa. Die Umgebung der Stadt ist reich an schönen Landschaftsbildern, die Bevölkerung im allgemeinen fremdenfreundlicher als z. B. in Tōkyō und Ōsaka.
Geschichtliches. Kyōto war von 794 n. Chr. bis 1868 Residenz des Mikado von Japan, ehe dieser nach Tōkyō übersiedelte, von 1336-1572 auch Residenz der Shōgune aus dem Hause Ashikaga, denen es die Blüte seiner Metall-, Papier-und Lackindustrien verdankte. Bei den Portugiesen und Holländern hieß Kyōto im 16. und 17. Jahrh. Meaco (Japan. Miyako = Hauptstadt). Nach der Verlegung der Residenz des Mikado nach Yedo, das deshalb den Namen Tōkyō (»Ostresidenz«) erhielt, kam für Kyōto die Bezeichnung Saikyō (»Westresidenz«) in Anwendung. 1895 fand in Kyōto eine Landesausstellung statt. 1899 wurde dort eine Universität gegründet.
Rundfahrt. Wer den Erlaubnisschein hat, ausgestellt vom kaiserl. Hausministerium in Tōkyō, für Deutsche auf Empfehlung ihrer Botschaft in Tōkyō oder von Konsulaten in Japan (Antrag mit Angabe der Namen der Schlösser, deren Besichtigung erbeten wird, schriftlich frühzeitig stellen!), besucht zunächst den *Kaiserpalast (Gosho; BC2) im nördl. Teil Kyōtos, eine große Anlage hölzerner, einstöckiger Bauten, umgeben von Gärten und Plätzen mit Bäumen. Die Palastanlage ist mit einer hohen Mauer mit Ziegeldach umgeben, die ringsum das Abzeichen der kaiserlichen Parkmauern, fünf weiße Linien, trägt; die Mauern umschließen ein 250 m breites und 450 m langes Viereck mit sechs Toren. Durch den Erlaubnisschein erhält man bei der Schloßverwaltung einen Führer, der zu einem der kleinen Westtore führt (Mi Daidokoro Gomon), wo man im alten Wartezimmer der Daimyō sich im Palastfremdenbuch einschreibt und die Führung durch die Paläste, Hallen und Pavillons beginnt.
Dem Südtor (Kenreimon) zunächst liegt der große Thronsaal Shishinden, wo 1868 der jetzige Kaiser gekrönt wurde: in der Mitte der Thron mit Silberdraperien, an der Hinterwand die Bilder von 32 chinesischen Gelehrten. Dr. G. Wegener empfiehlt, alle Bilder im Palast nach japanischer Art auf den Matten sitzend zu beschauen, weil sie für niedrigen Augenpunkt bestimmt sind.—Dann zur Festhalle Seiryō-den; im Mittelraum Hirugoza ein Thron mit Seidenvorhängen, in den Nebenräumen des Kaisers Schlafkammer, Eßzimmer, Baderaum etc. nach alten Vorbildern eingerichtet mit seidenen Paneelen und schönen Malereien.
—Nun folgt Tsune-goten, »gewöhnliche Residenz« (die in der Regel nicht gezeigt wird), der Wohnpalast vieler Generationen von Mikados seit dem 13. Jahrh. (der Neubau von 1854 entspricht genau der alten Bauweise), dessen Mittelraum drei übereinander liegende Zimmer hat, das oberste für den Mikado, die untern für die Leibdienerinnen, an die sich jeder erst wenden mußte, um den Herrscher zu sprechen. Alle diese und die Nebenräume sind reich an stilvollen Wandschirmgemälden. Das Schlafzimmer des Mikados zeigt Bambus-Tigerdekoration. —Ein langer Gang führt nun zum Ko-Gosho, dem »kleinern Palast« für Empfänge von Fürsten und intime poetische Festlichkeiten; darin sind drei sehr geschmackvoll geschmückte Räume, mit Aussicht auf einen Landschaftsgarten.— Nun folgt das O Gakumon-jo, des Mikados Arbeitszimmer, mit reichen Malereien; dann Goryōden, eine Speisehalle, und On Mima, »erlauchte drei Zimmer«, die Halle für den Hofstaat, mit Gemälden im Tosastil; schöner Blick auf den Garten mit Lotosteich, reichgeschmückten Pavillons und Felsenhügel. —Am nördlichsten liegt der Palast der Kaiserin, am Tor Sakuheimon; auch in dessen vornehm-einfachen Räumen bilden die Wandschirmgemälde den Hauptschmuck.— Im östlichen Teil des Parks liegt der Palast Sentō-Gosho (C 2), seit 1629, zuerst vom Mikado Go-Mi-no-o benutzt, für abgedankte Herrscher bestimmt; der *Park zeigt hier mächtige Baumriesen, einen See mit Inseln und Brücken und Felsen mit Wasserfällen, eine wildromantische Anlage.—In der Nähe liegt der Palast Ōmiya-Gosho. —Andre Bauten in der Umgebung des Kaiserpalastes sind die Paläste des Prinzen Kuni no miya im W., des Prinzen Katsura no miya im N.; die Verwaltung der kaiserlichen Schlösser im SW. und im S. das meteorologische Observatorium (C 2, 3).
