← Table of contents
Meine Lebens-Erinnerungen - Band 3

Meine Lebens-Erinnerungen. (continued 4)

Reading edition

Ankunft in Wien.

Ich bin nun hier in Wien, und habe durch unsern Chargé d'affaires, Herrn von Koss mehrere Bekanntschaften gemacht. Ich war bei den Baronen Arnstein und Eskeles auf ihrem hübschen Landhause in Hitzing. Die Damen dieser Familie sind sehr gebildet und lieben die Poesie. Bei meinem alten Freunde Breuß, bei der Dichterin Karoline Pichler, die so geistreich und gutmüthig ist, mit ihrem österreichischen Accent. Die Schauspielerin und Dichterin Frau Weißenthurn habe ich auch besucht, und fand bei ihr die besten Schauspieler: Korn, Koch, Koberwein u. s. w. Man hat hier im Burgtheater Axel und Valborg und Correggio gegeben, welche, besonders das letztere, viele Glück machten. Hakon Jarl im Theater an der Wien aufgeführt, mundete nicht recht; er ist zu nordisch. — Ich bin bei dem Fürsten Metternich gewesen, und fand hier die Großen des Landes, die Liechtensteine, Esterhazy, Dietrichsteine beim Spieltische sitzen. Eben als sich Metternich in ein Gespräch mit mir einlassen wollte, kam der Kronprinz von Baiern und zog ihn in ein andres Zimmer. Den Tag darauf reiste Metternich nach Italien, sodaß ich fast gar nicht mit ihm gesprochen habe. Fürst Odescalchi lud mich zu Mittag in seinen großen Palast ein; er ist ein eifriger Freund der Poesie und des Schauspiels, und obgleich geborner Italiener, durchaus Deutsch. Im Hofrath Sohnleitner fand ich einen sehr angenehmen gastfreien Mann. Er war bei der Leitung des Burgtheaters betheiligt, wurde aber der Sache bald überdrüssig. Er hatte meinen Hugo von Reinberg zu übersetzen angefangen, hielt aber damit inne, als er hörte, daß ich es selbst thun wollte.

Solchen Staub hab ich noch nie gesehen. Die Luft wird oft ganz damit angefüllt. So südlich Wien liegt, hat es doch ein nördliches Klima. Bei dem häufigen Winde hier muß man Tacitus beistimmen, wenn er sagt: „Terra ventosior, qua Noricum ac Pannoniam adspicit.“ —

Bekanntschaften in Wien.

Das Fest auf Veranlassung der Abreise der Prinzessin war im Augarten, in prächtigen dazu aufgeführten Sälen; der Hof in Galla. In Gallakleidern konnte man auch auf die Galerie kommen. Hätten wir Billete erhalten, so hatten wir beschlossen, uns ein paar alte gallonirte Kleidungsstücke bei einem Trödler zu miethen. Das Frohnleichnamsfest sah' ich von einem Fenster aus bei dem Grafen Pachta. Hier kamen in Prozession: Bürger, Priester, Hofleute, Beamte, Aerzte, Gelehrte, Kaiser, und Diener. Die schönen Krucifixe waren mit Fahnen geschmückt, die Straßen mit Brettern, Laub und Blumen belegt. Während des Zuges fing es zu regnen an; aber Kaiser Franz wollte den heiligen Zug nicht unterbrechen; er ging mit seiner brennenden Kerze hinter dem Erzbischofe. Bürger, Mönche, kleine vater- und mutterlose Kinder dem Kaiser voran. Hinterher die prächtige ungarische Garde auf den schönsten Pferden.

Wien. — Das Theater.

Ich habe Axel und Valborg hier aufführen sehen. Korn war ein vortrefflicher Axel. Mademoiselle Adamberger war als Valborg erhaben und rührend. Koch gab den Erzbischof mit Würde und Vatergefühl; Koberwein als Hakon, Ochsenheimer als Knut waren auch gut. Schwarz war ein kräftiger Sigurd. In Bezug aus das religiöse Element hat manche Veränderung stattgefunden. Die Decoration hatte nichts verloren, obgleich sie nur eine Vorhalle zur Kirche darstellte. Dagegen hatte die poetische Würde dadurch Abbruch erlitten, daß der Erzbischof zum Kanzler und Bruder Knut zum Kirchenvoigt gemacht war.

Mademoiselle Adamberger hatte zwei Tage vor ihrer Hochzeit mit Arnet, einem Gelehrten, ihr letztes Benefiz, als welches die Schuld gegeben wurde. Sie sprach mit Thränen und vieler Anmuth einen Epilog der Frau Pichler, der sehr viel Werkung hervorbrachte. Die Schuld ist eins der Stücke, die Furore und Epoche zu einer gewissen Zeit gemacht haben ohne daß sie sich für die Zukunft in frischem Leben erhalten werden. Der Stoff ist spannend, die Versification fließend, das Stück ist an mehrern Stellen nicht ohne Pathos; aber es ist durchaus unnordisch, wenn gleich nach den Norden hin versetzt; es ist auf einer häßlichen Unnatur durch die Vorausbestimmung erbaut, welche als Schicksal gelten soll, den Muth niederdrückt, und die Tugend und die moralische Zurechnungsfähigkeit schwächt. Die Schuld ist mit Werner's 24. Februar und Grillparzer's Ahnfrau verwandt. Diesen Dichter sah ich eines Abends bei Frau Pichler, wo ich Ludlam's Höhle vorlas; aber wir näherten uns einander nicht weiter; unsere Naturen schienen zu verschieden zu sein.

In der italienischen Oper hat man Mozart so lange gespielt, bis man seiner müde geworden ist, und sich nach der modernen Opera seria sehnt. Madame Borgondio mit einer sehr guten Altstimme, spielte letzthin den König Cyrus mit halblangen Handschuhen. Sie war auch Tankred in schwarzer Rüstung. Ich bin ein solcher Heide, daß ich keinen Geschmack an den vergötterten Tankred finden kann. Die Musik ist brillant aber nicht herzergreifend, mit zu vielen Trillern und Roulladen.

Beethoven.

Beethoven habe ich gesehen aber nicht mit ihm gesprochen. Er hat schwarze Haare, rothe Wangen und sieht recht tüchtig aus, aber er ist sehr taub, der arme Mann! Ein großes Unglück für einen Musiker. Beethoven wollte gern, daß ich ihm ein Singspiel dichten sollte, was ich auch gern gethan haben würde, wenn ich mich dazu aufgelegt gefühlt hätte. Er soll eine sehr schöne Oper componirt haben.[3]

Wir sind noch hier in Wien; aber Wien ist nicht hier; das ist auf's Land gereist, und kommt erst wieder, wenn wir fort sind.

Schöne Aussichten. Kleine Leiden.

Das kaiserliche Lustschloß Laxenburg liegt ungefähr zwei Stunden von der Stadt. Man geht durch schöne Alleen dorthin, und hat nach allen Seiten Aussichten auf Bergpartieen. Breuß nahm Bertouch und mich zu seinem Freunde, dem Schloßhauptmann Riedel, mit. Er führte uns erst auf das Schloß, das hübsch, einfach und freundlich ist. Die Zimmer sind ungefähr wie bei einem wohlhabenden Privatmanne auf dem Lande. Von da mußten wir in der Mittagshitze in den Garten hinunter. Eine ungewöhnliche Menge Rosen waren bei der starken Wärme bereits verblüht. Die Gluth war unerträglich. Ich ging mit Castelli, der auch nicht gerade für Aussichten schwärmt. Wir bewunderten die Lusthäuser, während die Andern, ich weiß nicht Was bewunderten, und ich sagte zu Castelli: „Könnte ich wählen, wollte ich lieber Hausarrest haben, als diese Freude jetzt genießen.“ Indessen mußte ich gute Miene zum bösen Spiel machen, verbindlich lächeln und sagen: „Das ist ganz scharmant, allerliebst!“ was es auch wirklich war. Stets wollte ich in den Schatten, und stets mußte ich im Sonnenschein bei den anmuthigen Aussichten stehen bleiben. Das waren schlimme Aussichten für mich. „„Nun wie finden Sie es?““ fragte Breuß. „Sehr schön,“ sagte ich; „ich wollte nur wünschen, daß ich ein paar Stunden im Schatten hier auf der Bank sitzen und ein gutes Buch lesen könnte.“ — „„Jetzt sind wir nicht hergekommen, um zu lesen,““ sagte er und zog mich mit sich fort. Bertouch bemerkte, daß ich todtenbleich sah. (Stets werde ich in der Mittagshitze bleich). Man fragte mich, wie mir die englischen Anlagen gefielen. „Gut“ antwortete ich; „aber ich liebe auch die alten Alleen sehr, die lassen sich sehr gut mit einer englischen Anlage verbinden.“ — „„Ach,““ versetzte Einer der Anderen, „„das ist gar nicht hübsch, kann man sich etwas teiferes als solch' eine Allee denken?““ Ich: „Warum kann das Steife nicht auch schön sein!“ Er: „„Es ist unnatürlich.““ Ich: „Ich finde es durchaus nicht unnatürlich, daß der Mensch schöne Bäume in eine Reihe pflanzt, um auf dem kürzesten Wege von einem Ort zum andern im Schatten zu gehen. Weßhalb darf die Menschennatur sich nicht auch zur übrigen Natur gesellen?“ Er: „„Die Menschen können nicht Etwas schöner bilden, als die Natur es gebildet hat.““ Ich: „Das ist wahr; aber die Natur (oder der Schöpfer) hat auch unsere Natur gebildet. Und es ist ein Naturtrieb bei uns, die Natur zu unserem Gebrauche, nach unserem Verstande, unseren Ideen, unserer Bequemlichkeit einzurichten. Eine schöne Allee ist der herrlichste Frühlingstempel, in welchem sich eine leichte Architektur mit der ewigen Schöpfungskraft vereint.“ Nachdem ich ihn durch diese Gründe fast dahin gebracht hatte, mir Recht zu geben, bombardirte ich ihn mit der Vaterliebe, und fragte ob er nicht finde, daß es schön sei wenn man etwas stehen lasse, was eine verschwundene Zeit hervorgebracht habe; und ob es nicht erhebend und angenehm zugleich sei, in den ehrwürdigen Baumgängen zu wandeln, dessen Blätter vor vielen Sommern die Stirne unsrer Vorväter beschatteten. Nun gaben sie mir Alle Recht; und so disputirte ich mich aus der Sonnenhitze in den Schatten hinein. — In dem herrlichen kühlen Buchenlaub erquickte ich mich nun recht. Zu Lust und Leben in den warmen Sommertagen gehört Schatten. Pan, alle Faune, Nymphen und Tryaden lieben Schatten und frische Quellen. Sie spielen unter den dunkelgrünen Wölbungen, fürchten aber den gelben Staub und die Mittagshitze.

Eine Ueberraschung.

Mein Freund Breuß, der sich vorgenommen hatte, mich mit allen Laxenburgischen Herrlichkeiten zu tractiren, gönnte mir aber keinen Augenblick Ruhe. Er zog mich unbarmherzig mit sich fort, und verlangte daß Freude und Bewunderung von meinen Lippen strömen sollte. Ich beschloß mich etwas zu rächen, indem ich gleichgültig that, und als er mich fragte, wie mir dies Alles gefiele, antwortete ich: „Ei recht gut, aber glauben Sie denn, ich habe früher keinen grünen Park gesehen?“ Breuß meinte: niemals einen solchen. Ich versicherte ihm, daß das Südfeld und der Friedrichsberger Garten eben so schön seien. Er behauptete, das sei unmöglich. Ich behauptete, daß der Norden gerade die Heimath der reichbelaubten Bäume, er, daß dieß übertriebene Vaterlandsliebe sei. So kamen wir wieder zur übrigen Gesellschaft, und da konnte ich denn merken, daß Etwas im Werke sei, und ich von irgend etwas Neuem überrascht werden sollte. „Nun gut“ sagte Herr Riedel lächelnd, „da Sie das Alte so sehr lieben, wollen wir die Gegenwart verlassen.“ Indem er diese Worte sagte, langten wir bei einem kleinen See mit einem Boot an, und gerade gegenüber stand eine — Ritterburg! — Eine alte Ruine? nein — eine neue vollständige, bunte, fix und fertige Ritterburg, als wäre sie etwa vor ein paar Jahren gebaut, was auch wirklich der Fall war. Wir fuhren auf einer Fähre hinüber. Auf dem Thore war ein Ritter im Harnisch gemalt. Das Thor ging auf, wir traten ein, und befanden uns nun in einem kleinen Hofe. Gerade vor uns war die Ritterwohnung mit ihrem Thurme; auf der einen Seite die Kapelle mit den bunten Fenstern, der Stall, das Zimmer der Knappen u. s. w. In der Mitte des Hofes ein Brunnen mit altmodischer Architektur, Heiligen und Schnörkeln.

Eine neue Ritterburg.

Der plötzliche Eindruck all' dieser alten Sachen rührte mich; aber ich konnte mich beinahe nicht des Lachens enthalten, als Mehrere der Gesellschaft auf mich zukamen und mir stark ins Antlitz anstatt auf die Gegenstände schauten, die sie wahrscheinlich kannten, um zu beobachten welche Wirkung sie auf mich machten, und wie es aussähe wenn ich gerührt wäre. Alles zu erzählen, was an diesem Orte gesammelt ist, wäre unmöglich. Aber man staunt, wenn man erfährt, daß diese Burg aus lauter wirklichen Alterthümern zusammengesetzt ist. Hier giebt es nichts Neues, nicht einmal die Mauern; sie sind von fernen Ruinen herbeigeschafft. Ganz Oesterreich mußte seine alten Merkwürdigkeiten diesem Orte abgeben. Wir wollen eine kurze Wanderung durch die wichtigsten Zimmer machen.

Hier gehen wir also erst in den Richtersaal hinauf. Mitten in diesem runden Saale ist ein runder Tisch; mitten in diesem Tische ein Loch mit einem Rost. Dieses Loch führt gerade in das Burgverließ. Durch eine solche Oeffnung wurde der Sünder in alter Zeit aus seinem Gefängniß heraufgewunden, mit dem Kopf über der Oeffnung, um von den Richtern, die rings um den Tisch saßen, verhört zu werden; und es war nicht selten, daß sie ihm in dieser Stellung gleich den Kopf abschlagen ließen. In dem mittelsten Theile des Thurmes ist ein hoher runder Saal mit bunten langen Fenstern aus dem achten Jahrhundert. Von dort gingen wir ins Gastzimmer, wo die Ritter gesessen und aus großen Bechern gezecht hatten. In einem Seitenzimmer findet man prächtige Sachen, silberne Becher, Perlmutterhörner, Elfenbein, Bergkrystall, alte Gold- und Silbergefäße. Die Rüstkammer ist voll von köstlichen Kleinodien aus dem Mittelalter: Schwertern, Büchsen, Lanzen. Die Büchsen wie kleine Handkanonen mit Lunten. Ein grauer runder Filshut mit Eisenblech und Spangen versehen hängt an der Wand, und es soll historische Sicherheit dafür da sein, daß er Karl dem Großen gehört habe. Alte Harnische finden sich in solcher Menge, daß man mehrere Wochen brauchte um dieses Alles anzusehen.

