Der mittlere Schwarzwald.
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XI. Die westlichen Vorhöhen zwischen Freiburg und Offenburg.
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er mittlere Schwarzwald steigt in dem Gneisgebirge zwischen Dreisam und Kinzig noch bis zu 1241 m auf, das Granitmassiv in der Umgebung von Triberg bleibt hinter dieser Höhe um fast 200 m zurück. Der Abfall zu den Donauquellflüssen senkt sich in der Buntsandstein- und Muschelkalkhochebene der Baar ganz allmählich bis auf 700 m herab, während der Nordwestfuß des Gebirgsteiles am Austritt des Kinzigtales in die Rheinebene etwa 160 m über dem Meere liegt. Durch die Täler der Gutach und Brege längs der Linie Hausach-Escheck-Donaueschingen werden zwei nordsüdlich gerichtete Haupterhebungsmassen voneinander getrennt; eine niedere Vorhöhenzone, die im Hünersedel 744 m kulminiert, wird durch das untere Elztal und den Sattel zwischen Elzach und Haslach im Westen des höheren Gebirges abgeschnürt. Diese Vorhöhen bestehen in der der Rheinebene zugekehrten Seite zumeist aus Buntsandstein und jüngeren Sedimenten; eine größere Anzahl von typisch geformten Porphyrkegeln geben der Landschaft größeren Formenreichtum.

Abb. 117. Frauentracht im Gutachtal. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 116.)
Siedlungen. Schellenmarkt.
Während südlich von der Dreisam und obern Wutach die Dorfschaften und Weiler in geschlossener Bauweise überwiegen, wie das ganz besonders im Südosten des Feldbergs der Fall ist, findet sich im mittlern Schwarzwald und auch noch im nördlichen bis zur Rench und Acher das Hauptverbreitungsgebiet der einzeln liegenden Hofgüter mit ihrem Anerbenrecht, das erst neuerdings wieder gesetzlich festgelegt worden ist unter möglichst enger Anlehnung an die alte Überlieferung, sowie sie sich den Bedürfnissen zweckentsprechend angepaßt hat. Da auf manche Gemeinden über 200 Einzelhöfe kommen, und jeder Hof wenn möglich inmitten seines Acker-, Wiesen-, Weide- und Waldlandes liegt, so begreift sich die große räumliche Ausdehnung solcher Gemeinden, die häufig nur einen einzigen nennenswerten Häuserkomplex mit Kirche, Schule, Pfarrhaus und Wirtshaus aufweisen. Einstündige und noch wesentlich größere Schulwege sind für die Kinder nichts Seltenes, und was das in einem kalten und schneereichen Winter für die Kleinen von wenig über sechs Jahren zu bedeuten hat, bedarf keiner weiteren Darlegung. Welche Stählung aber für Körper und Geist der Bevölkerung in der frühgewohnten Überwindung solcher Schwierigkeiten liegt, darf man anderseits auch nicht hoch genug anschlagen. Die Amtsbezirke Freiburg, Waldkirch, Emmendingen, Wolfach und Offenburg zeichnen sich in ihren gebirgigen Teilen besonders durch zerstreut liegende Einzelsiedlungen aus. In denselben Gegenden nimmt auch die Weidefläche einen ansehnlichen Raum ein, und die „Hirtenbuben“ mit ihren Herden bilden im Sommer die häufigste Staffage des Landschaftsbildes. Freilich erfüllt die Poesie des Hirtenlebens auch im Schwarzwald nicht ganz die Erwartungen, welche sich auf das Studium der Schäferdichtung stützen, es entspricht nicht den Vorstellungen, welche durch die Schäferbilder einer bekannten Richtung in der Malerei erweckt werden. Die Lehrer unsrer Hirtenschulen schildern gern die Kehrseite der Medaille. Und wenn die jugendlichen Hirten gar häufig nicht allzuviel Rühmendes von der Güte und vom Wohlwollen ihrer bäuerlichen Brotherren zu sagen wissen, so haben sie doch in der langen Sommerszeit mit ihrer Einsamkeit und schweren Arbeit, mit ihren mannigfachen Unbilden der Witterung, mit ihrer oft recht kärglichen Nahrung und mangelhaften Unterkunft einen schönen Tag, den Schellenmarkt an Pfingsten (Abb. 106). Da kommt mit den Hirtenbuben und ihren Bauern viel Volk von weither aus den Talschaften zwischen Kinzig und Elz beim hochgelegenen Wirtshaus auf der Biereck zusammen und es werden nun bei fröhlichem Gelage die Glocken des Weideviehes (Abb. 107) auf ihren Ton geprüft, und durch Kauf und fortgesetztes Tauschen wird zu erreichen gesucht, daß jede Herde ein möglichst melodisches Geläute erhält. Bei dem klingenden Geschäfte geht es hoch her, und die Hirtenbuben mögen noch lang nachher, wenn ihnen der hungrige Magen knurrt, sich der Erinnerung an die reiche Atzung beim Schellenmarkt freuen.

Abb. 118. Straßenbild in Triberg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 116.)
Von Freiburg bis Waldkirch.
Die freundliche Bergwelt der Hünersedelgruppe, wie unsere Vorhöhenzone nach ihrem höchsten Gipfel zweckmäßig benannt werden kann, ist bequem zugänglich. Von der Hauptbahnlinie Basel-Heidelberg führen zwischen Freiburg und Offenburg mehrere Nebenbahnen ins Innere des Gebirges, so von Denzlingen ins Elztal bis Elzach hinauf, von Orschweier ins Ettenbachtal nach Ettenheimmünster, von Dinglingen nach Lahr und im Schuttertal aufwärts bis Seelbach. Dazu kommt noch für die uns interessierende Landschaft die Kinzigtalbahn von Offenburg bis Haslach und Hausach. Alle Stationen dieser Linien können als Ausgangspunkte lohnender Wanderungen benutzt werden.
Am Westrand des Gebirges hinfahrend kommen wir von Freiburg, das sich gerade von dieser Seite her in hervorragend günstigem Lichte zeigt, unmittelbar am Fuß des Burgberges von Zähringen vorbei, auf dem sich die Ruine des Stammschlosses unseres badischen Fürstenhauses erhebt (Abb. 108). Dann öffnet sich der Blick ins weingesegnete Glottertal, bei Denzlingen mit seinem höchst eigentümlichen alten Kirchturm mündet das Elztal aus, vom Hünersedel kommt der Brettenbach her, hinter der großen Ruine der Hochburg (Abb. 109) liegt tief im waldumrandeten Wiesengrund Thennenbach versteckt, dessen romanische Klosterkirche vor achtzig Jahren abgetragen, Stein für Stein nach Freiburg gebracht und hier als evangelische Ludwigskirche wieder aufgebaut worden ist.
Bald erreichen wir Emmendingen, eine Stadt mit 8300 Einwohnern und lebhafter Industrie. Dem Goetheverehrer ist sie dadurch ans Herz gewachsen, daß des Dichters geliebte Schwester Cornelia hier als Gattin des badischen Oberamtmanns und Hofrats Schlosser lebte und starb. Ihr Grab ist unbekannt, doch erinnert an sie eine Gedenktafel auf dem alten Friedhof. Der Marktplatz soll, wie manche meinen, Goethe, der seine Schwester wiederholt hier besuchte, das Vorbild gegeben haben für die Szenerie im ersten Gesang von Hermann und Dorothea.
Von dem unfernen Riegel, einer wichtigen Fundstätte römischer Altertümer, zweigen zwei Äste der Kaiserstuhlbahn ab und gestatten bequem, das interessante Vulkangebirge des Kaiserstuhls zu besuchen. Weiterhin erreichen wir das Städtchen Kenzingen, von wo eine Straße ostwärts ins Bleichtal abzweigt, dann Herbolzheim, den aufstrebenden Mittelpunkt der oberbadischen Tabakindustrie, hinter Orschweier liegt auf einzeln aufragendem Basalthügel höchst malerisch das alte Mahlberg, und bald jenseits Dinglingen geht es auf stattlicher Brücke über die Kinzig nach Offenburg.
Auf der ganzen Fahrt stellt sich uns das fruchtbare und dichtbesiedelte Vorhügelland und über ihm das waldige Gebirge mehr lieblich als großartig vor Augen. Auch wenn wir die Hauptbahn verlassen, um taleinwärts vorzudringen, bleibt der erstere Charakterzug vorwaltend. Nur das untere Elztal macht da eine bemerkenswerte Ausnahme. Denn über seinem Eingang ragt der unmittelbar von der Talsohle aufsteigende Kandel zu 1241 m Höhe empor und erinnert in seinem kühnen Aufbau an die gewaltigsten Berggestalten des südlichen Schwarzwaldes. Der beste Ausgangspunkt zu seiner Besteigung ist die Stadt Waldkirch (Abb. 112). Sie zählt mit dem anstoßenden Kollnau zusammen etwa 8300 Einwohner und bildet einen der bedeutendsten Mittelpunkte der Breisgauer Industrie. Unter den zahlreichen Fabriken werden den fremden Besucher der Gegend in erster Reihe die Steinschleifereien interessieren. Sie sind aus den früher hier wie auch in Freiburg häufigen Granatschleifereien, die aber überall sonst zu bestehen aufhörten, hervorgegangen und verarbeiten Halbedelsteine jeder Art zu Schmuck und den verschiedensten Gerätschaften. Die Betriebe wie die Fabrikate sind in höchstem Grade sehenswert (Abb. 110, 111).

Abb. 119. Triberg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 116.)
❏ GRÖSSERES BILD
Elztal. Lahr.
