III. Pharmakoërgasie. (continued 3)
Reading edition
Eine eigenartige «Gärung» machen auch die in Indien stets nur halbtrocken in Ballen verpackten Patchoulyblätter während der Reise nach Europa im Schiffsraum durch und diese «Gärung» scheint, um ein erstklassiges Produkt zu erhalten, geradezu notwendig zu sein.
Die Temperatur, die bei den Fermentationen innegehalten wird — jede Fermentierung ist ja mit einer Temperaturerhöhung verbunden — ist natürlich bei den einzelnen Objekten verschieden. Beim Cacao hält man im allgemeinen die Temperatur unter 45° für die beste. Auch die Zeitdauer variiert sehr, selbst bei ein und demselben Objekt (s. oben).

Fig. 122.
Kaffee
benefiz in Südamerika. Fermentierbassins. [Aus
Preuß
, Zentral- und Südamerika.

Fig. 123.
Tee
fabrik (Mill) in Ceylon mitten in einer
Tee
plantage.
[Aus
Tschirch
, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Bisweilen, z. B. beim Kaffee, hat aber das «Fermentieren» einen ganz anderen Zweck. Es werden nämlich die Früchte, nachdem sie den Pulper verlassen haben, in Zisternen der Gärung überlassen (s. oben). Diese sog. Gärung bewirkt aber nur ein Abfaulen der anhängenden Fruchtschalreste und scheint auf die Samen selbst ohne Einfluß zu sein. Daß es sich bei der Fermentierung des Kaffees nur um einen «äußerlichen» Prozeß handelt, den die Bestandteile der Bohnen nicht tangiert, geht schon daraus hervor, daß der nicht nach dem nassen oder westindischen, sondern nach dem trockenen, sog. gewöhnlichen Verfahren bereitete Kaffee, bei dem die getrockneten Früchte direkt geschält, d. h. von der Fruchtschale befreit werden, sich nicht von dem anderen unterscheidet.
Das, was die Fermentierung beim Tee, Cacao und der Vanille bewirkt, d. h. Spaltung der Primärkörper, wird beim Kaffee durch das Rösten, bei der Kola durch den Speichel gelegentlich des Kauens bewirkt.
Die Coca, sowohl die bolivianische (Hatun Yemka) als die peruvianische (Ypara) wird in den Kulturen bisweilen einem merkwürdigen Prozesse unterworfen. Man läßt die gewelkten Blätter beregnen, bringt sie in Haufen und durchknetet diese mit den Füßen. Ob bei der Bereitung dieser dunklen Coca pisada eine Fermentierung stattfindet, kann ich nicht sagen. Die Farbenänderung deutet auf etwas ähnliches.
Mehrfach ist schon die Frage aufgeworfen worden, als was eigentlich die «Fermentation» zu betrachten ist. Wie schon aus Vorstehendem hervorgeht, werden mit diesem Namen sehr verschiedene Prozesse verstanden, denen aber allen offenbar das gemeinsam ist, daß sie von Enzymen bedingt oder eingeleitet werden, seien es nun solche, die in der Pflanze vorhanden sind oder solche, die durch Mikroorganismen (Bakterien, Hefe) erzeugt werden. Faßt man den Begriff Fermentation so weit, so fällt auch die oben erwähnte des Kaffee noch darunter. Unter «Fermentation im engeren Sinne» wären dann die Prozesse zu verstehen, bei denen eine mehr oder weniger tiefgreifende Veränderung in den Zellen der Droge durch ein in diesen vorgebildetes Enzym an ebenfalls vorgebildeten Primärkörpern (meist wohl Glykosiden) vor sich geht. Diese Veränderung kann und wird sehr mannigfaltig sein, je nach der Natur des Enzyms (ob eine Oxydase, ein hydrolytisches Ferment oder ein anderes Enzym vorliegt) und je nach der Natur der Bestandteile des der Fermentation unterworfenen Pflanzenteils.

Fig. 124.
Links das Messer zum Schneiden der
Zimt
zweige (Cinnamon cutter, Catty), rechts die Messer zum Abschaben des Korkes (Scraper). Ceylon.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 125.
Scratching the poppy-head (Anschneiden der
Mohn
früchte) in Vorderindien.
[
Hooper
phot.]

Fig. 126.
Opium
gewinnung in Persien (Ispahan und Jesd).
Der erforderliche Dünger für die Mohnfelder wird teils aus Abfällen, teils in «Taubentürmen» gewonnen (auf dem Bilde links), die entweder vom einzelnen Landeigentümer für den eignen Bedarf oder auf Gemeindekosten behufs gleichmäßiger Verteilung der Düngermassen an die Gemeindeglieder erbaut sind.
[Aus
Meyers
histor.-geogr. Kalender.]

Fig. 127.
Behandlung des
Opiums
vor der Ballenformung in Bengalen (Knetung).

Fig. 128.
Herstellen der Ballen oder Kugeln (balls oder cakes) in Bengalen.

Fig. 129.
Trockenraum der Kugeln in Bengalen.

Fig. 130.
Ballenmagazin in Bengalen.
[Aus
Wiselius
, De Opium, 1886.]
In vielen Fällen dürfte es sich um komplizierte Prozesse handeln, namentlich um hydrolytische Spaltungen und Oxydationen. Aber auch Synthesen und Abbau, Entstehung neuer und Vernichtung vorhandener Körper sind möglich. Sehr oft scheinen die Tannoide eine Rolle zu spielen, wie ja auch meine eigenen Beobachtungen (s. oben S. 110) und die Versuche von SCHULTE AM HOFE am Tee (Ber. d. pharm. Ges. 1901) lehren, die nach exakten Methoden wiederholt und auf andere Drogen ausgedehnt werden sollten.
Der Prozeß, dem die Citronen unterworfen werden, wird zwar auch als Fermentierungsprozeß bezeichnet, ist aber wohl mehr ein Nachreifungsprozeß. Die Citrone wird grün gepflückt, dann im «Fermentierhaus» 2–3 Wochen bei einer Temperatur von c. 50° gehalten, wobei der Zucker «ausschwitzt» (?) und die Schale dünn und gelb wird. Dann wird die Frucht noch einige Monate einer niedrigeren Temperatur ausgesetzt.
Das Fermentieren, wie überhaupt die weitere Behandlung der geernteten Roh-Droge, wie z. B. das Auspressen des Cocosöls (auf Ceylon), die Destillation des Zimt- und Sternanis-Öls (in China), die Sublimation des Camphers (auf Formosa), findet dort, wo Europäer die Erntebereitung leiten, in der sog. Mill statt (Fig. 123), die entweder in der Plantage (Estate, Onderneming) selbst (Cacao, Kaffee, Vanille) oder in der Nähe des Hafenplatzes (Cocosöl) liegt, wohin das Rohprodukt — beim Cocosöl die Copra — gebracht wird.

Fig. 131.
Opium
bereitung in Indien. Kleinbetrieb.
[Aus
Meyers
Histor. geograph. Kalender.
Die Mehrzahl der Drogen wird aber nur getrocknet, einige allerdings ziemlich scharf über dem Feuer (Mate, Taf. XIII). Viele werden allerdings zuvor der Schälung unterworfen, «geschält», ein Verfahren, daß bei Rinden (Zimt, Caneel, China plana regia), Rhizomen (Kalmus, Iris, Ingwer), Wurzeln (Belladonna, Althaea) die Korkschicht (eventuell nebst den Wurzeln), bei Früchten (weißer Pfeffer, Coloquinthe) die äußere Schicht der Fruchtschale entfernt. Beim Rhabarber wird die ganze Rinde bis fast zum Cambium abgeschält. Umgekehrt ist z. B. bei einigen Citrusdrogen die äußere Fruchtschale, die man abschält, das Wertvolle, das durch den Schälprozeß von den weniger wertvollen inneren Partien abgelöst wird. Bei Iris und dem Ceylonzimt werden die Schälabfälle zur Öldestillation benutzt.

Fig. 132.
Das Kneten und Formen des Patna
opiums
.
Das Ablösen der äußeren Fruchtwandpartie bei der Darstellung des weißen Pfeffer geschieht meist in der Weise, daß man die Früchte einige Minuten in heißes Wasser bringt und dann durch Schütteln und Reiben in Bambuskörben die Schicht entfernt, also «abreibt».

Fig. 133.
Naschtars (Nush-turs, Mahurnees) mit Schnur umwickelt zum Anschneiden der
Mohn
früchte in Indien.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 134 a–c.
Türkische
Mohn
ritzer, in Kleinasien gebräuchlich. ½ nat. Größe.
[Nach
Linde
.]

