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Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

V. Die Fruchtbäume. Zweiter Teil. (continued 2)

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Eine andere, in Treibhäusern nicht selten angetroffene Art ist der auf Madagaskar heimische „Baum der Reisenden“ (Ravenala madagascariensis), der auf einem ebenfalls bis 10 m hohen, blattlosen Stamm einen Schopf großer, zweizeilig gestellter, im Gegensatz zu den eigentlichen Bananen gestielter Blätter trägt. Seinen Namen hat er daher, daß die Reisenden auf jener großen, Afrika benachbarten Insel die Blattstiele mit ihren hohlen Wanderstöcken anstechen, um das herausfließende schmackhafte Wasser zu trinken.

Wahrscheinlich auf der Halbinsel Malakka heimisch und von da im gesamten tropischen Asien und auf der malaiischen Inselwelt kultiviert, ist als eine der köstlichsten Tropenfrüchte die Mangostane (Garcinia mangostana) zu erwähnen. Sie wächst an einem 20–25 m hohen Baume mit dicken, dunkelgrünen Blättern und ist eine fast kugelige Frucht von 5–7 cm Durchmesser, welche innerhalb einer dicken, weinroten Schale ein schneeweißes, weiches, sehr süßes und aromatisches Fruchtfleisch enthält, in welchem die Samen eingebettet sind. Das Fleisch ist als Mantel des Samens zu deuten.

Angenehm säuerliche Früchte von etwa 1 kg Gewicht, deren Saft sowohl zur Würze an Speisen getan, als auch zu kühlenden Getränken benutzt wird, besitzt die nahe Verwandte der Mangostane, Garcinia pedunculata, ein gegen 20 m hoher Baum in Bengalen. Die getrockneten Früchte pflegt man mit Vorliebe auf Seereisen mitzunehmen.

In Hinterindien, Südchina und dem malaiischen Archipel heimisch sind die Jambosen oder Rosenäpfel, auch Malaienäpfel genannt, die auf 6–12 m hohen, immergrünen Bäumen aus der Familie der Myrtengewächse wachsen. Jambosa malaccensis trägt apfelgroße runde, rote, Jambosa vulgaris dagegen, die noch auf den ostindischen Inseln wildwachsend angetroffen wird, blaßgelbe, rosenrot angehauchte birnförmige, rosenartig riechende Beerenfrüchte von der Konsistenz des Apfels, die in einer weiten Höhle einen olivengroßen Kern bergen. Beide werden ihres Wohlgeschmacks wegen in allen Tropengegenden, besonders den Sandwich- und Fidschiinseln, neuerdings auch in Brasilien, auf den Antillen und auf Madeira kultiviert. Ihre in Zucker eingemachten, weinsäuerlich riechenden Blüten werden bei fieberhaften Krankheiten verabreicht.

Ähnliche birnförmige, wohlschmeckende Früchte wie letztgenannte Art liefert die ebenfalls in Südindien heimische Jambosa macapa, die auch anderwärts, so besonders auf Mauritius, in mehreren Abarten kultiviert wird. Dasselbe ist mit der in Südchina zur Kulturpflanze erhobenen Jambolifera pedunculata der Fall, deren schwarze, süße Früchte einen nicht unwichtigen Handelsartikel bilden.

In Südasien, besonders Indonesien, werden ebenfalls häufig Sandoricum indicum wegen ihrer kleinen, orangeähnlichen Früchte und Dillenia serrata und D. elliptica wegen ihrer über apfelgroßen, sauersüßen, schleimigen Früchte, wie auch Erioglossum edule und Lansium domesticum wegen ihrer Steinfrüchte angebaut. Besonders angenehm schmeckt auch der große Molukkenapfel (von Xanthochrymus dulcis und X. pictorius).

Ebenfalls in Südasien heimisch und von da über die ganze Tropenwelt verbreitet ist der 10–15 m hohe Mangobaum (Mangifera indica) mit lederartigen, länglichen, ganzrandigen Blättern und wohlriechenden, kleinen, weißen Blüten, deren nierenförmige, außen grüne bis gelbe, in einem rötlichgelben, saftreichen, sauersüßen Fruchtfleisch einen einzigen großen harten Samen umschließenden, ei- bis faustgroßen Früchte, die Mangos, von vielen Europäern als die edelste der Tropenfrüchte erklärt werden. Manche Kulturformen liefern noch größere Früchte, die bis 1 kg schwer werden. Sie schmecken sehr süß, aromatisch und durch ihren Gehalt an Zitronensäure erfrischend säuerlich. Allen Sorten ist aber ein mehr oder weniger ausgesprochener Geschmack nach Terpentin eigen, welcher manchem den Genuß verleidet. Damit sich dieser verliere legt man die geschälte Frucht einige Zeit in Wasser. Auch die Samen werden geröstet gegessen und schmecken dann wie Kastanien. Der Mangobaum, der in Südindien und Ceylon noch wild gefunden wird, aber als solcher nur kleine Früchte zeitigt, ist heute in vielen Varietäten über die ganze Tropenwelt verbreitet und wird in einer besonders wohlschmeckenden Sorte auch in Brasilien kultiviert.

In Südasien heimisch, aber ebenfalls im ganzen Tropengürtel vielfach kultiviert, ist der indische Mandelbaum (Terminalia catappa), ein großer Baum mit mächtiger Laubentwicklung mit abwechselnd gestellten, gegen das Ende der Zweige zusammengehäuften, ganzrandigen, gestielten Blättern, welche am Anfange der Trockenzeit schön rot werden, später aber abfallen. Aus den in ährenartigen Infloreszenzen stehenden kleinen, sitzenden Blüten entwickeln sich außen etwas fleischige, in der Mitte zusammengedrückte Steinfrüchte, die in dem sehr harten Stein einen wie Mandeln schmeckenden, länglich eirunden Samen einschließen, der eine beliebte Speise bildet.

Tafel 33.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Ostindischer Mangobaum (Mangifera indica) in Rio de Janeiro. (Nach einer in der Sammlung des botan. Instituts der Universität Wien befindlichen Photogr. von M. Ferrez.)

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 34.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Ein junger Brotfruchtbaum in Westafrika. (Artocarpus incisa.)

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

(Copyright by F. O. Koch.)

Junge Früchte des Tschakfruchtbaumes (Artocarpus integrifolia).

Tafel 35.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Ein Zweig des Brotfruchtbaumes mit jungen Früchten aus Ceylon. (Artocarpus incisa.)

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 36.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Während der sommerlichen Trockenzeit entblätterte Baobab oder Affenbrotfruchtbäume in der Steppe am unteren Kongo (nach Chun).

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Malaienwohnung auf Sumatra mit Melonenbaum.

Ebenso geschätzt ist der gleichfalls über die gesamten Tropen verbreitete, wahrscheinlich in Ostindien heimische Gombo oder Ochro (Hibiscus esculentus), eine baumartige Malvacee, deren wohlschmeckende junge Früchte, besonders gekocht, sehr beliebt sind. Ähnlich verhält es sich mit dem sehr nahe damit verwandten Moschushibiscus (Hibiscus moschatus), der ebenfalls in den heißesten Gebieten Ostindiens heimisch ist und von da aus die weiteste Verbreitung fand. Seine Samen besitzen einen zarten Bisamgeruch, der sie auch für die Parfümerie Verwendung finden ließ.

Einen, als die Europäer erschienen, in ganz Indonesien von Sumatra bis zu den Markesasinseln angebauten Fruchtbaum stellt der Brotfruchtbaum (Artocarpus incisa) dar, der zu den Maulbeergewächsen gehört. Es ist dies ein 13–17 m hoher, einen zähen, fadenziehenden Milchsaft führender, einhäusiger Baum, mit 33–50 cm dickem Stamm und bis 1 m langen, oft 50 cm breiten, derben, tiefeingeschnittenen Blättern. Diese sind an den Schößlingen oft ganzrandig, an den Sprossen und stärkeren Zweigen dagegen nur zwei- bis dreilappig, während sie sonst bis neun Lappen aufweisen. Sie sind oben dunkelgrün, von gelblichen Nerven durchzogen, fast ganz glatt, unten rauh, bleicher gefärbt und mit hervortretenden Rippen. Beim Welken durchlaufen sie die ganze Farbenreihe zwischen dunklem Grün und brennendem Rot. Das eine Ende ist oft noch samtgrün, während die Mitte goldgelb leuchtet und das andere Ende purpurn oder scharlachrot strahlt. Die männlichen Blütenstände sind kätzchenartig gestellt und entspringen von den jungen Zweigen, während die weiblichen eirund sind und aus den älteren Zweigen hervorgehen. Die Frucht ist eine über kopfgroße, bis 2 kg schwere Scheinfrucht mit einem saftigen, nahrhaften Fleisch, in der als Zeichen sehr langer Kultur meist keine Samen mehr zur Ausbildung gelangen. In Scheiben geschnitten und mit oder ohne Fett gebacken, schmecken sie wie die besten Kartoffeln. Auch die Samen, falls welche vorhanden sind, ißt man in heißer Asche geröstet wie Kastanien. Man zieht aber diejenigen Kulturvarietäten, die keine Samen mehr erzeugen, den anderen vor, weil ihre Fruchtstände saftiger sind und einen höheren Nährwert besitzen. Die Südseeinsulaner ernähren sich zum größten Teile von den Früchten dieser Pflanze, von der zwei bis drei Bäume für den ganzen Unterhalt eines Menschen genügen sollen. Die Heimat des Brotfruchtbaums scheint in Java und den Sundainseln zu liegen, wo der deutsche Naturforscher in holländischen Diensten Rumphius (1627–1702) eine anscheinend wilde Form desselben angetroffen haben soll.

Der Brotfruchtbaum wird nur auf ungeschlechtlichem Wege durch Schößlinge künstlich vermehrt. Er gedeiht im geeigneten Klima in jedem Boden, selbst in solchem, der zu keiner anderen Kultur benutzt werden kann. Der Baum bleibt 60 bis 70 Jahre lang tragbar; dabei währt die Ernte 9 Monate lang, nämlich von November bis Juli, und ist so außerordentlich ausgiebig, daß, wie der Weltumsegler James Cook (1728–1779) sich ausspricht, „einer, der in seinem Leben 10 Brotfruchtbäume gepflanzt hat, seine Pflicht gegen sein eigenes und sein nachfolgendes Geschlecht ebenso vollständig und reichlich erfüllt hat, als ein Einwohner unseres rauhen Himmelstrichs, der sein ganzes Leben hindurch während der Kälte des Winters gepflügt, in der Sommerhitze geerntet und nicht nur seine jetzige Haushaltung mit Brot versorgt, sondern auch seinen Kindern etwas an barem Geld kümmerlich erspart hat.“ Das roh nicht eßbare, mehlige Fleisch der halbreifen, grünen Früchte wird geröstet, zu Brot verbacken und als Mus gegessen. Das Backen geschieht in heißer Asche oder auf heißen Steinen, seltener in Öfen. Dabei wird das Innere der Früchte beim Braten weiß und weich wie Brotkrume, muß indessen gleich gegessen werden, da es nach 24 Stunden musig und fad wird. Nur in Scheiben geschnitten und getrocknet hält sich die Frucht zwei Jahre, kann so den Schiffszwieback ersetzen und wird auch von den Spaniern als solcher gebraucht. Die Schiffsmannschaften ziehen diese Nahrung dem Brote vor. Auf den Südseeinseln benutzt man die unreife Brotfrucht auch zur Herstellung eines sehr schmackhaften Muses, indem man sie nur wenig röstet, dann von der Schale befreit, das Fruchtfleisch in kaltes Wasser bringt und darauf zu Brei quirlt. Eine sehr schmackhafte Speise bereitet man ferner aus der geöffneten unreifen Brotfrucht, indem man ihr die Rinde und das Kernhaus nimmt und sie in einem Mörser tüchtig stampft. Dann gießt man darauf die aus dem saftigen Kern einer reifen Kokosnuß durch Versieben entstandene dicke Milch, die man durch kleine, aus feinen Kokosfasern geflochtene Beutel preßt. Von den Europäern wird die unreife Brotfrucht meist in dünne Scheiben geschnitten, in Butter oder sonstigem Fett gebacken gegessen, was eine sehr feine Speise gibt, die, wie mir eine Jugenderinnerung sagt, in bezug auf den Geschmack an knusperig gebratene Kartoffeln erinnert.

Ist die Mehrzahl der Brotfrüchte reif geworden, so findet die Haupternte statt. Die reifen Früchte sind goldgelb, weich, inwendig breiig, von widerlich süßem Geruch und Geschmack. Dieser Brei gilt als ungesund und wird kaum gegessen. Dagegen verwendet man die feste Rinde und das Kerngehäuse der geernteten Früchte, indem man sie in Holzmörsern zu einer teigigen Masse zusammenstampft, die man in mahe genannten Laiben, sorgfältig in Blätter und Bast gehüllt, jahrelang an einem kühlen Orte aufbewahren kann, wobei sie durch längeres Lagern noch an Güte gewinnen. Die Südseeinsulaner backen daraus nach Bedarf, nachdem sie den Teig haben gären lassen, Kuchen von bernsteingelber Farbe und etwas herbem, aber durchaus nicht unangenehmem Geschmack, der feinem Weizenbrot oder — nach Anson — gebratenen Kartoffeln ähnlich sein soll. Mit dem Saft von Orangen getränkt, soll das Brot süß wie Apfelkuchen schmecken. Auch kann man den Brotfruchtteig wie Pudding zubereiten. Von dieser aufbewahrten Brotmasse nähren sich die Insulaner von August bis Oktober, während welcher Zeit der Brotfruchtbaum keine Früchte trägt.

