Der vierte Abschnitt
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Vierzehn Tage wohnte sie Mont Martre, stieg hinab zu den Hallen, nach drei Wochen war sie Mont Parnasse, geriet in ein falsches Haus; ein Kind fiel die Treppe herunter, sie nahm es hoch, es schrie. Ein Mann brüllte sie von oben herunter an, ging in sinnloser Wut auf sie zu. Sie strich das Kind über den Kopf, legte es der Frau an die Brust. „Verzeihen Sie“, sagte sie, schlug die Augen herunter und ging mit einer Stille, daß der Mann, verstummt, sie grüßte. Sie wohnte Rue Bonaparte, die so eng war, daß vor der Ecole des Beaux Arts nur eine Linie der Autos vom rechten zum linken Seineufer durchfuhr, und die ohne Pause zitterte. Sie bewohnte die Hotels am Boulevard Sebastobol, wo Huren und Apachen nachts schrien. Sie ging durch die Straßen, früh, mittags, die Nacht. Beim Löwen von Belfort sah sie Ringer und Stemmer in Trikots unter den Bäumen turnen. Kokotten pfiffen ihr nach. Rue Richelieu schlugen Huren sie nachts, weil sie glaubten, sie breche marodierend in ihr Männerquartier. Abends in der Olympia Bar fletschten vierzig Mulattinnen die
Sie wohnte Rue Gay Lussac. Ihr Geburtstag trüb Quai de Valmy. Kehrte zurück, als die Seine sie drückte, zu Mme Fleurquin, in das Zittern der Rue Bonaparte, Bäume schwankten Boulevard St. Germain. Square Monge erlebte die Überschwemmung. Rue des Bernardins verließ sie das Hotel im Kahn, half Emigranten retten, ward als Diebin verhaftet, lächelte sich frei. Ging auf die Mairie neunzehntes
Sie ging zum Löwen von Belfort, wo Ringer und Stemmer unter den Bäumen turnten. „Wie elend zum Kotzen dies Leben“, sagte ein gesunder Mann, der Postkarten verkaufte, mit weißen Zähnen lachte. Da brach eine fremde Frau in Tränen aus. „Haben Sie Hunger?“ frug Daisy mit einem Blick auf den Ellenbogen der Frau; die aber stieß ihr durch das Kreisloch den spitzen Knochen in den Leib, schrie, fluchte, drückte sich hinaus. Sie wohnte Porte Maillot, wo Métros aus der Erde stießen, Menschenmassen aufquollen, Korsos zum Bois wallfahrten, selige Benzingerüche in Parkwipfeln schäumten, lange Frauenketten in Wagen unhörbar, mit Pelzen und süßen Pferden zu Wiesen zogen. Sie wohnte Impasse Bérthier, Rue de la Rochefoucauld mit der Grabesruhe und Sacré Coeur blitzend darüber mit weißen Türmen, Rosenkränzen, Zitronen. Moulin Rouge brannte das Parterre aus, vom dritten Stock sprang ein dicker Offizier ab, zerschellte unter dem Flammenschein. Sie wohnte Quartier Ternes, fleißige kleine Bürger arbeiteten in offenen Fenstern. Stand Champs Elysées vor Luxushotels, sah Autos anfahren, gepflegte Frauen, helle Glacés, Skunks, weiße wundervolle Füchse. Sah
Einen warfen sie heraus neben ihr, zehn Meter unter der Erde, der zweite Keller, schrieen: „Sortez-le!! Peschärsche, Affenschwänze, Bauchzimbel, Irrgebrunste, Saligots!!“ Im Rauch fiel ein Sergeant gegen die bemalte Kalkwand, weiß im Gesicht, beugte sich im Gesäß. „Rotz-Lumpen“, er verschwand. Ein ungarisches Violinstück kam aus der Ecke. Sie ging über den Boden, in dessen Lehm ihr Absatz leicht sank, saß nieder der Bühne gegenüber unter dem zweiten Lampion. Ein Rosablusenmädchen besah im Spiegel die Zungenwurzel genau und angespannt, schüttelte den Kopf lachend gegen den Rauch. Eine unsichtbare Stimme, siehe, rief: „Schlaf mit mir, süße Freundin.“ Sie erhob sich und warf sich einer sanften Schwimmenden gleich in den Dampf.
Daisy stand mit ihr auf, ging zwischen gesäten Tischen, den Blick fest nach vorn. Ein altes Weib neben den Kulissen auf einem Faß zog über ihre schamlosen Beine einen Keuschheitsgürtel, stampfte im Tanz, grimassierte den Bauch, zwischen gelben Zähnen: „Elle avait un petit cadnaz . . .“ Auf der Bütte in dem Winkel gegenüber schwang die Kitschfanfare eines militaristischen Fanfarengauls. Sozialisten schrien sich am Ausgang zu: „Allons Camerades“, stürmten, warfen die Bütte um, schwangen einen Kreis um die Alte. Daisy stand auf, ging weiter nach vorn. Sie saß in der ersten Reihe. Auf der Rampe über ihr stand ein Mädchen, und die ungewöhnliche Zierlichkeit und Anmut ihrer Beine machte ein Loch in den Lärm. Daisys Blick blieb lange an der Biegung ihrer Lippen, dem Schwung ihres Leibes, der kindlichen aufreizenden Geste, mit der sie sich entzog. Sie saß nun ganz an der Spitze des ersten Tisches. Als im Vorgang des Schattenspieles ein schwarzes Mädchen ohnmächtig ward, der Mittelpunkt des Abends unter Gemurre schwankte, sagte sie entschlossen: „Ich“, trat hinter das aufgespannte Leinentuch, fand dort Renée, die den Stoff ihres Kleides prüfte, ihre Augen dicht ansah, lachte und sie küßte, neben dem Conférencier Philippe.
Sie lieh ihre Stimme einem Schwan hin, der an Philippes Hand grotesk in Schatten verzogen auf der
Sie gingen eingehängt zum Boulevard St. Michel, überquerten den Platz, hielten an der Boulangerie. Trabten weiter. Stießen auf d’Harcourt, passierten, liefen zur Bar, standen vor der Luxembourg-Fontäne, gingen in die Source, trieben heraus. Wurden aufgehalten, Philipp erkannt, umringt. Studenten schwenkten die Biretts, drückten aus ihren Mimis süße Schreie. Einer löschte die Laterne, einer kitzelte den Sergant de Ville. Sie zogen durchs Croissant, grüßten mit Zuruf Jaurès, stoben im Hinterzimmer über das Klappern der Jetons, warfen einen Spieltisch um, beknurrt vom Haß der Tische hinaus. Zurück zu d’Harcourt. Dann zur Source. Reichere Studenten schrien den Mimis Preise zu. Im Panthéon fiel ein Mann klatschend auf einen rundoffenen lackierten Hurenmund. Damen von dreißig bis sechzig Franken stießen verächtliche Parfümwolken aus gegen die Mimis, die frech und ängstlich an den Armen ihrer Freunde schwebten. Auf dem Boulmich verdrehte die Mimi Madeleine die Augen, fiel um, blutete aus einem Achselgeschwür. Sie schafften sie in die Brasserie Lorraine, gaben sie ab, saßen um einen Tisch, klatschten in die Hände, hoch im Rhythmus, wieder herunter und dann monoton in einer Schleife. Daisy schlich hinaus, vermochte
Sie stiegen durch die drei Hurenetagen zur sechsten der Artisten und Studenten, trugen Madeleine ins Zimmer Philippes. Er schlug sein Bett für sie auf,
Sie flog an einen schlanken Körper, der sie rasend küßte. Erstarrt hielt sie in dem Zug, der sie einsog, in Besitz nahm mit den Lippen, plötzlich schrie sie. In Renées Alkoven aber schlief sie im Traum die Nacht mit jenem blonden Skandinavier, der die erste Nacht, wo sie auf den Mann traf, bei Le Beaus Umarmung ihr die Nacht zerfleischte, sie hinaushob über die Seligkeit des Franzosen und sie an eine Wonne hochstieß, gegen die nichts im späteren auch nur gering bestand. Der mit der Hand aus ihr streng heraushob, was ihr Schmerzen machte bis dahin. Er tat nichts, was ihr zurückgab, aber er küßte ihr Bauch und Bein, durchwühlte sie, ward blitzscharf am Rande des Körpers, aber im Gesicht milder, als er sie verließ. Dies blieb in ihrem Schlaf, so daß sie aus dem Traum mit dem Engel glücklicher und befreiter erwachte als je aus
Sie hatte nur noch eine.
