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Weltreise. Erster Teil

Einleitung zur Weltreise. (continued 12)

Reading edition

Zwischen Ginkaku-ji und dem Miyakohotel liegen am östl. Bergrand die sehenswerten Tempelanlagen von Shishigatani, Eikwandō und Nanzenji; bei letzterm Keage, die schiefe Ebene zwischen dem obern und untern Kanal, wo Boote auf Schienen hinaufgezogen werden. Zwischen dem östl. Bergrand und dem Yoshidayama die schönen Anlagen der Tempel Kurodani (»dunkles Tal«, ein Kloster, im 12. Jahrh. von Hōnen Shōnin gegründet, mit der historischen Fichte Yoroikake no Matsu) und Shinnyodō (mit wertvollen Gemälden). Um den Yoshidayama viele Grabhügel früherer Kaiser (Misasagi).

Am Abhange des Higashi-yama (E 4, 5) liegt nahe südl. vom Awatapalast der reizende Maruyamapark (D 4) mit vielen Teehäusern und mehreren Tempeln.—Südl. liegt in malerischer Landschaft auf Pfahlunterbau am Berghang der größte Kwannontempel *Kiyomizudera (DE 5), 780 vom Priester Enchin gegründet; durch das rote Haupttor Niō-mon steigt man auf Treppen hinauf, beim obern Tor *Aussicht auf die Stadt. Zwei dreistöckige Pagoden und eine grüne große Glocke stehen neben dem Tor. Die Haupthalle, Hondō, steht auf hohem Holzpfeilergerüst; in ihrem Schrein ist das Bild der elfgesichtigen, 1000händigen und 1000äugigen Kwannon; eine breite Veranda, Butai, schwebt über dem Abhang. Östl. vom Haupttempel der schöne Park Nan-en oder Shin Takao mit Wasserfall zum Baden der Wallfahrer, an der Nordseite der Garten Hoku-en, beide mit vielen schönen Plätzen; die Straße zum Tempel enthält lauter Porzellanläden. —Etwa 3 km südl. liegt der Inaritempel (kaiserlicher Shintōtempel 2. Grades), mit der elektr. Straßenbahn bequem zu erreichen; um die ganze Anlage zu sehen, ist über 1 St. Weg durch Torii zu machen, doch kann man abkürzen. Der Tempel ist der Reisgottheit Inari geweiht, 711 gegründet und das Urbild aller andern Inaritempel des Landes, die, wie er, sämtlich rot gestrichen sind. Sein Park erstreckt sich über einen Hügel mit zahllosen Heiligtümern und einigen Fuchsbauten. Am innern Eingang zwei große steinerne Füchse (Diener und Boten Inaris). Vom Gipfel *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Die Tempelfeste im Februar und April sind sehr sehenswert.—Der Tōji-in oder Osttempel mit Pagode rührt noch aus der Zeit der Stadtgründung her.

Vor dem Nordende der Stadt liegt nicht weit vom Kaiserpark der alte Shintōtempel Shimogamo (Unterer Kamo, eigentlich Kamo-Mi-oya-jinja, »Schrein der Kamo-Ahnen«, CD 1), vom kaiserl. Haushalt unterhalten, eine vornehme Anlage, gegründet 677, mit prächtigem uralten Park, worin zwei heilige, durch einen Ast miteinander verwachsene Sakakibäume von Frauen viel besucht werden, um Ehefrieden zu erflehen.—Eine schöne Kiefernallee führt zu dem 3 km nördlichern Tempel Kamigamo (Oberer Kamo), der in der Kirschblüte viel besucht wird. Das große Aoifest wird am 15. Mai in Shimogamo und Kamigamo glänzend gefeiert. Vor dem NW.-Ende der Stadt liegt dicht am Hanazonobahnhof der große Tempel Myōshinji (1 der Umgebungskarte) der Zensekte, früher Altenteil des Mikado Hanazono im 14. Jahrh. Die Tempelhallen enthalten wertvolle Wandschirme, Kakemonos, Lackbüchsen etc.; im Park stehen prächtige alte Kiefern, eine vom Jahre 1462.— In der Nähe der Kitano Temmangū (Tenjin), kaiserlicher Tempel (2 der Umgebungskarte), 947 gegründet, 1605 neugebaut, architektonisch schön mit heiligem Garten.—Gegenüber der sehr alte Shintōtempel Hirano-jinja (3 der Umgebungskarte), fünf Göttern geweiht, mit zur Kirschblütenzeit vielbesuchtem Park.—Nahe nördl. liegt in waldgrüner Umgebung der Goldene Pavillon, *Kinkakuji (eigentlich Rokuon-ji), 1397 vom abgedankten Shōgun Ashikaga Yoshimitsu erbaut als Buen retiro, dann buddhistischer Tempel der Zensekte, steht zum Teil im Wasser eines Sees in schönem Garten und hat eine dreistöckige Pagode mit vergoldeten Statuen von Amida, Kwannon und Seishi, von Unkei geschnitzt, in der Mitte des Unterstocks. Mönchsstatuen des Musōkokushi und Yoshimitsu auf den Seitenaltären. Im Mittelstock eine Kwannonfigur und vier Dämonenkönige. Der Oberstock war innen ganz vergoldet, wovon nur noch Spuren sichtbar. Reizender Blick vom Pavillon auf den Garten; der »Spiegelsee« (Kyōko) ist mit dichtem Gehölz umgeben. Man beachte die von den größten Meistern gemalten Schiebetüren, Faltschirme und Kakemono. Auf dem Hügel im nördlichen Garten steht ein Teezeremonienhäuschen vorbildlichen Stils, das Sekka-tei. Ausflüge von Kyōto. Vgl. Karte auf dem Plan von Kyōto. 1) Über den Hiyei-zan zum Biwasee, lohnende Tagestour, etwas Mundvorrat mitnehmen. Vom Kyōtohotel (C 3) fährt man mit Rikscha über die *Sanjōbrücke (CD 3/4; hölzern mit Steinpfeilern in rein japanischem Stil), vorbei an der Universität und durch das Dorf Shirakawa (E 1/2) auf gutem Weg, etwa 6 km zum kaiserlichen Sommerschloß Shūgakuin-rikyū (nur mit Erlaubnisschein, wie Kaiserpalast, S. 371, zu besichtigen, der Schein gilt nur für die Schlösser, die auf ihm verzeichnet sind!), 1629 dem abgedankten Mikado Gomizunoo vom Tokugawa-Shōgunat angewiesen. In dem prächtigen Park liegen drei feine kleine Paläste, Ochaya (»erlauchte Teehäuser«, wegen ihres Baustils) genannt, jedes mit Garten für sich. Das mittlere ist am reichsten mit Kunstschätzen ausgestattet. Das oberste liegt nahe dem Drachenteich, Yokuryōchi, umgeben von einem Labyrinth von Inseln, Halbinseln, Klippen, Brücken, Gehölzen. In den reizenden Anlagen mit Treppen und Pavillons am Berghang sieht man den größern »männlichen« und den »weiblichen« Wasserfall, Odaki und Medaki. Eine Hofdame leitete die Anlage des Parks.—Nö. von den Sommerpalästen steigt man steil zu Fuß oder mit Tragstuhl mit zwei Kulis, etwa 4 km auf den Gipfel des *Hiyei-zan (580 m), wo prachtvolle *Aussicht auf den Biwasee und das Tal von Kyōto (oben sollte man frühstücken!).

Die Steinfigur auf dem Berggipfel stellt den ersten buddhistischen Abt von Hiyei-zan, Dengyo Daishi, dar (lebte um 800), der nach dem Kaiserpalast in Kyōto hinstarrt. Bei ungünstigem Wetter Unterkunft in einer Teehütte auf dem Abstieg nach Sakamoto; östl. vom Gipfel liegen die alten buddhistischen Klöster Kompon-chūdō und Kōdō, deren Mönche in den Bürgerkriegen des Mittelalters so mächtig waren, daß der Mikado Shirakawa den Ausspruch tat: »Nur dreierlei in meinem Reich kann ich nicht meistern: die Gewässer des Kamogawa, Glücksspiele und die Bergmönche!« In Kyōto zwangen die bewaffneten Mönche den Hofstaat, ihre Forderungen anzunehmen. Die alten Bergtempel sind nur noch zum Teil erhalten.—Auf dem Abstieg nach Sakamoto (5 km vom Hiyei-zan) trifft man auf die große Shintōtempelanlage Sannō (Hiyoshi), in stiller, romantischer Lage. Einige Minuten weiter erreicht man das Dorf Kami Sakamoto (Speisehaus Fuyō-en) und südl. davon am Biwasee das Dorf Shimo Sakamoto. Von da südl. weiter längs des Westufers des *Biwasees (Biwa-ko), von der Größe des Genfer Sees, etwa 100 m ü. M., ein Einbruchsbecken füllend, berühmt durch landschaftliche Schönheit. [Die japanische Poesie spricht von den acht Schönheiten von Ōmi (Ōmi Hak-kei) des Landes, worin der Biwasee liegt: Herbstmond vom Ishiyama gesehen; Abendschnee auf dem Hirayama; Abendrot zu Seta; Abendglocke von Miidera; von Yabase zurücksegelnde Boote; heller Himmel mit Brise in Awazu; Nachtregen in Karasaki; Wildgänseflug in Katata.] Kleine Dampfer verkehren auf dem Biwasee zwischen den Ortschaften. Etwa 2 km südl. vom Dorf Shimo Sakamoto steht beim Dorfe Karasaki eine tausendjährige heilige Riesenkiefer von 11 m Umfang und 88 m Ausdehnung der Zweige, doch nur 27 m Höhe. Hütte (Genji-no-ma) der Dichterin Murasaki Shikibu (lebte um das Jahr 1000) und Teehaus nahebei. Weiter längs des Seeufers 4 km nach Ōtsu (Gasthof: Hakkeikan, halbeurop.), größte Stadt am Biwasee, mit 39595 Einw., an der Tōkaidōstaatsbahn (1/2 St. Fahrt bis Kyōto), Bahnhof Baba am Ostende der Stadt. Auf einem Hügel westl. der Stadt steht der buddhistische Tempel *Miidera, 675 begründet und der Kwannon geweiht. Oberhalb davon ein Kriegerdenkmal (Obelisk) aus dem Satsuma-Aufstand 1877; dort *Aussicht über den See. Die Glocke im Tempelpark soll einst ein Riese auf den Hiyei-zan getragen haben.— Von Ōtsu führt der 1885-94 vom Baron Kitagaki erbaute, 11 km lange Biwaseekanal nach Kyōto durch einen 2436 m langen und zwei kürzere Tunnel. Die etwa 11/4stündige Bootsfahrt auf dem Kanal von Ōtsu nach Kyōto ist zu empfehlen; oder man fahre mit Rikscha (10 km) auf der alten Heerstraße Tōkaidō in 2 St., vorbei am Grabhügel des Kaisers Tenji, bewachsen mit Kiefern, mitten in Reisfeldern, dann südl. am Kanal entlang nach Kyōto zurück. Statt der Bergtour über den Hiyei-zan kann man auch mit Rikscha (2 Mann) nach (15 km) Miidera fahren, von da zur (4 km) Karasaki-Kiefer (s. oben), auf dem See mit Dampfer nach Ishiyamadera, mit schöner *Aussicht vom Tempelplatz auf hohem Felsabhang; dann mit Rikscha oder zu Fuß zum (5 km) Bahnhof Ishiyamadera und zurück mit Bahn. 2) Zu den Stromschnellen des Hōzugawa (früher meist Katsuragawa genannt). Man fahre mit Rikscha zum Bahnhof Nijō(A 3, 4) am Westende der Stadt, von da mit Eisenbahn durch sehr malerisches Gelände in etwa 3/4 St. nach Kameoka, dann in 10 Min. mit Rikscha zum Dorfe Hōzu, wo man ein Boot besonderer Bauart mit 4-5 Ruderern für 6,50 Yen (für 6 Pers.) mietet (Nm. für jeden Mann 50 sen mehr!). Über die Fahrt schreibt Julius Meurer: »Die Fahrt selbst ist hochinteressant, aber nicht ganz harmlos, denn der Wildbach ist reißend und sein Bett voller Felsblöcke und Steine, zwischen denen hindurchzusteuern nur der Kraft und Geschicklichkeit der japanischen Bootsführer, dieser gebornen Schiffer, möglich ist. Es soll bei diesen tollen Fahrten fast nie ein Unglück vorkommen. Landschaftlich ist die Fahrt entzückend, wir glaubten uns in unsre Alpen versetzt.«

Man fährt etwa 11/2 St. bis zu dem dreistöckigen Teehause Sangenya-Arashiyama (gute Küche). Von hier Rückfahrt mit Rikscha (zwei Kulis) in 1 St. nach Kyōto oder in 1/4 St. zum Bahnhof Saga, von da mit Bahn nach Nijōbahnhof oder mit der Elektrischen zum Westende der Stadt. Wenn Zeit, lasse man sich mit dem Boot zur Bergseite hinübersetzen, wo hübsche Teehäuser liegen. 3) Zum kaiserlichen Sommerpalast *Katsura no Rikyū, nahe dem untern Hōzugawa, fährt man in etwa 1 St. von Kyōto auf der Straße westl. vom Nishi Hongwanjitempel (S. 373; Erlaubnis wie für den Kaiserpalast erforderlich!), mit prachtvollem Landschaftspark, umgeben von uralten Bäumen und Bambuswald. Die Sommerhäuser im Park sind im vornehmsten Cha-no-yu-Stil (Teezeremoniell) ausgeführt. Durch drei Tore gelangt man in die Empfangshalle Okuruma-yose, dann zur alten Halle Kosho-in, dann zur Mittelhalle Chūsho-in, mit feinstem Bilderschmuck in drei Räumen. Unter den Pavillons sind der des »glitzernden Mondes« (Geppa-rō), der der »Blumenbewunderung« (Shōkwa-tei), der der »Harfe in der Kiefer« (Shōkin-tei), dann die Wartehalle Machiai und der Inselpavillon Enrin-dō sowie die Villa Shōiken zu bewundern. Der Park gilt als schönste Zieranlage Japans, er enthält 7 Pavillons, 16 Brücken, 25 Steinlaternen. 4) Zum Momoyama fährt man von Kyōto, Shichijōbahnhof (B 6), in 1/2 St. nach Fushimi, der Flußhafenvorstadt von Kyōto, oder besser bis zum Bahnhof Momoyama; noch besser benutzt man die Elektrische, die von der Gojobrücke nach Ōsaka fährt. Man besteigt den kleinen Hügel, auf dem früher ein großes Kaiserschloß lag; Kinjō-Kaku (Pavillon des Goldenen Schlosses) auf dem Gipfel des Momoyama ist noch teilweise erhalten, von hier *Aussicht. In der Nähe nw. der Grabhügel des Kaisers Kwammu, Gründers von Kyōto. 5) Vom Bahnhof Nijō (A 3) in 3 St. nach Maizuru (Photographieren verboten!), Marinestation am Japanischen Meer, von da mit Dampfer in 1 St. (Fahrpreis 50 sen), oder mit Rikscha in 21/2 St. auf schönen (der Riviera ähnlich) Wegen nach Miyazu (Hotel Araki), gutem Seehafen, in dessen Nähe (2 km) eins der drei berühmtesten Landschaftsbilder Japans liegt, die *Ama no Hashidate, »Himmelsbrücke«, eine schmale, mit Bäumen bewachsene felsige Riffbrücke; man fahre mit Boot (60 sen) von Miyazu nach Ichinomiya und steige 10 Min. nach Ipponmatsu hinauf, dort beste *Aussicht.

Eisenbahn von Kyōto nach Yokohama.

Die Bahn Kyōto-Nagoya kreuzt das Becken des Biwasees, übersteigt sodann den Bergzug, der die nur 90 km breite Einschnürung Hondos zwischen der Wakasa-und der Owaribai nordsüdl. durchzieht und erreicht die Deltaebene des Kisogawa, in der Nagoya liegt. —Mit der Tōkaidōstaatsbahn fährt man (l. sitzen!) vom Kyōtohauptbahnhof Shichijō (Bahnwirtschaft) über (3 km) Inari (S. 376), (8 km) Yamashina nach (16 km) Baba, Bahnhof für Ōtsu (S. 378), dann über das Südende des Biwasees, wobei man r. die alte berühmte lange Brücke (Seta no Nagahashi) bei Seta sieht, dann nordöstl. nahe dem Seeufer über (26 km) Kusatsu und (66 km) Hikone (Gasthof Rakuraku-tei, mit europäischem Essen) mit Daimyōburg l. auf bewaldetem Hügel, weiter durch schöne Berglandschaft mit vielen Ausblicken auf den Biwasee nach (72 km) Maibara, wo die Bahn den See verläßt, sich östl. ins Gebirge wendend.

Zweigbahn: Von Maibara nördl. in 2 St. nach (67 km) Tsuruga (Tsuruga Hôtel), einem sehr lebhaften, wichtigen Seehandelshafen, von wo dreimal wöchentlich Dampfer der Ōsaka Shōsen Kaisha und der Russischen Freiwilligen Flotte (Agentur N. Federoff, Tel.-Adr. »Flot«) nach Wladiwostok laufen, mit Anschluß an die Sibirischen Luxuszüge (S. 301); Fahrkarten für alle europäischen Hauptstädte sind in der Agentur Tsuruga zu bekommen.

(Fahrzeit bis Wladiwostok zwei Nächte und einen Tag.) Sehenswert ist in Tsuruga der große Shintōtempel Kebi-jinja mit schönem Torii; Ausflüge zum Kanagasaki-jinja und zur Insel Bentenjima (4 km).

