Capitel 4. Die Flucht.
Reading edition
René befand sich übrigens durch solchen Entschluß der Insulaner in einer höchst gefährlichen Lage, denn wenn auch Jack durch seine Hülfe entsprungen war, und jetzt vielleicht an der Küste auf eine Gelegenheit zu entkommen paßte, hatte Jim O'Flannagan, wenn wirklich gefangen, nur geringe Hoffnung der gerechten Strafe zu entgehn, und Gouverneur Bruat würde nie daran gedacht haben ihn wieder auszuliefern. Konnten sich dann die, von dem Missionair vielleicht noch gar darin bestärkten Insulaner nicht doch am Ende hinreißen lassen ihre Drohung wahr zu machen? – von Mr. Rowe hatte er das Schlimmste zu fürchten, so viel wußte er recht gut, und er verdachte es dem würdigen Manne nicht einmal, wenn er die endlich gebotene und gewiß lang genug erwartete Gelegenheit auch ergriffen hätte.
Flucht wäre das einzige Mittel gewesen und die war unausführbar, denn den einzigen gangbaren und so schmalen Pfad hielten die Insulaner an verschiedenen Stellen besetzt, während andere Schleichwege durch den Wald nur eben ihnen bekannt waren. Wer in den zerrissenen Schluchten nicht jeden Stein kannte wurde überall durch Abgründe oder Felswände aufgehalten, die es ihm Tage gekostet hätte zu umgehn, und wie leicht war er da von den flüchtigen und der Berge kundigen Insulanern wieder eingeholt.
Seine einzige Hoffnung blieb jetzt noch auf die neuerdings abgeschickten Gesandten – von dem erwarteten Angriff wußte er noch Nichts – schlug deren Botschaft fehl dann – doch beim Teufel, was lag ihm am Leben? – Ob sie ihn nur einschüchtern wollten mit ihrer Drohung, oder ob es ihnen Ernst war mit seinem Tod, wenn dem gefangenen Iren ein Leid geschehen, was lag daran? – sie sollten ihn weder weich noch ängstlich finden, und mußte es sein, so wollte er dem Tod so keck und leicht in's Auge sehen als je –
Als je? – ein eigenes, wunderbares Gefühl durchzuckte ihm das Herz; – als je? In verzweifelter Angst hatte seine Seele mit ihren feinsten Fasern und Gedanken am Leben fest geklammert als der Tod, oder so Schlimmes, als die Gefangenschaft auf seinem Schiff, ihn wieder seinem kaum gewonnenen Glück auf Atiu entreißen wollte. Das Leben war ihm so lieb – so theuer da gewesen und entmannt fast hatte ihn die Furcht es da zu verlieren, wo ihm eben erst das Heiligthum gezeigt war das er betreten konnte, und von dessen Schwelle selbst ein tückisches Geschick ihn schleudern wollte. Alles, Alles hatte er nachher erreicht, was er erhofft in seinen schönsten, kühnsten Träumen – den Gipfel seiner Wünsche erstiegen und eine Heimath gefunden in dem Paradies, das ihn umgab – und jetzt? – Was war es, das ihn jetzt gleichgültig machte gegen den Tod? was war geschehn – verloren daß er sich der tödtlichen Gefahr so kalt und keck entgegenstellen mochte? – und Sadie? – Er barg das Antlitz in den Händen und preßte die fieberglühende Stirn, die Gedanken hinauszuscheuchen, die wirren, quälenden Gedanken, denen er nicht Raum gönnen wollte da oben. Nicht jetzt – nicht jetzt sollten sie nahen diese Schatten, die er nicht kennen nicht fühlen mochte und die ihm doch die Seele peinigten mit unsichtbarem aber desto gewaltigerem Pfeil – Sadie – wie ein Traum lag die Zeit, die schöne Zeit hinter ihm, und der Tod sollte ihn jetzt davon trennen. Der Tod? – sollte ihn davon trennen? – Nein, nein fort mit dem verführerischen Bild das sich ihm jetzt, jetzt nicht entgegenstellen durfte – er war nicht schuldig – rein und treu konnte sie sein Angedenken wahren in ihrer Brust, und dem Kinde des Vaters Namen nennen im Gebet. – Hinweg mit allem Schmerz, hinweg mit der Thräne, die sich ihm leise in's Auge stehlen wollte – er war nicht schuldig – und weshalb wünschte er sich da den Tod?
Schüsse knallten und Trompeten schmetterten – hoch empor aus seinen Träumen zuckte er, und so hinein hatte er sich wieder in die Gedanken der Vergangenheit gelebt, daß er erschrak als er aufsah und die bewaffneten Wächter neben sich erkannte.
