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Die Kegelschnitte Gottes

Viertes Buch (continued 3)

Reading edition

Diesen Erhobenen zu finden kam ich her. Ihn suchte ich: den Menschen hinter seinem Werk. Das Wesen wie aus Schnee und Gold, kühn, arglos, wahr und anmutig.

Doch eure Werke sind nur Sehnsuchtsprojektionen eurer Mängel:

Weil ihr armselig seid, reißt ihr den letzten Reichtum dem Planeten aus den Eingeweiden.

Weil innerlich ohne Harmonie, schuft ihr — nach außen — euch Musik.

Weil ohne Phantasie, laßt ihr in blechernen Waggons, in Ruß und Dampf, euch kalt, blasiert und frech, zu allen Märchen dieser Erde rasseln.

Euer verarmter Kreislauf pulst in hundertpferdigen Motoren.

Euer Minus setzt ihr mit umgekehrten Vorzeichen aus euch heraus, als vielgerühmte Technik, Kunst und Wissenschaft.

Was ihr erschuft: Prothesen sind es nur, darunter, vollgeeitert, schwärt ein brandiger Stumpf: ihr selbst.

Habt immer eure Münder voll Geist und Theorie, ihr ethischen Barbaren; sinnt neuer Staatsform nach. Wie wenn ein Rudel von Hyänen sich Paladine oder Republikaner, Monarchisten, Sozialisten, Kommunisten nennen mag: immer der gleiche Hyänenhaufen, der die platzende Gier seiner blauen Eingeweide mit neuen Namen nennt.

Doch weil kein Wesen völlig ohne Wahrheit existieren kann, habt ihr sie — sie unwirksam zu machen — in eure Wissenschaft gesperrt.

Dort lebt Europas letzter Wahrheitsdrang sich in zerwühlten Hirnen, bloßgelegten Nerven gefesselter Geschöpfe, stets „objektiv“ und für den Sucher schmerzlos aus.

Das eingefangene Opfer zahlt den Preis — nicht er.

So übt ihr alle Infamien frei:

Forensische Verlogenheit gestattet sie euch gegen Menschen, und gegen Tiere euer Wahrheitsdurst.

Was tun?

Demütig zu edlen Tieren — nein, erst zu den plumpsten viehischesten Tieren in die Lehre gehen; sie anschauen, erst nur die Wahrheit ihrer Form erschauen. Auf dem Weg des reinen Auges wieder Gehen — Liegen — Ruhen — Atmen — sich Bewegen lernen: Sehen und durch das Sehen — Leben.

Erst wenn ihr die verworfene Behendigkeit aus euren schiefgezüchteten Gehirnen ausgetrieben, für die ihr noch nicht reif, dann kommt zu fragen, ob man euch wieder aufnimmt in den Ring beseelter Wesen, nicht mehr gehaßt, verachtet, gemieden wie Pestilenz von allem, was da atmet.“

Nur auf wenige Minuten zog der Gerichtshof sich zurück. Das Urteil lautete:

Fünf Jahre Gefängnis wegen Bigamie.

Der Verurteilte verbeugte sich tief:

„In diesem Wahrspruch grüße ich den Bankerott Europas.“

Bewährungsfrist ward abgelehnt. So nahmen denn die Gatten Abschied voneinander.

Allen Glanz des Menschentums sammelte Gargi in die Onyxampel ihres schmalen Antlitzes und in den unbegreiflich sanften Samt der Augen:

„Mein süßer Herr, was habe ich für dich zu tun, so lang du fort bist?“

„Flieh, und warte auf mich zu Hause zwischen Dschungl und Sternen. Ich komme wieder. Ich werde nicht zugrunde gehen. Leben will ich und helfen mit Hirn, Herz und Händen, mit allem Geld, das ich besitze und aller Kraft, bis der Planet gereinigt ist von dieser weißen Pest.“

Da reichte sie ihm einen Brief:

„Erasmus gab ihn mir für dich von deiner Mutter.“

„Meinem Sohn in Europa, blieb er länger als ein Jahr,“ stand auf dem Umschlag. — Nur wenige Zeilen darin. Er trank die lieben Züge wie ein Elixier. Diana Elcho schrieb:

