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Sämmtliche Werke 8

Nachtrag

Ullrich Steindorf translation

Band VII und VIII Auswahl aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden

(Die wörtliche Übersetzung des Titels lautet: Ausgewählte Stellen aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden.) Den Plan, eine Auswahl von Stücken aus seinem Briefwechsel herauszugeben, faßte Gogol bereits im Beginn des Jahres 1845; an die Ausführung seiner Idee ging er jedoch erst im April 1846 heran. Ehe er das Manuskript an Pletnjew absandte, unterzog er sämtliche Stücke, die er in Buchform herauszugeben gedachte, einer gründlichen Korrektur und Überarbeitung. Zu allererst wurde das VII. Kapitel: Über Schukowskis Übersetzung der Odyssee. An W. M. Jasykow (Band VII, Seite 55 ff.) für den Druck umgearbeitet, redigiert und dann am 4. Juli 1846 an Pletnjew zur Veröffentlichung in dessen Zeitschrift gesandt. — Am 30. Juli desselben Jahres erhält Pletnjew von Gogol aus Schwalbach: Die Vorrede (Band VII, Seite 1 ff.) und die ersten sechs Stücke des „Briefwechsels“ zugeschickt. Zwischen dem 13. und 24. August folgen aus Ostende weitere sieben Aufsätze (Nr. 8-14, Band VII, Seite 73-149) und am 12. September neuen Stils — gleichfalls aus Ostende — nochmals sieben Kapitel (Nr. 15-21, Band VII, Seite 151-253). Am 26. September sendet Gogol Pletnjew aus Ostende ein viertes Heft mit neun Kapiteln (Band VII, Nr. 22-30, Seite 255-367). Am 3. Oktober neuen Stils schickt Gogol aus Frankfurt zwei Korrekturen zu dem Aufsatz: An einen hochgestellten Mann ein (Band VII, Nr. 28, Seite 323). Am 16. Oktober endlich erfolgt von Frankfurt a. M. aus die Absendung der beiden letzten Kapitel und einer Korrektur zum 10. Kapitel: Über das Lyrische bei unseren Poeten. An W. A. Schukowski (Band VII, Seite 85 ff.).

Die Auswahl aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden erschien im Dezember des Jahres 1846. Die Unterschrift des Zensors ist vom 18. August 1846 datiert, bezieht sich jedoch wahrscheinlich nur auf das erste Heft; im Oktober ergaben sich Schwierigkeiten bei der Drucklegung: der Zensor wollte den Abdruck einzelner Partien und sogar ganzer Kapitel nicht gestatten; daher mußten fünf Briefe: Nr. 19, 20, 21, 26 und 28 (Band VII, Seite 203, 209, 227, 307 und 323) gänzlich wegfallen. Diese Kapitel, sowie die von der Zensur gestrichenen Partien erschienen später in der „Gesamtausgabe“ von Gogols Werken vom Jahre 1867, die von Tschischow veranstaltet wurde. Die von der Zensur beanstandeten Stellen stehen in unserer Ausgabe in eckigen Klammern.

Ferner bat Gogol selbst Pletnjew in einem Brief vom 16. Oktober 1846, „die ganze Stelle zu streichen, die von der Bedeutung der monarchischen Gewalt und ihrer weltlichen Erscheinungsform handelt, und durch den Abschnitt auf der letzten Seite des Heftes zu ersetzen“. Die neue veränderte Fassung des Textes beginnt mit den Worten: „Diese Bedeutung des Herrschers wird allmählich auch in Europa ...“ (Band VII, Seite 100, Zeile 3 v. o.) und schließt mit dem Satze: „daher nehmen ihre Töne einen biblischen Charakter an“ (Band VII, Seite 102, Zeile 3 v. o.). Wir lassen hier die umgearbeitete Stelle folgen, wie sie von Tschischow nach dem Manuskript nachträglich in seiner Gesamtausgabe der Werke Gogols abgedruckt wurde (Band III, Seite 374 bis 376): „Die souveräne Gewalt des Monarchen wird keineswegs an Bedeutung verlieren, sondern in dem Maße, wie die ganze Menschheit an Bildung zunehmen wird, nur noch wachsen. Je mehr jeder Beruf und Stand die ihm gesteckten gesetzlichen Grenzen einhalten wird und die gegenseitigen Beziehungen aller Menschen genauer bestimmt und normiert werden, um so deutlicher wird sich die Notwendigkeit einer höchsten Obergewalt herausstellen, die die ganze Macht der einzelnen Individuen in sich vereinigt und alle höchsten Vorzüge und Tugenden, die den Menschen geradezu Gott ähnlich machen, in Erscheinung treten läßt — jene höchsten kollektiven Attribute und Eigenschaften, die der einzelne Mensch nicht besitzen kann. Eine ganze Million wie einen Menschen liebgewinnen — das ist weit schwerer, als nur wenige unter dieser Million lieben; die Leiden aller Menschen so intensiv mitempfinden wie den Schmerz unseres liebsten Freundes und an die Rettung aller Menschen bis auf den letzten denken, wie man wohl auf die Rettung der eigenen Familie hofft, — das kann nur der in vollem Maße, dem dies zum unerschütterlichen Gebot gemacht ward und der da fühlt, daß er für die Verletzung dieses Gebotes vor Gott ebenso furchtbare Rechenschaft wird ablegen müssen, wie jedes einzelne Individuum für die Verletzung seiner Pflicht in seinem besonderen Wirkungskreis Rechenschaft geben wird. Wenn diese höchste leitende Obergewalt dahinfiele — so würde der menschliche Geist verarmen. Diese souveräne Herrschergewalt des Monarchen wird heute nur deshalb angezweifelt, weil ihre ganze Bedeutung weder den Herrschern noch den Untertanen aufgegangen ist. Die monarchische Gewalt — ist eine Torheit, wenn der Monarch nicht fühlt, daß er das Abbild Gottes auf Erden sein soll. Selbst wenn er noch so sehr das Gute will, wird er sich in seinen Handlungen nicht mehr zurechtfinden können, besonders bei der gegenwärtigen Ordnung der Dinge in Europa; sowie er jedoch zur Erkenntnis kommt, daß er die Aufgabe hat, den Menschen ein Abbild Gottes zu sein, wird für ihn alles klar und deutlich werden und wird auch Klarheit in sein Verhältnis zu seinen Untertanen kommen. Dann wird er sich nicht mehr einen Napoleon, einen Friedrich, einen Peter, eine Katharina oder einen Ludwig zum Muster nehmen, wie überhaupt keinen von den Fürsten, denen die Welt den Namen des Großen beilegt, und deren Bestimmung es war, infolge der zeitlichen Verhältnisse und Umstände außer der königlichen Würde auch noch die Rolle eines Feldherrn, Neugestalters oder Reformators auf sich zu nehmen, kurz nur eine einzelne Seite glanzvoll in sich zu verkörpern, was die unbedeutenderen Nachahmer irreleitet und so viele Fürsten in Versuchung führt. Er wird sich vielmehr die Handlungen Gottes selbst zum Vorbild nehmen, die aus der Geschichte der Menschheit so vernehmbar zu uns reden und die noch deutlicher in der Geschichte des Volkes in Erscheinung treten, das Gott dazu auserwählt hatte, von Ihm Selbst regiert zu werden, um den Königen zu zeigen, wie regiert werden muß. Und wie wahrhaft göttlich hat Er regiert! Wie verstand Er es, Sein Volk mehr denn alle anderen Völker zu lieben! Mit welch väterlicher Liebe lehrte und unterwies Er es und mit welch himmlischer Geduld wartete Er auf seine Wandlung und Besserung. Wie ungern erhob Er Seine strafende Geißel wider Sein Volk! Wie beeilte Er Sich Selbst dann noch nicht, als die Gottlosigkeit und die Sünden des Volkes zum Himmel schrien, es zu strafen, sondern sprach: ‚Ich will Selbst zur Erde hinabsteigen und zusehen, ob das Unrecht und die Sündhaftigkeit wirklich so groß sind!‘ Und wer war es, der so sprach? Der Allwissende, für alles Sorgende, der die Könige dieser Erde zur Vorsicht und Behutsamkeit mahnt! Wie Er ja auch Seine Strafen nicht deshalb verhängte, um den Menschen zu vernichten, den zu vernichten ja gar nicht schwer ist, sondern um ihn zu erretten, weil es sehr schwer ist, ihn zu erretten, und um seine gefühllose Natur durch eine starke Erschütterung und ein Weckmittel aufzurütteln, ihm die ganzen Schrecken des Zieles, dem er in seiner Unwissenheit zustrebt, vor Augen zu führen und ihn dadurch zu mahnen, daß es noch Zeit wäre, an seine Rettung zu denken! Wie Er ja auch, da Er die unbestechliche sieghafte Macht Seiner unüberwindlichen Wahrheit und Gerechtigkeit kannte, alles tat, auf daß der schwache und ohnmächtige Mensch ihr nicht unterliege: sandte Er ihm doch Seine Propheten, daß sie erfüllt von Liebe zu ihren Brüdern und, nachdem sie eine Sprache gefunden, die den Menschen verständlich war, sie zur Besinnung brächten; Er, der sich entschloß, da Er endlich sah, daß alles vergeblich war, daß nichts sie zur Vernunft bringen könne und daß es kein Mittel gäbe, die Menschen Seiner unabwendlichen Gerechtigkeit zu entziehen, Sich Selbst für alle zum Opfer zu bringen, um den Preis eines solchen Opfers noch Seine Gerechtigkeit zu besiegen und den Menschen zu beweisen, daß eine solche Liebe höher ist, denn alles, was es gibt, daß sie an sich selbst die höchste himmlische Gerechtigkeit ist! Alles ward von Gott gesagt für den, der vor den Menschen in sich selbst Sein Abbild zur Darstellung bringen will, hat Er ihn doch gelehrt, wie er handeln soll. Um aber die Könige zu unterweisen, wie sie sich gegen Ihn Selbst, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, verhalten sollen, schenkte Er ihnen die Vorbilder der von Ihm Selbst gesalbten Könige David und Salomo, die mit ihrem ganzen Sein in Gott lebten, wie in ihrem eigenen Hause und die in ihrem Königstume das weise Zusammenwirken zweier Mächte — der geistlichen und weltlichen — verkörperten, und zwar in der Weise, daß nicht bloß keine von beiden die andere störte und hemmte, sondern daß sie sich gegenseitig noch stärkten und befestigten. So enthält das heilige Buch Gottes eine vollkommene Definition des Monarchen, dieses völlig von uns isolierten Wesens, dem auf Erden eine so schwere Aufgabe zuteil ward: nachdem er alles vollbracht, was jedes Menschen Aufgabe ist, und Christus in seinem ganzen Tun und Handeln bis in die kleinsten Einzelheiten seines Alltagslebens gleichgeworden ist, zu alledem auch noch in den erhabensten Äußerungen seiner Tätigkeit gegenüber allen Menschen Gott Vater gleich zu werden. In diesem Buche ist eine vollkommene Definition des Monarchen enthalten, die man nirgends sonst findet. Auf diese Definition ist noch keiner der europäischen Rechtsgelehrten gekommen, bei uns aber haben die Dichter etwas von ihr geahnt und vernommen, daher nehmen ihre Töne auch einen biblischen Charakter an.“

