Fünfter Akt.
Reading edition
Es ist Abend. Die Hängelampe brennt über dem weißgedeckten Tisch.
Weib stellt eine große Flasche Rotwein mit drei Gläsern auf und rückt drei Stühle zurecht
Jäger, du kommst noch. Dich ziehts da her, wie den Bär zum Honigschlecken. Dann Zum Schuttwegräumen bist mir noch gut; weiter brauch i dich nimmer: Wenn ich das Haus am Marktplatz hab und drin sitz als junge Wittib — da fang ich mir so junge Kraftkerl her, grad nach Lust. Ich weiß jetz schon, wie mans macht. Übersieht noch einmal den Tisch. Hält die Flasche Rotwein vor das Licht Der Wein ist rot, wie frisches Blut. Na, ist recht.
Mann kommt durch die Eingangtüre.
Weib
Mann, bist da?
Mann
Ja; wie du siehst.
Weib
Hab schon um dich Sorg ghabt, wies gefinstert hat, und du warst noch nit da.
Mann froh
Weib; das hör ich gern bei der Tür herein. Ich seh, du bist ausgnüchtert.
Weib
Oh, es ist alls längst wieder gut.
Mann hat sich gesetzt und entledigt sich der Schuhe; vor sich hin
Man kennt sie ja, die Weiber.
Weib hat ihm die Hausschuhe besorgt und stellt sie zu seinen Füßen hin
Da wären die Hausschuh. Da der Mann laut aufatmet Bist müd?
Mann
Ja; da herauf machts einen schnaufen. Schlüpft in die Hausschuhe.
Weib
Solang man schnauft, lebt man.
Mann lachend
Das stimmt. Bemerkt den gedeckten Tisch Was hast da vorgrichtet?
Weib trocken
Den Abschiedstrunk, wenn der Jäger kommt.
Mann ärgerlich
Hat er nit selber gsagt, er kommt nit?
Weib achselzuckend
Naja, für den Fall. Man weiß bei so einem Mannsbild ja nie, wies ihm grad in Kopf kommt.
Mann
Er hat sich schon schuldig geben; ich hab nachgfragt.
Weib
So. Kommst von unten?
Mann
Ja.
Weib lauernd
Und was ist mit dem Haus am Marktplatz? Heut früh hast gsagt, du kaufst es.
Mann selig, tief Atem holend
Es ist schon mein.
Weib mit aufblitzenden Augen
Du hasts erstanden? Ah.
Mann erhebt sich; frohlockend
Mein ists. Mein. Ah, das war ein Müh und Plag viel Jahr lang. Siehst Weib; jetz hab ichs doch ermacht.
Weib
Na ja, schlau muß man sein.
Mann reckt sich vor dem Bildnis der Mutter
Mutter. Als Elendmannderl hast mich in die Welt gsetzt. Aber ich habs doch ermacht. Froh lachend Haha; meine Brüder mit ihren breiten Achseln; ja, Schlosser; Schmied; und Binder — euch wirds vor Neid schnaufen und blasen machen: Ich, das Flaschenmanndl — das schönste Haus und das schönste Weib. Faßt das Weib um die Taille.
Weib fährt bei der Berührung mit einem Schrei des Abscheus zurück.
Mann verdutzt
Was hast?
Weib faßt sich
Ein Fischbein ist von meinem Mieder los; das hat mich jetzt in die Seite gstochen. Dann forschend Na, und hast den Kaufbrief?
Mann greift in die innere Tasche und reicht ihr ein gefaltetes Blatt Papier
Da ist er.
Weib besieht den Schein; dann sehr kühl
Hm ja; da steht enttäuscht dein Namen. Auf dich ists gschrieben. Plötzlich unwirsch den Schein hinwerfend Will nix mehr hören von der Hüttn da unten; da hab ich schwer draufzahlen müssen. Da sie der Mann anstarrt, heftig Wegen dem Haus hast du dein Weib dem Grenzjäger als Köder hingschmissen.