Für Madeleine, die ins St. Denis-Hospital gefahren ward, sprach sie allabendlich im Schattenspiel Philippes Sätze. Ward seine Angestellte, Vertraute, Sekretärin. Sie erlitt das Kneifen ins Bein zwischen den Tischen durchgehend, Zurufe Besoffener, während sie sprach und ihre Stimme einen Schmelz annahm, der sie nie beflügelt. Sie schrieb unter der Petrollampe seine Briefe, sein Diktat. Sie schloß, war er weg, die Dachluke, räumte sein Zimmer, besorgte seine armselige Wäsche.
Am Tage des Bastillesturms gab er drei Vorstellungen. Am Mittag darauf kam sie in sein Zimmer. Er schlief auf dem Stuhl. Sie suchte bis mitten in das Zimmer zu kommen. Dann schlich sie hinaus. Nach einer Stunde kam sie wieder. Er schlief noch. Sie preßte das Kinn wider die Brust, weckte ihn, gab ihm den offenen Brief, ihre Augen trafen sich, er nickte.
Sie gingen durch den Park, wo Kinder kleine Segelboote fahren ließen, durch Rosahüte, Militärmusik, sanfte Alleen mit Dogcarts. Kamen in Gassen, Geruch von Fischen, Kartoffeln, süßlichem Kinderschmutz. Eine Wolke Karbol umstand sie. Eine Schwester mit spöttisch grünem Blick versagte den Eintritt, Philippe sah sie an, nahm ihre Hand. Sie schwankte, öffnete die Tür. Als sie eintraten, lauerte eisiges Schweigen,
„Dies ist ein Zuchthaus.“
„Aber auch von St. Denis sehen sie den Himmel“, sagte Philippe.
Ihr Blick blieb nachdenklich, zugeschüttet, an dem glänzenden Lack der Kinderhüte und dem weißen Crepe, der die Hemden der Croquetspieler leuchten ließ auf der Luxembourgterrasse, als streichle er empört ihre Zartheit.
Abends nahmen und sperrten Apachen unter Jeannot das Café Guijas ihres Hotels. Sie blieben mit einem Teil, während die meisten Studenten und Mimis durch den Keller flohen. Jeannot mit sympathischen Augen aß mit Kameraden um einen Tisch, drei standen Wache. Nach dem Dessert zog er die schmale Ly herüber,
Sie legten sie in Daisys Zimmer. Um Zwei klopfte es. Philippe brachte zwei Männer, einer betrunken, der andere fiebernd. Sie teilte die Matratzen. Sie
Sie ward seine Begleiterin, nichts geschah ohne sie. An Betten, bei Kranken war sie hinter ihm. Sein Ausdruck flog ihr an. Mit seinem Wort gab sie Erhebung. Sie stand unsichtbar, ein sorgender Schatten, vor seiner täglichen Existenz. Sie wies Renée aus dem Zimmer, die mit den Waden nach einem Literaten kokettierte, die Stunde störte, wo er sich gab. Sie stand an der Wand, las er seinem Publikum, Russen, Kranken, Bettlern, Studenten. Ihre Seele schwang mit, glühte fromm mit seiner, pries er das Unglück, das tiefer forme, Hunde inniger, Pferde schöner mache. Sie bewunderte ihn, wie er gab, schenkte, sich teilte und verdoppelte mit einer Freude, die seinem Gesicht nie die weiche Erfülltheit nahm.
Sie strebte, ihm zu gleichen.
Sie warf jeden Gedanken aus dem Hirn, der von seiner Richtung abwich, kasteite sich, übertraf eine Stunde mit der anderen. Sie gab das Letzte, was sie trug, den Ring an Ly, die ihn bewunderte wie eine Legende, ihn vor Freude in den Mund steckte, darauf biß und ihn fast verschlang. Sie begleitete ihn zu Guigui, sprach mit ihr hinter dem Gitter des Gefängnisses, vergaß nicht den Zug des Rehhalses am Eisen, kam über die Korridore mit ihm heraus und begann, als die Sonne herabströmte, zu weinen.
Doch die unbewegliche Güte seines Gesichts brachte sie ins Gleichgewicht zurück und sie vergaß die Auflehnung und den Druck, mühte sich stark zu sein, ihn zu übertreffen.
Sie mogelte Geld in seine Kasse, hungerte um ihn, kürzte den Schlaf, brachte ihm Menschen, die sie instinktiv auflas, in seinen Abend, gab ihm, wenn sie beschwingter ihm folgten, einen Wirkungskreis, der öffentlich ihm fehlte, da er Elend lobte.
Sie sah ihn, Vorbild, gerührt ins Letzte, den Vorschuß des Café-Konzert an ein Kleid Renées geben, Essen für Guigui. Er speiste auf einer Bank im Monceau, damit sie nicht sah, daß er trockenes Brot aß. Sein Bett lieh er aus, blieb die Nacht im Stuhl. Er sprach freundlich zur Concièrge, obwohl er wußte, daß sie seine Manschettenknöpfe stahl. Lächelte, als das Sopha unter ihm brach. Ging still neben Ly, ohne Protest, als sie unschuldig wegen des Ringes als Diebin abgeführt ward. Sie sah mit einem schaudernden Mitleid, wie er sich verschwendete, Unfruchtbares tat jeden Tag, ohne Tat und Ziel, das half, wie er Hohn bekam, belacht, verschimpft ward, aber unrührbar blieb in seiner Weise.
Die Liebe aber zu seinem Vorbild wuchs daran über jeden Begriff, wuchs an jedem höhnischen Lächeln, das man auf ihn zielte. Bedenkenloser stellte sie sich vor ihn. Sie suchte noch mehr, ihm alles leicht zu bereiten.
Aber ihr Hirn erreichte selbst in der Opferung kein Glück.
Sie konnte, wo er sie gelehrt, tiefer zu schauen, die Abgründe nicht mit ihren Händen zusammenschweißen, die aus der Not verfluchter Zeit und dem Zwang, sie zu lindern, sich ergaben, und Dienen und Helfen schlugen ihr gleich Gewichten aus der Hand, wenn bei aller Hingabe keine letzte Befriedigung kam.
