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Tahiti

Capitel 6. Der Angriff auf Papetee.

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Durch das Absegeln zweier Kriegsschiffe nach den Marquesas-Inseln war die französische Macht in Papetee sehr geschwächt worden, und in der That fingen auch an Provisionen zu fehlen, da die feindlich gesinnten Eingeborenen nicht allein keine Produkte mehr einbrachten, sondern auch die den Feranis freundlich gesinnten daran verhinderten, und nicht selten Einfälle selbst in die Stadt machten, ihre Häuser zu zerstören und ihre Fruchtbäume nieder zu schlagen oder zu tödten. Die Befestigung von Papetee selber war ziemlich gut und stark, aber zu ausgedehnt für die jetzt schwache Besatzung; die verschiedenen Bastionen konnten nicht alle gleich stark vertheidigt werden und es war hier wirklich mehr die Furcht die der Eingeborene vor den Kanonen der Feranis hatte, auf die sich der kecke Leichtsinn, ja die Tollkühnheit derselben verließ, mit wenigen hundert Mann, nicht einmal aller Bewohner in Papetee sicher, dem Angriff der ganzen Insel begegnen und ihren keineswegs so unbedeutenden Waffen Trotz bieten zu wollen.

Ein Handstreich war möglich, und zwar durch die Gefangennahme der Häuptlinge, denn in dem Volke selber lag kein rechter Trieb zum Widerstand, – wie sie gleichgültig die fremde Religion angenommen, würden sie es auch mit der Regierung gethan haben, wären die Eroberer in den einzelnen Stellen nicht eben zu schroff aufgetreten, und hätte die zugleich bedrohte Religion nicht durch ihre Priester stacheln helfen, dem sich der Häuptlingsstolz dann beigesellte. Eine wirkliche Schlacht, wo sie nicht unbedingt nöthig war, mußten die Franzosen aber jetzt sorgfältig vermeiden, denn jeder Mann den sie verloren schwächte ihre kleine Garnison um einen wichtigen Theil, und gab den Feinden größeren Muth und Selbstgefühl; ja der Gouverneur bereute schon fast die Expedition hinaus gesandt zu haben, selbst solchen Zweckes wegen, und sandte in einer Zeit, wo er glauben konnte daß sie ihr Ziel erreicht haben mußten, und die Aufmerksamkeit der Insulaner vielleicht noch mehr dadurch von ihnen abgelenkt wurde, zwei stärkere Trupps nach, die Patrouillen in ihren Bewegungen zu unterstützen, oder ihren Rückzug wenigstens zu decken.

Die erste, so ausgesandte Colonne traf, wie schon erzählt, auf die retirirenden Landsleute und zog sich mit diesen, nicht weiter als durch einzelne harmlose Schüsse behindert, auf Papetee zurück, die andere aber kam wenig über die nächste Umgebung der Stadt hinaus, denn ein dort im Hinterhalt liegender Schwarm von Eingeborenen, der jedenfalls schon von ihren Bewegungen vorher Kunde gehabt, griff sie in wilder ungebändigter Wuth an und zwang sie, von dem Terrain und seiner Ortskenntniß begünstigt, sich mit dem Verlust einzelner ihrer Leute, die sie nicht einmal im Stande waren mit fortzunehmen, auf die Stadt zurück zu ziehen.

Die kleine Garnison wurde natürlich durch diesen halben Angriff vollständig alarmirt. Die Wälle waren besetzt, die Kanonen geladen und gerichtet, und marschfertige Patrouillen zogen hin und wieder, die verschiedenen Punkte zu revidiren und Hülfe zu bringen wo sie Noth thun sollte.

In dem Caffeehaus des Franzosen Victor waren eine Anzahl Officiere versammelt, die von den verschiedenen Punkten eben Nachricht eingeholt und ihr frugales Mittagbrod mit einem, schon selten gewordenen Glase Claret würzen wollten. Auch René hatte sich hier eingefunden, saß aber still und allein, die Arme auf der Brust verschränkt, das kaum berührte Glas vor sich, und schien nur halb der lebendigen Beschreibung Adolphes zu lauschen, der seine Abenteuer an dem Tage, das Ende des Piraten und den von den Feinden so oft und hartnäckig bestrittenen Rückzug erzählte.

»Diable!« rief da Einer der älteren Officiere, »die Burschen machen bei Gott Ernst, und wir mögen nur immer unseren Wein austrinken, denn wer weiß ob uns nicht in der nächsten Minute die Lärmtrompete schon wieder an unsern Posten ruft. Die Soldaten werden knapp, aber mit den Officieren gehts noch knapper, und wenn sie noch ein paar von uns wegputzen, können wir uns nur Unterofficiere zu dem Geschäft abrichten.«

»Wißt Ihr schon daß die Jeanne d'Arc in diesen Tagen, wenigstens in nächster Zeit, ebenfalls segeln wird?« frug Bertrand.