Nun kommen wir zu den Frauengemächern. Alte Bilder hängen rund umher an den mit vergoldetem Leder bedeckten Wänden; Meublesreliquien, Kaiser Karls IV. Bett zum Beispiel. Das Auge findet Nichts, das nicht historischen Werth hätte. Plötzlich steigen wir von dieser hellen Pracht durch finstere Gänge und enge Treppen hinab zu dem schauerlichen Burgverließ. Eine matte Lampe erleuchtete die trübe Wölbung, ein weißer Schatten steht im Hintergrunde. Ein Gefangener mit bleichem, eingefallenem Gesicht, eine weiße Kappe über dem Kopf; das rothe Kreuz auf dem Mantel zeigt mir, daß es ein Tempelherr sei. Ich will näher treten, plötzlich streckt er seine Arme gegen mich aus und rasselt mit den Ketten. Ein schreckliches Bild, das in dem tiefen Gewölbe, dessen Dunkel den Eindruck festhält, tragisch täuscht. — In der schönen prächtigen Kapelle hatte Herr Riedel alle Lichter anzünden lassen. Altäre, Gebetbücher, Heiligenbilder füllen den kleinen Raum. Das Meiste ist von Kloster Neuburg gekommen. An der Wand hängt eine Copie von Albrecht Dürer.

Man hört übrigens viel darüber klagen, daß die alten wirklichen Burgen, die noch ganz dastehen, ihre Merkwürdigkeiten durch dieses Zusammenschleppen nach einem Ort verloren haben, und daß diese Verbindung von Dingen verschiedener Jahrhunderte sehr willkürlich sei. Man findet Sachen aus dem zehnten und fünfzehnten Jahrhunderte oft in einem und demselben Zimmer. Aber — welche Zeit hätte nicht die Gegenstände der vorhergehenden Zeit angehäuft? Das thaten die alten Ritter auch. Jean Paul sagt sehr richtig: „Jede Zeit besteht aus zwei Theilen; dem Schluß der vorhergehenden und dem Anfang der folgenden Periode.“ Die Burg ist schön! Herr Riedel verdient Dank für den Kunstsinn, mit dem er sie aufführen ließ.

Am Nachmittag gingen wir wieder spazieren, und nun war es viel kühler und angenehmer. Der Theil der Anlage, zu dem wir nun kamen, war auch waldreicher. Ehe wir nach Hause fuhren, mußten wir Abendbrot essen. Es war im großen Saal gedeckt, der Tisch war herrlich mit Blumen geschmückt; aber der Garten war doch besser, und es dauerte nicht lange, so nahm Jeder seinen Stuhl, seine Serviette und Teller, und lagerte sich draußen vor der Gartenthür. Einige setzten sich auf die Treppe. Castelli war sehr heiter, setzte sich früher als wir an den Tisch, spielte den Gourmand in Wiener Dialect und kostete alle Gerichte, ehe wir etwas davon bekamen. Wenn die Wirthin lachend fragte, was er haben wollte, so sagte er: „Küß' die Hoand, i will Oalles hoaben, gäben's mir erscht a was Schuncken.“ So endigten wir diesen Tag in heiterem Kreise und fuhren wieder zur Stadt zurück.

Eine Hinrichtung.

Vor ein paar Tagen wurde ein Mensch hingerichtet, der seine Schwester ermordet hatte. Er wurde vor der Stadt an einer hohen Säule, die die Spinnerin am Kreuz heißt, aufgeknüpft. Die Säule ist altgotisch; eine weibliche Gestalt in Stein ausgehauen spinnt unter dem Kreuze. Sie sollte eher, gleich der dritten Parze, mit der Scheere schneiden. Vielleicht spinnt sie Hanf. Die eigenthümliche Lust, die ich in meiner Jugend hatte, Hinrichtungen zu sehen, war bei mir vergangen, und ich war nicht Zuschauer. In einem gedruckten Berichte versicherte der Prediger, daß der Sünder bekehrt, bevor er gehängt worden sei. Ich las ihn nicht; aber ich hatte Struensee's Bekehrungsgeschichte von Mynter gelesen und glaubte, es würde wohl etwas Aehnliches sein. Es traf sich ein paar Tage darauf, daß ich in der Bildergalerie war, wo ich ein sehr merkwürdiges Bild betrachtete, welches auch eine Bekehrungsgeschichte vorstellte. Das Bild zeigt Christus wie er nach Golgatha geht, gebeugt sein Kreuz tragend. Aber vor ihm fahren die zwei Schächer auf Karren und haben Mönche bei sich, welche den Sündern das Krucifix vor die Augen hielten, und sie durch die Erinnerung an den Tod Christi trösten.

Hammer-Purgstall.

Bei dem Bankdirector Weinach, der einen schönen Landsitz in Hitzing hat, traf ich einen magern, lebhaften Mann mit einem ehrlichen, ernsthaften Gesicht, der, als er mich sah, mir mit offenen Armen entgegenkam und rief: „Guten Tag, Oehlenschläger! Schönen Dank für Aladdin!“ Dies war Hofrath Hammer, einer von Europa's gelehrtesten Orientalisten, der Tausend und Eine Nacht übersetzt hat. Er erzählte mir, wie er sich lange vergebens bemüht habe ein Exemplar dieses Werkes zu erlangen, weil die Erzähler, die ihr Brod durch die mündliche Mittheilung finden, sich stets bemühen, die abgeschriebenen Märchen gleich zu vernichten. Als er es in der Türkei und in Arabien nicht erhalten konnte, schrieb er einem jungen Engländer, der übrigens kein Wort Arabisch verstand, den arabischen Titel des Buches für den Fall auf, daß er in Aegypten, wohin er reiste, glücklicher sein sollte, als Hammer es in Arabien gewesen war. Als der junge Engländer nach Cairo kam und auf dem Markte stand, rief er den Titel ganz laut aus. Gleich kam Jemand mit dem Buche zu ihm, und fragte ob er es kaufen wollte? Auf diese Weise bekam Hammer ein Exemplar.

Ueber Tische erzählte er uns, daß er in einer Klosterkirche der Umgegend Basreliefs gefunden habe, welche seine Vermuthungen über die Ausschweifungen der Tempelherren im Mittelalter zur Gewißheit erheben. Er glaubte aus diesen Bildern vollständig den Beweis führen zu können, daß sie Gnostiker gewesen seien und ihre Freidenkerei im Orient gelernt haben. Im Aeußeren zeigten sie eine gewisse Frömmigkeit und Mäßigkeit, unter sich aber erlaubten sie sich Alles, spotteten jeden Glaubens und hatten einen Becher mit einem Antlitz das in der Entfernung wie Christus aussah aber in der Nähe zum Bilde des Teufels wurde. Kurz Alles, was ihnen unter Philipp dem Schönen in Frankreich vorgeworfen und weßhalb achtundsechzig Tempelherren mit ihrem Großmeister Molai verbrannt wurden, glaubte Hammer aus diesen Basreliefs beweisen zu können. Doch, fügte er hinzu, sei es nicht abgemacht, daß alle Tempelherren gleich schuldig waren. Die Ausschweifungen, welche die Ritter trieben, waren darum noch nicht der Hauptzweck des Ordens; dieser war politisch, mit Rücksicht auf die Macht des Papstes, sowie später bei dem Orden der Jesuiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der derbe, ehrliche Molai gar keinen Theil daran gehabt.

Der Hund als Schauspieler.

In Hitzing werden auch Comödien aufgeführt. Letzthin sahen wir einen Hund die Hauptrolle spielen. — Ein Trunkenbold soll sein Kind wiegen. Während er in Gedanken dasitzt, kommt der Hund, springt an die Wiege hinauf, nimmt das Kind heraus, und spielt mit ihm auf dem Fußboden. Der Vater sitzt ruhig und wiegt. Nun kommen Mutter und Tanten. Sie wollen das Kind sehen, es ist kein Kind da. Wo ist es geblieben? Sie suchen darnach, der Hund spielt mit ihm und zerrt es unter den Tisch. Das Kind, es ist natürlich eine Puppe, wird glücklich gerettet, und damit endet der erste Act. Mehr sah' ich nicht, denn ich meinte, die Handlung sei vorüber und das Interesse habe aufgehört. Man hat pro und contra disputirt, ob Hunde zum Comödienspiele zugelassen werden sollen; Pferde hat man auf den meisten großen Hoftheatern. Meine Ansicht ist, daß es jedem Talent unverwehrt sein müsse, sich in einer freien Kunst zu zeigen.[4] Der Hund ist in diesem Stücke nur ein deus ex machina, der die menschlichen Verhältnisse in Bewegung setzt. Hätte hier z. B. der Vater besser auf sein Kind in der Wiege geachtet, so würde der Hund es nicht gefaßt und unter den Tisch geschleppt haben. Das ist doch eine äußerst moralische Allegorie.

Vermählungsfest im Augarten.

Ich habe bereits erzählt, daß ich noch nicht den schönen Saal gesehen hatte, der im Augarten zur Verlobung der Prinzessin mit dem Kronprinzen von Brasilien gebaut war.

Letzthin war da nun auch ein Ball für das Volk, damit es doch auch Ragout von dem Braten bekäme, welchen der Hof kurz vorher gehabt hatte. Da war ich dabei. Unglücklicherweise waren mehr Leute aus den Vorstädten als aus der Stadt da, besonders vom schönen Geschlecht, das an diesem Abend ziemlich unschön war. Das Haus stand da: ein schöner griechischer Tempel, eine Rotunde voller Kronleuchter, weiß wie Alabaster, mit unzähligen Säulen, Seitengängen und Nebensälen. Die Tische voll von — Blumen und leeren silbernen Terrinen; die Speisen selbst wurden sehr langsam herbeigeschafft. Es war kaum ein Diener bei jedem Tisch. Hier in Wien gehen sehr komische Menschen an öffentlichen Orten und den Schauspielhäusern mit Erfrischungen umher. Sie sind wie Vorreiter gekleidet, und tragen Hüte mit Aufschlägen und Federn. Aber man kann sich nichts Zerlumpteres denken; sie sehen wie Don Ranudo's Diener aus. Die Federn an ihren Hüten sind so schmutzig und klebend, daß man nicht weiß, wofür man diese Gestalten halten soll. Sie gleichen schlecht ausgestopften, staubigen und verdorbenen Vögeln in einem Naturalienkabinet. Mit diesen Federhüten auf dem Kopf, mit diesem halben Bereiterflitter schreiten sie mit ungeputzten Wasserstiefeln langsam dahin. Man begreift nicht, was das Costüm bedeuten soll, was sie mit dem Federputz auf dem Kopfe wollen, um „Gefrorenes“ zu verkaufen.

Heute Abend hier im Tempel des Augartens war es ganz anders. Sie sollten Lakaien vorstellen, und gingen deshalb in alten rothen Theaterlivree'n, mit alten abgenützten Tressen umher, aber es war sehr schwierig, eine dieser Gestalten zu erwischen; und wenn man auch mit Einem sprach und etwas verlangte, so bekam man es doch nicht. Endlich wurde ich ungeduldig. Ich saß gerade bei meinem guten Freunde Breuß, der hungrig war. Ich gedachte der Wohlthaten, die ich in seinem Hause genossen hatte; mein Herz wurde gerührt; ich drängte mich durch den Schwarm hindurch in die Küche bis an den Heerd, half der Köchin etwas Spinat auf das Fricandeau legen, schlug mich fast in der strengsten Bedeutung des Wortes mit einem Lakai um eine Portion Kalbsbraten. Er: „Doa's ist für einen anderen Herrn bestimmt; euer Gnoad'n könn's nicht hoab'n.“ Ich: „Ich will es haben, ich habe lange genug gewartet.“ Damit nahm ich meine beiden Teller, reichte sie einem anderen, mir mehr ergebenen Lakai; und nun ging ich im Triumph wieder nach dem griechischen Tempel zurück und hatte die Freude, einmal meinen gastfreien Wirth zu bewirthen, der sich über meine Gewandheit Lebensmittel herbeizuschaffen wunderte.

Mit dem Tanzen wollte es nicht recht gehen. Ein paar galante Herren mit Handschuhen walzten mit einem paar Damen. Man erkannte in Einzelnen dieser Nobili Venetiani Ladendiener und die anwesende beau monde hielt sich zurück. Der Erzherzog Rainer ging umher, blickte freundlich auf die Leute, und ein Fourier ging voran und machte Platz für ihn.

Kloster-Neuburg.

Mit dem Baron Retzer, einem ältlichen Dichter und Büchercensor, habe ich eine Reise nach Kloster-Neuburg gemacht, das schön an der Donau, anderthalb Meilen von Wien liegt. Es existirt davon folgende Sage: Der Markgraf Leopold IV. hatte ein Schloß auf dem Kahlenberg. Einmal, als er mit seiner Gattin Agnes am offenen Fenster stand, riß ein Windstoß ihr den Schleier vom Haupte und trieb ihn weithin in den Wald, so daß sie ihn aus den Augen verlor. Ein paar Jahre darauf war der Markgraf in demselben Walde zur Jagd. Plötzlich beginnen seine Hunde zu bellen und zu heulen. Er folgte ihnen und sieht sie um einen Baum versammelt, an dem er einen Schleier fand, den er als den seiner Gattin wiedererkannte. Der fromme Leopold, der lange die Absicht hatte, ein Kloster zu bauen, ohne mit sich über den Platz einig werden zu können, betrachtete dieses Ereigniß als einen Wink des Himmels und ließ das Kloster bauen, wo der Schleier hing.

Der Prälat Herr Gaudentius hatte den Baron Retzer mit seinen Freunden eingeladen, bei ihm Mittag zu essen. In den prächtigen Zimmern wohnen nun die Augustiner. Wir gingen fast durch alle. Die Tapeten waren der Ehrbarkeit und der Conservation halber mit weißer Leinwand überhangen. Die parquettirten Fußböden waren sehr schön gebohnt. In dem letzten Zimmer trafen wir den Prälaten in seinem schwarzen Rocke, mit einem kleinen weißen herabhängenden Bande vorn und hinten und mit einem Sammtkäppchen, das er, uns freundlich grüßend, lüftete. Aber der arme Herr Gaudentius hatte Zahnschmerzen. Er zeigte uns die Zimmer, die Aussicht ist schön auf dem Kahlenberge und man sieht viel Weinberge und Windungen der Donau. Nun mußten wir mit einem andern Bruder hinausgehen, um das merkwürdige Gebäude zu sehen. Wir speisten bei dem Prälaten in einem Zimmer, wo unser König auch einmal gespeist hatte. Es waren noch fünf andere Geistliche da. Ehe man sich setzte, wurde stillschweigend gebetet, und Herr Gaudentius ertheilte den Segen auf eine, wenn ich so sagen darf, flüchtige und bescheidene Art, wie wenn man weiß, daß Fremde (Ketzer) zugegen sind. Die geistlichen Herren waren vernünftige Leute und fast liberal. Wir sprachen vom Dichter Werner, der hier den ersten Anstoß zu seiner Bekehrung erhalten hat; d. h. durch sich selbst, nicht durch die Mönche; denn er aß hier mit einem vortrefflichen Schauspieler Rose, (so tolerant sind sie) und Rose hat mir versichert, daß Werner sich ganz auf eigene Hand in den dritten Himmel versetzt fühlte.

