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Die Sitten der Völker, Zweiter Band

Inhaltsübersicht (continued 2)

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Illustration from Die Sitten der Völker, Zweiter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde

Phot. Platé & Co.

Abb. 75. Peraharaprozession in den Straßen von Kandy.

Der Tempelelefant in der Mitte des Zuges trägt auf seinem Rücken einen Pavillon, der die Zahnreliquie des Buddha birgt.

Ceylon.

Auf der Insel Ceylon treten uns seit undenklichen Zeiten drei Bevölkerungselemente entgegen: die Ureinwohner oder Wedda, die aus Nordindien anscheinend auf dem Seewege hinzugekommenen Singhalesen und die von Südindien übergesetzten Tamulen. Neben diesen sind die aus einer Mischung von Europäern und Eingeborenen hervorgegangenen Burghers oder Eurasier zu nennen. Beschäftigen wir uns zunächst mit der ersten Gruppe, den Wedda.

Zur heutigen Zeit lassen sich drei Arten von Wedda unterscheiden, die Küstenwedda, die Dorfwedda und die Dschungel- oder wilden Wedda. Die beiden ersten Klassen, die man als „zahme Wedda“ zusammenfaßt, haben bereits viel singhalesisches und tamulisches Blut in sich aufgenommen, so daß ihre Sitten und Gebräuche denen dieser Völker ziemlich ähnlich sind. Dagegen haben die wenigen „wilden“ Wedda noch zumeist ihre Ursprünglichkeit bewahrt.

Die reinen Wedda sind kleine Leute (Männer hundertfünfundvierzig bis höchstens hundertsechzig Zentimeter Höhe) von schlankem, zierlichem Körperbau, aber kräftig entwickeltem Brustkorb. Sie zeigen eine dunkelschokoladenähnliche bis schwärzliche Hautfarbe und besitzen wellige dichte Kopfhaare, aber nur spärlich entwickelten Bart. Ihr Kopf ist länglich, ihr Gesicht schmal und niedrig, springt in seinem unteren Teil verhältnismäßig stark vor und läuft zuweilen nach dem Kinn auffällig rasch spitz zu. Die Jochbeine sind weit ausladend. Die Nase ist flach, kurz und breit, an der Wurzel tief eingesattelt, besitzt breite Flügel und nach vorn sehende Nasenlöcher. Der große und unförmige Mund wird von einer dicken, wulstigen Oberlippe überragt. Im großen und ganzen erscheinen die Wedda in ihrem Äußeren als Verwandte der Australier, Sakai und anderer Stämme der indo-australischen Rasse, deren ursprünglichste Vertreter sie noch heute darstellen.

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Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 76. Die Nae Yaku-Zeremonie.

Der Bruder des Verstorbenen wird besessen, der Geist heißt durch ihn die dargebrachten Opfer der Verwandten gut und verspricht ihnen guten Erfolg auf der Jagd.

Die Körperbedeckung der Wedda ist eine sehr geringe; sie besteht nur in einem Hüftentuch oder einem Schurz aus grünen Zweigen; früher gingen sie gänzlich nackt. — Schmuck fehlt ihnen ganz und gar.

Die soziale Einheit der Wedda ist die Familie; über sie hinaus kommt es nur noch zur Horde, aber innerhalb dieser herrscht nur ein lockerer Zusammenhang, zumal es in ihr auch an einem Häuptling fehlt. Die älteren Männer scheinen eine Art Einfluß auszuüben, dem sich die übrigen unterordnen. Eine Gruppe von nahen Verwandten besitzt ihr bestimmtes Gebiet, in dem sie sich allein das Recht anmaßt, zu jagen und Honig einzusammeln.

Die Wedda leben von der Jagd (auf Büffel, Hirsch, wilden Schwan, Affen, Vögel) und dem Einsammeln der Dschungelprodukte (Honig, Früchte und Wurzeln). Ihre Waffen bestanden ursprünglich nur in Bogen und Holzpfeilen, heutigentags verfügen sie auch noch über eiserne Pfeilspitzen und Äxte. Pfeile und Äxte sind die einzigen Metallwerkzeuge, die ihnen bekannt sind und von ihnen mit großer Geschicklichkeit gehandhabt werden. Sie hausen zur kälteren Jahreszeit in Felshöhlen oder unter Felsenschlupfen (Abb. 78), zur wärmeren hinter Windschirmen oder ganz im Freien. Einige Weddafamilien betreiben auch etwas Ackerbau, insofern sie Mais oder Kurakhan, Samen einer Eleusineart, in die Erde stecken, und die Ernte verzehren, wenn Wild oder Honig, ihre beiden Hauptnahrungsmittel, knapp werden.

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Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 77. Die Nae Yaku-Zeremonie.

Nach der Besänftigung der Geister des jüngst verstorbenen Toten durch Opfergaben werden die dargebrachten Speisen unter die Leute verteilt.

Der Honig ist in der Tat ihre wichtigste Speise, von der sie selbst behaupten, daß sie sich nie so wohl befinden, als wenn sie tüchtig davon essen. Da er ihnen auch meistens reichlich zur Verfügung steht, so betreiben sie damit Tauschhandel und erhalten auf diesem Wege von den Singhalesen, die ihn ebenfalls sehr lieben, ihre eisernen Pfeilspitzen und Beile, sowie Tuch, Kokosnüsse und Reis. Das Einsammeln des Honigs, des Wabenerzeugnisses der Bambara (indischen Felsenbiene), ist recht umständlich. Die Bambara bauen ihre Nester vorzugsweise in den Spalten hoch oben in den Felsen an fast unzugänglich erscheinenden Stellen, zu denen man nur mittels Strickleiter gelangen kann. Bevor die Wedda auf diesen Leitern, die sie sich aus Rotang anfertigen, herabsteigen, lassen sie ein brennendes Bündel grüner Blätter herab, um die Bienen auszuräuchern oder zu betäuben. Sodann steigt einer aus der Gesellschaft auf der schwankenden Leiter hinunter, ebenfalls mit einer schwelenden Masse Blattwerk ausgestattet, während der Schamane der Gemeinde am Rande des Felsens steht und Zaubergesänge an die Geister der Verstorbenen richtet, auf daß sie den Honigeinsammler auf seiner „goldbesetzten Schnur“, wie sie die Leiter benennen, beschützen. Dieser führt außer seinem Feuerbrand noch einen kräftigen, etwa zweieinhalb Meter langen Stock mit vier Zinken, um die Waben loszureißen, (auch wohl einen Pfeil zur weiteren Hilfe) und einen festen Behälter aus Hirschfell zur Aufnahme des Ertrages, beides an einer Schlinge am Unterarm, mit sich. Für gewöhnlich schließen sich alle Gemeindemitglieder zur Gewinnung des Honigs zusammen und verteilen die Beute gleichmäßig ohne Rücksicht auf den, der sich den Gefahren des Einsammelns aussetzte. Die Frauen begleiten ihre Männer zu den Felsen und zu den Spalten, wo die Bambara ihre Nester anlegen; sie halten Fackeln während der Nacht, die man zum Einsammeln bevorzugt, und singen während der ganzen Zeit Lieder.

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Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 78. Eine Weddafamilie (Hennebeddastamm) vor ihrer Wohnung unter einem überhängenden Felsen.

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Abb. 79. Speertanz der Wedda.

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Phot. Platé & Co.

Abb. 80. Eine indische Bajadere,

auch Nautschmädchen genannt. Diese Mädchen werden zum Dienst in den Hindutempeln auf Ceylon sowohl wie im übrigen Indien gedungen; sie führen gelegentlich ihre Tänze, die hauptsächlich in verschiedenen Stellungen des Körpers bestehen, auch bei privaten Festlichkeiten auf.

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Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 81. Anbetung des Kande und Bilinde Yaka

durch einen Schamanen zum Dank für eine erfolgreiche Jagd.

Die Religion der Wedda ist ein Toten- und Geisterkult. Nach der allgemeinen Annahme wird der Geist eines jeden Verstorbenen (Mann, Frau und Kind) wenige Tage nach dem Tode ein Yaka; wie manche allerdings behaupten, sollen nur Männer dieses Vorzuges teilhaftig werden, die in ihrem Leben sich durch Tapferkeit, Charakterstärke und Geschicklichkeit auszeichneten oder die Macht besaßen, die Geister der Verstorbenen zu beschwören. Diese Geister der Verstorbenen werden insgesamt als Nae Yaku bezeichnet; sie erscheinen den Überlebenden als wohlgesinnte Verwandte und Freunde, sofern sie gut behandelt werden, lassen aber ihren Zorn und Unwillen an ihnen aus und sind ihnen direkt feindlich gesinnt, wenn man sie vernachlässigt. Daher sind die Wedda bemüht, sie sich durch Darbringen von Opfern (Abb. 76 u. 77) geneigt zu machen. Außer den gewöhnlichen Yaku beten die Wedda noch eine Art Obergeister an, die Seelen zweier Brüder, die einst berühmte Jäger waren, Kande Yaka und Bilinde Yaka; nach dem allgemeinen Glauben sollen die Nae Yaku zu diesen gehen, um etwas für ihre überlebenden Angehörigen, im besonderen bei der Ausübung der Jagd, zu erreichen, und ihnen in gewissem Sinne Dienste leisten. Haben die Wedda Unglück auf der Jagd gehabt, dann wenden sie sich mit Bitten an diese großen Geister. Ihre Anrufe bestehen in einem Tanz um einen in die Erde gesteckten Pfeil (Abb. 79); die Tänzer schlagen sich dabei im Takte mit den flachen Händen auf ihre Seiten und rühmen die Tüchtigkeit des Kande als Jäger. Gelegentlich werden auch größere Feste vor Antreten eines Jagdzuges gefeiert. Nach der Schilderung, die Seligmann von einem solchen gibt, wurden zunächst Reis, Kokosnuß und Pfefferschoten mit bestimmten Wildstücken gekocht und in einer Lichtung des Dschungels als Opfer hingestellt. Der Schamane hockte sich davor nieder, wendete sich mit gefalteten Händen an die beiden Kande und Bilinde Yaka (Abb. 81), dankte ihnen für den bisherigen Erfolg, den sie auf der Jagd den Leuten verliehen hätten, und forderte sie schließlich auf, von dem Opfer zu nehmen (Abb. 82). Nach kurzer Zeit, währenddessen die Geister, wie man annahm, sich versorgt hatten, wurde die Speise von den Wedda aufgezehrt. Darauf wurden auf freiem Platze in der Nähe der Höhle drei Stöcke zusammengebunden und auf diese ein tönerner Napf, Kirikoraha, gesetzt und darüber ein Zeremonialpfeil gelegt (Abb. 83). Alle stimmten nun Gebete an die Yaku an, der Schamane tanzte mit dem Pfeil und einer Kokosnuß in den Händen um das Gestell und schlug beides kräftig aneinander, so daß die Kokosnuß zerbrach; die ausfließende Milch ließ er in die Schüssel laufen; dabei sang er gleichfalls Beschwörungsformeln. Aus der Art und Weise, wie die Nuß sich spaltete, weissagte er, ob das nächste Tier, das erlegt werden würde, ein männliches (bei glattem Bruch) oder ein weibliches (bei zackigen Rändern) sei. Nachdem er darauf weitergetanzt und die Teilnehmer ihre Beschwörungsgesänge fortgesetzt hatten, untersuchte der Schamane auch die Milch, indem er sie sich durch die Finger laufen ließ und etwas auf seinen Pfeil schüttete (Abb. 84). Zunächst fiel er nun erschöpft in die Arme eines der Zuschauer, erholte sich aber bald wieder, füllte seine hohle Hand mit Milch und prophezeite unter Erschütterung des Körpers und Luftschnappen einigen der Anwesenden gutes Glück bei der Jagd. Sein aufgeregtes Wesen zeigte jetzt den Teilnehmern an, daß er vom Kande Yaka besessen sei; er kauerte sich zusammen und tat so, als verfolge er in Fußspuren die Fährte eines Tieres (Abb. 85). Darauf erhielt er Bogen und Pfeil und setzte unter großer Aufregung das Aufspüren des Wildes fort, bis er endlich einen Korb, der vor ihm auf die Erde gesetzt worden war, mit dem Pfeil durchschoß. Bald darauf verließ der Geist den Zauberer, und die Zeremonie war zu Ende. Zum Schluß wurde der Inhalt der Kokosnuß, die dem Yaka geopfert worden war, an die Festteilnehmer verteilt; ein jeder bemühte sich, etwas zu erhalten, damit ja nichts davon verloren gehe. Von der Milch wurde etwas den Hunden auf die Köpfe gerieben, damit sie tüchtiger beim Aufspüren und Erfassen des Wildes würden.

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Abb. 82. Der Schamane sagt eine gute Jagd voraus,

nachdem Kande Yaka und Bilinde Yaka angerufen wurden.

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Abb. 83. Anrufung des Kande und Bilinde Yaka.

Der Schamane tanzt um den Dreifuß, er hält in den Händen den Zeremonialpfeil und die Kokosnuß.

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Abb. 84. Prüfung der Kokosmilch nach dem Tanze.

Der Schamane läßt die Milch durch seine Finger auf den Pfeil laufen.

Ähnliche Tänze, bei denen es zur Besessenheit kommt, werden zur Heilung von Krankheiten veranstaltet; sie spielen sich um und unter einem laubenartigen Gestell (Kolamaduwa) ab, von dessen wagrechten Stäben Blätterbüschel herabhängen (Abb. 87). Die Feststellung, welcher Yaka die Krankheit verursacht hat, geschieht dadurch, daß der Wedda einen Bogen auf seinen Fingern balancieren läßt und abwartet, bei wessen Namennennung dieser in Schwingungen gerät (Abb. 88).

In gleicher Weise wird der Schutz der Yaku für den guten Verlauf einer Geburt angerufen. Man schlägt drei kräftige Pfosten mit gabelförmig gespaltenem Ende in die Erde und bindet an sie eine Menge Baststreifen an. Zwei Leute, von denen einer der Vater der Schwangeren sein muß (Abb. 86), tanzen zwischen diesen Pfosten umher, die während der Zeremonie den anzurufenden Geistern zum Aufenthalt dienen sollen, und benehmen sich bald darauf wie besessen. Der Vater ergreift einen Stock, der an seinem Ende gleichfalls eine Anzahl Baststreifen trägt, den Wila, fuchtelt mit ihm unter Geschrei in der Luft herum, so daß die Streifen weit weg flattern, nähert sich darauf seiner Tochter, schwingt den Wila über ihren Kopf und hüllt sie für einige Sekunden damit ganz ein, wobei er gleichzeitig das Geschlecht des kommenden Kindes voraussagt (Abb. 89). Darauf nimmt er den Wila wieder fort, schwingt ihn noch einmal, zieht ihn über die Frau nach unten, so daß die Blätter ihren Kopf und Körper streifen, und fegt dann weiter damit über den Erdboden; er tut dies, um die Schmerzen der Kindesnöte von der Schwangeren gleichsam hinwegzuwischen. Damit hört seine Besessenheit auf. Nach einer kurzen Pause geht er noch einmal zu den Baststreifen, die auf einem Haufen daliegen, nimmt ein paar von ihnen in die Hand (Abb. 90) und ruft den Geistern, wobei er noch ihre Anwesenheit voraussetzt, die Worte zu: „Ane! Möge irgendwelches Unheil meinem Kinde dieses Mal nicht widerfahren. Du mußt ihr gestatten zu landen“ (das heißt aus ihrem Meer von Mühsalen zu entkommen).

