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Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

XXIX. Die Zierblumen. (continued 2)

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Im frühen Mittelalter wurde die Lilie, wie auch die Rose, mehr als Arzneipflanze zur medizinischen Verwendung, denn als Zierpflanze in den Gärten Mitteleuropas angepflanzt. Das besondere Lob der Schönheit, das ihr der 849 verstorbene fränkische Mönch Walahfrid Strabo spendet, als er sie im Klostergarten wachsen sah, beweist aber, daß neben der Nützlichkeit auch die Freude an deren Schönheit für die Kultur dieser Pflanze maßgebend war. Im späteren Mittelalter bedienten sich die Ritter gerne der Gilgen oder Ilgen, wie damals die Lilien im deutschen Sprachgebiet genannt wurden, als Zier, und auch beim Volke waren sie beliebt, bis im Laufe der Neuzeit nach und nach das Interesse an ihnen abnahm und sie infolgedessen nur noch selten angepflanzt wurden. Erst in unserer Zeit ist wiederum eine erhöhte Wertschätzung dieser prächtigen Zierpflanze, die nicht bloß den schlichten Bauerngärten, sondern auch den schönen Parkanlagen der Vornehmen sehr wohl ansteht, eingetreten. Dazu trug ganz wesentlich die Einführung der nicht minder schönen ostasiatischen Lilien bei. Eine erste Auswahl solcher brachte der 1796 in Würzburg geborene und 1866 in München gestorbene Arzt Philipp Franz von Siebold, der 1822 als Sanitätsoffizier in holländischen Diensten nach Batavia ging und von 1823–1830 und abermals von 1859–1862 sich in Japan aufhielt, aus letzterem Lande nach Europa. Unter diesen ist vor allem die auch als Königin aller Lilien bezeichnete japanische Goldlilie (Lilium auratum) zu nennen, die wie die weiße westasiatische Lilie 1 m hoch wird und bis 26 cm große, perlweiße, wohlriechende Blüten mit rotbraun bis purpurn punktierten und dem Mittelnerv entlang, goldgelb gebänderten Blumenblättern besitzt. Auch sie wird heute wie die weiße Lilie in mehreren Varietäten bei uns kultiviert. Ebenso die prächtige Lilie (Lilium speciosum) aus Japan mit 0,6–1 m hohem Stengel, eirunden Blättern und sehr großen, überhängenden, mit zurückgeschlagenen rosenroten Blumenblättern gezierten, nach Vanille riechenden Blüten und die getigerte Lilie (Lilium tigrinum) aus China und Japan, die an der Spitze des 2 m hohen Stengels zahlreiche feuerrote, schwarzpunktierte Blüten in pyramidenförmiger Rispe trägt. Von den feuchten Bergwäldern des Himalaja in 2000–3000 m Höhe stammt die Riesenlilie (Lilium giganteum) mit 2–3,6 m hohem Stengel, gestielten, herzförmigen Blättern und weißlichgrünen, innen schwach purpurgeflammten, höchst wohlriechenden Blüten, während die dem einheimischen Türkenbund sehr nahe stehende Lilium superbum mit 2 m hohem Stengel und scharlachroten Blüten aus Nordamerika zu uns kam. Von Sibirien erhielten wir die Prachtlilie (Lilium pomponium — seitdem Plinius eine gewisse Birnensorte nach einem gewissen Pomponius benannte, pflegte man überhaupt schöne Früchte und auch Blumen pomponisch zu nennen) mit einfarbigen, mennig- bis scharlachroten Blüten. Ihr in bezug auf Gestalt und Farbe der Blüte sehr ähnlich ist die im Orient und in Kleinasien heimische Scharlachlilie (Lilium chalcedonicum), die Frank-Leunis für die eigentliche krínon Theophrasts und die hēmerokallís des Dioskurides hält. Jedenfalls scheinen die alten Griechen sie gekannt und gelegentlich auch in ihren Gärten angepflanzt zu haben. Neben allen diesen werden aber auch bescheidenere Lilienarten bei uns angepflanzt, so die aus dem Piemont zu uns gekommene Feuerlilie (Lilium croceum) und der in Laubwäldern Mitteleuropas wachsende Türkenbund (Lilium martagon) — so genannt weil seine Blüte mit den zurückgeschlagenen Blumenblattzipfeln an einen türkischen Turban erinnert. Alle diese verschiedenen Zierlilien werden bei uns besonders in Südfrankreich und den englischen Scillyinseln im Ärmelkanal, in Nordamerika hauptsächlich in Südkarolina und auf den Bermudasinseln im großen kultiviert, um von dort aus die Zwiebeln in den Handel zu bringen. Noch viel mehr als hier werden aber die schönen farbigen Zierlilien in Japan angepflanzt, von wo aus jährlich über 5 Millionen Zwiebeln derselben ausgeführt werden.

Eine der schönsten Zierpflanzen Ostindiens, speziell Malabars, ist die auch bei uns in Gewächshäusern gezogene rankende Prachtlilie (Gloriosa superba), während die aus Südrußland und der Tartarei eingeführte Zahnlilie (Erythronium dens canis) — so genannt, weil die Zwiebeln in 3–4 Zähne gespalten sind — auch bei uns eine nicht selten angetroffene Gartenzierpflanze ist. Die Zwiebeln der letzteren Art dienen den Tartaren als Nahrungsmittel und Aphrodisiacum, werden in Rußland auch als Mittel gegen Eingeweidewürmer und Fallsucht verwendet.

In Persien, Afghanistan und Kaschmir heimisch ist die häufig in unseren Gärten angetroffene Kaiserkrone (Fritillaria imperialis, ersteres Wort stammt von fritillus, Knobelbecher, aus dem die Würfel geworfen werden), die zu Anfang des 16. Jahrhunderts von Persien nach Konstantinopel und 1570 durch Vermittlung des deutschen Gesandten am türkischen Hofe Gislenius Busbequius in die kaiserlichen Gärten zu Wien eingeführt wurde, von wo aus sie sich bald in fast allen Gärten Mitteleuropas einbürgerte. Sie wird bis 1,2 m hoch und trägt unter einem Schopfe grüner Blätter hängende gelblich- bis bräunlichrote Blüten in Büscheln. Sie wird in vielen Varietäten mit gelben, orangefarbenen bis feuerroten Blüten kultiviert und blüht im ersten Frühling, wenn noch wenig andere Blüten zu finden sind. Die Zwiebeln werden alle drei Jahre verpflanzt. Sie sind stärkemehlreich, riechen höchst unangenehm, sind sehr scharf, selbst giftig, und wurden früher auch arzneilich benutzt. Sie sind nach dem Kochen genießbar, indem dadurch der scharfe Stoff sich verflüchtigt. Seit einiger Zeit wird sie besonders in Frankreich zur Stärkegewinnung kultiviert. Von 1 Hektar soll man 6300 kg Stärkemehl erhalten. Der reichlich von den Blüten zur Anlockung der die Befruchtung besorgenden Insekten ausgeschiedene Honigsaft soll brechenerregend wirken. Die ihr nah verwandte schwarze Lilie (Fritillaria kamtschatcensis) mit schwarzpurpurnen Blüten wächst in Ostsibirien, Kamtschatka, Japan und dem westlichen Nordamerika. Für die Bewohner Ostsibiriens und Kamtschatkas sind ihre rundlichen, stärkemehlreichen Zwiebeln ein wichtiges Nahrungsmittel. Zu dem Zwecke werden sie den Sommer über mühsam auf den Grasfluren eingesammelt, weil die Pflanze nie gesellig wächst; jedoch gewährt ihnen dabei die Tätigkeit der Kamtschatkaratten oder Sammelmäuse (Hypudaeus oeconomus) große Erleichterung, weil sie in ihren Vorratskammern vorzüglich diese Zwiebeln als Winterproviant anhäufen, die dann der Mensch für sich in Anspruch nimmt.

Als letzte Verwandte ist noch die Brettspiel- oder Schachblume, in Norddeutschland Kibitzei genannt (Fritillaria meleagris — letzteres Wort heißt Perlhuhn, wegen der ähnlich gescheckten Zeichnung der Blüte), zu nennen, die in Mitteleuropa bis Norwegen und Südrußland sehr zerstreut auf feuchten Wiesen wächst. Die 30–40 cm hoch werdende Pflanze treibt 1–2 hängende Blüten mit roten und weißlichen viereckigen Flecken und wird in verschiedenen Varietäten: weiß, gelb, gefleckt, rot, purpurrot, schwarz, braungefleckt und aschgrau als Zierpflanze gezogen. Schon Kaspar Bauhin (1560–1624), der von seiner Doktorpromotion im Jahre 1581 an als Botaniker in seiner Vaterstadt Basel wirkte und von 1614 an an Stelle des verstorbenen Felix Platter als Stadtarzt und Professor der Anatomie und Botanik daselbst amtete, kannte früh- und spätblühende Spielarten der Schachblume. Diese muß also schon recht früh in die Gärten übergesiedelt und in Kulturpflege genommen worden sein.

In dieselbe Familie der Liliazeen gehören auch die Tulpen, die ihren Namen vom türkischen tulbend, d. h. Turban, erhielten. So nannten die Türken die Gartentulpe, die wir von ihnen bekamen. Von den etwa 50 Arten, die von Mittel- und Südeuropa bis Japan am zahlreichsten wildwachsend angetroffen werden, ist bei uns die 25 bis 50 cm hohe gelbe Tulpe (Tulipa silvestris) heimisch, die früher auf Waldwiesen häufig war und jetzt vielfach in Obstgärten und Weinbergen in Menge angetroffen wird. Sie hat als Kulturpflanze keinerlei Bedeutung erlangt, wohl aber die Gartentulpe, die ein durch Kultur veredelter Abkömmling der in den Steppen am Kaspischen Meer, im Gebiet des Don und in der Krim heimischen Tulipa suaveolens mit sehr kurzem Stengel und roten, am oberen Ende gelben, wohlriechenden Blüten ist. Unsere Gartentulpe (Tulipa gesneriana, so genannt weil sie vom Züricher Naturforscher Konrad Gesner 1559 zuerst beschrieben wurde) ist aber keine einheitliche Art, sondern ein Sammelbegriff für zahlreiche in den Gärten kultivierte Tulpensorten der verschiedensten, zum größten Teil unbekannten Herkunft. Dem vorhin bei der Einführung der Kaiserkrone in die Gärten Mitteleuropas erwähnten Gislenius Busbequius, dem Gesandten Kaiser Ferdinands I. am türkischen Hofe in Konstantinopel, verdanken wir die Einführung der türkischen Gartentulpe — wohl der Tulipa suaveolens — im Abendlande. Im Frühjahr 1554 sah er auf einem Ritte zwischen Adrianopel und Konstantinopel die von den Türken in mehreren Arten in Gärten kultivierte rotgelbe Tulpe zusammen mit Narzissen und Hyazinthen blühen. Sie gefiel ihm so gut, daß er sich alsbald Samen von ihr zu verschaffen suchte. Dies gelang ihm auch nach einiger Mühe, und diesen sandte er nun an einen Freund in Deutschland, dessen Name uns unbekannt ist. Auch dessen Wohnort kennen wir nicht; wir wissen nur, daß der Züricher Naturforscher und Arzt Konrad Gesner (1516–1565) die damals neu in Europa eingeführte Zierpflanze im April 1559 in Augsburg blühen sah und sie als erster Abendländer beschrieb. Im Jahre 1573 erhielt sie der Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, geb. 1526 in Arras, 1573–1587 Hofbotaniker in Wien, von 1593 bis zu seinem Tode 1609 Professor in Leiden) und kultivierte sie als große Rarität in den kaiserlichen Gärten Wiens. Auch von Leiden aus war er für die Verbreitung dieser schönen neuen Blumenart sehr tätig. Diese war aber schon lange vor ihm nach den Niederlanden gekommen; denn wir wissen, daß sie schon ums Jahr 1570 in Mecheln blühte und damals bei den Holländern freudige Bewunderung gefunden hatte. 1577 kam sie nach England und eroberte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte ganz Mittel- und Westeuropa.

Bevor wir uns weiter mit dem Triumphzuge der Gartentulpe durch das Abendland beschäftigen, ist es am Platze, hier einige Worte über die Türken, die sie uns mit der Kaiserkrone und den Hyazinthen verschafften, und ihre Freude an Blumen zu sagen. Schon der französische Reisende Belon spricht mit Bewunderung von den Gärten, die er 1558 in der Türkei sah. Er sagt darüber: „Es gibt kein Volk, das mehr die Blumen als Zierde liebt und sie höher schätzt, als die Türken; dabei würdigen sie weniger deren Geruch, als besonders deren Formen und Farben. Sie tragen mehrere Arten derselben in den Falten ihres Turbans mit sich, ja, die Handwerker haben bei der Arbeit Blumen von verschiedenen Farben in Wassergefäßen vor sich stehen. Das Gartenwesen ist bei ihnen so gut als bei uns in großem Ansehen und sie scheuen keine Kosten, sich fremde Bäume und Pflanzen zu verschaffen, besonders solche, die schöne Blüten besitzen.“ Ähnlich drückt sich Gislenius Busbequius aus, der von 1550 an als deutscher Gesandter in Konstantinopel weilte, und fügt dem hinzu, daß die Türken häufig Blumen verschenken und, obwohl geizig in andern Dingen, viel Geld dafür ausgeben. Außer Rosen, Flieder, Veilchen, Anemonen, Lilien und Hyazinthen zögen sie mit Vorliebe Tulpen. In jedem Frühjahre feierten sie ein Tulpen- oder Lampenfest, indem sie den Tulpenflor abends mit verschieden gefärbten Lampions beleuchteten. Einmal habe ein Großvezier den Einfall gehabt, lebende Schildkröten zu Trägern seiner Lampen zu verwenden; diese wandelnden Leuchter zwischen den blühenden Tulpen- und Hyazinthenbeeten müssen allerdings dem Feste einen eigenartigen Reiz verliehen haben.

Das türkische Erbe der Tulpen- und Hyazinthenverehrung traten die Holländer an, die außer der Freude am Kleinen, Zierlichen besonders die Farbenpracht der einzelnen Blüten schätzten. Und das Bestreben, diese in immer neuen Farben und Formen zu züchten, beherrschte bei ihnen vollständig die Gartenkunst. Diese sonst so nüchternen und ruhig abwägenden Leute wurden bald von einer geradezu leidenschaftlichen Begeisterung für diese schönen türkischen Ziergewächse ergriffen. Schon lange vorher waren sie ja große Blumenfreunde gewesen. Der französische Botaniker Lobel — nach welchem die schönen Lobelien den Namen erhielten — betont in der Vorrede seiner 1576 erschienenen Histoire des plantes die Liebhaberei der Vlämen für die Blumen schon während der Kreuzzüge und zur Zeit der reichen, prunkliebenden burgundischen Herzöge. Als dann die Holländer deren Erbe antraten, brachten sie von ihren ausgedehnten Handelsreisen aus der Levante und beiden Indien verschiedene Blumensorten mit nach Hause und zogen sie mit Erfolg in ihren Gewächshäusern. Lobel urteilt, daß sie besser als irgend eine andere Nation die exotischen Pflanzen zu behandeln wüßten, so daß man in ihren Gärten mehr seltene Gewächse finde als im ganzen übrigen Europa. Leider seien dann durch die Bürgerkriege und den Kampf der protestantisch gewordenen Bewohner gegen das sie bedrückende katholische Haus Habsburg viele der schönsten Gärten zerstört und die Blumenkultur vielfach vernachlässigt worden.