Mann heftig
Fang nit mit alten Sachen an. Das haben wir ausglöscht.
Weib funkelt ihn mit den Augen an
Ausglöscht? Das ganze Weib mit Haut und Haar und Fleisch und Blut? Dann mit künstlicher Ruhe Du mußt mirs nit übelnehmen: Dort und da züngelts noch auf. Jetzt ists schon wieder gut. Dann sanft, schmeichelnd Du, Mann.
Mann
Ja. Was ist?
Weib
Du hast früher immer gsagt, das Haus am Marktplatz wirst mir zuschreiben.
Mann
Ich halts auch.
Weib
Ja freilich. Wie die Männer schon sein mit dem Worthalten. Geh, geh. Euch kennt man schon.
Mann entschlossen
Hol mir Papier und Schreibzeug. Setzt sich an den Tisch.
Weib stellt sich beinahe beleidigt
Aber, was dir nit einfallt. Du wirst doch noch ein Spaß verstehn. Hat sich aber trotzdem gleich erhoben und geht durch die Nebentüre ab.
Mann vor sich hin
Weiber. Zuerst wollen sie etwas haben, dann wieder nit; ja ja, grad wie die Kinder.
Weib kommt mit Papier und Schreibzeug aus der Nebentür
Und grad heut, wo du so müd bist. Laß es doch gut sein. Stellt das Schreibzeug auf den Tisch und schiebt es ihm bequem zu So. Aber mach mir aufs weiße Tischtuch kein Tintenfleck. Setzt sich abseits.
Mann beginnt zu schreiben. Läßt ein Weilchen die Feder über das Papier kratzen. Hält dann inne und legt die Feder weg. Wischt sich über die Stirn
Es ist doch was Spaßiges ums Testamentmachen. Zum Weib Jetz ist mir ein eiskalter Grusler über den Rücken glaufen.
Weib
Was du nit sagst. Erhebt sich und tritt an den Tisch. Sieht über die Schulter des Mannes auf das Blatt und liest „Für den Fall meines Todes vermache ich meinem stellt sich gerührt lieben Eheweib …“ dann na, so was; ich glaubs, daß es einen da gruselt. Das ist ja grad, als wenn einem der Klapperhans schon hinten über die Achsel hereinschauet. Nimmt das Blatt an sich Weg mit dem Wisch. Ich laß dich nit weiterschreiben. Zu was sollst dich da lang martern?
Mann
Hast recht; bin heut auch zu müd. Leg das Blatt in Kasten. Ich schreibs morgen fertig.
Weib hält das Blatt in der Hand; unwirsch
Na also. Wenn ich schon immerfort sag: Laß es gut sein. Dann mit dem Blatt in der Hand zögernd, als käme ihr ein Bedenken Ja, aber sag Mann; du bist doch sonst so ein gscheiter Mensch; ist denn das schlau?
Mann
Was?
Weib
Ich mein halt so: Für den Fall meines Todes, oder wies da heißt — so was schreibt niemand gern; jetz hättst es eigentlich schon überstanden; und da sollst dich dann morgen wieder auf und neu in den Tod hinein denken? — Na. Ich laß mir meinen Mann nit doppelt und dreifach martern. Legt ihm das Papier wieder vor Da; schreibs zu End. Man laßt sich einen Zahn auch auf einmal reißen; und nit portionenweis.
Mann
Du hast recht. Und was du da sagst, das zeigt auch von Gemüt. Beginnt wieder zu schreiben.
Weib
Na eben. Setzt sich abseits.
Man hört jetzt und auch in der Folge durch das geschlossene Fenster dann und wann sehr gedämpft die Klänge einer Ziehharmonika; keine eigentliche Melodie; es erweckt den Anschein, als ob jemand Akkorde üben würde
Mann
Aha. Unser alter Knecht spielt wieder auf seiner Harmonika. Da kriegen wir ein anders Wetter.
Weib
Das kann schon sein.
Mann schreibt hält im Schreiben inne; wendet sich nach dem Weibe um
Was hat das Haus für eine Nummer? Ungeduldig Marktplatz Nummero?
Weib hält sich die Ohren zu, als täte ihr der ganze Vorgang wehe
Bitt dich, Mann, frag mich nix; ich werd dir nit bei der Arbeit noch den Handlanger machen. Dann Nummero sieben hats, fallt mir grad ein. Während der Mann schreibt Oder meinst, für ein Weib ist das gar so eine Freud, wenn der Mann da beim Tisch sitzt und schreibt: Für den Fall meines Todes. Ist aufgestanden und tritt ans Fenster Och Gott, ja; man steht sich schon was aus. Sieht durch die Scheiben.
Mann schreibend; froh vor sich hin
Sie ist wieder gut, wie früher. Das Weib ist wieder im rechten Gleis. Hat zu Ende geschrieben; gibt Streusand auf das Papier; dann sich umwendend Weib; ich bin fertig. Reicht dem Weib, das vom Fenster auf den Tisch zugekommen ist, das Papier Lies durch. Obs dir so recht ist.
Weib macht, als wäre sie innerlich ergriffen, mit der einen Hand eine abwehrende Bewegung
Gott bewahr; ich werd das noch lesen. Langt mit der andern Hand nach dem Papier und überfliegt rasch dessen Inhalt; dann Das Datum hast vergessen; dann, noch einen Fehler entdeckend, hastig och du mein Gott, und dein Vornamen auch. Legt ihm das Blatt wieder auf den Tisch.
Mann bessert das Fehlende aus; dann
So.
Weib das beim Tisch stehen geblieben ist und zugesehen hat, nimmt rasch das Papier weg
Jetzt aber gleich fort mit dem Wisch; in Kasten hinein, und nimmer heraus. Gibt das Papier in den Stehkasten, den sie versperrt.
Mann überläuft plötzlich wie von ungefähr ein kalter Schauer
Weib; es übergruselt mich schon wieder eiskalt. Wischt sich über die Stirn Und eine Hitz steigt mir auf; und eine Angst. Erhebt sich taumelnd vom Tisch.
Weib
Was hast denn?
Mann
So eine Angst hab ich.
Weib unwirsch
Vor was denn?
Mann
Ich weiß nit vor was. Ich hab nur so eine Angst.
Weib
Das dumme Testament. Hab i dir nit alleweil gsagt: Laß es. Aber na; wenn sich ein Mannsbild einmal was in Kopf setzt, das muß durch. Och Gott ja. Ist ans Fenster getreten und sieht durch die Scheiben.
Jäger zur Reise gerüstet, gespornt und gestiefelt, mit dem gerollten Mantel über Brust und Schulter, tritt beinahe lautlos zur Türe herein.
Mann starrt angstvoll nach dem Dunkel der offenen Türe, in der sich die Gestalt des Jägers beinahe gespenstisch abhebt; als sähe er ein Gespenst. Aufschreiend
Ah.
Weib wendet sich vom Fenster
Na, was denn? Sieht den Jäger. Triumphierend Der Jäger. Dann vor dem Jäger Na also, Herr Jäger. Sein Sie doch noch einmal eingschloffen in den — Fuchsbau.
Jäger wischt sich wie benommen über die Stirn
Weiß selber nit; bin schon auf der Straß dahin marschiert. Und auf einmal bin ich da.
Weib sieht ihn an
Ich habs gwußt, daß Sie kommen. Soweit kenn ich jetz schon alles, was Hosen tragt.
Mann starrt den Jäger furchtsam an
Weiß nit, wie Sie mir jetzt im Halbschatten da vorkommen: Viel größer und wilder.
Jäger kurz
Ei was.
Weib mustert den Jäger von oben bis unten
Na ja; weil er so aufgezäumt ist; mit dem gerollten Mantl über, und gestiefelt und gspornt. Dann Jäger; legen Sie ab.
Jäger
Abglegt wird nit.
Weib
Aber niedergsessen. Rückt ihm beim Tisch einen Stuhl zurecht.
Jäger setzt sich
Auf zwei Minuten.
Weib
Na, sagen wir drei. Soviel werden Sie schon noch zugeben. Zum Mann Mann setz dich. Ist dir jetz besser?
Jäger hastig zum Weib
Wo fehlts ihm?
Mann setzt sich. Rasch gegen den Jäger
Nur keine Sorg, Herr Jäger. Ich werd hundert Jahr alt.
Weib zum Jäger
Wir müssen noch einmal anstoßen zum Abschied. So jung kommen wir nimmer zusamm. Beginnt die Gläser der Reihe nach vollzuschenken.
Jäger mit Beziehung auf die eben wieder auf einen Augenblick hörbar werdenden Klänge der Ziehharmonika
Tafelmusik haben Sie auch bstellt?
Weib
Das ist nur unser alter Knecht; so ein halber Zigeuner. Der probiert oft so am Abend. Aber oft spielt er auch ganz wilde Stückeln.
Jäger
So, so.
Mann
Also ist alles in Richtigkeit, Herr Jäger?
Jäger fest
Hab schon mein Order. Klopft auf die Brusttasche Zum Rapport in die Stadt.
Weib hat die Gläser vollgeschenkt. Setzt sich zwischen Mann und Jäger
Und was meinen Sie; was gschieht jetz dann mit Ihnen?
Jäger
Weiß nit, was mit mir gschieht und wie sie es nehmen. Bitter Aber mein Ehr hat einen Sprung kriegt, das weiß ich. Schmerzlich vor sich hin Es ist mir nur wegen meiner Mutter: Sie ist immer stolz gwesen auf meine gute Führung. Mit Inbrunst Aber ich will wieder ehrlich werden von Grund auf.
Weib erhebt sich mit dem vollen Glas
Wir sollen lebn. Zuerst der Mann, der alles wieder eingerenkt hat. Stößt mit ihm an Du bist doch der Schlaueste von uns allen. Dann zum Jäger gewendet Jäger. Wir zwei können jetz einander ganz — nüchtern ins Aug schauen; was? Sehen sich, das Glas in der Hand, an Halt. Ganz da hinten drin sieh ich noch ein Feuerl brennen. Das löschen wir aus. Zum Wohl, Herr Jäger. Stoßen an Wir schwemmen es hinunter. Trinken.
Jäger trinkt das Glas leer. Während ihm das Weib wieder nachschenkt, vor sich hin
Ja. Haar und Blut hab ich da glassen; gegen das Weib aber ganz mich zu schanden rupfen warst doch nit imstand; du Weiberteufel.
Weib fährt auf
Wer hat den Teufel aus dem Ei gebrütet? Heftig gegen Mann und Jäger Du und du; ja, ihr zwei. Ah, wenn ihr mir so kommt.
Mann beängstigt vor dem heftigen Ausbruch des Weibes
Weib, brenn nit wieder auf. Wir lassen es gut sein.
Weib scheinbar besänftigt
Na also gut. Dann ists ja gut, wenns gut ist. Dann Aber das müßt ihr doch selber sagen, ihr zwei Mannderln: Es ist nit gut, mit einem Weib Katz und Maus zu spielen. Wie schadenfroh Was, Jägerle, he?
Jäger
Die Weiber haben Schießpulver ein. Ich geh keiner mehr zu.
Weib spöttisch
Aber heut sein Sie doch wieder kommen.
Jäger wischt sich wie benommen über die Stirn und sieht das Weib beinahe hilflos an
Weiß nit wie. Bin halt da.