Fig. 135 a–c.
Türkische Mohnritzer, in Kleinasien gebräuchlich, mit Sägeklinge. a und b ½ nat. Größe, c Klinge 15 cm lang.
[Nach
Linde
.]

Fig. 136.
Mohn
ritzer nach
Hesse
, nat. Größe.

Fig. 137.
Naschtar.
Die zum Schälen benutzten Messer haben oft eine eigenartige Form. So z. B. sind die beim Ceylonzimt benutzten (Fig. 124) halbkreisförmig gekrümmt und haben an jedem oder einem Ende eine Handhabe. Man schält also meist gleichzeitig mit beiden Händen (vgl. S. 89). Der chinesische Zimt dagegen wird mit einem hobelartigen Instrumente geschält (S. 90).
Das indische Opium verdankt einer sehr eigenartigen Bearbeitungsmethode seine Eigenschaften: der von den Einschnitten gesammelte Milchsaft wird entweder mit den Füßen oder mit Stangen solange durchgeknetet (Fig. 131 u. 132), bis keine Flüssigkeit mehr austritt und dann erst zu «balls» (cakes) in Bengalen (Fig. 127 bis 130) oder rechteckigen Kuchen in Patna (Fig. 132) geformt, während bei dem kleinasiatischen Opium die Brote direkt aus den abgesammelten Tränen geformt werden. Auch in Persien wird das Opium einer Massage unterworfen, «geknetet».
Die Formung der Cakes in Indien ist ein ziemlich umständlicher Prozeß. Zunächst wird in eine metallene Hohlhalbkugel eine Schicht von Mohnblumenblättern gebracht, die mit Lewah und Pussewah, d. h. dem bei der Bereitung erhaltenen Waschwasser zusammengeklebt wurden. Ist die Blattschicht dicht genug, so drückt man das weiche, durch Mischen auf einen bestimmten Gehalt gebrachte Opium in die Halbkugel ein und vereinigt dann zwei solche Halbkugeln. Die Cakes, die c. 2 kg wiegen, sind also von einer dicken Blatthülle umgebene Kugeln.
Noch umständlicher ist die Darstellung des Rauchopiums.

Fig. 138.
Situahs (scoops) in Indien zum Abkratzen der eingetrockneten Milchsafttropfen von den verwundeten
Mohn
kapseln benutzt.
[
Tschirch
phot.]
Eine sehr merkwürdige Behandlung, die sog. «Kristallisation», erfahren die vom «Serrapiero» aus den aufgeschlagenen Früchten herausgelösten und dann getrockneten Tonkosamen. «Man füllt die ‚Bohnen‘ in Fässer von 300 Liter Inhalt bis ungefähr ein Fuß unter den Rand, dann füllt man das Faß mit Rum und bedeckt es mit Sackleinewand. Nach 24 Stunden zieht man den Rum, der nicht absorbiert ist, wieder ab und trocknet die Bohnen an der Luft. Wenn die Bohnen die Fässer verlassen, sind sie fast schwarz und aufgeblasen und wenn sie getrocknet sind, sieht man auf ihrer Oberfläche weiße glänzende Kristalle» (von Cumarin).
Eine besondere Behandlung erfahren die Guaranasamen, die mit heißem Wasser zu einem Brei zerquetscht werden. Ebenso wird Curare und Haschisch erst durch eine nachträgliche Behandlung und unter Zusatz verschiedenster Substanzen erhalten.
Ganz anders sind dann wieder die Methoden, die bei der Darstellung der Stärkedrogen benutzt werden. Hier wird das stärkehaltige Gewebe entweder herausgekratzt, dann in einen Spitzbeutel getan, mit Wasser ausgewaschen und die Milch in einer Rinne entlang geführt, in der sich die Stärke allmählich absetzt (Sagomehl) oder die stärkeführenden Organe werden erst zerquetscht, dann der Brei ausgewaschen, die Milch sedimentieren gelassen und das Sediment getrocknet oder gekörnt (Tapioca, Fig. 140–143). Da die Körnelung oft über leichtem Feuer erfolgt, findet eine geringe Verkleisterung statt (Sago).
Bisweilen geht dem Auswaschen der zerquetschten Organe eine gelinde Gärung voraus (Triticum).

Fig. 139.
Bereitung des
Sagomehls
auf den Key-Inseln bei Neu-Guinea.
Rechts sieht man zwei Eingeborne, der linke gießt Wasser auf und zerklopft das Mark der
Sagopalme
mit einem Stock, der rechte rührt die Masse auf dem durch den gebogenen Stab straff gehaltenem Siebe um, so daß ein gleichmäßiger Strom der Stärkemilch in die an den Bambustäben aufgehängte, aus einem aufgespaltenen und ausgehöhlten
Sagopalm
stamme bestehende Rinne fließt. In ihr setzt sich die Stärke zu Boden. Rechts das ausgewaschene «Mark».
[
Warburg
phot. Aus
Tschirch
, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Die vorzügliche Beschaffenheit des Maranta-Arrowroot rührt von einer peinlich-sorgfältigen Bereitung her. Die gereinigten Rhizome werden sorgfältig geschält, dann gewaschen und zu Brei verrieben und das ausgewaschene Stärkemehl entweder in mit Gaze bedeckten Kupferpfannen (Bermudas) oder auf Holzhorden (Jamaica) an der Sonne getrocknet.
Das Koontimehl wird in Florida aus der Zamia integrifolia in der Weise gewonnen, daß die Wurzel von den Eingeborenen in mörserartigen Löchern eines Baumstammes zerstoßen, der Brei mit Wasser angerieben und durch eine Tierhaut geseiht wird. Die abgesetzte Stärke wird auf Palmettoblättern getrocknet.

Fig. 140.
Tapioca
-Faktorei in den Straits Settlements. Wäsche.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 141.
Tapioca
-Faktorei in den Straits Settlements. Schlemmerei und Sedimentiererei.
[Ridley phot. 1899]

Fig. 142.
Tapioca
-Faktorei in den Straits Settlements. Körnelung.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 143.
Tapioca
-Faktorei in den Straits Settlements. Trocknen.
[Ridley phot. 1899.]

Fig. 144.
Zuckerrohr
mühle in den Padangschen Bovenlanden (Sumatra).
[Aus
Chun
, Tiefen des Weltmeers.]
⇒ GRÖSSERES BILD

Fig. 145.
Rösten des
Crocus
über heißer Asche in Spanien.

Fig. 146.
Die abgeschnittenen
Yerba
-Zweige werden durch das Feuer gezogen (Paraguay).
[Aus
Hengstenberg
, Weltreisen.]
Tafel XIII

Yerba Mate
in dem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüste (Girao) über mäßigem Feuer getrocknet.
[Nach einer Photographie.]
⇒ GRÖSSERES BILD
Die Darstellung des Sago, des Reis und der Tapioca ist in meinen Indischen Heil- und Nutzpflanzen eingehend geschildert.
Die Gewinnung des Sago in Singapore schildert SCHLECHTER (1901) wie folgt:
Hat die Anpflanzung der Sagopalmen ihre Reife erreicht, so wird die Aberntung an Eingeborene verpachtet. Der Pächter läßt in der Pflanzung einen kleinen Schuppen, unter dem das Raspeln der Stämme vorgenommen wird, und eine Rohsago-Wäscherei primitivster Art herstellen. Dann werden die einzelnen Stämme gefällt, ihrer Krone entblößt und in 4–6 Fuß lange Stücke zerschnitten, die nun auf Sago-Blattrippen, die infolge ihrer Glätte dazu geeignet sind, nach dem Raspelschuppen gerollt werden, unter dem ein Bock, ähnlich einem primitiven Sägebock, aufgestellt ist. Nachdem die Sago-Stammstücke geschält sind, werden sie auf diesen Block gelegt und nun geraspelt, bis sie vollständig in grobe Flocken verarbeitet sind. Das hierbei in Anwendung kommende Instrument besteht aus einem etwa 1,5 m langen und ein Fuß breiten Brette mit zwei Handgriffen, durch welches kurze Nägel getrieben sind, deren hervorragende Spitzen ähnlich wie eine Stahlraspel sehr bald den fast korkigen Sagostamm vollständig in grobe Flocken zerreiben können. Die so gewonnenen Flocken werden zunächst auf einer Matte von Sagoblättern durch Spülen und Treten gesiebt, das durchfließende Wasser, welches die Stärke ausspült und in eine Rinne abführt, wird in ein längliches Becken geleitet, in dem dann die sämtlichen Stärketeile, die sich nicht schon früher am Grunde der Rinde abgesetzt haben, zu Boden sinken, so daß das überfließende Wasser ziemlich stärkefrei ist. Nachdem eine genügende Menge Rohsagospäne in dieser Weise ausgewaschen ist und das Wasser in Rinne und Becken sich allmählich geklärt hat, wird nach Abfluß des Wassers der nun fertige Rohsago aus Becken und Rinne entfernt und aufgestapelt, bis genügend vorhanden ist, um in den Sagofabriken weiter verarbeitet zu werden. Die in dem Mattensieb zurückbleibenden Überreste, die aus den Fasern des Sagostammes und einer nicht unbedeutenden Menge daran haftenden Sagos bestehen, werden entweder sofort entfernt oder mit frischen Spänen noch einmal gewaschen und dann als Schweinefutter verkauft.