Außer den Früchten liefert der Brotfruchtbaum noch andere nützliche Produkte, so die Rinde zum Gerben und Färben, den Bast junger Zweige zur Herstellung von tapa oder Rindenstoff, den Milchsaft zur Herstellung von Vogelleim und Kitt; ein durch Einschnitte in den Stamm gewonnenes Harz (das dammar selo der Malaien) kommt wie Kopallack zur Herstellung von Firnis in den Handel. Das gelbe Holz benutzt man zum Häuserbau, zur Gewinnung von Booten und Holzgeräten. Die Blätter verwendet man wie starkes Papier zum Einwickeln von Gegenständen und Aufbewahren von Lebensmitteln. Die halbverwelkten, bunten Blätter werden von den Eingeborenen an der Mittelrippe aufgeschlitzt und als Kopfbedeckung benutzt; sonst dienen sie auch als Tischtücher, Teller und Servietten. Im tropischen Amerika wird der echte Brotfruchtbaum wegen seiner schönen Belaubung mehr als Alleebaum, denn als Fruchtbaum gepflanzt.

Der erste Bericht vom Brotfruchtbaum datiert aus dem Jahre 1697 von dem englischen Seefahrer William Dampier (1652–1715), der ihn in Menge auf den Marianen oder Ladronen, d. h. Diebesinseln — jetzt bekanntlich deutsche Kolonie — angepflanzt fand. Genauere Nachrichten über diesen so nützlichen Fruchtbaum verdanken wir dem Reiseberichte des deutschen Naturforschers Joh. Reinhold Forster (1729 bis 1798), der mit seinem Vater den Kapitän James Cook auf seiner zweiten Reise um die Welt von 1772 bis 1775 begleitete und später bis zu seinem Tode als Botanikprofessor in Halle tätig war. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts brachte Sonnerat den Brotfruchtbaum nach der Insel Mauritius. Später wollte König Georg III., der 22jährig 1760 auf den englischen Thron gelangte, den er bis zu seinem Tode 1820 behauptete, auf Wunsch der englischen Kolonisten in Amerika ihn in Westindien einführen. In seinem Auftrage gelang es nun dem englischen Kapitän Bligh (sprich Blei) 774 junge Brotfruchtbäume einzuschiffen; allein die Expedition wurde durch eine Meuterei der Mannschaft vereitelt. Erst die zweite Expedition war von Erfolg begleitet. Von 1150 jungen Brotfruchtpflanzen überstand ein großer Teil die Reise. 550 derselben wurden im Januar 1793 in St. Vincent gelandet, die übrigen — außer fünf für den Garten von Kew bei London bestimmten — kamen nach Jamaika. Die Hoffnung, durch die Brotfruchtbäume ein neues Nahrungsmittel für die Sklaven in Amerika zu erhalten, verwirklichte sich aber nur sehr unvollständig; denn jene zogen der Brotfrucht die besser schmeckende Banane vor, die roh zu genießen ist, sich ebenso leicht anpflanzen läßt und eher Früchte trägt. Auch dem Südseeinsulaner ist es nicht angenehm, daß er die Brotfrucht erst noch zubereiten muß, ehe er sie essen kann. „Daher träumt er sich“ — sagt Forster — „auch in seinem Paradiese eine Brotfrucht, die keiner Zubereitung bedarf und frisch vom Baume weg gegessen werden kann.“ Bei der Geburt eines Kindes pflanzt er einen Brotfruchtbaum, der für das Kind allein bestimmt ist.

Auf dem indischen Festland, auf welches die Brotfrucht schon sehr früh verpflanzt wurde, ist außer dem weichhaarigen Brotfruchtbaum (Artocarpus pubescens) mit ebenfalls eßbaren Früchten, die noch weit größere und äußerst wohlschmeckende Früchte reifen lassende Verwandte, der nach der indischen Bezeichnung tschaka für die Frucht als Tschakfruchtbaum (Artocarpus integrifolia) zu Hause. Seine großen Blätter sind ganzrandig und die bis 40 kg schweren Tschakfrüchte von ebenfalls grüner Farbe besitzen innen ein außerordentlich aromatisch schmeckendes, gelbes Fruchtfleisch, das Menschen und Tiere mit Leidenschaft essen. Besonders die Rinder riechen die Früchte von weitem und eilen herbei, um sich der von ihnen so geliebten Speise zu bemächtigen; doch gönnt ihnen der Mensch gewöhnlich nur die Schale. Der schon sehr lange domestizierte, in ganz Südindien, Ceylon und Indonesien anzutreffende Baum scheint seine eigentliche Heimat an der Malabarküste zu haben, wo er manchenorts noch wildwachsend angetroffen wird. Im Jahre 1782 wurde er nach Jamaika, bald hernach nach Brasilien und an die verschiedensten Orte der Tropen verpflanzt, wo er überall wegen seiner aromatischen Früchte geschätzt wird.

Vielleicht noch mehr als sie geschätzt, sowohl von den Europäern als auch ganz besonders von den Eingeborenen, wird die im malaiischen Archipel und auf der Halbinsel Malakka heimische, jetzt aber auch vielfach in ganz Süd- und Südostasien kultivierte Durianfrucht. Auch sie wird über kopfgroß, ist mit derben, kegelförmigen Stacheln besetzt und wird so schwer, daß der Aufenthalt unter dem hochwipfligen Baum zur Zeit der Fruchtreife geradezu lebensgefährlich ist. Teils deswegen, teils auch weil den reifen Früchten von den gefräßigen Flughunden als Lieblingsnahrung sehr nachgestellt wird, nimmt man sie meist vor der vollsten Reife ab. Der Geschmack des weichen inneren Fleisches der fünfklappigen Kapsel ist der einer stark mit Fruchtäther gewürzten süßen Eierkreme, die geradezu berückend wirkt. Dabei hat sie aber leider einen Beigeschmack und vor allem einen Duft, der zwischen faulen Eiern und sehr stark riechenden Zwiebeln schwankt. Deshalb können sich viele Europäer nicht dazu entschließen, sie auch nur zu versuchen. Jedenfalls ist der Genuß des Durians wegen des unangenehmen Geruchs in guter Gesellschaft verpönt und es darf demselben in den Hotels, wie auch in den Geschäftsräumen der Kaufleute nur in einem besonderen Raume nachgegangen werden. Der die Durianfrüchte liefernde Baum (Durio zibethinus) gehört zu den Malvengewächsen und stellt einen hohen Baum mit länglichen, ganzrandigen, lederigen Blättern dar. Sein Hauptverbreitungsgebiet ist das südliche Asien mit Einschluß von Indonesien.

Mit dem Durian verwandt ist der durch seine massige Größe, besonders des Stammes, der bis zu 10 m Durchmesser erreicht, ausgezeichnete, in den Steppen Mittelafrikas häufig vorkommende Affenbrotbaum (Adansonia digitata). Seine sehr großen, einen Umfang von 60 cm erreichenden weißen Blüten werden durch die den Kolibris ähnlichen Nektarinen oder Honigvögel im Fluge bestäubt, die emsig die Blumen besuchen, um den von ihnen gespendeten Honig zu naschen und die sich daran gütlich tuenden kleinen Insekten zu haschen. Die Früchte sind oben dicke und unten dünnere gurkenartige Körper, von oft mehr als 40 cm Länge und 10 cm Dicke, die unter der hellen Schale, in einem säuerlichen Marke große, schwarze Samen enthalten. Beide sind eßbar und werden von den Negerstämmen verzehrt, die auch den Bast des Stammes seit uralter Zeit als wichtiges Bindematerial, namentlich auch zur Anfertigung von Stricken und dünnen Seilen, benutzen. In neuerer Zeit gelangt derselbe in größeren Mengen in den europäischen Handel und dient vielfach auch zur Herstellung eines dem alten Büttenpapiere ähnlichen Papieres.

Noch beliebter als das Mark seiner Früchte ist dasjenige einer australischen Art (Adansonia gregorii), welche der Sauregurkenbaum genannt wird. Da zur Zeit der völligen Fruchtreife in der Trockenzeit die Blätter der Affenbrotbäume abgefallen sind, so bieten sie mit ihren an sehr langen Stielen hängenden Früchten einen überaus merkwürdigen Anblick dar.

Ebenso große, gleichfalls mit einem säuerlichen Fruchtfleisch erfüllte, an 2–2,5 m langen Stielen herabhängende Früchte besitzt der im tropischen Westafrika bis zum Seengebiet verbreitete Leberwurst- oder Fetischbaum (Kigelia africana), dessen in langen Trauben herabhängende, sehr große, hellrötliche Blüten ebenfalls von den Honigvögeln besucht und befruchtet werden. Seine Früchte dienen außer zu Zauber mancherlei Art mit Vorliebe als Opfergaben an die als Fetische verehrten Seelen der Verstorbenen; daher der Name Fetischbaum. Östlich vom Seengebiet wird er nicht mehr im wilden Zustande aufgefunden. Hier vertritt ihn die verwandte Kigelia aethiopica.

An der feuchtheißen Westküste des tropischen Afrika, von Oberguinea (Sierra Leone) bis zur Kongomündung, wächst in den Küstenurwäldern und landeinwärts bis 360 km von der Küste der Kolabaum (Cola acuminata). Es ist dies ein 10–18 m hohes Gewächs mit glänzenden, lederartigen Blättern und getrenntgeschlechtigen, gelben Blüten, die in Rispen wie beim Kakao oft unmittelbar aus dem Stamm oder aus älteren Zweigen entstehen. Nach der Befruchtung bilden sich aus ihnen die aus 4–6 Kapseln bestehenden Früchte, die sternförmig um den Fruchtstiel angeordnet sind. Jede Kapsel enthält bis zu sechs fast kastaniengroße, etwa 30 g schwere rötlich-braune Samen. Letztere schmecken stark bitter, besitzen aber einen Gehalt von 2,4 Prozent Koffein und 0,023 Prozent Theobromin, wodurch sie anregend auf das Nervensystem und die Muskulatur bei Ermüdung wirken. Deshalb werden sie eifrig von den Negern gesammelt und gekaut, wie die Peruaner zu demselben Zwecke die Blätter der Kokapflanze kauen. Auf ihren langen, oft Monate dauernden Handelsreisen durch schwach bevölkerte Gebiete würden die Eingeborenen ohne den Genuß der Kolanüsse nicht auskommen, der ihnen für lange Zeit das Gefühl von Hunger und Durst unterdrückt und sie zugleich vor Ermüdung schützt.

Wegen dieser seiner hochgeschätzten Früchte wird der Kolabaum, wie auch ein Verwandter, Cola macrocarpa, seit langem von den Negern angepflanzt und werden seine Früchte, die Kola- oder Gurunüsse, als gesuchter Handelsartikel weithin durch ganz Zentral- und Nordafrika in Tausch gebracht. Denn außer den anregenden und die Müdigkeit beseitigenden Stoffen enthalten sie in beträchtlicher Menge auch wirkliche Nährstoffe, wie Eiweiß, Stärkemehl und Zucker. Den größten Kolahandel betreibt das Hinterland der Goldküste, vor allem die Landschaft Gondja. Von hier aus gelangen die Kolanüsse vor allem nach dem Sudan, jedoch selten oder gar nicht nach Europa. In Deutsch-Togo und Kamerun sind neuerdings auch von Europäern Kolapflanzungen angelegt worden und die Ausfuhr der Kolanüsse, die im Jahre 1907 in Kamerun schon einen Wert von 21000 Mark darstellte, dürfte in der Zukunft bedeutend steigen, da sie in der Heilkunde eine zunehmende Wichtigkeit erlangt haben. Man stellt daraus Kolapillen, Kolapastillen, Kolawein, dann Tinkturen, Extrakte und Liköre her, die bei Nervenschwäche und in der Rekonvaleszenz von Krankheit gute Dienste leisten, auch für Sportsleute bei anstrengenden Kraftleistungen unentbehrlich sind. Deshalb wird neuerdings die Einführung der Kolapräparate als Stärkungsmittel bei der Armee zur Erlangung höchster Marschleistungen versucht. Am besten wird die gemahlene Nuß dem Kakao beigemischt und mit Gewürzen aller Art und Zucker zu einer Kolaschokolade verarbeitet. Auf diese Weise bekommt man ein Anregungs- und Stärkungsmittel, das zugleich ein Nahrungsmittel ersten Ranges darstellt, da es unmöglich ist, in konzentrierterer Form als in ihr Nährstoffe auf engstem Raume darzubieten. Als Kaffee-Ersatz eignen sich die Kolanüsse trotz ihres hohen Koffeingehaltes, der sogar höher als selbst beim Kaffee ist, nicht, da beim Rösten derselben etwa die Hälfte des Koffeins verloren geht.

Durch Negersklaven ist der Kolabaum zu Anfang des vorigen Jahrhunderts auch nach Amerika verpflanzt worden. Dort wird er jetzt, besonders auf den Antillen, vielfach und mit gutem Erfolge auch von den Weißen angebaut. Der Baum liefert vom 8.–10. Jahre an volle Erträge, bestehend in etwa 4000 Nüssen jährlich. Auf dieser Höhe des Ertrages hält er sich bis zum 50. Jahre. Westindische Pflanzer sind der Ansicht, daß, wenn der Preis der Kolanüsse nur die Hälfte des Kaffeepreises erreichen würde, die Kolapflanzungen einträglicher als die Kaffeeplantagen wären.

Ein anderer großer Baum des tropischen Westafrika, die Intsia africana, liefert über 20 cm lange scharlachrote, bohnenartige Hülsen, deren fleischige Samenmäntel namentlich von den Eingeborenen gerne gegessen werden. Eine weitere baumartige Leguminose des tropischen Afrika, die heute in der gesamten Tropenwelt kultiviert wird und sich daselbst auch vielfach verwildert vorfindet, ist die Tamarinde (Tamarindus indica), die gleichfalls Hülsen, und zwar von 14 cm Länge, mit angenehm säuerlichem Fruchtfleisch entwickelt. Dieses letztere ist sehr erquickend und leicht verdaulich, wirkt aber schwach abführend und wird daher auch als Arzneimittel — meist in Form von Pastillen — verwendet. In Ostindien werden auch die übrigens wenig schmackhaften Samen besonders in Zeiten der Not geröstet oder gekocht gegessen.

