Der dritte Abschnitt
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Ein rotbärtiger Mann wartete. Der Vorsteher meldete das Verbot des Zuges. Der Parlamentarier ließ sich nicht sabotieren, stieg auf den Tender und verlangte eine Lokomotive. Das Personal machte ihm eine Ovation, fuhr sie heran. Es war Abend. Er redete von der Feuerung herunter. Dann gab er ganz behutsam Daisy die Hand, sie stieg herauf, bald waren die Lichter hinter ihnen. Sie fuhren durch die Provinz. Durch den Süden sprach er von Stadt zu Stadt. Dann kamen sie quer durch die Bretagne. Ein Telegramm rief ihn von St. Malo zurück. Wieder kamen Olivenbäume. Jeden Tag liefen rückwärtsgeschleudert erleuchtete Säle mit Menschenmassen zurück. Er kam aus dem Handdrücken der Komitees direkt in den Wagen. Sie gab ihm die Hände heraus, er stieg ein. Neue Chausseen bäumten sich, der Mond schwankte langsam durch die dünnen Alleebäume. Einmal küßte er ihr die Hand, sie lachte eine Zeitlang über seine Zärtlichkeit. Sie saß in der ersten Reihe, als in Valence er während des Sprechens die Budjetrede aus Paris erfuhr und eine wilde Kavalkade dagegen aufmachte. Er aß dann
Vom Zug kamen sie direkt ins Theater. Ein trentiner Dichter sprach eine Hymne an das italienische Meer. Der Raum war mit italienischen Flaggen geschmückt neben den französischen. Der Dichter trat einen Augenblick in die Loge, den Parlamentarier zu begrüßen. Ihre Blicke kreuzten sich einen Moment. Doch der Franzose stellte ihn ihr nicht vor. Sie sah einen Schatten von seinem Auge, als er hinausging. Die Verse langweilten den Parlamentarier, er wurde müde und schnarchte, aber er mußte bleiben, da er nachher sprach. Daisy stand auf bei der zweiten Nummer, ging leis hinaus. Sie ging durch das Foyer. Nun schritt sie gegen einen Spiegel, sah sich, erreichte die Treppe. Als sie den Pelz um den Hals fester zog an der Tür, trat mit zwei großen, aber langsamen Schritten der Dichter von dem Pfeiler. Sie nahm seinen Wagen.
Der Frühling stieg mit sehr blauen zarten Morgenstunden aus dem Luxembourg. An einem Abend, den die Boulevardbäume mit einer blassen Schwermut trugen, stiegen Ballone aus einem Hoteldach, stiegen mit kleinen Kerzen und erleuchteten an dem Ende der schwärmerischen Kurve den Himmel mit ihrem Namenszug. Vor Fontainebleau machte ein Torpedoauto eine ovale Schleife, ihr Wagen bremste und fuhr in den Graben auf zwei schleifenden Hinterrädern. Der kleine Spritzer hatte gedreht und verschwand hinter einer
Er kam am Morgen. Selbst sein Parfüm fragte nach ihren Wünschen, die er erriet, daß es sie bestürzte, denn er brachte ihr keine Geschenke, aber er lauerte auch auf das Unbewußte jedes Reizes in ihrer Seele. In seinen Arbeiten kam ihr mit aller Genauigkeit dieser und jener Tag und Gedanke wieder, nur aus der Frage zum Endgültigen geführt, entgegen. Seine Schöpferkraft sammelte sich in Verkleidungen um sie, er drang in das Dunkelste und Träumerischste ihres Lebens und erregte mit der tastenden Verführung seines Geistes. Sein Kopf war antik-haarlos, die Augen tief und umschattet, aber der Zauber seines Hirns verstrickte mit einer Überlegenheit, selbst wo er bat, daß er sich aufhob. Als sie ihn nicht empfing, sandte er ihr das Gedicht, das die Adria zur Revolte aufrief, aus dem Theater in Nizza, um ihr zu zeigen, daß dieser Ehrgeiz und sie das Verehrungswürdigste seien in seinem Leben. Die Aufrichtigkeit führte sie dicht zu ihm.
Der französische Staat ließ ihm als Gast Notre Dame allein läuten. Er kam zu ihr: „Es war keine Schönheit, da du fehltest.“
Er sagte drei Stunden vor Beginn der Premiere ab, denn Daisy lag an Grippe. Das Telephon
„Drei Monate Reklame . . . .“ flüsterte der eine der Direktoren, als sie den Boy bestochen hatten, im Salon. Er zuckte die Achseln, als sie den Tantiemensatz um fünf in die Höhe hoben. „Acht“, sagte der andere leis und bebend vor Wut, denn sein Gegenüber nahm den Finger nicht von der Lippe. Daisy schellte. Er ging hinein. Sie war aufgewacht: „Gehen Sie doch“. Er machte eine geringschätzige Gebärde, er sagte ihr, es läge nichts daran, denn diesen Ruhm verachte er, es gäbe nur jenen einen, der ihn in der Öffentlichkeit reize, und er wies auf das Gedicht, das sie auf dem Tisch liegen hatte. Er ging leis hinaus, als sie die Augen schloß.
