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Der Weibsteufel

Vierter Akt.

Reading edition

Weib sitzt am Morgen zusammengekauert in einem Winkel der Stube und brütet vor sich hin.

Mann kommt zum Gehen gerüstet aus der Nebentür. Innerlich tief erregt. Bezwingt sich

Weißt du nit, wo du bei Nacht hinghörst?

Weib

Mir muffelts zuviel in der Schlafkammer.

Mann hält sich gewaltsam ruhig

Weib, ich sag dir nur das: Was mir ghört, das halt ich mir. Kommt ihr mit der Hand zu nahe.

Weib fährt wie angeekelt zurück

Rühr mich nit an. Deine Hand ist kalt, wie eine Totenhand.

Mann kann sich nicht mehr halten. Schreiend

Dem Jäger seine — ist die wärmer? Sich selbst zur Ruhe mahnend Nur kaltes Blut.

Weib vor sich hin

Sorg dich nit. Das wird eh nit warm.

Mann hält sich mühsam ruhig

Ich geh jetz ein neues Türschloß bstellen. Das alte taugt nichts.

Weib

Du hast die ganze Suppe selber eingebrockt — jetz löffel sie auch aus. Gib mir soviel Geld, daß ich nit Not leiden muß. Dann geh ich heut noch von dir weg.

Mann keuchend vor verhaltener Wut

Zum Jäger.

Weib

Gleich wohin. Denk dir grad, ich bin gstorben. Ein schöns Begräbnis spendierst mir doch; und dann das Totenmahl und ein schönen Grabstein. Gib mir, was das alls kostet, also lebendiger, dann hab ich was davon.

Mann

Und der Jäger auch.

Weib verzweifelt ausbrechend

Ich kann mit dir nimmer leben. Kniet vor dem Manne Laß mich aus. Du erhebst mich ja doch nimmer.

Mann kochend vor Wut

Ah; mein Weib mir davon; das Lachen dann und Spotten bei meinen Brüdern. Wenn du mir so kommst — da hast. Schlägt sie auf die Wange; im Abgehen Mein Sach halt i mir noch. Eingangtüre ab.

Weib erhebt sich vom Boden

Mannl; du sperrst ein Weib nit ein. Man hört plötzlich ein mächtiges, dumpfes Pochen an der Haustür. Das Weib horcht auf; da es neuerdings pocht, froh Ja. Das ist seine Faust. Eilt ab, um die Haustür zu öffnen. Kommt gleich wieder in die Stube zurück; hinter ihr, vernachlässigt in der Kleidung, mit wirrem Haar, wie übernächtig, der Jäger Grad hab i auf dich denkt. Und jetz bist da. Als wenn i dich herzaubern könnt. Dann Wie kommst du jetz her?

Jäger wirft die Mütze auf den Tisch; wischt sich mit dem Ärmel über die Stirn; achselzuckend

Bin halt da. Er ist ja weg.

Weib

Ja. Grad ist er fort. Bist ihm begegnet?

Jäger

Na. Hab mich versteckt ghabt und gwartet, bis er geht.

Weib

Ich kanns nimmer aushalten neben ihm in der Kammer. Bin heut die halbe Nacht da in der Stube herumgsessen.

Jäger

Hab schon dein Schatten gsehen; deutet mit dem Kopf nach dem Fenster hinter dem Vorhang.

Weib verwundert

Schleichst denn du Tag und Nacht da um? Machst du kein Dienst mehr?

Jäger dumpf, resigniert; zuckt die Achsel

Ich will auf die Grenzwach gehn, und auf einmal bin ich da. Ich lieg im Wachzimmer auf der Pritschn, und auf einmal bin ich da. Wischt sich über die Stirn Kenn mich selber nimmer; bin von oben bis unten aufgrissen.

Weib

I muß auch immer an dich denken. Kann nimmer schlafen und essen. Immer nur an dich und dein Kraft; angeekelt neben dem Fliegenmanndl da.

Jäger winkt haßerfüllt ab

Red mir nit von ihm.

Weib

Siehst Jäger; mir graust so vor ihm; ich kann dir nit sagen, wie. Wie vor einer halbtoten Fliegn, die im Kaffee herumschwimmt.

Jäger hat das Weib aufmerksam angesehen; deutet auf ihre Wange

Was hast denn da? Bist ganz brennrot.