„Ein Unglück muß geschehen sein, wenn Du dies liest. Freiwillig bliebst Du nicht so lang. Haben sie mein Sonnenkind gefangen in einem bösen Netz? Verzeih, wenn ich geirrt, Dich vor Europa ungewarnt zu lassen. Dich warnen aber hieß, Dich zum Empörten machen, zum Belasteten, Getrübten. Die Einzigkeit Deiner Jugend schien mir eben dies: die Unbeschwertheit, daß Dein Bewußtsein unbesudelt blieb. So rettete ich Dir das Beste Deiner Rasse: Technik, Wissenschaft, Musik an Asiens Herz hinüber. Weil Du aus ihrem Werk an Wesen glaubtest, wie aus Schnee und Gold, kühn, arglos, wahr und anmutig, so wurdest Du dem Bildnis gleich. — Vor der Enttäuschung hielt ich Dich dann jahrelang zurück, hütete Dir Deinen weißen, so fruchtbaren Traum, wie ich gehofft, für immer. Ließ mich langsam sterben, damit Du bliebest. War alles doch umsonst? Nicht, daß ich Dir das Leid ersparen wollte! O nein, nur alle Kraft wollte ich Dir sparen für die sublime Zeit des Leids, damit Du ungebrochen, unverbittert, siegreich auf seiner fernen, großen, süßen Seite durchbrächst ans Licht.

Verzeih, wenn ich geirrt.“

Er küßte einzeln jede Zeile:

„Nein, nein, du warst im Recht.“

Stark, frei, sonniger als je ließ Horus Elcho sich wie im Triumph nach seiner Zelle bringen.

Er, den Sibyl im Haßstrahl als Lebenswucherer gesehen, saß am ligurischen Strand in seinem Landhaus und rechnete ab.

Lloyds hatten die Versicherungssumme wieder glatt ausbezahlt, wiewohl Selbstmord vorlag: ein überaus kulanter Betrieb. Den ungeheuren Grundbesitz hatte er an ein Hotelkonsortium sehr günstig verkauft. Es war eine seiner glücklichsten Terrainspekulationen gewesen.

Nur das von Sibyls Geld erworbene Land behielt er.

„Ich trenne mich zu schwer davon. Wieviel Erinnerungen an die Frau, der ich Jahre meines Lebens geopfert.“

„Brangäne“ wedelte zu ihm auf:

„Du hast ja so viel Pietät.“

Sie blieb, was immer geschah. War geblieben als Haushälterin, Maitresse, uneheliche Mutter, Zutreiberin, Komplize. Wartete, schlau und zäh, bis er ermüdete, und doch vielleicht noch ihre Stunde kam.

Er machte eine milde, bedauernde Bewegung mit der Hand.

„Ein Wesen, das mir so lange nahe stand: Ich mußte die Behörden verständigen, zu verhindern suchen, daß sie verschleppt werde, in einen asiatischen Harem. Daß eine Dame so weit sinken konnte?“

Dann, mit großen, braunen Augen, gerührt:

„Ich aber hab’ ihr längst verziehen.“

„Brangäne“ nickte verzückt:

„Du bist ja so gütig.“

Anmerkung: Das Zitat Seite 35-39 stammt von Theodor Fechner. Dem Vedanta Entnommenes folgt Prof. Paul Deussens Übertragung aus dem Urtext.

Sir Galahad

Im Palast des Minos Mit 12 Tafeln und einem Plan 2. Auflage

Zeiten und Völker, Stuttgart: Keine leichte Lektüre, dafür aber gehaltvoll und von tiefgründigem Wissen zeugend ist das Buch von Sir Galahad „Im Palast des Minos“. Von den Ausgrabungen Arthur Evans zu Knossos auf Kreta und den dabei gemachten Funden ausgehend, schildert das treffliche, mit 12 Autotypietafeln und 1 Plane des Palastes zu Knossos ausgestattete Buch des kunstsinnigen, namentlich auch auf dem Gebiete der Keramik wohlerfahrenen Autors, das Reich des Königs Minos in solch anziehender und mit einer Fülle tiefer Gedanken verwobener Weise, daß wir im textlichen Teile gern noch auf das bedeutsame Werk zurückkommen werden.

