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Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

XXIX. Die Zierblumen. (continued 3)

Reading edition

Tafel 147.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Anlegung eines Nutz- und Ziergartens durch die Schuljugend in der Gartenstadt Port Sunlight (Südengland). (Nach Berlepsch-Valendas, Die Gartenstadt München-Perlach.)

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 148.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Gärten von Arbeiterwohnhäusern in Port Sunlight.

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 149.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Blumengarten in Verbindung mit einem Gemüsegarten in Port Sunlight.

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 150.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Der Garten von Tafel 147 drei Monate nach seiner Anlegung.

❏ GRÖSSERES BILD

Ebenso werden die knolligen Wurzeln der mittelamerikanischen Sauerkleearten Oxalis tuberosa und esculenta gegessen. Zu diesem Zwecke werden diese Pflanzen in ihrer Heimat angebaut, wie auch der dickstengelige Sauerklee (Oxalis crassicaulis), dessen in Aussehen und Geschmack unsern Kartoffeln ähnliche Wurzelknollen verspeist werden, während die Blätter als Salat dienen. Die dicken Stengel sind reich an oxalsaurem Kalk, der aus dem ausgepreßten Safte derselben in Kristallen aufschießt. Die ganze Pflanze dient auch zu Rabatteneinfassungen. Gleicherweise enthält das Kraut des gemeinen Sauerklees (Oxalis acetosella) viel Oxalsäure, das früher daraus gewonnen wurde und als Sauerkleesalz in den Handel kam. Zu 1 kg desselben waren 150 kg Blätter nötig. Neuerdings wird dieses künstlich hergestellt. Die Blätter des Sauerklees werden indessen wie Sauerampfer zu Salat benutzt. Sie standen früher als heraldische Pflanze im Wappen der Irländer. Als shamrock wurde die Pflanze von englischen Dichtern häufig besungen. Alljährlich am 17. März, am Tage des heiligen Patricius (Patrik), des Schutzpatrons von Irland, wird ein Sauerkleeblatt von jedem patriotischen Irländer im Knopfloch oder am Hut getragen, da jener Schutzheilige des Landes durch dieses Sinnbild den Iren das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit erklärt haben soll. Mit der Ausrottung der Wälder auf dieser Insel wurde auch der nur in Wäldern wachsende Sauerklee ausgerottet und der kriechende Klee (Trifolium repens) erschien durch die Kultur. Deshalb werden nun die Blätter dieser Pflanze an Stelle derjenigen des Sauerklees als shamrock getragen und vielfach für das echte Nationalabzeichen der Irländer gehalten.

Von den Malvengewächsen sind die Moschus- und Rosenmalve (Malva moschata und alcea), beide mit rosenroten, erstere ausnahmsweise auch mit weißen Blüten, zu Gartenzierpflanzen erhoben worden. Die wilde oder Roßmalve (Malva silvestris), auch Käsepappel genannt, mit hellpurpurnen, dunkler gestreiften Blüten, die beim Kochen ihres Krautes eine schleimige Lösung liefert, wird seit dem frühen Altertum äußerlich zu erweichenden Umschlägen und innerlich zu Gurgelwässern und als beruhigendes Mittel gebraucht. Außerdem wird sie auch als Gemüse angepflanzt. Schon der griechische Dichter Hesiod erwähnt sie unter der Bezeichnung maláchē als eßbar. Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt in seiner Arzneimittellehre: „Die im Garten gezogene Malve (maláchē) paßt besser zur Speise als die wilde. Man braucht die Pflanze auch äußerlich und innerlich als Heilmittel.“ Palladius (um 380 n. Chr.), der sie, wie schon der ältere Plinius, malva nennt, rät, sie im Oktober zu säen und sagt, daß man sie auch im Februar säen könne. Sie liebe einen fetten, feuchten, gedüngten Boden. „Haben die Pflänzchen 4–5 Blätter, so versetzt man sie; denn ist sie größer, so wächst sie nicht leicht an. Sie schmeckt übrigens besser, wenn sie nicht versetzt wird. Man kann sie dadurch zwingen, nicht emporzuschießen, daß man auf ihre Spitze ein Steinchen oder Erdklümpchen legt. Sie gedeiht am besten, wenn sie fleißig gehackt wird, wobei man aber ihre Wurzeln nicht berühren darf.“

Von der in Syrien heimischen krausen Malve (Malva crispa) wird der Bast des Stengels als Gespinstmaterial gebraucht, ebenso von der ostindischen Hanfrose (Hibiscus cannabinus), einer einjährigen, krautigen Pflanze, welche in ihrer Heimat seit alter Zeit in ausgedehntem Maße kultiviert wird und den weißlichen, geschmeidigen, weichen, dem Flachs ähnlichen Gambohanf liefert. Auch der veränderliche Eibisch (Hibiscus mutabilis), dessen schöne Blüten morgens beim Aufblühen weiß, mittags rosenrot und abends beim Verblühen purpurrot sind, liefert einen guten Bast. Blätter und Blüten werden in China und Ostindien als Heilmittel benutzt. Die Pflanze wird in Südspanien kultiviert.

Ebenfalls strauchartig ist der chinesische Roseneibisch (Hibiscus rosa chinensis), der gleich dem vorigen in Ostindien und China als schöne Zierpflanze kultiviert wird. Seine großen, stark variierenden Blüten dienen dazu, Kopfhaare, Augenbrauen und auch Schuhe schön schwarz zu färben. Auch sein Bast wird technisch verwendet. Der syrische Eibisch (Hibiscus syriacus), ein Strauch von 1,5–3 m Höhe mit 8 cm breiten, violetten, roten oder weißen, im Grunde schwarzroten Blüten, ist bei uns eine beliebte, im Freien unter Bedeckung überwinternde Zierpflanze. Winterhärter ist der noch häufiger in Gärten angetroffene, aus Südeuropa stammende Stundeneibisch (Hibiscus trionum), dessen zarte Blüten sich zu bestimmten Tageszeiten öffnen und nur wenige Stunden offen bleiben. Wegen dieser Eigentümlichkeit wird er auch Stundenblume oder Wetterrose genannt.

Der arzneilich von uns gebrauchte gemeine Eibisch (Althaea officinalis) mit bis 1,25 m hohem, aufrechtem Stengel, beiderseits weichfilzigen Blättern und weißen, ins Rötliche spielenden Blüten wächst auf feuchten Wiesen, besonders auf Salzboden, wild und wird in Mitteldeutschland im großen kultiviert. Er stand wegen seiner Heilkraft seit den ältesten Zeiten bei den europäischen Völkern in hohem Ansehen. Schon der griechische Pflanzenkenner Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnt ihn als althaía, Vergil (70–19 v. Chr.) in einer seiner Eclogen als hibiscus. Der griechische Arzt Dioskurides schreibt von ihm: „Die althaía heißt auch ibískos, ihre Blätter sind rund, flaumig; die Blüte ist rosa, der Stamm zwei Ellen hoch, die Wurzel schleimig, inwendig weiß. Die Pflanze leistet, innerlich und äußerlich angewendet, treffliche Dienste und heißt eben deswegen althaía (von althaínein heilen).“ Noch heute sind Blätter und Blüten, besonders aber die Wurzel wegen ihres Schleims offizinell.

Ein beliebtes Hausmittel bei Bronchitis mit Husten zur leichteren Lösung des Schleims und Beförderung des Auswurfs ist die aus einer Abkochung der Eibischwurzel mit Eiweiß, arabischem Gummi und Zucker hergestellte Eibischpaste oder weiße Lakritze. Bei Landleuten ist auch die gelbe Eibischsalbe als Heilmittel sehr beliebt. Eine aus dem Orient in unsere Gärten gekommene und als beliebte Zierpflanze in den mannigfaltigsten Farben darin kultivierte Malvenart ist die 2,5 bis 3,8 m hohe Stockmalve oder Stockrose (Althaea rosea) mit einer langen, aufrechten Ähre von ursprünglich roten bis weißen Blüten. Letztere enthalten sehr viel Schleim und werden, wie diejenigen des gemeinen Eibischs, zu schleimlösenden Medizinen gebraucht. Besonders aber dienen die Blumenblätter der als schwarze Malve bezeichneten schwärzlich blühenden Spielart zum Färben, speziell zum Rotfärben des Weins. Jetzt geschieht dies noch mehr als mit dem Safte der Heidelbeeren; deshalb sind sie von den Weinhändlern sehr gesucht. Aus diesem Grunde breitet sich die Kultur der schwarzen Malve immer mehr aus. Besonders groß ist ihr Verbrauch zum Färben von Zuckerwaren in der Türkei. Die Bastfasern der Stengel können zur Papierfabrikation verwendet werden.

Zu den Malven gehören auch die Staudenpappeln (Lavatera), deren 20 Arten meist im Mittelmeergebiet heimisch sind. Mehrere derselben dienen als Zierpflanzen, so Lavatera olbia, ein schöner 2–2,5 m hoher Halbstrauch mit purpur- bis rosaroten Blüten, der auf den Inseln Südfrankreichs zur Umzäunung der Gärten benutzt wird, bei uns aber im Kalthaus überwintert werden muß; dann die schöne, 1,25–2 m hohe Sommerpappel (Lavatera trimestris) mit rosenroten, dunkler geäderten oder weißen Blüten und die ausdauernde Lavatera arborea mit 4 cm im Durchmesser haltenden purpurroten Blüten. Sie wächst in den Mittelmeerländern und auf den Kanaren und eignet sich zur Anpflanzung auf Rasenplätzen; doch muß sie bei uns im Kalthaus überwintert werden.

Außer als Küchengewächs findet sich wegen seiner großen Blätter sehr häufig Rheum undulatum, der Rhabarber mit am Rande welligen Blättern, als Zierpflanze in Anlagen angebaut. Die saftigen, dicken Blattstiele geben mit Zucker gekocht ein treffliches Kompott. In Schlesien wie in England wird die Pflanze auch zur Weinbereitung angepflanzt. Nahe verwandt damit ist der Amarant oder die Samtblume. Von ihnen sind beliebte Gartenzierpflanzen: der aus Persien stammende rote Fuchsschwanz (Amarantus caudatus), der oft über und über rot ist, mit sehr langer, schlaff überhängender, hellroter Blütenähre. Dann der aus Ostindien zu uns gekommene dreifarbige Fuchsschwanz (Amarantus tricolor) mit grün, gelb und hochrot gefärbten Blättern. Der mehlreiche Fuchsschwanz (A. frumentaceus) liefert ein stärkemehlreiches, als wichtiges Nahrungsmittel verbackenes Samenmehl und wird deshalb in Ostindien im großen angebaut. In Brasilien dagegen dient als Gemüse und in Westindien als Heilmittel Amarantus melancholicus, dessen rote Spielart als Dekorationspflanze in Gärten sehr beliebt ist. Nicht minder häufig treffen wir in Gärten den in Mittelamerika heimischen blutroten Fuchsschwanz (A. sanguineus) mit sehr langer, aufrechter, blutroter Rispenähre. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist der auf bebautem Boden und auf Schutt angetroffene rauhhaarige Fuchsschwanz (A. retroflexus) aus Amerika zu uns eingewandert.

Von den Glockenblumen (Campanula) wird der einjährige Frauenspiegel (C. speculum) in mehreren Varietäten als Zierpflanze kultiviert. Von den zweijährigen zieht man ebenso das Marienveilchen (C. media) aus Südeuropa mit großen, blauen, auch rosaroten und weißen, traubig oder rispig angeordneten Blüten, nicht selten mit mehreren Kronen, auch kronenartigem Kelch und eßbarer Wurzel, und C. pyramidalis aus den Mittelmeerländern mit noch größeren Blüten in straußförmiger Rispe. Von den ausdauernden Arten eignet sich die von den Gebirgen Mitteleuropas stammende rasenartige C. caespitosa mit hellblauen Blüten in Trauben zur Verschönerung künstlicher Felsenpartien und zu Einfassungen, ebenso die aus europäischen Gebirgen genommene zierliche C. pusilla mit überhängenden, hellblauen Blüten. Auch die in fast ganz Europa, wie auch in Sibirien heimische C. persicifolia mit wenigen, aber schönen, großen, blauen Blüten wird als Zierpflanze gezogen, während die zweijährige C. rapunculus aus den Wäldern Europas wegen ihrer fleischigen, wohlschmeckenden Wurzel in Frankreich und England als Gemüse gepflanzt wird.

Sehr zahlreiche Zierpflanzen für Garten- und Topfkultur hat die Familie der Nelken geliefert, deren wilde Vertreter die Poesie unserer Wiesen bilden. Sie sind vorzugsweise in der gemäßigten, ja teilweise in der kalten Zone und in höheren Gebirgsregionen heimisch. Bei den Kulturvölkern des Altertums spielten sie als Gartenpflanzen keinerlei Rolle. Der Gattungsname Dianthus (verkürzt aus dem Griechischen Diós ánthos Zeusblume), den Karl von Linné den Nelken im engeren Sinne verlieh, war schon den Alten bekannt. So spricht der Grieche Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. von ihr als einer zu Kränzen beliebten Blume, und der Grammatiker Athenaios um 200 n. Chr. überliefert uns ein Fragment des Dichters Nikandros, in welchem von der wohlriechenden Zeusblume (enôdēs Diós ánthos) die Rede ist. Damit dürfte wohl die strauchartige Baumnelke (Dianthus arboreus), welche an den felsigen Küsten des Ägäischen Meeres wild wächst, gemeint sein.

Jedenfalls haben die Griechen und Römer unsere klassische Gartennelke (Dianthus caryophyllaceus — letzteres Wort bedeutet Nußblatt) nicht gekannt. Die Stammpflanze derselben ist im Mittelmeergebiet heimisch, wächst an felsigen Stellen und hat einzeln stehende, höchst angenehm gewürzhaft riechende Blüten und treibt zahlreiche ästige, verlängerte Stengel. Sie variiert in der Färbung der Blüten ganz außerordentlich und wurde in der Neuzeit in allen nur erdenkbaren Farbenvarietäten gezüchtet. Diese heute so außerordentlich beliebte Zierblume wurde im muhammedanischen Orient zur Kulturpflanze erhoben und kam im 13. Jahrhundert durch Kreuzfahrer von dort nach Mitteleuropa. In einer noch wenig hochgezüchteten, fünfblättrigen Form finden wir sie in der Hand des „Mannes mit der Nelke“ von Jan van Eyck (zwischen 1430 und 1440 in Brügge gemalt, jetzt in Berlin) als eine für die damalige Zeit moderne Blume dargestellt, während sie in dem ebenfalls in Berlin befindlichen, 1532 entstandenen Ölgemälde des deutschen Kaufmanns Georg Gisse im Stahlhof in London von Hans Holbein dem Jüngeren, wo deren drei in einer durchsichtigen Glasvase mit zwei Henkeln stehen, schon in mehreren Nuancen von Rot in teilweise gefüllten Exemplaren zu sehen sind. In dem noch später entstandenen Porträt des englischen Edelmannes Simon George aus Cornwall von demselben Maler (jetzt im Städtischen Museum zu Frankfurt a. M.) ist in der rechten Hand des mit hübschem Barett geschmückten Mannes eine ungefüllte rote Nelke mit fünf ziemlich großen Blumenblättern dargestellt. Damals müssen die einfachen, ungefüllten Nelken in dunkleren und helleren Tönungen von Rot die fast ausschließlich in Europa gezogenen Nelken gewesen sein.

In Frankreich begann die Nelkenzucht schon seit der Zeit Ludwigs IX. des Heiligen (geb. 1215, folgte seinem Vater 1226 unter der Vormundschaft seiner Mutter Blanca von Kastilien, unternahm 1248 einen Kreuzzug, von dem er gegen ein Lösegeld von 100000 Mark Silber von den Sarazenen in Ägypten mit seinen Brüdern Karl und Alfons 1254 nach Frankreich zurückkehrte, unternahm im Juli 1270 einen Zug gegen Tunis, auf welchem er am 25. August 1270 im Lager von Tunis starb). Aber erst im 17. Jahrhundert war die Kultur dieser Gartenpflanze in Mitteleuropa zu einiger Blüte gelangt. Der erste, von dem wir wissen, daß er die Gartennelke leidenschaftlich liebte, war Ludwig II. von Bourbon, Prinz von Condé, der große Condé genannt (1621–1668), einer der hervorragendsten französischen Feldherren in den Kriegen des 17. Jahrhunderts. Ihm zu Ehren trugen seine Soldaten, die er in der Schlacht bei Rocroi am 19. Mai 1645 zu ruhmreichem Siege über die Spanier, und am 3. August desselben Jahres zum Sieg über den bayerischen General Mercy bei Allersheim geführt hatte, die Nelke als Sinnbild der Tapferkeit und Unerschrockenheit. Zur Zeit der großen französischen Revolution von 1793 war die rote Gartennelke, von der bisher allein die Rede war und die wohl bis dahin allein gezüchtet wurde, das Emblem der in stolzer Todesverachtung das Schaffot besteigenden Royalisten. Wie sie heute die Blume des Volkes ist, war sie damals noch die Blume der Aristokratie, wie in Frankreich, so auch in England und den übrigen Kulturstaaten Europas. Bei den Briten heißt der ganze Farbenbegriff Rot nach der roten Nelke pink. Erst später wurde sie beim Volke populär und wurde bei ihm die Blume der Liebe. Zuletzt spielte sie eine vorübergehende Rolle als Erkennungsmittel der Anhänger des revanchelustigen französischen Generals Boulanger, der dann, als er seinen ehrgeizigen Plan scheitern sah, sich in Belgien am Grabe seiner einstigen Geliebten erschoß.

