Dritter Akt.
Reading edition
Mann sitzt am Tisch, der zum Teil mit hoch aufgetürmten Rollen von Gold- und Silberstücken bedeckt ist. Zählt und macht sich mit dem Bleistift auf einem Blatt Papier Notizen.
Weib sitzt, die Hände im Schoß, in der Nähe des Fensters. Späht immer wieder, als ob sie jemand erwarte, heimlich durch die Scheiben. Nur um etwas zu sagen, gleichgültig
Wieviel fehlt jetz noch zum Haus am Marktplatz?
Mann mit Zählen und Rechnen beschäftigt, vor sich hin
Neuntausend und da tausend wär zehntausend; nimmt einen vollen Lederbeutel und entleert seinen Inhalt auf den Tisch jetz käm noch das dazu. Nachdem er flüchtig den Inhalt übersehen; froh Vielleicht langts schon. Zählt. Im Zählen innehaltend; zurücksprechend Was meinst, hat ers angezeigt, der Jäger?
Weib
Was kümmerts mich. Wir werdens wohl noch früh gnug erfahren, wenn die Hausdurchsuchung kommt.
Mann
Im Haus finden sie nix. Und mein Geld können Sie mir nit nehmen. Zählt emsig für sich und setzt die Münzen in Rollen auf Die Schmuggler sein wieder gut an der Arbeit; sie sagen, der Jäger geh um, als hätt er einen Kugelschuß im Leib.
Weib
So?
Mann
Ja. Zählt; befriedigt Das Gschäft kommt wieder in Saft; ich merks an meinem Zuwachs. Zählt hastig weiter; dann freudezitternd Weib; jetzt halt mir die Daumen — ich mein, es langt. Zählt mit großer freudiger Hast und steigernder Spannung fort; plötzlich mit einem Freudenschrei aufspringend; auf das Weib zu Weib; es langt. Morgen, wenn du willst, kann ichs kaufen. Lacht vor Freude aus vollem Hals Was sagst dazu?
Weib gleichgültig
Na ja; dann ists ja gut.
Mann verdutzt
Ist das dein ganze Freud?
Weib
Na ja, ich kann doch jetz wegen dem Haus am Marktplatz nit gleich aufhupfen, daß ich den Kittl verlier.
Mann sieht sie argwöhnisch an
Weib, du gfallst mir nit; was ist mit dir?
Weib mürrisch
Mir gfallt auch viel ganz und gar nit, und muß es erleiden. Plötzlich heftig gegen den Mann ausbrechend Es ist nit recht, einen Menschen so hineinzuhetzn; und du hast mich dazu angstellt; ja, du.
Mann
Hat nit er dich fangen wollen?
Weib
Ja; das ist wahr.
Mann
Und hättest nit ebenso gut du können Feuer fangen anstatt ihm?
Weib
Ja, Mann; da hast recht. Hätt auch sein können. Schau, auf das hätt ich jetz ganz vergessen.
Mann
Und er hätt dich dann brav ausglacht. Na also; jetz ist er im Schnappsack drin; jetz lach du ihn brav aus. Befriedigt Es hat schon den Rechten erwischt; er ist der Anstifter gwesen.
Weib
Ausgeheckt hats unten der Wachkommandant; und der Jäger hat avancieren wollen; und du hast dir wollen das Geld verdienen für das Haus am Marktplatz; heftig und mich habt ihr alle als Köder ausgsteckt; so springt ihr mit unsereinem um; schamt euch — alle miteinander; in Boden hinein. Beginnt zu schluchzen.
Mann auf sie zu; rüttelt sie
Du bist heut ganz auseinander. Und in der Nacht hast ein paarmal aufgschrien, ganz wild; bin nur so aus dem Schlaf gfahren.
Weib trocknet sich die Augen
Da hast etwa auf dem Tennendach die Märzenkater ghört; die machen jetzt in der Nacht immer großen Rebell: es ist Frühjahr und Brunftzeit.
Mann
Und die ganze Nacht bist türaus und türein, und im Bett hin und her, ganz heiß im Dampf.
Weib
Bin ja noch jung; sollt ich schon kalt sein? Dann grob Überhaupt; muß ich jetzt schon bald über jeden Schnaufer, den ich tu, Rechenschaft legen? Ausschaun tuts bald so.
Mann der unterdessen das Geld vom Tische in die Lade der Kommode versperrt, kopfschüttelnd
Weib; in dir ist eine Unruh, ganz eine gwaltige.