Auf ihn zu schritt da Aonui, der finstere fanatische Häuptling, und grimmigste Feind den die Feranis unter den Führern der Eingeborenen auf den Inseln hatten, und das tückische Blitzen seines Auges verrieth was in ihm glühte und hinausdrängen wollte in's Freie. Dicht hinter ihm, mit einem ernsten, aber ziemlich gleichgültigen Gesicht, hielt sich Raiteo, der vorher schon eine lange und eifrige Unterhaltung mit ihm gehabt, und schien dazu bestimmt die Befehle seines Oberen auszuführen. Aonui galt als die rechte Hand des ehrwürdigen Mr. Rowe, und die Eingeborenen hielten ihn in hohen Ehren und fürchteten ihn, denn er war gerecht aber streng, und sein fanatischer Eifer, durch irgend einen Bibelspruch in irgend eine Bahn gelenkt, riß ihn oft mit sich fort zu Gutem oder Bösem.
»Deine Gehülfen kommen Dich zu befreien« sagte er finster, »aber sie werden zu spät den Hügel erreichen – wir hatten ihnen die Möglichkeit Deiner Auslieferung gestellt – sie haben sie verworfen und wollen uns jetzt mit frechen Drohungen einschüchtern – wende Deine Seele noch zu Gott, denn Dir sind die Minuten zugezählt.«
Renés Auge blitzte in Trotz und Zorn zu ihm empor und eine feindliche Entgegnung lag auf seinen Lippen, da traf ihn Raiteos Blick und der schlaue warnende Ausdruck darin machte ihn stutzen. Des Burschen ganzes Benehmen deutete auf irgend einen Plan, und sein verstohlenes rasches Blinken schien ihn ängstlich aufzufordern dem Verlangen zu folgen und nicht durch Eigensinn den ruhigen Gang der Ereignisse vielleicht zu stören. Aonui sah daß sein Blick auf irgend einem Gegenstand hinter ihm haftete und schaute sich um, sein Auge traf aber nur das ruhige gleichgültig kalte Antlitz seines Begleiters und René, jetzt fest überzeugt daß er des Atiuers Beistand auf seiner Seite habe, sagte finster doch leidenschaftslos:
»Thut was Ihr wollt und was Ihr verantworten könnt, aber bedenkt daß Euch meine Landsleute zu furchtbarer Rechenschaft ziehen werden. Nicht mehr der freundlose Seemann, der entblößt von Allem auf eine fremde Insel sprang stehe ich jetzt zwischen Euch – die Regierung eines mächtigen Staates hält ihre Hand schützend über mich, und wehe Euch, wenn Ihr die mächtige erst zur Rache reizt. Bis jetzt schütztet und vertheidigtet Ihr nur Euer Land – Ihr hattet recht – entweiht die gute Sache nicht durch Mord!«
»Nicht Dich zu hören bin ich gekommen, sondern Dich zu richten« sagte der Häuptling finster und mürrisch, und horchte einen Moment dem jetzt wieder beginnenden Schießen, das, der Richtung nach, den aufgestellten und an verschiedenen Plätzen stationirten Vorposten galt, auch näher und näher kam. »Bete zu Deinem Gott« sagte er dann, sich wieder zu dem Gefangenen wendend, »denn Du hast nur noch eine Viertelstunde zu leben.«
»Beten« – rief René – unwillig mit dem Fuße stampfend – »beten – Nichts als beten; – den Namen Gottes kaut Ihr den ganzen Tag und denkt dabei an Haß und Mord – beten!«
»Du willst nicht beten?« sagte Aonui rasch.
René sah das unwillige Zucken in Raiteos Gesicht und frug ausweichend:
»Wie lange Zeit ist mir noch gewährt?«
»Der Schatten dieses Baumes darf keine Handbreit mehr zur Seite weichen« erwiederte der fanatische Häuptling – »die Schläge Deines Herzens sind gezählt.«
»Es ist gut« erwiederte René aber seine Hände waren frei, und nicht gesonnen als ein geduldiges Opfer zu fallen, suchten seine Augen nach einer Waffe, deren er sich zu geeigneter Zeit bemächtigen könnte.
»Soll ich ihn in das Haus zum Beten führen?« sagte jetzt Raiteo leise zu dem Häuptling gewandt – »die Feranis beten nie im Freien.«
Aonui nickte bejahend mit dem Kopf und Raiteo, des jungen Mannes Arm ergreifend sagte laut:
»Komm Wi Wi – Du sollst nicht sagen daß wir Dich gezwungen haben Deinen Gott in anderer Art zu verehren als Du es gewohnt bist – komm« flüsterte er dabei leise und führte ihn der Hütte zu, während seine Wächter, die von Aonui jetzt einen neuen und wie es schien unerwarteten Befehl bekamen, ihm zögernd, und rasch und leise mit einander redend, folgten, dann aber vor dem Eingang des kleinen mit Matten verhangenen Platzes, die Bayonnette gefällt, ihren Posten wieder einnahmen.