Die größte Einnahme des Stiftes besteht in Wein, der in ungeheuer großen, aus drei Etagen bestehenden Kellern aufbewahrt wird. Unter Anderem soll sich daselbst ein Faß befinden, welches 999 Eimer faßt; also eine Schwester des Heidelberger.

Die Kirche, welche alt ist, bekamen wir nicht zu sehen. Hier bewahrte man den Schleier auf, der der Frau Markgräfin vom Kopfe geweht war, und einige kostbare Becher, unter Anderen einen aus Goldstaub, den man in der Donau gefunden hat, gefertigten.

Ein ehrwürdiger Frater führte uns nach der Mahlzeit auf sein Zimmer, und zeigte uns seine kostbare Kupferstichsammlung, auf welche er im Laufe von 30 Jahren all sein Geld verwendet hatte. Er zeichnete auch selbst und in seinem Schlafzimmer hingen mehrere Portraits in Pastel; unter diesen ein gräßliches Bild von einem bis an den Gürtel nackten Sterbenden, der ein Krucifix in der Hand hält. Dies war ein Mensch, den der Canonicus einmal zum Tode vorbereitet, und gleich gemalt hatte, nachdem er verschieden war. Während mir der Augustiner seine Kupferstiche zeigte, wandte ich immer die Augen nach jenem Schreckbilde hin. Er wunderte sich darüber, daß dieses Skelett meine Aufmerksamkeit von den Meisterwerken Raphaël's und Leonardo da Vinci's ablenken könne. Ich sagte ihm: „Wenn es mein Bild wäre, so würde ich es verbrennen, ehe ich zu Bett ginge, aber ich kann nicht umhin, es anzublicken. Das Entsetzen hat einen eigenen Reiz.“

Castelli als Schuster.

Letzthin waren wir zu dem jüngeren Herrn Gaimüller mit Breuß nach Hitzing hinaus geladen, um eine Komödie zu sehen, die an seinem Namenstag aufgeführt werden sollte.

Das Hauptstück war: Der Schuster, eine Posse von Schickaneder. Dieses Stück zeichnet sich nicht durch einen sehr witzigen Dialog, sondern durch das Nationaldrollige in der Situation aus. Castelli spielte einen besoffenen Schuhflicker, der auf seine junge Frau eifersüchtig ist, in dem höchsten Grade der Vollkommenheit, Frau G. spielte das junge Weib, die uns durch ihre österreichische Volksnaivetät alle Fehler vergessen macht, mit derselben Vollkommenheit.

Viele begreifen nicht, wie vernünftige Leute Vergnügen daran finden können, das Benehmen und die Reden trunkner Leute nachgeahmt zu sehen und zu hören. Es ist wahr, Weisheit reden sie nicht, wenigstens keine zusammenhängende Weisheit; aber jeden Menschen mit Phantasie müssen diese Aphorismen, diese Ideenassociationen, Einfälle, verschiedenen Leidenschaften, dieser Wechsel zwischen Aufbrausen und Schlaffheit, Haß und Liebe, Aufrichtigkeit und List, unterhalten.

Der Sct. Annentag.

Vergangenen Sonntag war der Sct. Annentag. Im Prater ward Feuerwerk abgebrannt, und der Entrepreneur lud die Nannerls (alle die Damen, welche Anna heißen) unter der Ueberschrift: Verehrungswürdigste Nannetten! ein, mit zur Unterstützung des Festes beizutragen. Auf einem anderen Plakate stand: „Erstens: wird eine mechanische Figur ein verehrungswürdiges Publikum mit seinen Bewegungen zu unterhalten suchen.“ —

Das Feuerwerk war groß und brillant. Obgleich der schelmische Mond schon hinter den Bäumen stand und etwas von dem Eindruck schwächte, hielt er sich doch gutmüthig und romantisch hinter einer Wolke, bis das Feuerwerk vorüber war.

Unter Anderem wurde auch die Liebe feuerwerksmäßig dargestellt. Zwei brennende Figuren, ein Herr und eine Dame, standen in einem funkelnden Tempel; und während sie im besten Brennen waren, fingen sie an, sich zu bewegen und die Köpfe zu einander zu neigen, um sich zu küssen. Der Mann verlöschte zuerst. Ob dieses Feuerwerk Satyre oder Zufall war, will ich ungesagt lassen.

Den 28. Juli.

Ich hatte Christian, unserem dänischen Diener gesagt, daß er mir ein Bouquet zu morgen kaufen sollte. Als ich in's Zimmer kam, hatte er es vergessen. Ich schickte ihn wieder darnach fort. Einige Zeit darauf kam er mit einem ganz kleinen Blumenstrauß für ein paar Kreuzer zurück: „Aber Christian,“ rief ich, „ich will ein ordentliches, großes, schönes Bouquet zur Geburtstagsfeier meiner Frau.“ — „„Ja, ich kann schon so einen bekommen, aber der ist sehr theuer, der kostet vier bis fünf Gulden!““ — „Gleichviel, was er kostet! fort!“ — Nun ging er wieder fort und kam nach einer halben Stunde mit — einem Busch künstlicher Rosen von Leinwand oder Seide und überreichte ihn mir: „Nein, Christian, daß ist doch zu toll, hast Du mich denn noch nicht verstanden? Hast Du dein Dänisch oder all das Französich und Deutsch vergessen? Einen Blumenstrauß, einen schönen, großen, lebendigen Blumenstrauß will ich haben, um ihn dort auf der Kommode in's Wasser zu stecken!“ — Nun ging er wieder. Nach einer Viertelstunde kam er endlich mit einem großen Bouquet zurück. Aber die Blumen hatten keine langen Stiele. Es waren lauter kleine Sträußer, welche an einem hölzernen Stiel zusammengebunden waren, und zwar einen großen, aber hölzernen, steifen Strauß bildeten, gleich einem Federstutz auf einem Czako. Nun war nichts Anderes zu thun, als ihn wieder aufzumachen, und sich so gut als möglich damit zu behelfen. „Hol mir ein Glas!“ Er brachte mir eine kleine Medicinflasche. „Ein großes Glas!“ Er brachte ein Bierglas. „Taugt nichts, es muß ein Einmacheglas oder dergleichen sein.“ Er blieb etwas lange fort; ich machte mir alle möglichen Vorstellungen, was er nun bringen würde und staunte, als er mit einem großen, schwarzgeräucherten irdenen Gefäße ankam, noch darüber, daß es nicht schlimmer ausgefallen war. Nun lief ich verzweifelt auf den Vorsaal hinaus, und als ich daselbst einen Blumentopf mit Erde angefüllt fand, reinigte ich ihn, verklebte das Loch mit Sieglack, wickelte weißes Papier um den Topf, schrieb hübsch mit großen Buchstaben „den 28. Juli 1817“ darauf, setzte den Blumentopf auf den Tisch, — und hatte nun endlich nach vieler Mühe und Beschwerde einen kleinen Altar meiner Christiane zu Ehren zu Stande gebracht.

Ein Magnetiseur.

Capitain Wocher, ein herrlicher Mann, sprachkundig, Kunstkenner, Gelehrter, witzig, Satyriker, munter in Gesellschaft, treuer Freund, tapferer Soldat, veranstaltete daß wir einen Doctor Tschöppholz besuchen sollten, der sich viel mit dem sogenannten thierischen Magnetismus abgiebt. Wir besuchten deshalb erst den Doctor in Hitzing auf seinen Sommersitz. Als Landsitz betrachtet, war er etwas traurig. Er hatte ihn selbst, wie er sagte, nach seiner Idee bauen lassen. Das Haus war hoch und eng, die Treppe schmal, die Zimmer klein, es gab viele Winkel, und die Wände waren absonderlich gemalt. Um die Aussicht zu sehen, führte uns der Doctor an ein kleines Fenster, von wo aus man mühsam auf das Dach klettern mußte. Innerhalb auf dem Boden stand ein Automat, ein Gespenst mit einer Trommel. Ich hätte ihn gern seinen Triller schlagen hören, aber da der Doctor sich beklagte, daß er ihn nie aufziehen könne (es war ein Uhrwerk im Automat), ohne daß ihn die Kinder gleich austrommeln ließen, so durfte ich nicht darum bitten. Mitten in dem Wohnzimmer stand ein Spielzeug von gebranntem Thon mit einer Kugel, die man durch mehrere Schneckengänge fallen lassen kann, und die dann in numerirte Löcher fiel. In der Mitte war ein Herz: Das war die beste Nummer. Ich versuchte mein Glück und meine Kugel fiel heuresement mitten ins Herz. Der Doctor ist ein kleiner, melancholischer, ernster, sanfter, magerer Mann mit scharfen eingefallenen Augen und einer spitzen Nase. Er ist Leibarzt bei dem Fürsten Esterhazy. In seinem Garten hingen die Weinranken wie Bohnen an den Stangen; Geröll lag in den Gängen. All' dies gab mir eine vortheilhafte Meinung von dem Mann als Magnetiseur; denn es war deutlich, daß er ein Gelehrter sei, der nicht so auf das Aeußere achtete, und daraus schloß ich, daß er sich viel mit dem Innern beschäftigte, was denn auch der Fall sein soll. Seit Mesmer's Zeit beschäftigte er sich unablässig mit Magnetismus. Er soll ein sehr guter Mann sein, ein sehr tüchtiger Arzt, er ist fromm und religiös; Wocher und ich fanden, daß er etwas Stilldurchdringendes in seinem Gesicht habe. Wir nannten ihn zum Scherz unter uns den Zauberer, und betrachteten den melancholischen Lustsitz als eine Vorhalle zum Heiligthum. Wir sprachen aus Bescheidenheit diesmal nichts vom Magnetismus, als beim Abschied, wo ein alter Herr kam, der seine Tochter magnetisiren lassen wollte. Nun äußerten wir unsern Wunsch und Doctor Tschöppholz versprach, ihn in einigen Tagen zu befriedigen.

Eine Woche darauf lud er uns eines Vormittags ein, ihn in seiner Wohnung in Wien zu besuchen. Wir traten in ein Zimmer voller Bücher, christlicher Bilder an den Wänden, und in einem Winkel stand ein großer brauner Lederstuhl mit Eisenketten und eisernen Spitzen. Wir fanden einen vierschrötigen, rothwangigen, starken Mann bei ihm, der geradezu und, wie es schien, ganz gesund war. Er war ein Chirurg, der die Gabe besaß, in hohem Grade und mit solcher Leichtigkeit magnetisch clairvoyant zu werden, daß der Doctor ihn über 4000 Mal gebraucht hatte, um von dem Zustande der Kranken zu sprechen, und Rath zu ertheilen, wenn sie zugegen waren. — Ich hatte kurz zuvor die von Eschenmeyer herausgegebene Zeitschrift gelesen, in der documentirt wird, daß der Magnetismus keine Einbildung sei. Zwei Menschen haben in Württemberg, der Eine vier Jahre, der Andere neun Monate, den Tod des Königs vorausgesagt, und viele hatten ihren innern Krankheitszustand vorherbestimmt, hatten vorhergesagt, wie lange die Krankheit währen würde, hatten im Dunkeln Worte mit der Herzgrube gelesen u. s. w. — Als wir etwas zusammengesprochen hatten, setzte sich der Chirurg in einen Stuhl, und während eines gleichgültigen Gesprächs mit uns, magnetisirte ihn der Doctor mit einer Eisenstange, die er theils nach seiner Stirn hin bewegte, theils in Zirkelbogen um ihn gehen ließ; zuweilen berührte er ihm die Herzgrube mit den Fingerspitzen. Es dauerte nicht lange, so fing der Chirurg an zu gähnen, sich im Kopfe zu kratzen, sich zu strecken, zu zittern, gähnte dann wieder, und verfiel darauf in Schlaf, der unverkennbar ein wirklicher war. — „Nun ist er fort,“ sagte der Doctor, „nun können wir die größten Geheimnisse zusammen sprechen, er hört nichts, außer was ich mit ihm spreche.“ — Ich bat den Doctor den Kranken um Gotteswillen nichts über mein Schicksal sagen zu lassen. — „Beruhigen Sie sich,“ sagte der Doctor, „er kennt nun die Gefühle ihres Herzens, und sagt Ihnen nichts Unangenehmes.“ — Als er dies äußerte, streckte der Somnambule seine Hand gegen mich aus, und der Doctor, der bisher gleichgültig mit mir gesprochen hatte, fing an mich mit freundlichen Augen zu betrachten und sagte: „Sie gefallen ihm; er wünscht in Verbindung mit Ihnen zu stehen, reichen Sie ihm Ihre Hand!“ — Ich reichte sie ihm nicht, ohne etwas zu zittern. — „Wie finden Sie jetzt die Gemüthsstimmung dieses Herrn?“ fragte er. „„Weich,““ antwortete der Somnambule. Bei diesen Worten rollte eine Zähre von seinen Wangen herab, die der Doctor abwischte und sagte: „Er weint, Ihre Gegenwart ist ihm angenehm!“ darauf fragte er wieder: „Ist dieser Herr aus Eifer für die Wissenschaft, und um den Magnetismus zu studiren hergekommen?“ — Der Somnambule: „Nein, bloße Neugierde!“ — Der Doctor: „Wie finden Sie den Gesundheitszustand dieses Herrn?“ — Der Somnambule: „Vollkommene Gesundheit. Er muß sich nur vor dem Zorn hüten.“ Während ich nun an diese eigenthümliche Sache denke, erröthete ich plötzlich. Da sagte der Somnambule: „In diesem Augenblick schlägt sein Puls zehn Mal schneller, als gewöhnlich.“ Der Arzt fühlte an den Puls, und dieser ging noch sehr stark. — „Ist das Krankheit?“ fragte der Doctor. Der Somnambule: „Nein, es ist nur die Einbildungskraft, die ihn erhitzt.“

Als der Doctor ihn fragte, ob Wocher auch käme, um zu sehen, was es für eine Bewandtniß mit dem Magnetismus habe, lächelte er und sagte: „Er hat es ja schon einmal gesehen.“ Wocher stutzte, es war richtig, obgleich es nicht hier geschehen war. — Ich bat den Doctor, den Mann wieder in seinen gesunden Zustand zu versetzen; er strich nun wieder nach der entgegengesetzten Seite hin, hauchte nun wieder die magnetische Materie von seiner Stirn fort, und es währte nicht lange, so gähnte er, streckte sich, öffnete die Augen, lächelte und erhob sich, ohne zu wissen, was vorgegangen war. Diesen Auftritt habe ich gesehen und glaube nicht, daß man Komödie mit mir gespielt hat.

Unter den Gelehrten Wiens habe ich noch die Bekanntschaft des Baron Hormayr gemacht, der das Beste geschrieben hat, was über österreichische Geschichte existirt. Es ist ein lebhafter Mann, der die Poesie liebt.