„Zehne“, sagte der Direktor vom Fenster her, wo er mit den Nägeln das Glas zum Zittern brachte. Er schüttelte stumm den Kopf. Da bekam der andere einen Kopf wie ein Puter, der erstickt, hob die Stimme und schrie nach ihm: „Schieber“.
„Buffone“, er hatte Schaum auf den Lippen. „Marquis de la bouche.“
Mit einer aalglatten Bewegung gab er sofort nach, zog sie auf den Korridor, besprach sich, sagte zu, vergaß die Beleidigung — denn er fürchtete, daß ihre Stimmen Daisy weckten.
Gegen Morgen kam er zurück, niedergeschlagen.
Er saß auf dem gelben Stuhl ohne Lehne und plauderte den Nachmittag mit ihr, den sie noch lag. Ein Brief kam, er erbrach ihn, biß die Zähne in die Oberlippe, drehte sich um und schlug die Hände vor das Gesicht.
Sie las den Brief. Er kam bis ans Bett, als die Augen sich trafen, sah sie, wie er schwankte. In der Tiefe, hinter den goldbraunen Ringen entfernte es sich. Zwei Falten preßten die Augenschlitze gegen die Nase. „Laß packen“, sagte sie.
„Du bist noch krank.“ Sie nickte ein wenig und schellte der Zofe. Er senkte den Kopf, ging hinaus.
Im Zug schmerzte sie der Rücken bis zum Knie, dann die Arme. Wie sie sich legte, linderte sie nur die Sekunde. Im Tunnel verlor sich das Fieber, gegen Mittag kam es heftig zurück. Im Schlafwagen lag sie eine Stunde. Das Decklicht irrte in blauen Kreisen um sie. Sie setzte sich in die Ecke, in Decken gehüllt.
Sie kamen bei Regen an. Ein Kommissionär mit schwachsinnigen Augen umkreiste sie wie ein Hund und fing plötzlich mit den Armen zu drehen und zu schreien an. Hinten begann eine rasende Musik. Der Regen ward so toll, daß, als sie auf der Terrasse standen, über den Platz die Herangelaufenen mit hochgeschlagenen Kragen in die Cafés zurückstürzten. Schwarze Männer standen auf der Treppe, ein langer Frack warf vom Gaskandelaber den Hut hoch, knickte die Knie, fuhr hoch, stank aus dem Mund wie ein Fisch. Im Wagen begann Daisy zu weinen vor Müdigkeit. An der Ecke sah sie die dünne Erscheinung über den leeren Platz rennen.
Gegen Abend blickte sie vom Balkon, der Nebel erfrischte. Eine Ziegenherde kam aus der Nebengasse. Ein Radfahrer bog um und fuhr dem Leittier in die Beine. Es sprang um, jagte auf die Straße. Die Tiere liefen mit geblendeten Augen an die Häuser. Einige Geiße bockten, liefen irrsinnig im Kreis, warfen
Später drang rote Glut in die Fenster. Als er vom Balkon hereinkam, hob sie den Kopf aus den Kissen. „Die Unterbeamten“, rief er, schon im Salon. Sie schloß die Augen unter der Müdigkeit der Schlafpulver. Dann gingen im Nebenzimmer immer Türen, ein Organ sprach, als gurgle es den Mund voll, das schläferte ein. Die Türen klappten rascher, die Reden gingen wie ein Bad, es umplätscherte sie aus der Ferne. Sie hatte Durst, bog den Kopf zur Seite zum Trinken. Da sauste er vorbei, sie griff nach seiner Hand. „Deputationen“, flüsterte die Zofe. In der halbgeöffneten Tür, als sie hinausging, stand ein fetter Herr und verbeugte sich tief mit einem fiesen Lächeln.