Weib zuckt zusammen. Dann kurz

Bin früher beim Fenster glehnt und hab die eine Hand da auf die Wange deutend aufgstützt. Davon wirds wohl sein.

Jäger

Wo ist er denn jetz hingangen?

Weib

Er?

Jäger

Ja.

Weib

Zum Schlosser. Ein neues Türschloß will er machen lassen, das man von innen nimmer aufbringt. Und die Fenster sein sowieso vergittert.

Jäger

Will er dich einsperren?

Weib

Er probierts einmal. Dann Wenn du morgen kommen wärst, hätt ich dir gar nimmer die Tür aufmachen können.

Jäger aufbrausend

Teufel. Meinst, ich möcht das? Verächtlich Warten, bis die Katz aus dem Haus ist; dann einkriechen, wie ein Einbrecher. Das wär mir viel zu minder. Frisch ganz oder gar nit. Halb und halb ist nit mein Art.

Weib

Bitt dich, Jäger: Verlaß mich nur nit.

Jäger nagt an seiner Lippe. Plötzlich

Gehn wir miteinander durch.

Weib

Da dran hab i auch schon denkt. Aber was tun wir dann? Ich hab kein Kreuzer; alls ghört ihm; und du hast auch nix. Und von der Lieb können wir nit abbeißen. Da schaust du mir nit darnach aus. Dann Soll ich dann vielleicht in Dienst gehn, als Kuchelmädl? Dank dafür. Und ich mein, da wär i dir auch bald zuwider.

Jäger seufzend

Es ist ja bei mir auch nur so gredt; wie man halt redt ohne Kopf. Ich hupfet nit weit; sie können mich jede Stund wieder holen. Und meine Reputation und die Mutter, und alls. A was, ich hab ja kein Kopf mehr. Sitzt brütend da und stützt den Kopf in die Hand.

Weib nahe an ihn heran

Jäger; was tun wir?

Jäger äfft sie

Was tun wir; was tun wir; verzweifelt gegen das Weib ausbrechend Nit einfangen hättst mich sollen.

Weib auffahrend

Hab ich mir wollen ein Sternl verdienen oder du? Höhnt ihn Hast jetzt dein Sterndl? Hängst jetzt?

Jäger

Hängst du vielleicht nit?

Weib dumpf aufstöhnend

Ja. Wir sein jetz beide drin. Wirft sich ihm an den Hals Sag nur, mein Jäger: Was fangen wir an.

Jäger

Überall wo man hinschaut — alls ist verrammelt. Preßt das Weib an sich.

Weib macht sich unwirsch los

Laß mich. Ich ghör ja doch nicht dir. Dann, unter den halbgeschlossenen Lidern nach dem Jäger sehend Ja, wenn ich kein Mann hätt — dann wärs leicht.

Jäger beinahe rauh abschneidend

Jetzt hast aber ein. Plötzlich unsicher; zögernd Ich wüßt ein Mittel.

Weib lauernd, mit aufblitzenden Augen

Sags.

Jäger zieht seine doppelläufige Dienstpistole hervor und legt sie hart auf den Tisch

Da sein zwei gute Schuß drin. Einer dir und einer mir. Dann ist ein Ruh. Wir lebens ja doch nit aus.

Weib enttäuscht über den Vorschlag; schiebt die Pistole weg

Steck ein. Dünn, trocken Weißt, Jäger; ich bin keine Sterberin. Ich tu recht gern leben; ja, ich möcht völlig sagen, jetz noch viel lieber als früher. Dann Wenn schon gstorben sein muß — näher an den Jäger heran warum denn grad ich und du, zwei gsunde Leut? Spielt mit der Pistole und sieht den Jäger lauernd an Sein nit gnug andere da, die näher dran wärn?

Jäger stutzt. Sieht das Weib an

Was willst damit sagen? Steckt die Pistole ein.

Weib trocken

Nichts. Dann harmlos Was hast denn du gmeint, was ich sagen will?

Jäger

Ich? Nix. Aber du hast mich jetz so angschaut.

Weib

Ich schau nit anders, als wie sonst.

Jäger winkt ab

Reden wir von was anderm.

Weib

Hast recht. Sieht wie von ungefähr gegen das Fenster. Dann Jetz regnets.

Jäger sieht zum Fenster

Ja. Es schüttet.

Weib

Und mein Mann hat kein Schirm mit.

Jäger

Den weichts heut ordentlich ein.