Vorbildlich wirkte später in Holland der 1577 angelegte botanische Garten der Universitätsstadt Leiden, in welchem als erstem in Europa 1599 ein Gewächshaus für ausländische Pflanzen angelegt wurde. Im Jahre 1633 enthielt das Pflanzenverzeichnis des dortigen botanischen Gartens bereits 1104 Arten. Damals beschäftigten sich Magistratspersonen, Gelehrte und wohlhabende Bürger der verschiedensten Berufszweige mit Vorliebe damit, durch Einführung neuer Pflanzen die Botanik und besonders die Blumenzucht zu fördern. Kein Kauffahrteischiff verließ, wie ein damaliger Gelehrter bemerkt, einen holländischen Hafen, dessen Kapitän nicht dazu verpflichtet wurde, von allen Orten, an denen er landete, Samen, Wurzelknollen und, wenn möglich, auch lebende Pflanzen mit nach Holland zu bringen. Die angesehensten Bürger Hollands zeichneten sich besonders durch oft recht kostspielige Bepflanzung ihrer Gärten mit ausländischen Gewächsen aus, und es war ihnen eine Freude, Ableger davon dem botanischen Garten in Leiden zu schenken. Dieser Garten enthielt, als der berühmte Hermann Boerhave (geb. 1668 in Voorhout bei Leiden, seit 1709 Professor der Medizin und Botanik, später auch der Chemie in Leiden bis zu seinem 1738 erfolgten Tode) dort als Lehrer wirkte und alles tat, um ihn zu mehren, bereits 6000 Pflanzenarten. Dieser Gelehrte gab zuerst den Fenstern der Treibhäuser eine schiefe Lage, indem so, wie er sagte, die größte Menge von Sonnenstrahlen Einlaß finden konnte. In diesem für ganz Europa als Vorbild dienenden Garten wurden übrigens zuerst zu Anfang des 18. Jahrhunderts Pelargonien (Geranien) vom Kap der Guten Hoffnung und andere ausländische Zierpflanzen, die bald die Gunst auch der Laien erlangten, eingeführt und zu Zierpflanzen mit größeren Blüten gezüchtet.

Als zu Anfang des 17. Jahrhunderts in Holland zuerst aus den orientalischen Gartentulpen gefüllte gezogen wurden, brach eine neue Ära in der niederländischen Blumenzucht an. Im Jahre 1629 zählte der Engländer Parkinson bereits 140 Spielarten von Tulpen auf, die dort kultiviert wurden. Bald brach in Holland eine eigentliche Tulpomanie aus, deren Hauptsitz das diese Zierpflanze vor allem züchtende Harlem war und hier in den Jahren 1634–1640 ihren Gipfel erreichte. Diese Tulpenliebhabersucht, die auf einmal in Tulpenzwiebeln das höchste, kostbarste Gut der Erde sah, ergriff Hoch und Niedrig, Arm und Reich. Fabelhafte Preise wurden für neu auftauchende Spielarten bezahlt, so daß ein wahrer Taumel die sonst so kaltblütigen Holländer ergriff. Jedermann spekulierte in Tulpen und ganze Vermögen wechselten ihre Besitzer. Durch die Tulpe Van Eyck wurde ein blutarmer Handelsgehilfe zum mehrfachen Millionär. Eine einzige blühbare Zwiebel der Sorte Semper Augustus brachte dem glücklichen Besitzer 13000 und eine solche von Admiral Erckhuizen 6000 holländische Gulden ein, während eine solche von Admiral Lietkens bis 5000 Gulden eintrug. Eine Zwiebel der Marke Vive le roi wurde gegen 2 Lasten Weizen, 4 Lasten Roggen, 4 fette Ochsen, 8 Ferkel, 12 Schafe, 2 Oxthoft (= 450 Liter) Wein, 4 Tonnen Achtguldenbier, 2 Tonnen Butter, 1000 Pfund Käse, 1 Bündel Kleider und einen goldenen Becher eingetauscht. Im Jahre 1637 wurden nach Hirschfeld laut vorgelegtem Register in der kleinen Stadt Alkmar zugunsten des Waisenstifts 120 Tulpen mit ihren Brutknollen für 9000 Gulden verkauft und ein einziges Exemplar der Sorte „Vizekönig“ trug 4203 Gulden ein. In Anbetracht des damaligen Geldwertes sind das ungeheure Summen; denn zu jener Zeit galt ein Gulden in Holland so viel, daß man damit 1 Bushel (= 36 Liter) Weizen kaufen konnte. Ganze Vermögen wurden in Tulpen angelegt, so daß manche Reiche in ihren Tulpenbeeten mehr als 500 klassifizierte Varietäten besaßen. Erst als die Behörde 1637 ein Gesetz gegen das schwindelhafte Gebaren vieler Tulpenhändler erließ, verlor sich nach und nach dieses Tulpenfieber und wurde die Zucht dieser Zierblume, von der man später über 1000 Spielarten unterschied, in normale, gesunde Bahnen gelenkt.

Unsere Gartentulpen entstammen also mehreren Kreuzungsprodukten, die allerdings nicht näher bekannt sind. Der wichtigste Grundstamm derselben bildet jedenfalls die vorgenannte, in den Steppen Südrußlands und Westasiens heimische Tulipa suaveolens, von der auch direkt mehrere Varietäten, zum Teil mit gefüllten Blüten gezüchtet wurden. Eine der beliebtesten Formen derselben ist die bekannte Duc van Toll. Andere, im Orient wildwachsende Arten gelangten durch Kauffahrer nach Italien und Südfrankreich, wo sie sich teilweise einbürgerten und verwilderten, unter ihnen vor allem Tulipa clusiana, die 1606 von Konstantinopel nach Florenz kam und von hier nach Südfrankreich weitergegeben wurde. Von ihr und von der aus der Türkei eingeführten Tulipa turcica, wie auch von der in Südfrankreich, Italien und Kleinasien gedeihenden Tulipa praecox zog man die verschiedensten Varietäten. Von Tulipa turcica speziell stammen die monströsen Perroquetten oder Papageitulpen mit sehr großen Blumen von schöner gelber und roter Farbe mit weit abstehenden, zerrissenen und gefransten Blumenblättern. Auch die Tulipa greigi aus Turkestan mit bräunlich gefleckten Blättern und purpur- oder scharlachroten, am Grunde schwarzen Blumenblättern ist mehrfach zur Kreuzung herbeigezogen worden. Durch Hybridisation dieser Wildlinge mit den bereits vorhandenen Arten von Gartentulpen und der letzteren wieder unter sich sind seit 1800 die verschiedenen, in der Färbung von Violett- bis Blutrot durch alle Schattierung von Gelb ins Weiße spielenden, ein- oder mehrfarbigen bis gefleckten „Neutulpen“ entstanden. Unter diesen unterscheidet man gegenwärtig als Hauptvarietäten Früh- und Spätsorten. Erstere, die Frühtulpen, mit kürzerem Stengel, blühen an einem warmen Standorte schon im April oder noch früher und lassen sich gut treiben. Unter den Spät- oder Landtulpen — so genannt, weil ihre Zwiebeln kaum je in Töpfe, sondern direkt ins Gartenland gepflanzt werden — unterscheidet man einfarbige oder Muttertulpen (couleurs), buntfarbige oder gebrochene (parangons), und unter diesen wiederum Bizarden mit gelbem und Flamandes mit weißem Blütengrund. Violette Flamandes heißen mit einem holländischen Namen bijbloemen, rote dagegen nach den Franzosen roses. Die gefüllt blühenden Varietäten werden von den Blumisten den einfachen Sorten nachgesetzt und meist zu Teppichbeeten und Gruppen benutzt. Die Kultur der Tulpen stimmt im wesentlichen mit derjenigen der Hyazinthen, die alsbald besprochen werden soll, überein. Die zur Erlangung neuer Spielarten aus Samen gezogenen Tulpen blühen meist erst im 7. Jahre, während die aus Zwiebeln gezogenen dies im 3., ja teilweise schon im 2. Jahre tun.

Südeuropäische Gartenzierpflanzen sind die gelbe Taglilie (Haemerocallis flava) mit reingelber Blumenkrone, wie auch deren Abarten, die H. fulva mit rotgelben und H. alba mit weißen Blüten. Schon Theophrast und Dioskurides nennen sie unter der Bezeichnung hēmerocallís und sagen, daß namentlich ihre Zwiebel arzneilich gebraucht werde. Noch viel mehr war dies im Altertum mit der Meerzwiebel (Scilla maritima) der Fall, die nach diesen beiden Autoren roh und noch häufiger, in Teig oder Lehm gehüllt, auf glühenden Kohlen gebraten oder in Wasser oder Honig gekocht als Medizin gegessen wurde. Außerdem diente sie zur Schärfung des Essigs. Plinius beschreibt in seiner Naturgeschichte ausführlich die Herstellung des Meerzwiebelessigs, der auch als Arznei genossen wurde. Er sagt von ihm: „Er macht die Augen hell, ist bei Magenschmerz und Seitenstechen heilsam, wenn man alle zwei Tage davon einnimmt. Übrigens ist er so stark, daß man von ihm auf kurze Zeit halb ohnmächtig werden kann, wenn man davon trinkt.“ Dieses an den Küsten des Mittelländischen wie auch des Atlantischen Meeres wachsende Zwiebelgewächs wurde schon von den alten Ägyptern arzneilich verwendet und hieß bei ihnen askili, woraus später das arabische askil hervorging, während die Griechen es skílla und die Römer nach ihnen scilla nannten. Im Altertum pflanzte man diese Zwiebelart auf Gräber und hing sie als Amulett vor die Türe, um vor Zauber und namentlich Vergiftung geschützt zu sein. In Arkadien pflegten die Landleute die Bilder des Wald- und Weidegottes Pan bei dessen Festen mit Meerzwiebel zu bewerfen. In welch hohem Ansehen diese Pflanze im Altertume als Arzneimittel stand, beweist auch die Stelle des Plinius, worin gesagt wird: „Unter den Zwiebeln (bulbus) steht die Meerzwiebel (scilla), obgleich sie nur als Heilmittel und zur Schärfung des Essigs dient, in höchstem Ansehen. Sie zeichnet sich durch Größe und scharfen Geschmack aus und wächst vorzugsweise auf den balearischen Inseln, auf Ebusus (der Insel Iviza) und in Spanien. Der Philosoph Pythagoras hat ein Buch über diese Pflanze geschrieben, in welchem er ihre Heilkräfte zusammenstellt.“ Später wurde sie besonders durch die Klöster verbreitet; auch Karl der Große hieß sie in seinen Gärten anpflanzen. Das ganze Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart wurde sie bei uns in Töpfen gezogen, um als geschätztes Heilmittel zu dienen. Es gibt wohl kaum ein besseres Bauernhaus, in welchem sie nicht zu finden wäre. Hier fristet sie mit ihren faust- bis kindskopfgroßen Zwiebeln zwischen den blühenden Geranien und Nelken auf den Gesimsen vor den Fenstern ein beschauliches Dasein. Durch ihre harntreibende Wirkung findet sie besonders bei der Behandlung von Wassersucht Verwendung, während die zerquetschten und dann schleimigen Blätter auf Wunden gelegt werden. Von ihren näheren Verwandten hat einzig die an bewaldeten Orten Süddeutschlands häufige, in Norddeutschland dagegen seltene Scilla bifolia wegen ihrer schönen blauen bis violetten Blüten besonders zur Einfassung von Blumenbeeten in unsern Gärten Eingang gefunden.

Eine weit größere Rolle als diese bescheidene Frühlingsbotin spielt in der modernen Blumenzucht die Gartenhyazinthe (Hyacinthus orientalis), die wie die Tulpe von den Türken aus den Gärten von Bagdad und Aleppo nach Konstantinopel gebracht wurde und von da um die Mitte des 16. Jahrhunderts nach Mitteleuropa gelangte. Die Stammform derselben ist in den Steppen Westasiens heimisch und gelangte schon im Altertum nach Kleinasien und Griechenland, wo sie verwilderte. Bei den alten Griechen bedeutete sie die Blume der Trauer, die ihren Namen nach der Sage von einem schönen spartanischen Jünglinge, dem Sohne des Königs Amyklas von Lakonien, einem Lieblinge Apollons, erhielt, der sich mit ihm gerne in Wettkämpfe einließ. Zephyros (der Westwind) gönnte dem jungen Manne nicht die Gunst des Gottes, die er vielmehr gerne besessen hätte, und beim Diskuswerfen lenkte er die schwere Scheibe aus Erz so, daß sie den Kopf des Hyakinthos traf und ihn tötete. Darüber war Apollon sehr betrübt. Wohl verstand er sich auf die Heilkunst, aber über den Tod war ihm keine Macht gegeben. Um wenigstens das Andenken an seinen Liebling der Nachwelt zu erhalten, ließ er aus dessen Blut die würzig duftende Hyazinthe erstehen, deren dunkelblaue Farbe Trauer bedeutet. Später war die hyákinthos auch der Demeter ein Zeichen der Klage und der Trauer um ihre vom Gotte der Unterwelt geraubte Tochter Proserpina. Doch wird sie bei den alten Schriftstellern kaum je genannt. Der Grieche Pollux erwähnt sie einmal in seinem Onomastikon als eine zu Kränzen verwendete Blume, mit der sich vornehmlich junge Mädchen als Zeichen der Trauer beim Verluste ihrer Gespielin bei deren Hochzeit schmückten. Und der Römer Columella nennt die hyacinthus als die Blaue, in der Farbe des Himmels Leuchtende, von der er auch eine weiße Abart als die schneeige (niveus) erwähnt. Jedenfalls wurde sie im Altertum nur ausnahmsweise als Gartenpflanze, höchstens etwa auf Gräbern wegen des ihr anhaftenden Beigeschmacks der Trauer, kultiviert. Dem Morgenlande verdanken wir ihre Zucht. Von den Arabern erhielten sie die Türken, die sie gerne in ihren Gärten anpflanzten. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte sie aus Konstantinopel nach dem Abendlande, wo sie noch weiter veredelt wurde und die violenblaue Farbe der Blumenblätter in Purpur, Karmin, Rosa, Dunkelblau bis fast Schwarz, ferner in Weiß, Gelb und selbst Orange verwandelte. In Holland, wo sie besondere Pflege gefunden hatte, verdrängte sie sogar mit der Zeit ihre Schwester, die vormals so vergötterte Tulpe. Besonders in Harlem wurde sie im großen gezogen und aus ihr durch immer weitergeführte Kreuzung neue Spielarten geschaffen, die für teures Geld ihren Besitzer wechselten. Außer einfachen erzielte man auch zwei- und dreifach gefüllte Hyazinthen von großartiger Pracht. Sie galten für wenigstens so wertvoll als die schönen und seltenen Tulpensorten, und wenn eine neu auftauchende Varietät ihren Namen erhalten sollte, gab es ein feierliches Tauffest, zu dem außer den Verwandten und Nachbarn auch die Bewohner der Umgegend eingeladen wurden und bei dem es hoch herging. Man konnte sich solches leisten; denn trotz der hohen Spesen war das Geschäft infolge der sehr hohen für neue Arten bezahlten Preise sehr einträglich.

Die erste Konkurrenz erwuchs der holländischen Hyazinthenkultur in Berlin, dessen Sandboden diese Zucht in hohem Maße begünstigte. Der aus Frankreich eingewanderte Kunstgärtner David veranstaltete hier 1740 die erste bedeutendere Tulpenausstellung und brachte dadurch diese Blume in der Hauptstadt Preußens in Mode. Die in der napoleonischen Zeit über Mitteleuropa hereinbrechenden kriegerischen und politischen Ereignisse lenkten aber die Aufmerksamkeit des Publikums wieder davon ab, doch erwachte sie nach den Freiheitskriegen von neuem. Die Nachkommen Davids, seine Söhne Peter und David, unterhielten in der Kommandantenstraße in Berlin prächtige Hyazinthenkulturen, die zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Berlins gehörten. Den Höhepunkt erreichte hier die Hyazinthenzucht im Jahre 1830. Vor dem Schlesischen Tor breitete sich ein 24 Morgen umfassendes Blumenparadies aus, in welchem unter anderen Zwiebelgewächsen 4½ Millionen Hyazinthen gezogen wurden. Ungezählte Scharen Neugieriger kamen zur Zeit der Blüte herbei, um dieses wirklich sehenswerte Farbenwunder zu bestaunen.