Immer ging seine Stimme wie ein Uhrzeiger durch die anderen, die herumwanderten, leis klangen, bald spitz, manchmal quatschisch schäumten. Sie bekam Sehnsucht, ihn zu sehen. Sie sah ihn nur im Sprung. Später erwachte sie, es war Lärm auf der Straße, sie sah in sein überhitztes Gesicht. „Der vierte Zug“, rief er ihr zu, als er auf den Balkon stürzte. Als er zurückkam, frug sie: „Was war es“; sie hatte geschlafen
Sie sah in tiefblauen Himmel, gewölbt und fließend wie Glas. Er stand an ihrem Bett. Sie sah hinunter. Singende irredentistische Vereine zogen zum Hafen. Der Schlaf hatte sie erholt, sie legte sich herum, um liegen zu bleiben. Er nahm sie an der Hand, sie stand auf. Beim Anziehen bekam sie Fieber. Sie hielt ihm den Puls hin. Er fühlte, verfärbte sich ein wenig, dann drehte er sich um. Sie sah nicht, was vorging. Es dauerte nur kurz. Dann sah er sie fragend an. Sie zog sich weiter an, eine solche Spannung lag in seinem Blick. Er hob sie hinüber ins Boot. Die Molen waren schwarz. Auf der Triere ward eine Fahne gelegt. Er trat darauf. Sie hörte jedes Wort aus dem Theater. Die Schärpen standen grell über den Hemden wie auf Schilder gelegt. In der weißen Glut platzten die Köpfe fast. Sie standen wie Zinkknöpfe, heiß und schwitzend. Um sie herum lagen Schiffe mit Tribünen, von denen die Photos unaufhörlich knackten. Ein amerikanisches Boot suchte ständig die Sperre zu durchfahren. Die Menge wartete, bis die Glocken den Berg herunterkamen. Dann schaukelten Tücher über dem Schwarz. Eine Brandung erhob sich am Ufer. Aus Marmor stieg
Das Meer schäumte ein wenig, als sie zurückfuhren. So lange sie fuhren, streichelte er unter dem Mantel ihre Hand. Sie ging sofort in ihr Zimmer, schloß ab, kleidete sich aus. Dann sprang sie heraus, ließ sich anders anziehen, legte sich auf den Rücken. Im Nebenzimmer telephonierte er nach dem Arzt. Er verlangte Rom, einen Spezialisten, rief Summen ins Telephon, trommelte an ihre Tür. „Öffnen Sie“, sagte sie der Zofe. Im Halbdunkel beugte er sich über das Bett. Sie brachte den Blick nicht gegen seinen zum Fixieren. „Welches Unglück“, stöhnte er. Er fluchte, verwünschte den Tag, maß sich die Schuld zu, daß sie hierher gefolgt, aufs Meer gekommen. Sie lächelte. Das Telephon rief ihn hinaus. Im Dämmern sah sie auf dem Tisch etwas Helles. Es mußte vom Mittag liegen. „Schließen Sie“, sagte sie der Zofe. Sie machte das Telegramm auf, las, bückte sich, krümmte sich wie eine Katze.
Er klopfte an die Tür. Er rief durch das Schlüsselloch, er störe sie nicht, nur bitte er, daß sie den Arzt empfange, wenn er komme. Dann ward es still. Später kam er noch einmal, sie hörte ihn hin und hergehen, sein Schritt war beängstend leis, verhalten.
Nur sie habe Sinn für ihn, murmelte er. Er sprach lange mit sich, die Portiere dämpfte es. Auf dem Tisch stand sein Bild. Daisy sprang auf. „Der Arzt“, schrie es im Gang, im Nebenzimmer flog das Fenster auf, sie hörte einen stehenbleibenden Motor. Sie nahm eine Nadel, zielte dreimal nach dem Bild, steckte sie rasch in ihr Haar, sie kam durch ihre Tür zum Korridor, durch die zweite Treppe auf den Gang, dann in das Vestibül. Sie fuhr über Mailand nach Turin. Dann nach Lyon. Das Fieber ließ nach, sobald sie härtere Luft atmete, in einer Stunde war es vorbei. Von da fuhr sie bis Calais. Mit dem Fünf-Uhr-Dampfer kam Syg. Sie schritt mit dem Tuch, ohne aufzuhören, winkend über den Steg auf sie zu.
Der Mond flog, ein Vogel, durch den Apfelbaum; Die Syringen hingen schwer und rot über den Kies; Über den Hyazinthen strudelte die Luft in einer Kupferfäule. Zwischen den Zweigen des Gebüschs fing das Dunkel erst an und bebte. Bienen stürzten in die Höhe
Dies alles brachte ihr die Heimat nahe, wenn sie Sygs Hand hielt. Sie gingen angeschmiegt durch den blauen Dunst der angefachten Nacht. Aber es trug sie nicht hinüber, sie hatte nur Abwehr. Die Unruhe war gewichen, sobald sie Syg sah und spürte. Dies aber, dachte sie im Bett, was sie froh machte, war nur die Gegenwart der Schwester, Sygs Figur und Stimme, vor deren naher Gewalt das Gelebte zurückfiel. Sie empfand Ruhe und Stille. Sie empfand sogar in Vaudreuils Grüßen das geheime Suchen und Fragen, aber sie war so sicher, daß sie sie unbefangen zurückgab.
Elfmal schlug die Uhr, dünn und silbern. Der Ton ging hinaus, wo der Glanz nicht nachließ. Syg konnte nicht schlafen, legte sich herum. Sie lächelten sich in das Gesicht. Der große helle Raum stand voll Mondstaub. Vor dem Fenster schwankten Weidengerten auf und nieder, obwohl kein Wind ging, wie der bebende Rücken eines Tieres. Nun begannen im Boudoir die Silbersachen zu leuchten, die Bettseide wurde ein Netz von zartestem Weiß, nun stand der Mond mitten im Rahmenkreuz und durchstieß gelb und flutend das Fenster.