Aus seiner engeren Heimat in Zentralafrika im Gebiet des oberen Nil gelangte der Tamarindenbaum schon sehr früh ins obere Niltal und wurde auch unter dem Namen nutem, was „Schotenbaum“ im allgemeinen bedeutet, von den alten Ägyptern kultiviert. Sein Fruchtmus wurde nach dem Papyrus Ebers bereits als Abführmittel verwendet. Eine größere Bedeutung erlangte er in Ostindien, wohin er in früher Vorzeit kam und als geschätzter Frucht- und Schattenspender willkommen geheißen wurde. Von dorther lernten die Araber seine Früchte kennen und gaben ihm den Namen, den er in Europa besitzt; denn die arabischen Ärzte machten das daraus hergestellte Fruchtmus als leichtes, angenehmes Abführmittel zuerst im Abendlande unter der Bezeichnung Tamarinde bekannt. Letzteres stammt aus dem Arabischen und ist aus tamr (hebräisch tamar) Dattelpalme und hindi indisch entstanden, bedeutet also indische Dattel, offenbar infolge der Ähnlichkeit des Fruchtmuses beider Pflanzen. Sie muß schon sehr früh nach Indien gekommen sein und wurde dort als Schattenbaum in der Nähe der Häuser und den Straßen entlang kultiviert, da sie schon in der alten Sanskritliteratur mehrere Namen besitzt. Die Griechen und Römer kannten die Tamarinde und deren Mus noch nicht. Als Amerika entdeckt wurde, folgte sie der Völkerwanderung nach dem neuen Erdteil und wurde namentlich in Westindien willkommen geheißen. Später verbreitete sie sich über die Südseeinseln, wo sie zwar nicht überall, aber doch auf den größeren Eilanden hier und da zu finden ist. Sie fehlt nur in wenigen tropischen Gegenden, und zwar solchen, die weitab vom großen Verkehr liegen, wie Neuguinea und im Innern Brasiliens. Überall ist sie der beliebteste Alleebaum, der außer den Früchten, die gedörrt oder in Form von Mus besonders aus Ost- und Westindien, wie auch Ekuador in den Handel kommen, auch durch sein schweres Holz sehr nützlich ist. Infolge seiner schönen Maserung und Farbe ist es für Möbel sehr geschätzt, dient aber auch zur Herstellung von allerlei Werkzeugen und Stampfmörsern für Reis und Ölfrüchte. In Form von Holzkohle ist es ein vorzügliches Rohmaterial für Schießpulver. Die Tamarinde wird aus Samen gezogen und wächst auf jedem Boden, ausgenommen sumpfigem.

Tafel 37.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

(Nach Photogr. von W. Busse in „Karsten u. Schenck, Vegetationsbilder“.)

Im Vordergrund Kolabäume, dahinter Pandanus und Ölpalmen bei Mokundange in Kamerun. Über den Wolken ist der kleine Kamerunberg sichtbar.

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 38.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Frucht des Durian (Durio zibethinus) auf Ceylon.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Fruchtzweig der Mangostane (Garcinia mangostana).

(Beide nach einer in der Sammlung des botan. Institutes der Universität Wien befindlichen Photographie.)

Tafel 39.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Ananaspflanzung auf Jamaika.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Allee von Tamarindenbäumen in Surabaya auf Ostjava.

Tafel 40.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Melonenbaum in Surabaya an der Nordküste der Insel Java.

❏ GRÖSSERES BILD

Im tropischen Westafrika heimisch ist der 10–20 m große, durch eine sehr reiche Fruchtentwicklung ausgezeichnete Akeebaum (Blighia sapida), dort Amejichian genannt. Auf einem Sklavenschiffe nach Amerika gebracht, hat sich der Baum auf den westindischen Inseln und in Venezuela unter dem Namen akee sehr verbreitet und wird heute seiner Früchte wegen in großem Maße kultiviert; diese stellen mandelartige, aber fast zur Hälfte von einem dicken, weißen Samenmantel umgebene Bohnen dar. Zu dreien liegen sie in einer dreifächerigen, an ihrer Spitze dreiklappig aufspringenden Kapsel. Ihr Samenmantel ist von äußerstem Wohlgeschmack und wird im tropischen Amerika an Stelle von Eierspeisen aufgetischt.

Aus der Familie der Ebenholzgewächse liefern eine ganze Reihe von Arten der Gattung der Götterpflaumenbäume (Diospyros) in den Tropen der alten und neuen Welt geschätzte Früchte und werden deshalb vielfach angebaut. Der bekannteste darunter ist der in Japan heimische Kakibaum (Diospyros kaki), dessen orangengroße, prächtig gelb oder rötlich gefärbte, angenehm süß schmeckende Beerenfrüchte das wichtigste Obst in Japan und China darstellen. Neuerdings werden sie vielfach auch in Italien angepflanzt, wo sie noch an den oberitalienischen Seen gedeihen. Von dort gelangen sie als beliebtes Obst in unsere Südfruchthandlungen. Wegen ihres reichen Gehaltes an Gerbstoff dürfen sie nicht mit eisernen Messern geschnitten werden. Derselbe bedingt die Verwendung ihres Saftes in Ostasien zum Dauerhaftmachen von Netzen und Fischereigerät, von Packpapier und Anstrichfarben.

Außer diesen Götterpflaumen ist in Ostasien auch der die chinesischen oder japanischen Haselnüsse liefernde Litschibaum (Litchi chinensis) ein wichtiger Obstspender, der seiner äußerst angenehm schmeckenden Nüsse wegen in vielen Varietäten kultiviert wird. Er ist ein etwa 6 m hoher Baum aus der Familie der Sapindazeen oder Seifenbaumgewächse mit zwei- bis dreijochig gefiederten, lanzettlichen, oben glatten Blättern, gestielten Blüten in Rispen und 4 cm dicken, eiförmigen, rotbraunen, mit zahlreichen annähernd sechseckigen Schilden bedeckten Früchten, die in der Mitte je eine kurze Erhabenheit tragen. Der braune Same ist vom saftreichen Samenmantel umhüllt. Der ursprünglich in China und auf den Philippinen heimische Baum wird nicht nur in ganz Ostasien, sondern auch in Westindien und anderen Tropengebieten kultiviert.

Im nördlichen Südamerika heimisch, wo sie noch zahlreich in einer Form mit kleineren Früchten wildwachsend in den Küstengebieten angetroffen wird, und von da noch vor der Entdeckung des neuen Weltteils überall im tropischen Amerika angepflanzt, so daß sich zahlreiche Kulturvarietäten ausbildeten, ist die Ananas (Ananassa sativa). Sie wird je nach den Sorten 0,5–1,25 m hoch und entwickelt Früchte von 2–12 und sogar 15 kg Gewicht, letzteres aber nur bei sehr sorgfältiger Kultur; wird diese vernachlässigt, so sinkt das Gewicht von 2 auf 1 kg und von 12 auf 5 kg und noch weniger. Die Farbe der Früchte ist purpur-, scharlach- oder schwarzrot, gelb, grün oder weiß in den verschiedensten Schattierungen. Aus einer Rosette von 0,3–0,8 m langen, steifen, gezähnten Blättern wächst ein kurzer Fruchtstengel heraus, der in einen Blütenzapfen endigt und daher nur eine Frucht trägt. Aus ihrem brasilianischen Namen nana bildeten die Portugiesen die Bezeichnung Ananas, während die Spanier sie wegen der Ähnlichkeit der Frucht mit einem Pinienzapfen pinas nannten. Christoph Kolumbus lernte sie auf seiner zweiten Reise im Jahre 1493 auf der westindischen Insel Guadeloupe kennen. Alle Schriftsteller, die zuerst über Amerika schrieben, erwähnen sie; so gibt der Spanier Hernandez de Oviedo in seiner 1535 erschienenen Naturgeschichte Indiens die erste Beschreibung und Abbildung der Pflanze und sagt, daß sie in den warmen Gegenden von Tahiti und Mexiko wachse, und Geronimo Benzone meint in seiner 1568 erschienenen Geschichte der Neuen Welt, keine Frucht auf Gottes Erdboden könne angenehmer sein als sie. Bei den Azteken hieß sie matzatli. Die erste Ananas kam im Jahre 1514 nach Spanien. Als man einmal eine solche Karl V. zu kosten geben wollte, mißtraute er der Sache und wollte die Frucht durchaus nicht kosten. Im Jahre 1592 kam die Pflanze nach Bengalen, bald darauf nach Südchina. Schon vorher war sie durch die Portugiesen nach Java gelangt, wo sie 1599 bereits eingebürgert war und von da aus gelegentlich auch nach Europa gebracht wurde. Heute ist sie über die ganze Tropenwelt verbreitet.

Die ersten Kulturversuche in Europa in Treibhäusern schlugen fehl, bis zu Ende des 16. Jahrhunderts der holländische Kaufmann Le Cour im Gewächshause seines Gartens zu Driehock bei Leiden die ersten eßbaren Früchte erzielte. In Deutschland gewann Kaltschmidt in Breslau 1703 die erste reife Frucht. Bald hernach hat sie in diesem Lande Wilh. Weinmann in Wort und Bild beschrieben und populär gemacht, so daß sie in der Folge mehrfach auch bei uns ihre überaus aromatischen Früchte reifte, die roh mit Zucker genossen oder zu Bowlen verwendet sehr geschätzt werden. Ihr Saft, der in den Tropen vielfach auch zu Wein und Branntwein verarbeitet wird, enthält ein sehr wirksames, Bromelin genanntes Ferment, das bei 40–50°C. Fleisch löst und es in ein haltbares Pepton verwandelt. Deshalb benützen die Neger Westindiens den Ananassaft gegen Diphtherie, wie die Amerikaner und nach ihnen die Europäer den Saft der Früchte des gleich zu besprechenden Melonenbaums zu demselben Zwecke anwandten.

Die Früchte der wilden Ananas sind viel kleiner und bedeutend weniger schmackhaft als die äußerst aromatischen kultivierten, die über 15 Prozent Zucker enthalten und als Zeichen einer sehr alten Kultur meist keine Samen mehr bilden. Nur eine weiße verwilderte Art in Ostindien entwickelt in ihren Früchten noch welchen. Sie wird in mehreren bezüglich Gestalt, Größe, Farbe und Geschmack der Früchte verschiedenen Spielarten gezogen, von denen bei der Entdeckung Amerikas bereits drei vorhanden waren. In Brasilien gedeiht sie am besten. In Peru wird aus ihrem Safte ein sehr wohlschmeckendes weinartiges Getränk bereitet. Die Vermehrung erfolgt nur auf vegetativem Wege entweder durch Schößlinge des ausdauernden Wurzelstocks oder noch besser durch den aus der fleischigen Fruchtachse vorsichtig herausgedrehten Blätterschopf, den man einfach kurz vor der Regenzeit in den gut gedüngten Boden steckt, worauf die Frucht nach einem Jahre geerntet werden kann. Merkwürdigerweise geben die als Stecklinge gepflanzten Blätterschöpfe der Früchte viel gewürzreichere und süßere Früchte als die aus den Wurzelstöcken entstandenen Sprosse. Nur wenn letztere frühzeitig von der Mutterpflanze losgelöst und sorgfältig angepflanzt werden, tragen sie ebenfalls gute Früchte. Die Blätter enthalten ein sehr feines und festes, als Pitafaser bezeichnetes Gespinnstmaterial, derentwegen die Pflanze jetzt ebenfalls umfangreich kultiviert wird, und zwar besonders in Westindien und den Bahamainseln, die Millionen von Früchten nach Nordamerika und Europa auf den Markt bringen. Da sie aber unreif gepflückt werden müssen, um den Transport möglich zu machen, so haben sie bei uns lange nicht das feine Aroma, das ihnen nur dann zukommt, wenn sie vollreif geerntet werden können.

Eine weitere, ebenfalls für das gesamte Tropengebiet von der größten Bedeutung gewordene Obstpflanze des tropischen Amerikas ist der Papai oder Melonenbaum (Carica papaya), ein naher Verwandter der Passionsblumengewächse, den die Karaiben Westindiens ababai nannten. Vor der Ankunft der Europäer wurde er in Brasilien, auf den Antillen und besonders in Mexiko angepflanzt. Es ist dies ein getrennt geschlechtlicher, 6–9 m hoher, schlanker, unverzweigter, fast staudenartiger Baum, der ungemein schnell aus den Samen schießt, das ganze Jahr hindurch blüht und Früchte trägt, aber schon im vierten Jahre abstirbt. Der Stamm, dessen Holzkörper von einem gelben, bitteren Milchsaft strotzt, trägt an der Spitze einen Schopf langgestielter, handförmig gelappter Blätter. Zwischen diesen letzteren sind die männlichen oder weiblichen halbfingerlangen, weißen Blüten angebracht, von denen letztere nach der Befruchtung einfächerige, vielsamige, fleischige Beeren von Form und Größe einer Melone hervorbringen, die wegen ihres wohlschmeckenden, zuckerreichen Fruchtfleisches so beliebt sind, daß der Baum kurze Zeit nach der Entdeckung Amerikas über das ganze Tropengebiet verbreitet wurde. Das 2 cm dicke, fast butterartige, etwas mehlige, rotgelbe, wohlschmeckende Fruchtfleisch bildet eine Höhlung, deren innere Wand von zahlreichen braunen oder braun-grünen Samen ausgekleidet wird, die wegen ihres starken Kressengeschmacks vor dem Genusse der Früchte entfernt werden müssen. Doch sind letztere heute durch Kulturauslese so weit verbessert worden, daß die besseren Sorten vollständig samenlos geworden sind. Man ißt sie roh mit Zucker, auch gekocht und eingemacht; die unreifen Früchte werden wie bei uns die Gurken mit Salz und Essig eingemacht oder in Stücke geschnitten wie Gemüse zubereitet. Der nicht bloß in den Früchten, sondern auch in allen übrigen Teilen der Pflanze, besonders den Blättern, enthaltene Milchsaft besitzt zu 50 Prozent ein pepsinartiges Ferment, das Eiweiß verdaut. Es ist dies das Papain, das in neuerer Zeit statt Pepsin bei Verdauungsschwäche gegeben wird, wie es eine Zeitlang bei Diphtherie zur Auflösung der Membranen durch Bepinselung damit benützt wurde. Überall dort, wo die Pflanze kultiviert wird, besonders in ihrer Heimat, dem tropischem Amerika, setzt man frisch geschlachtetem und sonst zähem Fleisch etwas Blätter oder Milchsaft des Melonenbaums beim Kochen hinzu, wodurch es alsbald weich und leicht verdaulich wird.

