XXXI. Die Nutzhölzer. (continued 2)
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Die Hainbuche war den alten Griechen und Römern nicht bekannt, wohl aber die bei ihnen wachsende Hopfenbuche (Carpinus ostrya) — ostrýa von den Griechen und carpinus von den Römern genannt. Cato preist deren Holz als das beste zur Herstellung von Ölpressen. Die Festigkeit und Zähigkeit des Holzes der Hainbuche hat die Redensart vom „hanebüchenen Mann“ entstehen lassen, der aber oft auch „hanebüchen grob“ sein kann. In Ostpreußen sollen einzelne Hainbuchen einen Stammumfang von 5 m besitzen. Eine selbständige Art ist die orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis), während die amerikanische Hainbuche (C. americana) bei uns als Zierpflanze kultiviert wird.
Der als Fruchtbaum aus dem warmen Süden zu uns gekommene Nußbaum (Juglans regia) hat ein hochgeschätztes braunes Holz, das mit Vorliebe zu Möbeln, Gewehrschäften, Drechsler- und Bildhauerarbeiten verwendet wird. Es ist gleichmäßig schwer und hart, leicht zu bearbeiten und polierfähig, schwindet aber stark und ist nur im Trockenen dauerhaft. Der Nußbaum liefert auch das meiste Furnierholz. Die Wurzelstöcke, welche gleichfalls zu Furnieren geschnitten werden, besitzen oft eine herrliche Maserung. Die getrockneten Schalen der grünen Nüsse enthalten einen zum Braunbeizen vielverwendeten Farbstoff, die Nuß- oder Körnerbeize. Sein ausgezeichnetes Holz hätte dem Nußbaum den Weg in den Wald geöffnet, wenn nicht seine große Empfindlichkeit hindernd im Wege stünde. An seine Stelle tritt deshalb im Wald vielfach die aus Nordamerika stammende, weniger empfindliche Schwarznuß (Juglans nigra), die ebenso wie die Graunuß (J. cinerea) wegen ihres schönen, gleichmäßig rotbraunen Holzes besonders zur Herstellung von Möbeln hochgeschätzt ist und dem Holz der einheimischen Walnuß vorgezogen wird. Ein hervorragend zähes und elastisches Holz, das für den Wagenbau große Bedeutung erlangt hat, liefert die ebenfalls aus Nordamerika in verschiedenen Arten in unsere Wälder verbrachte Hickorynuß (besonders Carya alba). Von allen dreien, die durch ihre Fiederblätter gekennzeichnet sind, bedarf sie bei uns allerdings der größten Pflege.
Ein vortreffliches Bau-, Werk- und Faßholz liefert die Edelkastanie (Castanea vesca), die aber bei uns nur im Rheintal am Fuß des Schwarzwaldes und der Vogesen in wärmeren Lagen, wo der Weinstock und feinere Obstarten gezogen werden, gedeiht. Hier wird sie im Niederwaldbetrieb bewirtschaftet, um aus den jungen Schößlingen sehr brauchbare Rebstecken zu gewinnen. Ihr Holz besitzt fast alle Eigenschaften, wie auch die Farbe des Eichenholzes, ist jedoch durch das Fehlen der mit freiem Auge deutlich sichtbaren Markstrahlen sofort von jenem zu unterscheiden. Im Gegensatz zum Holze der Edelkastanie ist dasjenige der Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) von nur geringem Werte, da es leicht, schwammig, weich und von sehr geringer Dauer ist, namentlich in der Nässe rasch fault. Andererseits reißt und wirft es sich wenig, nimmt Farbe und Politur gut an und wird nicht von Würmern heimgesucht. Es wird von Drechslern und Tischlern ähnlich wie das Lindenholz verwendet, kann auch zu Holzschuhen verarbeitet werden. Sonst wird für letztere das weiche Linden- und noch häufiger Erlenholz verwendet.
Auch die Erlen (Alnus), von denen es 14 Arten auf der nördlichen Halbkugel gibt, sind Kätzchenblütler und dadurch bemerkenswert, daß sie wie die Schmetterlingsblütler in Symbiose mit Rhizobien genannten Knöllchenbakterien leben, die an den Wurzeln orangefarbene, knollenförmige Auswüchse erzeugen. Indem diese Bakterien den Stickstoff der im Boden enthaltenen Luft binden und in salpeter- und schließlich salpetrigsaure Verbindungen überführen, leisten sie der Erle außerordentlich wichtige Dienste zur Gewinnung dieses für ihr Gedeihen so notwendigen Nährmaterials. Mit Hilfe dieser kleinen Wohltäter vermögen diese Bäume auf stickstoffarmem Boden gut zu gedeihen und durch Stickstoffanreicherung diesen zu verbessern. Von den vier deutschen Erlenarten ist die an Bachufern und in feuchten Niederungen wachsende Schwarzerle (Alnus glutinosa) die häufigste. Sie bildet ihren schlanken, dunkeln Stamm von 4–25 m Höhe bis zum Gipfel aus und trägt an den schräg abstehenden Ästen die im ersten Frühjahr sich entfaltenden männlichen und weiblichen Blütenstände. Aus den weiblichen Kätzchen gehen eine Menge brauner Zäpfchen hervor, aus denen im Winter die ungeflügelten Samennüßchen ausfallen. Die Blätter sind glänzend dunkelgrün, fühlen sich klebrig an und sind an der Spitze stark abgestumpft im Gegensatz zu den zugespitzten, weichhaarigen, niemals klebrigen Blätter der Weiß- oder Grauerle (Alnus incana), die im übrigen der Schwarzerle sehr ähnlich ist. Sie hat ihren Namen von der glänzend silbergrauen, glatten Rinde, wächst meist strauchartig, erreicht aber als Baum eine Höhe von 10 m. Sie liebt weniger nassen humosen Boden als die vorige, gedeiht auch an Berghängen und auf Gebirgskämmen. Sie spielt in der nordischen Mythologie eine große Rolle: aus ihr soll die Frau hervorgegangen sein, während aus der Esche der Mann hervorging. Varietäten beider Arten werden als Ziergehölze kultiviert.
Beide Erlenarten sind durch ganz Europa verbreitet, doch steigt die Weißerle im Gebirge höher hinauf als ihre Verwandte und geht auch weiter nach Norden, was ihr den Namen „nordische Erle“ eintrug. Die weichhaarige Erle (A. pubescens) ist wahrscheinlich ein Bastard dieser beiden Arten. Ihre Rinde ist graubraun und ihre mehr stumpfen Blätter sind nur zu äußerst spitz auslaufend. Eine besonders auf Granit in der Knieholzregion des Gebirges, namentlich der Alpen, des Schwarzwaldes, des Jura und Böhmerwaldes, wachsende strauchartige, sich am Boden schmiegende Art ist die Grünerle (A. viridis), die, was ihre Verwertung betrifft, nur als Brennholz in Betracht kommt. Alle Erlen verfügen über ein starkes Ausschlagsvermögen, indem sie nach dem Verlust von Ästen aus „schlafenden“ Knospen neue hervorzubringen und so Schädigungen leicht auszugleichen vermögen. Das Holz der Schwarzerle ist frisch gelbrot, trocken rostrot, das der Grauerle dagegen heller und das der Grünerle weiß. Es ist leicht, weich und fest, aber ziemlich grob, leicht brüchig und wenig elastisch. Es verträgt keinen Wechsel, ist aber im Wasser dauerhaft und wird deshalb außer zum Brennen hauptsächlich als Wasserbauholz verwendet. Außerdem dient es zum Schnitzen und Drechseln, wird zu Bürsten und Zigarrenkistchen verarbeitet und in Nachahmung von Mahagoni und Ebenholz gebeizt, auch zu Galanteriewaren, Pfeifenköpfchen usw. verwendet.
Neben Haselnuß und Erle gehören die ihnen nahe verwandten Weiden und Pappeln zu den ersten Verkündern des Frühlings, indem sie wie jene sehr früh ihre schon im Herbst unter der Knospenhülle ziemlich weit entwickelten Blüten hervortreten lassen. Beide Arten von Kätzchenträgern sind zweihäusig, indem jedes Individuum entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten hervorbringt. In Europa, Mittel- und Nordasien bis China und Japan heimisch und teilweise in Nordamerika verwildert sind Silber-, Schwarz- und Zitterpappel. Die Silber- oder Weißpappel (Populus alba), die sich in unseren Anlagen neben der Schwarzpappel in wundervollen, 28–30 m hohen Exemplaren findet, hat auf der Unterseite weißfilzige, an den jungen Trieben handförmig gelappte, an den älteren Zweigen rundlich eiförmige Blätter. Ihr Holz ist sehr geschätzt, da es sich wegen seines gleichmäßigen Baues sehr wenig verzieht und deshalb vorzügliche Reißbretter liefert. Ähnlich ist dasjenige der Schwarzpappel (P. nigra), die wir hauptsächlich im lockeren, feuchten Boden der Flußufer und an feuchten Waldrändern, aber auch häufig in Anlagen angepflanzt treffen. Sie ist die aígeiros der alten Griechen, die siebenmal in der Odyssee und einmal in der Ilias genannt wird, während die Weißpappel bei diesen acherōís hieß. Ein Scholiast, d. h. Grammatiker des Altertums, erklärt letzteren Namen daher, daß Herakles den Baum aus der Unterwelt, dem achérōn, an die Oberwelt gebracht habe. In Anlehnung an diesen Mythus nennt der römische Dichter Vergil in seinen Eklogen die Pappel (populus) dem Herkules, den Weinstock aber dem Bacchus angenehm. Diese Sage von der Herkunft aus der Unterwelt rührt von der düsteren Rinde her, die schon sehr früh eine dicke, schwärzliche Borke bildet, im Gegensatz zu der lange glatt bleibenden Rinde der Zitterpappel oder Espe (P. tremula). Dieser in feuchten Laubwäldern und an Bächen häufige, bis in die Alpen und auf den Brocken hinaufgehende Baum ist dadurch bekannt und sprichwörtlich, daß seine an einem dünnen, langen, seitlich abgeplatteten Stiel sitzenden rundlichen, gebuchteten Blätter beim geringsten Lufthauch zittern. Während er sich bei uns vorzugsweise in den Flußniederungen angesiedelt findet, bildet er in Ostpreußen und Rußland als Waldbaum reine Bestände und erreicht eine Höhe von 20 m. Er ist der kerkís der alten Griechen, findet sich aber in Griechenland sehr selten. Sein grauweißes, glänzendes, eine glattere Bearbeitung als dasjenige der vorgenannten Arten erlaubendes, weiches Holz wird besonders zur Herstellung von Zündhölzchen und Zündholzschachteln, daneben auch in der Holzstofffabrikation verwendet.
Vielleicht nur ein Bastard von Zitter- und Silberpappel ist die im Orient heimische, nicht selten in unsern Anlagen kultivierte Graupappel (P. canescens), die 20–30 m hoch wird, während die bis 35 m hoch wachsende Pyramidenpappel (P. pyramidalis) mit purpurnen Kätzchen und steilaufstrebenden Ästchen, die dem Baum eine säulenförmige Gestalt verleihen, wahrscheinlich nur eine Abart der Schwarzpappel ist. Wenn wir von Pappeln sprechen, so meinen wir sie. Dennoch ist sie kein Kind unserer Heimat, sondern hat ihre Heimat in Zentralasien; sie kam zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Persien nach Europa und gelangte im Jahre 1740 in einem männlichen Exemplar aus Norditalien in den Garten nach Wörlitz. Bis auf acht erst viel später eingeführte weibliche Exemplare stammen alle deutschen Pyramidenpappeln, die seit der napoleonischen Zeit sich reihenweise den Flüssen und Landstraßen Mitteleuropas entlangziehen und der Landschaft ein äußerst charakteristisches Gepräge verleihen, von diesem einen männlichen Baume ab und wurden durch Stecklinge erzielt. In den Boden gesteckte abgeschnittene Zweige schlagen sehr leicht Wurzel. Wahrscheinlich ist diese ungeschlechtliche Vermehrung in Verbindung mit der Senkung des Grundwasserspiegels infolge Regulierung der Wasserläufe der Grund des in letzter Zeit häufig zu bemerkenden frühzeitigen Absterbens der Pyramidenpappeln. Dieses beginnt mit Wipfeldürre und läßt schließlich den ganzen Baum eingehen. Neuerdings pflanzt man außer der etwas kleineren Balsampappel (P. balsamifera) besonders die ebenfalls aus Nordamerika zu uns gebrachte, bis 20 m hohe kanadische Pappel (P. monilifera). Beide sind außerordentlich raschwüchsig und liefern dabei vielseitig brauchbares Holz, sind daher nicht bloß als Zierpflanzen, sondern auch für die Forstwirtschaft von Bedeutung. Alle Pappelhölzer sind leicht, weich, wenig werfend und liefern deshalb vorzügliches Blindholz für furnierte Möbel und Packkisten, sind auch treffliche Papierstofflieferanten. Nur ganz im Trockenen lassen sie sich längere Zeit unzersetzt aufbewahren, im Wasser faulen sie rasch.