Daisy richtete sich auf, als lausche sie: „Und Well?“ frug sie und horchte hinterher . . . „und Well? . . .“ Syg sprang aus dem Bett. Der Balkon war mit wogendem Lichtnebel über den Kletterrosen zugezogen. Die Nacht wurde immer wärmer und durchsichtiger, schon traten die Figuren vor der hintersten Hecke deutlich heraus. „O“, flüsterte Syg und führte die flache Hand über das Geländer. Stück auf Stück der Jugend gaben sie sich in die Hände, hinüber, herüber wie Bälle, und spielten sie sich zu . . . die Bäume, die Gouvernante, die vertrocknete Fischkugel, den Ameisenbau. Wie sich die kleinen Dinge, deren zärtliche Erinnerung sie am sorgfältigsten erfüllte, aus ihrer Erinnerung hoben, schmolz sie das Gefühl zusammen, daß die Jahre hinaustraten zwischen ihnen . . . Tage flogen auf und hoben sich in sanften Farben wie aus Strohhalmen
Die Uhr schlug. Vögel sangen, den Kopf noch an der Brust, in das wollüstige Grauen. Das Gras begann zu leben, und der Tau glühte mit einer hingegebenen Leidenschaft an der Erde. Daisy bog sich aus ihrem Bett über Sygs klares Gesicht. Sie empfand, daß ihr Kopf wie ein Spiegel denselben Ausdruck trage. Sie empfand das Glück dieser Gegenwart mit einem berückenden Gefühl.
„Wie lange hattest du Fieber, Syg?“
„Acht Wochen.“
„Arme, doch wirst du in Firenze nichts tun wie liegen und blaue Luft atmen.“ Sie legte den Kopf an Sygs Brust und liebkoste sie mit der Wange, denn die Erinnerung der Schmerzen, die Syg gelitten, quälte sie in dieser Stunde der Seligkeit mehr, als sei es ein eigenes Leid.
Die Uhr schlug. Syg gähnte; zog die Beine herauf und schüttelte die Locken, reckte die Arme. Sie war zu faul zum Aufstehen. Sie schellten nach dem Frühstück. Die Zofe brachte es zuerst Daisy an die linke Seite des mit breiten Stäben gegliederten Messingbettes. Sie wies nach Syg. Das Mädchen sah verwirrt von einer zur anderen. Sygs blaues Haar wallte um das ovale Gesicht, sie hatte das Kinn auf die
Sie wurden ohne Pause verwechselt. Die Bonnen kannten sich nicht aus. Der Kutscher stammelte. Ärgerlich rief Daisy: Pha . . . lux . . . Freunde vertauschten sie. Aber dies band sie nun erst aneinander, denn in jenem Wechseln der Körper und Erscheinung fühlten sie hingegebener die Harmonie. Sie lachten sich an vor dem Spiegel. Sie zogen sich verschieden an, machten sich unähnlich.
Syg trug die Haare hoch um einen dreigezackten Pfeil, Daisy zog sie unter einer Perle, die über der Stirn lag, halb über die Ohren und scheitelte den Kopf. Syg trug dunkle Seide. Daisy ging ganz weiß, der Wind schmiegte sich in die kleinen Blumen des Battists und der Boa.
Umsonst.
Sie tauschten den Puder, die Korsetts, die Rotstifte. Syg blaßte ab wie ein Pierrot. Daisy ging mit anmutig erhellten Wangen. Doch wie sie sich bemühten, stieg die Verwirrung. Da gaben sie nach, Syg hatte eine Grimasse, sie tauschten die Rollen.
„Sie baten mich, die Kette zu besorgen“, sagte ein junger Kanadier, reichte Daisy ein Etui.
„Es war meine Schwester“, sagte sie. Sie trug
Sie kam zurück mit Goldpuder und einem roten Samt. Er überreichte es ihr. Sie dankte. Die Tür ging auf. Syg kam in einem blauen Schneiderkleid wie von der Straße, gab ihm die Hand und frug: „Haben Sie meine, Kette, John?“
Verblüfft sprang der junge Mann auf: „Haben Sie noch eine Schwester und wel . . .“ Syg klatschte in die Hände, nahm ihn bei den Ohren, schenkte einen Kognak ein.
Jeden Tag schob Syg die Abreise hinaus, jeden Morgen freute sich Daisy und jeden Abend litt ihr Gefühl, das um Syg Sorge trug und doch nicht vermochte, sich von ihr zu trennen. Die Tage gingen wie ein blauer Mond nach dem anderen am Fenster vorüber, und Dogo saß in jedem, auf dem Zweig des Faulbaums sich schaukelnd.
Fribaurt rief an auf der Durchreise, Syg nahm den Hörer. Er kam nach einer halben Stunde. Daisy empfing ihn. Er sah ihr von unten in die Augen, und da er ein geschärftes Ohr hatte für das herbere in Sygs Organ, frug er, den Rücken weich, hündisch, biegend: „Wozu die Komödie?“ Sie gingen auf die Veranda. Sie hob den Finger an die Lippen.