Wie bei vielen Kulturpflanzen ist auch die Stammpflanze des Melonenbaums nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist diese Nutzpflanze ein Kreuzungsprodukt mehrerer Arten, die in den feuchten Gebirgstälern des nördlichen Südamerikas und Mittelamerikas wild vorkommen. Es gibt dort noch manche Formen, deren Früchte sogar ein bei weitem feineres Aroma als diejenigen des gewöhnlichen Melonenbaums besitzen. Dahin gehört z. B. die köstliche Chamburu der tieferen Lagen der Anden von Ekuador. Von Brasilien bis Westindien ist der als Mamão bezeichnete Melonenbaum ein sehr geschätzter Obstbaum, der von den Indianern und zugewanderten Weißen und Schwarzen wie die Banane neben ihren Häusern gezogen wird. Seine Übertragung nach Ostindien und der malaiischen Inselwelt durch die Portugiesen muß schon im 16. Jahrhundert erfolgt sein; bereits im Jahre 1626 kamen Samen von ihm aus Ostindien nach Neapel. Seine weitere Verbreitung über die ganze Tropenwelt der Erde erfolgte in den beiden letzten Jahrhunderten.

Im tropischen Südamerika wie auch im gegenüberliegenden Teile Westafrikas sind die gelben, roten oder schwarzen Icacopflaumen (von Chrysobalanus icaco) heimisch, die sowohl frisch, als eingemacht trotz ihres etwas herben Beigeschmackes gerne von den Eingeborenen und ansässigen Weißen gegessen werden. In Westindien hat der 19 bis 22 m hohe, zu den Guttiferen gehörende Mammeibaum (Mammea americana) mit breit ausladender Krone seine Heimat, der wegen seiner wohlschmeckenden, über faustgroßen, rötlichgelben Früchte ebenfalls seinen Weg über das Tropengebiet beider Hemisphären fand. Sie, die meist Mammeiäpfel genannt werden, obschon sie mit den Äpfeln nichts zu tun haben, enthalten in einer dicken, bitter schmeckenden Rinde ein goldgelbes, den Aprikosen ähnlich schmeckendes Fleisch und werden deshalb überall, wo der Baum angepflanzt wird, roh oder als Marmelade gerne gegessen.

Ebenfalls in Westindien und im nördlichen Südamerika heimisch ist die Sapotazee Lucuma mammosa, ein Milchsaft führender Baum, der eiförmige, an Geschmack den Bergamottbirnen ähnliche Früchte reifen läßt, die als Mammeizapote oder surinamsche Mispeln, in Peru als Lucuma, in ganz Mittel- und Südamerika, wo der Baum häufig angepflanzt wird, viel gegessen werden. Ein in denselben Gegenden wild wachsender und auch häufig angebauter Baum ist der ihm sehr nahe verwandte Breiapfelbaum (Achras sapota), in seiner Heimat Zapota, von den Spaniern dagegen nispero, d. h. Mispel genannt, der eine der bevorzugtesten Tropenfrüchte liefert, deren süßes, weiches Fleisch von sehr angenehmem Geschmacke ist. Deshalb wird er auch sonst in den heißesten Landstrichen der Erde allgemein kultiviert. Besondere Wertschätzung genießen die 4 cm dicken Früchte bei den Brasiliern, die aus ihm ein sehr wohlschmeckendes Mus bereiten, das auch exportiert wird. Da die Fledermäuse sehr lüstern über sie herfallen, wenn sie zu reifen beginnen, werden sie meist schon vor der Reife abgenommen, um sie auf dem Lager nachreifen zu lassen.

Derselben Familie der milchsaftführenden Sapotazeen, von denen uns Artgenossen der malaiischen Inselwelt das wertvolle Guttapercha liefern, gehört der Sternapfelbaum (Chrysophyllum cainito) an, dessen purpurrote, glatte, runde, süße Früchte ein von den Antillen über das tropische Amerika und die übrige heiße Zone verbreitete Delikatesse bilden. Der Lieferant dieses wohlschmeckenden Obstes ist ein schöner Baum von 9–12 m Höhe mit großen, auf der Unterseite goldglänzenden Blättern (daher auch der Name Goldblattbaum) und kleinen purpurroten Blüten. Nicht minder beliebt ist der gleichfalls in Westindien heimische Marmeladeapfel (Vitellaria mammosa). Nahe Verwandte haben sehr ölreiche Samen wie beispielsweise der westafrikanische Butterbaum (Butyrospermum parkii), der die später zu besprechende Schibutter liefert.

Ebenfalls in Westindien heimisch ist der Acajoubaum (Anacardium occidentale), der auch nach Brasilien und Westafrika verbreitet wurde und besonders im Kongogebiet vielfach angepflanzt wird. Der ziemlich hohe, mit umgekehrt eiförmigen Blättern bedeckte Baum erzeugt Früchte, welche großen Bohnen gleichen. Sie sind dadurch ungemein auffällig, daß ihr Stiel zur Zeit der Reife mächtig anschwillt und einen etwa 8 cm langen, birnförmigen, fleischigen Körper bildet, der süßsäuerlich schmeckt und als erfrischendes Obst gerne gegessen wird. Die eigentliche Früchte kommen unter dem Namen „amerikanische Elefantenläuse“ in den Handel. Sie enthalten einen sehr ölreichen, geröstet eßbaren Samen, der aber von einer Schale umschlossen wird, die in zahlreichen Höhlungen ein äußerst scharfes, an der Luft schwarz werdendes Öl enthält. Von diesem auf der äußeren Haut leicht Entzündungen und Blasen erzeugenden Reizstoffe macht man in der Tierarzneikunde Gebrauch.

Zu den Myrtengewächsen gehört die ursprünglich ebenfalls im tropischen Amerika heimische und von da über den ganzen Tropengürtel verbreitete Guajave (Psidium guajava), deren bald birn-, bald mehr apfelförmige, beerenartige, grüne oder gelbe Früchte von Pfirsichgröße mit einem goldgelben bis rosenroten, süßsäuerlichen, angenehm schmeckenden Fruchtfleisch erfüllt sind und sehr gerne teils roh, teils gekocht als Kompott oder Marmelade gegessen werden. Auch wird ein sehr geschätztes Gelee von ihnen gewonnen. Besonders eignet sich dazu die Schale und das Innere der Frucht, das mit etwas lästigen kleinen Kernen, wie bei den Johannisbeeren, erfüllt ist. Überall in den Städten Südamerikas kauft man als dulce eingekochtes Guajavenmus, das, in kleine Blechkisten gefüllt, allenthalben auf den Straßen der Städte feilgeboten wird.

Dieselbe Heimat wie die Guajaven haben die mit den Magnolien nahe verwandten Gewürz- oder Zimtäpfel (Anona squamosa), die bis 2 kg schwer werden und ein starkes, gewürziges Aroma besitzen. Obschon sie einen stark zusammenziehenden Terpentingeschmack aufweisen, an den sich der europäische Gaumen erst gewöhnen muß, steht dieses Obst doch überall in hoher Gunst und wird etwa auch einmal in unseren Delikateßläden angeboten.

In die Familie der Lorbeergewächse endlich gehört ein hoher Fruchtbaum mit schönen Lorbeerblättern, Persea gratissima, der ursprünglich gleichfalls im tropischen Amerika heimisch war und besonders von den alten Mexikanern kultiviert wurde, jetzt aber überall in den Tropen gezogen wird und selbst noch in Südspanien aushält. Die olivengrüne, birnförmige Frucht erreicht eine Länge von 10 cm und enthält ein weißes, sehr stark aromatisches, zucker- und fettreiches Fruchtfleisch, das man allein, oder mit Kognak oder Sherry übergossen, sehr gerne genießt. Bei den Mexikanern hieß die Frucht ahuaca oder aguacate, daraus machte man Avagatobirne, endlich Advokaten- und sogar Alligatorbirne. An diesem Beispiel sieht man wie merkwürdige Verballhornisierungen einheimischer Bezeichnungen entstehen, wenn fremde Zungen sie sich zurecht legen.

Endlich sei noch als wichtiger Fruchtbaum Indonesiens und Polynesiens der von den Kanaken auf Hawai (Sandwichinseln) ohia, von den Malaien Sumatras dagegen jambo genannte Baum mit apfelartigen Früchten (Metrosideros polymorpha) genannt.

Selbstverständlich gibt es außer den genannten Obstarten noch eine Menge anderer, denen aber keine so große Bedeutung zukommt wie diesen. Doch wird diese kurze Aufzählung der wichtigsten Tropenfrüchte genügen, um zu zeigen, welche Fülle herrlicher Früchte das das Pflanzenleben in hohem Maße begünstigende Sonnenlicht innerhalb der Wendekreise hervorbringt. Wie überaus ärmlich ist dagegen die ursprünglich in Europa heimische Fruchtvegetation, bevor sie durch den Import aus Westasien in unvergleichlicher Weise bereichert wurde. Unser Kontinent mit seinem niederschlagsreichen, mit Nebel und Winterkälte reichlich bedachten Waldklima besaß in der Vorzeit außer den Beerenfrüchten der Waldlichtungen wie Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Preiselbeere und Moosbeere, welch letztere in Sümpfen und Torfmooren wächst, nur Holzapfel und Holzbirne, Schlehe und Vogelbeere, die faden Früchte von Weiß- und Rotdorn, die Vogelkirschen und Haselnüsse. Auch das waldbedeckte Italien und Griechenland, in das die Viehzucht und Ackerbau treibenden Stämme der Italiker und Hellenen einzogen, barg durchaus nicht mehr als diese hier aufgezählten ärmlichen Fruchtarten. Alles andere, ohne das wir uns diese sonst klimatisch so bevorzugten Landstriche gar nicht vorstellen können, hat noch vor dreitausend Jahren und weniger jenen Gegenden vollkommen gefehlt. Da erntete man nicht bloß zum Genusse der als Haustiere in eingehegten Plätzen um die Hütten der Menschen gehaltenen Schweine, sondern auch für die Menschen die eiweißreichen, aber herben Eicheln und die ölreichen Bucheckern, die man zerrieben und mit Wasser angemacht zu Brot und Fladen buk.

Niemand würde glauben, daß die Edelkastanien und Walnüsse, die heute als selbstverständliche Produkte des warmen Südeuropas angesehen werden, auch hier erst verhältnismäßig spät eingebürgerte Fremdlinge sind. Wie die großen Haselnüsse als pontische Nüsse, gelangten auch die Kastanien und Walnüsse als persische oder königliche Nüsse, weil sie aus Lydien, also einer Gegend stammten, die dem persischen Könige untertan war, nach Griechenland. Und als diese überseeischen Schalenfrüchte, die in Säcken auf den Markt, z. B. von Athen, gelangten, schon längst hier eingebürgert waren, schwankte noch ihre Benennung so sehr, daß der populäre Name „Zeus-Eichel“, Diós bálanos, der in Griechenland meist die Kastanie bezeichnete, in der entsprechenden lateinischen Form juglans (Jovis glans = Jupiterseichel) die Bedeutung Walnuß erhielt.

Tafel 41.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Melonenbäume, Kaffeestauden und andere Kulturpflanzen der Tropen im Gewächshaus der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen a. d. Werra.

❏ GRÖSSERES BILD

Tafel 42.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Fruchtladen auf Ceylon mit einheimischen Früchten, an der Schnur hängt eine Bananenstaude.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Fruchtladen in Südindien, oben hängen Ananas und Bananen, rechts an die Wand gelehnt ein Haufen Zuckerrohrstengel.

In ihrer nördlicheren Urheimat bezeichneten die Griechen mit dem Worte bálanos, wie die Römer mit glans, die einst auch dem Menschen zur Nahrung dienende Eichel, von der noch der einer hochkultivierten Zeit angehörende Plinius in seiner Naturgeschichte sagt: „Eicheln machen den Reichtum vieler Völker aus. Bei Getreidemangel werden sie getrocknet, gemahlen und zu Brot verbacken; in Spanien werden auch Eicheln zum Nachtisch aufgetragen. In Asche gebraten schmecken sie besser.“ Damit sind jedenfalls die Früchte der in Italien und auf der Iberischen Halbinsel wachsenden Speiseeiche (Quercus esculus) gemeint, während in Griechenland die Knoppereiche (Quercus aegilops) eine für anspruchslose Menschen eßbare und noch jetzt vom Landvolk gegessene Eichel hervorbringt. In der älteren Zeit wurden diese Eicheln nicht nur in Zeiten des Getreidemangels, sondern regelmäßig gegessen. So sagt der aus Askra in Böotien gebürtige griechische Dichter Hesiod im 8. Jahrhundert v. Chr.: „Wo gerechte Menschen wohnen, da ist Hungersnot unbekannt. Ihnen geben die Götter reichlichen Unterhalt, Eichen (drýs), die mit Eicheln (bálanos) beladen sind, Honig, Schafe.“ Und Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt in seiner Geschichte: „Nach dem Tode des (um 820 v. Chr. lebenden Königssohns, der Sparta Gesetze gab und es dann verließ, ohne je wieder dahin zurückzukehren) Lykurgos wurden die Spartaner bald mächtig, bekamen Lust zu Eroberungen und fragten in Delphi an, ob sie wohl Arkadien (nördlich von Lakonien, dessen Hauptstadt Sparta war) erobern könnten. Die Pythia antwortete: ‚In Arkadien wohnen viel eichelverzehrende Männer, die werden euch zurückschlagen.‘“

Als die Griechenstämme in Hellas einwanderten, übertrugen sie begreiflicherweise das alte Wort bálanos (Eichel) auf verschiedene neue Früchte, unter denen sich auch die wilde Edelkastanie (Castanea esculenta) befand. Dieser Baum ist in einer kleinfrüchtigen Form in ganz Südeuropa heimisch und tritt uns auch weiter nördlich schon in vorgeschichtlicher Zeit entgegen. So finden wir sein Holz in Norditalien bei der Herstellung der bronzezeitlichen Pfahlbauten und Terramaren verwendet, und in den verkohlten Überresten der Terramaren der ältesten Eisenzeit aus dem Beginne des letzten vorchristlichen Jahrtausends ließen sich seine Früchte ebenfalls nachweisen. Auch auf der Iberischen Halbinsel reicht der Nachweis des Vorkommens von Kastanien bis in die Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit zurück. Da nun die Früchte dieses Wildlings von den alten Griechen so wenig als von der heutigen Bevölkerung Griechenlands gegessen wurden, empfanden sie auch keinerlei Bedürfnis, diese Früchte mit besonderem Namen zu belegen. Erst als großfrüchtige ausländische Sorten in Griechenland aufkamen, mußte man unterscheidende Bezeichnungen für sie schaffen. Dabei behalf man sich damit, daß man sie zunächst einfach nach den Ländern ihrer Herkunft benannte.