Fig. 147.
Das Sammeln des
Weihrauch
.
[Aus Cosmographie universelle Paris 1675.]
Die Sagofabriken kaufen den Rohsago von den Eingeborenen an und reinigen ihn. Der Rohsago wird zu diesem Zwecke unter Wasser zum größten Teile gelöst und durch dünne Leinentücher mit lockeren Maschen getrieben. Zurück bleiben die Holzteile, welche als «Sago-Refuse» beiseite geschafft werden. Der durch die Tücher getriebene Sago setzt sich am Grunde des Kübels ab, das Wasser wird entfernt und das Sagomehl in anderen Kübeln wieder mit Wasser aufgerührt. Dasselbe kommt nun in lange, nach ihrem Ende zu etwas abfallende Rinnen mit fließendem Wasser, welche am unteren Ende durch dichte Tücher, durch welche zwar das Wasser, aber nicht das Sagomehl hindurch laufen kann, verschlossen sind. Je nach der Höhe des sich am Grunde der Rinne absetzenden Sagomehls werden die Enden der Rinne durch dicht aufeinanderliegende Stäbe verschlossen. Nachdem so das Ende der Rinne vollständig geschlossen ist, wird das Wasser abgelassen und das Sagomehl in Blöcken entfernt. Ist hiernach das Mehl noch nicht rein genug, so wird die Prozedur wiederholt. Schließlich werden die Blöcke, nachdem sie halb getrocknet sind, zerstoßen und das Mehl durch ruckweises Hin- und Herschütteln in einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens herabhängenden Seilen befestigt ist, in kleine Kugeln, «Perlen», geformt. Die diese Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da von der Art des Schüttelns die Größe der Sagokügelchen abhängt. Durch Siebe mit verschiedenen Maschen werden diese gesondert und nun auf heißen Schalen unter beständigem Rühren gedämpft. Nachdem die Kügelchen vollständig durchgedämpft sind, werden sie durch wiederholtes Sieben in die gewünschten verschiedenen Größen sortiert oder alle nur zu einer Qualität verarbeitet. Der noch feuchte Perlsago wird auf großen Öfen ausgebreitet und vollständig bei mäßiger Hitze getrocknet (vgl. auch Fig. 141–143).
Die Darstellung des Sago auf den Key-Inseln geht aus der Abbildung (Fig. 139) hervor.

Fig. 148.
Die Gewinnung der
Asa foetida
durch Abtragen von Scheiben vom freigelegten Wurzelkopf mittelst eines eigenartigen Messers.
[Aus
Kämpfer
, Amoenitat. exotici. Lemg. 1712.]
Ganz anders wieder ist die Darstellung der Zuckerdrogen. Hier werden die zuckerhaltigen Pflanzenteile zerquetscht, zermahlen (Fig. 144) oder zerschnitten, dann entweder durch Auswaschen oder Diffusion ihres Zuckers beraubt und die Zuckerlösung eingedampft (Zuckerrohr, Zuckerrübe, Zuckerhirse), oder der Blütenstand bez. der obere Teil des Stammes vor dem Austreiben ab- bez. angeschnitten und der austretende Zuckersaft eingeengt (Zuckerpalme — Arenzucker), oder endlich die Stämme im Frühjahr angebohrt und der ausfließende Saft eingedampft (Zuckerahorn — Ahornzucker). Von Ahornzucker werden noch jetzt jährlich 5000 t in Nordamerika erzeugt, meist aus dem Steinahorn (rock maple), im Westen auch aus dem Weichahorn (swamp maple).

Fig. 149.
Verwundungsarten behufs Gewinnung der pflanzlichen Sekrete.
Bei 1
Benzoë
, 2
Tolubalsam
, 3
Perubalsam
, 4
Lärchenterpentin
, 5 a und b
amerikan. Terpentin
, 6
französischer Terpentin
, 7 Mayrs verbessertes
Harz
gewinnungsverfahren, 8
Dammar
, 9
Gummigutt
, 10
Manna
, 11
japan. Lack
, 12–15
Kautschuk
. (Details in
Tschirch
, Harze und Harzbehälter. 2. Aufl. 1906.)
[
Tschirch
gez.]
⇒ GRÖSSERES BILD
Tafel XIV

Amerikanisches Harzungsverfahren.
Wald von
Pinus palustris
in Nord-Carolina (Nordamerika), der Harzung unterworfen, die Stämme mit
Lachen
und
Box
versehen.
⇒ GRÖSSERES BILD
Tafel XV

Französisches Harzungsverfahren.
Seestrandfichten im Depart. des Landes «en gemmage à vie». Der «pot» ist an der «carre» befestigt.
[
Oesterle
phot.]
⇒ GRÖSSERES BILD
Etwas ganz Besonderes ist das Brühen einiger Drogen. Dasselbe wird vornehmlich bei unterirdischen Reservebehältern angewendet, z. B. beim Salep, dem grauen Ingwer, dem ostasiatischen Ginseng, einigen indischen Aconitknollen und des Curcuma, und verfolgt den Zweck, die Organe abzutöten und am nachträglichen Austreiben zu verhindern. Denn da in den Knollen und fleischigen Rhizomen reichlich Reservematerial und genügend Wasser vorhanden ist, so werden sie, wenn die Knospen intakt sind, leicht wieder austreiben, jedenfalls durch einfaches Trocknen an der Luft nicht gänzlich abgetötet. Bei einigen Drogen wird der gleiche Effekt durch Erhitzen über freiem Feuer erzielt. Bei diesen Drogen ist natürlich die Stärke entweder ganz (Salep) oder teilweise (Jalape) verkleistert. Bei der Jalape wird das Gleiche erzielt durch Trocknen der mit Einschnitten versehenen Knollen über einem Feuer. Auch Sarsaparille wird manchmal am Feuer getrocknet, da das feuchte Klima in Mittelamerika dies verlangt. Bei der Scilla, die zudem sehr schwer trocknet, wird dagegen das Ziel dadurch erreicht, daß man die weichen Zwiebelschalen vor dem Trocknen in Streifen schneidet. Übrigens ist Halbieren oder Vierteln (Alant) oder in Scheiben schneiden (Colombo, Bryonia) auch sonst bei dickeren Drogen gebräuchlich, um ein schnelleres Trocknen zu erzielen — aber nicht immer zulässig (Kalmus, Filix). Nur bei den chinesisch-japanischen Gallen hat das hier gelegentlich geübte Brühen den Zweck, die die Galle erzeugenden Tiere (Aphiden) abzutöten.

Fig. 150.
Verfahren, die Einschnitte für die
Manna
gewinnung in Sizilien zu machen.
[
Benedicenti
phot.]
Bisweilen hat aber das Eintauchen in heißes Wasser oder das Erhitzen über dem Feuer wohl auch einen anderen Zweck. So handelt es sich meines Erachtens beim Eintauchen der Vanille in heißes Wasser und beim Erhitzen der frisch gepflückten Blätter bei der Bereitung des grünen Tees um Abtötung eines Fermentes.
Einer leichten Röstung über heißer Asche wird der Safran (Fig. 145) unterworfen.
In einigen Gegenden (Sierra de Santa Marta) röstet man auch die Cocablätter leicht, und auch der Mate wird leicht geröstet, richtiger über dem Feuer getrocknet.
Die Röstung der Yerba Mate erfolgt an den Röstplätzen (Fogão) in der Weise, daß die vom Baume gelösten Zweige zunächst zum Welken (und Abtöten eines Fermentes?) durch ein nicht rauchendes Feuer gezogen («Sapecaje», Sapecar, Fig. 146), dann in einem speziellen Ofen (Barbacuá) 18–36 Stunden weiter erhitzt — neues Verfahren — oder in Bündel geschnürt in einem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüst (Girao) über mäßigem Feuer getrocknet (Taf. XIII) werden. Dann läßt man sie «schwitzen» (fermentieren?). Schließlich werden die auf glatter, mit einem Tuche belegter Tenne ausgebreiteten Zweige durch Schlagen mit hölzernen Stäben oder Säbeln (Espada) grob gepulvert oder in Mühlen gemahlen (Fig. 206). Die nicht durch die Sapecar-Prozedur vorbehandelten Blätter werden beim Dörren schwarz.