Von Maibara weiterfahrend, sieht man l. öfter den Gipfel des Ibuki-yama (etwa 1300 m), eines der »Sieben hohen Berge« Mitteljapans. Starke Steigung bis (83 km) Nagaoka, dann bergab bis (94 km) Seki-ga-hara (altes Schlachtfeld und Sperrfeste der Heerstraße) und weiter in ebenem, gut bebautem Lande über (108 km) Ogaki, mit Daimyōburg r. und Blick auf den fernen Hakusan (2680 m) l., nach

(122 km) Gifu (Gasthöfe: Tamaiya; Tsu-no-kuni-ya, beide 20 Min. vom Bahnbof), Hauptstadt der Provinz Gifu mit 40168 Einw., berühmt durch seine Fabrikation von Papierlaternen und Papier (Minogami); vom Hügel nö. der Stadt *Aussicht; in der Umgegend viel Seidenraupenzucht. In der Nähe, auf dem Nagarafluß, *Fischfang mit Kormoranen.—Hinter Gifu kreuzt die Bahn den Kisogawa und läuft durch fruchtbare Reisfelder nach

(153 km) Nagoya (Nagoya Hôtel, 30 Z., Pens. 6-10 Yen tägl., europ., gut; jap. Gasthof Shinachū; schöne Teehäuser: Tōyō-kwan; Shin Kimpa; Theater: Misono-za, Suehiro-za; Porzellan: Tashiroya, Suzuki, Katō; Cloisonnéarbeiten: Hayashi, Kumeno, Andō, Kawaguchi; Curios: Nakarin, Asahina), Hauptort des Aichi Ken und der Provinz Owari, an der seichten Bucht von Owari, Bahnknotenpunkt, in der Tokugawazeit Sitz der Daimyō von Owari. Die Stadt hat ein großes Schloß des frühern Daimyō (jetzt Kaserne), Präfektur, Hospital, Postamt in europäischem Baustil, großen Tempel und nahezu 400000 Einw., die Rohseide, schöne Stickereien, Emaillierung von Kupfer und Porzellan anfertigen, auch das Porzellan von Seto vertreiben.

Rundfahrt. Mit Rikscha zur großartigen *Daimyōburg Rikyū (O Shiro), umgeben von Zyklopenmauern mit seltsam bedachtem, fünfstöckigem Hauptbau, 1610 erbaut, eine der Hauptsehenswürdigkeiten Japans. Die geschweiften Dächer sind gekupfert, der Bau ist aus Holz. Oben *Aussicht auf Stadt und Meer. Wer mit Erlaubnisschein (S. 371) versehen, kann die kaiserlichen Gemächer besichtigen, mit kostbaren Goldlackschiebewänden, Alkoven (Tokonoma), Wandschirmen, Kakemono erster Künstler, mit geschnitzten Kasten etc. aus Kampfer-und Kamelienholz, und schönsten Bronzekunstwerken (Malerei meist Kanōschule). Den von Tan-yū mit chinesischen Szenerien dekorierten prächtigsten Raum benutzte der Shōgun, wenn er den Daimyō des Owarigeschlechts besuchte. Die Anlage der Burg erkennt man vom Oberstock; im Schloßgraben wird zahmes Wild gehegt. (Trinkgeld wird vom Schloßwart meist nicht angenommen.)— Sehenswert ist auch der vornehm-stolze buddhistische Tempel *Higashi Hongwanji, abgeschlossen von hohen Mauern, mit uralten Kiefern im Tempelhof. Das doppeldachige Torhaus hat drei reichgeschmückte Portale, die Haupthalle ist ein Meisterwerk modernen Tempelbaues mit vielen Kunstschätzen im Innern.—An der NO.- Grenze der Stadt liegt der Tempel der Go-hyaku Rakan, beachtenswert wegen einer ergötzlichen Sammlung von 500 etwa 60 cm hohen Holzfiguren, Jünger Buddhas (Rakan) darstellend, auf einer Hintergalerie aufgestellt, alle in Ausdruck, Haltung und Attributen voneinander verschieden.

Plan von Nagoya.

Plan von Nagoya.
Plan von Nagoya.

Ausflug nach Yamada (Ise) nach S., entlang der Westseite der großen Owaribucht. Mit der Kwansaibahn 60 km bis Kameyama (Wirtschaft Arakiya am Bahnhof, mit europ. Essen); dann umsteigen in die Sangubahn nach (117 km) Yamada (Gonikaihotel, ganz gut; Yamadahôtel, beide 10 Min. vom Bahnhof, europäisch, Pens. 4-5 Yen; Japan. Gasthof Aburaya; Museum, Besuch empfohlen; schöne Teehäuser, dort graziöse und religiöse Tänze »Ise Ondo« 3,50 Yen, »Shō Kagura« 5 Yen, »Dai Kagura« 10 Yen, »Dai-dai Kagura« 20 Yen; in den Straßen wird »O Sugi O Tama« für 5 sen getanzt), stark besuchter Wallfahrtsort mit 29000 Einw., den am 17. Febr., 14. Mai, 17. Juni, 14. und 17. Okt., 23. Nov., 17. Dez. Tausende von Pilgern besuchen. Reinigungsfest (Ō-barai) am Letzten jeden Monats.

Man nehme Rikscha für den ganzen Tag (etwa 1,70 Yen), fahre vom Gasthof zum *Gekū (»äußerer Schrein«), einer großen shintōistischen Tempelanlage in schönem Park, der Erd-und Nahrungsgöttin Ukemochi-no-Kaini geweiht, mit vielen Heiligtümern; die Hallen zeigen noch die älteste und einfachste japanische Tempelbauart, unbeeinflußt vom chinesischen Stil. ( Man hüte sich, den weißen Vorhang an dem strohgedeckten Tor, gegenüber dem Eingangstor, zu berühren, durch den Vorhang dürfen nur Mitglieder der Kaiserfamilie gehen; der japanische Minister Freiherr Mori hob den Vorhang 1888 mit seinem Stock und wurde deshalb in Tōkyō kurz darauf von dem strengen Shintōisten Nishino Buntarō ermordet; das Grab des sofort erschlagenen Mörders aber ist eine Pilgerstätte ihm Gleichgesinnter geworden.) Die ganze Tempelanlage wird alle 20 Jahre abgebrochen und nebenan auf freiem Platz wieder aufgebaut (letzter Neubau und Einweihung [Sengū] im Oktober 1909). Die eigentliche Tempelanlage liegt hinter der Halle für die Kaguratänze. Die Pilger, die täglich Lebensmittel als Opfer bringen, erhalten Amulette, —Vom Tempel fährt man weiter auf bequemem Weg etwa 8 km nach *Futami-ga-ura (Gasthöfe: Taiyōkan, Futami Hotel, 50 Z. mit Seebad), Dorf in malerischster Lage an der Owaribucht; hier sieht man die Klippen Me-oto-ishi (Mann und Frau Fels), verbunden durch ein Strohseil, das die eheliche Vereinigung symbolisiert, aber auch Seuchen fernhalten soll.—Nach erfrischendem Seebad 8 km weiter auf schönem, hügeligem Weg nach Toba (Gasthöfe: Ōsaka-ya, 20 Z., einfach; Kinbokan), stillem Hafenstädtchen, von wo man den nicht hohen *Hiyori-yama besteigt, dessen Aussicht über das Meer, den Fuji-no-yama, Hakusan und viele andre Berge berühmt ist.— Gegenüber von Toba, auf der Insel Tōshi-jima, wie auch an andern Orten derselben Inselprovinz, sind die Weiber als Taucherinnen tätig, um Quallen und Seegras zu fischen.—Gute Fußgänger sollten auf dem Rückweg den *Asama-yama (400 m) besteigen; auf dem Gipfel, beim Teehaus Tōfuya, wundervolle Aussicht auf Meer und die Berge Mitteljapans. Man steige bis zum Oku-no-in des heiligen Berges, der Aussieht wegen, dann sehr schöner Abstieg, wieder am Teehaus vorbei, in der Richtung auf das Dorf Uji zu und zum *Naigūtempel, dem heiligsten Tempel Japans, der Sonnengöttin Amaterasu geweiht, mitten in einem *Hain alter Kryptomerien u. Kampferbäume am Isuzuflüßchen. Eine große, in Weihaiwei erbeutete Kanone liegt dort als Weihgeschenk für die Göttin. Die Tempelanlage ist ähnlich dem Gekūtempel, aber größer; sie wurde 1909 umgebaut. Ausflug in die Japanischen Alpen. Die sogen. Japanischen Alpen (der Ausdruck ist insofern recht unglücklich, als das Gebirge weder im Aufbau noch nach den äußern Formen mit unsern europäischen Alpen Ähnlichkeit hat) sind für den Geologen und Geographen besonders interessant, weil sie in dem Teile Hondos liegen, wo die »sinische« und die »sachalinische« Streichrichtung in der Gebirgsauffaltung einander begegnen. Die ältern Gesteine von Nordhondo sind von Kräften zusammengepreßt und aufgefaltet, die von W. und O. her wirkten, so daß nordsüdlich verlaufende Gebirgszüge entstanden; in Westhondo wirkten die gebirgsbildenden Kräfte in andrer Richtung, so daß hier von WNW. nach OSO. (wie in Südchina, daher sinische Streichrichtung) gerichtete Bergzüge entstanden. Sehr verwickelt ist die Gestaltung des Gebirgsbaues natürlich in Mittelhondo, zwischen Nagoya und Tōkyō, um so mehr, als in diesem Gebiet auch eine sehr starke vulkanische Tätigkeit einsetzte. Von den unten genannten Hauptgipfeln der Japanischen Alpen sind der Ontake und der Norikura aus jungvulkanischem Gestein (Trachyt) aufgebaut, der Yarigatake im Hidagebirge aus Granit. Auch pflanzengeographisch ist das hohe Gebirgsland im N. von Nagoya sehr interessant. Die höchsten Gipfel und selbst die hohen Pässe werden selten ganz frei von Schnee, doch gibt es keine Gletscher. Man fährt mit der neuen Nakasendōbahn nordostwärts durch hügeliges Gelände über eine niedrige Wasserscheide ins Tal des Kisogawa und in diesem aufwärts über Nakatsu-gawa und Oukushima, dann über einen Paß ins Tal des Saikawa nach Shiojiri (Gasthof Kawakami), dort schließt die Kōbulinie an, die über Kōfu (Präfekturstadt mit 44188 Einw.) laufend in Tōkyō, Bahnhof Iidamachi, endet.

Hand
Hand

Gute Unterkunft in Fukushima (Gasthöfe: Tawaraya und Tsudaya); von hier schöner Weg (9 km) nach Agematsu (Gasthof Hakuchi) in sehr schöner Berglandschaft; von hier oder von Fukushima über Ōtaki Ersteigung des *Ontake (3185 m), des zweithöchsten Gipfels Japans; Entfernung von Fukushima bis zur Unterkunftshütte nahe beim Gipfel etwa 37 km, bei Frühaufbruch in einem Tag zu machen. Im Juli bis September (beste Zeit zur Besteigung) sind viele Hütten für Pilger auf dem Bergweg, ähnlich wie auf dem Fuji-no-yama (vgl. wegen Ausrüstung etc. S. 384). Ein andrer schöner Weg führt von Tsumagō bei Nakatsugawa über Hirose und Ōdaira-tōge über einen Gebirgszug nach Iida (Gasthöfe: Shōgodō, Ryūshi-kwan), eine blühende Landstadt; von da mit Rikscha (10 km) nach Tokimata (Gasthof Umenoya); dann mit Boot die *Tenryugawa-Stromschnellen in großartiger Landschaft in 10-20 St. etwa 150 km stromab bis nahe zur Stat. Hamamatsu (Gasthof Ōgomeya) der Tōkaidōbahn. Besonders großartig, aber beschwerlich, nur im Sommer und mit wenig Gepäck ausführbar ist die Partie durch das Herz der Japanischen Alpen: 1. Tag: Von Shimashima bei Matsumoto (nördl. von Shiojiri im Saikawatal; Gasthof Marumo, gelobt) über Shirahone und den Abotōge (1840 m) nach dem Badeort Hirayu, mit Besteigung des Norikura (3075 m, sehr lohnend); 2. Tag: Von Hirayu nach Funatsu (Nakaya Hotel, Gasthof Ōya); von hier Rikschaweg nach Toyama (Toyama Hotel) an der Westküstenbahu; 3. Tag: Von Funatsu nach (28 km) Gamada; 4. Tag: Von Gamada nach Kamikoji (mit Besteigung des Yarigatake und Hodakayama); 5. Tag: Von Kamikoji über den Tokugotōge (2400 m) nach Shimashima zurück. Näheres vgl. W. Weston, Mountaineering and Exploring in the Japanese Alps 1891 till 1894, Preis 0,50 sen.

Von Nagoya führt die Bahn durch wildes Gebirge mit vielen Tunneln, häufig Fernblicke auf den Fuji, nach (193 km) Okazaki, Geburtsort des großen Shōguns Ieyasu; zwischen (225 km) Toyohashi und (231 km) Futagawa steht ein Bronzebild der Kwannori l. auf einer Felsenspitze. Bei (241 km) Maizaka erreicht die Bahn die hier flache Küste, l. liegt eine große Lagune, im Hintergrund Berge, r. sieht man die Brandung des Stillen Ozeans. Dann über (261 km) Hamamatsu (gute Gasthöfe am Bahnhof) und (290 km) Kakegawa nach

(354 km) Shizuoka (Daitōkwan Hotel, europ., gelobt, Pens. 7 Yen tägl.; Kiyō-kwan), Hauptstadt der Provinz Suruga mit 48744 Einw. und bedeutender Lackindustrie, Bambusflechtwerk und Teebau in der Umgegend. Sehenswert sind die buddhistischen Tempel Rinzaiji, Sengen (von dessen 105 Stufen hohem Oku-no-in *Aussicht) u. Hodai-in.

Ausflug mit Rikscha nach (12 km) *Kunō-zan, einer sehr alten Tempelanlage auf einem Hügel, nicht weit vom Meere, zu der etwa 1000 steile Stufen hinaufführen (bei heißem Wetter trotz des Baumwuchses unbequem). Man glaubt eine Bergfestung zu sehen; Führer ist für den Zickzackweg nötig. Oben großartige *Aussicht. Die erste Tempelhalle ist der Stall des heiligen (hölzernen) Pferdes, davor ein heiliger Brunnen, weiter r. ein Trommelturm, l. ehemaliger Standort einer von den Shintōeiferern entfernten fünfstöckigen Pagode; noch höher der Kaguratanzplatz und die Schatzkammer mit kostbaren Rüstungen und Priestergewändern, dann die außen rote Haupthalle, innen gold und schwarz, mit Bildern der 36 Dichterheiligen (die Bonzen erwarten Geldgeschenke).

Auf der höchsten Höhe der achteckige Grabstein des Shōguns Ieyasu, der hier begraben lag, ehe das Mausoleum zu Nikkō für ihn errichtet wurde.—Abstieg zum Dorf Nekoya (Gasthof Ishibashi), dann mit Rikscha 11 km zum Bahnhof Okitsu (Tōkai Hotel, halbeurop.).

Von Shizuoka mit der Bahn weiter über Okitsu (s. oben) längs der Küste der schönen *Surugabucht über (364 km) Kambara, dann durch Zuckerrohrfelder und bei (368 km) Iwabuchi über die Brücke des Fuji-kawa (hier schönster *Anblick des Fuji) durch Marschland längs des Strandes bis (393 km) Numazu (Seebad); dann biegt die Bahn nördl. nach (402 km) Sano (1,6 km vom Bahnhof ein Gasthof am schönen Wasserfall Sano-no-taki) und erreicht

(417 km) Gotemba (Gasthof Furokan, am Bahnhof Gotembakwan; beide europ. Essen), alte Stadt in dem Plateau, das vom Fuji-no-yama zum Hakonegebirge herüberführt, Station für die Besteigung des Fuji (von Yokohama mit der Bahn in 3 St. zu erreichen).— Der berühmte Vulkan *Fuji-no-yama (oder Fuji-san, kurz Fuji; das von den Fremden allgemein gebrauchte Wort Fuji-yama ist unjapanisch!), der höchste und heiligste Berg Japans, oft als Motiv der japanischen Malerei (Hokusai) und Dekorationskunst verwendet, erhebt sich als regelmäßige Pyramide mit abgestumpfter Spitze bis 3778 m. Die ebenmäßige Form des Berges wird nur durch einige kleine parasitäre Krater und durch radiale Wasserrinnen etwas gegliedert. In den Gipfel ist ein Krater von 500 m Durchmesser und 180 m Tiefe eingesenkt. Seit 1708 ruht der Vulkan, darf aber keineswegs als ganz erloschen gelten. Der letzte Ausbruch von 1707/08 war sehr heftig und lieferte in der Hauptsache Asche, die namentlich das ganze südwärts gelegene Gebiet bis 3 m hoch bedeckte. An der Südostseite des Berges öffnete sich eine Spalte, der Lava entquoll; sie bildete den parasitären Kegel Hōei-zan, an dem man beim Aufstieg von Gotemba aus vorüberkommt. Die Kultur steigt in Suruga auf der Südseite (viel Teebau) 600-700 m hoch; dann folgt blumenreiches, baumloses Gebiet (Hara) bis 1500 m, Wald bis 2400 m, dann die Krummholzregion bis 2600 m und schließlich die Region der Hochgebirgsflora, die aus arktischen und alpinen Pflanzenarten gemischt ist. Der Gipfel ist nur im Juli und August schneefrei und wird dann jährlich von 16-20000 buddhistischen Pilgern erstiegen. Der Berg und Umgebung sollen in einen Staatspark umgewandelt werden. Der Fuji-no-yama ist der auffallendste Gipfel in einer Reihe von Vulkanen und aus jungvulkanischem Material aufgebauten Bergen, die sich, längs einer Gebirgsspalte emporgequollen, durch Mittelhondo von SW. nach NO. hindurchzieht und südwestwärts bis zu den Bonininseln und den Marianen zu verfolgen ist. In nächster Nähe des Fuji-san gehören zu diesen vulkanischen Erhebungen der Ashitakayama und das Hakonebergland, weiterhin die Halbinsel Izu zwischen der Suruga-und der Odawarabucht und die Shitshito (7 Inseln) südl. der letztern, von denen mehrere tätige Vulkane sind.

Die Besteigung des Fuji von Gotemba aus erfordert zwei Tage Zeit; nur vom 15. Juli bis 10. Sept. sind die Unterkunftshütten (Nachtlager 1 Yen) geöffnet; beste Zeit 25. Juli bis 10. Aug. Europäische Lebensmittel: Konserven, Tee, Schokolade, Hartbrot und Wein bringe man aus Kobe oder Yokohama reichlich mit (weil man bei Nebel tagelangen Aufenthalt haben kann); auch warme Kleidung und Wolldecken (letztere kann man auch in Gotemba mieten, aber sie sind vielbenutzt!).

