Anmerkungen und Erläuterungen
Reading edition
Anmerkung 1 (zu S. 8). Die grundlegenden Werke hierüber sind: F. W. Schimper, Physiologische Pflanzengeographie auf ökologischer Grundlage. Jena 1898. — Karsten und Schenck, Vegetationsbilder der Erde. Jena 8o. — Wallace, Tropical nature. London 1878. — Brandis, Forest Flora of India. London 1874.
Anmerkung 2 (zu S. 11). Es kann natürlich nicht der Zweck dieser Schrift sein, welche nur mit den Naturbildern des Tropenwaldes bekannt machen will, die Beweisführung und Einzeltatsachen für die vier „ökologischen“ Faktoren des Tropenwaldes — Urwaldcharaktere, Waldgesetzlichkeit, Tropenanpassungen und biogeographische Sonderprägung — auszubreiten; dies soll vielmehr in einem größeren Sonderwerk geschehen.
Anmerkung 3 (zu S. 16). Über Herkunft und Bedeutung des Laterits vgl. S. 58.
Anmerkung 4 (zu S. 17). Die Buntblätterigkeit gehört zu den ombrophilen Charakteren der Hygrophyten, wie E. Stahl (Über bunte Laubblätter, Annales de Buitenzorg XIII) nachgewiesen hat. Besonders schön sind in dieser Beziehung die Begoniaceen, auch Gesneriaceen, Acanthaceen, gewisse Tropenorchideen (Goodyera, Anoectochilus), Rubiaceen, Cissus-Arten, Anthurium cristallinum usw. Die dunklen Stellen erwärmen sich leichter, transpirieren also mehr.
Anmerkung 5 (zu S. 20). Für die ceylonischen Urwälder kennzeichnend ist von Vögeln ein gelbschwarzer Oriolus, ferner der Tukan (Anthracocerus coronatus), die Honigvögel (Cyrtotomus lotenius), ferner der berühmte indische Roller (Coracias benghalensis). Im Gebirge auch der harpyenähnliche, nur in Ceylon vorkommende Adler Spizaëtus nipalensis. In den Wäldern treiben sich übrigens die für Colombo charakteristischen schwarzen Straßenraben (Corvus splendens protector) umher.
Charakterformen der indischen Urwaldschmetterlinge sind Telechina Violae mit fuchsgelben Flügeln, die altbekannten Kallima-Arten, Papilio Nomilius (wie ein Schwalbenschwanz), die trauerbraune Euploea asela, die gelbe Catopsilia crocale und viele hundert andere.
Anmerkung 6 (zu S. 23). Franz Wilhelm Junghuhn (1812-1864) verdiente weit mehr Beachtung als Klassiker der Tropenliteratur. Man sollte seine verschollenen Werke neu herausgeben. Er war Mediziner, Botaniker und Geologe, wegen einem Duell zu 20jährigem Gefängnis verurteilt, entfloh aber, ging zur Fremdenlegion nach Algier, dann nach Java, wo er fast 30 Jahre lang als Topograph, Geologe und Botaniker forschte und die Chinabaumkulturen leitete. Sein vierbändiges Hauptwerk heißt: Java (deutsch in drei Bänden von F. Haßkarl zu Leipzig 1854).