Dieselbe geringe Bedeutung wie das Pappelholz besitzt auch im allgemeinen das Holz der Weiden (Salix), das ebenfalls sehr weich und leicht, wenig fest und dauerhaft ist, also als Bauholz gleicherweise unbrauchbar ist. Die Farbe des Kernholzes ist rötlich, braun- oder rötlichgelb. Es wird wie das Pappelholz vorzugsweise als Blindholz, dann zu Packkisten, Spielwaren usw. verwendet. Von den 160 Weidenarten finden sich gegen 50 in Deutschland. Um sie alle auseinander zu halten, braucht es ein besonderes Studium. Eine der bekanntesten derselben ist die von allen Weiden zuerst blühende Salweide (Salix caprea), die in Mittel- und Nordeuropa, wie auch in Nordasien heimisch ist. Ihre Zweige sind es, die unser katholisches Volk an Stelle der in unserem Klima fehlenden Palmzweige am Palmsonntag zur Weihe bringt, weshalb diese Weidenart auch Palmweide heißt. Nach altgermanischem Glauben schirmen ihre Zweige das Haus, in welchem sie aufbewahrt werden, gegen Zauber, Hexenspuk und böse Geister. Dieser heute noch beim Volke geltende Glaube ist ein Nachklang aus germanischer Vorzeit, in der die Weiden mit der Geisterwelt der Verstorbenen in Zusammenhang gebracht wurden.
Neben der Salweide wird besonders auch die Weißweide (Salix alba) mit fein behaarten, schmalen Blättern den Bächen und Wegen entlang als „Kopfweide“ gezogen, d. h. der Stamm wird in bequem erreichbarer Höhe, etwa an der Gabelungsstelle von Leitästen, geköpft. Die dann aus der Wundstelle hervorbrechenden dünnen, schmiegsamen Ruten werden als beliebtes Flechtmaterial für Körbe und andere geflochtenen Gegenstände verwendet, während das Holz des Stammes als Nutz- oder Brennholz dient. Die weiße Weide galt im Altertum als Symbol der Keuschheit, weshalb die Frauen in Hellas bei den Thesmophorien ihr Lager mit unfruchtbaren Zweigen von männlichen Bäumen dieser Weidenart bestreuten. Es war dies ein zu Anfang November, nach der Bestellung der Wintersaat zu Ehren der Demeter thesmóphoros, d. h. der Gesetze gebenden Göttin der fruchtbaren mütterlichen Erde gefeiertes Fest. Diese galt als die Gründerin des Ackerbaus, der bürgerlichen Gesellschaft und der rechtmäßigen Ehe und ihr Fest wurde von den Frauen unter strengem Ausschluß der Männer gefeiert.
Während die Zweige der Bruch- oder Knackweide (S. fragilis) sehr leicht brüchig sind und deshalb nur als Brennholz Verwendung finden, sind die dottergelben Zweige der nur deretwegen angepflanzten Dotterweide (S. vitellina), weil durch besondere Zähigkeit ausgezeichnet, als Material zum Binden sehr geeignet. Ebenfalls zum Binden und zur Korbflechterei sehr geeignet ist die Band- oder Korbweide (S. viminalis), die in Europa und Nordasien sehr gemein ist und häufig an fließenden und stehenden Gewässern angebaut wird. Sie hat eine grünlichgelbe Zweigrinde und sehr lange, zugespitzte, unterseits weißhaarig glänzende Blätter. Sie besitzt ein sehr kräftiges Ausschlagsvermögen, so daß die Korbruten jährlich geerntet werden können. Um Reifstäbe für Bandholz um Fässer und Kübel zu erhalten, sind dagegen 3–6 Jahre nötig. Ihr weit ausstreichendes Wurzelwerk macht Bandweidenpflanzungen zur Befestigung von Uferböschungen vorzüglich geeignet. Noch besser als sie erträgt den jährlichen Schnitt eine Bastardform zwischen ihr und der Purpurweide (S. purpurea), so genannt wegen ihrer purpurnen, statt wie sonst gelben Staubbeutel. Auch sie wird an feuchten Stellen und Ufern häufig angebaut, ebenso die aus Rußland bei uns eingeführte kaspische Weide (S. acutifolia) und die feine Flechtware liefernde einheimische Mandelweide (S. amygdalina), so genannt nach ihrem an die Mandelblätter erinnerndem, unterseits bläulichweiß bereiftem Laubwerk. Auch von diesen gibt es verschiedene in Kultur stehende Bastarde. Alle diese werden ausschließlich durch Stecklinge vermehrt, da sich abgeschnittene und in den Boden gesteckte Zweige sehr rasch bewurzeln und es zu langwierig wäre, diese Weidenpflanzen aus Samen zu ziehen.
Besonders in Nieder-Österreich, im Neckartal und in Holland werden diese Weiden für die Flechtindustrie im großen gezüchtet und liefern als Nebenprodukt eine zum Gerben geeignete Rinde mit einem mittleren Gerbstoffgehalt von 8 Prozent, außerdem zum Flechten von Matten und Taschen und zum Drehen von Stricken dienenden Bast. Das leichte, weiche Weidenholz dient im Oderbruch zum Schnitzen von Holzschuhen und wird sonst viel benutzt, auch zum Brennen von Kohle. Nach Theophrast gaben die alten Griechen dem leichten Weidenholz zu Schilden den Vorzug. Derselbe Autor sagt in seiner Pflanzengeschichte, daß die Weide (itéa) am Wasser wachse und in vielen Arten vorkomme, doch seien die Ruten der Purpurweide schöner und besser zu Flechtwerk als diejenigen der weißen Weide. Die Griechen und besonders die Römer pflanzten die Weiden in bedeutender Menge zu den verschiedensten Zwecken. Nach Plinius hielt der ältere Cato die Weidenzucht für einen der wichtigsten Teile der Landwirtschaft und nannte die Weide die nützlichste aller Wassergewächse. Er schreibt: „Es gibt verschiedene Arten von Weiden (salix). Die einen liefern Stangen für Weinberge und in ihrer Rinde Material zum Binden; andere geben Ruten, welche durch ihre Biegsamkeit und Zähigkeit zum Binden tauglich sind; andere liefern zarte Ruten zu feinem Flechtwerk, wieder andere starke Ruten zu Körben und anderem Gebrauch in der Landwirtschaft. Werden die Weidenruten durch Schälen weiß und behandelt man sie sorgfältig, so geben sie Körbe, die nachgiebiger sind, als wenn sie aus Leder gemacht wären, liefern auch die besten Lehnstühle. Geköpfte Weiden treiben neue Äste, und diese wachsen sogar aus den Köpfen um so dichter. Jedenfalls ist die Weide ein Baum, dessen Anpflanzung bei geringen Kosten einen sicheren, auch von jeder Witterung unabhängigen Ertrag gibt.“ Sehr ausführlich behandelt sein Zeitgenosse Columella die Weidenkultur durch Stecklinge, die, bevor sich noch die Blattknospen geöffnet haben, in 2,5 Fuß tief umgegrabenem feuchten Boden je zwei Fuß auseinander gepflanzt werden sollten. In den ersten drei Jahren lockere man in den Weidenpflanzungen den Boden öfters durch Graben auf, später genüge es, solches dreimal jährlich zu tun. Bei Unterlassung dieser Pflege verkümmerten die Weiden bald.
Heute ist die Kultur und Verarbeitung von Korbweiden zu Korb- und Stuhlarbeiten eine sehr ausgedehnte und beschäftigt viele Tausende von Menschen. Deshalb verdienen sie noch häufiger, als dies geschieht, angepflanzt zu werden, da die Flechtreiser in manchen Gegenden Deutschlands noch vom Auslande bezogen werden müssen. Die Flechtruten müssen einjährig, 1,3–2,8 m lang, gerade, möglichst dick und ohne Knoten und Abzweigungen sein. Sie werden um die Mitte August geschnitten und dann entweder noch mit der Rinde oder vorteilhafter schon entrindet (weiß) in den Handel gebracht, indem man sie vorher in Wasser gelegt und dann durch eine mit der Hand zusammengepreßte Holzklammer gezogen hat, um die als Bast bezeichnete Rinde von ihnen zu entfernen. Letztere wird zum Gerben benutzt. Die Ruten aber dienen weiß oder gefärbt zum Flechten. Durch das Abschneiden der jährigen Triebe schwillt das obere Ende der Kulturweiden unverhältnismäßig an und wird als Kopf bezeichnet; häufig bersten sie oben und faulen durch den eindringenden Regen. Nicht geköpfte Baumweiden, namentlich Bruch- und Weißweiden, können etwa 150 Jahre alt werden und dienen dann in 10–15jährigem Umtriebe und als Kopfholz in 1–2jährigem Abhiebe zu Brennholz. Das Weidenlaub dient heute noch, wie im Altertum, auch getrocknet, als gutes Viehfutter und die Bienen, welche die Ursache der so häufigen Verbastardierung der Weiden sind, finden in den frühblühenden Weidenarten eine wertvolle Nahrung. Als Zierbaum steht die Trauerweide (Salix pendula) obenan. Dieser 3–7 m hohe Baum mit überhängenden Ästen und Zweigen stammt aus Japan und China, kam vor 200 Jahren nach dem Orient und von da zu uns, aber nur in einem weiblichen Exemplar, so daß alle unseren, aus Stecklingen gezogenen Trauerweiden weiblich sind. Er wird bei uns vorzugsweise als Trauerbaum kultiviert.
Ebenfalls zu den Amentazeen oder Kätzchenbäumen gehören die Birken (Betula, aus dem betulla der Römer), die in 35 Arten die Nordhemisphäre in der gemäßigten und kalten Zone bewohnen und die nördlichsten Holzpflanzen überhaupt repräsentieren. Außerordentlich malerisch ist der Anblick der nordischen Birkenwälder. Auf hohen, schlanken, bis zu einer Höhe von 18 m kaum eine Spur von Astbildung zeigenden, blendend weißen Stämmen wiegt sich eine leichte Krone von zarten, hängenden Blättern. Dabei ist der Boden mit einem weichen Teppich von Moos und Flechten bedeckt, zwischen denen, soweit das Licht eindringen kann, eine blaße, dem Edelweiß naheverwandte Immortelle (Gnaphalium dioicum) üppig emporsprießt. Ähnlich den ihnen nahestehenden Erlen bilden auch die Birken die männlichen, zu zweit am Ende der Zweige hängenden Kätzchen schon im Vorwinter aus; die zarten, grünlichen Kätzchen der Fruchtblüten aber erscheinen erst im Frühjahr und ragen seitwärts oder aufrecht an kleinen Seitentrieben hervor. Im Herbst fallen dann die nunmehr hängenden Samenkätzchen auseinander und überlassen dem Wind, wie die Befruchtung, so auch die Ausbreitung der gelben, geflügelten Samenkörnchen, die oft weithin den Boden bedecken. Oft werden sie vom Winde auf weite Strecken fort und bedeutend hoch in die Luft gewirbelt. Deshalb trifft man nicht selten junge Birken hoch oben auf Felsenspitzen, auf Mauern von Ruinen und auf Dächern; sie können da, wenn man sie gewähren läßt, recht groß werden, da die Birke von allen Bäumen die kleinste Wurzelverbreitung besitzt und auch im freien Stand mit einer kleinen Menge Erde vorlieb nimmt.