Die Kinder der Wedda wachsen ohne besondere Erziehung heran; die einzige Beschäftigung, die ihnen systematisch gelehrt wird, ist das Einsammeln des Honigs. Das Nachahmen der Erwachsenen nach dieser Richtung scheint ein beliebtes Spiel der Kleinen zu sein.

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Abb. 85. Verfolgung der Spuren eines Samber

durch den vom Geiste des Kande Yala besessenen Schamanen.

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Abb. 86. Gebetszeremonie bei den Wedda.

Ein Tanz, durch den die Vorfahren um Schutz angegangen werden; der Vater der Schwangeren nimmt daran teil.

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Abb. 87. Kolamaduwazeremonie zur Heilung von Krankheiten des Viehs

und zur Abwehr von epidemischen Seuchen unter den Eingeborenen. Einer der Tänzer unter dem Blätterwerk ist vom Geiste besessen.

Die sexuelle Moral ist bei den Wedda von jeher eine außerordentlich hohe gewesen und ist es auch jetzt noch; sowohl Verheiratete wie auch Unverheiratete sind gewohnheitsgemäß keusch. Die Leute leben streng monogam und halten sich die gegenseitige Treue bis in den Tod. Bei seiner Werbung bringt der junge Mann dem Vater seiner Erkorenen Geschenke in Gestalt von Honig, getrocknetem Wild und Fleisch der Warneidechse dar, dieser ruft seine Tochter herbei und übergibt sie der Obhut ihres Gatten, für den sie sofort ein Gürtelband anfertigt. Bei der Heirat überläßt der Vater meistens seinem Schwiegersohne ein Stück Land, für gewöhnlich einen Hügel, der von einer Kolonie Felsenbienen bewohnt ist, oder er schenkt ihm etwas aus seinem persönlichen Besitze, wie einen Bogen oder ein bis zwei Pfeile, auch wohl einen Hund. Ein anderer Brauch, der jetzt bereits im Schwinden begriffen ist, besteht darin, daß der Bräutigam zugleich mit den Eßwaren für den Vater des Mädchens diesem eine Haarlocke überreicht, die entweder von seiner Schwester oder von ihm stammen muß. Es war dies früher allgemeine Sitte und gehörte gleichsam zur Hochzeitszeremonie; unterließ der Bräutigam dieses Geschenk, so konnte das Mädchen darauf bestehen, daß sie eine Haarlocke erhielt. Anderseits aber war es auch Pflicht der Schwester des Bräutigams, sich für diesen beziehungsweise seine Braut eine Haarlocke abschneiden zu lassen, wenn sie wußte, daß es sich dabei um eine Hochzeitsgabe handelte. Nur wenn die Schwester zufällig fort oder überhaupt nicht vorhanden war, mußte der junge Mann die Locke seinem eigenen Haar abschneiden. Der Grund für diese eigentümliche Sitte ist ein ganz prosaischer. Bei den Wedda ist es allgemein üblich, daß die Frauen, aber nur die verheirateten, falsche Haare tragen, angeblich, damit der Haarknoten recht kräftig aussehen soll. Diese Erklärung erscheint aber recht unwahrscheinlich für ein Volk, das so herzlich wenig Wert auf sein Äußeres legt, wie die Wedda.

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Abb. 88. Weddazauber.

Um festzustellen, welcher Yaka für eine Krankheit verantwortlich zu machen ist, balanciert der Wedda seinen Bogen und wartet ab, bei welchem Namen dieser zu schwingen anfängt.

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Abb. 89. Geburtszeremonie bei den Wedda.

Der Vater der Schwangeren bedeckt diese mit einem Wila und sagt das Geschlecht des zu erwartenden Kindes voraus.

Witwen dürfen sich wieder verheiraten, gewöhnlich verbinden sie sich mit einem unverheirateten Bruder des verstorbenen Mannes, sofern dies möglich ist. Auch ihre sexuelle Moral steht ebenso hoch wie die der unverheirateten Mädchen. — Auffällig ist, daß bei den Wedda sich Kinder von Bruder und Schwester, also Cousin und Cousine über Kreuz heiraten dürfen, eine Verbindung, die anderwärts für Blutschande gilt.

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Abb. 90. Geburtszeremonie bei den Wedda.

Der Vater der Schwangeren bittet mit dem Wila in der Hand um eine glückliche Entbindung seiner Tochter.

Trotzdem die Religion der Wedda in einem Totenkult gipfelt, machen sie mit ihren Verstorbenen keine besonderen Umstände. Stirbt jemand, so bleibt sein Körper einfach in der Höhle oder unter dem Felsenspalt liegen, wo der Tod eintrat; die Leiche wird weder gewaschen noch bekleidet oder in irgend einer Weise geschmückt, man läßt sie auf dem Rücken liegen und deckt sie nur mit Blättern und Zweigen zu; in früheren Tagen wälzte man noch einen Stein auf die Brust, jedenfalls um zu verhindern, daß die Seele austrete und die Überlebenden belästige. So schnell wie möglich wird die Höhle von den Angehörigen verlassen und für längere Zeit gemieden. Nach Jahren pflegen die Söhne zumeist wieder zu dieser Stätte zurückzukehren und die etwa noch vorhandenen Knochen einfach in den Dschungel zu werfen. — Um die Geister gut zu stimmen, hält man es gewöhnlich für notwendig, den Verstorbenen eine Opfergabe, meistens ein bis zwei Wochen nach dem Tode, darzubringen; dieses Opfer muß aus gekochtem Reis und Kokosnußmilch, häufig auch noch aus Betelblättern und Arekanuß bestehen. In jeder Gemeinde gibt es wohl immer einen Schamanen, der die erforderliche Macht und die Kenntnisse besitzt, um die Geister, die Yaku, anzurufen; er fordert die kürzlich Verstorbenen auch auf, zu kommen und das ihnen dargebotene Opfer anzunehmen. Der Yaka kommt, nimmt von dem Schamanen Besitz und spricht durch dessen Mund mit heiseren gutturalen Tönen, daß er mit dem Opfer zufrieden sei und sich bemühen werde, den Angehörigen seiner Sippe bei der Jagd behilflich zu sein; oft gibt er ihnen auch an, welche Richtung die Männer beim nächsten Jagdausflug einzuschlagen haben, um Beute heimzubringen. Nachdem die Seele den Schamanen verlassen hat, verzehren die versammelten Hinterbliebenen den Reis, gewöhnlich sogleich an der Stelle, wo sie das Opfer darbrachten.

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Singhalesische Teufelstänzer,

die groteske, Dämonen darstellende Holzmasken tragen. Diese Dämonen sollen in Krankheitsfällen durch die Teufelstänzer versöhnt werden. Über den Rücken des linken Tänzers hängt eine dreiköpfige, die Maske überragende Kobra. Alle Dämonen stellen sich die Singhalesen mit großen weißen Fangzähnen und starren, unbeweglichen Augen vor. Diese sonderbaren Teufelstänze sollen gewöhnlich einen guten Einfluß auf den Kranken ausüben.

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Die herrschende Klasse auf Ceylon sind die Singhalesen, ein aus Nordindien eingewanderter Volksstamm, der zwar bei seinem Erscheinen schon gemischt war, aber im großen und ganzen doch in seinem Äußeren die Merkmale des Hindutypus seines Ursprungslandes bewahrt hatte. Dementsprechend besitzen sie feine, regelmäßige Züge; besonders die Frauen sind manchmal wirkliche Schönheiten (Abbild. 91). Von ihren dunkelhäutigen Mitbewohnern der Insel unterscheiden sich die Singhalesen durch ihre größere Gestalt (die Männer im Durchschnitt hundertdreiundsechzig Zentimeter), eine geringere Pigmentierung der Haut, die ein helles Braun oder hellbräunliches Gelb aufweist, eine größere und schmalere, feinere Nase und reichliches Körper- und Barthaar; schöngepflegte Vollbärte sind keine Seltenheit unter ihnen.

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Abb. 91. Singhalesin.

Die Singhalesen wohnen zumeist in Dörfern (Abb. 93) in den Tälern und Falten der Gebirge im Innern, sowie an der Küste; hier größtenteils in besonderen Vierteln der großen Städte.

Ihrem Charakter nach sind die Singhalesen klug, höflich, würdevoll und ernst, auch selbstbewußt; die des Unterlandes aber verweichlicht, schlaff und energielos. Dieser Eindruck wird noch durch ihre Kleidung erhöht. Ein um die Hüften geschlungenes Tuch macht bei beiden Geschlechtern das nationale Gewand aus; es hat bei den Männern verschiedene Länge, je nach der sozialen Rangordnung seines Trägers. Die Singhalesen zerfallen nämlich in eine Reihe Berufskasten; die vornehmste Kaste stellen die Goiwansa (die höheren Beamten und Grundbesitzer); es folgen sodann im Range die Karawo (Fischer), die Tschaudo (Palmweinbauern), die Atschari (Handwerker allerlei Art) und so weiter; auf der niedrigsten Stufe stehen die Rodiya (Abb. 92), denen jeglicher Verkehr mit Menschen höherer Klasse verboten ist. Diese Paria dürfen ihr Gewand nur bis zu den Knien, höchstens bis zu den Waden reichen lassen, dagegen die Goiwansa dürfen ein solches bis zu den Knöcheln tragen, was für große Vornehmheit gilt. In den Städten des Unterlandes tragen die Männer außerdem noch eine nach europäischem Schnitt angefertigte Jacke, im Berglande aber gehen sie mit entblößtem Oberkörper einher. Einen besonders weichlichen Eindruck macht die Haartracht der Männer. Ihr langes Haar wird nach hinten zusammengerafft und durch einen halbkreisförmig gebogenen, quer über den Hinterkopf gelegten Schildpattkamm zurückgehalten. Im Oberland, wo diese Tracht nicht üblich ist, wird das Haar durch ein um den Kopf gelegtes Tuch hochgehalten oder bleibt auch ganz unbedeckt. Der Rock der Frauen gleicht dem der Männer; es wird von ihnen gleichfalls ein langes Tuch um den Unterkörper geschlungen, aber es ist so lang, daß es noch den Oberkörper einzuhüllen vermag. Sein Ende wird nämlich über die linke Schulter geworfen und an der Taille wieder unter das untere Stück eingesteckt. Den untersten Kasten ist es verboten, mit dem gleichen Stück auch den Oberkörper zu bedecken; sie müssen hierzu ein besonderes Tuch verwenden. — Alle Singhalesen bekunden eine große Vorliebe für Schmuck, von dem wohl keine Körperstelle freigelassen wird; Finger, Vorder- und Oberarm, Hals, Ohren, Taille und selbst Fußgelenke und Zehen werden, wenn es die Verhältnisse erlauben, mit Schmuck gleichsam überladen, der nach Möglichkeit aus Edelmetallen (Gold und Silber) sowie aus Edelsteinen und Perlen besteht. Bei festlichen Gelegenheiten wird von den Frauen ein wahrer Prunk entfaltet; wo der eigene Besitz dazu nicht ausreicht, wird der Zierat von guten Bekannten geliehen.

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Abb. 92. Rodiya, die Bewohner von Hadirawalani.

Die Singhalesen sind ein ackerbautreibendes Volk; in den Städten üben sie auch verschiedene Handwerke aus und bekunden hierin einen entschieden künstlerischen Sinn. Die meiste Arbeit im Haus, sowie im Garten und auf dem Felde verrichtet die Frau.

Alle Singhalesen bekennen sich zum Buddhismus (Abb. 94), aber ihre religiösen Übungen umfassen mancherlei Handlungen und Zeremonien aus anderen, niederer stehenden Religionen, unter anderem das Darbringen von Opfergaben, und ein verwickeltes Ritual zur Versöhnung verschiedener Klassen von Teufeln, Yakan genannt, sowie zur Beseitigung schädlicher Einflüsse von seiten der Gestirne oder lokaler Gottheiten, der Geister von Ortshäuptlingen und sonstigen bedeutenden Persönlichkeiten, darunter auch einigen Königen. Dieser Geister muß es eine große Menge geben, denn Listen, von denen man weiß, daß sie unvollständig sind, zählen deren ungefähr hundertzwanzig mit Namen auf. Man hält sie im allgemeinen für wohlgesinnt und wohlwollend, aber oft auch für feindlich und schädlich und bringt ihnen daher Opfer dar. Alle diese Dienste verrichten geschulte Vermittler oder Priester. Unter den heiligen Handlungen, die sie vornehmen, um einen Dämon zu bewegen, daß er von seinem Opfer Abstand nehme, das er mit Krankheit heimgesucht hat, machen verschiedentlich Tänze (Abb. 95 und 96) den Hauptanteil an den Zeremonien aus; in anderen Fällen werden Opfer dargebracht und phantastischer Kopfschmuck und Masken getragen (siehe die farbige Kunstbeilage). — Wie im übrigen Indien, so werden auf Ceylon für den Tempeldienst besondere Tänzerinnen, die sogenannten Nautschmädchen (Abb. 80), schon von klein auf ausgebildet.

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Abb. 93. Eingeborenenhütte in einer Kokosplantage (Wälawatta bei Colombo).

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Phot. Platé & Co.

Abb. 94. Eine tragbare buddhistische Bethalle.

An der Vorderseite sind Masken in Relief angebracht, die Dämonen vorstellen; einige davon sind von Cobraköpfen überragt. Zwei Dämonen bewachen die Seiten.

Ist jemand von einer Krankheit befallen, dann wenden sich die Angehörigen zuerst an einen eingeborenen Arzt. Wenn dessen medizinische Behandlung nach einigen Tagen ohne Wirkung zu bleiben scheint, nehmen sie an, daß die Krankheit auf diese Weise nicht gehoben werden könne, sondern von einem feindlichen Einflusse, entweder von einem bösen Blick oder einem Dämon oder einer schädlichen Einwirkung der Gestirne herrühren müsse. Sie wenden sich jetzt an einen Wahrsager, der, nachdem er sich hat Bericht erstatten lassen, für gewöhnlich erklärt, daß das Leiden die Tat eines bestimmten Dämons sei, und daher empfiehlt, ihm eine Opfergabe zu versprechen. Der Priester, der diese vollzieht, befestigt als äußerlich sichtbares Zeichen, daß dieser Forderung Genüge geschah, an die kranke Person ein Bare (Merkmal), entweder eine in ein Stückchen gelbgefärbten Kattuns eingewickelte Münze um den Hals oder Arm, auch einen dreifachen ebenso gefärbten Faden, oder ein zusammengelegtes Taschentuch und anderes mehr, hängt auch ein entsprechendes Merkmal in seinem Hause oder Kornspeicher auf. Soll daraufhin die Versöhnung des Dämons vor sich gehen, so kommt an einem festgesetzten Tage oder Abend der Priester mit noch einem oder mehreren anderen ins Haus des Kranken, wo sich auch bereits Tamtamschläger eingefunden haben. Auf einem auf vier Stöcken hergerichteten Tischaltar wird eine Speise gekocht, deren Auswahl sich nach dem zu versöhnenden Dämon richtet, und diesem auf Bananenblättern als Tellern geopfert. Den Altar umstehen kleine Dochtlämpchen. Alles, was für die Zeremonie verwendet und geopfert wird, muß drei Reinigungen oder Läuterungen durchmachen. Es wird Weihrauch in einem Fäßchen geschwungen oder auf einen brennenden Stock gestreut, und die Enden eines weißen Tuches von genügender Länge werden von dem Priester in Form einer Acht in horizontaler Richtung geschwungen. Der Priester ist mit einem weißen Tuch bekleidet, das Haupt und Schultern bedeckt. Gleichzeitig werden die Tamtame so laut wie möglich geschlagen und Rohrpfeifen und Trompeten geblasen, um die Aufmerksamkeit des Dämons auf sich zu lenken. In manchen Fällen erfassen die Priester die Fackeln, schwingen sie und tanzen umher; die ganze Szene macht auf jeden Zuschauer einen ganz unheimlichen Eindruck, auch auf den Kranken, der ihr von Anfang bis zu Ende beiwohnt. Wird der oberste der Teufel, Sanni Yaka, der Krämpfe, heftige Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und so weiter veranlaßt, angerufen, so kommen Masken in Anwendung. Es gibt deren nicht weniger als zweiunddreißig, jede von ihnen, ausgenommen die letzte, läßt äußerlich bestimmte, meistens verzerrte Züge eines Leidens erkennen, die er verursacht; die letzte Maske zeigt den Teufel aber in seiner wahren Gestalt als eine milde, gutartig aussehende Persönlichkeit. Wird er um Gnade angegangen, dann legt einer der Priester eine der Masken an, tritt aus dem Hintergrunde hervor, berührt die Speise, tanzt ein wenig und zieht sich darauf wieder zurück. Sodann erscheint er oder ein anderer mit einer neuen Maske; dies geht immer so weiter, bis alle zweiunddreißig Masken vorgeführt worden sind. Nach Ablauf dieser Zeremonie muß der Kranke dann genesen sein.