Noch der hochgebildete Xenophon, ein Schüler des Sokrates, kannte keinen Namen für diese Früchte, als sie ihm im Hochlande von Armenien zuerst unter die Augen kamen. Als er im Jahre 400 v. Chr. die zehntausend Mann griechischer Soldtruppen, die dem jüngeren Kyros gegen dessen Bruder Artaxerxes Mnemon zu Hilfe gezogen waren, nach der unglücklichen Schlacht bei Kunaxa über das armenische Hochland zum Schwarzen Meere und von da nach Byzanz zurückführte, fand er im Lande der Mosynoiken bei Trapezunt „unter den Dächern der Häuser große Vorräte von breiten Nüssen, welche durchaus keinen Einschnitt hatten. Diese Früchte bildeten das wichtigste Nahrungsmittel der Einwohner und wurden teils gekocht, teils zu Brot verbacken.“ Daß Xenophon bei der Umschreibung der Kastanien als „breite Nüsse ohne Ritze“ an die Walnüsse zum Vergleiche gedacht hat, ist offenkundig. Merkwürdig aber bleibt unter allen Umständen die Tatsache, daß er kein besonderes Wort für diese ihm fremdartig vorkommenden Früchte anzugeben weiß.

Nach dem trefflichen Pflanzenkundigen Theophrast (390–286 v. Chr.) scheint die einheimische Benennung der Kastanie Zeus-Eichel (Diós bálanos) gewesen zu sein. Und als großfrüchtige Kastanien aus den Ländern am Südrande des Schwarzen Meeres nach Griechenland importiert wurden, erhielten sie die Bezeichnung Eicheln oder Nüsse aus Herakleia, Sinope oder Paphlagonien, oder auch sardische Eicheln, nach Sardes, der Hauptstadt von Lydien. Letztere Bezeichnung gebraucht beispielsweise der aus Sinope stammende, als Dichter der neuattischen Komödie im 3. vorchristlichen Jahrhundert in Athen lebende Diphilos, der sagt: „Die Eicheln von Sardes sind sehr nahrhaft und gesund, doch schwer zu verdauen, namentlich in rohem Zustande“. Sein Zeitgenosse Nikander bezeichnet sie zum erstenmal mit dem Namen, der ihnen später haften bleiben sollte; er nennt sie nämlich „kastanische Nüsse“, doch wußte niemand später anzugeben, wo das Land Kastanis liege. Heute wissen wir, daß diese Bezeichnung gar nicht auf eine geographische, sondern auf eine sprachliche Benennung zurückgeht, die dem Kastanienbaum im Armenischen zukam. Kaskeni bedeutet nämlich im Armenischen Kastanienbaum und kask Kastanie. Aus ersterem entstand dann die griechische Bezeichnung „kastanische Nuß“ (kastanaikón káryon) und später mit Weglassung des Wortes Nuß einfach kastánaion oder kástanon. Letztere Bezeichnung treffen wir beispielsweise in dem Buche des Atheners Mnesitheos, der nach dem um 200 n. Chr. lebenden Athenaios sagt: „Die Kastanien (kástanon) heißen auch euböische Nüsse; sie sind schwer zu verdauen, machen aber diejenigen, die sie gut verdauen können, fett. Übrigens sind sie gleich anderen Nüssen gekocht oder geröstet eine viel gesündere Speise als roh.“

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Bild 16. Die Edelkastanie (Castanea esculenta). a blühender Zweig mit oben männlichen und unten weiblichen Blüten an den Blütenähren, b männliche, d weibliche Blüte; c drei weibliche Blüten in einer Fruchthülle; e drei Samen in einer Fruchthülle, i dieselben im Durchschnitt; f–h junge Kastanien. (Nach Hegi.)

Mit der Frucht übernahmen auch die Römer die Bezeichnung derselben von den Griechen. Wann nun dieser Fruchtbaum nach Italien kam, läßt sich nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hat ihn der römische Komödiendichter Plautus (254–184 v. Chr.), der die griechischen Stücke des eben erwähnten Diphilos und seines älteren Rivalen Menandros (342–290 v. Chr.) nachahmte, gekannt. Er spricht nämlich an einer Stelle von einem das Dach beschattenden Baum, der eine „weiche Nuß“ (mollescam nucem) trage. Nun kann darunter sowohl eine weichschalige, als eine weich zu essende Nuß verstanden sein. Allem nach scheint aber ersteres das wahrscheinlichere zu sein, so daß wir also darunter wohl die Kastanie zu verstehen haben. Aber bei dem Mangel eines feststehenden Namens kann wohl von einer allgemeinen Kultur dieser Bäume in Italien vor dem Beginn des 2. vorchristlichen Jahrhunderts keine Rede sein. Noch der ältere Cato (234–149 v. Chr.), der als Zensor die altrömische Einfachheit in der Lebensweise und Sittenstrenge aufrechterhalten wissen wollte, erwähnt in seiner sonst alle in Italien angepflanzten Bäume anführenden Schrift über den Landbau die Kastanien so wenig als Walnüsse und Mandeln, nur die von den Griechenstädten Süditaliens nach Kampanien versetzten großen Haselnüsse, die den Griechen aus dem Pontusgebiet zugekommen waren.

Erst zu Ende der Republik tritt uns der Baum und die Frucht als zweifellos in Italien heimisch entgegen. Unter der von den Griechen übernommenen Bezeichnung „kastanische Nuß“ (castanea nux oder kurz castanea) erwähnt sie zuerst der römische Dichter Vergil (70–19 v. Chr.), indem er an einer Stelle seiner Eklogen sagt „Ich will dir Kastanien (castanea nux) und wachsgelbe Pflaumen (prunum) geben“ und an einer andern: „Wir haben schmackhaftes Obst, auch weiche Kastanien und Vorrat von Käse.“ Dann nennt der Dichter Ovid (43 vor bis 7 n. Chr.) diese Frucht, indem er von seiner Geliebten Amaryllis sagt: „sie liebte Kastanien und Nüsse“.

Der ältere Plinius (23–79 n. Chr.) sagt in seiner Naturgeschichte: „Auch die Kastanien (castanea) werden Nüsse (nux) genannt, obschon es passender wäre, sie Eicheln (glans) zu nennen. Sie sind mit Stacheln besetzt, wozu sich bei den Eicheln nur der Ansatz findet. Obgleich sie die Natur unter ihrer Stachelschale versteckt hat, sind sie doch sehr häufig. Zuweilen stecken in einer einzigen Schale drei Kerne. Die Haut, welche zwischen Schale und Kern liegt, verschlechtert, wie bei den Nüssen, den Geschmack. Man verspeist sie lieber geröstet als roh. Sie werden auch gemahlen und können dann ein Brot geben. Ursprünglich sind sie in Sardes heimisch, und deswegen nennen sie die Griechen auch sardische Eicheln; denn Zeus-Eicheln sind sie erst später genannt worden, als sie durch gute Pflege veredelt waren. Jetzt gibt es mehrere Arten von Kastanien; die tarentinischen sind flach, die sogenannte balanitis ist runder, die pura geht leicht aus der Schale, die salariana ist flach, die corelliana ist gut, ebenso die von ihr gezogene eterejana, doch stellt nur ihre rote Schale sie über die dreikantigen, gemeinen schwarzen, welche auch Kochkastanien (coctiva) heißen. Die besten Kastanien wachsen um Tarent und Neapel. Bei den geringen Kastaniensorten zieht sich die Schale bis in den Kern; sie sind daher schwer verdaulich und dienen nur zu Schweinefutter.“

Sein Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, sagt in seiner Arzneilehre: „Die Kastanie hat verschiedene Namen: sardische Eichel, lópimon, kástanon, auch móton, Zeus-Eichel. Sie sind der Wirkung nach den eßbaren Früchten der Eichenbäume ähnlich; besonders haben die Häute zwischen Schale und Fleisch zusammenziehende Eigenschaften.“ Zur Erklärung der Bezeichnungen corellianische und eterejanische Kastanien schreibt derselbe Autor an einer andern Stelle: „Als eine Merkwürdigkeit mag hier folgendes erwähnt werden: Der römische Ritter Corellius, aus Ateste gebürtig, veredelte einmal im Neapolitanischen einen Kastanienbaum mit dessen eigenem Reise, und aus diesem erwuchs eine vortreffliche Kastaniensorte, die noch jetzt nach jenem Ritter die corellianische heißt. Später veredelte sein Freigelassener namens Eterejus diese Kastanie wieder, und nun zeigte sich der Unterschied, daß die corellianische reichlichere, die eterejanische aber bessere Früchte trug.“

In den Geoponika sagt ein griechischer Autor, daß die (schwarze) Maulbeere auf Kastanie (kástanon) und Speiseeiche (phagós von phageín, essen) gepfropft werde. Und der zur Zeit Cäsars und Augustus’ lebende griechische Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien, daher Siculus zubenannt, schreibt in seinem Geschichtswerk: „In Arabien wird gediegenes Gold in Stücken gefunden, welche die Größe einer Kastanie (káryon kastanaikón) haben“, und an einer andern Stelle: „Im Lande der Ichthyophagen (d. h. Fischesser, bei den Alten zwei Völker, in Gedrosien und Arabien) wachsen viele Ölbäume, deren Frucht einer Kastanie ähnlich ist.“ Der aus Spanien gebürtige römische Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt: „Der Kastanienbaum (castanea) ist der Steineiche (robur) ähnlich und deswegen zu Pfählen für den Weinstock sehr brauchbar. Die Frucht (nux, d. h. Nuß) wird im Herbst in zweimal gegrabenen Boden gesät und keimt rasch. Neben jede steckt man einen kurzen Rohrstab, um beim Jäten zu wissen, wo sie liegt. Sobald die Stämmchen zweijährig sind, verpflanzt man so viele, daß die bleibenden je zwei Fuß auseinanderstehen, damit sie einander nicht schaden. Die Samen werden deswegen dichter gelegt, weil sie durch verschiedene Zufälle am Keimen verhindert werden können, z. B. durch Trockenheit oder ein Übermaß von Nässe, durch Mäuse und Maulwürfe.“ Und Palladius sagt im 4. Jahrhundert n. Chr.: „Versetzt man Kastanienbäumchen (castanea), die irgendwo von selber gewachsen sind, so gedeihen die so schlecht, daß man oft zwei Jahre lang nicht weiß, ob sie am Leben bleiben oder nicht. Besser als im November werden die Kastanien im Februar gesät, nachdem man sie zuerst, im Schatten getrocknet und 30 Tage mit Flußsand bedeckt hat stehen lassen und dann durch Werfen in kaltes Wasser geprüft hat, welche untersinken und somit gut sind und welche schwimmen und damit bekunden, daß sie krank sind. Wenn sie zweijährig sind, werden die jungen Bäumchen versetzt. Wenn sie angewachsen sind, pfropft man sie, und zwar, wie ich selbst probiert, im Monat März oder April in die Rinde; doch kann man sie auch okulieren. Man pfropft Kastanien auf Kastanien oder Weiden (salix). Doch reift in letzterem Falle die Frucht später und schmeckt weniger angenehm. Man hebt die Kastanien in Hürden auf, doch so, daß sie nicht aufeinander liegen, oder man legt sie so einzeln in Kies, daß sie sich nicht berühren, oder man tut sie in neue irdene Töpfe und vergräbt diese an einem ziemlich trockenen Orte, oder man bewahrt sie in Körben auf, die luftdicht mit Lehm bestrichen sind, oder unter feiner Gerstenspreu, oder in Behältern, die dicht aus Binsen geflochten sind.“

Mit den gleich zu besprechenden Walnüssen kamen auch die Kastanien in der römischen Kaiserzeit über die Alpen und daraus wurden in den römischen Kolonien von den sich hier ansiedelnden Veteranen die betreffenden Fruchtbäume gezogen. So fanden sich in den älteren, später von den Soldaten selbst mit allerlei Wegwurf zugeschütteten Brunnen des römischen Kastells auf der Saalburg zahlreiche Walnußschalen, und bei Ausgrabungen in Mainz stieß man wiederholt auf Kastanien, welche von der Beliebtheit dieser beiden Fruchtarten bei den Römern Kunde geben. Venantius Fortunatus, der Freund und Landsmann des fränkischen Bischofs Gregor von Tours in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. sandte seiner Freundin Radegunde ein Körbchen mit Kastanien, das von einem poetischen, uns noch im Wortlaut erhaltenen Billette begleitet war, worin er ihr als ländliche Gabe molles (d. h. weiche) castaneas, „die der Baum auf dem Felde trug“ anbietet. Später verordnete Karl der Große die Anpflanzung von castanearios in den kaiserlichen Krongütern. Nach England kam dieser Baum erst am Anfang des 16. Jahrhunderts.