Über die hervorragend schöne Lage Waldkirchs gewinnt man den besten Überblick von der Höhe der Kastelburgruine jenseits der Elz, von wo zahlreiche prächtige Wege nach allen Seiten führen, besonders auch nordwärts zum Hünersedel, dem gern besuchten Zentralpunkt unserer Vorhöhenregion. Von ihm ist durchs Brettental oder über die aussichtsreichen, besonders in der Obstbaumblütenzeit entzückenden Höhen von Ottoschwanden und über Thennenbach die Stadt Emmendingen, oder durchs Bleichtal das im prächtigsten Buchenwald versteckte Bad Kirnhalden hinter Kenzingen, oder das ehemalige Kloster St. Landolin bei Ettenheimmünster und weiter Ettenheim, endlich im nordwärts streichenden, wohlangebauten Schuttertal die bedeutende Fabrikstadt Lahr zu erreichen. All diese Wanderungen sind lohnend in jeder Hinsicht, nicht minder empfiehlt sich das trachtenfreudige Elztal selbst dem Besuch (Abb. 113, 114, 115), besonders seit die Bahn bis zum freundlichen Städtchen Elzach (383 m) hinaufführt und es ermöglicht, von hier zum Hünersedel oder über die Heidburg nach dem forellenberühmten Gasthaus zu den drei Schneeballen in Hofstetten und weiter nach Haslach im Kinzigtal abzusteigen, wenn man nicht ostwärts die Haupthöhen des mittleren Schwarzwaldes gewinnen will.
Lahr wird schon vor dem Jahre 1300 als Stadt bezeichnet; es war zuerst im Besitz der Herren auf der nahen Burg Geroldseck, später gelangte es unter nassauische Hoheit und erst 1803 wurde es badisch. Heute zählt die Stadt über 15000 Einwohner und nimmt mit ihren zahlreichen blühenden Industrien unter den gewerbtreibenden Orten Badens eine hervorragende Stelle ein. Wer kennt nicht den Lotzbeckschen Schnupftabak, wer nicht den Kalender des Lahrer hinkenden Boten, der nun schon auf mehr als hundert Jahrgänge zurückblickt? Nicht nur hat der Hinkende mit seinen Erzählungen aus der einfachen Welt des Bauern und Kleinbürgers Millionen von Herzen gerührt und erbaut, er hat auch das literarische Verdienst, Geist, Gesinnung und Stil des Altmeisters Hebel, wie wir sie in den Erzählungen des Rheinländischen Hausfreundes schätzen, erhalten und den jüngeren Geschlechtern wertvoll gemacht zu haben. Auf die Anregung des Hinkenden ist auch, und das gereicht seinem Fühlen und Streben zur hohen Ehre, das Bestehen des ersten Reichswaisenhauses zurückzuführen, jener echt humanen Anstalt, die vom Abhang des Altvaterberges freundlich in die Stadt herabgrüßt. Lahr eignet sich seiner Lage nach ganz ausgezeichnet als Stützpunkt für eine große Anzahl lohnender Ausflüge in die Berg- und Waldlandschaft zwischen dem untern Kinzigtal und der Rheinebene. Von der Straße, die aus dem Schuttertal über den niedern Schönbergsattel (569 m) nach Biberach an der Kinzig führt, zweigt bei der Paßhöhe ein Pfad nördlich zum burggekrönten Porphyrkegel der aussichtsreichen Geroldseck ab, zahlreiche Wege verzweigen sich von hier aus ins Gebiet des Steinfirst und gegen Gengenbach zu oder in die Richtung zu dem Kohlenbergwerk bei Diersburg-Berghaupten, dem einzigen, das der Schwarzwald aufweist. Westlich in der Ebene liegt das Dorf Meißenheim, das die Goetheverehrer zu einer Wallfahrt auf das Grab der hier 1813 entschlafenen Friederike von Sesenheim einlädt.
XII. Die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Donaueschingen.
Offenburg.
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ffenburg liegt gegenüber dem mächtigen Straßburg an der Stelle der rechtsrheinischen Bergstraße, wo diese die Kinzig überbrücken muß. Von diesem 95 km langen Flusse wissen wir schon, daß er an der Ostseite des Schwarzwaldes entspringt, also einen natürlichen Weg quer durch das ganze Gebirge eröffnet. Die Lage unserer Stadt, dazu noch auf einer natürlichen Terrasse hoch über dem Überschwemmungs-Lande des vor seiner Korrektion einst sehr wilden Flusses, ist demnach eine in jeder Hinsicht günstige, und so begreift es sich, daß aus dem schon im zehnten Jahrhundert genannten „Kinzigdorf“ allmählich ein bedeutender Ort, der erste der Ortenau, lange Zeit freie Reichsstadt, erwachsen mußte. Heute zählt Offenburg beinahe 17000 Einwohner und blüht in lebhaftem Gewerbebetrieb, Handel und Verkehr. Seine belebten Straßen mit stattlichen Gebäuden jeder Art lassen die Stadt recht schmuck erscheinen (Abb. 116). Daß wir auf dem Marktplatz ein Standbild des Seefahrers Francis Drake finden, dem Europa in der Hauptsache die Einführung der Kartoffel verdankt, ist auf einen freundlichen Zufall zurückzuführen. Der Schöpfer des Denkmals, Bildhauer Friedrich in Straßburg, hat nämlich sein Werk der Stadt geschenkt.

Abb. 120. Hornberg. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 116.)