Wilder Lärm tobte indessen im Lager – die Franzosen hatten die Vorposten zurückgeworfen und ihre Kugeln trafen schon, über den Damm hin, in die Wipfel der Bäume, ohne freilich bis jetzt noch einen der Eingeborenen verwundet zu haben. Diese standen aber, an ihren verschiedenen Posten in der Verschanzung vertheilt, den jetzt von allen Seiten fast schmetternden Trompeten, die überall den Feind vermuthen ließen, auch nach jeder Richtung hin die Stirn zu bieten. Die Franzosen nämlich, den alten Plan verfolgend, hatten, um den Feind irre zu führen, kleine Detachements mit Signalisten nach rechts und links abgeschickt, das Lager in einer Entfernung zu umzingeln und dann von allen Seiten vorzudringen und zu feuern. Dadurch beunruhigten sie nicht allein die Besatzung und schüchterten sie ein, da sie den Feind viel stärker vermuthen mußten als er wirklich war, sondern sie hatte auch auf dem Punkte, wo sie den Hauptangriff machten, nicht den Widerstand der jetzt überall hin vertheilten Besatzung zu befürchten, und konnten eher dadurch hoffen den vortrefflich bewaffneten und von dem Terrain so sehr begünstigten Feind aus seiner festen Stellung hinauszuwerfen. Wenn damit dann auch kein Hauptschlag geschah, denn den Rückzug in die dicht bewaldeten Berge waren sie nicht im Stande ihnen abzuschneiden, wurden sie doch aus der zu großen Nähe von Papetee, auf das sie von hier aus immer leicht Streifzüge und Ueberfälle unternehmen konnten, vertrieben, und das Wichtigste von Allem, ihr Vertrauen zu sich selbst, das nach der Schlacht von Mahaena nur noch mehr gestiegen, in etwas wieder nieder gedrückt.
Außerdem feuerte auch Renés Gefangennahme den Gouverneur an, Alles zu thun die Insulaner für etwas zu züchtigen, dessen Recht er ihnen unter keiner Bedingung zugestehen wollte. Einen seiner Nation nämlich zu halten oder gar zu richten. Bedingungen durfte er sich daher auch, von solchem Grundsatz ausgehend, keine vorschreiben lassen, und die Waffen mußten den Kampf entscheiden.
Um René wäre es aber freilich schlecht gestanden, wenn er von daher auf Hülfe hätte rechnen sollen, und Utami selber konnte oder wollte ihn nicht schützen. Der Franzose der freundlich und gastlich von ihnen selbst in ihre Familien aufgenommen worden, und dann sich doch gegen sie wandte – wie er nicht anders glauben konnte – verdiente härtere Strafe als der, der gleich mit den Waffen in der Hand und in offener Feindschaft an ihr Ufer sprang. Der letztere trat nur ihre Rechte mit Füßen, der andere auch ihre Herzen.
Anders dachte Raiteo, und von dem Protestantischen Missionair mit herüber nach Tahiti genommen, hatte er in einer starken Hinneigung zum Christenthum sich eine Menge Vortheile erwachsen sehn, die er als einfacher Insulaner einer abgelegenen Insel nie im Leben erreicht haben würde. Raiteo war ehrgeizig, und der schon in früheren Jahren von dem Wallfischfänger erhaltene und so schlecht verdiente Lohn hatte, mit dem Beginn eines Vermögens, auch das Streben und Verlangen nach mehr und größerem in ihm erweckt. Als Mitonare öffneten sich ihm dazu, wie er recht gut wußte, zahlreiche Quellen, und er wäre jedenfalls nicht säumig dabei gewesen sie zu benutzen, sobald sich nur die Gelegenheit dazu geboten. Als er aber die Verhältnisse in Tahiti näher kennen lernte und die Macht, die von den Feranis entwickelt wurde, wie daneben die Gleichgiltigkeit der Englischen Schiffe sah, stiegen Zweifel in ihm auf der Ausführbarkeit seiner Berechnungen wegen, und er fing an die Vortheile zu überschlagen die der Segen der Katholischen Religion vielleicht auf sein geistiges wie körperliches Wohl haben könne. Die in die Berge gedrängte Lage der Eingeborenen gefiel ihm auch nicht, und mit der Ueberzeugung war ihm auch der Entschluß gekommen einen entscheidenden Schritt zu thun und – ein anderer Mensch zu werden.
Die erste Gelegenheit hierzu bot die Flucht der beiden Seeleute, die er begünstigte und die, so schlecht für den andern Theil, so vortrefflich für ihn selber ausgeschlagen war. Nur die Feranis wollten ihm nicht gleich auf sein ehrlich Gesicht glauben, daß er es treu und ehrlich mit ihnen und ihrer Sache meine, und schickten ihn deshalb, seine Nutzbarkeit auf die Probe zu stellen, mit dem zum ersten Mal abgesandten Officier als Führer und Unterhändler. Der ungünstige Erfolg dieser Sendung machte ihn aber besorgt seine Sicherheit gleich hinterher den Franzosen wieder anzuvertrauen, und da er sein Geld gut verwahrt wußte, beschloß er lieber eine bessere Gelegenheit abzuwarten, sich seinen neuen Gönnern nicht allein wirklich zu empfehlen, sondern auch vielleicht einen neuen Nutzen daraus zu ziehn. Diese bot sich ihm jetzt.