Abreise von Wien.

Der Abschied ist ein Anspannen des Lebensfadens nach zwei entgegengesetzten Seiten, wodurch der Knoten der Liebe fester geschürzt wird. Wenn es auf unsere Kleider regnet, so weckt der Regen wieder jenen schlummernden Duft des aromatischen Parfüms, den wir früher darauf gegossen haben. So auch die Abschiedszähre auf dem Gewande des Lebens. Ich kann also auch Jeanpaulisiren.

Sowie man Wien verläßt und nach Böhmen hineinkommt wird die Aussicht weniger schön. Es ist gut, daß wir die Sonne im Rücken haben. Auf dem Wege stehen oft schöne Eubischbaum-Alleen. Vorgestern Abend kam ich an einen Teich, wo das braunrothe Rindvieh darin umherwadete und trank, während die Abendsonne auf ihr rothes Fell schien. Dies ließ mich an die schönen niederländischen Bilder denken. Es ist herrlich, eine solche ehrbare Kuh in Abendroth stehen zu sehen, besonders wenn sie hoch steht, daß der blaue Himmel den Hintergrund bildet. Die Frauen schneiden das Korn hier mit Sicheln; wenn solch ein großes schönes Mädchen an mir vorüberging, glaubte ich Ceres in eigener Person zu erblicken. Gestern früh ging ich ein hübsches Stück in der Sonne, ich kam in die Nähe eines Waldes und gerade vor mir murmelt eine Quelle. Ich setzte mich an einen Tannenbaum hin und erwartete den Wagen. „Schöne Natur,“ dachte ich, „wie erfreut es den Dichter, dich zu sehen.“ Und mir schien es, als ob die Natur antwortete: „Und mich freut es oft von einem Dichter gesehen zu werden.“

Dresden. Weber. Böttiger.

Dresden kannte ich kaum wieder, obwohl ich elf Jahr vorher mich drei Monate dort aufgehalten hatte. Es lagen so unzählige Vorstellungen zwischen der damaligen und jetzigen Zeit, daß sie einen großen Theil der Erinnerungen verwischt haben. Das heißt in Bezug auf Straßen, Märkte u. s. w., denn auf der Gemäldegalerie war ich gleich wieder heimisch. Und kaum war ich ein paar Tage hier gewesen, so fiel es wie ein Nebel von meinen Augen, und ich wunderte mich, daß ich nicht besser Bescheid gewußt habe.

Ich wußte, daß ich von dem Kreise, der mir das erste Mal so lieb war, nämlich von der Körnerschen Familie, zu der ich täglich als Hausfreund kam, nicht einmal Ueberreste finden würde, denn der alte Körner war mit seiner Frau nach Berlin gezogen, nachdem er einen solchen Sohn, wie seinen Theodor, eine Tochter wie seine Emma verloren hatte.

Der erste, mit dem ich hier am Mittagstisch im „goldenen Engel“ Bekanntschaft machte, war der Capellmeister Maria von Weber, der sich meiner aus Stuttgart v. J. 1809 erinnerte. Er ist ein beredter, witziger und freundlicher Mann. Er führte mich in die Vorlesung des Hofrath Böttiger, über die Kunst des Alterthums. Der alte muntere Böttiger empfing mich freundlich, umarmte und küßte mich mehrmals mitten im Auditorium vor allen Zuhörern, wodurch ich etwas verlegen wurde; darauf bat er mich Platz zu nehmen und begann. Ich hörte eine Vorlesung von ihm über die verschieden Arten, wie die Griechen plastisch gearbeitet hätten; in Erz, gebranntem Thon, Marmor und endlich, was man für das Wichtigste und Schönste hielt, in einer Verbindung aller harten Stoffe, die (weil Gold und Elfenbein das Wichtigste dabei waren) Chryselephantine genannt wurde. Er ließ das Bild einer Minerva umhergehen, an welchem man sah, daß das Nackte Elfenbein gewesen war, der Panzer und Helm Gold, und das Gewand schöne Blumenemaille, im Uebrigen Alles reich mit Edelsteinen besetzt. Wie die Zusammensetzung gemacht wurde, darüber sind die Gelehrten noch uneinig.

Dresden. Sammlungen.

Das grüne Gewölbe habe ich gleich den ersten Nachmittag, den ich hier war, besucht, und wunderlicherweise sah ich es das letzte Mal, als ich in Dresden war, gar nicht, wahrscheinlich aus dem Grunde: Du kannst es ja noch immer zu sehen bekommen. Aus solchem Grunde geschieht oft Vieles nicht. In diesem Bewußtsein mochten wohl einmal drei Berliner von ihrer Vaterstadt aus nach Potsdam gereist und mit der Post zurückgefahren sein; dann stiegen sie in einem Wirthshaus ab, und ließen sich von einem Lohnbedienten alle Merkwürdigkeiten der Stadt zeigen.

Endlich bekam ich es doch überdrüssig alle diese Seltenheiten zu sehen. Es ging mir wie Morgiane unter alten „Demanten und Smafiren.“ In Mahomed's Turban nimmt sich ein schöner Smaragd, auf dem Busen der Favoritin ein schöner Rubin herrlich aus, aber wenn man sie in den Schränken in Reihen da liegen sieht, so macht es nur den halben Eindruck. Diese Edelsteine entbehrten des Schimmers der wunderbaren Lampe, und ich war philiströs genug, mir das Geld für einen einzigen Diamanten in meine Tasche zu wünschen. Dann mögen, dachte ich, die Andern meinetwegen alles Uebrige behalten!

Dresden. Die Gemäldegalerie.

Die Gemäldegalerie habe ich in diesen Tagen fleißig besucht. O wie erfreut es doch, etwas Herrliches und Schönes wiederzusehen! Es ist ein zwiefacher Genuß: die Gegenwart und die Erinnerung! Hier ging ich vor elf Jahren umher, und empfand eine Ahnung, was Kunst sei. Ich hatte oft die Madonna Raphael's besucht, die trotz des schmutzigen Rauches, der sie zum Theil verschleiert, frisch in ihrer Schönheit mit dem Kinde auf dem Arme emporsteigt, wie ich sie in meinem Mönchsbruder besungen habe. Ich besuchte meine bunten Correggiobilder, die aussehen, als ob sie gestern gemalt seien. Die Arbeiten aus jener ersten Zeit sind die poetischsten. Es war mir ein eigenes Gefühl, vor diesen Gemälden zu stehen, die ich nicht gesehen, nachdem ich Correggio geschrieben. Rubens bewunderte ich stets halb im Vorübergehen. Das Flüchtige und rasch Gemalte muß flüchtig und rasch betrachtet werden. Van Dyk hat seine Bilder oft wahr ausgeführt, hat aber nicht Rubens' Genie und Erfindung. Rembrandt bewundere ich als einen poetischen, höchst genialen Schornsteinfeger. Seine Bilder haben immer die Schornsteinfarbe; aber er weiß ihnen mit wenigen leichten Partien eine starke Wärme, ja sogar Feuer zu geben, wie die Kohle auf dem Heerde. Seine (Schweine-) Hirten-Idyllen oft aus der biblischen Geschichte, tragen das Gepräge tiefer Wahrheit. Wenn man den rechten Gegensatz zu Rembrandts romantischen Kohlenbrennerscenen haben will, so gehe man hin und öffne die Glasschränke zu Van der Werft's Bisquit- und Porzellanboutiquen. Das ist fein gemalt, wie die Leute zu sagen pflegen. Doch kann man nicht leugnen, daß Van der Werft Grazie, ja zuweilen selbst Physiognomie in den ausgeführten Formen hat; aber er hat größtentheils vergessen, seinen Emailestücken einen lebendigen Geist einzuhauchen. Von Murillo hängt nur eine Madonna mit ihrem Kinde da. Titian's Venus liegt auf ihrem Lager, aber ich finde sie gar nicht schön. Von Michel Angelo ist hier nur ein tüchtiger, starker, nackter Jüngling in Fesseln, der lebendig verbrannt werden soll. Aber er sieht mit einem eigenthümlich vornehmen und wilden Blicke zum Scheiterhaufen hin, indem er sein Antlitz halb hinter dem Arme verbürgt, als ob er sagen wollte: Diese dumme Behandlung ist unverständig und unverschämt, aber sie ist bald überstanden. Niederländische Gemälde sind in Menge hier. Eins der liebsten ist mir Holbein's Madonna, vortrefflich conservirt. Sie steht mit dem Jesuskinde auf dem Arm, und der Bürgermeister kniet ehrlich und gutmüthig vor ihr, in seiner altdeutschen Tracht, lauter Portraits, außer Maria und dem Kinde. Ich finde es schön sich so auf fromme Weise ein Familienbild malen zu lassen.

Dresden. Theater.

Der bekannte Dichter, Herr Kind, hat ein Stück geschrieben: Van Dyk; worin viel Schönes und Anmuthiges vorkommt, obgleich dass Ganze etwas lose und weitläufig[5] und die Katastrophe unmotivirt ist.

In diesem Stücke hat der Dichter Gelegenheit gegeben, viele Bilder von Rubens, Ostade und Tenniers auf dem Theater darzustellen, was eine gute Wirkung hervorbringt und die Dresdner amüsirt, die ihre liebe Gemäldegalerie wiedererkennen.

Ich habe Ludlam's Höhle bei Böttigers vor Mehreren vorgelesen; sie machte auf meine Zuhörer Eindruck, und der Regisseur, Herr Helbig, hat die Absicht, das Stück auf die Bühne zu bringen.

Heute Abend spielt man mir zu Ehren Axel und Valborg mit einigen nothwendigen Abänderungen. Ich war auch bei der Schauspielerin Madame Schirmer, welche mir einmal die Ehre erwies, auf einem Declamatorium mein Bild zugleich mit dem Göthe's zu bekränzen. Sie wird die Valborg spielen.

Dresden. Axel und Valborg.

Es waren dieselben Veränderungen vorgenommen wie in Wien. Das Stück wurde gut gegeben, und die Vorstellung gefiel; aber ich erkannte auch die Ursache, weshalb Madame Schirmer früher wenig Eindruck in dieser Rolle gemacht hatte, als man vermuthete. Sie glaubte das ganze Stück hindurch Valborg's Tod vorbereiten und motiviren zu müssen; als ob ein Wurm heimlich an ihr nagte von dem Augenblick an, wo der Ring in Harald Gille's Grab fällt. Das ist richtig; nur darf man sich nicht durch Valborg's Worte, die sie an Axel richtet, irre leiten lassen, und glauben, sie sei ruhig oder resignirt, und dies selbst in der Trennungsscene im dritten Acte. Zeigt Valborg sich äußerlich zu ruhig, so bleiben die Zuschauer kalt, denn auf dem Theater kann man das Innere nur durch das Aeußere sehen. Die Hauptsache ist außerdem nicht Valborg's Tod — sondern das Poetische besteht in der schönen Schwärmerei der jungen Leute und ihrem rührenden Unglück. Damit dies zum Herzen gehen soll, muß Valborg kräftig, voller Feuer und Gefühl sein; sie will Axel durch ihre Worte beruhigen, und merkt nicht, daß sie ebenso sehr des Trostes bedarf, wie Er und daß sie sein Schicksal theilt. Ohne dieses Feuer könnte Valborg auch nicht zuletzt so in der Kirche träumen. Es ist auch unnatürlich, sich Valborg's Tod in der kurzen Zeit motivirt zu denken. Valborg stirbt vom Schlage getroffen. Die Zeit kann sie nicht hinzehren, abgesehen davon, daß dieses Zehren, wie kurz man es auch darstellen mag, etwas Unschönes hat, das womöglich vermieden werden muß. Und das habe ich auch immer gethan. Es ist ganz unrichtig, wenn man sich Correggio als einen Siechen denkt, der die ersten vier Acte hindurch ächzt und im letzten unterliegt. Die kleine innere Wunde, die vor Kurzem geheilt war, öffnet sich durch seine Heftigkeit und er fällt gerade, weil er so unvorsichtig lebhaft, bewegt und leidenschaftlich gewesen war. Alles muß Feuer und Leben sein, sowohl bei Valborg als Correggio.

Ich muß hier noch eine Anekdote von Helwig erzählen, der den Wilhelm vortrefflich spielte und Regisseur des Theaters ist. Er hatte den Abend vorher wegen Axel und Valborg einen Schreck gehabt. Als er ausgekleidet war und ins Bett gehen wollte, fiel es ihm ein, daß er den Theaterzettel nicht richtig geschrieben habe; sondern daß auf der Correctur Erland Erzbischof statt Kanzler stehe. Da nun dieser Fehler zum größten Skandal Veranlassung gegeben hätte, da die katholische Geistlichkeit in Harnisch gerathen, das Stück in Zukunft verboten — Helbig vielleicht bestraft worden wäre — ward es ihm heiß im Kopf und er schickte sein Mädchen sogleich in die Druckerei. Aber als sie unverrichteter Sache zurückkehrte (Alle waren bereits im Bett), so lief er selbst hin; klopfte den Setzer heraus, ging mit ihm in die Druckerei und sah nun — daß er gegen Schatten gekämpft hatte und daß wirklich auf dem Zettel Kanzler und nicht Erzbischof stand. Froh und leicht ums Herz ging er nach Hause, kleidete sich aus, legte sich ins Bett und schlummerte süß.

Dresden. Katholischer Gottesdienst.

Ich habe in der katholischen Kirche schöne Musik gehört und freute mich in dem freundlichen hellen Gebäude zu sitzen, das, ohne gerade schön zu sein, etwas sehr Belebendes hat. Wenn der Schweizer sich nur nicht immer so viel Mühe gäbe, die Männer von den Frauen zu trennen und Jeden auf eine besondere Seite zu treiben. Es kommt mir so vor, als ob der jüngste Tag wäre, wo die Böcke von den Schafen getrennt werden. Lehnt sich Einer unvorsichtiger Weise an eine Säule oder Wand, so kommt er auch gleich und klopft ihm auf die Schulter. Er macht den meisten Spectakel in der Kirche aus lauter Eifer für die Ruhe, — und ich dachte an die Geschichte von den acht Männern, die Einen in das Getreide trugen, damit dieser nicht die Saat zertrete. Ein schönes Altarblatt von Raphael Mengs schmückt den Hintergrund der Kirche.

Wieland und der Kurfürst.