TOKYO-FUJI-NOYAMA.
TOKYO-FUJI-NOYAMA.

Auf dem Gipfel friert es nachts im heißesten Sommer! Führer (gōriki) tägl. 11/2-3 Yen, Träger, Pferde mit europ. Sattel erhält man in Gotemba (von Gotemba ein Pferd bis Umagaeshi 1,50, bis Tarōbō 2,10, bis Nigōme 2,50 Yen). Wenn Zeit, braucht man nicht in Gotemba zu übernachten, sondern kann mit Straßenbahn noch 10 km weiter nach Subashiri, am Osthang des Fuji, fahren, von wo der Aufstieg etwas bequemer sein soll. Sowohl von Gotemba als von Subashiri breche man sehr früh (gegen 2 Uhr) auf, um beim Aufstieg den Sonnenaufgang zu genießen. Von Gotemba reitet man bis Tarōbō (1830 m) oder bis Nigōme (d. h. »Zweite Station«); von Subashiri reitet man bis zum Umagaeshi (d. h. »Pferde zurücklassen«), läßt die Pferde dort, die besonders nach dem anstrengenden Abstieg auf dem Rückweg sehr zustatten kommen. Am meisten benutzt wird jetzt der Weg von Gotemba über Nakabata und Tarōbō; er ist in zehn Stationen geteilt, Tarōbō (16 km von Gotemba) ist Nr. 1 in etwa 1830 m ü. M. In Tarōbō rüste man sich mit Bergstock (Fujistock), hohen Gamaschen, Strohsandalen (unter die eignen Bergschuhe gebunden!) und bei unsicherm Wetter mit Strohregenmantel (Bauerntracht) aus. Nun langsam stetiger Aufstieg. Man beachte, daß die besten Unterkunftshütten des Gotembaweges auf Nr. 5, 6, 8 und 10 (Gipfelstation) sind (Übernachten kostet 1-1,20 Yen). Station Nr. 3 liegt 2160 m ü. M., von da über Nr. 4 (2420 m) bis Nr. 5 (2640 m) führt der Weg um den Hōei-zan-Gipfel; auf Nr. 5 halte man Mittagsrast. Nun beginnt der mühsame und steile Aufstieg; statt der bisher feinkörnigen Lava steigt man über große lose Brocken; bei Nr. 6 (2840 m) führt ein Seitenweg auf den Hōei-zan (nicht verlaufen!). Bei Hütte Nr. 8 (3230 m) stärke man sich mit heißem Tee für den letzten, anstrengendsten Aufstieg über lose Asche und Lavablöcke; in den Spalten findet man Schneereste, Schneefelder fehlen. Auf Nr. 10 (3778 m), dem Gipfel, sind drei bequeme steinerne Hütten, wo man sich sofort Schlafplätze sichere; sind alle besetzt, muß man um den Gipfel herum nach der Subashiri-Wegseite, etwa 1/2 km nördl. gehen, um dort Schlafplätze zu suchen. Wenn Zeit, steige man noch in den Krater hinab, wo noch heißes Wasser fließt und Dämpfe aufsteigen. Der Abstieg in den Krater erfordert 1/2 St., der Aufstieg 3/4 St.; man nehme Führer mit! Vor Sonnenuntergang ziehe man warme Kleidung in der Hütte an und beobachte dann von einer Kuppe den Sonnenuntergang, ebenso den Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Bester Aussichtspunkt (auch für den Sonnenaufgang) ist der höchste Gipfel Kenga-mine; die *Aussicht auf Hakonesee (S. 386), Fujikawa, Surugabucht etc. ist großartig.—Dann Abstieg (nicht rutschen, wie die Japaner!) auf demselben Wege in 5 St. über Tarōbō (Pferde besteigen) nach Gotemba.— Auf dem Subashiriweg sind die besten Stationen Chujiki-ba, 1 km unterhalb Nr. 1, ferner Nr. 2, 6 und der Gipfel. Bei Nr. 9 ist der Heiligenschrein Mukai-Sengen (»Willkommen heißende Sengen [Göttin des Fuji-Berges]«).

Von Gotemba führt die Bahn im Bogen um das Hakonegebirge durch wilde Gebirgslandschaft mit vielen Tunneln und Brücken über (436 km) Yamakita (Gasthof Asahiya; 1/2 St. vom Bahnhof der 60 m hohe Wasserfall Hirayama-no-taki), dann bergab im Tal des Sakawa-gawa nach

(452 km) Kōzu (Gasthof Kōzu-kwan), Ort am Strande der schönen Odawarabucht (von Yokohama 11/2 St. Fahrzeit), r. die Halbinsel Izu, im Meere die Vulkaninsel Ōshima und l. das Küsteninselchen Enoshima (S. 392).—Man fährt von hier mit elektrischer Straßenbahn in 1 St. auf der alten Heerstraße Tōkaidō vorbei an dem freundlich am Seebadestrand gelegenen, aus einer ganzen Häusergruppe bestehenden Gasthof Shōtō-en (jap. und europ.) und über die Brücke des breiten Sakawa-gawa zur geschichtlich berühmten Seestadt Odawara (Gasthof Koiseya), wo die Straßenbahn vor der Mauerruine der alten Burg hält. Im malerischen Burghain liegt ein 1900 erbautes Schloß des Kronprinzen (kein Zutritt). 10 Min. weiter im Hayakawatal erreicht die Bahn Yumoto (Gasthof Fukuzumi, zum Übernachten wähle man den Gasthof Suzuki, 45 Z., Pens. 3-5 Yen, im benachbarten Dorfe Tōnosawa, 1/2 km talaufwärts, beide Orte mit heißen Bädern). Nun mit Rikscha in 1 St. (mit zwei Kulis etwa 50 sen) oder zu Fuß, Gepäck tragen lassen, in anmutiger Berglandschaft, zuletzt mit starker Steigung über Dōgashima (heiße Quellen und Wasserfall) nach

Miyanoshita (420 m; Fujiya Hôtel, europ., gut, Pens. tägl. 7 Yen, für 2 Pers. 11 Yen, heiße Bäder frei, sehr geeignet zum Erholungsaufenthalt; Hôt. Naraya; Umeya Hotel, jap.; Photograph Shima, neben Fujiya Hôtel), beliebter Sommerfrische für Europäer im Talkessel des Hayakawa, in schöner Umgebung mit vielen Spazierwegen, reinster Luft, schwach salzhaltigen heißen Quellen (für Rheumatiker).

Miyanoshita liegt mitten im Hakone-Gebirge, das durch den Sattel von Gotemba mit dem Fuji-no-yama zusammenhängt. Wie unsre Karte sehr schön zeigt, besteht es in der Hauptsache aus einem großen Ringwall, einer alten Vulkanruine, in dem wieder ein kleineres Vulkangebirge aufsteigt, ähnlich wie der heutige Vesuvgipfel innerhalb der Somma. Der ringförmige Graben zwischen beiden ist im W. vom Hakonesee ausgefüllt. Nach O. gegen Odewara hat der Ringwall eine Öffnung, durch die die Straße über Yumoto heraufführt. Umgebung von Miyanoshita. Nach Kiga (1/4 St. talauf) zum Goldfischteehaus, oberhalb davon an steilem Hang das Teehaus Miharashi, d. h. »schöne Aussicht«; 1/4 St. weiter das Dorf Miyagino an beiden Ufern des Hayakawa; auf den *Sengenyama hinter dem Fujiya Hôtel 1/4 St. bis zum Gipfel (mit Teehaus u. *Aussicht); nach Kowaki-dani (Mikawaya Hôtel, halbeurop., 78 Z., Pens. von 5 Yen an, verhältnismäßig gute Küche, Schwefel-u. Eisenbäder; Kaikatei Hotel) 1/2 St.; nach Gora (heiße Quellen).—Ausflüge (1/2 Tag}: Auf den Myōjōgatake (Mukōyama) gegenüber Miyanoshita (anstrengend). —Auf den *Kamiyama (1440 m), den höchsten Gipfel des Hakone-Gebirges; Aufstieg 21/2 St., zum Teil ohne Weg (für Damen nicht geeignet); großartige *Aussicht auf die Surugabucht, die Sagamibucht und den Fuji.— Auf den Otome-tōge (Jungfernpaß) zu Pferd (1/2 Tag 2 Yen, 1 Tag 3 Yen), in Sänfte (mit 4 Kulis hin und zurück 3,20 Yen) oder zu Fuß 12 km bergauf über das Dorf Sengoku (von hier Aufstieg in 1 St. zum Kintokisan mit schöner Aussicht), wo der Aufstieg zum Paß beginnt; oben Blick auf die Ebene vor dem Fuji. NB. Wer von Miyanoshita aus den Fuji besteigen will, reitet über diesen Paß nach Gotemba (S. 384). Von Miyanoshita über den Hakonesee nach Atami (Pferd 31/2 Yen, Kuliträger je 1,50 Yen, Fußgänger nehmen Strohsandalen unter die Stiefel), etwa 25 km, wofür 7 St. Zeit mit Ruhepausen nötig. Der steile Bergpfad führt an Kowaki-dani und am Bentenyama (*Aussicht) vorbei nach (6 km) Ashinoyu (874 m; Gasthöfe: Matsuzakaya, europ. Betten und Essen; Kinokuniya), besuchter Badeort mit heißen Schwefelquellen (gegen Hautleiden und Rheumatismus), öde Umgebung, kühl und nebelreich im Sommer. —Der Weg ist weiterhin eben, l. drei Steindenkmäler für die beiden Nationalhelden Gebrüder Soga und die schöne Kurtisane Tora Gozen, und nahebei r. halb vom Gebüsch verdeckt ein Felsblock mit den Bildern der *Ni-jū-go Bosatsu (25 buddhistische Heilige), 1293 in den Stein gehauen. Etwas weiterhin liegt am Wege ein Felsen mit dem Riesenrelief *Rokudō no Jizō (Schutzheiliger der Reisenden etc.), vor dem am 23. Aug. ein Fest gefeiert wird.—Nun bergab zum

*Hakonesee (Ashi no ko), ein 6 km langer Bergsee am SW.-Abhang des Kamiyama (s. oben); man erreicht zuerst das kleine Dorf Moto-Hakone (Gasthof Matsuzakaya auf einer Terrasse am See, europ., empfohlen; Pens. 4-5 Yen tägl., in dessen Nähe am Tōkaidō Teehäuser und der japanische Gasthof Tsujiya. Dann auf einer hügeligen Halbinsel ein kaiserliches Sommerschloß (Rikyū) in europ. Bauart (kein Zutritt), mit bestem Blick über den See zum Fuji. Die Kryptomerienallee des Tōkaidō führt vom Schloß zum Ort *Hakone-machi (725 m; Hakone Hôtel, halb europ.), mit fleißigen Holzschnitzkünstlern, in herrlicher Lage am See, 11 km von Miyanoshita. Man suche die See-Ecke, in der sich der Fuji spiegelt (Hakone no saka-Fuji) auf. Europäische Familien nehmen Sommerwohnung im Ort, führen Hausstand mit eigner Dienerschaft. —Seitwärts vom Tōkaidō liegt 1/4 St. von Hakone der stimmungsvolle Tempel *Gongen, zu dem Stufen mit prächtiger Kryptomerienallee hinanführen, in uraltem Wald von Pinien, Eichen, Föhren, Ahorn, Kastanien, mit Farren; viele Torii und Steinlaternen. Unterhalb des Tempels stand am Tōkaidō bis 1871 das alte Straßensperrtor (Hakone no seki), wo die nach Yedo (Tōkyō) Reisenden (auch der erste europäische Japanreisende Kaempfer 11. März 1691) die Pässe vorzeigen mußten. —Von Hakone kann man auf dem alten Tōkaidō über das Dorf Hata (Wirtschaft) zu Pferd oder in Sänfte bequem in 4 St., zuletzt durch schöne Landschaft zurück nach Yumoto (S. 386), gelangen. Auf dem Hakonesee Bootsfahrten. Nach der Mittagsrast in Hakone südl. bergauf und bergab (Führer unentbehrlich) zum *Jikkoku-tōge (Zehnprovinzenpaß), 980 m, mit prächtiger *Aussicht auf den Stillen Ozean und zehn japanische Provinzen sowie auf den Fuji. Die Paßhöhe liegt etwa 10 km von Hakone, etwas weiter unterhalb ein Teehaus; dann folgt steiler Abstieg etwa 4 km nach Atami (Atami Hôtel, europ.; Fujiya und andre jap.), besuchtem Badeort (Hauptzeit im Winter) an der Meeresküste, mit heißen Quellen und einem *Geiser (Oyu); er sprudelt alle 4 St. mitten im Ort aus der Erde hoch, ist aber gefaßt und hat eine Inhalationshalle (Kyūkikwan) für Kehlkopf-und Lungenleidende. Der Geiser wurde schon 749 vom buddhistischen Abt Mangwan besucht. Vor Atami liegt die Insel Ōshima mit Vulkan. —Von Atami am nächsten Tage mit Kleinbahn (Keiben Tetsudō) in etwa 3 St. 28 km längs der Japanischen Riviera an der gebirgigen Küste der schönen Odawarabucht, vorbei an den malerischen Fischerdörfern Izusan, Yugawara (4 km landein heilkräftige Thermen gleichen Namens), Yoshihama, Fukuura, Manazuru (am gleichnamigen Kap), Enoura, Nebukawa und Komekami (sämtlich mit Teehäusem zum Erfrischen) nach Odawara (S. 385): von da in 1/2 St. mit elektr. Straßenbahn nach Kōzu.

Von Kōzu (S. 385) führt die Tōkaidōstaatsbahn über (484 km) Ōfuna (Zweigbahn nach Kamakura, S. 391) nach (502 km) Yokohama (S. 388), wo Fernschnellzüge nicht am Hauptbahnhof, sondern auf dem Vorortbahnhof Hiranuma, 3 km nördl. von der Stadt, halten.

Dampferfahrt Kōbe-Yokohama in etwa 28 St. Von Kōbe (S. 361) mit SW.-Kurs durch die Idzumi Nada (S. 358) und die malerische Yurastraße zwischen dem Ostkap von Awaji-shima und der kleinen Insel Tomoga-shima hindurch, dann südl. bis Kap Hiino Misaki, von da durch den Kiikanal sö. längs der Küste nach (100 Seem.) Kap Shiwo Misaki mit Leuchtturm; nahebei die mit Fischerdörfern dicht besetzte Insel Ōshima, Mittelpunkt des japanischen Walfischfanges, von der ab durch den Stillen Ozean auf Kap Irosaki (Südspitze der Halbinsel Izu an der Ostseite des Surugagolfs) mit ONO.-Kurs gesteuert wird, bis der Leuchtturm der (174 Seem.) Felseninsel Mikomoto umsteuert ist; diese Fahrt wird oft durch Seegang unbequem. Nun läuft der Dampfer zwischen der Ostküste von Izu und der vulkanischen Vriesinsel (Oshima) mit dem 760 m hohen, stets rauchenden Vulkan Mihara durch und mit nö. Kurs in den Uragakanal ein, der in den Golf von Tōkyō führt; in ihm liegt der (348 Seem.) Hafen von Yokohama.

Plan von Yokohama.

Plan von Yokohama.
Plan von Yokohama.

Yokohama.

Vgl. den beifolgenden Plan.

Ankunft zur See. Von Kannonsaki, dem Kap am NW.-Ende des Uragakanals, in dessen Nähe die Seestadt Uraga (S. 392) liegt, steuert man am Kriegshafen Yokosuka (S. 392) l. vorbei mit nw. Kurs in den Hafen Yokohama, wobei man öfter den Fuji (S. 384) sieht. Der Dampfer läuft dann durch die großartigen Molenbauten in den gut geschützten Hafen. Die Postdampfer des Nordd. Lloyd und der Canadian Pacific legen an dem neuerbauten Kai und neuen Zollschuppen (Zolldurchsicht; vgl. S. 349) der Nippon Hatoba, die der Messageries Maritimes an der etwa 600 m langen Pier im südl. Teil des Hafens an, was bequemes Ausschiffen der Reisenden ermöglicht; Aus-und Einbooten fällt weg. An der Wurzel dieser Brücke liegt an der English Hatoba (Bootshafen) das alte Zollamt (hier Zolldurchsicht für an der Pier anlegende Dampfer). Ausschiffung mit Sampan von nicht am Kai oder Pier anlegenden Dampfern etwa 25 sen 1 Pers., mit Gepäck 50 sen. Ankunft mit der Bahn, von Kōbe kommend (S. 361), am Hauptbahnhof der Tōkaidōbahn nahe der Nippon Hatoba und der neuen Zollschuppen; Fernschnellzüge halten nur auf dem Vorortsbahnhof Hiranuma. Gasthöfe: Oriental Palace Hôtel, Bund 11 (Pl. a, E 3), gut eingerichtet, gutes Essen; 80 Z. mit Bad, Ged. 1, 1,50 u. 2, Pens. von 7 Yen an; Dampfpinasse zu jedem Dampfer, Wagen zu haben.—Grand Hôtel (A.-G., amerikan. Manager), Bund 18-20 (Pl. b, E 3), Dampfpinasse zu jedem Dampfer, Pens. 7-10 Yen.—Club Hôtel, Bund 5 (Pl. c, D 3), älter und weniger gut eingerichtet (Neubau beabsichtigt), Pens. 5-10 Yen; Dampfpinasse zu jedem Dampfer.—Royal, Mainstreet 87 (Pl.a, E 3); 50 Z., Pens. 4-5 Yen; Kegelbahn. —De Paris, Mainstreet 80 (Pl. d, D 3), gute Küche, deutscher Verkehr. —Wright's Hotel, Waverley House Nr. 40 (Pl. f, D 3); 30 Z., Pens. 4,50-6 Yen; Dampfpinasse zu jedem Dampfer.—The Pleasanton, Nr. 17 (Pl. g, E 3).—Windsor, Nr. 32.—Imperial (A. Richter), Yama-shita-cho 133a (Pl. h, D 3), 10 Z. zu 1, F. 0,80, Ged. 1,20, Pens. 4 Yen; bescheiden (Seeleute). —Bluff Hôtel, Bluff 2 (Pl. i, E 5). —Mankako, Sakai-chō 36, japan., billig. Restaurants in den meisten Gasthöfen; außerdem am Hauptbahnhof, 1 Treppe.—Japanisches Essen: Chitose, in Sumiyoshi-chō, Roku-chōme und Yaomasa, in Aioi-chō, San-chōme.— Teehaus »Zu den 101 Stufen«, sehenswerte Fremdenbücher; altberühmt. Brauerei: Kirin, Bluff 123, die bedeutendste Brauerei Japans, deutscher Braumeister (E. Eichelberg). Post, Telegr. und Fernspr.: Hauptamt und Präfektur (Kencho) im Raum zwischen dem Fremdenviertel und der japanischen Stadt, nahe beim Zollamt. —Kabel über Bonininseln nach Guam (Marianen). Rikschas nach fester Taxe, stündl. 30 sen mit 1, 60 sen mit 2 Kulis.— Straßenbahnen mehrere Linien, eine über Kanagawa bis Tōkyō, vgl. den Plan.—Reitpferde zu haben. Eisenbahnen. Die Tōkaidōstaatsbahn führt nach Tōkyō und Kōbe mit Zweiglinie nach Yokosuka und Anschlüssen an das japanische Bahnnetz; vgl. S. 345. Dampfer: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd alle 14 Tage Sa. über Kōbe und Nagasaki oder Tsingtau nach Schanghai und Europa; Agentur: H. Ahrens & Co. Nachf., Waterstreet 29; (Tel.-Adresse: Nordlloyd); Spediteure: Helm Brothers, Bund 43, und Nickel & Co., Nr. 40.—Hamburg-Amerika Linie (Agentur: C. Illies & Co.), Tel.-Adr.: »Paketline«.—Österreichischer Lloyd, monatlich über Kōbe nach Europa; Agenten Samuel Samuel & Co., Nr. 27. —Messageries Maritimes, alle 14 Tage über Kōbe nach Europa; Agent P. de Champmorin, Bund 9.—Chargeurs Réunis, etwa alle vier Wochen nach San Francisco, Mexiko etc.; Agent Oppenheimer Co., Yamashita-chō 167.— Peninsular & Oriental Co., etwa alle 14 Tage bis 4 Wochen über Schanghai nach Europa; Agent Abbot, Bund 15.

