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Türkische Märchen

53. DER UNWISSENDE ARZT

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Es gab einen jeder Erfahrung und jedes Wissens baren Arzt, der trotz seiner Unwissenheit die Heilkunde ausübte und für sich Geschicklichkeit in seiner Kunst in Anspruch nahm. Er war so unwissend, daß er nicht einmal Kopfschmerz von Gicht unterscheiden konnte und in der Zusammensetzung seiner Mittel heilbringende Arzneien und todbringende Gifte miteinander verwechselte. In der Stadt, wo er seinen Laden aufgetan hatte und wie ein Engel des Todes die Saat der Vernichtung ausstreute, war auch ein verständiger Arzt, der in seiner Kunst wohlerfahren war und durch seine glücklichen Kuren wie Jesus durch seinen Atem die Menschen zu neuem Leben erweckte. Aber, wie es so oft in dieser bösen Welt geht, daß die Klugen von dem Tisch der Güter des Lebens leer ausgehen und die Untüchtigen sich vollfüllen, so hatte dieser Mann, der so geschickt wie Galenus und Hippokrates war, kein Glück, während der Ruf des anderen sich immer mehr ausbreitete.

Nun war auch der unwissende Arzt anwesend und sagte: „Ich kenne dies Medikament und habe auch Erfahrung in der Mischung und Bereitung.“ Auf Befehl des Königs ging er in die Apotheke und suchte die beschriebene Flasche. Da es aber verschiedene derartige Flaschen gab, so konnte er sie nicht unterscheiden. Er nahm ohne genauere Untersuchung eine davon heraus. Diese enthielt nun nicht das Mahran, sondern ein tödliches Gift. Er öffnete sie, vermischte das Gift in der vorgeschriebenen Weise, stellte die Medizin her und gab sie zu trinken. Als die Kranke dies bittere Gift getrunken, vergaß sie den Streit dieser Welt und gab ihr Leben auf.

Als der König dies sah, schickte er aus Schmerz über die Trennung Seufzer zum Himmel empor und gab den Rest des Trankes dem unwissenden Arzte, der auch daran starb.

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