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Kasperle auf Reisen

Elftes Kapitel Abenteuer über Abenteuer

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Allmählich wurde es stiller und stiller im Dorf. Kasperle hörte drinnen im Kirchturmwinkel den Lärm verklingen, und nun wagte er sich erst einmal recht umzuschauen, wo er eigentlich war. Er saß in einer dunklen Vorkammer, eine Treppe neben ihm führte zum Turmaufgang, und von oben strömte noch ein matter Lichtschimmer herab.

Gerade dachte Kasperle, es wäre gut, bis hinauf zu steigen, als jemand draußen sagte: „Aber morgen müssen wir doch einmal in der Kirche nachsehen.“ Es waren die zwei Landjäger. Sie gingen vorbei, um mitten auf der Dorfstraße Wache zu halten. Da kletterte innen Kasperle angsterfüllt die ganz schmale, steile Treppe zum Turm hinauf. Er dachte: Dort oben suchen sie vielleicht nicht.

Im Turm der Waldraster Kirche wohnten seit vielen, vielen Jahren Eulen. Eine alte Eulenurgroßmutter, die gerade zur Zeit lebte, erzählte, schon ihre Urgroßmutter habe erzählt, daß ihrer Urgroßmutter Urgroßmutter im Turm gewohnt habe. Niemand störte je die Eulen. Wenn unten die Waldraster Buben den Strick zogen, um die Glocke zu läuten, immer die brävsten durften das tun, dann huschelten sich die Eulen nur tiefer

Davon wußte Kasperle nichts. Er stieg immer höher, und die Eulen, die sich gerade ihren Tagesschlaf aus den Augen rieben, sahen erstaunt auf den kleinen, sonderbaren Kerl, der da die Treppe heraufkam. Sie erschraken sehr. Die alte Urgroßmutter schrie heiser: „Nehmt euch in acht, der hat es auf die Kleinen, die Nestlinge abgesehen!“ Da schrien alle Eulen; unheimlich klang es, und alle schwirrten empor. Und auf einmal flatterte und rauschte es Kasperle um den Kopf, und er sah in viele funkelnde, böse Eulenaugen. Er erschrak ganz fürchterlich. Eine ganz unbeschreibliche Angst vor diesen fremden, unheimlichen Vögeln ergriff ihn, und er wollte die Treppe eiligst wieder hinabsteigen. Doch er trat fehl und fiel, die Eulen kreischten laut, und das purzelnde Kasperle erfaßte in seiner Angst den Glockenstrick, der ihm vor der Nase herumbaumelte.

„Bum, bum, bum!“ tönte es dumpf.

Nun erschraken auch die Eulen, denn Glockenklänge um diese Zeit waren ihnen ganz ungewohnt. Sie flatterten immer aufgeregter hin und her, Kasperle klammerte sich fester an den Strick, und die Glocke geriet ins Schwingen. „Bum, bum, bum, bimbam, bimbam!“ Die Glocke begann lauter und lauter zu

„Bum, bum, bum! Bimbam, bimbam!“ Über das schlafende Dorf rauschten die Glockenklänge. Die Hunde begannen zu bellen, die Menschen fuhren erschrocken in ihren Betten empor. Die Glocke läutete, was war das? Der Schneidermeister Pimperling sprang zuerst auf die Dorfstraße hinaus. „Feuer!“ schrie er, „Feuer! Feuer!“

Der Ruf fand Widerhall. Aus den Häusern stürzten die Leute, und alle schrien sie: „Feuer! Feuer!“ Und alle sahen sie sich um, wo es denn eigentlich brennen könnte. „Die Wassereimer her, die Wassereimer her!“ schrie der Schulze, denn eine Feuerspritze gab es damals noch nicht in Waldrast. Und alles lief und rannte, um Wassereimer zu holen, und einer fragte den andern, wo denn das Feuer sei, bis einer auf den Gedanken kam, das müßte doch der wissen, der die Glocke läutet. Ja, wer läutet sie denn?