— Canadian Pacific Railway & Ocean Steamship Service, je alle 14 Tage über Kōbe, Nagasaki und Schanghai bis Hongkong u. nach Vancouver; Agent Payne, Bund 14.—Pacific Mail S. S. Co., u. Tōyō Kisen Kaisha, abwechselnd alle 7-10 Tage über Kōbe, Nagasaki und Schanghai bis Hongkong und über Honolulu nach San Francisco; Agent Howard, Waterstreet 4 (wegen der Fahrpreise beachte S. 347).—Nippon Yūsen Kaisha (Billettagentur Bund 10), jeden 3. Tag nach Otaru, anlaufend alle Häfen der japanischen Westküsten, und nach Kōbe; alle 14 Tage nach Europa über Schanghai, nach San Francisco u. nach Australien; monatlich nach Bombay. —Great Northern S. S. Co., über Manila nach Hongkong u. nach Seattle; Agentur Nippon Yūsen Kaisha, Bund 10.—Abfahrtszeiten aller Dampfer enthalten die Tageszeitungen! Gepäck kann gut und sicher gegen geringe Abgabe in dem eisernen Schuppen der Neuen Kaianlage (Nippon Hatoba) gelagert werden; man wende sich an die Landungsagenten des Norddeutschen Lloyd. Banken: Deutsch-Asiatische Bank, Nr. 180.—Yokohama Specie B. Ltd. (japan. Shōkin-Ginkō), Minami Nakadōri; beide Korr. der Deutschen Bank. —Hongkong & Shanghai Bank, Nr. 2.— Chartered Bank of India, Australia & China, Nr. 179. Alle vier Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Russo-Asiatic Bank, Nr. 77, und viele andre. Alle nur von 10-3 Uhr, Sa. nur 10- 12 geöffnet. Theater: Minato-za, Sumiyoshi-chō. —Hagoromo-za, Hagoromo-chō.— Singspielhallen in Basha-michi-dōri und Isezaki-chō.—Europäische Konzerte und Theateraufführungen gelegentlich im Gaiety Theatre, Bluff 257. Polizei: Hauptamt im Kenchō.— Fremdenführer der Oriental Guides Society, Tōyō Tsūben Kyōkwai, Yamashita-chō 32, erhalten 2,50 Yen tägl. für 2 Pers., 50 sen tägl. mehr für jede weitere Pers., dazu freie Reise und Verpflegung.—Kaiyūsha (Guides' Association), Motomachi, Itchōme 76 (Telephon Nr. 829), 3 Yen tägl. für 1-2 Pers., 50 sen für jede Pers. mehr, dazu Reise-und Verpflegungskosten. Reisebureau: Thos. Cook & Son, Water Street 32.—International Sleeping Car Co., Bund 6. Konsulate: Deutsches Reich, Bund Nr. 17; Generalkonsul v. Syburg.— Österreich-Ungarn, Konsul Koller.— Deutscher Klub: Germania, Mainstreet Nr. 235; Einführung durch ein Mitglied; Lesezimmer, Kegelbahn, Billards.—Yokohama United Club, Bund 4b.—Freimaurerloge (Masonic Temple), Mainstreet 78. Ärzte: Dr. Reidhaar und Dr. Paravicini (Office: Mainstreet 74).—Zahnarzt: Dr. F. Wolf, Mainstreet 50 I, 9-5 Uhr.—Deutsche Apotheke (Normal Dispensary Ltd.), Mainstreet 77, L. Kiefer.—Bretts Pharmacy von Brett & Co., Mainstreet 60.—North & Rae, Mainstreet 79. Buchhandlungen: Geiser u. Gilbert, Mainstreet 77; deutsches Haus.—Kelly & Walsh, Mainstreet 60.—Maruya, Benten-dōri.—Zeitungen: Deutsche Japanpost, Redaktion Yamashita-chō 60 (Mainstreet), wöchentlich, jede Nr. 40 sen.—Tagesblätter: Japan Daily Advertiser (jetzt in Tōkyō herausgegeben), Japan Gazette, Japan Herald, Japan Mail, Japan Times (in Tōkyō).—Wochenschriften: Box of Curios.—Photographen: Tamamura, Benten-dōri 2.—Kimbei, Honchō-dōri. —Farsari, Waterstreet 32. Geschäftsadressen (man kaufe in Yokohama Seide, Altertümer, Elfenbein): Europ. Reiseausrüstung: Lane, Crawford & Co., Mainstreet 59.— Mundvorräte für Reisen: Curnow, Mainstreet 82, Langfeldt Co., Mainstreet 71, Lane Crawford.—Ausfuhr von Japan. Pflanzen und Samen: L. Boehmer & Co., Bluff 28;—Nursery Company, Nakamura Bluff.—Huthandlung: Omiya & Co., Sakaichō 24, 25, 32.—Japanische Kunstsachen (Curio Dealers): Arthur & Bond, Waterstreet 38, Samurai Shōkwai, Honchō Itchōme, und viele andre. —Seide: Iida Takashimaya, Mainstreet 81;—Nozawaya, Benten-dōri;— Yamamoto, Benten-dōri 1 und Honchō-dōri 17;—Shieno; Honchō-dōri 19; Iwata, Honchō, und viele andre.— Cloisonné-Sachen: Gotō, Uchida-machi. —Musashiya, Honchō-dōri.—Bronze: Katō, Benten-dōri, Hashimoto, Ōtamachi.

—Porzellan: Tashiroya, Benten-dōri; —Watano, Benten Bashi 8;— Matsuishiya u, Echigoya, Honchō-dōri. —Spielsachen: Nagai, Honchō-dōri. —Bambussachen: Moriyasu, Benten-dōri; —Tanabe, Motomachi.—Papierwaren: Hasegawa, Hōrai-chō;—Ishii, Ōtamachi.

Yokohama, bedeutendster Ausfuhrhafen Japans, liegt auf 35° 36' nördl. Br. (etwa wie Tanger), inmitten der wichtigsten Tee- und Seidebezirke, an der SO.-Küste der Insel Hondo, am SW.-Ufer der Yokohama-Bai, einem westlichen Einschnitt der Tōkyō-oder Yedobai, 37 km von der Einfahrt in diese durch die Uragastraße und ist durch Eisenbahn mit dem 22 km nnö. gelegenen Tōkyō verbunden. Es hat eine gute Reede und ein großes Hafenbecken, das von zwei Wellenbrechern mit durch zwei Leuchttürme gekennzeichneter Einfahrt eingeschlossen ist und an dem ein 600 m langer Hafendamm (Pier), große neue Kais mit geräumigen Lager-und Zollschuppen, drei Trockendocks und ein Schwimmdock (Yokohama Dock Co.) etc. angelegt sind. An den breiten Kai mit kleinern Wellenbrechern, die die English Hatoba (»Hafen«) und French Hatoba, letztere nur für kleine Fahrzeuge bestimmt, bilden, schließt sich die regelmäßig angelegte Stadt, die in drei Teile geschieden ist. Im östlichen liegen die großen europäischen Waren-und Bankhäuser, Gasthöfe und Klubhäuser, im mittlern die Präfektur, das Stadthaus, Hauptpost-und Telegraphenamt (besondere Gebäude für die Auslandpost), Zollhaus etc. in großen Gebäuden; im westlichen die japanische Stadt aus den üblichen Holzhäusern, dazwischen hier und da die mit dicken Lehmwänden gepanzerten feuersichern Speicher (Dozō), worin bei Feuersbrünsten alle wertvolle Habe untergebracht wird. Die Stadt, bis 1855 ein kleines Fischerdorf, wurde damals infolge der mit dem Ausland geschlossenen Verträge dem fremden Handel geöffnet und entwickelte sich seitdem zur ersten Handelsstadt Japans mit (1911) 419630 Einw., darunter 9923 Fremde (6217 Chinesen, 1590 Engländer, 813 Amerikaner, 436 Deutsche, 258 Franzosen, 138 Portugiesen, 114 Schweizer). Es ist Sitz einer Handelskammer, eines kaiserlichen Laboratoriums für Hygiene und hat mehrere Kirchen, eine deutsche Schule und Kirche im »Deutschen Haus« (Bluff 25), mehrere englische Schulen sowie das St. Joseph's College (von franz. Patres geleitet); ferner mehrere japanische Krankenhäuser, das Yokohama General Hospital für Europäer (Bluff 82) und je ein deutsches, englisches und amerikanisches Marinelazarett.—Die Ausfuhr umfaßt Seide und Seidenstoffe, Tee, Kupfer, Holzwaren, Porzellan, Streichhölzer, Lackwaren; die Einfuhr Baumwollengarne, Woll-und Baumwollenstoffe, Zucker, Petroleum, Alkohol, Indigo, Metallwaren.

Rundfahrt. Man fahre durch die Waterstreet und Mainstreet der Fremdenniederlassung (Yamashita-chō), wo sich die besten Läden zu Einkäufen, wie Seidenstoffe und Seidenstickereien, Lacksachen, Bronzen, Cloisonné, Satsuma-und andres Porzellan, japanische Altertümer und Kunstsachen, Elfenbeinschnitzereien etc., befinden. Zu billigern Einkäufen hat man bessere Gelegenheit im japanischen Stadtteil, Honchō-dōri und Benten-dōri. Am Bund, der Hafenstraße, liegen das deutsche Konsulat, der United Club und die größten Hotels. Nachmittags fahre man auf den Bluff (Yamate-chō), am Südende der Stadt, wo in hübschen Gärten die Villen der Europäer und Amerikaner liegen; dort auch das deutsche Marinelazarett (Bluff 40). Am Südende der Mainstreet gelangt man über die Brücke Moita Bashi zur 101-Stufentreppe, die steil auf den Bluff führt, oben bei einem altberühmten Teehaus schöne *Aussicht über Stadt und Hafen. Vom Bluff schöne Spazierfahrten südl. über Kitagata zur Mississippibucht; mehrere gute Teehäuser am Mandarin-Bluff; in Hommoku viele Teehäuser und guter Badestrand, auch in Takigashira dicht am Strande, in lebhaften Fischerdörfern; an der Mississippibucht schön gelegen ein deutsches Gartenrestaurant (an Stelle des 1911 abgebrannten Makado-Hotels, Besitzer C. Hahn). Weiterhin um den Rennplatz herum (bei Negishi) ein schön bewaldeter Weg mit lieblichen Landschaftsbildern; zurück über Nakamura oder Kuraki.

Seitentour: Yokohama-Kamakura-Enoshima-Kanazawa-Uraga.

Man rechne für Kamakura und Enoshima und zurück nach Yokohama 1 Tag, außerdem für Kanazawa 1 Tag, Uraga 1 Tag, Misaki 2 Tage.

Mit der Tōkaidōbahn vom Hauptbahnhof in Yokohama sö. über (4 km) Hodogaya und (13 km) Totsuka nach (18 km) Ōfuna, wo man meist in die Zweiglinie umsteigen muß, die in die Sagami-Halbinsel nach Yokosuka führt; erste Station ist *Kamakura (Kaihin-in-Hôtel, gelobt, großartiger Neubau, europ., in einem Piniengehölz in Yuigahama, 1/4 St. mit Rikscha oder Hoteldroschke, am schönen Strand der Sagamibucht; Mitsuhashi, Japan. Gasthof, ebenfalls gut), alte Hauptstadt Ostjapans im 12.-15. Jahrh., jetzt ein stilles Dorf und beliebter Sommerausflug, berühmt durch den *Daibutsu, eine große und schöne, sitzende Buddhafigur aus Bronze, 15 m hoch, 30 m Umfang, Gesichtslänge 2,6 m, Nasenlänge 1,1 m; die Figur ist 1252 erbaut, ihr Tempelumbau ist zweimal, 1369 und 1494, durch Erdbebenflutwellen zerstört worden und seitdem nicht erneuert; im Innern Altäre und eine Treppe bis zu halber Höhe der Statue (Trinkgeld dem führenden Bonzen). Der Daibutsu steht in einem schönen Tempelpark mit Bambus, Kiefern, Kirschbäumen u. dgl.; seitwärts ein hübscher Lotosteich. Ein Seitenweg führt auf eine Anhöhe mit schöner *Aussicht zum Kwannontempel (Hase no Kwannon), mit braungoldiger Figur der Göttin in einer dunkeln Nische, die der führende Bonze mit Kerzen beleuchtet; dicht beim Tempel ist der steile Abhang Inamura-ga-saki. Der Hachimantempel (Tempel des Kriegsgottes), 1073 von Minamoto Yoriyoshi in Yuigahama erbaut, wurde 1193 von Yoritomo auf den Hügel Tsuru-ga-oka verlegt, wo er jetzt steht. Vom Strand aus führt eine prächtige Kiefernallee und breite Steintreppe mit drei Torii hinauf. In der Nahe ein 1000jähriger Ichōbaum (Gingko biloba, eine Konifere, scheinbar Blätter tragend) von fast 6 m Umfang, neben dem der Shōgun Sanetomo 1218 ermordet wurde. Hinter dem Hachimantempel eine reichhaltige Waffensammlung.—Unter den vielen kleinern Tempeln im Gelände von Kamakura ist der Ennōji erwähnenswert, mit berühmter Holzfigur (Arai-no-Emma) des Höllenfürsten Emma-Ō, geschnitzt von Unkei; die Figur wird nur auf besonderes Verlangen vom Bonzen (gegen Trinkgeld) gezeigt. Auch ein heiligen Tauben geweihter Tempel, dessen Tauben so zahm sind wie auf dem Markusplatz in Venedig, ist sehenswert.

Von Kamakura fährt man mit elektr. Straßenbahn etwa 6 km erst durch eine malerische Schlucht, dann längs des Strandes der prächtigen Sagamibucht durch die Dörfer Koshigoe und Katase zur heiligen Insel *Enoshima (Gasthöfe: Iwamoto-in u. Ebisuya im Dorfe; Kinkirō höher über dem Dorfe, besser), die bei Niedrigwasser durch eine trockene Sandbank mit dem Lande verbunden ist; eine schmale, hölzerne Brücke führt zur Insel. Auf ihr das malerische Fischerdorf Enoshima (Seebad), wo Muscheln, Korallen und maritime Seltenheiten feilgeboten werden; ferner ein Wäldchen, Tempelhaine und Gärten. Die Insel ist der Glücksgöttin Benten geweiht (welche die Insel von einem Drachen befreite, indem sie ihn heiratete!). In der 113 m langen und im Eingang 9 m hohen Höhle an der Seeseite (in der der Bentendrache hauste) stehen Verkaufsbuden und kleine Shintōschreine.—Den Rückweg von Enoshima kann man mit Rikscha oder elektr. Bahn über das Seebad Kugenuma (Gasthof Kōshōkwan) nach (4 km) Stat. Fujisawa und von da mit Bahn nach Yokohama nehmen.

Von Yokohama kann man auch mit Rikscha (2 Mann) auf 10 km ebenem und dann 8 km hügeligem Weg über den Ort Seki nach Kanazawa fahren; hinter Seki, beim Orte Tanaka, führt r. ein Seitenweg von 3 km auf den Hügel Mine, oben prächtige *Aussicht; dann führt der Weg von Tanaka durch liebliche Landschaft (»Plains of Heaven«, Himmelsebenen von den Fremden genannt) zum Teehaus Nokendo, das unter der »Pinsel-Wegwerfe-Kiefer« Fude-sute-matsu steht (nach der japanischen Legende vom Künstler, der einst seinen Pinsel verzweifelt hier fortwarf, weil er die allzu schöne Landschaft nicht malen konnte). Bald wird das Seebad Kanazawa (Gasthöfe: Chiyo-moto; Azumaya) an der kleinen Mutsurabucht erreicht, berühmt durch das *Landschaftsbild Hakkei vor dem Dorfe. In der Nähe, bei Nojima, liegt ein besuchter Päoniengarten (mit 300jährigen Pflanzen). Von Kanazawa kann man mit Rikscha längs der Küste der Tōkyōbucht nach Yokohama zurückgelangen, etwa 30 km.