Mit Vorliebe trägt der Torrero die rote Nelke als Kampfesschmuck und weiht sie nach erlangtem Sieg über seinen spitzgehörnten Feind der Dame seines Herzens. Wenn die junge Spanierin in Begleitung ihrer Duenna, d. h. Hüterin, nach der Messe aus der Kirche tritt, richtet sich der erste Blick ihres verstohlen draußen auf sie wartenden Amorosos auf die Nelke, die auf einen Moment unter der graziös gelüfteten Mantilla sichtbar wird. Die Farbe der Nelke bezeichnet ihm die Stunde, zu der er die Angebetete ungestört sprechen kann. Auch bei anderen Romanen wird ihr solch stumme Liebesbotschaft anvertraut, wie der Hyazinthe bei den Türkinnen. Die Italienerin weiht vor dem Muttergottesbilde am Kreuzweg den für ihren Geliebten bestimmten Nelkenstrauß durch inbrünstiges Gebet und steckt ihn jenem als Schutz- und Gedenkzeichen zu, bevor er mit den beladenen Maultieren den gefahrvollen Weg über das Gebirge antritt. Auch der rote Nelkenstrauß am Hute des „Jagers“ gibt von der guten Aufnahme bei seinem „Dearndel“ Bescheid. Diese selbst trägt Sonntags beim Kirchgang eines ihrer blutroten „Nagerle“ auf ihrem „Betbüchel“ als schönste Zier. Von Bauernhaus zu Bauernhaus und von Pfarre zu Pfarre werden Nelkensenker getauscht und wird so die schöne Blume, der besondere Liebling der Landbevölkerung, überallhin verbreitet. In den Alpen heißt es, man soll die Nelken beim Glockenklang säen, dann werden sie reich gefüllt. Überall ist sie neben den als Geranien bezeichneten, in allen Farbennuancen von Rot leuchtenden Pelargonien in Töpfen auf den Fenstersimsen der Bauernhäuser zu finden und ist hier gleichsam das Symbol des glücklichen Zusammenlebens und häuslichen Friedens. Und je höher man ins Gebirge steigt, um so herrlicher leuchten die bunten Farben dieser Wunderblume. So sind die Engadiner Nelken wegen der Intensität ihres Kolorits und der Größe ihrer Blüten weltberühmt; auch die Blüten von 14: 9 cm Durchmesser aufweisenden, meist lachsrosa gefärbten Harznelken erfreuen sich besonderer Beliebtheit.

Das Wort Nelke ist aus Nägelein, Nägelken — wie sie heute noch beim Volke heißt — verkürzt. Ursprünglich bezeichnete man damit die Gewürznägelein wegen ihrer Ähnlichkeit mit Nägeln; und als die Blume aus dem Oriente bei uns eingeführt wurde, übertrug man diesen Namen auf die ähnliche Nagelgestalt und nicht minder aromatischen Geruch aufweisende Blütenpflanze. Gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts machte der Lyoner Gärtner Léon Lille die Nelkenkultur zu seiner Spezialität und von da an wurde die Zucht dieser schönen Blume auch von zahlreichen anderen Gärtnern mit besonderem Eifer betrieben, so daß es heute gegen 2000 Varietäten der Nelke gibt. Am beliebtesten sind die Remontantnelken, d. h. solche, die nach dem Hauptflor an neugebildeten Trieben nochmals blühen.

Ebenfalls als Gartenzierpflanze sehr geschätzt ist die leider duftlose chinesische Nelke (Dianthus chinensis), eine, wie schon der Name sagt, aus China zu uns gekommene, hochgezüchtete, ein- oder zweijährige Pflanze mit prachtvollen, bis 8 cm im Durchmesser haltenden, in allen Nuancen von Rot, Purpur, Schwarzrot und Weiß leuchtenden, außerordentlich zierlich gezeichneten, sowohl einfachen als gefüllten Blüten. Die schönste derselben ist die von einem russischen Gärtner eingeführte D. heddewigi (Dianthus chinensis imperialis), eine ungefüllte Art mit fünf ganz zerschlissenen, karminroten Blumenblättern mit weißen Saftmalen und schwärzlicher Zone. Die in Südosteuropa heimische, ausdauernde Federnelke (D. plumarius) mit 2–5 sehr wohlriechenden, weißen oder blaßroten Blüten, die auch in gefüllten Spielarten vorkommen, wird häufig zur Einfassung von Blumenbeeten benutzt. Auch die Studenten- oder Bartnelke (D. barbatus), eine rosenrot blühende süddeutsche Alpenpflanze, und ihre Spielart mit breiteren Blättern (D. latifolius) sind beliebte Gartenzierpflanzen. Nur ausnahmsweise kultiviert werden dagegen die auf feuchten Waldwiesen ziemlich selten angetroffene Prachtfedernelke (D. superbus) mit fein zerschlitzten, blaßlila oder blaß rosenroten Blumenblättern, die nach dem botanischen Schriftsteller und Reisenden Joh. Franz Suegier genannte Dianthus seguieri in Süd- und Mitteldeutschland und die zu Ehren der beiden Naturforscher Joh. Karthauser († 1777) und Friedrich Karthauser († 1796) getaufte Karthäusernelke (D. carthusianorum), die ebenfalls blutrot, nur mit drei dunkleren Purpurstreifen durchzogen ist. Einige dieser Nelken, besonders die Gartennelke, dienten früher als Heilmittel.

Von den 10 Arten Lichtnelken (Lychnis, nach der Theophrastischen Bezeichnung lychnís d. h. Leuchte), die in der Alten Welt, vornehmlich in Sibirien, wachsen, ist die 50–80 cm hoch werdende „brennende Liebe“ oder Feuernelke (Lychnis chalcedonica) mit scharlachroten Blüten und zweiteiligen Blumenblättern aus Westsibirien, Mittel- und Südrußland zu nennen. Sie wird auch in Varietäten mit fleischfarbenen und weißen, auch gefüllten Blüten bei uns als Rabattpflanze gezogen. Ihre Wurzel enthält Saponin und wird wie die Seifenwurzel zum Waschen gebraucht. Auch die Kranzlichtnelke (L. coronaria) mit an die Kornrade erinnernden purpurroten Blüten und ungeteilten Blättern aus Südosteuropa wird bei uns häufig als Zierpflanze kultiviert. Ebenso dienen die 20–30 cm hohe L. fulgens aus Sibirien mit lebhaft roten, vierteiligen Blumenblättern, L. haageana aus Japan, wohl nur eine Kulturform der vorigen, mit orangeroten, rosenroten oder weißen Blüten, L. grandiflora aus Japan mit sehr großen, scharlachroten, ungeteilten Blumenblättern und L. sieboldi, ebenfalls aus Japan, mit noch größeren, weißen Blüten als auch bei uns sehr geschätzte Gartenzierpflanzen.

Von Abendlichtnelken (Melandryum) werden M. album mit weißen, seltener rötlichen Blüten aus Mittel- und Nordeuropa, wie auch Sibirien und die im arktischen Gebiete wachsende M. rubrum mit hellpurpurnen Blüten, auch in gefüllten Formen als Zierpflanzen kultiviert. Ebenso wird von Pechnelken (Viscaria) besonders V. viscosa aus Mittel-, Nordeuropa, dem Kaukasus und Westsibirien mit roten Blüten in mehreren Varietäten, auch gefüllt, gezogen. Von den Klebnelken der Gattung Silene werden besonders das einjährige Marienröschen (S. armeria) aus Mitteleuropa, das aber auch nach Nordamerika, Brasilien und Ostindien verschleppt wurde, mit karminroten Blüten in großen Doldentrauben, dann die im Mittelmeergebiet heimische S. pendula mit rosaroten Blüten in mehreren Varietäten als Zierpflanzen kultiviert. Sie dienen namentlich auch zu Einfassungen auf Teppichbeeten und Felsgruppen. Für letztere eignet sich besonders die niedrige, rotblühende, arktische und hochalpine stengellose Klebnelke (S. acaulis). Endlich werden auch verschiedene Arten der Gattung Statice, deutsch Strandnelken genannt, weil sie meist in Küstengegenden oder Salzsteppen heimisch sind, aus Süd- und Osteuropa, von den Kanarischen Inseln und aus Mittelasien als Zierpflanzen kultiviert. Ihre ährigen oder traubigen Blütenstände dienen in der Blumenbinderei, werden auch getrocknet für Dauersträuße benutzt.

Bei den alten Griechen und Römern wurde das Seifenkraut (Saponaria officinalis) an Stelle der fehlenden Seife verwendet und zu diesem Zwecke auch kultiviert. Es enthält besonders in den Wurzeln das Glykosid Saponin, das in Wasser wie Seife schäumt. Die Griechen nannten es strúthion. Theophrast sagt von ihm, es habe eine schöne, aber geruchlose Blume. Columella gibt an, daß die Schafe vor der Schur mit der Wurzel desselben gewaschen wurden, und Dioskurides meint: „Das Seifenkraut, das die Walker zur Reinigung der Wolle gebrauchen, ist allgemein bekannt. Seine Wurzel besitzt Schärfe und Heilkraft.“ Sein Zeitgenosse Plinius sagt: „Das Seifenkraut (herba lanaria) hat eine große Wurzel, die man in Stücke schneidet und zum Waschen der Wolle benutzt; diese wird dadurch außerordentlich weiß und weich. Man kultiviert sie eigens zu diesem Zwecke.“ Ihre Wichtigkeit verlor sich, als die in Germanien erfundene Seife den Römern bekannt wurde und ihre Stelle einnahm.

Die fleischigen Portulakarten mit gelben oder roten Blüten, die sehr kurze Zeit blühen und sich dann wie eine Gallerte auflösen, haben vielsamige Fruchtkapseln, die sich mit einem Deckelchen (portula, Türchen) öffnen. Daher der Name. Die mehr als 20 Arten derselben wachsen in den Tropen und Subtropen der Alten, besonders aber der Neuen Welt. Der in den Mittelmeerländern heimische gemeine Portulak (Portulaca oleracea) mit kleinen, gelben oder gelblichweißen Blüten wird in Gärten in mehreren Spielarten als P. sativa kultiviert. Die jungen, sehr saftigen Blätter werden als Zutat zu Salat oder Suppenkraut gegessen, auch mit Essig eingemacht. Früher wurden Kraut und Same arzneilich benutzt. Die Pflanze hieß bei den Griechen andráchnē. Dioskurides sagt von ihr, sie werde als Speise genossen und gegen alle Übel gebraucht. Mehrere Arten werden als Zierpflanzen angebaut, so besonders die einjährige Portulaca grandiflora aus Brasilien mit hellpurpur- oder karminroten, weißen oder gelben, auch gefüllten Blüten. Sie ist unter dem Namen „Portulakröschen“ bekannt.

Verschiedene Mauerpfefferarten der Gattung Sedum werden in Gärten kultiviert, so vor allem der weiße Mauerpfeffer (Sedum album) aus den Mittelmeergegenden, dessen Kraut früher medizinisch verwendet wurde. Jetzt noch dienen die zarten Blätter als Salat und Suppenwürze. Dasselbe geschieht mit dem großen Gartentripmadam (S. anacampseros) mit purpurroten oder weißen Blüten. Die Stengel dieser Pflanze werden in Spalten der Häuser gesteckt und dienen als Orakel für das Glück und die Lebensdauer junger Ehepaare oder der Familienglieder. Auch der Felsenpfeffer (S. reflexum) wird hier und da kultiviert und in derselben Weise benutzt. Die an sonnigen Plätzen Südeuropas bis Kleinasiens wachsende Schmerwurzel (S. maximum) mit 30–60 cm hohem, aufrechtem Stengel mit weißen, grünlichgelben oder roten Blüten wird noch heute arzneilich gebraucht. Zahlreiche ausländische Arten werden als Zierpflanzen kultiviert, so vor allem die prächtige, 1830 von v. Siebold aus Japan eingeführte S. sieboldi. Sedum japonicum mit blaugrünen, rotgesäumten Blättern und roten Blüten verwendet man als Ampelpflanze oder zur Einfassung in Gärten. Auch das in Sibirien heimische Sedum crassifolium mit roten Blüten in gedrängter Rispe, dessen Blätter von den Kalmücken als Teesurrogat gebraucht werden, wird bei uns häufig in Gärten gezogen.

Wie der scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre) als kleines aeízōon (d. h. immerlebend), wurde die gemeine Hauswurz (Sempervivum tectorum) als großes aeízōon schon im Altertum auf Dächern zur Abhaltung des Blitzes gepflanzt. Daneben wurde sie nach Plinius als Zierpflanze auch in irdenen Töpfen gezogen und ihr aus den zerquetschten Blättern gewonnener Saft nach Dioskurides als kühlendes, zusammenziehendes Mittel auf Brandwunden gelegt. Karl der Große befahl die Anpflanzung der Hauswurz auf seinen Gütern. So wurde sie, auch mit Hilfe der Klöster, in Mitteleuropa populär und spielte bis in die Gegenwart in der ländlichen Arzneikunde eine wichtige Rolle, indem der aus ihr gepreßte Saft gegen Halsentzündungen, wunde Brustwarzen, Bienenstiche und Brandwunden verwendet wurde. Zur Hexensalbe mußten die Blätter des „Donnerkrautes“ am Donnerstage gepflückt werden.

Von den Steinbrechen (Saxifraga) dient die in den Pyrenäen und in Irland heimische Saxifraga umbrosa mit weiß, gelb und rot punktierten Blüten in länglichen Rispen ebenfalls zur Einfassung in Gärten, während die aus China und Japan stammende S. sarmentosa mit rotbehaarten Blättern und weißen oder blaßroten Blüten sich als Zierpflanze häufig in Zimmern und Gewächshäusern findet.

Die Primeln oder Schlüsselblumen sind meist Hochgebirgsbewohner. Die Mehrzahl der etwa 140 Arten wächst in Europa und Asien, wenige kommen in Nordamerika vor und bilden auch hier den ersten Frühlingsschmuck der Bergwiesen, weshalb sie überhaupt ihren Namen erhielten. Primula, das Verkleinerungswort des weiblichen prima, bedeutet nämlich der kleine Erstling. Diese Bezeichnung bekam die Pflanze, weil sie mit dem Veilchen als erster Bote des Lenzes erscheint und als solcher die Gemüter der aus der winterlichen Enge in die ergrünenden Fluren Hinausziehenden doppelt erfreut. Im Deutschen erhielt sie den Namen Schlüsselblume, weil sie als die erste Frühlingsblume den Himmel gleichsam erschließt. Als Heilmittel war seit dem Altertum besonders die arzneiliche Schlüsselblume (Primula officinalis) mit gelben Blüten sehr hochgeschätzt. Daraus bereiteter Tee galt als sehr nervenstärkend und heilsam gegen Krämpfe, Nervenzufälle und Gemütsverstimmung. Schon die später heilig gesprochene Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert, pries den hymelsloszel (Himmelschlüssel) wegen seiner Heilkraft. Außer solcher sollte er aber auch noch das Vermögen besitzen, den Zugang zu verborgenen Schätzen zu erschließen. Er hieß deshalb auch Marien- oder Petersschlüssel. Bis in unsere Zeit wurden wenigstens die Blüten arzneilich und die Wurzel als Niesmittel gebraucht. Mit ihr wurde auch die gelbblühende Primula elatior von den Wiesen und Rainen in die Gärten verpflanzt und in Kulturpflege genommen. Beide Pflanzen werden jetzt in mehreren gelb, rot, braun, auch gefüllt blühenden Varietäten als Zierpflanzen kultiviert, ebenso die Hybriden oder Bastarde derselben mit Primula acaulis. Letztere mit sehr kurzgestielter Dolde und fünf safrangelben Flecken auf dem flachen Saum der hellgelben Blumenblätter wächst im Mittelmeergebiet und in Mitteleuropa. Bei manchen Varietäten entwickelt sich der Kelch in der Form und Farbe der Blumenkrone, so daß zwei gleiche Blumen ineinander zu stecken scheinen.