Sie blieb allein. Lief durch die Gassen. Erbleichte unter seinem Anblick, schloß sich ihm demütig an. Sie kamen ins Café, als Ly von einem Krampf ergriffen
St. Denis.
Das Wort schlug wie ein Hammer sekündlich in ihre Seele. Verheerte, verwüstete sie, trieb Wut heraus und Auflehnung, bis sie flammte. Schlichtete ihr Glaube sich an Philippes Nähe sanfter und demütig, ein jeder Besuch, ein jeder Tag rieb sie an der Unvollkommenheit, dem Irrsinn der Welt. Bald sah sie nur noch so, daß sie Kontraste maß, Distanzen spürte, das Riesige, was die Menschen schied und sie unglücklich machte, nur als geringe Strecke, als kleine Unterscheidung empfand und unverstehend blieb an der Hartnäckigkeit, mit der gestempelte Dummheit das Glück hintertrieb.
Samstag verschwand Renée, sie sah sie nicht wieder. Abends brach eine kastilische Mimi zusammen, spie das Lokal voll Blut. Man warf sie in einen Karren, er rollte los. Herauf schwankte ein Beerdigungswagen, ein Auto mit bemalten Kokotten schnitt die Bahn.
Die Nacht kam sie zu Philippe. Er hatte die Augen weit und sehnsüchtig auf sie gerichtet, wie sie, das Licht über dem nackten Arm, hereintrat. Sie ging bis an sein Bett, kniete auf das Holz. Sie neigte sich zu ihm, und es fiel ihr schwer zu sagen: „Wäre es nicht schöner, Philippe, du hättest Ly geholfen, statt mit ihr zu gehen?“
Er schwieg.
Dann sagte er: „Ich kann nicht bestimmen, auch du nicht, was ihr Glück ist. Aber ich suchte zu helfen, als sie litt.“ Es gab für ihn keinen anderen Weg.
Sie ging, sagte nie mehr ein Wort. Von ihrem Gesicht nahm stets sein Auge die Auflehnung hinweg.
Aber sie sah, wie das Café mit neuen Mimis sich füllte, wie die wieder verschwanden, zu rasch durchgekeltert, zerbrochen, verbraucht. Wie neue Wellen der Boulevard hereinwarf. Die Lues wütete. St. Denis sich füllte, gespeist aus tausend Lokalen, Schicksal sich vollzog, in der Maschine des Hospitals das Fleisch gesiebt ward, die beiden ersten Stadien noch mit Grazie vergingen, das dritte aber wie Pestilenz die jungen Körper durchwütete . . . . wie Verlebtes herausschoß, Angenagtes hineinkam, wie die Maschine kaute, fraß, schlang — — und nichts half an der Wurzel, nichts
Ihr Hirn jedoch bäumte sich dagegen und ihr Blut, das frisch mit den Dingen des Daseins strömte, daß er dem Ende der Tragödie sich nur hingab, in schon Zerschlagenem erst das Menschliche züchtete, statt an der Quelle groß und sicher die alten Schleußen zu zerschlagen und neue aufzubauen. Und mit Haß empfand sie seine große Begrenzung, die wohl das Eigentliche wollte und im Zerbrochenen gleich das Geläuterte sah, aber keinen Sinn hatte für Anfang und Ende des qualvollen Weges, der das Menschliche verdarb und vergeudete in einer ungeheuerlichen Preisgabe. Sie konnte nicht unterlassen zu denken, während er Madeleine sein Geld gab, ihre Geschwüre seien nicht, flöge ein Paragraph in die Luft; Guigui sei frei, blase ein Tapferer ein dünnes Vorurteil auf wie Seifenschaum. Wohl empfand sie süß aus jeder hilfreichen Bewegung, das Wichtigste sei, die Menschen zu bessern am Beginn,
Und mit der Berührung des Primäraffekts erlebte sie erst die ganze Rundheit des Daseins und mehr als je klaffte ihr von dieser Tiefe ihrer Existenz nur die eine Losung: „Hilfe dem Menschen“, und aus Dreck und Kot und Unzucht kamen die Übersicht und die Entscheidung in ihr Leben.
Noch hielt sie seine Güte, noch brach nicht aus, was sich wehrte, noch rührte die Liebe zu ihm und sein Bild sie zu solchem Mitleid, daß sie nachts hinausschlich, seine Schuhe reinigte, dem Kaffee, wenn er morgens an ihrer Etage vorbei ihn sich durch den Garçon bringen ließ, einen Zucker noch, den er liebte, hinzufügte, wozu sie eine halbe Stunde harrend auf der Treppe stand. Sie mühte sich, in die Seineantiquariate
Am Abend der Neuaufführung glühte der Kellereingang phantastisch. Die Stühle um zwanzig vermehrt. Sie stand im Kostüm halbnackt. Da arretierte ein Sergeant de Ville ihm die unersetzbare Sprecherin des Uhu. Das Spiel fiel aus sieben Minuten vor Beginn. Das Weib war im achten Monat, der Sergeant riß sie schleifend die Treppe hinauf.
Da überstieg der Zorn über das, was er am Guten verfehlte, an falschen Plätzen vergeudete und verpraßte und nicht aufhob für das Donnernde, das seinem Leben Ziel und Erhebung geben konnte, all das in ihr einen Augenblick lang, das an ihm hing. Geröteten Gesichts unter der Schminke bat sie heftiger, er solle sich wehren, nicht gefalteter Hand sich selbst zerstören und abbauen, statt zu schaffen. Aber er wehrte sie mit der Hand leicht ab und einem Ausdruck um den schöngeschlossenen Mund, daß ihre Hand, Verzeihung erbittend, die seine strich.
Aber sie verlor nicht das Gefühl, wie sehr die Unzulänglichkeit
Sie tanzte mit einem Lächeln, das sein Gesicht nicht ausließ, steigerte sich zu den schamlosesten Gebärden, hob Bauch und Schenkel, daß nichts ihr blieb, alles ins Publikum fiel an Reiz und Erregung ihres unbegreiflich schönen gebogenen Körpers. Während ihre Füße in Unzucht gingen, lobte ihr Mund nur sein Gesicht, forderte ihr Auge sein Lächeln.
Sie sammelte, durchbrach die knatternden Applause, stellte den gehäuften Teller vor ihn, strich über seine Hand. Ging.
In seinem Zimmer begann sie zu schluchzen. Sie sah sich um, verließ es.
Sie lebte vor Cafés, auf Imperials. Lebte Rue Richelieu, Rue Bonaparte. Kam Quartier Ternes, fuhr auf einem Karussell mit Affen am Etoile. Glühender Scheibe gleich sauste der Kreis des Daseins vorbei. Sie blieb draußen. Atemlos. Ohne Besinnung. Die Zähne aufeinander. Ohnmächtig Knie an Knie. Immer wars, es stürze wie über Terrassen das Gesehene und Erlebte ab von ihr. Ihre Verzweiflung trieb die hellsten Tage zurück. Der Papagei der Savoyardin
Frierend fuhr sie zurück.