Weib hat sich inzwischen wieder zu ihrer Strickarbeit gesetzt; trocken
So. Ich sitz aber ganz ruhig da und strick; und denk über die Maikäfer nach. Späht durch das Fenster; zuckt zusammen; für sich Dort kommt er um den Wegbug; und den Kopf laßt er hängen. Dann laut, in der Absicht, den Mann baldigst aus der Stube zu bringen; schmeichelnd Mann; ich hätt Appetit auf an Fisch; geh, Manndl, sei nett: Fang mir für heut abend einen Fisch aus dem Mühlbach.
Mann hat eben den Schlüssel von der Kommode abgezogen
Dann muß ich aber gleich gehn; sonst beißt keiner mehr; die Sonn geht schon abwärts.
Weib
Ja freilich mußt gleich gehn.
Mann
Wenn der Jäger kommen sollt, dann jag ihn aus mit Spott und Lachen. Was das Haus am Marktplatz kostet, haben wir. Wir brauchen ihn nimmer.
Weib
Wenn er kommen sollt, dann werd ich schon machen.
Mann im Abgehen des Weibes Wange befühlend
Deine Wang ist brennheiß. Eingangtüre ab.
Weib
Dein Hand ist eiskalt; drum kommt dir meine Wange brennheiß vor. Dann Aber spioniert wird heut nit. Geht durch die Nebentür, die sie hinter sich offen läßt, ab. Man hört das kräftige Zuschieben eines starken Riegels. Kommt wieder durch die Nebentüre; befriedigt So. Da ist ein Riegel gschoben. Reckt sich Jetz lassen wirs grad treiben, wies treibt.
Jäger ist im Rahmen der Eingangtüre aufgetaucht; bleibt an den Pfosten gelehnt stehen.
Weib
Na also; haben Sie das Sternl gleich mitgebracht? Ist gut; ich nähs Ihnen gleich auf. Holt das Nähzeug Ich freu mich schon; das wird Ihnen passen. Dann Aber warum hat man uns noch nit das Haus durchsucht? Fädelt eine Nadel ein Was schätzen Sie: Wieviel Straf werdn wir kriegen? Tröstet sich Na, man wirds ja noch früh gnug erfahrn. Dann So, jetz nur her mit dem Sternl, Herr Jäger; eingfädelt ist schon.
Jäger dumpf
Ah was. I bin kein Jäger mehr.
Weib
Was sagen Sie da?
Jäger ist vorgekommen
Mein Ehr ist hin.
Weib
Haben Sies am End gar nit angezeigt?
Jäger
Ihr Weiberteufl. So wie man an euch nur anstreift, habt ihr ein; und habt ihr erst den kleinen Finger, dann habt ihr schon die ganze Hand; und den ganzen Kerl mit Haut und Haar.
Weib brutal
So. Jetz gings auf mich aus. Ists noch nit gnug, wenn ich Ihnen die Spitzen hinter das Wams hineinschopp? Hätt ich Sie noch sollen hinunterführen an der Hand, auf die Wach, wie einen Schulbub? Dann Marsch; da ist die Tür. Tun Sie Ihr Pflicht. Ich laß mir da vorwinseln; das könnt mir passen.
Jäger schüttelt den Kopf
Ich bin schon eingezwickt: Heut beim Rapport der Kommandant mich gfragt: „Jäger. Nichts Neus von dem Fuchsbau da oben?“ — Gott mein Zeug, ich wollt sagen: Ja. Und gsagt hab ich: Na. Es hat mir das Wort im Maul verrissen. I kann nimmer, wie ich will; ich ghör nimmer mir selber. Reißt das Paket unter dem Rock hervor und schleudert es auf den Tisch Da. Hab gmeint, es brennt mir ein Loch durch. Wirft sich auf einen Stuhl Ich scham mich — zum Inbodenversinken.
Weib reißt das Paket an sich; wiegt es vor dem Jäger höhnend in der Hand
Wenn ich jetz morgen in der Früh auf die Wachstubn geh; und laß mir den Kommandanten rufen —
Jäger
Dann sag ich: Ein Weib hat mich gfangen; ein durchgeteufeltes, eingeteufeltes über und über.