Der ursprüngliche Text der Aufsätze und Privatbriefe Gogols an seine Freunde, die in dem „Briefwechsel“ Aufnahme fanden und erst nach einer durchgreifenden Reinigung und Umarbeitung zur Veröffentlichung an Pletnjew gesandt wurden, stammt aus den verschiedensten Zeiten der Periode von 1843-1846, und zwar ist die Zahl der Stücke um so geringer, je mehr wir uns der ersten Hälfte des Jahres 1843 nähern. Von den Briefen dieser Epoche hat Gogol nur sehr wenige der Aufnahme in die Ausgewählten Stellen aus seinem Briefwechsel für würdig erachtet. Aus dem Jahre 1843 stammen die ersten Entwürfe folgender Artikel:

1) Über den öffentlichen Vortrag russischer Dichtungen (Band VII, Nr. 5, Seite 43) und

2) Die drei ersten Briefe über die Toten Seelen (Band VII, Nr. 18, Seite 175).

Aus dem Jahre 1844 stammen folgende Aufsätze und Briefe:

1) Diskussionen. Aus einem Briefe an L***. (Band VII, Nr. 11, Seite 111.)

2) Liebt unser russisches Vaterland. Aus einem Briefe an den Grafen A. T. (Band VII, Nr. 19, Seite 203.) Dieses Stück stammt aus der zweiten Hälfte des Jahres 1844.

3) Etwas über die Bedeutung des Worts. (Band VII, Nr. 4, Seite 35.) Diese Betrachtung ist wahrscheinlich Ende Oktober des Jahres 1844 niedergeschrieben.

4) Wie man den Armen helfen soll. Aus einem Briefe an A. O. Sm—rn—wa. (Band VII, Nr. 6, Seite 49.) Ist gegen Ende des Jahres 1844 niedergeschrieben.

5) Über die Aufgaben der lyrischen Dichtung unserer Zeit. Zwei Briefe an N. M. Jasykow. (Band VII, Nr. 15, Seite 151.) Der erste Brief ist vom 2. Dezember, der zweite vom 26. Dezember 1844 datiert.

