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Leonora Christina Ulfeldt's "Jammers-minde". En egenhændig skildring af hendes fangenskab i Blaataarn i aarene 1663-1685

JAMMERS-MINDE

Reading edition

Portræt
Portræt

(Efter Originalmaleriet i Grev Waldsteins Eje.) I. W. Tegner & Kittendorffs lith. Inst.

Signatur: Leonora Christina
Signatur: Leonora Christina

Gyldendalske Boghandels Forlag.

LEONORA CHRISTINA ULFELDT's "JAMMERS-MINDE".

EN EGENHÆNDIG SKILDRING AF HENDES FANGENSKAB I BLAATAARN I AARENE 1663-1685,

UDGIVET EFTER DET ORIGINALE HAANDSKRIFT I GREV J. WALDSTEIN WARTEMBERGS EJE AF SOPH. BIRKET SMITH, Assistent ved Universitetsbibliotheket.

MED ET FORORD AF HS. EXCELLENCE GREV JOHAN WALDSTEIN WARTEMBERG, Hs. apostol. Majest. virkelige Kæmmerér og Gehejmeraad etc. etc.

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KJØBENHAVN. FORLAGT AF DEN GYLDENDALSKE BOGHANDEL (F. HEGEL). THIELES BOGTRYKKERI. 1869.

Als ich im Sommer des Jahres 1858 auf der Insel Fühnen, unweit des Schlosses Egeskov, in dem Dorfkirchlein zu Quærndrup die Gräber meiner dänischen Ahnen des Stammes Ulfeld besuchte, fasste ich den Entschluss, meiner frommen Ahnfrau Leonora Christinas Andenken — des Enkels Pflicht erfüllend — zu ehren durch Veröffentlichung jenes autographen Manuskriptes, das in meines seligen Vaters Erbschaft auf mich gelangte.

Bekanntlich hatte der Letzte des männlichen Stammes Ulfeld, Ihrer Majestät Kaiserin Maria Theresias Hof- und Staatskanzler, nur zwei Töchter. Sie waren vermählt, die eine, Elisabeth, mit Georg Christ. Grafen Waldstein, die jüngere mit Grafen Thun.

In besonderer Zuneigung für ihren jüngeren Sohn Emanuel, meinen sel. Vater, hatte meine Grossmutter Alles, was Ulfeldische Andenken waren, meinem Vater erblich überlassen, und so kam auf mich das Manuskript, das ich hiemit in Folge mehrfacher Aufforderung — auch hohen Ortes — durch die kundige Beihülfe des Herrn Soph. Birket Smith der Öffentlichkeit übergebe, in direkter Descendenz nach ihrem Vater:

»Corfitz, des heil. Römischen Reichs Grafen von Ulfeld, Herrn der Herrschaften Költz-Jenikau, Hof Kazof, Brödlich, Odaslowitz, und des Lehnes Zinltsch, Ritter des goldenen Vliesses, Obrist Erbland Silber Kämmerer in Böhmen, Ihr. kais. kön. Majestät Caroli VI. wie auch Ihr. kais. Römischen und königl. auch zu Hungarn und Böhmen etc. Majest. Grossbotschafter bei der Ottomannischen Pforte, hernach Hof- und Staatskanzler, beeidetem Geheimen Rath und erstem Oberhofmeister.«

Wir fügen noch hinzu: dem von I. M. der König-Kaiserin Maria Theresia, unvergesslichen Andenkens, hoch in Ehren gehaltenen väterlichen Leiter ihrer ersten Regierungsjahre bis zu jenem Zeitpunkte, als der geistreiche, der moralisch hohen Frau oft zu geniale Fürst Kaunitz sein Nachfolger ward.

In meinem Besitze befindliche, mehr als eilf mächtige, klein geschriebene Folianten enthalten des Reichskanzlers M. S. — die Unterhandlungen mit der hohen Pforte, später aber mit den General-Staaten der Niederlande, sowie Ministerial-Protokolle während seiner ganzen Staatskanzlerschaft: Urkunden seines emsigen Fleisses und Ordnungsliebe; sowie die in diesen Folianten vorkommenden Original-Schreiben und -Notaten seiner hohen Herrin Zeugenschaft ablegen von dem innigen, beinahe kindlichen Vertrauen, mit dem Sie ihn beglückte.

Dieser ruhige, bedachte Staatsmann aber war der direkte Enkel des unruhigen, übermüthigen

Corfitz, des Römischen Reichs ersten Grafen von Ulfeld, Reichs Hofmeister in Dänemark u. s. w. und seiner ihn anbetenden, geistreichen Gemahlin Leonora Christina, nach einem ihrer Söhne:

Leo, R. Grafen Ulfeld, Kaiser Carl VI. Geh. Rath, Feldmarschall und Vice-König in Catalonien, und seiner Gemahlin geb. Gräfin von Zinzendorf.

Sorgsam verwahrte ich so das M. S. als auch alle übrigen Reliquien und Nippen meiner dänischen Ahnfrau, deren erhabner Charakter und Leiden Theilnahme, Interesse und Ehrfurcht einzufliessen so sehr geeignet sind. Darunter mehrere schriftliche Andenken und Gedichtsfragmente, Gebete und im Kerker verfertigte Frauen-Arbeiten (einige mit blondem Haare gestickt), ein golddurchwirktes Taufhemdchen mit Kaputze, wahrscheinlich von ihren Kindern zur heiligen Handlung benutzt, ein sehr schönes Amulet Chr. IV. in blauem Email, und viele Bildnisse (auch das Original-Öhlbild, dessen Copie im Titelblatt sichtbar) etc. etc.

Bei der direkten Überkommung des M. S. von meiner Ahnfrau an ihre Kinder und Kindes Kinder in gerader Linie konnte wohl in mir nie ein Zweifel entstehen über dessen Echtheit. Dennoch gab ich fremden Zureden nach, um die Authenticität desselben vollkommen zu constatiren. In welcher Weise diess geschah, enthält die Einleitung des H. Herausgebers.

Sind auch über Corfitz Ulfeld die Akten der Geschichte nicht geschlossen, so hat man doch — tempus omnia sanat — jenen ominösen Gedenkstein der Vergessenheit und dem Bauschutte zugewiesen, der seine »Schuld verewigen sollte.« Edel im Vergessen und Verzeihen hat die grosse nordische Nation jenen ein vorleuchtend Beispiel gegeben, die dem grossen Feldherrn und Retter des Kaiser-Reiches vor nordischer Gefahr, Albert Herzog zu Friedland, jenen Platz noch nicht eingeräumet, der ihm in der Helden Walhalla zu Wien gebührt.

Was aber Corfitz feuriges Gemüth und die mysteriosen, der Menschen Thaten und Gedanken lenkenden Triebfedern anbelangt, so sei mir, dem Enkel, der fast zur Überzeugung erstarkte Glaube gestattet: dass ein so hochbegabtes, edelfühlend Weib, wie Leonora uns erscheint, mit so inniger, alle Wechselfälle seines Schicksals überdauernder Gluth und Liebe nie hätte festhalten können an jenem, der dessen unwürdig gewesen wäre.

Cairo am 8. December 1868.

Joh. Gr. Waldstein.

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