Fig. 151.
Altes Harzungsverfahren in Nordamerika. Abkratzen des Harzes, Ausschöpfen des Box, Einfüllen in die Fässer und Verladen derselben.
[
Tschirch
, Harze und Harzbehälter.]

Fig. 152.
Lange Zapfstelle mit aufgelegtem Sauglappen bei einem
Perubalsam
baume, San Salvador.
[
Preuß
phot.]

Fig. 153.
Geschälter Baum von
Myroxylon Pereirae
mit aufgelegtem Lappen in San Salvador.
[
Preuß
phot.]
Die Samen von Paullinia Cupana werden bei der Guaranabereitung vor dem Zertrümmern sechs Stunden geröstet.
Einige Harze und Balsame sind in der Pflanze als solche enthalten. Man braucht also nur das Organ zu verletzen und das austretende halbflüssige Sekret entweder in Gefäßen aufzusammeln (Copaivabalsam, Straßburger Terpentin) oder am Baume erhärten zu lassen (Mastix, Sandarac, Olibanum, Fig. 147), um die Droge zu erhalten (primärer Harzfluß). Das Gleiche gilt von Kautschuk und Guttapercha, die sich als Milchsäfte in der Pflanze finden und beim Anschneiden ausfließen. Doch wird wenigstens bei einigen Sorten des Kautschuk der ausgeflossene Saft durch Koaleszenzmittel koaguliert, erfährt also noch eine nachträgliche Verarbeitung (s. S. 140).
Zu den nach Anschneiden (Fig. 125 u. 126) ausfließenden und dann erhärtenden Milchsäften sind auch Opium, Lactucarium, die Gummiharze der persischen Umbelliferen (Asa foetida, Galbanum, Ammoniacum) und Euphorbium zu zählen, und im weiteren Sinne das Gutti.

Fig. 154.
Amerikanisches
Terpentin
gewinnungsverfahren.
Die Wundfläche mit Harzbalsam bedeckt.
Die bei der Gewinnung des Opiums benutzten Messer sind sehr eigenartig. In Kleinasien werden zum Anschneiden der Mohnköpfe Messer aller möglichen Formen benutzt, einmal solche, denen die Spitze abgebrochen wurde (Fig. 134), dann solche mit gesägter Klinge (Fig. 135), aber auch Uhrfedern, Glasscherben u. a. mehr. Die Benutzung der letzteren erklärt besonders einleuchtend das ständige Vorkommen von Fruchtwandepidermisfetzen im kleinasiatischen Opium, da die Wand der Frucht durch sie nicht eigentlich geritzt, sondern eingerissen wird. In Kleinasien wird nur ein Horizontalschnitt geführt.

Fig. 155.
Manikot
mit Messerstichen angezapft (Indien).
[
F. O. Koch
phot.]
In Vorderindien (Bengalen) bedient man sich des Naschtar (Nushtur, Fig. 133 u. 137), das aus drei, vier, seltener fünf schmalen Eisenblechen von etwa 15 cm Länge und der Dicke einer Federmesserklinge besteht, die oben 2,5 cm breit, dort tief eingekerbt und in scharfe Spitzen ausgezogen sind, und durch Umwickeln mit starken Baumwollfäden c. 1,5 mm auseinandergehalten werden. Es werden Vertikalschnitte ausgeführt (Fig. 125) und zwar an 2 bis 6 Stellen der Kapsel, in Intervallen von 2–3 Tagen. In Persien wird ein ähnliches Messer benutzt und die Kapsel horizontal, schräg oder vertikal nach und nach an allen Seiten angeschnitten (Fig. 126).

Fig. 156.
Guttapercha
gewinnung auf Sumatra.
Der zweite Kuli von links trägt die Instrumententasche und das Beil (baliung), das zum Fällen des Baumes benutzt wird. Der vierte macht mit dem breiten Messer (lading) die Einschnitte. Der erste und dritte kratzen den ausgeflossenen Milchsaft mittelst eines spitzen Kratzers in den aus den Blättern von
Areca Catechu
hergestellten Spitzbeutel.
[
Tschirch
phot.]
In China werden die Kapseln mit einem dreischneidigen Messer an 3–5 Stellen vertikal angeschnitten. Auch in Ägypten wird der Naschtar oder die kleinasiatische Methode benutzt, jedoch zwei oder drei Einschnitte gemacht.
Mehrklingige Messer, die zum Teil bis auf die Spitze mit Schnur umwickelt waren oder abgerundete Spitzen besaßen, wurden bei Erfurt, bei Clermont Ferrand, bei Darmstadt und in Württemberg benutzt (LINDE, Zur Gewinnung des Opiums, Apoth. Zeit. 1905).
Die Entwicklungsphase der Kapsel, bei welcher sie angeschnitten wird, ist nicht überall die gleiche. In Kleinasien und in Vorderindien werden die jungen Früchte einige Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter, in Armenien 20–25 Tage nach dem Abblühen (GAULTIER), in Ägypten, sobald sie ihre normale Größe erlangt haben (SAVARESI), in Persien, wenn sie sich der Reife nähern, angeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist 10–14 Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter (HESSE).
Zum Abkratzen der eingetrockneten Tropfen bedient man sich in Indien eines schaufelartigen Instrumentes (Situah Fig. 138).

Fig. 157.
Halbspiralschnitt an einer kultivierten
Hevea brasiliensis
in Indien.
[
F. O. Koch
phot.]

Fig. 158.
Fischgrätenschnitt an kultivierter
Hevea brasiliensis
in Indien.
[
F. O. Koch
phot.]

Fig. 159.
Colophonium
destillerie in den Wäldern von Carolina (U. S. A.).

Fig. 160.
Das Innere einer nordamerikanischen
Harz
destillerie. Im Mittelgrunde sieht man einen Destillierapparat und (rechts) das große Kühlfaß.
[Aus
Tschirch
, Harze und Harzbehälter.]

Fig. 161.
Die
Lavendelöl
destillateure auf den Alpen (Alembics voyagants.)
[Aus
Roure-Bertrand fils
Berichte.]

Fig. 162.
Citronellaöl
destillation in der Nähe von Galle auf Ceylon.
[Aus
Roure-Bertrand fils
Berichte.]

Fig. 163.
Rumelische
Rosenöl
destillerie in Papazoglou, links: Füllen der Destillierblasen.

Fig. 164.
Schuppen mit Destillierblasen für
Rosenöl
in Bulgarien. Links der Destillateur das Öl abhebend.

Fig. 165.
Entleeren der
Citronen
(Limoni) mittelst kleiner Löffel. Die Mädchen umwickeln die Hand, mit der sie die Citrone halten, mit einem Tuch. Fruchtfleisch und Schale werden gesondert verarbeitet. (Vergl.
Fig. 166
und
176
.)
[Prof.
Benedicenti
in Messina phot.]

Fig. 166.
Citronenöl
gewinnung mittelst der Spugna-Methode. Die Schalen werden an einen Schwamm gedrückt.
[Prof.
Benedicenti
in Messina phot.]

Fig. 167.
Bergamottöl
bereitung mit der Maschine, erste Operation.
[Aus
Roure-Bertrand fils
Berichte.]

Fig. 168.
Bergamottöl
bereitung mit der Maschine, zweite Operation.
[Aus
Roure-Bertrand fils
Berichte.]

Fig. 169.
Enfleurage, Darstellung der «
Pomades
» auf kaltem Wege in der Fabrik Roure-Bertrand fils in Grasse.

Fig. 170.
Maceration, Darstellung der «
Pomades
» auf warmem Wege in der Fabrik Roure-Bertrand fils in Grasse.
Auch bei der seit Jahrhunderten gleichgebliebenen Methode der Gewinnung der Asa foetida durch Abtragen dünner Scheiben vom Kopfe der großen freigelegten Wurzel von Ferula Assa foetida bedient man sich eines eigenartigen keilförmigen Messers, das vorn stark verbreitert ist (Fig. 148).
Bei der Herstellung der Einschnitte in die Rinde der Mannaesche bei der Mannagewinnung werden eigenartige, sichelförmig gekrümmte Messer benutzt (Fig. 150).
Andere Drogen der Gruppe der Harzbalsame sind als solche nicht in der normalen Pflanze enthalten, sondern entstehen erst infolge von Verwundungen (sekundärer Harzfluß). Ich habe durch Versuche in Indien und Europa gezeigt, daß Benzoë, Peru- und Tolubalsam, Styrax, Dammar und die meisten Terpentine der Koniferen erst sich bilden, nachdem man tiefgreifende Verletzungen am Baume angebracht hat und ein reichverzweigtes System pathologischer Kanäle im Neuholz entstanden ist (Gesetz des Harzflusses).