Wohnte Trocadero, sah Flugzeuge silbern am Himmel surren. Rue du Château d’eau schlief sie bei der Concièrge, spielte abends in Porte St. Martin. Stand mit Heiligenbildern vor St. Sulpice. Wohnte Porte de Bercy, Bois de Vincennes. In einer Gärtnerei Neuillys goß sie Blumen, hütete ein Kind, bis es schrie und lief unter dem Schreien plötzlich davon. Stand fest vor der Porte Maillot mit „Intransigeant“, „La Presse“, empfing das Trinkgeld der Soldaten, hielt unter den Wasserpalmwedeln durchsausender Automobile, spielte Karten mit den Zollwächtern der Barrikade. War eine Negerin im Odeon, entblößte den Bauch und schwang ihn wie ein kupfernes Schild zwischen den zärtlichen Hüften. Hielt Narzissen in einem Kiosk der Place des Vosges. Stand auf dem Wagen der demonstrierenden Studenten der juristischen Fakultät, umbrüllt von Jugend, Benzin, Fleisch. Verkaufte „Les Trois Couleurs“, mit denen der „Matin“ den Deutschland-Frankreich-Rekordflugpreis des „Journal“ bekämpfte. Wohnte Rue St. Jaques, die barock vom Panthéon steil und dämmerig zum Boulevard de Port Royal steigt. Sah Madeleine aus einem Auto, verhüllte ihr Gesicht. Fiel zurück in das Getriebe, sah Gare St. Lazare die Auslandszüge über den starren Friedhof brausen, drückte Blériots schwielige Faust. Stieß im Louvre auf Guigui, die mit schwarzem Lorgnon, elegant gekleidet, an ihr vorbei auf einen zottigen Rumänen sich
Aus den Sonnenblumen des Rangunschen Weibergemeinschaftshauses brechend, schlug Stefan ihr die Arme um den Hals von rückwärts, drückte, schob einen Knebel in ihren Mund, warf sie auf einen Gaul, das Tier lag in den Knien, ein anderer Pferdekopf schob sich vor, sie war frei, da rasten die Gäule, eine Hand riß ihren Zaum. Sie ritten die Nacht durch. Ihre Augen zählten die Äcker, sieben Bäche, sie lauschte. Geräusche. Alarm. Wasserzüge leuchteten Metall.
Sie ritt mit ihm, der unter holländischem Lampenhut das Kostüm des nördlichen Chinesen trug, um die Wette. Schlief bei Tage. Fuhren nachts in Lagerfeuer. Eingeborene zwischen spritzenden Spänen sausten, die Fäuste in den Augen, in die blonden Felder. Ölbäume zitterten erregt unten in Ebenen. Sprach kein Wort mit ihm, nur an seinen Händen sah sie die Sehnsucht von Jahren. Als sie wohl ward, kniete sie, beugte sich über den Kopf, der quadratisch geschlossen schnarchte. Beugte sich tiefer, roch ihn, empfand die Gewalt,
Mitten trugen sie einen Alligator, vorn ein Parah mit Weibern für Bergradjahs. Die Armenier liefen beim Halt nach vorn, starrten in das Kattun. Daisy gab einem Ceylonier ein Messer für einen Esel. Er sah auf ihre Weiberhand, mißtraute ihr in dem Jünglingsrock mit abgeschnittenen Haaren, bedachte, es sei ein politischer Emissär, meckerte, sah Rebbach in der Beziehung, blieb treu neben ihr. Abends hob sich der Kattun des Vorderkamels. Hüften schaukelten prall und weiß. Ein Tuch fiel. Eine Auge grell nach Fleisch suchte das ihre, die Lider senkten sich, der Kattun verschluckte nicht das Zeichen. Es galt ihrer männlichen Kleidung, der tänzerinnenhaften Bronzeschlankheit. Am Morgen kreuzte sie eine Karawane. In der zweiten Reihe ritt Stefan auf sie zu, sie erstiegen
Als ihr die Milz schwoll vor Feuchtigkeit, Fieber ihr Hirn verwirrte, trug er sie am Leib an einen Sonnenabhang. Das gesteigerte Blut wehrte sich, sie schlug ihm das Gesicht auf. Als das Licht das Fieber aus
Je mehr er besaß, um so stärker zog er sie in den Kreis, den seine Kraft um sie schloß und sie bedingungslos ihm gab. Bronzekörper fielen hinter sie zurück, Geschlitzte trieben Yaks auf Abhänge, tranken Alkohol, schrieen die Nacht. Er band sie mit jedem Gedanken, als es schneefrei ward. Ihren Willen schied er aus. Seinen pumpte er ein. Ihr Schritt ward bestimmt. Das Moos für den Fuß bezeichnet. Selbst ihren Gang, da das Unaussprechliche ihrer Ergebung ihn wie mit tausend Widerständen peinigte, regelte er nach Tempo, Biegung, er hätte versucht, sein Blut ihren Adern einzuführen, das dunkle Letzte suchend, was er besitzen wollte. Die Nacht nahm er ihr die letzte der achatnen Kugeln. Im Morgengewölk entblätterte die Spitze. Ein schnurgerader Weg in Fels gemeißelt blitzte hinauf. Links, rechts sausten Abgründe. Am Ende oben stand ein Bau. Zweimal stieß Stefan vor, kam zurück. Das drittemal war er bleich. Er untersuchte die Abstürze, den Stein, blieb die Nacht weg. Am Morgen kam er: Aus. Rot im Weiß des Auges. Die Hände hingen schlaff. Sein Mund murmelte die Stationen, die in vier Jahren die Sehnsucht ins Irrsinnige gesteigert: „Paris . . . Marseille . . . Kalkutta . . . Pegu.“
Sie lächelte, band den Gürtel schräg, torkelte, strich die Sandalen ab und ging mit einem kühlen Schatten neben sich los. Auf das Tor zu. Klopfte den vierfachen Rhythmus, es schloß sich hinter ihr. Sie glitt in die Welle, die im Kreis des Hofes brauste. Senkte den Kopf, schritt mit, strich nach zwei Stunden von der Peripherie, sah ein gelbes Band, kam in den zweiten Stern, sprach eine Minute, glitt durch die Barriere in die innere Drehung. Die gelbe Binde verschwand, bückte sich. Ein anderer wiegte an der Seite. Sie kam näher der Kuppel am Mittag. Der Kreislauf faßte sie enger um die Mitte, schlang sie ein, trieb sie in den innersten Kern, sie flog von Schleife in Schleife, glitt an ein Metall, es erzitterte, nach fünf Minuten kam sie bleich mit einer Tafel. Den Kopf gesenkt, die Welle nahm sie auf. Langsamer und vorsichtiger spie sie sie aus. Ihr Bein tat weh im Torkeln, aber das vergangene Jahr verließ sie nicht. Sie strömte durch das Brausen, die Flügel des Umschwungs geleiteten sie mählich, hochmütiger aus dem Herz des Sternes. Gegen Abend zog die Menschen-Mühle mit Schweigen, sie bog in die äußerste Peripherie, stand abgestoßen vor dem Tor.
Es war dunkel. „Komm“, sagte sie.