Weib

Er hat sich schon einmal auf die Weis eine Lungenentzündung gholt.

Jäger

So? Hm. Da wärs das zweitemal gfährlich.

Weib

Ja. Er hat ohnedem so einen stillen Atem.

Jäger

Wie das?

Weib

Neulich in der Nacht da hab ich ihn auf einmal nimmer schnaufen hören.

Jäger

Oha.

Weib

Na ja. Gschnauft hat er schon. Sonst läbet er ja nimmer. Ich hab halt seinen Atem nit ghört.

Jäger

Ja. Ich versteh schon.

Weib

Und da hab ich mir so ausdenkt, wies dann etwa wär: Sieht den Jäger unter den halbgeschlossenen Lidern an Da brauchtest nimmer heimlich einschleichen, wie ein Dieb bei der Nacht; könntest gradaus bei der Haustür eingehn mit dein schweren Mannstritt. Und dann wär im Haus auch alls gsund und stark; da gäbs kein Grausen mehr.

Jäger

Na ja; gsund sein wir, Gott sei Dank.

Weib

Weißt, was ich mir noch denkt hab?

Jäger

Na. Das weiß ich nit.

Weib näher an ihn heran; ziert sich

Na; das sag ich nit. Dann Hab mir denkt, da möchts nit lang dauern, und es rutschet auf deinem Knie so ein junges Kraftbübl um. Wie ein jungs Bärl. Lacht.

Jäger heftig auffahrend

Hör einmal auf. Ist alls in die Luft gredt. Er lebt ja.

Weib seufzend

Och, du mein Gott, ja. Da hast wohl recht.

Jäger nachdenklich, vor sich hin

Na ja; aber wenn er immerfort so herumkrankt, könnt er leicht heut oder morgen einmal — awas, reden wir von was anderm.

Weib

Bin gestern nachmittag beim Doktor gwesen.

Jäger zerstreut

So? Bist krank?

Weib

Ich nit. Dann Hab ihn nur gfragt, was er eigentlich meint zu meinem Mann, und er soll mir die Wahrheit sagen; weil der alle Tag eine andere Krankheit hat.

Jäger

So. Und was hat er gsagt?

Weib

Er hat gsagt, die ewigen Krankensessel werden alle steinalt; weil sie sich immerfort halten müssen und dürfen kein Unfug treiben; und so wird das Gehäus nit viel abgwetzt.

Jäger

So. Na ja, dann wirds schon so sein.

Weib trocken

Ja, er hat mich recht aufgetröstet und beim Gehn noch gsagt: „Da können Sie ganz ruhig sein. Der wird achzig Jahr alt, wenn ihm nit grad ein Zieglstein auf den Kopf fallt, oder sonst etwas passiert.“

Jäger lacht etwas gezwungen

Na, mit die Ziegelstein schauts da schlecht aus; in der Gegend sein die Häuser noch alle mit Holzschindeln gedeckt.

Weib

Na eben. Müßt ihm höchstens sieht den Jäger an; stockend sonst etwas passieren.

Jäger

Was sollt ihm denn passieren?

Weib sieht ihn an

Was du nur heut immer so fragst?

Jäger mißt sie mit mißtrauischen Blicken

Mir kommt vor, deine Reden haben heut alle noch eine Nebentür.

Weib zuckt die Achsel. Kalt

Du findest heut überall ein Haar in der Suppe.

Jäger sieht das Weib an

Weib; sag, was ist das: Wenn ich von dir weg bin, verlangts mich nach dir; und wenn ich bei dir bin, dann fürcht i mich.

Weib erstaunt

Fürchten? Vor was?

Jäger

Ich weiß nit. Du hast so eine Gwalt.

Weib

O Jäger. Wenn du nur wüßtest, wies mich zu dir hinreißt. Siehst, ich hab schon bald gar keinen Funken Scham mehr ein. Hängt sich an ihn. Mein Jäger.

Jäger macht sich heftig von ihr los

Du bist nit mein. In der Nacht mudelt dich ja doch wieder der andre ab.

Weib

Bist auch so eifersüchtig? Mir gehts grad so. Wenn ich nur von weitem dran denk, dich könnt einmal eine andere habn, da treibts mir das ganze Blut zum Kopf.

Jäger haßerfüllt

Der Schneider. Fährt unwillkürlich mit der Hand an den Säbelgriff.