Bis zum Jahre 1860 war sonst die Kultur der für den Handel gezogenen Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln fast ganz auf das Gebiet von Harlem in Holland konzentriert. Hier wachsen diese schönen, genügsamen Kinder der westasiatischen Steppe vorzüglich im Sandboden unmittelbar hinter den Dünen. Jeder Gärtner spezialisiert sich begreiflicherweise für eine gewisse Zahl von Typen, wodurch eine große Regelmäßigkeit in der Produktion der Zwiebeln gewährleistet wird. Unbestritten werden vor allem die Hyazinthen aus Harlem bezogen, wo man über 300 Spielarten derselben züchtet. Man zählt gegenwärtig in Holland mehr als 2000 Blumenzwiebelzüchter und etwa 150 Exporthäuser, die diese als Winterflor in Töpfen oder als erste Bepflanzung der Gartenbeete sehr geschätzte Handelsware nach allen Weltteilen versenden. Jedes Frühjahr gibt es öffentliche Versteigerungen in den Hyazinthen- und Tulpenfeldern selbst. Außerdem wird wöchentlich einmal eine Spezialbörse dafür in Harlem abgehalten. Die Blumenzwiebelkulturen nehmen eine Oberfläche von etwa 3500 Hektaren ein und der Wert der während der Saison exportierten Blumenzwiebeln erreicht 16 Millionen Mark, was einem Bruttoertrag von beinahe 4800 Mark pro Hektar der Kultur entspricht. 40 Prozent des Produkts wandern nach England; Deutschland und Österreich nehmen 25 Prozent, die Vereinigten Staaten 18, die Nordländer, vor allem Dänemark, Schweden und Norwegen 9, Frankreich und die übrigen latinischen Länder kaum 5 Prozent davon.

Die Vermehrung der holländischen Blumenzwiebeln, also der Hyazinthen und Tulpen, erfolgt auf ungeschlechtlichem Wege durch Pflanzen der Brutzwiebeln, von denen erstere mehrere, letztere dagegen meist nur eine produzieren. Die Vermehrung durch Samen erfolgt, weil sehr langsam vor sich gehend, nur, um die alten Varietäten zu regenerieren oder neue zu erzielen. Während eine unverletzte Hyazinthenzwiebel nur eine kleine Zahl Brutzwiebeln — zwischen 1–6 oder höchstens 8, oft aber auch gar keine — bildet, liefert eine verletzte um die Verletzungsstellen herum deren zahlreiche. Deshalb macht man zur Vermehrung der Blumenzwiebeln gewöhnlich vier Schnitte durch den untern Teil derselben oder höhlt ihn aus. Letzteres Verfahren liefert nämlich weitaus am meisten Brutzwiebeln, während man vermittelst des Kreuzschnittes durch den Zwiebelboden weniger, dafür aber, weil sie besser ernährt werden, größere erhält, die sich rascher entwickeln und schneller zum Blühen gelangen, nämlich meist schon ein Jahr nach der Verletzung der Mutterzwiebel. Diese Operation wird meist im Juni vorgenommen, wenn die Zwiebeln, die im Frühling blühten, aus dem Boden herausgenommen werden, um erst wieder im Herbst ausgepflanzt zu werden. Früher trocknete man sie einfach an der Sonne; jetzt aber setzt man sie nach dem Einschneiden ihres Bodens der Luft aus, nachdem man sie mit Asche oder Kalk bestäubt hat, wodurch die Wunden alsbald heilen. Sie werden an einem luftigen Orte aufbewahrt und bilden an den Schnittstellen bis zu 40 Brutzwiebeln. Im Oktober oder November pflanzt man die Zwiebeln mit den Brutzwiebeln wie die gewöhnlichen Hyazinthenzwiebeln in Erde, die das Jahr vorher mit Kuhmist gedüngt wurde. Viele dieser Brutzwiebeln bilden im folgenden Jahre Blätter. Im Juni werden sie mit den Mutterzwiebeln dem Boden entnommen, von letzteren abgelöst und von der anhaftenden Erde gereinigt, getrocknet und an einem luftigen Orte aufbewahrt. Im Oktober werden sie wieder wie gewöhnliche Zwiebeln gepflanzt. Erst nach dem dritten Pflanzen erreichen sie eine genügende Größe, um im folgenden Jahre blühen zu können. Als solche kommen sie dann zum Verkauf.

Von den Verwandten der Gartenhyazinthe werden auch die auf Kulturboden wie Äckern und Weinbergen bei uns wildwachsenden perlblütige und Trauben-Bisamhyazinthe (Muscari botryoides und racemosum) mit nach Moschus beziehungsweise Pflaumenduft riechenden, einfachen blauen Traubenblüten gelegentlich als Zierpflanzen in den Gärten kultiviert. Noch beliebter als diese, weil schöner blühend, ist die aus China stammende eiblätterige Funkie (Funkia ovata), mit gestielten, breiteiförmigen Blättern und hellrosenroten Blüten. Ihr nahe steht die aus Südasien, besonders Ceylon und Java stammende Tuberose (Polyanthes tuberosa) — Tuberose, d. h. die Knollenwurzelige (von tubera Knollen) genannt —, deren 10–20 in langgestielter, endständiger Traube stehenden wohlriechenden, weißen Blüten besonders in Südfrankreich, wie übrigens auch die Hyazinthen, zur Parfümgewinnung gepflanzt werden. In Amerika, wohin sie früh gelangte, ist sie zum Liebling besonders der Bewohner Perus geworden, die mit ihr vorzugsweise die Altäre in den Kirchen schmücken, während die Damen sich mit Sträußen von ihr versehen, um möglichst oft daran riechen zu können.

Als Topfzierpflanze ist bei uns auch die der vorigen ähnliche doldenblütige Schmucklilie oder blaue Liebesblume (Agapanthus umbellatus) — von agápē Liebe und ánthos Blume — mit reicher Dolde von blauen Blüten auf 0,6 bis 1 m hohem Schafte vom Kap der Guten Hoffnung beliebt, während das wohlriechende Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit seiner zierlichen Traube überhängender, weißer Blüten zu unseren beliebtesten Frühlingsgartenpflanzen gehört. Als sehr frühblühende Pflanze wird sie besonders in Berlin wie der Flieder getrieben und die blühbaren Keime überallhin in die Blumengeschäfte versandt. Ihre getrockneten Blüten bilden den Hauptbestandteil des Nießpulvers und geben mit den gepulverten Samen der Roßkastanie den bekannten „Schneeberger“ Schnupftabak, so genannt, weil er zu Schneeberg im Königreich Sachsen zuerst bereitet wurde.

Auch der in Südeuropa heimische ästige Asphodill (Asphodelus ramosus) wird wie sein Verwandter, der gelbe Asphodill (A. luteus) in manchen Gärten gezogen. Ersterer, der an der Küste überall auf Wiesen üppig wächst, wurde als Sinnbild der Trauer von den alten Griechen auf die Gräber gesetzt und seine Wurzelknollen, die nach Porphyrius auch der Philosoph Pythagoras gerne gegessen haben soll, für die bevorzugte Speise der Geister der Abgeschiedenen gehalten. Nach verschiedenen Stellen in der Odyssee wandeln nach homerischer Anschauung die Geister der Verstorbenen in der Unterwelt auf Asphodillwiesen (asphodēlós leimṓn), auf denen von ihnen auch große Jagden abgehalten werden sollen. Plinius sagt von ihm: „Der asphodelus soll ein vorzügliches Mittel gegen Vergiftungsversuche sein, wenn man ihn vor dem Tore der Villa pflanzt. Man ißt den Samen und die Wurzel, nachdem man sie geröstet hat, was bei der letzteren in der Asche geschieht, worauf man Salz und Öl hinzufügt und sie auch noch mit Feigen zusammenstampft; es ist dies ein Gericht, das Hesiodus (der im 8. Jahrhundert v. Chr. in Böotien lebende griechische Dichter) für vorzüglich wohlschmeckend hält. Seine Wurzel gleicht einer mittelgroßen Kohlrübe (napus), und keine Pflanze hat mehr Knollen (bulbus), denn es sind deren oft 80 zu gleicher Zeit vorhanden. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß mit Gerstengrütze gekochte Asphodelusknollen abgezehrten und schwindsüchtigen Leuten sehr gut bekommen und daß sie, mit Mehl zusammengeknetet, ein sehr gesundes Brot geben. Nikander braucht Stengel, Samen und Knollen gegen den Biß von Schlangen und Skorpionen, legt sie auch als Schutzmittel gegen die genannten Tiere unter das Kopfkissen. In Kampanien gehen die Schnecken dem Stengel dieser Pflanze eifrig nach und saugen ihn aus. Man heilt übrigens mit asphodelus eine Menge Krankheiten, verjagt und tötet auch die Mäuse damit, indem man mit ihm deren Löcher verstopft.“ Nach Hesiod dienten die Wurzelknollen des Asphodill trotz ihres scharfen Geschmackes den alten Pelasgern als Speise und lieferten in Verbindung mit Malven ein „köstliches Gericht“ (wörtlich eine königliche Speise), während Theophrast (im 4. Jahrhundert v. Chr.) sagt, daß sie nur von Armen gegessen werden. Der Asphodill diente im Altertum auch als Schutzmittel gegen Zauberei und wurde bei den mittelalterlichen Ärzten zu einem der sieben Kräuter der Planeten erhoben, auf welche besonders Saturn einen Einfluß ausüben und ihm die Eigenschaft erteilen sollte, jeden, der ein Stück der Pflanze bei sich trage, vor bösen Geistern zu schützen. Noch heute dienen die Wurzeln zur Bereitung eines nahrhaften Mehles, das aus dem Orient, wo die Pflanze sehr gemein ist, in den Handel gebracht wird. Wegen des reichen Gehaltes an einer schleimigen, klebenden Substanz verwenden die Buchbinder, Schuster und Sattler Toskanas und anderer Gegenden Italiens die gepulverten Wurzeln als Kleister. Die goldgelbe, deshalb auch Goldwurz genannte Wurzelknolle des gelben Asphodills diente früher äußerlich als Amulett und innerlich als harntreibendes Mittel, während sie neuerdings besonders in Algerien zur Zuckerfabrikation und Schnapsbereitung dient. Auf den Höhen des Libanons dagegen wächst der Asphodelus kotschyi (nach dem österreichischen, 1866 in Wien verstorbenen Botaniker Theodor Kotschy, der Syrien bereiste und sie zuerst beschrieb, so genannt), dessen stärkemehl- und gummireichen Wurzeln als nurtoak im Orient an Stelle von Salep (Orchideenwurzelknollen) häufig Verwendung finden. Der deutsche Reisende Strelack ernährte sich und seine Begleiter auf der zweiten Reise durch Syrien vier Tage lang damit und brachte 1863 gegen 11000 kg derselben mit nach Deutschland, um das daraus gewonnene Mehl als neues, billiges Nahrungsmittel in den Handel zu bringen.

Als Dekorationspflanze für Treppenaufgänge, Säulenhallen und in Blumenbeeten dient die Flachslilie, der neuseeländische Flachs (Phormium tenax), so genannt, weil ihre Blätter zur Gewinnung einer äußerst zähen Faser gewonnen werden. Sie wurde von Solander und J. Banks, den Begleitern von James Cook auf dessen erster Reise um die Welt (1768–1771), in Neuseeland entdeckt, wo sie weite Strecken bedeckt. Ihre Wurzelknolle ist wegen des Gehaltes an einem sehr bittern Stoff nicht eßbar und dient den Maorimüttern dazu, ihre Brustwarzen damit einzureiben, wenn sie ihre Kinder entwöhnen wollen.

Beliebte Treibhauszierpflanzen sind dagegen die wegen ihrer zwischen Palmen und Lilien in der Mitte stehenden Tracht als Palmlilien bezeichneten Yuccas, die sämtlich amerikanischen Ursprungs sind. Namentlich wird die 1–1,3 m hohe, schöne Palmlilie (Yucca gloriosa) aus Peru in verschiedenen Formen mit oft bunten Blättern in großen Töpfen gezogen. Sie treibt umfangreiche, rispige Ähren von prächtigen, hängenden, weißen Blüten. Ihre Wurzelknollen werden von den Indianern zu Mehl zerrieben und zu Brot verbacken; die Blätter dagegen liefern einen Faserstoff. Wichtiger ist derjenige der in Virginien heimischen fadigen Palmlilie (Yucca filamentosa). Deren Blattfäden werden in ihrer Heimat zur Herstellung von Geweben und Stricken benutzt. Gleicherweise verwendet man die der in Westindien und Mexiko heimischen aloeblätterigen Prachtlilie (Yucca aloifolia), deren Blüten als Gemüse verzehrt werden und deren Blätter in Mexiko zur Herstellung von Papier dienen, während aus der Blattoberhaut künstliche Blumen verfertigt werden. Alle Yuccaarten werden durch bestimmte kleine, meist weißlich gefärbte Motten in der Weise befruchtet, daß sie den Pollen in die ausgehöhlte Narbe der Blüte stopfen, damit die aus den daraufgelegten Eiern sich entwickelnden Räupchen die zur Erhaltung der Art nötige Nahrung finden. Wenn sie auch später einen Teil der sich entwickelnden Samen verzehren, so hat dies nichts zu bedeuten, da die Pflanze auch so über genügend Sämlinge verfügt, so daß der Dienst dieses Tierchens, ohne den sie aussterben müßte, nicht zu teuer belohnt ist. Weil diese kleinen Motten in Europa fehlen, tragen die bei uns gezogenen Yuccaarten, auch wenn sie noch so schön blühen, niemals Samen.

Im Altertum spielte auch die rauhe Stechwinde (Smilax aspera) — rauh, wegen der Stacheln an Stengeln und Blättern genannt — als Arznei- und Zierpflanze eine gewisse Rolle, während eine amerikanische Verwandte die offizinelle Sarsaparillwurzel liefert. Diese südeuropäische Schlingpflanze, welche in Italien und Griechenland bis 16 m hoch, namentlich an den Platanen hinaufklettert, besitzt wohlriechende, weiße Blüten, die bei den alten Griechen mit Efeu zusammen bei den Dionysosfesten zu Kränzen gewunden wurden. Nach alter Sage sollte das Gewächs durch Verwandlung der Nymphe Smilax entstanden sein, welche aus unerwiderter Liebe zu dem Jüngling Krokos starb. Theophrast beschreibt sie ausführlich als smílax, Dioskurides sagt: „Der rauhe Smilax (smílax tracheía) wird als ein wichtiges Mittel gegen Gifte gebraucht,“ und Plinius schreibt über sie: „Der smilax stammt ursprünglich aus Kilikien, ist in Griechenland häufig, hat kleine, nicht ausgeschnittene, übrigens denen des Efeu ähnliche Blätter. Die Blüten sind weiß und riechen wie Lilien. Er ist bei allen Opfern und Kränzen ein Unglückszeichen, weil er Trauer bedeuten soll, indem ein unglückliches Mädchen namens Smilax in diesen Strauch verwandelt wurde. Der großen Masse des Volkes ist dieser Umstand nicht bekannt; es entheiligt daher seine Feste oft dadurch, daß es ihn statt des Efeus verwendet, wiewohl doch eigentlich jedermann wissen sollte, daß die Dichter dem Vater Bacchus und dem Silenus (nach griechischer Sage Sohn des Hermes oder Pan, Erzieher und Gefährte des Bakchos, wird in der Kunst als dickbäuchiger Alter mit Glatzkopf, Stumpfnase und Ziegenohren mit einem Weinschlauch dargestellt) Efeukränze zuschrieben. Aus dem Holze des smilax macht man auch Schreibtäfelchen; dieses hat die Eigentümlichkeit, daß es, ans Ohr gehalten, einen leisen Ton von sich gibt.“ An einer andern Stelle sagt dieser Autor: „Werden Blätter zu Kränzen verwendet, so sind es vorzugsweise diejenigen des smilax und des Efeus.“ Noch jetzt sind weit mehr als die Blüten die kugeligen, roten Früchte dieser Stechwinde in Griechenland eine Zierde fast aller Blumensträuße und dienen den jungen Damen, in die Haare geflochten, als schöner Kopfputz.

Als Arznei dagegen diente bei den alten Griechen und Römern der stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus), ein 30–60 cm hoher, immergrüner Strauch mit blattförmigen, in einen Stachel auslaufenden grünen Zweigen, auf deren Mitte die 3–5 grünlichen Blüten stehen. Während aus dieser Pflanze in Italien häufig Besen gemacht werden, wird sie bei uns nicht selten als Zierpflanze in Gärten gepflanzt. Früher war sie als harntreibendes Mittel gebräuchlich. Theophrast erwähnt sie als alexandrinischer Lorbeer und Dioskurides, wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Myrtenstrauch, als wilde Myrte (myrsínē agría). Er sagt von ihr: „Sie dient als Arznei, auch verspeist man die jungen Sprossen als Gemüse; sie schmecken etwas bitter.“ Plinius aber schreibt von ihr: „Der alexandrinische Lorbeer wächst in größter Menge am Ida und bei Heraklea am Pontus, aber nur auf dem Gebirge. Er dient der Kunstgärtnerei und zum Kranzflechten; die Wurzel dient als Heilmittel.“

Auch der in den Mittelmeerländern wildwachsende gemeine Tamus (Tamus communis) mit kugeligen, roten Früchten war bei den Alten offizinell. Dioskurides bezeichnet ihn als „wilde Rebe“ und sagt von ihm: „Wurzel und Früchte dienen als Arznei, die jungen Sprossen als Speise.“ Soweit die Liliazeen.

