VI
Reading edition
Achtzehnhundert Meter über dem Meer lag der Ort, sechshundert über dem Ort das Hotel; steilste Leiter verband sie, die Zahnradbahn.
Mehr als zweitausend Meter über den Ebnen stehend, in denen sie töteten, weil sie nicht einig wurden, ob ein Streifen Land dem Reich im Westen oder dem im Osten gehören sollte, empfand er die Verlockung des Hochmuts, der die Menschen unter sich sieht. Jenseits des Tals öffnete sich die ewige Weihnacht des Gletschers, und in der Schußlinie einer Kette von Seen erblickte er das Dorf, in dem Nietzsche dem schwachen Körper die starken Gedanken abgerungen hatte.
Einsamkeit, ihm selbst einst lustvolle Vorstellung, gefüllt mit hundert Reizen, wie ein andrer sich Liebe der Kinder, heiligen Abend, Walten der Lebensgefährtin ausmalt; Einsamkeit, einzige Möglichkeit, um Gebot des Egoismus und gutes Gefühl für Menschen zu vereinigen, weil gerecht gegen Menschen nur ist, wer nicht die Personen sieht, einzige Möglichkeit auch, naiv zu leben, fern der Ungeduld über die Konsequenzen, durch die eine Begegnung getötet wird, Einsamkeit war nicht mehr Realität, nicht die ohne Zögern gegebene Antwort auf die bisweilen gestellte Frage, wie er die Zukunft des nächsten Jahrzehnts wünsche, sondern hatte sich in ein Ideal verwandelt, das verwirklicht matt geworden wäre.
Wer Verweilen in der Arena der Menschen verwarf, so entschlossen dem Absoluten sich zuwandte, daß er jenseits der Manifestationen des Absoluten stand, solches Heimweh nach der Totalität hatte, daß seine Antwort auf die Frage Ja-Nein dadurch bestimmt wurde — er mußte das Leben von sich werfen, es sei denn, daß er gläubig war und die Bürde als Geheiß seines Gotts trug.
Fehlte dieser Glaube und wählte er doch die Einsamkeit, dann log er, denn er suchte nur einen Annäherungszustand des Nein und ließ sich noch vom Ja bestimmen. Aus der Einsamkeit die großen Worte in die Ebne hinabsenden: hinüberschauend nach jenem Sils-Maria, ahnte er, wieviel nutzlos verbrauchte Energie dazu gehörte, das Pathos der Distanz durchzuführen — so viel, daß sie genügt hätte, in der Gemeinschaft der Menschen sich zu behaupten, teilnehmend an ihren Angelegenheiten, der Kausalität dieser Angelegenheiten nicht zu verfallen und souverän zu bleiben. Einsamkeit war der Mantel der Größe, in den sich der hüllte, dessen Widerstandskräfte versagten.
Sich nicht ausschließen, auch wenn das Verlangen nach Einsamkeit immer wieder durchbrach; es durch Aufhebung rechtfertigen und erkaufen, wenn es sich als stärker erwies; lieber Leid erfahren und Leid zufügen, als dem täglichen Verschwenden, sinnlichem wie geistigem Umgang Kraft entziehn, um sie dem Werk zuzuführen; verschwenden und doch sowohl genug Kräfte für das Werk als genug Energie für den Wechsel aufbringen; zuzeiten Asket sein, trotzdem man zu andern ganz in Hellas war, dem geliebten, heitren.
Der Pächter des Hotels war ein gebildeter Mann; in den Monaten zwischen den Fremdenwochen gab er sich der Familie hin, erzog die Kinder in aufrechter Frömmigkeit, versammelte sie abends zum Musizieren: Übungsstück war die Verdiarie, er am Klavier begleitend, der Knabe die rührend schwache Stimme der Geige führend, das Mädchen singend die Klage. Familie gründen, Kinder haben, für andre den Unterhalt verdienen, auch das war Bürde und mutig. Alles war wahr, was der, der Einsamkeit wählte, gegen die Fron der Familie sagte, und der Bürger darum doch tapfer.
Nun wäre die Zeit gewesen, Claire zu sehn; nichts war gekommen als ein kurzer Brief: „Du bist so weit, Unwiderrufliches ist geschehn, ich mag nicht schreiben, wenn man mich einläßt, besuche ich dich.“
Es war November, die Wintergäste noch fern, Lauda wähnte sich allein, da sah er am zweiten Tag, daß noch ein Gast da war, der allein aß, nach Tisch fortging, über die Kuppen wanderte, nachts wachte — hinter den Gardinen des Nebels schimmerte sein Fenster.
Lauda begegnete ihm auf Spaziergängen und im Haus, erfuhr, daß er Stein hieß, sah, daß er Jude war und das Stigma des geistigen Menschen trug; aber im Freien bog jener ab, sobald er ihn bemerkte, und im Haus senkte er den Kopf tiefer, um nicht grüßen zu müssen. Scheu in jeder Gebärde eines mißhandelten Tiers, das in den Winkel strebt, wo es still sein Leiden übersteht oder sterben wird, niemand weiß, was es dabei Düstres empfindet.
Eines Tags, als Lauda im Ort Else abgeholt hatte, sah er dort, wo das letzte Haus schon allein stand, eine Gruppe Menschen; seltsam schwarz und deutlich die Konturen im föhnenden Regentag. Sie alle hantierten wild erregt, bückten sich, warfen Dinge, die wie Kohlköpfe aussahn, zur Seite, aber es wurde geschossen, und nun blitzten Messer. Einer nur stand regungslos, im flatternden Mantel, Stein. Hinzutretend erblickte Lauda das Grauenhafte.
Im Innern dampfte ein Brühkessel, in den noch zuckende Schweine geworfen wurden; vor dem Kessel eine Blutlache, in der der Metzger, Stiefel bis zum Knie, stand und den Tieren den Hals durchschnitt. Hinter dem Haus wartete eine Herde Großvieh wie eine Kompagnie, die sich in Deckung hält, daraus führte man Stück für Stück an den Waldrand und erschoß es militärisch. Daneben ließ einer die Keule auf das Genick von Ziegen sausen, ein andrer hackte die Köpfe ab. Eine riesige monströse Grube war Abgrund von Blut, Wiederkäuermägen, Köpfen, Eingeweide, das mit fast ausgetragener Leibesfrucht verwachsen war — stinkend, verwesend vom gestrigen Schlachten; Chlorkalk schwamm darauf, übertäubte den Geruch nicht und nicht die schwarze Farbe.
Die Ställe waren verseucht, alles Lebende wurde ein Tal entlang geschlachtet, Weiber weinten, die Mienen der Männer waren finster, der Beamte des Veterinäramts zuckte die Achseln und überwachte. Das war die Erklärung, die Else erhielt, aber Stein sagte schneidend:
„Rauchen Sie eine Zigarre, wenn Sie den Gestank nicht ertragen, aber bleiben Sie, halten Sie dem Anschauungsunterricht stand. Der Mensch tut das, was ihm Gesetz und Lust ist, er mordet. Wo ist der Unterschied, ob er Stück für Stück zur Bank führt, oder Keule und Gewehr zu Hilfe nimmt? Entsetzt es Sie? Ich sah das gleiche dort, wo der Krieg ist, warf in die gleiche Grube Eingeweide, Köpfe, Arme von Menschen, manchmal stand ein Pfaffe dabei, manchmal keiner. Sehn Sie die Hände der Metzger an, sie eitern von der Blutarbeit; dieser Eiter ist das Geschwür, das alle im Innern tragen; bisweilen bricht es durch, wird sichtbar, es ist ihre Seele; Seele ist Stank und Eiter.“
Danach verließ er sie, stieg zum Hotel auf. Sie holten ihn ein. Ihre Schritte vernehmend, wandte er sich um, und Lauda sah seine Augen: da erkannte er, wie aus dem Tiefsten der Hohn jener Worte gekommen war, so tief, daß er Gift in den Wurzeln des Lebens sein mußte. Hier ging einer mit dem Gedanken um, die Konsequenz zu ziehn, und der Umgang war wohl stündliche, einzige Beschäftigung. Es war nicht schwer zu erraten, daß diesen der Krieg zerstört hatte.
„Wenn Sie Zerstörung,“ antwortete Stein, „die Durchschmelzung der lebenschützenden Hemmungen nennen, die vor die Erkenntnis gelegt sind. Was heißt Zerstörung — ich habe die Realität wiederhergestellt, die so tief liegt, so sehr mit Sentimentalität, Optimismus, Zähigkeit überdeckt ist, daß man sie mit dem bequemen, unverbindlichen Wort Metaphysik bezeichnet und tut, als ob die davorliegenden Hemmungen schon die Realität seien.
Es gibt Philosophien, die ihr System auf dem Leid aufbauen; sie sind die relativ besten, die wir erdacht haben, und doch Schwindel, weil sie immer ein Hintertürchen aufmachen, durch das sie das Ja hereinlassen, die Liebe etwa, wenn sie gerührt die Vielheit der Menschen betrachten, oder den Anarchismus, wenn sie beim Ego haltmachen. Herr, es ist mir unmöglich, Ihnen zu sagen, bis zu welchem Grad des Entsetzens Einsicht möglich ist; es gibt eine verzweifelte Klarheit hinter dem mitteilenden Wort, die nur noch einen Befehl enthält: vernichte dich, um überhaupt, ein einziges Mal, Moralisches getan zu haben.
In Wien tötete sich vor Jahren jung Weininger, als er die Siegel über dem innren Schacht soweit gelöst hatte, daß er das Verbrechen daraus aufsteigen fühlte, körperlich als ein grauenhaftes, in ihm lebendes und mit ihm fressendes Tier — er glaubte vielleicht noch, daß nur in ihm die Bestie rüttle, wie es in einigen Lebewesen Parasiten gibt, in andern jedoch nicht. Ich aber erkannte, daß sie in allen sitzt, ich sah sie in allen, und während sie ihm nur ein Abstraktum, das Verbrechen, war, sah ich sie konkret, und sie heißt Mörder, blutsaufender Dämon. Sein Ausweg war einfach, er hatte nur sich zu töten, aber nach mir greift der Wahnsinn, weil ich vergebens das Mittel suche, das die Existenz selbst, die sadistische Lebensgier selbst ein für allemal austilgen könnte.“
Stein war Wiener. Als man sich erbot, ihn als Literat im sichren Pressequartier unterzubringen, hatte er sich geweigert — man schickte ihn ins Feld. Nach seinem eignen Bericht war die Entwicklung seiner Gedanken folgende gewesen. Im Anfang spaltete er sich in Haß und Liebe; Haß denen, die Jünglinge und Wehrmänner dem hochmütigen Phantom opferten; Liebe den Geopferten, die verbraucht wurden, wie man Wasser verschüttet, nach der Laune, der Dummheit, der Ohnmacht, dem Ehrgeiz von Führern, deren niederträchtige Verwesung er kennenlernte, als der Zufall ihn zum Burschen eines Stabsoffiziers machte.
Ihrer zwanzig saßen in einem Schloß, zwanzigmal Pose Moltkes, Napoleons, weil sie unverzeihlich über Leben verfügten, deren keines ihnen mehr galt als das Streichholz, mit dem sie ihre Zigarette anzündeten. Haß stieg auf unsäglich über Verhältnisse, die zwanzig von Ehrgeiz Verseuchten Macht über den Mitmenschen gaben.
Danach sah er sich in die anonyme Herde der Frontsoldaten zurückversetzt, glaubend, er verlasse das Reich des gesättigten Tiers, um in dem der Armen zu weilen. Sie waren selbst Tier, feiges, das gegen den Stachel löckte, dem Stachel gehorchte, die tiefsten Kräfte der eignen Vitalität entfesselte, um sich zu behaupten, mitzutun; mordend, henkend, stehlend, triumphierend, wenn es Erfolg hatte, lüstern nach Gewalt, egoistisch bis in die letzte Faser, nachgeredete Phrasen auswerfend, wie das Meer Kadaver, und sich doch nicht reinigend; es nisteten die sentimentalen Gefühle wie Schleim in den innren Wänden.