Sämtliche drei Baumbirken, die zu den Nutzhölzern gehören, wachsen in Deutschland. Der nördlichste Baum Europas, der bis in die Nähe des Nordkaps unter 71 Grad nördlicher Breite geht, ist die Warzen- oder Weißbirke (Betula verrucosa), ein 20–25 m hoher Baum Mittel- und Nordeuropas, der östlich bis Kamtschatka geht und auch in ganz Nordasien außerordentlich verbreitet ist. Bei uns in Mitteleuropa häufiger als diese mehr nordische Weißbirke ist die wahrscheinlich nur eine Abart derselben bildende Hänge- oder Trauerbirke (B. pendula), deren dünne Äste im Gegensatz zur vorigen weit herabhängen. Diese liebt einen sandigen, etwas lehmigen Boden, findet sich bei uns in kleinen Hainen und wird in Gartenanlagen angepflanzt, häufig auch im Mischwald und als Gesträuch im Buschwald, kommt auch auf Hochmooren vor. Sonst ist auf sumpfigen, moorigen Stellen und in feuchten Feldern die Haar- oder Ruchbirke (B. pubescens) heimisch, die als mäßig hoher Baum oder noch häufiger, namentlich in höheren Lagen, strauchartig in den Alpen und den mitteldeutschen Gebirgen bis an die Baumgrenze geht, in Norddeutschland aber auch in der Ebene wächst. Während, wie die Blätter, auch die jungen Triebe der erstgenannten beiden gemeinen Birken kahl, höchstens von Wachsausschwitzungen rauh und warzig sind, sind diese bei der Haarbirke in der Jugend mit einem dichten, weichen Haarfilze überzogen, der im erwachsenen Zustande ganz schwindet oder nur auf die bärtigen Aderwinkel der Unterseite der Blätter beschränkt bleibt. Die Rinde von Weiß- und Hängebirke ist reinweiß, während sie bei der Haarbirke etwas ins Graue geht. Dafür behält letztere ihre glatte, in papierdünnen Bändern sich ablösende Rinde bis ins Alter am ganzen Stamm, während Weiß- und Hängebirke im höheren Alter am unteren Stammteil eine dicke, tiefrissige Borke von schwärzlicher Farbe und außerordentlicher Härte bilden. Da die Borke einen Schutz gegen Erwärmung und Verdunstung bildet, ist es begreiflich, daß die auf nassem Boden wachsende Haarbirke dieses Schutzes weniger bedarf als jene. Die Form der ziemlich dünnen, langgestielten Blätter sind bei Weiß- und Hängebirke dreieckig bis rautenförmig, bei der Haarbirke dagegen mehr oval.
Alle drei Birkenarten sind, besonders in der Jugend, sehr raschwüchsig und vermögen bei ihrer leichten Verbreitungsfähigkeit durch den Wind im Wald entstandene Lücken schnell auszufüllen. Dabei können aber Weiß- und Hängebirke durch das Hin- und Herpeitschen ihrer warzenbedeckten, lang herabhängenden Zweige im Winde die Nachbarpflanzen ziemlich belästigen, während die Zweige der Haarbirke sperriger und weniger hängend sind. Sie wird deshalb als Mischholz vorzugsweise zwischen Nadelbäume gepflanzt, da es wegen dieses Umsichschlagens der Zweige im Winde selten ein Laubbaum in ihrer Nachbarschaft aushält. Auch als Oberholz im Mittelwald und als Schutzbäume leisten die Birken gute Dienste. Sie bedürfen nur wenig Sonnenwärme, um ihr Wachstum zu beginnen, belauben sich schon, wenn die Tageswärme über 7° C. steigt, und verlieren ihre Blätter im Herbst, wenn dieser Wärmegrad nicht mehr erreicht wird. Dies befähigt sie, wenigstens zu Sträuchern verkrüppelt, bis zu den baumlosen Polarländern vorzudringen. Sie gedeihen am besten in frischen, nicht zu windigen Lagen auf feuchten, humusreichen Sandböden. Ihre Polargrenze stimmt mit derjenigen der Nadelhölzer nahe überein. Man erzieht die Birken leicht und sicher durch Pflanzung zwei- bis fünfjähriger Pflänzlinge, welche aus den Schlägen genommen werden, wo sie aus angeflogenem Samen von selbst wachsen.
Die Weißbirken bilden östlich der Weichsel ausgedehnte reine Bestände. Ihr Anbau in Deutschland datiert erst aus dem Beginne des 19. Jahrhundert, als man die durch lange Mißwirtschaft ermüdeten und verödeten Waldbestände wieder aufzufrischen suchte. Jetzt werden sie als Nutzholz häufig gepflanzt. Ihr dichtes, feines, sehr zähes, gelblichweißes Holz bildet keinen Kern, besitzt geringe Härte, arbeitet stark und wird in feuchter Luft sehr schnell morsch. Es dient hauptsächlich zu Leiterbäumen, Felgen, Deichseln, Zahnrädern und zu groben Schnitzwaren, wie Trögen, Holzschuhen usw.; als Brennholz rechnet man es zu den Harthölzern. Es brennt hell, gibt viel Hitze und, wie auch die daraus gebrannte Kohle, ein beständig lebhaftes Feuer. Die Ruten liefern das Material zu unsern gewöhnlichen braunen Besen, werden auch zu Strafruten, zu Dachreisig und als Wieden zum Binden gebraucht. Oft werden die Birken speziell zur Gewinnung von Reisig angepflanzt und die Bäume dann geschneitelt, d. h. die einzelnen Äste werden abgehauen, um ähnlich wie bei Kopfweiden jährlich die Schößlinge ernten zu können. Die harzreiche weiße Rinde ist fast unverweslich, man legt sie unter die Schwellen und Balken, die feucht oder auf Steinen zu liegen kommen, und benutzt sie zur Unterlage der Rasendächer, auch stellt man Körbe, Schnupf- und Tabaksdosen daraus her. Wegen ihres hohen Gerbstoffgehaltes wird sie auch zum Gerben benutzt. In Rußland wird aus der Birkenrinde und Birkenwurzel durch trockene Destillation der Birkenteer gewonnen, der zur Bereitung des Juchtenleders dient, dem er den eigentümlichen Geruch verleiht. Die Blätter dienen als Schaffutter, sind als harntreibendes Mittel beliebt und geben mit Alaun eine grüne Farbe, das Schüttgrün, und mit Kreide das Schüttgelb. Birkenknospen geben Birk- und Auerhühnern ein angenehmes Futter und den Finnländern einen beliebten Tee. Alte Stämme liefern beim Anbohren im Frühjahr einen durch 2 Prozent Traubenzucker süßen Saft, der zur Bereitung von Birkenwein und Birkenbier verwendet wird. Ein aus dem Stamm gewonnenes Harz dient in Rußland gegen Gicht und scheint schon in vorgeschichtlicher Zeit als Amulett zu gleichem Zwecke benutzt worden zu sein. Gemasertes Birkenholz gibt schönes Furnierholz, das meist unter dem Namen „schwedische Birke“ im Handel ist. Der bei der Verbrennung des Holzes entstehende Ruß findet zur Bereitung von Buchdruckerschwärze und Malerfarben Verwendung. Aus der Asche gewinnt man eine gute Pottasche. Zu Pfingsten abgehauene Birken werden als „Maien“ vor die Häuser, Kirchen und selbst in die Stuben gesetzt. Dieser Gebrauch ist ein Nachklang des Frühlingsfestes der alten Germanen. Daß die Birke bei diesen in hohem Ansehen stand, beweist, daß der zweite Buchstabe der Runenschrift b seinen Namen biârkan von der Birke hatte. Nach altem Volksglauben reiten die Hexen auf einem Birkenbesen zum Blocksberg. Die bis in unsere Zeit bei Studenten beliebten, „Birkenmaier“ genannten Becher aus Birkenstämmen mit der Rinde bildeten die Trinkgefäße der alten Germanen. Da die Birke in Griechenland, wie überhaupt im südöstlichen Europa, nicht wächst, kannten die Griechen diesen Baum nicht, wohl aber die Römer, die ihre fasces genannten Strafruten außer aus Ulmenzweigen gelegentlich auch aus Birkenreisig herstellten. Sie kommt in Norditalien noch auf der Nordseite hoher Berge wild vor. Der ältere Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte: „Der Spierlingsbaum (sorbus) und die Birke (betulla) lieben einen kalten Standort. Die Birke ist eigentlich ein gallischer Baum; ihre Rinde ist blendend weiß und dabei sehr dünn. Die Obrigkeiten gebrauchen ihre Ruten zum Strafen; sie dienen auch zu Reifen und Korbrippen. In Gallien kocht man aus Birken auch Teer (bitumen).“
Außer den besprochenen Baumbirken wächst als Vertreter der im Hochgebirge heimischen Strauchbirken auf den Mooren Norddeutschlands und auf den kalten Hochmooren Bayerns, wie der Alpen die Strauchbirke (Betula humilis), während ebenfalls als Relikt der Eiszeit auf den Alpen und auf den höchsten Mooren des Riesengebirges, des Erzgebirges und des Harzes die Zwergbirke (B. nana) als ein fast kriechender Strauch von höchstens 1 m Höhe mit selten über fingerdick werdendem Stämmchen gedeiht. In ihrer eigentlichen Heimat Nordeuropa, Nordasien und Kanada kann sie gelegentlich 6 m Höhe erreichen, während sie in Grönland und auf Spitzbergen sehr klein bleibt. Aus ihren feinen Wurzelfasern verfertigen die Lappländer ganz schöne Decken.
In Kanada und in den nördlichen Staaten der Union, aber auch in Sibirien und Japan wächst als ein bis 25 m hoher Baum mit weißen, in dünnen Häuten sich ablösender Rinde die Papierbirke (B. papyracea), aus deren Gesamtrinde man sehr leichte und dennoch dauerhafte Boote (canoes) verfertigt. Ebenfalls in Nordamerika, und zwar im östlichen Teile jenes Kontinents sind die weißbuchenblätterige Birke (B. carpinifolia) mit bräunlichgelber bis dunkelbrauner, selten hellgrauer Rinde, die 20 m hohe Schwarz- und Gelbbirke (B. nigra und lutea) mit schon sehr bald rissiger, schwarzer beziehungsweise gelber Rinde und die Zuckerbirke (B. lenta) zu Hause, werden aber oft in unseren Anlagen als Zierbäume kultiviert. Die Zuckerbirke wird 24 m hoch und besitzt eine braunschwarze, in dicken, breiten Stücken sich ablösende Rinde von gewürzhaftem und süßem Geschmack, weshalb sie den Indianern als Kaumittel und zur Bereitung erfrischender Getränke dient. Sie liefert bei der Destillation ein ätherisches Öl, das als Gaultheria- oder Wintergrünöl in den Handel gelangt. In Japan und in der Mandschurei sind die pappelblätterige Birke (B. populifolia) und die ulmenblätterige Birke (B. ulmifolia) zu Hause, während im Himalaja die zur Anfertigung von Papier dienende Bhojpatra- oder Churjibirke (B. utilis) mit brauner Stammrinde heimisch ist. Damit wären die wichtigsten Birkenarten aufgezählt.
Ihres Holzwertes wegen verdienen auch die bei uns meist nur als Zierbäume gepflanzten Platanenarten (Platanus) Beachtung. Das ziemlich feine, feste, harte und gut polierbare Holz dieser Kernbäume ist von zahlreichen ansehnlichen Markstrahlen durchsetzt und in Farbe und Eigenschaften unserem Rotbuchenholz sehr ähnlich. Wie dieses ist es des lästigen Arbeitens wegen in massiver Verwendung zu besseren Möbeln wenig brauchbar, wohl aber zu Furnieren, sowie zu Galanterie- und Drechslerwaren, ist aber weniger haltbar als jenes. Die überall bei uns verbreitete, durch Stecklinge vermehrte Art ist die ahornblätterige Platane (Platanus acerifolia), ein Kreuzungsprodukt der wetterhärteren nordamerikanischen und griechischen Platane (Pl. occidentalis und orientalis). Ihre großen Blätter sind dem Ahornlaub ähnlich handförmig gelappt und der schlanke Stamm stößt fortwährend die Borke in unregelmäßigen, dünnen Schuppen ab, so daß der Schaft glatt bleibt und gelblich gefleckt erscheint.