Unter ihnen stand Syg, vor ihr ein junger, schlanker Gärtner. Sie tollte und sprang um ihn herum, verzog
Er errötete, dann schrie er mit voller Stimme: „Zsigis“. Syg blieb ganz ernst, hob die Hand, fuhr ihm die Grenze der Stirn entlang, sagte ihm etwas ins Ohr und ging lachend die Treppen zur Veranda hinauf. Oben blieb sie stehen: „Pony“ . . . rief sie. Er hielt an, wandte sich um, errötete und blickte hinauf. Dann wurde er ganz blaß. Sie winkte. Er ging.
„Warum nennst du ihn Pony?“
„Wegen der Haare.“ Auch ihre Locken hingen gefächert in die Stirn.
Daisy preßte plötzlich die Hände fest zusammen: „Fribaurt fährt Donnerstag nach Italien . . .“ Sie stockte. Mit einem seltsamen und nie gesehenen Ausdruck sah Syg an Fribaurt hinauf und wieder herab, zuckte kaum deutlich die Schultern. Aber Fribaurt, der stark nach einem süßen Wasser roch, sah es nicht, denn sein Blick folgte dem Gärtner, der in den Büschen verschwand.
Aber Daisy vergaß den Ausdruck nicht, mit dem Syg den anderen angesehen. Sie blieb den ganzen Tag dicht neben ihr, als ob schon die Entfernung eines Zimmers, der Raum einer Wand sie trenne.
„Ich danke, daß du bleibst“, sagte sie stockend, als sie in den breiten Mondstrom hineingingen. Sie kamen dreimal um das Bassin, dessen Rotunde in Marmor glühte. Das Gras war blau und Dogo hing in einem Kreis von Fächerschatten. Als sie um die Hecken bogen, stand der Mondschein gezackt als Segel über dem Garten, der unter ihren Füßen schwebte.
„O“, sagte Syg mit plötzlich ganz erhelltem Gesicht, „ich freue mich, daß du dies sagst.“, Sie gingen hinein, Daisy stumm vor dem Glücksgefühl, das diese Antwort ihr gab. Aber auf der Treppe zögerte ihr Fuß. Sie spürte, wie unrecht es sei, daß auch ihr Wunsch nur Syg halte. Aber sie sagte nichts.
Am nächsten Tag fuhr Syg im Métro zur Etoile, besuchte eine Dame in der Avenue Wagram, schloß das Tor, fuhr zur Seine, stieg an der Madeleine aus und suchte zur Oper zu ein Geschäft. Sie sah in ein vorübergleitendes Auto. Ein Herr sprang heraus, in höchster Erregung auf sie einsprechend, sie sah seinen Bart zittern, die Leute blieben stehen, als er schrie. Sie nahm ihr kleines Stilet, drängte ihn bis an den Rand, er sprang in sein Auto, verdeckte das Gesicht. Sie sah um. Ein Photograph knipste und kurbelte neben
Zwei Tage sprach sie kein Wort über den Vorfall. Sie lebte neben Daisy. Aber die Worte, die sie gehört und die nicht ihr galten, sondern Daisys Leben herausrissen aus Stunden, die sie nicht ahnte, entfielen ihr nicht. Nachts setzte sie sich neben Daisys Bett und sah sie stumm an. Aber die Worte spannten sich zwischen sie und die Schwester und trieben sie auseinander. Sie vermochte nicht mehr, den Blick unbefangen auf Daisy zu heften.
„Du hustest?“ frug Daisy und fuhr aus dem Schlaf.
Syg schüttelte den Kopf. Daisy preßte die Lippen, als die Schwester schlief. Sie fühlte, wie die Unbefangenheit riß, die Ruhe wankte, sie bangte um die Schwester und wagte nichts zu sagen, denn sie fürchtete, daß dann das Helle aus dem Himmel falle und die Kraft daraus lösche. Sie lag lange wach. Plötzlich öffnete Syg die Augen, schloß sie wieder. Mittwoch Nacht sagte sie, daß sie reise. Daisy sagte kein Wort. Sie gingen nebeneinander durch den Garten, als sie fuhr. Zwischen den Winden und Bohnen stand mit hohen, schlanken Beinen der Gärtner. Sie stiegen ein.
Die Räder rollten.
Sie fuhr zurück.