Welche Menschenkenner waren die gewesen, die den einen die Macht, den andern den Gehorsam angewiesen hatten: es konnte Mensch nicht ohne Druck, Gebot, Anweisung leben, das gebändigte Raubtier. Aber Philosophie der Autorität so fern, Haß gegen die einen blieb, Mitleid mit den andern schlug in Verachtung um und ward Qual, Ende, Weigrung, noch fürder Mensch zu sein. Geistliche segneten die Mörder, Troß von Schwestern pflegte die Verwundeten, damit sie wieder töten konnten; in jedem Weib, das im Dunstkreis dieser Hölle weilte, schwelte ein Gemisch von Gefühlen, Idealen, Sinnlichkeit, so schauerlich verschlungen in unentwirrbarer Vielfältigkeit wie in den Männern.
Und er selbst nicht besser; was in ihm vom Geist Christi, des großen Juden, war, rang verzweifelt an, ward im Strudel fortgeschwemmt, tauchte auf, nicht mehr erreichbar, fern; helfen, bessern — wer konnte helfen und bessern, wenn sein Wesen sich in einen rasenden Trichter verwandelte, in dem der Brocken Güte im Schaum von Schmutz, Gier, Lüsternheit wirbelte?
In den Nächten brannten Feuerwerke aus Raketen, Gaswolken, Bomben auf, als begännen die Mondkrater phantastisch zu speien; in Stacheldrähten brüllten die Zerfetzten; da schickte man, am vierten Tag, den Strom durch sie. Ein Zug der Kompagnie kam zu spät zum Angriff, man ließ sie antreten, wählte den zehnten Mann, erschoß ihn, es waren aus dem Kampf Zurückkehrende darunter. Hunde, knirschte er und raste, bis er sich erbrach. Töte dich, schrie es in ihm, solange du es noch nicht aus Wahnsinn tust, solang es noch Einsicht, einzige moralische Handlung der Bestie ist — und tötete einen andern: beim Angriff der Italiener war er Zeuge, wie sein Leutnant, achtzehnjähriger, drei Mann, die nicht standhielten, mit dem Revolver niederschoß. Da knirschte er abermals: Hund, du Henker im Auftrag der Kaste, und stieß dem Knaben das Seitengewehr in den drohenden Mund, so fest, daß er ihn an den Boden spießte.
Er floh über die Schneejoche, ohne Bewußtsein des Wegs, war nun im Hotel, seine letzten Gedanken zu ordnen und, was aus den Nerven kam, abermals aus dem Hirn zu rechtfertigen. Starre war gelöst, es blieb der Entschluß aus stöhnender Seele.
So schlimm wie die Dämonie des Kriegs würde das Vergessen sein, die Rückkehr der Überlebenden zum Alten, die prangende Decke des Frühlings über dem Moder, die großen Worte der Geistlichen, Dichter und Zeitungsschreiber, rubriziert als: Triumph des Lebens.
„Daß sie am Ende aller Wenn und Aber immer wieder diesen Triumph des Lebens ausspielen, diese schlaue Weisheit des Geschöpfs, das wohl fühlt, daß es eine Kolonie fressender Zellen ist, dieses Sichabfinden mit der Tatsache, eine wimmelnde Welt von Raubmonaden zu sein, überzogen mit glatter Haut und lockender Rundung, diese Dynamik aus hundert Milliarden von Appetiten — das ist es, was mich das Grauen nicht vergessen läßt.
Nicht vergessen wollen, Widerstand leisten dem schamlosen Egoismus des Jasagens, das ist nun die mir eigentümliche Denkkonstellation geworden. Hören Sie einen Satz, den ich bei Hermann Bang las: ‚Ich sage dir, sähe ein einziger Mensch einem andern ganz bis auf den Grund der Seele, er würde sterben. Und wäre es denkbar, daß man sich selber auf den Grund seiner Seele sähe, man würde es als eine geringe, aber notwendige Strafe betrachten, ohne einen Laut sein Haupt auf den Block zu legen.‘“
„Und dieser eine wollen Sie sein?“ fragte Lauda leise, „ist das noch ganz Entschlossenheit des souveränen Menschen, der einmal, er wenigstens und für alle symbolisch, ehrlich sein möchte? Ist es nicht schon eine Lockung, Sehnsucht nach dem Martyrium, Hingabe an einen Dämon, ein gotthaftes Gebilde, dem Sie Aufenthalt in sich geben? Ist es nicht schon herostratischer Ehrgeiz, Spiel mit dem Gedanken, eine noch nie gefundne Methode entdeckt zu haben, um von den Menschen genannt zu werden? Ihr Leid hat sich schon verschoben, die Lockung des demonstrativen Tods ist vielleicht nichts als der erste Schritt der Heilung, weil sie nichts als eine unmerkliche Einschmugglung des nicht sterbenwollenden Egoismus ist.“
„Grund mehr, noch rechtzeitig den Riegel vorzuschieben, die Lockung zu morden, indem man sie befolgt.“
„Das ist Dialektik der Todesgedanken, nicht mehr Ehrlichkeit. Unsre äußerste Tragik ist, daß das Nein immer als Dialektik endet. Sie mußten sich töten, als Sie jenen Offizier getötet hatten, im Impuls. Was nicht Impuls bleibt, wird Dialektik. Sich töten, um nicht wahnsinnig zu werden, — das ist noch nicht die äußerste Leidensstation; diese heißt: erkennen, daß man sich nicht töten kann, weil man sofort wieder zum Aufbau verwendet wird, wahnsinnig werden, weil Wahnsinn nicht erlöst, das ‚Du mußt leben!‘ wie Donner hallt.
Es gibt nur eine Rettung: sich damit abfinden. Metaphysisch gesprochen: Was Sie leiden, ist die zu späte Frage des Urwillens, ob er recht getan hat, sich zu manifestieren; da er es tat, hat er seine Freiheit verloren, ist selbst in den Kreis der Tragik gestellt; wir sind verdammt ohne Rettung.
Aber real gesprochen: Haben Sie den Appetit der Tierkolonie in Ihnen, seien Sie die Dynamik ihres Zusammenschlusses, erbrechen Sie sich nicht in Gedanken an den Bodensatz in der Seele des Weibs neben Ihnen, nehmen Sie es und machen Sie ihm das Kind, lassen Sie sich von dem unsaubren Egoismus beflügeln statt zersetzen. Seien Sie schneidend hart, nie vergessend, und gleichwohl fröhlich, ein wenig nur, nur soviel als nötig ist, um das Leid zu ertragen.
Jede Philosophie endet mit dem Gehorsam, sei es der gegen einen außer uns existierenden Gott, sei es der gegen die Identität mit der Kraft, die uns zur Existenz verurteilt hat. Sich mit der Tragik abfinden, heißt sie niederhalten, sie trägt ihr Heilmittel in sich selbst; man muß lachen können. Lüge des Daseins wird Illusion, das Tragende; Bewußtsein, wie schmutzig wir sind und wie ohnmächtig, kann groß sein, größer als das Phantom von Pathos und Herrentum, das jener dort in Sils-Maria ersann, weil er selbst weich, gütig und physisch zu schwach war — wie idealistisch, das heißt, wie vorsichtig stand er mit Frauen. Seine Lehre der Härte war nur Symbol, er predigte das Maximum und meinte nur ein Minimum — gerade soviel Härte, als nötig ist, um sowohl vor dem Hochmut des Eifers als vor der Sentimentalität des Allheilmittels Güte zu bewahren.
Verstehn Sie mich? Ich spreche von der Tatsache, daß, wenn wir auf der Suche nach Rettung vor dem Tierischen die Güte finden, das Tierische und Egoistische vergessen oder als Feind betrachtet wird, während es darauf ankommt, aus Zynismus, Lebenshunger und Gerechtigkeit gegen die andern eine Synthese zu bilden, die uns ein neues kompliziertes, aber darum nicht weniger tragfähiges und unmittelbares Temperament gibt. Mensch, sei die Summe deiner Widersprüche, diszipliniere dich so, daß du mit vierzig Jahren der Massenerkrankung aller Reifenden, dem hemmungslosen Einbruch der Güte widerstehst. Wie viele in diesem Alter, glauben Sie, vermögen Widerstand zu leisten? Konnte es doch die ganze antike Kultur nicht, als sie alterte, sie zersetzte sich christlich. Widerstand leisten heißt nicht, die Dämonie eines neuen Gedankens leugnen; es heißt sie fühlen, aber nur in kontrollierter Dosis ins Blut aufnehmen.“
Und auf einem Gang über die Kuppen, als sie von der Möglichkeit der Erziehung sprachen, fuhr er fort:
„Wenn ich mich frage, ob es noch überhaupt neue Gesichtspunkte der Erziehung gebe, die über die Trivialität der moralischen Forderungen hinweghelfen, finde ich diesen Gedanken: Erziehung noch mehr als auf Moralität, das Selbstverständliche, auf Überlegenheit anzulegen. Überlegenheit nenne ich den Entschluß, Einsichten über die Grundlagen unsrer Natur nicht wieder untersinken zu lassen, sondern festzuhalten. Ringsum vollzieht sich alle Entwicklung so, daß die Menschen den vorletzten Gedanken durch den letzten totschlagen, der Weltliche plötzlich asketisch wird, der Individualist Güte predigt. Dieses Nacheinander scheint das Gesetz der innern Vorgänge zu sein, aber es kann ersetzt werden durch das Zugleich. Nie vergessen, daß wir der Gott sind, der die Ideen und Gebote schafft, nicht dualistisch aus Ohnmacht werden.“
„Ja,“ sagte Stein, „das Entmutigendste und Sinnloseste ist, daß gewonnene Erkenntnis mit dem einzelnen zugrund geht, immer wieder der sentimentale, eifervolle, pathetische Prozeß von vorn beginnt — sie, die von Entwicklung der Menschheit reden, müßten darüber verzweifeln.“
„Nein, sie müßten die Erkenntnis sichern,“ antwortete Lauda, „und es wäre nicht unmöglich. Hier interessiert mich erst Erziehung, hier zeigt sich die höchste Aufgabe des Widerstands. Eine Propädeutik der Energie ist denkbar, fußend auf einem noch nicht geschriebnen Katechismus, darin von den Gesetzen des Denkens die Rede wäre, von seiner Halbheit und Mühseligkeit, von seinen Rückfällen, vom primären Nacheinander und späteren Zugleich, von dem Versagen des Widerstands und seiner Größe, von der innern Physik, der seelischen Mathematik und der Überwindung des Tods durch die Generation. Aller Aktivismus wäre darin, die ganze Lehre vom Willen zur Selbstbehauptung, der den zur Macht ersetzen soll und seine gereinigte, geistige Form ist.“
„Voraussetzung wäre der Glaube an den freien Willen, ich habe ihn nicht mehr — hätten Sie erlebt, was ich erlebt habe.“
„Ich könnte sagen, ich habe es, beschränke mich darauf, zu sagen: ich behaupte die Mutationsfähigkeit der Seele — sie ist eine Frage der Trainierung von Hirnmuskeln durch den Willen, der identisch ist mit Selbstbehauptung, leichtfüßiger Energie. Das Hirn ist ein Kosmos, in dem neue Erdteile angelegt werden können: ein so mystischer Vorgang wie das Phänomen des Denkens überhaupt. Wie ist es möglich, daß wir immer wieder an derselben Stelle Empfindungen haben, ohne daß die früheren den späteren den Platz fortnehmen? Nur dadurch, daß Seele oder Hirn eine Masse ist, durch die in beliebiger Wiederholung Ströme gehn: es empfängt sie, reagiert raum- und zeitlos, leitet sie ab, ist aufs neue bereit, magische Landschaft der blauen Phosphorblitze, wunderbare Gelatine, berstend von Erinnrungen und doch keine lokalisierend, willig jeder Zucht und Steigrung, freudig wie ein edles Tier, das sich als Künstler und adlig fühlt, wenn es Aufgaben bewältigen lernt.“
Warum war Else zu ihm gekommen? Sie sagte:
„Weil meine Gedanken dorthin folgen, wo ich jemand unbrutal und verstehend weiß.“
Daß sie solchem Menschenwunsch wie etwas Selbstverständlichem nachgegeben hatte, gefiel ihm; das war die ethische Regsamkeit von Jüdinnen, die entschloßner als andre sich von geistigen Werten bewegen ließen. Stolz der Christin, sich suchen zu lassen und nicht zu offenbaren, bis der Mann um sie warb, erschwerte das Bekenntnis, daß menschliche Angelegenheiten, Nöte, seelische Interessen überpersönlich, allen gemeinsam sind; das Geschlecht wurde weniger wichtig genommen; erhob es danach seine Ansprüche, war eine geistige Fundamentierung gelegt.
Auch zwischen ihm und ihr kam dieser Augenblick. Beisammensein des Tags ward an den Abenden fortgesetzt; schon hatte sich seit jener Nacht, in der sie sein Manuskript abgeschrieben hatte, eine Gewohnheit gebildet; sie las, während er schrieb, und störte nicht. Stand sie dann auf, in ihr Zimmer zu gehn, fühlten beide, daß die unsichtbare Spinne Fäden um sie gewoben hatte, die zu zerreißen größren Entschluß kostete als, dableibend, sie bestehn zu lassen.
Aus Bemerkungen des Unwillkürlichen schloß er, daß sie diesen Augenblick bedacht hatte; sie stand allein, war ihm gut, hatte das Bedürfnis der Frau nach einem Gefährten bekannt. Aber er seinerseits glaubte die Tiefe dieser Sehnsucht, der die Melancholie des ersten Erlebnisses vorangegangen war, zu ermessen und ahnte, daß sie eine Bindung von ihm verlangen werde, die ihn, für das Mädchen, die Qualen spätrer Lösung scheuen ließ.
Er fühlte, Tag für Tag im Freien zubringend, wandernd, dem Champagnerrausch der Höhenluft ausgesetzt, so große schöne Beschwingung aller Energien, so straffen, frohen Hunger nach Begegnung, Mensch und Tat, daß er sich Auslösung nicht anders als unbeschwert durch Seelenhaftigkeit und die den Frauen teure Aussprache, Bestätigung, Feststellung denken konnte — er erkannte sich: wenn er ganz wahr war, zog er Frauen vor, die durch äußre und innre Bedingungen so selbständig waren, daß sie begegneten, ohne Häuser zu bauen. Und Else wußte es, aus dem Eindruck seines Naturells abstrahierend, er merkte es an der Wiederkehr ihres: Es ist gleich, was geschieht, dieses schmerzlichen und wagenden Fatalismus.
Während sie so, sich nachdenklich in die Augen sehend, einander zutrieben, geschah es, daß er zwei Tage das Zimmer hütete: sie wanderte allein, begegnete Stein und trat Lauda verändert entgegen.
„Als ich ihn das erstemal, mit Ihnen,“ sagte sie, „von dem Gebot reden hörte, sich zu vernichten, um einmal wenigstens Moralisches getan zu haben, ergriff es mich wohl, aber meine Gedanken antworteten ihm schon aus denen Laudas heraus. Mit ihm allein, war es, als trete ein andrer Geist in mich, ihm und mir und unsrer Rasse Gemeinsames, ferner dem Ihrigen, mitleidvoller, wissender um das jüdische Leid. Sie, Lauda, setzen ihm entgegen, was Sie sind; mir scheint es möglich, ihm den Revolver zu entwinden, indem ich mich mit ihm identifiziere.“
„Das Resultat,“ sagte Lauda, „wird gemeinsame Ethik sein, der Ethik wiedergegeben, wird er in Flammen stehender Revolutionär werden, und er wird Ihre Mütterlichkeit nicht erfüllen, denn sie ist Wunsch nach Ruhe.“
Sie verstand, wie er es meinte, nicht abratend, man muß sein Schicksal erfüllen, sehend dem Konflikt entgegengehn, vor jeder neuen Bindung wissen, daß sie, auf andre Art, das gleiche bringen werde wie die frühren. Immerhin berichtete sie am nächsten Tag:
„Vielleicht erspart er sich und mir die Abbiegung in die revolutionäre Heerstraße, wählt eine kleinre, frohere Aufgabe: wir sprachen vom Zionismus. Er fühlt, daß die Zeit naht, wo der jüdische Geist wieder Anspruch erhebt, eine der Kräfte der Welt zu sein, neue Gestaltung oder Untergang sucht.“
„Man darf annehmen,“ antwortete Lauda, „daß er sowenig untergehn wird wie in der Vergangenheit. Die Rationalen werden die Anpeitscher der Revolution werden, um durch Zerstörung der Nationen Gleichberechtigung für die ihrige zu erlangen, die Religiösen den jüdischen Kosmos zu bilden suchen. Wird ein Palästina, mit Londoner und Pariser Bankiergeld saniert, Musterfarmen und Häuser mit Zentralheizung gründend, auf enges Gebiet beschränkt, sentimental längst verstorbne Rabbiner studierend, mehr als rationalistische Angelegenheit sein?“
Sie wußte es nicht und er nicht, es ging ihn nichts an.
Er ward überflüssiger Zeuge der zwei, erinnerte sich, einen Brief vom Personal Hannahs erhalten zu haben, der nahlegte, am Brienzer See nach dem Rechten zu sehn, blieb zuvor in Zürich drei Tage, seinen Überschuß Elena zutragend, in deren Zimmer er nun doch wieder saß, fatalistisch überzeugt, daß ihm Begegnung mit der zartren und innigeren Frau nie gewährt werde, weil er sie nicht suchte — Feststellung, die tragische Koketterie zu vermeiden hatte — und hielt mit seinen Koffern acht Tage vor Weihnachten Einzug im Landhaus jenseits des Brünig.
Er fand den Knaben gewachsen, und Funken der Intelligenz in seinem Auge entzündeten alsbald eine Assoziationskette, die über fünfzehn kommende Jahre hinweg zu einem jungen Menschen führte, den er erzogen hatte. Wunsch, Erkanntes und Errungenes weiterzugeben, nahm erste Gestalt an.
„Ein Schloß sprang ein,“ sagte er, „ich habe mich in die Generationsreihe gestellt: Die Schale weitergeben, nicht auf die Barrikade rufen; Erziehung ist die wirkliche Tat, Aufpeitschen nur Über-die-Tat-reden.“
Am Weihnachtstag, in Interlaken, wo er Geschenke gekauft hatte, legte sich, als er das Abendschiff betrat, eine Hand auf seinen Arm. Hannah, durchfuhr es ihn, so hatte sie ihn auf dem Brünig berührt. Aber als er sich umwandte, sah er Assenstand, jenen Patriziersohn aus Danzig, der in Brüssel am schmucklosen Tisch dem vor Chrisanthemen auf Pergament schreibenden Dichter gegenübergesessen hatte, selbst Dichter, einer andern, herrenhaften Prägung, und Hasser der demokratisierten Welt.
Lauda begrüßte ihn froh, da sah er die Zurückhaltung im Gesicht des einst Befreundeten — Assenstand sagte:
„Ich freute mich, Sie aufzusuchen, da erfuhr ich, daß Sie die Sache Ihres Volks aufgegeben haben, um nicht zu sagen beschimpfen. Es ist mir darum unmöglich, Ihre Gastfreundschaft anzunehmen, ich beschränke mich darauf, mich meines Auftrags zu entledigen. Lassen Sie uns in ein Café gehn.“
Aber das Schiff war das letzte des Tags, und Lauda nicht auf Übernachten vorbereitet.
„Sie nehmen nicht meine Gastfreundschaft an,“ sagte er, „sondern einer abwesenden Dame, die Eigentümerin des Guts ist, Frau Graumann.“
„Und trotzdem die Ihrige,“ antwortete Assenstand, folgte aber aufs Schiff, „denn ich komme, um Ihnen zu sagen, daß Sie ihr Erbe sind, ich verließ Petersburg am Tag vor ihrer Erschießung.“
Er erzählte. Er war als Dolmetscher nach Brest-Litowsk gerufen worden, im Verlauf der Verhandlungen fuhr er nach Petersburg. Man führte ihn in den Salon der Freundin eines der neuen Machthaber, Frau Hannahs. Sie stellten gemeinsame Bekanntschaft mit Lauda fest, er verkehrte bei ihr. Daß er einmal Lauda von ihr berichten werde, bewirkte, daß sie von sich sprach.
Wer in dieser Sphäre von Macht, Neid, Mißtrauen, Beaufsichtigung lebte, dem war nicht mehr erlaubt, sich zurückzuziehn. Sie dort waren auf Erfolg und Verderben miteinander verbunden, wie eine Goldjägerschar, die in den unbekannten Kontinent vordringt — kein Brudergefühl, Mißtrauen schlich um, Fieber derer die die Dünste des Bluts atmen. Aus dem Blut stiegen die Geister des Tödlichen auf und waren dämonisch Verwandlungen des verleugneten Gotts; unerbittlich, grausam, lauernd, wie sie ihn verlangten, wies er ihnen die Verschreibung des eignen Lebens vor, sie einzulösen.
„Wie die Augen der Menschen hier sind.“ sagte sie, „keiner erträgt ihren Blick, nicht der, dem er gilt, und nicht der, der ihn hat — er weiß von ihm; das unerträglich überspannte Leben haßt sich selbst darin und findet keine Erlösung, weil es kein Zurück mehr gibt.“
Das Geschlecht schützte nicht, aber es gab Frauen neben ihr, die mit herausfordernder Sicherheit ihren Weg gingen, männerantreibende, die fanatisch über der Revolution wachten, und männererregende, die geil gediehn.
Eines Tags fand er Hannahs Wohnung geplündert, von Soldaten besetzt; Gang zu ihrem Beschützer, dem selbst gefährdeten, war vergeblich — sie hatte einer vom Tribunal gesuchten Oberstentochter zur Flucht verholfen. Es gelang Assenstand, die Zelle zu betreten; sie wußte, daß es ihre letzte Nacht war. Warum hatte sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt?
„Einer,“ antwortete sie, „ist, der es versteht, ohne Erklärung, wir hatten ein Gespräch auf dem Brünig.“
Assenstand fühlte, daß Tage der Befreundung für nichts galten, sie öffnete sich nicht; in ihren Augen war ein Feuer, das er das Wunderbare nannte; sanfter Glanz der Ruhe, harter der Verachtung darin, abgeschloßnes Leben, zitterndes. Konnte eine Frau so sterben, edles Tier, das lautlos den Winkel sucht, edel wie der Mensch der Antike, der das Haupt verhüllend, sich in den Ablauf seines Lebens versenkte?
Welche Kraft, die durch keine Anerkennung, weder eigne noch andrer belohnt wurde, denn ob einer Großes oder Feiges in dieser Nacht dachte, es war im nächsten Frühlicht wesenlos. Und dann, daß sie beim Abschied aufstand, die Hände um seinen Kopf legte und ihn küßte — erschütternd, weil es eine Situation war, in der die Geste des äußersten Gefühls rein von Theater blieb: er hatte keine andre je erlebt. Sie löste das Angebot an Hannah aus, in seiner Kleidung zu fliehn, und das war pathetische Geste, denn sie war irgendwie Erinnrung an Gelesnes. Hannah schrieb in sein Notizbuch Worte für Lauda und Bestimmungen, dann ging er.
Lauda nahm das Heft in Empfang, schloß es ein, sagte:
„Um Frau Hannahs willen werden Sie vergessen, daß Sie nicht mein Gast sein wollten, als denkender Mensch sich sagen, daß Überzeugung so handeln lassen kann, wie ich gegen mein Land handelte.“
Sie blieben auf, sprachen von Europa. Es erwies sich, daß Assenstand den Glauben nicht teilte, daß der Friede mit Rußland Erleichtrung sein werde.
„Es ist zu spät,“ sagte Lauda, „Kraft, die an der Lüge dessen krankt, der behauptet, daß er sich nur verteidige und doch darauf brennt, seinen Willen aufzuzwingen, wird müde. Jener englische Minister, der von den Deutschen sagte, sie seien ein wildes Tier, das in seinem Käfig nur zu weiten Tatzenschlägen ausholt, wird Recht behalten.“
„Wenn es sich so verhält, wie ist es möglich, daß Sie so kalt zuschauen, wie das Tier sich verblutet? Von welcher Art sind Sie?“
„Von Ihrer eignen, die sauber sich entscheidet, Feind alles Verschwommnen, unsachlich Sentimentalen. Daß Sie das Aristokratische wählten, ich das scheinbare Gegenteil, ist vom Wesentlichen her kein Unterschied. Sind Sie noch wie in Brüssel der Überzeugung, daß der deutsche Junker die Manifestation einer Idee sei?“
„Daß Radikalisierung, Zerstörung jeder Bindung durch überpersönliche Hemmungen das größte Unglück ist, das die innre Ordnung treffen kann, steht seit den Petersburger Tagen so fest in mir, daß ich nicht nur religiöse Regulative, sondern sogar kirchliche wünsche.“
„Ganz recht, man könnte mit den stärksten Gründen belegen, daß Sozialismus seinen Sinn noch nicht gefunden hat, solang er weltliche Macht werden will, daß er vielmehr ein Akzidenz, geistiges Prinzip ist, das sich mit jeder zivilisierten Staatsform verbinden läßt — er wäre also nur Kontrolle, treibende Kraft, moralischer Faktor; aber ich muß meine Frage wiederholen: glauben Sie, daß die preußischen Konservativen ein Gran der Besonnenheit und Geistigkeit besitzen, die ihnen erlaubten, die sozialen Ideen zu binden und den Deutschen das zu geben, was sie nicht haben, Charakter?
Charakter nenne ich Ausgleich zwischen der Widerstandskraft gegen den Ansturm von Ideen und der Bereitwilligkeit, diese Ideen als ernstestes Gebot zu empfinden. Das ist unsagbar fern der Gier, sich die Macht ohne Gegendienst zu sichern — bei den Junkern finden Sie nichts als diese Gier. Haben Sie je gehört, daß Junker von der Notwendigkeit der Erziehung gesprochen haben, einer Erziehung, die radikale Fordrungen, statt sie als Verbrechen zu erklären, bereitwillig, sachlich, ohne Hintergedanken verarbeitet, weil sie das Recht auf Nachdenken und Bessrungsvorschläge grundsätzlich, aus Moralität, als menschlichste Angelegenheit anerkennt?
Ziel der Erziehung ist, Charakter geben, den Mensch mit geschickten und klugen Händen zur Selbstbehauptung führen, ihn das Schritt für Schritt lehren, das keinen Augenblick Stehnbleiben sein darf. Wie sind denn die Deutschen? Überhitzte Brutale als Konservative, feig als Demokraten, Leugner ihrer eignen Grundsätze als Sozialisten, weichlich in einer gepanzerten Hülle, schwankend, verschwommen, unfähig alles Präzisen, Unbeirrbaren, Durchdachten — sie sind das Volk ohne Charakter.“
„Nun gut,“ antwortete Assenstand, „es ist zwecklos zu leugnen, daß mich der Verkehr mit den deutschen Bevollmächtigten in Brest erschreckt hat: Man hatte das entsetzliche Gefühl, daß das Schicksal den mit Hochmut füllt, den es schlagen will. Ich verglich die Idee des leitenden Menschen, der der Masse Bindungen gibt, mit ihren Vertretern: es stieg siedend heiß in mir auf. Aber ich glaube so fest an diese Idee der Führer im Staat, daß ich keinen andren Weg sehe, als den, den ich bisher wählte. Sie sprechen von Erziehung. Ich bin ein Mensch, dem Einwirkung auf andre ganz fern liegt, man muß sich selbst finden. Die deutsche Sache von heute ist meine Sache, wir sind zu weit gegangen, als daß es ein Zurück gäbe.“
„So wird ihr Zusammenbruch Sie unvorbereitet treffen; was werden Sie dann tun? Revanche lehren? Es ist gut, sich vorzubereiten, denn dann wird es nur eine Aufgabe geben: in die Charakterbildung einzugreifen.“
„Und welche Methode werden Sie befolgen?“
„Ich weiß es nicht. Es gehört mir dieses Haus. Heute nacht dachte ich darüber nach, wie gut es wäre, eine Schar deutscher Knaben aus ihrer heimatlichen Atmosphäre zu versetzen und durch eine Zahl von Menschen erziehn zu lassen, die die Katastrophe der deutschen Menschlichkeit so stark in sich erlebt haben, daß sie auf alle deutsche Tradition verzichten und sich die Grundsätze einer neuen Pädagogik selbst zimmern. Deren Taktik wäre, die innre Mathematik, man könnte auch sagen Mechanik von Ideen und Gefühlen durchforschen, ihnen allen sich öffnen und nur ein Ziel im Auge behalten: die Demut nicht Schwäche werden zu lassen, sondern mit letzter Überlegenheit zu verbinden — es wäre diese Überlegenheit der Ausgleich aus Hingabe und Souveränität, ihre schwebende gegenseitige Aufhebung. Es sind auch andre Formen der Einwirkung auf Menschen denkbar — welche ich wähle, weiß ich nicht; gewiß ist nur, daß die höchste Illusion, die man Menschen bieten kann, diejenige Einwirkung ist, die vom Individuum zur Generationenfolge vorschreitet. Die Generation ist die dem Menschen mögliche Unsterblichkeit, sie allein erlaubt, Ideen zu erfinden.“
„Ihr Ziel ist also,“ sagte Assenstand, „Charakterbildung auf Grundlage des Widerstands, aber mit Ausschaltung des Religiösen im gläubigen Sinn. Wenn Sie eine neue Bindung durch Religion fänden, wäre Ihre Idee vollkommen.“
„Sie irren, sie würde Halbheit werden; es wird nie mehr neue sichtbare Formen des Religiösen geben, nur noch die gereinigte Idee des Verhältnisses zu Ja und Nein, die Gott nicht mehr kennt. Wie ist der Mensch? Er ist so beschaffen, daß er auch Gott stets und überall zu einem Mittel zur Befestigung seiner Machtgier erniedrigt; darum müssen wir soweit kommen, daß wir Gott weder bejahn, noch bekämpfen, sondern ganz frei von ihm sind.
In ferner Zukunft ist eine Zivilisation denkbar, die über Absolutes und Zeitliches, Bejahung und Verneinung, Idee und Tat, Geistigkeit und Materialität klare, weise, unpathetische und unsentimentale, durchdachte, bindende Vorstellungen hat. Diese Vorstellungen sind nicht mehr gefährdet durch Rückfälle in das Chaotische, weil das Chaotische nicht geleugnet, sondern als große primäre Macht benannt wird. Es ist die Verwirklichung dessen, was ich suche: eine gewisse Summe von Erkenntnissen nicht mehr untergehn zu lassen, sondern kraft der Energie und des Widerstands gegen Zeitlichkeit zu vererben.
Dem Charakter Form geben, ihm zugleich Widerstand und Einlaß des Radikalen lehren, so daß er das Maximum beider Ströme einschalten kann, wird die höchste Idee sein. Die Mutationsfähigkeit züchten, Leid durch Zersetzung vermeiden, Glück vermittels Steigrung der Kontrollfähigkeit vergrößern. Wissen ist uns noch Gegensatz zum Schöpferischen, und wir stehn ihm noch kritisch gegenüber, weil es das Ideal des Aufklärers, des Nuroptimisten ist: in der Zukunft liegt eine neue Möglichkeit, klare Energie in unmittelbares Temperament umzusetzen, eine neue Menschlichkeit, die nicht mehr wie die unsrige Feminität ist.
Es gibt kein Ja ohne Glaube an die Generation, die Kette der Geschlechter, und nirgends wird so deutlich, daß Glaube für uns nur noch gesetzter Wille ist. Insofern dieser Wille bewußt ist, genau soweit sind wir bewußt, aber nicht mehr; wir sind im Grund ebenso naiv wie die Früheren. Lehren, die nicht der Naivität neue Kraft zuführen, sind ohnmächtig.“
Am Neujahrsmorgen saß Lauda im Zimmer, in dem Helle des Schnees und Wärme der Kacheln war, und las die Zeitungen. Die deutschen brachten die Versichrung der ungebrochnen Kraft und des kommenden Siegs, die schweizerischen Betrachtung des mitarbeitenden Pfarrers, daß der Krieg Prüfung des zürnenden, gleichwohl gerechten Gottes sei; schleimige Hirne. Für ihn selbst stand der Plan des Jahrs fest, und als der Gärtner kam, seinem neuen Herrn aufzuwarten, ließ er ihn wissen, daß er bei ihm, sobald die Arbeit im Freien begänne, Lehrstunde nehmen werde. Er wollte sein kleines Reich verwalten können.
Zeit der Zürcher Wirkung war fern, als sei sie nicht gewesen, nichts blieb als Erinnrung an Energie; es würde eine Zeit neuer Wirkung kommen — dazwischen Hingabe an das Beruhigte. Wechsel der Existenz, ewige Wanderschaft, durchgeführte Naivität: sie wurden Sinn und erlaubt, wenn man sie nicht erhitzt beschleunigte und in jeder Station sich willig zeigte.
Er hörte das Dampfboot pfeifen, sah es im Geist am Gebirgsstock entlanggleiten, der wie ein Wall gegen Norden und den Krieg war, Geborgenheit zaubernde Kulisse. Er hörte das Kind lärmen, bedauerte, daß es zu jung war, um schon von Menschlichem mit ihm zu sprechen, erinnerte sich an ein zwölfjähriges Mädchen, das er bei den Streifzügen in Zürich mit einer verderbten Mutter, demnächst oder bereits kuppelnder, gesehn hatte, und sann über die Möglichkeit nach, solcher Kinder einige auszuwählen; sie mußten den wesentlichen Keim haben und ihn verräterisch in Gesicht oder Gliedern tragen; Durchschnitt und die Reizlosen interessierten ihn nicht. Gegen das Mittelmaß gerecht zu sein genügte; ihm Wärme und das Freiwillige entgegenbringen, das war Angelegenheit derer, die in Güte tiefer einzuschreiten vermochten als er. Liebe zu dem, was ist, war möglich, aber ihm nur, wenn die Urenergie in den Geschöpfen nicht verkümmert noch gehemmt war.
Das Telephon schlug an; hebend die Muschel vernahm er eine süße, von Erregung rauhe und ganz in die Ferne gerückte Stimme — Claires.
„Ich bin mit dem Schiff gekommen, rufe dich vom Gasthaus an, denn ich weiß nicht, bei wem du wohnst und ob ich dir willkommen bin.“
Er ging zum Ufer, sah sie entgegenkommen. Was von denen gesagt wird, die in den Sekunden der Todesgefahr ihr ganzes Leben schauen, empfand er bei ihrem Anblick: sich selbst, die Summe von Komponenten, die wie ein Gerüst verschrägt waren und sich in der Schwebe hielten, Aufbau aus Gegensätzlichkeiten, sowohl allgemein als im besondren Fall des Verhältnisses zu Claire. Ich liebte sie — ich entfremdete sie mir; sie ist nicht mehr in mir — ich bin ihr noch gut; die junge schuldlose Bereitschaft ist nicht mehr herzustellen — ein neuer Mensch kommt; sie ist durch von mir nur geahntes Geschehn belastet — hinter jedem Erlebnis steht neue Naivität.
Da hob sich die Welle, die ihn ihr entgegenführte, barst und gebar den Sturm, der ihn erschütterte, Taifun des Ekels vor sich selbst und dem Wesen des Menschen, der leiden macht, sich nicht einem Geschöpf neben ihm verbrüdert, der Dämonie gehorsam um die eigne Achse rotiert. So plötzlich, wie der Aufruhr ihn durchfegt hatte, legte er sich, und als Lauda den letzten Schritt machte, die Hand Claires ergriff, war er ruhig, bis in die letzte Zelle durchdrungen von dem Entschluß, zu sein, wie er war, Leid abzukürzen, erworbne Erkenntnis über sich selbst nicht zu verlieren, für sie beide zu denken — Ehe war nicht mehr möglich.