Sie überschritten den Steg, ein schmales Tal schmiegte sich entlang, am Ende ein Tor. Die Türen sperrten, die Nacht zischte in der Laterne, die ihr Gesicht überflog,
Sie sieht ihren schmalen bronzenen Körper im tiefen Glanz des Spiegels erscheinen. Sie reißt das einzige, was außer der leeren Halskette an ihrem Leib ist, von ihrem langen Schenkel über dem Knie das Band, zieht die Schließen an. Verkauft die zwei Perlen. Im Palankin fährt sie ins Hafenquartier, klopft, verschwindet. Fährt im Männeranzug im Wagen zurück, mit dem kurzgeschnittenen Haar einem Mischling gleichend, zu einem Magazin, füllt einen Koffer, fährt zu einer Pension, nimmt einen Raum. Dort klirrt die Glocke des Rockes um ihre Hüften, zögert die wundervolle kleine Brust in der Bluse. Da reitet, ißt sie als Herr.
Ihr Mund hat einen hinreißenden aufbrechenden Zug. Das Auge sucht, hebt sich, erstarrt, sinkt. Von zwei Seiten durchwühlt sie den Menschenhaufen. Er fällt nicht vor ihr zurück, gleitet nicht mehr ab. Sie reißt, aus der Einsamkeit her gesammelt und hoch schon über jeder Enttäuschung, zu sich jetzt, was sie erwittert. Das Auge glättet, schmeißt auf, enthüllt, zerlegt . . . die Pupille sinkt. Innerlich voll Spannung, fiebernd erregt. Nach außen, von vieler Erfahrung her, demütig überlegen. Als Frau zieht sie den Mann an allen Instinkten, reizt ihn mit Geist, mit der Drehung der Hüfte. Spürt seinen Blick im Ausschnitt, im Nacken. Sieht den Mut seiner Erregung, führt ihn, zieht ihn nach, sieht endgültig vor Zielen, Aufgaben ihn entflammt
Mischt sich in einen Streik, schmiegt sich an die Leitung, spürt, wittert, die Pupille sinkt. Schon mißt sie den Einzelnen, den sie sieht, auf seine Befähigung, richtet ihn nach ihrer Forderung, fast nach dem Geruch, durch den untrüglichen Instinkt, der sie vorwärts führt. Sie sieht einen Gentleman einen Hund mit Lebensgefahr retten, pflegen, säubern. Sie schließt sich ihm an. Sein gutes Herz sieht nur den blinden Einzelfall, spannt sich nicht aus. Sie zuckt die Achseln. Nicht genug. Die Pupille sinkt. Im Klub mit Abenteurern spürt sie Fabelhaftes, aber es vollzieht sich nur aus Rausch. Verschwenderisch, doch unbrauchbar. In der Tiefe die
Ein Schuß pitscht. Sie weicht zurück, fast umgeschleudert. Ein Auto biegt vor dem, welcher schießen will. Ein Arm aus dem Auto greift die Hand, schleudert die Pistole mit einer unbeschreiblich ablehnenden Gebärde auf den Rasen, springt hinaus, tritt darauf, reißt den Mann mit sich in den Wagen. Sie hört ihn sagen: „Ich habe andere Aufgaben für dich.“
Die Pupillen stehen weit in Kreisen glasig erhellt, offen, bekommen Facetten, glühen vor Licht.
Sinken nicht. Sie springt in den Wagen. Sie nehmen
Jeden Traum sah sie in seiner Hand schon fertige Waffe. Keine Ahnung, die ihm nicht schon zum Abfeuern geladener Plan. Sein Glaube war so ungeheuer, daß er ihn schon jenseits der Ekstase mathematisch beherrschte. Aus dem Herz die Flamme gerann ihm im Hirn. Seine Kühle war unbeschreiblich über dem barbarischen Feuer, das gebändigt darunter tobte. Selbst Raffaelis fanatische Unerbittlichkeit schmolz, Gordons nicht ausmeßbare Aktivität folgte nur seinem Druck. Ihr schwindelte, wenn der Tag sie in die fassungslose Nacht entließ, wo ohne die Gemeinschaft das Ganze in Schlagschatten
Als sie den Boulevard heraufkam, stand, die Hände über den Augen, Raffaeli an der Ecke. Sie nickte. Er verschwand. Um zehn Uhr betrat sie das Cafe Rue Guijas. Drückte sich bis zur Wand, schob die Achsel vor. Vier Frauen standen am Schießapparat, zielten, schnellten den Hebel, schossen für einen Sou die Freimarke zum Café für vier. Sie gelangte ans Büfett, ein Mann stieg vom hohen Stuhl. Sie kletterte, der Neger im Hufeisen ließ eine Tasse in der Schiene gleiten, ein Porzellan mit Gebäck, erhaschte sie mit einem Schielblick, schob einen Brief nach. Sie hatte Röte an den Schläfen. Sah fest nach dem Eingang. Während Mädchen an den Wänden hingen, sangen, plärrten, Queues das Billard umkreuzten, trieb trotz der Frühe eine Unterschicht herein, breitete sich aus, füllte heftiger, ein Zittern durchlief die Körper der Gruppen. Sie drängte weiter. Auf der Erde wieder wand sie sich herum auf dem Absatz. Der Ire stieß sie zur Seite, brach sich zum Apparat durch, griff
Da begann ein Wirbel von der Tür her durch die Menge durchzufluten. Der Raum zitterte, die Luft kam ins Wogen, die Masse brach nicht. Eine Kette schob vorbei zu den Nischen, eh der Kern sichtbar ward. Sie wurde gegen die Wand geschüttelt. Fester sog sie sich an dem Eingang fest, mehr glühte ihr Auge dorthin, ihr Leib streckte sich unmerklich in diese Richtung. Dabei drehte die abgeschobene Kette neben ihr um, es gab freieren Raum, im Vorbeihuschen sah sie einen Augenblick Philippes Gesicht. Zum erstenmal grüßten sie gegeneinander wieder. Da sie nicht mit Worten dastand, unter denen sie litt, sondern wie an keinem Tage heute zur Höhe getrieben, entflammt, kam einen Augenblick Triumph in ihren Mund. Doch sie hielt ihn nicht. Wurde sanfter in den Lippen. Was sie erfüllte, gab ihrem Hochmut Duldung für ihn. Er hatte sie schauen gelernt, die Liebe gezeigt. Sie sah ihn abgeglitten von der steileren Aufgabe, rechnete nicht mit ihm, der sich lächelnd nach innen hinein abwandte . . . Schon löste sich ihr Auge hiervon. Im Vorderteil hob sich Tumult. Die Mitte drehte sich in einer Spirale, durchdrang sich. Aus der Eingangstür kamen Kommandos. Sie reckte sich ganz hoch. Bestimmungen erschollen. Parolen. Ein Schild schwankte. Meerhaft wogte die Gruppe. Noch höher, unbedingter wuchs sie in die Richtung.