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Phot. Platé & Co.

Abb. 95. Singhalesische Stocktänzer,

die hockend oder stehend um den in der Mitte befindlichen Leiter herumtanzen, indem sie gleichmäßig im Takt ihre Stöcke gegeneinanderschlagen.

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Phot. Platé & Co.

Abb. 96. Singhalesische Teufelstänzer

mit ihrem besonderen Kopfschmuck, großem Ohrgehänge, Messingachselstücken, Perlketten über der Brust, roten Tuchanhängseln, die über den Gürtel herunterhängen, und weiten Röcken.

Das Ritual, bei dem es sich darum handelt, die schädlichen Einflüsse der Planeten und anderer Himmelskörper zu vertreiben, weist fünfunddreißig verschiedene Formen auf und besteht hauptsächlich aus Tänzen und Gesängen zu Ehren der Macht, welche die Krankheit veranlaßt hat, sowie in Anrufen des Inhaltes, daß sie ihre Wirkung auf den Kranken aufhören lassen möge; die Zeremonie dauert für gewöhnlich die ganze Nacht hindurch. Der Patient sitzt oder liegt dabei auf einer Matte dem Amtierenden gegenüber, ihm zur Seite je ein Freund. Bei jeder Pause in den Bittgesängen des Priesters rufen diese beiden der angeredeten Macht „Ayibo, Ayibo“, das heißt „Langes Leben, langes Leben“ zu. Der ganze Vorgang wird reichlich beleuchtet, die Tänzer tragen auch noch Fackeln; Tamtamschläger begleiten die Tänzer im Takt. Vor dem Kranken ist außerdem noch auf einem Rahmen ein farbiges Lehmrelief seiner selbst, sowie die Sinnbilder einiger Himmelskörper aufgestellt; er hält das Ende eines Fadens in der Hand, der an der Mittelfigur befestigt ist. — Der Glaube an den Einfluß der Gestirne ist in dem Singhalesen fest eingewurzelt, und seine stete Sorge ist es, überall die Gunst des Standes der Gestirne auszunutzen und ihre schädlichen Wirkungen abzuwenden. Vor Schluß des Jahres läßt er sich von dem Astrologen eine Zusammenstellung geben, in der alle glück- und unheilbringenden Stunden — hierzu gehören in erster Linie die Finsternisse — des neuen Jahres verzeichnet stehen, sowie alle Handlungen und Zeremonien, die man zu diesen Zeiten vorzunehmen, beziehungsweise zu unterlassen hat. In einem solchen astrologischen Kalender heißt es unter anderem: „Das Zeichen des kommenden Jahres wird ein roter Löwe sein, der gerade aufgerichtet auf einem Pferde reitet und aus einem Loch herauskommt, das wie das Maul eines Pferdes gestaltet ist. Dies wird am Anfange des Jahres geschehen, neun Stunden und vierundfünfzig Minuten nach Sonnenuntergang; in diesem glücklichen Augenblick soll man Milch an allen vier Ecken des Hauses kochen“ und so weiter.

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Photo. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 97 Peraharaprozession in Kandy,

bei der in jeder Nacht während zweier Wochen die Gerätschaften und Abzeichen der vier indischen Gottheiten, in der letzten Nacht der Buddhazahn auf einem Tempelelefanten durch die Straßen getragen werden. Den Elefanten gehen voraus und folgen die Dorfvorsteher mit breiten tellerartigen Kopfbedeckungen. Vor diesen kommen Tänzer und Stockschläger.

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Phot. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 98. Der heilige Zahn des Buddha,

der angeblich etwa achthundert Jahre nach dessen Tode nach Kandy gebracht wurde und hier in einem Tempel aufbewahrt wird. Er ruht auf einer goldenen Lotosblüte und wird für gewöhnlich mit einer goldenen, mit Edelsteinen besetzten Glocke zugedeckt.

Das neue Jahr beginnt man mit verschiedenen Zeremonien, dem Anzünden des ersten Feuers, der Aufnahme der ersten Nahrung und ein paar Tage später mit der Ölung aller Familienhäupter mittels einer Mischung von fünf Ölen, die in günstigen Augenblicken, welche die Astrologen feststellten, gemischt wurden, um sich dadurch die allgemeinen Glücksfälle des Jahres zu sichern. Der Familienvater stellt sich mit dem Gesicht nach der Richtung gewendet, die für die günstige erklärt worden ist, vor einen Tisch, auf dem ein Licht und eine Tasse mit Öl steht, taucht einen oder auch alle Finger hinein und zieht die Fingerspitzen über die rechte Seite des Kopfes oberhalb des Ohres; unter tiefem Schweigen wiederholt er diesen Vorgang an den anderen.

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Das Periyapalayamfest,

das jährlich zu Ehren der Dorfgöttin von Periyapalayam bei Madras stattfindet und von zahllosen Hindu aller Stände besucht wird. Männer, Frauen und Kinder kleiden sich in Blätter und Zweige des heiligen Mangojabaumes. Die Andächtigen zahlen eine kleine Eintrittsgebühr in den Tempelbezirk und gehen drei oder mehrere Male um den Göttinnenschrein herum.

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Das große Peraharafest wird im Juni gefeiert, da um die Zeit der Sonnenwende die Regenperiode einsetzt; man veranstaltet diese besonders für Kandy großartige Zeremonie, um Fruchtbarkeit für die Äcker zu erzielen. An jedem Abend während der zwei Wochen, die das Fest dauert, trägt man die Waffen und Abzeichen von vier indischen Gottheiten in feierlichem Zuge, an dem Elefanten, Musikbanden und Tänzer bei Fackelschein teilnehmen (Abb. 97), durch die Stadt, am letzten Abend kommt noch die angebliche Zahnreliquie des Buddha (Abb. 75 und 98) hinzu. An diesem Abend begibt sich der Aufzug schließlich noch nach dem Mahawäligangafluß zum Wasserschneiden. Bei Anbruch des nächsten Tages beschreiben die vier Priester der Tempel der indischen Gottheiten mit ihren Schwertern einen Kreis im Flusse, füllen vier Gefäße mit Wasser aus diesem Kreis und kehren damit zu ihren Tempeln zurück, wo man die Gefäße bis zum nächstjährigen Peraharafest stehen läßt. An anderen Stellen spielt sich der Vorgang etwas anders ab; hier wird ein weißes Tuch von zwei Männern über das Wasser gehalten und in der Mitte von den Symbolen der Gottheiten niedergedrückt; das in dem Tuch befindliche Wasser wird in den Tempel mitgenommen. Solches Wasser wird auch verabreicht, um Krankheiten zu heilen. — Ein anderes wichtiges Fest wird alljährlich zu Ehren der Göttin Mariamma zu Periyapalayam gefeiert (Abb. 99 und die farbige Kunstbeilage).

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 99. Eine Szene vom Periyapalayamfest,

das alljährlich in der Nähe von Madras gefeiert wird. Büßer kriechen zur Erfüllung eines Gelübdes oder rollen sich auf der Erde rund um den Heiligenschrein der Göttin Mariamma.

Sobald dem Singhalesen ein Kind geboren ist, eilt der Vater zum Astrologen, um sich für das Neugeborene das Horoskop stellen zu lassen. Früher wurde das Kind, falls der Stand der Gestirne ungünstig war, lebendig begraben, ertränkt oder dem Hungertod preisgegeben. Auch wenn man sonst bei kinderreicher Familie ein Kind aus dem Wege schaffen wollte, gab man als Grund hierfür an, daß es unter einem unglücklichen Planeten geboren sei. Selbst heute soll man von der Unsitte, die Kinder, im besonderen die Mädchen zu töten, wozu hauptsächlich Opium verwendet wird, noch nicht ganz abgekommen sein; auch Abtreibung soll im Schwange sein, um keine zu große Familie zu bekommen. Die Neugeborenen werden von der Mutter ernährt, und zwar ziemlich lange, oft drei, vier und noch mehr Jahre; vom fünften Monat an erhalten sie aber auch Reis als Beikost. Der Augenblick, in dem ihnen zum ersten Male diese Speise gereicht wird, wird unter großer Feierlichkeit begangen. Dabei erhalten die Kleinen auch ihren ersten Namen, den Reisnamen. Natürlich wird auch hier der Astrologe wieder zu Rat gezogen. Auf Grund des Horoskops bei der Geburt soll er den ersten Buchstaben des Namens ermitteln und die Eltern die übrigen nach ihrem Belieben hinzufügen.

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Phot. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 100. Einäscherung eines buddhistischen Mönches.

Die Singhalesen heiraten sehr früh. Sobald das Mädchen die Reife erreicht hat, wird es für mehrere Tage abgesondert und muß für gewöhnlich noch mehrere Monate im Hause verbleiben. Nachdem es dann ein Bad genommen hat, darf es sich zum ersten Male im Spiegel beschauen, was vordem für unschicklich galt. Die Heirat ist für die Beteiligten das reine Geschäft, keine Herzensangelegenheit. Bei der Auswahl ihrer Schwiegertochter, welche die Eltern treffen, ist die erste Bedingung, daß sie derselben Kaste angehört; sodann kommt für sie die Vermögensfrage in Betracht, in dritter Linie, ob sie gesund, häuslich und so weiter ist. Genügt ein Mädchen diesen Vorbedingungen, so muß man sich weiter versichern, ob die beiden Auserwählten als Brautleute zusammenpassen, das heißt unter Planeten geboren wurden, die einander nicht feindlich sind. Stimmen ihre beiderseitigen Planeten überein, dann werden vom Sterndeuter auch Tag und Stunde festgesetzt, die für die Vereinigung günstig sind. Inzwischen werden die erforderlichen Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, ein großer Speisesaal hergerichtet, seine Wände und Decke mit weißem Tuch ausgeschlagen, das Haus der beiden Parteien geschmückt, viel Kuchen gebacken und Früchte eingekocht. Am Hochzeitstage wird der Bräutigam in feierlichem Zuge von den Seinigen, die alle in Festgewänder gekleidet sind, zum Hause der Braut geleitet. Hier finden sie den Eingang der Umfriedigung versperrt und von zwei männlichen Mitgliedern der Partei der Braut bewacht; durch Singen machen diese den Ankömmlingen verständlich, daß ihnen der Zutritt verboten sei. Einer aus der Gruppe des Bräutigams erwidert in Versen, welche die Wächter veranlassen, die Sperre zu entfernen und dem Zug Eintritt zu gewähren. Die Besucher werden darauf im Hause von den Verwandten der Braut empfangen; sie bringen Geschenke und Speise mit, welche die Angehörigen der Braut verzehren. Die Brautmutter erhält von den Geschenken ein Stück weißes Tuch und Kleider, die Braut ihr Hochzeitsgewand nebst reichem Schmuck. Ärmere Leute leihen sich, um diese Sitte der Vornehmen ebenfalls nachahmen zu können, von ihren Freunden einen großen Teil der Schmuckstücke und geben sie, nachdem die Braut in ihrem neuen Heim angekommen ist, nach ungefähr einer Woche wieder zurück. Sodann setzen sich Braut und Bräutigam Seite an Seite auf ein weißes Tuch, das auf einer Matte ausgebreitet wurde, nehmen mit der rechten Hand gekochten Reis aus einer gemeinsamen Schüssel und stecken ihn sich dreimal gegenseitig in den Mund. Es werden ihnen nun durch den älteren Bruder der Brautmutter, der der Hauptzeremonienmeister ist, die Hände aneinandergelegt und die kleinen Finger zusammengebunden. Damit ist die Ehe vollzogen. Nachdem es mit einem Ruck den Faden zerrissen hat, stellt sich das neue Paar der Reihe nach vor jeden Gast mit erhobenen Händen hin, verneigt sich und sagt: „Langes Leben dir!“ Jeder Gast erwidert die Begrüßung und reicht dem Paar ein Geschenk. Danach findet für alle Teilnehmer eine Unterhaltung und Bewirtung statt. Nach einigen Tagen begleiten die Hochzeitsgäste die Neuvermählten in das Heim des Bräutigams; die gute Sitte erfordert es, daß die junge Frau Tränen vergießt, ehe sie das Elternhaus verläßt, zum mindesten sich betrübt stellt und fortzugehen zögert. Auf dem Wege zum neuen Heim muß sie ihrem Manne vorangehen, damit dieser sie stets vor Augen haben und sie nicht mit einem etwaigen Geliebten entfliehen kann, wie es vorgekommen sein soll. Auch wird die junge Frau manchmal in ihren weißen Brautschleier ganz eingehüllt und muß vor männlichen Bekannten, die ihr begegnen, die Augen niederschlagen. Die Ankunft wird so eingerichtet, daß sie zu einer glückbringenden Stunde erfolgt, die der Astrologe festsetzt, desgleichen wird das Brautgemach auch nur in einer solchen betreten. Eine Woche später findet in dem Begießen der jungen Eheleute mit Wasser noch eine Zeremonie statt, die durch einen Bruder oder eine Schwester der Mutter oder durch einen anderen angesehenen Verwandten der jungen Frau vollzogen wird, natürlich auch wieder an einem glückbringenden Tage. Neben seiner rechtmäßig angetrauten Gattin ist es dem Singhalesen erlaubt, sich noch andere Frauen zu nehmen, vorausgesetzt, daß jene und ihre Angehörigen nichts dagegen haben; ist die erstere aber nicht befragt worden, dann hat sie das Recht, sich von ihrem Manne zu trennen. Die Lösung der Ehe ist unter den Singhalesen leicht gemacht; sie kann von beiden Seiten, oft auf geringfügige Veranlassung hin, erfolgen. — Im allgemeinen herrschen unter den Singhalesen laxe Auffassungen von der sexuellen Reinheit. Eheirrungen scheint man nicht besonders ernst zu nehmen; nur wenn sich eine Frau mit einem Mann aus niederer Kaste vergangen hat, dann gilt dies für ein schweres Verbrechen.

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Phot. Platé & Co.

Abb. 101. Velprozession der Tamilen.

Ein Wagen mit Hindugottheiten wird durch die Straßen geführt; mit gelben und roten Streifen (wie die Tiger) bemalte Tänzer, Riesen darstellend, sind dabei charakteristische Figuren.