Und während er sprach und sie sprechen hörte, lauschte er in seine Tiefe, wo die Klarheit mit äußerster Anstrengung dagegen ankämpfte, von den Erregungen des Augenblicks und kommender Tage überdeckt zu werden; Botschaften wie ein Schiff in Seenot sendend, sagte sie: Mache den Schritt, den Claire von dir getan hat, nicht ungeschehn, sie hat ihn allein gefunden, das ist ihre Kraft. Ziehst du sie zu dir und erlebst erst dann den Rückschlag, muß sie den Schritt zum zweitenmal machen und ist kraftlos. Wenn du nicht so gütig sein kannst, daß du dein Leben ihr unterordnest, sei so besonnen, daß du ihr Selbständigwerden nicht erschwerst — memento.
Sich zurückwendend zu dem, was Claire sagte, empfing er die zitternden Untertöne und wußte: sie spricht Nebensächliches, weil sie danach bebt, zu hören, warum du sie sich überließt. Da handelte er bewußt und benannte das, was wohltätig geeignet war, zwischen ihnen zu sein, fragte:
„Weiß Leutnant Berger, daß du hier bist?“
„Ja.“
„Ließ er dich gehn?“
„Er gab mir Freiheit.“
„Erwartet dich zurück?“
„Wenn ich zurückkehre.“
„Hat er das Recht, dir Freiheit zu geben?“
„O Lauda, muß das zuerst zur Sprache kommen, ist dir das Wichtigste, mich zur Rechenschaft zu ziehn?“
„Nicht im persönlichen Sinn. Bot er dir die Ehe an?“
Sie senkte schweigend den Kopf. Er atmete auf, das Rohste war vorüber, wie niederträchtig war Taktik. Zu ihr gehörte, Claire beim Glauben zu lassen, ihre Beziehung zu Berger stehe zwischen ihnen.
Er gedachte der Gewissensnot, die Berger von Moltke zu Lagarde geführt hatte, und wußte, bevor Claire erzählte, daß nicht er Verführer gewesen war, sie war zu ihm gekommen. Sie begriff nicht, daß Lauda von dieser Zeit und ihrer Qual nichts zu erfahren verlangte, Gespräch darüber sanft ablenkte. Als sie ruhig geworden war, führte er sie darauf zurück, und Freunde besprachen seelische Dinge; Aussprache war Schmerz, doch nicht Leidenschaft; sie hatten die Form gefunden, unheftig ihre Gefühle auszubreiten.
Eine Woche verging, da begann er zu ahnen, daß Claire sich diese Form aneignete wie ein von Krankheit Aufstehender, der Schritt für Schritt wieder gehn lernt: er hat sein Ziel, nähert sich ihm zäh. Sie paßte sich an, verzichtete nicht darauf, von ihm das Bekenntnis seiner selbst zu erlangen. Sie kreiste ihn unmerklich ein, sie war in diesem Jahr bewußter geworden. Auch herber. Herb war, wer sich zu fragen begann, ob sein Einsatz an Bereitschaft belohnt wurde. Er sah, daß sie zu dem Kind freundlich war und es doch lästig empfand — versteckte Feindschaft. Zu Anfang hatte er ihr vorgeschlagen, Aufsicht über den Haushalt zu übernehmen, und betroffen, im Verkehr mit Köchin und Mädchen, eine neue reale Seite an ihr kennengelernt, deren Folge Gespanntheit im Haus war.
Mißgriff ward rasch dadurch beseitigt, daß sie wieder nur Gast war, aber es blieb die Erkenntnis, die, festgestellt, so selbstverständlich war: daß die Frau nur in ihrer Liebe unkleinlich, ganz bereit, ganz liebenswert war. Und die Idee Claire durch die Claire der Wirklichkeit, die frohe Möglichkeit durch den Alltag modifizieren zu müssen, weckte nochmals das schmerzhafte Bewußtsein, daß es an ihm gelegen hatte, der Frau den zärtlichen Duft des Mädchens zu bewahren. Es tat weh festzustellen, daß sie älter, bestimmter und auf ihre Interessen bedachter geworden war, eingeordnet in die Reihe der Vielen — Schicksal, Gesetz und Notwendigkeit. Es betraf nicht Claire allein, sein Wissen um Frauen vermehrte sich um eine Einsicht, ihm fremd gebliebne: der Weg jeder Frau senkte sich den Niedrungen des Alltags zu.
Es heftiger aussprechen, mehr als leises Bedauern empfinden, war nicht erlaubt, nur Tölpel nannten, was im Geschlecht der Frau lag, Minderwertigkeit. Auch Eifersucht gehörte dazu, von der jede Frau überzeugt war, daß sie Geschlechtsmerkmal sei, doch überwunden von ihr. Claire verlangte von Hannah zu hören; was war natürlicher, als daß sie die nicht verwand, die ihr Kind Lauda hinterlassen hatte.
An der Stelle, wo er Hannah aus dem Felsspalt befreit hatte, sagte Claire:
„In Brüssel sagtest du eines Tags zu mir: ‚Heute nacht, als ich ans Bett trat und dich schlafen sah, dachte ich, es wäre schön, so immer durch alle Jahre den einen Mensch zu sehn, vielleicht von ihm getrennt, durch Schicksal, Abwesenheit, freiwillige Trennung, stets doch mit ihm sich treffend, um ihn wissend, solang bis Alter Unruhe löscht und letztes Gleichmaß kommt.‘ O Lauda, das grub sich in mich ein und es ist kaum ein Jahr her. Was bleibt heute von Worten, die ich damals nicht als Worte empfand? Die Schlafende wird dich nie mehr zu gutem Entschluß rühren und Alter wird uns nicht gemeinsam sein. Letztes Gleichmaß wird nicht mir zugut kommen, die dann die spärlichen Briefe, die du schriebst, mit mattem Herzen liest, denn auch sie erwiesen sich nur als Worte.“
„Claire,“ bat er.
Sie lehnte sich an den Fels, der den hilflos ausgestreckten Armen nur breite Wand war, sagte:
„Damals, als mich deine Selbständigkeit verzweifeln machte, dachte ich oft: O, wenn er krank würde, damit er mich braucht; wie würde ich gut sein, ihn gewinnen.“
„Und danach, wenn ich wieder gesund wäre?“
„Wären wir uns nah gewesen, und es würde über lange Zeit hinweggeholfen haben; nichts andres hätte ich verlangt als einst, rückblickend, so mein Leben mit dir Kette von Höhepunkten zu nennen — ich hätte nur sie gesehn, die langen, öden, einsamen Wegstücke dazwischen vergessen. Hattest du nicht selbst solchen Wechsel aus Begegnung und Trennung die Lösung genannt? Wie bereit wäre ich gewesen.“
„Und konntest doch die erste Trennung nicht überstehn, lehntest dich auf, und Auflehnung gab dich einem andren hin.“
„Weil du mich nicht vor dem Zweifel bewahrtest; Zweifel, ob dir überhaupt daran lag, daß ich auf dich wartete, verwundete den Stolz, Stolz wurde Trotz, Trotz Entschluß, nicht das demütige Mädchen zu sein. Vor dem Zweifel bewahren, das wäre allerdings Voraussetzung jener Verabredung; du warst es, der sie nicht erfüllte. Und es kam hinzu der Gedanke, tückischer, schlechter, einflüsternder Freund, daß du mich absichtlich auf Berger verwiesen habest, und Bergers Güte kam hinzu, den man lieben lernte, wenn man mit ihm umging.“
„Es war mir nicht ernst, als ich sagte, du habest schon die erste Trennung nicht überstanden. Dich auf die Probe zu stellen lag fern; wer das tut, muß auch dem andren den Weg zur Rückkehr freihalten. Ich tat es nicht, vergaß dich. Ich zog aus auf die innre Jagd, das Jägerglück allein zu sein, war stärker.“
„Ich lasse dich noch nicht,“ sagte sie, „weil ich dich kenne. Alle Gefühle erschöpfen sich dir, wenn die natürliche Zeit vorüber ist. Wenn der Jäger zu den Menschen zurückkehrt, geht er dorthin, wo die Heimat seines Herzens ist. Sag mir das letzte, ob du so nie mehr an mich gedacht hast.“
„Nun ist äußerste Offenheit nötig. Ich dachte so an dich, aber nicht ausschließlich an dich, in dem Sinn, daß nicht auch andre Frauen an deine Stelle treten könnten. Es ist Menschen wie mir, die die letzte Gleichbeschaffenheit und darum Gleichberechtigung der Geschöpfe finden, unmöglich, durch eine Frau alle andren Variationen zu binden, nur in dieser Frau die Erfüllung dessen zu sehn, was zur Frau führt.
Das Warme, Schöne, Zärtliche; das Erregende, Dunkle, die sinnliche oder seelische Kommunion, die eine Frau gibt — es liegt theoretisch in allen, praktisch in unendlich vielen. Die einzelne Frau wird Symbol, Statthalterin. Dieselben Kräfte, die in ihr sind, bei den andren zu übersehn oder sich zu verbieten, wird unmöglich in dem Maß, wie die Einsicht in jene Brüderlichkeit der Existenzen wächst; bricht sie zum umfassenden Weltgefühl durch, schwindet auch das Individuelle der einzelnen Geliebten; höchste Gerechtigkeit wird Ungerechtigkeit gegen die eine. In diesem Sinn lockt mich nicht mehr das Persönliche, nur noch das Geschlecht.
Und da jede Zunahme an Geistigkeit, wenn sie echt war, auch eine Zunahme an Sinnlichkeit ist, so wird unvermeidlich, daß ein solcher Mensch in einem den andren unverständlichen Grad die Lust kennt, neben der einen Frau den Schwestern zu begegnen. Es will verstanden sein; die Lust ist das sinnliche Symptom einer geistigen Feststellung, und diese ist so tief fundamentiert, daß ihr Träger sich als Lügner vorkommen müßte, wenn er der einen Frau sagte, sie sei ihm alles.
Stärker mit jedem Tag wird mir der Widerwillen, im absoluten Denken das Totalitätsgefühl, dieses Umfassen alles Lebenden, zu entfesseln, und es im Praktischen zu unterdrücken. Im Totalen schwingen ist Naivität, die Ehe hemmt sie — sie sind unvereinbar. Hier ist der Punkt, wo ich mich zuerst hart zu sein zwang, dann hart sein konnte: nicht das tun, was alle tun, den Kompromiß schließen, schon geschlossnen rückgängig machen. Viele unternehmen Vorstöße in die Erkenntnis, fast keiner geht zu Ende; der seltenste Mut ist, nicht zurückzukehren.“
„Sublimierter Egoismus,“ sagte sie matt.
„Dein Recht, so zu sagen, und doch nur Feststellung des Geopferten. Es ist nicht gut, Bekenntnis in diesen letzten Dingen zu erzwingen, weil der Bekennende seinen Egoismus mit dem Hermelinmantel des höheren Rechts auf Egoismus drapieren müßte. Laß mich es anders sagen. Als ich dich am Steg in Empfang nahm, dachte ich nicht an mich, sondern an dich. Leid kann ich dir nicht ersparen, aber es kürzen. Es ist Konstruktion, an die schöne Kammlinie der Höhepunkte zu glauben, sie genügen nicht, jedes Geschöpf will Dauer, es will Sicherheit und im Tal wohnen. Solcher Konstruktionen werden im Tag fünfhundert gemacht, Verabredungen tausend getroffen, weil schon gewonnene Erkenntnis überdeckt wird. Sie nicht überdecken, ist neue Moralität, des Mathematischen.“
„In das ich dir nicht folgen kann.“
Er fuhr fort:
„Weshalb nicht? Es ist nicht so schwer. Du verstehst, wie die Kirche dazu kommen konnte, dem Priester die Vermischung mit der Frau zu verbieten, oder wie religiöse Menschen sich die absolute Enthaltsamkeit auferlegten: weil die Frau in die reinliche, ewig mit sich selbst identische Rotation dieser Menschkosmen eingegriffen hätte. Nimm jemand an, der zwar nicht mehr religiös im Sinn des Kirchlichen, gleichwohl von ihrem Blut ist. Da er das Geistige soweit vortreibt, daß es sich mit dem Sinnlichen wiedervereinigt, kann er nicht mehr asketisch sein, aber er wird die Bindung durch die Frau vermeiden, die in diesem Zusammenhang Bindung mit der Sphäre des Geschehns, des Irdischen, Nurmanifestierten, Sozialen ist.