Vielseitiges Nutzholz liefern die Ahornarten (Acer), von denen wir den Bergahorn (Acer pseudoplatanus), den Spitzahorn (A. platanoides) und den Feldahorn oder Maßholder (A. campestre) unterscheiden. Die handförmig fünflappigen Blätter erinnern beim Bergahorn durch ihre abgerundeten Ecken lebhaft an das Weinlaub, während sie beim Spitzahorn scharf ausgezogene Spitzen besitzen und etwas denjenigen der Platane ähneln. Während letzterer die abwärts hängenden Blütentrauben erst nach der Entfaltung der Blätter entwickelt, läßt ersterer seine aufrechten gelben Blütendolden schon im April und Mai leuchten. Die Früchte sind einsamige Nüßchen, die je zu zweit miteinander verwachsen sind und sich in lange grüne Flügel fortsetzen, damit sie der Wind in spiraliger Bahn um sich selbst wirbelnd davontrage. Diese Flügel der Doppelfrucht stehen beim Bergahorn in spitzem Winkel zusammen, beim Spitzahorn dagegen bilden sie einen stumpfen Winkel und beim Feldahorn, bei dem die Früchte filzig behaart sind, stehen sie wagrecht auseinander. Bei letzterem, der nur selten zum stattlichen Baum heranwächst und uns in der Regel nur als Buschwerk am Waldrand und in Feldhölzern entgegentritt, sind die ebenfalls fünflappigen Blätter kleiner als bei den andern beiden Arten, die Lappen der letzteren sind abgerundet und ziemlich ganzrandig. Wie der Name schon sagt, ist der Bergahorn ein echter Gebirgsbaum, der in den Alpen bis 1600 m hoch steigt und nördlich bis Dänemark und Gothland geht; der Spitzahorn, der ebenfalls 20–25 m hoch wird, steigt weniger hoch, geht aber weiter nach Osten und Norden als ersterer. Das Holz dieser Ahornarten ist gelblichweiß, beim Feldahorn meist ins Rötliche übergehend, mittelschwer, mäßig hart, sehr fein mit oft kaum sichtbaren Jahresringen, glatt zu bearbeiten und leicht polierbar; vermöge seiner Eigenschaft, nur mäßig zu schwinden und zu reißen, ist es für furnierte und massive Möbel, Tischplatten und zur Herstellung musikalischer Instrumente vorzüglich geeignet. Es ist auch ein gutes Drechslerholz und findet in der Hausindustrie zu Schnitzwaren, Küchengeräten, Laubsägearbeiten und Schuhmacherleisten vielseitige Verwendung. Seine Dauerhaftigkeit ist aber nur im Trockenen eine gute; doch wird es hier, wenn nicht luftig gehalten, gern von Würmern angegangen. Der Ahornmaser ist sehr schön, ebenso das wellige (flammige) Holz, das meist dem Spitzahorn eigen ist und an alten Stämmen durch Welligwerden der Jahresringe, entsprechend den Rissen der rötlichbraunen Borke, entsteht. Trotzdem das Holz des Feldahorns seiner schönen Maserung wegen sehr gesucht ist, wird der Baum seines langsamen Wuchses wegen nicht im Hochwald angepflanzt, dagegen sichert ihm seine Ausschlagsfähigkeit im Niederwaldbetrieb einen Platz. Der besonders im Frühjahr stark zuckerhaltige Saft der Ahornarten wird bei uns kaum genutzt, wohl aber in Nordamerika, wo der im Herbst ein orangefarbenes Laubwerk aufweisende Zuckerahorn (A. saccharinum) zu Hause ist und vorzugsweise dazu verwendet wird. Dieser Baum ist als durchaus winterhart auch in unsere Wälder eingeführt worden, spielt aber darin noch keine nennenswerte Rolle. Noch weniger ist dies beim ebenfalls aus Nordamerika bei uns eingeführten Silberahorn (A. dasycarpum) der Fall, dessen zierliches, scharf eingeschnittenes Laubwerk ihn als Park- und Straßenbaum empfiehlt. Als solcher ist er besonders in Süddeutschland eingebürgert, ferner der gleichfalls nordamerikanische Eschenahorn (Acer negundo), so genannt wegen seiner unpaarig gefiederten Blätter. Außer diesen ist er an seinen lange vor dem Ausbruch des Laubes erscheinenden, hängenden Blütenbüscheln und den kleinen, mit den Flügeln sich berührenden Doppelfrüchten erkenntlich. Auch er wird wie der gleicherweise nordamerikanische Schwarz- und Rotahorn (A. nigrum und rubrum) in seiner Heimat zur Gewinnung von Ahornzucker angezapft und ist eine Zierde unserer Anlagen und Alleen. Die Spielart des Eschenahorns mit weißbunten und gelbbunten Blättern wird als die Krone unserer panachiertblätterigen Bäume angesehen. Zu den schönsten Schmuckhölzern zählt eine Maserbildung des Ahorns, die besonders häufig und in großer Schönheit am amerikanischen Zuckerahorn auftritt und unter dem Namen „Vogelaugenmaser“ als Furnierholz die höchsten Preise erzielt. Da die Maserbildung für gewöhnlich nur in den äußeren Stammschichten auftritt, erfolgt das Schneiden der Furniere durch Abschälen um den Stamm. Grau gebeizt sind diese Furniere unter dem Namen „Maple“ im Handel.
Von den 39 in der gemäßigten und subtropischen Zone der Nordhemisphäre, besonders in Nordamerika, Ostasien und dem Mittelmeergebiet, heimischen Eschen (Fraxinus) ist die bei uns vorkommende gemeine Esche (Fraxinus excelsior, d. h. die hochragende) einer unserer schönsten Waldbäume mit hohem, schlankem Stamm, in der Jugend hellgrauer, glatter, im Alter braungrauer, rauher, durch quere Borkenrisse ausgezeichneter Rinde, großen, schwarzen Knospen an den glatten, graugrünen Trieben, mit 3–6paarigen Fiederblättern und vor dem Laub erscheinenden, nackten, d. h. kronenlosen Zwitterblüten, die mit ihren roten bis violetten Staubgefäßen in dichten Büscheln an den alten Trieben sitzen und nach der Befruchtung in einen zungenförmigen, deutlich geaderten Flügel auslaufende längliche Früchte hervorgehen lassen. Als große Seltenheit trifft man auch Eschen mit ungefiederten, höchstens am Grunde gelappten Blättern, die als Rückbildung zur ursprünglichen, einfachen Form angesehen werden müssen. Ist die Gipfelknospe eines Triebes durch Frost oder Insekten zerstört worden, so übernehmen zwei gleichstarke Seitenknospen die Führung und verursachen eine typische Zwieselbildung.
Die gemeine Esche findet sich in ganz Europa bis 60° nördlicher Breite, ebenso in Nordasien und im Orient in feuchten Wäldern, dann an Fluß- und Bachufern. Sie gedeiht noch in Sümpfen, nicht aber auf Sandboden, erreicht eine Höhe von 40 m und steigt in den Alpen bis 1200 m hinauf. Sie verlangt frischen, fruchtbaren Boden, kann aber dank ihres außerordentlich weit verzweigten Wurzelsystems, das überall das versinkende Oberflächenwasser aufzunehmen vermag, auch auf lockeren Schutthalden von Kalkgebirgen, wie z. B. auf der Schwäbischen Alp und im Schweizer Jura, fortkommen. Die Wurzel dringt nicht weit in den Boden, breitet sich aber nach allen Seiten weit aus, so daß sie den Boden dennoch von aller in ihm enthaltenen Feuchtigkeit auszusaugen vermag. Außer Bodenfeuchtigkeit braucht sie Licht, ist aber gegen Frost und Hitze empfindlich. Sie meidet daher wie den Sandboden, so auch die rauheren Gebirgslagen. Man pflanzt sie in Laubholzbeständen an, kultiviert sie aber am häufigsten im Niederwaldbetrieb. Ihr von jungen Bäumen weißes, von älteren dagegen bräunlichgelbes, mit breiten Jahresringen, aber feinen Spiegeln versehenes Holz ist dicht, hart, sehr zähe und elastisch, gut spaltbar, nicht leicht reißend und sehr tragfähig. Diese Eigenschaften machen es zur Herstellung von Axt- und Hammerstielen, von Drechsler- und Wagnerarbeiten, landwirtschaftlichen Werkzeugen, Turn- und Sportgeräten, besonders Schneeschuhen und Schlitten, aber auch als Tischlerholz vorzüglich geeignet. Vornehmlich geschätzt ist der ungarische Eschenmaser von alten Stämmen mit welligem Verlauf der Holzfasern. Furniere mit solchem Maser werden mit 10–12 Mark pro Quadratmeter bezahlt. Im Brennwert rangiert das Eschenholz dicht hinter dem Eichenholz. Das Laub wird von Schafen und Ziegen gerne gefressen und ist ein gutes Viehfutter, das als solches besonders in Steiermark und Kärnten, aber auch in den grasarmen Mittelmeerländern viel benutzt wird. Wie das junge Eschenholz auch zu Faßreifen, werden die jungen Triebe zu Lanzenschäften, Peitschenstielen usw. verwendet. Schon Homer, der allerdings von der weiter im Süden wachsenden Blumen- oder Mannaesche (Fraxinus ornus) als melíē in Ilias und Odyssee mehrfach spricht — die gemeine Esche wächst nur auf den Gebirgen Makedoniens und am Südabhang der Alpen — sagt von der Esche, sie wachse in Gebirgstälern und diene zu Speerschäften, Türschwellen und -Pfosten. Auch die Römer haben diese im Auge, wenn sie von fraxinus sprechen. So sagt der Ackerbauschriftsteller Columella: „Die Esche gibt ein Laub, das Schafen und Ziegen sehr angenehm und auch für Rindvieh recht brauchbar ist. Man zieht sie deswegen in eigenen Pflanzungen.“ Sein Zeitgenosse Plinius aber schreibt in seiner Naturgeschichte: „Die Esche wurde ihres Holzes wegen geschaffen. Ihr Wuchs ist hoch und schlank; ihre Blätter sind gefiedert (pinnatus). Sie ist durch Homer und des Achilles Lanze berühmt geworden. Das Holz ist jedenfalls zu vielerlei Gebrauch gut. Das Holz der auf dem Ida in der Landschaft Troas wachsenden Eschen ist dem Cedernholze so ähnlich, daß es kaum davon unterschieden werden kann, wenn es geschält ist. Griechische Schriftsteller behaupten, Eschenlaub sei Pferden und Maultieren tödlich; in Italien ist dies jedenfalls nicht der Fall. Dagegen ist der aus ihnen gepreßte Saft, getrunken und auf die schwellende Bißwunde gelegt, das beste Mittel gegen Schlangengift. Die Wirkung ist so groß, daß jede Schlange den Eschenbaum von weitem flieht und seinen Schatten selbst dann meidet, wenn er früh und abends am längsten ist. Ich habe selbst gesehen, daß eine Schlange, welche in einen Kreis zwischen Eschenblätter und Feuer gelegt wurde, sich lieber ins Feuer stürzte, als die Blätter berührte. Es ist eine große Wohltat der Natur, daß die Eschen früher blühen, als die Schlangen erscheinen, und daß sie nicht eher die Blätter abwerfen, als bis die Schlangen zur Winterruhe gegangen sind.“ Natürlich ist dies Aberglaube, wie er in damaliger Zeit selbst bei den Gebildetsten weit verbreitet war. Die Blumen- oder Mannaesche, von der hier die Rede ist, findet sich in Bergwäldern Südeuropas, waldbildend namentlich im Karst, in Kroatien, Slavonien, Dalmatien und im Orient und wird besonders in Sizilien kultiviert, da sie durch im Frühjahr in ihre Rinde gemachte Einschnitte die Manna als einen süßen, an der Luft erhärtenden Saft liefert. Bei uns findet sie sich nur als Zierholz angepflanzt. Sie ist ein buschiger kleiner Baum oder Strauch, dessen Blüten grüne Kelch- und weiße Kronblätter tragen.