Unter den Amaryllideen sind das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), das auf Bergwiesen Süddeutschlands wild wächst und bisweilen verwildert auch in Obstgärten angetroffen wird, und die Frühlingsknotenblume (Leucojum vernum, — ersteres Wort kommt aus dem Griechischen leukón íon, d. h. weißes Veilchen), die in schattigen Laubwäldern Süd- und Mitteldeutschlands, sehr selten in Norddeutschland angetroffen wird, beliebte Frühlingsgartenzierpflanzen. Ihre Zwiebeln sind brechenerregend und giftig, während die viel giftigeren der nahe verwandten südafrikanischen Buphone toxicaria den Buschmännern einen Bestandteil ihres gefürchteten Pfeilgiftes liefern.

Was die Lilien für die Alte Welt bedeuten, das sind gewissermaßen die Amaryllisarten der Neuen. Diese Pflanzenfamilie hat ihren Namen von der vom römischen Dichter Vergil (70–19 v. Chr.) in seinen Hirtengedichten besungenen Hirtin oder Nymphe Amaryllis, einer griechischen Bezeichnung, die die Glänzende, Leuchtende bedeutet. Diese amerikanischen Lilien verdienen denn auch in der Tat wegen ihrer schönen Blüten diesen sie auszeichnenden Namen. Unter ihnen ist besonders Amaryllis formosissima zu nennen, die in ihrem Vaterlande Südamerika oft ganze Ebenen bedeckt und zur Zeit der Blüte einen wundervollen Anblick gewährt. Wegen ihrer großen, gelbroten, aber duftlosen Blüten wird sie nebst den übrigen Arten und zahlreichen, sehr verschieden gefärbten Bastarden häufig bei uns in Töpfen kultiviert. Durch mannigfache Kreuzungen der Wildlinge wurden von englischen, deutschen, holländischen und amerikanischen Gärtnern wahre Wunderblumen gezüchtet. Die hauptsächlichste Stammutter der modernen, im Herbste blühenden Sorten ist die schon im Jahre 1777 von den Ufern der Batafogobai nach Europa eingeführten Amaryllis reticulata, während die im Winter und Frühling blühenden Sorten von anderen Arten abstammen. Die aus Westindien stammende Amaryllis belladonna mit sehr giftiger Zwiebel hat Dolden von zart rosafarbigen Blüten, während die gerade zu Weihnachten blühende Amaryllis tettaui feuerrote Blüten besitzt. Die übrigen, zu Ausgang des Winters und im Frühling blühenden Formen wechseln vom zartesten Rosa bis zum dunkelsten Rot. Weiße Formen sind sehr selten und werden, obschon sie noch unvollkommen in der Form sind, beinahe mit Gold aufgewogen. Zu den schönsten Zwiebelgewächsen aus der Gattung der Amaryllideen gehören auch die Eucharisarten, von denen Eucharis amazonica und candida bei uns vielfach gezogen werden.

Häufig gezogene Gartenzierpflanzen sind ferner die Narzissen, von denen die gelbe oder gemeine Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) mit langer, glockiger, am Rande welliger, goldgelber Krone an der blaßgelben Blüte — die jonquille der Franzosen — auf Bergwiesen wild wächst und manchenorts verwildert ist. Auf Bergwiesen Griechenlands, Norditaliens und der Schweiz — z. B. am Nordufer des Genfersees bei Les Avants — wächst dagegen die echte Narzisse (Narcissus poeticus) mit weißer Blüte und sehr kurzer, schüsselförmiger Krone mit feingekerbtem, scharlachrotem Rande in Menge wild, während die ebenfalls höchst wohlriechende Tazette (Narcissus tazetta) in Griechenland, an der Riviera und in Südspanien in feuchten Niederungen und die späte Narzisse (Narcissus serotinus) in mittleren Lagen Südeuropas heimisch ist. Beide letztgenannte Arten tragen mehrere Blüten auf einem Stengel, sind weiß und höchst wohlriechend; letztere unterscheidet sich von der ersteren wesentlich dadurch, daß sie regelmäßig im Herbste blüht. Tazetta ist das Verkleinerungswort des italienischen tazza für Tasse, Schale und wurde dieser Narzissenart wegen der Ähnlichkeit ihrer Blüte mit einem Täßchen gegeben. Sie wurde durch Clusius (1526–1609) 1565 am Fuße des Berges von Gibraltar und die Jonquille mit gelben Blüten und langer, gelber Krone ebenfalls von ihm auf den Wiesen bei Cadix und Sevilla gefunden und dann in unsere Gärten eingeführt. In Südfrankreich bereitet man aus den wohlriechenden Blüten der Narzissen und Tazetten feine Parfüms.

Unter Narzisse verstanden die alten Griechen und Römer die echte und die späte Narzisse. Nárkissos hieß nach der griechischen, uns in den Geoponika und durch Ovids Metamorphosen erhaltenen Sage ein schöner Jüngling, der sich durstend an einer Quelle lagerte, dabei im Wasserspiegel sein Bild sah, von dessen Schönheit bezaubert er es umarmen wollte, dabei ins Wasser fiel und ertrank. Die mitleidigen Götter sollen ihn dafür in jene schöne Blume verwandelt haben. Theophrast meint offenbar die späte Narzisse, wenn er schreibt: „Der nárkissos wird von vielen auch leírion (Lilie) genannt. Er trägt wie die Lilie eine weiße Blume auf dem Stengel und erzeugt in einer häutigen Hülle eine große, schwarze, längliche Frucht. Fällt diese ab, so wächst aus ihr eine neue Pflanze; man sammelt sie aber auch absichtlich zum Kultivieren oder pflanzt die Wurzel. Diese ist fleischig, rund und groß. Die Blüte erscheint erst spät, nach dem Aufgang des Arkturos und zur Zeit der Herbst-Nachtgleiche.“ Auch Vergil spricht von ihr, wenn er in seiner Georgica sagt: „Gern möchte ich die üppig prangenden Gärten besingen, die zweimal im Jahre blühenden Rosenbeete (rosarium) in Paestum, die bewässerten Endivien (intybum), den am Ufer grünenden Sellerie (apium), die sich im Grase dahinschlängelnde Gurke (cucumis) mit ihren schwellenden Früchten, die spät in reichlicher Fülle blühende Narzisse, die gebogenen Acanthusblätter, den bleichen Efeu, die den Strand liebenden Myrten.“

Dioskurides dagegen meint mit seiner Beschreibung offenbar die echte Narzisse, von der er sagt, daß sie am schönsten auf den Gebirgen wachse und wohlriechend sei. Die gekochte zwiebelartige Wurzel bewirke Erbrechen, werde aber mit Honig zusammengerieben auf Brandwunden gelegt und sonst als Arznei gebraucht. Das aus ihr für den arzneilichen Gebrauch mit Kalmus, Myrrhe und wohlriechendem Wein hergestellte Narzissenöl werde zu arzneilichem Gebrauche bereitet, verursache aber Kopfweh. — Wegen des roten Saums der Blütenkrone wurde diese Narzisse von Vergil als purpureus narcissus und von Plinius als purpureum lilium bezeichnet. Letzterer schreibt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt auch purpurfarbige Lilien, deren Stengel zuweilen doppelt, deren Wurzel eine einzige große Zwiebel ist; man nennt sie narcissus. Die eine Art hat eine weiße Blüte mit purpurfarbigem Becher (calyx). Sie unterscheidet sich dadurch von den eigentlichen Lilien, daß sie nur an der Wurzel Blätter hat. Die besten Narzissen wachsen auf den Gebirgen Lykiens. Bei einer dritten Art ist alles ebenso, nur der Becher ist krautartig. (?) Alle blühen spät, nämlich nach dem Aufgang des Arkturus und während der Herbst-Nachtgleiche.“ Letztere Behauptung hat er kurzweg dem Theophrast nachgeschrieben, der dies nur von der späten Narzisse aussagt. Ein Grieche bemerkt in den Geoponika, daß die Narzisse aus der Zwiebel gezogen werde.

Unter den Irideen oder Schwertliliengewächsen sind vor allem die Schwertlilien selbst zu nennen. Unter ihnen haben wir die überall in stehenden Gewässern Europas wildwachsende, 0,6–1 m hohe gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus, d. h. falscher Acorus, weil sie vor der Blütezeit mit dem Kalmus Ähnlichkeit hat). Sie hat große, gelbe Blüten und einen kurzen, innen rötlichen, ausdauernden Wurzelstock mit scharfem Saft, der früher als falscher Kalmus oder Gilgenwurzel (Gilge ist die im Mittelalter gebräuchliche Bezeichnung für Lilie) benutzt wurde. Dann die bis 1 m hohe blaue oder deutsche Schwertlilie (Iris germanica) mit dunkelblauen Blüten. Sie hat ihre Heimat im Mittelmeergebiet und wurde jedenfalls schon von den Römern über die Alpen gebracht, wuchs vermutlich auch in den Gärtlein der mittelalterlichen Burgen, und ist nicht nur an Orten, wo solche standen, sondern auch sonst an sonnigen Abhängen und felsigen Örtlichkeiten, an denen es ihr warm genug ist, völlig verwildert. Sie zählt von alters her zu den beliebtesten Gartenpflanzen, ist bei aller Anspruchslosigkeit äußerst dankbar und hat sich infolgedessen überall leicht eingebürgert. Auch in England wurde sie vor dem Jahre 1597 angepflanzt. Sie hat mit der Zeit zahlreiche Spielarten mit dunkelvioletten, bläulichweißen, hellgelben und andern Blumenblättern hervorgehen lassen und findet vielfach zur Ausschmückung von Böschungen Verwendung.

Tafel 143.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Beet verschiedenfarbiger Schwertlilien in einem japanischen Garten bei Tokio.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Eine Chrysanthemum-Ausstellung im kaiserl. Palast in Tokio.

Tafel 144.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Unter einer blühenden japanischen Glycine.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Mit Blumen geschmückte japanische Sänfte.

Ebenfalls in Südeuropa wie auch im Orient heimisch ist die bleiche Schwertlilie (Iris pallida) mit blaßvioletten, wohlriechenden Blüten und die florentinische Schwertlilie (Iris florentina) mit weißen, an der Basis braun geaderten, wohlriechenden Blüten. Der knollige Wurzelstock dieser drei Arten kommt als angenehm duftende „Veilchenwurzel“ in den Handel. Zu dessen Gewinnung werden besonders die blaue und bleiche Schwertlilie in Italien, speziell in Toskana um Florenz herum, auf Hügeln oder an Bergabhängen zwischen Weinbergen kultiviert. Nach drei Jahren wird der fleischige Wurzelstock geschnitten, geschält, gereinigt und an der Sonne getrocknet. Dadurch bekommt der frisch widerlich riechende und scharf bitter schmeckende Wurzelstock einen angenehmen veilchenartigen Geruch und milden Geschmack. Sein riechendes Prinzip Iron ist identisch mit dem Jonon der Veilchenblüten. Es ist also der Name Veilchenwurzel sehr wohl angebracht. Sie diente früher als Amulett gegen die Pest, während man jetzt aus ihr Rosenkränze und kleine Schmucksachen schnitzt, Stäbchen zum Daraufbeißen für zahnende Kinder schneidet und sie zur Herstellung von Zahnpulver, Brusttee, Pulver zum Bestreuen von Pillen und Aromatisieren von Haarpudern verwendet. Im Orient dient der gepulverte Wurzelstock zum Schminken, indem die darin enthaltenen spitzigen Kristallnadeln von kleesaurem Kalk beim Reiben die Haut für kurze Zeit entzündlich röten. Aus den Abfällen der Wurzel destilliert man ein ätherisches Öl.

Schon bei den alten Griechen und Römern fand die Veilchenwurzel arzneiliche Verwendung. Theophrast sagt von ihr: „Es gibt eine wohlriechende íris, die in Illyrien besser ist als in Makedonien; in Thrakien und kälteren Ländern hat sie gar keinen Geruch. — Die Heilpflanzenverkäufer und Wurzelgräber geben die Vorschrift, man solle beim Ausgraben der wilden Iris einen aus Mehl von Sommerweizen und Honig gebackenen Kuchen der Erde zur Belohnung geben; man solle ferner drei Kreise mit einem zweischneidigen Schwerte beschreiben, das zuerst abgeschnittene Stück der Wurzel in die Höhe halten und dann erst das übrige ausgraben.“ Dioskurides teilt mit, daß die Pflanze den sonst dem personifizierten Regenbogen zukommenden Namen Iris von der Vielfarbigkeit ihrer Blüten erhielt, „die entweder weiß oder blaßgelb oder quittengelb oder purpurfarbig oder blau sind. Die wohlriechenden Wurzeln werden zerschnitten, im Schatten getrocknet und, an Fäden aufgereiht, aufbewahrt. Die beste Iriswurzel kommt aus Illyrien und Makedonien, und von dieser sind diejenigen die besten, die dicht, zäh, blaßgelb, sehr wohlriechend und von brennendem Geschmack sind, auch müssen sie, während sie gestampft werden, Nießen erregen. Die libysche ist kraftloser, weiß, von bitterem Geschmack. Alle werden, wenn sie altern, von Würmern durchfressen, riechen aber dann noch besser; man gebraucht sie gegen vielerlei Leiden.“ Auch Plinius bespricht die Iris in seiner Naturgeschichte ausführlich und sagt, die beste Iriswurzel wachse in Illyrien, nicht an der Küste, sondern im Innern; ihr nahe komme die makedonische und zuletzt komme die afrikanische, die die größte ist und am bittersten schmeckt. „Auch die pisidische ist brauchbar. Leute, welche Iriswurzeln sammeln, begießen sie drei Monate vorher mit Honigwasser, um durch diese Opfer die Erde zu versöhnen. Dann ziehen sie um die Iris mit der Spitze eines Schwertes einen dreifachen Kreis und, haben sie dieselbe herausgenommen, so heben sie sie sogleich zum Himmel empor. Sie ist von Natur hitzig und erzeugt beim Anfassen eine Art Brandflecken. Früher wurde das beste Irisöl (irinum) auf der Insel Leukas und in Elis bereitet, wo man die Iris seit langer Zeit zu diesem Zwecke anpflanzt. Jetzt bekommt man auch vortreffliches aus Pamphylien, Kilikien und aus dem Norden. — Man bindet den Kindern zum Schutz gegen Krankheit eine Iriswurzel um, vorzüglich, wenn sie Zähne bekommen oder am Husten leiden; auch kaut man die Wurzel, um den Geruch des Atems zu verbessern, braucht sie ferner gegen viele Übel. Beim Sammeln wird die Vorschrift beobachtet, daß man sie mit der linken Hand ausreißt und dabei sagt, welchen Menschen und welche Krankheit man damit heilen will. Die Kräutersammler verfahren übrigens beim Sammeln der Iris und einiger anderer Pflanzen, z. B. des Wegerichs (plantago), ganz heimtückisch. Sie behalten nämlich einen Teil der Pflanze zurück und graben ihn wieder am Fundorte ein, wenn sie schlecht bezahlt werden, gewiß, um so die Krankheit, welche durch die Pflanze geheilt wurde, wieder zum Ausbruch zu bringen.“ Endlich wird in den Geoponika gesagt: „Die illyrische Iris wird vom Januar bis zum April in Gärten gezogen, indem man Wurzelsprossen von alten Stämmen trennt und einpflanzt.“

Neben diesen werden noch viele andere Arten von Schwertlilien in unseren Gärten gezogen, so die ebenfalls aus den Mittelmeerländern zu uns gekommene bunte Schwertlilie (Iris variegata) mit gelben, dunkelviolett geaderten Blüten, die englische Schwertlilie (Iris anglica) mit wohlriechenden, weißen Blüten, an deren Grunde sich blaue oder purpurrote Flammen und Flecken befinden, die ähnlich gezeichnete, nur noch farbenreichere spanische Schwertlilie (Iris hispanica), die Zwergschwertlilie (Iris pumila) mit niedrigem Stengel und dunkelvioletten Blüten, die in zahlreichen Varietäten besonders zur Einfassung von Blumenbeeten verwendet werden. Ferner die sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) mit schmalen Blättern und hellblauen, violett geaderten Blüten, die auch in mehreren Varietäten besonders in feuchtem Boden kultiviert wird. Gleichfalls viel Wasser verlangt die prächtige, große Blüten besitzende Iris laevigata aus Sibirien und Japan und die Iris kämpferi aus Japan, die eine besondere Ähnlichkeit mit unserer gelben Schwertlilie aufweist. Beide wurden in verschiedenen Varietäten bei uns eingeführt und können, da sie auch bei uns winterhart sind, zur Einfassung von Teichen und Wasserläufen sehr empfohlen werden. Im Jahre 1830 kam aus Persien die düstere, fast schwarzblühende Iris susiana und später aus dem Kaukasus die Iris iberica zu uns. Alle diese Schwertlilienarten lieben die Sonne, die für ihr reichliches Blühen unerläßlich ist. Neben den bunteren Schwestern behauptet immer noch die mit am reichsten blühende, in ihren Ansprüchen äußerst bescheidene deutsche Schwertlilie eine wichtige Stellung unter dem Schwertlilienflor. In den alten Sorten ziert sie die prunkvollen Herrschaftsgärten so gut wie die bescheidenen Bauerngärtchen, in denen sie neben Rose und weißer Lilie zum althergebrachten eisernen Bestande gehört. Besonders schön macht sie sich in einer größeren Gruppe im grünen Rasen oder am Gebüschrande.

