← Table of contents
Die Kakomonade

Viertes Kapitel.

Reading edition

Illustration from Die Kakomonade Ein Nachlaß vom Doktor Panglos, als ein Supplement des Kandide

Ob die Alten die Kakomonade kannten?

Man hat sich gewaltig ermüdet, die eigentliche Epoche dieser Begebenheit aufzufinden. Die Kakomonade hat in mehr als einem Verstande die Geduld, und den Scharfsinn der Kommentatoren auf die Probe gesetzt. Einige davon eignen die Ehre, sie auf uns gebracht zu haben, den Griechen und Römern zu. Sie sehen sie in geraden Linien aus Asien in Europa, von Athen nach Rom, aus Wälschland in Frankreich übergehn.

Sie legen ihr verschiedene Masken bei, derer sie sich nach und nach bedient habe, bis

Homer ist genau, sogar bis zu Kleinigkeiten. Er brachte in sein Gedicht alles, was er von der Medizin, Anatomie, Geographie, und Physik wußte. Er berichtet uns, daß man zu seiner Zeit ein Leckergetränk aus in Wein geriebenem Käse machte. Er spricht oft von der Venus. Er erzählt, wie sie Diomedes mit einer Lanze tief verwundete. Hätte er an dieser Göttinn das Geheimniß gekannt, das sie seit dem in Amerika besaß;

Diese Allegorie würde nicht die unsinnreicheste seines Gedichtes gewesen seyn. Sie wäre uns soviel richtiger gewesen, da Merkur wirklich von der Gegenpartei der Venus war. Kann man wohl glauben, daß dieser göttliche Dichter die Gelegenheit versäumet hätte, sie an den Ufern des Simois Angesichte der Griechen und Trojaner sich schlagen zu lassen? Wäre das nicht eben der Fall gewesen, wo er hätte vorstellen können, wie die Erde und das Meer in der Erwartung des Erfolges erschüttert wären, und die ganze Natur bei dem Anblicke eines Kampfes sich theilte, der ihr Schicksal entscheiden sollte?

Wie Schade doch, daß nicht Homer selbst in Person über diese Materie auf einer der zykladischen Inseln Erfahrungen machen konnte? Er hätte seine beiden Gedichte damit bereichert. Madame Dacier wäre uns erschöpflich gewesen, in ihren Noten über diesen interessanten Gegenstand. Eine derlei Erdichtung, in die Iliade verwebt, wäre für die Kommentatoren der vorigen und künftigen Jahrhunderte eine ewige Quelle von Zusätzen, Anmerkungen, und lehrreichen Gezänken geworden.

Es ist offenbar, daß es Homer angebracht haben würde, wenn er es gekonnt hätte. Hätten die Götter oder die Menschen zu seiner Zeit die Kakomonade gekannt, so würde er davon gesprochen haben. Sein Stillschweigen ist ein unstreitiger Beweis, daß bei der Belagerung Trojens, und lange Zeit darnach, Venus noch unschuldig war: sie ließ sich selbst verwunden, ohne wieder zu verwunden.

In den spätern Jahrhunderten lebten Hyppokrates, und nach ihm Galen in eben der Unwissenheit. Das Quecksilber schien ihnen nur in Rücksicht seiner Schwere, und seiner Flüssigkeit ihrer Aufmerksamkeit würdig. Die Helden, derer Gesundheit sie zu regieren hatten, waren nicht vernünftiger, als die unsern. Sie waren eben so lustig, eben so prächtig. Man hat uns das Detail ihrer Thaten in jeder Art aufbewahret. Wir wissen, wie sie ihre Liebesromane spielten, und wie sie ihre eisernen Lanzen schwangen. Aber wir sehen nicht, daß sie das andre Metall gebrauchten, zu welchem unsere Krieger so oft ihre Zuflucht nehmen.

Cäsar war ohne Widerspruch ein großer Mann. Man nannte ihn den Ehemann aller Weiber, und das Eheweib aller Männer. Wären diese vorübergehenden Beilager damal einem Ungefähr unterworfen gewesen; kann man wohl glauben, daß man, nachdem

Vom August sagt man wohl, daß er sich oft vor dem Feuer frottiren ließ; dieses könnte verdächtig scheinen. Aber es war ein Striegel, womit man ihn frottirte; und der ists nun nicht mehr. Er fand, wie Suetonius sagt, kein anders Mittel, um seine Gesundheit zu erhalten, und seine Haut zu jücken.

Weder Tibor, noch Kaligula, noch Nero, noch alle jene Wunder der Geilheit, denen die Beherrscherinn der Nazionen so lange unterworfen war, haben sich je des Quecksilbers gebraucht. Man sieht keinen, griechischen, oder römischen Dichter, seine Kraft besingen. Sogar diejenigen, die sich durch ihre Ausschweifungen verewiget haben,

Ovid, in seiner Kunst zu lieben, zeigt alles an, was man von der Seite einer Buhlinn zu fürchten haben kann, er spricht von den Gefahren, die mit dem Umgange mit einer herumstreifenden Schönen verknüpfet sind. Ohne Zweifel war hier der Augenblick, der Kakomonade, wenn sie auf ihn gekommen war, eine Stelle einzuräumen. Indessen sagt er kein Wort davon.

Horaz entrüstet sich über einen Knoblauch, der ihn in die Zunge gebissen. Hätt’ er wohl vergessen, in einer schönen Schreibart eine Verwünschung auf das Quecksilber zu machen, wenn er davon gejückt worden wäre? Voll Nervigkeit, und ohne Umschweife sagt er einem alten Mütterchen Grobheiten, die sich die französische Politesse nicht einmal zu Sinne kommen lassen kann; hätte

Eben das kann man von den Tibullen, den Katullen, den Gallussen sagen, welche die schädlichen Orte besangen, und besuchten, und also ohne Zweifel die Gefahren derselben, wenn sich deren gefunden hätten, beweinet haben würden. Sie theilten in sanfter Ruhe sich in die Gunstbezeugungen ihrer Mätressen mit dem Publikum; und klagten sie zuweilen über ihre Unbeständigkeit, so kam es nicht daher, weil sie für sie unangenehme Folgen gehabt hat.

Es ist daher klar, daß die Korinnen, die Lesbien, die Lykorissen, sonst weit unter den, * * * und den * * *, diesen dennoch in einem Punkte überlegen waren. Es bedurfte vielleicht nicht größerer Mühe, um sie sich zu unterwerfen; aber gewiß weniger,

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings