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Der Schwarzwald

Der östliche Schwarzwald.

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XVII. Die Umrandung des Gebietes.

Östlicher Schwarzwald. Charakter des östlichen Schwarzwaldes.

A

ls östlichen Schwarzwald haben wir den von Süd nach Nord langgestreckten, von West nach Ost aber recht schmalen Landstreifen bezeichnen gelernt, der, abgesehen von dem gegen das Kraichgau zu konvexen Bogen Rastatt-Pforzheim, von den Linien Donaueschingen-Rastatt und Donaueschingen-Pforzheim eingefaßt wird, Linien, welche durch die sie bildenden Flußläufe auf jeder Karte deutlich in die Erscheinung treten. Nun umfassen aber diese Grenzen zwei gänzlich verschiedene Landschaften, deren Trennungslinie zusammenfällt mit dem Höhenrücken Freudenstadt-Nagold oder, was fast gleichbedeutend ist, mit der Wasserscheide zwischen dem Neckar und dem Nagold-Flüßchen. Die südliche dieser Landschaften ist im wesentlichen eine meridional verlaufende Buntsandsteinplatte, die gegen das westliche Grenztal Freudenstadt-Schiltach-St. Georgen-Villingen einen mehr oder weniger scharf ausgeprägten Steilrand bildet, nach Osten schwach geneigt ist und bald unter einer Muschelkalkfläche verschwindet, die ihrerseits gegen den Neckar zu wieder von Lettenkohle überlagert wird. Die Höhenunterschiede sind nirgends ansehnliche, von einem ausgeprägten Gebirgscharakter kann eigentlich nicht mehr gesprochen werden, so daß wir, wenn dies Gebiet auch aus topographischen Gründen dem Schwarzwald zugerechnet werden muß, doch sagen dürfen, es sei nach seiner ganzen Physiognomie viel eher eine Art Übergangsland zur Rauhen Alb. So mag es begründet erscheinen, auf diese Landschaft hier, wo der spärlich zugemessene Raum ohnehin schon zur Beschränkung auf das Wesentlichste und zur größten Knappheit in der Darstellung zwingt, nicht weiter einzugehen und die Besprechung auf die Gegenden zwischen Murg- und Nagoldtal einzuengen, die überall echteste Schwarzwaldnatur zur Schau tragen. Haben wir es doch auf dem ganzen Raum zwischen Rastatt-Freudenstadt-Nagold-Pforzheim mit einer ausgesprochenen Buntsandsteinlandschaft zu tun. Und da hier die Flußtäler noch tief einschneiden und die Höhen im Hohloh bis 988 m ansteigen, so ist das Relief des Bodens noch ein ansehnlich gegliedertes, wenn auch nicht bestritten werden kann, daß im Gegensatz zu den drei Westgruppen des Gebirges der Aufbau im östlichen Schwarzwald einen etwas einförmigen Eindruck macht. Allein die weit ausgedehnten Hochwälder und in sie eingeschnitten die freundlichen Wiesentäler mit ihren Städten, Heilbädern und alten Klöstern — man denke nur an Pforzheim und Calw, Wildbad, Teinach und Liebenzell, Frauenalb, Herrenalb, Hirsau — bieten so viel, daß diese vom großen Verkehr abgelegenere Landschaft freundliche Beachtung in reichstem Maße verdient.

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Abb. 159. Der Mummelsee. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 146.)

Die Bahnlinien Kloster-Reichenbach-Freudenstadt-Hochdorf-Nagold-Pforzheim-Karlsruhe-Rastatt-Forbach, Nagold-Altensteig, Pforzheim-Wildbach, Karlsruhe-Herrenalb öffnen zahlreiche Einfallstore in das Gebiet, das im übrigen an Wegsamkeit den anderen Teilen des Schwarzwaldes nicht nachsteht.

Das Heckengäu.

Von Freudenstadt aus benutzen wir die Stuttgarter Bahn, um in östlicher Richtung auf hohen Viadukten über die Quellbäche der Glatt nach dem hoch und frei gelegenen Landstädtchen Dornstetten (630 m) zu gelangen, und weiter die fruchtbaren Muschelkalkflächen des Heckengäues zu durchfahren, die uns nach Südosten prächtige Blicke auf die Rauhe Alb gewähren. In Hochdorf kommt die wichtige Bahnlinie aus dem Neckartal von Horb herauf, deren südliche Fortsetzung nach Immendingen und von hier zum Bodensee oder in die Schweiz führt. Nahe bei Horb, also an der äußersten Grenze des Gebietes, das man hier dem Schwarzwald noch zurechnen darf, liegt Nordstetten, wo Berthold Auerbach 1812 geboren wurde, dessen Schwarzwälder Dorfgeschichten unserm Gebirge einst viel Freunde geworben haben.