Noch beliebter als die Primeln waren im vergangenen Jahrhundert, während welchem sie sehr viel gepflanzte, spielartenreiche Modeblumen waren, die in der Gegenwart stark an Beliebtheit eingebüßt haben, die Aurikeln, die ihren Namen von der ohrförmigen Gestalt ihrer Blätter erhielten. Früher hieß man sie auricula ursi, d. h. Bärenöhrchen. Die Ausgangsform der Gartenaurikeln ist die auf Torfboden und an Felsen der Voralpen und Alpen, wie auch des Schwarzwalds wachsende Primula auricula mit mehlig bestäubten Blättern und schwefelgelben, wohlriechenden Blüten mit flachem Saum. Diese traf der Botaniker und Arzt Clusius (Charles de l’Ecluse, 1526 bis 1609), damals Hofbotaniker in Wien im Jahre 1582 im Gschnitztal südlich von Innsbruck und nahm sie mit sich nach Wien und 1593 bei seinem Wegzuge nach Leiden. Zugleich mit ihr führte Clusius die rotblühende Primula pubescens, die als ein Bastard der vorigen mit Primula hirsuta anzusehen ist und bei Innsbruck wächst, in die Gärten ein. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden beide Primelarten besonders in Belgien, Holland, England und Deutschland in mehreren Farbenvarietäten mit Vorliebe gezogen. In der Folge aber verschwand die beständigere P. auricula wieder vollständig aus den Gärten und P. pubescens war ausschließlich der Ausgangspunkt der mächtig aufblühenden Aurikelzucht, die in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Unter den über 1000 Spielarten unterscheidet man einfarbige, zweifarbige (Dublettenaurikeln), mehrfarbige (Bizardaurikeln) und verschiedenfarbige Aurikeln (Picottaurikeln). Eine holländische Art heißt Luiker, d. h. Lütticher. Englische Sorten werden als „gepuderte“ unterschieden, weil sie eine starke Bestäubung der Oberfläche mit Wachskügelchen aufweisen.

Wichtiger als die einheimischen sind aber gegenwärtig die ostasiatischen Aurikeln, vor allem die Primula chinensis aus Südchina mit Dolden sehr großer, hell lilafarbiger, rosenroter oder weißer Blüten. Obschon sie erst im Jahre 1824 von China nach England kam, zählt sie heute sehr viele Spielarten mit weißen und roten, einfachen und gefüllten Blüten. Sie ist als Zimmer- und Gewächshauspflanze gleich wertvoll, blüht das ganze Jahr hindurch und liefert gutes Material für Buketts, was sehr wichtig ist. Besonders die weißen, gefüllten Blüten sind für die Blumenbinderei von großer Bedeutung. Ebenso stammt die sehr reichblühende Primula obconica aus China; sie ist dadurch allgemeiner bekannt geworden, daß die Drüsenhaare an der Oberfläche der Blätter eine gelblichgrüne Flüssigkeit ausscheiden, die bei Berührung der Pflanze empfindliche Hautentzündung mit beträchtlich gestörtem Allgemeinbefinden verursacht. Es scheint bei gewissen Individuen eine besondere Disposition vorhanden zu sein; oft tritt die Erkrankung erst mehrere Stunden oder Tage nach der Berührung der Pflanze ein. Auch Primula cortusoides aus dem Osthimalaja und aus Jün-nan, wie auch Pr. japonica werden in mehreren Spielarten in unseren Gärten kultiviert. Nicht minder geschätzte Winterblüher als die chinesische lieferte die nach ihr eingeführte Himalajaprimel, die mit den ostasiatischen und europäischen Arten mehrfach gekreuzt wurde. Gelegentlich werden auch der blaue Speik (Primula glutinosa) mit violetten, wohlriechenden Blüten mit abstehendem Saum, der in den Zentralalpen auf Urgestein zu finden ist, und die zierliche, im hohen Norden heimische, als Relikt der Eiszeit auf feuchten Alpenwiesen und auf Torfboden des norddeutschen Tieflandes — aber auch in der Magelhaensstraße — angetroffene mehlig bestäubte Primel (Primula farinosa) mit fleischroten oder violetten Blüten mit gelbem Schlunde in Töpfen angepflanzt oder in Gärten gehalten. Gelegentlich geschieht dies auch mit der Alpensoldanelle (Soldanella alpina) mit ihren zierlichen bläulichen oder violetten Blütenglöckchen mit gefranstem Saume.

Eine weitere, sehr geschätzte Zierpflanze der Alpen und Voralpen ist das Alpenveilchen (Cyclamen europaeum), wegen seiner plattkuchenförmigen, fleischigen Knolle auch Erdscheibe genannt. Letztere schmeckt in frischem Zustande brennend scharf und enthält das Alkaloid Cyclamin, das, in den Magen gebracht, heftiges Erbrechen bewirkt und ins Blut eingespritzt tötet. Früher wurden die Wurzelknollen als drastisches Purgiermittel benutzt; sie verlieren aber durch Kochen oder Braten in Asche ihre Schärfe und werden deshalb von den Russen gegessen. Die Wildschweine sollen sie gerne und ohne Nachteil fressen, deshalb wird das Cyclamen auch Saubrot genannt. Das im einheimischen Gebirge wachsende südeuropäische Cyclamen war unter dem Namen kykláminon schon bei den alten Griechen bekannt und seine Wurzelknolle wurde als Heilmittel und zu Zauberei benutzt. Plinius, der sie selbst in Anlehnung an die griechische Bezeichnung cyclaminon nennt, sagt, sie werde von den Römern Erdknollen (tuber terrae) genannt, wachse im Schatten, habe purpurrote Blüten und eine breite, einer Rübe ähnliche Wurzel mit schwarzer Rinde. Sie diene gegen Schlangenbiß. „Sie sollte bei allen Häusern gezogen werden, wenn es wahr ist, daß da, wo sie steht, kein Zaubermittel wirkt, weswegen sie auch Amulett (amuletum) heißt. Wein, worin sie liegt, soll sogleich berauschen. Die Wurzel wird zerschnitten und getrocknet oder bis zur Honigdicke eingekocht und aufbewahrt.“ Wie die einheimische Art wird auch das persische Alpenveilchen (Cyclamen persicum) aus Vorderasien mit weißen, im Schlunde roten Blüten viel in Töpfen gezogen und ist durch Kulturpflege zu Formen mit sehr großen Blättern und Blüten in allen Nuancen von Rot neben Weiß gezüchtet worden. Dadurch, daß es im Winter zum Blühen gebracht werden kann und lange Zeit hindurch im Flor steht, ist es eine der am häufigsten angetroffenen Topfpflanzen der Städter geworden. Durch Kreuzung des bunt gezeichneten efeublätterigen Alpenveilchens mit kleinen Blüten mit dem persischen Alpenveilchen mit weit schöneren, größeren Blüten wurden Hybriden erzeugt, die die hübschen Blätter der ersteren neben den schönen Blüten der letzteren aufweisen.

Ebenfalls als Blatt- und Zierpflanzen sehr beliebt und deshalb häufig in Töpfen kultiviert angetroffen werden die Begonien oder Schiefblätter. Von den über 400 Vertretern der in den Tropen wachsenden Familie haben sehr viele prachtvoll gefärbte Blätter, wachsen sehr schnell und lassen sich sehr leicht aus Stecklingen ziehen. Legt man nämlich ein von ihnen abgeschnittenes Blatt auf feuchte Erde, so wachsen aus allen Stellen, an denen die Blattnerven verletzt wurden, junge Pflänzchen hervor. Unter den vielen bei uns in Gewächshäusern und als Zimmerpflanzen gezogenen Arten unterscheidet man 1. Blattbegonien, die wegen ihrer prachtvoll gefärbten, teilweise sehr bunten Blätter gehalten werden. Sie sind seit dem Anfang der 1850er Jahre höchst beliebt geworden und stammen hauptsächlich von dem ostindischen Königsschiefblatt (Begonium rex), dessen große, dunkelgrüne Blätter ein breites Silberband mit gleichgefärbten Flecken aufweisen. Es wurde mit anderen Formen aus den Tropen der Alten Welt gekreuzt und ergab zahlreiche schöne Spielarten. 2. Blüten- oder Knollenbegonien, die sämtlich aus Südamerika stammen und in bezug auf Effekt, Blütenfülle und Blütendauer mit den außerordentlich effektvollen Scharlachpelargonien wetteifern. Die wichtigsten Stammformen sind Begonia boliviensis mit leuchtendroten Blüten aus Bolivia, B. veitchi und davisi aus Peru und B. froebeli aus Venezuela. Die Blüten der durch Kreuzung dieser untereinander erhaltenen Blendlinge variieren von Weiß und sattem Gelb bis zum dunkelsten Rot, auch gibt es gefüllte Formen. Von den immergrünen, strauch- oder halbstrauchartigen Begonien werden mehrere Arten besonders aus Brasilien wegen ihrer Monate hindurch und mehrfach im Winter erscheinenden Blüten kultiviert.

Südamerika lieferte uns auch die häufig als Zierpflanze, besonders als Schlingpflanze zur Bekleidung von Lauben gezogene vielblumige Feuerbohne (Phaseolus multiflorus), die weiße oder hochrote Blüten und eßbare Samen hervorbringt. Beliebte Gartenzierpflanzen liefern auch die verschiedenen Wicken, vor allem die in Südeuropa heimische wohlriechende Wicke (Lathyrus odoratus) mit sehr großen, rot und violetten oder rot und weißen, wohlriechenden Blüten. Sie blüht fast den ganzen Sommer hindurch und eignet sich vorzüglich zur Verzierung niedriger Geländer. Dann die nordafrikanische Wicke (Lathyrus tingitanus) mit großen, einfarbigen, violetten oder dunkelpurpurnen Blüten, die griechische Wicke (L. climenum) aus Griechenland und Kleinasien mit blauen Blüten, an denen nur die Fahne rot ist, die Bukettwicke (L. latifolius) mit einer Traube von großen, purpur- bis rosenroten Blüten, die großblütige Wicke (L. grandiflorus) mit besonders großen, aber schwach wohlriechenden, purpurroten Blüten, beide aus Südeuropa. Alle diese werden in mehreren Varietäten kultiviert.

Die Gattung der Winden (Convolvulus) mit trichterförmigen Blüten ist in den Gärten besonders durch die nichtwindende dreifarbige Winde (C. tricolor) aus dem Mittelmeergebiet mit himmelblauen, im Grunde gelben, in der Mitte weißen Blüten, dann durch C. mauretanicus mit ebenfalls himmelblauen und durch C. dahurica mit rosenroten Blüten vertreten. Verwandt damit sind die schlingenden Mina lobata und M. lex aus Mexiko mit gelb und rot gefärbten Blüten in langgestielten, gabeligen Blütenständen, die ebenfalls bei uns als Zierpflanzen kultiviert werden.

Ebensolche windende Kräuter sind die in 24 Arten ausschließlich im wärmeren Mittel- und Südamerika heimischen Wunderblumen (Mirabilis) mit großen, in der Nacht geöffneten Blüten. Unter ihnen werden die 60–120 cm hohe Mirabilis longiflora mit sehr langohrigen, weißen, am Schlund purpurnen, sehr wohlriechenden Blüten aus den Bergen Mexikos und die ebendort heimische M. jalapa, die falsche Jalape, mit schönen roten, gelben oder weißen, oder auch in diesen Farben gestreiften und gesprenkelten, geruchlosen Blüten in zahlreichen Varietäten bei uns kultiviert. Die Wurzel wirkt abführend und wurde früher wie die offizinelle Jalape verwendet.

Zur Gattung der Boretschgewächse gehört außerdem der als Gewürz und geschätzte Bienenweide in nicht nur dunkel- bis hellblauen, sondern auch roten und weißen Formen gezogene gemeine Boretsch (Borago officinalis), das in der gemäßigten Zone der Alten Welt in 30 Arten wachsende Vergißmeinnicht oder Mäuseohr (Myosotis); unter diesen ist das bei uns auf feuchten Wiesen und an Bächen wachsende gemeine Vergißmeinnicht (Myosotis palustris) mit in der Knospe rötlichen, später himmelblauen Blüten mit gelbem Schlund ein sehr beliebtes, auch in Gärten angepflanztes Blümchen. Neben ihm werden die zweijährige, mitteleuropäische M. silvatica mit der Abart M. alpestris mit rauhhaarigen Stengeln und himmelblauen Blüten und noch manche andere kultiviert. Das strahlendste Blau haben die Blüten von M. azorica. Blendlinge von ihr mit M. alpestris sind die M. semperflorens mit sehr langer Blütezeit und andere Formen, wie „Elise Fonrobert“. Ebenso werden von Hundszungen der Gattung Cynoglossum purpurrote, himmelblaue und weiße Arten in Gärten gezogen.

In der Bukett- und Kranzbinderei, besonders für Gräberschmuck viel verwendet werden die Immortellen, wie der französische Name sagt „unvergängliche“ Blumen, aus der Familie der Kompositen oder Korbblütler mit trockenhäutigen Blumenhüllblättern, die lange Zeit nach dem Abschneiden ihre Form und ihr frisches Aussehen bewahren. Im Deutschen bezeichnet man sie meist als Strohblumen, weil sie trocken wie Stroh erscheinen. Durch diese völlig trockenhäutigen Hüllblätter sind sie wie das ihnen sehr nahestehende, neuerdings ebenfalls als Zierpflanze kultivierte Edelweiß (Gnaphalium leontopodium) und andere filzige Kräuter, mit diesem die Wärme schlecht leitenden Überzug gegen zu starke Verdunstung an ihren von heißer Sonne beschienenen felsigen Standorten geschützt. Die wichtigste derselben ist die in ganz Südeuropa auf sonnigen, trockenen Felsabhängen wachsende gemeine oder gelbe Strohblume oder Gold-Immortelle (Helichrysum stoechas) mit am Rande — ebenfalls zum Schutze gegen zu starke Verdunstung — zurückgerollten, gerieben wohlriechenden Blättern und goldgelben Blüten. Wegen letzteren nannten sie die alten Griechen helichrýsos, d. h. Sonnengold. Sie, wie auch die Römer, verwandten sie vielfach zum Winden von sehr dauerhaften Kränzen und als Arznei. Der griechische Arzt Dioskurides (im 1. Jahrhundert n. Chr.) schreibt: „Die Gold-Immortelle (helíchrysos) wird auch chrysánthemon (d. h. Goldblume) und amáranton (d. h. die Unverwelkliche) genannt und dient zur Bekränzung von Götterbildern. Sie wächst an trockenen, felsigen Stellen und hat trockenen Trauben ähnliche, goldgelbe, runde Blüten. Man gebraucht sie als Arznei, legt sie auch zwischen die Kleider, um diese vor fressendem Gewürm zu schützen.“ Ähnlich meldet sein Zeitgenosse, der ältere Plinius: „Die goldglänzenden, büschelweise hängenden Blüten der Gold-Immortelle (helichrysos) welken nie und dienen zur Bekränzung der Götterbilder. Namentlich hat Ptolemäus, König von Ägypten, diese sehr sorgfältig damit geschmückt.“ 400 Jahre vor ihm schrieb Theophrast. „Es gibt Quacksalber, welche behaupten, man erlange einen guten Ruf, wenn man sich mit der Gold-Immortelle bekränzt und sich dabei mit Salbe aus einem Gefäß von gediegenem Gold einreibt. Jene Pflanze hat aber eine goldfarbene Blume, ein weißliches Blatt, einen weißlichen, harten Stengel und eine oberflächliche, dünne Wurzel.“ In seinen Idyllen sagt der um 280 v. Chr. lebende Dichter Theokrit aus Syrakus, der bedeutendste Dichter der alexandrinischen Periode, ein Meister der dann von Bion und Moschos und später von Vergil nachgeahmten bukolischen Poesie, d. h. der poetischen Darstellung des Hirtenslebens: „Der Becher ist mit Efeu und Gold-Immortellen bekränzt“, und „Ihr Haar war goldiger als Gold-Immortellen, ihre Brust glänzender als der Mond“. Auch der Dichter Nikander spricht von ihr.

Zu dieser einen, im Altertum ausschließlich gebräuchlichen Strohblume (Helichrysum orientale) kamen in neuerer Zeit eine Menge anderer hinzu, so die auf den Inseln des indischen Archipels heimische französische Immortelle, so genannt, weil sie besonders in der Provence, dann in Erfurt kultiviert wird. Man gebraucht diese Strohblume wie alle übrigen, auch gefärbt. Ebenso benutzt man die Malmaison-Immortelle (Helichrysum bracteatum) und H. macranthum mit größeren Blüten. Beide stammen aus Australien und werden vielfach kultiviert.