Fig. 171.
Eine finländische «Tervahauta» (
Teer
grube), die Art der
Teer
gewinnung in Finland.

Fig. 172.
Ecuelle à piquer.
[
Tschirch
phot.]
Als pathologische Produkte, die bisweilen schon freiwillig, in größerer Menge aber durch (wenn auch nicht infolge von) spontan entstehenden oder künstlich angebrachten Wunden austreten, sind auch das Gummi und der Traganth zu betrachten.
Sehr mannigfaltig ist die Form, die man den Verwundungen (Fig. 149) und den dazu benutzten Instrumenten gibt und die Art, wie man die Wunde nachher behandelt. Bald wird ein V-Schnitt hergestellt (Tolubalsam, Fig. 149, 2), bald Längsschnitte (Benzoë, Fig. 149, 1) oder zahlreiche übereinander stehende, horizontale Einschnitte (Manna, Japan. Lack, Fig. 149, 10 u. 11), bald Spiralschnitte (Gutti, Fig. 149, 9), bald eine breite, wie ein M — oder O — geformte Lache (amerikan. und französ. Terpentin, Fig. 149, 5 u. 6), bald wird zum Auffangen des Balsams ein Topf angehängt (Fig. 149, 2, 6, 12–14), bald ein Box in den Baum geschlagen (Fig. 149, 5 u. 8). Auch Schwelen und Aufsaugen des Balsams in Lappen kommt vor (Perubalsam, Fig. 149, 3, 152 u. 153). Bei der Lärche wird ein Loch gebohrt (Fig. 149, 4), mit einem Pflock verstopft und nach einiger Zeit der angesammelte Balsam abgelassen. Die größte Mannigfaltigkeit in der Verwundungsart findet sich aber bei den Kautschukbäumen. Bald wird hier nur mit Messerstichen angezapft (Fig. 155), bald werden Spiralschnitte, Halbspiralschnitte (Fig. 157), kurze, längs- oder schräggestellte mit eigenartigen meißelartigen Messern hergestellte Schnitte (Fig. 149, 12), gemacht, bald wird der Grätenschnitt (Fig. 149, 13 u. 158), der Doppelkandelaberschnitt (Fig. 149, 14) oder Varianten dieser geübt (das Detail siehe in meinem Buche: Die Harze und die Harzbehälter, 2. Aufl. 1906; dort sind auch die Instrumente abgebildet). Zu einem allgemein adoptierten System ist man noch nicht gekommen. Noch werden Versuche gemacht, welches das beste ist.
Bei der Guttapercha wird der Stamm des gefällten Baumes in horizontaler Lage auf der Oberseite in bestimmten Entfernungen mit breiten Einschnitten versehen, aus denen man dann den ausgetretenen Milchsaft herauskratzt (Fig. 156).
Eine Besonderheit ist die Darstellung des Churus. Der Churus (Indisch-Hanfharz) wird nach BONATI in der Weise gewonnen, daß man die in Blüte stehenden Zweigspitzen der weiblichen Pflanze von Cannabis indica stundenlang kräftig auf groben wollenen Teppichen reibt, so daß das dickflüssige Harz sich auf der Oberfläche ablagert, von wo es mittelst eines Messers abgelöst und zu kleinen Kugeln oder länglichen Stäbchen geformt wird.
Es erinnert dies in etwas an die ehedem beim Ladanum gebräuchliche Gewinnungsweise, bei der man langbärtige Ziegen durch die harzduftenden Cistusgebüsche trieb, das an den Bärten haften bleibende Harz absammelte, und nachdem es in Wasser erweicht war, zu den bekannten Spiralkörpern formte.
Eine besondere Stellung nimmt das Ammoniacum ein. Es werden nämlich bei ihm die ganzen zur Zeit der Fruchtreife geschnittenen Stengel der Pflanze nach Bombay gebracht und erst hier die Droge abgelesen.
Tafel XVI

Alte Cocosnuß-Ölmühle in Ceylon.
[Aus «Der Mensch u. die Erde».]
⇒ GRÖSSERES BILD
Tafel XVII

Cocos
-Mühle auf Diego Garcia.
[Aus
Chun
, «Tiefen des Weltmeeres».]
⇒ GRÖSSERES BILD
Sehr eigenartig ist die Teerbereitung, das Teerbrennen (Tervanpoltto) in Finland.
Der Holzteer wird in Finland auf folgende Weise von Fichten gewonnen. Der Stamm der Fichte wird Mitte Juni von Ästen und Rinde — letztere bis zum Holz — in der Höhe von etwa 2½ m befreit; nur an der nördlichen Seite des Baumstammes wird ein etwa 5 cm breites Band der Rinde gelassen, um den Baum am Leben zu erhalten. Dann läßt man den Baum 2–5 Jahre stehen, worauf die Rinde wieder auf dieselbe Weise von dem Stamme abgeschält wird, jetzt etwa 1½ m höher, so daß der Stamm jetzt 4 m hoch kahl ist, mit Ausnahme der nördlichen Seite. Zwei Jahre lang läßt man den Baum so stehen. Der kahle Teil des Stammes ist jetzt mit einer dicken Lage Harz bedeckt. Dann schneidet man den an der nördlichen Seite gelassenen Rindenstreifen los; der Baum wird im Oktober oder November gefällt und das so behandelte Holz zum Meiler gebracht, wo es etwa 1,8 m hoch aufgestapelt wird. Im Winter, wenn die Kälte groß und das Holz dadurch leicht spaltbar ist, werden die abgehauenen, c. 4 m langen, harzreichen Baumstämme der Länge nach gespalten und in 3½ m breiten und 2 m hohen Stapeln rings um den Meiler geordnet. Im folgenden Sommer werden sie in den Meiler eingesetzt.
Der Teermeiler oder die Teergrube (Tervahauta, Fig. 171) ist eine kreisrunde, der Mitte zu tiefer werdende Grube in der Erde. Sie ist gewöhnlich 12–13 m im Durchschnitt (36 m im Umkreis) und in der Mitte etwa 1½ m tief. In die Mitte der Grube wird ein Holzkasten ohne Boden — 15 cm hoch und 1½ m im Durchschnitt — eingesenkt, in welchem der Teer sich ansammelt. In die Wand des Kastens ist ein Holzrohr eingesetzt, aus dem der Teer ausfließt. Dieses Holzrohr ist schräg in den Boden eingesenkt und reicht über die Peripherie der Grube hinaus zu einem Kanale, wo sich die Sammelgefäße befinden. Der Boden der Grube ist fest mit Ton oder Moorerde bedeckt, um das Aufsaugen des Teers in die Erde zu vermeiden.
Über die auf diese Weise hergerichtete Grube wird das Teerholz kreisförmig, die Enden der Holzstücke der Mitte zu gerichtet, aufgestapelt, bis der Meiler einen kuppelförmigen, oben abgeplatteten Bau bildet. Das Ganze wird dann mit Moos, Erde und Torf bedeckt. An der Peripherie werden mehrere kleine Öffnungen dicht nebeneinander gelassen, bei welchen der Meiler gleichzeitig angezündet wird. Diese Öffnungen werden gleich nach dem Anzünden wieder mit Erde und Torf bedeckt. Den auf diese Weise angezündeten Teermeiler läßt man so 1–2 Tage ohne Luftzutritt brennen, worauf der Pfropfen von der oben erwähnten Holzröhre abgenommen wird. Jetzt beginnt der Teer auszufließen. — Wenn der Meiler auf diese Weise an der Peripherie angezündet wird, so sammelt sich der Teer in dem in der Mitte der Grube befindlichen Holzkasten und fließt durch das Rohr aus. Das Brennen des Meilers — unter fortwährendem Ausschluß von Luft — dauert 4 bis 5 Tage; dann ist aller Teer abgeflossen.
Nach dem Öffnen des Rohres fließt gewöhnlich erst eine Menge dicker und dunkler Teer aus; dann folgt das Ausfließen des richtigen, hellbraunen und dünneren Teers. Ist die Hitze im Anfang größer und dauert das Brennen etwas länger als einen Tag, ehe das Rohr geöffnet wird, so fließt nach dem Öffnen erst eine geringere Menge sogenanntes klares «Teerwasser» aus und gleich darauf der richtige, hellbraune Teer, ohne daß sich erst dicker, pechartiger Teer bildet. Auf diese Weise wird der Holzteer in Kulunoniemi, dem größten Produktionsort in Finland, gewonnen. Ein Teermeiler von dieser Größe liefert c. 7500 Liter Teer. (Nach brieflichen Mitteilungen von Frl. RICHTER in Helsingfors.)