Sw. vom Kaiserpalast liegt das berühmte Shōgunschloß *Nijō no Shiro (Nijō-jō; AB 3), 1603 von Tokugawa Ieyasu erbaut, in dem die Beherrscher des Mikados hausten. In den ersten Jahren nach der Restauration wurde es zu Verwaltungszwecken benutzt und die künstlerische Ausschmückung vielfach rücksichtslos beschädigt; 1883 aber wurde es unter dem Namen Nijō no Rikyū (Nijō-Sonderpalast) in die Zahl der kaiserlichen Schlösser aufgenommen und seitdem sorgfältig erhalten. Eine hohe steinerne Zyklopenmauer nebst 10 m breitem Graben umgibt die Nijōburg. Das Haupttor an der Ostseite (Higashi Otemon) ist von dunkeln Pinien beschattet und mit reichvergoldeter Schnitzerei geziert (Kraniche, Schmetterlinge, Drachen, Phönixe und Päonien-Ornamentik). Innen ist noch eine zweite Mauer, Ninomarū mit Bauten, deren Haupttor Karamon aus der Palastruine auf dem Momoyama (S. 379) stammt und nach S. liegt; seine reichen Schnitzereien und Metallzierate sind vom Künstler Hidari Jingorō. Der zweite innere Eingang, Okuruma-yose, ist grotesk gemalt.
Cäcilie von Rodt schreibt über den Stil dieser prächtigen Burg: »In dem Palast sind es die Ramma, eine Art Fries, die Seitenwände und Decke verbindet, die meine volle Bewunderung erregten. Aufs reichste und durchsichtigste geschnitzt, zeigen sie auf der einen Seite eine Pfauengruppe, auf der andern einen Päonienzweig, und das, ohne die eine oder andre Zeichnung im mindesten zu beeinträchtigen oder zu verwirren. Die Wände leuchten in Goldgrund. Tiger stürzen aus hohen Bambusbüschen hervor, lebensgroße Adler thronen auf weitästigen Matsu, Palmen scheinen ihre Federkronen leise zu neigen, Reiher gravitätisch einherzuwandeln. Alles ist in kühnen, großen Zügen entworfen, ganz verschieden von der gewohnten japanischen Miniaturmalerei.
Saal reiht sich an Saal, Zimmer an Zimmer, überall Goldmalerei, überall vergoldete Beschläge, denen meistens noch die drei Asarumblätter, das Wappen der Tokugawa-Shōgune, eingraviert sind. Die Decken sind alle kassettiert und aus dem dunkeln schönen Holze der Kryptomerien gefügt.« Die Gemälde stammen meist von Kanō Tan-yū und seinen Schülern. Der 1. Palast ist der größte, neben dem obern Saal ist ein Jungpinienzimmer und ein Lotoszimmer.—Im 2. Palast bilden große Pinien und wilde Tiere den Schmuck.—Im 3. Palast ist die Empfangshalle Ohiroma, wo auf dem toko (erhöhtem Fußboden) der Shōgun die Daimyō empfing. Die Ramma der Halle ist hervorragend. Daneben liegt das Sagopalmenzimmer. —Der 4. Palast ist der prächtigste; in der erhöhten »Schwarzen Halle«, Kuroshoin, fanden große Empfänge statt.—Der 5. Palast am Nordende war die Wohnung des Shōguns. Hauptraum ist die »Weiße Halle«, Shiroshoin, mit Landschaften von Kanō Sadanobu; daneben liegen vier ähnliche Zimmer, in deren einem das berühmte Bild »die schlafenden Finken« ist.—Der prächtige Garten hat schöne Kaskaden.—Der Hauptwachtturm Hommaru liegt westl. von der Mauer Ninomaru: in seiner Nähe ist der Palast der Prinzessin Katsura-no-miya. Vgl. die Angaben über Japanische Kunst, S. 340.