Der junge Franzose war, wie er sich vorher zu erkundigen gewußt, reich, und ihm, wie er sich fest überzeugt fühlte, auch noch von früherher verpflichtet; die Eingeborenen von Tahiti konnten auf die Länge der Zeit nicht siegen – als Bewohner von Atiu fühlte er auch eben kein besonderes Interesse für sie – und wer weiß was dann aus den Protestantischen Missionairen wurde – deshalb schien es ihm weit zweckmäßiger das Gewisse für das Ungewisse zu nehmen – und danach handelte er.
Kaum fiel deshalb die Matte hinter ihnen, die sie den Blicken der Außenstehenden und Wartenden entzog, als Raiteo vorsprang, ein Geflecht von Pandanusblättern aufhob und damit zwei blanke Cavalleriesäbel den Blicken des jungen Mannes enthüllte. René that keine Frage, aber er mußte an sich halten einen Jubelruf zu unterdrücken, und rasch die eine Waffe aufgreifend, während sein Führer die andere nahm, sah er nur noch eben wie dieser die Blätter der Rückwand von einander schob und hindurch schlüpfte und folgte ihm, ohne nur eine Frage über das wie und wohin zu thun.
Die Hütte stand dicht an der Verschanzung, nach rechts und links von kleinen Trupps der Eingeborenen bewacht, dicht hinter ihr war aber ein Raum von vielleicht zwanzig oder dreißig Schritt Breite, da eine Felswand gerade dahinter ziemlich steil niederdachte, freigelassen, und diese Stelle hatte sich der schlaue Bursche zu ihrer Flucht ausersehn. Wohl wurden sie augenblicklich entdeckt, sowie sie nur auf die Schanze sprangen, und eine Eidechse hätte kaum ungesehn darüber kommen können, ehe aber die mit Schießwaffen wenig vertrauten Insulaner zum Schuß fertig waren, oder sich überhaupt von dem Erstaunen über den kecken Fluchtversuch erholen konnten, hatte Raiteo des jungen Mannes Hand ergriffen und ihn nach vorn reißend glitten sie schon im nächsten Augenblick mit Blitzesschnelle den steilen schlüpfrigen Hang hinunter in ein Dickicht niederen Grases, von hochstämmigen Guiaven, die hier gar gedeihlichen Boden gefunden, überwachsen.
Keineswegs aber waren sie hier schon jeder Gefahr enthoben, denn nicht allein wurden ihnen von oben mehre Schüsse nachgefeuert, und sie hörten die Kugeln rings um sich einschlagen, sondern fünf oder sechs Indianer, und unter ihnen die von Aonui angefeuerten Wächter, folgten ihnen ohne weiteres Säumen mit wirklich kecker Entschlossenheit, und durch das Dickicht aufgehalten wäre René gar nicht im Stande gewesen ihnen so rasch zu entgehn. Sein Leben wenigstens so theuer als möglich zu verkaufen wandte er sich deshalb auch schon, die blanke Waffe in der Faust, gegen sie um, als dicht hinter ihm die befreundeten Signalhörner tönten, und die Eingeborenen im ersten Schreck an Stamm und Busch klammerten, dem hier gar nicht vermutheten Feind nicht in die Hände zu fallen.
Den Moment benutzten die Flüchtigen der Richtung zuzuspringen, in der sie die Hörner gehört, und den Verfolgern blieb Nichts weiter übrig als ihnen ihre Kugeln nachzusenden und sich so rasch als möglich wieder zurückzuziehn, nicht vielleicht gar von den möglicher Weise nachdrängenden Feinden abgeschnitten zu werden. Die Kugeln blieben übrigens erfolglos, eine ausgenommen, die Raiteos Oberschenkel traf und durch das dicke Fleisch desselben fuhr, ihn aber keineswegs in seiner Flucht aufhielt sondern dieselbe eher noch, wenn das überhaupt möglich gewesen wäre, beschleunigte.
Das Feuern sowohl, wie der Lärm den sie in den Büschen machten, hatte aber schon das kleine Piquet, das aus einem Dutzend Matrosen von der Uranie und dem Signalisten, von einem Seecadet angeführt, bestand, ihnen in den Weg gebracht, und René, auf sie zuspringend, wollte sich ihnen jetzt, in Zorn und Unmuth über die erlittene Behandlung und der eben kaum entgangenen Todesgefahr, augenblicklich wieder anschließen, das Lager mit gewaffneter Hand erstürmen zu helfen; Raiteo aber merkte das kaum, als er erklärte mit der erhaltenen Wunde nicht allein weiter gehn zu können, und den jungen Franzosen ernstlich aufforderte, ihn, der ihm eben erst das Leben gerettet und seinetwegen gerade den Schuß erhalten, jetzt nicht hülflos im Walde liegen zu lassen, daß er vielleicht gar wieder in die Hände der Tahitier fiele.