Fig. 173.
Fiskolo. Der geflochtene, oben und unten offene Korb zum Pressen der
Oliven
.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 174.
Italienische
Oliven
-Ölmühlen und -Pressen. Rechts die Fiskoli unter der Presse.
[Aus Chemist and Druggist.]
Andere Drogen, wie die fetten Öle und Fette, werden durch Auspressen, noch andere, wie die ätherischen Öle, durch Destillieren mit Wasserdampf aus den Pflanzenteilen oder Harzbalsamen herausgezogen. Das Auspressen, selbst warmes, dürfte die Fette kaum stark verändern. Etwas anderes ist es mit den ätherischen Ölen. Es darf als sicher angenommen werden, daß die ätherischen Öle in der Form, wie wir sie im Handel kennen, nicht in der Pflanze vorhanden sind. Ich habe schon 1890 darauf aufmerksam gemacht, daß der Wasserdampf seine verseifende Wirkung zweifellos auch hier geltend machen wird und daß die Alkohole, die wir in den ätherischen Ölen des Handels finden, in der Pflanze offenbar mit jenen flüchtigen Fettsäuren, die wir im unter den Ölen stehenden Destillationswasser finden, verestert sind, diese Ester, die zum Teil wohl «gemischte» sein dürften, aber durch die verseifende Wirkung des Wasserdampfes gespalten werden. Eine solche Spaltung dürfte übrigens bisweilen auch schon beim Trocknen eintreten.

Fig. 175.
Baumöl
gewinnung im XVI. Jahrh.
Nach einem Kupferstich — gez. von
J. Stradanus
, gestoch. von
Ph. Galle
um 1570 — der sich im germanischen Museum in Nürnberg befindet.
[Aus
Peters
, pharm. Vorzeit.]

Fig. 176.
Pressen des
Citronen
saftes. Das von der Schale getrennte Fruchtfleisch wird ausgepreßt und der Preßsaft später auf Calciumcitrat verarbeitet.
[Prof.
Benedicenti
in Messina phot.]

Fig. 177.
Schneiden und Trocknen der
Gambier
würfel in einer
Gambier
faktorei in Singapore.
[
Ridley
phot.]

Fig. 178.
Aloë
gewinnung am Kap.
Der Arbeiter schneidet mit einem gekrümmten Messer die Blätter von
Aloe ferox
ab.

Fig. 179.
Aloë
gewinnung am Kap.
Die aus den abgeschnittenen Blättern von
Aloe ferox
gebildete Mulde.
Sehr eigenartig sind die Methoden der Gewinnung der ätherischen Öle ausgebildet worden. Die alte Methode der Destillation mit Wasserdampf (Fig. 159 bis 164), deren bis ins Unendliche modifizierte Apparatur wir schon bei BRUNSCHWIJK bewundern (vgl. auch Fig. 9) und die jedem alten chemischen Laboratorium einen so eigenen malerischen Reiz verleiht, ist zwar auch heute noch die wichtigste Darstellungsmethode geblieben (vgl. das Kap. Pharmakochemie), wie außerordentlich aber die Apparate vervollkommnet wurden, zeigt ein Blick in die Destillierräume einer modernen Fabrik ätherischer Öle. Daneben sind jedoch für die Öle, die die doch ziemlich rohe Methode der Dampfdestillation nicht vertragen, die ja nur Öle mit kräftiger Konstitution aushalten und die uns so gut wie niemals das Öl in der Form liefert, wie es in der Pflanze vorhanden ist, andere Methoden eingeführt worden: die in Grasse geübte Enfleurage (Fig. 169), bei der Fette in der Kälte das ätherische Öl aufnehmen und der procédé pneumatique, bei dem die Blüten nur ihren Duft an kaltes Fett abgeben. Die ältesten wohlriechenden Öle waren (wohl warm bereitete) Auszüge von Pflanzen mittelst fetten Ölen. Das Verfahren wird noch jetzt geübt und «Macération» genannt (Fig. 170). Das Anstechen der Früchte mit der Ecuelle à piquer (Fig. 172) oder das Andrücken der Fruchtschalen an einen Schwamm (Spugna, Scorzetta-Prozeß, Fig. 165 u. 166), wie es in Italien bei einigen Aurantieenfrüchten geübt wird oder die höchst eigenartige, wenn auch primitive Macchina (Fig. 167 u. 168), mit der das Bergamottöl kalt herausgequetscht wird, sind solche sich der Eigenart gewisser Öle anpassende Methoden.
Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des Rosenöls in Bulgarien, wo über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der Rosenblüte in Tätigkeit gesetzt werden (Fig. 163 u. 164). Dann auch die Fabrikation von Oleum pini pumilionis in der Schweiz (z. B. im Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants (Fig. 161) finden wir bei den wandernden Destillateuren von Lavendelöl, die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation der ätherischen Öle bei Miltitz (SCHIMMEL & CO., Taf. III), Pirna (HÄNSEL), Grasse (ROURE BERTRAND FILS u. and.).
In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel Pharmakochemie) gehört auch die Kampferdestillation in Japan und China, der dann eine Sublimation des Produktes und — häufig auch — eine Komprimierung folgt, die Colophoniumgewinnung durch Destillation der Terpentine (Fig. 159 u. 160) — aber nicht die Darstellung des «Harzöles», das vielmehr durch trockene Destillation des Colophoniums gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: Harze und Harzbehälter, 1906).

Fig. 180.
Aloë
bereitung am Kap. Der in die Ziegenfellmulde ausgeflossene Saft wird in Kanister ausgegossen.
Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der Olive (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der Mandel geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die Cocosölpressereien von Ceylon gefunden hatten — ich sah in den Mills in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen — auch in außereuropäischen Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen Inseln, findet man noch die alte Cocosölpresse (Taf. XVI u. XVII), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive Olivenölpresse (Fig. 174) mit dem Fiscolo (Fig. 173), auf den Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für Muskatbutter, wie sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.
Die Oliven kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, Fig. 174 links). Dort werden sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. Fiscoli (Fig. 173) geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung), die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl (Sulfuröl), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen. Man rechnet 30% des Gewichts der Oliven Öl, 20% Feuchtigkeit. Das Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit Erfolg das Pressen der Olive durch Zentrifugieren der erwärmten geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte Oliven, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

Fig. 181.
Einkochen des Saftes der
Aloe ferox
in Kesseln durch Kaffern. Im Hintergrunde die blühende Pflanze.
Daß die Gewinnung des Olivenöls in Italien — unter Benutzung von Strohkörben — sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich geändert hat, zeigt die Abbildung 175.
Die Olivenölpressung ist in Italien und der Provence ganz dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von Olivenbäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).
Neuerdings wird als Ersatz des Olivenöls viel Arachisöl und Baumwollsamenöl gepreßt.
Eigenartig ist die Gewinnung des Ricinusöls in Indien. Die Samen werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30° gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß» abgeschieden ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (SCHULTE AM HOFE).
Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der Citrone wird übrigens auch der Citronensaft gewonnen (Fig. 176).
Einige Drogen werden durch Auskochen der betreffenden Pflanzenteile (Catechu, Agar-Agar) oder durch Anschneiden und Eindicken des ausgeflossenen Saftes (Capaloë) dargestellt. Dabei geht man dann in der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es in Würfel (Gambier, Fig. 177), sei es in schmale oder prismatische Stücke (Agar-Agar) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (Aloë).

Fig. 182.
Kessel zum Auskochen und Presse zum Auspressen der Lappen bei der
Perubalsam
gewinnung in San Salvador.
[
Preuß
phot.]
Die Gewinnung der Aloë aus den Blättern der Aloë ferox habe ich (1907) nach Berichten von DR. MARLOTH in Kapstadt, wie folgt, geschildert.
«Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen Blätter (Fig. 178) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau von 1 m Höhe aufgepackt (Fig. 179). Nach einigen Stunden werden die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist (Fig. 180). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht (Fig. 181). Diesem Umstande verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.
Das Eintrocknen über freiem Feuer ist eine sehr beschwerliche Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise an. Aus diesem Grunde scheinen viele der Aloë-Sammler es jetzt vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst einzukochen.
Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert, als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke «Crown-Aloë» in den Handel.
Leider war der erste größere Posten dieser neuen Marke in London mit dem Namen Uganda Aloë belegt worden, doch ist dies, wie ich schon neulich mitteilte, ein willkürlich erfundener Name. Diese neue und durchaus rationelle Darstellungsweise hat eine Zukunft. Die Crown-Aloë erzielt in London sehr gute Preise. Sie sieht freilich ganz anders wie Cap-Aloë aus, ist aber entschieden viel besser.» (TSCHIRCH, Schweiz. Wochenschr. 1902, Nr. 23.)