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Große Bedeutung hat Offenburg als Weinmarkt für die reichen Rebgelände der Ortenau. Eine Weinfahrt an der gotischen Kirche von Weingarten, ganz in Obstbäumen und Rebhügeln versteckt, vorüber nach den Dörfern Zell, Weierbach, Ortenberg, Fessenbach und besonders Durbach ist jedem dringend zu empfehlen, der gern an der Quelle nippt. Im Frühling, zur Zeit der Obstbaumblüte, gibt es nichts Schöneres als diese reich gesegnete, unendlich liebliche Landschaft; im Oktober, wenn die Geister des „Neuen“ in den Fässern umgehen, kann die Sache etwas gefährlich werden, selbst wenn einem die schöne Melusine am Staufenberg nicht erscheint, deren Sage hier lokalisiert ist. Die prächtigen Waldberge, die über dem Vorhügelland aufragen, das Hohe Horn und der Brandeckkopf (692 m) gewähren von ihren Aussichtstürmen schöne Blicke, besonders auch auf die weite Ebene zu beiden Seiten des Rheines, auf Erwins Wunderbau und die zartgeschwungenen Linien des Wasgenwaldes, ganz abgesehen von dem unendlich lieblichen Vordergrund.
An Ortenberg vorbei, dessen um 1840 neu hergestelltes Schloß die Talwacht hält, bringt uns die Schwarzwaldbahn rasch nach Gengenbach, einem reizenden kleinen Städtchen, das ob der reichen Fruchtbarkeit seiner Äcker, Gärten und Reben, hauptsächlich aber wegen seines überaus geschützten, gleichmäßig milden Klimas nicht ganz mit Unrecht das badische Nizza heißt. Noch stehen Tore und Türme wie einst, als die Stadt reichsfrei war, noch ragt die mächtige Basilika der alten Benediktinerabtei auf. Jedenfalls darf Gengenbach, das heute rund 3200 Einwohner zählt, zu den schmucksten unter den altertümlichen Städten des deutschen Südens gerechnet werden und lohnt in jeder Hinsicht auch längeren Aufenthalt. Josef Viktor Scheffels Vater stammte von hier, wie eine Hausinschrift uns belehrt. Sollte etwa gar der Genius Loci Gengenbachs dem Dichter seine feuchtfröhlichen Gesänge eingegeben haben?

Abb. 121. Brauttracht von St. Georgen. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 118.)
Im Kinzigtal.
Längs der Kinzig geht’s nun im breiten, lichtüberfluteten Tal weiter. Bei Biberach schaut von Westen die Geroldseck von ihrem Porphyrfels herab, ostwärts führt eine Nebenbahn ins Harmersbacher Tal hinauf, und zwar zunächst zu dem unfernen Städtchen Zell am Harmersbach, auch einer alten „Reichsstadt“ mit manchem sehenswerten Bau aus früherer Zeit. Hier zweigt das Nordrachtal ab, dessen oberer Teil seit einigen Jahren vielbesuchte Lungenheilanstalten birgt. Die Bauernschaft von Harmersbach war bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts gleich den benachbarten Städten Offenburg, Gengenbach und Zell reichsfrei und bildete den Stand des „Reichstales Harmersbach“. In die seltsamen Verhältnisse und Zustände dieses bäuerlichen Kleinstaates, die des Interesses wahrlich nicht entbehren, erhalten wir lohnenden und wertvollen Einblick durch die Erzählung des Volksschriftstellers Heinrich Hansjakob: „Der letzte Reichsvogt.“
Rasch führt uns die Bahn von diesen Orten, in denen sich dereinst ein gut Teil der Kleingeschichte und Not des alten Reiches abspielte, nach Haslach, das neuerdings durch seinen eben genannten Sohn, den katholischen Stadtpfarrer Hansjakob bei St. Martin in Freiburg, in weiteren Kreisen berühmt geworden ist. Wer die Schwarzwälder Kleinbürger und Bauern in ihrem Denken und Fühlen kennen lernen will, und zwar nicht durch die Brille einer dem Volke fremden Sentimentalität, der lese Hansjakob. Gewiß wird man sich gelegentlich über die oder jene sonderbare Ansicht des Verfassers ärgern oder zum mindesten wundern, aber trotzdem sind seine Erzählungen und Schilderungen eine gesunde Kost, besonders für jeden, der gewillt ist, wahr zu sehen, und der mit der Wahrheit auch gern einmal etwas Derbes in Kauf nimmt, das jedenfalls echter ist als erlogenes Einlullen in Zimperlichkeiten.

Abb. 122. St. Peter. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 121.)
Von Haslach, ebenfalls einem sehr freundlichen Städtchen des ob seines zu allen Zeiten lebhaften Verkehres städtereichen Kinzigtales, führen Wege über Biereck, Heidburg oder Mühlenbach nach Elzach; unsere Bahn aber gelangt in kurzem nach Hausach (241 m), am Fuß einer Burg malerisch gelegen, wo wir nun die Kinzig verlassen, um im Tal der Gutach den Höhen zuzustreben, über welche wir wieder zur Donau hinüber gelangen.
Die Schwarzwaldbahn.
Hier beginnt die eigentliche Schwarzwaldbahn, 1867–1873 erbaut. Ist man von Offenburg bis Hausach bei 34 km Bahnlänge nur um 82 m gestiegen, so lassen uns 9 weitere Kilometer bis Hornberg schon auf 384, also um 143 m steigen. Von hier ab muß bis zur Wasserscheide bei der Station Sommerau (832 m) ein Höhenunterschied von 448 m überwunden werden. Um das zu ermöglichen, wird die Länge des Weges von 14 auf 26 km vergrößert, was durch weitausgezogene Schleifen der Bahnlinie ermöglicht wird. 9,5 km, also mehr als ein Drittel der ganzen Strecke, werden innerhalb der 38 Tunnels zurückgelegt, von denen der letzte, der Sommerautunnel, mit rund 1700 m der längste ist. Hat man ihn verlassen, so senkt sich die Bahn längs der Brigach bis Donaueschingen auf 677 m herab, also bei 31 km Entfernung nur ein Gefälle von 155 m. Wieder tritt uns in diesen Zahlen der Gegensatz zwischen dem West- und Ostabfall des Schwarzwaldes deutlich vor Augen. Kinzigtal und Baar sind zwei ganz verschiedene Welten, der sie verbindende Schienenstrang aber ist eine Gebirgsbahn, die nach der Bedeutung der von ihr überwundenen technischen Schwierigkeiten nicht nur neben oder über die Linien Freiburg-Donaueschingen und Immendingen-Waldshut gestellt werden darf, sondern auch den Vergleich mit den berühmtesten Alpenbahnen kühnlich aushält. Die Windungen der Linie bringen es mit sich, daß man gelegentlich vom Zugfenster aus jenseits des Tales zwei Äste des Bahnkörpers übereinander sieht, und zwar mit entgegengesetztem Gefälle. Eine Orientierung ist hier nur mit guter Karte möglich[2].
Triberg.
Oberhalb Hausach wird das Tal enger, dabei ändert sich sein Charakter fast plötzlich. An Stelle des Lieblichen, Freien tritt das Wilde, Eingeengte. Oberhalb Gutach mit seinem trachtliebenden Völkchen (Abb. 117) und seiner Malerkolonie erreichen wir jenseits eines 150 m langen und 24 m hohen Viadukts den Bahnhof Hornberg, von dem wir einen schönen Blick auf das unter uns in engem Tal eingeschlossene und von hohem Schloß überragte malerische Städtchen genießen, das sich lebhaften Gewerbebetriebes jeder Art erfreut und ein Hauptpunkt des Schwarzwälder Fremdenverkehrs geworden ist, für den es die denkbar günstigsten Bedingungen bietet (Abb. 120). Nun wird bald das Tal überbrückt, die Kurven und Tunnels beginnen, der großartige Bahnbau fesselt unser ganzes Interesse, jeder Ausblick zwischen je zwei Tunnels zaubert ein neues, überraschendes Bild vor unser Auge, gleichgültig, nach welcher Seite wir blicken. Die Landschaft wird von Minute zu Minute großartiger, wilder. So erreichen wir fast nur zu rasch den Bahnhof Triberg (616 m), von dem aus das gleichnamige Städtchen, welches jetzt 4000 Einwohner zählt, sich steil hinaufzieht bis zur 120 m höher gelegenen Wallfahrtskirche Maria in der Tanne. Zwischen drei Bergen liegt der seit dem Brande 1826 freundlich neu erbaute Ort (Abb. 118 u. 119), dessen Uhrenindustrie hoch bedeutsam und dessen Gewerbehalle eine Sehenswürdigkeit ist. Doch mehr lockt neuerdings die windgeschützte, hohe Lage mitten im Walde, der prachtvolle Wasserfall, der die Gutach in mehreren Absätzen 120 m hoch über die phantastischen Granitfelsen heruntertosen läßt (Abb. 1), die Fülle herrlich gepflegter Wege nach allen Seiten. All das hat Triberg zu einem stark besuchten Sommerkurort werden lassen, dessen modernes Leben eigentümlich absticht gegen die Stille und Abgeschiedenheit in den Tagen vor der Bahneröffnung. Alle diese Wandlungen sind in letzter Reihe Robert Gerwig, dem genialen Erbauer des kühnen Schienenstranges, zu verdanken. Sein Denkmal ziert darum mit Recht den Stadteingang.

Abb. 123. Holzschlitten im Winter. Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 121.)
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Von Triberg steigt die Bahn in gleicher Weise wie bisher weiter, und wiederum gewährt sie uns an schönen Landschaftsbildern und technischen Problemen des Überraschenden fast mehr, als wir bei der schnellen Fahrt geordnet aufnehmen können. Der Sommerautunnel, wie schon gesagt der größte von allen, durchschneidet die Rhein-Donauwasserscheide. Über ihm, an der alten Straße, steht das große Wirtshaus auf der Scheitelhöhe derart, daß die Traufe der einen Dachseite zum Rhein, die der anderen zur Donau abfließt.
St. Georgen.