René konnte und wollte das allerdings nicht und wünschte den Verwundeten von einem der Matrosen geleiten zu lassen; der Seecadet hatte aber dazu keine Ordre, und Raiteo selber weigerte sich mit einem Fremden zu gehn, der erstlich seine Sprache nicht verstünde, dann keine Verbindlichkeit gegen ihn hätte, und ihn möglicher Weise hinter dem nächsten Dickicht sitzen ließ. René durfte ihn nicht verlassen und nur deshalb dem Seecadet seinen Namen nennend, wobei er ihn bat, es sobald als möglich dem kommandirenden Officier wissen zu lassen, daß er der Gefangenschaft glücklich entkommen sei, führte er den jetzt immer erschöpfter werdenden Insulaner bergab in's Thal nieder, dem gar nicht so sehr entfernten Papetee zu, fest entschlossen so rasch er könne zurück zu kehren und an dem Kampfe noch womöglich Theil zu nehmen.
Das aber lag keineswegs in Raiteos Plan, dessen Wunde ihn wenig genug genirt haben würde, wenn er eben allein hätte gehen wollen; erstlich aber mußte er in Papetee einen Zeugen für sich haben, wenn er auf einen günstigen Empfang rechnen wollte, und dann war ihm der junge Franzose jetzt zu großem Dank verpflichtet. Lief der aber gleich wieder zurück, und wurde vielleicht vor den Kopf geschossen, so war für ihn jeder von seiner That erhoffte Nutzen verloren, und er hatte nicht allein Nichts verdient, sondern die Eingeborenen wie besonders seinen Missionair, ohne den geringsten Vortheil davon für sich selber zu haben, auf das grimmigste erbittert, und gegen sich aufgebracht. Das zu verhindern war jetzt seine Aufgabe, und er stöhnte und ächzte so langsam den Berg nieder und mußte sich so oft setzen und ausruhen, daß sie eben den Wall von Papetee erreichten, als das Schießen oben aufhörte, und kurze Zeit darauf die schmetternden Hörner der rückkehrenden Franzosen diese als Sieger kündete. In der That hatten sie auch mit dem Bayonnett die Eingeborenen aus ihren Schanzen hinausgetrieben und in die Berge gejagt, und erst als sie sich dort nach allen Richtungen wieder sammelten, und aus dem Dickicht heraus einen Angriff drohten, bei dem die nicht mit dem Wald vertrauten Fremden vielleicht übel gefahren wären, zogen sie sich zurück, mit dem Erfolg ihrer Expedition vollkommen befriedigt, und auch nicht gerade mit zu viel Verlust.
René brachte nun, in Papetee wieder glücklich angelangt, vor allen Dingen Raiteo, der ihm allerdings diesmal einen wichtigen Dienst erwiesen, in gute Pflege, damit er sich rasch von seiner Wunde erholen könne, die auch bald darauf Einer der dortigen Militärärzte untersuchte und als ziemlich unbedeutend, jedenfalls völlig gefahrlos erklärte. Das beendet aber suchte er auch ungesäumt den Gouverneur auf, ihm Bericht zu erstatten über sein Abenteuer sowohl, wie über den sehr ungewissen Erfolg den er von gütiger Ausgleichung zu hoffen habe.
Den Gouverneur fand er gerade mit dem Verhör des Mannes beschäftigt, der fast die Ursache seines eigenen Todes gewesen wäre, mit Jim O'Flannagan und ließ sich nur anmelden, um seine glückliche Rückkunft anzuzeigen und zu passenderer Zeit wiederzukehren, wurde aber augenblicklich hinein beschieden und ohne Weiteres vorgelassen.
»Sie kommen mir wie gerufen, Delavigne!« rief ihm der Gouverneur schon von weitem entgegen – »Ihre erlebten Abenteuer sollen Sie mir nachher erzählen, aber wir haben hier einen Burschen, der Alles verspricht was man von ihm fordert, seinen Hals nur aus der Schlinge zu retten in der er sich festgefahren, und dem ich durch Jemand mit dem Land Vertrauten möchte einmal auf den Zahn fühlen lassen.«
Jim O'Flannagan befand sich in der unangenehmsten Lage von der Welt: mit auf dem Rücken gebundenen Händen zwischen zwei Marine-Soldaten mit gezogenen Säbeln und eines Verbrechens überführt, das ihm die Raanocke vollkommen sicher in Aussicht stellte. Er schien auch seine Situation vollkommen zu begreifen, denn er sah todtenbleich aus und die Augen lagen ihm tief und düster in den Höhlen; aber um den Mund zuckte doch noch immer der alte Trotz, und die Stirn gerunzelt, blickte er finster und mistrauisch auf den neuen Ankömmling, gleich aus seinem ersten Erscheinen zu errathen ob er ihm nützen oder schaden könne.