Von der Kirche führt ein verdeckter Gang zum Schlosse, durch den die königliche Familie mit dem ganzen Gefolge nach dem Gottesdienste geht. Dieser ist immer voll von Menschen und ich war jetzt auch einmal da, wie vor elf Jahren. Mir war es als ob es gestern gewesen wäre; so ganz gleich schien mir der Anblick. Es macht einen wunderbaren Eindruck, eine so schöne, große katholische Kirche mitten in dem Lande zu sehen, von dem die Reformation ausging. In Bezug auf die kurfürstliche Familie und den bedeckten Gang muß ich eine kleine Geschichte erzählen. Zur Zeit, als Wieland in seiner höchsten Blüthe stand, war er einmal nach Dresden gekommen. Einer seiner Bewunderer am Hofe, vielleicht der Marschall, hatte große Lust, ihn dem Kurfürsten vorzustellen, da aber Wieland nicht den dazu erforderlichen Rang hatte (er ließ sich nicht wie Göthe, Schiller und Herder adeln), so ging es nicht an, ihn an den Hof zu bringen. Hier dagegen auf dem Gange zur Kirche glaubte sein Beschützer wohl, daß es sich machen ließe. Als also der Kurfürst vorüberging, faßte ihn der Andere bei der Hand und stellte ihn vor. Der Kurfürst stand einen Augenblick still und blätterte im Buche seines Gedächtnisses, ob es anginge, daß ein Kurfürst mit einem Poeten auf einem öffentlichen Wege spräche; da er aber wahrscheinlich kein Beispiel hierfür fand, ging er weiter, ohne von Wieland Notiz zu nehmen.

Obgleich wir mit Extrapost reisen, geht der Wagen durch den brandenburger Sand doch wie bei einem Leichenzuge, und will man sich eine richtige Vorstellung von unserer Fahrt machen, so denke man sich eine Kalesche mit Koffern und drei Menschen auf ein Pflug gesetzt, man denke sich vor diesen Pflug vier magere Gäule gespannt, und daß es fast überall Schritt vor Schritt geht; so hat man eine Idee von unserer Fahrt von Dresden nach Berlin.

Ein zudringlicher Gast.

In einem Kruge hier in der Nähe ist jüngst eine hübsche Geschichte passirt. Ein Elephant hat die Ehre für den Augenblick das dresdener Publikum zu unterhalten. Da nun Elephanten auf ihren eigenen dicken Beinen einherschreiten müssen, so begab es sich, daß benannter dicker Fleischklumpen nach langsamer Wanderung mit seinem Herrn eines Abends bei diesem Bauernkrug ankam, wo man ihn, wie jedes andere Pferd, an den Schlag anband. Im Kruge saßen die Bauern, spielten bei Licht Karten, rauchten Tabak, tranken Branntwein, zankten sich, und gewannen einander das Geld ab. Der Elephant mußte dies lustige Treiben innerhalb der hellen Fenster bemerkt haben, während er selbst draußen in der finstern Nacht melancholisch stehen, und den großen Wagen und das Siebengestirn angähnen mußte, und da er sie Karten spielen sah, hatte er wahrscheinlich Lust bekommen, daran Theil zu nehmen; er erhob also mit philosophischer Ruhe seinen Rüssel, zerbrach mit Leichtigkeit die Scheiben und das Fensterkreuz, steckte den Rüssel ins Zimmer und wühlte umher. Man stelle sich vor, was betrunkene Bauern geglaubt haben müssen, indem sie so plötzlich mitten in ihrem Landsknecht durch eine so ungeheure Schlangengestalt gestört wurden. Als der Wirth hereinkam und sie Alle schreiend über einander liegen sah, hatte er alle seine Geistesgegenwart nöthig, um ihnen aus der Naturgeschichte zu beweisen, daß es nicht der Satan sei, der sie (nach ihrem eigenen wiederholten Verlangen) hole, sondern ein unschuldiger Elephant, der mit ihnen spiele; der nur Gemüse, und weder Ochsen- noch Bauernfleisch fräße.

Fahrt durch die Haide.

Wir fuhren durch lauter Haideland, wo nichts war, als Sand, Sonnenstrahlen und Fliegen. Von einzeln stehenden Büschen am Wege brachen wir Zweige ab, womit wir unsere Pferde bedeckten, um sie etwas zu schützen; denn mit den gestutzten Schweifen, mit denen sie unablässig umherschlugen, konnten sie sich nicht selbst vertheidigen.

Der Abend war schön, und nun kamen wir plötzlich zu einem herrlichen kühlen Nußwald, wo die Früchte in den Zweigen uns winkten. Wir stiegen ab, und pflückten unsere Mützen voll von den noch nicht ganz reifen, aber doch wohlschmeckenden Früchten.

Weiterhin kamen wir an einen kleinen Tannenwald, wo die wenigen Brombeeren, die wir im Gebüsch fanden, uns erfrischten.

Um Ein Uhr gelangten wir an eine Station. Als ich auf dem Sopha lag, halb im Schlaf mein Butterbrod aß, das ich mit einem kleinen Hunde theilte, den ich von seinem Lager verjagt hatte, um selbst darauf zu liegen, kam Christian ganz bleich herein und sagte: „Wir können heute Nacht nicht weiter reisen; draußen auf dem Wege liegt ein armer Mann, der todtgeschlagen ist und jämmerlich stöhnt. Der Hausknecht und der Postillon haben eine Laterne angezündet, und sind hinausgegangen, zu sehen, wie es steht!“ — Ich lief zur Thür hinaus, die Leute kamen aber gleich zurück und sagten, daß es ein armer, kranker Mann aus einem der Nachbarhäuser gewesen sei, der gestöhnt habe. Je weiter wir fuhren, destomehr Pferde bekamen wir. Erst hatten wir zwei, dann bekamen wir drei; nun mußten wir vier nehmen und der Postmeister sagte, wir sollten eigentlich fünf bekommen, aber weil wir es seien, sollte es bei vier sein Bewenden haben. Hätten wir die Ehre mehr als das Geld geliebt, so hätten wir wohl mit sechsen fahren können.

Der Wagen ging, wie gewöhnlich, etwas entzwei. Im Ganzen hat er, was den Rumpf anbetrifft, eine gute Gesundheit, aber die Räder und die Stange kränkeln zuweilen. Hier zerriß ein Riemen. Glücklicherweise hatten wir eine eiserne Kette, mit der wir uns behalfen, bis am andern Morgen der Riemen wieder hergestellt war.

In einer kleinen Stadt stieg ich vom Wagen und eilte zu einem armen Barbier, um mich rasiren zu lassen. Die Frau gab dem schwachen abgezehrten Kinde — Kaffee. Armuth und Elend herrschte in allen Winkeln. Der Mann sah bleich und finster aus. Als er mir das Messer an's Kinn setzte, dachte ich: Du bist hier wildfremd! Weder Bertouch noch Christian haben gesehen, wo Du hingegangen bist. Du hast alles Reisegeld in einem Gürtel um den Leib. Wenn nun der Mann dies vermuthete, in der Verzweiflung wär, dir den Hals abschnitte und deine Leiche in einen abgelegenen Brunnen würfe? Mit diesen Gedanken blickte ich ihm starr in die Augen, um ihm zu imponiren, wenn er etwas Böses im Sinne hätte. Als er fertig war fühlte ich mich ihm unsäglich verbunden und steckte dem kleinen Kinde einen Thaler in die abgezehrte Hand. Die armen Leute dankten innig, und ich schämte mich, daß ich dergleichen hatte denken können. Aber ich dachte es eigentlich auch nicht, es war nur ein Spiel der Phantasie. Wenn ein Dichter die Phantasie nicht spuken und träumen lassen könnte, ohne davon ergriffen zu werden, so wäre es schlecht mit ihm bestellt.

Am nächsten Tage kamen wir, nachdem wir die Haiden durchpflügt hatten, an einen schönen See, wo wir die Pferde beneideten, daß sie sich im frischen Wasser abkühlen konnten. Wir kamen wieder an Brombeerhecken vorüber. Da stand eine Frau, die einen großen irdenen Topf voll gepflückt hatte. Statt auszusteigen und sich welche mit eigener Hand zu pflücken, fand Bertouch es bequemer, der Frau alle Beeren abzukaufen. Für vier Groschen bekam er die ganze Ernte. Ich fragte ihn, ob er wirklich die Absicht hätte, sie alle zu verzehren. Er schwieg lächelnd, nahm sie in sein Taschentuch, legte sie in den Schooß, streifte die Aermel auf und nun begann ein Beerenessen: eine Hand voll nach der andern in den Mund. Christian ahmte seinem Herrn nach. Da saßen sie, als ob sie als Kannibalen Hände in Blut getaucht hätten. Endlich sagte ich zu Bertouch: „Darf ich um meine Portion bitten?“ Und da er, wie immer, mir höchst gutmüthig und gastfrei die größte Hälfte gab, nahm ich sie, und warf sie mit den Worten zum Wagen hinaus: „Das ist ein Opfer, das ich Ihrem Magen bringe.“ — Später machte es mir Spaß, die beiden blutrothen Schlächter allmälig ganz dunkelblaue Hände, wie Färber, bekommen zu sehen. So machten sie in kurzer Zeit zwei Handwerke mit größter Leichtigkeit durch.

Ankunft in Berlin.

Welch wunderbares Gefühl, Berlin wieder zu sehen! Die ehernen Pferde über dem Brandenburger Thor haben unterdessen eine Reise nach Paris und wieder zurück gemacht.

Am zweiten Tag nach unsrer Ankunft ward ein großes Manöver in Großbeeren, zwei Meilen von Berlin, abgehalten; und darauf wurde die Hülle von einem großen eisernen Kreuze, einem Grabdenkmal für die gefallenen Krieger, abgenommen.

Eine Menge Menschen war hinausgegangen, um an dem Feste Theil zu nehmen. Aber da das Wetter nicht schön war und ich eben erst eine lange Reise gemacht hatte, fühlte ich nicht Lust, gleich wieder auszufahren, blieb zu Hause, und ließ mir von Bertouch erzählen, was er gesehen hatte.

Aufenthalt in Berlin.

Ich habe die Geheimräthe Pistor und Alberti besucht, besonders ihrer Frauen wegen, der Töchter Reichardts, die stets freundlich gegen mich gewesen waren. Pistor ist ein Sonderling, der so thut, als ob er mich nicht mehr kennt, das ist aber gleichgültig. Den Buchhändler Reimer besuchte ich in dem schönen großen Hause, das er jetzt besitzt. Schleiermacher wohnt bei ihm, befindet sich aber auf einer Fußreise. Bei Bernstorff's fand ich die gewöhnliche liebenswürdige Gastfreundschaft. Ich habe Göthe's Geschwister vortrefflich von Wolf und der Madame Stich darstellen sehen. Wolf und seine Frau, die Weimars Perle waren, sind nun in Berlin. Als ich Frau Wolf fragte, warum sie nicht in Weimar geblieben sei, antwortete sie: „Ich konnte es da nicht länger aushalten, Göthe ist ein großer Mann, aber ein kleiner Mensch.“ Bei Frau von Zschokke, Pistor's Schwester, fand ich die alte Freundschaft. Ich las da eines Abends Holberg's „Die Unsichtbaren“ aus demselben alten Exemplare vor, wie vor elf Jahren.

Ich habe meinen alten Freund Kienlen hier in Berlin wiedergefunden. Er ist arm, ohne Anstellung. Göthe's Claudine von Villabella, die er schon in Paris 1809 componirt hatte, soll nun hier bald aufgeführt werden. In Zelter's Singakademie und bei seiner Liedertafel bin ich auch gewesen. Er ist ein Mann von 60 Jahren und leitet diese Akademie mit Humor und Kraft. Man beschuldigt ihn grob zu sein und er ist nicht sonderlich beliebt, gegen mich war er sehr freundlich[6].

Berlin. Theater.

Ich habe Hoffmann's Bekanntschaft gemacht. Seine Märchen und Erzählungen sind trotz des Convulsivischen und Entsetzlichen, das zuweilen zur Manier wird, voll von poetischem Feuer, einer starken Phantasie und von Humor. Er ist Regierungsrath, klein, mager. Er zeigt in seiner Unterhaltung viel Verstand. Er ist auch ein guter Musiker, und hat Fouqué's Undine übersetzt. Er und der Buchhändler (später Kriminaldirector) Hitzig luden mich ein, mit ihnen in einer Restauration zu essen, wo ich auch Berlins größten Komiker, Devrient, fand. Ich habe ihn einen französischen Kammerdiener spielen sehen, der einen deutschen Kutscher unterrichtet und ihm bei einer Flasche Wein, die sie an einem kleinen Tisch zusammen trinken, imponirt. (Den Namen des Stückes habe ich vergessen.) Man kann sich nichts Lustigeres denken. Nie kann Prahlerei und ein albernes Wesen auf eine hübschere Art persiflirt werden; all die vornehmen Manieren carrikirt, und doch mit einer bewundernswürdigen, französischen Nonchalance.

Jüngst, bei Alberti's, disputirte ich mit dem Professor Buttmann über die wissenschaftliche Terminologie. Er sagte, sie sei nöthig; ich behauptete: Nein; man könne das, was man in seiner eigenen Sprache nicht klar auszudrücken vermöge, auch noch nicht klar denken. Gewisse Schattirungen des Denkens ließen sich freilich nicht aus einer Sprache in die andere übersetzen; aber gerade dieser Unterschied mache, daß mehrere und nicht eine Sprache existire; das konnte der gelehrte Grammatiker nicht leugnen.

Das Opernhaus ist sehr schön. Seitdem das Schauspielhaus abgebrannt ist, wird hier immer gespielt; aber kommt es nun daher, daß das Opernhaus mehr abgelegen, oder daß es Sommer ist, es ist sehr wenig besucht. Der Theaterintendant Herr Graf Brühl schickt mir jeden Morgen ein Billet zu einem Sperrsitz. Ich habe Unzelmann wieder gesehen. Er wird nun alt, ein herrlicher Komiker. Er besaß nicht Iffland's Feinheit und Portraitmalertalent, aber mehr komische Begeisterung und ein lustigeres Naturel. Er hatte die Gewohnheit, zuweilen ein paar Worte seiner Rolle hinzuzufügen. Dies wurde verboten, und man mußte Strafe zahlen, wenn man das Verbot übertrat. Einmal spielte man das kleine schöne Singspiel: Richard Löwenherz, wo die Prinzessin reitend zur Burg kommt. Das Pferd machte gefährliche Capriolen auf der Bühne nach dem Orchester zu, und Unzelmann, der mitspielte, ging hin, griff in den Zügel, hob drohend seine Finger und sagte: „Weißt du nicht, daß es verboten ist, in der Rolle Zusätze zu machen?“ — Ein starker Applaus belohnte diesen Witz, und Unzelmann bezahlte mit Freuden seine Strafe.

Unzelmann stand am Vormittag mit anderen Schauspielern auf der Bühne, nachdem zu Schiller's Räubern die Probe gehalten war, gerade als das Schauspielhaus zu brennen anfing. Als er nun das Feuer unter dem Dache bemerkte, winkte er den Anderen zu und sagte leise: „Still Kinder! das muß um Gottes willen geheim gehalten werden! Das darf Niemand wissen. Wir werden es wohl bald löschen können.“ Indessen wirbelten die starken Flammen bereits zum Dach hinaus, hoch in die Luft empor, und der ganze Markt war voller Menschen, die dem Brande zusahen. Die Schauspieler mußten eilen, um sich selbst zu retten.

Ich muß hierbei noch eine andere Geschichte erzählen. Ein Mensch hat am Vormittag ein Parterrebillet zur Vorstellung der Räuber genommen. Als nun das Schauspielhaus Abends 6 Uhr vernichtet war und noch in den Ruinen brannte, und ein Piquet Soldaten umherstand, um die Menschenmenge abzuhalten, kam der Mann, klopfte einem Soldaten auf die Schulter und wollte auf die Brandstätte, weil er ein Billet hatte.