Nagold.

Der Höhenrücken, welcher bei Hochdorf Neckar und Nagold scheidet, wird von einem fast 1300 m langen Tunnel durchschnitten; sind wir aus seinem Nordtor ausgetreten, so nimmt uns ein stilles Waldtal auf, und in kurzer Frist ist der Bahnhof von Nagold (452 m) erreicht. Wir sind nun wieder und bleiben im Buntsandstein.

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Abb. 160. Hornisgrinde. Hirtenstein, über dem Mummelsee. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 148.)

Das alte Städtchen (Abb. 166), das neben manchem interessanten Haus aus früheren Zeiten auch noch Teile der ehemaligen Befestigung zur Schau trägt, liegt unten im Tal und gewährt von dem hochgelegenen Bahnhof einen ebenso freundlichen als stattlichen Anblick. Es zählt etwa 4000 Einwohner und erfreut sich einer ansehnlichen Gewerbetätigkeit, besonders in Woll- und Goldwaren, auch blüht der Holzhandel aufs lebhafteste, was bei der weiten Ausdehnung der herrlichsten Waldungen weit umher nicht zu verwundern ist. Überragt wird das Tal von der alten Feste Hohennagold, die, abgesehen von der prächtigen Aussicht, die sie gewährt, unser Interesse mit Recht dadurch fesselt, daß sie einen lehrreichen Einblick in die Bauweise solcher mittelalterlichen Befestigungsanlagen gestattet.

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Abb. 161. Kurhaus Hundseck. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 149.)

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Abb. 162. Herrenwies. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 149.)

Das Nagoldtal.

Die Nagold, die auf den Höhen östlich von Schönmünzach unfern des Murgtales entspringt, ändert bei dem nach ihr genannten Städtchen ihre bisher überwiegend östliche Laufrichtung, biegt scharf nach Norden um und behält diese Richtung bei bis zu ihrer Vereinigung mit der Enz bei Pforzheim. Ihr Tal ist seinem landschaftlichen Charakter nach ein typisches Buntsandsteintal, wie wir sie z. B. in großer Zahl im Odenwald antreffen. Die Talsohle ist im allgemeinen schmal, der Fluß beschreibt in ihr ähnlich dem Neckar oberhalb Heidelberg oder der Tauber in ihrem Unterlauf zahlreiche Serpentinen; die zwischen ihnen spornartig gelegenen Berghalbinseln müssen von der Bahn in nicht wenig Tunnels durchschnitten werden. Trotz der überall gleichen Grundelemente der Landschaft: freundliche Wiesenau in der Niederung und ernster Hochwald an den Talflanken und auf den Höhen, wechseln die Einzelbilder doch in lebhafter und anmutiger Weise, so daß die Fahrt das Tal hinab bis zur Porta Hercyniae eine höchst lohnende ist.

Wildberg.

Zunächst kommen wir nach dem kleinen Städtchen Wildberg, das, auf drei Seiten vom Fluß umströmt, an einer der eben erwähnten Berghalbinseln steil hinaufgebaut ist und mit seinen engen Gassen, alten Häusern und seinem noch bewohnbaren Schloß aus früheren Jahrhunderten — das Forstamt ist darin untergebracht — uns in anschaulichster Weise ein Stückchen Mittelalter vor die Augen zaubert (Abb. 165). Eine ganz ähnliche Lage nimmt die große Feste Waldeck, eine richtige Talsperre, ein, die aber von der Bahn nicht sichtbar ist. Der Schienenstrang führt unter der weiträumigen Ruine durch. Die Anlage der einst sehr wirksamen Befestigung ist auf Rudolf von Habsburg zurückzuführen, in Trümmer gelegt wurde sie 1692 durch Melac, der drei Jahre vorher auch Heidelberg zerstört hatte.

Teinach.

Nahe dem Nordausgang des Waldecker Tunnels erreicht man die Station Teinach (349 m), von wo die Straße zunächst mittels einer gewaltigen Steinbrücke den Fluß überschreitet, um den Eingang in ein enges Seitentälchen zu gewinnen, in welchem bald Dorf und Bad Teinach aus dem Grün herauswinkt (Abb. 168). Die Mineralquellen des Ortes, im ganzen vier, aber von verschiedener Beschaffenheit, haben das Calwer Wildbad, wie es einst genannt wurde, früh bekannt gemacht. Heute sind die Kureinrichtungen in jeder Hinsicht modernen Bedürfnissen angepaßt, und wie bei den Bädern zu beiden Seiten des Kniebis ist auch hier als Hauptheilfaktor die friedliche Ruhe der Landschaft mit ihrem wunderbar schönen, wegereichen Wald hoch anzuschlagen. Josef Victor Scheffel, der öfters und auch noch ein Jahr vor seinem Tode hier weilte, hat in launigen und ernsten Versen Teinachs Lob gesungen und durch sein dem „Gaudeamus“ einverleibtes Gedicht „Zavelstein“ auch dem nahen Städtchen dieses Namens zur literarischen Unsterblichkeit verholfen.