Weib frohlockend
Jägerle; jetzt hab i dich. Hat das Paket geöffnet; entrollt die Spitzen vor dem Jäger Sein noch ganz warm die Spitzen, von dem langen Liegen unter der Blusn; weist dem Jäger das Spitzengewebe vor schau, Jäger; wie feine Mauszähn schauen sie aus; und die haben dein Ehr zerfressen. Schiebt ihm die entrollten Spitzen zu. Dann in streng befehlendem Ton Da. Leg mir sie um den Hals; ich schaff dirs. Wirds auf der Stell, oder ich geh schnurstracks zur Grenzwach.
Jäger nimmt wie willenlos die Spitzen in die Hand und legt sie ihr um den Hals
Da; ich tu alls; ich bin nimmer ich; nur mehr so ein Tanzbär mit dem Ring durch die Nasen.
Weib frohlockend
Haha; der Jäger, der stolze. Jägerle; wirst du noch einmal Weiber fangen? Ordnet sich die Spitzen am Hals und läßt die beiden langen freien Enden beiderseits vorne herunterbaumeln; kokett die Enden über der Brust glatt streifend, spottend vor dem Jäger Steht sie mir gut — dein Ehr um den Hals? Sie würgt mich nit und druckt mich nit. Haha.
Jäger stiert das Weib stumpf an
Ja, wenn ihr einen habt, dann habt ihr ihn ganz.
Weib heftig
Gelt, jetz winselst um dein Ehr; aber das hätt deiner Ehr keinen Schaden getan: Mit einem Weib Schindluder treiben, für ein Sternl an deinem Blusenkragen. In hellem Zorn Du Mannswolf. Nimmt das Papier vom Tisch, in das die Spitzen gewickelt waren; ballt es zusammen Da, das Papier: Ich wirf dirs unter den Tisch hin, wie einem Hund. Wirft das Papier unter den Tisch; befehlend Hebs auf vom Boden; auf der Stell bring das Apportl.
Jäger bebend vor Scham und Zorn
Weib; ich möcht dich schlagen. Drohend auf sie zu Soll i dich nit an die Wand hinaufdrucken, daß man nichts mehr sieht von dir, als ein rotes Mal?
Weib flüchtet gegen die Eingangtüre.
Jäger
Nur kein Sorg. Ich rühr Sie nicht an. Sie sein mir viel zu schlecht.
Weib heftig, in echtem Ton
Das laß ich nit auf mir sitzen. Wer hat denn angfangen? Bin ich zu Ihnen kommen, oder Sie zu mir?
Jäger hat sich gesetzt. Brütet vor sich hin
Ja; der Teufel muß einen reiten; dann kommt man weit bei der Nacht: Hab mir denkt, ein Sternl wär schon gut da her; und dann auch mehr Löhnung dazu; muß ja jeden Monat meiner Mutter was schicken; sie kann nichts mehr verdienen; und wenn man dann ein paar Sterndln hat, sich vielleicht auch ein bissel Familie schaffen; man hat ja sonst auch nix. Verzweifelt Aber ich hab sie nit kennt, die Weiber; sonst wär ich schon ausgwichen auf drei Büchsenschuß weit.
Weib auf ihn zu
Ich laß mich jetzt da von Ihnen nit für die Schlechte halten; ich hab die Mannsbilder auch nit kennt; Gott mein Zeug: Nie wär ich auf so was kommen; aber mein Mann; ja, schauen Sie mich nur an; der hat alles ausgetiftelt und gsagt, ich soll Sie fangen.
Jäger knirschend vor sich hin
Der Elendshirsch; die Schneiderfigur.
Weib beistimmend
Ja; sonst ist er um und um zu nichts nutz; aber solche Spitzbübereien auszuhecken — ah, da ist er gut. Legt dem Jäger die Hand auf den Arm Ja, Jäger; es ist so.
Jäger zieht seinen Arm von ihrer Hand ab
Weib, tu dein Hand weg; die macht mir zu warm. Sieht das Weib an Sonst vergiß i mich und tapp nach dir.
Weib versucht einen strengen Ton anzuschlagen
Jäger; i bin ein verheirates Weib. Vergessen Sie das nit.
Jäger
I weiß schon, daß Sie beschneidert sein. Haßerfüllt Wo man sich reckt oder einen Finger rührt — überall stoßt man an den Schneider an. Schlägt mit der Faust auf den Tisch.
Weib besieht die Stelle des Tisches. Trocken
Und wieder vier Gruben im Tisch. Sieht ihn bewundernd von der Seite an Ja, sagen Sie, Mensch: Sie sein ja ganz von Eisen. Setzt sich neben ihn; nimmt ihm sanft die Hand vom Kopf Was denken Sie denn jetz? Streicht ihm über die Stirn.