Mann sieht auf die Uhr
Weib. Lang tun wir da nit um. Gsundheit trunken haben wir. Ich bin müd.
Weib
Ah was. Du bist alleweil müd. Nickt dem Jäger zu. Ja, Jäger. Sie müssen heut noch mit Sack und Pack die Nacht durch marschieren; schmeichelt sich an den Mann heran und wir zwei schlafen fein warm im Federbett. Gelt, Mannderl? Legt den Arm von hinten her um des Mannes Nacken und Schulter. Mit der andern Hand ergreift sie das Glas und blinzelt unter den halbgeschlossenen Lidern den Jäger an Gsundheit, Herr Jäger. Was sein muß, muß sein. Nippt von dem Wein.
Jäger aufgestachelt, packt sein Glas und stürzt es, ohne mit dem Weib anzustoßen, rasch wortlos auf einen Zug hinunter. Stößt das leere Glas heftig auf den Tisch auf.
Mann zuckt zusammen
Oha. Für Sie wär am besten ein Glas aus Schmiedeisen.
Weib gegen den Mann
Laß ihn. Der Jäger hat Kraft. Und die muß irgend wo aus.
Jäger hat sich erhoben
Ich geh.
Weib hält ihn zurück
Jetz sein Sie erst niedergsessen. Ist der Stuhl noch gar nit warm. Und heut ists ja das letztemal; dann sehn wir uns nie mehr. Schenkt ihm das Glas voll.
Mann den die Situation nicht geheuer dünkt
Weib, halt ihn nit auf. Es ist Zeit. Und der Jäger muß jetzt gehn.
Jäger streift den Mann mit einem haßerfüllten Blick
Brauch keinen Mahner. Weiß selber, wenns Zeit ist. Setzt sich wieder.
Weib befriedigt
So ists. Wir sein nit auf dem Wasser. Und zünden Sie sich ein Zigarettl an. Dann wirds erst gemütlich. Ich riech den Rauch so gern.
Jäger greift um eine Zigarette zwischen die Rockknöpfe; dabei den Mann mit den Augen streifend
Wenn nur niemandem übel wird vom Rauch.
Mann hat sein Glas leer getrunken; gegen den Jäger
Geht das auf mich?
Jäger brennt sich die Zigarette an.
Weib den Mann scheltend
Sag nur, Mann; was ist heut mit dir? Bist wie eine Stechfliege. Möchst du mit Gwalt Unfrieden haben?
Mann verdutzt
Wer. Ich?
Weib
Dann gib einmal Ruh und reiz den Jäger nit auf. Heftig So ein blutschwaches Manndl, wie du. Du mußt kuschen vor dem Jäger. Du weißt es noch vom letztenmal her.
Jäger gegen das Weib
Ruhig von dem. Das ist begraben.
Mann fährt gegen das Weib auf
Reißt dich schon wieder der Teufel?
Weib fährt sich über die Stirn
Männer verzeiht mir. Aber ein Weib vergißt nicht so schnell. Es brandelt halt noch auf der Kohlstatt. Dann Aber jetzt ists schon wieder gut. Wir fahren mit dem Löschhörndl drüber und sagen: Es war nichts. Mann. Stößt mit dem Manne an Sollst leben; sieht ihn an wenn der Tod nichts dagegen hat.
Mann setzt das Glas vom Mund ab; starrt erschrocken das Weib an
Weib; laß solche Späß.
Weib
Na, was denn? Kein Mensch ist vor dem Sterben sicher. Es kann jede Stund mich oder dich oder den Jäger haben. Dann das Glas schwingend Drum sein wir froh, daß wir noch leben und jung sein; was, Jäger? Stößt mit dem Jäger an Die jungen Jahr muß man nutzen. Mißt den Mann mit feindseligen Blicken Man hat ja sonst auch nichts. Trinkt und setzt sich.
Mann erbost gegen das Weib
Sonst auch nichts. Hab ich dir nit grad jetzt das Haus am Marktplatz verschrieben? Äfft das Weib Sonst auch nichts.