Dem Kasperle aber im Glockenstuhl war es himmelangst geworden. Er hielt sich schließlich verzweifelt am Gebälk fest, ließ den Strick fahren und sauste nun etwas unsanft die Treppe hinab. Auf halber Höhe blieb der zuletzt liegen. Ganz verdattert von dem Geschehenen war er, und als er von draußen, von der Dorfstraße

„Die Türe ist aber verschlossen!“ rief jemand anders.

„Man muß den Küster holen, er muß aufschließen,“ verlangten ein paar Stimmen. „Flink, holt ihn!“

„Bim — bam, bim — bam!“ Das Läuten oben wurde schwächer, aber Kasperle hörte noch immer die Eulen oben kreischen und flattern. Wohin sollte er fliehen? Auf dem Turm waren die Eulen, die hackten ihm wohl gar die Augen aus; unten standen die Dorfleute, wehe wenn die ihn erwischten! Er hörte jemand rufen: „Da kommt der Küster, nun aufgepaßt, jetzt müssen wir den Kasper fangen!“

Es war wieder die Base Mummeline, die so rief, und das Kasperle sah sich ganz verzagt um. Wohin sollte er denn nur fliehen? Da sah er plötzlich neben sich eine lange Stange stehen, und — ein ganz unnützer Gedanke kam dem Kasperle.

Der Schlüssel knirschte im Schloß, die Türe ging auf. „Uje, ist’s hier aber dunkel! Holt flink ein paar Laternen!“ rief jemand. Und dann gab es einen Plumps,

„Au, Donnerwetter!“ Da lag der dicke Schulze.

„Himmel, Hagel, was ist das!“ Der eine Landjäger fiel dem Schulzen nach, und der Schneidermeister Pimperling quiekte: „Potz Hosenknopf und Ellenmaß, hier spukt’s!“

„Ich werde totgedrückt!“ kreischte die Base Mummeline.

„Laternen her, Laternen her!“ Einer nach dem andern fiel in den Vorraum hinein, und in diesem allgemeinen Gepurzele, in dem lauten Lärm gelang es Kasperle, sich sacht an der Wand hin ins Freie hinauszuschleichen. Er drückte sich ganz eng an die Mauer an und wutschte um den Turm herum, und er war gerade auf der andern Seite angelangt, als etliche Leute mit Laternen daherkamen. Das ganze Dorf versammelte sich am Turm, mit den Laternen wurden die hingepurzelten Leute beleuchtet, und alle riefen: „Das ist ein Streich von Kasper.“

„Man muß den ganzen Turm absuchen,“ sagte der Schulze, der sich stöhnend aufgerichtet hatte, und die Base kreischte: „Der darf uns nicht entwischen, dieser heillose Bösewicht!“

Der Schneidermeister Pimperling, der sehr klein, dünn und mutig war, erbot sich, auf den Turm zu steigen. Er nahm einen alten Nachtwächterspieß und

Die Eulen erschraken, als das Licht in ihre Wohnstuben drang. Das blendete sie, und sie versteckten sich scheu. Die Glocke zitterte noch hin und her, aber soviel der Meister Pimperling auch herumleuchtete, Kasperle fand er nicht.

Unten sagte der Kasperlemann: „Wir müssen ihn finden, er muß doch da sein!“ Und er erzählte von der hohen Belohnung, die der Herzog geben wollte, und alle suchten noch eifriger, alle sagten: „Er muß doch da sein! Wer soll sonst die Glocke geläutet haben?“

Inzwischen rannte Kasperle sehr eilfertig dem Walde zu. Weil alle nach der Kirche liefen, bewachte keiner die Wege, die nach auswärts führten, und Kasperle gelangte ungesehen in den Wald. Er schlug nicht den Weg ein, der zur Stadt hinabführte, sondern lief seitwärts; dort wußte er, dehnte sich der Wald viele, viele Stunden weit aus. Durch diesen Wald hindurch führte der Weg in ein anderes, fremdes Tal, in das die Leute aus Waldrast nie gingen. In der tiefen Dunkelheit verlor Kasperle nun bald den Weg; er mußte wieder mühsam über Steine klettern und fiel über Wurzeln und umgestürzte Bäume, und als er so ein paar Stunden dahingelaufen war, sank er todmüde zu Boden. Er