Jäger sucht sich seiner Leidenschaft zu erwehren
Nur nit so nah bei. Rückt von ihr etwas ab.
Weib rückt ihm nach; ihre Wangen glühen
Was stoßen Sie denn allweil mit Ihrem Knie an mir an?
Jäger schreiend
Ich? Sie rucken ja immer nach. Springt auf; faßt sie an den Schultern und rüttelt sie heftig. Heiser. Sag, Weib; was willst du mit mir?
Weib ohne den geringsten Versuch, sich von ihm frei zu machen
Gar nichts. Ruh geben sollst. Jäger läßt sie los; sie reibt sich die Schultern Grobian, jetzt hat er mir völlig die Achseln auskegelt.
Jäger trocken
Hätten Sie halt gschrien; dann hätt ich früher ausglassen.
Weib
Ah, zum Schreien bringen Sie mich nit; da können Sie schon noch besser drucken. Vor ihm, ganz sachlich Wetten wir um an Sechser, daß ich nit schrei?
Jäger aufgestachelt, legt die Arme um sie und preßt sie zusammen
Soll ich noch fester? Schreist bald?
Weib kann kaum atmen; gepreßt kichernd
Noch lang nit; grad extra nit; och du mein Jäger.
Jäger als besänne er sich; läßt sie los und schiebt sie unmutig von sich
Geh weg. Du bist ja doch nit mein. Laß dich von deinem haßerfüllt Schneidermanndl drucken um an Sechser.
Weib lebhaft einstimmend
Ja; das wird er wohl sein; so ein Kripperlspiel. Jäger ergreift ihre Hand und will sie wie liebkosend streicheln; sie entzieht ihm die Hand heftig Laß mich; ich bin nit dein; ich hab an Mann. Verzweifelt Ich hab ihn einmal und ich muß mit ihm leben; und da hilft einmal nichts. Hat sich abgewendet und schluchzt.
Jäger nicht ohne Schadenfreude
Ah; hats dich jetzt? Höhnend Gelt, mich hast fangen wollen; und jetzt bist selber drin. Haha.
Weib
Wer ist drin? Jäger, so weit haben Sie mich noch lang nit, daß ich etwa wegen Ihnen eine Dummheit mach. Bilden Sie sich nur das nit ein. Sich selbst zuredend Mein Gott, wenn er halt einmal nit besser geraten ist — denk i mir halt, er ist wie mein Kind und pfleg ihn weiter.
Jäger
Bis es Ihnen verleidet. Das Kind.
Weib
Oh na. Erst voriges Jahr hab ich ein krankes Hundl aufzogen; den ganzen Tag müssen mit dem Fetzen hinter ihm in der Stube her sein und aufwischen; und Medizin eingeben und futtern. Und hab alls gemacht mit Geduld. Hat mir gar nit verleidet. Immer sich selbst zusprechend, ohne es innerlich selbst zu glauben Na also; werd ichs mit mein Mann, mit dem ich jetzt sieben Jahr leb, auch noch weiter ermachen. Gegen den Jäger Ah na. Noch weiß ich schon, was Brauch ist. Gehn Sie. Und kommen Sie nimmer. Da wachsen für Sie keine Birnen.
Jäger zerrissen
Der Teufel hat mich hergführt.
Weib
Na, so soll er Sie auch wieder wegführen. Da ist die Tür.
Jäger macht sich zum Gehen fertig.
Weib horcht gegen den Flur
Halt. Jetz hör ich ihn grad beim Haus hereinschlurfen; jetz können Sie nit zugleich bei der Tür aus, wenn er hereinkommt; das fallt zu viel auf; rückt ihm einen Stuhl an den Tisch Setzen Sie sich noch ein bissel, damits nit so ausschaut. Aber ja nix anmerken lassen.
Jäger setzt sich
Wenn ichs nur kann. Trommelt mit den Fingern auf den Tisch.
Weib ist zum Wandschrank geeilt, entnimmt ihm eine halbvolle Flasche Rotwein nebst Trinkglas und stellt beides vor dem Jäger auf den Tisch
Tun Sie grad, als ob Sie ganz gemütlich ein Glasl Wein trinken täten. Richtet sich zurecht.
Jäger
Ich brauch ja nit nur so zu tun; ich kann ja wirklich ein trinken. Schenkt sich ein Glas voll und leert es mit einem Zug.