Weib das die Bewegung wohl bemerkt hat

Na, was denn?

Jäger beherrscht sich

Nix.

Weib plötzlich unmutig

Ah was. Schneider hin, Schneider her. Das hat alls kein Griff. Soll ich deswegen vielleicht auf dem Heustock schlafen? Ich bin einmal sein Weib und er ist mein Mann. Und es ist sein guts Recht. Und er hat mich ja insoweit auch immer gut ghalten.

Jäger aufgestachelt

Weib, hör auf jetzt; mir ist grad bald, als müßt ich ihn erschlagen.

Weib rasch auf das Wort einschnappend. Mit aufblitzenden Augen, ganz nahe vor ihm

Jäger. Erschlag ihn.

Jäger starrt das Weib an. Dann tonlos, ruhig

So. Jetz ists draußen. Das Wörtl hat schon die ganze Zeit her heimlich in der Stube herumgeistert. Jetz hats auf einmal Fleisch angsetzt. In Furcht, mit aufgerissenen Augen vor sich hin Jetzt stehts da auf zwei Füß.

Weib fährt gegen ihn auf

Hab ichs zuerst gsagt? Du hasts zuerst gsagt.

Jäger heftig auffahrend

A was; ich, du — du, i. Dann ruhig Niemand hats gsagt. Es ist von selber reif vom Baum gfallen. Dann trocken Siehst, Weib; es ist nicht, daß i mich besser mach, als ich bin. Aber wenn jetz meine Mutter da wär; sie müßt es dir selber ins Gsicht sagen, daß ich immer bin ordentlich gwesen, von meiner jüngsten Bubenzeit an. Gepreßt Und jetz halten wir auf einmal bei dem. Erschütternd ausbrechend Ja sag mir nur, Weib: Wo kommen denn wir zwei noch hin?

Weib wischt sich über die Stirn. Nachdenklich

Mir hat auch nie ein Mensch was Übels nachsagen können. Da kannst überall fragen. Fast traurig, resigniert vor sich hin Aber jetz bin ich ganz eine andere. Und die kenn ich selber bei Haut und Haar noch nit. Plötzlich ausbrechend Wer hat mich denn herausgekitzelt, wie die Grille aus dem Loch? Mein Mann und du. Ja ihr zwei. Und der Wachkommandant drunten hats ausgheckt. Läßt sich im Hintergrund der Stube auf einem Sitz nieder.

Jäger am Tisch sitzend; reuevoll vor sich hin

Solang haben wir mit dem Feur gezündelt; das frißt uns noch alle auf.

Mann kommt, einen Regenschirm in der Hand, in die Stube. Sieht den Jäger. Innerlich sehr erregt; zwingt sich aber gewaltsam zur Ruhe; heiser

Ein grauer Tag ist heut, Herr Jäger; was?

Weib sitzt abseits

Ja. Katzgrau.

Mann barsch

Dich hat niemand gfragt. Stellt den Schirm in die Ecke.

Weib

Hab gmeint, du hast keinen Schirm mitgnommen; jetz hast doch ein.

Mann

Hab mir einen ausgliehen. Verbissen Sei ganz ruhig, Weib. Ich gib schon acht auf mich; daß mir ja nichts gschieht, und daß ich mir das Leben erhalt. Zum Jäger, der aufgestanden ist und sich davon machen will. Bleiben Sie Herr Jäger. Sie sein mir ganz recht da. Wir haben zu reden. Das Weib mit einem Blick streifend Die Leut im Dorf reden auch schon.

Weib zuckt die Achsel

Die Leut reden viel, wenn der Tag lang ist. Dann Das Türschloß hast bstellt?

Mann

Ja. Es ist bstellt.

Weib

Bei deinem Bruder vielleicht gar? Und hast ihm auch gsagt, du brauchsts, um dein Weib einzusperrn?

Mann bezwingt sich; vor sich hin

Nur kaltes Blut. Setzt sich zum Jäger an den Tisch Jäger; wir zwei reden es jetz aus. Von Mann zu Mann; aber ganz kalt; wie man redt von einem Geschäft. Ganz kühl bei Kopf.

Jäger trocken

Um so besser, wenns kalt hergeht.