In ihrer Hand lag der Brief. Er las nicht, nickte, sprach schon zur Seite. Nur wie er zur Uhr, hastig und scharf, sah, bewies ihr, wie heftig er sie erwarte. Sie ging. St. Sulpice schlug halb zwölf. Quetschte sich durch die Haufen, eilte, bog in Rue Monsieur Le Prince. An der Ecke kam in das Fliegende, Stolze in ihr eine Traurigkeit, die ihr Gesicht rötete. Sie ging durch den sonnenleeren Garten, durch die Wolke Karbol. Stand an Renées Bett. Die Schwester beugte sich darüber, nahm ein Tuch weg. Das Gesicht im Krampf zerrissen, in der Mitte eine Höhle, aus der pilzig Fleisch wucherte. Die Lider fielen Daisy, sie suchte einen Ton. Fand keinen Ton. Die Schwester suchte Renée zu wecken. Unmöglich seit Tagen. Sie atmete, stank, sprach nicht mehr. Drei Jahre spannten sich von dem Gesicht zu dem ihren. Wie sie sich bückte, blitzte der Glanz vor ihrem Auge, mit dem, unvergleichlich und bezaubernd in der Schönheit der Beine, Renée die Hüfttänze in Genf gewiegt. Sie sah das andere nicht mehr, bog sich tiefer, mit dem Mund zum Ohr: „Es wird gut sein, Geduld.“ Malte, schilderte, versprach, hörte nicht auf mit der Tröstung. Aber Renée hörte nichts, sperrte röchelnd den Mund kreisrund,
Schatten fielen aus den feuchten dumpfen Gassen, in Lücken glitzerte gewitterig die Sonne. Sie spürte das Stück Schuld, das, neben der Welt, sie an diesem Kadaver trug, aber wie alles Elend dieses Tages löste es Freude in ihr, trieb in ihr hinauf, denn sie empfand es als Ende. Von hier begann das Glück. Freude ging über ihre Zunge, Verantwortung und Glaube machten eine Sicherheit in ihr, die undurchdringlich ward. Gordon befreit, Kasernen gestürzt, europäische Mauern gesprengt . . . neue Beziehungen trafen von Herz zu Herz. Es kam als Strom, sie empfand Contis Herz. Sie empfand, wie er sie besaß und erhob. Eilte, fing alles Unglück ein, nahm es mit, verarbeitete es . . . nichts konnte es antun ihrer Entzückung. Keine schöne Taube würde sinnlos zerstört, kein Schoß zertrümmert, kein Wahnsinn herrschte, tat Unrecht, verdarb, sie kämpfte sich weiter auf den Boulevard, traumhaft befestigt in klarer Ruhe, machte Bogen. Die Straßen hingen voll Gedränge. Um Eins kam sie Rue Guijas, sprang in einen Wagen. Sie hörte Erfolg. Streiks im Borinage, in Brest, in Perpignan,
Der Verkehr stockte. Um halb Drei sperrte Gendarmerie die Eingänge der Seitenstraßen. Die Seitenstraßen standen gepfropft mit Menschen. Der Boulevard stand kilometerweit schwarz. Fahnen zeigten die Kolonnen. Plakate riefen das Volk auf. Eine dünne Kette Polizei stand zwischen der wogenden Masse des Boulevard und dem Druck der Nebengassen. Um drei brach die Masse los. In der ersten Reihe Gordons Bild. Malerei gegen die Legion. Hinter den Führern mit Schärpen Di Conti. Der Zug schwankte, zog langsam zum Montparnasse, machte eine Schleife, stand um Vier wieder am Observatoire, eine Lawine. Um dreiviertel Vier waren die Häute gerissen, die Gendarmerie überschritten. Alle Seitenstraßen mit hermetischem Druck in den Boulevard hineingeplatzt. Die Masse brodelte an der Spitze. Einer sprang vor, reckte etwas, immer höher. Es schoß los.
Alte Gesichter kamen, junge kamen, Weiber. Straßenbahnwagen, hunderte, hintereinander, besät. Automobile dazwischen. Ohne Musik. Schritte gingen in dem Boulevard, vereinigten sich, gaben einen einzigen Ton, der sich band, hallte, brauste. Die hellen Normannen, ehemalige
Di Conti sprach.
Die Kühle war gerissen, die Flamme schlug vom Denkmalrand. Der Donner machte das gefüllte Platzbassin totstill. Er bückte sich wie ein Ringer, stieß den Arm zum Kreis, zwang die Stille noch tiefer herunter. Sprach. Formte im Reden die Gesichter unten, zerrte sie auseinander, wischte sie aus, entleerte sie. Riß sie rasend hinauf, verklärte sie langsam, füllte begeistert an. Zog die Reihen, sanft einander verschmolzen, dichter heran. Wuchs. Stieg höher, stand am oberen Rand des Denkmals, bog den Nacken zurück, rang einen Augenblick die Hände, entfaltete sich mit einer ungeheueren Bewegung, zog die Masse mit auf, warf sie auf, über sich ihre Herzen, stemmte sie höher, fabelhaft sich entfaltend, hoch die Arme geschleudert, wankte und wuchs mit der Last, die er hielt.
Sprach.
Ging auf der schmalen Leiste des Bassins hin und her, atmete wie ein Pferd, zog die Menge im Krampf zusammen, quetschte sie aus, hieb das Bittere in ihre Visagen, machte Drohung, bestürzte Wut aus den Mäulern, donnerte, roch den Zorn aufgeballt. Faßte rückwärts,
Er verschwand unter ihren Füßen.
Das Ufer herauf, rechts, links, ritten Kürassiere, Haarschwänze vom Kupferhelm auf dem Rücken tanzend, Karabiner auf dem Schenkel, warfen sich vor die Brücke, bewachten vor der Emeute des linken das rechte Ufer, das Herz der Stadt, Boulevards der Bourgeoisie. Die Wellen kamen, gedrängt, gedrückt, spieen heftiger an, schlugen wider die Gäule. Sie riefen: „Camarades, Freiheit, Hunde, Hunde.“ Sie sahen in die kleinen dunklen Löcher, auf das Metall der Drücker. Der Stoß in ihrem Rücken stürzte sie in Massen gegen die Pferdeköpfe. Ein Pflasterstein flog. Es knallte. Steine stoben durch das Licht, sausten. Eine dünne Stimme rief: „Tirez.“ Die Kürassiere zitterten, die dunklen Löcher hoben sich über den Schenkeln höher, steiler, feuerten in die Luft. Vom Blut der Stürmenden ging es hinüber auf die anderen, durchdrang sie, säugte sie. Die dünne Stimme schrie wie ein Triller. Ein Mann gab einem Soldaten die Hand. Die Säule stieß durch, ein ungeheurer Schrei. Körper an Körper gedrängt, Soldaten, Arbeiter, hatten einen
Vom Brunnen fiel Di Conti, einen Schuß in der Weiche. Von der unteren Seineseite durchstach eine Kompagnie von hinten enge Gassen, kam seitlings auf den Platz, trieb einen Keil in die dünne Masse. „Weg du“, schrie ein roter Bart. Eine Frau hielt vor Schmerz blaß die Hand zwischen die Knie. Die Masse floß in den Brückenstrudel, abgelenkt, gerissen. Das Denkmal ward umzingelt. Di Conti aufgehoben . . . hinter Bajonetten gesichert. Daisy warf sich auf ihn. Sie schlugen ihr eine Koppel auf den Kopf. Sie konnte die Hand nicht rühren, ließ nicht nach, biß sich in seinen Rock. Ein Druck kam auf ihren Kopf, das Gesicht von ihr ward schwarz, noch einmal flüsterte sie: „Conti —.“ Die Masse begriff, schäumte auf, warf sich herüber, gegen den neuen Kordon, feuerte ihn zurück, Daisy ward zurückgetragen. Conti schleppten Soldaten durch die Gassen in die Métrohalle. Zu spät.