Kasperle setzte sich auf einen moosbewachsenen Stein und sah sich traurig um. Nun war er wieder mutterseelenallein in der weiten, weiten Welt, nun hatte er keine freundlichen Pflegeeltern mehr und keine lustigen Kameraden. Er dachte an das Waldhaus; ach, wäre er doch dort geblieben und nicht fortgelaufen! Dort war doch seine Heimat. Er wäre gern zurückgekehrt, aber wie sollte er den Weg finden? Er mußte dann doch an dem Schloß vorbei, in dem die liebliche Rosemarie wohnte! Aber dort kannten ihn alle, man würde ihn fangen und ins Gefängnis setzen. Kasperle hatte davor eine ganz schreckliche Angst. Der Herzog und die Base Mummeline, das waren seine Feinde, und als er nur an sie dachte, sprang er gleich auf und lief weiter durch den Wald. Er wanderte und wanderte, viele Stunden lang, der Wald nahm kein Ende; ganz undurchdringlich schien er zu sein.

Endlich setzte sich Kasperle wieder müde auf den Boden nieder. Er zog das Brot heraus, das ihm die gute Lehrersfrau noch gegeben hatte, und begann traurig zu essen. Und wie er so saß, vernahm er ein Plätschern und Rauschen; ein Bächlein mochte nicht allzu ferne fließen. Weil Kasperle durstig war, stand er auf und ging dem Rauschen nach. Nach einem Weilchen sah

Sehr lange dauerte es nicht, bis Kasperle schlief. Er schlief und schlief in die warme, Sommernacht hinein. Einmal wachte er auf, da stand eine ganz schmale Mondsichel gerade über dem Waldwinkel, und das

Auf einmal tönte laut eine Stimme in seinen Schlaf hinein: „Hallo, he, aufgewacht du!“

Kasperle richtete sich erschrocken auf und sah sich verwirrt um. Da stand neben ihm ein Bub, nicht viel größer als er, der trug ein Hemd und ein Höslein, geflickt wie eine Musterkarte, auf seinem Kopf saß ein verbeultes, verblichenes Hütlein mit einem mächtigen Busch Hahnenfedern daran. Es sah beinahe aus wie der Kopfschmuck, den der Räuberhauptmann im Kasperletheater zu tragen pflegte. Des Buben Augen blitzten lustig; der ganze kleine Kerl sah überhaupt so vergnügt in die Welt, daß Kasperle auch gleich lachen mußte.

Und wenn Kasperle lachte, das steckte an. Erst machte der fremde Bube Kulleraugen vor Erstaunen, als Kasperle seinen Mund von einem Ohr zum andern zog, aber dann lachte er laut heraus. Sein Lachen steckte wieder das Kasperle an, und so lachten sie eine gute Zeit um die Wette, und die Felswand gab vergnügt das Echo zurück. Sonst hörten es nur noch eine Anzahl Geißen, die kamen zierlich über die Steine geklettert und umringten die beiden Buben. Aber plötzlich sprang der fremde Bube auf und schrie: „Rosemarie

Rosemarie! Kasperle vergaß das Lachen vor Staunen. War das liebliche Grafenkind hier im Walde, und war er gar wieder dem Schlosse näher gekommen? Die Geißen umschnupperten ihn ganz zutraulich, er aber saß da, als wäre er aus allen Wolken gefallen. Doch da kam der fremde Bub schon wieder zurück, er trieb ein schneeweißes Zicklein vor sich her und rief schon von weitem: „Das ist Rosemarie; beinahe hätte sie sich verlaufen.“

Kasperle schüttelte den Kopf. „Nä,“ brummelte er entrüstet, „Rosemarie ist eine Grafentochter, keine Geiß!“

Der fremde Bube lachte hell auf. „Freilich, ein Geißenname ist’s nicht,“ rief er. „Rosemarie stammt aber auch von einem Schlosse; die alte Einöderin Bärbe hat sie dort geholt.“

„Ist das weit?“ fragte Kasperle scheu. Er dachte gar, das Schloß müßte ihm vor der Nase liegen.

„Weit — das Schloß?“ Der fremde Bube sah ihn erstaunt an, die Frage kam ihm sehr schnurrig vor. Was ging den andern das Schloß an? „Weit ist’s schon,“ sagte er; „die Einöderin braucht immer ein paar Tage dazu, sie stammt von dort.“

Da war Kasperle wieder zufrieden. Nun fiel ihm auch ein, es war eigentlich längst Frühstückzeit vorbei, und er kramte sein letztes Stück Brot aus der Tasche. „Ich hab’ Hunger,“ sagte er seufzend.

„Ich auch.“ Der fremde Bube zog auch ein Stück Brot aus der Tasche und sagte: „Ich komm’ hierher wegen der Himbeeren. So schön sind sie nirgends, und niemand weiß den Ort, selbst der brummige Matthias nicht.“

„Wer ist denn das?“ Kasperle setzte sich auch an einen Himbeerbusch, wie es der andere tat. Beide schmausten los, und dabei erzählte der fremde Bube, der brummige Matthias sei ein Förster; er wohne neben des Herzogs Jagdschloß Hirschsprung, das ganz nahe sei.

„Wohnt der Herzog hier?“ Kasperle ließ vor Schreck eine dicke Himbeere und sein Brot dazu ins Wasser fallen, und er fischte erst beides wieder heraus, als der fremde Junge sagte: „Bist du aber dumm! Der Herzog wohnt doch in seiner Residenzstadt, weit, weit von hier! Er kommt nur alle Jahre zweimal hierher, sonst steht das Schloß immer leer. Du weißt aber auch gar nichts! Woher kommst du eigentlich? Wie heißt du? Wer bist du?“

Kasperle seufzte tief. Er wollte schon wieder sein Sprüchlein sagen, aber des fremden Buben helle, klare Augen schauten ihn so ernsthaft an, da senkte er verwirrt seine Nase.

„Hast du was Schlimmes getan?“ fragte plötzlich der andere fast streng.

Kasperle schüttelte den Kopf, und dann erzählte er dem Buben, wer er sei. Alles erzählte er, und der

Michele hätte das Kasperle am liebsten mit heimgenommen, doch das ging nicht; er hatte nämlich selbst kein rechtes Zuhause. Er war einer armen Witwe Sohn, die wohnte stundenweit ab in einem kleinen Dorf, und er hatte sich als Geißenbub verdingt, um der Mutter zu helfen, die noch für drei kleinere Kinder sorgen mußte. Bei einem Bauern schlief er auf dem Heuboden, dahin durfte er keinen fremden Buben mitbringen. Und Kasperle tat einen tiefen Seufzer und sagte traurig: „Ich muß weiterziehen.“

Doch da kam wie ein Blitz dem Michele ein guter Gedanke, und er überkugelte sich gleich einmal vor

Kasperle wollte natürlich gleich wissen, was fein würde, und da vertraute ihm Michele an, das Schloß sollte seine Wohnung sein. Und als Kasperle darob vor Erstaunen so steif und stumm wie ein Bäumlein wurde, erzählte Michele, im Schlosse wohne niemand, und der böse Matthias und seine Frau gingen selten hinein, auch sei das dann ja zu hören. Er aber wußte, daß eine ganz kleine Seitenpforte seit langer Zeit unverschlossen sei, wohl weil der brummige Matthias den Schlüssel verloren habe. „Ich bin schon manchmal drin gewesen; fein ist’s drin!“ tuschelte Michele seinem neuen Freunde geheimnisvoll zu. „Du kannst drin wohnen, und dann treffen wir uns alle Tage und hüten die Geißen zusammen. Wenn ich sage, ich hab’ arg großen Hunger, dann gibt mir die Bäuerin schon mehr Brot, dann langt es für uns beide.“

„Aber der Herzog!“ Kasperle sah so ängstlich drein, als spaziere der Herzog schon um die Ecke herum.

Michele lachte ihn aus. „Bist ein Hasenfuß; der Herzog, kommt höchstens zweimal im Jahr nach Hirschsprung, na, und das merkst du ja vorher. Komm jetzt rasch, ich zeige dir die Türe!“ Er sprang auf und sah nach den Geißen. Die zeigten keine Lust zu großen Klettereien; satt und faul lagerten sie auf einem Wiesenfleck, und die beiden Freunde konnten beruhigt zum Schlosse wandern. Weit war das nun wirklich nicht.