Vom Bahnhof Sommerau geht es nun im waldumsäumten Wiesenhochtal gemächlich abwärts, bald wird die Brigach erreicht, über die hoch am Berg hinauf gebaut die blühende Industriestadt St. Georgen (806–864 m) mit fast 4600 Einwohnern liegt. Sie entstand um eines der vielen Benediktinerklöster des Schwarzwaldes, das in diesen Gegenden lange Zeit hindurch eine ähnliche Bedeutung hatte, wie weiter im Süden St. Blasien, das aber wie dieses längst nicht mehr besteht. Die Schwarzwälder Uhrenfabrikation und die Herstellung von Uhrenbestandteilen, Werkzeugen allerart, auch die Stroh- und Strohhutflechterei hat in St. Georgen einen ihrer wichtigsten Mittelpunkte, wie der Besuch der interessanten Gewerbehalle deutlich lehrt. Auch hier hat sich die alte Tracht der Frauen und Mädchen noch erhalten (Abb. 121).
Unfern der Station Peterzell liegt mitten im herrlichsten Hochwalde eingeschlossen die erst 1806 gegründete Herrenhuter Kolonie Königsfeld (763 m) mit geschätzten Erziehungsanstalten für Knaben und Mädchen. Die staubfreie Höhenlage und die Waldesnähe haben auch hier einen vielbesuchten Luftkurort entstehen lassen.

Abb. 124. Zweribachfall. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 121.)
Villingen.
Nun tritt man allmählich aus dem Waldrevier des Grundgebirges und des Buntsandsteines, das weitum den Reichtum der Stadt Villingen ausmacht und vor mehreren Jahren das prachtvoll gelegene Kurhaus Villingen hat entstehen lassen, hinaus auf die Muschelkalkebene der Baar, die wir weiter im Süden schon früher kennen lernten. Umgeben von wogenden Fruchtfeldern liegt hier die alte Stadt Villingen (704 m), die neben Freiburg lange Zeiten hindurch die erste war für ein weites Gebiet. Die schon besprochene alte Hochstraße vom Breisgau durchs Dreisamtal und über den Hohlen Graben ins Bregtal fand einst ihre nordöstliche Fortsetzung hierher und weiter nach Rottweil am Neckar. Sie ist jetzt vereinsamt, weil durch andere abgelöst. Aber Villingen hat sich in seinem zweitürmigen Münster, seinen Toren und anderen Bauten die Spuren seines alten Wertes erhalten und nimmt heute mit rund 11000 Einwohnern als reiche, blühende Stadt am modernen Leben tätigen Anteil. Das Klima ist mit dem der Rheinebene verglichen wohl etwas rauh, aber die tüchtige Bevölkerung ist daran gewöhnt und findet in ihm Kräftigung und Stählung.

Abb. 125. Festgang der Frauen in die Kirche; Bleibach. Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 121.)
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Noch eine kurze Bahnstrecke durch das breite, reich angebaute Brigachtal, aus dem mittels einer kurzen Nebenbahn das im Osten nahe gelegene Dürrheim mit Saline und Solbad leicht zu erreichen ist, und wir haben in Donaueschingen (676 m) wieder bekannten Boden betreten.
XIII. Die Höhenwelt des mittleren Schwarzwaldes.
Der Turner. St. Peter.
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ie im südlichen Teile des Gebirges lernen wir auch hier wieder die Höhenregion am besten kennen, wenn wir dem mit roter Raute bezeichneten Hauptkammweg folgen, den wir vom Titisee bis Basel und Waldshut schon gewandert sind, und der uns in entgegengesetzter Richtung schließlich bis nach Pforzheim gelangen läßt. Vom Titisee führt uns der Höhenweg I nordwärts auf die Weißtannenhöhe (1190 m), von wo die imposante Berggestalt des Feldbergs im Süden und der scharf gezeichnete, schartenartige Einschnitt des Höllentales im Westen als besonders auffällige Einzelbilder unsere Aufmerksamkeit erregen. Dann erreichen wir die Hochfläche des Turner (1035 m) mit seinem viel besuchten und aussichtsreichen Gasthaus in typischer Schwarzwaldumgebung. Von hier führen Wege nach allen Himmelsrichtungen, so durch das stille Joostal nach Neustadt, über die Höhe nach Breitnau und weiter unmittelbar zur Höllentalbahn, oder hoch über dieser hin und mit großartigen Niederblicken über den Hohwart und die Nessellache nach Himmelreich hinab, oder endlich ebendahin auf dem alten Heerweg durch das Spirzen- und Wagensteiger Tal. Überaus lohnend ist vor allen Dingen aber die schöne Hochstraße auf der Wasserscheide zwischen dem Wildgutach- und dem Dreisamgebiet nach den ehemaligen Klöstern St. Märgen (890 m) und St. Peter (722 m), deren zweitürmige Kirchen weither sichtbar sind. In St. Peter (Abb. 122) liegen mehrere Herzöge von Zähringen begraben, der große Klosterbau ist jetzt katholisches Priesterseminar. Zahlreiche Wege führen von da zur Dreisam hinab (Abb. 123), ein herrlicher Waldpfad hält sich auf den Höhen und senkt sich schließlich vom Roßkopf und Schloßberg direkt nach Freiburg. Er kann jedem wanderfrohen Naturfreund aufs beste empfohlen werden, ebenso der Abstieg von St. Peter durch das im oberen Teil wildfelsige, im unteren Teil liebliche und mit Obst wie herrlichem Wein reich gesegnete Glottertal, dessen Mädchen und Frauen sich ähnlich kleiden wie ihre Schwestern im Elzgebiet; der gelb lackierte Zylinderhut wird dem Fremden an der sonst nicht unkleidsamen Tracht am sonderbarsten erscheinen.

