Zweiter Akt.
Reading edition
Weib steht vor dem Spiegel und schmückt sich; wendet sich nach dem Manne um
Mann. Steht mir die Masche gut?
Mann mustert das Weib mit Wohlgefallen
Gar seitdem du jetz noch ein bissel mehr auf dich haltst, wirst mit jedem Tag schöner.
Weib befriedigt schmunzelnd
Ja; mir kommt schon selber vor, ich steig jetzt erst so langsam in Saft. Beginnt vor dem Spiegel sorgsam ihr Haar zu ordnen.
Mann hinter ihr stehend, sieht ihr mit Gefallen zu
Und der Hals, so weiß und frisch; grad zum Dreinbeißen. Tippt mit den Fingern liebkosend ihren freien Hals.
Weib lacht gekitzelt und schüttelt sich zugleich fröstelnd
Uh; deine Finger haben eine Kälte. Dann Ja, sag nur, Mann: Hast du schon bald gar keinen Tropfen warmes Blut mehr im Leib? Wendet sich vom Spiegel ab zu ihm. Stehn mir die Haar so gut?
Mann winkt verdrießlich ab
Was nutzt dein ganzer Aufputz; der Fuchs geht uns ja doch nit ins Eisen. Dann zum Weib, das sich längst wieder dem Spiegel zugewendet hat Wie lang ists her, seit du ihm den Riß an der Bluse gflickt hast? Gwiß schon eine Woche.
Weib wendet sich um. Unwirsch
Was weiß denn ich? Meinst, i schreib mir das auf?
Mann
Und er ist seitdem nit wiederkommen?
Weib
Wenn er nit gern kommt, soll ers bleiben lassen. Ich hab ihn nit grufen. Wendet sich wieder zum Spiegel und ordnet ihr Haar.
Mann
Jetzt wird er schon wieder Tag und Nacht auf der Grenzwach hocken. Aufgebracht, vor der Truhe Nit einmal den Truhendeckl hat er noch gezahlt. Kerl, der.
Weib vor dem Spiegel
Hol mir den Steckkamm. In der Schlafkammer liegt er; auf dem kleinen Tisch.
Mann seufzend
Ja, ja, Weib; wir zwei und das Haus am Marktplatz kommen auch sobald nit zusammen. Geht durch die Nebentür ab, die er hinter sich halb offen läßt.
Weib vor dem Spiegel beschäftigt, zuversichtlich froh
Ja, mein lieber Jäger; geschlagene vier Tag ists jetzt schon her; und du bist seitdem nit wiederkommen. Befriedigt Aber gestern in der schlafenden Nacht hats dich doch zum Haus herzogen, wie die Muggen zum Licht. Hab dich ganz deutlich gsehen hinter dem alten Holunderbaum; und wie ein verliebter Kater zu meinem Schlafkammerfenster hinaufgschaut. Frohlockend Jägerle. Ich mein, ich mein — du hängst schon mit einem Bratzl; auf der Leimrutn.
Mann kommt aus der Nebentür und reicht ihr den Kamm, den sich das Weib vor dem Spiegel sorgsam ins Haar steckt
Was ich noch sagen will; hab dir heut in der Früh nit gleich Angst machen wollen: In der Nacht bin ich aufgwacht und hab lang nimmer einschlafen können; steh ich auf und schau zum Fenster hinaus; weißt, wen i da gsehn hab?
Weib hat den Kamm aufgesteckt; wendet sich hastig zum Mann
Wen?
Mann
Den Jäger. Und wie er meinen Kopf am Fenster sieht — auf und davon wie ein Gspenst.
Weib
Laß dich nit auslachen. Das hast geträumt.
Mann
So wach bin ich gwesen, wie jetzt. Und hab ihn im Mondschein gut ausgnommen.
Weib winkt ab
Aber geh. Da hast etwa wieder einmal von deine kalten Füß her ein bissel Fieber ghabt. Dann Was sollt denn der Jäger bei stockgschlagner Nacht an unserm Haus herum zu tun haben.
Mann verwundert
Da fragst noch? Dann Spionieren. Damit er uns endlich fassen kann. Er will sich doch an uns zwei ein Sterndl verdienen.
Weib steht ganz verdutzt mit offenem Munde da; vor sich hin
Auf das hab ich gar nit denkt. Dann Mann. Am End hast doch recht. Nachdenklich vor sich hin Und er ist nur deswegen ums Haus herumgschlichen.