»Hier der Bursche« fuhr der Gouverneur dann fort, als er dem jungen Mann herzlich die Hand gedrückt, »thut Alles in seinen Kräften stehende, das muß man ihm lassen, sein allerdings den Gesetzen verfallenes verbrechenreiches Leben zu retten. In ihm ganz würdiger Weise hat er uns auch schon gestern seinen eigenen Kameraden wieder in die Hände geliefert.«
»Den entsprungenen Matrosen?« rief René rasch und erstaunt.
»Ja, er war mehr als das,« lachte der Gouverneur, »er war auch der Helfershelfer des Gesellen da in früherer Zeit, und Theilnehmer selbst des Mordes wegen dem wir diesen eigentlich zum Tod verurtheilt haben, wobei noch der stärkste Verdacht vorliegt, daß er eine alte Frau erschlagen hat, die man an jenem Abend mit dem Zeichen gewaltsamen Mordes an sich und sogar gebunden in ihrer Hütte gefunden. Sie hätten übrigens dabei sein sollen wie wir den Burschen fingen; es war wie mit einem Lockvogel. Doch das konnte noch nicht genügend sein dieses werthlose Leben wirklich zu guarantiren, und er will jetzt mehr thun, er verspricht uns die Anführer der Indianer – jene Häuptlinge die in diesem Augenblick den meisten Einfluß auf die Eingeborenen ausüben, zu überantworten, und das wäre allerdings seinen Hals werth, denn es würde Ströme Blutes ersparen und manchem braven Mann das Leben retten, sowohl von unserer wie feindlicher Seite. Nun möchte ich von Ihnen wissen, Delavigne, ob sein Plan, den er mir vorher mitgetheilt, einen Schein von Wahrscheinlichkeit hat, oder ob es nur eben eine bloße Finte ist ein paar Tage länger athmen zu können, was ich allerdings vermuthe.«
»Und wie glaubt er das möglich zu machen?« frug René.
»Die Ausführung beruht auf einer, morgen früh stattfindenden Zusammenkunft, von der er unterrichtet sein will, und soll in den Eigenthümlichkeiten des Termins begründet sein. Sind Sie mit den Bergen hier, oberhalb der Stadt, genau bekannt?«
»So ziemlich, aber doch wohl nicht hinreichend; aber ein anderer hier ansässiger und jetzt wieder in Französischen Diensten stehender Landsmann, Lefévre, der lange Jahre auf Tahiti lebt, kennt dagegen, wie ich glaube, jeden Baum um Papetee und in den nächsten Bergen. Vielleicht wäre es zeitsparend ihn ebenfalls rufen zu lassen, seine Meinung mit zu hören.«
Der Gouverneur klingelte, und die Ordonnanz wurde beschieden Herrn Lefévre zu ersuchen augenblicklich sich hier einzufinden. René stattete indessen mit leiser Stimme dem Gouverneur Bericht ab, über seine Abenteuer sowohl, als den Erfolg den ein Friedensvorschlag auf die Häuptlinge gehabt, und wie er in der That selber glaube, daß alle freundlichen Vorstellungen bei den Eingeborenen auf vollkommen unfruchtbaren Boden fallen würden. Danach erschien es also ebenfalls nur noch wünschenswerther die einflußreichsten Häuptlinge, da sie keinem gütlichen Vergleich lauschen wollten, womöglich gefangen zu nehmen, und ihnen den Frieden dann selber diktiren zu können.
Lefévre kam endlich, und als er das Zimmer betrat flog sein Blick rasch und wie scheu von Einem der Männer zum Andern, als ob er im Voraus zu errathen wünsche was man von ihm wolle. Die freundliche Anrede des Gouverneurs setzte ihn aber darüber bald außer Zweifel und nach den nöthigsten Vorbemerkungen begann der Examen des Gefangenen.
»Woher weißt Du, Gesell, überhaupt, daß die Häuptlinge an dem Tag und zu der Stunde eine Zusammenkunft halten wollen, was hattest Du mit ihnen zu thun?« frug der Gouverneur.
»Ein weißer Mann, der mit einem Gewehr umzugehen versteht, ist ihnen in jetziger Zeit soviel als ein Häuptling« erwiederte mürrisch der Ire, dem die vielen Zeugen nicht gerade angenehm zu sein schienen, »ich bin zu allen ihren Berathungen gezogen.«
»Hm, das klingt wahrscheinlich – aber weshalb wurde diese Berathung auf so viele Tage hinausgeschoben – weshalb findet sie gerade morgen statt?«
»Am Freitag faßte man den Beschluß« erwiederte Jim, »am Sonnabend, als an dem Sabbath, konnten und durften, ihren jetzigen Gesetzen nach, keine Boten abgeschickt werden. Heute sind die erst nach dem Süden der Insel hinübergegangen und vor heut Abend, ja vor heut Nacht, können die aufgeforderten Häuptlinge den Platz der Zusammenkunft nicht erreicht haben.«
»Und weshalb findet die Berathung nicht in dem Lager selber statt?«
»Sie wollen dem Einfluß der Missionaire entgehn« erwiederte der Ire – »ich selber habe den Antrag gestellt, weil ich die Schwarzröcke hasse und sie den Eingeborenen, wo sie nur ihre Nase in deren innere Angelegenheiten stecken, noch nichts wie Unheil gebracht. Utami, Teraitane und manche Andere, gehen ihnen ebenfalls aus dem Weg wo sie können, und Aonui wie Potowai sind nur ihre Posaunen.«
»Und wo ist der Sammelplatz?«
»Hier im oberen Thal, etwa eine englische Meile von Papetee dicht unter dem Felsenhang auf dem oben die drei Cocospalmen stehen.«
»Kennen Sie den Platz?« wandte sich der Gouverneur jetzt zu den beiden jungen Leuten, und Beide bestätigten es.