Man fahre nun südl. zur Anlage des Tempels Honkokuji (AB 5), der als Hauptsitz der Hokke-oder Nichirensekte im 14. Jahrh. von Kamakura hierher verlegt wurde; in der Haupthalle ein Schrein mit dem heiligen Kanon der Sekte, von ihrem Gründer Nichiren geschrieben, auf dem Altar Buddha und andre Götter; im Tempelpark der Schrein des tapfern Kriegshelden Katō Kiyomasa, daneben die Gräber seiner Frau und seiner Tochter. Im Kloster am Nordende die uralte Bibliothek Kyōzō mit sämtlichen heiligen Schriften des Buddhismus (Issaikyō). Hauptschatz des Tempels ist ein mythologisches Bild, Mandara, mit Mandarinenten (oshidori), dessen Brokatfassung von einem Kleid der berühmten chinesischen Favoritin Yōki Hi stammen soll.—Südl. gegenüber liegt der prachtvolle Doppeltempel *Nishi-Hongwanji (d. h. Westlicher H.) (AB 5), der, 1272 von der Tochter des Stifters Shinran-Shōnin der Shin-oder Montosekte erbaut, einen Stadtteil mit schönen Anlagen für sich bildet; die Haupthalle Hondō enthält im Hauptschrein ein Bild des Buddha Amida, daneben Inschriften mit den Namen des Kaisers und seines kaiserlichen Vaters. In der Tempelhalle Daishidō, 1645 erbaut, ist ein Bild des Kenshin-Daishi (diesen Titel erhielt Shinran-Shōnin nach seinem Tode), daneben hängen die Bilder aller Erbäbte des Tempels. In der großen Halle (mit 300 Matten) Ohiroma hält der Abt (jetzt Graf Otani) Empfänge. Die einflußreiche Shinsekte strebt vor allem den Zusammenschluß aller Buddhisten in China, der Mongolei und Tibet, Hinterindien etc. unter japanischer Führung an und entfaltet zu diesem Zweck eine umfangreiche Missionstätigkeit. Sehenswert ist der Naturpark Tekisui-en in der SO.-Ecke der Tempelanlage; über ihrem Teich erhebt sich der dreistöckige »Pavillon der treibenden Wolken«Hiunkaku mit schönem Bild des Berges Fuji im Oberstock.—Östl. liegt die Tempelanlage *Higashi-Hong-wanji (B 5), deren Riesenbauten mit geschweiften Doppeldächern schon bei der Ankunft am Bahnhof auffallen; die Haupthalle ist der größte Tempel Japans, 64 m lang, 58 m breit und 38 m hoch und ruht auf 96 mächtigen Holzsäulen von 0,5 m Durchmesser. Die innere Halle, Sakunai (d. h. »innerhalb der Absteckung«), ist nur für die Priester und Betende hohen Ranges, das Volk muß außerhalb des Geländers, im Gwaijin, bleiben. Im innersten Allerheiligsten, Naijin, ist eine kleine geschnitzte Figur des Kenshin-Daishi in einem goldenen Schrein; der Altar zeigt Bilder der Erbäbte. Hondō, die kleinere Tempelhalle, hat eine geschnitzte Amidafigur auf dem Mittelaltar. Der Tempel ist seit dem ersten Bau von 1602 viermal vom Feuer zerstört, aber stets schöner aufgebaut worden; zum letzten Bau wurde von frommen Frauen Haar zu mehreren Tauen gestiftet, mit denen die mächtigen Balken hochgezogen wurden; eins dieser Taue aus Frauenhaaren, das im Tempel gezeigt wird, ist 110 m lang und hat 40 cm Umfang! Östl. vom Haupteingang zur Tempelanlage liegt der hübsche Park Shōsei-en, meist Kikokutei (C 5) genannt, umgeben von einer Kikokuhecke.