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Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Drittes Buch. Die Seewege nach Indien. (continued 9)

Reading edition

2. Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung. Die mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang 280 Centimeter.

3. Durchschnitt einer einfachen Mumie. Diese Abbildung zeigt, wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.

In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt worden ist.

Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eine Fahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte, ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war.

In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme (20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro, welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag.

So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des Piloten Bartolomeo Ruiz aus Moguer bei Palos und mit 160 Mann ein zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der Mündung des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr Leute zu werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach Panama zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb.

Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus; berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator. Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.) zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die schön gewebten Stoffe, die farbigen Muster prüfen konnte und genauere Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte, sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama, das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel zurück.

Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war.

Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen: „Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen, dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit, noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen. Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, war der bedeutendste Ort im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft, und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben autorisire und ihn unterstütze.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Zur Entdeckung von PERU durch Pizarro

Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten, deren Inhalt sich auf der Weltkarte Ribero’s vom Jahre 1529 zum erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große Ausdehnung Peru’s zeigen zu können.

Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft wußte, in Freiheit gesetzt.

Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen.

Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben. Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus den Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von der Insel Gorgona wurden zu Edelleuten (hijosdalgo) erklärt. Die materielle Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen angedeihen ließ, bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, sowie in Pferden, welche von Jamaica entnommen werden sollten.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Geogr.-artist. Inst. v. Runge u. Glöckner, Leipzig.

G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin.

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Ausschnitte aus der obenstehenden Karte:

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
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Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffen und mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo begleiteten ihn.[439] Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden, zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide Theile zu einem tragischen Ausgange führte.

30. Die Eroberung Peru’s.

Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar 1531 von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte Ziel, Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai von San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, ein Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque eine ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des Raubes wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß des Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine namhafte Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.[440] Während sie sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, stieß auch bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten zu dem Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. Jago), wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen ließ und weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner lebten in Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter verdächtigten ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten ihm mit, die Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle Fremden zu vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die Häuptlinge der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches in folge dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine Niederlage bei. Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, welche ihm Hernando de Soto, bestochen durch die Smaragden- und Goldsendungen, welche nach Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen zuführte. Dann ging Pizarro nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn sehr wichtige Nachricht, daß zwischen den Söhnen des letzten Inka Huayna-Capac ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und Huascar hatten von 1525–1530 friedlich neben einander regiert, jener in Quito, dieser in Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte Atahuallpa, welcher sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der Bai von Guayaquil gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. Br.) Anspruch erhob und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach Süden gedrungen, hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe bei Chontacaxas, nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen genommen, worauf seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und Chalcuchima sich der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling 1532, kurz vor Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen Inka war auf Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige waren dem Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem Heere bei Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt hatte in dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner ängstlich und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen ausgeschifft hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft des spanischen Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne Anstand geschehen ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht verstanden.

Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am 24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s. Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168 Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein. Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren, Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Krieger aus der Inca-Zeit: Malerei auf einem altperuanischen Thongefäß. (½ der natürlichen Größe.)

Die Bewaffnung aller fünf Figuren ist lediglich die Lanze, an den Schäften mit großen kreuzförmigen Aufsätzen versehen, welche vielleicht als streitkolbenartige schwere Keulen zu betrachten sind. Als Schutzwaffen tragen die Krieger hohe, spitze, unter dem Kinn mit Bändern befestigte Helme mit einem halbmondförmigen aufgesetzten Zierrath und einem über den Nacken herabhängenden Tuche. Einen Schild führt nur die äußerste Figur rechts. Mit Ausnahme des mittleren tragen die Krieger alle große Taschen. Die Körperbekleidung besteht aus einem bis fast auf die Knie herabfallenden Untergewand mit verziertem Rande und darüber eine bis zur Hüfte reichende Jacke aus verschiedenartig ornamentirtem Gewebe. Die Gewänder sind ganz in der Form des Ponchos der heutigen Südamerikaner gearbeitet und lassen die Arme unbekleidet. Auch die Beine sind nackt, auf unserem Vasenbilde aber, wie auch die Gesichter und Hände, bemalt. Die mittlere Figur trägt einen Nasenring, die beiden neben ihr ansehnliche Pflöcke in den Ohren. Vier von den Kriegern haben auf der linken Schulter eine Schleife, der fünfte trägt den Kopf eines phantastischen Thieres als Helmschmuck. Die Gesichter sind von dem charakteristischen Indianer-Typus. — Die Form des Gefäßes ist durchaus ungewöhnlich und deshalb auf der Tafel „Altperuanische Geräthschaften“ mit abgebildet (s. d.). Das Gefäß befindet sich in Privatbesitz zu Lima und soll aus der Gegend von Trujillo stammen.

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Nach einem Marsche von sieben Tagen langte Pizarro in dem wohlangebauten Thale von Cajamarca an, welches sich bei einer Höhenlage von 2860 Meter eines angenehmen, kühlen Klimas erfreut. Fruchtbare Ackerfelder und blühende Gärten zogen sich das Thal entlang. In der Ferne sah man die Dampfsäulen der warmen Bäder von Pultamarca, Schwefelquellen von 55° R., aufsteigen, welche noch heute den Namen der Inkabäder führen und wo Atahuallpa zu baden pflegte. Am Bergabhange davor breitete sich die Zeltstadt des peruanischen Lagers, welches 40,000 Mann zählte, aus. Pizarro zog in die kleine, menschenleere Stadt ein, welche mit einer festen und hohen Mauer umschlossen war, und besetzte am 15. November den Marktplatz. Dann untersuchte er die Verhältnisse der Stadt, um eine feste Stellung für sein Lager zu ermitteln, damit er nicht unerwartet überfallen werden könnte. Soto, welcher schon vorher einen kühnen Kundschafterritt ausgeführt hatte, ritt darauf mit 20 andern Reitern als Gesandtschaft in das Lager des Inka hinüber und jagte die letzte Strecke bis an den Bach, welcher sie noch vom Lagerplatze trennte, im Galopp vor, um seine Reiterkünste zu zeigen und die Indianer durch die Erscheinung der schnaubenden Rosse zu erschrecken. Der Inka befand sich im Hofe des Palastes, von seinem Gefolge umgeben. Von einem Thronsessel aus sah er hinter einem zarten durchsichtigen Schleier, den zwei Frauen vor ihm hielten, damit er nach Landessitte nicht von jedem unberufenen Auge beobachtet werde, die Spanier sich nähern. Als Soto heransprengte, befahl Atahuallpa den Schleier zu senken.[441] Dann trat Hernando Pizarro vor und hielt durch den Mund des Dolmetschers eine Ansprache an den König, worin er sich als Abgesandten eines mächtigen Monarchen bezeichnete und sich erbot, die Peruaner im wahren Glauben zu unterrichten.

Der Inka schwieg auf diese Worte, nur einer seiner ersten Beamten erwiderte: „Es ist gut.“ Pizarro begann von neuem und bat den Fürsten, die Spanier in ihrem Lager zu besuchen. Atahuallpa sagte für den nächsten Tag, nach Beendigung der Fastenzeit, den Besuch zu. Inzwischen möchten die Spanier sich in den Staatsgebäuden von Cajamarca einrichten. Dann verabschiedete er die fremden Gäste.

Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden — alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf seine Macht vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet. Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu behalten und sich seiner Person zu bemächtigen.

Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts, die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe: „Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her. Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten.

Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut, da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen gehalten wurde — dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit — mit Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne. Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Das Haus Atahuallpa’s bei Cajamarca, in welchem der Inka von Pizarro gefangen gehalten wurde.

Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco (östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete, so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges Motiv für seine spätere Hinrichtung.

Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich. Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar 1533 nach Pachacamac[442] kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte. Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima), wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging freiwillig mit nach Cajamarca.

Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je 350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200 Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil (ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber. Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.[443] Etwa fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30 Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533, rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen, alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos. Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber, Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“[444]

Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet.

Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt, selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt.

Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien beschenkt.

Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale eingefunden, Pedro de Alvarado, der Eroberer Guatemala’s, welcher, nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich Quito zu erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum peruanischen Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen Bereiche. Eine nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März 1534 mit 500 Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. Von der Küste marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor aber dabei viel Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er leider aus deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein anderer Spanier in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war Benalcazar, welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel eingesetzt hatte. Als man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s erzählte, brach er auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und erreichte, weil er bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße über Riobamba eher das Ziel.

Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von 100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Sacsahuaman: Ruinen der alten Inkafestung bei Cuzco.

❏ GRÖSSERE BILDANSICHT

Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac) genannt.

31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod.

Nachdem das Hauptland von Peru bezwungen worden war, beschloß Almagro auch die südlichen Länder zu unterwerfen. Es war der schwerste und kühnste Heereszug, welcher je durch die Wüsteneien der südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt wurde. Zwei indianische Edelleute, der Bruder des Inka, Paulo Topa, und der Oberpriester Vilehoma, wurden in Begleitung dreier Spanier vorausgesendet, um den Weg zu zeigen, die Indianer über die Absichten des Zuges zu beruhigen und Quartiere zu schaffen. Dann brach Almagro am 3. Juli 1535 von Cuzco auf[445] und zog durch das Gebiet der Conchas, nordwestlich vom Titicacasee, und am westlichen Ufer des Gebirgssees durch die Landschaft Collao, ging dann auf der Ostseite des Aullagassees südöstlich über das Hochland von Potosi nach Tupiza, an der Südgrenze Boliviens, wo er, nachdem er bereits einen Marsch von wenigstens 200 Meilen gemacht hatte, seinen Truppen zwei Monate Rast gönnte. Während des Aufenthaltes entfloh der Oberpriester Vilehoma sammt seinem Gefolge bei Nacht und kehrte nach dem Norden, nach der Landschaft Collao zurück.

Almagro stand hier an der Grenze des Inkareiches, weiter hinaus hatte er unabhängige Bergstämme vor sich, durch deren Gebiet er sich mit Gewalt den Weg bahnen mußte. Es standen ihm, um nach Chile zu gelangen, dessen Schätze ihn lockten, zwei in gleichem Maße schwierige Wege offen. Entweder mußte er von Tupiza aus sich westwärts über die unwirthlichen Einöden und den Hauptkamm der Anden übersteigend nach der Küste wenden und die wasserlose Atacamawüste durchschneiden, oder den mühsamen Gebirgsmarsch nach Süden fortsetzen und ausgedehnte Schneeregionen durchziehen, wo für die Mannschaften weder Vieh noch Getreide zu beschaffen war. Almagro wählte den letzteren Weg, weil er kürzer schien. Da von den Eingeborenen in Jujuy drei Spanier, welche vorausgeschickt waren, getödtet worden, so wurde der Capitän Salcedo mit 50 Reitern und Fußgängern ausgesandt, die Indianer zu züchtigen. Diese hatten sich in eine Festung zurückgezogen, welche Salcedo erst anzugreifen wagte, als ihm Francisco de Chaves Unterstützung brachte. Darauf flohen die Indianer ins Gebirge und ließen den Paß frei. Nun rückte das Heer weiter durch Jujuy in die Landschaft Chicoana, südlich von der modernen Stadt Salta. Das fruchtbare Thal war verödet, wilde Bergstämme waren von Norden her eingebrochen, hatten die Kulturen zerstört und die Ortschaften in Trümmerhaufen verwandelt. Doch gelang es Almagro noch, seine Truppen mit einigen Vorräthen von Vieh und Mais zu versorgen; allein beim Uebergang über einen reißenden Bergstrom ging ein großer Theil der Thiere verloren, ein empfindlicher Verlust, der nicht wieder ersetzt werden konnte, wenn auch hie und da in den Hochthälern noch einige wenige kleine Ortschaften angetroffen wurden. Von Chicoana (Salta) ging der Zug in südwestlicher Richtung über das Campo del Arenal westlich von der Sierra Aconquija durch das Thal von Arroyo nach dem Hauptrücken der nördlichen chilenischen Anden, um diese zu übersteigen. Hier stand den Truppen noch die schwerste Arbeit bevor. Als sie aus einer Gebirgsschlucht (Quebrada) heraustraten, sahen sie hohe, schneebedeckte Gebirge in unabsehlicher Ausdehnung vor sich. Nachdem sie eine Zeit lang daran hingezogen, sahen sie sich genöthigt, dieselben zu übersteigen, ohne ihre Breite zu kennen. Aber muthig wagten sie sich hinein, mit den Elementen und mit dem Hunger kämpfend, mit wenig Lebensmitteln, mit Waffen und allerlei Geräth, um Brücken oder Flöße zu bauen, beladen.