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Phot. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 102. Einäscherung eines buddhistischen Mönches.

Die Begräbniszeremonien bei Armen und Leuten niederer Kaste sind sehr einfach. Der in weiße Tücher gehüllte Tote wird von weißgekleideten Freunden auf einer Bahre, die an einer Stange hängt, unter lautem Wehklagen der Frauen aus dem Hause nach dem Walde oder einem besonderen Begräbnisplatze getragen, wo man ihn lang ausgestreckt auf dem Rücken in die Erde legt und einen flachen Grabhügel darüber aufschüttet; oft wird dieser noch mit Dornensträuchern bedeckt, um die Leiche vor Schakalen zu schützen. Die Bahre verbleibt neben oder auf dem Grabe, Speiseopfer werden aber nicht dargebracht. Da eine Grabstätte ein Ort ist, der von einem schrecklichen Dämon, dem Sohon Yaka, dem Grabdämon, heimgesucht wird, meidet man ihn bei Eintritt der Dunkelheit. Nach etwa vier bis fünf Tagen finden sich Mönche aus dem nächstgelegenen Kloster ein, um eine oder zwei Stunden vor den versammelten Freunden und Verwandten aus den heiligen buddhistischen Büchern vorzulesen; sie erscheinen unter Vorantritt von Tamtamschlägern und Flötenbläsern. Am nächsten Tage erhalten die Mönche Speisen vorgesetzt; was sie übrig lassen, verzehren die Freunde und Nachbarn. Damit ist die Totenzeremonie beendet. Man nimmt an, daß der Geist des Verstorbenen sich zu diesen Feierlichkeiten einfindet und durch das Darbringen des Speiseopfers von seinen irdischen Fesseln befreit wird, so daß er sich nunmehr nach der anderen Welt, nach Paraloka, begeben kann. Vor dieser Opfergabe darf er die Erde nicht verlassen und muß so lange als entkörperter Geist auf ihr verweilen. — Während früher die Leichen der einfachen Leute vielfach verbrannt wurden, beschränkt sich diese Bestattungsart heute auf die vornehmen Familien, die höheren Kasten, Häuptlingsfamilien und Buddhistenmönche. Der Tote wird auf einer Bahre, die den Verhältnissen entsprechend vornehm hergerichtet ist, zu einem Scheiterhaufen getragen, der aus Lagen von trockenem Holz und Kokosnußschalen aufgebaut ist (Abb. 100 u. 102). Eine Anzahl Mönche, bei wichtigen Persönlichkeiten etwa achtzig, gehen dem Zuge voran, ihnen folgen die Musikkapelle, darauf die Träger mit dem Sarg, schließlich die Angehörigen und Bekannten; auf dem Wege, den der Leichenzug nimmt, wird manchmal weißes Tuch ausgebreitet. Ehe man den Sarg auf den Scheiterhaufen legt, wird er dreimal um ihn herumgetragen. Über der Leiche türmt man noch Holz auf und gießt reichlich Erdöl darüber. Während ein Mönch eine Predigt über die Eitelkeit der Welt und das Flüchtige im Leben hält, die Erfüllung religiöser Pflichten preist und um Glück für den Verstorbenen im neuen Leben bittet, zündet ein naher männlicher Verwandter mit einer Fackel den Scheiterhaufen (Abb. 103) an. Ist dieser heruntergebrannt, dann wird die Asche zunächst nur durch ringsherum in die Erde gesteckte Kokoszweige umgrenzt und erst nach sieben Tagen von den Angehörigen gesammelt und in einem irdenen Gefäß in aller Stille an geeigneter Stelle neben einem buddhistischen Tempel oder auf dem allgemeinen Begräbnisplatze beigesetzt. Auf den niederen Hügel pflanzt man einen Schößling, oft einen Bobaum; über den Aschenresten eines höher stehenden Mönches legt man im allgemeinen einen höheren Hügel an und umschließt ihn mit einer festen Mauer. Nur solche Personen, die an einer ansteckenden Krankheit, wie Cholera, Pocken und Ähnlichem, gestorben sind, werden, auch wenn sie der höheren Kaste angehören, nicht verbrannt, sondern begraben, denn man will den Krankheitsdämon, der in der Leiche sitzt, durch Feuer nicht noch mehr reizen.

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Phot. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 103. Einäscherung eines buddhistischen Mönches.

Die Tamilen gleichen in ihrem Äußeren sowie in ihren Sitten und Gewohnheiten (Abb. 101) ihren Stammesbrüdern auf dem vorderindischen Festlande. Da sie im nächsten Abschnitt eingehende Berücksichtigung finden, so wollen wir uns mit ihnen an dieser Stelle nicht weiter beschäftigen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 104. Szene von einem Hindufest in der heiligen Stadt Kumbakonam.

Ein heiliger Wagen schwimmt im Vordergrunde links auf dem Wasser; rechts steht ein Heiligenschrein, ein Mantapam, dessen Dach mit Götterbildern geschmückt ist.

Vorderindien.

Der südliche Teil der großen vorderindischen Halbinsel ist im wesentlichen das Verbreitungsgebiet der Drawida, eines dunklen Volkselementes, das den Hauptbestandteil des ausgedehnten Hinduvolkes dieser Gebiete ausmacht und auch Ausläufer nach Ceylon entsandt hat, wo die Tamilen seine Vertreter sind. Indessen sind die Drawida nicht als die Ureinwohner Südindiens anzusehen, sondern nur als Einwanderer, die auf eine Rasse von kleiner Gestalt, dunkler Hautfarbe und breiter Nase stießen, deren Reste sich bis auf unsere Tage, wenn auch nicht mehr rein, in den Wald- oder Dschungelvölkern, wie den Bhil, Mahair, Khond, Bhumidsch, Kurumba, Irula, Santal, Kolh, Munda und anderen, die man insgesamt als Munda-Kolh oder Kolarier zusammenfaßt, erhalten haben und die Angehörige der großen indo-australischen Grundrasse zu sein scheinen, deren Vertreter wir bereits in den Wedda, Sakai, Toala und auch Australiern kennen gelernt haben. Einen Beweis für einen solchen Zusammenhang der Australier mit den Ureinwohnern Südindiens erblickt man in der Übereinstimmung in ihrem Äußeren (lange Schädelform, kleine Gestalt, welliges oder lockiges Haar, schwarze Augen, breite, niedrige Nase mit weiten Löchern und dicke Lippen), in der Verwandtschaft der Sprache und in dem Vorkommen des Bumerangs in Neuholland sowohl wie im Tamillande; hier findet letzterer bei der Jagd auf kleines Wild Verwendung und wird einer alten Sitte gemäß zwischen Braut und Bräutigam auf der Hochzeit ausgetauscht. Allerdings besitzt der tamilische Bumerang nicht die klingenartige Form und die spiralige Drehung des australischen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 105. Grußform der Toda vor einem älteren Verwandten.

Die Frau kniet auf die Erde und hebt seinen Fuß bis zu ihrem Kopfe.

Der Drawidatypus erstreckt sich von Ceylon bis nach den Tälern des Ganges hin und nimmt ganz Madras, Haiderabad, die zentralen Provinzen, den größten Teil des mittleren Indien und Chutia Nagpur ein. Da die Drawida auf der einen Seite mit den Ariern, auf der anderen auch wieder mit der Urbevölkerung Kreuzungen eingegangen sind, so unterscheidet sich ihre äußere Erscheinung nicht unbeträchtlich, indessen läßt sich immerhin ein Durchschnittstypus aufstellen, der gekennzeichnet ist durch ziemlich mittelgroße Gestalt, schlanke, lange, geschmeidige Gliedmaßen, tiefdunkle, teils kaffeebraune, teils direkt schwarze Haut, tiefschwarzes, welliges oder gelocktes Haar, vorwiegend langen, schmalen Schädel, breites, niederes Gesicht von ovaler Form, tiefliegende, geradestehende, schwarze Augen, sehr breite, manchmal an der Wurzel eingedrückte Nase, großen Mund und volle Lippen. — In geistiger Hinsicht werden die Drawidahindu als offene, gutmütige, duldsame, heitere, dabei aber kriegerische, auch selbstsüchtige Leute geschildert. Als die Arier ums Jahr 2000 vor Christus in Vorderindien erschienen, standen die Drawida auf einer ziemlich hohen Kulturstufe; sie besaßen beträchtliche Fertigkeit in der Ausübung des Handwerks und der Künste, trieben Ackerbau, Handel und Schifffahrt und hatten sich sogar zu einigen selbständigen Staaten zusammengeschlossen. Ihre Religion war der Brahmaismus, der noch barbarische Gebräuche, sogar die Menschenopfer kannte; mit diesen hat die europäische Kultur ziemlich aufgeräumt. So feierten die Bergkhond ein Fest, Meriah genannt, bei dem geweihte, gekaufte oder geraubte menschliche Opfer der Göttin der Erde dargebracht wurden (Abb. 106), um dadurch eine gute Ernte zu erzielen; heute werden Büffel, Affen, Schafe oder Ziegen an Stelle von Menschen geopfert. Bevor sich ehemals die umherziehenden Lambadi auf eine Reise begaben, pflegten sie ein kleines Kind in die Erde bis zum Hals einzugraben und die Gepäckbullen darüber zu treiben, um Erfolg zu haben; heute treibt man in der gleichen Absicht das Vieh über ein lebendig begrabenes Huhn oder eine Ziege. Kindsmord war in früheren Zeiten Stammesbrauch bei den Khond; besonders Mädchen pflegte man bei den Bergtoda durch Ersticken ins Jenseits zu befördern. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es ganze Dörfer, in denen nicht ein einziges weibliches Kind vorhanden war. Bei der Vakkaligakaste in Mysore war es Sitte, daß bestimmte Frauen sich, wenn ihnen ein Enkelkind geboren wurde, einige Finger abhauen ließen; sie bezogen sich dabei auf eine Überlieferung, wonach der Gott Siwa befohlen habe, daß in seinem Tempel andauernd zwei Finger geopfert werden müßten. Gegenwärtig wird dieser Brauch vielfach dadurch umgangen, daß man sich Gold- oder Silberstücke mittels Mehlkleisters an die Fingerspitzen klebt oder sich Blumen darum bindet und diese scheinbar abschneiden oder abreißen läßt. — Eigenartig sind die Grußformen der Toda; die niedriger stehende Person fällt vor der höher stehenden auf die Knie und hebt deren Fuß zu ihrem Gesicht empor (Abb. 105 und 107).

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Phot. E. Thurston.

Abb. 106. Meriah-Opferpfosten,

der aus Holz in rohen Zügen einen Elefantenkopf darstellen soll. Auf ihm wurden früher von den Khond der Erdgöttin Opfer (Meriah) dargebracht.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 107. Grußform bei den Toda der Nilghiriberge.

Die Kleidung der Drawida ist bei den niederen Klassen immer noch eine recht spärliche; an der Westküste besteht sie meistens nur in einem Scham- und einem Kopftuche. Die Weiber einiger Pariastämme, wie der Koraga, Vettuvan und Thanda Pulayan, tragen in Erinnerung an frühere Sitten noch Blättergewänder (Abb. 108), die in Form einer Schürze oder eines Rockes von der Hüfte herabhängen; sie behalten sie bei, weil sie fürchten, es würde ihnen Unglück bringen, wenn sie diese Kleidung abschafften. Legt ein Thanda Pulayan dieses aus Riedgrasblättern angefertigte Kleid an Stelle des Streifens Palmenrinde, den er in frühester Kindheit trägt, an, dann gibt diese Zeremonie, Thandahochzeit genannt — Thanda ist der Name für das Gras — Anlaß zu einem Familienfest. — Verunstaltungen des Körpers als dessen Verschönerung sind verschiedentlich beliebt, so die Erweiterung des Ohrläppchens, die ihren höchsten Grad im Tamillande erreicht. Den Kindern werden in der frühesten Jugend die Ohren durchbohrt und die Löcher allmählich mit Baumwollpflöcken, später Palmblattrollen, Bleistücken und Metallscheiben mehr und mehr erweitert, bis sie unter Umständen auf die Schultern herabreichen (Abb. 111). Unter den Dschungelkadir und Mala Vedan herrscht die Unsitte des Zuspitzens der Schneidezähne bei beiden Geschlechtern. Ein sehr beliebter Schmuck ist auch das Tatauieren, mit dem sich die Frauen des Koravastammes im Umherziehen abgeben. Sie zeichnen das Muster mit einem stumpfen, in Zeichentinte getauchten Stäbchen auf die Haut auf und impfen die Farbe mittels Nadeln ein; anderwärts geschieht dies mittels der Dornen der Berberitze oder des Balbulbaumes. Die Bergkoyi legen großes Gewicht auf das Tatauieren, damit die Seele in der anderen Welt angemessen damit geschmückt erscheine. Auch bei Krankheiten wird Tatauierung angewendet, um den Schmerz zu lindern; sehr beliebt ist als Muster hierfür bei den Kanaresen das Bild des Affengottes Hanuman (Abbild. 110). Um Kinderkrämpfe oder Koliken zu lindern, schlimme Augen und andere Leiden zu heilen oder auch nur um eine Krankheit fernzuhalten, werden den verschiedenen Körperteilen Brandwunden mit einer glühend gemachten Nadel oder einem Safranstocke, einer Zigarre und anderem mehr zugefügt. Daher sieht man viele Leute mit mächtig erhöhten Narben einhergehen, die auf diese Weise entstanden. Die Toda lassen sich Narben einbrennen, weil sie glauben, daß sie dadurch die Fähigkeit erlangen, in aller Ruhe Büffel zu melken. — Bei den Kanibar von Travankore trifft man noch eine primitive Art des Feueranzündens an (Abb. 109).

Die Religionen Südindiens sind in erster Linie der Brahmaismus, sodann auch die Lehre Mohammeds und das Christentum. Es würde zu weit führen, wollten wir die religiösen Übungen und Gebräuche dieser verschiedenen Bekenntnisse, vor allem der Sekten des Brahmaismus, hier näher behandeln; wir beschränken uns auf die interessantesten Punkte.

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Phot. Anantha Krishna Iyer.

Abb. 108. Blätterkleider der Vettuvanfrauen.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 109. Feueranzünden bei den Kanibar von Travankore,

wobei das stumpfe Ende eines Pfeiles in ein Loch eines Stückes weichen Holzes gedrückt und rasch hin und her gedreht wird.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 110. Der Affengott Hanuman,

nach einem Gemälde, das eine Szene aus seinem Leben als volkstümlicher Held des hindostanischen Epos Ramayana vorstellt.