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Abb. 163. Turm auf dem Mehliskopf. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 149.)

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Abb. 164. Herrenwieser See. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 150.)

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Zavelstein.

Zavelstein (Abb. 167) liegt 587 m hoch, also ganz ansehnlich über der Talsohle, über die es ebenso wie über das weite Land ringsum einen schönen Blick gewährt, besonders von der nahen Burgruine aus. Zavelstein ist die kleinste Stadt Württembergs, überragt aber mit seinen annähernd 300 Einwohnern seine badische Schwester Hauenstein an Größe doch noch ansehnlich. Die vom Dichter verewigte Krokus-Wiese übt ihren Farbenzauber natürlich nur in den allerersten Frühlingstagen, aber auch zu anderen Zeiten lohnt sich der Besuch des kleinen Bergnestes, von welchem aus Pfade nach allen Seiten führen. So kann man auch unmittelbar nach Calw absteigen, wenn man nicht zur Bahn zurückgehen und mit ihr nordwärts weiterfahren will.

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Abb. 165. Wildberg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 154.)

Calw.

Calw (348 m) ist eine sehr hübsche und lebhafte Stadt (Abb. 169). Sie zählt 5600 Einwohner und nimmt seit lange unter den württembergischen Gewerbe- und Handelsstädten eine bedeutende Stellung ein. Wenn auch die alten Handelskompanien nicht mehr wirksam sind, so besteht doch neben zahlreichen Betrieben anderer Art immer noch blühend die alte Wollindustrie, tätig in Spinnerei, Weberei und Färberei. Besonders sind Wolldecken eine Calwer Spezialität. Auch des sehr tätigen Calwer Missionsschriftenverlages ist hier zu gedenken. Die Stadt teilte 1692 das Schicksal der nahen Feste Waldeck und hat aus der dann folgenden Bauperiode um 1700 eine größere Anzahl hervorragender Gebäude, die ihr ein ganz bestimmtes architektonisches Gepräge geben. Dazu kommen noch die alte gotische Stadtkirche und die malerische Nagoldbrücke mit ihrer Kapelle, kurz, Calw ist ein ganz interessanter Ort. Modern sind das Georgenäum, eine Stiftung zu Belehrungs- und Volksbildungszwecken, und der Stadtpark, von dessen höher gelegenen Teilen der Niederblick auf Stadt, Tal und Umgebung viel Anmutiges hat. An der Ostseite der Nagold steigt die Stuttgarter Bahn hinauf, ihre Windungen sind ähnlicher Art und erscheinen, von Calw aus gesehen, fast ebenso unverständlich wie die der großen Schwarzwaldbahn zwischen Hornberg und Sommerau, oder jene der strategischen Linie zwischen Zollhaus und Stühlingen.

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Abb. 166. Nagold. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 152.)

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Hirsau.

Die Fortsetzung des Weges durch das Nagoldtal hinab läßt uns bald unterhalb Calw in einer lieblichen Talweitung die wahrhaft großartigen Ruinen der einstigen Benediktinerabtei Hirsau erreichen (Abb. 170), deren bedeutsamem Eindruck sich nur ein sehr oberflächlicher Geist wird entziehen können, etwa ein solcher, der auch acht- und stimmungslos an St. Blasien oder Allerheiligen vorüberginge. Lange war Hirsau das mächtigste Kloster nördlich der Alpen; in seiner Blütezeit, dem elften Jahrhundert, entstand die gewaltige Peterskirche, fast so groß wie der Dom zu Ulm. Ihre Umfassungsmauern sind in den letzten Jahren freigelegt worden, so daß der Grundplan des mächtigen Baues gut zu erkennen ist. Von den Westtürmen steht noch der nördliche ungebrochen, ein wertvolles Denkmal romanischer Architektur. Die aus dem Anfange des sechzehnten Jahrhunderts stammende gotische Marienkapelle ist jetzt Ortskirche und birgt in ihrem Obergeschoß eine Sammlung von Hirsauer Altertümern und Erinnerungen. In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgehoben, die Räume dienten später lange einem protestantischen Seminar; das um 1592 erbaute herzoglich württembergische Jagdschloß war ein zierlicher, eleganter Renaissancebau. All der monumentalen Herrlichkeit bereitete Melac 1692 ein furchtbares Ende. Aber wie die Ruinen des Heidelberger Schlosses durch die zauberhafte Schönheit ihrer efeuumrankten Romantik dem deutschen Gemüt einen tieferen und reichhaltigeren Eindruck machen als ein kraftvoller Herrschersitz, so hat es auch die Trümmerwelt von Hirsau Tausenden von bewußten und unbewußten Romantikern unseres Volkes angetan. Wer könnte, den Blick auf das schöne Bild von Hirsau gerichtet, Ludwig Uhlands vergessen, welchem die das Jagdschloß überschattende Ulme so schöne Rhythmen zurauschte?