Almagro zog mit 20 Reitern vorauf, um Wege und Pässe ausfindig zu machen, und womöglich dem nachfolgenden Heere Lebensmittel zu schaffen. Sieben Tage lang ging’s über Salzboden und wieder über beschneite Pässe, wo die Augen von dem blendenden Schnee entzündet wurden. Sturm und Kälte erschwerte jeden Tritt. Am dritten Tage der schwersten Leiden öffnete sich gegen Osten das Thal von Copiapo, wo Almagro’s kleine Schar sich erholen und den nachfolgenden Truppen Lebensmittel entgegensenden konnte. Ohne diese Hilfe wäre das ganze Heer in den schrecklichen Wüsteneien umgekommen. Die indianischen Lastträger, welche den Zug mitmachen mußten, litten noch mehr als die Spanier.[446] Manche sanken vor Erschöpfung nieder; die Luft war so kalt, daß man kaum athmen konnte. Dazu nachts kein Feuer, um sich zu erwärmen, kein Schutz vor den rasenden Winden, keine ausreichende Nahrung, um den Körper widerstandsfähiger zu machen. Der Hunger war so arg, daß die lebenden Indianer das Fleisch ihrer gefallenen Kameraden verzehrten und die Spanier mit Begier das sonst verschmähte Fleisch gefallener Pferde unter sich theilten. Das Heer verlor bei diesem Uebergange 150 Mann und 30 Pferde. Erst im Thal von Copiapo konnten die Soldaten bei längerer Rast sich erholen und stärken. Rodrigo Orgoñez, welcher dem Almagro später von Cuzco her neue Truppen zuführte und denselben Weg über die Anden einschlug, hatte noch mehr Verluste als der Adelantado. Die Schneemassen begruben manchen Mann und manches Roß. Dann marschirte Almagro im chilenischen Küstenlande weiter nach Süden, nach Coquimbo. Hier traf er unerwartet einen Spanier, welcher, vor einer angedrohten Strafe flüchtig, aus Peru 600 Meilen weit nach Chile gelaufen war, ohne Schaden zu erleiden. (Oviedo, historia 47, 4). Von Coquimbo aus ließ Almagro dann das Land im Süden bis zum Rio Maule (35° s. Br.) erforschen und trat dann, da die erträumten Schätze sich nirgends zeigen wollten, enttäuscht den Rückweg an. Um das Heer nicht noch einmal den Gefahren des Hochgebirgs auszusetzen, wählte er diesmal den Küstenweg, welchen ihm die Indianer in Jujuy bereits empfohlen hatten. Zwar mußte er hier die Atacama passiren und verlor durch Mangel an Wasser und Futter mehr als 30 Pferde, aber keinen Mann. Sein Heer war in kleine Abtheilungen vertheilt, Almagro bildete mit seinem Gefolge den Schluß. So überwand er glücklich diese Wüste und stieg dann von Arequipa nach dem Hochland von Cuzco hinauf, wo er im Frühling 1537 wieder anlangte. Es war ein überaus verwegener, aber erfolgloser Entdeckungszug gewesen.

Während Almagro auf dem Marsche nach Chile war, suchte die nationale Partei unter ihrem Inka Manco die Gelegenheit, das spanische Joch abzuschütteln, zu benutzen, so lange ein ansehnlicher Theil des feindlichen Heeres aus dem Lande abwesend war. Manco entwich aus Cuzco und rief das Volk zu den Waffen. Die Hauptstadt wurde belagert und durch brennende Pfeile leicht in Brand geschossen, da die meisten Häuser mit Stroh gedeckt waren. Die halbe Stadt wurde zerstört, die Festung fiel in die Hände der Peruaner. Juan Pizarro eroberte zwar einen Theil derselben wieder, wurde aber dabei durch einen Steinwurf so gefährlich verletzt, daß er bald darauf starb. Erst nach seinem Tode konnten die Spanier die Festung wieder gewinnen; dann wurden sie aber Monate lang von einem großen indianischen Heere in Cuzco belagert und ihre Verbindungen mit Lima abgeschnitten, so daß Francisco Pizarro vergebens, da die Indianer die Bergpässe besetzt hielten, versuchte, der bedrohten Hauptstadt Ersatz zu bringen. Erst als in der Zeit der Feldbestellung das peruanische Belagerungsheer sich theilweise auflöste, wich die äußerste Noth, in welcher sich die Besatzung befunden hatte. Man machte in dieser Zeit sogar den, wenn auch verfehlten Versuch, sich durch einen Handstreich der Person des Inka zu bemächtigen. Francisco Pizarro fühlte, daß der ganze Besitz seiner Eroberung durch den allgemeinen Aufstand auf dem Spiel stehe, wenn nicht rasche Hilfe komme. Er entsandte Schiffe nach Mittelamerika und forderte die dortigen Statthalter unter lockenden Verheißungen auf, ihn mit Truppen zu unterstützen.

Unter solchen Verhältnissen erschien Almagro wieder in Peru. Die schon lange im Stillen glimmende Eifersucht zwischen ihm und Pizarro hatte zwar schon vor seinem Abmarsch nach Chile eine scheinbare Versöhnung gefunden, da sich beide Rivalen durch schriftlichen Vertrag und Eidschwur auf die Hostie am 12. Juni 1535 zur Beilegung des Streites bereit erklärt hatten; allein da nun nach seiner Rückkehr Almagro erfuhr, daß eine königliche Vollmacht ihn zum selbständigen Statthalter über alle Länder ernenne, welche 270 Leguas (17½ Leguas = 1 Breitengrad von 15 Meilen) südlich vom Santiagoflusse[447] beginnend, sich gegen Süden ausdehnten, so glaubte er Anspruch auf den Besitz von Cuzco zu haben. Bei der Unsicherheit genauer astronomischer Bestimmungen konnte zu jener Zeit allerdings die Entscheidung dieser Frage zweifelhaft sein, wenn wir jetzt auch mit Bestimmtheit sagen können, daß die alte Hauptstadt noch zum Gebiete Pizarro’s gehört. Ehe Almagro noch in die Nähe von Cuzco gelangt war, suchte er mit dem Fürsten Manco, mit welchem er früher befreundet gewesen, eine Zusammenkunft, wurde von diesem aber überfallen. Nachdem er den Angriff siegreich abgewiesen hatte, rückte er mit seinem Heere vor Cuzco und forderte von Gonzalo und Hernando Pizarro, welche in derselben befehligten, die Uebergabe der Stadt. Da dieselbe unter verschiedenen Vorwänden verzögert wurde, so drang er in einer finstern Nacht am 8. April 1537 in Cuzco ein und nahm beide Brüder nach kurzem Kampfe in ihrem Hause, welches dabei in Flammen aufging, gefangen.

Inzwischen war Alvarado, von Francisco Pizarro zu Hilfe gerufen, zum zweitenmale in Peru erschienen und stand, im Begriff mit 500 Mann auf Cuzco zu marschiren, 13 Meilen von der Hauptstadt entfernt in Jauja. Almagro ließ ihm die erfolgte Besetzung seiner Hauptstadt melden, aber Alvarado befahl, die Boten in Ketten zu werfen. Erbittert über solchen Verrath fiel Almagro rasch über ihn her, besiegte ihn bei der Brücke von Abancay, am 12. Juli 1537, und kehrte dann nach Cuzco zurück. Der Inka wurde mit dem Rest seiner Scharen ins Gebirge getrieben und das Land von den Aufständischen gesäubert. Es kam nun vor allem darauf an, eine directe Verbindung mit dem Mutterlande zu schaffen und einen Seehafen im südlichen Peru ausfindig zu machen. Deshalb zog Almagro ins Küstenland hinunter, um dort einen befestigten Landungsplatz zu gründen. Sein Augenmerk war auf das fruchtbare Chinchathal gerichtet; Hernando Pizarro mußte als Gefangener folgen, während es dem andern Bruder Gonzalo gelang, aus der Haft zu entfliehen und Lima zu erreichen.

Francisco Pizarro, welchem vor allem daran gelegen war, seinen noch gefangenen Bruder dem siegreichen Gegner zu entreißen, zeigte sich sehr friedlich gesinnt und knüpfte Unterhandlungen an. Beide Parteien kamen am 13. November in Mala, südlich von Lima, zusammen und Almagro verstand sich dazu, gegen die vorläufige Anerkennung seiner Ansprüche auf Cuzco, Hernando Pizarro freizugeben. Die endgiltige Entscheidung des Streits wurde der spanischen Regierung überlassen.