Fast jedes Dorf oder jede Stadt Südindiens besitzt eine Ortsgottheit, Grāma Dēvata genannt, die sich aber von der der nächsten Ortschaft schon zu unterscheiden pflegt. Ebenso mannigfaltig wie ihre Namen sind auch die Bildnisse (Abb. 114) oder Symbole der Gottheiten. In manchen Dörfern gibt es überhaupt kein bleibendes Bild von ihnen, sondern der Töpfer fertigt für jedes Fest eine Lehmfigur an, die eine Gottheit vorstellen soll und nach Beendigung des Festes wieder beiseite geworfen wird. In anderen Dörfern wieder wird die Gottheit einfach durch eine Steinsäule auf freiem Felde (Abb. 113) oder auf einer Steinplattform unter einem Baum (Abb. 116) oder innerhalb einer kleinen, aus Steinen aufgebauten Umfriedigung, oft auch nur durch kleine kegelförmige Steine, die nicht höher als zehn bis fünfzehn Zentimeter sind und infolge des beständigen Salbens mit Öl eine schwarze Farbe angenommen haben, dargestellt. Die Dorfgottheiten sind mit wenigen Ausnahmen weiblich; im Tamillande werden sie fast alle aber von männlichen Wärtern behütet und bedient. Eine männliche Gottheit, Aiyanar, hat einen eigenen Schrein und ist gleichsam der Nachtwächter des Dorfes, denn ihm fällt die Aufgabe zu, des Nachts auf seinem Geisterrosse die Dorfstraße abzureiten und die bösen Geister zu verscheuchen. Sein Schrein ist an Lehm- oder festen Pferdegestalten (Abb. 115) zu erkennen, die entweder zu beiden Seiten des Bildnisses aufgestellt sind oder in Haufen auf dem freien Platze umherliegen. Diese Pferde, die die Rosse vorstellen sollen, auf denen Aiyanar nachts seine Runde macht, werden von den Anbetern der Gottheit verehrt.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 111. Tiyanweib von Malabar.

Die Frauen dieses Stammes tragen den Oberkörper unbedeckt. Der Schmuck der erweiterten Ohrläppchen besteht in Metallscheiben oder zusammengerollten Palmblättern. Am Halsband sitzt ein Tali (Eheabzeichen).

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Phot. E. Thurston.

Abb. 112. Vadagottheiten aus Ton,

die vor Antritt eines Fischzuges oder bei einer Krankheit angebetet werden, sowie Holzbilder von Vorfahren.

Um die Dorfgottheiten zu versöhnen und die Angriffe böser Geister abzuwenden, werden ihnen fast allgemein jährlich große Opfer dargebracht (Abbild. 118), bei denen Büffel, Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel (Abb. 119), oft genug zu Tausenden, so daß das Blut geradezu in Strömen hinter dem Opferplatz fließt und ganze Karren Sand herbeigeschafft werden, um die Lachen zuzuschütten, ihr Leben lassen müssen. Die Köpfe der geopferten Tiere werden zu einem etwa vier Meter hohen Haufen aufgetürmt; obendrauf wird eine Schüssel mit Öl und einem dicken baumwollenen Docht gestellt und das Ganze angezündet. Das Schlachten der Tiere dauert den ganzen Tag bis gegen Mitternacht; sie werden von den Priestern geköpft und auf die großen Reisberge geworfen, die man den Göttern dargebracht hat, so daß der Reis von ihrem Blut vollständig durchtränkt wird. Dabei spielen sich oft genug widerwärtige Szenen ab, bei denen die Tiere vielfach gequält werden. Unter anderem werden die Opfertiere bei lebendigem Leibe aufgespießt und so auf einer Karre durch das Dorf gefahren, den Schweinen wird Reis, der mit ihrem eigenen Blut getränkt ist, zu fressen gegeben und anderes mehr. Eine ganz sonderbare Verwendung findet das Blut der geschlachteten Tiere bei den Pudukkottai tāluk des Trichinopollidistriktes; man taucht Tücher in dieses ein und hängt sie an den Dachrinnen der Häuser auf, um das Vieh dadurch vor Krankheit zu schützen.

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Phot. H. M. Bray.

Abb. 113. Hindugötterschreine,

wie man sie an Wegen zu errichten pflegt, damit die Vorbeigehenden und die Dorfbewohner die in ihnen aufgestellten Götterbilder anbeten können.

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Phot. V. Arumynayagam.

Abb. 114. Kolossalstatue einer Dorfgottheit mit ihrem Wärter aus dem Tamillande.

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Bei einem Fest, Mayāna oder Smasāna kollai (Beraubung des Begräbnisplatzes) genannt, das die Sembadawan, eine Fischerkaste, im Tamillande zu Ehren der Ankalamma feiern, trägt eine Person, die entsprechend aufgeputzt diese Göttin darstellen soll, auf den Armen ein Brett mit den sauber gewaschenen Eingeweiden eines Schafes (Abb. 117) und hält einen Teil von ihnen im Munde, so lange, bis die Prozession, die das Bildnis der Göttin zum Dorfaltar geleitet, zurückgekehrt ist. Dicht bei der Stelle, wo man die Leichen zu verbrennen pflegt, häufen die Priester sodann an fünf Stellen die Asche einer Leiche kegelförmig auf; diese Haufen sollen den Elefantengott Ganesha darstellen, dem Opfergaben aus Getreide, Betel, Spangen und so weiter in großen Mengen dargebracht werden. Das versammelte Volk fällt über die Haufen her und schleppt mit sich fort, was es nur mitnehmen kann. Man sagt, daß Hunderte von Personen dabei in Verzückung geraten, die Asche der Leichen essen und jedweden Knochenrest, dessen sie nur habhaft werden können, anbeißen. Die Asche der Leichen wird nämlich sehr geschätzt, da man glaubt, daß sie böse Geister fernzuhalten und unfruchtbaren Frauen Nachkommenschaft zu sichern vermag.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 115. Große Pferdefiguren, die zu Ehren der Dorfgottheit Aiyanar errichtet sind

und auf denen der Gott nachts das Dorf besuchen und die Dämonen niederreiten soll.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 116. Hindugottheiten aus Ton oder Mörtel,

die man häufig auf einer Plattform unterhalb eines heiligen Baumes antrifft. Ihnen bringt man Früchte, Kokosnüsse und andere bescheidene Opfer dar.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 117. Szene aus dem Feste der Dorfgöttin Ankalamma bei den Sembadawan-Tamilen.

Die zur Linken die Gottheit darstellende Person mit Eingeweiden eines Schafes im Mund wird von einem anderen Manne begleitet, der als Birabhada, der Sohn von Siwa und Ankalamma, verkleidet ist.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 118. Darbringen von Opfergaben vor dem Geiste Guru.

Im Vordergrunde Musikanten und ein Knabe mit aus die Stirn gemaltem Sektenabzeichen.

Die Vadafischer an der Ostküste errichten am Strande Miniaturschreine aus Ton oder Backsteinen, die nach der See zu offen sind (Abb. 123). In ihnen stellen sie die Lehmfiguren der Götter auf, die von ihnen angebetet werden, bevor sie einen Fischzug unternehmen, oder auch Holzfiguren von verstorbenen Verwandten. Die Namen ihrer Götter, einschließlich einer Göttin mit tausend Augen, die durch einen durchlöcherten Topf mit einem Öllicht in seinem Innern dargestellt wird, und eines Bengali Bābu genannten Gottes, der einen Hut trägt und auf einem schwarzen Pferde reitet (Abb. 112), sind unzählig. Letzterer steht in dem Rufe, die Fischer auf der See gegen Gefahren zu schützen und ihnen zu großen Fischzügen zu verhelfen. Die Hauptgöttin der Vada scheint indessen Orosundiamma zu sein, die nachts auf dem Meere in einem Boote umherfahren soll. Man huldigt ihr, indem man denjenigen, der die Zeremonie vorzunehmen hat, mit einer Ziege an einem Pfosten vor dem Hause festbindet und ein Spielzeugboot davorstellt. Die Ziege, der Pfosten, das kleine Boot und der Schrein für das Götzenbild werden darauf an die See gebracht und vor dem Schrein Andachten verrichtet. Kriecht die Ziege dabei auf allen vieren entlang und zittert sie, dann opfert man sie; tut sie dies aber nicht, dann erblickt man darin eine üble Vorbedeutung und beschafft sich eine andere Ziege an ihrer Stelle.

In manchen Dörfern mit einem bleibenden Schrein werden den Gottheiten täglich Reis, Früchte und Blumen mit Weihrauch und Kampfer dargebracht, an anderen wieder nur alle Jahre oder an einem bestimmten Tage, ausgenommen zu Zeiten einer Epidemie, in denen man sofort die Götter durch Opfer zu versöhnen sucht. Auch bei Beginn der Bestellung des Ackers, sowie zur Erntezeit werden Festlichkeiten zu Ehren der Götter veranstaltet. Bei eintretender Dürre werden an den Regengott Gebete gerichtet, und an manchen Orten wird eine Lehm- oder Strohfigur mit den Füßen nach vorn durchs Dorf gezerrt und von den Totengräbern in regelrechter Weise begraben. In Südkanara werden, ehe die zweite Saat in die Erde kommt, Büffeljagden, denen „Teufelstänzer“ beiwohnen, auf einem tiefverschlammten Reisfelde abgehalten; am Tage darauf finden große Hahnenkämpfe auf einem freien Platze vor dem Dorfe statt, dieses alles in der Absicht, die verschiedenen Teufel zu versöhnen. — Unter den sportlichen Tierkämpfen spielen die Kämpfe zwischen Elefanten eine hervorragende Rolle (Abb. 132).

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 119. Büffelopfer zur Besänftigung einer erzürnten Gottheit.

In vielen Dörfern an der westlichen Küstengegend von Südkanara, wo die Teufelsanbetung sehr verbreitet ist, befindet sich ein Bhuta Sthānam oder Teufelstempel; in manchen Häusern wird auch ein besonderer Raum oder ein Winkel für den Familienbhuta hergerichtet. In den Tempeln werden Götzenbilder oder eine Metallplatte, die das Bild eines menschlichen Wesens trägt, oder auch Figuren von Tigern, Schweinen, Hähnen und so weiter aufbewahrt; einige Tempel erhalten eine Reihe Lagerstätten, jede für einen besonderen Bhuta bestimmt, auf denen bei Gelegenheit einer Versöhnungsfeier der Bhuta Kostbarkeiten und Weihgeschenke niedergelegt werden. — Die Teufelstänzer, die in ihrem bürgerlichen Berufe als Matten-, Korb- und Schirmmacher tätig sind, gehören der Nalke-, Parawa- und Pompadakaste an (Abb. 120, 122 und 124). Man ruft sie, damit sie an Personen, die von Teufeln besessen sind, die Teufelaustreibung vornehmen oder damit sie, wenn Götzendienst in den Tempeln abgehalten wird, eine Maskerade in phantastischen Verkleidungen, die verschiedene Bhuta vorstellen, aufführen, dabei tanzen und Lieder singen. Die Vorstellung findet für gewöhnlich des Nachts statt. Zuerst tritt ein Pujari, ein Priester auf, wirbelt, mit dem Bhutaschwert und Glocken in den Händen, rings im Kreise herum und ahmt die mutmaßlichen Mienen und Gesten des Teufels nach. In Verzückung gerät er aber nicht, das bleibt einem Pompada oder Nalke (Abb. 124) vorbehalten, der ungefähr eine halbe Stunde später auf der Bildfläche erscheint. Dieser ist meist nackend bis auf das Hüftband, hat das Gesicht mit Ocker angemalt und trägt eine Art Bogen aus Kokosnußblättern, sowie eine Metallmaske. Nachdem er kurze Zeit langsam auf und ab gegangen ist, arbeitet er sich nach und nach in einen Zustand hysterischer Raserei hinein, unter beständiger Begleitung der Tamtame und unter langgezogenem, monotonem Geheule der Zuschauer. Endlich hält er inne und redet einen jeden seinem Range nach an. Strittige Angelegenheiten werden sodann dem Bhuta zur Entscheidung unterbreitet, und seine Entscheidung wird meistens auch angenommen. Entweder jetzt erst oder schon früher erhält der Teufel etwas zu essen; auch dem Pompada werden Reis und andere Speisen gereicht. Solche Feste dauern mehrere Nächte hindurch.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 120. Parawateufelstänzer

des Tulugebietes in seiner Berufsgewandung mit einem leichtgebauten Kopfstück, das mit Figuren, Schlangen und so weiter bemalt ist.

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Phot. Johnston & Hoffmann.

Abb. 121. Religiöser Umzug in Puri.

Einmal im Jahre wird der berühmte Juggernautwagen, der den Gott Vischnu in Form eines roh geschnitzten Holzklotzes enthält, durch mehrere tausend Menschen die Straßen von Puri entlanggezogen. Ein Hindu, der sich von den Rädern überfahren läßt, glaubt dadurch im Jenseits in eine höhere Kaste zu gelangen, daher kommen jedes Jahr eine Anzahl Selbstmorde auf diese Weise vor.

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In auffallendem Gegensatze zu den bescheidenen Altären der Dorfgottheiten und Teufel stehen die prächtigen Vaishnavite- und Saivitetempel, zu deren bekanntesten die von Conjeeveram, Ramesvaram, Madura, Kumbakonam und Tanjore, der letztere wegen der mächtigen Steinfigur des heiligen Bullen Nandi (Abb. 126) berühmt, zählen. Die Tempelausstattung besteht in kunstvoll geschnitzten Wagen auf Rädern (Abb. 125), die bei Umzügen an Stricken gezogen werden (Abb. 104, 121 u. 128), silbernen Gefährten der Gottheiten, Dēva-Dāsis oder Tänzerinnen, die ihr Leben dem Tempeldienst geweiht haben, und Prozessionselefanten (Abb. 127 und 130). Die Städte, in denen sich die großen Tempel befinden, sind der Brennpunkt des Brahmaismus und des brahmanischen Priestertums (Abb. 129, 131 und 135) und werden zum Schauplatze vieler hindostanischer Feste. Das berühmteste von ihnen, das ungeheure Massen von Pilgern aus ganz Indien herbeizieht (Abb. 133), ist wohl das Mahāmakhafest, das man in Kumbakonam alle zwölf Jahre feiert. Strenggläubige Inder glauben, daß bei dieser Feier die heiligen Gewässer des Ganges in den dort befindlichen heiligen Teich fließen; in ihm baden daher die Pilger. Was Mekka für die Mohammedaner, Buddha Gaya für die Buddhisten ist, das bedeutet Mahamakha für die Hindu. Die wichtigsten Götterbilder werden im Zuge getragen und auf einen Altar am Rande des Teiches hingestellt; darauf wird ein Dreizack, das Abzeichen des Siva, in das Wasser gesenkt, zum Zeichen dessen, daß die Zeit zum Baden gekommen ist. Viele Tausende von Pilgern tauchen nun ihre Köpfe unter die Oberfläche und kommen ganz mit Schlamm bedeckt wieder heraus (Abb. 134). — Von anderen religiösen Festen, welche die Hindu des südlichen Indien feiern, wären zu nennen das Mahāsivaratri zu Ehren Sivas, das Srijayanti oder der Geburtstag Krischnas, das Dipāvali oder das Fest der Lichter, das Vischnu — oder Neujahrsfest, das Vinayaka Chaturthi oder der Tag der Anbetung der Elefantengöttin Vinayaka oder Ganēscha (Abb. 137) und das Sarasvati oder Ayudha Pujafest, bei dem man seinem Arbeitsgerät, der Brahmine seinen Büchern, der Handwerker seinem Werkzeug, der Fischer seinen Netzen, der Kaufmann seiner Wagschale und so weiter seine Anbetung darbringt, und das Pongal (Abb. 136) oder Sonnenfest, bei dem Milchreis und andere Speisen dargebracht werden.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 122. Parawateufelstänzer

in phantastischem Aufputz einen Dämon darstellend.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 123. Götterschreine der Vadafischerkaste.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 124. Nalketeufelstänzer.