Anmerkung 7 (zu S. 24). Ich habe im ceylonischen Regenwald folgende acht Etagen unterschieden: Zu unterst 1. die Bodenlebewelt mit besonders viel Insekten, riesigen Humusrhizopoden und den bekannten Riesenregenwürmern. Die Zahl der Myriopoden ist weit größer als im europäischen Humus. Darüber 2. die Kleinvegetation mit wenig Lebermoosen, Moosen und Kräutern. 3. Die Selaginellenzone, überaus üppig entwickelt, von der ich den Eindruck habe, daß sie im tropischen Regenwald die Moosdecke ersetzt. 4. Araceen und Scitamineen, Begoniaceen, überhaupt krautstämmige Pflanzen. Dann folgt auch hier, ausgenommen an den Stellen mit „horror vacui“, eine Art Hiatus, den im gemäßigten Klima die Sträucher ausfüllen. Es hat zwar auch der Tropenwald seine Strauchvegetation, besonders Piperaceen — Piper spielt mit einigen hundert Arten darin eine weit größere Rolle als allgemein angenommen wird — Rubiaceen, Myrsinaceen usw. Im allgemeinen aber ermöglicht der Mangel an Sträuchern der Bodenvegetation den Lichtgenuß. 5. Jetzt folgen erst Bodenfarne, Farnbäume und Saprophyten, sowie Wurzelparasiten (Balanophoraceen). 6. Dann kommt die Zone der kleinen Bäume und Palmen. Hierher gehören Moraceen, Cecropiaceen, Caricaceen, auch noch Farnbäume, Zapfenpalmen usw. 7. Die siebente Etage ist die der Lianengewirre und Überpflanzen, Calamus, Monstera, Nischenfarne — Asplenium nidus, Polypodium quercifolia usw. — Tillandsien, Orchideen, Bignoniaceen, Bauhinia usw. 8. Erst als achtes Stockwerk erheben sich über diesem Gewirr 40-70 m hoch die Hochbäume, zu denen die Kletterpalmen und Lianengewächse emporsteigen und die allein schon durch ihre überaus reiche Verzweigung — viel mehr Verzweigungssysteme als die heimischen Bäume — wieder eine Reihe von Etagen bilden.
Anmerkung 8 (zu S. 33). Die australische Flora besteht zu 85% aus andern Pflanzenarten als die Pflanzenwelt anderer Erdteile. Gänzlich fehlen ihr Weiden, Pappeln, Baldriane, Resedaceen, Schachtelhalme, Bambusarten und während in Europa die größten Familien die Kompositen, Leguminosen, Kreuzblütler, Gräser, Dolden- und Nelkengewächse sind, kommen in Australien die Leguminosen, Myrten, Proteaceen an erster Stelle, dann erst Kompositen, Caricaceen, Gräser, Epakrideen, Orchideen und Euphorbiaceen. Dabei hat Westaustralien kaum 10% mit Ostaustralien gemeinsam.
Anmerkung 9 (zu S. 33). Die Vermehrung der Casuarinen ist erst in neuerer Zeit geklärt worden (Treub). Durch die Mehrzahl von Embryosäcken mit Eiapparat, den Beginn der Endospermbildung vor der Befruchtung, erinnern sie an die Nacktsamer, sogar an die Pteridophyten. Außerdem sind sie chalazogam, d. h. ihr Pollenschlauch erreicht den Embryosack nicht durch die Mikropyle, sondern durch die Chalaza.
Anmerkung 10 (zu S. 34). Grasbaum = Xanthorroea arborea — Spinifexgras = kein Spinifex, sondern Triodia — Acacia dealbata und Farnesiana sind von Australien nach Europa gebracht worden —. Gewisse der schönblühenden Heidenpflanzen Australiens sind Nationalpflanzen geworden, so die „native tulip“ (Telopea) in Neusüdwales.
Anmerkung 11a (zu S. 37). Die heutige Tierwelt Australiens trägt etwa den Charakter wie sie in Europa zur mittleren Jurazeit war, mit dem Unterschied, daß die Riesenformen ausgestorben sind. An der Küste leben immer noch die Muschelgattungen Waldheimia, Lingula, Trigonia, Crania, der Moloch horridus hat seinen nächsten Verwandten an der krokodilähnlichen Megalania, der Ganoidfisch Ceratodus hat seine Verwandten in der Trias, die Beutler sind in Europa seit der Jurazeit ausgestorben.