6) An einen kurzsichtigen Freund. (Band VII, Nr. 27, Seite 317.)

Aus dem Jahre 1845 stammt der erste Entwurf folgender Stücke:

1) Über Schukowskis Übersetzung der Odyssee. An N. M. Jasykow. (Band VII, Nr. 7, Seite 55.) Ein Brief, der zu Beginn des Jahres geschrieben ist.

2) An einen hochgestellten Mann. (Band VII, Nr. 28, Seite 323.) Die Idee zu diesem Schreiben rührt vom Ende des Jahres 1844 her. Niedergeschrieben wurde es im Februar und März des Jahres 1845.

3) Vom Theater, von einer einseitigen Ansicht über das Theater und von der Einseitigkeit überhaupt. An den Grafen A. P. T... (Band VII, Nr. 14, Seite 129) — ist im März und April 1845 niedergeschrieben.

4) Lernt Rußland kennen. Aus einem Briefe an den Grafen P. T. (Band VII, Nr. 20, Seite 209) — stammt aus derselben Zeit (oder vom Ende des Jahres 1845?).

5) Mein Testament (Band VII, Nr. 1, Seite 9) stammt aus dem Juli(?) 1845.

6) Über ländliche Pflege und Gerichtsbarkeit (Band VII, Nr. 25, Seite 301).

7) Wessen Los auf Erden das beste ist. Aus einem Briefe an U. (Band VII, Nr. 29, Seite 359.)

Mehr als die Hälfte der Briefe, die in die „Auswahl aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden“ aufgenommen wurden, stammen aus dem Jahre 1846. In einem Brief aus diesem Jahre schreibt Gogol an Schewyrjow: „Während dieser schweren Zeit der Krankheit, zu der sich auch noch schwere seelische Leiden gesellt haben, war ich genötigt, einen so regen Briefwechsel zu unterhalten, wie ich ihn bisher noch nie geführt habe. Und wie mit Absicht war dies beinahe für alle, die meinem Herzen nahestehen, eine Zeit voll innerer Erlebnisse und Erschütterungen. Sie alle wandten sich, wie von einem dunklen Instinkt getrieben, an mich und verlangten Rat und Hilfe von mir“ (vgl. Band VII, Seite 163 ff.). „Während der letzten Zeit“, fährt Gogol fort, „kam es sogar vor, daß ich Briefe von Menschen erhielt, die mir fast gänzlich unbekannt waren, und daß ich ihnen Ratschläge erteilen konnte, die ich früher nie hätte erteilen können.“ Am meisten von Krankheit gequält war Gogol in den ersten zwei Monaten des Jahres 1846; dies war auch sonst eine sehr schwere Zeit für ihn. Gogol arbeitete während dieser Monate intensiv an der „Auswahl aus dem Briefwechsel“. „Gleichzeitig brauchte er eine Kur, machte er Reisen, war er von schweren Sorgen gequält und mußte sich um Dinge kümmern, von deren Schwierigkeit seine Freunde keine Ahnung hatten.“ Zugleich aber mußte er zahlreiche, sehr verschieden geartete Briefe erwidern, die nicht in leichtfertiger, sondern in wohlüberlegter Weise beantwortet sein wollten. Höchstwahrscheinlich erfolgte die Antwort auf einzelne Briefe vor der Öffentlichkeit, d. h. in der „Auswahl aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden“, und es wäre vergeblich, nach dem ursprünglichen Text der Briefe, die unmittelbar an die Fragesteller gerichtet waren, zu forschen. „Auf Ihren langen Brief“, schreibt Gogol im Jahre 1846 an die Gräfin ***, „... antworte ich ... nicht nur keineswegs in aller Heimlichkeit, sondern wie Sie sehen, in einem gedruckten Buche, das vielleicht von der Hälfte aller Menschen in Rußland, die da lesen können, gelesen werden wird“ (vgl. Band VII, Seite 309 ff.). Die an Schewyrjow gerichteten Briefe aus der „Auswahl“ waren unter den Papieren Schewyrjows nicht zu finden, wahrscheinlich hat er sie auch erst gelesen, als sie bereits gedruckt in Buchform vorlagen. Es ist daher heute noch für den größten Teil der Briefe vom Jahre 1846, die in der „Auswahl“ enthalten sind, kaum möglich, die chronologische Reihenfolge genau festzustellen, ebensowenig wie sich zurzeit die Frage beantworten läßt, ob schriftliche Antworten auf die an Gogol gerichteten Fragen vorliegen. In den Papieren Schewyrjows wurde nicht ein Brief Gogols aus dem Jahre 1846 gefunden, der in die Auswahl aus dem Briefwechsel usw. aufgenommen wurde.