An der Ōfunazweigbahn (S. 391) ist die nächste Station hinter Kamakura Zushi, der Bahnhof für das reizende Seebad Hayama (Gasthöfe: Hirayama Hotel; Chōjaen), das 2,5 km sw. von Zushi an der Sagamibucht liegt. Etwa 3 km sö. von Hayama liegt das vorzügliche Seebad *Chōjasaki mit gutem Gasthof; in der Nähe ein Winterschloß des Kronprinzen. Endstation der Ōfunazweigbahn ist Yokosuka (Photographieren verboten! Gasthof: Mitomiya; europ. Restaurant: Kaiyō-ken, nahe der Marinewerft), wichtige Marinestation mit großer Werft und Stadt von 25000 Einw.; auf dem Hügel 1/2 St. vom Bahnhof *Aussicht und Grab von Will. Adams, des ersten Engländers, der von 1600 bis 1620 in Japan lebte. Von Yokosuka fährt man mit Rikscha auf schönem Wege (halbwegs in Ōtsu eine Wirtschaft an gutem Badestrand) 7 km bis Uraga (Gasth. Tokudaya in Higashi-Uraga), Hafenstadt an beiden Seiten einer schönen, schmalen Bucht, mit zwei großen Trockendocks und lebhaftem Schiffsverkehr; Dampfergelegenheit nach Tōkyō täglich; Fahrzeit 4 St. Von Uraga Ausflug mit Rikscha 16 km nach Misaki (Gasth. Aoyagi) am Südende der Sagamihalbinsel; etwa 3 km nördl. davon liegt das Maritimbiologische Laboratorium (Misaki Rinkai Jikken-jō) der kaiserlichen Universität von Tōkyō.—Von hier kann man längs der Küste der Sagamibucht mit Rikscha 20 km nach Chōjasaki (s. oben) und dann über Zushi nach Yokohama zurückgelangen.

Eisenbahn Yokohama-Tōkyō (29 km), die älteste Bahnstrecke Japans, 1872 eröffnet, jetzt zur Tokaidōbahn gehörig; Fahrzeit 28-54 Min. Vom Hauptbahnhof über die Vorstadt (3 km) Kanagawa (das einst an Stelle des jetzigen Yokohama dem Fremdhandel diente) Higashi-Kanagawa (Zweigbahn nach Hachiōji), Tsurumi, Kawasaki, Kamata (Irisgärten), Ōmori nach (24 km) Shinagawa (umsteigen, wer die Vorortbahn oder die Nordbahnen von Tōkyō benutzen will). Die Fahrt bietet l. schöne Ausblicke auf den Fuji (S. 384), auf Dörfer, Brücken, Reisfelder und Kirschbaumpflanzungen (während der Blütezeit ein liebliches Bild). Kurz vor Tōkyō r. Ausblick auf die Tōkyōbucht und die Hafenbefestigungen (alte, von Niederländern gebaute Forts). Dann durch Vorstädte mit vielen Fabrikschornsteinen und vorbei am Shibapark und dem Sommerpalast Hama Rikyū zum Hauptbahnhof (Shimbashi) von (29 km) Tōkyō.

TOKYO.
TOKYO.

Tōkyō.

Vgl. beifolgenden Plan.

Ankunft mit der Bahn, von Yokohama kommend am Shimbashibahnhof, von Nikkō kommend am Uenobahnhof, 7 km nördl. von ersterm; über Stadtbahn s. unter Eisenbahnen. Gasthöfe: Imperial, japanisch Teikoku Hotel genannt (A.-G.; Pl. a), unter japanischer Leitung, nahe dem Kaiserpalast, dem Shibapark und den Gesandtschaften in Uchiyamashitachō, 5 Min. mit Rikscha vom Shimbashibahnhof; 100 Z. 4-15, F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Pens. 7-20 Yen; vergrößerter Neubau in der Nähe, für 250 Z., beabsichtigt.—Central (im Fremdenviertel), Tsukiji 12 (europ. Leitung); 25 Z., Pens. 5-8 Yen.— Seiyōken, in Tsukiji, Uneme-chō 33 und im Uenopark.—Atago (Tōkyō Hôtel) auf dem Atago-Berge (berühmte Fernsicht), sehr gut, Pens. 5 Yen. Restaurants: Europäisches Essen: Shimbashi-Bahnwirtschaft (eine Treppe hoch im Bahnhof).—Yūraku-en, gegenüber dem Bahnhof, von europäischen Kaufleuten besucht, gutes Essen.— Fūgetsu-dō, Minami Nabe-chō, bei der Ginza-Straße.—Seiyōken, im Uenopark, gut.—Kwagetsu Kwadan, am Ende der Mukōjima-Allee.—Sanen-tei, im Shibapark.—Fujimi-ken, auf dem Kudanhügel (gegenüber Shōkonshapark), mit Zweighaus nahe der britischen Gesandtschaft.—Matsumoto-rō, Hibiyapark.—Japanisches Essen: Shin-Kira, Kobiki-chō, Nähe des Shimbashibahnhofs. —Yaozen, in San-ya, Asakusa.—Yaomatsu, in Mukōjima; Hirasei, in Fukagawa.—Tokiwaya, in Hamachō, Kyū Hana-Yashiki. Post, Telegr. u. Fernspr.: Hauptamt Yedo-bashi, Nebenämter in jedem Stadtteil. Wagen: Tōkyō Basha Kaisha, beim Shimbashibahnhof; Toda, im Grundstück des Imperial Hôtel; andre Gesellschaften in Tsukiji und Kanda. Preise: Victoria einspänn. 1/2 Tag 3,50, 1 Tag 6 Yen; zweispänn. 1/2 Tag 5, 1 Tag 7-8 Yen; Landau zweispänn. 1/2 Tag 5,50-6, 1 Tag 9-10 Yen.—Automobile: Ōkura Motor Car Co., Tōkyō Motor Car Co. (Yūraku-chō 1, chōme 3), Yamaguchi, Tsukiji, sehr teuer, für Fahrten innerhalb der Stadt wenig empfehlenswert.—Rikschas werden allgemein benutzt.

Preise stündl. wenigstens 20 sen mit 1 Kuli, 40 sen mit 2 Kulis (vorher ausmachen); das Imperial Hôtel hat bestimmten gedruckten Tarif für Entfernungen. Zweckmäßig ist es, am Shimbashibahnhof eine Rikschafahrkarte mit Preisangabe für die betreffende Strecke zu nehmen und Kuli rufen zu lassen.—Straßenbahnen in zahlreichen Linien fast nach allen Punkten der Stadt (sehr zu empfehlen), von Shimbashi ohne Umsteigen nach Ueno, Asakusa, Shinagawa etc.; Fahrpreis überallhin 5 sen (Fahrscheinhefte mit Ermäßigung; man verlange vom Schaffner Umsteigebillett, nori-kae-gippu, wo erforderlich). Eisenbahnen: Vom Shimbashibahnhof die Tōkaidōbahn nach Yokohama und Kyōto. Von der Gofuku-bashi-Station im Zentrum der Stadt (unweit Nippon Ginkō) die Ringbahn, die innerhalb der Stadt als Hochbahn läuft, nach der Karasumori-Station beim Shimbashibahnhof, von da durch die Vororte nach (26 km) Akabane an der Nordbahn und von da nach dem Ueno- Bahnhof.—Von der Yorozuyobashi-Station (Kanda, bei Suda-chō) die Stadtbahn nach Shinjiku (Anschluß an die Ringbahn), von da nach Kōfu.—Vom Ueno-Bahnhof die Nordbahn nach Nikkō und (735 km) Aomori sowie nach Mito (Ostküstenbahn) und Sendai.— Vom Ryōgoku-Bahnhof eine Linie nach Chiba, Ohara etc.; vom Asakusa-Bahnhof über Kanegafuchi nach Ashikaga und Isezaki (Tōbubahn).—Fahrpläne in den Hotels.—The East Asiatic Commercial Intelligence Institute of the South Manchuria Railway Company, in Tōkyō, Azabu-Mamiana Nr. 4, gibt Auskunft über die unter japanischer Verwaltung stehende Südmandschurische Bahn, vgl. S. 324. Dampfer (klein und unbequem) tägl. nach Yokosuka, Uraga (S. 392) und allen Plätzen im Golf von Tōkyō. Banken: Yokohama Specie Bank (Korresp. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig); Nippon Ginkō (»Bank von Japan«) und viele andre. Theater: Kabukiza (Pl. 22), Kobiki-chō. —Meijiza, Hama-chō.—Hongō-za, Haruki-chō.—Tōkyō-za, Misaki-chō. —Shintomi-za, Shintomi-chō.—Ganz in europäischem Stil das Yūraku-za und das 1911 eröffnete moderne Theater Teikokuza, in der Yūraku-chō (Zentrum der Stadt, unweit Imperial Hôtel, gegenüber der Rückseite des Kaiserpalastes. Ringkampfspiele bei Ekō-in, Honjō, je 10 Tage im Frühling und Winter.—Teehäuser (mit Tanzaufführungen): Kōyō-kwan (Red Maple Club) im Shibapark, Einführung besorgt der Gasthofsbesitzer.—Nakamura-rō, in Ryōgoku.—(NB. Die großen Theater mit berühmten Schauspielern sind im Sommer geschlossen; in jedem Theater spielen entweder nur Männer oder [seltener] nur Frauen, man frage vorher.) Reisebureaus: T. Minami & Sons, Tourist Agency, Rogetsu-chō 3, Shibaku (Fernsprecher: Amt Shimbashi, Nr. 3370), besorgt Fahrkarten für alle Dampferlinien und Bahnen; stellt Reiseführer, besorgt Post, Telegramme, Bankgeschäfte, Gepäck; hält Reisehandbücher vorrätig, gibt »The Excursion Journal« heraus (beachtenswert!). —Welcome Society, Yūrakuchō Itchōme 1 (in der Tōkyō-Handelskammer; vgl. S. 345).— »Guide-Book for Tourists of Japan« der Welcome Society, 5. Aufl. 1910 (gut).—The Musashino, Monatsschrift für Fremdenverkehr, herausgegeben vom Imperial Hôtel (ein Heft 10 sen).—Fremdenführer: G. Iguchi, Meguro Shinfuji 1; Liste andrer, auch Deutsch sprechender Führer im Hotel; vgl. auch S. 345. Gesandtschaften: Deutsches Reich (Pl. 1), Botschafter Graf Rex.—Österreich-Ungarn (Pl. 2): Botschafter Freih. Call v. Rosenburg.—Schweiz: Gesandter de Salis. Polizei in jedem Stadtviertel. Arzt: Dr. Teusler im St. Luke's Hospital. —Die Professoren der medizinischen Fakultät der kaiserl. Universität sprechen sämtlich Deutsch und sind fast alle in Deutschland ausgebildet; darunter sind gute Spezialisten. Buchhandlungen: Z. P. Maruya & Co. Ltd. (Maruzen Kabushiki Kaisha), Nihombashi, Tōri Sanchome.—Geiser u. Gilbert, deutsch, Kanda-ku, Kaji-chō 23.—Kyōbunkwan (Methodist Publishing House), Ginza Shichōme.—Nankōdō, Hongō, deutsche Bücher.—Hasegawa, Shitaya-ku, Kami-Nogishi 17 (jap. Kunstdrucksachen); für farbige Holzschnitte: Kobayashi, Asakusa Komakata. —Zeitungen: Japan Times (tägl.; jap.); Japan Advertiser (amerik.-engl.); vgl. auch Yokohama, S. 389.

Klubhaus der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens: Kanda, Imagawa-kōji Itchōme 8, unterm Kudanhügel. Daselbst sehr wertvolle Bibliothek über Ostasiatica. Deutsche Stube mit Bücherei und Leseraum ist im Seminar für fremde Sprachen eingerichtet. Photographen: Oka, Kojimachi, Dotei sambancho 8 (spricht Deutsch). —Maruki, Azabu.—Okamoto, Ginza, Sanchōme (nahe dem Shimbashibahnhof); auch Kakemonoverkauf und Dunkelkammer verfügbar.—Ogawa, Kyōbashi Hiyoshi-chō 13.—Photographische Artikel: Asanuma & Co., Honchō Nichōme.—Kimbei, Takekawa-chō, Ginza. Geschäftsadressen: Basare (Kwan-kōba) mit festen Preisen an der Shimbashibrücke, im Shibapark, im Uenopark (Shōhin Chinretsu-jō) etc.— Europäische Lebensmittel: Kameya, Ginza Takekawa-chō.—Japanische Kunstsachen (Curio dealer): Ikeda, Owari-chō Nichōme 13; Jōkō, Kyōbashi Yomi-chō; Kōko-Dō, Nakabashi Izumichō, und viele andre in Naka-dōri (parallel zur Hauptstraße zwischen Kyōbashi und Nihombashi).—Elfenbeinschnitzereien: Maruki, Sukiya-chō Nihombashi 6; Toyama Shōten, Ginza, Nichōme, Kyōbashiku; Kaneda, Naka-dōri. —Cloisonné-Sachen: Ando, Motosukiya-chō Ginza; Namikawa & Co., 8 Shin-Yemoncho, Nihombashi; Ueda, 2 Saegi-chō, Kyōbashi.—Porzellan: Mikawaya, Owari-chō, Itchōme; Kōno, 18 Shiba Tamachi, Shichōme (für Satsuma). —Bronzewaren: Mikawaya, Sotokanda, Hatago-chō Itchōme; Miyao, 1 Nihombashi, Hon-Shirokane-chō.— Silberwaren: Miyamoto Shoko, Kyōbashi, Yazaemon-chō 2.—Gemälde, Kakmonos, Farbenholzschnitte etc.: Suwa, Tatami-chō 2, nahe Kyōbashi; Shimbi Shein, Shinsakawa-chō 13.—Lacksachen: Kuhei Hayashi, Nihombashi, Muromachi; Kuroeya, Tōri Itchōme.— Bambusarbeiten: Fujimura, Kojimachi Itchōme.—Seidenstoffe: Iida, Takashimaya, 1 Nishikonya-chō, Kyōbashiku; Mitsukoshi, Nihombashi, Suruga-chō; Shirokiya, an der Nihombashibrücke; Mizushima, Honchō Itchōme; Hattori, nahe Imperial Hôtel; Nishimura u. a.—Alte Seidenstickereien: Shimizu, 1 Inabachō, Higashi-Naka-dōri; Iwamoto Denshichi, Naka-dōri; Morita, Nihombashi Sanai-chō 8.— Fächer: Haibara, 1 Nihombashi, Tōri Itchōme.—Spielsachen: Jikkendana (Ausstellung am 3. März, Mädchenfest, und 5. Mai, Knabenfest). Zeiteinteilung: 1. Tag: Shōkonshatempel, Uenopark nebst Museum, Asakusa-Kwannontempel.—2. Tag: Shibapark, Red Maple Club und Gräber der 47 Rōnin.—3. Tag: Geschäftsstraßen, Atagoyama, Mukōjima und Yoshiwara. (Das altberühmte ist aber im Frühjahr 1911 durch Brand vollständig vernichtet worden. Man richte sich nach der Jahreszeit, wegen der Blüten-und Tempelfeste.) Festlichkeiten: Von den vielen Tempel-und Volksfesten sind die sehenswertesten: am 17. u. 18. jedes Monats Kwannonfest im Asakusatempel; 9. April Feuergang (Hiwatari) im Ontake-jinja, Imagawa-kōji, Kanda; 17. April: Tōshōgūfest im Shiba-und Uenopark; 18. April: Sanja Matsurifest in Asakusa; etwa 20. April: *Sakura- (Kirschblüten-)Fest im Kaiserpark (Einladungen bewirkt die Botschaft, Anzug: Gehrock und Zylinder oder Uniform, Damen elegante Promenadentoilette); 6.-8. Mai: Shōkonsha-Fest mit Rennen und Ringkämpfen etc. in Kudan; 3.-14. Juni: Tennō Matsurifest in Shinagawa, Yotsuya, Asakusa; Mitte Juli (oder Anfang August): Kawa-birakifest, Eröffnung des Sumida-gawa, in Ryōgoku; 9. u. 10. Juli: Shiman Rokusen Nichifest im Asakusatempel; 15. Sept. Kanda Myōjin in Kanda; 17. Sept.: Feuergang (Hiwatari) im Ontaketempel; 11.-20. Sept.: Shimmei Matsuri im Shibapark; 12. u. 13. Okt.: O Eshikifest in Ikegami und Hori-no-uchi. Anfang November: Chrysanthemumfest im Aoyamapalast des Kronprinzen (nur auf Einladung); 3. Nov: Geburtstag des Kaisers, Parade auf dem Rempeiba; 22.-28. Nov.: O kō Mairi und im November Tori no Machi beim Asakusatempel.—Messen (ichi) am 17. und 18. Dez. im Asakusatempelbezirk, am 22. und 23. in Shiba; Näheres gibt die »Japan Times« bekannt.