Von der gemeinen Esche, die in der germanischen und nordischen Mythologie eine bedeutende Rolle spielt — man denke nur an die Weltesche Ygdrasil und die Abstammung des Mannes von der Esche, während die Frau aus der Erle hervorging — kultiviert man als Zierbäume verschiedene Abarten, wie die einblätterige Esche, die Trauer- oder Hängeesche, die Goldesche mit rötlichgelber Rinde usw. In Parkanlagen werden auch mehrere nordamerikanische Arten, wie die Weiß-, Rot-, Schwarz- und Blauesche angepflanzt. Unter ihnen ist besonders die Weißesche (Fraxinus americana), weil viel frosthärter und später als die gemeine Esche austreibend, neuerdings auch in einzelnen Versuchspflanzungen als Waldbaum bei uns angesiedelt worden. Auf einer Esche (Fraxinus chinensis) in Südchina und Annam wird die Wachsschildlaus (Coccus pe-la) gezüchtet, die das chinesische Wachs liefert.
Der Baum, der am innigsten mit dem deutschen Volksleben verwachsen ist, ist die Linde (Tilia). Sie galt den alten Germanen und Slaven als heiliger Baum und war der weiblichen Gottheit Herka oder Frau Holle, bei den Slaven der Liebesgöttin Krasopani geweiht. In Sitte und Sage spielt sie eine sehr wichtige Rolle. Wie heute noch alle Volksfeste sich unter der alten Dorflinde abspielen, so kamen unsere Vorfahren mit Vorliebe unter ehrwürdigen Lindenbäumen zusammen. So gibt es in Deutschland noch viele Gerichts-, Vehm-, Blut-, Geisterlinden usw. An Gerichtsstätten standen wenigstens drei, meist aber sieben Linden. Das in der Regel am Hauptbaume befestigte roh geschnitzte Götterbild hieß Wigbild, woraus später Weichbild, im Sinne von Grenze des Gerichts, später Stadtgrund, entstand. Berühmt ist namentlich die altehrwürdige Vehmlinde bei Dortmund. Auf Burgen und in Klöstern war die Linde Hausbaum. Dort wurde der Gast im Sommer bewirtet, dort wurde erzählt, gezecht, gespielt und der fahrende Spielmann oder Sänger angehört. Wie auf den Burgen war die Linde auch im Kloster der Baum der Erholung und als solcher meist am Brunnen gepflanzt. Weil der Baum als Bildstock für Marien- und Heiligenbilder benützt zu werden pflegte, wurde er wie diese selbst mit dem Nimbus der Heiligkeit und Wundertätigkeit umgeben, zu dem man nicht selten Wallfahrten unternahm. Am meisten beschäftigen sich Lindensagen mit der Mutter Gottes als der Nachfolgerin der heidnischen Herka oder Frau Holle. Außer religiösem Aberglauben hat die Volksmeinung, wonach der Blitz nicht in Linden einschlagen soll, viel dazu beigetragen, daß häufig Linden an Feldwege und auf Viehtriften zum Schutze der Hirten und Feldarbeiter gepflanzt wurden. Auch zum Verbrennen der Toten wurde, wie uns die Kohlenreste alter Grabhügel beweisen, mit Vorliebe Lindenholz als dasjenige eines heiligen Baumes genommen. Zahlreiche Ortschaftsnamen weisen auf die Linde, so vor allem auch Leipzig, das Lindenstadt bedeutet. Der Name ist aus dem slavischen Worte Lipsk entstanden, das aus lipa Linde gebildet ist. Die berühmteste Linde Deutschlands ist die zu Neustadt am Kocher in Württemberg, von welcher die Stadt auch Neustadt an der Linde heißt. Sie hat an ihrem Fuße 12 m Umfang. Ihre mächtigen Äste wurden schon im Jahre 1392 durch 60 steinerne Säulen gestützt, und ein Gedicht von 1408 sagt: „Vor dem Thor eine Linde staht, die 67 Säulen hat.“ Im Jahre 1831 wurden diese Stützsäulen auf 166 vermehrt. Ein abgebrochener Ast gab 7 Klafter Holz. Diese Linde muß gegen 800 Jahre alt sein. Die stärkste Linde Deutschlands ist aber diejenige auf der Burg zu Nürnberg, welche bei nur 18 m Höhe einen Stammumfang von 14 m aufweist. Ihr Stamm ist so weit hohl, daß man durch ihn wie durch ein Tor zu Pferde hindurchreiten kann. Sie ist wohl über 800 Jahre alt. Unter der Schirmfläche der Linde zu Vilsen im Hannoverschen versammeln sich jeden Sonntag 13 Gemeinden zum Gottesdienst. Unter der Linde von Augustusburg, die einen Stammumfang von 12 m besitzt, hatten einst 120 Speisetische Platz. Vom Kurfürsten August von Sachsen, der das Schloß Augustusburg baute, existieren noch viele Verordnungen, die mit: „Gegeben unter der Linde“ unterzeichnet sind. In alten Linden, die in der Nähe von Kirchen stehen, findet man zuweilen noch eiserne Ringe und Klammern. Diese dienten einst als Klammern für diejenigen, die hier öffentlich Kirchenbuße zu leisten hatten.
Man unterscheidet bei uns zwei Arten von Linden: Die kleinblätterige oder Winterlinde (Tilia parvifolia) und großblätterige oder Sommerlinde (T. grandifolia). Letztere ist in Deutschland weniger verbreitet als erstere. Beide haben eine weitverzweigte, tiefgehende Wurzel, einen kräftigen Stamm mit im Alter ziemlich dicker, graubrauner oder schwarzgrauer, rissiger Rinde. Die Innenrinde liefert einen trefflichen Bast. Die Äste beginnen schon tief unten am Stamm und breiten sich ringsum nach allen Seiten hin aus. Die unteren halten sich fast wagrecht; je weiter nach oben, desto mehr streben auch die Äste aufwärts. An den wagrecht ausgebreiteten oder niederhängenden Zweigen stehen die rundlichen, zugespitzten, scharf gesägten und am Grunde ausgeschnittenen Blätter, die bei der Winterlinde kleiner, oberseits dunkelgrün, unterseits blaugrün und kahl sind, während sie bei der anfangs Mai, statt wie die vorige Mitte Mai, ausschlagenden Sommerlinde unterseits hellgrün und kurz behaart sind. In den Winkeln der Blattnerven der Unterseite stehen als Acarodomatien oder Milbenhäuschen kleine Haarbüschel, die bei der Winterlinde rostfarbig, bei der Sommerlinde dagegen gelblichweiß sind. Die gelblichen Zwitterblüten hängen in Trugdolden geordnet an langem, mit zungenförmigem Deckblatte verwachsenem Stiele zu 5–7 bei der Winterlinde und zu 2–3 an der 14 Tage später, d. h. Ende Juni bis Mitte Juli blühenden Sommerlinde. Sie liefern einen als Hausmittel vielgebrauchten Tee. Die filzig behaarten Nußfrüchtchen benutzen das gemeinsame Deckblatt als Flugapparat, bleiben aber, besonders bei der später reifenden Winterlinde, oft bis zum Frühjahr am Baume. Die Keimung erfolgt wie bei manchen anderen Bäumen erst im zweiten Frühjahr. Die zwei Keimblätter sind handförmig geteilt, im Gegensatz zu der sonst gültigen Regel, nach der sie einfacher geformt sind als das spätere Laubblatt. Die zweijährigen Pflänzlinge werden umgepflanzt: damit sie recht erstarken, empfiehlt es sich, sie etwa im fünften Jahre ein zweites Mal im Pflanzbeet umzulegen. Die Linde zeigt von Jugend an ein freudiges Wachstum und bildet einen anfangs fast immer walzenrunden, glänzend bräunlichen, mit weißlichen Warzen überstreuten Stamm, der schon in geringer Höhe Äste ausstreckt, welche sich gern flach ausbreiten. Die Krone wölbt sich frühzeitig ab und wird mit dem Alter immer dichter und umfangreicher. Die tiefgreifende und sich weithin verzweigende Wurzel befähigt die Linde den stärksten Stürmen zu trotzen.
Die Winterlinde bevorzugt den frischen, feuchten Waldboden der niederen Vorberge und Ebenen, während die Sommerlinde auch in trockeneren Lagen wächst. Beide gedeihen schlecht im Nassen. Sie bilden bei uns keine reinen Waldbestände wie in den russischen Ostseeprovinzen, sondern finden sich immer nur einzeln in Wäldern, werden bis 30 m hoch und erreichen ein tausendjähriges Alter. Die Winterlinde ist in Deutschland überall die gemeinere, die Sommerlinde dagegen wird häufiger angepflanzt und geht auch höher in die Gebirge. Wegen ihres schnellen Wuchses, ihres dichten Schattens und angenehmen Geruches der Blüten sind sie als Alleebäume beliebt. Ihr rasches Wachstum, die Fähigkeit vom Stamm und der Wurzel wieder auszuschlagen und gleich der Buche den Boden zu verbessern, machen sie auch forstlich wichtig. In 8–10 Jahren sind sie als Reißholz, in 20–25 Jahren als Schlagholz und in 60–80 Jahren als Bauholz verwendbar. Doch legt der Forstmann wenig Wert auf Linden, weil der Brennwert ihres Holzes nur ein Drittel desjenigen des Buchenholzes beträgt und die Linde gleichwohl denselben Boden fordert, wie die edleren Harthölzer. Das weißlichgelbe bis rötlichweiße, feine, weiche, gut zu bearbeitende und, wenn richtig getrocknet, wenig arbeitende Holz eignet sich vermöge der Eigenschaft, sich in jeder Richtung schnitzen, drehen und hobeln zu lassen, vorzüglich als Bildhauer- und Modellschreinermaterial. Namentlich werden Heiligenbilder aus Lindenholz geschnitzt, weshalb es früher als „Heiligenholz“ bezeichnet wurde. Noch mehr dient es zum Schnitzen von Spielwaren, Löffeln, Wurfschaufeln usw., zu Reißbrettern, massiven Möbeln, die besonders in Rußland sehr beliebt sind, und als Blindholz für furnierte Arbeiten. Dauer behält das dem Wurmfraß nur wenig ausgesetzte Holz bloß im Trockenen, für freie Lagen dagegen, in denen es dem Wechsel unterworfen ist, ist es unbrauchbar. Die festen, leichten Lindenkohlen dienen als Reißkohle zum Zeichnen, zur Fabrikation von Schießpulver, Zahnpulver und Räucherkerzen. In Rußland und Westamerika benutzt man mit Maschinen geschnittene Lindenholzfasern als Füllmaterial für Bettmatratzen fürs gemeine Volk. Die Rinde verwendet man in Rußland zu Schlittenkörben, Wagen, Kisten und zum Dachdecken. Der innere Bast wird im Mai von 20–30 jährigen Stangenhölzern in Streifen von 6–9 cm Breite abgeschält, wie Flachs in Wasser gerottet, im Oktober dann durch Klopfen und Waschen von den leichter zersetzbaren Bestandteilen befreit, so daß nur die ein feines Maschennetz bildenden, sehr dickwandigen Bastzellen zurückbleiben, worauf man die einzelnen Jahreslagen voneinander trennt. In Rußland, das den meisten Lindenbast liefert, verfertigt man daraus Körbe, Decken, Stricke, Siebe, besonders aber die zum Verpacken von Waren dienenden Bastmatten; man verwendet ihn auch zum Anbinden von Blumen. Ein Baum von 10 m Höhe und 30–40 cm Stammumfang liefert 45 kg Bast, für 10–12 Matten ausreichend. Rußland liefert jährlich 14 Millionen Stück Matten. Die herrlich duftenden Lindenblüten erfreuen nicht nur den Menschen, sondern liefern eine treffliche Bienenweide und einen vielbenutzten schweißtreibenden Tee, auch das offizinelle Lindenblütenwasser. In trockenen Jahren schwitzen die Blätter, auch ohne daß Blattläuse im Spiele sind, den Honigtau als eine süße, klebrige, bald an der Luft verdickende Flüssigkeit aus, welche ihnen das Aussehen gibt, als seien sie mit Firnis überstrichen. Nach einigen Tagen wird diese Ausschwitzung teerartig und schwarz, dabei werden die Blätter ganz schlaff. Da sich leicht Schmarotzerpilze darauf entwickeln, wenn der Honigtau nicht bald vom Regen abgewaschen wird, so ist er für die Pflanze schädlich.