Kaum war Hernando frei, so erklärte bereits Francisco Pizarro den Vertrag für ungiltig, und der Streit begann von neuem. Almagro ging nach Cuzco zurück, wohin ihm sein erbitterter Gegner Hernando im Frühling des nächsten Jahres folgte. Am 26. April 1538 kam es zum Kampfe bei Las Salinas, eine kleine Meile von der Hauptstadt. Keine der beiden Parteien verfügte über mehr als 700 oder 800 Mann, aber das Gefecht war sehr heftig und dauerte den ganzen Tag. Almagro konnte, weil er krank war, nicht unmittelbar in den Streit eingreifen, aber er befand sich ganz in der Nähe. Während des Gefechtes fielen nur 15 bis 20 Mann, aber bei der Verfolgung der geschlagenen Truppen Almagro’s, welcher selbst gefangen genommen wurde, sollen noch 150 Mann niedergemacht worden sein. Hernando hatte für den überwundenen Gegner, den frühern Waffengefährten, der ihm großmüthig die Freiheit geschenkt, kein Mitgefühl, kein Erbarmen; er sann auf Rache für die angethane Schmach. Almagro wurde nach Cuzco gebracht und ihm dort der Proceß gemacht. Unter Aufbietung einer ansehnlichen Truppenmacht wurde ihm öffentlich am 8. Juli der Urtheilsspruch verkündet. Dann ließ Hernando ihn im Gefängniß erdrosseln.

Almagro war eine offne, rohe Natur, welche sich nie mit heuchlerischen Hintergedanken oder mit Racheplänen trug. Er besaß einen empfindlichen Ehrgeiz und liebte es, durch verschwenderische Geschenke seine Truppen zu belohnen. Tapfer und in allen Strapazen ausharrend, machte ihn seine durch und durch soldatische Natur bei seinem Heere beliebt. Seine Verbindung mit dem herz- und gewissenlosen Pizarro stürzte ihn ins Verderben.

32. Die Ermordung Pizarro’s und das Ende der peruanischen Parteikämpfe.

Der junge Diego Almagro befand sich inzwischen in Lima, aber die Statthalterschaft seines Vaters erhielt er nicht; auch wurden seine Anhänger, die „Chilenen“, durch Verachtung gekränkt. Man wandte sich um Recht nach Spanien. Um diesen Bemühungen der Partei Almagro’s, besonders des eifrigen Diego de Alvarado entgegenzuwirken, ging Hernando Pizarro 1539 selbst nach dem Mutterlande. Kurz nach seiner Ankunft in Valladolid am Hofe starb dort Alvarado ganz plötzlich, man sagte: durch Gift, welches Pizarro ihm beigebracht. Der Henker Almagro’s fand keinen freundlichen Empfang, man beschuldigte ihn mit Recht, daß er einen von der Krone eingesetzten Statthalter — ob aus eignem Antriebe oder durch seinen Bruder bestimmt, blieb dabei unerörtert — habe hinrichten lassen. Er wurde daher gefangen genommen und blieb auf der Festung Medina del Campo bis 1560 eingesperrt, so daß er alle seine Verwandten und auch — seinen Ruhm überlebte.

Um die verwirrten und unerquicklichen Verhältnisse in Peru zu ordnen, wurde der Rechtsgelehrte Vaca de Castro entsendet als „königlicher Richter“, oder, für den Fall, daß Francisco Pizarro bereits gestorben, als königlicher Statthalter. Im Sommer 1541, während er noch auf der Reise begriffen war und sich in Popoyan, nördlich von Quito (2½° n. Br.), aufhielt, erreichte ihn schon die Nachricht, Francisco Pizarro sei von seinen Gegnern ermordet. Die chilenische Partei hatte unter Anführung des Juan de Herrada mit einer Anzahl von Verschworenen am Sonntage den 26. Juni 1541, da Pizarro nicht zur Messe gegangen, den Zugang zu seinem Palaste in Lima erzwungen und, wie der junge Almagro behauptete, den Statthalter gefangen nehmen wollen, weil dieser in gleicher Weise wie seinem Vater, auch ihm, nach dem Leben getrachtet habe. Bei seiner Vertheidigung wurde Pizarro sammt seinem Bruder Francisco Martin und seinem Pagen Tordoya getödtet, während das übrige Gefolge floh. Er war 63 Jahre alt, als er zur Sühne für den an seinem Genossen Almagro verübten Mord unter den Streichen der Verschworenen fiel.[448] Wenn er auch Jahre lang sein Ziel, Peru zu erobern, kühn und unbeugsam im Auge behielt und dabei eine erstaunliche Thatkraft entfaltete, so läßt sich seinem Charakter doch keine sympathische Seite abgewinnen. Ungebildet und gefühllos trat er Freund und Feind nieder. Er hatte Cortes mehrfach als Vorbild genommen, so namentlich in der Gefangennahme des Fürsten; auch war ihm die Eroberung des Landes leichter geworden, als jenem, welcher zuerst mit einem amerikanischen Kulturvolke rang, die Besiegung von Mexiko. Aber verglichen mit einem Feldherrn und gebildeten Staatsmann wie Cortes erscheint Pizarro nur als ein gemeiner Abenteurer, und zwar als der grausamste von allen, welcher das eroberte Land ausplünderte und mit Blut überschwemmte und den spanischen Namen für immer in Südamerika verhaßt machte.