Aus dem Jahre 1846 stammen folgende Briefe und Aufsätze der „Auswahl“:

1) Über das Lyrische bei unseren Poeten. An W. A. Schukowski. (Band VII, Nr. 10, Seite 85.) Dieses Stück wurde 1845 niedergeschrieben und 1846 nochmals umgearbeitet.

2) Was die Frau ihrem Manne im häuslichen Leben des Alltags und bei den heutigen Zuständen in Rußland sein kann. (Band VII, Nr. 24, Seite 291.) Dieses Stück stammt etwa aus dem September dieses Jahres und scheint unmittelbar für den Druck bestimmt gewesen zu sein.

3) Einige Worte über unsere Kirche und unsere Geistlichkeit. Aus einem Briefe an den Grafen A. P. T. (Band VII, Nr. 8, Seite 73) und

4) Über denselben Gegenstand. Aus einem Briefe an den Grafen A. P. T. (Band VII, Nr. 9, Seite 79.) 3 und 4 stammen aus der ersten Hälfte des Jahres 1846.

5) Der Historienmaler Iwanow. An M. Ju. Weligurski. (Band VII, Nr. 23, Seite 271.) Dieser Brief, der im Februar oder März dieses Jahres an den Grafen W. abgesandt wurde, wurde nachträglich, d. h. im August oder September, nochmals für den Druck umgearbeitet.

7) Karamsin. Aus einem Briefe an N. M. Jasykow. (Band VII, Nr. 13, Seite 123.) Der erste Entwurf dieses Briefes ist am 5. Mai 1846 niedergeschrieben.

8) Über die Aufklärung. An W. A. Schukowski. (Band VII, Nr. 17, Seite 167.) Stammt aus dem Juni und Juli dieses Jahres.

9) Was eine Gouverneursgattin ist. An Fr. A. O. S. (Band VII, Nr. 21, Seite 227.) Der erste Entwurf dieses Briefes stammt aus der zweiten Juli-Hälfte des Jahres 1845, er wurde am 4. Juli 1846 in neuer verbesserter Fassung an Frau A. O. Smirnowa gesandt und endlich im September 1846 und 1847 für die Drucklegung nochmals umgearbeitet.

10) Rußlands Schrecken und Grauen. An die Gräfin *** (Band VII, Nr. 26, Seite 307) ist zu Beginn des August 1846 niedergeschrieben.

11) Wesen und Eigenart der russischen Poesie. (Band VII, Nr. 31, Seite 369.) Dieser Aufsatz wurde „während dreier Epochen“ geschrieben, er ist 1836 oder 1843 (?) begonnen und im September 1846 für die Drucklegung vollendet.

12) Die Frau in der vornehmen Welt. An Frau ***. (Band VII, Nr. 2, Seite 21.)

13) Der Christ schreitet vorwärts. An Schtsch—w. (Band VII, Nr. 12, Seite 117.)

14) Ratschläge. An S. P. Schewyrew. (Band VII, Nr. 16, Seite 161.)

15) Der vierte Brief über die Toten Seelen. (Band VII, Nr. 18, IV, Seite 199.)

16) Der russische Gutsbesitzer. An B. N. B. (Band VII, Nr. 22, Seite 255.) Die Originalmanuskripte der letzten fünf Briefe sind unbekannt. Wahrscheinlich sind diese Stücke gleich für die „Auswahl“ geschrieben. Der erste Brief wurde am 30. Juli druckfertig abgesandt, der zweite am 13. (25.) August, der dritte und vierte am 12. September neuen Stils, der fünfte am 26. September.

Die Vorrede (Band VII, Seite 1 ff.) zur „Auswahl“ stammt aus dem August des Jahres 1846.

Der Aufsatz: Auferstehungstag (Band VII, Nr. 32, Seite 447) trägt kein Datum.

Der Brief an Arkadius Ossipowitsch Rosetti (Band VIII, Nr. 1, Seite 1) ist in Neapel geschrieben und wurde am 15. April 1847 abgesandt.

Über den „Zeitgenossen“; (Sowremennik); (Band VIII, Nr. 2, Seite 11), ein Brief an P. A. Pletnjew, ist vom 4. Dezember 1846 datiert.

Die Beichte des Dichters (Band VIII, Nr. 3, Seite 33) ist im Mai 1847 begonnen und noch in demselben Jahre vollendet.