Wiederum, man soll dieses nicht breittreten, noch zum Programm erniedrigen. Es für einen Augenblick tuend darf ich sagen: wessen Anschauungsform die des Totalen ist, so daß er neben dem einzelnen Geschöpf die Summe aller andren sieht, kommt, soweit er sinnlich ist, dem Inzest nah; das, was vom Geist her umfassende Liebe ist, wahrhaft katholisch und demokratisch, wird von den Sinnen her Schamlosigkeit — sublimierte, dürftest du wiederum sagen.
Du weißt nicht, wie oft ich am Eingang der Askese stand. Sie ist nicht der Aufhebung fähig, zwingt finster zu werden, nicht heiter zu bleiben, wird Dämonie. Behaupte dich gegen Dämonie, das ist Lauda, dein Freund.“
„Also ist auch Ehe Dämonie?“
„Ganz recht, die kleine.“
Sie schwieg, er wandte sich langsam zurück, stieg abwärts. Sie folgte ihm, nahm seinen Arm und — war heiter. Er empfand wie sie und sah die Gefahr. Heiterkeit war nicht Abschluß, nur Befreiung durch Aussprache, Überblick vom Punkt aus, an dem sie jetzt standen. Und bevor sie das Haus erreicht hatten, merkte er in ihr das Sinnen dessen, der die ihm gebliebenen Kräfte sammelt.
Das war der Augenblick, von dem geschrieben stand, daß am Ende aller Begegnungen, der vertrauten, gequälten, haßerfüllten sogar, die Umarmung stand, Aufhebung des Wühlens im Wort und des Bewußten. Vielleicht dachte sie daran, daß er es einmal ausgesprochen hatte. Er begann am Abend mit Absicht von Berger zu sprechen.
„Ich konnte,“ sagte sie, „ihn nur mit deinen Augen sehn. Die benennenden Worte fehlten mir, ich fühlte nur: sein Zustand des geistigen Menschen war anders als deiner. Denken hieß ihm, Bücher von der Bibliothek nach Hause tragen, mit grübelnder Falte sich in sie versenken. Dann kam, was er Verarbeitung nannte, und es war oft Vergleichen mit dem, was wieder andre geschrieben hatten. Ernst um ihn gab mir seltsame Wünsche ein, die wohl der Frau eigentümlich sind: ihn zu stören, seine Ideenreihungen zu verwirren. Ich wußte nicht, ob es boshaft war oder Wiederherstellung der von ihm vergeßnen Welt.
Dann besiegte er mich jedesmal, weil er mir von dem erzählte, was ihn beschäftigte. Er glaubte inmitten alles Verhärteten und Hochmütigen, das grauenhaft im Krieg geschah, so unerschütterlich an das Gute, daß man fühlte: auch das ist Wille, Männlichkeit, Widerstand. Und diese Güte war in ihm selbst. Er sprach nie gegen dich, aber er ließ mich fühlen, daß er dein Schweigen verwarf. Ich konnte mich öffnen, und selbst die Anfechtungen der Enthaltsamkeit wurden menschliche Angelegenheit — nun war es wie bei dir.
Es kam ein Abend wie dieser, warm durch Ofen und Licht, von Regalen umstellter; ich ging nicht, wollte die Tat tun, damit sie vorwegnehmend den Zustand schuf, dem sie folgt, wenn sie natürlich ist; an diesem Tag war die Nachricht gekommen, daß du durch deine gewollte Tat nie mehr zurückkehren werdest. Wie war ich in so erzwungner Sinnlichkeit matt. Er sah nur die Entfeßlung, es war dann durch Tage Scheu in ihm vor dem Körper des Weibs, als habe sich ihm ein unreines Geheimnis enthüllt; er nahm mich an der Hand, begann mich einer ruhigen Innigkeit zuzuführen, in der Umarmung nur Vertrautheit ist.
Wie wenig stark wir sind; gewähren wir Zeit, formt uns jeder Mann. Als ich die Wandlung fühlte, floh ich, zwischen die Männer Gestellte, jeden in mir tragend, hilf mir.“
„Helfen kann nur, wer sich selbst anbietet oder ganz ausschaltet. Mich ausschaltend wäge ich Berger und Lauda ab und weiß: bei jenem ist die Sicherheit, die Treue und das Angebot, Gefährtin der geistigen Arbeit zu sein. Bei mir ist nichts als Begegnung auf Zeit. Du bist mir nah, die milde Stunde bringt Sehnsucht nach deiner Liebe. Ihr nachgeben ist schön, aber morgen früh wäre jeder Schritt, der dich befreite, rückgängig gemacht, Gewinn eines Jahrs zerstört. Ist sich begegnet sein nicht genug, vermag der Mensch nicht so stark zu sein, daß es genug sein könnte?“
Sie kniete neben ihm, sah ihn mit tiefen Augen an:
„Als ich kam, tobte Schlechtes in mir: daß du mich nähmest, ob du mich behalten wollest oder nicht —, nur genommen werden, um ein Gut, das du verschmähst, zu beschmutzen, und ihm, der es heilig zu halten versprach, beschmutzt zurückzubringen, als ob ich Rache an ihm nehmen müßte, bevor ich bei ihm bleiben kann. Mir war, als seien es deine Gedanken, in mir. Leugnest du, daß du so denken könntest? Ich gebe mich in deine Hand.“
Er zog sie an sich, lag mit ihr in schweigender Umarmung, letzter, reinigender; den Sinnen verwehrte Kraft strömte dem Sinnen zu über Menschen bewegende Dinge. Als die Weinende in Schlaf sank, stand er auf und schrieb.
Gleiten der Feder über das weiße Papier ward Laut der Ewigkeit, es rollte die Zeit in den Abgrund, aus dem die letzte Lockung kam: nimm was sich dir bietet, Tor ist, wer verschmäht.
„Stark ist, wer sich beherrscht,“ antwortete er.
„Abhängig wird, wer Beherrschung über sich setzt.“
„Nichts wird Dämon werden,“ verwies er, „morgen wird Claire in wunderbarer Scheu leise zärtlich sein, nicht mehr erreichbare Geliebte.“
Aber einige Tage darauf sah er, daß sie viel zu liegen begann. Aufblühende junge Frau, war sie nicht krank. Da sagte sie ruhig:
„Ich wußte es noch nicht ganz, als ich kam, und ahnte es doch. Aber nun ist fast Gewißheit seines Kinds.“
Er telegraphierte Berger zu kommen. Das Telegramm wurde an der Grenze zurückgewiesen, er sandte es danach in ihrem Namen. Zwei Wochen später erwartete er Berger am Schiff. Der Begrüßende suchte in seinem Gesicht zu lesen, Lauda dachte im Flug eines Augenblicks: es ist undenkbar, daß ich je mein Schicksal so von einem andern entgegennähme; dann: was besagt es? Nichts, es fehlte diesem nur das letzte Glied der Kette, an die er sich binden will — in der Sekunde, da er die Gewißheit erhält, wird die Kette Kreis, Eisenband um den vollen runden Kosmos, der nun die doppelte Schwingung gefunden hat, eigne um sich selbst und um die Frau — er ist ein ganzer Mensch und jener einer, die nur einmal lieben.
Liebe war: sich Ordnung geben, darum wurde sie die Eheweisheit des Bürgers, der wie der höchste Geist Ordnung suchte; aber sie war nicht das einzige Mittel, Ordnung zu finden — das war alles, was sich vernünftigerweise in dieser Frage sagen ließ. Jeder suchte das Mittel, das ihm erlaubte, geschlossen in sich zu rotieren.
Wenn die Menschen über Wert oder Unwert der Ehe diskutierten, bejahten oder verneinten sie immer bedingungslos; aber Nein und Ja waren nur relative Wahrheiten; nur Aussagen über das einzelne Naturell waren erlaubt, in allen irgendwie gearteten Problemen der praktischen Sphäre.
Durch Bergers Anwesenheit verschob sich die Konstellation der handelnden Personen, Claire stand nun von Lauda entfernt, Lauda einsamer und fester; er war der, der Gäste bewirtete.
Claire sah ihn bisweilen verwirrt an, schmerzhaftes Starren und brennende Erinnrung; ihm begannen sie schon Ehepaar zu sein, das gemeinsam auftritt, Phalanx verbündeter Interessen — unmerklicher Überdruß des Fremden vor solchem Bündnis. Da sagte Claire zu ihm:
„Ich fühle, was in dir vorgeht. Bist du nun der, der nicht durchführen kann, was er selbst begründete? Würdest du billigen, daß ich übergangslos von einem zum andern wechsle? Ich finde es vor mir selbst nicht abstoßend, daß ich wechsle, nur unsagbar seltsam; es ist, als sähe ich eine Unzahl von Stationen vor mir, endlos wie gespiegelte Türen, durch die man einen Pfeil schießen könnte — sind sie alle durchwandert, wird die Wandlung vollzogen sein. Ich weiß nicht, ob es niederziehend oder tröstend, ob es Güte der Natur oder vernichtende Aussage über die hohe Idee der Liebe ist.“
„Es ist tröstend und Güte,“ antwortete er, „schiebe die Zwischenglieder ein, verweile bei allen, und jede für undenkbar gehaltne Mutation ist möglich.“
„Verstehst du, daß mir der Wunsch, reinlich Entfernung zwischen uns zu legen und in den Tagen bis zur Abreise dich zu meiden, als armer Stolz erscheint, über den wir hinausgeschritten sind?“
„Lebte Hannah, wäre es mir ebenso natürlich erschienen, zwei Frauen, die beide mir Freundin sind, miteinander bekannt zu machen. Natürlichkeiten neuer Art kann nur schaffen, wer die alten der Eifersucht und des mißtrauischen Stolzes nicht mehr anerkennt. Haß, verwundete Würde, die Skala der Leidenschaft, das ist gut genug für französische Stücke, die der Tragödin, rollenfressendem Tigerweibchen, auf den Leib geschrieben sind. Das Tragische wird eines Tags so bombastisch und dumm sein wie jenes Drama Hebbels, in dem Vater, Tochter und Liebhaber Ehre wie Leben verlieren, weil das Mädchen ein Kind bekam. Überlegenheit, die das Schicksal gestaltet, wird auch ein neues Glück gestalten: Mensch stärker als die Leidenschaft.“
Berger bedauerte, seine Arbeit nicht mitgebracht zu haben, Darstellung der Wandlung des Offiziers zum religiösen Reformer. Lauda bot ihm Schreibtisch, Papier, eignes Zimmer; es erwies sich, daß Berger das Manuskript fehlte, Ablauf der Gedanken war abgebrochen, Abbruchstelle nicht gegenwärtig.
Wie verschieden Denken sein konnte, es arbeitete dieser auf der Geraden, er, Lauda, aus dem Kreis vorstoßend; was man auch an Erkenntnissen fand, es war ihm nur Variation der Grundanschauung, so daß er in welcher Situation immer nichts nötig hatte als Heft und Stift — ausgesetzt in der Südsee hätte er nicht anders gedacht als im Land der Philologen; er vermochte auf Stimmung und die Bedingungen der Vorbereitung zu verzichten, schrieb nur sich selbst.
„Sie sind zu deutsch,“ sagte er Berger, „das war auch die Beschränkung Lagardes. Ein Deutscher kommt immer von den Büchern der Vorgänger her oder von der Billigung des deutschen Kosmos; auch Sie lassen Heer, Kaiser, Ständegliederung darin, wollen sie nur ethisch vertiefen. Was ist der ethisch vertiefte Offizier? Etwas Undenkbares. Ethiker kann nicht Offizier sein, löst die Seelen von der Verpflichtung des Staats.