An die Irisarten schließen sich als deren nächste Verwandte die Gladiolen an, von denen die meisten Arten in Südafrika heimisch sind. Ihr wichtigster südeuropäischer Vertreter ist die Siegwurz (Gladiolus communis), die 1 m hoch wird mit purpurroten, weißen oder fleischfarbigen Blüten. Siegwurz heißt sie, weil ihr süßlicher, schwach veilchenartig riechender Zwiebelknollen unter dem Namen Siegwurz oder Allermannsharnisch zum Heilen von Wunden und besonders als Amulett gegen Verwundung besonders von den Soldaten getragen wurde. Die wichtigsten, der abgeschnitten zu Bucketts und als Einzelpflanzen in Vasen höchst beliebten modernen bunten Spielarten stammen von Gladiolus cardinalis mit scharlachroten Blüten und Gladiolus psittacinus mit scharlachroten und gelben Blüten. Beide stammen aus Südafrika und ergaben durch Kreuzung eine große Zahl von Hybriden. Eine solche, besonders reichblühende und farbenprächtige Varietät sind die von Van Houten in Gent gezüchteten Genter Gladiolen, die zunächst, als von wärmeliebenden Eltern stammend, noch nicht bei uns winterhart waren, bis sie es durch Kreuzung mit einer von William Bull 1870 eingeführten winterharten Varietät aus Natal wurden. Sie waren aber gleichwohl wegen verschiedener Schönheitsfehler noch minderwertig und konnten deshalb nicht direkt als Zierpflanzen verwendet werden. Dies war erst möglich, als Lemoine in Nancy durch Kreuzung dieser Hybriden mit der schönen südafrikanischen Gladiolus sandersi, die nicht nur winterharten, sondern auch buntgefärbten Nancyer Gladiolen mit auffallend großen, punktierten Blumenblättern züchtete. Sie können nun im freien Lande kultiviert werden, ohne daß ihre Knollen herausgenommen und wie noch diejenigen der Genter Gladiolen in frostfreiem Raume überwintert werden müssen.

Der eßbare Schwertel (Gladiolus edulis) in Südafrika hat eine fast zusammengesetzte Blütenähre mit schönen Blüten und eßbaren Zwiebelknollen. Die Zwiebeln des als Feldunkraut unter Getreide in Südeuropa häufig anzutreffenden Gladiolus segetum mit 4 cm langen purpurroten, rachenförmigen Blüten — dem Xíphion der alten Griechen und dem gladiolus der alten Römer, beides „Schwertchen“ wegen der schwertförmigen Gestalt der aufrechtstehenden Blätter bedeutend — diente im Altertum als Arznei und wurde zu Theophrasts Zeit mit Mehl verbacken gegessen. Plinius sagt von ihr: „Man gräbt sie vor der Ernte aus und trocknet sie zum Arzneigebrauch im Schatten.“

Wegen ihren bunten Farben als Gartenzierpflanzen sehr beliebte Frühlingsblumen sind die in über 30 Spielarten gezogenen Crocusarten, die zumeist Abkömmlinge des auf Bergwiesen Südeuropas wildwachsenden Frühlingssafrans (Crocus vernus) sind. Schon bei Homer wird der Crocus erwähnt, indem es in der Ilias heißt: „Als Zeus sich auf dem Berge Ida lagerte, ließ die Erde unter ihm frisches Gras, betauten lotós-Klee, krókos und hyákinthos dicht und weich emporwachsen.“ Varro schreibt: „Im Herbste pflanzt man im Garten Lilien und Crocus“, und Vergil in seiner Georgika: „Abends kehren die arbeitssamen Bienen zum Stocke zurück; ihre Beine sind belastet mit Pollen vom Thymian, auch suchen sie Nahrung am Erdbeerbaum (arbutus) an den grauen Weiden (salix), an casia (wahrscheinlich einer Daphne-[Seidelbast-]Art), rötlichem Crocus, fetten Linden (tilia), rostbraunen Hyazinthen.“ Columella schreibt in seinem Buche über Landbau: „In den Gärten suchen die Bienen Nahrung an weißen Lilien, auch pflanzt man für sie Zwiebelknollen von korykischem und sizilischem Crocus (Safran).“ Auf der Balkanhalbinsel, wo meist Crocus sativus, der Safran, zur Gewinnung der Blütennarben kultiviert wird, werden seine Knollen roh und geröstet gegessen, wie in den Steppen Westasiens diejenigen der dort wildwachsenden weißen Lilie. Solche eßbare Zwiebeln haben auch Ixia bulbifera und I. crocata, schönblühende Verwandte des Crocus, von denen bei uns über 20 Arten, meist vom Kap der Guten Hoffnung, in den mannigfachsten Farben kultiviert werden, dann der bermudische Schweinsrüssel (Sisyrinchium bermudianum), eine beliebte Gartenpflanze von den Bermudasinseln mit violettblauen, im Schlunde gelben Blüten und Haemodorum panniculatum Australiens, dessen blutrote, scharfe Zwiebeln von den Eingeborenen geröstet gerne verspeist werden. Endlich ist noch als letzte der Amaryllideen die rote Tigerlilie Mexikos zu nennen, die nach dem gelehrten Jesuiten Giov. Battista Ferrari (1584–1653), der auch mehreres über Botanik schrieb, Ferraria tigrina genannt wurde. Wegen ihrer prachtvollen, innen scharlachroten, schwarzrot getigerten oder marmorierten Blüten wird sie nicht selten in Gewächshäusern gezogen.

Unter den Liliazeen sind noch die in 16 Arten im Kapland, in Ostafrika und in Madagaskar heimischen Tritomaarten zu nennen, von denen mehrere wegen ihren schönen Blütenähren bei uns als Zierpflanzen kultiviert werden, zum Teil auch im freien Lande aushalten. Besonders die über 1 m hohe Tritoma uvaria mit 30 cm langer Ähre scharlachroter, zuletzt gelber Blüten wird in vielen Varietäten kultiviert. Ebenso schöne Gartenzierpflanzen haben die Tradescantien geliefert. Es sind dies auf Amerika beschränkte krautartige Pflanzen mit oft rispig zusammengestellten Blüten in kurzen Trugdolden, von denen besonders häufig die Tradescantia virginica aus den südlichen Vereinigten Staaten und aus Mexiko mit violettblauen Blüten, weil winterhart, in unseren Gärten angetroffen wird. Viel empfindlicher ist Tr. discolor aus Brasilien mit weißen Blüten, die als Topfpflanze im Zimmer gezogen wird. Als Ampelpflanzen dienen dagegen T. guianensis mit langen, hängenden Zweigen und selten erscheinenden weißen Blüten und die ihr ähnliche, nur etwas empfindlichere T. zebrina mit braunen, silberigweiß gestreiften Blättern.

Ebenfalls aus dem tropischen und subtropischen Amerika kamen die verschiedenen Cannaarten als beliebte Blattdekorationspflanzen, die in Töpfen im Kalthause überwintern und im Frühjahr zu Gruppen ins freie Land gesetzt werden, zu uns. Die älteste, schon im Jahre 1570 in Europa eingeführte und am meisten gepflanzte Art ist die 1,5–2,5 m hohe Canna indica mit roten Blüten, deren erbsengroße, schwarze, harte Samen zu Rosenkränzen und Halsbändern benutzt werden. Zu ihr kamen erst im 19. Jahrhundert auch gelbe und buntgefärbte Arten, von denen der Blumenzüchter Crozy in Lyon (Depart. Hyères) die wichtigsten seit dem Jahre 1875 einführte. Diese wurden untereinander gekreuzt, so daß eine Menge von Spielarten vorhanden sind. Die Wurzelstöcke müssen frostfrei überwintert werden. Im Garten gedeihen sie besonders in sehr nahrhafter, lockerer Erde auf einer meterhohen Unterlage von Pferdemist bei reichlicher Bewässerung. Aus dem Wurzelstock der westindischen, in Peru Adeira genannten Canna edulis, die im nördlichen Südamerika, besonders Brasilien, aber auch sonst in den Tropen kultiviert wird, bereitet man das westindische Arrowroot. Auch von anderen Arten wird der Wurzelstock als Gemüse gegessen. Mit den verschiedenen Cannaarten wird meist die Rizinusstaude und werden einige kleine Bananen, wie die seit 1829 aus Südchina in unsere Gewächshäuser eingeführte Musa cavendishi (so genannt nach dem Londoner Chemiker Henry Cavendish, 1731 bis 1810, der 1777 das Wasserstoffgas entdeckte) in Gruppen angepflanzt. Nur wenig über 1 m hoch wird die von Südafrika in unsere Warmhäuser eingeführte Strelitzia reginae mit eigentümlich vogelartigen, blaugelben Blüten.

Dann werden von den drei am Kap der Guten Hoffnung heimischen Arten der Amaryllideengattung Clivia, Zwiebelgewächsen mit langen, rinnenförmigen Blättern und glocken- oder röhrenförmigen Blüten, in Dolden auf starken Schäften, Clivia miniata mit mennigroten Blüten und C. nobilis mit scharlachroten Blüten, beide in mehreren Varietäten im Gewächshaus wie im Zimmer kultiviert.

Als weitaus aristokratischste Mitglieder sind endlich unter den Monokotylen die Orchideen zu nennen, die in bezug auf Mannigfaltigkeit und absonderliche Gestaltung und Färbung der Blüten im Pflanzenreich ganz einzigartig dastehen. Sie erhielten ihren Namen vom griechischen órchis, was Hoden bedeutet, weil die damit zunächst bezeichneten Erdorchideen der Gattung Orchis an dieses Organ erinnernde doppelte Wurzelknollen besitzen, von denen die eine jeweilen für das nächstfolgende Jahr angelegt wird. Schon im Altertum wurden diese Knollen vom Menschen gesammelt und gegessen. Wegen ihrer hodenartigen Gestalt glaubte man, daß ihr Genuß die sexuelle Potenz beeinflusse. So schreibt schon Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert: „Die órchis hat zwei Wurzelknollen, einen großen und einen kleinen; der große soll sexuell kräftig machen, wenn man ihn in Milch von einer auf den Bergen weidenden Ziege kocht, der kleine soll aber die Kraft mindern.“ Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Die órchis hat ihre Blätter an der Erde um den Stengel; dieser wird eine Spanne hoch und trägt purpurrote Blüten. Die Wurzel ist knollig, länglich, doppelt, olivenförmig; die eine steht höher, die andere tiefer. Diese ist voll, jene weich und runzlig. Sie werden zum Verspeisen gekocht. Die Pflanze wächst in steinigem und sandigem Boden.“ Noch heute werden die Knollen von verschiedenen Orchisarten gesammelt und getrocknet, um als Salep oder Geilwurz in den Handel zu kommen. Das Wort Salep ist aus der arabischen Bezeichnung für diese Doppelknollen chusjata sslalab, d. h. Fuchshoden verstümmelt. Bei allen polygamen Orientalen steht diese Speise als angeblich die sexuellen Funktionen beförderndes Mittel in hohem Ansehen und wird von vielen derselben mit Honig gekocht regelmäßig zum Frühstück gegessen.

Von Erdorchideen finden wir am häufigsten verschiedene der in schattigen Bergwäldern Asiens, Europas und Nordamerikas auf kalkreichem Humusboden wachsenden Frauenschuharten in Gärten angepflanzt. So zumeist den europäischen Frauenschuh (Cypripedium calceolus), der bis nach Ostsibirien vorkommt und in Deutschland besonders in Buchenwäldern auf Kalkboden vorkommt. Von anderen, noch prächtigeren Arten, die als dankbar blühende und leicht zu erhaltende Zierpflanzen im Zimmer kultiviert werden, sind zu nennen Cypripedium venustum aus Neapel mit hellgefleckten Blättern, schönen rötlichgrünen, purpurrötlichen und blaßbraun gezeichneten Blüten und C. barbatum in Südindien und auf Java mit schwärzlichgrün, netzartig gezeichneten Blättern und schönen, violett und weißgefärbten Blüten.

Gleich den Erdorchideen legen auch die als Überpflanzen (Epiphyten) auf Bäumen der dichten, feuchten Wälder der Tropen lebenden Baumorchideen, die ihre Nahrung und die zum Wachstum nötige Feuchtigkeit vermittelst mehr oder weniger langer, weißer Luftwurzeln aus der umgebenden Luft schöpfen, solche Reservestoffbehälter an. Wie sie durch ihren buntfarbigen Blütenschmuck in Gesellschaft mit den leuchtenden Blüten der Schlingpflanzen dem Urwald der heißen Landstriche ihren besonderen Reiz verleihen, haben sie sich durch ihre aparte Schönheit die Liebe vieler vornehmer Blumenfreunde erworben und sind besonders beim Geburts- und Geldadel Englands zu eigentlichen Modepflanzen geworden, für deren Kultur besondere Gewächshäuser erstellt werden. Auch werden einzelne seltene Arten um ein Vielfaches ihres Gewichtes mit Gold aufgewogen. Um diese verführerische Blumenkönigin der von Malaria durchseuchten, von reißenden Tieren und feindlich gesinnten Menschen bevölkerten Baumwildnis der Tropen zu erlangen, sind schon unzählige, von den großen Orchideenimporteuren ausgesandte Europäer in den Tod gegangen. Das gefährliche Geschäft des Orchideensammelns im Urwald hat für die kühnen Menschen, die sich damit abgeben, einen besonderen Reiz, sonst würden sie nicht ihr Leben wagen; außerdem ist es eine sehr lohnende Arbeit und ein höchst einträgliches Geschäft. Da ein solcher Mann seinen Auftraggeber nahezu 60000 Mark jährlich kostet, und damit dessen Arbeit noch nicht einmal bezahlt ist, kann es uns nicht wundern, daß es nur wenige Orchideenimporteure gibt. Die vier bedeutendsten derselben leben in St. Albans in England, in New Jersey in den Vereinigten Staaten, in Paris und in Berlin. Die englische Firma besitzt ungefähr 15 Sammler in den dafür einträglichsten Gebieten, nämlich in Mexiko, Venezuela, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Columbia, Brasilien, Bolivia, Peru, Neuguinea, Holländisch-Indien, besonders Java und Sumatra, dann Borneo, Birma, Assam und in den Gegenden am Fuße des Himalaja.