»Aber in welcher Schlucht?« frug Lefévre jetzt – »es kommen da drei von oben herunter.«
»In der mittleren« lautete die Antwort.
»Das ist die einzige die einen Ausgang hat, die andern beiden sind von steilen Hängen abgeschlossen; und wo da?«
»Kennt Ihr den Platz wo die einzelne, jetzt von Utami bewohnte Hütte steht?« frug der Ire den Franzosen.
»Allerdings; der Ort wäre nicht übel gewählt – und wie viel Häuptlinge sollen dort zusammen kommen?«
»Utami, Teraitane und Aonui von hier und Fanue und noch ein Anderer, dessen Namen ich vergessen habe, von Tairabu der Eine, und vom südlichen Theil der Insel der Andere, auch wurde davon gesprochen daß von dorther ein Abgesandter von Huaheine und Bola Bola erwartet werde, und man vermuthete daß sie zusammen eintreffen würden.«
»Ha, das wäre nicht übel« rief der Gouverneur, »aber auf welche Art wären sie da zu fangen?«
»An dem Platz leichter als irgend wo anders« bestätigte jedoch Lefévre die Angabe des Gefangenen – »auf dem Rückweg ließe sich leicht ein Vorposten hinschieben dem die Umstellten weder rechts noch links auszuweichen vermöchten, wenn sie eben nicht fliegen können, und der Eingang des schmalen Thales ist mit zwölf Mann vollständig zu schließen. Wenn sich das Alles so verhält, wie es der Bursche angiebt und das Ganze rasch und richtig angelegt und ausgeführt würde, ließe sich ein günstiger Erfolg da schon hoffen. Keinenfalls hätte man viel zu riskiren, da man sich rasch wieder auf die Stadt zurückziehen könnte und es nicht anzunehmen ist daß die Eingeborenen, nach der heutigen Niederlage, morgen schon sich so nahe heranwagen sollten. Im Gegentheil hab' ich noch kurz vorher ehe ich hierher kam, von einem der uns ergebenen Indianer gehört, daß die feindlichen Krieger eine weiter zurückgelegene feste Stellung im Hautauethal einnehmen würden, sich dort sicher verschanzt zu halten und die von England versprochene Hülfe zu erwarten.«
»Das Sicherste wird dann jedenfalls sein« entgegnete der Gouverneur, »ein starkes Detachement im Rücken aufzustellen, und dadurch selbst jeder möglichen Ueberraschung zuvorzukommen. Fragen Sie einmal den Burschen was er dazu sagt?«
Jim schüttelte aber dazu mit dem Kopf.
»Dann wirds Nichts« brummte er finster – »sobald hier nur zwanzig Soldaten auf einmal aus der Stadt marschiren, wissen sie's auch oben schon in den Bergen und rüsten sich auf einen Angriff; kleine Patrouillen sind aber bis jetzt täglich ausgezogen und selten belästigt worden, weil eben die Eingeborenen keinen Angriffskrieg führen wollen. Diese auch allein dürfen hoffen einen wirklichen Ueberfall auszuführen, eine größere Abtheilung Militair nie.«
»Und wer bürgt uns für die Sicherheit solcher schwachen Patrouillen?« frug der Gouverneur.
»Bin ich nicht selber in Euerer Gewalt und geh ich nicht mit?« sagte Jim.
»Schlechte Guarantie das« meinte René kopfschüttelnd, »der Bursche hat nicht einmal mehr ein Leben zu riskiren und aufrichtig gesagt, möchte ich nicht einem einzigen Menschen an seine Versicherungen wagen; das Ganze scheint mir wenigstens, ein abenteuerliches Märchen, seinen Hals noch eine Zeitlang aus der Schlinge zu halten, oder gar in den Bergen in Sicherheit zu bringen; ich würde ungemein vorsichtig zu Werke gehen.«
Die Franzosen unterhielten sich untereinander natürlich in ihrer eigenen Sprache, und der Gefangene schaute dabei mistrauisch von Einem zum Anderen, in dem Ausdruck ihrer Züge vielleicht die unverstandenen Worte zu lesen.