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Abb. 167. Zavelstein. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 154.)

Heute ist Hirsau ein sehr besuchter Sommerfrischort. Wer hier zur Erholung weilt, wird sicherlich sein Hauptvergnügen darin finden, in den freundlichen Anlagen der weiträumigen Klosterruine weilend deren Schönheit in sich aufzunehmen und den Geistern längst vergangener Jahrhunderte nachzuspüren.

Liebenzell.

Wieder etwas weiter talabwärts liegt in freundlicher Umgebung das Bad Liebenzell (319 m). Die Thermalquellen haben eine Temperatur von 25–28° C, sie kommen aus dem vom Buntsandstein überlagerten Granit, dem auch die Thermen von Baden und Wildbad entquellen. Daher hat der im weiteren Umkreis bekannte Spruch: „Baden, Wildbad, Liebenzell — kommen all aus einem Quell,“ seine tatsächliche Berechtigung. Vom linken Talgehänge schaut die mächtige, noch gut erhaltene Burg Liebenzell auf Fluß, Dorf und Bad hinab, ein beliebtes Ausflugsziel mit schöner Aussicht (Abb. 172).

Pforzheim.

Die Weiterfahrt nach Norden durch das waldumsäumte, stille Nagoldtal läßt an Weißenstein mit seinem künstlichen, hochüberbrückten Flußdurchstich vorbei durch mehrere Tunnels, deren letzter ins Enztal hinüberleitet, Brötzingen, einen stark bevölkerten (etwa 7500 Einwohner) Vorort der Industriestadt Pforzheim, erreichen, in deren Bahnhof (280 m) unsere Schwarzwaldostgrenze ihren nördlichen Endpunkt findet.

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Abb. 168. Teinach. Auf der Höhe Zavelstein. Nach einer Photographie im Verlag von L. Schaller in Stuttgart. (Zu Seite 154.)

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Abb. 169. Calw. Nach einer Photographie im Verlag von L. Schaller in Stuttgart. (Zu Seite 156.)

Das Würmtal.

Pforzheim hat eine hervorragend günstige Verkehrslage. Von der Rheinebene im Westen kommt die bequeme Straße, die den Schwarzwald nördlich umgeht und ihre naturgemäße Fortsetzung ins Schwabenland längs der unteren Enz zum Neckar bei Bietigheim findet. In die Täler der oberen Enz und der Nagold verzweigen sich Nebenstraßen, eine ebensolche folgt der Würm, welche kurz vor der Enz-Nagold-Vereinigung in nächster Nähe der Stadt dem letztgenannten Fluß von Südosten zuströmt. Wenn der Name der Stadt aus Porta Hercyniae abgeleitet wird, so ist das wohl sinn-, aber nicht wahrheitsgemäß. Er kommt vielmehr von Portus, bedeutet Hafen und erinnert an alten und wichtigen Schiffs- wie Floßverkehr. Römische Funde verschiedener Art bezeugen die früh erkannte Bedeutung des Ortes, der im sechzehnten Jahrhundert vorübergehend badische Markgrafen-Residenz war, bis diese nach Durlach verlegt wurde. Heute ist Pforzheim (Abb. 173), dessen Straßen sich vom hochgelegenen Bahnhof 30 m bis zur Enz hinabsenken, mit seinen 69000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Badens und einer der wichtigsten Fabrikorte Süddeutschlands. Seine blühende Goldwarenindustrie geht auf das Jahr 1767 zurück, beschäftigt in der Stadt selbst sowie in den angrenzenden Nachbarorten gegen 30000 Arbeiter und erzeugt Waren im Wert von vielen Millionen Mark. An sogenannten Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt außer der alten Schloßkirche nicht allzuviel; ihr Charakter ist der eines modernen Gemeinwesens mit lebhaft pulsierendem Geschäftsleben. Das stattliche neue Rathaus, die ebenfalls ganz neue Stadtkirche in dem vor kurzem erst erschlossenen Baugebiet unten an der Enz, Stadtpark und Festhalle sind beredte Zeugen des lebhaften Aufblühens der Stadt. Zahlreiche Ausflugsziele laden zu lohnenden Wanderungen nach allen Seiten ein, so im Norden der nahe Wartberg (377 m) mit seiner weiten Aussicht, im Süden der Kupferhammer an der Vereinigung von Nagold und Würm, und viele andere, unter denen besonders der Ausflug ins Tal des letztgenannten Flüßchens Beachtung finden möge, weil er uns in der gotischen Kirche zu Tiefenbronn wohl die größte Monstranz in Deutschland und einen künstlerisch hochbedeutsamen Altar finden läßt.