Der Brief an W. A. Schukowski (Band VIII, Nr. 4, Seite 101) wurde am 10. Januar 1848 (den 29. Dezember 1847) aus Neapel an Schukowski gesandt.

Die Betrachtungen über die Heilige Liturgie (Band VIII, Nr. 5, Seite 115 ff.) wurden im Januar und Februar des Jahres 1845 in Paris konzipiert und in der ersten Fassung noch vor der Abreise nach Jerusalem (d. h. vor dem Januar 1848) vollendet. Nachträglich wurden sie noch bis zum Jahre 1852 mehrfach umgearbeitet[10].

Hans Küchelgarten. Dieses Jugendwerk Gogols wurde wahrscheinlich bereits während seiner Schulzeit konzipiert und begonnen. Bald nach Gogols Ankunft in St. Petersburg (1828) ließ er das Werk unter dem Pseudonym W. Alow drucken und gab es den Buchhändlern in Kommission. Es wurde teils gar nicht beachtet teils wie z. B. von Polewoi offenkundig abgelehnt.

Beilage I-IV. Aus Gogols Briefwechsel mit Bjelinski. (Band VIII, Seite 369.)

Dieser Briefwechsel mit dem berühmten russischen Kritiker Wissarion Bjelinski bildet eine wichtige Ergänzung zu der „Auswahl“, da er ein helles Licht auf die Stimmung wirft, aus der dieses Werk entsprungen ist, und weil er geeignet ist, Gogols Ziele und Absichten, die er mit dem Buche verfolgte, schärfer zu beleuchten und ein Bild von der Wirkung zu geben, die der Briefwechsel auf die Zeitgenossen ausübte. Die „Auswahl aus dem Briefwechsel“ bezeichnet einen Wendepunkt in Gogols Leben, das von diesem Augenblick an mit unheimlicher Schnelligkeit der Katastrophe zutreibt. Bald nach dem Erscheinen des ersten Bandes der „Toten Seelen“ setzt jene innere Krise ein, die so verhängnisvoll für Gogols Schaffen und sein persönliches Schicksal werden sollte. Der Zweifel an dem Zweck und Sinn des Dichterberufs, insbesondere an der Berechtigung seines eigenen dichterischen Stils steigert sich allmählich bis zu einer selbstquälerischen Melancholie, die das ganze menschliche Tun einseitig in den Blickpunkt der religiösen Zielsetzung einstellte. Der religiös-sittliche Zweck allein darf Inhalt und Wesensart der dichterischen Produktion bestimmen. Damit nimmt Gogols Schaffen immer mehr jenen didaktischen Charakter an, wie er so deutlich in dem Briefwerke zum Ausdruck kommt. Das Entwerfen von Mustern sittlicher Größe und Schönheit, Belehrung und Erziehung werden nun zu den höchsten Aufgaben des Dichters. Zugleich aber drängt sich immer kräftiger jener rückwärtsgewandte Zug zu einer passiven, heteronomen sittlichen Lebensauffassung vor, die in der demütigen Unterwerfung unter die gottgewollten Bindungen, in ihrer fügsamen Hinnahme den Sieg der Tugend und damit die Selbsterlösung aus der Wirrnis und den Unzulänglichkeiten der menschlichen Zustände erblickt. Diese Geistesstimmung konnte den „Briefwechsel“ zu dem Grundbuch des rückständigen Rußland machen, zu dem Arsenal aller reaktionären Ideologien, die auf alle folgenden Generationen, so z. B. noch auf Dostojewski, bis in die neuere und neueste Epoche fortwirkten. Gegen diese Tendenzen richtete sich schon zu Gogols Zeit der stürmische Protest der europäisch gesinnten russischen Jugend, wie er aus dem von wundervoller Leidenschaft durchpulsten Brief Bjelinskis zu uns spricht. Dieser Brief wird sicherlich Gogol nicht gerecht. In seinem prachtvollen Empörungsausbruch übersieht Bjelinski die radikalen Konsequenzen, die sich aus Gogols Standpunkt ergeben und für die der Zensor ein feineres Verständnis zeigte, als er nicht unbeträchtliche Teile aus dem „Briefwechsel“ herausstrich, ebenso wie Bjelinski die tiefen inneren sittlichen Probleme des menschlichen und künstlerischen Gewissens verkennt, die in diesem Werk ihren Ausdruck finden. Und doch liegt in dieser Ungerechtigkeit zugleich eine höhere geschichtliche Gerechtigkeit. In einer von freudigen Hoffnungen kommender großer Ereignisse erfüllten Zeit, die schon den großen Frühlingssturm des Jahres 1848 vorausahnte und sich auf ihn rüstete, mußte Gogols Predigt als ein Produkt dunkelster Reaktion, als das Werk eines finsteren rückwärtsdrängenden Geistes erscheinen.