»Das fehlt auch noch« riefen Andere, »dann doch sicher nicht, bis sie uns andere Schiffe zum Ersatz geschickt; wenn man nicht hier sich wenigstens den Rücken frei wüßte, möchte der Teufel einer ganzen Insel voll gut bewaffneter Indianer die Stirn bieten. Springen sie uns einmal über die Wälle und wir haben kein Schiff hier das ein paar Kugeln herüber werfen und uns im schlimmsten Fall an Bord nehmen kann, so sind wir alle zusammen verloren.«

»Wein her, Victor, Wein! aber rasch – es wird uns nicht mehr viel Zeit bleiben der Ruhe zu pflegen« rief ein junger Artillerie-Officier, der eben das Zimmer betrat, seine Mütze auf den Tisch und sich selber in einen Stuhl warf, »Tod und Teufel, ich glaube die Burschen machen Ernst.«

»Was giebt's Luçon?« frugen fünf, sechs Stimmen auf einmal – »neue Nachrichten? – ist Lefévre zurück?«

»Nichts zu hören von ihm und zu sehen, möchte nicht in seiner Haut stecken« rief der Neugekommene, sich ein Wasserglas rasch voll Wein schenkend, daß es über und auf den Tisch spritzte – »aber einen Gefangenen haben sie eben eingebracht, der hier in Papetee herum spionirte und von Rüstungen spricht, die an Point Venus wie an der östlichen Seite von hier statt finden sollen. Wir selber haben jetzt Spione nach beiden Richtungen abgeschickt und sobald die zurückkommen und das Ausgesagte betätigen giebt's jedenfalls Arbeit.«

»Was fehlt Dir nur heute, René?« sagte Adolphe, der sich jetzt zu ihm gesetzt hatte und seine Hand ergriff – »Donnerwetter Kamerad reiß Dich heraus aus den Grillen und sei endlich einmal wieder ein Mann, denn seit ich Dir heute von Belards erzählt, kommst Du mir wahrhaftig vor wie ein liebesieches Mädchen. Warum hast Du überhaupt das Haus gemieden? – sie scheinen Dich dort lieb zu haben und es würde Dich zerstreuen.«

»Es ist vergebene Mühe, Kamerad« lachte Bertrand jetzt, der zu ihnen an den Tisch trat, und wahrscheinlich glaubte, Adolphe habe ihm wieder zugeredet französische Dienste zu nehmen – »er hat den Geschmack am Handwerk verloren, das wenigste zu sagen, und wird hier ruhig sitzen und zusehn, während wir uns draußen mit dem Feind herumschlagen müssen, nur unser Leben und das Dach zu vertheidigen unter dem wir schlafen.«

»So weit wird's nicht kommen« lächelte René – froh dem Gespräch eine andere Wendung geben zu können – »die Eingeborenen sind gutmüthiger Natur, und wenn Ihr ihnen nur selber Raum zum Athmen gestattet, lassen sie Euch gern in Frieden.«

»Ja das hast Du wohl auch gemerkt?« lachte Bertrand – »die Eingeborenen sind gut genug, dagegen hab' ich Nichts, wenn wir eben nur allein mit denen auch zu thun hätten; die aber, die hinter ihnen stecken, die ihnen fortwährend in die Ohren schreien daß der liebe Gott in Gefahr wäre von den verdammten Baptisten geschändet zu werden, und ihnen schreckliche Geschichten vorerzählen von den Gräueln, denen ihre Seelen entgegen gingen, wenn sie dem Feind das »Feld des Glaubens« überließen, das sind die Hetzer, das die Feuerbrände, die die Gluth immer und immer wieder auf's Neue schüren. Und wenn es Männer wären, denen man mit dem Schwert entgegengehen könnte, sollte es gehn, aber es sind Weiber in langen Röcken, straf mich Gott, die mit den salbungsvollen langweiligen Gesichtern und den weißen Läppchen unter dem Kinn herumlaufen, und ihr fades nüchternes Gewäsch wie eine Sündfluth um sich her ausgießen, daß Einem ordentlichen Kerle schwach und weh wird. Demüthig und erbärmlich thun sie dabei, verdrehen die Augen und falten die Hände, und sehen so weich und schwammig aus, als ob ihnen Butter nicht im Mund zerginge, aber gieb ihnen einmal die Gewalt, laß sie sich nur oben schwimmend glauben mit einer »gläubigen Schaafheerde« unter sich, und sieh wie ihnen der Kamm wächst. »Christliches Bewußtsein« nennen sie's dann und noch anders, und Gesetze schreiben sie vor und Befehle; keine Kirche ist prächtig, keine Pfründe reich genug, keine weltliche Herrschaft soll über sie gebieten können, und keine weltliche Herrschaft giebt es dabei in die sie nicht hinein reden möchten in all ihrer christlichen Demuth. – Giftkröten!« rief er mit einem leise gemurmelten Fluch, und leerte das gefüllte Glas auf einen Zug.

»Hahahaha!« lachte ein Anderer, »Bertrand hat sich in die frommen Männer ordentlich verliebt – Dir haben sie's angetan mit ihrer unverbesserlichen Liebenswürdigkeit.«

Bertrand murmelte eine Antwort zwischen den Zähnen, indeß er sich sein Glas wieder füllte, und ging dann mit raschen ärgerlichen Schritten im Zimmer auf und ab.