Mann sieht das Weib verwundert an
Ja, wegen was denn sonst? Was hast denn du gmeint?
Weib etwas unwirsch
Ich? Was soll ich denn gmeint haben? Nix hab ich gmeint. Dann erbost Wart nur, Kerl: Dir wird man schon noch das Sterndl geben. Auf den Mann zu Mann. Den fang i dir noch; an der Angel muß er hängen, wie ein dummer Karpf. Dir wird man schon geben, den Weiberfang. Ballt die Faust Am liebsten möcht ich ihn soweit bringen, daß er gar kein Jäger mehr sein könnt und ganz weg müßt aus dem Dienst. Dann hätt er sein Sterndl. Tritt erregt ans Fenster.
Mann
Das wär freilich das allerbeste: Wenn die Katz aus dem Haus wär, dann hätten die Mäus Kirchtag. Seufzend Aber was nutzt das alls; er geht uns nimmer zu. Der hat den Braten schon grochen.
Weib plötzlich vom Fenster her
Du. Dort geht er ja; mit Stiefel und Sporn.
Mann ist ans Fenster geeilt; sieht nach der Richtung
Ja; im vollen Dienst auf dem Weg zur Grenzmark. Er schaut nit rechts und nit links. Wendet sich enttäuscht vom Fenster ab.
Weib das nach dem Jäger spähend am Fenster steht; plötzlich sich nach dem Manne wendend
Jetz bleibt er stehn; zieht den Mann ans Fenster und zeigt, hinter ihm stehend, nach der Richtung siehst ihn? Dort, wo der Weg zu unserm Haus abbiegt. Zieht ihn plötzlich vom Fenster ab Geh zurück; er schaut her. Nachdem sie einen Augenblick in gedeckter Stellung ausgespäht hat, enttäuscht Er geht schon wieder weiter. Tritt vom Fenster zurück.
Mann der spähend am Fenster geblieben ist, plötzlich
Halt. Er macht wieder Kehrtum. Zum Weib, das wieder ans Fenster eilt Dort steht er wieder am Wegbug. Siehst ihn?
Weib scharf zusehend
Jetz reißts ihn. Dann in froher Erregung ihre Finger in den Arm des Mannes krallend Er biegt ein. Direkt auf unser Haus zu. Vom Fenster zurück. Streicht sich die Frisur zurecht; wirft einen Blick in den Spiegel.
Mann am Fenster, das Näherkommen des Jägers verfolgend; mit grimmiger Lust
Jetzt Karpf, beiß an. Auf das Weib deutend Da ist der Anbiß.
Weib am Fenster
Jägerle, komm. Wie man einen Vogel lockt Ziwui, ziwui. Komm nur, mein Gimperl; du hängst bald im Netz. Unwirsch zum Mann Jetz geh. Laß mich allein. Oder fang dir ihn selber.
Mann
I geh schon. Auf dem Weg zur Eingangtüre.
Weib dirigiert ihn zur Nebentür
Da geh; und dann hinten aus; sonst begegnest ihm.
Mann an der Nebentür sich noch einmal umwendend
Weib; schön bist.
Weib kalt, ungeduldig
Ist schon gut. Geh nur. Schließt hinter dem Manne die Nebentür. Nimmt ihr Strickzeug zur Hand und setzt sich.
Jäger kommt durch die Eingangtür, bleibt einen Augenblick unsicher in der offenen Tür stehen; dann sich strammend
Ein guten Tag.
Weib stellt sich erschrocken, fährt vom Sitz auf
Gott steh mir bei, ein Mannsbild. Stellt sich, als erkenne sie ihn nicht Wer sein denn Sie? Faßt ihn näher ins Auge; dann spottend Hab einmal so einem jungen Grasteufel sein Rockärmel ausgflickt; der hat Ihnen ähnlich gschaut. Dann Oder sind Sies am End selber? Na hören Sie: Leben Sie noch? Setzt sich und strickt.
Jäger ist näher getreten
Warum lauft denn Ihr Mann immer davon, wenn ich komm? Grad hab ich ihn wieder da hinten hinauspfitschen sehen.
Weib
Oh, der ist nit eifersüchtig. Dann trocken Womit kann man dienen, Herr Jäger?