Mann
tritt währenddem, einen Fisch in der Hand, in die Stube. Sieht den Jäger trinken. Spottend Zum Wohlsein, Herr Jäger; schmeckt der Wein?
Jäger nimmt keinerlei Notiz von dem Mann; setzt das leere Glas heftig auf den Tisch; steckt beide Hände in die Hosentaschen und sitzt vor sich hinstarrend, breitspurig da
Mann auf das Weib zu, leise
Der trinkt meinen Wein und redt nix.
Weib
Er trinkt noch aus und kommt nie mehr.
Mann befriedigt
Gut so. Weist den Fisch vor. Laut Da schau, einen Fisch hab i dir gfangen.
Weib besieht den Fisch flüchtig
Mhm. Ist noch dazu ein großer. Nimmt einen Zinnteller von der Wand und wirft den Fisch hinein.
Mann
Ja. Mit einem Blick nach dem Jäger Je größer, desto lieber beißen sie. Tritt zum Jäger vor Nu, Herr Jäger; jetz werden Sie dann etwa doch wieder einmal müssen auf die Grenzwach gehn. Man hört, die Schmuggler sollen es arg treiben.
Jäger tut, als wäre der Mann nicht da; zum Weib
Haben Sie da einen Kanarivogl? Ich hör alleweil was piepsen.
Mann gibt es zurück
Na; aber wir tun uns einen Gimpel ein; die werden viel zahmer und fressen bald aus der Hand; gelt, Weib.
Weib trocken
Ich mein, wir haben schon einen.
Mann
Gut geben; bravo. Lacht aus vollem Hals.
Jäger dem Weib zunickend
Gut geben; bravo. Lacht ebenfalls
Mann geht auf das Weib zu, die den Zinnteller auf dem Schoß, im Hintergrund sitzt und mit dem Abschuppen des Fisches beschäftigt ist
Sag, ist der übergschnappt?
Weib gleichmütig
Mir nix bekannt. Dann Es geht schon auf Abend; Herr Jäger, gute Nacht.
Mann höhnisch
Gute Nacht, Herr Jäger. Dann zum Weib Meine Filzbatschen mußt mir bringen und frische Strümpf; sonst krieg ich wieder mein Huster; hab nasse Füß.
Weib
Wie kommst zu nasse Füß?
Jäger der sich bereits zum Gehen erhoben hat, kann sich nicht mehr halten; höhnend
Der Fisch hat ihn in Bach verrissen; lacht ja, so ein Fischschwanzl hat eine Kraft.
Mann erbost gegen den Jäger
Wer spottet mich da?
Jäger kann seinen Haß kaum mehr bändigen; vor sich hin
Laß dich einfatschen; Schneider.
Weib energisch
Herr Jäger, gute Nacht.
Mann in steigender Wut
Wer ist ein Schneider?
Weib
Mann, sei still und frag nit lang.
Jäger äußerlich ruhig
Jetz piepst schon wieder was.
Mann kommt nach Art schwächlicher Menschen in rasch ansteigende Wut
Wer piepst?
Jäger ruhig
Der Schneider.
Mann
Wer ist ein Schneider?
Jäger
Immer, der fragt.
Mann in höchster Wut
Wer ist ein Schneider? Zieht ein Stehmesser aus der Hintertasche.
Weib beinahe stolz auf ihren Mann
Herr Jäger, geben Sie acht. Sie könnten sich doch ein bissl irren in meinem Mann. Dann zum Mann Mann. Bist du nit bei Trost? Steck dein Messer ein.
Jäger zum Weib
Aber lassen Sie dem Schneider die Freud. Stellt sich ruhig vor den Mann hin. Da; Schneiderle, stich. Du bringst mirs ja gar nit durch die Rippen ein. Da der Mann in seiner Schwäche zitternd unschlüssig mit dem Messer dasteht, zum Weib. Halten Sie ihn; sonst fallt er um. Es sieht einen Augenblick aus, als wollte er sich in ausbrechendem Haß auf ihn stürzen. Bezwingt sich Ich muß grad laufen, sonst zerdruck ich ihn noch mit mein Augendeckl; in der offenen Eingangtüre sich noch einmal umwendend, haßerfüllt den Schneider. Ab.
Weib enttäuscht zum Mann, der am ganzen Leib zitternd dasteht
Jetz steck nur deinen Feitel ein und setz dich; du bist ja weiß wie ein Leintuch. Geleitet ihn zu einem Sitz. Er ist schon weg. Brauchst dich nimmer zu fürchten.