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Abb. 170. Hirsau. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 156.)

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Der Eisenbahnweg von Pforzheim nach Durlach bietet nichts von Belang für eine Schwarzwaldschilderung. Durlach selbst und die nahe badische Hauptstadt Karlsruhe liegen außerhalb des Rahmens, der hier gesteckt ist, und die Strecke Karlsruhe-Rastatt kann für uns nur insofern von Bedeutung sein, als sie in den Bahnstationen Ettlingen und Malsch wichtige Eingangspforten des Gebirgsteiles erschließt, dessen Inneres noch der Besprechung harrt.

XVIII. Kreuz und quer durch den östlichen Schwarzwald.

Der Höhenweg II. Mahlberg.

A

ls orographische Hauptachse des östlichen Schwarzwaldes muß naturgemäß die unmittelbar über der Murg verlaufende, durch keine nennenswerte Einsenkung unterbrochene Höhenlinie gelten, deren Ostgehänge sich in die Quellgebiete der Unteren Alb — die Obere Alb haben wir im südlichen Schwarzwald kennen gelernt — der Enz und Nagold hinabsenken. Um sie kennen zu lernen, folgen wir in der Hauptsache dem nördlichsten Stücke des Höhenweges II, der zwar nirgends so hoch ansteigt wie die ihm entsprechenden Wegstrecken in den drei westlichen Gruppen unseres Gebirges. Aber an einzelnen entzückenden Fernblicken und an schweigender Einsamkeit prächtiger Waldlandschaften steht er den schon bekannten Höhenwegen nicht nach. Auf lange Wanderstunden berührt er keine menschliche Siedlung, dagegen hat er den Vorzug, daß die Abstiege zu den Raststätten des Murgtales ausnahmslos nur kurz sind. Von Karlsruhe aus wird diese stille Bergwelt viel und gerne besucht. Und es ist ein bedeutender Vorzug der hinsichtlich ihrer allernächsten Landschaftsumgebung etwas stiefmütterlich ausgestatteten badischen Residenz, daß die Bahnen nach Rastatt und ins Murgtal, sowie ins Albtal es mühelos gestatten, in kürzester Frist Hitze, Staub und Lärm der Stadt zu vertauschen mit der kühlen Frische und Ruhe des friedlichen Bergwaldes. Von der 8700 Einwohner zählenden Industriestadt Ettlingen, die mit dem unfernen Karlsruhe durch zwei Bahnlinien verbunden ist, kann über die mitten im Walde versteckten Dörfer Schluttenbach und Völkersbach, und von der Station Malsch kann auf noch kürzerem Wege das luftig auf der Höhe liegende Freiolsheim (500 m) erreicht werden, und dann erfordert der Anstieg zum Karlsruher Turm auf dem Mahlberg (613 m) nur noch geringe Zeit und Mühe. Oben erfreut uns ein weiter, schöner Ausblick über ein Meer von Wald, über das dörferreiche Murgtal gerade zu Füßen, auf die Badener Berge, die Rheinebene, Wasgau und Hart. Bequeme Abstiege lassen die Bahn in Rothenfels oder Gaggenau wieder erreichen. Weiter gelangen wir fast stets der badisch-württembergischen Grenze entlang, die hier sehr weit gegen die Rheinebene vorgeschoben erscheint, zum Sandsteinfelsen des Bernstein (692 m) und zum Käppele (532 m), der Straßenhöhe zwischen Gernsbach und Herrenalb, von wo zum Großen Loch aufgestiegen wird.

Teufelsmühle. Hohloh.