Tōkyō (auch Tōkei, spr. tōkē, »Osthauptstadt«), Hauptstadt des japanischen Reiches und Residenz des Kaisers, früher Yedo genannt, am NW.-Ende der seichten Tōkyōbucht (Yedobucht; daher Yokohama die Hafenstadt von Tōkyō trotz dessen Lage am Meer) und am Südende der größten Ebene Hondos, an der Mündung des Sumidagawa, über den fünf große Brücken (Azuma-, Umaya-, Ryō-goku-bashu, Ōhashi, Eitai-bashi) führen, durchschnitten von Kanälen, Ausgangspunkt von Bahnen nach sechs Richtungen. Die Stadt, mit 2186079 Einw., wird von dem Sumidagawa in zwei Teile geschieden, einen kleinern östlichen, der bis zum Nakagawa reicht, und einen größern westlichen, den eine Mauer bis zum Fluß und zur Tōkyōbucht umgibt, und der den Palast des Kaisers (S. 397) enthält. Diesen Stadtteil umschließt ringsum die eigentliche Stadt, zum größten Teil noch aus einstöckigen Holzhäusern bestehend, daher sehr ausgedehnt und oft durch Feuersbrünste heimgesucht. Die Geschäftshäuser in den Hauptstraßen bestehen daher gewöhnlich aus feuersichern Lehm-oder Backsteinspeichern, und auch die vornehmern Privatwohnungen sind meist mit solchen Dozō versehen (ähnlich im ganzen Lande). Unter den seltenen großartigern Gebäuden japanischer Bauart sind zu nennen einige prächtige buddhistische Tempel mit kunstvoller, vergoldeter Holzschnitzerei, Klöster, Grabdenkmäler der letzten Shōgune in Shiba und Ueno (S. 398). Im westl. Teil der Stadt wohnen die Botschafter von Deutschland (Pl. 1), England (Pl. 3), Rußland etc., und hier steht unweit Shimbashi der Palast Hamagoten, der für fremde fürstliche Gäste des Kaisers bestimmt ist. Tōkyō ist Sitz der Regierung, des höchsten Gerichtshofs, des kaiserlichen Gardekorps und der ersten Division der Armee und der geistige Mittelpunkt des Reiches. Außer einer kaiserlichen Universität (Teikoku Daigaku, in Hongō gelegen) besitzt es mehrere stark besuchte Privatuniversitäten, ein Realgymnasium (Erste Kōtō-Gakkō), eine höhere Normalschule, Blinden-und Taubstummenanstalt, Handelsakademie, Gewerbeschule, Ackerbau-und Forstschule, Musikschule, zahlreiche Mittelschulen, Lehrerseminare etc., eine kaiserl. Akademie der Wissenschaften mit 60 vom Kaiser ernannten Mitgliedern, eine Kunstschule und ein Museum im Uenopark, eine öffentliche Bibliothek von 300000 Bänden, eine zweite von 30000 Bänden in europäischen Sprachen, Geographische Gesellschaft, 316 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die »Transactions of the Asiatic Society of Japan«und die »Mitteilungen der deutschen Gesellschaft für Natur-und Völkerkunde Ostasiens«. Die sehr bedeutende Industrie erzeugt namentlich Seiden-und Lackwaren, Fayence, Porzellan, Email; es bestehen große Schiffswerften und Maschinenbauwerkstätten. Der Handel mit dem Inland ist sehr bedeutend, während der mit dem Ausland meist über Yokohama geht. Die Stadt ist seit 1869 dem Fremdenverkehr geöffnet.—Yedo ist aus einem Fischerdorf entstanden, bei dem 1456 Ōta Dōkwan ein großes Schloß baute; die Stadt blühte erst auf, als der erste Tokugawa Shōgun Ieyasu 1603 seine Residenz hierher verlegte.

Rundfahrt. Vom Shimbashibahnhof, hinter dem nach der Seeseite der kaiserliche Sonderpalast Hama-Rikyū liegt, wo gegen Ende April jedes Jahres das kaiserliche Kirschblüten-Gartenfest abgehalten wird (Einladungen dazu, wie im November zum Chrysanthemumfest im Akasaka-Palast, vermitteln die Botschafter bei rechtzeitiger Meldung), fahre man mit Rikscha l. und nördl. in das Stadtviertel, in dem die Ministerien (in nüchternem, europäischen Stil erbaut) liegen; man fährt am Stadtgraben entlang bis zum Tōkyō-Klubhaus (Pl. 5), gegenüber dem Imperial Hôtel. Nahe beim Hotel der weite, erst in neuester Zeit angelegte Stadtpark Hibiya-Kōen mit Restaurants Matsumoto-rō und Sankyōtei, sowie der Hibiya Daijingū, eine Nachbildung des Großen Schreins von Ise. Auf einem Hügel liegt r. der Palast des Marquis Nabeshima, des frühern Daimyō von Hizen, lange Oberzeremonienmeister des kaiserlichen Hofes. Gegenüber auf bewaldeter Anhöhe steht der Sannōtempel.—Neben ihm beginnt das vornehmste Stadtviertel Nagata-chō, mit den Palästen der Prinzen Kitashirakawa und Arisugawa, den Gebäuden des Auswärtigen Amts, des Generalstabs (Pl. 6) und der fremden Gesandtschaften. Innerhalb dieses sogen. Daimyōviertels (Daimyō Kōji) liegt auf niedrigem Hügel, mit breitem Wassergraben und zyklopischen Mauern umgeben, das O-Shiro oder Schloß mit dem Kaiserpalast, das Schatzamt und andre Ministerien, Wohngebäude und prachtvolle Gärten, wo einst die frühern Daimyōs mit Gefolge residierten. Der Kaiserpalast (Zutritt nur bei Audienzen und Festlichkeiten durch Vermittelung der Botschaft, sonst dem Publikum unzugänglich), 1889 neu erbaut, hat viele Empfangsräume, meist durch Kristallglasschiebetüren getrennt, mit Seidentapeten und reichgemalten Holzdecken, viele Räume vornehm-einfach, andre, z. B. die Banketthalle, reich vergoldet. Die Möbel stammen zum Teil aus Deutschland. Der Park ist reich an Kirschbäumen.— Auf dem Platze gegenüber der Schloßbrücke Nijūbashi steht das 1900 errichtete Bronzestandbild des kaisertreuen Feldherrn Kusunoki Masashige (gest. 1336).—In der Nähe das 1910 errichtete Denkmal des Marquis Itō (berühmter Staatsmann und 1906 bis zu seiner Ermordung [1909] Generalgouverneur von Korea). In der Nähe die sehenswerte Regierungsdruckerei Insatsu Kyoku (Pl. 12) und mehrere Ministerien.—Nahe nördl. von der Nordbrücke, die zum Kaiserpalast führt, liegt der *Shōkonshatempel (»Schrein zur Einladung der abgeschiedenen Geister«, auch Yasu-kuni-jinja, »Schrein des friedlichen Landes«, genannt) auf dem flachen Kudanhügel, ein 1869 erbauter Shintōtempel reinen Stils, in welchem die Manen der im Restaurationsjahr 1868, in der Saga-Unruhe 1874 und in der Satsuma-Rebellion 1877 auf kaiserlicher Seite Gefallenen, sowie der im chinesisch-japanischen (1894/95) und russisch-japanischen (1904/05) Feldzuge gebliebenen Krieger von Staats wegen verehrt werden; vor ihm ein riesiger bronzener Torii; hinter ihm ein schöner Park. Gleich r. vom Tempel liegt das Waffenmuseum, *Yūshūkwan (geöffnet von 8-4 Uhr im Sommer, 9-3 Uhr im Winter, Eintritt 3 sen), mit sehenswerter Sammlung altjapanischer Waffen, besonders prächtiger Schwerter, Rüstungen, Schloßmodelle, und vielen Beutestücken aus dem chinesischen und dem russischen Kriege. Die den Rennplatz vor dem Tempel durchziehende Doppelreihe granitener Laternen wurde 1878 vom japanischen Adel gestiftet; hier steht auch die Bronzestatue des Patrioten Ōmura, das erste in Japan errichtete Denkmal (1892) dieser Art. Am Fuße des Hügels Kudanzaka steht der Ontakeschrein (Pl. 11), in dem der Feuergang am 9. April und 17. Sept. ausgeführt wird.—Nun über den äußern Graben zum Hōhei Kōshō (Arsenal, Gewehrfabrik) im Koishikawa-Distrikt. Zutritt nur mit Erlaubnis der Militärbehörden. Zum Arsenal gehört der schönste Landschaftsgarten Tōkyōs, der *Kōraku-en, einst Besitztum des Fürsten von Mito, im 17. Jahrh. von einem chinesischen Literaten, der beim Zusammenbruch der Ming-Dynastie in Japan Zuflucht fand, angelegt.—Nicht weit davon die Jūjitsu-Schule des Prof. Kanō; im N. des Distrikts der *Botanische Garten (Shokubutsu-en) der kaiserl. Universität, ebenfalls ein alter Daimyōpark mit schönen Landschaftsbildern (täglich bis 4 Uhr geöffnet; Pflanzenverkauf).—Im äußersten NW. des Koishikawa-Distrikts liegt der Buddhatempel Gokoku-ji mit Priesterseminar der Shingon-Sekte; der Hauptschatz des Tempels, ein ungeheures Kakemono von Kanō Yasunobu (Buddhas Eingang ins Nirvana), wird nur im April gezeigt. Dahinter die neuen Begräbnisplätze der kaiserlichen Familie (nicht zugänglich).—Östl. vom Botanischen Garten im Hongōdistrikt die kaiserliche Universität (Teikoku Daigaku), mit (Sept. 1909) 5699 Studenten, verteilt in sechs Fakultäten: Medizin, Rechts-und Staatswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Philosophie, Geschichte, Literatur, Agrikultur (letztere hat ihre weit ausgedehnten Grundstücke in der Vorstadt Komaba). Vorlesungen in japanischer Sprache, die fremden Professoren und Lektoren dozieren aber in deutscher (deutsche Literatur und deutsches Recht), englischer und französischer Sprache; ebenda die Universitätskliniken.—Nö. davon die Blumengärten von Dango-zaka (große Chrysanthemenausstellung im November). Darstellungen aus der japanischen Geschichte mit lebensgroßen Puppen in Chrysanthemumkleidern).—Von der Universität fährt man um den Lotosteich *Shinobazu no Ike herum zum südlichen Haupteingang in den *Uenopark, beliebten Ausflugsort, besonders während der Kirschblüte; vor dem Hügel führt r. eine Treppe auf eine Anhöhe, von der schöne Aussicht nach dem Asakusatempel hin und über die Stadt; l. ein kleiner buddhistischer Kwannontempel.—Dann zurück zum Hauptweg, der durch die berühmte *Kirschenallee führt; l. liegt der Lotosteich, auf dessen kleiner Halbinsel ein Heiligenschrein der Göttin Benten.—Etwas weiterhin das *Seiyōken-Hotel und Speisehaus mit schönem Blick über den Teich und die Universitätsbauten. Dicht neben dem Speisehaus ist ein Daibutsu, ein Bronzebuddha von 6,5 m Höhe aus dem Jahre 1660.— Weiterhin l. ein Tor mit Kugelspuren aus der Schlacht im Uenopark 1868; dahinter eine große Steinlaterne (eine der drei größten Japans) aus dem 17. Jahrh.—In der schönen Kryptomerienallee eine alte Pagode und am Ende einer Reihe von Steinlaternen der den Manen des Ieyasu geweihte Tōshōgū-Schrein. Das prachtvolle, geschnitzte und vergoldete Tor davor ist 1890 restauriert worden; das gleiche soll mit dem Tempel geschehen. Der Hauptweg führt zum *Ueno-Museum (Hakubutsukwan), geöffnet 8-5 Uhr im Sommer, 9-4 Uhr im Winter, geschlossen 25. Dez. bis 4. Jan. und alle Montage; Eintritt 5 sen.

Im Eingang Riesentrommel, Palankine etc.; r. naturhistorische Sammlung (Tosahähne mit 4,4 m langen Schwanzfedern!), darüber im 1. Stock schöne Kakemono und Wandschirme. —L. vom Eingang historische Sammlung: 1. Zimmer: alte Handschriften und Drucke, Karten etc.; 2. Zimmer: Tempelgebrauchssachen (goldene tokko), auch sehr alte Handschriften und alte christliche Erinnerungen; 3. Zimmer: (Endraum) prähistorische Funde: Steinpfeilspitzen etc., Kupferglocken und-spiegel, Rüstungen, alte Topfwaren; im Nebenraum prähistorische maga-tama und kuda-tama (Schmucksachen).—Im Treppenhaus alte kaiserl. Staatskarren für Ochsengespann und Modell der Tenchi Maru (Staatsbarke der Shōgune); im Mittelraum alte kaiserliche Gewänder, Thronhimmel; l. in Nebenräumen Kunstsammlung: Kakemono, Makimono, Fächer, Masken, Bilder und Zeichnungen, Lack-, Bronze-und Porzellankunstsachen (schöne Stücke!).— Im Endraum Musikinstrumente, Zubehör für das Teezeremoniell und Spiele; dahinter Waffen, alte Büchsen, Miniaturpagoden (Hachiman-tō) u. a. Der einzeln stehende schöne Neubau, l. vom Eingang, genannt Hyōkei-kwan, ist eine Stiftung des Volkes für den Kronprinzen zur Vermählung. Das Untergeschoß enthält eine hochinteressante Sammlung japanischer, chinesischer und koreanischer Töpfereien, das Obergeschoß häufig gewechselte wertvolle Malereien, besonders Kakemono und Faltschirme.

Vom Museum führt r. ein Weg zur Kunstschule (Bijutsu Gakkō), Eintritt nur auf Empfehlung gestattet. In der Nähe die staatliche Musikschule, die jährlich mehrmals größere europäische Konzerte veranstaltet, und an der auch europäische (meist deutsche) Musiklehrer wirken; eine Volksbibliothek und Lesehalle (Toshokwan) und die Gelehrtenakademie Gakushi Kwai-in sowie ein kleiner Zoologischer Garten (Dōbuts-en, Eintritt 4 sen).—Von der Lesehalle führt r. eine Allee zu den Shōgungräbern (Go Reiya): Haupttor geschlossen, l. führt eine Seitenpforte zum Priesterhaus, wo ein Priester gegen Spende in die prächtigen Tempelgebäude hineinführt, die reich an Malereien sind und hinter denen die Grabmäler von sechs Shōgunen der Tokugawafamilie (des 4., 5., 8., 10., 11. und 13. Shōguns) liegen.— Im Uenopark auch der Basar Shōhin Chinretsu-jō, mehrere Hallen für moderne Kunstausstellungen sowie der buddhistische Tempel Ryō Daishi (Jigen-dō).—Östl. vom Uenobahnhof liegt die große Tempelanlage Higashi Hongwanji (volkstümlich Monzeki) der buddhistischen Montosekte, 1657 erbaut, jetzt mit eisernem Netzwerk zum Schutz gegen Feuerbrandstücke aus der Umgebung; der Haupttempel ist innen und außen mit Schnitzereien reich geschmückt.—Etwas nö. davon steht der große buddhistische Tempel Sensōji, meist *Asakusa Kwannon genannt; die goldene Statuette der Gnadengöttin Kwannon im Tempel wurde nach der Legende im 6. Jahrh. an der Sumidagawamündung aufgefischt (die Statuette wird nie gezeigt, sie soll nur 5 cm groß sein; eine größere neuere Nachbildung steht vor dem Hauptaltar und wird am 23. Dez. gezeigt. Der Tempel ist sehr volkstümlich, mehr »Wurstelprater« als Heiligtum, stets stark besucht: vor dem Tempel Buden mit tauchenden Meerjungfern, Ziege mit fünf Beinen, Akrobaten, Momentphotographen, dressierten Affen, Zweikampfspielen, dann Verkaufsbuden mit Taubenfutter (die Tauben sind zahm wie auf dem Markusplatz in Venedig), Quacksalbermedizinen, Zuckerzeug, Spielsachen, Eßwaren aller Art etc. (Vorzügliche Gelegenheit, das Volksleben zu beobachten.) So. Nm. und am 17. und 18. jedes Monats ist der Tempel am stärksten besucht. Vor dem zweistöckigen Tempeltor sind Figuren der Tempelwächter (Ni-ō) hinter Holzgittern; l. ist ein Fudōschrein, und davor ein Jizōschrein mit Gebetsrad (goshō-guruma) ähnlich den tibetanischen, doch im Gebrauch verschieden. Im Tempelhofe steht r. auf einer Anhöhe die Asakusaglocke, deren Ton die Gottheit anruft. In der Haupthalle des Tempels sind so viele Laternen, Fahnen, Götzenbilder, chinesische Trommeln, daß man im Hintergrunde kaum die Figur der Kwannon entdecken kann; der Zugang zu deren *Hochaltar ist gegen Spende durch einen der Bonzen zu erreichen; auf der Rückseite des Hochaltars (Ura Kwannon) sind schöne Wandgemälde (selten!) auf Lackgrund. In der Ecke r. im Haupttempel ist die berühmte sitzende Figur des Helfers und Heilers aller Kranken, des Gottes Binzuru (als Verehrer des Weibes wird er meist außerhalb des Allerheiligsten aufgestellt).

L. von den Tempelgebäuden steht auf dem öffentlichen Platze, Asakusa Kōenchi, der zwölfstöckige, 67 m hohe Turm *Ryō-un-kaku (Pl. D 2), im Volksmund Jū-ni-kai (zwölf Stock) genannt, 1890 erbaut, von dem man großartige *Aussicht über die Stadt hat.— Etwa 1/2 km nördl. liegt das weltbekannte *Yoshiwara mit ganzen Straßen von zwei-und dreistöckigen »Mädchenhäusern«, nach der Straße mit Gittern, hinter denen man die Huldinnen in den verschiedensten altjapanischen Kostümen bewundern kann (auch für Damen sehenswert!). In dem Stadtteil herrscht vorzügliche Ordnung und Polizeiaufsicht. Yoshiwara, d. h. »Schilfgefilde«, ist der individuelle Name nur dieses Freudenviertels (generelle Bezeichnung yūkaku) in Tōkyō. Im Frühjahr 1911 ist das ganze Yoshiwara ein Raub der Flammen geworden. Es ist zwar neu im Entstehen begriffen, wird aber nie wieder die alte Pracht erreichen.—Am l. Ufer des Sumidagawa, gegenüber von Asakusa Kwannon, läuft die berühmte *Kirschbaumallee von Mukōjima etwa 2 km nordwärts; am Anfang der Satake Yashikigarten, ein Muster japanischer Landschaftsgärtnerei, ehemals einem Daimyō, jetzt der Dai Nihon-Bierbrauerei gehörig, ferner der »Garten der 100 Blumen« (sehenswert). Am Ende der Allee gutes europäisches Restaurant (Kwagetsu Kwadan); am Ufer des Flusses hübsche Teehäuser; dort Volksfest während der Kirschblüte.