»Sie sind es auch, die die Eingeborenen immer in böse Händel verwickeln« rief Adolphe, »und hast Du mir nicht selber erzählt, René, daß ohne Deines wunderlichen Atiuer Freundes Hülfe, von dem ich immer noch nicht herausbekommen kann, ob er ein Schuft oder ein ehrlicher Kerl ist – der Häuptling Aonui Dein Blut vergossen hätte? – wie man aber hier überall hört, ist gerade jener Aonui ein reines Werkzeug der Missionaire, den weit milderen und vernünftigeren Rathschlägen Utamis gerade entgegenarbeitend.«

»Zum Teufel, ja!« sagte René, die Stirne runzelnd in der Erinnerung an die, so knapp gemiedene Gefahr, »des Schuftes Aonui Schuld war's wahrlich nicht, daß ich jetzt hier noch bei einem kühlen Glas Claret sitze, und ich glaube er war wüthend genug über meine Flucht. Wenn eins mir auch den Degen noch einmal in die Hand drücken könnte gegen die Indianer, wär' es die Hoffnung dem schleichenden Hallunken zu begegnen, und ihm die Todesangst zurück zu zahlen.«

»Wer weiß, Delavigne, ob wir nicht Ihre Hülfe noch früher in Anspruch nehmen« sagte der junge Artillerielieutnant – »wir sind so schwach an Mannschaft, daß wir bei einem allgemeinen Sturm der Eingeborenen die Wälle gar nicht ordentlich besetzen, die Geschütze nicht gehörig bemannen können, und Sie werden sich wahrlich nicht ruhig in's Kaffeehaus setzen und ihren Wein trinken wollen, während wir draußen nicht Arme und Köpfe genug finden können die Stadt und die Weiber und Kinder vor dem Einbruch der wilden, und dann auch gewiß blutdürstigen Horden zu sichern. Selbst die Herren Belard und Brouard haben heute Morgen, von unserem prekären Stand und der Gefahr in der wir schweben in Kenntniß gesetzt, dem Gouverneur ihre Hülfe anbieten und ihn bitten lassen, über sie ganz zu disponiren, wie er es für gut finden würde. Sie werden sich nicht wollen von Monsieur Brouard ausstechen lassen.«

»Ist es denn wirklich so arg?« rief René – »ich habe nur immer geglaubt, Bertrand und Adolphe redeten mir so zu mich wieder zum Dienst zu bringen. Es versteht sich von selbst daß ich mich der Vertheidigung der Stadt nicht entziehe, wenn ich einmal darin bin, selbst wenn es nicht gälte meine eignen Landsleute mit vertheidigen zu helfen. Wird es da nöthig sein mich erst beim Gouverneur zu melden?«

»Gewiß« sagte der Artillerielieutnant, »aber wenn Sie das wollen kommen Sie mit mir, ich gehe in diesem Augenblick zu ihm, und weiß daß wir ihm Freude damit machen.«

»Dann laß Dich nur mit zu mir einrangiren!« rief Adolphe, »und wär' es nur der alten Zeiten wegen.«

»Und Atiu?« flüsterte René leise.

»Läuft Dir nicht fort« lachte der Freund, der die Worte gehört – »Mensch, danke Gott daß er Dir die Gelegenheit förmlich in den Schoos wirft Dich auszuzeichnen, und Dir eine Stellung hier auf den Inseln, wenn Du denn nun einmal Dein Leben darauf beschließen willst, zu erringen. Frankreich braucht solche Männer wie Dich zu seinen Colonieen, aber suche den Zweck Deines Lebens dann auch nicht blos in einer Bambushütte und in den Armen einer hübschen Dirne – ich bin auch kein Kostverächter, aber ich will ein Ziel haben zu dem ich aufschauen muß, eines das mir die Nerven und Adern mit Stolz und Freude füllt, dann freut mich auch ein häuslich Glück daheim, und wahrlich nur in solchen Verhältnissen kann ich es mir denken.«

»Ich kenne René gar nicht mehr« sagte Bertrand, »und glaube doch am Ende die Missionaire haben's ihm angethan.«

»Hahahaha« lachten Andere, »das wäre kein übler Spaß, wenn Delavigne Mitonare auf einer der Inseln drüben würde, und die Heidenkinder mit dem heiligen Wasser wüsche.«

»Gar nichts so Unmögliches« sagte Bertrand, »da sind schlimmere und wunderbarere Sachen vorgekommen in der Welt, und wenn er so fortliefe im alten Gleis, ständ ich ihm bei Gott für Nichts.«

»Er wird Euch zeigen ob er noch fechten kann« rief aber René jetzt, dem das Blut in Schaam und Aerger in die Schläfe stieg – »daß ich nicht muthwillig gegen die Eingeborenen fechten wollte, dafür hat ich den guten und mir selber genügenden Grund, ich bin in anderen Verhältnissen an diese Küsten geworfen als Ihr; aber treiben sie mich dazu, wie's mir jetzt fast scheint, denn ihrer Güte verdank ich's nicht daß ich noch athme, ei, dann bin ich auch meiner Verbindlichkeiten quitt und ledig, gegen die Herren von Tahiti, und so lange ich hier noch auf der Insel wohnen bleibe, will ich sie mir wenigstens mit helfen vom Leibe halten. Ob ich mich dabei wie ein Mitonare oder wie ein Franzose benehmen werde, mögen die Herren mir nachher bezeugen.«

»Bravo Delavigne – bravo!« rief es von allen Seiten und die meisten der jungen Offiziere sprangen auf ihn zu und schüttelten ihm die Hand; in dem Augenblick aber tönte draußen ein Horn – das Alarmsignal, das die beurlaubten Officiere zurück auf ihre Posten rief, und Mützen und Waffen aufgreifend, wurden die Gläser noch rasch voll geschenkt und geleert, und fort stürmten sie Alle mit flüchtigem Gruß neuen Kämpfen, neuen Gefahren, aber so sorglos entgegen, als ob sie zu irgend einem fröhlichen Feste den lustigen Reihen, und nicht schon arg zusammenschmolzene Schaaren dem unermüdlichen und ihnen an Zahl so weit überlegenen Feind entgegenführen sollten.