Sie krochen beide durch das Gebüsch, und Michele drückte auf die rostige Klinke; sie gab nach, und da standen die beiden wirklich im Schloß. Ein schmaler, weißgetünchter Gang nahm sie auf, und Michele schritt ihn ganz keck entlang. Kasperle folgte etwas zaghaft, weil sich aber wirklich niemand und nichts im Schlosse regte, wurde er auch mutiger. Die beiden Freunde schlossen Tür um Türe auf, sie gingen durch alle Gänge, stiegen alle Treppen empor, und Michele war ganz empört, als Kasperle auf einmal sagte: „Im Grafenschloß war’s noch feiner.“

„Was Feineres gibt’s nicht,“ rief Michele und riß eine Türe auf. Die führte in einen Saal hinein, der nicht, wie die andern Zimmer, etwas düster eingerichtet war, sondern hellen, heiteren Hausrat zeigte. Die Sofas und Stühle waren alle mit rosafarbener Seide überzogen,

Da sagte auch Kasperle, dies sei feiner als im Grafenschloß, und Michele, der schon ganz wütend gewesen war, gab sich zufrieden. Kasperle war nun auch sehr vergnügt, daß er im Schlosse bleiben sollte, und als sie beide beim Herumwandern in ein sehr schönes Zimmer kamen, in dem ein breites goldenes Bett stand, sagte er, hier möchte er schlafen. „Ich glaube, das ist dem Herrn Herzog sein Zimmer,“ flüsterte Michele etwas scheu. „Darin kannst du doch nicht schlafen!“

Aber plumps, da lag Kasperle schon in dem mit Seide überzogenen Bett und rief: „Hurra, hier schlafe ich: Das ist fein, fein, fein!“

Michele hätte sich am liebsten auch in das goldene Bett gelegt, aber er dachte an die armen Geißen, die er verlassen hatte. „Ich muß gehen,“ sagte er betrübt, und flugs sprang Kasperle wieder aus dem Bette heraus und erklärte: „Ich geh’ mit.“ Einträchtig verließen sie beide wieder das Schloß, kehrten zu den Geißen zurück, fanden die noch ruhig am alten Platz weiden, und sie setzten sich zu ihnen und berieten, wie sie es ferner zu halten gedächten. Michele wollte immer am Schloß vorbeiziehen und pfeifen, und sobald Kasperle dies hörte, sollte er ihm nachkommen; dann wollten sie zusammen spielen, Geißen hüten und ihr Brot verzehren. Beide

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Kasperle schläft auf seidenen Kissen

„Ach, der kommt ja erst im Herbst!“ Michele schnippte mit der Hand, als könnte er damit den Herzog davonweisen, und Kasperle war beruhigt. Mit seinem neuen Freund zusammen trieb er dann die Geißen an zum Heimgehen, und als das Schloß sichtbar wurde, trennten sich beide. Kasperle schlüpfte wieder durch das Gebüsch, öffnete die kleine Türe und stand dann allein in dem Schloß. Sein Schritt hallte laut auf dem Flur wider, und da begann sich der kleine Hasenfuß zu fürchten. Am liebsten wäre er wieder umgekehrt und dem Michele nachgelaufen, aber dann dachte er doch an das schöne seidene Bett, in dem er schlafen wollte, und er lief geschwind die Treppe hinauf und durch die Gänge, bis er das Zimmer erreichte. Dort schlüpfte er sehr eilig in das goldene Bett, zog sich die Decke über die Ohren und schlief wirklich nach fünf Minuten ein. Nichts störte ihn in dem einsamen Schlaf. Nur einmal hörte er ein fernes Blasen, aber so recht wachte er darüber nicht auf. Draußen auf der Waldwiese stand der Förster, den Michele den brummigen Matthias nannte, und blies auf seinem Hifthorn ein Abendlied. Feierlich tönte das durch den stillen Wald, und danach schwieg alles, nur die Bäume rauschten; sie erzählten sich, im einsamen Schloß sei ein wunderlicher kleiner Gast eingekehrt, von dem selbst der Förster nichts wisse.

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