Auf den griechischen Gebirgen wächst die von Ungarn bis Westasien heimische morgenländische Silberlinde (Tilia argentea) mit an der Oberseite matten, unterseits aber dicht weißfilzigen Blättern. Sie ist die phílyra der Griechen, die Theophrast beschreibt. Sie ist jedenfalls auch der Baum, den die Römer als tilia bezeichneten; denn die Winter- und Sommerlinde kommen als Südgrenze ihrer Verbreitung nur noch auf den Bergen Norditaliens vor. Plinius schreibt von ihr: „Man unterscheidet bei den Linden (tilia) männliche und weibliche Bäume. Der Saft der Blätter und Rinde ist süß, aber die Frucht rührt kein Tier an. Zwischen Rinde und Holz liegt ein häutiges Gewebe, der Bast, aus welchem man Bänder macht, die tiliae heißen die feinsten nennt man philyrae, braucht sie zum Binden von Kränzen und hält sie seit alter Zeit in Ehren. Das Holz ist dem Wurmfraß nicht unterworfen, mäßig hoch, aber nützlich. Die Blätter dienen als Arznei.“ Außer dieser morgenländischen wird auch die abendländische Silberlinde (Tilia alba) aus Nordamerika mit auf der Unterseite schwach filzig behaarten Blättern und großen Blüten neben der von ebendort stammenden Schwarzlinde (T. americana) in Anlagen gepflanzt, doch nur ausnahmsweise bei uns als Nutzholz gezogen.
Sehr beliebte Alleebäume sind auch die Ulmen oder Rüstern (Ulmus), deren Zweige lange, starre Ruten bilden, die mit zwei Reihen gleichlaufender Kurztriebe, an ihrem jüngsten Teile mit ebenso laufenden eiförmigen, scharf zugespitzten und gesägten Blättern besetzt sind. Leider sind letztere sehr oft von Blattläusen dicht besetzt und unterseits eingerollt, auch häufig durch Gallen verunstaltet. Abgesehen von diesen Nachteilen gehören die Ulmen zu den schönsten Zierbäumen und wachsen unter günstigen Umständen sehr rasch. Ihr ziemlich schweres, hartes, schwer spaltbares, aber glattes, elastisches, zähbiegsames, im Splint gelblichweißes, im Kern hellbraunes bis dunkelrotbraunes, oft fleckiges und maseriges Holz gehört mit zu den festesten und dauerhaftesten Holzarten, sowohl bei Verwendung im Trockenen, als auch im Freien und unter Wasser. Es ist ein ausgezeichnetes Wagner- und ein in neuerer Zeit auch viel verwendetes Möbelholz; doch ist es seiner schwierigen Bearbeitung wegen bei den Tischlern nicht besonders beliebt. Da es in der Dauer dem Eichenholze kaum nachsteht und auch dem Wurmfraße fast gar nicht ausgesetzt ist, eignet es sich besonders zu Bau- und Werkholz, ist auch der auffälligen Maserung wegen zu feinen Furnieren sehr gesucht, liefert ferner gute Kohlen. Das Holz gibt Pottasche; die getrockneten und frischen Blätter geben ein gutes Schaffutter. Die jüngere Rinde dient zum Gerben und Gelbfärben. Am häufigsten ist bei uns die Feldulme (Ulmus campestris), ein bis 30 m hoher, ein Alter von mehreren hundert Jahren erreichender Baum, der im Gebirge bis 800 m hoch steigt und sich von Nordafrika durch Europa bis Sibirien und Kleinasien findet. Man kultiviert ihn in zahlreichen Varietäten. Noch höher steigt die Bergulme (U. montana), bei der die Flughaut statt am oberen Rande der Frucht in der Mitte derselben liegt. Bei beiden sitzen die Früchte dicht am Zweige, bei der Flatterulme (U. effusa), die in Wäldern und Vorhölzern von Gebirgsgegenden wächst und bei uns häufig in der Nähe von Ortschaften angepflanzt wird, flattern sie an einem langen Stil und tragen außerdem am Rand einen feinen Wimperkranz. Letztere nimmt mit ärmeren Böden als die beiden erstgenannten vorlieb und ist vornehmlich im Flachland zu Hause. In neuester Zeit werden aber die meisten Anpflanzungen von der Waldulme (U. scabra) gemacht, die in Europa und Nordasien bis zum Amur heimisch ist.
Auch das Holz der schon im Jahre 1600 aus Virginien nach Frankreich gebrachten nordamerikanischen gemeinen Robinie oder falschen Akazie (Robinia pseudacacia) wäre ein vorzügliches Bau- und Konstruktionsholz und würde jedenfalls auch als Wagner-, Drechsler- und Möbelholz benutzt, wenn es in größerer Menge zur Verfügung stände. Der Kern zeigt ein gelb- bis rötlichbraunes Holz, das schwer, hart, elastisch, zähe und schwierig zu bearbeiten ist, aber eine große Festigkeit und sehr große Dauer besitzt. Wenn sich diese Holzart in unsern Gegenden überhaupt gehalten hat, so ist daran nur ihre große Anspruchslosigkeit an die Bodenverhältnisse schuld, nicht aber der Mensch, der zu ihrer Verbreitung nur wenig getan hat und sie nur selten rationell zu großen Bäumen zieht, sondern sie stets noch jung abholzt, um sie zu Rebstöcken und Stützen anderer Pflanzen zu verwerten.
Dem Ulmen- und Akazienholz sehr ähnlich ist dasjenige der Maulbeerbäume (Morus). Es ist sehr hart, schwer, dauerhaft und wird in der verschiedensten Weise, in Südeuropa und Asien auch als Faß- und Schiffsbauholz, zu Straßenpflaster und Hafenbauten verwendet. Ebenso hart und fest, doch leider stark reißend und sich werfend ist das Holz der verschiedenen Sorbusarten. Dasjenige des Vogelbeerbaums (Sorbus aucuparia) liefert ein vorzügliches Holz für den Wagner, auch für Drechsler und Holzschnitzer, während dasjenige von Spierling (S. domestica) und Mehlbeerbaum (S. aria) besonders für Maschinenbauer, Formstecher und Instrumentenmacher hohen Gebrauchswert besitzt. Auch unsere Obstbäume liefern vorzügliche und vielseitig verwendbare Hölzer. Das Holz des Birnbaums ist schwer, dicht und hart, sehr fein und im Trockenen dauerhaft, es wirft sich zudem wenig und nimmt eine vorzügliche Politur an. Es ist deshalb ein hochgeschätztes Schreinerholz, das besonders schwarz gebeizt als Ebenholzimitation für feine Möbel viel verwendet wird, ferner ein gutes Drechsler- und vorzügliches Schnitzholz, vornehmlich für den Holzschneider bildet, der es als Surrogat für das seltenere und teurere Buchsbaumholz in Verwendung nimmt; deshalb wird das Birnbaumholz auch als „deutscher Buchsbaum“ bezeichnet. Das Holz des Apfelbaums ist zwar härter und fester, aber weniger beliebt, da es sich stärker wirft und reißt. Man verwendet es mit Vorliebe für Werkzeuge. Das rötlichweiße Kirschbaumholz ist mäßig hart und schwer, sehr fein, gut zu beizen und zu polieren, schwindet aber sehr stark. Gut getrocknet ist es ein schönes, in neuerer Zeit wieder sehr beliebtes Möbel- und Drechslerholz. Das rotbraune Holz der Pflaumen- und Zwetschenbäume ist auch sehr fein, hart und ausgezeichnet polierbar, aber sehr spröde und stark reißend. Es wird vornehmlich für feine Kunstschreiner-, namentlich aber für Drechsler- und Holzschnitzarbeiten verwendet.
Sehr schwer, fest, hart und zähe ist auch das Holz von Kornelkirsche, Hartriegel und Weißdorn; man verwendet es zu kleineren Dreharbeiten, Hammerstielen, Radkämmen, Spazier- und Regenschirmstöcken. Ein sehr brauchbares Wagner- und Drechslerholz liefert der schwarze Holunder. Aus seinen Wurzelstöcken, die häufig schönes Maserholz besitzen, werden mit Vorliebe Pfeifenköpfe geschnitzt. Zu letzterem Zwecke werden namentlich auch die Wurzelstöcke der in Südfrankreich und auf Korsika vorkommenden Baumheide (Erica carnea), die unter dem Namen Bruyèremaser im Handel sind, benutzt. Vorteilhafte Verwendung zu feineren Drechsler- und Einlegearbeiten, Zahnstochern und dergleichen findet das, wenn zur richtigen Zeit gefällt, schön gelbe, ziemlich harte, feine und leicht zu schneidende Holz des Spindelbaums oder Pfaffenhütchenstrauchs (Euonymus europaeus). Ein unübertreffliches Material für Räder, Wagendeichseln, besonders aber Peitschenstöcke liefert der in Südeuropa wachsende Zürgelbaum (Celtis australis), dessen Holz demjenigen der ihm sehr nahe verwandten Ulme ähnelt, aber zäher und elastischer als dieses ist. Auch der gemeine Flieder (Syringa vulgaris), die Stechpalme (Ilex aquifolium), die Berberitze (Berberis vulgaris), der Goldregen (Cytisus laburnum) und der Essigbaum (Rhus coriaria) liefern vorzügliches Holz für kleinere Drechsler- und Kunstschreinerarbeiten.
Neben all diesen heimischen Holzarten werden eine Menge außereuropäischer Hölzer als Schmuckhölzer bei uns eingeführt, um zu Klaviergehäusen, Salonmöbeln, Billardtischen usw. verarbeitet zu werden. Unter ihnen ist wohl das Ebenholz, das seit ältester Zeit im Gebrauch stehende und teilweise wertvollste aller Schmuckhölzer. Unter diesem Namen faßt man eine Menge schwerer, dunkler und äußerst harter Hölzer von hoher Politurfähigkeit, aber großer Sprödigkeit zusammen, die von verschiedenen in den wärmeren bis tropischen Regionen gedeihenden Bäumen der Gattung Diospyros abstammen. Das gebräuchlichste derselben ist dasjenige des indischen Ebenholzbaums (Diospyros ebenaster), eines Baumes aus der Familie der Ebenazeen mit bis 26 cm langen wechselständigen Blättern, achselständigen, auch aus altem Holze entspringenden, gelblichweißen oder grünlichen Blüten in Trugdolden und bis 10 cm langen olivengrünen, als „Mehläpfel“ bezeichneten eßbaren Früchten mit gelbem, schleimigem, säuerlichem Fleisch. Der in Vorder- und Hinterindien, wie auch im indischen Archipel sehr verbreitete Baum wird auf Mauritius kultiviert und ist neuerdings auch im tropischen Amerika eingeführt worden. Er liefert einen Teil des indischen Ebenholzes, besonders des Ceylonebenholzes. Das Splintholz junger Bäume ist weißlich und hin und wieder mit weißen, nach dem Kerne hin sich vermehrenden schwärzlichen Adern durchzogen. Bei alten Bäumen jedoch ist das Weiße kaum fingerdick, alles übrige ist schwarz und von so gleichmäßiger Textur, daß man die Spiegel und Jahresringe nicht leicht bemerkt. Dadurch und durch die größere Schwere unterscheidet sich das echte Ebenholz leicht von schwarzgebeizten hiesigen Holzarten, namentlich vom Eichenholz.