Vom Shimbashi-Bahnhof führt eine lange, enge Straße, anfangs Hikage-chō, dann Shimmei-mae genannt, mit vielen Läden, zum Haupttor (Daimon) des **Shibaparks (Shiba Kōenchi), an dem r. der Kwankōba, einer der besten Basare Tōkyōs (mit festen Preisen) liegt. Der Park hat prächtige uralte Kryptomerien und ist mit Bronze- und Steinlaternen geschmückt. Die sechs buddhistischen Shibatempel rechnen zu den Hauptwerken der japanischen Kunst; sie enthalten die Grabdenkmäler von sechs Shōgunen aus dem Tokugawageschlecht, sind reich ausgestattet mit Schnitzereien, Seidenstickereien, Stoffmalereien und Lackkunstsachen, besonders in Goldlack. (Man widme den Vormittag eines schönen Tages der Besichtigung.) Die Todesjahre der hier begrabenen Shōgune sind 1632 (Shōgun Hidetada), 1713 (Ienobu), 1716 (Ietsugu), 1761 (Ieshige), 1853 (Ieyoshi) und 1866 (Iemochi).—Unmittelbar gegenüber vom Basar (Kwankōba) liegt der Eingang zum Grabmal der Shōgune Ietsugu und Ieshige; ein prächtiges Tor (Ni-ten Mon) führt in einen Hof mit von Daimyōs gestifteten Steinlaternen, am ändern Ende ist das Tor der kaiserlichen Tafel (Choku-gaku Mon), mit Goldinschrift; Drachen umringeln das Tor, durch das man in den innern Tempelhof mit 212 Bronzelaternen gelangt, wo r. ein Glockenturm, l. eine Zisterne mit heiligem Wasser liegt. Ein drittes Tor (O Kara Mon) mit Galerien und einer Kolonnade schwarzer Pfeiler führt zum Tempeltor, das prächtige Schnitzereien (den auf-und absteigenden Drachen, Nobori-ryū und Kudari-ryū zeigt. Eintritt in die Tempelhalle (Schuhe ausziehen!) gegen Spende von 20 sen an den Wächter. Jede Halle ist dreiteilig: äußeres Oratorium (Haiden), Korridor (Ai-no-ma) und Allerheiligstes (Honden); alles reich in Gold und Farben. Der Altar besteht aus Goldlack und Bronze mit Figuren der Shōgune (die nie gezeigt werden) und Götterfiguren (Kwannon, Benten, Shi-Tennō). Überall als Ornament das Dreiblattwappen Kamo-aoi der Tokugawafamilie. —Dann gelangt man durch einen schönen Hof mit Bronzelaternen zu einer Steintreppe, die zu den pagodenähnlichen, einfachen Grabmälern führt. Die Särge sollen 6 m unter den Denkmälern liegen.—Man verläßt diesen Tempel durch das Tor Chokugaku Mon, gelangt dann r. durch eine Reihe Steinlaternen wieder an ein prächtig geschnitztes Tor, hinter dem ein ähnlicher Tempel mit den Grabmälern der Shōgune Ienobu, Ieyoshi und Iemochi liegt (wer Zeit hat, besichtige auch diese Anlage, da sie noch prächtigern Kunstschmuck zeigt).—Eine kleine Seitentür r. führt von da in den Hauptweg, in dem l. hinter dem alten großen Tore (Sammon) der Zōjōjitempel liegt; eine steile Treppe führt in den Oberstock des Tempels, worin Figuren von Shaka (= Buddha) mit Fugen und Monju in Gold, zu den Seiten buntfarbige Figuren der 16 Heiligen (Rakan) stehen. Die große Glocke r., Priesterwohnungen l. Die Haupthalle (Hondō) des Tempels ist leider am 3. März 1910 infolge fahrlässiger Brandstiftung darunter nächtigender Bettler ein Raub der Flammen geworden.—Der kleine Tempel dahinter, Gokoku-den, enthält die vom Shōgun Leyasu hochverehrte »Schwarze Statue« (Kuro-Honzon) des Amida (Amitiābha) von Eshin, eingeschlossen in Goldschrein.— Aus der Zōjōjianlage gelangt man durch eine Tür r. zum Totentempel Ten-ei-in, mit prächtig vergoldetem Allerheiligsten, worin die Schreine der Gemahlinnen und einer Genossin der Shōgune stehen.—Von diesem Tempel gelangt man zum *Tempel des Shōgun Hidetada, dessen Allerheiligstes mit feenhafter Pracht ausgeschmückt ist, ebenso wie die von Goldlack strotzende achteckige Halle *Hakkaku-dō, die das Grabmal Hidetadas enthält, in dessen Schrein aber nur ein Bild des Shōgun und seine Totentafel, während sein Leib unter dem Pflaster ruht.—Kehrt man nun zum Hauptweg zurück, so gelangt man r. bald zu einem großen Tor, das zum Tempel Ankoku-den führt, dessen Halle schöne Gemälde zeigt. Obwohl der Bauart nach buddhistisch, wird der Tempel als Shintōschrein betrachtet, was durch die Gohei (Papierstreifen, shintōistisches Emblem) gekennzeichnet wird. Am 17. jedes Monats wird hier der Shōgun Ieyasu als Shintōgott Tōshōgū verehrt; dann wird sein hölzernes Bildnis gezeigt.—Hinter dieser Tempelanlage erhebt sich der kleine Hügel *Maruyama, von dem schöne *Aussicht über die Tōkyōbucht.—Neben der geschlossenen Pagode am Abhang des Hügels steht das Standbild des Kartographen Inō Chūkei; von da geht man zum kleinen Tempel der Benten auf dem Inselchen des Lotosteiches und weiterhin zum *Red Maple Club (Kōyō-kwan), ein japanisches Teehaus und Restaurant, bekannt durch vorzügliches japanisches Essen und schöne Tanzaufführungen (auf Bestellung Kōyō-odori »Rotahorntanz«, 10-35 Yen). Auch der Shibapark ist am schönsten während der Kirschblüte.—Nicht weit vom Maple Club liegt der kleine Hügel *Atagoyama, zu dem eine steile »Männertreppe« (Otoko-zaka) und eine bequeme »Frauentreppe« (Onna-zaka) hinaufführen; oben steht das europäische Atago-Hotel (Tōkyō-Hotel) und ein *Aussichtsturm, von dem man den Fuji, das Hakonegebirge und die Tōkyōbucht überblickt.—In der Nähe liegt Ōkura's Kunstmuseum, das bedeutendste Privatmuseum Japans (Erlaubnis zum Eintritt erbitten).—Etwa 2 km südl. vom Red Maple Club, halbwegs nach Shinagawa hin, liegen auf dem Friedhof des buddhistischen Tempels Sengakuji die Gräber der 47 tapfern Rōnin (Shi-jū-sh'chi Shi), Nationalhelden Japans, die in echter Vasallentreue den Tod ihres Herrn rächten und dann das Todesurteil des Shōgun—Harakiri (Bauchaufschlitzen)—vor dem Grabe ihres Herrn im Jahre 1701 an sich vollzogen. Alljährlich wandern noch heute Tausende zu den Gräbern und ehren die Helden durch Verbrennen von Weihrauch und Abgabe ihrer Visitenkarten. Innerhalb des Tempeltors werden die Schwerter und Rüstungen der Rōnin gezeigt; die Gräber liegen an der r. Seite eines kleinen viereckigen Hofs. Im westl. Teil der Stadt liegt der ganz in europäischem Stil gebaute und ausgestattete Akasakapalast, die Residenz des Kronprinzen. In dem sich daran anschließenden herrlichen Landschaftsgarten wird im November, der Zeit der Kikublüte und des roten Ahorns, das kaiserliche Chrysanthemum-Gartenfest abgehalten. Daneben liegt der Aoyamapalast. —Weiter hinaus gegen W. gelangt man zum großen Paradeplatz (Aoyama Rempeijō) und den weitausgedehnten Aoyamafriedhöfen.

Man versäume nicht, durch die Hauptgeschäftsstraße Ginza zu fahren, die etwas nördl. vom Shimbashi-Bahnhof bis zur Brücke Kyōbashi führt, und durch ähnliche breite Straßen über die neugebaute massive Nihombashi (r. davon die Yedobashi, woselbst das Hauptpostamt) zur Suda-chō (wichtiger Kreuzungspunkt der elektrischen Bahnen) und weiter bis zum Uenopark und Uenobahnhof fortgesetzt wird; die Geschäftsstraße Naka-dōri mit vielen Altläden läuft der Fortsetzung der Ginza parallel. In der Nähe das Handelsmuseum des Handels-und Ackerbauministeriums (Kōbiki-chō; geöffnet vom 8. Jan. bis 24. Dez., außer an Tagen nach nationalen Festtagen, von 9-4 Uhr, 10. Juli bis 10. Sept. von 8-2 Uhr; Eintritt frei). Morgens ist auch der Fischmarkt in Nihombashi (Pl. 9) sehenswert; von da östl. gelangt man zur größten Brücke Tōkyōs, Ryōgokubashi, die über den Sumidagawa zum buddhistischen Tempel Ekō-in führt; hier das Amphitheater Kokugi-kwan, wo im Januar und Mai große Ringwettkämpfe stattfinden. Etwa 1,5 km nördl. davon liegt der Shintōtempel Kameido (ein Temman-gū, d. h. Schrein des vergöttlichten Sugawara-no-Michizane) mit sehr schönem Park, besonders sehenswert Ende April, wenn die Glyzinien (Wistarias, japanisch Fuji) blühen; im Teich werden Karpfen und Schildkröten gefüttert. In der Nähe der Pflaumengarten von Kameido (Ume-yashiki), Anfang März viel besucht. Nicht weit davon beginnt die Kirschenallee von Mukōjima (S. 400).—Von der Azumabrücke stromaufwärts erreicht man mit Rikscha in 40 Min. Horikiri, sehenswert zur Zeit der Irisblüte.—Bei Ōji (zweite Station vom Uenobahnhof, 15 Min. Fahrt) der Taki-no-gawa mit herrlichen roten Ahornbäumen (November). —Im W. von Tōkyō: Ōkubo (30 Min. mit Bahn von Iidamachi-Station) zur Zeit der Azaleenblüte; Koganei (11/2 St. von Iidamachi-Station), herrliche Kirschblütenalleen, etwa eine Woche später als Uenopark zu besuchen.—Im SW. Meguro (an der Ringbahn) mit Fudōtempei, angenehm im Sommer.—Im S. Ōmori, zweite Bahnstation von Shimbashi, 15 Min., mit bekanntem Pflaumengarten, Hakkei-en, von wo schöne Aussicht über die Tōkyōbucht; von da etwa 1,5 km nach Ikegami, einem der schönsten Punkte in der Umgebung Tōkyōs. Im Kloster Hommon-ji daselbst starb 1282 der buddhistische Heilige Nichiren; großes Volksfest zu Ehren des Heiligen am 12. und 13. Okt. (Teehäuser Tamba-ya und Akebono-rō).—Wer buddhistisches Leben näher kennen lernen will, mache einen Ausflug nach Narita (etwa 21/2 St. mit der Sōbubahn vom Bahnhof Ryōgoku-bashi) zum Fudōtempei Shinshōji (Gasthof Wakamatsu-ya).

Von Tōkyō nach Nikko.

Eisenbahn, Abfahrt mit der Nordbahn (Nippon Tetsudō) vom Uenobahnhof, Fahrpreis I. 3,40 Yen, II. 2,04 Yen, Fahrzeit etwa 5 St. L. sitzen!—Man fährt über (10 km) Akabane, hier Anschluß der Ringbahn für Reisende, die, von Yokohama kommend, in Shinagawa in die Ringbahn (Suburban Railway) umgestiegen sind. Die Bahn folgt meist der alten Landstraße Ōshu Kaidō, deren alte Kiefern-und Zedernalleen man vom Zuge aus sieht; l. der Fuji, r. der stets dampfende Asama. Über (20 km) Urawa und (27 km) Ōmiya (Gasthof Takashimaya Banshorō, Ōmyia machi), mit schönem Shintōtempel Hikawa Jinja, gelangt man nach (54 km) Kurihashi, wo eine schöne eiserne Brücke über den Tonegawa führt. Dann über (61 km) Koga, einem alten Daimyōsitz, nach (77 km) Ōyama (Gasthof Izukura; Zweigbahnen nach Maebashi, S. 408, und nach Mito); und über (92 km) Ishibashi nach (106 km) Utsunomiya (Gasthof Shirokiya), alter Daimyōstadt mit großem Shintōtempel Nikkō Daimyōjin. Hier umsteigen (im Sommer auch ein durchgehender Zug) in die Zweigbahn nach Nikkō, die über (112 km) Togami und (120 km) Kanuma, dann mit Blick auf die Gebirge von Nikkō meist längs der alten Kaiserstraße Reiheishi Kaidō über (129 km) Fubasami, bergauf über (140 km) Imaichi nach (146 km) Hachiishi, dem Bahnhof von Nikkō führt.

Nikkō.

Vgl. den Plan S. 405.

Ankunft. Vom Bahnhof fährt man mit Rikscha durch das lange Dorf Hachiishi bergauf in etwa 20 Min. durch herrliche Baumalleen und die mit Läden dicht besetzte Dorfstraße, dann über den rauschenden Bergstrom Dayagawa, über den zwei Brücken führen, von denen aber die rote Mihashibrücke nur vom Kaiser benutzt werden darf, 4 km bis zum Fuße des Tempelbergs, wo das Nikkō Hotel liegt. Gasthöfe: Kanaya Hotel, 15 Min. vom Bahnhof, in prächtiger Lage, vortrefflich, gute Küche; 80 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dinn. 2, Supp. 1,25, Pens. von 6 Yen an; heiße und kalte Bäder, Telephon Nr. 1.—Nikkō Hotel, 20 Min. vom Bahnhof, am Fuß der Tempel in schöner Lage, gelobt; 57 Z., Pens. von 4,50 Yen an; Tel.-Adr.: »Arai Nikkō«.—Japanische Gasthöfe: Konishiya; Kamiyama. Rikschas und für die Bergwege Sänften (kago), Tragstühle (Chairs) und Reitpferde nach fester Taxe zu haben. —Führer in den Hotels zu haben, tägl. 2 Yen, für Ausflüge 2,50 Yen; sie besorgen die Einlaßkarten für die Tempel (Eintritt 80 sen). Mitglieder des Hokō-kwai (Nikkō Preservation Society, 5 Yen Jahresbeitrag) haben stets freien Zutritt zu allen Tempeln. Die Grabdenkmäler der Shōgune sind von 8-4 Uhr offen, man muß beim Betreten der Hallen die Schuhe ausziehen.— Tempelfeste am 17. April, 1. und 2. Juni und 17. Sept. Geschäftsadressen: Kunstsachen (Spezialität: Aquarellmalereien, Tischdecken, Landschaften etc.): Kobayashi Sasaya, Kobayashi Shōichiro, bei der roten Kaiserbrücke; Otake, Shōbikwan. Viele Läden mit Photos, Holzschnitzereien, Gemälden und Fellen.

Nikkō (610 m), Stadt mit 3500 Einw. in der Provinz Shimotsuke, ist ein berühmter Wallfahrtsort mit herrlichen Tempeln in reizender, vielbesuchter Umgebung am Abhänge des vulkanischen Gebirges Nikkōzan (Berge des Sonnenglanzes) oder Nikkogebirges, am Fuße des erloschenen Vulkans Nantaisan. Die Tempelstadt stammt aus dem 8. Jahrh. und wurde vom 2. Shōgun der Tokugawafamilie zur Grabstätte seines berühmten Vaters Ieyasu (gest. 1616) gewählt; 1651 wurde hier noch der 3. Shōgun, Iemitsu, begraben. Nikkō ist beliebter Sommeraufenthalt und zeigt Anfang November prächtige Laubfärbung der Ahornbäume. Ein japanisches Sprichwort sagt: Brauche nicht das Wort großartig, bevor Du Nikkō gesehen! (»Nikkō wo minai uchi wa, kekkō to iu na!«).

Rundgang. Man besucht zuerst den Palast (Hombō) des Abtes, meist Mangwanji (auch Rinnōji) genannt; l. an der Allee der Westseite dieser Anlage steht ein kleiner Palast Chōyōkwan, Sommeraufenthalt der kaiserlichen Prinzessinnen Tsune-no-Miya und Kaneno-Miya. In der Mangwanjianlage steht die »Halle der drei Buddhas« (Sambutsu-dō) mit großen vergoldeten Figuren des Lichtgottes Amida in der Mitte, r. die 1000händige Kwannon und l. die pferdeköpfige Kwannon. Dahinter im Landschaftsgarten die kupferne Pfeilersäule *Sōrintō, 1643 gegen den Einfluß böser Geister errichtet. Breite Stufen führen zu dem 1618 vom Daimyō von Chikuzen gestifteten granitenen Torii und zum *Ieyasutempel, vor dem l. eine 31 m hohe, fünfstöckige Pagode steht.

Nikkō und Umgebung

Nikkō und Umgebung.
Nikkō und Umgebung.

Durch das Tor Ni-ō-mon (die buddhistischen Ni-ō sind aber durch die shintōistischen Ama-inu und Koma-inu ersetzt worden) gelangt man in den Tempelhof; oben am Tore sieht man das Fabeltier Baku, das gegen böse Träume schützt, und andre Tierschnitzereien: Löwen, Einhörner, Takujū (sprachbegabte Fabeltiere, die nur in der Ära tugendhafter Fürsten erscheinen sollen), Elefantenköpfe, Tapire, Tiger etc. Im Hof stehen Vorratshäuser für Festgerät und Tempelschätze. L. vom Tor eine große Kōyamakikonifere, die Ieyasu als kleine Topfpflanze gepflegt und auch auf Reisen stets bei sich getragen haben soll. Daneben der Stall für den heiligen Schimmel, dessen Tor die Affenschnitzerei (Sambiki-saru) zeigt. Sehr schön ist das Weihwasserbecken (On Chōzuya) aus einem Granitstück mit Drachendachschmuck. Dahinter steht eine Archivhalle, Kyōzō (Warai-dō), mit buddhistischen Schriften in prächtigen Rotlackbüchergestellen. Im Innern Engelsbilder. Mitten im Hof ein bronzenes Torii mit dem Tokugawawappen in Gold. Treppenstufen führen zum zweiten Hof, in dem zwei Steinlöwen, ein Glockenturm und eine Glocke sowie Bronzelaternen aus Korea, ein holländischer Kandelaber und ein Trommelturm stehen. — Am Ende l. steht der Yakushitempel, der innen sehr farbenprächtig ist. Von hier führen Treppenstufen zu dem prächtigen Tore Yōmeimon, von dem ein Pfeiler absichtlich, um den Neid der Götter zu meiden, fehlerhaft geformt ist; er heißt Ma-yoke no Hashira (Böses abhaltender Pfeiler). Verschiedene Säulenkapitelle und Architrave zeigen Einhorn-und Drachenköpfe, das Balkongeländer zeigt spielende Kinder (Karako-asobi). Durch dieses Tor gelangt man in den Festhof, in dem l. die Halle zur Aufbewahrung der schweren Palankine, worin die Geister von Ieyasu, Hideyoshi und Yoritomo bei Prozessionen umhergetragen werden; daneben ist eine Reliquienausstellung; r. hat man die Bühne für den heiligen Kaguratanz (vgl. S. 368), der sehr sehenswert ist und gegen Geldopfer von der Priesterin ausgeführt wird.