Eine schmutzige Faust reckte sich in ihren Wagen. Sie nahm die Zeitung. Der Wagen stockte im Lauf eine Sekunde. Sie gab den Sou. Wieder spannten die Motore sich an. Sie las, ihre Lippen verzerrten sich. Sie verstand zum erstenmal. Ein maßloser Schreck, dann Zorn verdeckten ihr die Augen. Ekel schüttelte sie, daß sie die eine Hand mit der anderen festhielt und geschlossenen Auges zurück sich warf in das Polster. — Sie sah die Karikaturen auf den Parlamentarier, sah die Photos, die die Kinos von seinem Überfall her spielten, sie begriff die Verwechslung . . . die Folies Bergères trugen die Nummer in ihrer Revue. In der Ecke unten unflätige Telegramme, die er aus der Provinz, wohin er vor dem Skandal geflohen, gedrahtet. Sie biß auf den Daumen vor Schmerz, der Wagen rauschte in den Garten.
Sie saß auf der Diele. Das tiefe Fenster hinaus nach dem Bassin lag wie ein niedergelassener Vorhang. In der Tiefe des Gartens stand Pony und arbeitete. Seine Beine und seine trainierte Brust wiegten mit den elastischen Ruten der Büsche und Stauden. Der Abendnebel flammte den Geruch der Erde rötlich um seine Hüften hinauf.
Sie warf die Hände gegen die Brust und empfand
Es kam ihr, wie lind es sei, wenn sie weinen könne. Aber sie konnte es nicht.
Es genügte noch nicht.
Sie fühlte sich frei und verantwortungslos mit einem Male. Aus der Tiefe des Blutes kam ein Strom, der sie zu einer Unbedingtheit zwang, deren zügelloses. Streifen sie zu Gelöstheit erhob, die den Atem benahm. Die Lippen bebten übereinander. Nichts hielt sie, bedingte ihr Tun, gab Verantwortung für ihre Handlung. Mit einer zerstörerischen Wollust empfand sie ihr Ausgestoßensein, das ihr eine Kühnheit verlieh, die sie fast berauscht empfand. Nun trat Pony aus dem Dampf ins Helle. Sie begann zu winken. Das Fenster lag wie eine aufgeschlagene Terrasse in dem
Zwischen dem dritten und vierten Tanz hob die Kleine, die zwischen den Stühlen schaukelte, stehend die Hand nach der Seite. Daisy ging hinüber. In der Toilette brannte eine weiße Flamme. Sie hob den Schleier, zog Rot über die Lippen. Im Spiegel sah sie die zögernd Eintretende. Ihre Augen trafen sich in dem Glas. In dem Gesicht der Tänzerin ging ein Schreck auf, sie flüsterte etwas und glitt zurück. Daisy ging zu Léons Tisch hinaus. Beim Hinausgehen fragte sie den Kabarettportier nach ihrem Namen. Sie bestellte sie in das Hotel. Sie kam und bat, zart wie eine Libelle, daß Daisy ihr den Mann nicht nehme. Sie sah zitternd auf den gefalteten wollüstigen Mund der Frau vor ihr. Daisy nickte gleichmütig, prüfte sie mit einem Blick, schenkte ihr Strümpfe, Hosen, Dessous. Oft, wenn sie abends frei war, kam Renée herauf, ein Band umgab sie. Bald hatten sie kein Geheimnis. Daisy wußte jede Bewegung des Attachés, seine Lieblingsworte, seine geheimen Sätze, aber es reizte sie nicht. Sie fuhr mit Léon baden, sie stieg in das Wasser, das ihren Körper aufsog; ihre Haut aus dem Wasser
Zwischen orangenen Lampions drehten Matrosen und Mädchen. Als ihre Hüfte unter den anderen erschien und in der abendlichen Dämmerung in die Tanzschleife wogte, umgab sie Gedränge, Blicke, Augen. Ein großer Steuermann von der savoyischen Linie faßte sie, brach die Finger fast an ihren Korsettstäben. Sie tanzte mit starrem Blick, ihr Zofenkleid machte sie noch herber, sie bog in den Vorsaal. Er taumelte, fiel in das Knie, schäumte, erhob sich, sie führte, sie schwindelten, sie tanzten in den Garten. Er konnte sich nicht helfen und stammelte Flüche. Sein Kopf fiel auf ihre Schulter und er schlug sie auf den Arm. Sie ließ nicht nach, bis sie langsam mit zitternden Knien hineinging in den Dampf, der Mann besinnungslos auf dem Kiesbeet lag. — Ein Kolonialoffizier erschoß sich, einen Ring von ihr auf der Brust, durch den er die Kugel gesandt hatte. Kam sie mit hochroten Lippen durch die Rue du Purgatoire, ward der See eine Tönung blässer, der Montblanc steiler am Horizont. Die Augen der Männer wanderten ruhelos nach ihr. Verkleidet im Mannskostüm bei einem Ball jeute sie im Kursaal, trat hinaus vor die Schnüre von Lichtern, die die Fassade umlohten, ihr Blick tauchte in den eines ganz jungen Studenten,
Sie fuhr zu ihm. Er hatte den Garten, den sie ihm geschenkt, geschnitten, begossen, bestellt. Ihren Namen mit Ranunkeln gesetzt, in die vier Bäume des Eingangs geschnitten. Auf der Höhe des Belchens ihr Wappen mit Steinen zusammengesetzt. All seine einsamen Tage erstanden als Monument seiner Liebe. Hinter dem Strohdach sank die Vogesennacht feucht und traurig. Sie stiegen hinunter am Morgen. Kuheuter und Wiesen rochen unter dem roten Mond, über dem Rhein lagen die Schwarzwaldtage mit silbernen Wolken. Über den Grat der Vogesen rollte die purpurne Kugel groß und träg.