Hier hat die Sandsteinverwitterung nicht nur die auch sonst weit verbreiteten Blockmeere gebildet, sondern auch zur Entstehung wirklicher Höhlen geführt. Schüsselartige Eintiefungen in die Gesteinsoberfläche erscheinen dem Volke als Wundergebilde und gaben seit alters Veranlassung, die nahe, jetzt auch turmgeschmückte Höhe (907 m) Teufelsmühle zu nennen. Hier gewinnen wir den von Gernsbach heraufkommenden alten Weg, der sich als „Weinstraße“ bis Freudenstadt verfolgen läßt und daran erinnert, daß hier wie anderwärts die Wegbauer früherer Jahrhunderte gern die Täler mit ihren technischen Schwierigkeiten und Gefahren mieden und sich statt ihrer so viel als möglich auf den Höhen hielten. Wir folgen der Weinstraße bis zum Kaiser Wilhelm-Turm auf dem 988 m hohen Hohloh (Abb. 174), der höchsten Erhebung des östlichen Schwarzwaldes und dem nördlichsten Punkte, von dem in seltenen Fällen noch Alpenaussicht nachgewiesenermaßen möglich ist.

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Abb. 171. Der Wild- oder Hornsee. Gemälde von Hans Busse. (Zu Seite 164.)

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Abb. 172. Partie am Stadtsee von Liebenzell. Nach einer Photographie des Fremden-Verkehr-Vereins in Liebenzell. (Zu Seite 158.)

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Abb. 173. Pforzheim, vom Römerweg gesehen. Nach einer Photographie im Verlag von Otto Riecker in Pforzheim. (Zu Seite 160.)

Wenn schon oben beim Mahlberg von einem Meer von Wald gesprochen werden konnte, so trifft diese Ausdrucksweise hier in noch viel höherem Grade zu. Wald und nur Wald, soweit das Auge schweift. Meilenweit dehnt sich der Forst nach allen Seiten aus, und nur ganz selten ist er auf kleiner Fläche unterbrochen, wo ein Forsthaus, eine Sägemühle am Bach oder ein kleines Dorf in der Talweitung unten Raum gefunden hat. Die beinahe ganz flache Hochebene ist weitum sumpfig und ausgezeichnet durch die interessante Flora der Hochmoore. Die Latsche hat hier ansehnliche Verbreitung. Der kleine, melancholische Hohlohsee und der ebenso beschaffene Wild- oder Hornsee (Abb. 171), ist nichts als eine etwas tiefere Moorwasser-Ansammlung. In dem nicht weit vom Turm abliegenden großherzoglich badischen Jagdschlößchen Kaltenbronn hat Kaiser Wilhelm II. schon wiederholt geweilt, um von hier aus der Auerhahnjagd obzuliegen.

Die Weinstraße.

Immer auf der Höhe zwischen Enz und Murg, immer im schweigenden Walde zieht die Weinstraße südlich bis Besenfeld (783 m) und weiter bis Freudenstadt. Als wechselvoll kann diese lange Wanderung nicht bezeichnet werden; nur der wird sie in ihrer ganzen Ausdehnung durchführen, der die Menschen einmal recht gründlich fliehen will.

Urnagold. Altensteig.

Nahe bei Besenfeld, wo eine Straße von Schönegründ im Murgtal heraufkommt, liegt Urnagold (822 m) an einem breiten Höhenrücken, von dem die Nagold nach Süden, später nach Osten, und in ganz kurzem Abstand die Enz nach Norden abfließt. Längs der Quellbäche des erstgenannten Flüßchens führen mancherlei Wege, meist zu Zwecken der Holzabfuhr angelegt, durch fast völlig unbewohntes Waldland hinab nach Altensteig (503 m), einem alten Städtchen, das sich steil an der Berglehne hinaufzieht. Der Ort hat heute über 2500 Einwohner, treibt vielerlei Gewerbe, hauptsächlich aber den altüberlieferten Holzhandel und die Flößerei, deren letztes Stündlein auch wohl hier bald schlagen dürfte, wie dies an den anderen Schwarzwaldflüssen längst geschehen ist; besonders lebhaft blüht die Wollfabrikation. Seit eine Nebenbahn nach Nagold hinunterführt, sind auch die Luftkurgäste hier oben eingezogen. Schloß, Stadt und Umgebung kamen wie Liebenzell mit seinem Gebiet erst 1603 durch Tausch von Baden an Württemberg.

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Abb. 174. Kaiser Wilhelm-Turm auf dem Hohloh. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 163.)

Berneck.