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Eine besondere Eigentümlichkeit Südindiens sind die verschiedenen Klassen frommer Bettler, die Bairāgi, Dasari, Gangeddu und Lingayat Jangam; sie ziehen in der Regel von Ort zu Ort und erbitten, mit einem ihrem Berufe eigenen Gewande angetan, in den Basaren und auf den Straßen Almosen. Die Bairagi tragen Kochgeschirre aus Messing, einen geweihten Salagramastein und eine Seemuschel bei sich und rufen beim Durchwandern der Straßen den Namen einer Gottheit laut aus. Für gewöhnlich lassen sie sich Bart und Haar lang wachsen (Abb. 139) und bestreichen ihren nackten Körper mit heiliger Asche. Die Abzeichen eines Dāsari sind eine Seemuschel, auf der er bläst, um seine Ankunft mitzuteilen, ein Gong, das er auf seinen Runden schlägt, eine hohe eiserne Lampe, die beim Betteln brennt, ein Metallgefäß, in das er seine Almosen legt, und ein Metallbild des Affengottes Hanuman um den Hals. Bei einem Fest im Tamillande stecken die Anbeter etwas von einer Mischung von Bananenfrüchten, Reis und anderen Sachen einem Dāsari, der zu dem betreffenden Tempel gehört, in den Mund, der es kaut und in die Hand des Anbeters wieder zurückspeit. Dieser ißt den zerkauten Bissen dann auf, um dadurch eine erbetene Wohltat zu erlangen. Die Jangam sind manchmal mit sehr auffallenden Gewändern angetan, hängen sich Messingteller mit Bildern verschiedener Gottheiten und ein Kästchen um, das den Lingam, ein phallisches Abzeichen des Siva, enthält, und tragen ein Schwert in der Hand und Metallglocken um die Knöchel gebunden (Abb. 138), die klingen, wenn der Jangam tanzt und das Lob des Virabhadra, des Sohnes des Siva, preist.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb 125. Tempelwagen aus Seringapatram,

der mit der großen geschnitzten Figur eines mythischen Tieres geschmückt ist.

Die Lingayat, eine Sekte, die gleichsam die Hindupuritaner vorstellt, tragen das Lingam, ein Sinnbild des männlichen Gliedes, als Symbol des Gottes Siva in einem Metallkästchen oder in einer rotseidenen Schärpe um den Hals oder den Arm gebunden. Ihre Kinder werden damit bereits im frühesten Kindesalter von dem geistlichen Berater der Familie bekleidet. Das Lingam wird mit geweihter Asche bestrichen und dem Kinde umgebunden, dem man außerdem einen Rosenkranz von geweihten Rudrakshaperlen um den Hals bindet und die vorgeschriebene geheiligte Formel ins Ohr flüstert. Auch Weihwasser, mit dem die Füße des Priesters gewaschen worden sind, wird über das Lingam ausgegossen, und von der gekochten Speise, die für jenen bestimmt ist, dem Kinde etwas in den Mund gesteckt. In Kanara besteht bei manchen Kasten die Sitte, der Gottheit gewisse Mädchen, Basawi genannt, zu weihen, die in derselben Weise wie die Dēva-Dasis oder Tanzmädchen ein öffentliches Leben führen. Die übliche Form ihrer Weihefeier besteht darin, daß ihnen ein Tali, das Eheabzeichen, an einer schwarzen Perlenschnur um den Hals gebunden und die Abzeichen der Chank und Chakra auf die Schultern gebrannt werden. Bei einer anderen Art dieser Zeremonie legen die Mädchen ein Schwert mit einer Limette an seiner Spitze, die den Bräutigam vorstellen soll, in das Allerheiligste der Gottheit. In wieder anderen Fällen werden die Mädchen an einem glückverheißenden Tage mit einer Blumengirlande an eine Lampe gebunden, wie sie manche fromme Bettler tragen, und aus dieser Stellung entweder von einem Manne, der ihrer ersten Gunstbezeigung teilhaftig werden will, oder von ihrem Onkel mütterlicherseits befreit; zum Zeichen daran wird ihnen eine schwarze Perlenschnur um den Hals gehängt. Der Aberglaube, daß eine Dēva-Dasi niemals Witwe werden kann, veranlaßt manche Hindu, um sich Glück zu verschaffen, das Tali, das bei ihrer Hochzeit gebraucht wird, zu einer dieser Frauen bringen zu lassen, damit sie das Band dazu herrichtet.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 126. Kolossalbildnis des heiligen Bullen Nandi

in einem Schrein, der von geschnitzten Pfeilern getragen wird.

Bestimmte Zeremonien knüpfen sich an mancherlei andere Einführungen. Bei den Telugu Mādiga werden gewisse Frauen der Göttin geweiht und dadurch sogenannte Matangi. Bei dieser Zeremonie wird ein farbiges Muster auf den Hof des Hauses gezeichnet, an dessen Ecken und in dessen Mitte Töpfe aufgestellt werden, wie bei einer Hochzeit. Die Kandidatin sitzt, in ein weißes Gewand gekleidet, dicht bei dem mittleren Topf und erhält auf den Kopf einen Bambuskorb gestellt, der auch einen Topf mit dem Bild der Fußeindrücke der Göttin, einem irdenen oder hölzernen Behälter, einer eisernen Lampe und einem Rohr enthält. Der amtierende Priester bindet ihr darauf ein Bottu, ein Heiratsabzeichen, im Namen der Göttin um den Hals. Dieser Korb, dessen Inhalt die Abzeichen einer Matangi ausmacht, darf niemals auf die Erde gestellt werden, sondern wird, falls sie dieselben nicht benutzt, im Hause aufgehängt oder in eine Wandnische gestellt. Bei den Dorffestlichkeiten der Madiga beschimpft und bespeit die Frau, die als eine Verkörperung der Göttin Mātangi angesehen wird, die Versammelten; diese fassen dies nicht etwa als Beleidigung auf, sondern meinen im Gegenteil, daß ihr Speichel alle Verunreinigung wegnimmt.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 127. Tempelelefant, dessen Gesicht, Ohren, Rücken und Rumpf mit religiösen Symbolen bemalt sind,

darunter auch mit dem Zeichen der Vaishnavasekte am Vorderhaupt. Einige Elefanten sind dahin abgerichtet, durch Hochheben des Rüssels und lautes Trompeten zu grüßen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 128. Ein Tempelwagen zu Mylapore,

der bei festlichen Gelegenheiten von Kulis an Stricken durch die Straßen gezogen wird. Er ist in wunderbarer Weise mit geschnitzten mythologischen Figuren und anderen Sinnbildern, sowie mit Schirmen, Flaggen und sonstigem Zierat geschmückt.

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Soll ein Korawamädchen in den Beruf des Wahrsagens (Abb. 140) eingeführt werden, so verbindet man ihm die Augen und verabreicht ihm mindestens dreimal einen ganzen Mund voll von einer Mischung, die aus unreifem Getreide und dem Blute eines schwarzen Huhnes, einer ebensolchen Ziege und eines Schweines besteht. Stellt sich bei der Einzuführenden dabei kein Erbrechen ein, dann wird dies als ein günstiges Zeichen angesehen, daß sie eine gute Wahrsagerin werden wird. Schwarze Tiere stehen in dem Ansehen einer guten Vorbedeutung. — Soll ein Neuling in die Brüderschaft der Donga (Dieberei treibenden) Dāsari aufgenommen werden, so führt man ihn an das Flußufer, wo er ein Ölbad erhält und mit einem neuen Tuche bekleidet wird. Darauf wird mit dem glühenden Zweige eines heiligen Baumes seine Zunge angebrannt. Nunmehr ist es ihm gestattet an einem Festgelage der Männer dieser Kaste teilzunehmen. Die Mitglieder der Dandāsikaste, deren überlieferter Beruf ebenfalls in Dieberei besteht, vollziehen eine eigentümliche Einführungsfeier an einem Neugeborenen. Das Oberhaupt der Sekte schiebt das erst mehrere Tage alte Kind dreimal durch das Loch einer Mauer oder unter der Türschwelle hindurch, wo es Familienangehörige in Empfang nehmen, mit den Worten: „Tritt ein, Kind, tritt ein; mögest du deinen Vater übertreffen!“

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 129. Ein Hindutempelpriester wird in einem heiligen Wagen durch die Straßen von Kumbakonam getragen.

Am rechten Oberarm trägt er das Abzeichen seiner Sekte, um den Hals einen Perlenrosenkranz.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 130. Hinduprozession zu Kumbakonam mit Elefanten, die auf der Stirn das Sektenabzeichen aufweisen, und mit Kamelen.

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Sehr verbreitet ist unter den Hindu das Darbringen von silbernen Nachbildungen einzelner Körperteile, die erkrankt waren (Abb. 141), oder von ineinandergeschlungenen Schlangen nach überstandener Krankheit, des Modells eines Hauses nach einem gewonnenen Prozeß und anderer Dinge mehr als Votivgaben. Kinderlose Frauen geloben, unter einem heiligen Feigenbaum einen Stein mit dem eingravierten Doppelschlangensymbol aufzustellen; auch erbitten kinderlose Eltern manchmal vor einer Reihe solcher Steine, vor einem Lingamstein und einer Steinfigur der Ganeshagottheit Nachkommenschaft (Abb. 142).

Der Feuerlauf, den wir bereits bei den Fidschiinsulanern (I. Band Seite 46) kennen gelernt haben, ist allenthalben sehr verbreitet; er wird hauptsächlich von solchen Leuten, die unter einem Gelübde stehen, ausgeführt, und zwar vor dem Schrein der Draupadi. Draupadi lebte einst mit fünf Brüdern Pandava in Vielmännerei und unterzog sich dieser Prozedur, um den Beweis für ihre Keuschheit während der Verbannung ihrer Männer anzutreten. Nachdem die Gläubigen an dem Tage der Zeremonie gefastet und zu der Göttin vor ihrem Schrein gebetet haben, wird ihr Bildnis auf den Schauplatz, wo sich der Vorgang abspielen soll, hingetragen. Der Priester, der bereits die Vorzeichen befragt hat, geht, mit Girlanden geschmückt und in gelbes Tuch gekleidet, zuerst über die glühende Asche, ihm folgen die Anbeter, die, nachdem sie hindurchgegangen sind, ihre Füße in einer Wasserpfütze, „Milchtopf“ genannt, abkühlen. An manchen Orten treten allerdings Blumen an die Stelle der Aschenglut, auf denen man zu Ehren der Göttin wandelt. — Eine ganz sonderbare Zeremonie, die heutzutage von der Regierung verboten wird, ist das Hakenschwingen, bei dem große eiserne Haken in den Rücken eines Menschen getrieben werden (Abb. 144). Dieser hängt am Ende eines hölzernen Hebels oben an einem hohen Mast und wird über der versammelten Menge in der Luft geschwungen. Der Zweck dieser Sitte war eine Beeinflussung der Witterung bei Regenmangel, eine Steigerung der Ernte, eine Beseitigung der Cholera und eine Erhöhung der Geburtenzahl. In der Provinz Mysore wird jetzt an Stelle eines Menschen bei diesem Fest eine kleine Figur, Sidi Viranna genannt, die in bunten Aufputz gekleidet ist und Schild und Schwert in den Händen trägt (Abb. 143), an einem aus menschlichem Haar geflochtenen Seil an einem Balken aufgehängt und geschwungen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 131. Ein Hohepriester eines Vaishnavatempels zu Tirapadi

mit dem heiligen Zeichen auf der Stirn und anderen religiösen Abzeichen auf Brust und Schultern.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 132. Kampf zwischen zwei Elefanten,

denen die Stoßzähne abgesägt wurden. Die eingeborenen Wärter sind mit langen Lanzen bewaffnet.

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Die Hindu sind durchweg gläubige Anhänger krassen Aberglaubens. Bei allen wichtigen Gelegenheiten, wie Pubertät, Hochzeit, Todesfall, Aufbruch zur Reise, Prüfungstag, Neujahrsmorgen, werden die Vorbedeutungen zu Rate gezogen, und die Liste solcher Vorzeichen ist sehr groß. Zu den guten Vorbedeutungen rechnet man eine Jungfrau, Brahmanen, einen Radscha, einen Elefanten, eine Kuh mit ihrem Kalb, einen gebundenen Bullen, einen Topf mit Wasser und Milch, zu der Zahl der ungünstigen aber einen lahmen oder blinden Mann, eine Leiche, eine Witwe, einen Barbier, einen Wäscher, einen Besenstiel, zerbrochenes Geschirr, eine Katze und einen Esel. Manchmal hängt die Deutung auch davon ab, wie ein Satz Eier von der Henne ausgebrütet wird, wie ein Huhn nach dem Getreide pickt, wie die Milch beim Überkochen über den Topf läuft, ob eine Ziege oder ein Schaf beben, wenn man über sie Wasser schüttet, oder wie eine Blume von dem Kopfe eines Götzenbildes herabfällt. Das Auftauchen vieler Tiere bedeutet Glück oder Unglück; so zeigt der Ruf eines Schakals das eine oder das andere, je nach der Richtung, aus der er erschallt, an, bedeutet der Anblick eines Hasen für einen Wanderer Mißerfolg, ebenso das Erscheinen einer Katze oder einer Kuh am frühen Morgen, das Ersteigen des Daches durch einen Hund oder eine Ziege, das Einnisten einer Eule in einem Hause, das Hervorkriechen einer Schildkröte unter dem Pflug Unglück, und vieles andere mehr. Auf der anderen Seite erwartet man Glück, wenn Sperlinge ihr Nest in einem Hause bauen. — Ungemein verbreitet ist auch der Glaube an die Wirksamkeit eines Zaubermittels oder Talismans, wenn man solche zum Schutze gegen Teufel oder den bösen Blick (Abb. 145), oder zum Zeichen eines Gelübdes, um eine Krankheit zu heilen, oder um einen Prozeß zu gewinnen trägt; die unmöglichsten Dinge werden dazu verwandt bis herab zu einem Stück Scherben vom Begräbnisplatz her oder dem getrockneten Fuß einer Schildkröte, einem Krokodilzahn, der Borste aus einem Elefantenschwanz, Bärenhaaren, Tigerklauen, einer Schakalschnauze oder dem Schwanz eines Skorpions. — Mit Buchstaben, Zeichen und Figuren bedeckte oder eingravierte Steintafeln werden oft an der Grenze der Dörfer angebracht, um seine Einwohner und das Vieh vor Krankheit zu schützen. Ist in einem Hause Krankheit ausgebrochen, dann wird bei Nacht in aller Stille an Wegkreuzungen ein geometrisches Muster auf die Erde gezeichnet oder vor dem Kranken eine Figur aus Reismehl, die mit Münzen an den verschiedensten Körperstellen beklebt ist, geschwungen und dann auf den Kreuzweg gelegt; man hofft dabei, daß dort die Krankheit auf einen zufällig Vorübergehenden übertragen werde. — Um einen Feind zugrunde zu richten, formt man ein Bild aus Wachs, Mehl, Blei oder Erde, auf die er getreten hatte, und vergräbt es oder verbrennt es unter mystischen Handlungen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 133. Pilger beim Baden in dem heiligen Teich gelegentlich des Mahamakhafestes zu Kumbakonam,

das einmal alle zwölf Jahre abgehalten wird.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 134. Pilger beim Baden gelegentlich des Mahamakhafestes zu Kumbakonam.

Bei dieser Gelegenheit soll der Ganges durch unterirdische Zuleitung seine Wasser in den heiligen Teich fließen lassen.