Zu den Immortellen rechnet man außerdem die südeuropäische Papierblume (Xeranthemum annuum) mit weißen und violetten Blüten, welch letztere mit Säuren lebhaft rot gebeizt werden; dann das australische Acroclinium roseum mit rosenroten und weißen und die ebenfalls australische Rodanthe manglesii mit karminroten Blumenblättern und gelber Scheibe. Ferner das vom Kap der Guten Hoffnung stammende Helipterum speciosissimum mit weiß und braunen, und H. corymbiflorum mit roten Blüten, die weißköpfige, geflügelte Sandimmortelle aus Australien und die ostindische Gomphrena globosa mit roten (rote Immortelle) und weißen Blüten. Weiter wird auch Anaphalis margaritacea mit weißfilzigem Stengel, unterseits filzigen, lineallanzettlichen Blättern und weißen Blüten als virginische Immortelle zu Trockenbuketts benutzt. Endlich werden auch die verschiedensten Disteln, vor allem die Silberdistel (Carlina acaulis) und die Karden (Dipsacus) als Trockenblumen verwendet.

Sehr groß ist die Zahl der Kompositen, die zu Gartenzierpflanzen erhoben wurden. Die wichtigsten derselben sind: die aus Südeuropa stammende rote und weiße Spornblume (Centranthus), die samtartig schwarzrote Knopfblume (Scabiosa atropurpurea), die neben der violetten S. columbaria und purpurnen S. lucida kultiviert wird, dann die ebenfalls aus Südeuropa zu uns gekommene goldgelbe Ringelblume (Calendula officinalis), deren Kraut zum Gelbfärben der Butter und deren Blüten zur Verfälschung des Safrans dienen. Auch von den Kreuzkräutern (Senecio) werden verschiedene Arten als Gartenzierpflanzen kultiviert, so Senecio cruentus mit purpurnen Strahlen- und gleichgefärbten oder gelben Scheibenblüten von den Kanarien in zahlreichen Varietäten mit großen, sehr verschiedenfarbigen Blüten als Zimmerpflanze, dann S. elegans mit weißen oder roten Blüten aus Afrika ebenfalls in mehreren Varietäten, S. kämpferi aus Japan und S. giesebrechti als sehr dekorativer hoher Strauch aus Mexiko für das Kalthaus.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die sehr nahe mit diesen verwandten Cinerarien oder Aschenkräuter, die wegen der Aschenfarbe der Unterseite der Blätter mancher Arten so genannt werden. Die Bastardcinerarien der Gärtner haben unten meist weißfilzige Blätter und bunte, purpurne, violette und weiße Blüten. Wegen der Schönheit und Farbenfülle der letzteren gehören sie zu den beliebtesten Topfzierpflanzen. Beliebt sind auch die auf steinigen, sonnigen Plätzen wachsenden Katzenpfötchen (Antennaria) mit weißen oder purpurroten Blüten, ferner die stattliche Sonnenblume (Helianthus annnus), welche 1569 aus ihrer Heimat Mexiko nach Europa kam, und vor allem die ebendaher stammende verschiedenfarbige Dahlie. Diese nach dem schwedischen Botaniker Dr. Dahl, der 1787 zu Abo starb, so benannte, aber von Willdenow nach der älteren, von Thunberg dem berühmten Reisenden und Botanikprofessor Georgi in St. Petersburg zu Ehren gegebene Benennung (Georgina variabilis) in Georgine umgetaufte Zierpflanze mit knollig verdickter Wurzel, 1,5–1,8 m hohem Stengel und seltener einfachen, meist gefüllten Blüten wurde zuerst ums Jahr 1784 durch Vincent Cervantes, Professor und Direktor des botanischen Gartens in Mexiko, an den spanischen Mönch und Vorsteher des botanischen Gartens Cavanilles nach Madrid gesandt. Dieser beschrieb sie 1791 als Dahlia pinnata (mit gefiederten Blättern). Da aber der Name Dahlia von Thunberg bereits an eine andere Pflanze vergeben war, nannte man sie nach dem Vorschlage von Willdenow Georgina. Von Spanien aus verbreitete sich die prächtig blühende Gartenpflanze nach allen Kulturländern der Alten Welt, kam 1787 nach England, 1804 durch Alexander von Humboldt, der Samen aus Mexiko nach Berlin sandte, nach Deutschland, wo im Berliner Botanischen Garten zahlreiche Farbenvarietäten aus ihr gezüchtet wurden. Doch kannte man die Georginen um 1800 schon in Dresden. Die erste gefüllte Georgine zog 1808 der Garteninspektor Hartwig in Karlsruhe, und 1824 begann Deegen in Köstritz seine erfolgreichen Kulturen.

Weil die Georgine im Herbst bis zum Eintritt des ersten Frostes, der allerdings das Laub derselben zum Absterben bringt, so daß sie schwärzlich, wie verbrüht erscheint, ihre zahlreichen prächtigen Blüten entfaltet, zu einer Zeit also, da die meisten anderen Gartenblumen bereits verblüht haben, ist sie eine Lieblingspflanze unserer Gärten geworden, mit der man in manchen Gegenden einen großen Kultus treibt, indem man zur Zeit ihrer Blüte Georginenfeste arrangiert, bei denen die Lokale mit den abgeschnittenen Blüten ausgeschmückt und aus den verschiedenen Farben große Tableaus zusammengestellt werden. Von den 9 Arten, die sämtlich auf der mexikanischen Hochebene heimisch sind, ist Georgina variabilis die Stammpflanze von über 2000 Varietäten. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war man bemüht, möglichst volle, prall gefüllte Blumen in den verschiedensten Farben zu erzielen. Man unterschied nach der Form der Blüten: anemonenblütige mit großen Strahlenblüten und kleinen, in Form einer Halbkugel geordneten Scheibenblüten — heute werden sie nur noch selten gezogen —, dann kugelblütige mit zahlreichen, gleichgeformten, sich nach hinten zurücklegenden Blüten, flachblütige mit gleichgeformten, flach ausgebreiteten, in der Regel zurückgebogenen Blumenblättern, röhrenblütige mit röhrigen und ohrblütige mit ohrförmigen Blumenblättern. Sie treten in allen Farbennuancen vom zartesten Weiß bis zum intensivsten Gelb und zum dunkelsten Schwarzpurpur auf. Die Liliputgeorginen haben sehr kleine, reizend geformte Blüten, die Zwerggeorginen sind von niedrigem, zwerghaftem Wuchs und zur Topfkultur geeignet. Seit Anfang der 1870er Jahre sind wieder einfach blühende Spielarten unter dem Namen Dahlien in mannigfachen Farben und Zeichnungen beliebt geworden, daneben auch die Kaktusdahlien, deren Blüten von dem streng symmetrischen Bau der älteren gefüllten Dahlien wesentlich abweichen und sich durch spitze, strahlige, nadelartige, gewundene, namentlich aber gelockte Blüten auszeichnen. Sie haben seit einigen Jahren die alten Georginensorten fast vollständig verdrängt. Diese Abart der Georginen stellt eine typische, durch Mutation plötzlich von selbst entstandene Sprungvarietät dar. Der alte Georginenzüchter van den Berg in Jutphaas (Holland) verdankt sie einem Zufall. Er hatte sich von einem Geschäftsfreund in Mexiko eine größere Sendung mexikanischer Knollen, Wurzelstöcke und Zwiebeln kommen lassen. Die Sendung war aber unterwegs bis auf eine einzige Knolle verdorben. Nur diese trieb aus — es war die Kaktusdahlie mit Blüten, die in dieser Form in Mexiko selbst ganz unbekannt ist.

In bezug auf Größe und Form der Knollen, der Belaubung und namentlich der Blüten, die wie bei allen anderen Kompositen dadurch gefüllt werden, daß auch die Scheibenblüten wie die Strahlenblüten eine farbige, zungenförmige Blumenkrone ausbilden, weichen die verschiedenen Georginen so sehr untereinander ab, daß man kaum irgendwo in Gärten die typische Form auffinden kann. Die zahllosen, mit dem Untergange der Knollen wieder verschwindenden Spielarten entstanden und entstehen durch künstliche Befruchtung und namentlich durch Samenzucht, die alljährlich neue Varietäten liefert, die nie den vorjährigen ganz gleich sind. Die gegen Kälte sehr empfindlichen Knollen müssen vor dem Eintritt des Frostes aus der Erde genommen und im Keller überwintert werden. Im Frühjahr, sobald keine Nachtfröste mehr zu fürchten sind, werden sie 5 cm tief ausgepflanzt. Die Vermehrung geschieht durch Teilung der Knollen oder durch Stecklinge, die man von den mit überflüssigen Keimen versehenen Knollen ablöst, sobald sie etwa 10 cm lang geworden sind. Neue Spielarten erzielt man aus Samen, den man von den ersten Blüten besonders schöner Varietäten sammelt. Die Wurzelknollen enthalten reichlich Inulin, eine dem Stärkemehl ähnliche Substanz der Kompositenwurzeln, die sich in heißem Wasser löst, beim Erkalten wieder ausscheidet und, mit Schwefelsäure zusammengebracht, Zucker gibt. Aus diesem Grunde dienen die Dahlienknollen in ihrer Heimat Mexiko als geschätztes Nahrungsmittel.

Sehr zahlreiche Zierpflanzen hat die artenreiche Familie der Astern geliefert, deren Blüten neben den Georginen den Schmuck unserer Gärten zur Herbstzeit, da sonst wenig andere Blumen mehr zu sehen sind, bilden. Von den über 200 meist der nördlichen Erdhälfte, und zwar vorzugsweise Nordamerika angehörenden Asterarten sind verschiedene vom Menschen in Pflege genommen worden und haben sich im Laufe der Zeit zu prächtigen Kulturpflanzen entwickelt. So finden wir nicht nur die auf sonnigen, felsigen Hügeln Süd- und Mitteleuropas wildwachsende blaue Aster (Aster amellus), sondern auch die in Nordasien und den höheren Gebirgen Mitteleuropas heimische violette Aster (Aster alpinus) seit langem in Gärten angepflanzt. Von ersterer spricht bereits der römische Dichter Vergil in augusteischer Zeit, indem er in seiner Georgica sagt: „Auf den Wiesen steht die Blume amellus, welche in dichter Menge wächst. Sie ist goldgelb und von dunkelvioletten Blumenblättchen umgeben, hat einen scharfen Geschmack und dient zu Kränzen. Ihre in Wein gekochte Wurzel dient als Arznei für kranke Bienen.“ Letzteres sagt auch Columella und fügt hinzu, daß die Blumen des amellus den Bienen angenehm seien. Die Griechen — so Dioskurides — nannten sie astḗr, und in Anlehnung daran spricht auch Plinius in seiner Naturgeschichte von ihr als aster. Außer diesen beiden sind auch die am Meeresstrand und auf Salzboden gedeihende lilafarbene Strandaster (Aster tripolium) mit gelber Blütenscheibe und mehrere andere ausdauernde Arten namentlich Nordamerikas als Herbstastern in Gärten beliebt und teilweise auch verwildert. Mit prächtigen, verschiedenfarbigen Strahlenblüten versehen sind die in China und Japan heimischen Gartenastern (von Callistephus chinensis), die sich von unseren Astern durch stark laubblätterige äußere Hüllblätter unterscheiden und in etwa 60 gefüllten Formen in 6700 Farbenvarietäten als die wichtigsten aller einjährigen Gartenpflanzen kultiviert werden. Die ersten Vertreter dieser hauptsächlich vom uralten Kulturvolke der Chinesen hochgezüchteten Formen, die von jenen mit Vorliebe auf den Kunstgegenständen aus Porzellan und Seide dargestellt werden, kamen zu Ende des 18. Jahrhunderts durch den Jesuiten d’Incarville aus China nach Frankreich, um von hier aus durch Europa verbreitet zu werden. Sie sind bei uns die weitaus verbreitetsten Astern.

Sehr nahe Verwandte der Astern, die vielfach zu ihnen gerechnet werden, sind die Wucherblumen, die in den Goldastern oder Chrysanthemen höchst wertvolle und neuerdings auch bei uns sich zunehmender Beliebtheit erfreuende Zierblumen hervorgebracht haben. Ihr bescheidenster Vertreter ist die ausdauernde große Gänseblume oder Marienblume (Chrysanthemum leucanthemum) mit weißen Strahlen- und gelben Scheibenblüten, die in Europa auf Wiesen und Rainen gemein ist und schon früh in die Gärten verpflanzt wurde. Mit den Europäern wanderte sie in andere Erdteile und bürgerte sich in Nordamerika, wie auch in Neuseeland ein. Ihre zarten Sprosse werden in Italien als Salat gegessen; ihre Blüten dagegen werden wie diejenigen der ihr nahe verwandten Bertramwurz oder Mutterkrautkamille (Chrysanthemum parthenium) arzneilich verwendet. Beide werden in vielen Varietäten als Zierpflanzen kultiviert, letztere besonders auch in Formen mit goldgelben Blättern zur Bepflanzung von Teppichbeeten. Andere Arten dieser Familie liefern das Insektenpulver, so besonders die beiden mit rosa- oder fleischfarbenen Strahlenblüten versehenen Chrysanthemum roseum und marschalli im Kaukasus, in Armenien und Nordpersien. Das ebenfalls in Persien heimische Chrysanthemum cinerariaefolium mit sehr kleinen, gelben Scheibenblüten und weißgelblichen Strahlenblüten wird, wie auch das dalmatinische Chrysanthemum roseum in zahlreichen Spielarten bei uns kultiviert; ebenso das nordafrikanische Chrysanthemum carinatum mit schwarzroten bis braunvioletten Scheiben- und weißen Strahlenblüten. Sie variiert in den mannigfaltigsten Farben und stellt eine der ausgezeichnetsten Florblüten dar. Ebenso ist das südeuropäische Chrysanthemum coronarium mit gelber Blütenscheibe und gelbem Strahl bei uns eine beliebte Gartenzierpflanze. Auch die Strauch-Marguerite der Kanaren (Chrysanthemum frutescens) wird in hohen und zwerghaften Formen, weiß- und gelbblühend bei uns im Kalthaus kultiviert und im Winter in großer Menge aus dem Süden eingeführt.

Nicht nur als Zierpflanze, sondern auch als Küchengewürz und Arzneimittel gegen Würmer wird die in Südeuropa heimische Frauenminze (Chrysanthemum balsamita) mit balsamisch riechenden Blättern und gelben Blüten in unseren Gärten angepflanzt. Schon von Karl dem Großen wurde sie als Costus hortensis, d. h. Gartenkostus, zum Anbau empfohlen und ihres würzigen Geruches wegen im Mittelalter an Stelle des Hopfens als Bierwürze verwendet. Jetzt dient sie vielfach auch zur Herstellung von Totenkränzen und anderem Gräberschmuck. Blumistisch sehr viel wertvoller ist das ausdauernde Herbstchrysanthemum, die indische Goldaster (Chrysanthemum indicum), die noch mehr als bei den Südasiaten bei den Ostasiaten, zumal den Japanern, zur nationalen Lieblingsblume wurde. Schon lange vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung wurde sie im Lande der aufgehenden Sonne in den zahlreichsten Farbenvarietäten mit weißen, gelben, orangefarbenen, braunen, roten, schwarzpurpurnen und zweifarbigen Blüten kultiviert. Dabei unterscheidet man einfache Sorten, röhrenblütige, zungengefüllte, anemonenblütige und Pomponchrysanthemen. Sowohl in ihrer Stammform, dem einfachen Herbstchrysanthemum (japanisch nogiku), als seinen hochgezüchteten Kulturvarietäten (japanisch kiku) spielt es wie heute, so bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung in der Poesie und Malerei der Japaner eine sehr große Rolle. Nach der Aussage der Japaner erreichte diese Blumenzüchtung im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Ein aus jener Zeit stammendes Gemälde aus dem Besitze der Familie Takatsukasa, auf welchem ein Chrysanthemumgarten in Kioto dargestellt ist, erregte auf der letzten Pariser Weltausstellung vom Jahre 1900 allgemeine Bewunderung. Noch heute werden im ganzen Inselreich diese Blumen in tausenden von Spielarten in den mannigfaltigsten künstlichen Formen und Zusammenstellungen, die menschliche und Tiergestalten bis zu 10 m Höhe, ja historische und dramatische Begebenheiten, Darstellungen aus Märchen usw. wiedergeben, gezüchtet, und am 9. September feiert das ganze Volk das Fest der Kiku, die zum Sinnbilde langen Lebens wurde.