Als Cristoval Vaca de Castro in Popayan das Schicksal Pizarro’s erfuhr, nahm er, seiner Instruction gemäß, den Titel eines Statthalters an. Zwar suchte der junge Almagro einen Vergleich herbeizuführen, wonach ihm die seinem Vater zugewiesene südliche Hälfte des eroberten Reiches überlassen werde; allein Vaca de Castro konnte, nach den Vorfällen in Lima, darauf nicht eingehen. Er verlangte vielmehr, daß Almagro sich unterwerfe, das Heer, welches er um sich gesammelt hatte, entlasse und ihm, dem rechtmäßigen Statthalter, alle am Morde Pizarro’s betheiligten Personen zur Bestrafung ausliefere. Almagro weigerte sich, und so kam es am 16. September 1542 auf der Ebene von Chupas bei Guamango (jetzt Ayacucho) zwischen Lima und Cuzco zum Entscheidungskampfe. Castro’s Heer zählte 328 Reiter und 420 Fußgänger, Almagro stellte dagegen 220 Reiter und 280 Fußgänger ins Feld.[449] Die chilenische Partei wurde aufs Haupt geschlagen, Almagro floh nach Cuzco, wurde aber bald ausgeliefert und enthauptet. Damit war auch das Loos seiner Anhänger entschieden. Der Widerstand hörte auf, und die Parteigänger Almagro’s unterwarfen sich. Der königlichen Autorität stand, als Castro im Jahre 1544 durch den Vicekönig Blasco Nuñez Vela ersetzt wurde, nur noch der letzte Bruder Pizarro’s, Gonzalo, gegenüber, welcher sich im nördlichen Theil des Reichs festgesetzt hatte und sich nicht beugen wollte. Er war schon im Jahre 1540 zum Statthalter von Quito gemacht und hatte mit einem Heere von 350 Spaniern und 4000 Indianern das Land besetzt. Von hier war er dann, angelockt von dem fabelhaften Goldreichthum, welcher sich nach den Erzählungen der Indianer in den östlichen Waldgebieten finden sollte, in der Nähe des Aequators über die östlichen Anden gestiegen und an dem Rio Napo abwärts vielleicht bis zu dem Katarakt del Cando in die Urwälder eingedrungen, wo ihn die unwegsame Wildniß und Mangel an Lebensmitteln in die äußerste Noth brachten. Hier beschloß er ein Fahrzeug zu bauen, um die Truppen, wenigstens zum Theil, namentlich die Kranken, und außerdem das Geschütz, zu Wasser weiter stromabwärts befördern zu können. Zum Schiffscapitän wurde Francisco de Orellana aus Trujillo gemacht. Landheer und Schiff rückten noch eine Zeitlang neben einander den Strom hinunter, bis die zu Lande marschirenden Soldaten durch den verschlungenen Urwald nicht mehr weiter konnten. Dazu trat die Regenzeit ein, die Vorräthe waren erschöpft, alle Pferde mußten geschlachtet werden. Das Heer machte Halt, Orellana erhielt den Auftrag, mit dem Schiffe allein weiter zu gehen, um Lebensmittel aufzutreiben; aber er kehrte nicht wieder zurück. Ueber sein Schicksal wird das nächste Capitel berichten. Nachdem Pizarro wochenlang vergebens gewartet hatte, mußte er endlich erfahren, daß Orellana ihn im Stich gelassen und weiter gesegelt sei. Er mußte sich daher entschließen, den Rückmarsch nach Quito anzutreten. Hunger und Fieber hatten seine Mannschaft bereits decimirt. Unter den beständigen Regengüssen war der Waldboden in Sümpfe verwandelt. Mit zerrissenen Kleidern, abgezehrt, zum Tode erschöpft erreichten nur 80 Spanier das Hochthal von Quito. Hier erfuhr Gonzalo, daß sein Bruder Francisco vor Jahresfrist von Mörderhand gefallen und der junge Almagro die Gewalt an sich gerissen hatte, daß aber Vaca de Castro bereits über Quito nach dem Süden gezogen sei. Aus Haß gegen Almagro bot er dem königlichen Statthalter seine Unterstützung gegen den Mörder seines Bruders an; aber Castro lehnte dieselbe ab, um sich nicht, wenn die chilenische Partei von der Anwesenheit eines Pizarro in seinem Lager erfahre, jede Aussicht auf einen friedlichen Ausgleich mit den Almagristen zu versperren. Aber diese Ablehnung seiner Hilfe verletzte Gonzalo aufs tiefste, trotzdem begab er sich später, nach der Hinrichtung des jungen Almagro mit einer Reiterschar zuerst nach Lima und dann auf den Befehl Castro’s nach Cuzco, wo sich der königliche Statthalter befand. Er hoffte noch, daß ihm, nach dem Tode seines Bruders und der Bewältigung des Aufstandes der chilenischen Partei, die Statthalterwürde zufallen werde. Das kluge Benehmen Castro’s bei dieser Zusammenkunft raubte ihm aber jeden Grund zu einer Schilderhebung, und da dieser ihm empfahl, seine Besitzungen im Charcasgebiete[450] in Frieden auszubeuten, so begab er sich nach dem Süden, wo er die schon den Inkas bekannten Silberminen mit großem Erfolg abbaute. Erst als Castro in der Person des Blasco Nuñez einen Nachfolger empfing, und dieser die vermeintlichen Rechte der Spanier über die Indianer, welche sie als ihre Hörigen behandelten, antastete, ging Gonzalo nach Cuzco, wo man ihn an die Spitze der gegen den neuen Vicekönig gerichteten Bewegung stellte und ihn ermächtigte, Truppen zusammenzuziehen. Dann rückte er mit seiner Schar gegen Lima, wo Vasco Nuñez, der sich nirgend Freunde zu gewinnen verstand, in einer Revolte der Stadtbevölkerung mit seinen wenigen Getreuen ohne Blutvergießen gefangen genommen und von den gegen ihn gesinnten königlichen Richtern bald darauf nach Panama zurückgeschafft wurde. Am 28. October 1544 zog Gonzalo in Lima ein und wurde zum Statthalter von Peru proclamirt. Der Vicekönig war indes nicht nach Panama gelangt, sondern hatte Mittel gefunden, in Tumbez wieder ans Land zu gehen, von wo er sich nach Quito begab, um von hier aus sich mit Gewalt wieder in Besitz der ihm durch königliches Mandat übertragenen Macht zu setzen. Gonzalo Pizarro verfolgte ihn bis über Pastos hinaus, ohne ihn zu erreichen, wußte ihn dann aber durch eine List bis in die Nähe von Quito zu locken, wo er ihn bei Añaquito am 18. Januar 1546 besiegte. Vasco Nuñez fiel selbst im Kampfe. Dann kehrte Pizarro nach Lima zurück und führte die unbestrittene Obergewalt in Peru, bis König Karl den Geistlichen Pedro de Gasca mit den weitgehendsten Vollmachten nach Peru sandte. Ohne Heer und großes Gefolge, in einfachem Priestergewande wußte sich der gewandte Mann zunächst die Landung im Nombre de Dios und dann den Eintritt in Panama zu ermöglichen, obwohl Pizarro beide Plätze durch seine Untergebenen besetzt hielt und eine starke Flotte von mehr als 20 Schiffen im Hafen von Panama lag. Er bezeichnete seine Sendung als eine friedliche und richtete auch in diesem Sinne ein Schreiben an Pizarro, um ihn zu bewegen, die Befehle seines Königs anzuerkennen. Dann gelang es ihm, den Befehlshaber der Flotte, Hinojosa, einen eifrigen Parteigänger Pizarro’s, zu gewinnen, die königliche Vollmacht anzuerkennen und sich seinem Befehl zu unterwerfen. Im Besitz der Flotte begann de Gasca nun Truppen auszuheben, um mit bewaffneter Macht in Peru zu erscheinen. Vier Schiffe wurden voraufgeschickt, um allen Spaniern in Peru, die zu ihrer Pflicht zurückkehrten, volle Verzeihung und Sicherheit ihres Besitzes anzukündigen. Diese Proclamation lichtete die Reihen der Anhänger Pizarro’s rasch, die Bewohner von Cuzco erklärten sich für den König, und die wichtige Provinz Charcas ging gleichfalls verloren. Gasca ging mit der Flotte nach Tumbez, während die vier vorausgesendeten Schiffe in dem Hafen von Lima landeten und, da Pizarro gegen Cuzco gezogen war, auch die neue Hauptstadt ohne Schwierigkeit besetzten.

Zwar leuchtete dem letzten Pizarro noch einmal das Glück, da er in dem blutigen Gefecht bei Huarina am Titicacasee am 26. October 1547 über seine Gegner den Sieg gewann und noch einmal in Cuzco einzog, wo er sich zum Entscheidungskampf rüstete, denn das Hauptheer Gasca’s befand sich zu jener Zeit in Jauja und rückte erst im Frühjahr 1548, 2000 Mann stark, gegen die altnationale Hauptstadt vor.