Weib klopft dem Jäger lachend auf die Schulter
Herr Jäger; zu dem Haus haben Sie auch etwas beigsteuert; Sie haben mit mir in der Stubn da brav karessiert, und derweil hat mein Mann mit seinen Helfern die Schmuggelfracht aus dem Keller weggschafft. Lacht aus vollem Halse Mann, das hast fein gmacht. Klopft dem Manne auf die Schulter.
Jäger hat wieder sein Glas leer getrunken. Fährt auf
Mein Ehr habt ihr mir angfressen in dem Fuchsloch da; und zu der Spitzbüberei noch den Spott dazu? Weib, bring mich nimmer weiter auf; ich hab jetzt Wein im Leib.
Weib
Jetz werden Sie nur nit mit mir sackgrob. Heftig Wer hat mich denn anglernt zu der Spitzbuberei? Gegen den Mann Du hast mich anglernt. Ja, du.
Mann heftig gegen das Weib auf
Das ist begraben.
Jäger in wildem Haß gegen den Mann aufspringend
Begraben, ja. Und mein Ehr auch begraben. Es sieht einen Augenblick aus, als wollte er in seinem Grimm dem Manne zu Leibe gehen.
Weib stellt sich schützend dazwischen
Halt. Kein Streit. Dann Was nur die Männer haben: Aus jedem Wörtl drehn sie gleich einen Hackenstiel und schlagen damit los.
Jäger bezwingt sich mühsam
Ich muß grad gehn. Will ab.
Weib hält ihn zurück
Aber nit in Unfrieden. Wir stoßen noch einmal an. Schenkt dem Jäger das Glas voll. Reicht es ihm und hebt ihr Glas. Stellt sich ganz nahe vor ihm hin und sieht ihn an Jäger. Es ist das letztemal; bald sein Sie weit und nie mehr sehn wir uns. Stoßt an In drei Tagen haben Sie mich längst schon vergessen.
Jäger
Weib. Ich hab von dir meinen Hacker. Der sitzt. Und vergessen kann i dich nie mehr. Sieht sie mit trunkenen Augen an Ein Weib — ja, das bist schon. Voll Raß und voll Teufel. Stößt mit ihr an, daß die Gläser laut erklingen und leert sein Glas.
Weib nippt vom Weine und beginnt, da eben wieder einige Takte der Musik vor dem Fenster hörbar werden, mit dem Glase in der Hand sich tänzelnd im Takte zu wiegen
Hopstrallala; hopstrallala.
Mann auf das Weib zu; nimmt ihr das Glas aus der Hand und setzt es heftig auf den Tisch auf
So. Aus und fertig. Es ist Nacht und Schlafenszeit. Du weißt, wo du hinghörst.
Weib brutal
Ich schlaf mir noch gnug, wenn ich kalt bin. Eilt ans Fenster, öffnet es und ruft hinaus Knecht, vorwärts. Spiel auf, was ins Blut geht. Grad extra. Es ertönt nunmehr durch das offene Fenster eine Tanzweise, die immer stärker und wilder wird. Weib beginnt zu tanzen. Hopstrallala. Hopstrallala. Hält mit ihren Augen den Jäger im Bann.
Jäger der sich zum Gehen gerüstet hat und schon bei der Tür steht, sieht dem tanzenden Weibe mit trunkenen Blicken zu
Weiter, Weib; weiter; nur immer drauflos. Weib beginnt zu tanzen.
Mann heftig
Herr Jäger; gute Nacht.
Jäger
Da piepst was. Sieht mit trunkenen Augen dem Weibe zu Weiter; nur weiter.