Die meisten Varietäten dieser Zierpflanze in seinem Garten zu besitzen, kann sich außer dem japanischen Kaiser angeblich noch der sehr reiche Graf Okuma in Tokio rühmen. Sonst sehen es die Liebhaber der Kiku, deren Zahl Legion ist, darauf ab, eine ihnen besonders zusagende Form in möglichst eigenartiger Ausbildung zu erlangen. Als Beispiel für die Mühe, die auf die Zucht neuer Rassen verwendet wird, soll hier erwähnt werden, daß der Züchter Hayashi jedes Jahr 30000 Chrysanthemen der Sorte ennichi-giku, bei der es darauf ankommt, möglichst bizarr gestaltete Blüten zu erzielen, kultiviert, unter denen sich höchstens 5 Exemplare finden, die seinen Anforderungen entsprechen und zur Nachzucht verwendet werden. Zu möglichster Größe herangezüchtet ist das Riesenchrysanthemum Zukuri, das über tausend Blumen tragen kann; das Gegenstück dazu bildet die Zwergpflanze bonsai-zukuri. Hironishi ist eine ungefüllte Rasse, deren Blumen nur 16 Blumenblätter enthalten dürfen. Es ist dies die Kaiserblume, von der das Chrysanthemumwappen der kaiserlichen Familie abgeleitet ist. Die ipon-zukuri ist eine Rasse mit nur einer Achse und nur einer Blüte.

Schon im Jahre 1688 kultivierte man in Holland 6 aus Ostasien eingeführte Spielarten von Chrysanthemen, aber erst hundert Jahre später fand die Pflanze größere Verbreitung in Europa und wird seit 1826, wo dies in Toulon zuerst geschah, auch bei uns aus Samen gezüchtet. In neuerer Zeit wurde sie namentlich in England, dann auch in Deutschland zu großer Vollkommenheit gebracht; doch werden noch immer viele Varietäten aus Japan und China eingeführt. Obwohl wir es hierin noch lange nicht mit den Japanern aufnehmen können, so besitzen wir bereits eine Menge von Spielarten derselben mit weißen, gelben, orangefarbenen, braunen, roten, schwärzlich purpurfarbigen, auch zweifarbigen Blüten mit den verschiedensten Formen der Blumenkrone und ihrer einzelnen Blätter. Alle diese wunderbaren Abänderungen erzielen die Züchter teils durch künstliche Auslese, teils durch Hybridation oder Kreuzung und durch zufällig auftretende Mutationen. Die wunderbaren, riesigen Blumen, die neuerdings auf Ausstellungen und in Schaufenstern der Blumenläden unser Staunen erregen, gehören nicht, wie man glauben könnte, einer besonderen Art an, sondern es sind anormale Blütenstände, „Überblumen“, die durch eine eigene Kulturmethode erzeugt werden. Man bringt die Chrysanthemen zu diesem Zwecke in ein Kalthaus, wo sie ganz dicht am Fenster aufgestellt werden. An jeder Pflanze läßt man nur wenige Blätter und schneidet die Blütenknospen gleich nach ihrem Erscheinen bis auf eine einzige ab. Unter der Einwirkung der sehr starken Düngung nimmt dann diese, mehr als sonst üblich ernährte Blume einen riesigen Umfang an, der mitunter sogar demjenigen eines Menschenkopfes gleichkommt. Dabei hängen die stark verlängerten Blumenblätter, die zu lang sind, um sich selbst aufrecht halten zu können, in graziösen Linien herunter und verleihen diesen Blüten einen absonderlichen Ausdruck, der sehr dem modernen Geschmacke entspricht. Das Straußenfederchrysanthemum mit bewimperten Blättern ist wie die Kaktusdahlie eine vor einigen Jahren in einem einzigen Exemplare beim Blumenzüchter Alphonse Hardy aufgetretene Sprungvarietät, die sich infolge ihres absonderlichen Aussehens rasch einbürgerte.

Von weiteren bemerkenswerten Kompositen, die als Gartenzierpflanzen kultiviert werden, ist die Flockenblume (Centaurea) zu nennen, deren 470 Arten meist im Mittelmeergebiet heimisch sind. Unsere blaue Kornblume oder Cyane — vom griechischen kýanos blau so genannt — (Centaurea cyanus) ist ein Sommergewächs aus Sizilien, das mit dem Klatschmohn (Papaver rhoeas) als Ackerunkraut wahrscheinlich schon zur Pfahlbauzeit mit dem Getreide nach Mitteleuropa verbreitet wurde. Diese einstige Lieblingsblume Kaiser Wilhelms I., die als solche bei dessen Lebzeiten sich besonderer Gunst in ganz Deutschland erfreute, wird heute in Arten mit mannigfach gefärbten Blüten als Zierpflanze in Gärten kultiviert. Auch die auf Kalkbergen und Gebirgswiesen wachsende Bergflockenblume (Centaurea montana) mit größeren himmelblauen, in der Mitte purpurrötlichen Blüten und die 2 m und darüber hoch werdende Centaurea atropurpurea werden als Zierpflanzen gezogen. Aus dem Orient und dem östlichen Mittelmeergebiet kam die Bisamflockenblume (Centaurea moschata) mit großen, weißen oder violett gefärbten, schwach nach Bisam (Moschus) riechenden Blüten zu uns, ebenso die Centaurea orientalis, während die Centaurea ragusina mit fein zerschlitztem, weißfilzigem Laub und gelben Blüten aus Dalmatien stammt. Die niedrige, ebenfalls weißfilzige Centaurea candidissima wird gerne zu Teppichbeeten verwendet, während die Centaurea macrocephala mit 90 cm hohem Stengel und goldgelben Blüten von 9 cm Durchmesser mehr als Einzelpflanze auf Rasen kultiviert wird.

Aus dem südlichen Nordamerika kam die schöne Zinnie (Zinnia elegans) als prächtige einjährige Gartenzierpflanze zu uns. Ihren Namen erhielt sie nach Joh. Gottfried Zinn (1727–1759), der zu Schwabach bei Nürnberg geboren wurde und als Professor der Medizin in Göttingen starb. Er gab eine Beschreibung der um jene Universitätsstadt wachsenden Pflanzen heraus. Die 12 Arten Zinnia wachsen in Mexiko, Arizona und Texas. Die Zinnia elegans wird 60–80 cm hoch, hat gegenständige Blätter, große Blütenköpfe mit kleinen, gelben Scheibenblüten und großen, gelben Strahlenblüten. Sie wird in vielen Varietäten mit goldgelben, purpur- und scharlachroten, rosa, reinweißen, gestreiften, einfachen, gefüllten und krausen Blüten bis zu Riesenformen kultiviert. Ebenso Z. haageana und ein Bastard zwischen beiden, Z. darwini, von dem wieder mehrere Spielarten gezüchtet wurden.

Ebenfalls aus Nordamerika stammt das zweifarbige Schöngesicht (Calliopsis bicolor), das in unseren Gärten wegen seiner goldgelben bis braunen Strahlenblüten als schönblühende Zierpflanze allgemein beliebt ist. Desgleichen verhält es sich mit der nordamerikanischen geschlitzten Rudbeckie (Rudbeckia laciniosa) mit bräunlicher Scheibe und abstehenden, gelben Strahlenblüten. Sie wurde von Karl von Linné nach dessen Lehrer und Freund Hans Rudbeck, Professor der Botanik in Upsala in Schweden, wo er 1660 geboren wurde und 1740 starb, genannt. Auch Silphium perfoliatum mit gelben Blüten ist eine aus Nordamerika stammende Gartenzierpflanze, die teilweise verwildert ist, wie die von ebendorther stammende Meerambrosie (Ambrosia maritima). Letztere erhielt von Linné diesen Namen wegen ihres angenehmen Geruchs, der an die Ambrosia, die Nahrung der unsterblichen Götter, erinnern sollte, erstere dagegen von dem berühmten Heilmittel und Gemüse sílphion, das die Griechen aus Kyrene in Nordafrika bezogen und das eine mit dem Stinkasant verwandte Doldenpflanze und keine Komposite wie diese war.

Von den etwa 100 im wärmeren Amerika, besonders zahlreich in Mittelamerika, wachsenden Steviaarten werden ebenfalls mehrere, so die purpurrote Stevia purpurea, die weiße S. serrata und die fleischfarbige S. ivaefolia bei uns in Gärten kultiviert und liefern ein beliebtes Material für die Blumenbinderei. Von den fast ausschließlich nordamerikanischen Goldruten (Solidago) wird besonders die kanadische Goldrute (Solidago canadensis), die in ihrer Heimat gegen den Biß der Klapperschlangen gebraucht wird und deshalb Klapperschlangenkraut heißt, nebst einigen anderen Arten als Zierpflanze kultiviert, findet sich aber auch mehrfach bei uns verwildert.

Aus dem wärmeren Amerika, wo sie in 20 Arten vertreten sind, stammen auch die Toten- oder Samtblumen (Tagetes) mit zierlichen Köpfchen von gelben und orangefarbenen Blüten. Besonders Tagetes patula und T. erecta, die beide einander sehr ähnlich sind und stark aromatisch riechen, werden in mehreren Varietäten als Gartenpflanzen kultiviert. Man kennt sie in Europa seit dem 16. Jahrhundert. Sehr schöne Gartenpflanzen sind auch T. signata und T. lucida.

Selbst das überall auf unsern Wiesen wachsende gemeine Gänseblümchen oder Tausendschönchen (Bellis perennis) mit gelben Scheiben- und weißen oder roten Zungenblüten, das früher namentlich vom Landvolke als Heilmittel gegen Auszehrung gebraucht wurde, ist vom Menschen in Kulturpflege genommen worden und wird besonders in der rotblühenden einfachen oder gefüllten Spielart mit teilweise sehr großen Blüten zur Einfassung von Gartenbeeten und als Topfpflanze in Blumenfenstern gezogen. Seinen deutschen Namen erhielt es davon, daß es besonders häufig auf Feldern wächst, auf denen Gänse zur Weide getrieben werden, und weil es gerne von diesen gefressen wird. Tausendschönchen heißt es nach dem lateinischen bellis, das von bellus schön herrührt und etwa mit Schönchen übersetzt werden darf. Schon der ältere Plinius (23–29 n. Chr.) erwähnt es in seiner Naturgeschichte und schreibt von ihm: „Das Gänseblümchen (bellis) wächst auf Wiesen; die Blüte ist weiß und spielt ins Rötliche.“

Eine der ältesten und wichtigsten Arzneipflanzen, die heute noch keinem Bauerngarten fehlt, ist die echte Kamille (Matricaria chamomilla) mit gelber Blütenscheibe und weißem Strahl. Sie hat ihren griechischen Namen chamaimélon (von chamai niedrig und mélon Apfel), woraus dann das lateinische chamomilla entstand, nach dem älteren Plinius vom apfelartigen Geruch ihrer Blüten. Letztere werden getrocknet in den Apotheken, wie auch in fast allen Haushaltungen gehalten, um in Krankheitsfällen Verwendung zu finden. Sie besitzen einen angenehmen, etwas kampferähnlichen Geruch, den sie dem himmelblau gefärbten, ätherischen Kamillenöl verdanken, dem krampfwidrige, beruhigende Eigenschaften innewohnen. Außerdem enthalten sie Salizylsäure, wodurch sie antiseptisch wirken. Ausschließlich Zierblume ist dagegen die Matricaria coccinea mit scharlachroten Blüten.

Endlich werden noch von Kompositen verschiedene Kugeldisteln, so Echinops sphaerocephalus mit weißen und E. ritro mit blauen, metallisch glänzenden Blütenköpfen aus Südeuropa und Vorderasien, wie auch allerlei Gaillardien kultiviert. Von den 12 Arten der letzteren sind 11 in Nordamerika und 1 in Südamerika heimisch. Von Gaillardia pulchella wird die var. pieta in mehreren Formen als Zierpflanze kultiviert. Sie ist 1–2jährig, 40–50 cm hoch, mit in ihrer größeren Hälfte purpurroten, an der Spitze goldgelben, dreizähnigen Strahlenblüten und schwarzpurpurnen Scheibenblüten. Gaillardia aristata in Nordamerika ist ausdauernd und eignet sich für Rabatten.

Von den zahlreichen Wolfsmilchgewächsen wird die im Mittelmeergebiet heimische, 60–90 cm hohe kreuzblättrige Wolfsmilch (Euphorbia lathyris) mit sehr großer Blütendolde viel in Gärten kultiviert. Schon Karl der Große befahl sie in den Gärten der kaiserlichen Domänen anzupflanzen. Dann wurde sie besonders von den Mönchen in den Klostergärten als wichtiges Heilmittel gezogen. Ihre Samen wurden nämlich im Mittelalter allgemein und werden im südlichen Frankreich vom Volke heute noch unter dem Namen Purgierkörner als Abführmittel gebraucht neben der Wurzel der Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias), die den Namen Bauernrhabarber führt. Letztere wird in Südfrankreich und Rußland noch heute häufig angewendet. Als eigentliche Zierpflanzen sind dagegen in unsere Gärten eingeführt worden: Euphorbia fulgens, ein in Mexiko heimischer Strauch mit leuchtendroten Blüten, E. pulcherrima aus Mexiko und Mittelamerika mit später etwas verholzten Stengeln und unscheinbaren Blüten, die von einer bis 25 cm im Durchmesser haltenden Rosette scharlachroter Brakteen (Deckblätter) umschlossen sind, sowie E. splendens aus Madagaskar mit lederigen, glatten Blättern und scharlachroten Blüten.

Aus Ostindien kam die Gartenbalsamine (Impatiens balsamina) zu uns, die in den verschiedenfarbigsten Spielarten als Zwerg-, Rosen- und Camellienbalsamine kultiviert wird. Aus Zentralafrika dagegen wurden die Impatiens holsti und die noch reicher blühende Impatiens sultani eingeführt, die häufig neben dem ebendorther bezogenen Usambaraveilchen in den Blumenläden anzutreffen sind. Aus Südafrika kam das meist als Kalla bezeichnete Aronsgewächs mit bis 1 m langen, herzförmigen Blättern und großer, weißer, tütenförmiger Blütenscheide zu uns, die als Richardia oder, nach dem 1797 zu Dolce bei Verona geborenen späteren Physikprofessor Francesco Zantedeschi, der verschiedene botanische Arbeiten verfaßte, als Zantedeschia aethiopica bezeichnet wird. Die Benennung Kalla stammt von Plinius, der zwei ganz verschiedene Pflanzen, die man als gefleckten Aronstab und Färberochsenzunge deutet, calla oder calsa nannte. Wegen ihrer schönen Blätter und Blüten ist die Kalla bei uns häufig auf Blumentischen als Topfzierpflanze anzutreffen, wie auch der aus Mittelamerika stammende, viel kleinere Blütenschweif (Anthurium) mit dunkelgrünen Blättern und scharlachroter Kolbenscheide, der Dr. Scherzer zu Ehren, welcher sie im Hochland von Guatemala gesammelt hatte, den Beinamen scherzerianum erhielt. Außer dieser mittelamerikanischen Art, welche außer in Guatemala auch in Costarica gefunden wird, werden von den etwa 200 Arten dieses Aronsgewächses aus dem tropischen Amerika verschiedene andere in unsern Gewächshäusern kultiviert, so Anthurium leuconeuron, magnificum, andreanum und pedato-radiatum. Durch Bastardierung wurden mehrere neue Arten erhalten, die prächtige, teilweise bei guter Pflege auch im Zimmer gedeihende Blattpflanzen bilden.

Eine beliebte Zimmerpflanze ist auch die zur Familie der Asklepiadazeen gehörende kletternde Wachsblume oder Asklepia (Hoya carnosa) aus Ostindien und China mit glänzenden, fleischigen Blättern und großen Dolden blaßrötlicher, oben samtartig filziger, sehr wohlriechender Blüten, die förmlich vom ausgeschiedenen Nektar tropfen. Als zarteste aller Schlingpflanzen wird aber in Gärten zu verschiedenen Bekleidungen der aus Nordamerika stammende klimmende Erdrauch, Fumaria — oder (nach dem nordamerikanischen Namen) Adlumia — cirrosa gezogen, während die ebenfalls aus der Neuen Welt zu uns gekommene Cobaea scandens mit anfänglich grünen, dann violetten, glockenförmigen Blumen als reichblühendes einjähriges Schlinggewächs sehr häufig angetroffen wird. Sie bildet in ihrer Heimat Mexiko prächtige Girlanden von einem Strauch oder Baum zum andern. Ebenfalls aus Mexiko erhielten wir die rot- oder violettblühende Maurandia semperflorens, die gleicherweise zur Bekleidung von Lauben und Wänden gezogen wird. Demselben Zwecke dient die dieser sehr ähnliche rotblühende Kletterpflanze aus Mexiko Lophospermum scandens. Eine der schönsten Ampelpflanzen dagegen ist die aus Ostasien stammende einjährige Torenia asiatica mit lang herabhängenden Stengeln.