Vier Meilen von Cuzco in dem Thale von Xaquixaguana standen sich beide Heere kampfbereit am 9. April 1548 gegenüber. Gasca hatte bis zuletzt den Gegner aufgefordert, sich zu unterwerfen und die Gnade des Königs anzunehmen; aber Pizarro hatte auf sein Glück bauend, das ihn aus allen Kämpfen und Gefahren siegreich hatte hervorgehen lassen, den Frieden abgewiesen, obwohl die Heeresmacht Gasca’s stärker war. Allein in diesen Tagen verließ ihn das Glück, verließen ihn seine Freunde. Vor Beginn der Schlacht gab der Anführer seines Fußvolks das Zeichen zum Abfall, indem er zur königlichen Partei hinüberjagte. Ihm folgten die Truppen zu Fuß und zu Roß, so daß Pizarro sich gefangen geben mußte. Ihm und seinen entschiedensten Anhängern Francisco de Caravajal und Juan de Costa wurde der Proceß gemacht, und sie büßten alle ihre Rebellion mit dem Tode.[451] Gasca ordnete die Verhältnisse des Landes einsichtsvoll und kehrte 1550 nach Spanien zurück.

33. Orellana entdeckt den Amazonenstrom 1541.

Es ist bereits im vorigen Capitel erwähnt, daß Francisco Orellana von Gonzalo Pizarro auf seinem abenteuerlichen Zuge in das Waldland des Amazonengebiets am Rio Napo mit einem Schiffe entsendet worden war, um für das bedürftige Heer nach Lebensmitteln zu suchen. Orellana hatte 50 Mann an Bord und 2 Geistliche.[452] In der Strömung des mächtig flutenden Wassers legte Orellana täglich 20 bis 25 Meilen zurück, ohne Ansiedlungen am Ufer anzutreffen. Statt für das zurückgelassene Heer sorgen zu können, wurden sie selbst vom Gespenst des Hungers verfolgt und verspeisten das Leder der Sättel. Erst in der Nähe des Amazonenstroms, wohin man am 8. Januar 1541 gelangte, stieß man auf ein Indianerdorf. Umzukehren war nicht möglich, denn zu Lande gab’s keinen Weg und zu Wasser würde man bei aller Anstrengung, gegen den im untern Laufe allerdings langsam dahinziehenden Strom zu rudern, Monate gebraucht haben. Es blieb ihnen also keine andere Wahl, als der Strömung des Wassers zu folgen und sich bis ans Meer tragen zu lassen, ungewiß wo man es erreichen werde. Da man aber von den Indianern in Erfahrung gebracht, daß man nicht fern von einem sehr großen Strome sei, so beschloß Orellana, um den unbekannten Gefahren auf dem Wasser besser begegnen zu können, noch eine feste Brigantine zu bauen. Am Abend des 1. Februar schifften sie sich wieder ein, nachdem sie durch die Indianer mit allerlei Vorräthen an Schildkröten, Hühnern und Fischen versorgt waren. Die Brigantine besetzten 30 Mann, die Barke 20. Zehn Tage später erreichten sie eine Stelle, wo sich drei Flüsse vereinigten; der von rechts kommende Strom schien sich von Ufer zu Ufer wie ein weites Meer auszudehnen (una amplissima mar. Oviedo l. c. p. 548). Man hatte damit den oberen Marañon selbst erreicht. Am 26. Februar wurde wieder angelegt, um die Schiffe auszubessern. Man blieb bei den freundlich gesinnten Einwohnern bis nach Ostern, nur, wie der die Expedition begleitende Geistliche, Carvajal, klagt, von der „ägyptischen Plage“ der Moskitos belästigt. Weiter stromab stieß man auf kriegerische Stämme, welche die Spanier auch auf dem Wasser mittelst ihrer Canoes angriffen. In der beständigen Feuchtigkeit des Stromthals war aber das Pulver naß geworden, und die Sehnen der Armbrüste hatten ihre Spannkraft verloren; ihre besten, fernhintragenden Waffen waren also unbrauchbar geworden. Die beiden Schiffe hielten sich womöglich in der Mitte des großen Stromes, wo sie am wenigsten belästigt wurden, und erreichten am Abend vor Trinitatis einen von links mündenden Zufluß, dessen Wasser schwarz wie Tinte erschien. Man gab ihm den Namen Rio Negro; es ist der bedeutendste aller linken Zuflüsse des Amazonas. Unterhalb desselben wuchs die Bevölkerung am Ufer ganz bedeutend, man segelte an vielen großen Ortschaften vorbei,[453] von denen die eine sich mit ihren Hütten eine ganze Meile am Strande hinzog. Hier konnte man überall Mais und Hühner erlangen. Am 24. Juni trafen sie ein Dorf, das nur von Frauen bewohnt war, welche keinen Verkehr mit Männern pflegten (sin conversaçion de varones). Diese Weiber erschienen, nach Carvajals Angabe groß und von starken Gliedmaßen, waren von heller Hautfarbe und trugen lange Haarflechten. Mit Bogen und Pfeil griffen sie die Spanier an, verloren aber sieben bis acht Kämpfende. Von dieser Begegnung mit bewaffneten Frauenvölkern, eine selbst in dem Wunderlande der neuen Welt den Spaniern unerwartete Erscheinung, hat der Strom seinen Name Rio das Amazonas (Strom der Amazonen) erhalten.[454] Weiter abwärts zum Meere wohnten Cariben, verabscheuungswürdig, weil sie das Fleisch der Erschlagenen verzehren, aber geschickt in allen Waffen und in Verfertigung schöner Gefäße, die sie verzieren und bemalen.

Trotz häufiger Kämpfe verloren die Spanier doch nur drei Genossen an Wunden, dagegen acht an Krankheiten.

Ehe man ins Meer hinaussteuerte, wurden beide Schiffe mit einem festen Verdeck versehen, die Segel setzte man aus mitgenommenen peruanischen Mänteln zusammen. Mit diesen Vorbereitungen beschäftigt, blieb Orellana 24 Tage in der Nähe der Mündung und steuerte dann am 26. August kühn ins Meer hinaus; ohne Piloten, ohne Compaß wußte er kaum, wohin er steuern sollte. Aber alle sahen es als eine besondere Gnade des Himmels an, daß in der ganzen Zeit, seit sie den großen Strom verlassen und am Lande hin nordwärts segelten, kein Regen fiel und das schönste Wetter sie begleitete. Sonst hätten wohl kaum die gebrechlichen Fahrzeuge die See behaupten können. Zwar wurden sie bei Nacht durch die Strömung des Meeres getrennt, gingen einzeln durch den Pariagolf und durch den stürmischen Drachenschlund, langten aber beide doch glücklich am 11. September auf der Insel Cubagua neben der Perleninsel Margarita an und wurden von ihren Landsleuten freundlich aufgenommen.