Mann zum Jäger, und auch das Weib mit einem Blick einbeziehend

Niemand hats vermeint: Da ist mit einmal etwas da gstanden, wie aus dem Boden heraus; auf das niemand denkt hat; und jetz hats uns auf einmal alle. Zeigt sein Stechmesser vor Aber so schwach ich bin — dasmal stoß ich zu, Herr Jäger. Legt das Messer hart auf den Tisch. Ja. Heftig Mein Weib ist mein Sach; und mein Sach laß ich mir nit nehmen. Sich selbst zur Ruhe mahnend Nur kühl bei Kopf. Dann ruhig zum Jäger Aber was hab ich dann davon, wenn ich Ihnen das Messer hineinrenn? Mich beutelts eiskalt durcheinander, wenn ich nur dran denk. Starrt mit entsetzten Augen vor sich hin. Dann hab ich einen Menschen umgebracht. Ja. Dann hab ich keine gute Stund mehr mein Lebtag. Dann sachlich, ruhig Oder Sie mich, Herr Jäger. Sagen wir, Sie geben mir einen Drucker; Sie haben ja die Kraft. Nur ganz ein klein Drucker, und ich bin schon weg. Wissen Sie, mich hats gleich. Bitter Ich hab von daheim nit viel mitkriegt. Dann Aber deswegen haben Sie vom Weib dann doch nichts; ganz kühl gredt. Nix haben Sie. Stärker Das Zuchthaus haben Sie. Hat sich erhoben. Oder gar — um einen Kopf zuviel. Blitzt den Jäger mit den Augen an. Ja. Ganz kühl gredt, Herr Jäger.

Jäger von Furcht und Angst gepackt, schreiend gegen den Mann

Verfluchter Mensch. Was redst da zusamm. So was. Das wär ja bald, als spüret man schon das kalte Eisen am Hals.

Mann ruhig

Na eben. Das mein i ja auch. Dann Und da weiß ich ein Mittel, daß alls wieder ins Gleis kommt.

Jäger horcht ebenso wie das Weib auf

Sags.

Mann

Sie müssen aus der Gegend; und das heut oder morgen.

Jäger

Das steht nit bei mir. Hab zu tun, was der Kommandant mir schafft.

Mann

Es geht schon. Nur schlau muß man sein.

Jäger

Ich wüßt nit, wie.

Mann behält den Jäger fest im Auge

Bin heut auch auf der Grenzwach gwesen. Jäger starrt den Mann an Hab mich zum Kommandanten führn lassen. Hab den Kommandanten gfragt, ob Sie nit von uns da ein Paketl Konterband, Spitzen und Seide, abgliefert haben. Jäger hält die Augen, ohne mit der Wimper zu zucken auf den Mann gerichtet.

Weib vom Sitz auf; heftig gegen den Mann

Was? Du hasts anzeigt?

Mann ohne seine Augen vom Jäger zu lassen

Kusch, Weib; wenn Männer reden. Dann fortfahrend, zum Jäger Da hat der Kommandant große Augen gemacht und gsagt: „Da ist kein Paketl und keine Anzeig einglaufen.“ Und er wird Sie auf der Stell zum Rapport nehmen, sagt er. Bohrt seine Augen in die Augen des Jägers Wenn er Sie jetzt dann zum Rapport nimmt, was werden Sie dann sagen, Herr Jäger?

Jäger voll Scham

Jetz bin ich dann offen angnagelt. Vor allen Kameraden; als einer, der sein Ehr verweibert hat. Wendet sich gegen die Wand.

Weib zum Mann, trocken

Wer hat ihm denn ein Paketl geben? Hast du ihm eins geben?

Jäger sich gegen das Weib wendend

Weib, streng dich nit an. Ich steig dir nimmer weiter in die Lug hinein. Zum Manne Ich werd haarklein alls sagen, wies wahr ist; und ich hab von der da ein Paketl kriegt; und wie alls kommen ist. Dann sollen sie mit mir machen, was sie wollen. Versetzt werd ich auf der Stell; das ist schon das wenigste.

Mann zum Jäger; befriedigt

So hab ich mirs denkt.

Weib springt auf

Jäger. Das wirst nit tun.

Jäger gegen das Weib

Ja, Weib: Jetz tu ich so. Und ists auch gallenbitter; ich tus. Ich tus.

Weib kalt

Ich habs schon ghört. Brauchst es nit sechsmal zu sagen. Setzt sich.

Jäger

Ah na. Ganz mit Haut und Haar hat mich der Teufel noch nit auf der Mühl.