Schon 1753 wurde von Karl von Linné der aus Nordchina zu uns gekommene Doppelsporn (Dicentra spectabilis) als Fumaria spectabilis beschrieben, aber erst etwa 1848 in unsere Gärten verpflanzt. Diese 0,5–0,6 m hohe Gartenzierpflanze mit rosenroten, herzförmigen, hängenden Blüten in schlanken Trauben erfreute sich bald großer Beliebtheit und wurde mit verschiedenen, von ihrer Form hergenommenen Namen, wie Jungfernherz, flammendes oder hängendes Herz, bezeichnet. Ihre zweite botanische Benennung Diclytra ist durch einen Druckfehler aus Dielytra, was „mit doppelter Hülle“ — wegen der Form der Blüte — bedeutet, entstanden. Sie gedeiht auch in Sibirien. Die 14 übrigen Arten der Gattung wachsen in Mittel-, Nord- und Ostasien, wie auch in Nordamerika. Aus letzterem Lande kamen die dunkelrosarote Dexinia purpurea und D. formosa zu uns. Beide halten im Freien aus, während die gelbblühende Dexinia chrysantha aus Kalifornien frostfrei überwintert werden muß.

Ein wunderhübsches, außer zur Verdeckung von Mauern auch als allerliebste Ampelpflanze gezogenes Pflänzchen ist das Zymbelkraut (Linaria cymbalaria) — wegen der zymbelförmigen Form der Blätter so genannt. Es ist aus Südeuropa bei uns eingewandert, wie auch das dort auf Felsen und altem Gemäuer wachsende große Löwenmaul (Antirrhinum majus) mit dichten Trauben heller oder dunkler purpurroter, seltener weißer Blüten mit meist gelbem Gaumen. Es wird in zahlreichen Spielarten in den verschiedensten Farbenschattierungen, auch als Zwergform in unsern Gärten gezogen und gelangte mit den europäischen Auswanderern nach Nordamerika, wo es heute an vielen Orten verwildert angetroffen wird. Auch verschiedene Arten von Fingerhut (Digitalis) haben ihren Weg in unsere Gärten gefunden, so der purpurrötliche, blaßgelbe und weiße.

Aus Amerika kamen die der letzteren verwandten Gauklerblumen (Mimulus — Diminitivum des griechischen mímos Gaukler, Gebärdekünstler, wegen der Form der Blumenkrone so genannt) zu uns und sind sehr geschätzte Zierpflanzen. Die wichtigsten sind: Mimulus cardinalis aus Kalifornien mit dunkelrot gefleckten oder gestreiften, über der Unterlippe gelbgebarteten Blumen, Mimulus luteus, vom südwestlichen Nordamerika bis nach Chile vorkommend, mit 3 cm langen, reingelben, bisweilen im Schlund und auf den Lappen des Saums purpurrot punktierten oder gefleckten Blüten, M. moschatus aus Oregon, Peru und Chile mit gelben, auf dem Gaumen gebarteten, fein braun punktierten, nach Moschus riechenden Blumen. Außer diesen werden noch andere Arten in vielen Varietäten und Blendlingen als Garten- und Zimmerpflanzen kultiviert. Unter dem Namen Mimulus duplex finden sich in Gärten Varietäten verschiedener Arten mit blumenkronenartigem Kelch, z. B. M. cupreus calycanthemus, d. h. die kupferne, kelchblumige Gauklerblume.

Auch die Salbeiarten haben verschiedene Zierpflanzen geliefert. Schon seit dem Altertum wurde die als Arzneipflanze und Küchengewürz in Südeuropa auf sonnigen Bergen wildwachsende Gartensalbei (Salvia officinalis) in Gärten angepflanzt. Es ist dies ein bis 1 m hoher Halbstrauch mit angenehm riechenden, grauweißlichen Blättern und blauen, auch roten und weißen Blüten. Aus in Dalmatien gezogenen Pflanzen gewinnt man ein gelbliches, ätherisches Öl, das verschieden verwendet wird. Die Römer, die sie salvia, d. h. Heilkraut nannten und arzneilich wie auch die Griechen verwendeten, brachten sie über die Alpen.

In den Verordnungen Karls des Großen über die in seinen Gärten zu kultivierenden Pflanzen findet sich auch die Salbei, die das ganze Mittelalter hindurch und teilweise heute noch als Küchengewürz, zu Gurgelwasser und gegen Nachtschweiße eine wichtige Rolle spielte. Stark betäubend riecht die ihr nahe verwandte Muskatellersalbei (Salvia sclarea), ein in Südeuropa und im Orient heimisches zweijähriges Gewächs mit bläulichweißen Blüten zwischen weißen Deckblättern, das bei uns häufig in Gärten gezogen wird und in Westdeutschland hier und da verwildert ist. Man setzt Kraut und Blätter dem Wein zu, um ihm Muskatellergeschmack zu geben. Mit Zucker und Hefe der Gärung unterworfen, gewinnt man aus ihm in England den clary wine. Stark gewürzhaft riecht auch die im östlichen Mittelmeergebiet heimische Salvia pomifera, ein Strauch mit graufilzigen Blättern und auf der Unterlippe weißgefleckten Blüten. Infolge des Stiches einer Gallwespe entstehen an ihren jungen Trieben graue, runde, fleischige Auswüchse von 5 cm Durchmesser, die sehr angenehm gewürzhaft schmecken. Auch geben die Stengel mit Blättern und Blüten einen in Griechenland beliebten Tee. Viele andere Arten, wie Salvia coccinea aus Florida mit scharlachroten Blüten in sechsblumigen Quirlen, S. cyaniflora mit dunkelkornblumenblauen, quirlständigen Blüten in fast fußlangen Ähren, S. fulgens mit scharlachroten, 5 cm langen Blüten, beide aus dem Süden der Union, S. patens aus Mexiko, S. splendens aus Brasilien mit leuchtend ponceauroten Blüten und Brakteen in langen Ähren, S. argentea vom Parnaß mit großen, langwollig weißbehaarten, auf dem Boden liegenden Blättern u. a. werden bei uns als Zierpflanzen kultiviert.

Hübsche Zierpflanzen lieferte die in 90 Arten im tropischen und subtropischen Afrika heimische Labiatenfamilie Coleus. Von ihr werden eine große Zahl buntblätteriger Spielarten kultiviert, die sich besonders von C. scutellarioides in Ostindien und dessen Formen pectinatus, verschaffelti, blumei, atropurpurea u. a. ableiten. Manche Sorten derselben lassen sich nur in Gewächshäusern und Zimmern ziehen, andere dagegen können im Sommer ausgepflanzt werden.

Weiter sind von den Lippenblütigen die aus Chile stammende buchtige Trompetenzunge (Salpiglossis sinuata) zu nennen. Diese bis 1,3 m hohe Zierpflanze mit schönen Blüten wird in zahlreichen Spielarten in Töpfen gezogen und in Gruppen ins freie Land verpflanzt. Nordamerikanischen Ursprungs sind die ausdauernde Pentastemon grandiflorus mit verschieden gefärbten, schönen Blüten in traubigen Rispen und die glatte Schildblume mit roten oder weißen, in dichten Ähren stehenden Blumen. Die Wurzel der letzteren wirkt abführend und wird in ihrer Heimat, wie die sehr bittern Blätter, als Heilmittel gebraucht.

In Asien und Europa heimisch sind die häufig als Zierpflanzen in Gärten gezogenen Wollkräuter, unter denen die großblumige oder gemeine und die kleinblumige oder echte Königskerze (Verbascum thapsiforme und V. thapsus) die gebräuchlichsten sind. Unter thápsos oder thápsia verstanden die alten Griechen eine zum Gelbfärben benutzte Doldenpflanze (Thapsia garganica), während die Königskerze bei ihnen phlómos hieß. Der ältere Plinius sagt in seiner Naturgeschichte: „Die Königskerze (verbascum) heißt bei den Griechen phlómos. Geschwollene Drüsen heilt man so damit, daß man sie, samt der Wurzel zerstoßen, mit Wein benetzt und in das Blatt gewickelt in Asche warm macht und sie noch warm auflegt. Es gibt Leute, die versichern aus eigener Erfahrung, dieses Mittel wirke am besten, wenn eine Jungfrau es nüchtern dem Nüchternen auflege, es mit der oberen Handfläche berühre und dabei sage: ‚Apollo sagt, jedes Übel werde gehemmt, dem eine Jungfrau entgegentritt.’ Sie muß sodann die Hand umwenden, dreimal so sprechen, und beide müssen dreimal ausspucken.“ Auch sein Zeitgenosse Dioskurides, der eine weiße und schwarze Königskerze (phlómos) unterscheidet, sagt, daß sie gegen verschiedene Krankheiten gebraucht werde. Die alten Griechen benutzten die wolligen Blätter mehrerer Arten als Lampendocht oder tauchten die ganze Pflanze in Pech, um sie als Fackel zu gebrauchen; daher der Name phlómos. Der Flaum der Blätter, der aus baumförmig verzweigten Haaren besteht, diente früher als Zunder. Im Volksglauben der Deutschen war die Königskerze das Symbol der Königswürde. Die Jungfrau Maria wird vielfach ihren Blütenstand, gewöhnlich Himmelbrand genannt, in der Hand haltend dargestellt. Ihre süßlich-schleimig schmeckenden Blüten bilden heute noch einen wichtigen Zusatz zu allen Brustteearten und werden vom Volke zu Tee angebrüht gegen Bronchitis und leichte Fieberanfälle gebraucht. Gleicherweise werden die Blätter des großen Wegerichs (Plantago major), aus denen man Hustenzeltchen fabriziert, gegen Luftröhrenkatarrh verwendet. Von dem auf Sandboden in Deutschland wachsenden Sandwegerich (Plantago arenaria) werden die Samenschalen wegen ihres großen Schleimgehalts von Wäscherinnen zum Stärken von Wäsche, wie auch in der Färberei und Kattundruckerei und zur Appretur von Lodenstoffen benutzt.

Auch mehrere Arten von Ehrenpreis (Veronica), Sommergewächse, Stauden und immergrüne Kalthaussträucher, letztere von exotischer Herkunft, werden als Zierpflanzen kultiviert. Die Gattung hat ihren Namen von der frommen Frau (angeblich mit dem griechischen Namen Berenike, woraus die mittelalterlichen Lateiner, die diese Sage ausbildeten, Veronika machten) in Jerusalem, die Jesus auf seinem Todesgang ihr Kopftuch zum Abtrocknen von Schweiß und Blut darreichte und zum Lohn dafür auf dem zurückgereichten Tuch den Abdruck seines Antlitzes erhielt.

Als alte Arzneipflanze wird auch das an allen Teilen stark gewürzhaft riechende und schmeckende Liebstöckel (Levisticum officinale) mit grünlichgelben Doldenblüten in Bauerngärten angepflanzt. Es stammt aus den Gebirgen Südeuropas, wird bis 2 m hoch und wurde schon im Altertum in Gärten gezogen. Es hieß bei den alten Römern ligusticum, woraus sich die deutsche Bezeichnung Liebstöckel bildete. Plinius sagt von ihm: „Das ligusticum wächst in Ligurien und hat davon den Namen. Übrigens wird es überall in Gärten gezogen, heißt auch panax (d. h. Allheilmittel).“ Außerdem wurde es in Südeuropa als Einmachgewürz benutzt. Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihm, daß es nebst andern gewürzhaften Kräutern für die Küche eingemacht werde. Karl der Große empfahl dessen Anbau in den kaiserlichen Gärten. Im Mittelalter wurde es häufig angewandt und war damals in allen Gewürz- und Arzneigärten angepflanzt, ist aber heute ziemlich außer Gebrauch gekommen.

Ein ähnliches Küchengewürz und Arzneimittel war den Alten das Bohnenkraut (Satureja hortensis), das bei den Griechen thýmbra, bei den Römern satureja hieß. Es wurde und wird ebenfalls in Gärten gezogen und schmeckt dann milder als die wildwachsende Pflanze. Auch dieses Kraut ließ Karl der Große in seinen Gärten anpflanzen. Vom Mittelalter bis heute spielte es als Bohnenkraut beim Einmachen von Gartenbohnen eine gewisse Rolle. Wichtiger ist die Gartenmelisse (Melissa officinalis), die ebenfalls aus Südeuropa zu uns kam und, seit sie durch die Mönche in die mitteleuropäischen Gärten eingeführt wurde, wegen des angenehmen Geruchs der ganzen Pflanze als Zier- und Heilpflanze überall angebaut wird. Aus ihr wird das in der Wirkung dem Pfefferminzöl ähnliche ätherische Melissenöl und Melissenwasser gewonnen; außerdem ist sie der Hauptbestandteil der species resolventes, d. h. des zerteilenden Tees, und des früher berühmten, von den Karmelitermönchen als Geheimnis ausgegebenen Karmeliterwassers. Auch sie wurde von den alten Griechen und Römern arzneilich gebraucht; da aber unsere Gartenmelisse nur auf den Gebirgen Südeuropas vorkommt, gebrauchten sie gewöhnlich die in den Ebenen wachsende Melissa altissima. Sie hieß bei den Griechen melissóphyllon und bei den Römern apiastrum. Ebenso wurde der an felsigen Stellen Südeuropas wachsende Ysop (Hyssopus officinalis) arzneilich gebraucht. Columella sagt, daß man aus ihm auch einen Würzwein mache. Heute noch wird diese an allen Teilen stark gewürzhaft riechende Pflanze in Bauerngärten angepflanzt.

Ein auch bei uns allgemein kultivierter, einst hochgeschätzter Strauch ist der in Südeuropa heimische, 1–1,3 m hohe, immergrüne gemeine Rosmarin (Rosmarinus officinalis) mit schmalen, lederigen, am Rande zurückgerollten, unterseits weißfilzigen, stark balsamisch-kampferartig riechenden Blättern und blauen Lippenblüten. Die Pflanze wächst in Griechenland und Italien wild, wird aber auch in Gärten gehalten. Bei den alten Griechen hieß sie libanōtís (von líbanos Weihrauch, wegen des aromatischen Geruches ihrer Blätter) und wurden mit Rosen und Veilchen viel zu Kränzen benutzt; die Römer dagegen nannten sie ros marinus oder ros maris, was wahrscheinlich aus dem griechischen róps (niedriges Gesträuch) und mýrinos (balsamisch) abzuleiten ist. Nach Dioskurides wurde der Rosmarin auch als Arznei verwendet; er soll nach ihm erwärmende Eigenschaften haben. Ein Grieche erzählt in den Geoponika über die Entstehung dieses wohlriechenden Strauches: „Es lebte einmal ein Jüngling namens Libanos, der die Götter fromm verehrte, und den neidische Menschen eben deswegen töteten. Da aber brachte die Erde zur Ehre der Götter eine Pflanze hervor, welche nach dem Namen des Ermordeten dendrolíbanon (Baumweihrauch, wie der Rosmarin außer libanōtís von den Griechen genannt wurde) genannt wird. Die Götter freuen sich mehr, wenn man ihnen einen Kranz von diesem Baumweihrauch (Rosmarin) weiht, als wenn man ihnen einen solchen von Gold aufsetzt.“ Außer den Götterbildern pflegten bei den Römern auch die Bildsäulen der Laren mit Rosmarin bekränzt zu werden. Karl der Große empfahl, ihn in seinen Gärten zu pflanzen. Noch heute tragen nach uralter Sitte die Landleute, die diese Pflanze stets in ihren Gärten ziehen, bei Leichenbegängnissen statt der älteren Zitrone einen Rosmarinzweig in der Hand. Schöne, aus Nordamerika zu uns gebrachte, höchst aromatisch duftende, großblütige Verwandte des Rosmarins sind die in Gärten kultivierten Monardaarten (M. dydima und M. fistulosa), die man in ihrem Vaterlande auch als Heilmittel gebraucht. Ihren Namen erhielten sie von dem mehrfach erwähnten spanischen Arzt Nikolaus Monardes in Sevilla (1493–1578).