Aber er lebte. Zwei Tage war Daisy irrsinnig. Dann empfing sie. Kühl, Dame, Freunde nahmen ihre Hand: „Wir werden ihn befreien.“ Deputierte
Die Lichtflut stieß Breschen ins Dunkel. Die Seine floß gläsern unten. Sie sah einen Schatten, er löste sich von der Pforte und glitt an ihr vorbei. Sie drückte ihre Hand fest in seine, das Papier knitterte. Ein Wachtraum im Keller sprang auf, dreigezackt brannte ein grünes Gaslicht schmetternd gegen den Kalk. Sie legte ihre Hand auf den Tisch. Als sie sie zurückzog, blieb etwas.
Sie trat in das Büro ihrer Gesandtschaft. Sie ging durch drei Räume. Ihre Karte lief vor ihr. Fünf Minuten sprach sie mit einem eleganten Herrn mit exotisch flimmernden Augen. Sie gab ein Telegramm auf an ihren Vater. Darauf gab ihr der Herr seine Karte mit einigen Worten.
Damit fuhr sie die Champs Elysées hinunter, Bäume streichelten die Luft, Helligkeit und Süße wob in den Zweigen. Sie fuhr darunter hin, unbeteiligt. In einer Schleife glitt der Wagen ins Riesenbassin der Concorde . . . der Wagen glitt, bog, hielt. Über die Teppichstufen des Ministeriums. Aufgehalten, mit der Karte durchbrechend, gehemmt, vor Achselzucken, lächelnd, die Karte vor sich . . . sie stand in einem Salon. Ein schöner Mann im schwarzen Schnurrbart, der elegisch das Kinn rahmte, trat ein, stutzte. Sie ging mit raschen Schritten an den Tisch, legte ein Bündel in perlgeschmücktem Etui auf die Kante. Sein Blick leckte nach ihrem Hals, zögerte, fiel auf den Tisch, er verneigte sich, stieß eine Tür auf. Ein größerer Salon. In der Mitte eine Jungfrau, die auf einem Brabanter ritt. Die blaue Seide der Wände, der geschwungenen Stühle verwirrte, sie lernte die Teppichmuster, sagte immer ein Wort, ein Wort, ein Wort. Eine Stunde. Ein grauer schmaler Herr trat ein, hinkte, ein Monokel an schwarzer Schnur flog ins Auge. Er war nicht groß, kam langsam näher, äugte,
Vierundzwanzig Stunden vorher speiste Conti, verdrehte die Iris, schwankte, bekam Kälte in die Finger, Blei in die Knie, verzerrte die Zähne über die Regie der dritten Republik, die selbst die Einrichtungen der Küche pragmatisch ordnete. Als Daisy morgens heimkam, war Di Conti tot. Sie kam hin mit einem Gehenlassen der Glieder, das alles hinter sich hat, abgeschüttelt, selbst ohne Erkenntnis und Bedeutung des Opfers, innerlich lediglich gerichtet auf das Ziel.
Sie bog die Lippen tiefer, versteinte an den Schläfen, zwischen Wange und Mund. Was konnte noch kommen? Ein Telegramm Fidleys: Pa tot. Sie legte das Papier auseinander, legte es zu dem anderen, frühstückte, badete, ließ sich massieren. Fuhr in den Luxembourg, fuhr zurück. Am Abend in die Oper, Verdi rauschte, Sommerhimmel erbrausten, sie speiste, schlief. Stand auf am Morgen. Nichts war zu schlagen. Je mehr sie spürte, was sie verlor, um so ungeheuerlicher fühlte sie aus sich brechen das Bewußtsein der Stärke und der Sammlung. Allein nun empfand sie, wie gefüllt und selbst sie war, voll, traubenhaft geschwellt, ausbiegend
Pa tot. Fidleys Telegramme, Weisungen stäubten. Es geschah am Horizont. Syg einem Mann gefolgt. Es geschah in der Ferne. Ihr Mittelpunkt blieb unerregt. Der Körper hielt stand. Der Geist sah manchmal Bilder. Raffaelis Bruder, Arzt, sagte, wünschte, befahl Erholung. Sie machte eine kindliche Gebärde. Er verstand. Sie wurde klug verführt. Sie fuhr mit Briefen, Papieren Contis zu Freunden nach Kopenhagen. Der Platz der Zusammenkunft war leer. Die Fahrt im Zug war dumpf, ausgespieen fuhr sie, allein, dennoch voll Glut. Sie mußte weiter nach Christiania. Nach zwei Tagen stand sie am Hafen, traf Fribaurt nach einer schmerzlichen Sitzung. Er fuhr mit der Segelyacht nach einem ungewissen nördlichen Punkt. Sie nahm es sofort. „Ich komme mit.“
Die Tage füllten sich mit dem und jenem, Ungenauem, doch ungeheuer in der Berührung mit schrankenloser Natur, Menschen, deren Geist abgewandt war, mit denen der eigene sich schön traf beim Rauchen, dem Reffen der Leinen, Hinaussehen auf glatte See bis zu entfernten Dampferwolken. Inseln kamen. Riffe türmten sich wie steigende Esel. Gedörrte Fische hingen an den Felswänden, wie sie die Ufer hinausfuhren. Granit, Urblasen erstarrt, schaukelte bunte, rote, grüne Häuser wie Spielzeug. Auf den Klippen saßen Rypen: „ka . . . bauh.“ Schneehühner: „j . . . ak — j . . . ak.“ Es rauschte. Ein Kreis mit heißen Wallungen bäumte um sie. Sie badeten in einem Fjord, abends ward das Wasser papageirot. Jerkins, Christianias größter Jäger, stieß auf ein Signal mit der Kupfertrompete dazu. Kam mit Schneeschuhen aus dem Gebirge. Stunden, ehe er einlief, sahen sie ihn im Glas oben wie ein metallenes Insekt flitzen in Stemmbogen und Telemarks. Ein Tal kam aus den Felsen gegen das Meer geflossen, grün, schwärmerisch. Sie übernachteten im Dorf. Am Ende, eingekeilt, schon zur Ebene zu, hing über Sandwüsten ein weißes, Licht schleuderndes Haus. Jerkins führte im Bogen heran, sein Finger überschrieb die Gegend: „Nördliche Lepra“. Der Kreis war verseucht. Er zuckte die Achseln unwillig, sah Daisy ins Gesicht, führte sie dennoch heran. Zerfressene Gesichter sahen aus den Fenstern: „Hüten Sie sich.“ Ein Schrei.