Wenn auch die Orchideen über die ganze Erde verbreitet sind, so nimmt ihre Zahl nach dem Äquator hin bedeutend zu, und der heißen Zone gehören alle Baumorchideen mit den mannigfaltigsten, größten und schönsten Blüten an. Bis in die Neuzeit kannten die Europäer nur die Erdorchideen mit weniger auffallenden Blüten. Schon die Väter der Botanik beschäftigten sich eingehend mit ihnen, und manche Tierähnlichkeit der schon unter ihnen auftretenden bizarren Blüten verführte zu dem wunderlichsten Aberglauben. Mit der Entdeckung Indiens und der Neuen Welt traten erst die tropischen Orchideen in den Gesichtskreis der diese Länder zu Handelszwecken aufsuchenden Europäer. Da diese Pflanzen keinen praktischen Nutzen gewährten, nahmen die Krieger und Kaufleute, die die Tropenländer zuerst betraten, keinerlei Notiz von ihnen. Als erster erwähnte der große französische Arzt und Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, 1526 in Arras in Nordfrankreich geboren und 1609 als Botanikprofessor in Leiden in den Niederlanden gestorben) die Frucht der Vanille, als dem einzigen dem Menschen Nutzen gewährenden Produkt der Orchideen im Jahre 1605. Erst am Ausgange des 17. Jahrhunderts kamen Beschreibungen und Abbildungen tropischer Baumorchideen nach Europa. Karl von Linné, der Begründer der modernen Botanik (1707–1778), kannte 1764 nur insgesamt 102, meist der gemäßigten Zone angehörende Orchideenarten und nur 30 Baumorchideen. Der Berliner Botaniker Karl Ludwig Willdenow (1765–1812), der bedeutendste Systematiker seiner Zeit, beschrieb 1805 391 Arten mit 140 Epiphyten. In seinem 1830–1840 erschienenen Hauptwerk beschrieb der Engländer Lindley bereits gegen 2000 Arten, unter denen sich fast 1000 Baumorchideen befanden, und 1880 schätzte de Puydt die Zahl aller bekannten Orchideen auf 6000! So sehr hat sich unser Gesichtskreis in diesem Gebiet erweitert. Dennoch kennen wir noch lange nicht alle überhaupt auf der Welt existierenden Orchideenarten, von denen sich viele ganz hoch im Astwerk der Tropenbäume verstecken, so daß man sie erst erlangt, wenn man aufs Geratewohl Bäume fällt und sie von den höchsten Ästen jener ablöst.

Tafel 145.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Gruppe verschiedener Orchideen, zusammengestellt von der Orchideengärtnerei von Otto Beyrodt in Marienfelde b. Berlin.

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 146.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Blumenstand am Viktualienmarkt in München.

❏ GRÖSSERES BILD

Was die Kultur der tropischen Orchideen betrifft, so gelang es erst am Ausgange des 18. Jahrhunderts einige Epidendronarten in einem europäischen Treibhause zu ziehen. Im Jahre 1813 kultivierte man in dem weltberühmten botanischen Garten von Kew bei London nicht mehr als 40 Orchideenarten. In den 1830er Jahren befanden sich Orchideen in Privatgärten Hamburgs und Dresdens, und 1851 kultivierte man im Garten des Grafen Thun schon gegen 500 tropische Arten derselben. Bald wurden an den verschiedensten Orten eigene Orchideenhäuser gebaut, und vor etwa 40 Jahren begann das Populärwerden dieser Zucht bei den Vornehmen besonders Englands. Gegenwärtig schätzt man die Zahl der kultivierten Orchideenarten auf etwa 2000. Dabei hat die Liebhaberei für diese eigenartig zierlichen Blütenpflanzen eine erstaunliche Höhe erreicht und werden einzelne derselben mit Zehntausenden von Mark bezahlt.

Unglaublich mannigfaltig ist wie die ganze Form, so auch die Gestalt und Farbe der verschiedenen Orchideenblüten. Manche der letzteren sehen aus wie gewisse Insekten, Kraken, Vögel, besonders Pinguine, dann kleine Gnomen usw.

In Mittelamerika wächst die San Espiridoorchidee, die ihren Namen und eine sich daran anschließende fast abgöttische Verehrung bei den bigotten Spaniern in ihrer Heimat davon erhielt, daß ihre zierliche Blüte an eine herabschwebende weiße Taube erinnert, in Gestalt welcher der heilige Geist sich auf Christus bei seiner Taufe im Jordan herabgesenkt haben soll. Von den winzigsten, zu lang herabhängenden Trauben vereinigten Blüten gibt es alle Übergänge zu solchen, die so groß sind wie zwei zusammengelegte Männerhände, von weißen, einfachen bis zu den in den leuchtendsten, buntesten Farben gefärbten, von duftlosen bis zu solchen, die weithin einen fast betäubenden Wohlgeruch aushauchen. Dabei sind die Orchideenblüten noch mehr als diejenigen der anderen Blütenpflanzen dem Besuche ganz spezieller Insekten angepaßt; und daß solche Besucher sie an ihren oft sehr versteckten Standorten finden und die Befruchtung der Blüten vornehmen können, sind sie mit einer im übrigen Pflanzenreich meist beispiellosen Dauerhaftigkeit der vielfach sehr dicken, mit wachsglänzender Oberfläche versehenen Blüten begabt, so daß sie unter Umständen viele Wochen warten können, bis endlich das zur Vornahme der Befruchtung erwartete Insekt erscheint und dieselbe vornimmt. Gerade diese Dauerhaftigkeit ihrer wunderbaren Blüten macht sie zu besonderen Lieblingen aller Blumenfreunde, die sich den Luxus einer solchen Kultur leisten können.

Der hohe Preis der für viele dieser Orchideen bezahlt wird, findet sehr leicht seine Erklärung in der oft äußerst schwierigen und mit Lebensgefahr verbundenen Beschaffung derselben; denn kaum eine andere Beschäftigung bringt so viel Mühen und Abenteuer mit sich als diejenige eines Orchideensammlers. Nur gesunde, intelligente, kühne und dabei im Verkehr mit den Eingeborenen höchst diplomatisch handelnde, sprach- und lebensgewandte Männer eignen sich zu diesem schweren, aber schönen und gutbezahlten Beruf. Die besten unter ihnen sind die Deutschen, die alle nach einem gewissen, bewährten System arbeiten und an Ort und Stelle zahlreiche Eingeborene in ihren Dienst nehmen, ohne die sie nur wenig ausrichten würden. Es ist eine überaus schwierige Sache, den Standort seltener Orchideen, die sich so hoch in den Wipfeln angesiedelt haben, daß man sie vom Boden aus überhaupt nicht zu sehen vermag, auszukundschaften. Und ist dies endlich gelungen, so beginnt erst die Mühe des Sammlers; denn, um sie zu erlangen, muß er oft mächtige Urwaldstämme mit der Axt umhauen lassen, bis er endlich zum heißerstrebten Ziele gelangt.

So wurde festgestellt, daß für drei Exemplare des schönen, durchaus nicht seltenen Odontoglossum mindestens ein solcher Baum mühsam gefällt werden muß. Wieviel Urwaldriesen haben schon ihr Leben lassen müssen, um die zahlreichen Orchideensorten von oft sehr beschränkter Verbreitung in unsere Orchideenhäuser zu liefern! Und sind endlich die Orchideen glücklich erlangt, so heißt es, sie durch kunstgerechtes, vorsichtiges Trocknen überhaupt versandfähig machen. Diese Prozedur nimmt oft viele Wochen in Anspruch. Wenn dadurch alle austreibbare Feuchtigkeit aus ihnen entwichen ist, werden sie in luftdurchlässige Behälter gepackt und müssen auf den Köpfen von Menschen oft viele Tagereisen weit über reißende Ströme und bodenlose Sümpfe, durch gefährliche Dschungeln und schwer passierbare Gebirge mühsam transportiert werden, bis sie auf die Eisenbahn gebracht und dann in Schiffe verladen werden, und so die Reise nach ihrem Bestimmungsorte antreten können. Wie vor Feuchtigkeit müssen sie gleicherweise auch vor zu großer Hitze und vor Licht geschützt werden. Und hat man auch alle diese Bedingungen sorgsam erfüllt, so ist es gleichwohl möglich, daß schließlich die meisten oder gar alle Exemplare unterwegs Schaden gelitten haben und zugrunde gegangen sind, so daß alle Arbeit und alle Auslagen umsonst waren. Für solche Verluste kann der Sammler natürlich nicht verantwortlich gemacht werden; sie gehören eben zum selbstverständlichen Geschäftsrisiko, der oft viele Tausende von Mark beträgt und deshalb diese wunderbaren Erzeugnisse der Tropen so teuer macht.

Wie manche durch ihre Größe ausgezeichnete Diamanten, haben gewisse Orchideen ihre eigene, vielfach höchst interessante Geschichte aufzuweisen, die über ganze Menschenschicksale entschied und nicht selten den Kühnen, die sie für die Bewunderung der Kultureuropäer zu erobern suchten, den Tod brachte. Manche derselben sind an ganz bestimmte Standorte und Höhenlagen, andere wieder an kleinere Bezirke des Vorkommens gebunden, sterben leicht vollständig aus und verschwinden vom Schauplatz, und an ihrer Stelle erscheinen dann plötzlich zum Erstaunen der Blumenfreunde neue, bis dahin gänzlich unbekannte Orchideenarten.

Ein Kenner, Oliver Bartlett, schreibt in bezug auf die Gewinnung solcher seltener Orchideenarten: „Vor einigen Jahren bot eine Firma in St. Albans ihrem Vertreter in Kalkutta die Summe von 1000 Pfund (also 20000 Mark) für die Beschaffung eines blühenden Exemplars von Cypripedium fairrieanum, von welchem ein Forscher eine einzelne Art zufällig entdeckt hatte. Diesen hatte ein wilder Volksstamm auf dem abgeschlossenen Gebiet von Bhutan ergriffen und gezwungen, an ihren Kämpfen teilzunehmen, bei denen er schließlich den Tod fand. Noch tragischer ist das Ende des berühmten französischen Orchideensammlers Leon Humblot. Er ging vor einigen Jahren mit seinem Bruder und sechs französischen Landsleuten nach Madagaskar. Sie alle waren engagiert, um Insekten aller Art, Schmetterlinge, Vögel und Orchideen zu sammeln. Humblot, der eine völlig unbekannte Gegend durchforschte, hatte das Unglück, eine Ladung Vogelschrot in ein Götzenbild der Eingeborenen zu schießen, worauf die erzürnten Priester des Stammes ihn mit Öl begossen, anzündeten und lebendig verbrannten.“

Eine weniger tragische Geschichte weist die berühmte Cattleya skinneri auf, die eine hervorragend schöne, fleckenlose Blüte aufweist. Ihre Heimat ist Costarica, wo sie ursprünglich von Jesuitenpatres entdeckt wurde, die sie schleunigst auf die Dächer ihrer Kirchen verpflanzten; diese bedeckt sie nun zur Zeit der Blüte mit ihren reizenden, schneeigen Blüten.

Auch die Cattleya labiata hat ihre Geschichte. Sie war die erste ihrer Art, die, wie man vermutete, aus dem brasilianischen Organgebirge bei Rio de Janeiro stammend, in Europa eingeführt wurde. Plötzlich ging die Kenntnis ihres Standortes verloren, und da keine neuen Exemplare eingeführt werden konnten, wurde sie, selbst unter der geschicktesten Pflege, ganz außerordentlich selten. Verschiedene kostspielige Expeditionen wurden nach Brasilien und den angrenzenden Ländern gesandt, doch wurden nur andere wertvolle Cattleyas, nicht aber sie entdeckt. So fanden z. B. Arnold die Cattleya gaskelliana im schwer zugänglichen Carribogebirge und Seydl die herrliche Cattleya laurentiana. Jahre danach sandte der Forscher Bungeroth eine Pflanze in die Heimat, die er als eine neue Abart mit dem Namen Cattleya warroqueana bezeichnete, und die sich dann schließlich als die langgesuchte Cattleya labiata erwies.

Ein deutscher Orchideensammler, der dem Ufer des gewaltigen Flyflusses in Neuguinea entlang ging, stieß plötzlich auf eine papuanische Begräbnisstätte, auf welcher die gewaltige, hochrotblühende Orchidee mit dem Übernamen „Elefantenmotte“ in üppiger Fülle zwischen Knochen und Schädeln wucherte. Als er sich daran machte, einige derselben auszugraben, widersetzten sich die ihn begleitenden Eingeborenen aufs energischste gegen solches nach ihrem Glauben frevelhaftes und gefährliches Vorhaben. Erst nach langen Unterhandlungen und durch Geschenke an Baumwollstoff, Kupferdraht und Perlen vermochte er die abergläubischen Eingeborenen dazu zu bringen, ihn ungestört gewähren zu lassen. Als diese Orchideen in London zur Versteigerung kamen, war ein Exemplar derselben am meisten begehrt, das mit seinen prächtigen Blüten aus der Augenhöhle eines menschlichen Schädels herauswuchs. Diese Orchidee wurde für 120 Pfund (= 2400 Mark) verkauft.

Den Wert neu eingetroffener Orchideen kann auch der beste Kenner nicht genau beurteilen. So durchstreifte eines Tages ein gewisser Herr Harvey, ein begüterter Advokat aus Liverpool, die Treibhäuser von Herrn Frederick Sander, als er plötzlich auf ein Exemplar der Laelia anceps stieß, welche das Merkzeichen auf der Knolle viel höher trug, als dies sonst üblich ist. Da Herr Harvey schon viel von den „Launen“ der Orchideen gesehen und gehört hatte, kaufte er die Pflanze sofort für 48 Schilling (ebensoviel Mark), und in einer der späteren Saisons verkaufte er sie wiederum an Herrn Sander um den Preis von 200 Pfund Sterling (= 4000 Mark). Sie hatte Blüten getrieben, die einzig in ihrer Art waren.

Ein anderes Mal erhielt Herr Sander eine große Anzahl von Cypripedium insigne und bemerkte unter den Pflanzen eine, die statt der typischen braunen Blütenstengel solche von hellgelber Farbe aufwies. Er stellte die Pflanze besonders, und als sie zum Blühen kam, trieb sie Blumen von einem herrlichen Goldgelb — es war eine neue Spielart einer sehr kostbaren Sorte.

Wenn eine solche Abart einzig in ihrer Art und als das Produkt einer von der Natur selbst herbeigeführten Kreuzung dasteht, so wird sie niemals ergiebig sein; denn die Blüten können nicht, wie dies sonst üblich ist, mit dem Blütenstaub anderer Blüten befruchtet werden, und das einzige Mittel, sie zu vermehren, besteht darin, das Original zu teilen.

Für eine einzige Orchidee sind schon 2080 englische Pfund (gleich 41600 Mark) angeboten und abgelehnt worden, und 100 Pfund (gleich 2000 Mark) sind für einen mikroskopisch kleinen Fleck Blütenstaub zum Bastardieren bezahlt worden. In Privatgeschäften wurden von wohlhabenden Amateuren 1200 Pfund Sterling (24000 Mark) für ein Exemplar einer besonderen Gattung und 700 Pfund Sterling (14000 Mark) für ein Duplikat oder eine geteilte Pflanze bezahlt.

In den großen Treibhäusern bemüht man sich soviel wie möglich die Bedingungen zu erfüllen, die zum Gedeihen der einzelnen Spielarten unerläßlich sind. So muß man beispielsweise ein Gewächshaus, in welchem Orchideen aus dem heißen Borneo kultiviert werden, fast noch einmal so warm halten als ein anderes, in welchem Orchideen aus den Hochtälern Mexikos und den luftigen Abhängen der Kordilleren Südamerikas untergebracht sind. In einem dritten Treibhaus muß die Luft mit Tabakrauch erfüllt sein. Ein großer europäischer Händler empfängt jährlich 2 Millionen Pflanzen; dabei ist man so unsicher in bezug auf ihr Fortkommen, daß sie auf der Versteigerung meist ohne Garantie verkauft werden. Selbstverständlich sind so kostbare Pflanzen auf die mannigfaltigste Weise miteinander gekreuzt worden und haben sehr wertvolle Blendlinge ergeben. Man hat schon Bastarde von ihnen erzielt, in welchen drei verschiedene Gattungen vertreten sind. Darin hat sich der bereits erwähnte deutsche Gärtner Friedrich Sander, der in St. Albans bei London und in Brügge in Belgien gärtnerische Riesenbetriebe besitzt und seiner reichen Orchideengeschäfte wegen in England allgemein als Orchideenkönig bekannt ist, hervorgetan. So hat er u. a. zwei durch seinen Sammler Godseff in Neuguinea und Neukaledonien gesammelte Acalyphaarten miteinander gekreuzt und damit wunderbar schöne Hybriden erzielt, deren erste schon im April 1898 auf der großen internationalen Gartenbauausstellung zu Gent in Belgien allgemeines Aufsehen erregte. Die Blüten haben bis 50 cm lange Schwänze, sind zuerst grünlichweiß und gehen dann in Rosa und Orangerot, bei manchen auch in Gelb über. Sie sind, wie übrigens viele andere Orchideen, besonders auch dadurch wertvoll, daß ihre Blütezeit sehr lange währt.