Mann zum Jäger

Also dann wär ja insoweit alls gut, Herr Jäger. Aber sehen Sie: Auf so einen balzenden Hahn ist ein schlechter Verlaß. Wenn Sie bei der Tür draußen sein, fallts Ihnen am End wieder anders ein; und Sie sagen dann auf der Wach, sie hätten nichts kriegt und nichts gsehen. Das vergeßne Weib da hat Ihnen ja gleich schon auf das hin ein Brückerl gebaut. Drum ists besser, ich setz gleich über das eine Schrift auf, und Sie unterschreiben; dann steht die Sach fest. Ists gut so?

Jäger entschieden

Ja. Es ist gut. Nur fort aus dem Fuchsloch; je eher, je lieber.

Mann

Also ich schreibs gleich. Geht auf die Nebentüre zu.

Jäger

Nur schreiben. Nur schreiben. Und wenn i da auch einen Fetzen Ehr und eine blutige Pfote zurücklaß — nur heraus aus dem Fangeisen. Setzt sich an den Tisch und stützt den Kopf in die Hände.

Mann schon bei der Nebentüre, wendet sich noch einmal um; gegen das Weib

Weib. Mit dir werd ich dann schon fertig. Dir leg ich den Zaum schon enger an. Nebentüre ab.

Weib sieht dem Manne nach. Ruhig, in kaltem Haß

Manndl. Du sperrst ein Weib noch lang nit ein; in deine Totengruft. Steht auf und setzt sich zum Jäger an den Tisch. Mit dem Kopfe nach der Nebentür deutend Was der Maulmacher da vom Zuchthaus redt; oder gar um einen Kopf zuviel; zum Lachen.

Jäger

Schon gut. Mir wars nit zum Lachen, wie er davon gredt hat. Erschauernd Hab schon das kalte Eisen gspürt. Weib. Das kühlt ab. Ich bin nüchtern.

Weib

Da weiß ich als Mädl daheim einen Fall im Nachbardorf: Da hat einer ein Weib ghabt. Und einen jungen Knecht; stark, wie du; wie Milch und Blut. Und jung.

Jäger mit sich selbst beschäftigt; stiert vor sich hin

Was kümmerts mich.

Weib

Der Mann war auch so ein dürrer Baum; so, wie der meine. Dann Und da hat man den Mann einmal gfunden; tot; mit seinem eignen Messer im Leib. Jäger beginnt mit halbem Ohr hinzuhorchen Es ist beinah so ein Messer gwesen, wie das da; spielt mit dem Messer des Mannes, das auf dem Tische liegt grad mit so einem Hirschhorngriff.

Jäger

Und was weiter?

Weib

Nichts weiter. Die Leut haben gsagt: Der hat sich selber erstochen; es hat ihn das Leben nimmer gfreut. Dann haben sie ihn begraben, und aus. Kein Mensch hat weiter nach dem Dürrling gfragt. Dann Und der junge Knecht und das Weib haben ein halbes Jahr drauf geheirat. Und jedes Jahr zu Allerseelen haben sie vor dem Dürrling seinem Grab gebetet und die Kinder mitgnommen; jedes Jahr um eins mehr; so daß es bald um das Grab herum nur so gewurlt hat. So lebendig hats der zu seinen schönsten Lebzeiten nie ghabt.

Jäger hat sich erhoben

Weib; mich schüttelts vor dir.

Weib hat sich ebenfalls erhoben

Ich weiß nur, daß mich graust.

Jäger

Werd nüchtern.

Weib

Wenn er aus mir hätt eine Mutter gmacht, wies Recht und Brauch ist, dann könnt man ihn leichter ertragen und wär alls ein Teil besser. Haßerfüllt Aber so hat mich der haßerfüllt Unnutz betrogen — um alls. Plötzlich auf den Jäger zu. Hängt sich leidenschaftlich an ihn Jäger; so wie mich vor ihm graust, so verlangts mich nach dir. Klammert sich an ihn.

Jäger sucht sich von ihr loszumachen

Weg. Ich hab mit mir selber zu tun, daß mich der Wind nit verreißt. Da sich das Weib an ihn klammert Weg, sag ich. Komm zu Verstand und werd nüchtern.

Weib das nicht von ihm lassen will

Jäger. Ich möcht ein Kind von dir haben.

Jäger schüttelt sie mit Gewalt von sich ab, daß sie taumelt

Geh weg. Du brünstige Hündin.