Sie sind auch zu protestantisch. Der protestantische Reformer ist ein Unding, nicht nur, weil Protestantismus die Ausliefrung des Religiösen an den Staat ist, so daß protestantische Geistliche nichts andres genannt zu werden verdienen, als vom Staat eingesetzte Beamte, dessen gute Beziehungen zum lieben Gott zu pflegen, sondern auch, weil Protestantismus wie sein Halbbruder Sozialismus, im Gegensatz zum Katholizismus, ganz unpessimistisch ist, dem bedingungslosen Ja des Irdischen, des Tuns, der Pflicht zu leben, nichts von dem Vorbehalt entgegenstellt, der das Wesen des Religiösen ist.
Der Pflichtbegriff Kants ist unhaltbar geworden, der deutsche Moralismus strahlt keine irrationale Vitalität aus, alle Erziehungsreformen, die auf Pflicht und Moralität sich aufbauen, sind matt. Wer der Erziehung neue Wege weisen will, muß vom Widerstand gegen diese deutschen Begriffe ausgehn, sie ihrer Absolutheit entkleiden; der Zentralbegriff alles künftigen Denkens wird Relativierung heißen und im Ethischen Ausgleich zwischen Ja und Nein sein.
Es ist nicht schwer, die Katastrophe des deutschen Denkens vorauszusagen. Sollten sie siegen, was nicht sein darf und nicht sein wird, würden sie blasphemisch die Lehre des Tuns zur Unerträglichkeit steigern; verlieren sie den Krieg, werden sie in ihrer Feigheit, die nicht die Verpflichtung kennt, sich der Entwicklung zu öffnen, Wiederaufrichtung des Alten fordern. Wer diese Nation erziehn will, darf nicht mit ihr gehn, er muß gegen sie stehn.“
Als die Formalitäten erfüllt waren, rüsteten sich Claire und Berger zur Reise.
Lauda begleitete sie nach Zürich. Es kam der Augenblick, wo er Abschied von ihr nahm, belastet durch Rückerinnern, scheuend vor der Frage, ob es erlaubt war, das Natürliche durch Eigenmächtigkeit umzuformen, dann zog der Zug an, und Unwiderrufliches war geschehn.
Ihre Augen brannten noch in ihm, er ging schwer denselben Weg, den er am Tag seiner Ankunft gegangen war, zum See. Kein Silber flammte, nüchterner Tag. Es galt, Dinge zwischen sich und sie zu bringen, er suchte die Bekannten auf. Er fand Hans in Erregung, es war aufs Bestimmteste die Nachricht gekommen, daß Picasso in Paris zum Gegenständlichen zurückgekehrt war und herausfordernd akademisch, betont konventionell malte, scharfen Kontur setzend; bereits hatte ein Schweizer Aufnahmen gemacht, kein Zweifel war mehr erlaubt.
Wird er Widerstand leisten oder die Weichen in sich herumwerfen? dachte Lauda; stählt es ihn, allein auf dem ungewissen Weg weiterzugehn, oder ist das Bedürfnis nach Kampfgenossen stärker? Er fühlte, wie in den Kosmos des Freunds der Stab der Verwirrung gestoßen war, Rotation gestört und der Gedanke an gänzliche Umschichtung, parallel zu der Picassos, erregt umkreist wurde. Er erinnerte sich der starken Zeichnungen nach Körperakten, die er aus früheren Perioden des Freunds gesehn hatte, und sagte:
„Nach dem Gesetz des Gegensatzes werden Sie zum Körperlichen zurückkehren, wie Lisbao eines Tags feststellen wird, daß es unhaltbar ist, mit dreißig Jahren noch den Weltekel des Dreiundzwanzigjährigen zu verkünden. Extreme schlagen um, weil Nein in Ja umschlägt, das Ja automatisch das Nein auslöst. Gleichmäßig, stark, unerschütterlich ist nur, wer über seinen Extremen steht, indem er sie zu Vorgängen in sich macht, wie Sommer und Winter wechseln. Ich versandte heute das neue Stück, das ich geschrieben habe, Rückkehr zur Illusion von Wirken und Arbeiten.
Es ist im Großen dasselbe, was sich im Kleinen jede Nacht begibt: ein Tag endete mit solchem Überdruß, das Treiben mitzumachen, daß man sich wie zum Nichtmehrerwachen ins Bett legt — am nächsten Morgen erwacht man frisch und hat ihn, den Appetit der Kolonie von Raubmonaden, deren Summe man ist. Jeder Müdigkeitszustand ist so natürlich wie dieser Hunger, und die Einheit der Persönlichkeit besteht nicht, wie deutsche Moralisten glauben, darin, daß man den Widerwillen unterdrückt und den Hunger in Ethos fälscht, sondern in der Fortdauer des Kosmos, der die Phänomene seiner Aggregatzustände erduldet, wie Landschaft die des Himmels.“
Puck kam, um Hans vorzuschlagen, er möge seine jüngste Arbeit illustrieren, die Groteske vom Fleischseelenmenschen.
„Ich will es an Ort und Stelle erklären,“ sagte er und führte die Freunde in eine Seitenstraße des Geschäftsviertels, wo in der Hinterfront von Warenhäusern und Bankpalästen ein altes Fachwerkhaus sich erhalten hatte. Er zog sie an die Gitterfenster, sie sahn eine Halle mit Schlagschatten, düstren Ecken; Männer mit nackten Armen standen über Tische gebeugt, Bewegung wie von hobelnden Tischlern, aber das Gehobelte spritzte Blut.
„Sie schneiden und häuten,“ sagte Puck, „schinden und säbeln, seht Ihr an den Wänden die senkrechten Parallelen? Es sind Leichname, die Rippen glänzen, das Nierenfett leuchtet gelb wie Honigballen von Eingeweidebienen. Es ist eine Roßschlächterei; aber späht schärfer hin: darunter wird eine Stunde der Inquisition sichtbar, Henkersknechte beugen sich über Liegende, wühlen darin. Warum arbeiten sie in so düsterm Licht? Ich weiß den Grund: in dieser Halle wurde in der Tat einst gefoltert, es ist der Geist des Baus, der ihnen die Atmosphäre schafft.
Hier bringe ich Stunden zu, während ihr im Café sitzt; gegen Zahlung einer Runde lassen sie mich zuschaun. Sie glauben, ich sei ein Sadist, der sich aufs Kinderschlachten vorbereitet; ich lächle und sie sehn nicht die Verzerrung des Munds. Hier läßt sich alles empfinden, was vom Mensch zu sagen ist, er atmet nicht Luft, sondern Dunst des Bluts; er ist Methodiker, er zerreißt nicht, er schneidet. Ist es denkbar, daß es Leute gibt, die ihren Achtstundentag damit füllen, Mitgeschöpfe zum Kochen fertigzumachen? Ein ganzer ehrenwerter Stand tut ein Lebenlang nichts andres, und die Meister sind Gemeinderäte.
Von hier gehe ich in die Metzig am Quai, wo das Fleisch für die gehobnen Bürger bereitet wird, es liegen gebrühte Köpfe, Kutteln, Lungen. Dort sind auch Fleischerinnen, blühende Mädchen, schwellend vor Sinnlichkeit, die sie aus braunen Augen gratis verschleißen — man möchte sie über den blutigen Ladentisch legen, das bekannte Spiel mit ihnen zu treiben. Die Dame kommt, ein Stück zu kaufen, und aus dem Schlachthaus geht sie zu ihren Kindern und ist gut zu ihnen.
Nachts träume ich von einem Planet, auf dem der Mensch die Rolle des Tiers übernommen hat, man hängt junge Mädchen geöffnet ins Schaufenster und weiche Brüste sind gesucht; Hirn wird gewogen und enthaarte Köpfe stehn in Reihe. Das Epos schwillt, ich habe den großen Stoff gefunden, der das Erhabne enthält, den Triumph des Lebens und die tragende Lüge. Zwischen der Kannibalenszene des Anfangs, wo man mit Knütteln zermalmt, und dem Salon, wo man Lende des Bruders Tier verzehrt, über die Dinge des Geists diskutiert, ist alles enthalten.
Das Thema ist so ungeheuer, daß mir manchmal der Schweiß vor Angst ausbricht, daß ich nicht in jedes Kapitel die schneidende Lustigkeit, die unsagbare Mischung von Grauen und tanzender Befeurung bringen könnte.“
„Ich schenke dir einen Beitrag,“ sagte Hans, „den ich in einem Buch gelesen habe. In Südamerika schneiden Wilde ihren Feinden den Kopf ab und zermalmen ihn durch vorsichtige Schläge so geschickt, daß die Haut unverletzt bleibt. Sie schrumpft danach in der Sonne zu der Größe eines Apfels ein; indem sie eine Schnur durch den Rand ziehn, machen sie einen Beutel daraus, darin sie Geld und Kleinigkeiten bewahren. Man geht dort mit diesen Gesichtsbeuteln zu Markt, siehst du sie an den Schürzen hängen?“
„Famos,“ antwortete Puck, „es leuchtet mir nur eins nicht ein, daß Kannibalen Geld verwahren, sie müßten schon Zivilisierte sein.“
„Wie alle Kannibalen,“ dachte Lauda, „Kannibalismus ist religiös, Ausfluß des Totalitätsgefühls. Statt den Bruder zu lieben, frißt man ihn, es ist durchaus dieselbe Kommunion, dieselbe Aufhebung der Vereinsamung durch Einzelexistenz.“
Sie wandten sich zur Stadt, da kam ihnen Lilian mit einer Dame entgegen und übersah sie, Gruß ablehnend. Puck sagte:
„Die Begleiterin liefert die Erklärung. Es ist eine verheiratete Amerikanerin, die mit ihrem europäischen Mann in Geschwisterehe lebt, das Fleisch ward verworfen. Sie verbietet Lilian Umgang mit uns. Aber glauben Sie, daß sie dieselbe ist, die Obrecht in Christian Society unterweist, die von Problematik durchseuchte Puritanerin den inbrünstig Religiösen?
Welch ein Hexensabbat ist das Treiben der Existierenden. Jeder einzelne, der unter der Sonne atmet, ist eine Brutstätte, in der Ideen, Stimmungen, Triebe, Gefühle und Gebote unaufhörlich, ohne eine Sekunde auszusetzen, die perverseste Unzucht miteinander begehn; es mischt sich das Heterogenste, der Fülle von Mißbildungen ist kein Ende, und das alles schwimmt in einem Schleim, der dem innersten Schoß des Egoismus entfließt und sich klebrig Ethik nennt.
Gott sei dem gnädig, der wirklich ethisch ist, er müßte sich mit Dynamit in die Luft sprengen, um der Qual zu entgehn — Beweis, wie dumm und dumpf das Hirn eines Ethikers organisiert sein muß. Mir wächst — ich stehe dem Phänomen hilflos gegenüber — mit jedem Tag die Kraft des Lachens, was mit andren Worten heißt, daß ich in das Schamlose hineinwachse. Das befreiende Lachen, von dem sie reden, ist das Sprungbrett, das der Egoismus uns unter die Füße schiebt. Unser aller Lebensbaum wurzelt in einem Schlangennest — manchmal fühle ich sie körperlich sich regen und finde mich damit ab, wie einer sich damit abfindet, daß er Trichinen in sich hat. Halloh, da kommt Siriwan, jagend in der Stunde, wenn die Läden sich leeren und die Kokotten vom Berg steigen. Er wählt eine andre Methode, sich abzufinden, und treibt die Weiber dem ewigen Dämon zu.“
Lauda aß mit Siriwan zu Nacht, erzählte von Pucks Definition.
„Ich bin heute vierzig,“ sagte Siriwan, „und fühle schwer die Luft über mich streichen, die mit den Erkenntnissen des fünften Jahrzehnts beladen ist. Wissen Sie etwas von den Begierden, die in ihm in Männern und Weibern brennen? Sie zu erforschen wird Inhalt sein, ich kenne keinen andren mehr. Es findet nicht Ihren Beifall? Es ist gleich.