Mann fährt herum
Wer fürcht sich? Sitzt Sag, Weib: Warum hat denn der so eine Wut auf mich?
Weib
Hättst ihn gfragt; ich steck nit in seiner Haut drin. Dann Also was willst? Ah ja, richtig: Die Filzbatschen und frische Strümpf. Zieht die Filzschuhe unter einer Bank hervor und stellt sie etwas unwirsch zu seinen Füßen hin. Geht zur Kommode und entnimmt der untersten Schublade ein Paar Strümpfe.
Mann noch immer außer Atem; keuchend
So ein Lümmel.
Weib
Laß den Lümmel Lümmel sein und denk nimmer dran. Ist mit den Strümpfen zum Mann hingetreten und richtet sie ihm gebrauchsfertig. Aber Kraft hat er; wie er jetzt so dagstanden ist und hat seine Brust hergreckt, gradaus auf dein offnes Messer hin — ja, vor dem Jäger müssen wir noch alle kuschen.
Mann etwas gereizt
Ja, ja; jetz hör nur einmal auf. Wir reden nimmer davon.
Weib hat sich vor ihn hingekniet, um ihm beim Anziehen der Strümpfe behilflich zu sein
Zieh dir die Strümpf aus; hilf auch ein bissel mit; soll denn alls ich machen?
Mann streift sich die Strümpfe herunter
Einreiben mußt mich dann auch noch mit Ameisgeist; ich spür wieder ein Rheumatismus im Arm.
Weib trocken registrierend
So. Nasse Füß und Rheumatismus steht heut im Kalender. Kopfweh und Bauchweh hast gestern ghabt.
Mann
Das Herz klopft mir noch bis zum Hals herauf.
Weib hilft ihm in die Strümpfe
Aber sonst bist gsund. Dann Ja, mit solche Kraftlackel soll man halt nichts anfangen; da ist man allemal hinten dran. Hat ihm in Strümpfe und Filzschuhe geholfen; erhebt sich vom Boden; nimmt von der Wandstelle eine Flasche; vor dem Mann Da wär der Ameisgeist; unwirsch streck dir den Ärmel auf; oder soll alles ich machen? Das wär wirklich bald so, daß man dich noch fatschen müßt.
Mann
Hast du heut ein Grant. Streckt sich den Hemdärmel auf.
Weib besieht den Arm
Mein Gott, ist das ein Arm. Um kein Kreuzer Fleisch dran.
Mann
Siehst ihn denn heut zum erstenmal? Schreiend Ich hab ja nichts Bessers mitkriegt von meiner Mutter.
Weib trocken
Deswegen mußt aber jetzt nit mit mir so schreien. Ich bin nit dein Mutter. Reibend. Mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Vor sich hin Ich mein, wenn der Jäger einmal Kinder kriegt — das gibt lauter junge Bären ab.
Mann erbost
Jetzt hör mir bald auf mit dem Jäger. Wir reden nimmer davon. Pause. Plötzlich sich besinnend Richtig. Jetzt hätt ich bald die Hauptsach vergessen. Also, was ist? Hat ers anzeigt?
Weib
Wer?
Mann
Wer. Der Jäger.
Weib energisch
Jetzt wird nimmer gredt davon.
Mann erbost aufspringend
Ob ers anzeigt hat.
Weib unwirsch
Was anzeigt.
Mann
Das Paketl mein ich; mit den Spitzen.
Weib grob
Ah was, Paketl. Leg dich ins Bett und schlaf dein Schrecken aus; ist gscheiter.
Mann ganz perplex
Wie redst denn du auf einmal mit deinem Mann?
Weib achselzuckend
Ich red halt, wie ich red. Überhaupt, wo ist denn ein Mann? Hohnlachend Das wär mir ein Mann: Im Frühjahr voll Katarrh, im Sommer Kopfweh; im Winter die Wärmflaschn im Bett; und wenn er am besten ist, ist er umundum nix nutz. Heftig ausbrechend Und das soll mein Leben sein? Wirft das Flanelltuch, mit dem sie die Einreibung vorgenommen, von sich Laß dich von der Katz einreiben. Mir graust. Ja, grausen, grausen tut mir vor dir; du Saugflaschenmanndl.
Mann steht wie erstarrt; dann
Ah. Jetz geht mir ein Licht auf. Erschütternd aufschreiend Mein Haus brennt.
Weib brutal
Wer hats denn angezunden?