Die eßbare Kastanie geht weniger weit nach Norden als der Nußbaum. In warmen Lagen Deutschlands, wie am Rhein, wurde er aber schon in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eingebürgert. Teilweise ist er hier verwildert und hat sich so gut eingelebt, daß er beispielsweise auf den Bergen um Heidelberg herum und an der Bergstraße geradezu zu einem Charakterbaum der Landschaft wurde. Weder zur Römerzeit noch auch später drang er nach Norddeutschland vor, wo es ihm zu rauh ist und er keine Früchte mehr zeitigt, so daß er höchstens als Zierbaum gehalten werden kann. Deshalb fehlt auch sein Name gänzlich in den Orts- und Flurnamen Mittel- und Norddeutschlands. Nur in Italien, Südfrankreich, Spanien, Korsika, Sardinien usw. bildet der edle Kastanienbaum ganze Waldungen. So sehr sind seit der Römerzeit seine schmackhaften Früchte in diesen Gebieten zur Volksnahrung geworden, daß man in Frankreich die Trägheit der Korsen ihren Kastanien zuschrieb. In der Tat genügt einer korsischen Familie der Besitz von zwei Dutzend Kastanienbäumen und einer das ganze Jahr hindurch im Freien weidenden Ziegenherde, um alle ihre Bedürfnisse zu decken.

Nach der Eroberung Teneriffes durch die Spanier am Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Kastanienbaum auch auf diese Insel verpflanzt. Auch hier bildet er ausgedehnte Waldungen und gedeiht so üppig wie in seiner Heimat, dem nördlichen Kleinasien, wo Wutzer auf seiner Orientreise nicht nur gewaltige Bäume der großen Haselnußart, sondern auch Platanen und Kastanien sah, deren Größe ihn in Erstaunen versetzte.

Die Früchte einer in Nordamerika vorkommenden Spielart des Kastanienbaums finden dieselbe Verwendung wie diejenigen der altweltlichen. Auch werden dort die der Castanea pumila, der Chincapin, gegessen. Ebenso hat China in der Castanea chinensis und Indonesien in der Castanea argentea und Castanea tungurrut einen Ersatz für unsere Eßkastanie. Übrigens gibt es in den Tropen der ganzen Erde verschiedene Bäume, die den Kastanien an Wohlgeschmack gleichkommende Früchte besitzen, die sowohl roh als geröstet gegessen werden. Unter ihnen ist der wichtigste Bombax malabaricum, ein ungeheurer Baum Ostindiens mit süßen, angenehm schmeckenden Samen. Auch die mehlreichen Samen von Carolinea princeps in Guiana und dem übrigen nördlichen Südamerika und von Carolinea insignis auf den Antillen schmecken geröstet wie Kastanien und werden, wie die jungen Blätter und Blumen als Gemüse gern verspeist. Ähnlich schmecken die süßen Samen von Melicocca bijuga und Cupania tomentosa in Westindien. Ausgezeichnet süß, kastanienartig schmecken auch die Samen des westafrikanischen Baumes Blighia sapida, die samt dem fleischigen, sie umgebenden Mantel gekocht und gebraten gern gegessen werden. Durch Negersklaven wurde der Baum auch nach Westindien gebracht, wo er öfter kultiviert angetroffen wird. Dasselbe ist bei Laurus chloroxylon in Brasilien und bei Sloanea dentata im nördlichen Südamerika der Fall. Auch der durch seine kindskopfgroßen Früchte ausgezeichnete Topfbaum (Lecythis ollaria) des tropischen Amerika ist seiner kastanienartigen Samen wegen beliebt und wird, wie auch mehrere andere Lecythis-Arten mit ähnlichen Samen, häufig angepflanzt. Endlich ist noch der australische Baum Castanospermum australe zu nennen, dessen aus der Hülse gelösten kastaniengroßen Samen wie Kastanien verspeist werden.

Vom nordwestlichen Himalaja, Beludschistan und Afghanistan, wo er nach Atchison von 2200 bis 2800 m Höhe gefunden wird, über Nordpersien bis nach Kleinasien ist der Walnußbaum (Juglans regia) heimisch, der überall in seiner Heimat in größeren Beständen im Gebirge wächst und den Anwohnern in seinen Nüssen eine willkommene Nahrung spendet. Zu den Griechen kamen sie gleich den Kastanien unter der Bezeichnung persische oder königliche Nüsse (aus dem bereits mitgeteilten Grunde, weil dort im persischen Kleinasien ein König herrschte) oder als sinopische Nüsse (káryon), weil sie auch von der Hafenstadt Sinope am Südrande des Schwarzen Meeres in größeren Mengen nach Griechenland gebracht wurden. Dem Namen nach sind sie also für uns nicht von den Kastanien unterscheidbar. Wie die Kastanie wurde sie von den Griechen auch Diós bálanos, d. h. Zeus-Eichel genannt, unter welcher Bezeichnung sie dann später durch Vermittlung der Griechen Süditaliens zu den Römern kam, welche sie in derselben Weise juglans (zusammengezogen aus Jovis glans, d. h. Jupiterseichel) nannten. Ihre ölreichen Kerne scheinen sich bei den Griechen keiner besonderen Wertschätzung erfreut zu haben; denn der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Die königlichen Nüsse (káryon basilikón), welche bisweilen auch persische Nüsse genannt werden, sind schwer zu verdauen, schaden dem Magen, erzeugen Galle, machen Kopfweh, sind namentlich bei Husten zu vermeiden. Dagegen ist ihr Genuß Nüchternen, welche Erbrechen bewirken wollen, nützlich. Mit Feigen und Raute vermischt gibt man sie als Vorbeugungsmittel gegen Gift, vertreibt mit ihnen, wenn man sie in Menge verzehrt, die Bandwürmer, benutzt sie noch sonst innerlich und äußerlich, setzt auch die verkohlten Schalen und Kerne einigen äußerlich anzuwendenden Mitteln bei. Aus den zerstampften Nüssen preßt man Öl. Übrigens bekommen frische dem Magen weit besser als alte.“ Sonst schweigen sich die griechischen Autoren über den Walnußbaum aus. Wir wissen nur, daß die lakedämonischen Jungfrauen zur Zeit des Einsammelns der Nüsse (plur. kárya) ein danach Kárya genanntes Fest zu Ehren der Artemis karyátis feierten, und daß deshalb karyatízein den bei diesem Feste abgehaltenen Tanz tanzen bedeutete. Danach heißen Karyatiden die an einem solchen Nußfeste tanzenden Jungfrauen, die ein attischer Bildhauer als Gebälkträgerinnen — auch einfach Koren, d. h. Mädchen genannt — an der Südhalle des Erechtheions auf der Akropolis in Athen in für alle Zeiten vorbildlicher Weise darstellte.

Geschätzter als bei den Griechen waren die Walnüsse bei den Römern, die den Walnußbaum ziemlich häufig angepflanzt zu haben scheinen. Der überaus gelehrte Marcus Terentius Varro (116–27 v. Chr.) schreibt über die Walnuß: „Diese herrliche, große Frucht heißt glans, weil sie in ihrer grünen Schale einer Eichel (glans) ähnlich sieht; juglans heißt sie von Jupiter (Stamm Jov) und glans. Sie heißt auch Nuß (nux), weil sie den Körper schwarz färbt, wie die Nacht (nox) die Luft.“ An einer anderen Stelle sagt er: „Hat man Walnüsse (nux juglans), Datteln (palmula) und sabiner Feigen (ficus) eingemacht, so schmecken sie um so besser, je eher man sie verzehrt; denn die Dattel wird durch das Alter blaß, die Feige morsch, die Walnuß trocken.“ Er hält aber dafür, daß die Nußbäume ihrer Umgebung schädlich seien: „Neben einem Eichenwald gedeiht der Ölbaum schlecht, neben Kohl (olus) der Weinstock, der sich sogar von jenem wegneigt; auch die Walnußbäume (juglans) machen rings um sich her das Erdreich unfruchtbar.“

Der berühmte Redner Cicero, der im Jahre 43 v. Chr. ermordet wurde, sagt an einer Stelle seiner nach seinem Landgute Tuskulanum bei der altlatinischen Stadt Tusculum im Sabinergebirge benannten Schrift: „Der syrakusanische Tyrann Dionysius (der ältere, 431–367 v. Chr.) war so mißtrauisch, daß er sich vor dem Rasiermesser fürchtete und sich den Bart von seinen Töchtern mit glühenden Walnußschalen wegbrennen ließ.“ Der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius meint wie Varro: „Der Schatten der Walnußbäume ist von großem und schädlichem Einfluß, tötet gleich dem der Pinien, Rot- und Weißtannen alle anderen Pflanzen, verursacht sogar dem Menschen Kopfweh.“ Und von seinen Früchten sagt er: „Die Walnüsse (nux juglans) haben keinen großen Wert, obgleich ihr Gebrauch bei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeführt ist. Die Natur hat diese Frucht dadurch ausgezeichnet, daß sie den in einer holzigen Schale liegenden Kern noch in eine weiche Schale einschloß. Daß sie von den Königen Persiens stammt, beweist der Umstand, daß sie bei den Griechen königliche Nüsse (s. vor. Stelle bei seinem Zeitgenossen Dioskurides) heißen; auch nennt man jetzt noch die beste Sorte persicon und basilicon. Kopfnuß (káryon) heißt eine Sorte wahrscheinlich deswegen, weil sie durch ihren starken Geruch Kopfweh verursacht. Die gerbstoffreiche grüne Schale wird zum Färben der Wolle benutzt, die ganz jungen Nüsse dienen zum Braunfärben der Haare. Im Alter werden die Walnüsse ölig. Die Sorten unterscheiden sich nur nach der Schale, welche fest oder zerbrechlich, dünn oder dick, in Fächer geteilt oder einfach ist. Die Schale zerfällt in zwei Teile, der Kern selbst ist durch Zwischenhäute vierteilig.“

Auch andere, besonders griechische Schriftsteller sprechen von der Sitte, die sich bis heute in Griechenland erhielt, im Augenblicke da die Neuvermählte das hochzeitliche Gemach betrat, Nüsse unter die Gäste und Kinder zu streuen, damit Zeus-Jupiter, nach welchem die Nüsse hießen, der jungen Frau Fruchtbarkeit schenken möge. So fordert der römische Dichter Vergil (70–19 v. Chr.) in einer seiner Eklogen auf: „Streuet Nüsse (nuces) dem Hochzeitspaar aus!“ Auch Ovid (43 v. bis 7 nach Chr.) spricht an zwei Stellen von Walnüssen, das eine Mal, da er von seiner Geliebten Amaryllis (Pseudonym, nach der Bezeichnung der schönen, von Vergil in seinen Hirtengedichten besungenen Hirtin oder Nymphe gleichen Namens, der die „Glänzende“ bedeutet) sagt: sie liebte Kastanien und Nüsse, und das andere Mal, da er von derselben meldet: ihr fehlten weder Nüsse noch Mandeln. Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt von der Kultur des Walnußbaumes: „Die nux juglans liebt feuchte, kühle, steinige Höhen, kommt aber auch an wärmeren vor. Man zieht sie aus an der Sonne getrockneten Nüssen, die in der Weise gepflanzt werden, daß man einen Stein oder Backstein unter sie legt, damit sie keine einfache Pfahlwurzel, sondern geteilte Wurzeln treiben. Die Bäumchen sollen alle 2 bis 3 Jahre versetzt werden, dadurch gedeihen sie besser. Die Wurzeln dürfen dabei nicht beschnitten werden; man bestreicht sie aber mit Rindermist, streut auch Asche in die Grube. Man macht die Gruben recht tief und auch weit voneinander entfernt, weil ein Walnußbaum selbst dem anderen durch seine Traufe schadet. Man lockert die Erde rings um den Stamm zuweilen auf, damit dieser im Alter nicht so leicht hohl wird. Ist er aber doch hohl geworden, so haut man ihn von einer Seite bis zur Höhlung auf, damit Sonne und Wind eindringen und die Fäulnis hemmen können. Werden die Nüsse zu hart oder knotig, so muß man einen Schnitt rings in der Rinde machen, um die schlechten Säfte abzuführen. Andere schneiden in diesem Fall die Wurzelspitze ab, oder bohren ein Loch in die Wurzel und schlagen einen Pflock von Buchsbaumholz hinein. Will man gemeine Walnüsse in die tarentinische Sorte (mit weicher Schale) verwandeln, so steckt man nur den von der harten Schale befreiten fleischigen Kern, wickelt ihn aber zuvor zum Schutz gegen Ameisen in Wolle. Will man einen schon tragenden Baum in einen tarentinischen verwandeln, so begießt man ihn ein ganzes Jahr lang monatlich dreimal mit Lauge. Die Reife der Nuß erkennt man daran, daß sich ihre äußere Schale ablöst. Ihre Aufbewahrung geschieht entweder unter Spreu oder Sand oder trockenen Walnußblättern oder in einem Kasten von Walnußholz oder zwischen Küchenzwiebeln, denen sie zugleich den scharfen Geschmack benehmen. Man kann nach Angabe vieler Gärtner Walnußreiser im Februar auf Erdbeerbäume (arbutus) pfropfen, am besten in den Stamm, ebenso auf Pflaumen- oder auf Walnußbäume.“ Dem fügt ein griechischer Autor in der Geoponika bei: „Pfropfreiser des Walnußbaumes (káryon) wachsen nicht leicht an, jedoch gelingt die Veredlung, wenn man sich nicht gleich abschrecken läßt und sorgfältig zu Werke geht. Einige Gärtner heben 2- und 3jährige Walnußbäumchen aus, pfropfen die Wurzeln und setzen sie wieder ein.“

Mit den Kastanien brachten die Römer auch die Walnüsse über die Alpen und pflanzten sie um ihre Militärstationen. So fanden sich auch im Wegwurf der Saalburg zerbrochene Schalen von Walnüssen, die dort einst von den Legionären oder deren Angehörigen verspeist wurden. So scheint der Walnußbaum zuerst um die römischen Kastelle gewachsen zu sein, um im Laufe von Jahrhunderten von da weiter ins Land hinauszugelangen. So sind Ortsnamen, die mit Nuß- zusammenhängen, in der Rheingegend schon in den ältesten auf uns gekommenen Urkunden nachweisbar, so der Flecken Nußloch bei Heidelberg, der zuerst im Jahre 776 und das Dorf Nußbaum bei Bretten in Baden, das zum ersten Male im Jahre 883/884 belegt ist. Dazu kommen später Nußdorf (erster Beleg 1134), Nußbach bei Oberkirch (1196), Nußbach bei Triberg (1284) und Nußbaum bei Mosbach (1335). Daß der Baum in Gallien besonders intensiv kultiviert wurde beweist der spätlateinische Name nux gallica, dessen Reflex wir im deutschen Walnuß und im englischen walnut haben. Die Anpflanzung des Nußbaums wird sowohl im Capitulare de villis wie in den beiden uns erhaltenen Garteninventaren Karls des Großen aus dem Beginne des 9. Jahrhunderts angeordnet. In der Hünenburg bei Rinteln an der Weser aus dem 10. bis 11. Jahrhundert n. Chr. wurden Stücke von Walnußschalen gefunden. Heute hat sich der Nußbaum überallhin, wo es ihm nicht zu kalt ist, verbreitet und wird seiner ölreichen Nüsse, die ein sehr gutes Tafelöl liefern, und seines sehr gesuchten Holzes wegen viel gepflanzt.