Eine uralte Heilpflanze der europäischen Völker, die früher als Universalmittel gegen viele Krankheiten galt, ist die ebenfalls zu den Lippenblütlern gehörende gemeine Verbene (Verbena officinalis) mit blauen Blüten in rispigen Ähren. Sie wächst häufig an Wegen und Dorfstraßen und galt schon den alten Ägyptern, die sie als der Heilgöttin Isis geweihte Pflanze betrachteten, für heilig. Unter verbena, das sich bei den alten römischen Schriftstellern häufig findet, verstanden die alten Römer allgemein ein bei sakralen Handlungen wie Opfern, Bündnissen und Kriegserklärungen gebrauchtes Kraut. Der alte Grammatiker Acro sagt uns darüber: „Verbenen sind alle Pflanzen, die bei festlichen Gelegenheiten zur Bekränzung der Altäre gebraucht werden. Das Wort hat ursprünglich herbenae (von herba Kraut) geheißen, ist aber durch veränderte Aussprache des h in verbenae übergegangen, wie man auch statt Heneti Veneti (Venetier) und statt hesperus vesperus (Abendstern) sagt.“ In diesem Sinne sagt Horaz (65–8 v. Chr.) in der neunten Ode des vierten Buches: „Mein Altar ist mit Verbenen geschmückt, und ein Lamm soll geopfert werden.“ Ähnlich schreibt Vergil (70–19 v. Chr.) in seiner achten Ecloge: „Verbrenne Verbenen und Weihrauch!“ Dazu bemerkt der um 380 n. Chr. lebende Servius: „Verbenen sind immergrüne, wohlriechende Zweige. Andere sagen, es seien überhaupt zu heiligen Handlungen dienende Zweige. Noch andere meinen, darunter seien vornehmlich Ölzweige zu verstehen; andere beziehen es auf den Rosmarin. Immer kommts aber darauf hinaus, daß es grüne Zweige sind.“ An einer anderen Stelle sagt derselbe Servius zu Vergils Äneide Buch 12, Vers 120, wo erzählt wird, Äneas habe mit Turnus ein feierliches Bündnis schließen wollen und dabei seien die daran Beteiligten mit verbena bekränzt gewesen: „Verbena bedeutet an sich ein heiliges Kraut (herba sacra), namentlich, wie viele glauben, den Rosmarin (rosmarinus), den man (mit der griechischen Bezeichnung) libanotis nennt, wenn es nämlich von der heiligen Stelle des Kapitols genommen wurde, und die Fetialen und der pater patratus (beides Bezeichnungen für die im Namen des Staats dergleichen Verhandlungen führenden Priester) sich damit bekränzten, wenn sie Bündnisse schließen oder Krieg ankündigen wollten.“ Statt verbena wird öfter auch der Ausdruck sagmina gebraucht. So erzählt Livius in I, 24, 4, daß der römische Fetial Marcus Valerius bei Abschließung des Bündnisses zwischen dem Könige Tullus (Hostilius, 3. römischen König, regierte von 672–640 v. Chr.) und den Albanern „sagmina, nämlich reine Kräuter“ aus der Burg geholt habe, und daß der Fetial alsdannn den Spurius Fusius zu seinem Gehilfen (pater patratus, wörtlich gevaterter Vater) erwählte, indem er dessen Haupt und Haar mit der verbena berührte. Der ältere Plinius sagt: „Von jeher haben sich die Römer der sagmina bedient, wo es sich um religiöse Feierlichkeiten handelte, durch die dem Staate aufgeholfen werden sollte, zugleich auch bedienten sie sich bei Opfern und Gesandtschaften der verbenae. Jedenfalls bedeuten beide Wörter dasselbe, nämlich ein samt dem daran haftenden Erdballen auf der Burg (dem Kapitol) ausgerissenes Kraut, und immer hieß einer der an die Feinde geschickten Gesandten verbenarius.“ Und Festus gibt über sagmen folgende Erklärung ab: „Sagmina heißen die verbenae, d. h. reinen Pflanzen, welche an einem heiligen Orte vom Konsul, Prätor oder von abreisenden Gesandten, welche ein Bündnis schließen oder Krieg verkünden wollen, geholt waren.“ Nach Stellen aus Vergil und Horaz wurden Verbenen auch bei der Venus dargebrachten Opfern gebraucht.

Zum Unterschied zu der heiligen verbena benennt Plinius unsere gemeine Verbene (Verbena officinalis), die beim Volk — wohl wegen ihrer starken vermeintlichen Wirkung als Heil- und Zauberkraut — Eisenkraut heißt, als verbenaca, während sie die Griechen als peristereón hýptios oder heilige Pflanze (hierá botánē) oder Zeusohr (Diós ēlakátē), erigénion, chamailýkon, sideritís, kurítis, persephónion, kallésis, hippársion oder dēmétrias bezeichneten. Schon diese zahlreichen Benennungen beweisen uns die hohe Achtung, die das Eisenkraut bei den Kulturvölkern am Mittelmeer genoß. Auch bei den Kelten galt das Eisenkraut als heilig und wurde unter feierlichem Ritual beim Opfer dargebracht. Als Zierpflanzen sind von den 80 meist amerikanischen Arten zu nennen: Verbena chamaedrifolia, ein Halbstrauch mit leuchtend scharlachroten Blüten aus Argentinien und Südbrasilien, der 1829 durch Pater Feuille in die europäischen Gärten eingeführt wurde, dann Verbena teucrioides aus Brasilien mit weißen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten. Ihre Blendlinge mit der vorigen Art bezeichnet man als Verbena hybrida. Sie sind es, die in unseren Gärten als Zierpflanzen gezogen werden und wichtige Florblumen darstellen. Sie haben ähnlich den Aurikeln ein weißes Auge und werden in allen Farben kultiviert. Auch Kreuzungen dieser mit der argentinischen Verbena tenera sind wichtig. Die gestreiften italienischen Spielarten stammen aus Kreuzungen von Verbena pulchella mit V. incisa, die beide ebenfalls aus Argentinien zu uns kamen. Die Gartenverbenen sind ungemein veränderlich, doch hat man unter ihnen auch zahlreiche samenbeständige Farbenvarietäten.

Verwandt mit diesen Gartenverbenen ist die ebenfalls südamerikanische Aloysia citriodora, ein 0,6–1,2 m hoher Strauch mit nach Zitronen riechenden Blättern, die in seiner Heimat als Heilmittel gebraucht werden. Bei uns wird er wegen derselben in Töpfen gezogen. Ebenso ist die ihr verwandte duftende Volkmarie (so genannt nach dem Präsidenten der Kaiserlichen Akademie, dem Naturforscher Joh. Georg Volkmar aus Nürnberg, 1616–1693) (Clerodendron fragrans), eine etwas filzige Topfpflanze aus Japan mit fast herzförmigen, gezähnten Blättern, wegen der weißlichen oder rötlichen, wohlriechenden Blüten bei uns als Zimmerpflanze beliebt.

Nahe verwandt mit dem Oleander, der im nächsten Abschnitte besprochen werden soll, ist das in den Laubwäldern Europas bis nach Norddeutschland wildwachsende kleine Immergrün (Vinca minor), dessen zahlreiche nichtblühende Stengel niedergestreckt und reich beblättert sind und Wurzeln schlagen, während die blühenden aufrecht stehen. Die Blüten sind langgestreckt, blau, bei einigen Spielarten weiß, violett, rot, purpurn, einfach oder gefüllt. Noch schöner ist das in allen Teilen größere Immergrün (V. major) mit kürzern Blütenstielen und hellblauen Blumen. Eine seiner Spielarten hat goldgelb gezeichnete Blätter, eine Varietät, die es übrigens auch vom kleinen Immergrün gibt. Beide Arten benutzt man vorzugsweise zur Ausschmückung schattiger und feuchter Stellen des Gartens, wo aus Lichtmangel keine anderen Pflanzen gedeihen, außerdem als Schmuck von Gräbern. Alle diese Arten blühen schon vom März an bis zum Juni und oft noch einmal im Herbst. Man vermehrt sie durch Teilung der Stöcke und durch Ausläufer, die sich häufig schon bewurzelt finden. Eine meist in Gewächshäusern kultivierte, ausdauernde Art der Antillen ist Vinca rosea mit langröhrigen, dunkelrosenroten, im Schlunde purpurnen Blumen.

Ein südasiatischer Strauch ist der in Gärten Südeuropas häufig kultivierte Jasmin (Jasminum grandiflorum), der seinen Namen vom persischen jâasman oder jasmin hat. Seine langen, biegsamen Äste sind als Pfeifenröhren, namentlich in der Türkei, sehr beliebt. Die wohlriechenden weißen Blüten waren früher als Arznei gebräuchlich, werden jetzt aber nur noch als Parfüm, sowie zur Bereitung des in der Parfümerie geschätzten ätherischen Jasminöls gebraucht, indem man sie mit dem zu Pomade beliebten Behenöl von Moringa oleifera übergießt. Ein im Orient, in Süd- und Ostasien häufig angepflanzter Zierstrauch ist der in Ostindien heimische arabische Jasmin oder Sambac (Jasminum sambac), dessen blaße Blüten wie bei allen Nachtblumen erst nach Sonnenuntergang einen starken Wohlgeruch aushauchen, weshalb sie als Opfer und zum Ausstreuen in Tempeln, wie auch zum Parfümieren des chinesischen Tees dienen. Aus ihnen wird aber ebenfalls ein ätherisches Jasminöl und ein dem Rosenwasser ähnliches Wasser dargestellt. Mit den orangefarbenen Blumenkronröhren färbt man in Ostindien statt des Safrans Speisen und andere Gegenstände gelb. In derselben Weise werden die gelben Blüten des ihm verwandten ostindischen Trauerstrauchs (Nyctanthes arbor tristis) verwendet.

Als wilder Jasmin oder wohlriechender Pfeifenstrauch wird der aus China und Japan zu uns gekommene Philadelphus coronarius mit starkriechenden, einfachen und gefüllten, grünlichweißen Blüten und gefüllten Blättern kultiviert und ist auch stellenweise um Dörfer herum verwildert. Seine geraden Schosse dienen zu Pfeifenröhren und die Blüten zum Extrahieren des Parfüms. Auch Philadelphus satsumi aus Japan, P. latifolius, pubescens und gordonianus aus Nordamerika werden in unsern Parks gezogen. Dem wohlriechenden Pfeifenstrauch ähnliche Blüten hat der sehr ästige, 1 bis 2 m hohe japanische Zierstrauch, die rauhblätterige Deutzie (so genannt nach dem Amsterdamer Ratsherrn Joh. Deutz, dem Förderer von Thunbergs botanischen Reisen), Deutzia scabra, die in unsern Anlagen zu finden ist, während die dieser ähnliche, aber kleinere zierliche Deutzie (D. gracilis) als frühblühende Topfpflanze bei uns beliebt ist.

Ebenfalls in Japan und im nördlichen China heimisch ist die mit den vorigen verwandte Hortensie (Hydrangea hortensis), ein bis 1 m hoher Strauch mit ursprünglich rosenroten Blüten in oft 30 cm im Durchmesser haltenden Trugdolden. Die „gefüllte“, d. h. nur mit großen, unfruchtbaren Blüten versehene Abart wurde 1788 in den berühmten, 1730 gegründeten botanischen Garten in Kew bei London eingeführt und erhielt ihren Namen vom englischen Botaniker Commerson, der sie 1767 in China entdeckte, nach seiner Freundin, Frau Hortense Lapeaute, die ihren Gemahl, der als Astronom mit ihm zusammen an der Bougainvilleschen Expedition teilnahm, begleitete. Die einfachblühende Form mit fruchtbaren Blüten wurde erst in neuester Zeit eingeführt. Die rotblühende Form kann man durch Zusatz von Eisen und Alaun in eine blaublühende verwandeln. Zu diesem Zwecke setzt man dem Wasser, mit dem man die in Töpfen gezogene Pflanze begießt, 5 g Eisen-Ammoniakalaun auf 1 Liter Wasser oder etwas Eisenvitriol bei. Die Gärtner pflegen der Erde schon beim Einpflanzen im August etwas Eisenfeilspäne — etwa 15 g auf 1 Liter Erde — beizugeben. Am besten dient hierzu eisenhaltige Erlenbruch- oder Sumpfmoorerde; in solcher entwickelt die Hortensie beständig blaue Blüten. Sie findet sich auch in Japan und entsteht bei uns zuweilen von selbst. Hydrangea paniculata, ein Strauch mit weißlichen, später rötlichen, unfruchtbaren Blüten, wächst in Japan und auf Sachalin und wird bei uns besonders in großblumigen Varietäten als winterharter Zierstrauch angepflanzt, wie auch die weißblütige nordamerikanische baumartige Hortensie (Hydrangea arborescens), die in Virginien zu Hause ist und 3 m hoch wird. Die Blätter von H. thunbergi dienen den Japanern zum Tee, der von ihnen wegen des Wohlgeschmacks Himmelstee genannt wird.

Die Erikazeen mit etwa 420 Arten wachsen in Europa besonders im Mittelmeergebiet, am reichsten aber im Kapland, und zwar fast ausschließlich in der Nähe der Westküste. Von den einheimischen Arten werden außer dem Alpenheidekraut, der fleischroten Heide (Erica carnea), auch einige Verwandte derselben in Gärten gezogen. Den Namen erhielt die Pflanzengattung vom griechischen ereíkē, womit von den Alten die südeuropäische baumartige Heide (Erica arborea) wegen ihrer brüchigen Äste (von ereíkein brechen) bezeichnet wurde. Dioskurides schreibt in seiner Arzneimittellehre: „Die Baumheide (ereíkē) ist ein buschiger Baum, der Tamariske ähnlich, aber weit kleiner. Aus ihren Blüten holen die Bienen einen Honig, der gar nicht beliebt ist.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, sagt: „Erice nennen die Griechen einen Strauch, der der Tamariske ähnlich, wie Rosmarin gefärbt ist, fast ebensolche Blätter hat und die Schlangen verscheuchen soll.“ Diese Baumheide wird 10 m hoch, hat kleine, fast kugelige, in Trauben vereinigte, wohlriechende Blüten, überzieht in manchen Gegenden Griechenlands weite Strecken und liefert namentlich den Bienen in Attika eine Hauptnahrung; doch hat der von diesen Pflanzen gesammelte Honig (eríka-méli, Heidehonig) einen eigentümlichen Geruch zum Unterschied des beliebten und teuren, schon im Altertum berühmten Honig des Berges Hymettos, der vorzüglich von Rosmarinus und Thymus capitatus von Bienen gesammelt wird. Das fleisch- bis ziegelrote maserwüchsige Wurzelholz der auf den Kanaren bis 20 m hoch werdenden Baumheide, das besonders aus Spanien, Südfrankreich und Korsika ausgeführt wird, wird zu Schnitz- und Dreharbeiten, besonders aber zu Pfeifenköpfen verwendet. Außer den einheimischen werden neuerdings besonders viele Erika-Arten vom Kap der Guten Hoffnung als Zierpflanzen kultiviert. Sie fordern eine besondere Behandlung in den sogenannten „Kaphäusern“ und zeichnen sich durch große Zierlichkeit aus. Ihre mannigfach geformten Blüten zeigen das reinste Weiß, zartes Rosa, feuriges Rot, Purpur, seltener Gelb und Grün. Winterharte europäische Arten, wie die Sumpfheide (Erica tetralix) und E. ciliaris aus Südwesteuropa, besonders aber Erica carnea aus Südeuropa, ein zeitiger Frühjahrsblüher mit weißen oder roten Blüten, kultiviert man im Garten am Rande von Gebüschen, als Einfassungen und auf Moorbeeten. In Australien und Ozeanien sind die Erika-Arten durch die Epakridazeen vertreten, von denen ebenfalls zahlreiche zur Zierde in unseren Gärten gezogen werden. Manche von ihnen haben eßbare Früchte, von denen die der Styphelia sapida am meisten geschätzt werden.

Zu den Erikazeen gehören auch die Rhododendren oder Alpenrosen. Wörtlich übersetzt heißt das griechische rhododéndron Rosenbaum, wegen der rosenroten Blüten. Im Altertume verstand man unter dieser Bezeichnung den ebenfalls rotblütigen Oleander (Nerium oleander). Öfter findet man in unseren Gärten die rostblätterige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), die Königin der Alpenpflanzen, angesiedelt. Als Schneerose ist sie schon viel besungen worden und dient den Älplern als beliebter Schmuck. Auch zieren damit die Bergwanderer ihre Hüte. Häufiger als sie werden ausländische Arten als Zierpflanzen in Gärten und Gewächshäusern kultiviert, so vor allem die aus den Bergen Kleinasiens zu uns gekommene pontische Alpenrose (Rh. ponticum) mit mattvioletten Blüten, die kaukasische Alpenrose (Rh. caucasicum) mit großen, blaßgelben Blüten aus dem Kaukasus, die goldblütige Alpenrose (Rh. chrysanthum) mit goldgelben Blüten aus Sibirien. Sehr zahlreiche baumartige Rhododendren wachsen an den Abhängen des Himalaja, so die baumartige Alpenrose (Rh. arboreum), die in Höhen von 1600–3300 m vorkommt und in ihrer Heimat, von Kaschmir bis Nepal, 6–9 m hoch wird. Sie hat große, dunkelrote Blüten, wird aber in verschiedenen Abänderungen in den Gärten gezogen. Die Unterfläche der Blätter dieser Art ist mit einer süßen, zuckerartigen Masse überzogen, die bisweilen in durchsichtigen Tropfen hinabhängt und von den Gebirgsbewohnern Indiens gegessen wird. Die eigentliche Alpenrose des Himalaja ist aber Rh. dalhousianum (der Lady Dalhouse zu Ehren benannt), die wohlriechende, weiße oder rosafarbene Blüten von 13 cm Umfang mit dem feinsten Aroma erzeugt, welche ohne Unterbrechung 2–3 Monate aufeinander folgen. Sie findet sich im Sikkim-Himalaja in einer Höhe von 1600–2600 m, während Rh. nivale daselbst nur an der Grenze des ewigen Schnees gedeiht. Aus Nordamerika stammen Rhododendron maximum, die der pontischen gleicht, aber höher wird, mit zart fleischroten bis fast weißen, innen gelb und grün gefleckten Blüten und Rh. catawbiense mit dunkelroten Blüten. Alle diese Arten wurden untereinander gekreuzt und haben sehr viele Blendlinge geliefert, die teilweise wundervolle Blüten aufweisen und den Stolz unserer Gewächshäuser bilden.