Jäger ganz in dem Anblick des Weibes versunken, überhört die Frage; vor sich hin
Heut ist sie noch viel schöner.
Weib strickend
Jetz weiß ich noch immer nit, was Sie da wollen.
Jäger fährt wie aus dem Traum; greift sich an den Kopf
Ah ja so. Ja. Na, was werd ich denn wollen. Den Truhendeckl zahlen.
Weib
Oh, wegen dem Truhendeckl lassen Sie sich nur kein graus Haar wachsen; wir zwei kommen schon noch zum Abrechnen, Herr Jäger. Dann ihm neben sich Platz machend Nehmen Sie ein bissel Platz; tun Sie uns nit den Schlaf austragen.
Jäger bleibt stehen
Hab keine Zeit; bin im Dienst. Dann Hab neulich schon vom Kommandant meinen Rüffel kriegt, den ersten. Weil i mich bei Ihnen verhockt hab.
Weib strickt
Uje. Dann werd ich jetzt bei Ihnen wohl ganz ausgspielt haben: Das vergißt einem ein richtiger Grenzjäger nie mehr, wenn ihm auf so dumme Weis vielleicht ein wichtiger Fang auskommt. Dann lachend Wenn Sie erst einmal eine richtige Liebschaft hättn — wie schauets etwa da erst aus mit dem Dienst? Sieht ihn an.
Jäger fährt auf
Meinen Sie denn, ich bin ein Weiberlapp?
Weib
Sagen Sie einmal, Herr Jäger: so ein Rüffel — das muß nit gar fein sein, was?
Jäger
Ich glaubs: Dastehn müssen mit einem brennroten Kopf und man darf sich nit mucksen.
Weib legt die Strickerei in den Schoß; blinzelt mit halbgeschlossenen Augen den Jäger an
Na, so haben Sies halt mir zulieb glitten — was?
Jäger beinahe erschrocken
Ihnen zulieb? Was reden Sie da; und außerdem sein Sie ja ein verheirates Weib.
Weib ungehalten, nimmt die Strickerei wieder auf
Na, jetzt kanzeln Sie mich etwa noch ab, ja? Es geht einem wohl öfter der Schnabl durch; das hab ich nit gwußt, daß Sie jedes Wort gleich auf die Goldwag legen. Sieht den Jäger fest an; gedehnt, in beinahe drohendem Ton Sie brächten es ja gar bald heraus, als wenn ich verliebt wär in Sie.
Jäger hält den Blick nicht aus, polternd
Euch Weibern soll der Teufel was zulieb tun.
Weib
Oh. Es wird über Sie schon auch einmal kommen; auf so einen jungen Kraftkerl gehn ja die Weibsleut los, wie die Fliegn auf den Zucker. Sieht ihn an Aber dann Gnadgott; ich mein, bei Ihnen gehts grob her. In wohligem Erschauern Hu. Mich beutelts.
Jäger
Dann ists ja nur mein Sach; deswegen brauchts ja Sie nit zu beuteln. Dann Überhaupt; was steh ich da. Ich hab mein Dienst. Will ab.
Weib sitzt und strickt
Wissen Sie, daß Sie mir da neulich blaue Fleck aufdruckt haben?
Jäger kommt näher
Ich? Wo?
Weib legt die Strickerei in den Schoß; streift sich den Ärmel weit über den Ellbogen hinauf und weist ihren schönen runden Arm vor
Da, wenn Sies nit glauben. Heut noch sieht man Ihre Fingermal. Und wie das brennt.
Jäger ist herzugekommen und besieht mit begehrlichen Augen den Arm
Meiner Seel, ja; es ist wahr.
Weib
Und wie i mich nachts beim Schlafengehn wenden und drehn muß vor meinem Mann, daß er nur die Tapper am Arm nit sieht; sonst gäbs Feuer am Dach.
Jäger mit verächtlicher Handbewegung
Awas, der. Dann Eine Haut habn Sie, grad wie Sammet. Beginnt ihren Arm mit schüchterner täppischer Zärtlichkeit zu streicheln Das laßt sich fein angreifen.
Weib läßt ihn kokett lächelnd gewähren
Ah, da schau her; jetz hab ich immer gmeint, der Jäger kann nur so grob zutappen. Ganz verwundert Und jetz kann der fein streicheln auch. Mit halbgeschlossenen Augen Ah, das tut wohl gegen das Brennen.