Von den Ranunkelgewächsen sind von den bei uns einheimischen nur wenige als Zierpflanzen in unsere Gärten aufgenommen worden. Unter ihnen ist die auf Wiesen auch in Deutschland wachsende Trollblume (Trollius europaeus) mit großen, geschlossenen, gelben Blüten zu nennen, die wie ihre nordasiatische Verwandte (T. asiaticus) und andere Arten als Zierpflanzen in Gärten kultiviert wird. Die weitaus schönste der altweltlichen Ranunkeln ist die in Südeuropa heimische Pfingstrose (Paeonia officinalis) mit unterirdischem, knollig verdicktem Wurzelstock, 30–60 cm hohem Stengel und 5 cm im Durchmesser haltenden karminroten Blüten. Sie wird in zahlreichen Varietäten von Purpur bis Weiß meist in gefüllten Formen in Gärten kultiviert. Wurzel und Samen wurden früher arzneilich benutzt. Die Blumenblätter verwendet man wegen ihrer Farbe zu Räucherungen. Im Altertum galt sie als Schutzmittel gegen die Neckereien der Faune, d. h. der als „Wohlwollenden“ bezeichneten guten Geister der Fluren und Felder, die nach dem Volksglauben namentlich dem Vieh Fruchtbarkeit und Schutz gegen die Wölfe verliehen. Sie wurde von den alten Griechen paiōnía und von den Römern, die sie durch jene kennen lernten, paeonia genannt. Noch mehr als ihre wurden aber von ihnen die Wurzeln der in den Mittelmeerländern heimischen korallensamigen Pfingstrose (Paeonia corallina) arzneilich besonders gegen Gicht gebraucht, weshalb die rosenrot blühende Pflanze auch Gichtrose genannt wird. Bei deren Gewinnung mußten gewisse Riten geübt werden. Gegen die gebräuchlichste, das Ausgraben bei Nacht, wendet sich schon der pflanzenkundige Grieche Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. indem er sagt: „Es wird aber wohl ohne Grund vorgeschrieben, man solle die Päonie (paiōnía), welche auch glykysídē heißt, bei Nacht ausgraben; denn wenn man bei Tage danach grübe und dabei von einem Specht gesehen würde, so erlitte man Unglück.“ Ihre roten Samen wurden als Amulett getragen und sollten, auf Fäden gereiht und um den Hals befestigt, Kindern das Zahnen erleichtern, weshalb sie beim Volke Zahnkorallen heißen. Neben der offizinellen Pfingstrose Südeuropas werden auch die schmalblättrige Pfingstrose (Paeonia tenuifolia) aus Südrußland mit tiefroten Blüten und die weißblühende Pfingstrose (P. albiflora) aus Südsibirien, dem Himalaja und Japan, wie auch die 1–2 m hohe baumartige Pfingstrose (P. moutan — letzteres ist ihr chinesischer Name) mit 5–10blätteriger Blumenkrone in zahlreichen, auch gefüllten Varietäten bei uns als Zierpflanzen kultiviert. Letztere, die in China und Japan hochgezüchtet wurde, eignet sich besonders zu Einzelpflanzungen in Rasen, verlangt aber Winterschutz. Ihre stechend aromatische Wurzelrinde wird in Japan arzneilich viel gebraucht.

Scharf giftig ist der blaue oder echte Eisenhut oder Sturmhut (Aconitum napellus), so genannt nach der helmartigen Form seiner hübschen Blüten. Anderswo heißt er Mönchskappe, in Norwegen Tor- oder Tyrhialm, d. h. Helm der Kriegsgötter Tor oder Tyr. Akṓniton, d. h. auf felsigem Boden (im Gebirge) wachsende Pflanze, nannten sie die Griechen, und nach den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid (43 v. bis 7 n. Chr.) soll sie aus dem Geifer des Höllenhundes Cerberus entstanden sein, als dieser von Herkules aus der Unterwelt heraufgeschleppt wurde. Ihre giftige Wurzel wurde schon im Altertum zum Vertilgen von Raubtieren, denen sie im Köder gegeben wurde, benutzt, daneben auch als Arzneimittel gegen Gicht, Rheumatismus und Lungenkrankheiten gegeben. Als offizinelle Pflanze kam sie dann im Mittelalter in die Bauerngärten und hat sich hier das Bürgerrecht erworben. Ebenso verhält es sich mit dem Rittersporn, dessen südeuropäische, blau oder weißblühende Abart (Delphinium staphisagria), die staphís agría der Griechen, ebenfalls arzneiliche Verwendung fand. Ihre scharfschmeckenden, schwarzgelblichen Samen dienten gepulvert und mit Olivenöl vermischt, wie uns der griechische Arzt Dioskurides berichtet, zum Vertilgen von Läusen und Krätze. Deshalb wurden sie von den Römern pedicularia (von pediculus Laus) und bei uns Läuserittersporn genannt. Meist werden in unseren Gärten der in den Gebirgen Mitteleuropas wachsende hohe Rittersporn (Delphinium intermedium), dann der aus dem Orient stammende Gartenrittersporn (D. ajacis, nach dem homerischen Helden Ajax so genannt, weil die Pflanze aus dessen Blut hervorgewachsen sein soll, nachdem er sich aus Unmut, im Streite mit Odysseus besiegt worden zu sein, selbst den Tod gab) und der aus Nordamerika zu uns gebrachte dreifingerige Rittersporn (D. exaltatum) kultiviert.

Beliebte Gartenzierpflanzen sind auch die einheimische gemeine Akelei mit blauen und die kanadische Akelei mit scharlachroten Blüten (Aquilegia vulgaris und canadensis). Letztere stammt aus den östlichen Vereinigten Staaten und Kanada. Beide werden auch in gefüllten Spielarten gezogen. Ihrem Safte wohnen betäubende Eigenschaften inne; doch werden sie nicht medizinisch verwendet. Dies ist jedoch beim Schwarzkümmel (Nigella sativa) der Fall, der aus Südeuropa als Heilpflanze zu uns kam und nach den Verordnungen Karls des Großen in den Gärten seiner Meierhöfe angebaut werden sollte. Wie damals wurden schon im Altertum seine wohlschmeckenden Samen ins Brot geknetet. Die Pflanze hieß bei den Griechen melánthion und bei den Römern git und wurde gegen mancherlei Übel gebraucht. Gleicherweise stammt aus den Mittelmeerländern die ihr nahe verwandte Jungfer im Grünen oder Gretel im Busch (Nigella damascena), die häufig in Bauerngärten gefunden wird, wie auch die verschiedenen Adonisröschen (Adonis flammea u. a.). Oft auch finden sich in Stadtgärten zur Einfassung der Blumenbeete oder an Felspartien die blauen, selten roten oder weißen Leberblümchen (Hepatica triloba), die den Vorzug haben, zu unsern ersten Frühlingsboten zu gehören. Wegen ihrer leberförmigen Blätter wurde die Pflanze früher als Heilmittel gegen Leberleiden verwendet.

Von den eigentlichen Anemonen ist vor allem die Gartenanemone (Anemone coronaria) zu nennen, die in Südeuropa und im Orient heimisch ist und große, dunkelrote oder weiße Blüten besitzt. Schon der griechische Arzt Dioskurides unterschied die wilde anemṓnē von der zahmen, in Gärten gepflanzten und sagt, letztere habe scharlachrote Blüten, während die wilde weiße oder purpurrote Blüten besitze. „Beide dienen als Arznei.“ Dem fügt sein Zeitgenosse Plinius bei, daß die Anemonen (anemone) außerdem zu Kränzen dienen, wie auch die Adonisröschen (adonion, von Adonis autumnalis). In der Gegenwart werden die Gartenanemonen in zahlreichen Varietäten mit großen dunkelroten, blauen oder weißen Blüten, namentlich in Holland als Zierpflanzen kultiviert. Ihr Wurzelstock wird nach dem Verblühen aus der Erde genommen und bis zum Frühjahr trocken aufbewahrt. Ebenfalls als Zierpflanzen geschätzt sind: die Sternanemone (Anemone hortensis) aus Istrien und Italien, die Anemone fulgens mit scharlachroten Blüten aus dem Mittelmeergebiet, die Pfauenanemone aus Südfrankreich mit großen, aus 10–12 lanzettförmigen, spitzen, schmalen, feurig karminroten Blumenblättern bestehenden Blüten, dann von ausländischen die japanische Anemone mit rosa und weißen Blüten, deren bekanntester Abkömmling die prächtige Honorine Joubert ist, und besonders die großblütigen, in satten Farben von Rot bis Violett und Weiß prangenden Himalajaanemonen, die die Zierde unserer Gärten bilden und leicht zu ziehen sind.

An die Ranunkeln schließen sich die Mohnblütigen an, unter denen neben Klatschrose und Schlafmohn in den mannigfaltigsten Farben und mit gefüllten Blüten besonders der morgenländische Mohn (Papaver orientale) als Zierpflanze unserer Gärten kultiviert wird. Letzterer trägt auf dem bis 1 m hohen, borstigen Stengel nur eine bis 13 cm im Durchmesser haltende scharlachrote, oft im Grunde mit schwarzblauem Kreuze bezeichnete Blüte. Bescheidener als sie sind die ebenfalls als Zierpflanzen kultivierten Nachtviolen, die eigentliche Nachtviole (Hesperis tristis) mit schmutziggelben, purpurrot geaderten Blüten, die abends herrlich duften — sie wird in Südeuropa wegen der als treffliches Viehfutter dienenden Blätter und ölreichen Samen angebaut — und die Gartennachtviole oder Matronale (H. matronalis) — von den Gärtnern auch Viola matronalis, d. h. Frauenveilchen, genannt —, deren rote, lila oder weiße, wohlriechende Blüten häufig gefüllt sind. Vielfach ist sie aus den Gärten entwichen und verwildert.

Diesen nahe verwandt sind die Levkojen, die ihren Namen vom griechischen leukóion, d. h. Weißveilchen (leukós weiß und íon Veilchen), ableiten. Unter dieser Bezeichnung verstanden die alten Griechen die an den Mittelmeerküsten wild wachsende Winterlevkoje (Matthiola — nach dem 1500 in Siena geborenen und 1577 in Trient gestorbenen kaiserlichen Leibarzt in Wien Peter Andreas Matthiolus so genannt — incana, d. h. die weißlichgraue), die wegen ihrer wohlriechenden Blüten geschätzt wurde. Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. sagt von ihr: „Die Leukoje (leukóion) erscheint von den schöneren Blumen zuerst, und zwar schon im Winter, wenn die Luft mild ist. Sie dauert gewöhnlich drei Jahre, wird im Alter kleiner und bringt dann weißere Blumen hervor.“ Vergil (70–19 v. Chr.) bezeichnet sie in einer seiner Eclogen als paliens viola, d. h. bleiche Viole, und Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihr: „Die Levkoje ist allgemein bekannt, sie hat verschieden gefärbte, weiße, gelbe, blaue und purpurrote Blüten. Die gelbblütige ist als Arznei im Gebrauch.“ Ebenso mannigfaltig gefärbt sind die Blüten der etwas größeren, gleichfalls in Südeuropa heimischen Sommerlevkoje (Matthiola annua), die einjährig ist und wegen ihrer schönen, wohlriechenden Blüten eine der beliebtesten Topfpflanzen bildet. Außer Sommer- und Winterlevkojen in mehreren Klassen unterscheidet man auch mehrjährige Levkojen, von denen manche Sorten mehr als zwei Jahre dauern und strauchartig werden, dabei jedoch an Schönheit verlieren. Man zieht sie deshalb jedes Jahr neu heran und behandelt sie wie zweijährige. Die Levkojenkultur ist ein wichtiger Zweig der Handelsgärtnerei und wird besonders in Erfurt stark betrieben.

Die gelbe Viole (viola) der Alten, von der die antiken Dichter, so besonders Ovid und Vergil, häufig sprechen, die in besonderen Feldern (violaria) kultiviert wurde und zu Kränzen gewunden auf den Markt kam, ist unser Goldlack (Cheiranthus cheiri — letzteres Wort, das auch in der ersten Hälfte des Gattungsnamens enthalten ist, ist die arabische Bezeichnung der Pflanze, die „Kraut mit wohlriechenden Blüten“ bedeutet). Die Stammpflanze findet man an steinigen Stellen der Küsten Griechenlands häufig wild. Sie wurde wegen ihrer wohlriechenden Blüten sehr frühe in die Gärten herübergenommen und bildet bis auf den heutigen Tag eine beim gemeinen Volke sehr beliebte Zierpflanze. Ursprünglich nur mit braunen und violetten Blüten begabt, hat man aus ihr sehr verschieden gefärbte Varietäten, auch mit gefüllten Blüten, erzielt. Mit den Levkojen wurde sie auf eine sehr hohe Stufe blumistischer Vollkommenheit gebracht und nimmt unter allen Sommerblumen eine sehr wichtige Stellung ein. Auch sie wird besonders in Erfurt angepflanzt.

Zum Unterschied vom weißen Veilchen, der Levkoje, nannten die alten Griechen das wohlriechende Veilchen (Viola odorata) schwarzes Veilchen (mélan íon). In den Geoponika sagt ein griechischer Autor: „Das Veilchen (íon) hat seinen Namen Ion daher bekommen, daß die Erde es zu Ehren der von Zeus geliebten Jungfrau Io erschuf.“ Bei den Hellenen war es das Symbol der jährlich wieder auflebenden Erde und der jungen Freundschaft. Nach der Sage wurde die Tochter des Atlas, als sie sich vor Apollon verbarg, in ein Veilchen verwandelt. Mit Veilchen und Rosmarin wurden im Mai die Bildnisse der Hausgötter geschmückt und verzierten die Bacchantinnen ihre Thyrsosstäbe. Unter allen Griechen hatten die Athener eine besondere Vorliebe für diese Blume. Mit Veilchen bekränzten sie sich und mit Veilchenwasser parfümierten sie sich; deshalb hieß die Stadt bei den Alten „das veilchenduftende Athen“. Um dem großen Bedarf zu genügen, wurden Veilchen in der Umgebung Athens im großen kultiviert. Theophrast (im 4. Jahrhundert v. Chr.) sagt: „Das Veilchen blüht, wenn es gut gepflegt wird, das ganze Jahr hindurch.“ Der Komödiendichter Aristophanes (455–387 v. Chr.) sagt an einer Stelle seiner Acharner: „Früher nannte man die Athener veilchenbekränzt (iostéphanos).“ Außer Varro (116–27 v. Chr.) spricht Vergil (70–19 v. Chr.) von Veilchenbeeten (violarium), und letzterer sagt, sie müssen naß gehalten werden. Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Veilchen (viola) werden auf gut gedüngtem und gegrabenem Boden gezogen. Man setzt Pflanzen vom vorigen Jahre in fußweite Gruben vor Anfang März. Übrigens sät man den Veilchensamen entweder im Frühjahr oder im Herbst.“ Sein Zeitgenosse Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Das purpurne Veilchen (viola purpurea) wächst an sonnigen und magern Stellen wild, wird aber auch in Gärten aus Pflanzen gezogen. Man setzt Veilchenkränze gegen Rausch und Schwere des Kopfes auf.“ Wie in den reichen Griechenstädten, wurde auch im Rom der Cäsaren gelegentlich ein großer Luxus wie mit anderen, so auch mit diesen Blumen getrieben. So berichtet Älius Lampridius in seiner Biographie des Heliogabalus (geb. 201, regierte 218–222): „Kaiser Heliogabalus ließ manchmal zum Spaß über Gäste, die bei ihm schmausten, Veilchen (viola) und andere Blumen in solcher Menge schütten, daß mehrere sich aus der Masse nicht herausarbeiten konnten und erstickten.“