Die Empörung über das Buch war allgemein, nicht allein bei den sogenannten Westlingen und den radikalen Slawophilen, sondern selbst bei Gogols nächsten Freunden, die über den hochmütigen lehrhaften Ton, den Gogol hier angeschlagen hatte, ungehalten waren. 1847 veröffentlichte Bjelinski im zweiten Heft des „Sowremjennik“ (Zeitgenossen) eine außerordentlich ungünstige Kritik, die sich zwar aus Zensurrücksichten eines maßvollen Tones befleißigte, aber Gogol, der bisher in Bjelinskis Kritiken nur begeisterter Zustimmung begegnet war, aufs tiefste verletzte. Da er sich den Grund zu Bjelinskis ablehnendem Urteil nicht erklären konnte, war er geneigt, ihn auf persönliche Motive zurückzuführen, wie dies aus Gogols durch die Rezension hervorgerufenem Schreiben an Bjelinski deutlich hervorgeht.

Bjelinski befand sich um diese Zeit auf Veranlassung seiner Freunde in Salzbrunn, wo er eine Kur gegen die Schwindsucht brauchte. An einem Julitag des Jahres 1847 setzte er sich hin und verfaßte jenen berühmten Brief (Band VIII, Seite 361), der eine so große Rolle in dem geistigen Freiheitskampf Rußlands gespielt hat.

Dieser Brief ist das Manifest des revolutionären Rußland geworden. Zwei weltgeschichtliche Gegensätze stoßen hier in heftigem Zusammenprall aufeinander. Europäertum und konservatives Altrussentum halten hier ihre große Abrechnung. Licht, Sonne, Heiterkeit, Klarheit, freie Selbstbestimmung auf der einen, Dumpfheit, Enge, Gebundenheit, Autorität auf der anderen Seite sind die Losungen, um die in diesem Briefwechsel gekämpft wird. Und es unterliegt keinem Zweifel, auf wessen Seite der Sieg sich neigt. Die Wirkung des Briefes war unbeschreiblich. In tausend Abschriften wanderte er von Hand zu Hand, und bald gab es in den entlegensten Provinzen, wie Asksakow schreibt, keinen Schullehrer, der den Brief nicht auswendig kannte. In allen oppositionellen Konventikeln wurde er mit Begeisterung gelesen und heimlich weiterverbreitet. Bloß der Tod (Bjelinski starb am 28. Mai 1848) rettete den Autor vor der Rache des Despotismus. Mußten doch zahlreiche junge Leute, darunter auch Dostojewski, wegen dieses Schreibens nach Sibirien wandern, lediglich weil sie der Polizei nicht von dessen Existenz Mitteilung gemacht hatten. So kämpfte in diesem Brief der Geist des verstorbenen Bjelinski noch nach seinem Tode tapfer weiter fort, wenn auch zunächst noch mit geschlossenem Visier. Lange war der Brief in Rußland gänzlich verboten. Alexander Herzen veröffentlichte ihn zum erstenmal in seinem in London erscheinenden „Polarstern“. Danach wurde er im Auslande und endlich 1872 auch in Rußland auszugsweise unter Weglassung der schärfsten Stellen nachgedruckt. Der vollständige Abdruck im Jahre 1906 in der Bibliothek Swetotsch (Die Fackel) durch Wengerow bezeichnet einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Briefes und zugleich eine neue Epoche in der russischen Revolution.

Chronologische Tabelle der Werke Gogols

Die Zahl des Bandes, in dem die einzelnen Schriften erschienen sind, steht in eckigen Klammern hinter der Jahreszahl.