Neben dem indischen gibt es auch afrikanisches Ebenholz, von dem das Madagaskarebenholz von D. haplostylis mit weißem Splint und tief blauschwarzem Kern als das schönste gilt. Das Sansibar-, Kamerun- und Makassarebenholz von verschiedenen anderen Diospyrosarten ist weniger schön, von oft grauer bis braunschwarzer Farbe. Ein reh- bis kaffeebraunes, oft regellos schwarz gestreiftes, wie mit Tinte übergossenes, aber schönes und seltenes Holz ist unter dem Namen buntes oder streifiges Ebenholz, auch Koromandelebenholz von D. hirsuta, so genannt, weil es zumeist von der Koromandelküste in Ostindien ausgeführt wird, im Handel. Alle diese Ebenhölzer kommen in Stämmen von oft gewaltiger Größe zu uns, gehören zu den schönsten und teuersten Schmuckhölzern und waren das geschätzteste Holz des Altertums. Schon im Alten Testament wird es als Luxusholz erwähnt. Im 5. Jahrhundert schreibt der griechische Geschichtschreiber Herodot: „Die Abgaben, welche die an Ägypten grenzenden Neger dem Perserkönig Dareios alle zwei Jahre entrichteten und noch entrichten, bestehen in Gold, 200 Stämmen Ebenholz (ébenos), 5 Negerknaben und 50 großen Elefantenzähnen. Überhaupt ist das Negerland reich an Gold, Elefanten und Ebenholz.“ Strabon und Plinius sagen, daß in dem südlich von Ägypten gelegenen Negerland die Wälder nebst Palmen vorzüglich aus Ebenholzbäumen bestehen. Des letzteren Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Für das beste Ebenholz gilt das aus dem Negerland stammende schwarze, aderlose, das so glatt ist wie poliertes Horn und, zerbrochen, wie eine dichte Masse erscheint. Gekaut schmeckt es beißend und schwach zusammenziehend. Auf Kohlen gelegt brennt es mit Wohlgeruch und ohne Rauch. Frisch ans Feuer gebracht, brennt es wegen seines Ölgehaltes an; an einem Wetzstein gerieben, wird es blaßgelblich. Es gibt auch indisches Ebenholz, das weiße und gelbliche Striche und Flecken hat, aber das schwarze (afrikanische) ist besser. Manche Leute verkaufen Holz vom Maulbeerbaum oder von Mimosen als Ebenholz, weil es durch seine Ähnlichkeit täuscht. Das Ebenholz wird gegen einige Krankheiten in Anwendung gebracht.“
Der Grieche Strabon und der Römer Vergil nennen Indien als die Heimat des schwarzen Ebenholzes, das im Lateinischen in Anlehnung an das Griechische ebenum hieß, woraus dann die deutsche Bezeichnung hervorging. Ersterer fügt hinzu, daß sich die Inder ihren Körper mit glatten Walzen von Ebenholz zu streichen pflegen, weil sie das für gesund halten, und Theophrast sagt in seiner Pflanzenkunde: „Ein eigentümlicher Baum Indiens ist der Ebenholzbaum (ebénē). Übrigens gibt es davon zwei Arten, wovon die seltenere mit glattem Stamm (der echte Ebenholzbaum) schönes, die häufige, ein Strauch, schlechtes Holz liefert. Die schöne Farbe des Ebenholzes ist von Natur vorhanden und erscheint nicht erst beim Aufbewahren.“
Tafel 163.

Lindenallee am Kanal vor dem Nymphenburger Schloß bei München.
❏ GRÖSSERES BILD
Tafel 164.

Ein gefällter Mahagonistamm in den Urwäldern von Zentralamerika.
❏ GRÖSSERES BILD
Tafel 165.

(Copyright by Underwood & Underwood.)
Eisenholzbäume am Isthmus von Tehuantepec in Mexiko. Im Vordergrund eingeborene Fruchtverkäufer.

Junger Tiekbaum (Tectona grandis) im Botan. Garten von Buitenzorg auf Java. (Nach einer in der Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien befindlichen Photogr. von C. Lang.)
Tafel 166.

(Nach Phot. von H. Dopfer.)
Kohlenmeiler vor der Verkohlung.

(Nach Phot. von H. Dopfer.)
Torfstich am Schluifelder Moos bei München.
Als grünes Ebenholz kommt neuerdings ein sehr hartes und schweres Holz in dünnen Stämmchen aus Südamerika nach Europa. Es stammt von Bignonia leucoxylon und besitzt in frisch geschnittenem Zustand eine bräunliche Farbe mit einem Stich ins Grüne, der sich aber an der Luft etwas verliert. Trotz seiner Härte ist es gut schneidbar und kann wie das echte Ebenholz, jedoch nur für kleinere Gegenstände, verwendet werden. Unter demselben Namen oder als Grünherzholz kommt ein Holz von Britisch-Guinea in großen, roh behauenen Blöcken auf den Markt. Es stammt von Nectandra rodiaei und wird meist zur Stockfabrikation und im Schiffbau verwendet. Für Möbel- und Schreinerarbeiten ist es nicht nur seiner großen Härte wegen, sondern vor allem, weil es den Leim schlecht hält, ungeeignet. Ein sehr wertvolles Holz zu Kunstschreiner- und Drechslerarbeiten, Fächern, Parkettböden (z. B. im Schloß Herrenchiemsee) ist das blaue Ebenholz oder Veilchenholz. Es stammt von der südaustralischen Acacia homalophylla, ist dunkelblaubraun bis olivengrün und besonders im frischen Zustande durch den Veilchengeruch ausgezeichnet. Ebenso beliebt als Kunstholz für Drechsler, Holzbildhauer, Parketböden und die Stock- und Bürstenindustrie ist das im frischen Schnitt unscheinbar rötlichgraue, unangenehm riechende, an der Luft aber durch Sauerstoffaufnahme sich schön violett bis blutrot färbende violette Ebenholz, Purpur- oder Amarantholz. Es ist hart, sehr schwer und stammt von südamerikanischen und westindischen Bäumen, wie Copaifera bracteata und Machaereum violaceum. Als rotes oder braunes Ebenholz, auch Grenadille- oder Kongoholz kommen rötliche bis kaffeebraune, sehr schwere und harte, aber elastische und schöne Politur annehmende Hölzer meist aus Afrika zu uns, die zumeist von Dalbergia melanoxylon stammen.
Unter Eisenholz versteht man eine Menge sehr harter, mit gewöhnlichen Äxten nicht angreifbarer Hölzer verschiedener botanischer Abstammung, welche von Ostindien, Australien, der Südsee und von Madagaskar nach Europa gelangen und besonders in der Kunsttischlerei und Drechslerei Verwendung finden. Das wichtigste derselben ist dasjenige des in feuchten Wäldern Ostindiens wild wachsenden Eisenholzbaums (Mesua ferrea), dessen Blüten auch getrocknet veilchenartig riechen und in der Parfümerie verwendet werden. Ebenfalls dunkelrot bis schokoladebraun mit oft tiefschwarzen Adern, schwer, hart und gut polierbar ist das amerikanische Palisander- oder Jakarandaholz, das von verschiedenen Bäumen des nördlichen Südamerika und Mittelamerikas stammt. Als Stammpflanze des echten Palisanderholzes gilt Jacaranda brasiliana, ein schöner Baum mit doppelt gefiederten Blättern, unterseits wolligfilzigen Fiederchen, mit großen Blüten in lockeren Rispen und rundlichen, zusammengedrückten Kapseln mit geflügelten Samen. Das Holz zählt zu den edelsten Kunsthölzern und liefert vornehmlich Furnierholz zu Luxusmöbeln, Klavierkästen, Billardtischen u. dgl. m.
Als Möbel- und Kunstschreinerholz unbrauchbar, aber für Kegelkugeln, zu Lagern an Maschinen, die eine starke Reibung auszuhalten haben, zu Tischen für Gerber usw. sehr geschätzt ist das Guajakholz, von dem bereits im Abschnitt für Arzneipflanzen die Rede war. Sehr wertvolle Zierhölzer sind die Rosenhölzer, die von verschiedenen Bäumen des Tropenwaldes stammen. Sie haben diesen Namen teils von ihrer rosenroten Farbe, die von hellrosa oder fleischrot bis tief karminrot wechselt, teils von dem kräftigen und angenehm rosenähnlichen Geruche. Interessant ist die Tatsache, daß die Farbe aller stark riechender Rosenhölzer im Lichte verblaßt, während die geruchlosen, zu denen vornehmlich das ostindische Rosenholz von Dalbergia latifolia zählt, meist lichtecht und deshalb zu Möbeln besser geeignet ist. Das echte Rosenholz stammt von der von Brasilien bis Peru heimischen Physocalymna scaberrima, einem 6–8 m hohen Baum mit gegenständigen Blättern und großen Blütentrauben, die schon zur Zeit der Entlaubung erscheinen. Es ist sehr hart, dicht und schwer mit rosen- bis tief karminroten Streifen.
Rothölzer sind auch das Pernambuk- oder echte Brasilholz von dem im nördlichen Südamerika und auf den Antillen einheimischen bestachelten Schmetterlingsblütler Caesalpinia echinata, ferner das ostindische Rotholz von der verwandten Caesalpinia sappan, deren beste Sorte aus Siam in den Handel kommt (es ist in Europa schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts als lignum presillum nachweisbar), das afrikanische Rotholz, Cambal- oder Camwoodholz von Baphia nitida, einem 12–16 m hohen Schmetterlingsblütler in Sierra Leone, und das ostindische rote Sandel- oder Kaliaturholz von Pterocarpus santalinus. Alle diese Arten besitzen ein Holz mit teilweise angenehmem Geruch und zeigen auf der frischen Schnittfläche gelbrote bis intensiv rote Farbe, die jedoch durch Einwirkung der Luft hell- bis dunkelrot, ja selbst bräunlichschwarz wird. Außer Nutzhölzer sind sie vor allem Farbhölzer. Die Caesalpiniaarten enthalten den durch Oxydation sich bildenden Farbstoff Brasileïn, welcher zum Rot- und Violettbeizen dient, während beim ostindischen roten Sandelholz der rote Farbstoff Santalin wirksam ist, der mit verschiedenen Metallsalzen rote bis braune Farbbeizen liefert; beide werden heute vielfach durch Anilinfarben ersetzt.
Ein ähnliches Farbholz ist das Campesche- oder Blauholz von der zentralamerikanischen Caesalpiniazee Haematoxylon campechianum, von dem, wie vom Pernambuk- oder Brasilholz, bereits auf Seite 127 die Rede war. Es ist ein hartes, feines, schwer zu bearbeitendes, doch gut polierbares Holz von angenehmem Geruch im frischen Schnitte und kräftig blutroter Farbe, die an der Luft violett bis schwärzlich wird. Als Werkholz verwendet man es zu Drechsler- und Galanteriewaren, wie auch zu Violinbögen. Die Hauptmasse jedoch wird in den Fabenfabriken verraspelt, um den blauen Farbstoff, das Hämatoxylin zu gewinnen, das sich in Alkalien mit violetter Farbe löst und außer als Kernfärbungsmittel in der mikroskopischen Technik hauptsächlich zum Schwarzfärben dient.
Ebenfalls in Zentralamerika heimisch ist das echte Gelbholz oder der Fustik, der vom Färbermaulbeerbaum (Machusa tinctoria) stammt und den gelben Farbstoff Morin enthält, der heute noch trotz der Konkurrenz der Anilinfarben mit Vorteil zu gelben, braunen und olivengrünen Beizen dient. Als ungarisches Gelbholz oder Fiset kommt dagegen das Holz des Färbersumachs oder Perückenbaums (Rhus cotinus) zur Verwendung. Es enthält denselben gelben Farbstoff wie die Quercitronrinde der nordamerikanischen Färbereiche (Quercus tinctoria), das Quercitrin. Ohne extrahierbaren Farbstoff gelb gefärbt und deshalb oft fälschlicherweise Gelbholz genannt ist das gelbe Sandelholz, das von dem in Ostindien heimischen Sandelbaum (Santalum album) stammt. Es ist gelblich, stellenweise rötlich und besitzt einen starken, angenehmen Geruch durch das in ihm enthaltene und durch Destillation daraus gewonnene offizinelle Sandelöl.