Jäger vor Erregung stotternd
Ich kann schon ein bissel blasen auch, wenns brennt.
Nähert seinen Mund ihrem Arm und bläst auf die Stelle; drückt dann seine Lippe flüchtig scheu auf die Stelle
Weib zieht ungehalten ihren Arm zurück
Sie. Was glauben denn Sie. Mudeln Sie wen andern ab; ich bin ein verheirats Weib. Streift sich den Ärmel herunter; drohend Gleich ruf ich mein Mann.
Jäger mit rotem Kopf; spottend
Da fürcht i mich aber, wenn der Herkules kommt. Lacht Ist er eifersüchtig, der Schneider?
Weib hat wieder das Strickzeug zur Hand genommen
Sonst schon; aber auf Sie nit. Das weiß er schon, daß ich von Ihnen nichts haben will.
Jäger erbost
Will ich vielleicht von Ihnen was? Sie wärn die Letzte, von der ich was möcht.
Weib ruhig
Wenn der Traubstock zu hoch ist, dann sagt der Fuchs: I mag keine Trauben.
Jäger in zornigem Spott
So hat die Fuchsin neulich auch gsagt: „Wir haben keine Kinder, weil wir keine haben wollen.“ Und in der Truhe schon brav fleißig das Häubl und die Fatsche vorgrichtet; daß nur alles gleich da ist, wenn etwas kommt. Schlägt eine Lache auf Aber es ist halt nix kommen.
Weib zu innerst getroffen gegen den Jäger auf
Sie, Kerl; Sie ganz brutaler. Kann das Weinen kaum unterdrücken; stellt sich abseits mit dem Kopf an die Wand.
Jäger
So. Jetzt haben Sie auch eins am Schädl. Ihnen kommt man schon auch noch aufs Nackte. Sie werden noch lang nit einen Grenzjäger foppen. Da er einen unterdrückten Schluchzer hört, geht er auf das Weib zu Jetzt hab ich Ihnen weh getan. Aber Sie haben zuerst angfangen. Sonst hätt ich das gwiß nit gsagt.
Weib hebt den Kopf und trocknet sich die Augen; dann sich gegen den Jäger wendend
Und wenns schon so ist mit dem Häubl und der Fatschn? Bin ich dran schuld? Muß ich mich da schamen? Reckt sich vor dem Jäger in ihrer ganzen wüchsigen Kraft und Jugend Ist mein Leib so krepierlich? Weist ihre Brust Oder hab ich da vorn eine Bretterwand, daß etwa ein Kind nix zum Lutschen hätt?
Jäger hat das Weib mit den Augen verschlungen; dann
Ihr Mann soll sich schamen; das ist ja kein Mann; verächtlich nur so ein Schneider.
Weib
Ach was; lassen Sie mir meinen Mann in Ruh, Sie junger Grasbeißer. Lobt auffällig ihren Mann, in der Absicht, den Jäger aufzustacheln Und grad, weil er so schwach ist und Hilf braucht — ja, Herr Jäger, mit Verlaub; grad darum hab ihn gern; und nur ihn mag ich; und sonst gar niemand; und er ist, wie mein Kind: Wenn er krank ist, tu ich ihn pflegen; und wenn ihm in der Nacht die Decke vom Bett rutscht, dann deck ich ihn wieder zu, damit er sich nit verkühlt.
Jäger aufgestachelt; kann sich nicht mehr halten
Meintwegen setzen Sie ihn auch noch aufs Topferl. In aufwallendem Zorn Was kümmert denn mich das Klappermanndl; das zaunmarterdürre? Schlägt mit der Faust auf den Tisch.
Weib stellt sich harmlos
Herr Jäger; warum haben denn Sie so eine Wut auf mein Mann? Er hat Ihnen doch gar nix getan. Dann Und schlagen Sie mir den Tisch da auch noch zu Brocken, ja? So einen, wie Sie sollt man gar nit frei umlaufen lassen; sieht ihn an; mit grausamer Lust an die Kette sollt man Sie legen, wie einen Tanzbär; ja, und Ihnen die Händ mit wollenen Fetzen einbinden, daß Sie kein Unglück anrichten. Das sollt man.