In einem weiter abwärts einmündenden Nebentälchen liegt das kleine Städtchen Berneck, geschützt von einer nicht großen, aber starken Burg, deren Bauweise geradezu als Lehrbeispiel dienen kann für die Art, wie solche kleine mittelalterliche Befestigungsanlagen hergestellt wurden. Die 3 m dicke Schildmauer ist noch gut erhalten. Ebhausen-Wöllhausen und Rohrdorf mit einem alten Deutschordensschloß haben ansehnliche Tuchfabriken, die für Belebung der Stadt und Eisenbahn in dem sonst weltfernen Waldtal der Nagold bis zur gleichnamigen Stadt hinab nicht unwesentlich beitragen.

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Abb. 175. Enzklösterle. (Zu Seite 165.)

Enztal. Wildbad.

Schlagen wir von der Besenfelder Gegend aus der Enz entlang eine nördliche Richtung ein, so kommen wir bald zum Stauweiher des Poppelsees, der früher den Zwecken der Holzflößerei diente; dann lichtet sich allmählich das Tal ein wenig, in Enzklösterle (Abb. 175) zweigen Straßen zum Hohloh und nach Altensteig ab, und immer dem munteren Flüßchen folgend dringen wir allmählich in die Bannmeile von Wildbad ein, dem bedeutendsten, neuerdings lebhaft aufgeblühten Badeort des Königreichs Württemberg.

Wildbad (427 m) ist eine hübsche Stadt von 4100 Einwohnern. Sie liegt zu beiden Seiten der Enz in engem Tal eingeschlossen. Auch hier ist der Tannenwald auf Buntsandsteinboden das herrschende Landschaftselement (Abb. 177). Unter dem Sedimentgestein, das in der Umgebung vielerlei groteske Verwitterungsformen zeigt, ist an der Talsohle da und dort der Granit sichtbar, aus dem die Thermen von 33 bis 37° C hervortreten. Die Badeeinrichtungen im großen und kleinen Badegebäude, im Katharinenstift, sowie in dem prachtvollen und hocheleganten König Karls-Bad (Abb. 176) sind mustergültig und stehen denen in Baden-Baden in nichts nach. Neuerdings sind die in allen Stücken vortrefflichen Badeeinrichtungen noch durch ein Männer- und Frauenschwimmbad in höchst wünschenswerter Weise vervollständigt worden. Die Stadt macht mit ihren öffentlichen Gebäuden, Gasthäusern und Villen besonders in der Umgebung des Kurplatzes, der Trinkhalle und des erst im Sommer 1910 vollendeten prächtigen Kursaalgebäudes, das allen Ansprüchen an erstklassige Etablissements dieser Art reichlich genügt, einen vornehmen Eindruck und bietet alles in reichstem Maße, was Erholungsbedürftige, auch zu den Zwecken der für den Kurgebrauch so unentbehrlichen Unterhaltung und Zerstreuung, brauchen.

Ort und Bad sind alt; der Überfall im Wildbad, den uns Uhland besingt, fällt schon ins Jahr 1367. 1838 ist Thermalwasser in größerer Menge neu erbohrt worden, so daß der moderne Aufschwung sich erst seit dieser Zeit einstellte, gefördert von der Gunst der württembergischen Könige und ihrer Regierung.

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Abb. 176. König Karls-Bad in Wildbad. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 165.)

Umgebung von Wildbad.

Die schöne Umgebung ist reich an lohnenden Wegen nach allen Richtungen; östlich über die Meisternebene ins Tal der Kleinen Enz und weiter nach Zavelstein, Teinach, Calw, Hirsau, Liebenzell, westlich ins Eyachtal, zum Hohloh und zur Teufelsmühle. Seit zwei Jahren hat Wildbad durch seine Bergbahn ganz bedeutend gewonnen. Diese hat ihren Ausgangspunkt gerade gegenüber dem Kurplatz und führt vom linken Enzufer in westlicher Richtung von 428 auf 724 m zum Sonnenberg hinauf. In halber Höhe und an der Endstation der 750 m langen Linie sind neue Hotels erstanden. Indem die Bahn eine Höhe von 300 m rasch und fast kostenlos gewinnen läßt, ist der Zugang zum Hornsee (912 m) und Hohloh (990 m) ganz wesentlich abgekürzt und erleichtert, ein hoch anzuschlagender Gewinn für die Gäste des mit Recht so hochgeschätzten Kurortes.

Neuenbürg.