—Nun fahre man über die südlichste Kamogawabrücke zum Kwannontempel *Sanjūsangendō (CD 6), »Halle der 33 Ken oder Zwischenräume«(zwischen den Pfeilern der langgestreckten Halle, Länge 121 m, Breite 17,5 m), erbaut 1132 vom abgedankten Mikado Goshirakawa in seinem Palastviertel mit 1001 Statuen der 1000äugigen und 1000händigen Kwannon. Der erste Tempel verbrannte 1248 und wurde 1266 vom Mikado Kameyama wieder erbaut und 1662 vom Shōgun Ietsuna erneuert. In Reih' und Glied (elf Reihen hintereinander) stehen jetzt gut ausgerichtet auf schräg ansteigendem Podium in der düstern Halle tausend 5 Fuß hohe vergoldete Statuen der sogen. elfgesichtigen 1000händigen Kwannon; zählt man die kleinen Götzen in den Heiligenschreinen, auf Stirn und Händen der großen mit, so soll man auf 33333 Bilder kommen. Die 5 m hohe sitzende Mittelfigur stellt ebenfalls die 1000händige Kwannon dar; um sie herum steht ihr Gefolge von 28 Untergöttern (Bushū). Früher trieben die Samurai Bogenschießsport in der langen Halle; ihre Treffertafeln hängen noch im Tempeleingang. —Neben diesem seltsamen Tempel liegt das *Kaiserliche Museum (Teikoku Kyōto Hakubutsukwan; CD 5), ein moderner Bau von 1895, mit sehr alten historischen Kunstschätzen, tägl. geöffnet von 8-4 Uhr im Winter, 71/2-51/2 im Sommer, außer am 10., 20. und Letzten jeden Monats und 20. Dez. bis 1. Jan.; im Vorraum alte buddhistische Figuren und Masken, im nächsten Raum hölzerne und bronzene Statuen; l. vom Eingang Stickereien und Verschiedenes; r. vom Eingang alte Lacksachen, Porzellan; in den andern Räumen: kaiserliche Gewänder, Sänften, der Mikadothron Michōdai, Musikinstrumente, Münzen, Priester-und Schauspielerroben, Teezeremoniegerätschaften, Rüstungen und Waffen, besonders Schwerter; alte Handschriften, Kakemonos und Wandschirme.—Westl. vor dem Museum liegt der runde, mit Steinmonument gekrönte Mimizuka, »Ohrenhügel«, wo Tausende von Koreanern abgeschnittene Ohren aus dem Feldzug von Hideyoshi (1592 u. ff.) ruhen. Östl. hinter dem Museum liegt der Shintōtempel Toyokuni-jinja (D 5), in dem der Geist des berühmten Taikō Toyotomi Hideyoshi verehrt wird (geb. 1535, unterwarf die rebellischen Provinzen, wurde Regent, eroberte Korea und starb 1598).—Nahebei liegt die Tempelanlage *Hōkōji (CD 5), 1586 von Hideyoshi gegründet, mit riesiger *Buddhabüste aus Holz, 13 m hoch, die Nase 2 m lang, eine geschmacklose, unvollendete Schnitzarbeit. Im Vorhof hängt eine *Riesenglocke; das Läuten mit Schwingklotz kostet 2 sen für jede Person.—Nördl. liegt die *Yasakapagode (D 5), fünfstöckig, 50 m hoch auf einer Anhöhe in schöner Landschaft am Ostende der Stadt (Aufstieg unbequem, oben *Aussicht auf die Stadt), 1618 erbaut mit sehr originellem Dach; sie diente früher als Wachtturm und enthält ein sehr altes Bild Shakas.—Etwas nördl. liegt der berühmte *Giontempel (D 4; richtiger Yasakajinja genannt), 869 gegründet, in dem Susano-o no Mikoto, der unbändige Bruder der Sonnengöttin Ama-terasu, verehrt wird. Dieser buddhistisch beeinflußte Shintōtempel ist der besuchteste von Kyōto, daher von vielen Verkaufsbuden umgeben; Tempelfeste am 1. und 15. jedes Monats, das große Gionfest am 17. und 24. Juli. Der Haupttempel, 1654 erbaut, hat in der SO.-Ecke eine Kagura-dō (Halle für die an Götterfesten aufgeführten Pantominen, den Tanz Kagura). Im Anbau am Westende, Ema-dō, hängen Weihbilder für die Götter. Im Tempelpark steht zwischen alten Bäumen ein großer heiliger Kirschbaum.—Das Stadtviertel in der Umgebung des Tempels, Gion Machi, ist voller Vergnügungshäuser, Teehäuser etc.