Jäger stiert sie an
Ich mein, da wären Sie schon ein gfährlicheres Tier. Hat den Kopf auf die Hände gestützt und starrt vor sich hin.
Weib ganz unschuldig
Herr Jäger; was ist denn jetz mit Ihnen?
Jäger hebt den Kopf; sieht das Weib mit traurig-hilflosem Ausdruck an
Ich weiß nit, was mit mir ist; ich möcht grad am liebsten flennen, wenn ichs zuweg brächt.
Weib harmlos
Und was ist mit dem Dienst? Sie verhocken sich schon wieder bei mir da.
Jäger zerrissen, weinerlich-hilflos
Ich weiß nit, was mit dem Dienst ist; verzweifelt ich weiß nit, was mit mir ist; mich ist etwas angflogen. Schlägt mit dem Kopf auf die Tischplatte.
Weib für sich, heimlich frohlockend
Hängen tust, du Gimpl; mit beiden Bratzeln auf der Leimrutn; das ist mit dir. Umschleicht ihn argwöhnisch lauernd Oder treibt er noch immer sein Schindluderspiel? Dann Aber wart; dir setz ich Spitz und Knopf schon noch besser zusamm. Auf den Jäger zu; rüttelt ihn derb. Mit schneidendem Hohn Jäger. Wenn Sie jetz dann der Wachkommandant fragt, wie weit Sie mich haben — was können Sie ihm da sagen? Friß ich Ihnen schon bald aus der Hand? Da sie der Jäger verwundert über ihre Kenntnis anstarrt Ja, Herr Jäger; wenn man auch einsam da heroben haust — deswegen hört man schon doch, was die Wachglocken im Tal drunten läuten.
Jäger ist aufgestanden und hält wie beschämt den Arm vor das Gesicht. Schickt sich zum Gehen an
Überhaupt; ich hab da nix verlorn.
Weib
Aber suchen tun Sie was. Sie suchen da immer ein Sterndl und finden keins. Dann Aber warten Sie: Ich hilf Ihnen aus der Not. Dann Leihen Sie mir nur auf einen Augenblick Ihr Transchiermesser da. Zieht ihm den Säbel aus der Scheide. Da der Jäger unwillkürlich nach seinem Säbel greifen will Nur keine Sorg: Ich stich Sie nit ab. Schwingt den Säbel vor dem Jäger Das ist die Wünschelrutn; mit der suchen wir jetzt ein Sterndl für den Jäger; aber nit vom Himmel herunter; aus dem Boden heraus, wo die Erdäpfl wachsen. Beginnt an verschiedenen Stellen des Stubenbodens mit der Säbelspitze zu tippen Da ist nichts. An einer anderen Stelle Da ist auch nichts. Ist zum losen Dielenstück gekommen; tippt mit der Säbelspitze hin; dann Halt; aber da. Herr Jäger; da zuckt die Wünschelrutn. Stemmt die Säbelspitze in den Bodenspalt und hebelt das Dielenstück aus dem Falz; dann Da greifen Sie hinein; da drunten muß für Sie ein Sterndl liegen. Wirft den Säbel auf den Tisch und steht zuwartend.
Jäger hat sich niedergebückt; fährt in die Dielenöffnung und zieht ein Stück Seidenstoff und eine Rolle Spitzen hervor; mit funkelnden Augen die Stücke aufrollend und besehend
Ah. Spitzen; Seide — Konterband. Legt die Beweisstücke auf den Tisch; greift hastig nach dem Säbel und klopft gierig an verschiedenen Stellen den Stubenboden ab, ob es noch irgendwo einen hohlen Klang gäbe.
Weib
Und wenn Sie das ganze Haus auf den Kopf stellen — mehr finden Sie nit. Sie können mirs glauben.
Jäger wirft den Säbel in die Scheide; froh
Viel oder wenig — jetzt hat man euch; schwarz auf weiß. Ihr Hauptfüchs. Schickt sich an, die ausgebreiteten Spitzen und Seidenstoffe zu rollen und zu falten.
Weib abseits stehend
Jetz können Sie mich dann ausfoppen und spotten, wenn Sie mit Ihren Kameraden im Wachzimmer auf der Pritsche liegen; und noch vor dem Einschlafen schlechte Späß machen über die dummen Gäns, die Weiber. Als könnte sie das Weinen nur mühsam verhalten Ist weiter eine Kunst, das: Da kommt ein junger, baumstarker Jäger daher und wirft sein Netz; wie soll da ein schwaches Weib lang Widerpart halten. Der hat ja schon gwonnen, bevor er noch den Mund auftut.