Der Aufstand der Eingeborenen war aber in der That nicht bloßes Gerücht gewesen, und René behielt kaum Zeit dem Gouverneur, der ihn freudig begrüßte, als Freiwilliger vorgestellt und bestätigt zu werden, als von Point Venus her die neue Botschaft kam, daß sich die Insulaner dort in einer Verschanzung festgesetzt und von da hereinbrechend einzelne Häuser der den Franzosen freundlich gesinnten Indianer niedergerissen, und die sich ihnen entgegenstellende Patrouille zurückgeworfen hätten.

Selbst auf die Gefahr hin Papetee für den Augenblick zu sehr von Truppen zu entblößen, mußten die Feinde aus dieser Stellung, die sie in der unmittelbaren Nähe der Stadt hielt, vertrieben werden, und mit wirbelndem Trommelschlag und schmetternden Trompeten sammelten sich die Franzosen in der Nähe des Missionsgebäudes, und rückten dann in dichten Colonnen dem Feind entgegen.

Der Platz wo sich die Eingeborenen diesmal festgesetzt, hieß Harpape und es schien fast, als ob sie durch diese Stellung die verhaßten Feranis nur eben aus ihren festen Verschanzungen herauslocken wollten, um sie desto wirksamer auf ihrem eigenen Terrain bekämpfen zu können. So hatten die Franzosen gerade die Missionsstation von Harpape erreicht und passirt, und die ersten Colonnen waren eben in dem dicht dahinter liegenden Orangenhain auf ihrem Weg, dem Fort der Eingeborenen zu, verschwunden, als überall aus dem Dickicht heraus das Feuern der Eingeborenen begann, deren Absicht jedenfalls gewesen war, die Feinde hier zu trennen und zu zerstreuen, und dann gemeinsam zu überfallen und zu vernichten. Das aber gelang ihnen allerdings nicht; ein scharfes Feuer wurde auf den Busch gerichtet, der den schlauen Feind verbarg, und von See aus warf ebenfalls ein kleiner Französischer Dampfer, der dort auf und nieder fuhr, die Bewegungen des Militairs zu unterstützen, Kugeln in alle Dickichte die ihm der Sammelplatz der Eingeborenen schienen. Wild fuhren diese dann manchmal auseinander, wenn ganz unerwartet, von einem ungesehenen, ungeahnten Feind geschleudert, eine Kugel hinein schmetterte, mitten zwischen sie, oder wie das nicht selten geschah, den Stamm einer gewaltigen Palme traf und splitterte, und der fruchtschwere riesige Wipfel dann prasselnd und krachend niederbrach über die Entsetzten.

Das Missionsgebäude lag hier mitten im Feuer, und war besonders den Kugeln des Dampfers ausgesetzt; zwei der Missionaire deshalb, die sich zu dieser Zeit gerade im Inneren desselben befanden, die Brüder Brower und Mac Kean traten auf die Verandah hinaus, um die Leute an Bord wenigstens wissen zu lassen wer sich hier aufhalte. Der Dampfer respektirte auch das Haus der Missionaire und glitt geräuschlos vorbei, erst auf der anderen Seite wieder sein Feuer eröffnend.

Gefährlicher schien für die beiden Männer, die in einer merkwürdigen Verblendung, ob aus Neugierde, ob aus Furcht, oder in der That weil sie hofften dadurch die Kugeln am sichersten von sich abzulenken, nicht allein in dem gefährdeten Haus, sondern auch auf der Verandah desselben blieben, das Kleingewehrfeuer der Truppen zu werden, die sich zuerst vor den Gebäuden gesammelt hatten und nun zu einem förmlichen Angriff rüsteten. Kaum hatten sie aber den Orangenhain wieder betreten, als auch von dort aufs Neue ein scharfes Feuer auf sie eröffnet wurde, und ein Theil der Truppen sprang in die Umzäunung der Kapelle oder des Bethauses, aus dieser, die aus aufgerichteten Cocosplanken bestand, eine zeitweilige Brustwehr zu bilden und den erwarteten Sturm der Eingeborenen besser und nachdrücklicher abweisen zu können. Diese kamen aber nicht, sondern begnügten sich nur mit der Vertheidigung des Dickichts, dem Feinde nicht die Vortheile des freien Feldes zu gönnen, und die Franzosen, des Plänkelns müde, bei dem sie nur Leute einbüßten und dem Feind auch nicht den geringsten, wenigstens sichtbaren Schaden zufügten, sammelten sich wieder in kleinen Colonnen, die versteckten Insulaner jetzt ernstlich aus ihren grünen Bollwerken heraus zu treiben, und auf ihr Hauptlager in Harpape zurückzuwerfen.