Alle australischen Säugetiere sind Beutler, ausgenommen der Dingohund, die Mäuse, Ratten und Fledermäuse, die von Insulinde kamen. Die Charaktertiere sind außer den mehr als 60 Arten von Känguruhs (Macropus, Dendrolagus, Petrogale, Halmaturus), der Wombat (Phascolomys), der Koala (Phascolarctus),die Opossums (Phalangista), der Beuteldachs (Perameles), der Native devil (Sarcophilus ursinus), die winzige Beutelmaus (Tarsipes), der Beutelmarder (Dasyurus), die Springmäuse (Notomys) usw. Kennzeichnend sind auch die eierlegenden Ameisenigel (Tachyglossus aculeatus) und das Schnabeltier (Ornithorynchus anatinus), das schon ganz selten geworden ist. Von Vögeln sind der Emu (Dromicaeus Novae Hollandiae) und der Kasuar (Casuarius), die Honigvögel (Meliornis), der Leiervogel (Menura), die Laubenvögel (Chlamydera und viele andere Gattungen), die schwarzen Schwäne, die Rosellapapageien (Platycerus eximus), die Cacatua-Arten, die Melopsittacus-Arten besondere Vertreter der überaus merkwürdigen australischen Ornis.
Anmerkung 11b (zu S. 37). Vergl. H. Klaatsch „Der Werdegang der Menschheit und die Entstehung der Kultur“. Berlin 1920. — Auch: G. Buschan, Völkerkunde. Leipzig. 8o. 3. Auflage.
Anmerkung 12 (zu S. 42). Tatsächlich ist der unausrottbare, weil aus Notzuständen (die melanesischen Inseln haben gar keine jagdbaren Tiere außer Tauben) hervorgegangene und kultisch verklärte Kannibalismus auf Papua, den Salomonen und Neuen Hebriden heute noch vorhanden. Im Jahre 1926 gab es auf Mallikolo Opfer dieser schrecklichen Sitte, und 1927 wurde auf Malaita (Salomonen) die ganze weiße Bevölkerung und ihre Schutzgarde überfallen und getötet.
Anmerkung 13 (zu S. 44). Als Mangrovebäume gelten vor allem die häufigste Rhizophora mangle und andere Arten (besonders in Tropenamerika), ferner Sonneratia im indomalaiischen Gebiet, Avicennia und Bruguiera von Afrika bis Australien u. a. m., zusammen 60 Arten, nur in den Tropen. Atemwurzeln (Pneumatophoren) sind besonders bei Rhizophora und Bruguiera entwickelt. Vergl. G. Karsten, Die Mangrovevegetation. Jena 1904.
Anmerkung 14 (zu S. 51). Vergl. hierzu F. Sarasin, Neu-Caledonia. 1917. Sarasin hat die Hypothese eines australindisch-melanesischen Kontinents aufgestellt und mit gutem Material eines 13bändigen Werkes wahrscheinlich gemacht.
Anmerkung 15 (zu S. 51). Charakterformen dieser Wälder sind die Notu-Tauben (Carpophaga Goliath), der von Schnecken lebende Kagu (Rhinochaetus jubatus), der fliegende Fuchs, auch Vampyr genannt (Pteropus ornatus), von Pflanzen außer der monotonen Niauli (Melaleuca leucodendron), die Casuarina, Araucaria columnaris u. a. Arten, ferner Gardenia, kleine Palmen und Zapfenpalmen (Zamia), Pteridium- und Gleichenia-Farne, ebenso Lygodium, die Riesen Spermolepis-Bäume, in den Höhen Farnbaumwälder von Cyathea und Alsophila mit viel Selaginellen, Lycopodien und Moosen, die auch auf den Gesellschafts- und Marquesasinseln wiederkehren.