Weib innehaltend, heftig gegen den Mann
Wo er nur von weitem was spürt, das nach Leben riecht — gleich möcht ers verbietn. Brutal Weil du keinen Atem hast, drum soll ich nit tanzen. Haha. Manndl. Du sperrst ein Weib noch lang nit ein. Im vollen Tanz Da schau, wie ich tanz. Und grad extra. Hopstrallala. Hopstrallala. Hält während des Tanzes mit ihren Augen den Jäger im Bann.
Jäger der das tanzende Weib mit trunkenen Blicken verfolgt und mit den Füßen nun selbst den Takt zu stampfen beginnt, kann sich nicht mehr halten. Entflammt
Weib; du hast sieben Teufel im Leib. Wirft den gerollten Mantel ab; packt das Weib und schwingt sich mit ihr in wildem Tanz Weiter; nur weiter; nur immer drauflos.
Mann ist ans offene Fenster geeilt. Ruft heftig hinaus
Hör auf mit dem Gedudl. Die Musik reißt plötzlich mitten im Takte ab. Mann wirft das Fenster zu. Auf die Tanzenden los Kein Schritt mehr.
Jäger der in seinem Taumel das Verstummen der Musik gar nicht gewahr wird
Da piepst was. Während der Mann, der dem Ellbogen des Jägers zu nahe gekommen ist, von der Tanzbewegung fortgeschleudert wird, daß er taumelt, mit dem Weibe ohne Musik forttanzend Weiter; nur weiter; und immer drauflos.
Weib beginnt sich plötzlich heftig gegen den Jäger zu wehren
Lassen Sie mich aus. Hören Sie denn nit? Wenn mein Mann nimmer will.
Jäger hält das Weib noch immer gewaltsam fest und zerrt sie im Tanze fort
Weiter; nur weiter; nur immer drauflos.
Weib zornig
Das will i doch sehen. Macht sich mit einem gewaltigen Ruck aus den Armen des Jägers los. Zornfunkelnd Sie sein nit mein Mann. Vorwärts, Mann, wir gehn jetzt ins Bett.
Jäger
Was, Bett. Hat sich vor das Weib gestellt. Schneiderle; die rührst du nimmer an.
Mann
Wer ist ein Schneider? Zieht sein Messer.
Weib
Soll jetzt noch mit Gewalt ein Streit herauswachsen? Mann; steck dein Messer ein. Zum Jäger Sie, Jäger; da ist die Tür. Ich und mein Mann wollen jetzt schlafen gehn.
Jäger aufgepeitscht
Was schlafen. Der Schneider rührt dich nimmer an. Faßt das Weib.
Mann mit dem gezückten Messer; totenblaß, schlotternd, unschlüssig
Jäger; und wenns mich noch so beutelt …
Weib von dem Jäger gehalten
Jäger; dasmal sticht er.
Jäger
Der sticht nit. Reißt seinen Säbel aus der Scheide Schneider. Da hast. Ersticht den Mann.
Mann ist unter dem Bildnis der Mutter zu Boden gesunken. Die brechenden Augen auf sein Weib gerichtet
Weib; jetz kenn i dich erst ganz.
Weib
Du kennst sie ja von Grund aus, die Weiber.
Mann stirbt.
Weib
Jäger. Du hast ihn umbracht. Du ganz allein.
Jäger den Säbel in der Faust, stiert dumpf auf den Toten. Der Säbel entfällt ihm
Jetz bin ich avanciert. Bricht nieder.
Weib triumphierend
Hast jetz dein Sterndl? Mächtig Ihr Mannsteufel. Euch ist man noch über.
Ende.
Druck von C. Grumbach in Leipzig.
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde in einem anderen Schriftstil markiert.
Die mundartliche Schreibweise und Grammatik des Originals wurden beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... als sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. ... ... als Sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. ...
... die Hand abfault, wenns nach dem Sternl greift. ... ... die Hand abfault, wenns nach dem Sterndl greift. ...
... Totenmal und ein schönen Grabstein. Gib mir, was ... ... Totenmahl und ein schönen Grabstein. Gib mir, was ...