Frau von Arnim. Brentano. Fouqué.

Bei Pistor's lernte ich Frau von Arnim, Brentano's Schwester, eine lebhafte, muntere Dame, trotzig, witzig, geistreich, beredt, scherzhaft und gutmüthig kennen. Wenn sie mit Männern spricht, so neckt sie gern; man muß auf jedes Wort achten das man sagt, damit sie sich nicht daran klammern kann; man muß lustig sein und sie wieder necken, dann lächelt sie vergnügt. Sie fragte mich, ob bei mir zu Hause auch Damen seien, die mir die Wahrheit sagen könnten. Ich antwortete ihr: „O ja! wir haben sehr vernünftige artige Damen in Kopenhagen.“ „„Aber,““ sagte sie, „„wenn sie alle so höflich und artig sind, wer sagt Ihnen dann das Nothwendige derb und grob?““ „O,“ antwortete ich, „wenn ich das zur Veränderung einmal von Damen hören will, so reise ich ins Ausland!“ „„Bravo,““ rief sie und brach in Gelächter aus; „„ich verzeihe Ihnen Ihre Unverschämtheit, es war eine gute Antwort.““ Arnim ist groß, blond, hübsch und sehr still. Er hat einen poetischen Geist, nur ist er in seinen Dichtungen etwas neblig und weitläufig; doch trifft man in seinen späteren Büchern, z. B. Berthold's erstes und zweites Leben viele schöne Schilderungen. Brentano, sein Schwager, wollte sich im Anfange gar nicht mit mir abgeben, aber als er mich später eines Abends bei Arnims sah, wo ich ein paar Acte aus Freia's Altar vorlas, fand ich Gnade vor seinen Augen und nun sind wir sehr gute Freunde. Er gleicht der Schwester. Mit vielem Witz spricht er von Allem, stellt Alles in ein barockes Licht, und findet leicht Fehler in Dem heraus, was man sagt; gesteht aber doch selbst, daß auch er ein sündiger Mensch ist. Er ist in der letzten Zeit etwas fromm geworden, glaube ich, ließ sich aber mir gegenüber nicht weiter darüber aus, weil er merkte, daß ich es nicht auf seine Weise sei. Er ist kaum mittelgroß, hübsch, aber ziemlich bleich und mager; das schwarze lockige Haar hängt ihm wild um den Kopf. Seine Augen mit großen Lidern sind braun, voller Feuer und unstet. Es ist keine Frage, daß er viel Geist und Talent besitzt; wenn er nicht zu negativ wäre und mehr Ruhe hätte, könnte er es gewiß weit bringen. Ich las ihm etwas aus meinem Evangelium des Jahres vor, das er sehr lobte; aber auf eine Weise die stets unangenehm ist; wenn nämlich der Richter nicht bloß einzusehen sondern auch zu übersehen glaubt, was er beurtheilt.

Vor Kurzem kam Fouqué sieben Meilen weit von seinem Gute her, um meine Bekanntschaft zu machen. Hoffmann bat uns, diesen Abend bei ihm zuzubringen und so hatten wir Drei nun wirklich einen echten Dichterabend. Fouqué ist ein offenherziger, freundlicher Mann, gutmüthig und mittheilend, er hat ein edles Herz und eine reiche Phantasie. Seine Undine, sein Galgenmännlein, der unbekannte Kranke, Ixion u. s. w. sind vortrefflich. Er ist meiner Ansicht nach am vorzüglichsten in seinen Märchen. Zu dem Dramatischen fehlt ihm die Aufmerksamkeit für die wirkliche Natur. Er träumt schön von Tapferkeit, Liebe und Alterthum. Man könnte etwas mehr Gedankenreichthum in seinen Werken wünschen und das Adelige spielt eine zu große Rolle darin. Er ist durchaus nicht beißend, polemisch oder satirisch, läßt alles Gute gelten und auch einen Theil Mittelmäßiges. Dänisch versteht er sehr gut; und hat die meisten meiner dänischen Werke in seinen Abendzirkeln Deutsch vorgelesen. Er ist nicht sehr groß, ziemlich stark, blond und hat krauses Haar. Hoffmann, ein burlesker, phantastischer Gnome, mit vielem Verstand, stand mit der weißen Schürze wie ein Koch da und bereitete Cardinal aus Rheinwein und Champagner. Der Pokal ging unablässig umher; wir erzählten uns einander kleine Geschichten und abenteuerliche Ereignisse, die entweder uns oder Anderen widerfahren waren. Unter Anderem kann ich folgende Novelle von einem Juden mittheilen, die Hoffmann erzählte.

Fouqué. Hoffmann.

Dieser Jude fühlte sich von den Wahrheiten der christlichen Religion überzeugt und ließ sich taufen. Kaum war er getauft, als er in jeder Nacht von seiner todten Frau beunruhigt wurde. Sie erschien ihm, rang ihre Hände, starrte ihn mit hohlen Blicken an, zeigte auf ihren Scheitel, und jammerte darüber, daß sie keine Ruhe im Grabe habe, weil sie nicht auch Christin geworden sei. Er veränderte seine Wohnung, aber sie verfolgte ihn, erschien ihm in jeder Mitternacht und verlangte der heiligen Taufe theilhaftig zu werden. Um der Unglücklichen Ruhe im Grabe zu schaffen, und um den Lebenden von der gräßlichen Erscheinung zu befreien, beschloß die Obrigkeit und die Priesterschaft, das Grab zu öffnen und die Leiche zu taufen, was denn auch geschah. Von diesem Augenblicke an ließ sich das Gespenst nicht mehr sehen, sondern fand eine selige Ruhe. — Aber nun kommt die Erklärung der Fabel: Kurz darauf bekam der Jude einen Proceß mit den Erben seiner Frau, die sie beerben wollten; aber da berief er sich darauf, daß seine Frau auch getauft sei und nun das Erbe ihm gehöre.

Hitzig. Körners.

Während wir bei solch' gräßlichen Erzählungen dasitzen und die Phantasie durch Cardinal erhitzen, wende ich den Kopf zur Seite und sehe — einen kleinen schwarzen Teufel — mit einem Horn auf der Stirn, und einer rothen Zunge aus dem Munde hängend, sich über meine Schulter beugen. Es war dies eine Marionettenpuppe, die Hoffmann gekauft hatte (er hat den ganzen Schrank voll), mit der er manövrirte, um mich in einem grausigen Märchen zu erschrecken. Einmal erzählte Fouqué etwas, und nun setzte Hoffmann sich ans Klavier, accompagnirte Fouqué's Erzählung und malte Alles mit Tönen aus, je nachdem es grausig, kriegerisch, zärtlich oder rührend war und das machte er ganz vortrefflich. Am nächsten Abend waren wir bei Hitzig, hier aber gerieth Fouqué über Tisch in ein langwieriges Gespräch mit einer Dichterin, welche wissen wollte, wie er es machte, wenn er dichtet. Es kam zu keinem Ende und es war mir unangenehm, indem ich dadurch seine Gesellschaft einbüßte. Er zeigte mir beim Abschied seinen Degen, auf welchem steht: Pour moi mon âme, mon coeur pour ma dame; oder etwas Aehnliches. Ich mußte versprechen, ihn zu besuchen, aber diesmal wird wohl nichts daraus werden.

Ich war bei den alten Körners. Er, seine Frau und seine Schwägerin haben sich fast gar nicht verändert, aber die Jugend im Hause ist todt. Als ich bei ihnen eintrat, brachen beide Frauen in Thränen aus; denn der Gedanke an Theodor und Emma erwachten wieder lebhaft in ihnen. Theodor Körner's kurzes Leben war schön und rührend. Ein junger begeisterter Tyrtäus für sein Vaterland, ein ehrlicher Kämpe. Wäre Friede gekommen, und er dramatischer Dichter geworden, so hätte er sich kaum auf dieser Höhe gehalten. Sein „Leyer und Schwert“ ist vortrefflich. Als Theaterdichter zeigt er keine besondere Anlage, sondern ahmt Schiller sehr in dem zu zierlichen Dialog nach, ohne doch die nöthige Kraft, Beweglichkeit und Humor in die Charactere und die Handlung zu legen.

Tieck.

Vor Kurzem kam Tieck von einer sehr forcirten Reise zurück. Er ist in England gewesen und hat in den alten Sagen von Shakspeare, seinem Theater und seinen Schauspielern umhergestöbert; hatte das Verhältniß erforscht, in dem Shakspeare zu den Dichtern seiner Zeit stand, was von Anderen geschrieben war, als und bevor er dichtete u. s. w. Dieses Buch kann sehr interessant werden. — Ich fand Tieck sehr verändert; er geht von Gicht gekrümmt an seinem Stocke und ist ziemlich stark geworden. Wenn ich mit ihm allein spreche, hat er ein freundliches Wesen, einen einnehmenden schalkhaften Blick und einen gutmüthigen aufrichtigen Ton. Was seine Ansichten betrifft, bin ich in Vielem anderer Meinung und erquicke mich mehr an seiner Poesie, als an seiner Philosophie. Er ist mir zu streng gegen die jetzige Zeit, und betrachtet das Mittelalter, sein Mönchswesen, Aristokratie und erste Kunstversuche mit allzu günstigen Augen.

Als er Canova einmal zu sehr herunterriß, wurde ich böse und sagte: „Canova ist ein ausgezeichneter, seltener Künstler, er ist kein Thorwaldsen, aber Silber ist gut, obgleich es kein Gold ist.“ Tieck meinte, daß er gar kein Bildhauer sei und sagte: „„Wenn Er Bildhauer ist, so weiß ich nicht, was ein Bildhauer ist.““ — „Das will ich Dir sagen,“ antwortete ich, „das ist ein Mann, der einen Stein mit einem Meißel behaut und schöne Bilder hervorbringt, und das hat Canova oft gethan.“ — Indessen kam es doch bald zu einem Vergleich, und als ich ging, sagte er mit freundlichen Blicken: „Nun sei nicht böse!“ — Bei Zschokke's hatten wir letzthin eine rechte Künstlermahlzeit, da waren Tieck, Schinkel, Arnim, Brentano und mehrere Andere. Es wurde Rheinwein getrunken und gesungen: „An grünen Bergen wird geboren“ und „Am Rhein, da wachsen unsere Reben.“ Zuletzt sang ich Dänisch, was die Anderen gern hörten. —

Ein talentvoller Barbier.

Da wir einmal vom Singen sprechen, muß ich eine komische Geschichte erzählen. Mein Barbier hörte mich letzthin des Morgens trällern und sagte: „Ach, der Herr Professor singen jewiß scheen.“ — „„Es geht,““ antwortete ich. — „Ich habe auch eene sehr jude Stimme,“ sagte er, indem er mich einseifte, „und Beschort hat mich vor 30 Jahren jesagd, deß ick een sehr jroßer Sänger hätte werden können.“ — „„Das hätten Sie thun sollen,““ entgegnete ich. — „I nun,“ sagte er, indem er mich bei der Nasenspitze faßte, „ick bin ja och so recht jlücklich.“ — Nach einer kleinen Pause fing er wieder an: „Ick singe den heegsten Diskant un den tiefsten Baß. Ick kann ooch Alt un Tenor singen. Woll'n Se hören?“ — Nun stieg er in die Fistel hinauf, wie der Küster Peter im Erasmus Montanus. — „Herr Gott, das war schön,“ dachte ich. — „„Ach, Herr Professor,““ fuhr er fort und frischte die Seife auf, „„woll'n Se nich ooch ä bischen singen, denn will ick secundiren.““ — „Mit Vergnügen,“ antwortete ich. Und nun fing ich, eingeseift wie ich war, sehr feierlich an: „In diesen heiligen Hallen,“ und er, indem er eifrig das Messer auf dem Lederriemen strich: „kennt man die Rache nicht.“ Wer herein gekommen wäre und uns so gesehen und gehört hätte, hätte sich zu Schanden gelacht.

Vor einigen Abenden las Tieck seine Uebersetzung: „Der Flurschütz von Greenfield,“ der sich in seinem altenglischen Theater findet. Er liest vortrefflich vor und hat echtes Schauspielertalent, besonders für das Komische. — Ich habe ihm die zwei ersten Acte von Ludlam's Höhle vorgelesen, mit denen er sehr zufrieden war. — Als ich jüngst mit ihm unter den Linden ging, begegneten wir einem sehr schönen, anmuthigen Mädchen, welches ihn erröthend grüßte, und ihn mit der innigsten Hingebung fragte, wie es ihm gehe. Sie wünschte ihm recht warm Gesundheit und langes Leben als sie ihn verließ, und ich konnte an ihrem Gruße und an der Wärme, mit der sie sprach, sehen, wie lieb sie ihn hatte.

Schinkel.

Mit Tieck besuchte ich den Baurath Schinkel, einen seltenen Architekten und Maler. Wir sahen mehrere seiner Landschaften, in denen der Gegenstand ebenso romantisch wie die Ausführung kräftig und schön ist. Wir fanden bei ihm auch die Frau Arnim. Tieck saß vor jedem Bilde in einem Lehnstuhle und betrachtete es außerordentlich lange mit großer Aufmerksamkeit und großem Ernst. Frau Arnim huckte sich vor den Bildern nieder, fing zu scherzen an, neckte mich wie gewöhnlich und fragte, ob ich mich auf Gemälde verstände; was für Ideen ich hätte u. s. w., Alles nur, um den gravitätischen Tieck zu stören, der sie von Kindheit auf kennt und nun halb böse, halb lächelnd wie ein Großvater schalt, weil sie so unruhig war und ihn in seiner Andacht störte.

Schinkel zeigte uns seine trefflichen Zeichnungen zu einer gothischen Kirche, so wie es vor ein paar Jahren der Plan war, sie hier zu bauen. Nun wird aber wohl nichts daraus. Die meisten der schönen Decorationen, die man auf dem Theater hatte, die aber nun leider beinahe alle verbrannt sind, verdankte man Schinkel. Besonders sollen die Decorationen zu Fouqué's Undine, von Hoffmann entworfen, vortrefflich gewesen sein. Kühleborn's Erscheinung und Undine's Geist in den klaren Springbrunnen sollen jede Erwartung übertroffen haben.

Ich habe einmal beim Grafen Brühl zu Mittag gegessen. Er hat einen schönen Garten, wo der Tisch unter einem Zelt in der Nähe hoher, schattiger Pappeln gedeckt war. Die Gräfin ist eine liebenswürdige, schöne Dame, voller Geist, und, was merkwürdig ist, liebt und zieht die deutsche Literatur der französischen vor, obgleich sie Französisch erzogen ist. Sie spricht auch sehr gut Deutsch und der leise Anklang des französischen Accents steht ihr gut.