Im Mittelalter wurde das bescheidene Veilchen zwar gelegentlich von Dichtern erwähnt, doch spielte es als Gartenpflanze eine sehr unbedeutende Rolle. In der Neuzeit hat besonders Napoleons I. erste Gattin Josephine es als ihre Lieblingsblume und ihren bevorzugten Schmuck zu Ehren gezogen. Bei ihrer Hochzeit im Jahre 1796 mit dem genialen, um 6 Jahre jüngeren Korsen, genügte ihr ein Veilchenstrauß, und mit Veilchen war ihr Hochzeitsrock bestickt. Zu jeder Wiederkehr dieses glücklichen Tages wünschte sie sich Veilchen als Festgeschenk aus ihres Mannes Hand, und selbst im Donner der Schlachten vergaß dieser nicht, für die Erfüllung dieses Wunsches zu sorgen, auch dann, als er die Kaiserkrone trug. Als jedoch 1809 das bittere Wort der Scheidung ausgesprochen war und die zu solch unerhörtem Glanze emporgestiegene Tochter des einstigen Kapitäns von Martinique aus Staatsraison der österreichischen Prinzessin Marie Luise weichen mußte, blieben die Veilchen von Bonapartes Hand aus. Und als die gedemütigte Frau am 29. Mai 1814 in Malmaison starb, lag auf ihrem Sarge im Gartensaal unter Rosen und Zypressen ein frischer Veilchenstrauß auf weißseidenem Kissen. 60 Jahre später schmückte Josephinens Lieblingsblume, die inzwischen zum Sinnbild der Napoleoniden geworden war, in unzähligen prachtvollen Sträußen und Kränzen ein anderes Totenlager in Cambdenhouse zu Chiselhurst als letztes Lebewohl, das dem dritten Napoleon von seinen Anhängern aus Frankreich nachgerufen wurde. Das Veilchen war auch ein Liebling Goethes, der sich im Frühjahr auf seinen Spaziergängen in Weimars Umgebung gern mit ihm schmückte. Stets trug der Dichterfürst Veilchensamen bei sich, um ihn zu Seiten des Wegs auszustreuen; und die Erde erwies sich dankbar für die Gabe des Poeten und ließ den bescheidenen Frühlingsboten überall, wo er gestreut ward, aufsprießen, damit sich die Vorübergehenden an ihm erfreuen konnten. Zu der einfachen Sorte gewann man im Laufe des 19. Jahrhunderts auch gefüllte und immerblühende Arten, ebenso solche mit roten und weißen Blüten. Auch praktischen Zwecken wurden sie dienstbar gemacht. Man benutzt sie zur Bereitung von Veilchensirup, Creme, Gelee, Gefrorenem, feinem Backwerk, auch werden sie überzuckert gegessen und in der Parfümerie verwendet. Doch wird das meiste Veilchenparfüm nicht aus ihnen, sondern aus der Veilchenwurzel — der früher besprochenen Schwertlilie — gewonnen.

Aus dem zwei- bis dreifarbigen Ackerveilchen (Viola bicolor und tricolor), das auf Äckern und Brachen gemein ist, hat die Kunst zuerst der englischen Gärtner die äußerst mannigfaltig gefärbten, großblütigen, fast das ganze Jahr hindurch blühenden Stiefmütterchen oder Pensées gezogen, die mit ihren zahllosen Spielarten einen nicht unbedeutenden Handelsartikel der Kunstgärtner bilden. Das dreifarbige wilde Stiefmütterchen (Viola tricolor) mit mannigfach variierenden Blüten, bei denen alle oder nur die oberen Blumenblätter violett oder blaßblau und die übrigen oder alle gelb sind, findet sich in ganz Europa, Nordafrika, Kleinasien, Sibirien und Nordamerika. Seine Kultur als Gartenzierpflanze kam erst im 19. Jahrhundert in England auf. Man kultiviert jetzt sehr großblütige Varietäten, auch Bastarde mit Viola altaica, Viola lutea, dem gelben Veilchen, das auf Galmeiboden variiert, und Viola cornuta als beliebte Gartenstiefmütterchen und unterscheidet grundfarbige, gestreifte, weißrandige, goldrandige, fünffleckige (Odier), Cassier-, Riesen- oder Trimardeau-Pensées. Diese Samtveilchen spielen in England und Frankreich dieselbe Rolle wie das Vergißmeinnicht in Deutschland und dienen besonders zum Schmucke der Gräber. Alle diese hochkultivierten, großblütigen Formen hat natürlich weder das Altertum, noch das Mittelalter gekannt; es sind ganz moderne Neuschöpfungen der Gärtnerkunst, die uns beweisen, wie Großes durch Zuchtwahl und Kreuzung geleistet werden kann. Die im Umriß dreieckige Blume der Stammpflanze mit leuchtend gelbem, von schwarzen Strahlen durchzogenem Saftmal galt im Mittelalter als Symbol der Dreieinigkeit. Seit dem 16. Jahrhundert wird das Kraut des wilden Stiefmütterchens bei Hautausschlägen verwendet, sei es zu Umschlägen, sei es innerlich als Tee. Da es nachgewiesenermaßen Salizylsäure enthält, ist dies durchaus zweckmäßig und recht wirksam.

Eine neuerdings in Mode gekommene Warmhaus- und Zimmerpflanze, die wie die Gloxinien kultiviert wird und sich leicht durch Blattstecklinge fortpflanzen läßt, ist das zu den Gesnerazeen gehörende Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha), eine in Felsspalten der Usambaraberge in Deutsch-Ostafrika wachsende, ausdauernde, niedrige Pflanze mit dicken, fleischigen Blättern und blauvioletten Blüten mit dottergelben Staubgefäßen. Von den eigentlichen Gesnerien — nach dem schweizerischen Naturforscher Konrad Gesner in Zürich (1516 bis 1565) so genannt — mit knolligen Wurzelstöcken, gezahnten Blättern und meist sehr schönen, scharlachroten, röhrenförmigen, fünflappigen Blüten, sämtlich im tropischen Südamerika, besonders in Brasilien heimisch, werden verschiedene, so vor allem Gesnera magnifica und cardinalis in mehreren Varietäten, in Warmhäusern und auch im Zimmer kultiviert. Ebenso werden von der Gesnerazeengattung Achimenes mit 25 Arten mit meist roten bis violetten Blüten im tropischen Amerika mehrere, wie besonders A. grandiflora mit purpurnen oder violetten Blüten, A. mexicana mit großen blauen oder purpurroten Blüten, A. amabilis und tubiflora mit violetten Blüten bei uns in Warmhäusern ähnlich den ihnen nahe verwandten Gloxinien kultiviert. Durch Kreuzungen sind aus ihnen verschiedene dankbare Gartenpflanzen erzielt worden.

Den Gesnerazeen nahe stehen die Akanthazeen oder Bärenklaugewächse, von denen der südeuropäische echte Bärenklau (Acanthus mollis) dadurch bekannt ist, daß die malerische Form seiner 50 cm langen und 16–26 cm breiten, buchtiggelappten und gezähnten Blätter dem genialen griechischen Bildhauer Kallimachos das Motiv zum Schmucke des korinthischen Kapitäls gaben. Er wurde schon im Altertum zur Einfassung der Gartenbeete benutzt. Vergil sagt: „Der Akanthus bildet eine Zierde der Gärten;“ ähnlich drückt sich der ältere Plinius aus, der dazu bemerkt, er werde an den Rand erhabener Beete gepflanzt. Wurzel und Blätter dienten als Arznei. Eine in den Tropen der Alten Welt, namentlich in Afrika, heimische Gattung der Akanthazeen sind die Thunbergien, von denen viele Arten mit violetten oder blauen Blüten bei uns in Warmhäusern kultiviert werden. Thunbergia alata aus Südostafrika dagegen kann einjährig in freiem Lande kultiviert werden. Sie klettert 1,5 m hoch und hat gelbe, schwarzgefleckte Blüten.

Unter den Resedagewächsen ist außer dem an Ackerrändern und auf Schutthalden verbreiteten gelben Wau (Reseda lutea) der Färberwau (Reseda luteola) mit kleinen, gelblichweißen Blüten in Mitteleuropa heimisch. Letzterer wurde schon von den neolithischen Pfahlbauern zum Gelbfärben benutzt und zu diesem Zwecke im Altertum und Mittelalter angepflanzt. Heute wird er zu diesem Zwecke nur noch in England und Holland kultiviert. Der als Topf- und Gartenzierpflanze häufig kultivierte wohlriechende Wau oder die Gartenreseda (Reseda odorata) ist ein Import aus Nordafrika. Sie erschien plötzlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts und verbreitete sich innerhalb weniger Dezennien durch ganz Europa und überall, wohin europäische Kultur vorgedrungen ist. Die Zeichen ihrer großen Beliebtheit finden sich in der französischen Bezeichnung mignonette, das als miglionet ins Italienische, als miñoneta ins Spanische und auch ins Englische überging. Ihre so geheimnisvolle Herkunft wurde erst 1887 durch die botanische Forschungsreise von Taubert nach der Cyrenaica, der sie dort wildwachsend fand, aufgeklärt. Wegen ihres Wohlgeruches wurde sie teilweise schon von den alten Ägyptern, besonders aber von den dort heimischen Arabern zu Totenkränzen benutzt. Der französische Arzt N. Granger, der 1733 nach dem Orient ging und 1737 in Basra starb, sandte Samen der wohlriechenden Reseda, die er in der Cyrenaica gesammelt hatte, an die Direktion des Jardin du roi, des heutigen Jardin des plantes in Paris. Von jenem Garten aus, wo sie zuerst in Europa gepflanzt wurde, verbreitete sie sich über die botanischen Gärten Europas. 1753 war sie aber noch nicht nach Upsala gelangt, sonst hätte sie Carl von Linné in der ersten Ausgabe seiner Species plantarum erwähnt. Allmählich fand sie auch in Privatgärten Aufnahme und erlangte trotz ihrer Unansehnlichkeit wegen des lieblichen Geruches ihrer Blüten, der langen Blütezeit und der leichten Kultur weite Verbreitung. Es existieren von ihr zahlreiche, wenn auch wenig vom Typus abweichende Spielarten. Bei der Destillation liefern die Resedenblüten 0,002 Prozent dunkles, festes ätherisches Öl. Für praktische Zwecke destilliert man 1 kg Geraniol (Geraniumöl) mit 500 kg frischen Resedenblüten und bringt das Produkt als Resedageraniol in den Handel.

Die in allen Teilen durch einen reichen Gehalt an ätherischem Öl starkriechende Gartenraute (Ruta graveolens) wurde schon im Altertum als beliebtes Gewürz und magenstärkendes, Blähungen vertreibendes Heilmittel gepflanzt. Der Geruch des Krautes ist den Katzen und Ratten zuwider. Sie hieß schon bei den Griechen rúta und bei den Römern im Gegensatz zur wilden Raute ruta hortensis, d. h. Gartenraute. Der griechische Arzt Dioskurides schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Die Bergraute und überhaupt die wilde Raute wirkt viel heftiger als die Gartenraute, ist deshalb zum Essen unbrauchbar, kann, in Menge genossen, sogar töten. Am besten ist diejenige Gartenraute, die neben Feigen wächst. Die Gartenraute wird als Gewürz und auch sehr vielfach als Arznei verwendet.“ Durch Vermittlung der Klöster kam dann diese Heilpflanze in die Bauerngärten nördlich der Alpen, wo sie sich teilweise bis auf unsere Tage erhielt und stellenweise auch verwilderte.

Während die zahlreichen einheimischen und ausländischen Geraniumarten oder Storchschnabelgewächse nur ganz ausnahmsweise in besonders großblütigen Arten zu Gartenzierpflanzen erhoben wurden, war dies in hohem Maße bei den vom Kap der Guten Hoffnung zu uns gekommenen Pelargonien oder Kranichschnäbeln der Fall. Fast alle 175 Arten derselben sind auf Südafrika beschränkt. Da viele derselben durch prächtige Blüten, wohlriechende, schöngezeichnete Blätter, den anhaltenden Blütenreichtum und leichte Kultur ausgezeichnet sind, ist es kein Wunder, daß sie zu Anfang des 19. Jahrhunderts allgemein beliebte Modeblumen wurden, die meist in Töpfen gezogen wurden. Später wurden sie meist wieder von Kakteen, Camellien und anderen Neuheiten verdrängt, sind aber seit einigen Dezennien durch zahllose, besonders von England eingeführte großblütige Spielarten und Hybriden wieder beliebter geworden. In den Bauernhäusern haben sie sich mit den Nelken die alte Gunst bewahrt. Die strauchartigen unter ihnen sind sehr leicht zu kultivieren, während die krautartigen mit Knollenwurzel eine sorgfältige Behandlung erheischen.

Die Mutterpflanze unserer meist rotblühenden Pelargonien, die vom Volke gewöhnlich als Geranien bezeichnet werden, ist das in Südafrika heimische, in Südspanien verwilderte Pelargonium inquinans mit strauchigem, dickem, fleischigem Stengel, kreisrund nierenförmigen, etwas gekerbten, gleich dem Stengel filzig schmierigen Blättern und leuchtend scharlachroten Blüten in langgestielten Dolden. Neben ihm ist auch das als „Brennende Liebe“ bezeichnete Pelargonium zonale mit langgestielten Dolden mit rosaroten Blüten die Mutterpflanze vieler Gartenpelargonien. Das Zitronengeranium (Pelargonium odoratissimum) mit kleinen, weißen Blüten und das Rosengeranium (P. roseum), eine Abart des raspelblätterigen Geraniums (P. radula), die 1,6 m hoch wird und hellrote Blüten besitzt, werden besonders in Frankreich, Spanien, Algerien und auf der Insel Réunion zur Gewinnung des angenehm rosenartig riechenden, farblosen bis grünlichen ätherischen Geraniumöls im großen kultiviert. Das darin wirksame Prinzip, das Geraniol, ist, wie früher gesagt, identisch mit dem Rhodinol, dem ätherischen Öl der Rosen. Es dient außer zu Parfüms — auch zum Parfümieren des Schnupftabaks — hauptsächlich als Surrogat und zum Verfälschen des Rosenöls, wird aber selbst wieder mit dem ätherischen Lemongrasöl von Andropogon schoenanthus u. a. verfälscht.

Vom blumistischen Standpunkte aus unterscheidet man: 1. Die sehr großblumigen englischen Pelargonien, die meist von P. grandiflorum und P. quinquevulnerum abstammen. Sie sind teilweise auch französischen Ursprungs und umfassen außerdem die für die Topfkultur sehr geeigneten Odierpelargonien (nach ihrem Züchter, dem Franzosen Odier, so genannt) mit 40–60 cm hohem, holzigem Stamm und großen, fünffleckigen Blumen. Ihnen ähnlich sind die Diadempelargonien. 2. Die Fancy- (vom englischen fancy, Einbildungskraft, Phantasie) oder Phantasiepelargonien von niedrigem Wuchs, mit zahlreichen zierlichen Blumen von unregelmäßiger Form, aber lebhafter Zeichnung. Sie wurden meist in Frankreich gezüchtet. 3. Die Scharlachpelargonien, die aus den erwähnten P. zonale und inquinans gezüchtet wurden. Sie sind meist von robustem Wuchs, mit einförmigen, nur mit einem Auge versehenen oder anders gerandeten, roten, rosenroten, lachsroten oder weißen Blüten, einfach, gefüllt und buntblätterig. Zu ihnen gehören die Nosegay- oder Straußpelargonien mit sehr großen Blütendolden. Die Mutterpflanze der Efeupelargonien (oder Efeugeranien), von denen einige mit niederliegenden Stengeln als Ampel- und Balkonpflanzen kultiviert werden, ist das strauchige, fast 1 m hohe Pelargonium peltatum mit ziemlich großen, blaßroten, auch weiß und roten Blüten. Die ersten Pelargonien wurden 1690 vom Kap nach Europa gebracht. Ihre Kultur zur Gewinnung von ätherischem Öl begann 1847 in Frankreich und wurde später in Algerien eingeführt. In Spanien kultiviert man sie besonders um Valencia und Almeria. Seit Ende der 1880er Jahre liefert die französische Insel Réunion nächst Algerien das meiste Geraniumöl. Die knollige Wurzel des ebenfalls südafrikanischen Pelargonium triste ist eßbar.

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