Die größte, schiffbare Stromrinne des südamerikanischen Continentes war so mit einem Schlage aufgefunden. Orellana’s romantische Fahrt läßt sich nur mit Stanley’s staunenerregender Congofahrt in dem jüngst verflossenen Jahrzehnt vergleichen.

Von Cubagua sandte der glückliche Entdecker des Riesenstroms einen Bericht an den König und begab sich dann mit seinen Gefährten nach dem Mittelpunkte der westindischen Welt, nach Haiti, wo er am 20. December 1541 ans Land ging.

Orellana’s Pläne waren aber auf eine Besiedlung des entdeckten Gebietes gerichtet; darum kehrte er im nächsten Jahre nach Spanien zurück und schloß mit der Regierung eine Capitulation, wonach er zur Eroberung des Landes autorisirt wurde. Sehr treffend erhielt es den Namen Neu-Andalusien. Denn wie das spanische Andalusien von dem wasserreichsten „großen Strome“, d. i. dem Guadalquibir, dem größten der ganzen Halbinsel, bespült wird, so Neu-Andalusien von dem mächtigsten Wasser der neuen Welt. Es gelang Orellana für sein Project Theilnahme und Unterstützung zu finden, und so segelte er am 11. Mai 1544 mit vier Schiffen und 400 Mann von San Lucar de Barrameda ab; aber diese Expedition hatte beständig mit Misgeschick zu kämpfen. Drei Monate wurde das kleine Geschwader bei Teneriffa, zwei Monate am grünen Vorgebirge aufgehalten und verlor durch den Tod 98 Personen, während 50 andere davonliefen. Bei der Ueberfahrt über den Ocean jagte der Sturm die Schiffe auseinander, zwei derselben, auf deren einem sich Orellana befand, wurden bis zur Ostspitze Brasiliens getrieben. Von hier gingen sie dann an der Küste des Festlandes nach Nordwesten bis zum mar dolce und fanden endlich die Mündung des großen Stromes wieder, welchem Orellana seinen Namen beilegte. Aber dort wurde der größte Theil der Mannschaft an der ungesunden Küste bald von Fiebern hinweggerafft; und als auch Orellana ins Grab sank, löste sich die Unternehmung auf, und die Ueberlebenden wandten sich nach San Domingo.

Alle Eroberungszüge der Spanier in der neuen Welt, so weit sie durch die Entdeckungsfahrten des Columbus angeregt waren, bewegten sich fast ausschließlich in den Grenzen des heißen Erdgürtels und nahmen von der Inselflur Westindiens als der natürlichen Eingangspforte zu diesen Regionen ihren Ausgang. Der Reiz der Neuheit der sie umgebenden Naturprodukte, die Romantik der wunderbarsten Abenteuer, welche das Leben zu einem Roman gestalteten, die Befriedigung, welche die Einen in der Aufspürung und Erbeutung edler Metalle und die Andern in der Bekehrung unzähliger Menschenstämme zum Christenthum fanden, rief unter den Spaniern ein wahres Auswanderungsfieber und einen unglaublichen Entdeckungs-Schwindel hervor, welcher das Mutterland zu entvölkern drohte. Fand doch der venetianische Gesandte Andrea Navagiero, welcher 1525 Spanien bereiste, in Sevilla, dem Sitze des indischen Amtes, so wenig Männer vor, daß er meinte, die Stadt sei fast ganz den Weibern überlassen.

Die großartige Erweiterung des Horizontes und der Umschwung der ganzen Weltanschauung, welche Europa’s Kultur dadurch gewann, wurde leider durch den Untergang origineller Bildungselemente in der neuen Welt und durch die Vernichtung unzähliger Menschenleben erkauft, welche unter der harten Hand der Eroberer trotz aller Bemühungen der Geistlichkeit und aller Gesetze der Regierung zu Grunde gingen.

Drittes Capitel. Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste Erdumsegelung Magalhães’.

1. Die Vorläufer Magalhães’.

Nachdem Amerigo Vespucci im Jahre 1501 auf seiner Entdeckungsfahrt an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. vorgedrungen war (s. oben S. 332), faßte er 1503 bereits den Plan auf südwestlichem Wege bis zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben S. 335), aber das Ungeschick des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er kam nicht so weit nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber Vespucci der erste, welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im Jahre 1505 ganz nach Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem Plane Geltung zu verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der Absicht der spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu schicken (para descobir la especeria), wobei das Gutachten der beiden erfahrensten Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, eingeholt werden solle.[455] Doch scheint die Absendung sich verzögert zu haben, wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung und in dem genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni zwei Schiffe unter Pinzon und Juan Dias de Solis von San Lucar aus, gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber und kamen bis etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit zwischen den beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die Schiffe kamen Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück.

Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. oben S. 347). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, welche beide Oceane mit einander verbinde.

Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.[456] Möglicherweise datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt (multo occulto) angegeben sei.[457] Da nun Behaim schon 1506 oder 1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden sein. Daß seine Zeichnung, welche vor der Entdeckung der Südsee durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,[458] die deutsche von Johannes Schöner.[459] Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm.

Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem zu lösen und praktisch zu verwerthen. Juan Dias de Solis schloß nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken und auf die Rückseite des Landes (á las espaldas de la tierra) zu gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.[460]

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

SÜDAMERICA mit einer südlichen Meerenge, nach dem von Joh. Schöner 1515 entworfenen Globus.

Die punktirten Conturen zeigen die richtigen Umrisse des Landes.

Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October 1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen getödtet und verzehrt.

Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück.

2. Fernão de Magalhães.

Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die Umschiffung des Erdballs, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den Portugiesen Ferdinand Magalhães[461], unter die hervorragendsten Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist.

Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, aufsetzte.[462] Um 1480 mag er geboren sein.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Facsimile des Namenszuges von Magalhães.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Fernão de Magalhães.

Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches von Ferd. Selma.

Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464] und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (alcaide del alcaçar de Sevilla) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit Begeisterung.

Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine weiteren Ansprüche haben müsse.[465]

So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (dentro de nuestros limites é demarcacion) zu bewegen, wogegen ihnen das Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.

Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April 1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:

Trinidad, Commodor Magalhães

San Antonio, Capitän Juan de Cartagena

Concepcion, „ Gaspar de Quesada

Victoria, „ Luis de Mendoza

Santiago, „ Juan Serrano.

Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.

Illustration from Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Rumpf eines großen Seeschiffes um 1500.

Aus dem Wappen von Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter Befehlshaber (veedor general de la armada) den Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar 1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu überwintern.

Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (bahia de los trabalhos) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.

Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und brachte sie nach Spanien.

Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen Füße (spanisch patagon = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der Körpergröße widerlegt wurde.[476]

Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das Cap Virgenes (Cabo de las Virgenes) und damit den Eingang der berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald umsäumt.[477]

„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478]

Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (tierra del fuego). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.

So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu lassen, in welchem er sie um schriftliche Meinungsäußerung ersuchte, ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war „gegeben im Canal Allerheiligen“, canal de todos los Santos (denn so hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum 60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft tierra firme, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte am 28. November beim Cabo Deseado[481] („ersehntes Vorgebirge“) das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482]

Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen Mar pacifico „stiller Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes Inselchen, welches Haifischinsel (los tiburones) genannt wurde und unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit ½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem 19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang ohne Nachfolger blieben.

Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: „Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des 16. Jahrhunderts als terra australis incognita gedacht und bis tief ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.

Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß. Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren, bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln Islas de las velas (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen, welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet. Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (Maçaguoa), wo eine Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten, wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis 60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde von den Siegern entschieden verweigert.

Notes in this chapter

Note 1 · Nicht zu der Verwandtschaft gehört Pedro Pizarro aus Toledo, welcher mit 15 Jahren in den Dienst Francisco Pizarro’s trat und seit dem 18. JNote 2 · P. Pizarro, Relacion. p. 211.Note 3 · P. Pizarro, S. 224.Note 4 · Pachacamac ist jetzt meist unter Sand begraben und bei dem Umblick von den auf den Hügel gebauten Terassen des Tempels sieht man im weiten UNote 5 · Cl. Markham hat (Reports on the discovery of Peru. Hakluyt Society. London 1872, p. 97) nach dem Verhältnisse von 100 Pesos Gold = 144 DucatNote 6 · P. Pizarro, Relacion. p. 247.Note 7 · Nach Aug. de Çarate lib. III, cp. 1, p. 23 zählte sein Heer 570 Mann.Note 8 · Auf dem ganzen Zuge sollen 10,000 Indianer gefallen sein.Note 9 · Der Santiagofluß entspringt am Catacachi, nördlich vom Aequator, und fließt in die Bai von Panguapi (Bai von S. Mateo) nahe der Nordgrenze dNote 10 · Vgl. den Brief des Bischofs von Cuzco in Colecion de doc. inedit. relat. al descubrim. III, 221 und den Brief Martins de Arauco, ebd. III, 2Note 11 · Castro’s Bericht in Cartas de India. p. 480. Madrid 1877.Note 12 · Die Charcas-Indianer wurden 1539 durch Pedro de Anzures besiegt, welcher in dem silberreichen Gebiete die Stadt la Plata anlegte (ChuquisacaNote 13 · Der officielle Bericht über den Ausgang Pizarro’s findet sich in Colecion de doc. ined. para la historia de España. Vol. XXVI, p. 177.Note 14 · Die Liste der Spanier, welche die Fahrt mitmachten, gibt Oviedo, historia general. Madrid 1845. Tom. IV. lib. 49. cp. 2.Note 15 · Oviedo, Tom IV. lib. 50. cp. 24. p. 557.Note 16 · Carvajal (Oviedo p. 562) spricht von den Amazonen als einer gran novedad; que aquestas mugeres que alli peleaban como amaçonas, son aquellasNote 17 · Navarrete III, 294. Nr. V.Note 18 · Ein solcher, allerdings noch nicht genügend enträthselter Bericht hat sich in der „Copia der Newen Zeytung aus Presillg Landt“, einem FlugblNote 19 · Pigafetta in Ramusio Navigationi et Viaggi I, 354b und Herrera, Decad. II. lib. II. cp. 19. Vgl. auch Wieser, Magalhãesstraße. Innsbruck 188Note 20 · Veröffentlicht von R. H. Major in der Archaeologia, Vol. XL. London 1865. Wieser, Magalhãesstraße S. 19 ff.Note 21 · Auf zwei Globen aus dem Jahre 1515, welche sich in Frankfurt und Weimar befinden. Wieser, Magalhãesstraße S. 19 ff.Note 22 · Navarrete III, 134.Note 23 · Die verstümmelte Namensform Magellan ist eine französische Abkürzung der spanischen Umformung des portugiesischen Namens und daher zu verwerNote 24 · Vida e viagens de Fernão de Magalhães por Diego de Barros Arana, traducção de Hespanhol de Fernando de Magalhães-Villas-Boas. Lisboa 1881, pNote 25 · Martyr, Epist. 630, duobus transfugis Portugalensibus a suo rege discedentibus.Note 26 · Faria e Sousa, Comentarios a la Lusiada de Camoens II, coment. á octava 140 do canto X. — Barbosa, Bibl. Lusitana II, p. 31 citirt in BarrosNote 27 · P. Martyr. Epist. 630. Si fauste res successerit, Orientalibus et Portugallo regi commercia intercipiemus.Note 28 · Navarrete IV, 116–122. Magalhães berechnete die Entfernungen in folgender Weise: Die Insel S. Antonio unter den Capverden 22° östl. von der Note 29 · Nach der von Navarrete IV, 12 ff. gegebenen Liste befanden sich unter der Mannschaft 20 Portugiesen, 23 Italiener, meist Genuesen, 10 FranzoNote 30 · Navarrete IV, 202. 203. An der Küste von Brasilien trat Alvaro de la Mezquita an seine Stelle als Capitän.Note 31 · Diario ó derrotero del viage de Magallanes, escrito por Francisco Albo in Navarrete IV, 209–247. Una montaña hecha un sombrero p. 211.Note 32 · Vielleicht der Puerto deseado nahe am 48° s. Br.Note 33 · Gomara, la historia general de las Indias. Anvers 1554. p. 127–128.Note 34 · Brief des Secretärs Maximilian Transilvanus an den Cardinal von Salzburg. In der spanischen Ueberarbeitung bei Navarrete IV, 260. 261.Note 35 · G. Correa, Lendas II ep XIV p. 625 behauptet, Magalhães habe das Kabeltau des Antonio heimlich durchschneiden lassen, um das Schiff zum AbtrNote 36 · Carta del Contador Juan Lopez de Recalde al Obispo de Burgos in Navarrete IV, 201–208.Note 37 · Eines Tages, erzählt Pigafetta, kam ein Riese zu uns an den Strand, der so groß war, daß wir mit dem Kopf ihm nur bis an den Gürtel reichtenNote 38 · Louis de Bougainville, welcher von 1766–1769 die erste französische Erdumsegelung ausführte, gibt die Größe der Patagonen zu 5 Fuß 5 Zoll biNote 39 · Nach P. P. King’s Schilderung in Journal of the royal geogr. soc. vol. I p. 165.Note 40 · Die Reisen der deutschen Kriegsflotte im Jahre 1878, in der Allgemeinen Zeitung. 1879. S. 818. 819.Note 41 · Dasselbe hat sich abschriftlich in dem Tagebuch des Astronomen Andres de San Martin, welcher während der Fahrt starb, erhalten und ist von JNote 42 · Max. Transilvanus § 9. Navarrete III, p. 266.Note 43 · Jetzt Cap Pillar, Pfeilercap nach seiner Gestaltung genannt.Note 44 · Loaysa brauchte 1526 zur Fahrt durch die Straße vier Monate, Drake 1577 nur 17 Tage. Von den Holländern und Engländern, welche am Schluß desNote 45 · Nach den Untersuchungen von C. Meinicke (Petermann’s Mittheilungen 1868. S. 376) ist S. Pablo identisch mit Pukapuka (138° 48′ w. v. Gr.), uNote 46 · Francisco Albo in Navarrete IV, 219.Note 47 · Die Angaben schwanken zwischen 1800 und 4000 Kriegern.
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