Fig. 183.
Aus
Kautschuk
geformtes Gefäß in Gestalt eines Tieres vom Amazonas.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 184.
Bottle Rubber Para. Aus
Kautschuk
geformte Gefäße vom Amazonas.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 185.
Aus
Kautschuk
geformter Schuh vom Amazonas. Die Form, in der vor 60 Jahren der meiste
Kautschuk
exportiert wurde.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 186.
Teller aus
Nelken
geformt.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 187.
Aus
Nelken
geformtes Kästchen aus Amboina.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 188.
Aus
Nelken
geformtes Schiff von Amboina.
[
Tschirch
phot.]
Ein Auskochen findet auch bei der Perubalsam- und Styrax-Darstellung statt. Hier werden nach erfolgter Verwundung des Baumes und Bildung von Balsam im Neuholz aus der Wundnähe stammende Holz- und Rindenteile abgeschabt und dann mit Wasser ausgekocht. Bei der Perubalsamgewinnung werden auch die aufgelegten Lappen dieser Prozedur unterworfen. Nach dem Auskochen wird dann abgepreßt (Fig. 182).
Ein natürliches Bleichen am Licht findet bei der Macis, die frisch karminrot, am Licht getrocknet rötlichgelb, und beim Carrageen, das frisch kirschrot, gebleicht gelblich ist, statt.
Das Bleichen des Carrageen an der Sonne erfolgt erst, nachdem man den größten Teil des roten Farbstoffes durch Einlegen und Rollen der Algen in mit Süßwasser gefüllten Fässern entfernt hat.
Um die Ingwerrhizome der geschälten Sorten schön weiß zu erhalten, werden die gewaschenen und vorsichtig geschälten Rhizome eine Nacht in Wasser liegen gelassen, dem man oft noch Kalkmilch, Zitronensäure oder Essig zusetzt.
Künstliches Bleichen durch chemische Hilfsmittel gilt bei Drogen als unzulässig. So dürfen z. B. Ingwer, Cardamomen und Carrageen nicht mit Chlor oder schwefliger Säure gebleicht werden. Nur Sonnenbleiche ist zulässig. Auch das Bestreuen oder Bestreichen geschälter weißer Drogen mit Kreide oder Gips, das hie und da bei Iris und Ingwer beobachtet wurde, ist unzulässig.
Das Kalken der Muskatnüsse dagegen ist durchaus zulässig. Es hat nicht den Zweck, die Keimkraft zu vernichten, die bei den Samen, besonders den geschälten, rasch erlischt, sondern dient als wirksamer Schutz gegen Insektenfraß, wie besonders auf diesen Punkt gerichtete Versuche, die ich vor einigen Jahren angestellt habe, bewiesen haben.
Die Gewinnung der Gespinstfasern gehört schon in das Gebiet der technischen Rohstoffe. Sie beruht, soweit es sich um Bastfasern handelt, auf der möglichst vollständigen Isolierung derselben und Beseitigung der begleitenden Gewebe, bisweilen (Lein) unter Zuhilfenahme eines eigenartigen «Fermentierungsprozesses» (Flachsröste), der wohl darauf beruht, daß durch den Einfluß von Bakterien die Interzellularsubstanz pektinisiert und dadurch die Zellen leichter isoliert werden.
Die Entfernung der Samen aus der Baumwolle (das Egrainieren) bedarf besonderer Vorrichtungen.
Bisweilen werden die erzielten Drogenprodukte noch geformt. Aus dem Kautschuk und der Guarana-Pasta formte man ehedem alle möglichen Figuren (Fig. 183–185), jetzt werden aus ersterem meist nur Kuchen, aus letzterem, ebenso wie aus dem erweichten Drachenblut Stengel gebildet. Das indische Opium wird, wie schon oben beschrieben, entweder zu großen Kugeln (balls Fig. 128) oder zu rechteckigen Stücken (Fig. 132) geformt. Der Gambierwürfel wurde schon oben gedacht (S. 135). Aus Nelken werden in Amboina die zierlichsten und kunstvollsten Gebilde hergestellt: Büchsen, Teller, Kassetten, Schiffe (Fig. 186 bis 188). Doch ist dies eigentlich mehr eine Kuriosität und Spielerei.
Auch die früher vielfach übliche kunstvolle Verschlingung von Wurzeln ist nur noch bei der Angelica «in Zöpfen» in Gebrauch geblieben und von den zahlreichen eigenartigen Packungsarten der Sarsaparille sind fast nur noch die «Puppen» der Honduras jetzt im Handel.
Auch von den vielen oft kunstvollen Gefäßen, in denen früher besonders weiche Drogen in den Handel gebracht wurden, haben sich nur wenige erhalten: die kleinen Kalebassen des Tolubalsams (jetzt selten) und einer Curareart, die grossen der Curaçao-Aloë, die Töpfe des Tubocurare und die Bamburöhren des Röhrencurare, die wir aber eigentlich schon zu den Packungen (s. Pharmakodiakosmie) rechnen müssen.

Fig. 189.
Die Bereitung des
Palmweins
am Kongo. Der Kuli rechts ist im Begriff, den Schnitt am Gipfel zu machen.
[
R. Visser
phot.]
Eine ganz besondere und eigenartige Gruppe bilden Indigo und Lackmus, die als solche in den Stammpflanzen nicht vorhanden sind, sondern erst bei einem eigenartigen Behandlungsprozesse aus den in den Pflanzen enthaltenen Chromogenen entstehen. (Vgl. das Kapitel Pharmakochemie.)
Ein Nachfärben (mit Berlinerblau oder Indigo, dem Gips oder Talkum zugesetzt wurde) findet bisweilen beim grünen Tee statt.

Fig. 190.
Indianer bei der
Pulque
bereitung. Aufsaugen des angesammelten Saftes mittelst Hebers.
[Aus
Preuß
, Zentral- und Südamerika.]
Ein «Beduften» (Scenting) scheint beim schwarzen Tee hie und da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt: Aurantieen, Aglaia odorata, Chloranthus inconspicuus, Gardenia florida, Jasminum paniculatum und Sambac, Osmanthus fragrans. Wie TISCHOMIROFF durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das «Beduften» des schwarzen Tees nicht oder doch (1893) nicht mehr geübt. Nur in die Kisten, die «Tee zu Geschenken» enthalten, wird auf den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht Aglaiablüten geschüttet. In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die süßen Zweigspitzen von Viburnum phlebotrichum dem Tee beigemischt.
In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in Gebrauch.
Einige Drogen, wie das Curare und der Haschisch gehören schon zu den Präparaten, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.
Die Herstellung von gegorenen Getränken aus Pflanzensäften fällt schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den Palmenwein (Fig. 189), den Cognac, den Arac und die Pulque (Fig. 190) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.
Bei der Pulquebereitung schneidet der Arbeiter die Knospe des Blütenstandes der Agave americana, bevor sich derselbe entwickelt, ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument (Fig. 190) den zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.
Bei der Palmweingewinnung schneidet man ebenfalls die Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des Stammes (Fig. 189), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und läßt ihn vergären.

Fig. 191.
Die Räucherung des
Kautschuks
mit Palmnüssen (Defumaçao da borracha) im Amazonasgebiet unter Anwendung kleiner «Ruder» zur Herstellung kleiner Kuchen.
[Aus
Hubers
Arboretum amazonicum.]
Daß man Drogen auch durch eine rationellere Erntebereitung verbessern kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der Hevea-(Para-)Kautschuk, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca kultivierten Heveaarten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.
Die Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte (Fig. 191 u. 192) ist jetzt schon eingehend studiert.

