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Der Kinderkreuzzug

ERZÄHLUNG DREIER KLEINER KINDER

Arthur Seiffhart translation

Wir drei, Nikolaus, der nicht sprechen kann, Alain und Denis, sind hinausgezogen auf die Landstraßen, um nach Jerusalem zu ziehen. Schon lange laufen wir. Weiße Stimmen riefen uns in der Nacht. Sie riefen alle kleinen Kinder. Sie waren wie die Stimmen der Vögel, die im Winter starben. Und zuerst haben wir viele arme Vögel gesehen, die ausgestreckt auf dem gefrorenen Erdboden lagen, viele kleine Vögel mit roten Kehlen. Dann haben wir die ersten Blumen und die ersten Blätter gesehen und wir haben daraus Kreuze geflochten. Wir haben vor den Dörfern gesungen, wie wir es sonst immer zum neuen Jahre taten. Und alle Kinder kamen zu uns gelaufen. Und wir sind weitergezogen wie eine Herde. Da waren Männer, die uns fluchten, weil sie nicht den Heiland kannten. Frauen gab es, die uns am Arme festhielten und uns ausfragten und unsere Gesichter mit Küssen bedeckten. Und es gab auch gute Seelen, die uns Holznäpfe mit warmer Milch und Früchte brachten. Und alle Leute hatten Mitleid mit uns. Denn sie wissen nicht, wohin wir gehen und sie haben die Stimmen nicht gehört.

Auf der Erde gibt es dichte Wälder und Flüsse und

O, wie schön sind die Dinge auf der Erde. Wir erinnern uns an nichts, weil wir nie etwas gelernt haben. Doch wir haben alte Bäume und rote Felsen gesehen. Manchmal gehen wir lange durch die Finsternis. Manchmal laufen wir bis zum Abend über helle Wiesen. Wir haben Jesu Namen in Nikolaus’ Ohren gerufen, so daß er ihn gut kennt. Aber er kann ihn nicht nennen. Er freut sich mit uns über das, was wir sehen. Denn

Man sagte uns, daß wir in den Wäldern Menschenfresser und Werwölfe treffen würden. Das sind Lügen. Niemand hat uns erschreckt; niemand hat uns ein Leid getan. Die Einsiedler und die Kranken kommen, uns zu sehen, und die alten Frauen zünden für uns Lichter in den Hütten an. Man läßt für uns die Kirchenglocken läuten. Die Bauern erheben sich von den Äckern, um uns zu erspähen. Auch die Tiere betrachten uns und laufen nicht fort. Und seit wir unterwegs sind, ist die Sonne wärmer geworden und wir pflücken nicht mehr dieselben Blumen. Aber alle Stengel lassen sich in derselben Form flechten und unsere Kreuze sind immer frisch. So ist unsere Hoffnung groß und bald werden wir das blaue Meer sehen. Und am Ende des blauen Meeres liegt Jerusalem. Und der Heiland wird alle kleinen Kinder zu seinem Grabe kommen lassen und die weißen Stimmen in der Nacht werden fröhlich sein.

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