Abb. 126. Frauentracht von Schonach. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 122.)
Der Kandel.
Endlich können wir von St. Märgen und St. Peter aus bequem den Kandel (1241 m) besteigen, den weit nach Westen vorgeschobenen höchsten Gipfel im mittleren Schwarzwald. Er ragt von der Rheinebene und von dem unteren Elztal ähnlich schroff auf wie weiter südlich der Belchen und erscheint darum in seiner massigen Gestalt auch als ein Berggewaltiger ersten Ranges. Oben finden wir im Rasthaus gute Unterkunft, beim Signal der internationalen Erdmessung eröffnet sich uns eine unvergleichlich schöne Rundsicht, im Süden bis zu den Alpen. Zumeist wird nach Waldkirch abgestiegen, wohin zahlreiche bequeme Wege uns in kurzer Frist gelangen lassen.

Abb. 127. Frauentracht von Schonach. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 122.)
Simonswälder Tal.
Der Nordostfuß des Höhenzuges Turner-Kandel liegt an der Sohle des Simonswälder Tales, das mit seinen freundlichen Gehöften, seinen malerischen Baumgruppen und seiner stolzen Bergumrahmung vielen als eines der allerbesuchenswertesten des Gebirges gilt. Der Abstiege gibt es mancherlei. Es sollen nur genannt sein der nach Glashütten und zum forellenberühmten Dreistegenwirtshaus in Wildgutach, sowie der zum mächtigen Wasserfall des Zweribaches in seiner Felsschlucht (Abb. 124). Durch das Tal zieht seiner ganzen Länge nach eine prachtvolle Kunststraße, die schließlich bei der Bahnstation Bleibach (Abb. 125) ins Elztal ausmündet.
Auf unserem Haupthöhenweg liegt in kurzem Abstand vom Turner der Hohle Graben (1033 m), eine die Kämme und Täler weithin beherrschende Stelle, die darum früher, als die Hauptverbindung von der Donau nach dem Breisgau hier durchführte, auch strategisch bedeutsam war. Im Dreißigjährigen Krieg und in den Tagen des Prinzen Eugen war der Punkt stark verschanzt und viel umkämpft, gewaltige Heeresmassen sind gar oft über diese einsamen Höhen gezogen, in schlechter wie in guter Jahreszeit. Beim Lachenhäusle (1077 m) überrascht der Niederblick in das tief eingeschnittene Wildgutachtal, auf der anderen Seite liegt in weltabgeschiedenster Einsamkeit das stille Pfarrdorf Waldau. Bei der „Kaltenherberg“ (1030 m) — der Name bezeichnet den Klimacharakter der Lokalität wohl deutlich genug — senkt sich das Gebirge sanft der Donau zu, und auf abgelegenen Waldpfaden längs der Wasserscheide kann man von hier ab zum Höchst (1033 m), der Paßhöhe an der schönen Straße gelangen, die von Neustadt ins Tal des Eisenbächle und nach Hammereisenbach führt; auch der Höhenkurort Friedenweiler (902 m), eine frühere Klosterniederlassung, liegt in diesem Revier.
Kaltenherberg. Brend.
Wir halten uns von der Kaltenherberg ab in rein nördlicher Richtung, stets auf der Rhein-Donauwasserscheide; jenseits Neukirch, bei der Neueck (985 m) schneiden wir die neue prachtvolle Kunststraße, die von Simonswald über Gütenbach herauf und dann östlich abwärts nach Furtwangen führt, bei der Alten Eck (1070 m) den früheren Kilpenweg vom Rheintal über Waldkirch zum Bregegebiet, der neben der Ostweststraße über den Hohlen Graben einer der ältesten im Schwarzwalde ist. Nun geht’s auf die aussichtsreiche Höhe der Brend (1148 m) und hinab zum Sattel am Forsthof der Martinskapelle (1090 m), von wo zahlreiche Wege nach Ost und Nord und West abzweigen. Erwähnung verdient unter ihnen vor allen der eine über die aus alten Kriegszeiten verschanzten Höhen des Rohrhardsberges zum Tafelbühl und zur Wallfahrtskapelle auf dem Hörnleberg (987 m), der weither als Landmarke gilt, und von hier steil hinab ins Elztal bei Bleibach.

Abb. 128. Furtwangen. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 123.)
Schonach.