Gouverneur Bruat selber, der indessen am Missionshaus stillgehalten, hatte die beiden Missionaire gewarnt sich dem Zufall einer schlechtgezielten Kugel solcher Art auszusetzen, und sie zogen sich demnach in die Hinterzimmer des Gebäudes zurück; Rufen und Schreien draußen und das schärfere Schießen lockte sie aber auf's Neue vor, und erst als mehre Kugeln in das Dach und die Fenster des Gebäudes selber schlugen, wollten sie sich wieder zurückziehn – aber zu spät. Mr. Mac Kean hatte sich eben zum Gehn gewandt, da traf ihn eine von den Insulanern selber abgefeuerte Kugel in den Hinterkopf, und als ihn Mr. Brower taumeln und sinken sah und zuspringen wollte ihn zu halten, stürzten Beide auf den Boden der Verandah nieder. Mr. Brower zog ihn allerdings nun in das Gemach hinein und versuchte Alles ihn wieder in's Leben zurückzurufen, aber die Kugel war tödtlich gewesen – er athmete noch ein paar Mal leise und – war nicht mehr.

Die Soldaten indessen, sich wenig darum kümmernd was in der Verandah des Missionsgebäudes vorging, warfen sich in kalter Entschlossenheit auf den versteckten Feind, trieben ihn aus dem Schutz der Büsche hinaus und stürmten seine Schanzen, daß er, seine Todten und Verwundeten aufraffend, in wilder Flucht sein Heil suchen mußte. Gern hätte der Gouverneur sie nun auch weiter verfolgt, wären ihnen nicht zu gleicher Zeit die von Papetee herüber donnernden Kanonenschläge eine ernste Mahnung gewesen dorthin zurück zu kehren. Aus dem Hautauethal nieder hatten nämlich die Eingeborenen, nachdem sie Lefévre mit seiner kleinen Schaar erschlagen, von dem leichten Siege trunken, einen tollen Angriff gewagt, und als das Commando von Point Venus zurückkehrte, kam es eben nur noch zur rechten Zeit, die schon zum Aeußersten erschöpfte Besatzung von den immer und immer wiederkehrenden wüthenden Angriffen der Insulaner zu befreien, die nur zurückgeschlagen schienen, um mit doppelter Wuth und ungeschwächten Kräften ihre Ueberfälle zu erneuern.

Selbst der Untergang der Sonne setzte dem erbitterten Kampfe noch kein Ziel, und die Indianer suchten besonders unter dem Schutz der Dunkelheit einige der am schwächsten besetzten Punkte zu überrumpeln, bis ein paar zwischen sie abgefeuerte Raketen und über sie geworfene Leuchtkugeln sie erschreckt zurücktrieb in ihren sicheren Wald.

René hatte sich mehrfach an diesem Tag ausgezeichnet, auch ein paar leichte Streifwunden bekommen, aber ungeschwächt dadurch dem Kampfe Stand gehalten. Das herzliche Betragen seiner neuen Kameraden dabei that ihm wohl; es erweckte wieder die alten fröhlichen Erinnerungen aus früheren Tagen, früheren Zeiten, und mit dem Bewußtsein dazu, wie er den Kampf nicht muthwillig gesucht, und eben sein eigenes Leben nur mit vertheidigen helfe, das ihm noch gefährdet sein mußte, wäre er wieder in die Gewalt Aonuis oder jener fanatischen Parthei gefallen, kam wieder all der fröhliche Jugendübermuth in seine Seele, und er horchte mit blitzenden Augen den Plaudereien der Erzählenden, von Kampf und Sieg, Avancement und Orden – Orden in blutiger Schlacht mit dem Säbel in der Faust gewonnen, und nicht im Frieden behaglich eingeknöpft.

Die strengsten Patrouillen mußten aber die ganze Nacht hindurch die Außenwerke begehn; die Posten wurden unaufhörlich revidirt, und die Truppen warfen sich in ihren Kleidern, die blanke Waffe zum raschen Dienst bereit, auf ihre Matten, der Nacht ein paar Stunden Schlaf abzustehlen, und zum frischen Kampf am nächsten Morgen, an dessen Beginn keiner von Allen zweifelte, wieder bereit zu sein.

Sie hatten sich auch nicht geirrt; mit dem dämmernden Morgen schmetterten die Alarmhörner und wirbelten die Trommeln, das Kleingewehrfeuer von dem, den Schanzen gegenüberliegenden Dickichten begann schon wieder, und der Donner des schweren Geschützes von den Wällen brach prasselnd hinein in Guiavenbusch und Orangenhain, und trieb den Rauch in schwerfälligen Massen in der Niederung hin, sie mit dichten Schwaden füllend.

Die Franzosen hatten die Wälle so gleichmäßig als möglich besetzt, und der kleine Dampfer unterstützte sie dabei nach besten Kräften von der Seeseite.