Ähnlich verhält es sich mit den den Rhododendren verwandten Azaleen, so genannt nach dem griechischen azaléos trocken, dürr, weil sie meist an dürren Orten wachsen. Auch sie sind wie jene sämtlich Hochgebirgspflanzen, die in zahlreichen Spielarten und Kreuzungsprodukten mit den Rhododendren einen wichtigen Teil unseres Frühlingsflors ausmachen. Die 40 Arten derselben wachsen in Nordamerika, Ostasien und eine einzige im Kaukasus. Die prachtvollsten Sorten kamen ums Jahr 1800 aus China zu uns, unter welchen Azalea indica mit roten Blüten, die dort seit alter Zeit als beliebte Zierpflanze kultiviert wird, die Stammmutter der meisten Spielarten ist und in zahlreichen Varietäten und Blendlingen in unsern Kalthäusern kultiviert wird. Sie ist wahrscheinlich auf vier Arten zurückzuführen und wird in bezug auf Blütenreichtum, Glanz und Farbenpracht der Blumen von keiner anderen Pflanzengattung übertroffen. Alle von der indischen Art abstammenden Azaleen haben meist 10 Staubgefäße und bleibende Blätter, weshalb sie auch zur Familie der Rhododendren gezählt werden. Alle übrigen, die pontischen, japanischen und amerikanischen Arten haben nur 5 Staubgefäße und abfallende Blätter. Die ersteren erfrieren bei uns im Freien, können also nur in Kalthäusern gezogen werden, während letztere unsere Winter im allgemeinen ertragen und mit nur leichtem Schutz im Freien ausdauern. Am frühesten, nämlich schon seit 1793, wurde bei uns die in den Gebirgen des nördlichen Kleinasien heimische pontische Azalee (A. pontica) eingeführt. Es ist dies ein 1–2 m hoher Strauch mit großen, goldgelben, wohlriechenden Blüten. Der Nektar ihrer Blüten ist sehr stark narkotisch, so daß der von ihm gesammelte Honig betäubt und selbst Raserei zur Folge hat, wie schon die zehntausend Griechen, die unter Xenophons Führung im Jahre 400 v. Chr. den berühmten Rückzug aus Mesopotamien über das armenische Hochland nach Trapezunt am Schwarzen Meere machten, an sich erfuhren. Außer ihr werden bei uns im Freien meist die amerikanischen Arten: Azalea punicea, mucronata, amoena, calendulacea, arborescens und viscosa, wie auch deren Kreuzungsprodukte gezogen.

Ein anderer, wegen seiner wundervollen Blüten bei uns als Topfpflanze, aber schon in wärmeren Lagen Norditaliens und Südfrankreichs im Freien gezogener Zierstrauch, der aus Ostasien zu uns kam, ist die Camellie oder japanische Rose. Diese mit den Teegewächsen die Familie der Ternströmiazeen (nach dem Schweden C. Ternström, der China durchforschen wollte, aber 1745 vor Erreichung dieses Zieles starb, so genannt) bildende Pflanze erhielt nach dem Abbé Berlese in Paris, dem Verfasser einer Monographie der Camellien, ihren Namen von Karl von Linné nach dem Jesuiten Georg Josef Kamell (Camellius), der als gelernter Apotheker in Manilla auf den Philippinen 1639 allerlei Pflanzen, die medizinisch von Wichtigkeit sein könnten, sammelte. Die Camellien sind dem Teestrauche ähnliche Sträucher im Himalaja, in Cochinchina, China und Japan. Die prächtigste Art ist die Camellia (oder Thea) japonica, ein 12–15 m hoher Strauch mit lederartigen, immergrünen Blättern und reichlich erscheinenden, endständigen, stiellosen, großen, roten Blüten, die sich leicht füllen. Sie wird in Japan in Hecken und in China als Zierpflanze angebaut. Aus ihren braunen Samen wird dort ein dem Olivenöl ähnliches Öl gepreßt, das als Heilmittel und zum Hausgebrauch benutzt wird. Sie wurde 1739 von Lord Petre von Japan nach England gebracht und hier mit der erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts in Europa eingeführten chinesischen Art vielfach gekreuzt. Man zieht heute von ihr mehrere hundert prachtvolle Varietäten mit roten, rosenroten, weißen und weißgestreiften, gesprenkelten oder gefleckten Blüten. Sie blühen bei uns in Gewächshäusern von Februar bis April, doch bringt man viele Sorten durch künstliches Antreiben schon im Oktober und November zur Blüte. Bei sorgfältiger Pflege gedeiht sie auch im Zimmer, erträgt aber sehr schlecht einen Wechsel des Standortes, da in solchem Falle die Blüten regelmäßig abfallen. Die in China und Japan einheimische, in letzterem Lande sasankua genannte kleinere, zartere Verwandte, Camellia sasankua mit stumpferen, weicheren Blättern und kleineren Blüten, wird in ihrer Heimat häufig kultiviert. Nicht nur werden ihre wohlriechenden, weißen Blüten vielfach dem chinesischen Tee beigemengt, um ihn zu parfümieren, sondern auch die getrockneten Blätter unter die Teeblätter gemischt, desgleichen für sich allein als Tee benutzt. Mit einer Abkochung derselben waschen die Japanerinnen ihr Haar, und aus den Samen gewinnt man ein geschätztes, wohlriechendes Öl. In Nepal wird Camellia kissi mit stark wohlriechenden Blüten ebenfalls als Teesurrogat verwendet und liefert aus den Samen ein gutes Öl. Nach den japanischen Camellien gelangte dann auch aus China die reichblühende Camellia reticulata mit breiten Blättern und großen Blüten zu uns und lieferte durch Kreuzung mit jenen zahlreiche Blendlinge mit schönen, bunten Blüten.

Unter den Nachtschattengewächsen sind einige Stechapfelarten als Zierpflanzen von Bedeutung, so die Datura metel mit nachts sich öffnenden zarten, weißen, fast wie Lilien riechenden Blüten. Sie wächst im Mittelmeergebiet, in Afrika und Südasien und wird in Indien, Persien und Arabien zur Bereitung von Berauschungsmitteln mit Haschisch, Opium und Gewürzen verwendet. Datura fastuosa (d. h. die schöne, stolze) mit großen, weißen, bisweilen außen violetten, auch gefüllten, wohlriechenden Blüten in Ost- und Südasien, dem malaiischen Archipel und dem tropischen Afrika wird in Indien und China wie der Stechapfel bei uns benutzt und als Zierpflanze kultiviert. Sie wird auch bei uns in Töpfen gezogen, muß aber frostfrei überwintert werden. Gleicherweise ist dies mit Datura suaveolens (d. h. der angenehm riechenden) und der 3–4 m hohen D. arborea (d. h. der baumartigen) der Fall, die beide in Chile und Peru heimisch sind und große, hängende, weiße, besonders gegen Abend wohlriechende Blüten besitzen. Ebensolche hängende, große, aber statt weiße von der Basis bis zur Mitte gelbe, in der oberen Hälfte jedoch mattrote, mit blutroten Streifen durchzogene Blüten weist die ebenfalls strauch- oder baumartige D. sanguinea in Peru auf. Aus deren Blüten bereiteten sich die Peruaner, wie wir bereits erfuhren, einen berauschenden Trank, den einst die Priester des Sonnentempels in Sagamossa, dem peruanischen Orakelsitze, tranken, um sich mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu setzen. Deshalb wird die Pflanze heute noch von den Peruanern yerba de huaca, d. h. Gräberpflanze, genannt. Von Nachtschattengewächsen werden auch manche Arten des Tabaks als Zierpflanzen kultiviert, so Nicotiana tabacum var. purpurea latissima und die 3 m hoch werdende N. glauca aus Mexiko, ferner N. longiflora und affinis, letztere mit großen, wohlriechenden Blüten, beide aus Chile, die gewaltige N. tomentosa aus Peru und die N. wigandioides mit 1 m langen und 60 cm breiten Blättern aus Venezuela.

Ebenfalls südamerikanischer Herkunft sind die bei uns als Gartenzierpflanzen so beliebten Fuchsien, die nach dem von Karl V. geadelten Schwaben Leonhard Fuchs (1501–1565) so genannt wurden. Dieser war zuerst Schullehrer in seinem Geburtsorte Wemding in Schwaben, erwarb sich dann als Arzt und Botaniker großen Ruf und starb als Professor der Medizin in Tübingen. Neben Otto Brunsfeld und Hieronymus Bock (genannt Tragus) war er der Begründer der vaterländischen Pflanzenkunde und gab die damals besten Pflanzenabbildungen heraus. Sein in Basel gedrucktes New Kreuterbuch besaß einst großes Ansehen, so daß es noch 1643 neu aufgelegt wurde. Die Fuchsien sind Sträucher oder kleine Bäume mit vorherrschend roten Blüten mit gefärbtem Kelch, vier Blumenblättern und kleinen, fleischigen, vielsamigen, dunklen Beeren. Über 60 Arten derselben finden sich in den Gebirgen von Mexiko bis zum Süden von Chile in Höhen von 1000–3000 m, wenige auf den Antillen, in Guiana und Brasilien, auch in Neuseeland. Der französische Botaniker Charles Plumier beschrieb 1703 die erste Fuchsia, die als F. coccinea 1788 in die europäischen Gärten eingeführt wurde. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sind mehrere Arten in Kultur, und gegenwärtig zählt man mehr als 800 Hybriden und Spielarten derselben. Die hauptsächlichsten Stammeltern der jetzigen Fuchsien sind außer F. coccinea mit dünnen, purpurrötlichen Ästen, kleinen Blüten mit scharlachrotem Kelch, violettblauer Blumenkrone und lang hervorragenden Staubfäden F. fulgens mit mennigroten, F. globosa mit prächtigen, scharlachroten und F. gracilis mit kleineren, aber sehr zahlreichen, karminroten Blüten — alle drei aus Mexiko — und F. corymbiflora aus Peru mit 13 cm langen Blüten mit karminrotem Kelch und scharlachroter Blumenkrone. Lange Zeit war die Größe der Blume die geschätzteste Eigenschaft dieser beinahe prächtigsten Blütenpflanzen der Gewächshäuser, dann kamen die Sorten mit weißlicher Kelchröhre und gefärbter Blumenkrone, später gestreiftblumige Sorten, darauf gefüllte und fast gleichzeitig Fuchsien mit sehr dunkler Blumenkrone und zurückgeschlagenen Kelchblättern, endlich die Sorten mit roten Kelchen und weißer Blumenkrone auf. Bemerkenswert sind noch F. serratifolia aus Peru mit dunkelroten Ästen und roten Blüten, die in unserem Winter — dem Sommer ihrer Heimat — erscheinen, und F. microphylla aus Mexiko mit sehr kleinen Blättern und Blüten. Die Beeren mehrerer Arten werden in Südamerika, mit Zucker eingemacht, gegessen, von andern dient das Holz zum Schwarzfärben. Die Fuchsien wachsen leicht und willig, blühen sehr reichlich und gedeihen am besten, wenn man sie an einem luftigen, kühlen, nur eben frostfreien, wenn möglich etwas hellen Raum bei spärlichster Bewässerung überwintert.

Nahe verwandt mit den Fuchsien sind die Weidenröschen (Epilobium), deren großblütige Formen als Zierpflanzen in den Gärten gezogen werden, wie auch die bis 1 m hohe gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis), deren schwefelgelbe Blüten sich abends öffnen und am folgenden Morgen welken. Sie wächst bei uns auch wild auf feuchtem Sandboden an Flußufern, stammt aus Virginien in Nordamerika und soll sich seit 1614 von Padua aus über Europa als Zierpflanze verbreitet haben. Durch große, wohlriechende, gelbe, abends zwischen 7 und 8 Uhr sich erschließende Blüten ist Oenothera grandiflora ausgezeichnet, die wie die vorige auch kultiviert wird, um deren rötliche, in der Farbe Schinken ähnliche Wurzeln in Scheiben geschnitten im Winter wie Sellerie als Salat oder auch mit Fleischbrühe als Gemüse zu essen.

Wie in Peru und Chile die leuchtend rotgelben Amaryllideen, sind dort auch die meist violett getüpfelten Gauklerblumen (Mimulus), von denen bereits die Rede war, zu Hause. Von dort stammen auch die Pantoffelblumen (Calceolaria), deren prächtig gelbe oder orangefarbene Blütenbüschel die Felsabhänge an den Füßen der Kordilleren schmücken. Sie gehören mit dem Fingerhut in die Familie der Scrophulariazeen und weisen 134 Arten vorzugsweise auf den Anden Südamerikas, in Peru und Chile, einzelne bis Mexiko und zwei in Neuseeland auf. In Chile speziell sind sie in fast 70 Arten bekannt und haben sich den verschiedenartigsten Lebensverhältnissen in Gebirg und Ebene angepaßt. O. Bürger schreibt über sie: „Die weithin leuchtenden großen, vollen Blütenbüschel der in Peru und Chile beheimateten Pantoffelblumen (Calceolaria) tragen wie wenig andere Pflanzen zum Schmuck der chilenischen Landschaft bei: am Rande der Bäche, an den Felsen und Hängen, welche die Wege begleiten, auf den heißen Steinhalden oder auch zwischen dem trockenen Geröll der Flußläufe, wo kaum ein Halm sprießt, haben sie Wurzel gefaßt. Und es ist ein farbenfreudiges Geschlecht. Freilich in der großen Mehrzahl bevorzugen sie Gelb oder Orange, aber andere glänzen mit purpurnen und noch andere mit weißen Pantöffelchen, wie aus Atlas. Bei den Eingeborenen sind sie sehr beliebt und sie sammeln große Sträuße der topatopa oder capachito, wie sie in ihrer Sprache heißen, um das Zimmer damit zu schmücken. Leider verwelken sie aber sehr rasch.“

Ebenfalls im tropischen Amerika heimisch sind die Gloxinien, deren wundervolle, farbenprächtige Blüten die Zierde unserer Gewächshäuser bilden. Diese Gattung aus der Familie der Gesnerazeen hat ihren Namen nach dem Straßburger Botaniker P. B. Gloxin, der 1785 botanische Beobachtungen veröffentlichte, und besteht aus ausdauernden Kräutern mit knollenartigem Wurzelstock, saftigem Stengel, gegenständigen, einfachen Blättern, einzeln oder gebüschelt stehenden, großen, langgestielten, glockenförmigen Blüten mit ausgebreitetem, ungleich fünflappigem Saum. Die sechs Arten sind von Mexiko bis Brasilien und Peru zu Hause. Von ihnen werden vorzugsweise die Gloxinia speciosa von Brasilien und Hybriden von dieser und Gloxinia maculata mit aufrechten, horizontalen oder hängenden, vielfach im Innern getüpfelten blauen, roten oder weißen Blüten aus Brasilien kultiviert. Diese prachtvollsten aller Florblumen gedeihen aber auch gut im Zimmer. Zum Winter ziehen sie ein und die Knollen können trocken aufbewahrt werden. Jedes Blatt entwickelt an dem der Quere nach abgeschnittenen Blattstiel, aber auch, wenn man es auf Erde befestigt, an allen durchschnittenen Blattnerven Knöllchen, so daß man von einem großen Blatt deren fünfzig erzeugen kann. Übrigens werden unter dem Namen Gloxinien auch zahlreiche Formen und Farbenspielarten der brasilischen Sinningia speciosa, auch Kreuzungen derselben mit den eigentlichen Gloxinien, bei uns kultiviert.

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