Unter den Leuten, die berufsmäßig das Wahrsagen ausüben, haben die Kaniyan der Westküste einen gewissen Ruf erlangt; sie verstehen es, mit großer Geschicklichkeit das Horoskop zu stellen, einen Glückstag für eine Hochzeit oder eine andere Festlichkeit vorauszusagen, die Ursache eines Familienkummers ausfindig zu machen und ähnliches. Wo ein solcher Wahrsager zu Rate gezogen wird, erscheint er mit einem Beutel Muschelgeld und einem Astrologenkalender ausgerüstet, die Stirn mit dem dreifachen Zeichen des Siva bestrichen in dem Hause, zeichnet ein Diagramm auf den Fußboden und legt in dessen Felder Muschelgeld, das die Planeten darstellt. Nachdem er daran die Stellung der Planeten zueinander bestimmt hat, verkündet er nach reiflicher Überlegung die Entscheidung, zu der er gekommen ist. Manche Kaniyan sind auch wegen ihrer Kunst in der Geisterbeschwörung berühmt; sie kleiden sich dabei in ein Kokosnußblättergewand und tragen Masken, die verschiedene Teufel vorstellen sollen. Die malaiischen Zauberer von Malabar beschwören auch Teufel und verkleiden sich dazu auf die verschiedenste Weise (Abb. 146, 148 u. 150). Die Pulluwan Malabars sind Astrologen und Priester in einer Person und hausen in den zahlreichen Schlangenhainen, die dem Nägesvara, dem Herrn der Schlangen, geweiht sind, Bildnisse von Schlangen aus Stein zu Tausenden enthalten (Abb. 149) und sich oft über ein Areal von vielen Morgen Landes erstrecken. Sie ziehen von Haus zu Haus und singen zu dem Ton einer Trommel, die aus einem mit einer Schnur überspannten irdenen Topfe (Abbild. 147) besteht und mit einem Stock geschlagen wird, Lieder, die den Schlangen wohlgefällig sein sollen. Werden sie für eine Schlangen- oder Teufelsbeschwörung zu Personen, die von diesen besessen sind, gerufen, dann zeichnen sie eine mächtige Schlangenfigur in farbigem Pulver auf den Fußboden, singen zu Ehren der Schlangengottheit Lieder und verwischen unter heftiger Erregung und vielem Getue das von ihnen gezeichnete Bild (Abb. 151); schließlich suchen sie noch den Schlangenhain auf und werfen sich vor den Steinbildnissen nieder.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 135. Ein Telegubrahmane

mit einem Gewand und Kopfputz aus heiligen Rudrakshaperlen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 136. Eine Hinduzeremonie am Mattu Pongal-Tage.

Die Frauen gehen im Kreise um einen Korb herum, der zerschlissene Kokosnußblätter enthält, mit denen die Hörner des Viehs an diesem Tage geschmückt werden, und singen und schlagen ihre Hände im Takt.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 137. Bilder aus der hindostanischen Götterwelt.

Dargestellt sind die Elefantengottheit Ganescha, Kali, Thayumanaswami und Sarasvati (Gottheit des Lernens). Das Musikinstrument, das die Figur rechts unten spielt, ist eine Vina, ein sehr verbreitetes Saiteninstrument der Hindu.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 138. Ein Lingayatbettler

mit bemaltem Gesicht und falschem, mähnenähnlichem Haar. Er trägt lange Eisenstäbe, eine Glocke und Abbildungen von Gottheiten und hat einen Rosenkranz um den Hals.

Das ganze Leben der Hindu von der Wiege bis zum Grabe wird von abergläubischen Vorstellungen beherrscht. Schon vor der Geburt werden an der Schwangeren zeremonielle Handlungen vorgenommen, die darauf zurückgehen. Bei den Tiyan Malabars zum Beispiel werden Mitglieder der Waschmännerkaste und Teufelstänzer geholt, um zur Besänftigung der bösen Geister, die die angehende Mutter und ihr Kind belästigen könnten, umfangreiche heilige Handlungen auszuführen. So wird unter anderem im Verlaufe derselben ein Muster auf die Erde unter einem Bananengestänge gezeichnet; die Frau muß um dieses herumgehen und einen brennenden Docht hineinwerfen. Musik und Tanz begleiten diese Zeremonie bis in die Nacht hinein, und zum Schluß des Ganzen wird ein Huhn, manchmal ein bereits geköpftes, der Frau an die Stirn gehalten, und Reis über sie ausgeschüttet. Die Nayar Malabars pressen aus den Blättern eines Tamarindenbaumes den Saft aus und kochen ihn mit Reis; der Bruder der Schwangeren schüttet davon etwas auf einer Messerklinge ihr in den Mund. Von den Bergbagaba wird an der Schwangeren im siebenten Monat ihrer ersten Schwangerschaft eine Zeremonie vollzogen, bei welcher der Ehekontrakt endgültig dadurch besiegelt wird, daß der Ehemann in Gegenwart seiner versammelten Freunde seiner Gattin einen Faden um den Hals wirft. Verfängt er sich in den Haaren — manchmal wird, um dies zu erreichen, von ihr in schlauer Weise durch Hinzufügen falschen Haares die Frisur vergrößert —, dann muß er einige Rupien Strafe an sie zahlen. Vor dem Paar stehen zwei Schüsseln, in welche die Verwandten ebenfalls Geldstücke für die jung Verheirateten stiften. Ein Festschmaus wird am Schlusse veranstaltet. Bei einigen Kasten in der Tamilgegend werden um die Schwangere im siebenten Monat, während sie auf dem Hochzeitspodium steht, rotgefärbtes Wasser und Lichter geschwungen, um den bösen Blick von ihr abzulenken. Sie beugt sich sodann nieder und legt ihre Hände auf zwei große Töpfe, ihre Schwägerin oder eine andere Verwandte gießen ihr dabei Milch aus einem Betelblatt über den Rücken oder zeichnen ihr mit Reismehl ein Muster darauf und gießen dann erst die Milch darüber. Die Schwester des Ehemanns schmückt einen Stein in derselben Weise und betet, daß der Frau ein männliches Kind, ebenso stark wie ein Stein, beschert werden möge.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 139. Ein religiöser Büßer (Asket)

mit langgewachsenen Nägeln und struppigem, ungepflegtem Haupthaar.

Fühlt eine Hindufrau ihre schwere Stunde nahen, dann pflegt man sie allgemein in einer Hütte aus Blättern oder Matten abzusondern; in ihr muß sie niederkommen und eine geraume Zeit, bei den Adivi des Telegulandes neunzig Tage lang, für sich allein hausen. Niemand darf sie inzwischen anrühren, höchstens die Frauen, die ihr bei der Geburt manchmal beistanden; rührt sie jemand anderes an, dann muß er ebenso wie die Wöchnerin drei Monate lang außerhalb des Dorfes zubringen. Der Ehegatte baut sich für gewöhnlich eine kleine Hütte in einiger Entfernung und wacht über seine Frau, darf sich ihr aber nicht nähern. Das Essen für sie stellt man in der Nähe ihrer Hütte auf die Erde. Am vierten Tage nach der Entbindung schüttet eine Frau aus dem Dorfe Wasser über die Wöchnerin, ohne sie indessen zu berühren, am fünften Tage bringt man sie an eine neue Stelle, etwas näher der Ortschaft. Am neunten, fünfzehnten und dreißigsten Tage rückt man die Hütte in derselben Weise dem Dorfe immer etwas näher und tut dies schließlich noch einmal in den beiden folgenden Monaten. Am neunzigsten Tage endlich wäscht ein Waschmann ihr Zeug, worauf die junge Mutter in den Tempel gebracht und außerdem eine Läuterungszeremonie an ihr zu Hause vorgenommen wird. Bekommt eine Frau der Bergkota zum ersten Male ein Kind, dann läßt sich ihr Ehemann Bart- und Kopfhaar lang wachsen, desgleichen die Fingernägel. Ist das Kind geboren, dann legt er Zweige von fünf dornigen Pflanzen und einem heiligen Baume, die er durch Reibung anzündete, in einer Reihe außerhalb einer besonderen Hütte, die die Frau mit ihrem Kinde von rückwärts zwischen den Zweigen schreitend betreten muß. Einem Coorgknaben werden sogleich nach seiner Geburt ein Miniaturpfeil und ein ebensolcher Bogen in die Hände gelegt, wodurch man ihn als tüchtigen Krieger und Jäger in die Welt einführen will.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 140. Ein Koravaweib beim Schicksalverkünden.

Der Wahrsageapparat besteht aus einem Korb, einer Getreideschaufel, einem Stock und einem geflochtenen Tablett mit Kaurimuscheln. Die Hand des Kunden ist über die Getreideschaufel gelegt. Die Wahrsagerin singt und berührt dabei die Hand mit dem Stock.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 141. Metallene Votivgaben der Hindu.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 142. Ein kinderloses Hinduehepaar bittet vor Lingamsteinen, die vor dem Elefantengott Ganesha stehen, und vor Steinplatten mit doppelten Schlangensymbolen um Nachkommenschaft.

Bei der Zeremonie der Namensgebung unter den Nayar Malabars gibt ein älteres männliches Familienmitglied dem Kinde einen Mund voll Milch mit Bananenscheiben und Zucker vermischt zu essen und ruft ihm seinen Namen dreimal ins Ohr. Die Korava binden dem Kinde, das mit seiner Mutter auf einer Matte sitzt, einen schwarzen Faden um die Hüfte, spalten eine Kokosnuß in zwei Teile und reichen der Mutter ein Stück davon zu essen, dabei geben sie dem Kinde den Namen. Sie bezeichnen ihre Kinder, ebenso wie einige Oriyakasten, nach den Wochentagen, die nach den Planeten wieder benannt sind. Die Oriya scheinen den Sonnabend davon auszuschließen, wohl weil er in ihrer alten Mythologie für einen Tag übler Vorbedeutung galt. Die Bergkondh töten bei der Namensgebung einen Hund und waschen die Füße des Kindes. Darauf bindet ein Priester eine Schnur an eine Sichel, streut Reis darauf und wartet, bis sich die Sichel bei einem bestimmten Namen, deren eine ganze Reihe genannt werden, bewegt. Der so gefundene Name wird dem Kinde dann beigelegt. Überresten der Couvade, des Männerkindbettes, begegnen wir noch bei den Nomadenstämmen der Korava oder Yerukala. Bald nachdem die Frau entbunden ist, bekümmert man sich ausschließlich um den Mann, der sich in das Tuch seiner Gattin wickelt und sich auf ihren Platz neben das neugeborene Kind legt, allerdings nur für wenige Augenblicke, dann räumt er seiner Frau wieder den Platz ein. Eine ähnliche Sitte wird noch von einer anderen Gegend berichtet. Bei Eintritt der Geburtsstunde zieht sich der Ehegatte etwas von dem Zeug seiner Frau an, zeichnet sich das Mal, das Frauen auf der Stirn zu tragen pflegen, auf seine Stirn, zieht sich in ein verdunkeltes Zimmer zurück, in dem nur eine sehr trübe Lampe brennt, legt sich zu Bett und deckt sich mit einem langen Tuch zu. Sobald das Kind dann geboren ist, wäscht man es und legt es auf das Lager neben den Vater. Ihm, nicht der Mutter, werden gleichfalls bestimmte Mittel eingegeben; er darf sein Bett nicht verlassen und erhält alles Erforderliche gebracht.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 143. Figur für die Hakenschwungzeremonie,

die an Stelle eines Menschen, der früher dabei geopfert wurde, heute durch die Luft geschwungen wird.

Der Eintritt der Reife bedeutet für ein Mädchen ein wichtiges Ereignis in seinem Leben. Es muß sich einer zeitweiligen zeremoniellen Abgeschlossenheit unterziehen, die häufig in einer zu diesem Zwecke besonders errichteten Hütte vor sich geht. Einige Okkiliyanstämme im Tamillande schlagen die erste Hütte nach wenigen Tagen wieder zusammen und errichten eine neue am dritten, fünften und siebenten Tage. Nach Beendigung der Unreinheit wird die Hütte vielfach von dem Mädchen oder seinem Onkel angezündet und bis auf die Erde niedergebrannt; die Töpfe, die das Mädchen benutzte, werden bei den Bergsavara in kleine Stücke zerschlagen, weil es sonst dem allgemeinen Aberglauben gemäß keine Nachkommenschaft erhalten würde, falls sich Regenwasser in den etwa ganz gebliebenen Töpfen ansammeln sollte. Um Teufel zu verscheuchen, werden Zweige von verschiedenen Bäumen ins Dach der Hütte gesteckt und ein Stück Eisen zusammen mit Margosablättern, Zweigen vom Strychnosbaum und der Arkapflanze in sie gelegt. Manchmal wird auch ein Gestell aus Besenstielen und Stücke von Palmblättern oder ein Bogen hineingelegt und täglich angebetet. Bei der Pubertätszeremonie eines Tiyanmädchens Malabars schüttet seine Tante oder eine andere weibliche Verwandte ein gewisses Öl aus einem becherförmig gebogenen Jackbaumblatte ihm über den Kopf, auf den vorher eine kleine goldene Münze gelegt wurde, und fängt das Öl samt der Münze wieder in einer Schüssel auf. Es gilt als gute Vorbedeutung, wenn das Geld in einer bestimmten Lage in diese fällt. In ähnlicher Weise leeren Frauen bei einigen Kasten Südkanaras über das Mädchen, das auf dem Hofe über fünf Kokosnüssen auf einem Bambusrohrgefäß sitzt, einen Topf aus, der Wasser, Betelnüsse und Arekanüsse enthält; darauf wird es in einem Nebenhause abgesondert. Die kanaresischen Kappiliyan stellen, wenn die Zeremonien ihren Abschluß erreichen, in der Nähe des Hauseinganges etwas für einen Hund zu fressen hin; dieser wird, wenn er mit der Vertilgung beschäftigt ist, tüchtig durchgeprügelt; je lauter er heult, desto günstiger stellen sich die Aussichten einer großen Nachkommenschaft für das Mädchen. Die Pulluwanmädchen werden am siebenten Tage ihrer Reinigung von sieben jungen Frauen gesalbt; diese bringen außerdem den Teufeln, durch die das Mädchen etwa besessen werden könnte, eine Opfergabe in Form eines aus der Rinde eines Bananenbaums angefertigten Triangels, an dem Stücke zarter Kokosnuß und kleine Miniaturfackeln hängen, dar. Der Triangel wird um den Kopf des Mädchens geschwungen und sodann aufs Wasser gesetzt, damit er fortschwimme.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 144. Sühnebrauch bei den niederen Hinduklassen vor ihrer Gottheit Mariatale.

An Stelle von Menschen, die früher bei den niederen Hinduklassen an ihren Rückenmuskeln mittels eines eisernen Hakens aufgehängt und umhergeschwungen wurden, wird dieser Brauch jetzt an einer Figur, Sidi Viranna genannt, vollzogen.