Ich war auch ein paar Mittage in dem großen Garten bei dem Buchhändler Reimer, der nun nach Hause gekommen ist. In solch schönen Gärten vergißt man ganz, daß man sich in den Berliner Sandebenen befindet, denn der Thiergarten ist gar nicht schön. Auch in diesem habe ich einen Mittag bei dem General Helvig und dem jungen schwedischen Dichter Atterbom zugebracht. General Helvig ist ein rascher, lebendiger, gewandter Weltmann und Atterbom ein blonder, schwärmerischer Jüngling, dessen Anlagen zu den besten Hoffnungen berechtigen. Ich disputirte mit Helvig über den Magnetismus, gegen den er sehr stark eiferte und ihm jede Wirkung absprach; ich führte an, was ich bereits früher erzählt habe.

Ein Magnetiseur.

Professor Wolffhardt treibt hier den Magnetismus ins Große und hat eine ordentliche Fabrik für seine Patienten, die er alle mit Hülfe desselben curirt. Herr Muhr aus Kopenhagen, der sich auch auf diesen Zweig der Wissenschaft legt, führte mich in Wolffhardt's Laboratorium, einen großen, finstern Saal, voll von Herren und Damen, die stumm wie das Grab da saßen und sich selbst magnetisirten. Zwei große magnetische Säulen stehen in jedem Winkel des Saales; von diesen Säulen gehen dünnere Stahlstäbe aus. Nun setzen die Patienten sich in zwei Kreisen um die Hauptsäulen; jeder nimmt seine Stahlstange in die Hand, setzt sie auf die Herzgrube, und fängt nun an so lange darauf zu reiben, bis er in Schlaf fällt. Darauf führt der Professor die Schlummernden auf einige kleine Sophas, die sich an den Wänden hinter grünen Gardinen befinden. Und wenn nun Jeder in seinem Behältniß sitzt, so flüstert er ihnen, wie ein Beichtvater in einem Beichtstuhle, zu, und erhält Antwort. Uebrigens herrscht Todtenstille da, und Keiner spricht mit dem Andern ein Wort. Ich folgte Wolffhardt, und hörte ihn eine Dame Etwas über ihren Zustand fragen. Sie sagte: daß sie noch einige Wochen das Medicament gebrauchen müsse, das sie angefangen habe u. s. w. Es war nicht so amüsant, wie bei Tschöppholz in Wien. Hier waren mir zu Viele, es war nicht so zauberhaft, wie mit jenem einzelnen Clairvoyant; und mochte es nun daher kommen, daß ich mich an diese Vorstellung gewöhnt hatte, oder was es sei — kurz — ich hatte genug an dem einen Male und kam nicht öfter, obgleich der Professor so freundlich war, mir freien Zutritt zu erlauben, so oft ich wollte.

Professor Solger.

Ich habe einen Abend bei Frau Reichardt zugebracht. Ihre Tochter Sophie sang mir einige von den Liedern des Vaters vor und wir träumten uns nach Giebichenstein zurück. Hier traf ich den Professor Solger. Ich las ihm meine Romanze „der Walrabe“, die ich kurz vorher ins Deutsche übersetzt hatte, vor. Ich besuchte ihn ein paar Tage darauf mit Tieck. Der Mann interessirte mich als ein geschmackvoller Gelehrter. Seine Uebersetzung des Sophokles hatte ich sehr fleißig studirt und mich dadurch sowohl mit dem Trimeter, wie mit der musikalischen Schönheit des Chors und der effectvollen Anwendung der Anapästen und Spondeen bekannt gemacht. Aber ich merkte wohl, daß Solger nicht viel mehr für mich empfand. Er und Tieck lobten unablässig den verstorbenen Heinrich Kleist als einen großen Dichter, dessen Tod eine empfindliche Lücke in der deutschen Literatur zurückgelassen hätte. Darin war ich auch einig mit ihnen, denn ich achtete selbst dieses Talent sehr hoch. Dagegen konnte ich nicht ihren Enthusiasmus für die Tragödie „der Prinz von Homburg“ theilen, die mir zu preußisch ist, als daß sie recht poetisch sein könnte, und in der das Motiv „augenblickliche Feigheit“ eines sonst braven Officiers etwas Peinliches und Kleinliches hat. Solger war ein blinder Bewunderer Tieck's und nahm all' dessen Ansichten in seine Philosophie auf. In seinem „Erwin,“ den ich etwas später las, fand ich dies bestätigt. Ich ward in diesem Buche in eine Klasse mit Werner und Fouqué gestellt und als ein untergeordneter Dichter betrachtet. Aber daran bin ich bei den norddeutschen Literatoren gewöhnt (in Süddeutschland spricht man in einem andern Tone). Doch habe ich den Trost, daß Solger in seinem Buche mit Verachtung von Jean Paul's Aesthetik, einem Werke, spricht, das leben, beliebt sein und gelesen werden wird, so lange eine deutsche Literatur existirt. Solger ist fast schon vergessen.

Es that mir recht leid, mich so bald wieder von meinem guten Tieck, unleugbar einem der genialsten Dichter Deutschlands, und mit dem ich in so vielen Dingen sympathisire, trennen zu müssen. „Du bist mir zu sentimental,“ sagte er einmal zu mir mit freundlichem Lächeln. „„Ich weiß, daß ich Dir das sein muß,““ war meine Antwort. Ich hatte damals nicht Lust weiter zu antworten, sonst hätte ich gesagt: „„Und Du bist mir zu phantastisch.““

Ich erinnerte mich des Gesprächs, das ich einmal mit Werner hatte, als er die Hand auf meine Schulter legte und sagte: „Lieber Freund, Ihr seid mir gar zu gesund,“ und ich ihm antwortete: „„Lieber Freund, Ihr seid mir gar zu krank!““

Schleiermacher.

Ich war auch in der reformirten Kirche und hörte Schleiermacher predigen. Schleiermacher spricht durch den Verstand zum Herzen. Es scheint, als sollte es eine trockene, moralische Abhandlung werden; plötzlich verbinden sich all' die ruhig bewiesenen Sätze wie hohe Blumenstengel zu einem Tempel zur Ehre der Gottheit, in dessen Mitte der Altar der Liebe steht und seine Flamme mit dem Licht der Wahrheit vereinigt. Schleiermacher ist im täglichen Leben freundlich und witzig. Er hat in seinen Gesprächen Etwas von jener schönen sokratischen Ironie, die sich so gut mit dem höchsten Streben vereinigen läßt. Ich nahm im Beichtstuhl von ihm Abschied, wo er mit dem Küster stand, und das Geld zählte, welches im Klingelbeutel eingekommen war.

Mein Reisegefährte, Justizrath Wiedemann, ist ein sehr vernünftiger, einsichtsvoller Mann. Sein Fach ist die Naturgeschichte, und er war nach Berlin unter Anderm gereist, um einige Insecten zu erhalten. Hiervon trug er die besten aus dem Schooß, und es amüsirte mich, in den vielen freien Stunden, wenn der Wagen nicht allzusehr stieß, die schönen, blau und roth geschildeten Roßkäfer, die wunderlichen Hirschkäfer, die Nashörner, kleine coquette Gotteskühchen mit den Pünktchen zu sehen. All' die Armen waren lebendig gespießt, und der Insectenkasten war eigentlich eine große Richtstätte voller Galgen. Indessen saß er doch wie ein liebevoller Vater mit seinen kleinen lebendig gespießten Schooßkindern auf den Händen die ganze Reise hindurch, und wiegte sie, damit sie sich nicht stoßen sollten.

Lübeck, den 18. September.

Das Erste, was ich hier that, war, in der Zeitung mich nach einer Gelegenheit nach Kopenhagen umzusehen. Es gab deren zwei: die eine mit dem Delphin, die andere mit dem Jungen Lars. Als Poet versuchte ich natürlich zuerst auf den Delphin zu kommen, da ich von Arion her weiß, daß er es mit den Dichtern ehrlich meint. Aber der war erst in drei Wochen segelfertig. Nun mußte ich mich nach dem Jungen Lars umsehen; aber Lars hatte nicht mehr Geduld gehabt, in Lübeck zu bleiben, sondern war nach Travemünde hinausgeschwommen, und spähte von dort auf eine günstige Gelegenheit zum Weiterreisen. Nun schickte ich zum Schiffer, Herrn Mörck, und er antwortete, ich würde willkommen sein.

Heimkehr.

Vorgestern morgen legte das Schiff bei, und ich ließ mich an die Treppe der Zollbude rudern. Es hat etwas viel Anziehenderes, zur See, als zu Lande nach Hause zu kommen. Zu Lande gewöhnt man sich nach und nach an das Vaterland; hier aber kommt es auf einmal. Die kräftigen Flüche der lieben Matrosen klangen mir süßer im Ohre, als Nachtigallengesang; und ich hätte ihnen beinahe Geld gegeben, um noch mehr zu fluchen. Als ich am Wirthshause bei der Zollbude stand, überlegte ich, ob ich gleich nach Hause eilen sollte, wie ich war, oder ob es besser sei, erst einen Boten vorauszusenden. Dies schien mir zuletzt doch dass Beste zu sein. Ich schickte also Jemand fort, ließ mich rasiren und kleidete mich um. Welch wunderbares Gefühl, hier in einem fremden Wirthshause, in einem fremden Zimmer zu stehen, was ich so oft gethan; aber jetzt nun zum letzten Male, und so nahe meinem eigenen Heerde. Der Bote kam zurück, berichtete mir von der Freude der Geliebten, und nun eilte ich heim.

Wie soll ich mein Entzücken beschreiben, als ich sie Alle weinend und schluchzend mir Kußhände durchs Fenster zuwerfen sah. Sie kamen mir auf der Treppe entgegen! Alle drei Kinder waren ein gutes Stück gewachsen, und hatten wegen des Vaters Rückkehr neue Kleider an. William erkannte mich gleich an meinem Portrait, das er in meiner Abwesenheit so oft betrachtet hatte; ihm war vor dem halbfremden Vater gar nicht bange, sondern er klammerte sich neugierig und vertrauensvoll und freundlich an mich an. Lotte stand sprachlos und weinte und küßte meine Hände; der kleine Johannes starrte zu seinem Vater schweigend mit schweren Thränen in den ernsten Augen empor. Meine treue Christiane wußte nicht, wo sie vor Freude hin sollte. Seligere Augenblicke giebt es auf Erden nicht; sie sind eben so süß und belebend, wie der Abschied schmerzlich ist.

Fußnoten:

Ende des dritten Bandes.

Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.

Verlag von Carl B. Lorck.

Literarische Neuigkeiten.

Ostern bis Michaelis 1850.

Alle unten angezeigten Werke sind in allen Buchhandlungen Deutschlands und des Auslandes entweder vorräthig oder können zu den beigesetzten Preisen bezogen werden.

Oersted, Hans Christian, Der Geist in der Natur. Deutsch von Prof. Dr. K. L. Kannegießer. Nebst einer biographischen Skizze von P. L. Möller und mit dem Portrait des Verfassers in Stahl gestochen von Weger. Preis 1 Thlr. 10 Rgr.

Oersted, Hans Christian, Die Naturwissenschaft und die Geistesbildung. Auch u. d. T.: Der Geist in der Natur. II. Deutsch von Prof. Dr. K. L. Kannegießer. 1 Thlr. 5 Rgr.

Oersted, Hans Christian, Die Naturwissenschaft in ihrem Verhältniß zur Dichtkunst und Religion. Ein Supplement zu: Der Geist in der Natur. Deutsch von Prof. Dr. K. L. Kannegießer, mit einem Vorworte von P. L. Möller. Preis 15 Rgr.

Seit Humboldt's „Kosmos“ dürfte kein Werk mit ähnlichem Beifall aufgenommen worden sein, wie diese Schriften des berühmten Physikers, die in leicht verständlicher Sprache abgefaßt, für das ganze gebildete Publikum berechnet sind. Die Blätter für literarische Unterhaltung sagen: „In anspruchsloser gemüthlicher Sprache durchwandert dieses Buch die fruchtbarsten Gefilde der gesammten Naturkunde und bestellt bald hier bald dort den Boden mit der geistigen Frucht scharfsinnigen Denkens. Der Leser folgt ihm überall mit dem lebhaftesten Interesse, und kehrt gewiß nie anders heim als mit den dankbarsten Gefühlen eines reichen Erntesegens. Das Werk wird viel gelesen werden, weil es ohne Ausnahme für alle Leser einen reichen Stoff zum Denken giebt. Es wird für die Sachverständigen und Freunde der Naturwissenschaften mit triumphirender Freude begrüßt werden; denn es bietet Das, was Jeder längst als wahr erkannt hat, daß nämlich ein verständiger und weiser Umgang mit der Natur den Menschen bessere, erhebe, und ihn allmälig emporführe zu den höchsten Stufen geistiger Bildung. Darum werden sie ohne Ausnahme Alle wünschen, daß diese durchaus populair gehaltene Schrift gerade in die Hände der bisherigen heimlichen Feinde der Naturwissenschaften kommen möge, damit sie in diesem klaren Spiegel der reinsten und edelsten Naturanschauung die häßliche Unnatur Ihres versteckten Strebens zur Erkenntniß bringen, und den Vorsatz zur Besserung fassen können. Die liebevolle Milde, das freundliche Dulden aller Einreden und selbst Vorwürfe, womit das Buch jeden Schritt vorwärts thut, die hülfereiche Rücksicht mit der es sich auf naturwissenschaftlich schwachgebildete Leser bezieht, und sich zu ihnen herabläßt ohne die Reifern dadurch gerade zu langweilen, dies Alles ist es was das Buch zu einer Lieblingslectüre eines sehr großen Kreises von Denkern aller Grade und Richtungen stempeln wird. Es interessirt den gebildeten Mann wie die geistreiche Frau; es erhebt und kräftigt das Denken und Wollen des edeln Jünglings ebenso mächtig wie es den geistigen Blick der feinfühlenden Jungfrau klärt und stark macht zum Eindringen in die Ehrfurcht einflößenden Tiefen des Schöpfers aller Welten und aller Natur auf Erden und im Himmel. Ja, das Werk zeigt mit der Fülle eines hochbegabten, vielgeübten Geistes das Ewigbleibende, den Geist in der Natur.“

„Eine kurze, aber in jeder Hinsicht würdig gehaltene Biographie des Verfassers bildet den Eingang des Werks. Sie ist aus der Feder P. L. Möller's, eines jetzt in Berlin wohnenden dänischen Gelehrten geflossen, und zeigt überall eine tiefgefühlte Hochachtung vor dem großen Manne, ohne das Lob bis zu der excentrischen Höhe zu steigern wo es leicht umschlagen und misfallen kann. Die ganze Art der Auffassung der Lebensmomente des großen Mannes ist nobel und ruht überall auf dem sichersten Grunde der reinsten Wahrheit.“

„Dem Herrn Kannegießer müssen wir schließlich noch ein warmes anerkennendes Wort des Dankes aussprechen für die Sorgfalt womit derselbe ein so ausgezeichnetes Werk auch ausgezeichnet auf unsern deutschen Grund und Boden verpflanzt hat. Daß das Buch mehr wie eine bloße Uebersetzung sei, fühlt jeder aufmerksame Leser.“

Wir begnügen uns dieses Urtheil anzuführen, bemerken aber, daß alle kritischen Organe sich einmüthig in derselben Weise ausgesprochen haben.