Lefévre übrigens war für den Plan; mit jenem Theil des Berges genau bekannt, schien ihm ein solcher Ueberfall ziemlich leicht auszuführen, dann aber lag ihm vor allen Dingen daran als wirklicher Officier in die Armee eintreten zu dürfen, was ihm bis jetzt immer noch aus verschiedenen Ursachen verweigert worden, ihm aber dann, wenn er sich bei einer solchen Expedition auszeichnete, kaum entgehen konnte. Außerdem war, Jim's Aussage nach, der alte Häuptling Fanue ebenfalls gegenwärtig, den er noch von Tairabu her aus ganzem Herzen haßte. Hier bot sich ihm also nicht allein die Möglichkeit einer vortheilhafteren Stellung, nein auch zugleich die Aussicht sich an einem Feind zu rächen, und er war fest entschlossen die Gelegenheit nicht ungenützt entschlüpfen zu lassen.
Jim sollte übrigens heute Abend nichts Bestimmteres weiter über Annahme oder Nichtannahme seines Planes erfahren; auf einen Wink des Gouverneurs wurde er, als er all die nöthig scheinende Auskunft gegeben, wieder abgeführt, und Lefévre erklärte sich jetzt bereit die Führung einer Patrouille zu übernehmen, die, wie der Gefangene allerdings recht habe, nur schwach sein dürfe, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit der wachsamen Eingeborenen erregen wolle, aber keineswegs möchte er sich auch ganz allein mit wenigen Mann in den Wald hinein wagen, wo es doch immer ungewiß wäre ob sie nicht auf eine stärkere Abtheilung der Feinde stoßen könnten. Deshalb sollten mehre kleine Trupps nach einander und nach verschiedenen Richtungen hin, wie eben zum Recognosciren, die Stadt verlassen, und sich nach jenem Thal hinüber ziehn. Die zuerst gefeuerten Schüsse mochten sie dann herbeirufen, denn nachdem geschossen war, blieb es doch unmöglich ihren Plan länger geheim zu halten und dann brauchten sie Hülfe, sich wieder zur Stadt zurück durchschlagen zu können.
Als er den Gouverneur damit einverstanden fand, beurlaubte er sich, die noch nöthigen Vorbereitungen zu treffen, wie sich auch seine, ihm passensten Leute selber zur Begleitung auszusuchen, und nur noch beschlossen wurde daß Jim, natürlich gut verwahrt und bewacht, den Trupp führen solle, dem nicht unmittelbar der Angriff galt, und der nur hinten die etwaige Flucht der Häuptlinge abzuschneiden hatte.
»Und wollen Sie den Zug begleiten, Delavigne?« frug der Gouverneur, als Lefévre das Zimmer verlassen und er ebenfalls im Begriff war sich zu empfehlen.
Der junge Mann schüttelte mit dem Kopf.
»Ich will auf den Inseln leben« sagte er, und es war fast, als ob er sich Gewalt anthun müsse für diese Antwort – »und – möchte Alles vermeiden in zu feindselige Berührung mit den Bewohnern zu kommen – wenn auch nicht meinet, doch meiner Frau wegen.«
»Aber Lefévre lebt auch hier« lachte der Gouverneur, »und genirt sich nicht, wie Sie sehn – er nahm die Sache mit einem ordentlichen Feuereifer auf, und ich bin fest überzeugt, er wird sein Möglichstes thun seinen Zweck zu erreichen.«
»Wir Menschen haben verschiedene Charaktere« erwiederte René ausweichend – »Lefévre denkt darin wahrscheinlich, wie in manchem Anderen auch anders wie ich. Außerdem verspreche ich mir nicht den geringsten Erfolg von dieser Mission – ich fürchte die Insulaner sitzen uns näher als wir glauben.«
»Bah« lachte der Gouverneur, »die Burschen wagen sich nicht wieder in den Bereich unserer Kanonen, und werden sich jedenfalls mit Plänkeleien begnügen, bis sie's satt bekommen, oder wir im Stande sind ihnen die Rädelsführer wegzufangen; der Indianer selber ist viel zu indolent einen Krieg aus Grundsatz zu führen. Doch dem sei wie ihm wolle« brach er plötzlich kurz ab, »ich möchte Ihnen nicht zureden, wünsche es aber Ihrer selbst wegen, daß Sie noch von dem unglückseligen Gedanken zurückkommen, auf einer wüsten Insel Ihr Leben zu beschließen.«
»Wüsten Insel« sagte René, lächelnd den Kopf schüttelnd.
»Wüst für uns, und wenn es ein Paradies an Scenerie wäre – wo wohnen Sie jetzt, Delavigne?«
»Nirgend« lachte der junge Mann, »mein Haus draußen haben sie mir abgebrannt, so hab' ich mich derweil bei Vater Conet einquartirt, der mir ein Zimmer freundlich zur Verfügung stellte.«
»Ah, dort sind Sie gut aufgehoben, sonst hätt' ich selber Rath für Sie geschafft; unser Krieg hat Sie geschädigt und es wird an uns sein, Ihnen das später wieder zu vergüten. So, jetzt guten Abend, und ich hoffe Sie morgen wieder zu sehn.«