Anmerkung 16 (zu S. 54). Die schönsten, leider aussterbenden Paradiesvögel leben auf Papua. Sie sind rabenähnliche Sperlingsvögel, von denen nur die Bälge der Männchen bereits seit dem 16. Jahrhundert in den Handel kommen (seit 1522). Der schönste ist der Göttervogel (Paradisea apoda) von den Aru-Inseln. Auch in Australien lebt eine Gattung (Tiloris paradisea), ebenso in Ceylon.
Anmerkung 17 (zu S. 55). Der melanesische Menschenstamm sind die eigentlichen Papuas (von malaiisch papuwah = kraushaarig), die etwa eine Million stark in zahllosen kleinen Stämmen (Zöller allein hat 46 Papuasprachen aufgezeichnet), die sich nicht verstehen und in steter Fehde leben und Neu-Guinea = Papua, den Bismarck-Archipel (heute Neu-Britannien), die Salomonen, Santa-Cruz-Inseln, Neue Hebriden, Banks- und Torres-Inseln, Fiji-Inseln und Baladea = Neu-Kaledonien bewohnen. Die Australier sind verwandt. Vergl. Meyer-Parkinson, Papuatypen. Dresden 1894.
Anmerkung 18 (zu S. 57). A. W. Bates (1825-1892) war 11 Jahre lang als Naturforscher am Amazonenstrom und schuf das klassische Werk über seine Naturgeschichte: A. W. Bates, Der Naturforscher am Amazonenstrom. (Deutsch erschienen in Leipzig 1866.) — Das andere Hauptwerk ist A. v. Humboldts Reisen im äquinoktialen Amerika. Vergl. auch Bebee, Dschungelleben. Leipzig 1927.
Anmerkung 19 (zu S. 60). Diese Schwirrvögel und wahren Blumennymphen sind die kleinsten aller Vögel. Es gibt welche unter ihnen, die nur Hummelgröße erreichen. Sie fangen Insekten in Blüten, auf Blättern und Spinnweben und sind typisch amerikanisch von Patagonien bis Labrador, wenn auch die meisten der 400 Arten in den süd- und den zentralamerikanischen Gebirgen leben. Goulds fünfbändige Monographie hat sie meisterhaft dargestellt. Auch Th. Belt, Der Naturforscher in Nicaragua. 8o.
Anmerkung 20 (zu S. 60). Vergl. O. Porsch, Vogelblumenstudien (Jahrbuch für wissenschaftliche Botanik 1924), das allerdings die Ansicht vertritt, daß Kolibris durch Austrinken des Nektars doch als Blumenbefruchter nützlich sind.
Anmerkung 21 (zu S. 61). Vergl. A. Möller, Brasilianische Pilzblumen. 8o. Jena 1894.
Anmerkung 22 (zu S. 63). Eine ausgezeichnete Schilderung der Indianerstämme am Amazonas gibt Charles W. Domville-Fife, Unter Wilden am Amazonas. Leipzig 1926.
Anmerkung 23 (zu S. 69). Der goldene Deckfarn (Acrostichum aureum), ein Riese mit meterlangen Fiederblättern, bildet in allen Tropenländern im brackischen Wasser hinter der Mangrove undurchdringliche Dickichte, am großartigsten aber in Tropenamerika, auch fossil in ungeheuren Massen. Die Selaginellaceen, die in 500 Arten einer einzigen Gattung im tropischen Regenwaldunterholz die größte Bedeutung, etwa die unserer Moose, haben, sind die nächsten Verwandten der Siegel- und Schuppenbäume, deren „Stigmarien“ vielleicht Luftwurzeln dieser Bäume waren, die also eine Mangrovevegetation bildeten. Mit den Calamiten zusammen bilden sie die Hauptmasse der Steinkohle.
Die Riesenschachtelhalme der Tropen leben in Südamerika in 8 Arten der Gattung Equisetum (Australien hat gar keine Art), von denen E. giganteum, fest holzig, nur 2 cm dicke, aber 12 m hohe Stämme hat. E. Schaffneri wird 2 m hoch, aber 10 cm dick.