Fig. 192.
Kochen des Latex und der
Kautschuk
kuchen in Lusambo (Kongo).
Man unterscheidet hier folgende Koaleszenzmittel:
Natürliche Methoden: Einfaches Verdunstenlassen an warmer Luft Verdunstenlassen am menschlichen Körper.
Mechanische Methoden: Durch Schlagen, Buttern bei 50°; Durch Zentrifugieren nach BIFFEN.
Chemische Methoden: Räucherung, z. B. mit der Räucherungsmaschine von CARDOCO DANIN; Einfache Kochmethode; Zusatz eines großen Quantums Wasser; Durch Salzwasser; Durch Vegetabilien, wie die Samen von Aurantiaceen, der Saft von Sachacamote, Bossasangasaft, die Wurzelknollen von Ipomoea bona nox; Durch Chemikalien, wie Alaun, Schwefelsäure, Seesalz, Seifenwasser, Alkohol, Sublimat, Calciumchlorid, Salzsäure, Phönicinschwefelsäure, Aceton, Eisessig, Ameisensäure, mit H2SO4 versetzte 4% Phenollösung; Durch Urin; Durch Sterilisieren mit Formaldehyd, Guajacol- oder Thymollösung, dann Verdünnen mit Wasser und Versetzen mit Oxalsäure, Ameisensäure, Zitronensäure oder mit wässerigen Extrakten der Termiten und Ameisen. (Vgl. TSCHIRCH, Harze und Harzbehälter 1906.)
Die Sitte, frische Pflanzenteile mit Zucker einzukochen — sog. Condita darzustellen, — die früher bei zahlreichen Heilpflanzen üblich war, z. B. auch bei Rhiz. Enulae, ist jetzt nur noch beim Ingwer, den dickschaligen Citrusarten (z. B. C. medica) — Citronat, Cedrat — und bei Angelica (in Clermont Ferrand) erhalten geblieben.

Fig. 193.
Die Fabrikation des
Indigo
.
[Nach
Pomet
, Hist. des drogues, 1694.]

Fig. 194.
Moderne
Indigo
fabrik in Indien.
[Aus
Roscoe-Schorlemmer
, Lehrb. d. Chemie.]

Fig. 195.
Sortieren des
Tabak
in Sumatra.
[Kew Museum.]

Fig. 196.
Zurechtschneiden der Ceylon-
Zimt
röhren auf eine Länge.
[Kew Museum.]

Fig. 197.
Sortieren des
Tees
in China.
[Aus Illustrierte Welt.]

Fig. 198.
Auslesen von
Muskatnüssen
auf Java.
[Kolonial-Museum Haarlem.]

Fig. 199.
Auslesen der
Chinarinde
und Trocknen derselben auf
Bambu
tellern (Tampirs) in Lembang auf Java.
[
Tschirch
phot.]

Fig. 200.
Auslesen der
Rosen
blumenblätter in Grasse.
Auch die arabische Sitte, eingedickte Pflanzensäfte — Roob, Rob, Rubb — darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten (Sambucus, Juniperus) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis (Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg Succus Sambuci.
Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung ziemlich konservativ. Das Umbaopopanax scheint auch heute noch auf die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche gilt wohl von der Aloë.
Wie konservativ man bei der Indigofabrikation geblieben ist, lehrt der Vergleich zwischen der Abbildung der Indigobereitung, die ich aus POMET, Hist. gener. des drogues 1694 wiedergebe (Fig. 193) und einer modernen Anlage (Fig. 194), die ich dieser gegenüberstelle.
Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein Auslesen oder Sortieren erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen schon beim Produzenten. Die Teeblätter (Fig. 197), die Muskatnüsse (Fig. 198) und die Chinarinde (Fig. 199) werden «verlesen», bevor man sie verpackt, Rosenblätter (Fig. 200), bevor man sie destilliert. Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim Deckblattabak in Sumatra (Fig. 195). Bei der Cubebe, den Umbelliferenfrüchten u. a. werden die Stiele entfernt. Die Gummis und Harze werden sortiert. Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» (s. d.).
Eine besondere Form des Auslesens ist das «Reppeln», das darauf beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die Kusso gereppelt, d. h. die zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die die Kamala bilden, von den Früchten des Mallotus philippensis und jene, die das Lupulin bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen Infloreszenz der Hopfenpflanze abgelöst.
Bei der Baumwolle werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden die Baumwolle, der Samen liefert das Baumwollsamenöl.

Fig. 201.
Stampfen der zerkleinerten
Chinarinde
, um ihr Volumen zu verringern, auf Java.
Einige Rinden werden auch schon im Produktionslande auf eine bestimmte Länge zurechtgeschnitten. Bei den Chinarinden geschieht dies in Java, um sie gut und mit möglichster Raumersparnis in den Kisten unterbringen zu können. Beim Ceylonzimt werden die aus mehreren zusammengeschobenen Rinden gebildeten Röhren meist genau auf 1 m gebracht (Fig. 196), aus denen dann die Fardelen gebildet werden. Fardello bedeutet Bündel. Schon in PAXIS Taripha (s. Geschichte) findet sich: «Canelle longe in fardo». Die Packung scheint also sehr alt zu sein.

Fig. 202.
Einstampfen des
Yerba Mate
in Paraguay.
[Nach
Hengstenberg
, Weltreisen.]

Fig. 203.
Hydraulische Presse zur Herstellung der
Chinarinden
ballen in Colombo (Ceylon).
[
Tschirch
phot.]

Fig. 204.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte
Chinarinden
ballen in Hultsdorf Mill, Colombo (Ceylon).
[
Tschirch
phot.]

Fig. 205.
Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte
Baumwollen
ballen zum Verladen bereit (St. Louis).
Da die Dampferlinien die Fracht nach dem Volumen und nicht nach dem Gewicht berechnen — eine Ausnahme machen nur die Metalle — so hat der Versender ein Interesse, das Volumen zu verringern. Dies geschieht in primitiver Weise dadurch, daß man die Drogen einstampft. Etwas derartiges sehen wir z. B. bei den als Fabrikrinden bezeichneten Chinarinden, bei denen es nicht auf schönes Aussehen ankommt (Fig. 201). Beim Mate erfolgt das Pulvern durch Schlagen mit hölzernen Stäben (Fig. 202). Oder man bedient sich zum Zusammenpressen hydraulischer Pressen. Dies geschieht z. B. bei der Chinarinde in Ceylon (Fig. 203 u. 204) und der Baumwolle (Fig. 205). Doch dies gehört schon in das Gebiet der Verpackungen (s. d.). Bei dem Mate (Fig. 206) und bei dem zur Ziegelteebereitung benutzten Teepulver (Fig. 207) bedient man sich auch eigenartiger Mühlen, um das Material zu Pulver zu mahlen. Die Reismühle dagegen entfernt die Spelzen und die Schale, «schält» also nur.

Fig. 206.
Primitive
Yerba
-Mühle in Paraguay.
[Nach
Hengstenberg
, Weltreisen.]

Fig. 207.
Tee
mühle zur Bereitung des Ziegeltees.
Ganz einzig in seiner Art ist das Zeichnen der noch an der Pflanze hängenden Vanillefrüchte zum Schutz gegen Diebstahl. Die Pflanzer in Bourbon zeichnen nämlich mit Hilfe von Nadeln alle Früchte noch am Stock. Die Anordnung der Stiche ist auf den Plantagen verschieden, aber jede hat ihre besonderen Zeichen. Bald bilden die Stiche zusammen genommen arabische Ziffern (5, 6, 8, 10), bald Buchstaben (D bedeutet z. B. die Plantage von Dureau de Vaulcomte), und viele dieser Zeichen sind auf dem Gerichte als «Schutzmarke» eingetragen. Werden nun gestohlene Früchte angeboten, so wissen die Händler sofort, wo sie gestohlen sind und wem sie gehören.
Die Abfälle der Erntebereitung werden bei vielen Drogen verwertet. Die Preßrückstände der Öldrogen, z. B. die Cocospreßkuchen, die Sesam-, Mohn- und Senfpreßkuchen werden als stickstoffreiches Futtermittel benutzt, ebenso die extrahierten und getrockneten Rübenschnitzel der Zuckerfabriken. Die Destillationsrückstände der Fabrikation ätherischer Öle dienen als Düngemittel, ebenso die Fruchtschalen des Kaffee und der Muskatnüsse. Letztere dienen aber auch, in Gruben der Zersetzung unterworfen, als Nährboden für den Muskatpilz (djamur pala), einem beliebten Leckerbissen auf den Bandainseln. Die Abschabsel beim Schälen der Zimtrinde werden zur Öldestillation benutzt.
An der Gewinnung der Drogen beteiligen sich alle Rassen und fast alle Nationen der Welt, wie man leicht beim Durchsehen der Abbildungen dieses Buches feststellen kann, auf denen sich Vertreter aller Völker dargestellt finden: Kaffern, Neger, Singhalesen, Tamils, Malaien, Javanen, Chinesen, Japaner, Türken, Brasilianer, Mittelamerikaner und alle Nationen Europas (Spanier, Griechen, Italiener, Bulgaren, Deutsche, Franzosen, Engländer, Holländer usw.).
Aus fernen Landen bringen die Galeeren Gold, Weihrauch und Gewürze sonder Zahl, Heilkräft’ge Kräuter, Balsam, Silphium, Myrrhe —