Einige Stufen führen durch das Chinesische Tor (Kara-mon) zum Vortempel (Haiden; Schuhe ausziehen!) mit Shintōgerät, Gohei und rundem Spiegel, und von da durch prächtige Korridore zum Honden (Allerheiligsten), dessen Seitenkapellen aber geschlossen sind. Zu *Ieyasus Grabmal gelangt man vom Kara-mon und an der Kagura-dō (Tanzbühne) vorbei an ein Tor an der Ostseite mit der berühmten Schnitzerei von Hidari Jingorō, »die schlafende Katze« (Nemuri no Neko); dann führt eine lange Steintreppe von etwa 200 Stufen zu dem Hügelgrab. Das Grabmal ist sehr einfach, ein hellfarbiger Bronzeguß, der einer kleinen Pagode ähnelt. Davor steht ein niedriger Steintisch, worauf ein riesiger bronzener Storch steht, der im Schnabel einen Messingleuchter trägt; daneben ein Rauchopferanzünder und eine Vase aus Bronze, mit Lotosblüten und Blättern geziert.—Nachdem man das Mausoleum des Ieyasu wieder verlassen hat, wendet man sich r. und gelangt durch die Allee und einen Torii zum Shintōtempel Futaara Jinja, begründet 782 und dem Friedensgott Ōnamuji geweiht, in dessen Honden alte Schwerter, Lacksachen, Magatama (S. 399), Kostüme etc. zu sehen sind. In einer Ecke des Tempelhofs steht die Bronzelaterne Bakemono Tōrō, 1292 geschenkt, die nachts öfters Teufelsgestalt annahm, bis ein tapferer Krieger ihr den noch sichtbaren Schwerthieb über den Deckel gab.— Nach l. hinabsteigend, erreicht man zwei rotlackierte buddhistische Tempel (Futatsu-dō), durch gedeckte Galerie verbunden, deren größerer Amida geweiht ist. Innen viele buddhistische Bildnisse sowie die Gebeine von Yoritomo (daher der Tempel auch Yoritomo-dō heißt); ein zweites Grab von Yoritomo ist aber in Kamakura (S. 391).— Durch die Galerie gelangt man in eine Allee, die zum Grabe des Abtes Jigen Daishi (auch Tenkai Daisōjō genannt) führt, das indische Stupaform hat und von lebensgroßen Steingötzen bewacht wird; l. davon führt eine Treppe zu den einfachen Gräbern der 13 Prinzäbte von Nikkō.—R. vor der großen Steintreppe liegt das Priesterhaus Ryūkō-in, dessen erstes Tor, ein Ni-ō-mon (mit zwei Paaren Ni-ō, das eine Paar aus dem obenerwähnten Ni-ō-mon des Ieyasu-Tempels hierher versetzt) zum Grabmal des Iemitsu führt, vorbei an einem granitenen Wasserbecken mit Drachendach, dann eine Steintreppe hinauf zum Tore Niten-mon; drei Treppen höher liegt das Teufelstor Yasha-mon, dahinter der Grabtempel, von dem r. eine Treppe auf den Grabhügel führt. Das Grabmal ist aus Bronze, ähnlich dem des Ieyasu; die Bronzetore tragen Sanskritinschriften.

Die Umgebung von Nikkō ist reich an schönen Spazierwegen, für die meist Führer nicht erforderlich sind.

Ausflüge: 1) Zum *Chūzenjisee, der beliebteste Ausflug, im Mai und Oktober besonders schön; zu Fuß 41/2-5 St. (zurück 21/2-3 St.), zu Pferde (21/2 Yen) oder in Rikscha (3 Kulis 31/2 Yen), mit Sänfte (4 Kulis 4 Yen) in 31/2 St. Unterwegs mehrere Teehäuser zum Rasten. Diesen Ausflug (am 4. Okt. 1904) beschreibt Karl, Prinz von Hohenzollern: »In der erquickenden Morgenkühle schritten wir rüstig einher auf gutem Sträßchen, l. den schäumenden Dayagawa und bewaldete Höhen, r. schroffere Hänge, von bewaldeten Schluchten durchzogen. Das Sträßchen führt 11/2 St. in mäßiger Steigung aufwärts bis zum ersten Teehaus (Misawa). Nun verengt sich die Schlucht, und an Stelle der grünen Hänge treten schroffe Abhänge und Felswände, von denen Wasserfälle ihre Sprühregen erfrischend herabsenden. Die Steigung wird größer, und bei einer Biegung haben wir zum erstenmal den Blick auf die kupferrot bis violett gefärbten Flanken des 2483 m hohen Nantaizan. Wir verlassen den über kleinere Felsabsätze sich donnernd überstürzenden Dayagawa und biegen in die trümmererfüllte Schlucht des Hannyabaches ein; eine starke und kurze Steigung, und wir stehen senkrecht 60 m über dem Hannya auf der Felsterrasse des zweiten Teehauses (Naka no Chaya). Worte können den herrlichen Blick, der sich dem Auge bietet, schwer schildern; er ist lieblich, ernst und großartig zugleich. Nach N. blicken wir in zwei Felsschluchten, deren Bäche sich uns zu Füßen vereinigen. Die eine zerreißt die Hänge des 1560 m hohen, in scharfem Horn endenden Tanzaiyama, der oben eine Rasenkappe trägt; in dieser stürzt der Hannyabach 40 m über eine senkrechte Wand, den Hannyadaki (Wasserfall) bildend; 300 m l. davon, durch bewaldeten Rücken getrennt, hat sich der Hodobach eine noch großartigere Schlucht in die Felsflanken des Nantaizan gegraben, in der er vor seiner Vereinigung mit dem Hannyabach den wasserreichen, sehr hübschen Hododaki bildet. Im W. rauschte mehr als 100 m unter uns der Dayagawa in seiner Felsschlucht. Auf ordentlich gehaltenen Wegen geht es mäßig steigend durch schönen Wald, Tannen und Bergahorn, aufwärts an den Ausläufern des Nantaizan empor, bis wir in 1 St. das dritte Teehaus erreichen. Der Blick in die Dayagawaschlucht ist großartig; fast 600 m unter uns sieht man den Fluß wie eine milchige Masse zwischen finstern Tannen und Felswänden hindurchrasen, und der Steilabsturz des Tanzaiyama scheint ihm den weitern Weg versperren zu wollen. Doch aufwärts! Nach 100 m weitern Steigens befinden wir uns auf einem Sattel, und dumpfes Donnern schlägt an unser Ohr. In lichtem Walde schreiten wir fast eben rüstig vorwärts und biegen (l.) auf einen Fußpfad ab, der sehr steil uns auf eine mit Geländer versicherte Felskanzel führt. Wir stehen vor einem herrlichen Schauspiel. Vor uns stürzt in einem gewaltigen Sprunge (80 m tief) der Dayagawa als Ausfluß des Chūzenjisees in einen Felskessel. Kegon-no-taki heißt dieser herrliche Wasserfall. Noch 1/4 St. haben wir zu gehen, und wir stehen am blauen Spiegel des Sees von Chūzenji.« Chūzenji (Lake Side Hotel, gute europ. Küche, Mitt. 11/2 Yen, Pens. von 5 Yen an, Privattelephon zum Kanaya Hotel in Nikkō; jap. Gasthof Komeya; europ. Boote auf dem See tägl. 2 Yen, 1 St. 50 sen; jap. Boote stündl. 40 sen), Ort am gleichnamigen See, 1316 m ü. M., eingebettet zwischen Bergen von 1600-2483 m Höhe, beliebte Sommerfrische für Europäer, im Juli und August von etwa 10000 buddhistischen Pilgern besucht, die den erloschenen Vulkan Nantaizan (2483 m) besteigen. Der Aufstieg führt durch das Tempeltor am Ende des Dorfes (den Japanerinnen ist der heilige Berg verboten!), ist sehr steil und erfordert 3 St., oben besonders bei Sonnenaufgang wundervolle Aussicht. Man beginne mit Laternen zu steigen und nehme Strohsandalen unter die Stiefel! Bei klarem Wetter kann man den Fuji sehen.

Ausflug zum Yumotosee, von Chūzenji mit Rikscha (2 Mann, 2 Yen) in 2 St. oder zunächst in 1 St. im Boot über den 6 km langen und 2,5 km breiten malerischen Chūizenjisee nach Shōbu-no-Hama, von da zu Fuß in 10 Min. zumn Drachenkopfwasserfall (Ryūzu-ga-taki) und quer durch die große Schlachtfeldheide (Senjō-ga-ara), auf dem 1389 die Ashikaga-Shōgune gegen die südliche Mikadodynastie kämpften, eine von Wäldern eingefaßte Einöde, in 11/2 St. vorbei am »heißen«Wasserfall Yu-no-taki zum schönen Yumotosee, an dessen Nordende das Dorf Yumoto (1520 m; Namma Hotel, europ., Pens. 3,50-5 Yen, und andre japanische), mit zehn heißen Schwefelquellen, alles öffentliche Bäder. —Von Yumoto Aufstieg zum (1889 noch tätigen) Vulkan Shiranesan (2680 m), in 41/2 St. mit Führer, sehr steil und beschwerlich; 1 voller Tag erforderlich zur Besteigung, da die Gipfelbesichtigung Zeit fordert; Lebensmittel und Wasser mitnehmen! —Von Yumoto kann man auch bequemer als von Chūzenji in 41/2 St. auf den Gipfel des Nantaizan (S. 407) gelangen, doch nur mit Führer. Der Rückweg von Chuzenji nach Nikkō dauert kaum 21/2 St. 2) Zum Kirifuri-no-taki. Von der roten Kaiserbrücke Mihashi steigt man zunächst am r. Ufer des Dayagawa bis zu dem Stromwirbel Gaimman-ga-fuchi, wo an schroffer Felswand das Sanskritwort Hâmmam steht; in der Nähe mehrere luftige Teehäuser und 40 Amidafiguren in einer Reihe; von da zurück zur nächsten Brücke und durch den zierlichen Landschaftsgarten Dainichi-dō um den Fuß des Hügels Toyama (Aufstieg in 3/4 St., oben prächtige *Aussicht) herum in 11/4 St. zum fast 100 m hohen Staubnebelwasserfall Kiri-furi-no-taki. Vom Teehaus auf dem Hügel über dem Wasserfall schöner Blick auf den Fall und von dem Felsblock über dem Teehaus großartige *Aussicht; ein rauher, steiler Pfad führt zum Fuße des Wasserfalls. 3) Die Besteigung des Nyohō-zan (2470 m) erfordert von Nikkō aus einen vollen Tag, sehr früher Aufbruch nötig; der bequemste Weg führt über den Fujimi-tōge; man kann bis zu den Torii am Berghang reiten (Träger für Mundvorrat und Wasser etc. mitnehmen, Strohsandalen, warme Decken). Von Nikkō führt der Weg bis zum ersten Hause r. unterhalb Urami und ist dann auf 6 km Strecke sehr schlecht (im Dunkeln nicht zu machen), dann mehrere Kilometer durch Wald, der 2 km vom Fuße des Nyohō-zan zauberhaft schön wird. Nach 3 St. erreicht man die Torii, dann windet sich der Pilgerpfad meist unter dem Schatten schöner Bäume in 21/2 St. zum Gipfel des Nyohō-zan, auf dem ein Schrein des Gottes Onamuji steht. Prächtige *Aussicht über das Gebirge. Abstieg in 3 St.—Ein andrer Weg führt von Nikkō über die»Sieben Wasserfälle«(Nana-taki), er ist beschwerlicher, aber noch schöner, erfordert 51/2 St. Zeit zum Aufstieg. (Nur bis Nana-taki und zurück kann der Weg in 5-6 St. gemacht werden.) Zur Besteigung auf jedem der beiden Wege ist ein zuverlässiger Führer erforderlich.

Von Nikkō nach Ashio, Ikao, Haruna, Myōgi und Karuizawa.

A. Entweder auf der Eisenbahn (in etwa 6 St.) von Nikkō über Utsunomiya, nach (69 km) Oyama (S. 403), dort umsteigen in den Zug der Ryōmōlinie nach (151 km) Maebashi (Gasthof Shiroiya; europ. Speisehaus Akagi-tei), wichtige Handelsstadt für Rohseide mit 34000 Einw., am l. Ufer des Tonegawa, alter Daimyōsitz.— Von hier mit Rikscha in 15 Min. bis zum Endpunkt der Straßenbahn (die auf Vorausbestellung bei der»Basha Tetsudō Kwaisha«auch Wagen am Bahnhof bereitstellt), dann mit dieser in etwa 11/2 St. bis Shibukawa, von da in 2 St. mit Rikscha (2 Kulis) bergauf nach Ikao (s. unten).

B. Oder zu Fuß frühmorgens (mit Gepäckträger als Führer) von Nikkō in 2 Tagen (67 km Fußmarsch) sw. längs des Abfalls des Nikkōgebirges durch das Tal des Watarasegawa; am 1. Tag auf schlechten Wegen über den (13 km) Hosootōge mit 1250 m Paßhöhe. Beim Dorfe Miko-uchi folge man der l. abbiegenden Bergwerksbahn, weil deren Weg meist besser sein soll; man erreicht gegen Mittag (30 km) Ashio (700 m; Hotel Chōwakwan, 24 Z., Pens. 4-7 Yen, europ. Küche), Ort mit berühmtem Kupferbergwerk, in einem tiefen Tal. Die drei Bergwerke sind: Honzan, das größte, nördl. von Ashio; Kotaki westl. und Tsudo dicht beim Gasthof. Der Betrieb ist lebhaft und modern, in Privatbesitz (Furukawa & Co., Tōkyō) und sehenswert. Man übernachte in Ashio nach Besichtigung des nächsten Bergwerks.

Wenn man 1 Tag länger in Ashio bleiben kann, besteige man den Kōshin-zan, dessen Klippen etwa 10 km nw. von Ashio, bei Bessho, 1370 m ü. M., sehr sehenswert sind. Von Mi-harashi schöner Blick in die Tiefe. Die Klippen tragen Namen: Sanjū-sangen sind der Kwannon geweihte Abhänge; Kinoko-seki, die Pilzklippe; Yagura-seki, die Mauertürme; (Urami-ga-taki, ein Wasserfall); Goshiki no seki, die Fünffarbenklippe etc. Auf dem Gipfel Oku-no-in (1660 m) sind 3 Höhlen mit Heiligenschreinen. Abstieg von da in 21/2St. Nur Schwindelfreie können den anstrengenden Weg, der oft an Abgründen vorbeiführt, machen.

Von Ashio frühmorgens Wanderung durch das romantische Tal des Watarase-gawa abwärts über (40 km) Sōri (Gasthof) nach (49 km) Gōdo (Gasthof Tamaya, Mittagessen). Nm. weiter über (53 km) Hanawa (Gasthof) nach (67 km) Ōmama (Hotel Hayashi-rō, am Bahnhof; Toyoda-kwan, in der Stadt), einer langgestreckten Stadt am Fuße des Akagisan.—Von hier mit Eisenbahn (25 km) in 3/4 St. nach (92 km) Maebashi (S. 408); von da mit Rikscha, wie oben beschrieben, nach.

Ikao (Ikao Hotel, europ.; Budayu; Ishizaka, europ. Küche, u. a., jap.; gutes Teehaus), kleiner Bergstadt am NO.-Abhang des Harunasan, 760-826 m ü. M. Die malerische Hauptstraße besteht aus Treppenstufen; westl. hinter den Häusern liegt der steile Abhang Yusawa, wo ein Gießbach schäumt. Ikao ist beliebte Sommerfrische, reich an schönen Aussichten auf das Nikkōgebirge und das Tal des Tonegawa und besitzt heiße, eisenhaltige Quellen von 45° C. Spaziergänge in prächtiger Gegend nach Yumoto (1/4 St.); auf den Kompirasan (1/4 St.); nach Mushi-yu (3/4 St.); über (1/4 St.) Nanae-no-taki (siebenfacher Wasserfall) zum (1 St.) Benten-daki; nach Mizusawa no Kwannon (3/4 St.).

Von Ikao steil bergauf 7 km zum *Harunasee (etwa 1000 m), einem Kratersee zwischen Felswänden mit vorzüglichen Lachsen. Am Südufer entlang (gutes Teehaus, wo man übernachten kann) und l. 1/2 km hinauf gelangt man zum Tenjin-tōge, einer Paßhöhe von etwa 1100 m mit schöner *Aussicht, wo ein kleines Teehaus Haruna liegt. 4 km steil abwärts steht in prächtigem Wald in freundlichem, idyllischem Tal der kleine *Tempel von Haruna mit kunstvollen Holzschnitzereien.

Etwas unterhalb des Tempels ragt die merkwürdig geformte Klippe Kurakake-iwa, auf; einige Minuten weiter liegt das Dörfchen, wo die Frauen und Kinder der Priester wohnen.—Nun bergab auf schönem Wege über Sannokura nach (32 km von Ikao) Matsuida (Bahnhof der Karuizawabahn); von da mit Rikscha etwa 4 km in das kleine Dorf Myōgi (Gasthöfe: Hishiya, 25 Z., Pens. 1-3 Yen), in prächtiger Felsengegend am Fuße steiler, bewaldeter Bergzacken; über dem Dorfe nahe dem Gasthof eine alte malerische Tempelanlage aus dem 10. Jahrh.; von der Haupthalle führt eine Steintreppe zum Oku-no-in (Allerheiligsten). Von da steigt der Fels steil an.

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