Mann steckt den Kopf durch die Nebentür

So, Herr Jäger. Bitt unterschreiben.

Jäger durch die Nebentür ab, die er hinter sich schließt.

Weib vor sich hin

Werd nüchtern. Tritt ans Fenster; preßt einen Augenblick den Kopf an die Scheiben. Dann Ihr Mannderln. Geht euch jetz der Grausen an? Zuerst habt ihr mich aufgehackt bis auf den Grund; und jetz möchts ihr mich wieder zudrehn, wie einen Wasserhahn. Aber mich fangts ihr nimmer ein. Jetz habt ihr mich aufgezwirbelt; mit einem gewaltigen Ruck und jetz bin ich da. Da sie die Männer aus dem Nebengemach kommen hört, setzt sie eine gleichmütige, ruhige Miene auf.

Jäger und hinter ihm der Mann kommen aus der Nebentür.

Mann faltet im Gehen die Schrift zusammen und steckt sie befriedigt in die Tasche

So. Wir Männer sind handeleins; mit einem geringschätzigen Blick nach dem Weib und Weibersach renkt sich von selber ein.

Weib

trägt eine ergebene Miene zur Schau

Mann; du kannst schon recht haben. Ich hab mir jetzt auch alls überlegt; und ich mein schon, wenn man es beim Licht betrachtet — du triffst immer das Rechte.

Mann

Zeit wärs; daß es wieder hell wird in dem Weiberhirn.

Weib

Naja. Wir Weiber sein ja nur halbe Leut. Dann Ich weiß überhaupt nit, was ich eigentlich will. Mir geht ja bei dir nix ab. Aber die dummen Weiberleut kriegen halt oft so einen Rabbl, wenns ihnen zu gut geht. Ein Pferd sticht auch der Haber, wenns zu lang leer im Stall steht. Aber ich spür schon, es renkt sich wieder ein.

Mann

Was ich immer sag: Weiber sein wie Kinder. Heut so und morgen so. Da darf man nur nit nachgeben.

Weib

Es wird schon so sein, wie du sagst. Du kennst sie ja vom Grund aus, die Weiber.

Jäger macht sich gehfertig. Mit den Zähnen knirschend

Ich machs jetzt mit dem Kommandanten richtig. Werd bald mein Order haben. Dann fort mit Schaden. Verabschiedet sich flüchtig Adje allseits. Auf Nimmerwiedersehn. Will ab.

Weib verstellt ihm die Türe

Halt, Jäger. Grad wie vom nächstbesten Küchentrampel brauchen Sie jetz deswegen nit von mir zu gehn. Zu dem ists doch ein bissel zu tief gangen.

Mann barsch

Was soll er denn noch?

Weib zum Mann

Man laßt ja einen See auch langsam ausrinnen, und nit auf einmal; damit er kein Unheil anstiftet. Zum Jäger Morgen, bevor Sie marschieren, müssen Sie noch kommen auf einen Abschiedstrunk. Noch einmal mit dem Glas anstoßen alle drei; daß alles ruhig ausklingt und still ins Wasser fallt. Ich mein, das ist nit zuviel verlangt.

Jäger fest

Ich schlief nimmer ein in den Fuchsbau.

Weib sieht dem Jäger fest ins Gesicht, als wollte sie ihn mit den Augen bannen

Jäger. Auf zwei Minuten. Es ist ja das letztemal. Wir sehn uns dann nie mehr.

Jäger statt einer Antwort

Adje hab ich gsagt. Jetzt ein Strich unter alls, und wieder frisch angfangen ganz von vorn. Ab.

Mann schließt hinter dem Jäger erleichtert aufatmend die Türe. Dann

Weib; und wir löschen auch alls aus, was gwesen.

Weib

Auch den Schlag ins Gsicht? Alls auslöschen?

Mann

Hab ich da nit recht ghabt? Wenn du mir so kommst.

Weib in blutigem Hohn

Ja. Tausendmal recht. Ich sehs ein. Aber nit einmal — zweimal hättest schlagen sollen. Na. Dreimal. Also sagen wir, ich habs noch zweimal auf das nächstemal gut.

Mann

Ich hoff, es wird nie mehr dazu kommen. Reicht ihr die Hand.

Weib mit verhaltener Wut; sich recht demütig stellend

Wir wolln es hoffen. Und ich werd gwiß mein Möglichstes tun.

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