Jäger starrt das Weib mit großen, beinahe furchtsamen Augen an; fährt sich verwirrt an den Kopf
Sie spult mich auf, wie einen Zwirnknäuel; und wieder ab und wieder auf; höhnt sie schwachs Weib, ja. Du wirfst ein Dutzend Reiter um mit Roß und Wagen. Schreiend, als wollte er sich gewaltsam aus der drohenden Umklammerung befreien Du Teufelshex. Ich zeig dich an. Vor einem Weib steht noch mein Ehr nit zruck; vor zwei so Teufelsaugen. Bemüht sich, mit plumpen, ungeübten Händen Seidenstoff und Spitzen zusammenzurollen.
Weib
Ehr muß beim Mann vorangehn; sonst wären Sie kein richtiger Jäger. Da sie sieht, wie er sich mit seinen ungefügen Händen um Seidenstoff und Spitzen müht Geben Sie her; ich legs Ihnen schön zusamm und wickl es Ihnen ein. Während sie Spitzen und Seidenstoff kunstgerecht faltet Freilich — Weiber denken da anders; sonst hätt ich auch mein und mein Manns Ehr besser bedacht und Ihnen nichts gsagt; ich hätt ja nit müssen. Schlägt die Augen nieder; wie verschämt Aber da hilft nichts; ein Weib kann ihr Lieb und Gunst nit verstecken; da ist der Mantel gleich überall zu kurz; Sie sollen avancieren und Ihr Sterndl kriegen. Hat Spitzen und Seide flach gefaltet; wickelt die Sachen in Papier Nur sagen Sie meinem Mann nichts, daß ichs verraten hab; sonst der brächt mich um. Sagen Sie nur, Sie haben es selber gfunden; das ist auch fürs Sterndl besser. Hat das Paket in Papier gewickelt So; das können Sie jetz ganz kommod unter dem Rock tragen; Seide und Spitzen machen keinen Bauschen. Öffnet ihm rasch ein paar Rockknöpfe und steckt ihm das flache Paket resolut dahinter So. Bewundernd Mein Gott, ist das ein Brustkorb; wie ein Roß. Ja, da hat einmal eine was.
Jäger der von einem heftigen inneren Kampf durchrüttelt, dasteht, zuckt bei der Berührung heftig zusammen
Herrgott, Weib; rühr mich nit an. Wo du an mir ankommst, da brenn ich. Schließt seinen Rock.
Weib stellt sich tief gekränkt
Das können Sie jetz leicht sagen: Rühr mich nit an. Aber gelt; früher haben Sie auch ganz fleißig meine Arm abgriffen; weinerlich aber jetzt haben Sie mich ja soweit, als Sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. Dem Weinen nahe Augen haltet das Wasser zrück; flennen könnt ihr noch gnug, wenn der Jäger dahin ist. Beginnt zu flennen.
Jäger steht unschlüssig; macht einen Schritt auf sie zu und macht mit den Händen eine täppische, schwerfällige Bewegung, als wollte er ihr die Hände vom Gesicht lösen; dann sich mit einem Ruck härtend
Awas. Rotz und flenn zu; anzeigt wirst doch.
Weib trocknet sich die Augen; gegen den Jäger
Wenn Sie es nit täten — da wären Sie wohl ein trauriger Tropf. Dann So; jetz gehn Sie nur, Herr Jäger. Ich wünsch Ihnen viel Glück und ein schöns Avancieren; gehn Sie, machen Sie ein End; damit s endlich aus ist mit uns zwei. Denn sehen, mein lieber Jäger, wirst mich dann nie mehr, wenn ich meine bürgerliche Ehr nimmer hab; da möcht ich mich lieber in ein Mausloch verkriechen. Aber immer noch besser, mein Bürgerehr ist hin, als mein Weibsehr. Denn vor dir könnt ich mich als braves Ehweib sowieso nicht mehr halten.
Jäger knirschend, im Kampf mit sich
Falsche Katz; du biegst mich nit um: Ich zeig dich an und ohne Pardon.