Viele interessante Werbegebräuche herrschen noch allenthalben in Südindien. Öfters ist für die jungen Mädchen bei der Auswahl ihres Zukünftigen dessen persönlicher Mut ausschlaggebend. Bei einigen Kallanstämmen zum Beispiel besteht der Brauch, daß beim Mattupongalfest Bullen, an den Hörnern geschmückt mit Kokosblattgirlanden und Tüchern der jungen Mädchen, in die Münzen gebunden sind, unter dem Getöse der Tamtam und anderer Musik, um sie in Angst zu versetzen, losgelassen werden. Wer von den jungen Burschen einem Mädchen sein Tuch, das von ihm um das Horn des Tieres gewickelt war, wieder wohlbehalten zurückbringt, wird von ihm zum Manne genommen. Die Coorgmädchen verlangen eine Probe physischer Kraft von ihrem zukünftigen Gatten; er muß sechs Bananenstämme, die aufrecht in der Erde stehen, jeden einzeln mit einem einzigen Hiebe seines Kriegsmessers umhauen. Bei den Bergbonda Porja besteht die Sitte, Gruben in den Erdboden zu graben, in die während der kalten Jahreszeit nachts die Kinder gelegt werden, damit sie warm bleiben. Im Frühling nun werden die heiratsfähigen jungen Mädchen des Dorfes in einer dieser Gruben zusammengedrängt, und ein junger Mann kommt und macht der einen von ihnen einen Antrag; weist das Mädchen ihn ab, dann macht er bei einer anderen den gleichen Versuch, bis er sein Ziel erreicht hat. Anderwärts wird auch wieder der persönliche Mut des jungen Mannes von seinem Mädchen auf die Probe gestellt; beide begeben sich in den Dschungel und zünden ein Feuer an; das Mädchen nimmt darauf einen schwelenden Feuerbrand und berührt damit den Rücken des Jünglings. Schreit er vor Schmerz auf, dann wird er abgewiesen, wenn aber nicht, dann wird die Ehe sofort geschlossen. Dem Zufall überlassen die Wahl des Bräutigams die Mädchen bei den Dschungelnayādi. Wenn ein solches das heiratsfähige Alter erreicht hat, begibt es sich in eine aus Blättern aufgebaute Hütte, um die die jungen Männer des Dorfes herumtanzen und singen. Sie sind mit Stöcken bewaffnet, die sie durch die Hüttenwand hindurchstoßen. Wessen Stock das junge Mädchen ergreift, der wird ihr Mann.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 145. Figuren gegen den bösen Blick.

Geschnitzte Figuren von Tieren und Menschen, die in Malabar gegen den bösen Blick auf die Häuser gesetzt werden.

Bei manchen Stämmen herrschte die Sitte, daß der Schwiegersohn in die Dienste seines zukünftigen Schwiegervaters tritt und sich bei ihm die Frau gleichsam erarbeitet. Jetzt aber wird diese Dienstleistung schon durch eine Barzahlung ersetzt.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 146. Malaiischer Teufelsaustreiber aus Malabar.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 147. Ein Pulluwanmann mit einer Topftrommel.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 148. Ein malaiischer Teufelsaustreiber.

Bei den Kondh begegnen wir unter den Hochzeitszeremonien noch der Brautentführung. Dem Brautzug treten der Bräutigam und die jungen Männer seines Dorfes an der Dorfgrenze entgegen, jeder mit einem Bambusknüppel bewaffnet. Die jungen Frauen aus dem Dorfe der Braut aber gehen zuerst zum Angriff auf die Partei des Bräutigams mit Stöcken, Steinen und Erdklumpen vor, und ein Bombardieren wird eröffnet und fortgesetzt, bis das Dorf erreicht ist. Dann hört das Steinwerfen auf, und der Onkel des Bräutigams ergreift die Braut und trägt sie zum Hause seines Neffen. Der Umstand, daß es gerade der Onkel ist, der die Braut entführt, legt die Vermutung nahe, daß dieser Scheinkampf um die Braut, von dem in Südindien mancherlei Abänderungen vorkommen, nicht als ein Überbleibsel der Sitte, die man insgemein Raubehe nennt, anzusehen ist, sondern seine Erklärung in der Vorschrift findet, die noch bei vielen Kasten beobachtet wird, daß ein Mann die Tochter seines Onkels mütterlicherseits heiraten muß. Wo diese Vorschrift nicht zwangsweise durchgeführt wird, spielt dieser Onkel dennoch eine wichtige Rolle bei den Hochzeitszeremonien. So muß er öfters dem Bräutigam auf seine Bitte seine Zustimmung zur Heirat geben, oder der Onkel der Braut dem Bräutigam die Füße waschen, die Braut zur Hochzeitsbude tragen, ihr das Tāli um den Hals legen und die Finger des jungen Paares bei der Eheschließung zusammenbinden.

Bei den Kasten, wo der Brauch, die Tochter des Onkels mütterlicherseits zu heiraten, sich erhalten hat, kommt es bisweilen vor, daß ein Knabe von sieben oder acht Jahren an ein Mädchen versprochen wird, das zweimal so alt ist wie er. Dem Mädchen ist es in manchen Fällen erlaubt, auch mit ihrem Schwiegervater zusammenzuleben und zu verkehren, bis der Knabe, der als der Vater aller inzwischen etwa geborenen Kinder gilt, heranwächst.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 149. Schlangengottesdienst zu Mylapore

vor dem Altar unter einem heiligen Baume. Die Anbetung der giftigen, heilig gehaltenen Kobra kommt in ganz Südindien vor, indessen mehr an der Westküste, wo Schlangenhaine, manchmal viele Morgen Land bedeckend, in großer Menge vorhanden sind. In den Hainen stehen zahlreiche Steine mit eingegrabenen Abbildungen der Kobra.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 150. Malaiische Teufelsaustreiber.

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Ein sonderbarer Brauch, „die Aufrechterhaltung des Hauses“ genannt, wird von den Bergkunnuwan beobachtet, wenn ein Mann keine Kinder außer einem Mädchen besitzt und seiner Familie die Gefahr des Aussterbens droht. Das Mädchen darf hier zwar nicht, wie es sonst vielfach üblich ist, von dem Sohn ihres Onkels beansprucht werden, kann aber mit einem Türpfosten des Hauses verheiratet werden; als Eheabzeichen erhält sie dann eine silberne Spange um das Handgelenk gelegt. Es ist ihr nun gestattet, sich mit irgend einem Manne aus ihrer Kaste zusammen zu tun; sollte sie von ihm einen Sohn bekommen, so erbt dieser durch sie den Besitz ihres wirklichen Gatten. — Mit einer dritten Frau eine Ehe einzugehen, bringt nach Ansicht der Brahmanen Unglück. Um diesem aber aus dem Wege zu gehen, wird zunächst eine Scheintrauung vollzogen. Der Witwer bindet ein Tāli um eine Arkapflanze, die die Sonne versinnbildlicht, und haut sie dann um. Dadurch wird die nunmehr einzugehende Ehe die vierte anstatt der dritten. Eine ähnliche Form der Scheinehe mit einem Baume (Banane) wird manchmal von denen geschlossen, die die älteren Brüder einer Familie sind, jedoch aus irgend einem Grunde (zum Beispiel wegen körperlichen Fehlers) zur Ehelosigkeit verurteilt sind. Da den jüngeren Brüdern aber die Ehe nicht eher gestattet ist, bevor die älteren verheiratet sind, so tun diese dies, um jenen Gelegenheit zu geben, sich zu vermählen. — Wenn ein Mädchen bei einigen Kasten im Oriyalande vor der Reife sich noch keinen Mann gesichert hat, so wird sie mit einem Messinggefäß, dem Sinnbild der Sonne, verheiratet, oder sie unterzieht sich einer Scheintrauung, bei der ein alter Mann oder ein Pfeil, ein Sahādabaum, um dessen Stamm ein neues Tuch gebunden ist und gegen den Pfeil und Bogen angelehnt sind, den Bräutigam vertreten. — Geht ein Landbesitzer der Kambalakaste im Tamillande mit einer Frau aus niederer Kaste eine Ehe ein, so ist er nicht persönlich bei der Hochzeit zugegen, sondern wird durch einen Dolch vertreten, in dessen Gegenwart der Braut das Tāli um den Hals gebunden wird. In ähnlicher Weise stellt bei den Maravan der vornehme Bräutigam einen Stock als seinen Vertreter. Unsere Abbildung 153 zeigt den bei Hochzeiten der Tamilen gebräuchlichen reichgeschmückten Baldachin, unter dem Braut und Bräutigam Platz nehmen.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 151. Teufelstänzer in besonderem Aufputz mit klingenden Schellen um die Fußgelenke.

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Phot. V. Arumynayagam.

Abb. 152. Eine Hindubraut aus dem Tamilgebiet mit zahlreichem Schmuck.

Auch ihre Fußzehen tragen Ringe.

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Die Sitte der brüderlichen Vielmännerei besteht heutigentags noch bei den Toda, allerdings ist sie jetzt schon mehr im Abnehmen begriffen, denn es bürgert sich mehr und mehr bei diesem Volke der Brauch ein, daß Brüder je ein besonderes Weib sich nehmen oder auch mehrere Männer mehrere Weiber gemeinsam haben. Wenn ein Mädchen bei den Toda sich verheiratet, dann wird sie gleichzeitig das Eheweib sämtlicher Brüder des Gatten, ja es geht so weit, daß, wenn ein Mädchen schon mit einem Knaben verheiratet wird, man sie nicht bloß als die rechtmäßige Gattin aller lebenden jüngeren Brüder betrachtet, sondern im voraus auch als die aller derjenigen, die noch geboren werden können. Die Brüder leben in solcher polyandrischen Ehe einträchtig miteinander; jeder von ihnen wohnt der Frau abwechselnd bei. Wenn aber die Brüder nicht unter einem gemeinsamen Dach, sondern in verschiedenen Dörfern hausen, dann lebt die gemeinsame Frau abwechselnd für eine gewisse Zeit der Reihe nach mit jedem von ihnen zusammen. Interessant ist die Art und Weise, wie die Vaterschaft der Kinder festgestellt wird. Wird die Frau zum ersten Male schwanger, dann nimmt der älteste Bruder für gewöhnlich die Zeremonie des Überreichens von Bogen und Pfeil an dem Kinde vor, womit er andeuten will, daß er sich zum Vater des Neugeborenen bekennt; bei der zweiten Geburt ist es wohl Sitte, daß der andere Bruder diese Zeremonie übernimmt, für gewöhnlich aber gehören die ersten zwei bis drei Kinder demselben Ehemanne an, und erst bei den darauffolgenden läßt er die Zeremonie des Bogen- und Pfeilüberreichens durch einen anderen Bruder vollziehen. Gehen die Eheleute auseinander, dann nimmt jeder der Ehemänner die Kinder an sich, für die er sich bei der Geburt als Vater bekannt hatte.

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Phot. V. Arumynayagam.

Abb. 153. Hochzeitsbrauch bei den Tamilen.

Braut und Bräutigam sitzen in einer Sänfte, die mit allerhand Zierat und mit geschnitzten Figuren an den Ecken ausgeschmückt ist. Die die Sänfte umstehenden Personen zeigen den charakteristischen Typus der Tamilen, deren Haar über der Stirn wegrasiert ist.

Bisher haben wir die Hochzeitsbräuche der Bewohner Südindiens behandelt, die nicht die allgemeine Regel bilden, sondern vielmehr eine seltenere Erscheinung ausmachen. Wir wollen jetzt die ersteren hier nachholen. Bereits mehrfach war von dem Tāli (auch Bottu genannt) die Rede. Es ist dies ein goldener Ziergegenstand, welcher der Braut (Abb. 152) um den Hals gebunden wird, nachdem er unter den Hochzeitsgästen die Runde gemacht und deren Segen empfangen hat, und etwa unserem Trauring entspricht, also das hindostanische Eheabzeichen (Abbild. 155) vorstellt. Bei manchen Kasten tritt an Stelle dieses wertvollen Gegenstandes eine Halskette aus schwarzen Perlen oder nur ein mit Safran gefärbtes Band. Safran bildet überhaupt einen wichtigen Bestandteil des indischen Zeremoniells. Die Sitte, sich damit das Gesicht zu färben, ist bei den Frauen sehr verbreitet; sie meinen dadurch ihren Männern mehr Lebensjahre zu verschaffen; daher pflegen sie sich geradezu verschwenderisch mit Safranwasser zu waschen. Um den bösen Blick abzuwenden, wird bei Hochzeiten ein Gefäß, das unter anderem auch Safranwasser enthält, vor dem Brautpaar geschwungen; beide baden sich darin und begießen sich gegenseitig damit.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 154. Ganigabrautleute aus dem Kanaragebiet.

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Phot. E. Thurston.

Abb. 155. Kapubrautleute aus dem Telugugebiet.

Sie tragen bereits das Tali, das Eheabzeichen.

Bei den meisten Kasten ist der wesentliche und bindende Teil der Hochzeitszeremonie das Zusammenbinden der Hände von Braut und Bräutigam mittels eines baumwollenen oder seidenen, mit Safran gefärbten Fadens oder mittels des heiligen Dharbagrases, oder das Ineinanderlegen ihrer Hände oder kleinen Finger, wobei Wasser über sie ausgeschüttet wird. Manchmal werden auch die Hände des Brautpaares unter einem Tuch vereinigt, das die beiderseitigen Onkel mütterlicherseits halten. Bei einem Stamme der Bergbadaga bringt die Schwester der Braut etwas Reis und Milch in einer Tasse, in die das Paar seine aneinander gebundenen Finger eintaucht; darauf nehmen beide etwas Reis und stecken ihn sich dreimal in den Mund. Bei den Völkern von Telugu, Kanara (Abb. 154) und Oriya ist es allgemein üblich, einen Wandschirm oder einen Vorhang zwischen den Brautleuten anzubringen, über den hinüber die Braut Reis und Salz auf den Kopf ihres Bräutigams wirft. Man pflegt hier auch die Enden der Hüfttücher des Paares, in die Reis, Betelblätter, Arekanüsse, Muschelgeld und andere Dinge gebunden sind, miteinander zu verknoten.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 156. Eine Hinduverbrennung.

Die mit einem Tuch bedeckte Leiche wird auf den Scheiterhaufen gelegt und dieser durch ein unter besonderen religiösen Feierlichkeiten hergestelltes Feuer angezündet.

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Phot. Wiele & Klein.

Abb. 157. Hindubegräbnis.

Die Leiche wird unter einem mit Blumengirlanden reich geschmückten Baldachin zur Einäscherungsstätte getragen.

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Eine wichtige Rolle spielen bei der Hinduhochzeit die Töpfe. Nach dem Aberglauben des Volkes sollen sie dreihundertdreißig Millionen kleinerer Götter oder Dēvas vorstellen; daher verwenden Brahmanen auch dreiunddreißig Töpfe bei ihrer Hochzeit. Die Dorftöpfer haben für solche Gelegenheiten gut zu tun; sie fertigen eine Menge Töpfe an, deren größter an Umfang etwa dreieinhalb Meter messen muß. Die Töpfe nun werden von Braut und Bräutigam in gebührender Weise angebetet. Verschiedene Oriyakasten pflegen einen Topf mit Wasser aus sieben verschiedenen Häusern anzufüllen und in der Hochzeitsbude aufzuhängen, oder sie stellen eine Anzahl Töpfe, einen auf den anderen geschichtet, in die vier Ecken und in die Mitte dieses Raumes auf und so weiter. — Dem Barbier kommt bei Hochzeiten ein wichtiges Amt zu. Er hat dem Bräutigam die Fußnägel zu beschneiden und das Gesicht zu rasieren, wobei er zuweilen Kuhmilch an Stelle von Wasser verwendet. Er berührt auch die Stirn der Braut mit einem Rasiermesser und ihre Zehen mit einem in Milch getauchten Mangoblatt, dem Sinnbild des Wohlergehens; bei manchen Kasten bindet er der Braut auch das Tali um den Hals. Eine drollige Figur gibt der Barbier auf der Hochzeit bei den Lingayat Kannadiyan ab. Er hat hier die Aufgabe, die Köpfe des Brautpaares mit geklärter Butter aus einer Kokosnußschale zu besprengen, was ihm aber nicht leicht gemacht wird. Denn vorn trägt er einen Stein an einem Stricke um seinen Hals, der ihn dabei nach vorn herabzieht, und rückwärts ebenfalls einen Strick, an dem die Kinder ihn nach hinten ziehen.

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