„Hast du die Harmonika?“ Er nickte. Nur ein scheuer Blick nach aufflatternden Vögeln zeigte, daß er Sehnsucht hatte. „Ich schreibe deiner Schwester“, sagte sie am Morgen. Sie arrangierte ihren Hutkauf, sogar eine Stelle und nahm ihm mit einem Brief die große Sorge. Aus den Weinbergen glühte blau die
Er erbrach sich nachdem er zu viel gefressen. Sie saß an seinem Bett, er fürchtete sich vor dem Unbekannten, das ihm Leiden brachte, verehrte sie wie eine Mutter, indem seine Seele zum Schutz dicht an ihre sich schmiegte. Er tollte in die Gesundung, riß den Schwanz der Hühner aus, saß auf den Bäumen, ward traurig am Abend, wusch sich nicht, roch nach Schweiß und Erde, sie fand ihn schöner als je.
Sie bekam Sehnsucht nach Wasser, als nach einem Gewitter ein Bach neben dem Haus herabstürzte. Sie fuhren zurück, zusammen diesmal. Neben ihr zwischen den Hunden schritt Pony in weißen Hosen und Schuhen durch die Rue du Rhône. Er blieb am Geländer stehen, schaute träumerisch in den tiefblauen Schuß, der aus der Brücke kam, die Insel umrahmte und überschwungen blieb von unwahrscheinlichen Schwanenherden. Sie pfiff durch die Zähne. Zwei Passanten blieben stehen, sahen nach. An der Brücke flog eine Autotür auf, ein Herr, indem er die Kurve nahm, als
Eines Nachts brachte sie von den Anlegeplätzen vor Versoix Jérôme mit, im Sweater ohne Kragen und Ärmel. Selbst wenn er flüsterte, war seine Stimme rauh und biß sich durch die Dunkelheit. Im Zimmer nebenan lag Pony, die Wand war so dünn, daß das Geräusch einer Fliege im einen Raum im anderen noch lauter scholl. Sie legte die Kleider langsam ab. Am anderen Tag mußte Jérôme sie rudern, hinaus, zurück, in die Rhône, um die Insel, dann immer um ihr Haus. Eine Kette von Schwänen verfolgte das Boot, ihre Weiße verblich am Abend mählich der Blässe ihrer schimmernden Haut. Sie sah immer auf Jérômes Nacken, wo die braunen Halsmuskeln wie Fächer zusammenschnellten. Abends ging sie einsam und allein nach Haus. Die Schwäne geleiteten sie noch eine Weile in der Dunkelheit am Ufer. Als Léon von der Gesandtschaft in Bern zurückkam, lag er verzweifelt im Boot vor ihr, berührte ihre Hände, ihre Schuhe. Sie schüttelte den Kopf. Sogar das Wasser erhielt eine Feierlichkeit und schäumte leicht in dunkler Erregung, wie sie mit langen braunen Beinen immer tiefer hineinstieg. Auf der Terrasse des Café du Nord ballte Léon die Hände und hörte auf zu atmen nach seiner Frage. Sie ging hinweg über Pony, schaute ihn einen Augenblick
Léon griff sie stürmischer an, befreiter, beim Segeln, auf den Quais. Sie bedeutete ihn ruhig, daß das Opfer, mit dem er sich brüste, ihr nichts bedeute, denn es sei eine Selbstverständlichkeit und ohne die kleinste Verpflichtung für sie. Sie kam mit Pony wieder und den Hunden am Abend die Anlage her, als die Rhône sanft, tiefblau vorüberströmte, schon die Dämmerung aufnehmend, während ihr Anfang noch biegsam und stählern mit den Schneebergen glühte. Léon flehte sie an, Pony zu verlassen.