—Nahe nö. vom Giontempel liegt der *Chion-in-Tempel (DE 4), eine der größten Tempelanlagen der Gegend, nördl. vom Maruyamapark, errichtet von der Jōdosekte, begründet 1211 von Enkō Daishi, und von Tokugawa Ieyasu und Iemitsu zur jetzigen Anlage ausgebaut. Die Haupthalle Hondō enthält im Mittelschrein ein geschnitztes Buddhabild; hinter ihr die Versammlungshalle Senjōjiki (»Halle der 1000 Matten«); östl. davon das Kloster Hōjō, durch einen prächtigen Garten in zwei Teile geteilt; seine Zimmer sind nach den sie schmückenden Meisterbildern der Kanōschule (Storch, Kranich, Pflaume, Chrysanthemum etc.) benannt. Die Gänge, uguisu-bari (Nachtigallfluren), geben beim Gehen melodische Geräusche. Seishidō ist der ursprüngliche Chion-in-Tempel, Soshi-byō das Grab des Gründers; im Kwachōbunko sind die Tempelschätze aufbewahrt. Im Gongendō sind Bilder von Shōgunen. Der Glockenturm enthält die 1633 gegossene größte *Glocke Japans, 5,5 m hoch, 3 m Durchmesser, 30 cm dick und 7400 kg schwer. Das Haupttor Sammon des Tempels ist reich geschmückt; von seiner Galerie *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Der Tempelgarten ist voller Kirschbäume.—Nördl. vom Chion-in-Tempel liegt der kleine Shōren-in-Tempel (D 4), dessen Leiter früher stets ein Prinz als Haupt der Tendaisekte war; viele alte Schriftstücke von Mikados sind im Schatze des Tempels.—Nahebei liegt der Awatapalast (E 4), erbaut 879 und bis 1868 von einem kaiserlichen Prinzen als Abt bewohnt.—Nahe nördl. unterhalb des Miyakohotels liegt der Zoologische Garten (E 3), ferner ein stets geöffnetes Gewerbemuseum, Shōhin-shinretsujō (E 3; Malereien, Stickereien, Porzellan-, Bronze-und andre meist neue Kunstsachen mit Angabe des Preises und Verkäufers), die neue städtische Bibliothek und das Gebäude der jährlich im April und Mai geöffneten *Gewerbeausstellung (E 3). Zwischen beiden die Sporthalle des Sportklubs Bushū-Kwai (Präsident ein kaiserl. Prinz), wo Bogenschießen, Schwerterfechten, Jūjitsu geübt wird; Nachm. sehr belebt, Eintritt erlaubt; vom 4.-7. Mai dort große Wettkämpfe. Nahebei die große Anlage des Daikyoku-den oder Heian-jingū, eine getreue Nachbildung des Tempels im ersten Kaiserpalast zu Kyōto vor 1100 Jahren.—Weiter nördl. die Gebäude der Kaiserlichen Universität (D 2; mit vier Fakultäten: Medizin, Literatur, Rechts-und Ingenieurwesen) und andrer Schulen im alten Samuraiviertel Yoshida, dabei der niedrige Yoshidayama mit Shintōtempeln und prächtigem Rundblick.—Östl. davon liegt am Fuße des Daimonjiyama der Ginkaku-ji (E 1) am NO.-Ende der Stadt, 1479 als Landsitz vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimasa erbaut (dort entwickelte er das heute noch übliche Teezeremoniell, Cha-no-yu, zur höchsten Vollendung), nach seinem Tode 1490 in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Im alten Gebäude Tōkyū-dō ist der berühmteste Teezeremoniellraum Japans (nach dem Kanon 41/2 Matten groß); Wände und Schieber tragen berühmte Gemälde von Kanō Motonobu, Ōkyo, Sōami und Kanō Einō. Im Mittelraum Bilder der Kwannon und des Yoshimasa in Priestergewändern. Paneele von Buson und Taigadō in andern Räumen; prächtige Kakemonos, Kuriositäten und Zeremoniellteegerät in einem Pavillon. Daneben eine Buddhahalle.— Im südlichen Garten steht der feine Silberpavillon Ginkaku, eine Nachbildung des von Yoshimitsu (Großvater Yoshimasas) erbauten Kinkaku, in einem der schönsten Landschaftsgärten Japans mit Teich, Insel, Brücken, ausgewählten Pflanzen und Felsen.