Die Haselnuß (Corylus avellana) ist fast in ganz Europa und in Vorderasien heimisch. Hier war sie schon den Menschen der Steinzeit ein beliebtes Nahrungsmittel und wir finden ihre zerbrochenen Schalen im Wegwurfe der Pfahlbauern der jüngeren Stein- und der Bronzezeit. An einzelnen Fundstellen finden sie sich zu ganzen Schichten angehäuft. Erst die Griechen und hernach die Römer haben außer der einheimischen wilden Art auch schon größere und feinere, kultivierte Arten gekannt, so die lombardische oder Lambertsnuß (Corylus tubulosa) und die türkische Haselnuß (Corylus colurna). Der Erzeuger der ersteren ist ein stattlicher Strauch, derjenige der letzteren dagegen ein Baum, der in seinem Vaterlande, im Pontusgebiet bis Armenien, ganze Wälder bildet. Beide kamen aus dem nördlichen Kleinasien über die Städte am Pontus als kárya póntika, d. h. pontische Nüsse, nach Griechenland, von wo sie in die griechischen Kolonien Siziliens und Unteritaliens gelangten. Hier wurden sie mit besonderer Vorliebe kultiviert, so daß die bei der Stadt Abella in Campanien wachsende Haselnuß — welche der beiden vorhin genannten groß-kernigen Sorten es war, ist nicht entschieden — als nux abellana von den Römern, die deren Kultur von den Griechen übernahmen, besonders geschätzt wurde.

Durch die Römer wurden diese pontischen Haselnußrassen gleichzeitig mit Walnuß und Kastanie in ihren transalpinen Provinzen eingeführt. So fand man im Wegwurf in den Brunnen des römischen Feldlagers der Saalburg nicht nur zahlreiche Schalen der gewöhnlichen Haselnuß, sondern auch der großen Lamberts- und türkischen Haselnüsse. Auf Grund dieser Funde dürfen wir annehmen, daß die avellanarii, d. h. die Haselnußstauden, die in den Gärten Karls des Großen gezogen wurden, nicht sowohl einheimische, wilde, die ja sonst gar nicht besonders angeführt worden wären, als vielmehr die lambertsche oder die türkische Haselnuß waren. Im 16. Jahrhundert wurden dann echte türkische Haselnüsse durch Valerius Cordus, der sie von einem ungarischen Gesandten in Konstantinopel erhielt, direkt bei uns eingeführt und in Gärten Mitteleuropas kultiviert. Allerdings erreicht sein Erzeuger bei uns lange nicht die stattliche Größe, die er in seiner Heimat in den Pontusländern aufweist.

Solche haselnußartige Samen bieten sehr zahlreiche Pflanzen aller möglichen Länder, unter denen wir nur die chilenische, brasilische, westindische und nordamerikanische Haselnuß, die Waldmandel Westindiens und verschiedener Waldbäume des nördlichen Südamerika mit teilweise mandelartigem Aussehen nennen wollen. Die brasilischen Nüsse, von den Einheimischen juvias genannt, sind vierkantige, braune Samen von der Größe einer Walnuß mit ölreichem Kern, der wie Mandeln schmeckt. Der sie hervorbringende stattliche Baum (Bertholletia excelsa) wächst überall in den Wäldern von Guiana, Venezuela und Nordbrasilien und wird zur Zeit der Samenreife stets von den Indianern aufgesucht, die diese wohlschmeckenden Nüsse sehr lieben und viele Wochen hindurch davon leben. Leider werden sie bald ranzig und lassen sich deshalb nicht längere Zeit aufbewahren. Außerdem gibt es in denselben Gebieten einen souari genannten hohen Baum (Caryocar butyrosum) und in Ekuador einen nahen Verwandten desselben, den pequi-Baum (Caryocar amygdaliferum), die den Mandeln ähnliche ölreiche Samen aufweisen.

Von geringerer Bedeutung, aber für uns wichtiger sind die Pistaziennüsse und das Johannisbrot, die wir ebenfalls aus dem warmen Süden erhalten. Ihre Erzeuger, die Pistazie und der Johannisbrotbaum, ohne die wir uns die alten Kulturländer am Mittelmeer nicht mehr vorstellen können, sind ebensowenig wie die früher betrachteten Fruchtbäume hier heimisch, sondern erst in geschichtlicher Zeit vom Menschen dort angesiedelt worden. Die echte Pistazie (Pistacia vera) hat ihre Heimat im südlichen Kaukasus, in Mesopotamien und Syrien, wo sie stellenweise noch wild wachsend in größeren Beständen angetroffen wird. Sie ist ein 6–9 m hoher Baum mit unpaarig gefiederten, abfallenden Blättern, kurzen Blütenrispen und eiförmig länglichen, 2,5–4 cm großen Steinfrüchten. Diese besitzen einen dünnen Überzug von grünem, rot angehauchtem Fleisch und darunter unter holziger Schale angenehm mandelartig schmeckende, haselnußgroße, länglich dreikantige, grüne Kerne, die Pistazienmandeln oder syrischen Nüßchen (ital. pistacchi), die im Orient roh gegessen und zu allerlei Backwerk, auch zur Gewinnung von Öl verwendet werden, das aber leicht ranzig wird. Früher dienten sie auch als Heilmittel; jetzt werden sie nur noch in der Küche, von Zuckerbäckern und Metzgern zum Würzen der feineren Würste verwendet.

In Babylonien ist die Pistazienkultur uralt und schon damals werden die Früchte wie heute noch in Syrien und Ägypten eine Lieblingsnäscherei der vornehmen Haremsdamen gewesen sein. Sie hießen im Assyrischen butnu und als botnim kamen sie nach Syrien und Palästina, wo sie zur Zeit der jüdischen Erzväter bekannt waren. Als die Brüder Josephs, von der Hungersnot gedrängt, zum zweitenmal nach Ägypten zogen, nahmen sie als Geschenke an den Minister des Pharao, in dem sie ihren Bruder nicht vermuteten, unter den erlesenen Landesfrüchten auch Pistazien mit. Von da an hat man keine Nachricht mehr vom Vorhandensein dieses Fruchtbaums in Syrien, bis nach der Erschließung Vorderasiens durch den Zug Alexanders des Großen ums Jahr 330 v. Chr. die Griechen Kunde von ihm erhielten. So berichtet Theophrast, der Schüler des Aristoteles: „In Indien wächst ein Baum, der der Terebinthe ähnlich ist, dessen Früchte aber wie Mandeln sind. Er soll auch in Baktrien wachsen; die Früchte sollen besser als Mandeln schmecken und werden deshalb dort lieber gebraucht als diese.“ Dieser Autor kennt noch keinerlei Namen für diese Frucht. Ein solcher erscheint erst hundert Jahre später, zu Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts beim griechischen Dichter Nikander, der schreibt: „Am wild brausenden indischen Strome Choaspes — es ist dies der Fluß von Susa — tragen die Äste der Pistazien (pistákia) Früchte gleich Mandeln.“ Den Namen pistákion, d. h. Pistazie nennt wiederum hundert Jahre später der aus Apamea in Syrien gebürtige Geschichtschreiber Poseidonios. Er sagt, daß in Arabien und Syrien die sogenannte Pistazie wachse, deren grünliche Kerne zwar den Pinienkernen an Geschmack nachstehen, aber einen angenehmen Duft haben. In der Folge wird der Pistazienbaum mehrfach von medizinischen Schriftstellern erwähnt, so vom griechischen Arzte Dioskurides, der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine reichhaltige Arzneimittellehre verfaßte und darin über dessen Früchte schreibt: „Die Pistaziennüsse (pistákion), welche in Syrien wachsen, sind den Piniennüssen (stróbilos) ähnlich und bekommen dem Magen gut.“ Ähnlich schreibt der im Jahre 131 n. Chr. in Pergamon geborene und ums Jahr 200 in Rom verstorbene berühmte Arzt Galenos: „Die Pistaziennüsse (pistákion) wachsen bei Alexandria in Ägypten, aber noch weit häufiger bei der Stadt Berrhoea in Syrien. Sie geben wenig Nahrung, sind aber gesund.“

Plinius nennt unter den Bäumen Syriens den, „der die bekannten Pistaziennüsse (pistacium) trägt“ und berichtet, daß ihn der Römer Lucius Vitellius — nicht zu verwechseln mit dem nachmaligen Kaiser Aulus Vitellius —, der zur Zeit des Tiberius zwischen den Jahren 20 und 30 n. Chr. Legat in Syrien war und von dorther allerlei Gartenfrüchte und Obstbäume auf sein Landgut bei der Stadt Alba in Mittelitalien verpflanzte, nach Italien, und Flaccus Pompejus, ein römischer Ritter, der mit Vitellius Kriegsdienste tat, nach Spanien brachte. In Mittelitalien wird aber jedenfalls das Klima zu rauh für den empfindlichen medisch-persischen Baum gewesen sein; denn noch in Kalabrien und auf Sizilien, wo ihn in der Folge die Römer akklimatisierten, liefert er weniger schmackhafte Früchte als in seiner orientalischen Heimat.

Auch in Sizilien und Sardinien wuchs der Baum, von dem gewöhnlich Edelreiser auf die im Mittelmeergebiet überall heimische Terpentinpistazie gepfropft wurden. Noch im 4. Jahrhundert n. Chr. berichtet uns Palladius, der selbst Güter auf der Insel Sardinien besaß, vom Anbau dieses Fruchtbaumes. Aber die Kultur desselben muß in den Stürmen, die die Völkerwanderung über Italien brachte, vollständig außer Gebrauch gekommen sein, und es blieb den Arabern vorbehalten, mit so manchen anderen asiatischen Kulturpflanzen wie Dattelpalme, Mohrhirse, Safran und Zitrone auch die Pistazie wieder an dafür geeigneten Orten am Mittelmeer, das sie ja um die Wende des 1. christlichen Jahrtausends völlig beherrschten, angesiedelt zu haben. Seitdem sie die Pistazie wiederum in Sizilien und Süditalien anpflanzten, blieb der Fruchtbaum bis auf den heutigen Tag in der Kultur der sie in der Herrschaft ablösenden Christen, die die Früchte gerne aßen und in der Küche verwandten. Am häufigsten trifft man bei uns die sizilischen Pistazien; die tunesischen sind wegen ihrer schönen grünen Farbe besonders geschätzt, während diejenigen Aleppos sehr groß und gelb sind.

Wie der Pistazienbaum wurde auch der Johannisbrotbaum oder Caroubier (Ceratonia siliqua) erst durch die Araber in den wärmeren Gegenden am Mittelmeer als Spender eines billigen Volksnahrungsmittels angesiedelt. Dieser heute namentlich in den östlichen Mittelmeerländern weit verbreitete Hülsenfrüchtler stellt einen nicht sehr hohen, breitausladenden, schattenreichen Baum dar mit paarig gefiederten, lederartigen Blättern. Sein bevorzugter Standort sind die sonnendurchwärmten, felsigen Halden in der Nähe des Meeres, die vor dem kalten Nordwind geschützt sind; denn dieses sonnenverwöhnte Kind Vorderasiens liebt diesen durchaus nicht. Hier wächst er langsam, trägt erst nach zwanzig Jahren, dauert aber jahrhundertelang aus. Seine flachen, hornartig gekrümmten Schoten mit süßem, nahrhaftem Fruchtfleisch, das innen glänzend dunkle, bohnenartige Samen birgt, werden nicht nur mit Vorliebe von Schweinen, Pferden und Eseln, sondern auch vom Menschen roh und geröstet oder gebacken überall im Orient gegessen. Auch auf unsern Jahrmärkten erscheint das Johannisbrot als geschätzter Leckerbissen mit der Süßholzwurzel und den schwarzen Lakritzenstangen. Lakritz ist aus dem griechischen glykyrrhíza, d. h. Süßwurzel zusammengezogen, und erfreut hier besonders die Kinder. Aus den als Karuben bezeichneten Fruchthülsen — das Wort stammt aus dem arabischen charrûb — wird auch ein süßer, honigähnlicher Saft gepreßt, der als keratomeli, d. h. Hörnchenhonig im Morgenlande sehr beliebt ist. Nach ihrer hörnchenartig gekrümmten Form nannten die alten Griechen, die den Baum selbst nicht kannten, sondern nur die aus dem Orient eingeführten Früchte gelegentlich auf dem Markt kauften, die Johannisbrotschoten kerátia oder kerōnia, d. h. Hörnchen und glaubten irrtümlicherweise, sie kämen aus Ägypten. Erst der Schüler von Aristoteles, Theophrastos (390–286 v. Chr.), versichert mit Nachdruck, sie kämen nicht von dorther, sondern aus Syrien und Ionien; denn zu seiner Zeit war der Karubenbaum bis Knidos im südwestlichen Kleinasien und bis zur Insel Rhodos im Ägäischen Meere vorgedrungen. Auch Strabon, der ums Jahr 25 n. Chr. verstorbene griechische Geograph aus der kleinasiatischen Stadt Amasia südlich vom Schwarzen Meer, sagt, er wachse nicht in Ägypten, sondern zugleich mit der Dattelpalme in Äthiopien, wo er in Menge gedeihe.