„Gab ich nicht Renée?“ Es verstörte sie eine Sekunde,
Am Morgen war sie verreist. Enttäuscht von der Brust eines glatten Fischers kam sie von Beaurivage. Der Morgen fiel prall und von seraphischer Bläue in die Schwebe getragen auf den weißen Ufersand. Erstaunt sah sie Genf wieder auftauchen. In der Betäubung des irrsinnigen Suchens fiel Gelebtes sofort hinter sie, Leidenschaften verschwammen wie nie geatmet nach Tagen. Die Landschaft der Woche vorher, das Haus, ihre Gedanken prallten schon im Wesenlosen. Als Léon, die Hand am Steuer, den Großschot in der anderen seilend, in ekstatisch erhellter Nacht, in der der Mont Blanc wie ein weißer Ballon schwamm, schwor, Pony zu erschießen, wenn sie ihn nicht verjage, sein Auge den fiebrigen Wahnsinn bestätigte, wies sie ihn zurück mit Nein. Kalt vor Zorn verließ sie ihn über die Drohung, mehr voll Liebe zu Pony wie je. In dieser Nacht weigerte sich Pony zum erstenmal, sein gequälter Körper gab ihm Mut, den sein Geist nicht hatte. Sie sprang aus dem Bett: „Gut . . . du wirst Bonnen wieder haben.“ Am Abend kreuzte Léon Ponys Abreise, sie hatte ihn nicht begleitet. Er nahm einen Wagen, jagte. Er kam als Sieger. Auf dem Tablett kam mit ihm ein Brief, Daisy nahm ihn, als Léon eintrat und legte
Ringe in Blumen . . . sie gab die Buketts, ohne sie zu sehen, dem Zimmermädchen. Ein Kreuz mit Ametyst auf Rosenholz, vom Athos, lag auf ihren Kissen. Ein Pferd stände bereit, schrieb man. Léon schmiegte sich manchmal durch die Dämmerungsschatten draußen. Eine Yacht trug ihren Namen am Lee unter dem Fenster vorbei. Eine kalte Verschwendung
Er neigte sich über ihre langen Finger. Wie sie in den Wagen stieg, sprang Jérôme hinter einem Busch heraus und schrie: „Hure“. Etwas blaß, unsichtbar durchglüht trat sie zögernd ein wenig zurück. Als sie ihn aber ansah, ließ er die Hände sinken, schlug sie um den Nacken und lief brüllend davon. Der Wagen rollte. Sie trat mit ihrem Partner ein Treppenhaus mit Marmor hinauf. Die rote Weste eines Dieners leuchtete hinauf neben ihr unter einem zehnkerzigen Halter. Die Fräcke im Saal glitten durch einen dünnen silberbläulichen Rauch, den der Atem des Tanzes und der Getränke schon zum Rausch gemacht hatten. Sie legte den Arm auf eine Schulter, der blasse Schein einer Nische umglitt sie. Ein Mund fiel auf ihre Achsel. Sie zuckte zusammen. Ihre Glieder wurden kalt und abwesend wie oft in unerklärlichem Wechsel. Sie starrte vor sich hin. Sie hatte einen Brief eingesteckt, als sie sich umzog. Es fiel ihr ein, sie öffnete ihn. Sie stand auf. Der Mann hielt sie. „Was?“ Ein verzweifeltes Gesicht krallte sich in ihr Auge. „Hast du mich nicht wahnsinnig gemacht?“ Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte ihn kaum bemerkt, ihre Gedanken kreisten irgendwo entfernt, es fiel ihr nicht ein. Mitten im Saal schrie der Mann ihr nach: „Hure“ . . . Sie zuckte kaum
Da erst, wie angezogen von der anderen Stimme, konnte sie weinen und je länger die Tränen über ihr Gesicht strömten, fühlte sie, wie in ihr die Verzweiflung Es stieg eine Kraft aus ihrem Elend, die sich in ihr bäumte. Ein Glücksgefühl überfloß sie. Demütig grüßte sie den Fall der Jetée, die Neigung der Berge, das träumerische Schleifen der Schwäne. Herauf kam der Kleinen Gesicht, aber die Schuld, die sie empfand, drückte sie nicht, sondern entflammte sie zur vollen Anspannung. Ihr war, als ruhe die Achse alles, was Hülfe bedurfte, in ihrem Herzen in dieser Nacht und ihr Herz drehte es in einem wunderbaren Stolz. Sie schaute lange unter der vorgehaltenen
Sie hatte ein anderes Gesicht gesehen.
Sie ließ ihre Sachen verteilen. Jérôme sandte sie einen Ring. „Ay . . . ay . . .“ rief sie an der Gasse. Die arabischen Weiber küßten ihre Hände und Füße. Die Zofen kamen, nahmen. Die Bonnen gingen mit Ballen, zitternden Händen. Die Kostbarkeiten wurden versteigert. Die Depots sperrte sie. Die Spitzen rannen ihr durch die Finger. Eine frische stolze Hure in einem Kleid, daß ihrer Haltung zu gering war, zog sie aus dem Tanzsaal. Die Hosen, deren Plissees rauschten, in matter Seide zu Dutzenden fielen, durchfühlte sie mit der Hand, gab sie ihr. Mit jedem Stück, das sie verließ, schenkte sie sich zurück. Und die Wollust des Hingebens verband sie den Dingen um sie. Gebend lebte sie drei Tage und fühlte, wie unter dem Hinweggehen ihres seitherigen Daseins Freiheit in sie strömte.
Eine kleine Summe füllte sie in ihr Portemonnaie. Sie besaß einen Koffer noch und ein weiches helles Kleid aus indischer Seide. Sie schellte Marguerite,