Von Sir Galahad bearbeitet und aus dem Englischen übersetzt:

Prentice Mulford

Der Unfug des Sterbens Essays. 75. Auflage

Der Unfug des Lebens Essays. 30. Auflage

Das Ende des Unfugs Ausgewählte Essays. 15. Auflage

Albert Langen, Verlag in München

Druck von Hesse & Becker in Leipzig Einbände von E. A. Enders in Leipzig

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):

... wehrt, an einem Wesen andern Ranges teilgehabt. ... ... währt, an einem Wesen andern Ranges teilgehabt. ...

... „Lohn“. War das noch Liebe? Alles Warmblühende, ... ... „Lohn“? War das noch Liebe? Alles Warmblühende, ...

... rief und frei, auf festlich erhöhtem Deck, endlich hinübergleiten ... ... reif und frei, auf festlich erhöhtem Deck, endlich hinübergleiten ...

... Jahre von seiner Mutter Tod. Waren ein unaufhörliches ... ... Jahre vor seiner Mutter Tod. Waren ein unaufhörliches ...

... Gegensatze zuzueilen. Ein schlichthin Infernalisches, dem ... ... Gegensatze zuzueilen? Ein schlichthin Infernalisches, dem ...

... Symbol verweigert. ... ... Symbol verweigert? ...

... „Sind das vielleicht Epouseure. Was treibst du dich ... ... „Sind das vielleicht Epouseure? Was treibst du dich ...

... mit solchen Buben herum. Sind das Aussichten?“ ... ... mit solchen Buben herum? Sind das Aussichten?“ ...

... erstenmal. Im Astoria war es schwer, in ihre Menkwelt ... ... erstenmal. Im Astoria war es schwer, in ihre Merkwelt ...

... heraufgefahren; wie kam man jetzt dazu. ... ... heraufgefahren; wie kam man jetzt dazu? ...

... Geselligkeit. Und doch: die gleiche kleine „set“ wie früher ... ... Geselligkeit? Und doch: die gleiche kleine „set“ wie früher ...

... Gegenartikeln, Polemiken, Hüt und Hot des Metiers, ... ... Gegenartikeln, Polemiken, Hü und Hott des Metiers, ...

... an seinen Kindern.“ ... ... an seinen Kindern?“ ...

... in immer neue schwingende Zahlen. Ihm andeuten, was ... ... in immer neue schwingende Zahlen? Ihm andeuten, was ...

... die Farben gehen. Doch nein, da war eine Grenze. ... ... die Farben gehen? Doch nein, da war eine Grenze. ...

... sich der Geist der dreifachen Raumes Gestalt erwölbt. ... ... sich der Geist des dreifachen Raumes Gestalt erwölbt. ...

... War seine Musterung indiskret geworden. Sie schrak ... ... War seine Musterung indiskret geworden? Sie schrak ...

... Nagel. Sie hielt ihn immer ängstlich weggesteckt ... ... Nagel. Sie hielt ihn immer ängstlich weggestreckt ...

... verbogene Kräfte im Menschinnersten selbst! ... ... verborgene Kräfte im Menschinnersten selbst! ...

... Doch war das alles nicht leer und gleich. Hatte sie, ... ... Doch war das alles nicht leer und gleich? Hatte sie, ...

... es persönlich, wenn auch als milder Psychiater, schon ... ... es persönlich, wenn auch als milder Psychiater, schob ...

... Verzögerung, und daß man die Erwachsenen hatte einsperren ... ... Verzögerung, und daß man die Erwachsene hatte einsperren ...

... Berlin, lernte den Skisprung bei Sarnström in Dalverne, ... ... Berlin, lernte den Skisprung bei Sarnström in Dalarne, ...

... Eine fremde Person kam herausgeschrurft: ... ... Eine fremde Person kam herausgeschlurft: ...

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