Hans Küchelgarten (um 1828) [VIII]

Abende auf dem Gutshof bei Dikanka

I. Teil 1831 [III]

Abende auf dem Gutshof bei Dikanka

II. Teil 1832 [III]

Arabesken 1834 [VI]

Mirgorod, Teil I und II 1834 [IV]

Über die Strömungen der Zeitschriftenliteratur der Jahre 1834-1835 1835 [VI]

Der Revisor 1836 [V]

Die Equipage 1836 [IV]

Die Nase 1836 [II]

Petersburger Skizzen 1837 [VI]

Italienische Sommernächte 1839 [VI]

Szenen aus einer unvollendeten Komödie — Der Morgen eines vielbeschäftigten Herrn — Der Prozeß — Das Vorzimmer — Fragment 1832-1842 [V]

Eine Heiratsgeschichte 1833-1842 [V]

Die Toten Seelen, I. Teil 1835-1842 [I]

Die Spieler 1836-1842 [V]

Nach dem Theater 1836-1842 [V]

Das Porträt 1837-1842 [II]

Der Mantel 1839-1842 [II]

Rom 1839-1842 [VI]

Auswahl aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden 1846 [VII u. VIII]

Die Beichte des Dichters 1846 [VIII]

Betrachtungen über die Heilige Liturgie 1845-1848 [VIII]

Brief an Schukowski 1848 [VIII]

Die Toten Seelen, II. Teil 1845-1852 [II]

Inhalt des siebenten Bandes

Aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden I Seite

Vorrede 1

I Mein Testament 9

II Die Frau in der vornehmen Welt 21

III Die Bestimmung der Krankheiten 30

IV Etwas über die Bedeutung des Wortes 35

V Über den öffentlichen Vortrag russischer Dichtungen 43

VI Wie man den Armen helfen soll 49

VII Über Schukowskis Übersetzung der Odyssee 55

VIII Einige Worte über unsere Kirche und unsere Geistlichkeit 73

IX Über denselben Gegenstand 79

X Über das Lyrische bei unseren Poeten 85

XI Diskussionen 111

XII Der Christ schreitet vorwärts 117

XIII Karamsin 123

XIV Vom Theater, von einer einseitigen Ansicht über das Theater und von der Einseitigkeit überhaupt 129

XV Über die Aufgaben der lyrischen Dichtung unserer Zeit 151

XVI Ratschläge 161

XVII Über die Aufklärung 167

XVIII Vier Briefe an verschiedene Personen über die „Toten Seelen“ 175

XIX Liebt unser russisches Vaterland 203

XX Lernt Rußland kennen! 209

XXI Was eine Gouverneursgattin ist 227

XXII Der russische Gutsbesitzer 255

XXIII Der Historienmaler Iwanow 271

XXIV Was die Frau ihrem Manne im häuslichen Leben des Alltags und bei den heutigen Zuständen in Rußland sein kann 291

XXV Über ländliche Rechtspflege und Gerichtsbarkeit 301

XXVI Rußlands Schrecken und Grauen 307

XXVII An einen kurzsichtigen Freund 317

XXVIII In einen hochgestellten Mann 323

XXIX Wessen Los auf Erden das beste ist 359

XXX Ein Geleitspruch 363

XXXI Wesen und Eigenart der russischen Poesie 369

XXXII Auferstehungstag 447

Inhalt des achten Bandes

Aus dem Briefwechsel mit meinen Freunden II Seite

An Arkadius Ossipowitsch Rosetti 1

Über den „Zeitgenossen“ (Sowremjennik) 11

Die Beichte des Dichters 33

An W. A. Schukowski 101

Betrachtungen über die Heilige Liturgie 115

Einleitung 121

Das Offertorium (Proscomidia) 125

Die Liturgie der Katechumenen 145

Die Liturgie der Gläubigen 169

Schluß 217

Jugendschriften 223

1834 225

Über eine Geschichte der kleinrussischen Kosaken 231

Zwei Kapitel aus der kleinrussischen Erzählung „Der schreckliche Eber“ 235

I Der Lehrer 237

II Der Erfolg der Gesandtschaft 251

Das Weib 263

Fragmente

Gedichte und poetische Versuche 275

Sturm 277

Albumblatt 279

Hans Küchelgarten 283

Beilage: Aus Gogols Briefwechsel mit Bjelinski

I Gogol an Bjelinski 349

II Aus einem Briefe Gogols an N. I. Prokopowitsch 355

III Bjelinskis Brief an Gogol 361

IV Gogol an Bjelinski 381

V Fragment aus demselben Brief, das an einer anderen Stelle aufgefunden worden ist 395

VI Gogol an W. S. Bjelinski 399

Nachtrag 405

Berichtigungen

Zu Band V, Seite 479, Zeile 5 von unten: Prozeß. Das Bedientenzimmer usw. statt Bedientenzimmer lies Vorzimmer (Die Bedientenstube).

Seite 480, Zeile 2 von unten statt Die Bedientenstube lies Das Vorzimmer (Die Bedientenstube).

Zu Band VI, Seite 538, Zeile 6 statt 1835 lies 1836.

Druck von Mänicke und Jahn, Rudolstadt

Notes in this chapter

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