Weib heftig
Und wenn Sie es nit täten — ich speiet Sie an. Sie sollen und müssen Ihr Sterndl kriegen. Wenn Sie dann ein jung verheirater Wachtmeister sein, und nach dem Dienst daheim ihre lange Pfeife rauchen; und es rutscht schon ein junges Jägerle auf Ihrem Knie herum und greift mit seinen Handerln nach Ihrem Blusenkragen um die weißen Sterndln — Herr Jäger, ich wünsch Ihnen nichts Schlechtes; aber dann denken Sie dran, durch was für ein Luderspiel mit einem Weib Sie zum ersten Stern kommen sein; näher an ihn heran da könnt schon sein, daß Gott Sie straft — an Ihrem Kind; daß ihm die Hand abfault, wenns nach dem Sterndl greift.
Jäger erschaudernd
Weib; hat dich die Höll ausgspien?
Weib stampft mit dem Fuße
Was stehn Sie noch da? Marsch fort. Ich will anzeigt sein.
Jäger steht durchschauert; dann innerlich zerrissen; verzweifelt
Höllteufel; bin noch immer ein ehrlicher Jäger gwesen. Eingangtüre ab.
Weib befriedigt
So; jetzt zeigs an, wenn du kannst. Sieht ihm hinter dem Fenster stehend nach.
Mann stürzt aus der Nebentüre, die ein kleines, rundes mit Glas versehenes Guckfensterchen trägt; froh in die Hände klatschend
Weib; den hast aber gut aufgepulvert; der brennt ja schon.
Weib fährt herum
Hast du mich jetzt erschreckt. Ungehalten Kommst du aus dem Uhrkasten heraus? Oder gar wie die neunundneunzig Schneider aus dem Schlüsselloch? Mustert ihn geringschätzig Dünn gnug wärst dazu.
Mann deutet nach der Nebentüre
Hab ein kleines bissel durch das Guckfenster glauscht. Weib zieht die Stirn kraus Den hast schon fest an der Halfter. Reibt sich vergnügt die Hände Und wie er zappelt und umschlagt. Klopft ihr auf die Schulter Weib, das hast gut gmacht.
Weib setzt sich und nimmt die Strickerei wieder auf
Hm; das ist weiter eine Kunst: Die Mannsbilder sein ja so dumm; man könnt damit Türen einrennen.
Mann hebt den Finger
Halt. Bin auch ein Mannsbild.
Weib strickt
Aber Manndl; i mein doch nur den andern; den Kraftlackl da; du zählst doch nit mit. Da sie der Mann liebkosend streicheln will, abwehrend Geh laß das; reg dich nit auf; es könnt dir nit gut tun: Könntst auf Ja und Na wieder deinen Herzklopfer kriegen. Legt das Strickzeug beiseite, dann ernst Du, Mann. Was i dir noch sagen will: deutet mit dem Kopf nach der Nebentür Das Herumspionieren leid ich nit. Merk dirs. Murrend Das schauet ja bald aus, als — trauetst du mir nit.
Mann sieht sie ganz verdutzt an
Was nit trauen? Stutzig Wie kommst jetzt auf das?
Weib zuckt die Achsel, strickt
Nit spionieren sollst. Mehr sag ich nit.
Mann sieht das Weib an. Dann etwas kühl
Jetzt haben wir ihn soweit, wie wir ihn brauchen: Zeigt ers an, dann macht das kleine Paketl nit viel Straf aus; und zeigt ers nit an, dann zeigen wir ihn beim Kommando an; dann ist er gliefert. Dann resolut abschneidend Wir lassen es jetzt gut sein — das ganze Spiel.
Weib
Halt. Nur nix überstürzen. Legt das Strickzeug weg und steht auf. Sieht den Mann mit beinahe drohenden Augen an Das werd dann schon ich sagen, wenns gut ist; verstanden.
Mann
Aber Weib; mach nit solche Augen. Man möcht sich bald fürchten.
Weib lenkt wieder ein; kraut ihm wie einem Knaben lachend den Kopf
Aber Manndl; wer wird sich denn fürchten. Sei froh; jetzt hast doch endlich ein richtiges Weib: Bis jetzt bin i nur so ein leerer Teigbatzen gwesen; aber jetzt ist im Teig Hefel drin. Reckt sich mächtig Mir scheint, jetzt geh ich erst auf.