Von Wildbad talabwärts führt die Eisenbahn nach Höfen, von wo eine Straße über den hochgelegenen Luftkurort Dobel (712 m) nach Herrenalb abzweigt, dann nach dem hübschen Städtchen Neuenbürg (325 m), das auf einer Berghalbinsel zwischen den Umklammerungen der Enz ganz ebenso gelegen ist wie Wildberg oder die Ruine Waldeck an der Nagold (Abb. 179). Die etwa 150 m höher gelegene Aussichtswarte von Schwann im Westen ist ein gern besuchtes Ausflugsziel. Bald wird nun Brötzingen und Pforzheim erreicht, von wo es sich lohnt, nochmals in die erfrischende Welt von Wald und Höhenluft zurückzukehren, die man eben verlassen hatte.

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Abb. 177. Wildbad. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 165.)

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Büchenbronner Höhe.

Statt des Talweges, dem wir zuletzt gefolgt waren, schlagen wir nun aber wieder den Höhenweg ein, und zwar den mit der roten Raute bezeichneten, dem wir uns früher von Süden her bis zur Badener Höhe und bis Forbach anvertraut hatten. Um ihn in seiner ganzen Ausdehnung kennen zu lernen, wandern wir ihn von der Goldstadt nach Weißenstein, überschreiten hier die mächtige Brücke über dem künstlichen Nagolddurchstich, steigen dann empor zum luftigen Aussichtsturm auf der Büchenbronner Höhe (611 m), von wo wir das schöne Land überblicken vom Melibokus im Odenwald bis zur Kaiserburg Hohenzollern in der Rauhen Alb, vom Kamm der Vogesen bis zu den Löwensteiner Bergen im Osten von Heilbronn. Dann geht’s südlich weiter über die Höhen von Langenbrand und Schömberg nach Calmbach an der Enz, deren Tal bei Wildbad sofort wieder verlassen wird, um zum Hornsee bei Kaltenbronn und zum Hohloh emporzusteigen, von wo endlich über die schroffen, aussichtsreichen Latschigfelsen hinab Forbach im Murgtal und damit der Anschluß an die Hauptstrecke des großen Höhenweges I im nördlichen Schwarzwald erreicht wird.

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Abb. 178. Herrenalb. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 168.)

Herrenalb.

Des Weges von Wildbad nach Dobel und Herrenalb, sowie der Straße von Gernsbach nach Herrenalb ist schon gedacht worden. So erscheint uns Herrenalb von verschiedenen Seiten her bequem zugänglich. Herrenalb (367 m) liegt an der Stelle, wo mehrere Quellflüsse der Alb sich vereinigen, ringsum eingefaßt von waldigen Anhöhen, vor rauhen Winden geschützt, mild und freundlich. Von dem einst reich begüterten Zisterzienserkloster, das wie alle klösterlichen Anstalten in Württemberg schon im Reformationszeitalter aufgehoben wurde, steht noch der Chor und die schöne Vorhalle der Kirche, das sogenannte Paradies, mit ihren gotischen Fensterbögen und zahlreichen Grabdenkmälern. Eine wirkliche Sehenswürdigkeit ist das Grabdenkmal des 1431 gestorbenen Markgrafen Bernhard von Baden. Um das Kloster wuchs allmählich der jetzige Ort (Abb. 178), der alle Bedingungen zu einer Kur- und Heilstätte reichlich besitzt und sich eines lebhaften Besuches Erholungsbedürftiger erfreut. Das meiste tut in dieser Hinsicht die schöne, abwechslungsvolle Umgebung mit ihrem Reichtum von prächtig gepflegten Wegen nach allen Seiten, die einen Sommeraufenthalt überaus angenehm gestalten. Seit nun auch die Eisenbahn das Albtal hinab nach Ettlingen und weiter nach Karlsruhe führt, hat der Besuch dieses lieblichen Punktes eine bedeutende, aber wohlverdiente Steigerung erfahren.

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Abb. 179. Neuenbürg. Nach einer Photographie im Verlag von L. Schaller in Stuttgart. (Zu Seite 166.)

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Abb. 180. Frauenalb. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 170.)

Frauenalb.

An dem mächtig aufragenden Falkensteinfelsen vorbei fahren wir das stille Waldtal hinab, gelangen nach Frauenalb mit der großen, malerischen Ruine seines ehemaligen Benediktinerinnenklosters (Abb. 180), dann nach Marxzell, einem beliebten Ausflugsziel der Karlsruher, und immer auf waldumsäumtem Wiesenplan weiter nach Busenbach, von wo über die nördlichsten Vorhöhen des Gebirges eine Nebenbahn nach Pforzheim abzweigt, endlich nach Ettlingen, das uns schon bekannt ist, und nun durch die gesegnete Ebene nach dem nahen Karlsruhe. Damit haben wir den Schwarzwald verlassen und rufen ihm einen herzlichen Abschiedsgruß nach.

Schlussvignette
Schlussvignette
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