Nahe der Martinskapelle, am Briglirain (Brücklerain) entspringen dicht beieinander die Brege, die nach Süden, und die Elz, die nach Norden fließt. Wir gehen zwischen diesen Flußursprüngen durch und folgen dem Kamm rechts von der Elz in nördlicher Richtung, lassen den Luftkurort Schönwald (994 m) mit seinen großen Gasthäusern und das stillere Schonach (Abb. 126 u. 127), von wo es bequem nach Triberg hinab geht, rechts unter uns liegen, gelangen dann zu der schon wesentlich tiefer liegenden Büchereck (653 m) zwischen Elzach und Gutach an der Schwarzwaldbahn, steigen nochmals empor zum Farrenkopf (789 m), dem aussichtreichen Eckpfeiler zwischen Gutach- und Kinzigtal, und nun geht’s rasch abwärts zur Bahn, die wir bei Hausach erreichen in dem freudigen Bewußtsein, eine der lohnendsten Höhenwanderungen im Schwarzwald glücklich durchgeführt zu haben.

Abb. 129. Bad Sulzbach. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 126.)
Furtwangen. Stöcklewald. Galgen.
Wer auf etwas bequemere Weise in die eigenartig reizvolle, stille Welt dieser Höhen eindringen will, der mag von Donaueschingen aus die Nebenbahn befahren, die über Hüfingen und Bräunlingen nach Hammereisenbach und dann nach Vöhrenbach (799 m) führt, einem wichtigen Mittelpunkt der Uhren- und Orchestrionfabrikation, um schließlich in Furtwangen zu endigen. Diese hochgelegene Industriestadt (872 m) mit mehr als 5400 Einwohnern ist der Hauptort der Schwarzwälder Uhrenindustrie (Abb. 128) und durch sie groß geworden. Besuche in den vielen verschiedenartigen Betrieben, in der Gewerbehalle, der Schnitzereischule usw. sind höchst lehrreich und lohnen ganz abgesehen von der erquickenden Luft des Hochtales den längeren Aufenthalt reichlich. Von Furtwangen führt eine aussichtsreiche Straße auf die Höhe der Escheck (1057 m), von wo bald Schönwald und kurz danach der obere Anfang des Triberger Wasserfalles erreicht wird. An ihm führt ein herrlicher Schluchtweg hinab zum blühenden Kurort.
Stöcklewald. Galgen.
Die Gegend zwischen den Tälern der Brege und Brigach ist im südlichen Teile einförmig. Erst nördlich der Straße Villingen-Vöhrenbach nimmt sie gebirgigen Charakter an. Von Villingen durchs Kirnachtal oder von St. Georgen der Brigach entlang, deren Quelle hübsch gefaßt ist (Abb. 48), gelangen wir auf die Höhe des Stöcklewaldes (1069 m) mit ihrem stolzen Aussichtsturm, von dem der Blick besonders weit nach Osten zu den Höhen der Schwäbischen Alb trägt. Schöne Abstiege führen nach Furtwangen, Schönwald und Triberg. Doch wird keiner diese luftigen Höhen verlassen, ohne den nahen Galgen, ein Denkmal alter Zeit und überwundener Justizformen, zu besichtigen, und am Galgenhof vorbei dem hochgelegenen Wirtshaus zur Fuchsfalle einen Besuch zu machen. Nach Norden zu ist bald die uns schon bekannte Paßhöhe der Sommerau erreicht, von wo wir über die Benzebene den Fohrenbühl (787 m) erreichen und von hier in der Richtung auf Hausach oder Wolfach oder Schiltach an der Kinzig absteigen können. Auf dem Fohrenbühl, der ganz wie die Biereck am Pfingstsonntag seinen Schellenmarkt hat, schneiden wir unmittelbar an der badisch-württembergischen Grenze die Straße, die von Hornberg nach Lauterbach mit seinen gern besuchten Kuranstalten und weiter abwärts nach Schramberg gelangen läßt.
Sind wir von der „Kaltenherberg“ bis Schiltach in der Hauptsache dem Höhenweg II gefolgt, so darf doch nicht vergessen werden, daß auch die Täler dieses Gebietes zu lohnenden Wanderungen einladen. So führt nach Schramberg auch die interessante Straße von St. Georgen über den Ruppertsberg (902 m) und weiter abwärts dem obersten Schiltachtal entlang nach Thennenbronn, dann durch die in ihren wilden Felsgestaltungen landschaftlich hervorragend schöne Schlucht des Bernecktales mit dem Berneckbad und der Ruine Falkenstein, an welche sich die von Uhland dichterisch verarbeitete Geschichte und Sage des Herzogs Ernst von Schwaben anknüpft. Schramberg (416 m), am Fuße der Nippenburg anmutig gelegen, ist eine sehr lebhafte Industriestadt mit über 11200 Einwohnern, der nördlichste und zugleich wohl der bedeutendste Ort der Schwarzwälder Uhrenindustrie, die sich von hier südlich bis Lenzkirch ausbreitet, und auf deren hohe Bedeutung für große Teile unseres Gebirges oft hingewiesen werden mußte. Auch Porzellan-, Steingut- und Strohhutfabrikation blühen in Schramberg, von wo eine Nebenbahn nach Schiltach an der oberen Kinzig die Verbindung mit der Außenwelt herstellt.