Zu den bekanntesten, schon seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Europa verwendeten ausländischen Hölzern gehört das Mahagoniholz, das von verschiedenen, nur im tropischen Amerika vertretenen 25–30 m hohen Bäumen der nach dem Leibarzte der Kaiserin Maria Theresia Gerard van Swieten (1700 zu Leiden geboren, starb in Wien 1772) Swietenia genannten Meliazeengattung aus der Familie der Terebinthen oder Balsamgewächse stammt. Das frische Holz ist gelbrot bis bräunlich, färbt sich aber mit der Zeit dunkelbraun bis fast schwarz. Es ist schwer und hart und bildet auch wegen des geringsten Schwindens unter allen technisch verwendeten Hölzern ein hochgeschätztes Möbel-, Kunstschreiner- und Furnierholz. Die wichtigste Art ist die in Westindien und im tropischen Amerika in einer verhältnismäßig schmalen Zone zwischen dem 11. und 23. Grad nördlicher Breite heimische Swietenia mahagoni, die bei einem Stammdurchmesser von 4 m bis 33 m hoch wird. Der Baum besitzt einen weit ausgebreiteten, dicht belaubten Wipfel, trägt paarig gefiederte Blätter, kleine, gelblichweiße Blüten in achselständigen Rispen mit beinahe faustgroßen, braunen, holzigen Kapseln mit zahlreichen flachen Samen. Er wächst außerordentlich langsam und soll seine volle Größe erst im Alter von 200 Jahren erreichen. Man findet den Baum nirgends in geschlossenen Beständen, vielmehr steht er einzeln als ein Riese unter den anderen Bäumen des tropischen Waldes. Fünf Mahagonibäume auf den Hektar gelten schon als ein dichtes Vorkommen; meist sind die Bäume noch spärlicher verteilt. Das Fällen derselben wird von Juni bis Januar vorgenommen, und zwar verlegt man wegen der drückenden Hitze, welche tagsüber herrscht, die Arbeit gern auf die mondhellen Nachtstunden. Die gefällten Stämme werden vierkantig behauen und auf Ochsen- oder Maultierkarren dem nächsten Wasserlaufe zugeführt, wo sie entweder einzeln oder zu Flößen verbunden nach dem Meere geflößt werden. Während sie aber im Süßwasser ohne Schaden beliebig lange verbleiben können, muß ihr Aufenthalt im Meerwasser so kurz als möglich sein, da sie darin leicht vom Bohrwurm angegriffen werden. Zur Ausfuhr kommen in der Regel nur die besten und größten Stämme, die kleineren Stücke und die Abfälle verarbeitet man an Ort und Stelle.
Die erste Bekanntschaft mit dem Mahagoniholz machten die Europäer bald nach der Entdeckung Amerikas. Schon zur Zeit des Fernando Cortez und seiner Begleiter soll das Holz zum Bau von Schiffen benutzt worden sein. Ebenso verwendete es der britische Seefahrer Walter Raleigh in Westindien zur Ausbesserung seiner Fahrzeuge. In unbearbeitetem Zustande gelangte es erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts als Ballast eines von Westindien zurückkehrenden Schiffes nach England. Der Schiffskapitän schenkte die großen Blöcke seinem Bruder, einem angesehenen Arzte in London, der sie lange Zeit unbenutzt in seinem Hof lagern hatte, bis seine Gattin durch den Schreiner Wollaston einen Kasten daraus verfertigen ließ. Dieser gefiel so gut, daß der Doktor sofort noch einen Schreibtisch für sich daraus herstellen ließ. Die schöne Farbe und glänzende Politur des Möbels ließen in der Herzogin von Buckingham den Wunsch aufkommen, für sich auch solche zu bestellen. Es war dies im Jahre 1724. Die Nachfrage nach diesem ausländischen Zierholz nahm dann in der Folge langsam zu, so daß schon im Jahre 1773 allein aus Jamaika 520000 Kubikfuß davon nach England eingeführt wurden. Da es damals noch sehr selten war, sahen sich die Tischler schon aus Sparsamkeitsgründen dazu gezwungen, es fast nur als Furnierholz zu gebrauchen. Besonders schöne Stücke desselben erzielen heute noch recht hohe Preise; so bezahlte eine Pianofortefabrik vor nicht sehr langer Zeit für einen einzigen, in drei Blöcke zerschnittenen Mahagonifurnierstamm die ansehnliche Summe von 60000 Mark. Besonders geschätzt ist das geflammte, sogenannte Pyramidenmahagoni. Es kommt in verschiedener Qualität aus Kuba, Mexiko und Zentralamerika zu uns. Britisch-Honduras führt jährlich für gegen 3 Millionen Mark davon aus. Als weißes Mahagoni wird das Holz des in Westindien heimischen Acajoubaums (Anacardium occidentale) verwendet, während das afrikanische Mahagoni von verschiedenen Khajaarten aus Westafrika gewonnen wird. Das australische oder Bastardmahagoni dagegen stammt von verschiedenen Eucalyptusarten Australiens. Diese bis zu 150 m erreichenden Bäume, die somit zu den höchsten Bäumen der Erde zählen, haben ein rotbraunes, sehr hartes und dauerhaftes, von Insekten nicht angegangenes Holz. In Südeuropa wird wegen seiner Schnellwüchsigkeit und der aromatischen Ausdünstung seiner Blätter seit der Einführung durch Ramel im Jahre 1856 der blaue Gummibaum (Eucalyptus globulus) angepflanzt, der 1792 von Labillardière in Tasmanien entdeckt wurde, eine Höhe von 110 m erreicht und ein vorzügliches Bauholz liefert, das mit Vorteil zum Schiffsbau dient, da es im Wasser nicht leicht fault. Durch die Fähigkeit, auch auf sumpfigem Boden schnell zu wachsen und zu dessen Entwässerung beizutragen, soll der Baum günstig zur Bekämpfung des Wechselfiebers wirken. Ein aus ihm hergestelltes ätherisches Öl wird vielfach in der Medizin verwendet.
Eines der wertvollsten Zierhölzer für Drechsler und zur Herstellung von Einlegearbeiten ist das schön rötlichbraune Schlangen- oder Tigerholz, so genannt, weil es einer Schlangenhaut ähnlich, mit größeren und kleineren dunkelbraunen Flecken gezeichnet ist. Es ist sehr hart, dicht und schwer und kostet pro 100 kg wenigstens 1600 Mark. Es kommt in mittelstarken Stämmchen von Nordbrasilien und Guiana in den Handel und wird zur Anfertigung von Spazierstöcken, Geigenbogen, Furnieren und eingelegten Arbeiten benutzt. Ob es von der Morazee Brosimum aubletti, von der Leguminose Machaerium schomburgki oder von einem andern Baum stammt, ist ungewiß. Ebensowenig sind die Bäume bekannt, die das Ferolia- oder Satinholz liefern, das aus Ost- und Westindien zu uns gelangt. Mit Rücksicht auf die Farbe unterscheidet man gelbes, rotes und braunes Satinholz. Letzteres ist am häufigsten und wird als „Nußsatin“ für Möbel fast allgemein verwendet. Es ist leicht, weich, von mattbrauner Farbe und unserem Nußholz sehr ähnlich, doch von feinerem Gefüge, während das gelbe Satinholz schwer, hart, wunderschön atlasglänzend und in manchen Arten auch wohlriechend ist. Mit diesem letzteren wird vielfach das Zitronenholz (von Citrus medica) verwechselt, das in neuerer Zeit wegen seiner schönen gelben Farbe und seidenartig geflammten Struktur ein sehr beliebtes Furnierholz für Möbel geworden ist.
Ein sehr schönes und wertvolles Zierholz kommt unter dem Namen Königsholz von Sumatra und Java, aber auch aus Westindien, namentlich Jamaika, nach Europa. Es stammt vom Tembesubaume (Fagrea peregrina), doch werden noch verschiedene andere Arten als Königshölzer bezeichnet. Der Name stammt daher, daß die Häuptlinge der betreffenden Gegenden den Handel mit diesen Holzsorten als ihr Monopol betrachten. Ihre Farbe ist violett bis schwarzbraun, oft mit rötlichen Adern durchzogen. Aus dem tropischen Amerika kommt das kaffeebraune, mit dunkleren, unregelmäßig verteilten Längsstreifen schön gezeichnete Ziricota- oder echte Zebraholz, ferner das tief rötlichbraune mit teils helleren, teils dunkleren, oft auch welligen Tupfen gezeichnete Patridge- oder Rebhuhnholz, sowie das im frischen Schnitte lebhaft gelbrote, später braunrot werdende, äußerst schwere und harte Kokoboloholz in den Handel. Die Abstammung aller dieser drei Hölzer ist ungewiß. Sie dienen hauptsächlich für Einlegearbeiten, als Bürstenhölzer und für die Stockindustrie.
Ein wegen seiner prächtig hellroten Farbe für Möbel, Einlegearbeiten usw. sehr geschätztes Holz ist das aus Indien und von den Sundainseln stammende Padukholz von Pterocarpus macrocarpus, während das aus dem tropischen Amerika kommende Panakoko- oder Pferdefleischholz von Robinia tomentosa, so genannt, weil es frischem Pferdefleisch ähnlich bräunlich mit roten oder grünschwarzen Schattierungen ist, hauptsächlich zu Geigenbögen, Einlegearbeiten, sowie in der Stockindustrie Verwendung findet.
Als das wichtigste Holz für den Schiffbau muß das im tropischen Asien heimische Tiekholz bezeichnet werden, das einen bedeutenden Handelsartikel bildet. Es ist hell braunrot mit starkem, an Kautschuk erinnerndem Geruch. Weil manche Sorten äußerlich unserem Eichenholze ähnlich sind, wird es auch als „indisches Eichenholz“ bezeichnet. Es ist aber dauerhafter als dieses und hat vor ihm den Vorzug, daß es von Insekten nicht angegangen wird und vor allem auch dadurch, daß mit ihm in Verbindung gebrachte eiserne Nägel, Schrauben, Bolzen usw. nicht rosten, was beim Eichenholz nicht vermieden werden kann. Daneben ist es außerordentlich fest und schwindet kaum. Der echte Tiekbaum (Tectona grandis, aus der malabarischen Bezeichnung tekka für diesen Baum entstanden) ist ein in Ostindien, Hinterindien von Birma bis Malakka, und auf Java heimischer, sehr großer Baum mit gegenständigen, großen, eiförmigen, unterseits weißfilzigen Blättern, weißen Lippenblüten in großen, endständigen Rispen und im vergrößerten Kelch eingeschlossenen, haselnußgroßen Früchten. Er gedeiht am besten auf trockenem Waldboden, meidet aber die immergrünen Bergwälder, wie auch das Meeresufer und steigt in den Gebirgen bis zu 1300 m empor, gedeiht aber schon bei 1000 m Meereshöhe nicht mehr so gut wie am Fuße der Gebirge. Auf angeschwemmtem Boden erreicht er in 80 Jahren, im Gebirge dagegen kaum vor 200 Jahren seine höchste Entwicklung. Der Stammumfang mißt dann bis 7 m und die großen Äste stehen bis 30 m über dem Boden. Der Baum wird seines Holzes halber viel kultiviert und ist auch auf Sumatra, Cochinchina und in Südchina eingeführt worden. Sehr ausgedehnt sind die Tiekwälder in Birma und Siam. Gewöhnlich fällt man die Bäume zwischen dem 40. und 60. Jahr, wenn sie eine Höhe von 17–20 m und eine Stammstärke von 1 m erreicht haben. Um recht trockenes Holz zu erhalten, ringelt man in Indien am untern Teil des Stammes Rinde und Splintholz ab und läßt den schnell absterbenden Baum zwei Jahre lang stehen. Da aber dadurch das Rissigwerden des Holzes begünstigt wird, ist diese Methode neuerdings auf Malabar verlassen worden. Das Holz wird in Indien vielfach benutzt, aber auch in großen Mengen nach Europa und Nordamerika eingeführt, wo es außer als Schiffbauholz zu großen Konstruktionen und zum Bau von Eisenbahnwagen verwendet wird. Es enthält in frischem Zustande ein Öl, das in Indien häufig das Leinöl ersetzt. Die Rinde benützt man zum Gerben, mit den Blättern färbt man Seide und Baumwolle purpurrot, auch dienen sie wie die Blüten als Heilmittel.
Ein sehr leichtes und weiches Holz kommt von Nordamerika in großer Menge nach Europa und findet hier hauptsächlich als Blindholz für furnierte Arbeiten, dann zu Wagenkastendecken und als Füllungen im Wagenbau, wie auch zu leichten Möbeln ausgedehnte Verwendung. Es ist dies das amerikanische Pappelholz oder white wood, das von dem auch bei uns als Zierbaum angepflanzten nordamerikanischen Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) stammt. Auch das Holz des in China heimischen Kampferbaums (Laurus camphora) findet außer zur Kampfergewinnung wegen seiner schön blaßrötlichen Farbe, vornehmlich in gemaserten Stücken, als Furnierholz vielseitige Benutzung.
Die Palmenhölzer, deren Farbe im Querschnitt gewöhnlich einen hellbräunlichen Grundton mit einer Menge kleiner, tiefschwarzer Punkte zeigt, die wie Fliegenkot aussehen, finden meist nur als Furnierhölzer zu Einlegearbeiten Verwendung. Damit hätten wir die für uns in Betracht kommenden Nutzhölzer erschöpft.