Seine eigentliche Heimat hat der Johannisbrotbaum in Syrien, wo er mit anderen Fruchtbäumen und Nutzpflanzen vermutlich vom uralten Volke der Chetiter in Kultur genommen und veredelt wurde. Einst, wie jetzt, bildeten seine süßen Schoten dort und in Palästina eine gemeine Speise. Johannes der Täufer soll sich während seines Aufenthalts in der Wüste damit genährt haben, weshalb sie überhaupt den Namen Johannisbrot erhielten. Noch den Reisenden neuerer Zeit wird der angebliche Baum gezeigt, von dessen Früchten der Vorläufer des Messias sein Leben während der Zurückgezogenheit in der Wüste gefristet haben soll. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das im 15. Kapitel des Evangeliums nach Lukas berichtet wird, begehrt der verlorene Sohn, der zum Schweinehirten herabgesunken ist, seinen Hunger mit den Hörnchen (im Urtext apó tón keratión, fälschlich von Luther, der die wahre Bedeutung dieses Wortes nicht kannte, mit Treber übersetzt), die die Schweine fraßen, zu stillen, aber niemand gab sie ihm. Diese Hörnchen sind nichts anderes als das Johannisbrot.

Tafel 43.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Bäume mit eßbaren Kastanien am Vierwaldstättersee.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

(Photographie von G. Kraskowits.)

Gewöhnlicher Feigenbaum und Feigenopuntie auf der Insel Korfu.

Tafel 44.

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Johannisbrotbaum. (Nach einer Photogr. von L. Adamovic in „Karsten u. Schenck, Vegetationsbilder“.)

Illustration from Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 1. Hälfte

Zitronenhain bei Saló am Gardasee.

Auch die alten Ägypter kannten das Johannisbrot, das unter dem Namen dscharudsch oder garuta, d. h. Schote, aus Syrien zu ihnen gebracht wurde. Man aß es hier trocken oder eingekocht und bereitete daraus einen tarruku genannten süßen Trank. Auch als Medizin wurde es viel angewandt. Unter den Totenbeigaben sind in Kahun aus Gräbern der 12. Dynastie im mittleren Reich (2000–1788 v. Chr.) Reste von Schoten des Johannisbrotbaumes, samt Fruchtkernen, ebenso in solchen des ägyptisch-griechischen Gräberfeldes von Hawara im Fajûm gefunden worden. Nach Unger findet sich Johannisbrot auch auf einer altägyptischen Darstellung von Totenspeisen in einem Grabe der 12. Dynastie abgebildet. Später wurde der Fruchtbaum in Ägypten selbst angepflanzt. So fand Kotschy in einem Sarkophag neben einer Mumie einen Stock, der sich bei mikroskopischer Untersuchung als vom Johannisbrotbaum herrührend erwies.

Die alten Griechen haben diesen Fruchtbaum noch nicht in ihrem Lande gezogen. Sie brachten seine Früchte als Rückfracht aus dem Orient mit und vermittelten ihre Kenntnis auch den Römern, die sie zunächst als siliquae graecae, d. h. griechische Schoten, bezeichneten. Später werden sie vielfach als syrische Schoten bezeichnet, als man erkannte, daß sie aus Syrien stammten und nur durch die Griechen übermittelt wurden. Dioskurides und Galenos rühmen diese Schoten als Speise durchaus nicht. Ersterer sagt: „Das frische Johannisbrot (kerátion) bekommt, wenn es genossen wird, schlecht; das getrocknete schmeckt besser, besonders, wenn die Schalen und Kerne nicht mitgegessen werden.“ Und letzterer meint: „Das Johannisbrot (kerátion) ist keine gesunde Speise, kommt aus dem Morgenland, sollte aber nicht von dort geholt werden.“ Also war noch zur Zeit des Arztes Galenos gegen Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts das Johannisbrot durchaus nur Gegenstand der Einfuhr aus dem Orient und erst im 4. Jahrhundert lehrt Palladius, der Verfasser eines noch im Mittelalter viel benutzten Werkes über den Landbau, ausführlich wie der Baum gepflanzt und veredelt werden soll, so daß man annehmen muß, daß er damals auch in Italien selbst wuchs. Immerhin könnte diese Stelle ein späteres Einschiebsel sein, da sie in einigen Handschriften fehlt und der fleißige Benutzer des Palladius, Petrus Crescentius, über den Baum schweigt. Wenn er nun auch damals jedenfalls in beschränkter Zahl in Italien selbst kultiviert wurde, so war doch diese Produktion ohne größere Bedeutung.

Erst die Araber nahmen die mehr oder weniger verschwundene Kultur dieses Fruchtbaumes wieder auf und verbreiteten ihn in Sizilien, Süditalien, Spanien, wie in ganz Nordafrika im Bereiche ihrer Herrschaft. Ihre Bezeichnung Charruben für die Früchte ist ins Italienische carruba, ins Spanische garroba — oder mit dem arabischen Artikel al davor als algarroba — ins Portugiesische alfarroba und ins Französische caroube übergegangen, was an sich schon mit Sicherheit beweist, daß sie diesen Ländern die Kenntnis dieser Frucht vermittelten. Sie ihrerseits hatten von den Griechen die als kerátia bezeichneten Bohnen der Johannisbrotschoten, die sich durch eine auffallend übereinstimmende Größe auszeichnen, als Gewichtseinheit angenommen und dies dem Abendlande übermittelt. So dient uns heute noch das von ihnen als kleinstes Gewicht angenommene Karat, d. h. eben die nach dem griechischen kerátion bezeichnete Johannisbrotbohne als Gewichtseinheit für Gold, Diamanten und alle Juwelen überhaupt, wie in Persien das Weizenkorn gändum als kleinste Gewichtseinheit dient, und die nächst höhere die Kichererbse nukhûd ist. Dabei ist 1 nukhûd = 4 gändum.

Seitdem die Araber den Johannisbrotbaum überallhin an den Gestaden des Mittelmeers, soweit er gedeihen kann, angesiedelt haben, pflanzt man ihn gerne auch als Schattenbaum zur Straßeneinfassung und inmitten der Felder. Soll der Baum aber nicht bloß Schatten gewähren, sondern auch reichlich Früchte tragen, so muß er von Zeit zu Zeit beschnitten werden wie der Weinstock und der Ölbaum. Die nördliche Grenze seiner Verbreitung fällt ungefähr mit derjenigen der Orangen und Zitronen zusammen. In Kleinasien und Syrien wird er als Fruchtspender so geschätzt, daß er geradezu göttliche Verehrung bei Muhammedanern und Christen genießt. Er ist dem heiligen Georg geweiht, dem sagenhaften kappadozischen Prinzen, der unter Diokletian (regierte von 284–313 n. Chr.) als Märtyrer gestorben sein soll, nachdem er einst einen Lindwurm besiegt hatte, der ein Mädchen zu verschlingen drohte. Schon die Kreuzfahrer führten diesen streitbaren Heiligen symbolisch in ihrem Panier und seither ist er der Schutzheilige aller Berittenen. In Griechenland und im Orient überhaupt sind Georgskapellen unter Johannisbrotbäumen häufig.

Wie bei allen Kulturgewächsen haben sich auch bei ihm die verschiedensten Varietäten gebildet, die sich durch Form, Größe, geringere oder größere Süßigkeit und Haltbarkeit der Schoten unterscheiden. Doch gilt im allgemeinen, daß je wärmer das Klima ist, in welchem er wächst, er um so mehr Zucker in seinen Schoten zu entwickeln vermag und um so süßer der aus ihnen ausgepreßte Honig wird. In letzterem Falle werden die Preßrückstände den Schweinen vorgeworfen. Auch das harte Holz wird geschätzt und die tanninhaltige Rinde dient zum Gerben. Vom Orient aus wird das Johannisbrot bis tief nach Rußland hinein und in die nordischen Länder exportiert, wo es als billiger Leckerbissen auf keinem Volksmarkte fehlt.

Eine eßbare, wohlschmeckende Kernfrucht bietet auch der in ganz Indonesien, besonders den Molukken wild wachsende und auch angepflanzte Katappabaum (Terminalia catappa). Die Frucht, deretwegen der Baum auch sonst in den Tropen, besonders auf den Antillen kultiviert wird, hat Ähnlichkeit mit der Walnuß und enthält einen bis zwei mandelartige Kerne. Ähnliche Samen bieten verschiedene andere Terminaliaarten in Südindien, Ozeanien und Südamerika. Gleicherweise werden auf den Inseln der Südsee die Kerne der Früchte von Inocarpus edulis, Sterculia balanghas und St. foetida als fast tägliche Speise gegessen. Ebenso finden die ölreichen Samen zahlreicher Nadelholzgewächse als Speise der Menschen Verwendung, so diejenigen verschiedener Kiefern und Fichten, wie der Zirbelkiefer (Pinus cembra), der Fichte der Norfolkinsel östlich von Australien, der als Ziergewächs bei uns in Töpfen gezogenen Araucaria excelsa und der südamerikanischen Araukarie (Araucaria imbricata). Dieser von den Indianern als pehuén bezeichnete Nadelbaum ist diözisch, d. h. weist männliche und weibliche Exemplare auf und bildet auf Sandboden lichte Bestände, die entfernt an unsere Kiefernwälder erinnern. Sein Stamm bildet eine mächtige Säule von bis zu 60 m Höhe, ist unten kahl und trägt oben einen schirmartigen Wipfel, dessen herunterhängende Äste an den Spitzen wieder nach aufwärts streben. Die Fruchtzapfen benötigen zwei Jahre zur Reife und enthalten 100 bis 200 mehlige, ähnlich wie Kastanien schmeckende Samen, die im Februar und März reifen. Um diese von den Spaniern, die sie ebenfalls sehr lieben, piñones genannten, doppelt mandelgroßen Nüsse zu erlangen, unternehmen die Indianer zur Zeit der Reife große Wanderungen. Diese pflanzliche Speise ist für sie um so wichtiger, je weiter sie von den Weißen entfernt wohnen und je schwerer sie sich von jenen die gewöhnlichen Getreidearten durch Tausch gegen Wildpret und Felle verschaffen können. Ein einziger Zapfen genügt für einen Indianer zur Ernährung für einen Tag, wenn er noch etwas Fleisch zu sich nimmt. Durch ihren reichen Ölgehalt sind sie nicht sehr leicht verdaulich und lassen sich auch nicht längere Zeit hindurch aufbewahren. Doch bereiten die Eingeborenen daraus ein Gebäck, das sich lange Zeit erhält. So können sie die von ihnen sehr geschätzten Samen aufs weitgehendste ausnützen.

In den Mittelmeerländern finden besonders die Piniennüsse, gewöhnlich Pignolen genannt, zahlreiche Liebhaber und kommen dort überall in den Handel. Der Nüsse und des Holzes wegen wird die Pinie auch in Südtirol kultiviert. Die Pinienzapfen reifen erst im vierten Jahre. Zur Gewinnung der Nüsse werden besondere Sorten mit sehr dünner, zerbrechlicher Schale gezogen, entsprechend den als Butternüsse bezeichneten, weichschaligen Walnüssen und den weichschaligen Bruchmandeln. So gewährt der berühmte Pinienwald bei Ravenna, die Pineta, den Bewohnern reichlichen Gewinn durch die überallhin nach Italien verschickten Samen, trotzdem die Bestände durch den kalten Winter 1879–80 und durch einen Waldbrand stark gelitten haben. Sie sind ziemlich groß, schmecken wie Mandeln und werden roh zu allerlei Speisen und in Zucker eingemacht gegessen, auch zur Darstellung eines fetten süßen Öles benutzt. Sie bilden auch für Griechenland, besonders den Peloponnes, einen nicht unwichtigen Ausfuhrartikel. Schon der Grieche Athenaios (um 200 n. Chr.) in Alexandrien erwähnt die Ausfuhr der Piniennüsse von dort nach Ägypten. Dioskurides sagt von ihnen: „Die Samen der Pinien (pítys) und Kiefern (peúkē) werden pityís genannt. Sie befördern die Verdauung und erwärmen etwas, sind auch für sich oder mit Honig gegen Husten und Brustübel nützlich.“ Sein Zeitgenosse Plinius unterscheidet 4 Sorten der Piniennüsse (pinea nux), deren eine, „die tarentinische, eine so dünne Schale besitzt, daß man sie zwischen den Fingern zerbrechen kann. Sie werden deshalb oft schon am Baume von den Vögeln gefressen.“ Er bemerkt, daß die Tauriner (die jetzigen Piemontesen) die von der Schwarzkiefer (pinaster = Pinus laricio) stammenden Samen, in Honig gekocht, als treffliches Mittel gegen den Husten in den Handel bringen und meint ferner: „Die Pinienkerne stillen den Durst und helfen gegen Magensäure und Nierenleiden, heilen auch, mit Wasser gekocht, das Blutspucken. Mit Wein oder einer Abkochung von Datteln getrunken, führen sie die Galle ab. Gegen heftigeren Magenschmerz und Nierenübel mischt man Gurkensamen und Portulaksaft hinzu.“ Palladius um 380 n. Chr. sagt: „Die Pinienzapfen können reif oder überreif von den Bäumen genommen werden, doch muß es geschehen, bevor sich die Zapfen öffnen. Die Kerne lassen sich nur dann aufbewahren, wenn sie gut gereinigt und getrocknet sind.“ Diese Bemerkung ist ganz richtig. Nur aus den Zapfen genommen und sorgfältig getrocknet lassen sie sich einige Zeit aufbewahren.

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