Nichtsdestoweniger gelang es mehrmals den verschiedenen Trupps bis in das Innere der Verschanzungen zu brechen, wo sie manche der den Franzosen ergebenen Häuptlinge und andere Insulaner erschlugen, und das Französische Missionshaus zu stürmen suchten. In wildem unerschrockenem Trupp, das Feuer der Geschütze wie die in ihren Reihen angerichtete Verwüstung nicht achtend, warfen sie sich dem ihnen an Kriegskunst und Waffen weit überlegenen Feind trotzig entgegen, und die Alarmsignale der Französischen Truppen mußten in solchen Fällen Hülfe herbeirufen nach den am meisten bedrohten Punkte. Glücklicher Weise für die Besatzung versäumte der Feind solche Angriffe, obgleich zehnmal zurückgeworfen, weil sie fast die ganze Macht der Gegner im Widerstand fanden, an mehren Punkten zugleich zu unternehmen, Papetee wäre sonst unrettbar verloren gewesen; hartnäckig nur blieben die Eingeborenen bei ihrer alten Art des Angriffs und – konnten ihr Ziel nicht erreichen.

Aber auch hierdurch wurde die kleine Besatzung mehr und mehr entkräftet; die ewigen Stürme bald hier bald da, immer mit gleicher Wuth geführt, während die Insulaner, Tod und Wunden nicht scheuend immer nur danach zu trachten schienen den Feind zu treffen und zu schwächen, rieben sie nicht allein auf, sondern verminderten auch schon merklich ihre vertheidigungsfähige Mannschaft, und hie und da war schon der Wunsch unter den zum Tod erschöpften Leuten, den die Officiere Mühe genug hatten zu unterdrücken, aufgetaucht, daß sie den Dampfer heranrufen und an seinen Bord wenigstens ihr Leben sichern sollten, bis französische Schiffe mit Mannschaft und Provisionen ankämen und so nöthige Hülfe brächten. Lauter wurde der Wunsch, je wilder der unermüdliche Feind ihre Wälle stürmte, und mancher Blick der armen verwundeten und zum Tod erschöpften Truppen suchten den fernen Horizont nach so heiß ersehnter nöthiger Hülfe.

»Ein Segel!« wie ein elektrischer Schlag ging der Ruf durch das ganze Lager – »ein Segel am Horizont« – ein Kriegsschiff das uns Hülfe – das Verstärkung bringt – ein Kriegsschiff das schon mit dem Namen den kecken und übermüthigen Feind einschüchtert und zurück in seine Berge jagt, der bis jetzt zu glauben schien die wenigen Truppen seien allein zurückgelassen, die Insel im Besitz zu halten, und wenn sie die wieder vertrieben oder erschlügen, wären sie auf's Neue die Herren ihres Landes. Die Europäer mochten ihnen in der That etwas derartiges vorerzählt haben, als aber das fremde Schiff am Horizont auftauchte, oder vielmehr, um die östliche Landspitze her, schon in gar nicht mehr so großer Entfernung sichtbar wurde, hielten die Eingeborenen es ebenfalls für ein ihnen günstiges Omen, denn wenn die Franzosen hier wirklich allein zurückgelassen waren, konnte das neueinkommende Fahrzeug kein anderes als ein englisches sein, und einen Wetteifer galt es jetzt, die Feinde zu werfen und zu vertreiben, ehe fremde Hülfe selber gekommen sei.

Die beiden wichtigsten Anführer der Insulaner an diesem Tag waren aber der wilde Häuptling Fanue, und Pompey der Afrikaner, dem seine prächtige Hautfarbe wie riesige Kraft diese Auszeichnung verschafft hatte. Pompey besonders, während der Indianer mehr eine stille, mehr hartnäckige Tapferkeit entfaltete, rief die ihm blind folgenden Krieger immer mit einem wahren Jubelschrei zu neuem Angriff, und zehnmal zurückgeschlagen und aus vielen Wunden blutend, schien ihm das Alles nur ein leichtes fröhliches Spiel, dem er mit Singen und Lachen wieder entgegenflog.

Im Osten von Papetee hatte die schon zum Tod erschöpfte Mannschaft eben einen solchen Angriff zurückgeschlagen, bei dem in der That nur ein glücklicher Kartätschenschuß den Ausschlag gegeben, der den dicksten Haufen der Feinde traf, und furchtbare Verwüstung zwischen ihnen anrichtete. So vollständig waren sie dadurch überrascht worden, daß sie selbst ihre Todten auf dem Platze ließen, so schnell als möglich die Büsche wieder zu erreichen. René und Adolphe hatten hier zusammengekämpft, und der erstere besonders sich mit so kalter Todesverachtung dem Feind entgegengeworfen, und mit so unübertroffener Tapferkeit gefochten, daß ihm Gouverneur Bruat, der von einem Platz zum anderen galoppirte die Vertheidiger anzufeuern und etwa nöthige Anordnungen zu treffen, selber das Kreuz der Ehrenlegion auf die Brust heftete und ihn zum Capitain, an die Stelle seines gefallenen Vorgesetzten, avancirte.