„Geh in meine Kajüte.“
Der Schiffsjunge schloß die entzündeten Augen, kroch in die Kabine und schlief sich aus. Sie lag unter dem Segeldach und gab statt seiner acht. Das Steuer war angebunden, die Luft ging ganz stät. Die Lappin wurde aufs vordere Verdeck gerufen. Die Sonne malte auf den Holzplanken. Fribaurt und Jerkins lagen auf dem Bauch. Das Weib mußte sich legen, äugte schielend mit schrägen grünen Augen nach Daisy. Sie spielten Karten, lernten die Lappin zum siebentenmal an, schlugen Atouts auf den Boden, das Weib lauerte, bekam einen Rippenstoß, zuckte, legte klatschend mit fetter Hand ihre Karte nach. Die Segel schlappten plötzlich, klatschten hohl hin und zurück zum Großbaum . . . eine Musik umschwirrte sie . . . eine Wolke Papageitaucher, die wie Rypen zirpten, flog eilig nach dem Land. Jerkins schoß, auf dem Rücken liegend, eine Möve, die hinter ihnen her war, fischte sie herein, zog ihr, die schrie, Kopf und Atlas ein wenig auseinander. Vorbei. Er fuhr mit der Hand in den orangegelben Flaum und ließ die Federn einzeln zu Daisy fliegen. „Schöne Frau von der Seefahrt.“ Fribaurt sang mit dunklem Bariton. Der schaukelnde Wind ließ nach, das Meer ward
Das Ufer neben ihnen, ein hoher Damm, scharf vor den Himmel gelegt. Auf ihm fuhr in gleicher Linie wie sie ein Pferd. Es zog ein Karreol, flach und groß wie ein Kanoe. Drin saß ein Mann. Sie fuhren nebeneinander. Fribaurt deutete mit der Spitze der Pfeife nach ihm. Der Wind zog stärker. Die Blase des Segels neigte sich schaumig gegen das Wasser. In silbernem Regenbogen hing eine Springwelle an Lee. Sie starrten hinüber. Es war, als bewege sich keines, nicht sie, nicht das Pferd, . . . als blieben sie festgehaftet wie Brennpunkte in dieser Ovalen von Himmel und See. Fribaurt zog die Augen zu Schlitzen zusammen. Jerkins, die Hände vor dem Mund, die Brust aufgesogen wie ein Schwamm: „Hall . . . lo . . . o!“ Sein Organ schlug den Wind mitten durch und traf drüben auf. Der Wall schickte vier Echos herüber. Keine Antwort von dem Mann. Jerkins quoll blau am Hals: „Hallo . . . y . . . lo!“ Eine Pause zitterte, die dünnen Echos quirlten . . . dann kam die Antwort, kalt: „Holla!“ Jerkins stand am
Jerkins warf das Ruder herum, halste, das Ufer zog sich tief zurück . . . um eine Halbinsel, einen kleinen Fjord. Der Berg hob sich von zwei Seiten. Auf der jenseitigen mitten in der Spirale peitschte der Fahrer sein Pferd, am Ende des anderen Abfalls lag unten Aarvik. Sie warfen Anker, gingen im Beiboot ans Land. Ein helles Wirtshaus mit einem Garten, die Terrasse mit Bäumen, dahinter die Ebene vom Morgen . . . die flimmerte . . . unten am Fluß mit roten Dächern Aarvik . . . idyllisch unter dem Berg. Auf seiner Spitze hob sich eine Flamme Staub, das Pferd kulminierte, die Karriole kam in die Schleifen des ihnen zugewandten abfallenden Teils, verschwand in einer Schlinge. Nach einer Viertelstunde klapperte sie an hinter dem Haus. Ein Schock Matrosen lungerte
Jerkins schlenderte, die Hände in den Taschen, ins Haus, kam zurück. „Wer?“ fragte Fribaurt. „Sven Mair.“ Daisy bog sich zu Fribaurt: „Wer ist Sven Mair?“ Fribaurt lächelte mit dem Schnurrbart, strich seine Hand mit der anderen: „Jerkins Feind.“
Die Zimmer lagen nach der Seite des Flusses. Eine lange Nacht voll Geräusche. Die Hunde bellten, wurden plötzlich still. Aus dem Bootshaus soffen die Matrosen in die Gegend, sangen, rollten langsam in ihre Kabinen. Kurz die Stimme des Fremden unter seinen Leuten, dann Stille wie Blei. Das Meer stand in uferlosem Schweigen. Die Felsen kühl und geheimnisvoll über dem Wasser, panische Stille . . . sie schloß unter ihrem Druck die Augen. Stunden gingen. Schlaf und Wachsein verschwebten in einander. Plötzlich riß sie wilder Spektakel auf. Sie eilte ans Fenster. Zwei Karriolen rollten vor das Haus. Die Nacht war weiß. Kupfriger Schein spann über die Landschaft. Drei Burschen bläkten die Zähne, schrieen:
„Sven.“
Schritte gingen über ihr, die Gesichter schauten hinauf. Ein Pfiff, ein gedämpfter Ruf von oben: „Skideriks.“ Sie grinsten nach oben. Ihre Nasen, ihre Ohren, die Farbe der Augen — alles sichtbar. Angelgeräte auf den Wagen, die Pferde bissen schaumkauend auf dem Eisen. „Sven . . .“ Da trat er heraus aus der Tür unter ihr, ein Schatten lief vor ihm rasch über den bläulichen Boden. Er hatte Lachszeug über der Schulter, schmiß es in seine Karriole, krempte die Hosenbeine bis zum Bauch, nahm zwei Pferde, trieb sie in den Fluß. Schreiend warfen die aus den anderen Karriolen sich auf die Gäule. Der Fremde drehte sich um, sah nach dem dritten Gaul, bis an die Knie im Wasser. In der Helligkeit sah sie sein Gesicht. Da wuchs aus der Nacht der Schlag, hieb besinnungslos in sie, stürzte wie eine Feuersbrunst zum Herz:
Dies Gesicht ähnelte Caspare Symes.
Sie ging vom Fenster zurück, fiel mit dem Rücken auf das Bett, hörte Pferdegeplätscher im Wasser, zwei Rufe, bleierne Stille. Im Plafond über sich sah sie das Gesicht. Sie warf sich herum. Eingebrannt im Boden glühte es sie an. Sie starrte durchs Fenster. Es füllte den Rahmen, peitschte sie auf. Erschöpft sank sie in die Kissen, schloß die Augen. Da stand es innen in den Lidern mit einer Zärtlichkeit des tiefsten Schmerzes und sah durch die Iris ihr in die Brust. Ihr Herz zog sich zusammen. Stunden,
Langsam wuchs sie aus dem Zweifel, überwand ihre Sehnsucht, sah weit vor sich die Aufgabe, das Gestreckte, Winkende, Rufende, was sie größer füllte. Und je mehr es in ihr glühte und Di Contis Glaube
Das Silber zitterte heller. Sie lag, die Augen wie Stein. Dann stand sie auf, als ein Boot unten vorbeifuhr. Ging hinaus über die Schwelle.
Die Arme standen etwas ab. Die Sonne kam. Eine Fahne wehte, das Georgskreuz, schon vorüber. Welch unendliche Kühle des Sommermorgens. Welche Frische des Blaues. Sie ging weiter. Der Staub ward rötlich. Die Riffe des Kessels ballten sich dunkel, unerreicht noch vom Licht. Sie ging. Gezackte Wolken am Horizont . . . Mövenflügel in Spiralen hoch sich schleudernd . . . die Eidern weich geschaukelt in der Bucht — — — der Tag stieg, wölbte Licht. Aus der Wiese kam ein Gaul auf sie zugelaufen, hielt, hob das rosane frische Maul, legte es auf ihre Schulter. Lief davon.
Das Kupferbergwerk glühte aus dem Fels. Sand . . .
Eine grelle Stimme: „Was wollen Sie?“
„Hinein.“