Zu Hause liegen die Bücher, aus denen sich rekonstruieren läßt, welch ungeheuerliches Bordell die Vergangenheit gewesen ist. Sieht man näher zu, gibt man sich die Mühe, die Menschen aufzusuchen, so zeigt sich, daß auch die Geschichtsschreibung der Gegenwart sich lohnt. Ich wittre aus den Jahren, wenn der Krieg zu Ende sein wird, noch Stärkres, Vergangenheit wird übertrumpft werden. Mein selbstgewolltes Ziel steht fest, ich will der Historiograph dieser Zeit sein. Reisen nach Brüssel, Genf, Berlin, Paris und in das ungeheuerliche Rußland, dessen Rasereien durch ein Jahrtausend ich jetzt lese. Bis dahin ist Zürich Vorbereitung, anerkennenswert, nicht übel.
Erinnern Sie sich der Alten, die keinen Schritt ohne ihr zwölfjähriges Mädchen machte, dasselbe, das Sie rührte? Sie vermuteten zuerst, sie hüte das Kind, dann kamen Sie der Wahrheit näher, daß der Weg zur Tochter über sie geht, aber die ganze Wahrheit ist, daß der Mann, der mit dem Mädchen allein zu sein glaubt, sich zwei Frauen gegenüber sieht und eine Perversion der Gleichzeitigkeit erlebt, die in der Alten nach dem Taumel eine wahrhaft stürmische, ekstatisch röchelnde Zärtlichkeit zu der Kleinen entzündet. Die Wege, die der Mensch zur überindividuellen Kommunion findet, sind phantastisch, und je sinnlicher sie sind, desto tiefer sind sie.“
„Es kommt auf das Gehirn an,“ antwortete Lauda, „das sie feststellt. Es wäre mir unmöglich, an ihre Erforschung Jahre zu wenden, wie Sie planen, weil nichts mich überraschen kann, während die Art, wie Sie sich ihr widmen, nicht Feststellung ist, sondern Ihrerseits Abhängigkeit von der Dämonie dieser Dinge verrät. Es ist nicht die ganze Wahrheit, was Sie sehn, es ist nur die halbe. Der Baum ist nicht beschrieben, wenn Sie seine Wurzeln ausgegraben haben.
Man soll nicht sagen, Laub, Krone, Blüten seien Manifestationen der Güte, denn sie wachsen in der Tat aus der Wurzel, im Schlamm. Gleichwohl gibt es neben der primären Sinnlichkeit die transformierte, Wille, Idee, und das weite, schöne Reich der Geistigkeit; es gibt Denken und Wissen durch Unmittelbarkeit, es gibt die Einheit des Ichs, die um so energischer, freier, reflexionsloser wird, desto ungehemmter die Verbindung zwischen Wurzel und Krone ist.
Die Begierden eines Jahrzehnts? Man muß neben ihre Dämonie die Kraft zur Undämonie setzen. Wer die Dämonie nicht kennt, ist nur ein Rationalist, seßhaft im Tun; wer nicht stärker bleibt, nur ein Fanatiker, unter dem Griff Stammelnder. Militarist und Literat, wo Sie in dieser Zivilisation hinschauen, ist jeder das eine oder andre, vergewaltigend männlich oder vergewaltigt ethisch, Mensch durch Ausgleich keiner.“
Er kehrte ins Hotel zurück und lag in folgendem Traum.
Er lebte mit Claire, matt alles; der Tag setzte sich aus hundert Handlungen zusammen, und er wußte: sie sind ihr alle Symbol der Liebe, Werben der Zärtlichkeit, Bereitschaft. Er wußte es und konnte es nicht erleben, er wollte und der Wille genügte nicht, der Schluß aus der Handlung auf das Motiv genügte nicht; er ging neben einem andren und schwang nicht in ihm. Er fand sie mit den Augen schön, aber der Wunsch blieb aus, sie zu berühren, er mied sie.
Er erhielt eine Sendung, öffnete sie, es lag eine Oblate darin. Claire sah ihn mit tiefen Augen an, brach die Oblate, reichte die Hälfte. Er aß, ein Sturm ging durch ihn; er wußte wieder alles von ihr. Zehnmal etwas für ihn tun von den kleinen Dingen des Tags, war zehnmal frohe Liebe, weil es Gewißheit war, daß sie in alle Jahre bei ihm sein werde. Zeit vor sich haben, gab das Vertraun; an ihrem Ende stand eine schöne alte Frau und ein weißhaariger Mann. Das war ihr tiefster Wunsch, alt mit ihm werden.
Er legte den Arm um sie, und lächelnd nahm sie das stumme Versprechen. Es gab nur eine mordende Sünde, das Kind in der Frau nicht verstehn, das nicht die Kraft hat, allein zu sein. Sie nannte ihn gut, weil er es wußte.
Ende
Von Otto Flake erschien bei S. Fischer:
Das Mädchen aus dem Osten Zwei Erzählungen
Schritt für Schritt Roman. 9. Auflage
Freitagskind Roman. 7. Auflage
Horns Ring Roman. 30. Auflage
Das Logbuch Roman. 24. Auflage
Abenteurerin — Im Dritten Jahr Zwei Stücke
Die Stadt des Hirns Roman. 6. Auflage
Das Ende der Revolution Aufsätze. 3. Auflage
Das kleine Logbuch Kleine Prosa. (In Vorbereitung)
Im Rolandverlag, München:
Die Fünf Hefte
Die Stadt des Hirns Roman
Der Wert des außergewöhnlichen Buches besteht in der Aufstellung eines neuen Typus Mensch. Vom Bohemien und Neurastheniker, wohin gestern noch die Flucht vor dem Bürger führte, hat diese Menschenrasse sich endgültig losgesagt. Das Werk eines Lebens erfordert, aus dem Erlebnis heraus Erkenntnis zu erarbeiten. Hierzu sind Stärke und Nüchternheit des Geistes gleich nötig wie die Fähigkeit sich selbst überwindender Hingabe. Bezeichnend ist das Verhältnis der Geschlechter: Parallelität selbständiger Menschen bei gegenseitiger Freiheit der Trennung sowohl wie der leidenschaftlichen Vereinigung.
Berliner Tageblatt
Sinnlos, den Inhalt im einzelnen zu erzählen. Er ist sprunghaft wie die Stadt des Hirns selbst; er ist vom Wunsche nach Beseelung und Belebung diktiert; er ist eine klirrende Weckeruhr, die noch beim Wecken heißer Ungeduld voll geschüttelt wird, von einem Fiebernden, der aber ein Fester ist und ein Beherrschter. Den Stoff an sich reißen, unterjochen; das Wort beherrschen; der Form gebieten; aber den Menschen nie leugnen, nicht bespötteln, er sei, wie er sei, sondern ihn erkennen, ihn begreifen; Demut lernen — das ist der Wille, der solcher Stadt entspringt. Dieses ist kein Buch der Gefühle, sondern des Gefühls, dem die Energie gebot. Es packt ein Jahrzehnt am Nacken und blickt ihm scharf in die Augen, bis die Milde sieht, daß auch sie Tat ist.
Berliner Börsen Kurier
Schritt für Schritt Roman
Otto Flakes „Schritt für Schritt“ ist der bislang einzige von sensibler Erfahrung getragene, stilistisch völlig durchgeistigte und in der Charakterzeichnung dichterisch sichere erotische Roman unserer Zeit, in seiner Art ein Meisterstück.
Literarischer Ratgeber des Dürerbunds
Beständen an unseren Hochschulen Seminare für Sexualpsychologie, so böte für sie dieser Roman einen Übungsstoff besonderer Art. Indem er es versteht, sexuelle Vorgänge allerstärksten und intimsten Grades ästhetisch vollendet, fast schöpferisch im Ausdruck, wiederzugeben, wirkt er mit an der großen Aufgabe, das Sexualgebiet aus einem Tummelplatz der Hoheit in eine Stätte geistiger Schulung zu verwandeln.
Neues Leben
Freitagskind Roman
Ein elsässischer Roman, ein Spiegel, dessen Figuren man in Deutschland erst verstehen wird, wenn es zu spät ist; man hört auf die Tagespolitiker, man sollte auf die Dichter hören.
Nieuwe Rotterdamsche Courant
Horns Ring Roman
Wenn bei Lesage der Teufel seinem Erretter die Dächer Madrids abhob, so dringen wir hier bis zu den Wohnungen des Geistes vor, zu dessen vielfältig verschlungener Struktur uns sein magischer Ring den Weg bahnt. So entsteht keine leere Hymne auf den Aufstieg Berlins, dessen Ruhm gesungen wird, sondern eine Dichtung, die sich das Wesen der Großstadt in der tragischen Schwere ihrer Problematik zum Gegenstand nimmt. Daß daraus ein farbensattes Bild von unserer Hauptstadt hervorgewachsen ist, soll nicht gering veranschlagt werden, wie denn ein künftiger Fortsetzer Gustav Freytags aus diesem Roman die besten Kulturzeugnisse für deutsche Leistung und deutsches Leben vor Ausbruch des Weltkriegs wird entnehmen müssen.
Deutsche Rundschau, Berlin
Das Logbuch Roman
Der Hauptgedanke aber, der durch Flakes Bücher immer wieder hindurchleuchtet, macht sie uns gerade in der Verbindung mit diesem geistigen und kulturellen Aristokratismus erst wertvoll: daß alles geschehen und geleistet werden soll in einer tiefen selbstverständlichen Achtung vor dem Volke in seiner großen anonymen Gesamtheit, daß alle Verfeinerungen zivilisierten Lebens wertlos sind, die das Recht des schlichten namenlosen Einzelnen auf Menschentum und Aufstieg hemmen und das Menschheitsgewissen, das ja immer irgendwie lebt, mörderisch ersticken.
Börsen-Zeitung, Berlin
Spamersche Buchdruckerei in Leipzig
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... Dämonie der ersten Zustimnung, die zu Konsequenzen ... ... Dämonie der ersten Zustimmung, die zu Konsequenzen ...
... was Jakobiner waren.?“ ... ... was Jakobiner waren?“ ...
... Lauda: Menschen, die von der Idee der Gerechtigkeit ... ... Lauda: „Menschen, die von der Idee der Gerechtigkeit ...
... Hanna: „Es lockt. Es ist in der neuen Taktik, von der ... ... Hannah: „Es lockt. Es ist in der neuen Taktik, von der ...
... Hannah: „Nein. Eben darum gehe ich mit ihnen, ... ... Hannah: „Nein. Eben darum gehe ich mit ihnen. ...
... worden; er berief sich auf Jaures, mit dem er bei ... ... worden; er berief sich auf Jaurès, mit dem er bei ...
... Gott zu finden, um die sein Mikroskosmos schwingen ... ... Gott zu finden, um die sein Mikrokosmos schwingen ...
... nichts andres als der varriierte preußische Militarismus, ... ... nichts andres als der variierte preußische Militarismus, ...
... dachte, wie er Mitrofan ideell, als energetisches Phänomenen ... ... dachte, wie er Mitrofan ideell, als energetisches Phänomen ...
... daß das Organ der öfentlichen Meinung, die große Zeitung ... ... daß das Organ der öffentlichen Meinung, die große Zeitung ...
... pessimistisch, Rückkehr zur unpersönlichen Totalität. ... ... pessimistisch, Rückkehr zur unpersönlichen Totalität.“ ...
... ella Energie darauf verwandt, ein Instrument der Macht ... ... alle Energie darauf verwandt, ein Instrument der Macht ...
... Was das königlich, oder mütterliche Klugheit, die um ... ... War das königlich, oder mütterliche Klugheit, die um ...
... Läden, Patrouillen wurden bedrängt. Schreiber sprang ... ... Läden, Patrouillen wurden bedrängt. Schreiner sprang ...
... kam nicht aufs Buro, am zweiten Tag suchte Lauda sie ... ... kam nicht aufs Büro, am zweiten Tag suchte Lauda sie ...
... auf Rutt ais männlicher Kavalier; sah er sie an, trat in ... ... auf Rutt als männlicher Kavalier; sah er sie an, trat in ...
... Zerstörung — ich habe die Realität wiederhergetellt, ... ... Zerstörung — ich habe die Realität wiederhergestellt, ...
... zu legen.“ ... ... zu legen.‘“ ...
... kann, wie ich gegen mein Land handelte. ... ... kann, wie ich gegen mein Land handelte.“ ...