»Du bist nun einmal ein Glückskind, René« lachte Adolphe, ihm auf die Schulter klopfend, »und Fortuna scheint Dich besonders ausersehen zu haben.«

»Fortuna ist ein Weib, Adolphe, und unbeständig, wer kann sagen wie mich die nächste Stunde findet und – ich weiß wahrhaftig nicht ob ich mich über mein unverhofftes, ungesuchtes Avancement freuen oder – oder ärgern soll.«

»Aergern?« lachte Adolphe – »Gott sei Dank, das wär' eine Ursache vom Zaun gebrochen. Aber Du hast's auch verdient, denn ich schlage mein Leben auch nicht gerade so übermäßig hoch an, doch mich solcher Art mitten zwischen die tollsten Haufen der Feinde und in Bayonnet und Speer gerade hinein zu werfen, fiele mir nicht ein – und ich bin nicht verheiratet.«

Am anderen Ende der Stadt begann in diesem Augenblick, und ehe René etwas erwiedern konnte, ein scharfes unregelmäßiges Schießen, dem die Französischen Signalhörner antworteten. – Der Gouverneur selber kam in diesem Augenblick zurückgesprengt, und den Platz erreichend wo die beiden Freunde standen, rief er schon von weitem:

»Herr Hauptmann Delavigne, mit ihrem Trupp vor so rasch Sie können; unser Missionshaus ist schon genommen und es gilt jetzt, den Feind wieder zurückzuwerfen, oder Papetee ist verloren!« – und an den Schanzen hinunter sprengte er, Hülfscorps noch abzuziehn, wo sie sich irgend entbehren ließen, den bedrängten Platz zu entsetzen, während René im Sturmschritt, die wirbelnde Trommel voran, dem bezeichneten Kampfplatz zueilte. Und es war die höchste Zeit, denn ein wilder Schwarm, den alten Fanue an der Spitze, hatte die Schanzen schon genommen, die Umzäunung des erst kürzlich errichteten Katholischen Missionshauses niedergerissen und dieses gestürmt und in Brand gesteckt.

Bertrand, der nach dem Tod des ersten Lieutenants der Jeanne d'Arc zu dessen Stelle avancirt war, kommandirte hier, war aber durch die wirkliche Todesverachtung der Masse, jeden Fußbreit Boden mit Schwert und Bayonnet vertheidigend, zurückgedrängt worden, denn die ganze Macht der Insulaner schien sie wieder auf diesen einen Punkt zusammengerafft zu haben, während der größte Theil der Französischen Besatzung noch von dem letzten Angriff her an der Ostseite Papetees stand.

Hoch auf loderte die Flamme aus dem, aus leichtem Fachwerk gebauten Missionshaus in die stille Luft, und leckte und nagte an den, wie ängstlich die langen Blattarme zurückwerfenden Palmen, deren Kronen sie dörrte; und hinein in das Prasseln des Holzes und das Wirbeln der Trommeln, hinein in das Knallen des Kleingewehrfeuers und Schmettern der Signalhörner, mischte sich das Jubelgeschrei der Eingeborenen, die hier von Pompey auf der rechten, von Fanue auf der linken Flanke geführt, während Utami selber das Centrum befehligte, in wildem Siegestaumel die Feinde aus einer Hecke der Gärten in die andere trieben, und wie es schien, sich zu dem Platz durchschlagen wollten, wo die Feranis eine Art Arsenal angelegt, und einen ziemlichen Vorrath von Munition und Waffen aufgestellt hatten.

Dicht vor dem Arsenal, in dem Grundstück eines der eingeborenen Richter, der sich auf Seiten der Feranis erklärt, hinter einem festen Zaun von gespaltenem Holz, der ihnen als Brustwehr diente, hielten die Franzosen wieder Stand und vertheidigten sich mit verzweifelter Tapferkeit gegen die Uebermacht. Viele der Eingeborenen, wie Ule der Richter selber, fochten in ihren Reihen, denn sie wußten recht gut daß gerade sie zuerst verloren gewesen wären, wenn die Insulaner die Feranis schlugen. Da brach Fanue von der Rechten zuerst durch den Zaun; von zwei Bayonnetten getroffen schlug er die Feinde trotzdem zu Boden, und auf Ule zuspringend, während die Seinen nachpreßten und die Aufmerksamkeit der Soldaten von ihm ablenkten, faßte er, seine Waffe fallen lassend, den verrätherischen Richter um den Leib, und trug den jetzt laut um Hülfe rufenden mit einem Triumphgeschrei in seinen Trupp hinein. Seine Absicht war dabei wohl gewesen ihn als Gefangenen mit in die Berge zu führen, aber die Wuth der Seinen dachte nicht an Aufschub ihrer Rache und sein Flehen nicht achtend warfen sie sich, selbst trotz der Einsprache des Häuptlings, in gellendem Jubelruf auf den Gestürzten, ordentlich wetteifernd, wer Beil oder Speer, Degen oder Bayonnet zuerst in seiner Brust begraben solle.

Dadurch war aber ihre Aufmerksamkeit zu sehr von dem Angriff selber abgelenkt worden; die Franzosen hatten sich wieder gesammelt und mit Bertrand an der Spitze räumten sie noch einmal die Umzäunung. Neue Massen preßten jedoch heran, und die wenige Mannschaft hätte den Platz nicht länger behaupten können, wäre nicht in diesem Augenblick René mit seiner kleinen Schaar dem schon siegestrunkenen Feind muthig in die Flanke gefallen.

Das neue Angriffsignal von einer anderen Seite machte sie stutzen und sie wichen dem jetzt erneuten Angriff Bertrands, nicht vielleicht im Rücken von einer stärkeren Macht umzingelt und abgeschnitten zu werden.

Der rechte, von Pompey geführte Flügel sammelte sich aber rasch, und der Neger erkannte kaum den Führer des kleinen Corps, als er sich ihm auch selber entgegenwarf, mit dessen Vernichtung dem Trupp das Haupt zu nehmen.

»Hierher, Kanakas!« schrie er mit seinem kecken gellenden Lachen, die schwarzen nackten muskulösen Arme emporwerfend – »hierher und der Sieg ist unser!« und der gleich darauf gegen den jungen Franzosen mit einem riesigen Pallasch geführte Streich hätte diesem jedenfalls verderblich werden müssen, wenn René nicht mit einem raschen Seitensprung dem furchtbaren Hieb entgangen wäre. Ehe sich der Coloß aber zu einem neuen Schlage zusammenraffen konnte, und wie er eben den Arm dazu hob, fuhr ihm die scharfe Klinge des geübten Fechters durch die Achselhöhle in die Brust, und nachspringend faßte René in demselben Augenblick, die eigene Klinge fahren lassend, die Hand des tödtlich Verwundeten und entwand ihr den Pallasch, ihn jetzt blitzesschnell auf die Häupter der ihm nächsten Feinde richtend.

So rasch und gewandt war die That ausgeführt, daß die ihm nächsten Eingeborenen ihren Verlust erst begriffen, als der riesige schwarze Körper vor ihnen zusammenbrach, und das kleine Häufchen der Franzosen mit einem donnernden Hurrah und gefälltem Bayonnet wüthend auf sie einpreßte.

Der rechte Flügel wich, und fröhliches Jubelgeschrei der Franzosen füllte zugleich die Luft, denn aus der Bai herüber donnerte ein Kanonenschuß, die schwere mächtige Kugel schwirrte über ihre Köpfe und traf einen starken Brodfruchtbaum dicht unter den Wipfel, seine breiten gewichtigen Aeste auseinanderreißend, während zugleich der Ruf L'Uranie, L'Uranie! neue Hoffnung den Bedrohten brachte. Das fremde Schiff war in die Bai eingelaufen und von seinem Heck flatterte frisch und frei in der Brise die dreifarbige Fahne.

Nichtsdestoweniger konnte die Hülfe von dort noch immer zu spät kommen, denn wenn auch der rechte Flügel, durch den Tod des Führers bestürzt gemacht, dem muthigen Angriff des Feindes wich, hielt Utami noch wacker Stand und drängte sogar mit Fanue zu gleicher Zeit auf's Neue vor, jetzt Alles daran setzend, das Arsenal zu erreichen und ebenfalls anzuzünden. Bertrand kam hierbei zwischen die beiden Colonnen, und der alte tapfere Utami, seinen schweren Säbel fast eben so viel als Keule wie als scharfe Waffe brauchend, arbeitete sich, von dem Kern der Seinen und fünf oder sechs gut bewaffneten Europäern dabei unterstützt, mehr und mehr nach dem Führer der Feranis durch, dem Kampf durch dessen Niederlage mit einem Schlag ein Ende zu machen. Kleine Trupps der Franzosen langten indessen zu gleicher Zeit auf dem Kampfplatz an, aber einzelne zerstreute Trupps der Eingeborenen empfingen sie auch überall, ihr Vorrücken aufzuhalten und der Hauptmacht Zeit zu gönnen das beabsichtigte Ziel zu erreichen; René nur, jedes Hinderniß besiegend, hatte sich endlich bis zu dem arg bedrohten Französischen Picket Bahn gehauen, und entdeckte hier kaum den alten Häuptling, dessen Einfluß auf die Insulaner er gut genug kannte, als er das Aeußerste daran zu setzen beschloß, ihn gefangen zu nehmen. Kein wirksameres Mittel gab es dann, den Frieden von den Eingeborenen zu erzwingen.

Bertrand gewahrte ebenfalls den alten greisen Indianer, der den Seinen voran, todesmuthig seinen Weg sich freischlug, und in ihm jedenfalls eine vorragende Persönlichkeit vermuthend, preßte er ihm entgegen und war im Begriff einen Stoß nach ihm zu führen, als ein vor ihm liegender, gestürzter Indianer sein Bein ergriff und ihn mit sich in demselben Augenblick zu Boden riß, in dem der greise Utami vorsprang und den schweren Pallasch in der Luft schwingend einen Hieb nach ihm führen wollte.

René sah die Gefahr des Freundes, und noch während er einen der Insulaner, der sich ihm in den Weg stellen wollte, zu Boden schlug, schrie er in Todesangst:

»Halt Utami – hierher Deinen Schlag – hier der Feind!« und dem nach Bertrands Haupt geführten Hieb in demselben Moment parirend, warf er sich mit voller Gewalt gegen den Häuptling und schlang, seinen rechten Arm mit der Waffe empordrängend, den linken um seinen Körper.

Ein jäher Schmerz durchzuckte ihn in dem Augenblick – er hörte dicht neben sich den Knall eines Pistols – er fühlte wie der Gefangene seinem Arm entglitt, sah, schon halb bewußtlos, die schützend über ihn gehaltenen Bayonnette der Seinen, und brach dann besinnungslos zusammen.

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