☛ Die obenerwähnten drei Werke Oersted's, welche zusammen ein Ganzes bilden, sind auch elegant in zwei Bände gebunden zu haben; Preis des Einbandes 20 Rgr., und eignen sich diese Werke so ganz vorzüglich zu Festgeschenken.

Oehlenschläger, Adam, Meine Lebens-Erinnerungen. Ein Nachlaß des Dichters. Deutsche Originalausgabe. Mit dem Portrait des Verfassers nach Gertner, in Stahl gestochen von Weger. 4 Bände.

6. Thlr. 20 Rgr. Elegant geb. für den Einband 1 Thlr. 10 Rgr.

Als Schlußstein seiner literarischen Wirksamkeit beabsichtigte Oehlenschläger seine Erinnerungen erscheinen zu lassen. Das Manuscript war zur Herausgabe geordnet, es sollte jedoch dem Dichter nicht beschieden sein, diese selbst zu leiten, indem der Tod seine schöne und reiche Wirksamkeit im verflossenen Januar endigte. Oehlenschläger's Leben war nicht eine Kette abenteuerlicher Begebenheiten, es floß, wie das des deutschen „Dichterfürsten“ ruhig und heiter hin, aber Wenige hatten, wie „der nordische Dichterfürst“ Gelegenheit tiefere Einblicke in die literarischen Verhältnisse seiner Zeit zu thun; Wenigen war es vergönnt, in eine so enge Beziehung, zu beinahe allen Koryphäen der Literatur, der Kunst und der Bühne zu treten. Hierdurch gewinnen seine Erinnerungen ein großes Interesse und sie werden stets einen bedeutenden Platz in der Memoiren-Literatur Deutschlands einnehmen.

Kopenhagen und seine Umgebungen. Ein Handbuch für Reisende nach Dänemark. Mit einer Ansicht von Kopenhagen in Stahl gestochen, einer Karte der Stadt und des nordöstlichen Seelands und einem Plane von Thorwaldsen's Museum.

Eleg. geb. Thlr. 15 Rgr.

Es ist dieses Werk mit der größten Sorgfalt und mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse des deutschen Reisenden abgefaßt. Außer einer genauen Beschreibung der Stadt und deren Sehenswürdigkeiten, der Umgebungen, einem Ausfluge durch das nördliche Seeland und das südliche Schoonen enthält das Werk noch einen gedrängten Abriß der Geschichte, der Statistik, der Staatsverfassung und der Literaturgeschichte Dänemarks, viele Nachweisungen, Verzeichnisse, allgemeine Bemerkungen &c. &c.

Burckhardt, Eduard, Allgemeine Geschichte der Jahre 1840–46.

Preis 1 Thlr. 20 Rgr. Gebunden 2 Thlr. Elegant geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit. 5. Band.

Burckhardt, Eduard, Allgemeine Geschichte der Jahre 1815–40. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Zweite unveränderte Ausgabe.

4 Bände. 5 Thlr. 10 Rgr. Elegant gebunden für den Einband 1 Thlr. 10 Rgr.

A. u. d. T.: Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit. 1–4. Band.

☛ Die Geschichte der Jahre 1847–1850 (der allgemeinen Geschichte 6. und 7. Band) wird binnen Kurzem erscheinen.

Der erste Band schildert die Ereignisse von der Stiftung der heiligen Allianz bis zum Congresse von Laibach.

Der zweite Band begreift den Zeitraum vom Ausbruch der griechischen Revolution bis zum Tode Alexander's I.

Der dritte Band beginnt mit der Thronbesteigung Karl's X. und schließt mit der Beendigung der griechischen Revolution.

Der vierte Band endlich erzählt die Begebenheiten von der Julirevolution bis zum Tode Friedrich Wilhelm's III.

Unter den vielen in neuester Zelt erschienenen Geschichtswerken dürfte wohl keines dem denkenden Leser willkommener sein, als eine treue unparteiische Darstellung der Zeitereignisse, welche vor unsern eigenen Augen vorübergegangen, und an denen wir alle mehr oder minder, wenn auch nur geistigen Antheil genommen haben. Welch eine Reihe großartiger Ereignisse hat sich nicht seit der Stiftung des sogenannten heiligen Bundes, bis in die jüngsten Tage begeben? Und wer wäre wohl geistig theilnahmlos geblieben in dem großen Kampfe zwischen Liberalismus und Antiliberalismus, in welchem nach den Worten eines unserer größten Geschichtschreibers der allgemeinste und Grundcharakter der neuesten Zeit besteht! „Die fortschreitende Entwickelung und Ausführung des Systems der heiligen Allianz, die Einwirkung desselben auf alle äußern und innern Verhältnisse der Nationen, auf alle Interessen und auf alle Schicksale des Welttheils, ja der ganzen civilisirten Welt, bilden den weitaus vorherrschenden Character der neuesten Geschichte.“ Und diese Zeit in ihren großartigen sowohl als verwerflichen Erscheinungen zu characterisiren, jenen Kampf zu beschreiben mit seinen Niederlagen und Siegen, dieß war der Zweck des Verfassers bei dem vorgenannten Werke; in wie weit er seinen Zweck erreicht hat, darüber mag am besten die Verbreitung der ersten Abtheilung des Werkes in drei starken Auflagen und die Einmüthigkeit, womit eine ehrenhafte Kritik es als gutes und tüchtiges Werk begrüßt hat, sprechen.

Historische Hausbibliothek. Herausgegeben von Prof. Dr. Friedrich Bülau. 13–17. Band.

Enthält:

Haltaus, Carl, Geschichte des Kaisers Maximilian des Ersten. Mit dem Portrait Maximilian's in Stahl gestochen nach Albrecht Dürer.

1 Thlr. Eleg. geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: Historische Hausbibliothek. 13. Band.

Guizot, Franz, Geschichte der englischen Revolution bis zum Tode Karl's des Ersten. Mit dem Portrait Karls.

1 Thlr. Eleg. geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: Historische Hausbibliothek. 14. Band.

Nordstein, F. A., Geschichte der Wiener Revolution. Mit dem Portrait des Erzherzogs Johann in Stahl gestochen.

Preis 1 Thlr. Eleg. geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: Historische Hausbibliothek. 15. Band.

Irving, Washington, Das Leben Mohammeds. Mit dem Portrait Mohammed's in Stahl gestochen.

Preis 1 Thlr. Eleg. geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: Historische Hausbibliothek. 16. Band.

Schröder, Joh. Friedr., Geschichte Karls des Großen. Mit dem Portrait Karls nach Albrecht Dürer.

1 Thlr. Eleg. geb. für den Einband 10 Rgr.

A. u. d. T.: historische Hausbibliothek. 17. Band.

Früher erschien: 1. Kugler, Friedrich der Große. 2. Conscience, Belgien. 3. Laurent, Napoleon. 4. Groß-Hoffinger, Joseph II. 5. Groß-Hoffinger, Karl von Oesterreich. 6. Gravière, Nelson. 7. Pelz (Welp), Peter der Große. 8. Bonnechose, Huß. 9. Mignet, Revolution. 10. Williards, Nordamerika. 11. Allen, Dänemark. 12. Lamartine, Februar-Revolution. Preis eines jeden Bandes 1 Thlr.

Subscriptionsbedingungen. Jeder Band von circa 25 enggedruckten Bogen mit einem Stahlstich bildet ein abgeschlossenes Werk und ist einzeln zu haben für den Preis von nur 1 Thlr.

Es findet durchaus kein Abnahmezwang statt, so daß Jeder nach seinem Bedürfnisse oder seiner Neigung sich eine gewählte Bibliothek zusammenstellen kann, weßhalb auch jeder Band mit einem Doppeltitel versehen ist.

Alle Bände sind auch in gleichförmigen geschmackvollen englischen Einbänden zu haben, so daß diese, selbst zu verschiedenen Zeiten bestellt, doch genau aneinander passen; sie dürften sich so ganz besonders als Geschenk und Prämienbücher eignen. Der Preis des Einbandes ist 10 Rgr.

☛ Ausführliche Prospecte sind in allen Buchhandlungen zu haben.

Thiers, Adolf, Geschichte des Consulats und des Kaiserreichs. Aus dem Französischen von Dr. Eduard Burckhardt. Illustrirte Prachtausgabe.

73–82. Lieferung à 4 Rgr.

Die 10 Bände des Originals werden in circa 90 Lieferungen erscheinen.

Andersen, H. C., Gesammelte Märchen. Miniatur-Ausgabe. Elegant gebunden, mit Goldschnitt.

Preis 1 Thlr. 20 Rgr.

Andersen, H. C., Gesammelte Märchen. Dritte, vollständige, vom Verfasser selbst besorgte Ausgabe.

Preis 1 Thlr. Elegant gebunden 1 Thlr. 10 Rgr.

Andersen, H. C., Bilderbuch ohne Bilder. Miniatur-Ausgabe. Elegant gebunden, mit Goldschnitt.

Preis 25 Rgr.

Andersen's Märchen und Bilderbuch ohne Bilder sind bereits ihrem Inhalte und innerem Werthe nach zu bekannt, als daß wir über diesen noch hier zu reden nöthig hätten. Es sei uns gestattet, in Betreff der vorliegenden Ausgaben darauf aufmerksam zu machen, daß die erstere sich neben guter Ausstattung durch die höchste Wohlfeilheit auszeichnet. Die zwei letzteren in Format und Ausstattung sich genau an die bekannten Cotta'schen Miniatur-Ausgaben so wie an die in meinem Verlag erschienene Henrik Hertz König René's Tochter anschließend, eignen sich ganz besonders zu Geschenken.

Niederländische Bibliothek. Eine Sammlung der vorzüglichsten belletristischen Werke holländischer und vlämischer Schriftsteller.

In Bänden à 10 Rgr.

Erschienen sind 1–6. Bd.: Conscience, Jakob von Artevelde. 7. Bd.: Conscience, Der Rekrut. 8–11. Band: van Schaik, Dorfgeschichten. 12. Band: Conscience, Baas Gansendonck.

Conscience, Hendrik, Jakob von Artevelde. Historischer Roman. Aus dem Vlämischen unter Mitwirkung des Verfassers von O. L. B. Wolff. Mit einer biographischen Skizze und Portrait des Verfassers.

6 Bände. 2 Thlr.

A. u. d. T.: Niederländische Bibliothek. 1–16. Band.

Auf genaue historische Forschungen gegründet, entwickelt uns Conscience hier ein eben so treues als farbenreiches Bild des großen Genter Bürgers, welcher mit ebenso gesunder Lebensweisheit als richtiger Politik in jenen dunkeln Zeiten es sich zur Aufgabe setzte, Flandern von verderblichen ausländischen Einflüssen und Bedrückungen, die dies gewerbreiche Land lange niedergehalten hatten, zu erlösen und ihm die einzig wahre Freiheit, die bürgerliche Freiheit unter dem Gesetze zu erringen, leider aber dem Haß seiner Feinde erliegen mußte. Die Characterschilderungen der Hauptpersonen, namentlich Artevelde's und seines Gegners Denys, die Darstellung der Sitten und Gebräuche, die Volksscenen u. s. w. sind meisterhaft; über Allem schwebt aber wie ein milder und stärkender Hauch des Verfassers Vaterlandsliebe und Unparteilichkeit und übt einen höchst wohlthätigen Eindruck auf den Leser aus, der dieses Buch mit zweifachem Gewinne aus der Hand legen wird, nämlich dem interessantester Unterhaltung und befriedigendster Belehrung, wie sie wenige andere ähnliche Werke darbieten.

Conscience, Hendrik, Der Rekrut. Aus dem Vlämischen von O. L. B. Wolff.

Preis 10 Rgr.

A. u. d. T.: Niederländische Bibliothek. 7. Band.

Conscience, Hendrik, Baas Gansendonck. Aus dem Vlämischen von O. L. B. Wolff.

Preis 10 Rgr.

A. u. d. T.: Niederländische Bibliothek. 12. Band.

Schaik, Cornelis van, Niederländische Dorfgeschichten. Aus dem Holländischen unter Mitwirkung des Verfassers von Eduard Wegener. Mit einer biographischen Skizze und dem Portrait des Verfassers in Stahl gestochen von Weger. 4 Bände.

Preis 1 Thlr. 10 Rgr.

A. u. d. T.: Niederländische Bibliothek. 8–11. Band.

Ein echt nationales Werk und der unverfälschte Ausdruck des niederländischen Geistes und Volkes in ihrer ganzen Gemüthstiefe und Beschaulichkeit. Eine bekannte niederländische Zeitschrift: Vaterländsche letteroefeuingen sagt: „C. van Schaik ist ein ausgezeichneter Maler. Seine Gemälde sind nicht nur fesselnd, sondern sie reißen hin. Bei schönen Stellen machten wir uns während des Lesens Zeichen in dem Buche, aber als es aus war, lag es ganz und gar voll von diesen Zeichen, und wir hatten keine Worte für den Eindruck, den es auf uns gemacht, so lebendig und voll Wahrheit ist die Darstellung der Personen und Zustände, so tief ergreifend ist die einfache Fabel, die hier behandelt wird. — C. van Schaik versteht die Kunst, zu erzählen; er ist ein feiner Beobachter, und liest in den Herzen mit derselben Gewandtheit und Leichtigkeit, womit er in das Leben umherschaut. Nichts entgeht seinem scharfen Blicke; sowohl die Menschen, als ihre Sitten und Gebräuche schildert er mit einer Treue, die in Erstaunen setzt, und mit einer Abwechselung von Farben, die unsere Bewunderung erregt und in der kleinsten Einzelnheit den Meister erkennen läßt.“

Bernhard, Carl, Das Glückskind. Novelle. Aus dem Dänischen von Prof. Dr. K. L. Kannegießer.

Preis 1 Thlr.

A. u. d. T.: Carl Bernhard, gesammelte Werke. 14. Band.

Bernhard, Carl, Zwei Freunde. Novelle. Aus dem Dänischen von Prof. Dr. K. L. Kannegießer.

Preis 1 Thlr.

A. u. d. T.: Carl Bernhard, gesammelte Werke. 15. Band;

Band 1–13 enthalten: 1. Band: Die Hospital-Verlobung. 2. Band: Eine Familie auf dem Lande. 3. Band: Der Eilwagen. Ein Sprichwort. 4. Band: Die Declaration. Schooßsünden. 5. Band: Der Kommissionair. Tante Franziska. 6. Band: Der Kinderball. 7–9. Band: Christian der Siebente und sein Hof. 10–13. Band: König Christian der Zweite und seine Zeit. Preis eines jeden Bandes 1 Thlr.

Wir bringen hier dem deutschen Publikum eine Reihe von Erzählungen und Novellen, welche das Leben der gebildeten Stände in Dänemark mit eben so blühender Phantasie als feiner Beobachtung und trefflicher Darstellung schildern, und in ihrer Heimath sich den größten und anhaltendsten Beifall erworben haben. Wenn das hier Gesagte von allen Novellen Bernhard's gilt, so dürfte es auf keine eine größere Anwendung finden als auf das Glückskind.

Notes in this chapter

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings