← Table of contents
Das Nibelungenlied

Front matter (continued 5)

Reading edition

Da ließ der reiche König, er war den Boten hold, 1542 Aus eigner hoher Milde daher von seinem Gold Auf breiten Schilden bringen; wohl war er reich daran. Ihnen ward auch reiche Schenkung von seinen Freunden gethan.

Geiselher und Gernot, Gere und Ortewein, 1543 Wie sie auch milde waren, das leuchtete wohl ein: So reiche Gaben boten sie den Boten an, Daß sie's vor ihrem Herren nicht getrauten zu empfahn.

Da sprach zu dem König der Bote Werbelein: 1544 "Herr König, laßt die Gaben nur hier im Lande sein. Wir könnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot, Daß wir Geschenke nähmen: auch thut es uns wenig Noth."

Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemuth, 1545 Daß sie verschmähen wollten so reichen Königs Gut. Da musten sie empfahen sein Gold und sein Gewand, Daß sie es mit sich führten heim in König Etzels Land.

Sie wollten Ute schauen vor ihrer Wiederkehr. 1546 Die Spielleute brachte der junge Geiselher Zu Hof vor seine Mutter; sie entbot der Königin, Wenn man ihr Ehre biete, so bedünk es sie Gewinn.

Da ließ die Königswitwe ihre Borten und ihr Gold 1547 Vertheilen um Kriemhildens, denn der war sie hold, Und König Etzels Willen an das Botenpaar. Sie mochtens wohl empfahen: getreulich bot sie es dar.

Urlaub genommen hatten nun von Weib und Mann 1548 Die Boten Kriemhildens; sie fuhren froh hindann Bis zum Schwabenlande: dahin ließ Gernot Seine Helden sie begleiten, daß sie nirgend litten Noth.

Als die von ihnen schieden, die sie sollten pflegen, 1549 Gab ihnen Etzels Herschaft Frieden auf den Wegen, Daß ihnen Niemand raubte ihr Ross noch ihr Gewand. Sie ritten sehr in Eile wieder in der Heunen Land.

Wo sie Freunde wusten, da machten sie es kund, 1550 In wenig Tagen kämen die Helden von Burgund Vom Rhein hergezogen in der Heunen Land. Pilgerin, dem Bischof, ward auch die Märe bekannt.

Als sie vor Bechlaren die Straße niederzogen, 1551 Da ward um die Märe Rüdger nicht betrogen, Noch Frau Gotelinde, die Markgräfin hehr. Daß sie sie schauen sollten, des freuten beide sich sehr.

Die Spielleute spornten die Rosse mächtig an. 1552 Sie sanden König Etzeln in seiner Stadt zu Gran, Gruß über Grüße, die man ihm her entbot, Brachten sie dem Könige: vor Liebe ward er freudenroth.

Als Kriemhild der Königin die Märe ward bekannt, 1553 Ihre Brüder wollten kommen in ihr Land, Da ward ihr wohl zu Muthe: sie gab den Boten Lohn Mit reichlichen Geschenken; sie hatte Ehre davon.

Sie sprach: "Nun sagt mir beide, Werbel und Schwemmelein, 1554 Wer will von meinen Freunden beim Hofgelage sein, Von den höchsten, die wir luden hieher in dieses Land? Sagt an, was sprach wohl Hagen, als ihm die Mähre ward bekannt?"

"Er kam zu ihrem Rathe an einem Morgen fruh; 1555 Wenig gute Sprüche redet' er dazu, Als sie die Fahrt gelobten nach dem Heunenland: Die hat der grimme Hagen die Todesreise genannt.

"Es kommen eure Brüder, die Könge alle drei, 1556 In herrlichem Muthe. Wer mehr mit ihnen sei, Darüber ich des Weitern euch nicht bescheiden kann. Es will mit ihnen reiten Volker der kühne Fiedelmann."

"Des mag ich leicht entbehren," sprach die Königin, 1557 "Daß ich auch Volkern sähe her zu Hofe ziehn; Hagen bin ich gewogen, der ist ein Degen gut: Daß wir ihn schauen sollen, des hab ich fröhlichen Muth."

Hin gieng die Königstochter, wo sie den König sah. 1558 Wie ininnigliche Worte sprach Frau Kriemhild da: "Wie gefallen euch die Mären, viel lieber Herre mein? Wes mich je verlangte, das soll nun bald vollendet sein."

"Dein Will ist meine Freude," der König sprach da so: 1559 "Ich wär der eignen Freunde nicht so von Herzen froh, Wenn sie kommen sollten hieher in unser Land. Durch deiner Freunde Liebe viel meiner Sorge verschwand."

Des Königs Amtleute befahlen überall 1560 Mit Gestühl zu schmücken Pallas und Saal Für die lieben Gäste, die da sollten kommen. Durch die ward bald dem König viel hoher Freude benommen.

* * * * *

Fünfundzwanzigstes Abenteuer.

Wie die Könige zu den Heunen fuhren.

Wie man dort gebarte, vernahmt ihr nun genug. 1561 Wohl kamen nie gefahren in solchem stolzen Zug So hochgemuthe Degen in eines Königs Land; Sie hatten, was sie wollten, beides, Waffen und Gewand.

Der Vogt vom Rheine kleidete aus seinem Heergeleit 1562 Der Degen tausend sechzig, so gab man uns Bescheid, Und neuntausend Knechte zu dem Hofgelag; Die sie zu Hause ließen, beweinten es wohl hernach.

Da trug man ihr Geräthe zu Worms übern Hof. 1563 Wohl sprach da von Speier ein alter Bischof Zu der schönen Ute: "Unsre Freunde wollen fahren Zu dem Gastgebote: möge Gott sie da bewahren."

Da sprach zu ihren Söhnen Ute, die Fraue gut: 1564 "Ihr solltet hier verbleiben, Helden hochgemuth. Geträumt hat mir heute von ängstlicher Noth, Wie all das Gevögel in diesem Lande wäre todt."

"Wer sich an Träume wendet," sprach dawider Hagen, 1565 "Der weiß noch die rechte Kunde nicht zu sagen, Wie es mög am Besten um seine Ehre stehn: Es mag mein Herr nur immer mit Urlaub hin zu Hofe gehn.

"Wir wollen gerne reiten in König Etzels Land: 1566 Da mag wohl Köngen dienen guter Helden Hand, So wir da schauen sollen Kriemhildens Hochzeit." Hagen rieth die Reise; doch ward es später ihm leid.

Er hätt es widerrathen, nur daß Gernot 1567 Mit ungefügen Reden ihm Spott entgegenbot. Er mahnt' ihn an Siegfried, Frau Kriemhildens Mann: Er sprach: "Darum steht Hagen die große Reise nicht an."

Da sprach von Tronje Hagen: "Nicht Furcht ist's, daß ich's thu. 1568 Gebietet ihr es, Helden, so greift immer zu: Gern will ich mit euch reiten in König Etzels Land." Bald ward von ihm zerhauen mancher Helm und Schildesrand.

Die Schiffe standen fertig zu fahren überrhein; 1569 Was sie an Kleidern hatten, trugen sie darein. Sie fanden viel zu schaffen bis zur Abendzeit; Sie huben sich von Hause zur Reise freudig bereit.

Sie schlugen auf im Grase sich Hütten und Gezelt 1570 Jenseits des Rheines, wo das Lager war bestellt. Da bat noch zu verweilen Gunthern sein schönes Weib; Sie herzte nachts noch einmal des Mannes waidlichen Leib.

Flöten und Posaunen erschollen morgens fruh 1571 Den Aufbruch anzukündigen: da griff man bald dazu. Wem Liebes lag im Arme, herzte des Freundes Leib; Mit Leid trennte Viele des König Etzel Weib.

Der schönen Ute Söhne die hatten einen Mann, 1572 Der kühn war und bieder; als man die Fahrt begann, Sprach er zu dem Könige geheim nach seinem Muth. Er sprach: "Ich muß wohl trauern, daß ihr die Hofreise thut."

Er war geheißen Rumold, ein Degen auserkannt. 1573 Er sprach: "Wem wollt ihr laßen Leute nun und Land? Daß Niemand doch euch Recken wenden mag den Muth! Die Mären Kriemhildens dauchten mich niemals gut."

"Das Land sei dir befohlen und auch mein Söhnelein; 1574 Und diene wohl den Frauen: das ist der Wille mein. Wen du weinen siehest, dem tröste Herz und Sinn; Es wird uns nichts zu Leide Kriemhild thun, die Königin."

Eh man schied von dannen, berieth der König hehr 1575 Sich mit den höchsten Mannen; er ließ nicht ohne Wehr Das Land und die Burgen: die ihrer sollten pflegen, Zum Schutze ließ er denen manchen auserwählten Degen.

Die Rosse standen aufgezäumt den Mannen wie den Herrn: 1576 Mit minniglichem Kusse zog da Mancher fern, Dem noch in hohem Muthe lebte Seel und Leib; Das muste bald beweinen manches waidliche Weib.

Wehruf und Weinen hörte man genug; 1577 Auf dem Arm die Königin ihr Kind dem König trug: "Wie wollt ihr so verwaisen uns beide auf ein Mal? Verbleibet uns zu Liebe," sprach sein jammerreich Gemahl.

"Frau, ihr sollt nicht weinen um den Willen mein, 1578 Ihr mögt hier ohne Sorgen in hohem Muthe sein: Wir kommen bald euch wieder mit Freuden wohl gesund." Sie schieden von den Freunden minniglich zur selben Stund.

Als man die schnellen Recken sah zu den Rossen gehn, 1579 Fand man viel der Frauen in hoher Trauer stehn. Daß sie auf ewig schieden, sagt' ihnen wohl der Muth: Zu großem Schaden kommen, das thut Niemanden gut.

Die schnellen Burgunden begannen ihren Zug. 1580 Da ward in dem Lande das Treiben groß genug; Beiderseits des Rheines weinte Weib und Mann. Wie auch das Volk gebarte, sie fuhren fröhlich hindann.

Niblungens Helden zogen mit ihnen aus 1581 In tausend Halsbergen: die hatten dort zu Haus Viel schöne Fraun gelaßen und sahn sie nimmermehr. Siegfriedens Wunden die schmerzten Kriemhilden sehr.

Nur schwach in jenen Zeiten war der Glaube noch: 1582 Es sang ihnen Messe ein Kaplan jedoch: Der kam gesund zurücke, obwohl aus großer Noth; Die andern blieben alle dort im Heunenlande todt.

Da lenkten mit der Reise auf den Mainstrom an 1583 Hinauf durch Ostfranken Die Gunthern unterthan. Hagen war ihr Führer, der war da wohlbekannt. Ihr Marschall war Dankwart, der Held von Burgundenland.

Da sie von Ostfranken durch Schwalefelde ritten, 1584 Da konnte man sie kennen an den herrlichen Sitten, Die Fürsten und die Freunde, die Helden lobesam. An dem zwölften Morgen der König an die Donau kam.

Da ritt von Tronje Hagen den andern all zuvor: 1585 Er hielt den Nibelungen zumal den Muth empor. Bald sprang der kühne Degen nieder auf den Strand, Wo er sein Ross in Eile fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten, die Schifflein verborgen: 1586 Die Nibelungen kamen da in große Sorgen, Wie sie hinüber sollten: das Wasser war zu breit. Da schwang sich zur Erde mancher Ritter allbereit.

"Uebel," sprach da Hagen, "mag dir wohl hier geschehn, 1587 König an dem Rheine; du magst es selber sehn: Das Wasser ist ergoßen, zu stark ist seine Flut: Ich fürchte, wir verlieren noch heute manchen Recken gut."

"Hagen, was verweist ihr mir?" sprach der König hehr, 1588 "Um eurer Hofzucht willen erschreckt uns nicht noch mehr. Ihr sollt die Furt uns suchen hinüber an das Land, Daß wir von hinnen bringen beides, Ross' und Gewand."

"Mir ist ja noch," sprach Hagen, "mein Leben nicht so leid, 1589 Daß ich mich möcht ertränken in diesen Wellen breit: Erst soll von meinen Händen ersterben mancher Mann In König Etzels Landen, wozu ich gute Lust gewann.

"Bleibet bei dem Wasser, ihr stolzen Ritter gut. 1590 So geh ich und suche die Fergen bei der Flut, Die uns hinüber bringen in Gelfratens Land." Da nahm der kühne Hagen seinen festen Schildesrand.

Er war wohl bewaffnet: den Schild er bei sich trug; 1591 Sein Helm war aufgebunden und glänzte hell genug. Ueberm Harnisch führt' er eine breite Waffe mit, Die an beiden Schärfen aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder nach einem Schiffersmann. 1592 Da hört' er Wasser rauschen; zu lauschen hub er an. In einem schönen Brunnen that das manch weises Weib: Die gedachten da im Bade sich zu kühlen den Leib.

Hagen ward ihrer inne, da schlich er leis heran; 1593 Sie eilten schnell von hinnen, als sie den Helden sahn. Daß sie ihm entrannen, des freuten sie sich sehr. Da nahm er ihre Kleider und schadet' ihnen nicht mehr.

Da sprach das eine Meerweib, Hadburg war sie genannt: 1594 "Hagen, edler Ritter, wir machen euch bekannt, Wenn ihr uns dagegen die Kleider wiedergebt, Was ihr auf dieser Reise bei den Heunen erlebt."

Sie schwammen wie die Vögel schwebend auf der Flut. 1595 Da daucht ihn ihr Wißen von den Dingen gut: So glaubt' er um so lieber, was sie ihm wollten sagen. Sie beschieden ihn darüber, was er begann sie zu fragen.

Sie sprach: "Ihr mögt wohl reiten in König Etzels Land: 1596 Ich setz euch meine Treue dafür zum Unterpfand: Niemals fuhren Helden noch in ein fremdes Reich Zu so hohen Ehren: in Wahrheit, ich sag es euch."

Der Rede war da Hagen im Herzen froh und hehr! 1597 Die Kleider gab man ihnen und säumte sich nicht mehr. Als sie umgezogen ihr wunderbar Gewand, Vernahm er erst die Wahrheit von der Fahrt in Etzels Land.

Da sprach das andre Meerweib mit Namen Siegelind: 1598 "Ich will dich warnen, Hagen, Aldrianens Kind. Meine Muhme hat dich der Kleider halb belogen: Und kommst du zu den Heunen, so bist du übel betrogen.

"Wieder umzukehren, wohl wär es an der Zeit, 1599 Dieweil ihr kühnen Helden also geladen seid, Daß ihr müßt ersterben in der Heunen Land: Wer da hinreitet, der hat den Tod an der Hand."

Da sprach aber Hagen: "Ihr trügt mich ohne Noth: 1600 Wie sollte das sich fügen, daß wir alle todt Blieben bei dem Hofgelag durch Jemandes Groll?" Da sagten sie dem Degen die Märe deutlich und voll.

Da sprach die Eine wieder: "Es muß nun so geschehn, 1601 Keiner wird von euch allen die Heimat wiedersehn Als der Kaplan des Königs: das ist uns wohlbekannt, Der kommt geborgen wieder heim in König Gunthers Land."

Ingrimmen Muthes sprach der kühne Hagen: 1602 "Das ließen meine Herren schwerlich sich sagen, Wir verlören bei den Heunen Leben all und Leib; Nun zeig uns übers Wasser, allerweisestes Weib."

Sie sprach: "Willst du nicht anders und soll die Fahrt geschehn, 1603 So siehst du überm Wasser eine Herberge stehn: Darin ist ein Ferge und sonst nicht nah noch fern." Weiter nachzufragen, des begab er nun sich gern.

Dem unmuthsvollen Recken rief noch die Eine nach: 1604 "Nun wartet, Herr Hagen, euch ist auch gar zu jach; Vernehmt noch erst die Kunde, wie ihr kommt durchs Land. Der Herr dieser Marke der ist Else genannt.

"Sein Bruder ist geheißen Gelfrat der Held, 1605 Ein Herr im Baierlande: nicht so leicht es hält, Wollt ihr durch seine Marke: ihr mögt euch wohl bewahren Und sollt auch mit dem Fergen gar bescheidentlich verfahren.

"Der ist so grimmes Muthes, er läßt euch nicht gedeihn, 1606 Wollt ihr nicht verständig bei dem Helden sein. Soll er euch überholen, so bietet ihm den Sold; Er hütet dieses Landes und ist Gelfraten hold.

"Und kommt er nicht bei Zeiten, so ruft über Flut 1607 Und sagt, ihr heißet Amelrich; das war ein Degen gut, Der seiner Feinde willen räumte dieses Land: So wird der Fährmann kommen, wird ihm der Name genannt."

Der übermüthge Hagen dankte den Frauen hehr 1608 Des Raths und der Lehre; kein Wörtlein sprach er mehr. Dann gieng er bei dem Wasser hinauf an dem Strand, Wo er auf jener Seite eine Herberge fand.

Laut begann zu rufen der Degen über Flut: 1609 "Nun hol mich über, Ferge," sprach der Degen gut, "So geb ich dir zum Lohne eine Spange goldesroth; Mir thut das Ueberfahren, das wiße, wahrhaftig Noth."

Es brauchte nicht zu dienen der reiche Schiffersmann, 1610 Lohn nahm er selten von Jemandem an; Auch waren seine Knechte zumal von stolzem Muth. Noch immer stand Hagen dießseits allein bei der Flut.

Da rief er so gewaltig, der ganze Strom erscholl 1611 Von des Helden Stärke, die war so groß und voll: "Mich Amelrich hol über; ich bin es, Elses Mann, Der vor starker Feindschaft aus diesen Landen entrann."

Hoch an seinem Schwerte er ihm die Spange bot, 1612 Die war schön und glänzte von lichtem Golde roth, Daß er ihn überbrächte in Gelfratens Land. Der übermüthge Ferge nahm selbst das Ruder an die Hand.

Auch hatte dieser Ferge habsüchtgen Sinn: 1613 Die Gier nach großem Gute bringt endlich Ungewinn; Er dachte zu verdienen Hagens Gold so roth, Da litt er von dem Degen hier den schwertgrimmen Tod.

Der Ferge zog gewaltig hinüber an den Strand. 1614 Welcher ihm genannt war, als er den nicht fand, Da hub er an zu zürnen: als er Hagen sah, Mit grimmem Ungestüme zu dem Helden sprach er da:

"Ihr mögt wohl sein geheißen mit Namen Amelrich; 1615 Doch seht ihr dem nicht ähnlich, des ich versehen mich. Von Vater und von Mutter war er der Bruder mein: Nun ihr mich betrogen habt, so müßt ihr dießhalben sein."

"Nein! um Gotteswillen," sprach Hagen dagegen. 1616 "Ich bin ein fremder Recke, besorgt um andre Degen. So nehmet denn freundlich hin meinen Sold Und fahrt uns hinüber: ich bin euch wahrhaftig hold."

Da sprach der Ferge wieder: "Das kann einmal nicht sein. 1617 Viel der Feinde haben die lieben Herren mein. Drum fahr ich keinen Fremden hinüber in ihr Land: Wenn euch das Leben lieb ist, so tretet aus an den Strand."

"Das thu ich nicht," sprach Hagen, "traurig ist mein Muth. 1618 Nehmt zum Gedächtniß die goldne Spange gut Und fahrt uns über, tausend Ross' und auch so manchen Mann." Da sprach der grimme Ferge: "Das wird nimmer gethan."

Er hob ein starkes Ruder, mächtig und breit, 1619 Und schlug es auf Hagen (es ward ihm später leid), Daß er im Schiffe nieder strauchelt' auf die Knie. Solchen grimmen Fergen fand der von Tronje noch nie.

Noch stärker zu erzürnen den kühnen Fremdling, schwang 1620 Er seine Ruderstange, daß sie gar zersprang, Auf das Haupt dem Hagen; er war ein starker Mann: Davon Elses Ferge bald großen Schaden gewann.

Mit grimmigem Muthe griff Hagen gleich zur Hand 1621 Zur Seite nach der Scheide, wo er ein Waffen fand: Er schlug das Haupt ihm nieder und warf es auf den Grund. Bald wurden diese Mären den stolzen Burgunden kund.

Im selben Augenblicke, als er den Fährmann schlug, 1622 Glitt das Schiff zur Strömung; das war ihm leid genug. Eh er es richten konnte, fiel ihn Ermüdung an: Da zog am Ruder kräftig König Gunthers Unterthan.

Er versucht' es umzukehren mit manchem schnellen Schlag, 1623 Bis ihm das starke Ruder in der Hand zerbrach. Er wollte zu den Recken sich wenden an den Strand; Da hatt er keines weiter: wie bald er es zusammen band

Mit seinem Schildriemen, einer Borte schmal. 1624 Hin zu einem Walde wandt er das Schiff zu Thal. Da fand er seinen Herren sein harren an dem Strand; Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt.

Mit Gruß ihn wohl empfiengen die edeln Ritter gut: 1625 Sie sahen in dem Schiffe rauchen noch das Blut Von einer starken Wunde, die er dem Fergen schlug: Darüber muste Hagen fragen hören genug.

Als der König Gunther das heiße Blut ersah 1626 In dem Schiffe schweben, wie bald sprach er da: "Wo ist denn, Herr Hagen, der Fährmann hingekommen? Eure starken Kräfte haben ihm wohl das Leben benommen."

Da sprach er mit Verläugnen: "Als ich das Schifflein fand 1627 Bei einer wilden Weide, da löst' es meine Hand. Ich habe keinen Fergen heute hier gesehn; Leid ist auch Niemand von meinen Händen geschehn."

Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1628 "Heute muß ich bangen um lieber Freunde Tod, Da wir keinen Schiffmann hier am Strome sehn: Wie wir hinüber kommen, darob muß ich in Sorgen stehn."

Laut rief da Hagen: "Legt auf den Boden her, 1629 Ihr Knechte, das Geräthe: ich gedenke, daß ich mehr Der allerbeste Ferge war, den man am Rheine fand: Ich bring euch hinüber gar wohl in Gelfratens Land."

Daß sie desto schneller kämen über Flut, 1630 Trieb man hinein die Mähren; ihr Schwimmen ward so gut, Daß ihnen auch nicht eines der starke Strom benahm. Einige trieben ferner, als sie Ermüdung überkam.

Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gut und ihre Wehr, 1631 Nun einmal ihre Reise nicht zu vermeiden mehr. Hagen fuhr sie über; da bracht er an den Strand Manchen zieren Recken in das unbekannte Land.

Zum ersten fuhr er über tausend Ritter hehr 1632 Und seine sechzig Degen; dann kamen ihrer mehr: Neuntausend Knechte, die bracht er an das Land. Des Tags war unmüßig des kühnen Tronejers Hand.

Das Schiff war ungefüge, stark und weit genug: 1633 Fünfhundert oder drüber es leicht auf einmal trug Ihres Volks mit Speise und Waffen über Flut: Am Ruder muste ziehen des Tages mancher Ritter gut.

Da er sie wohlgeborgen über Flut gebracht, 1634 Da war der fremden Märe der schnelle Held bedacht, Die ihm verkündet hatte das wilde Meerweib: Dem Kaplan des Königs gieng es da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihgeräthe er den Pfaffen fand, 1635 Auf dem Heiligthume sich stützend mit der Hand: Das kam ihm nicht zu Gute, als Hagen ihn ersah; Der unglückselge Priester, viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe mit jäher Gewalt. 1636 Da riefen ihrer Viele: "Halt, Hagen, halt!" Geiselher der junge hub zu zürnen an; Er wollt es doch nicht laßen, bis er ihm Leides gethan.

Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1637 "Was hilft euch wohl, Herr Hagen, des Kaplanes Tod? Thät dieß anders Jemand, es sollt ihm werden leid. Was verschuldete der Priester, daß ihr so wider ihn seid?"

Der Pfaffe schwamm nach Kräften: er hoffte zu entgehn, 1638 Wenn ihm nur Jemand hülfe: das konnte nicht geschehn, Denn der starke Hagen, gar zornig war sein Muth, Stieß ihn zu Grunde wieder; das dauchte Niemanden gut.

Als der arme Pfaffe hier keine Hülfe sah, 1639 Da wandt er sich ans Ufer; Beschwerde litt er da. Ob er nicht schwimmen konnte, doch half ihm Gottes Hand, Daß er wohlgeborgen hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester und schüttelte sein Kleid. 1640 Daran erkannte Hagen, ihm habe Wahrheit, Unmeidliche, verkündet das wilde Meerweib. Er dachte: "Diese Degen verlieren Leben und Leib."

Als sie das Schiff entladen und ans Gestad geschafft, 1641 Was darauf beseßen der Könge Ritterschaft, Schlug Hagen es in Stücke und warf es in die Flut; Das wunderte gewaltig die Recken edel und gut.

"Bruder, warum thut ihr das?" sprach da Dankwart, 1642 "Wie sollen wir hinüber bei unsrer Wiederfahrt, Wenn wir von den Heunen reiten an den Rhein?" Hernach sagt' ihm Hagen, das könne nimmermehr sein.

Da sprach der Held von Tronje: "Ich thats mit Wohlbedacht: 1643 Haben wir einen Feigen in dieses Land gebracht, Der uns entrinnen möchte in seines Herzens Noth, Der muß an diesen Wogen leiden schmählichen Tod."

Sie führten bei sich Einen aus Burgundenland, 1644 Der ein gar behender Held und Volker ward genannt. Der redete da launig nach seinem kühnen Muth: Was Hagen je begangen, den Fiedler dauchte das gut.

Als der Kaplan des Königs das Schiff zerschlagen sah, 1645 Ueber das Wasser zu Hagen sprach er da: "Ihr Mörder ohne Treue, was hatt ich euch gethan, Daß mich unschuldgen Pfaffen eur Herz zu ertranken sann?"

Zur Antwort gab ihm Hagen: "Die Rede laßt beiseit: 1646 Mich kümmert, meiner Treue, daß ihr entkommen seid Hier von meinen Händen, das glaubt ohne Spott." Da sprach der arme Priester: "Dafür lob ich ewig Gott.

"Ich fürcht euch nun wenig, des dürft ihr sicher sein: 1647 Fahrt ihr zu den Heunen, so will ich über Rhein. Gott laß euch nimmer wieder nach dem Rheine kommen, Das wünsch ich euch von Herzen: schier das Leben habt ihr mir genommen."

Da sprach König Gunther zu seinem Kapellan: 1648 "Ich will euch alles büßen, was Hagen euch gethan Hat in seinem Zorne, komm ich an den Rhein Mit meinem Leben wieder: des sollt ihr außer Sorge sein.

"Fahrt wieder heim zu Lande; es muß nun also sein. 1649 Ich entbiete meine Grüße der lieben Frauen mein Und meinen andern Freunden, wie ich billig soll: Sagt ihnen liebe Märe, daß wir noch alle fuhren wohl."

Die Rosse standen harrend, die Säumer wohl geladen; 1650 Sie hatten auf der Reise bisher noch keinen Schaden Genommen, der sie schmerzte, als des Königs Kaplan: Der must auf seinen Füßen sich zum Rheine suchen Bahn.

* * * * *

Sechsundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Dankwart Gelfraten erschlug.

Als sie nun alle waren gekommen an den Strand, 1651 Da fragte König Gunther: "Wer soll uns durch das Land Die rechten Wege weisen, daß wir nicht irre gehn?" Da sprach der kühne Volker: "Laßt mich das Amt nur versehn."

"Nun haltet an," sprach Hagen, "sei's Ritter oder Knecht: 1652 Man soll Freunden folgen, das bedünkt mich recht. Eine ungefüge Märe mach ich euch bekannt: Wir kommen nimmer wieder heim in der Burgunden Land.

"Das sagten mir zwei Meerfraun heute morgen fruh, 1653 Wir kämen nimmer wieder. Nun rat ich, was man thu: Waffnet euch, ihr Helden, ihr sollt euch wohl bewahren: Wir finden starke Feinde und müßen drum wehrhaft fahren.

"Ich wähnt auf Lug zu finden die weisen Meerfraun: 1654 Sie sagten mir, nicht Einer werde wiederschaun Die Heimat von uns Allen bis auf den Kapellan; Drum hätt ich ihm so gerne heut den Tod angethan."

Da flogen diese Mären von Schar zu Schar einher. 1655 Bleich vor Schrecken wurden Degen kühn und hehr, Als sie die Sorge faßte vor dem herben Tod Auf dieser Hofreise: das schuf ihnen wahrlich Noth.

Bei Möringen waren sie über Flut gekommen, 1656 Wo dem Fährmann Elsen das Leben ward benommen. Da sprach Hagen wieder: "Da ich mir so gewann Unterwegs der Feinde, so greift man ehstens uns an.

"Ich erschlug den Fährmann heute morgen fruh; 1657 Sie wißen nun die Kunde. Drum eilt und greifet zu, Wenn Gelfrat und Elsen heute hier besteht Unser Ingesinde, daß es ihnen übel ergeht.

"Sie sind gar kühn, ich weiß es, es wird gewiss geschehn. 1658 Drum laßt nur die Rosse in sanftem Schritte gehn, Daß nicht Jemand wähne, wir flöhn vor ihrem Heer." "Dem Rathe will ich folgen," sprach der junge Geiselher.

"Wer zeigt nun dem Gesinde die Wege durch das Land?" 1659 Sie sprachen: "Das soll Volker: dem sind hie wohlbekannt Die Straßen und die Steige, dem stolzen Fiedelmann." Eh mans von ihm verlangte, kam er gewaffnet heran.

Der schnelle Fiedelspieler: den Helm er überband; 1660 Von herrlicher Farbe war all sein Streitgewand. Am Schaft ließ er flattern ein Zeichen, das war roth. Bald kam er mit den Königen in eine furchtbare Noth.

Gewisse Kunde hatte Gelfrat nun bekommen 1661 Von des Fergen Tode; da hatt es auch vernommen Else der starke: beiden war es leid. Sie besandten ihre Helden: die traf man balde bereit.

Darauf in kurzen Zeiten, nun hört mich weiter an, 1662 Sah man zu ihnen reiten, denen Schade war gethan, In starkem Kriegszuge ein ungefüges Heer: Wohl siebenhundert stießen zu Gelfrat oder noch mehr.

Als das den grimmen Feinden nachzuziehn begann, 1663 Die Herren, die es führten, huben zu jagen an Den kühnen Gästen hinterdrein. Sie wollten Rache haben: Da musten sie der Freunde hernach noch manchen begraben.

Hagen von Tronje richtete das ein 1664 (Wie konnte seiner Freunde ein beßrer Hüter sein?), Daß er die Nachhut hatte und Die ihm unterthan Mit Dankwart seinem Bruder; das war gar weislich gethan.

Ihnen war der Tag zerronnen, den hatten sie nicht mehr. 1665 Er bangte vor Gefahren für seine Freunde sehr. Sie ritten unter Schilden durch der Baiern Land: Darnach in kurzer Weile die Helden wurden angerannt.

Beiderseits der Straße und hinter ihnen her 1666 Vernahm man Hufe schlagen; die Haufen eilten sehr. Da sprach der kühne Dankwart: "Gleich fallen sie uns an: Bindet auf die Helme, das dünkt mich räthlich gethan."

Sie hielten ein mit Reiten, als es muste sein. 1667 Da sahen sie im Dunkel der lichten Schilde Schein. Nicht länger stille schweigen mochte da der Hagen: "Wer verfolgt uns auf der Straße?" Das muste Gelfrat ihm sagen.

Da sprach zu ihm der Markgraf aus der Baiern Land: 1668 "Wir suchen unsre Feinde, denen sind wir nachgerannt. Ich weiß nicht, wer mir heute meinen Fergen schlug: Das war ein schneller Degen; mir ist leid um ihn genug."

Da sprach von Tronje Hagen: "War der Ferge dein? 1669 Er wollt uns nicht fahren; alle Schuld ist mein: Ich erschlug den Recken; fürwahr, es that mir Noth: Ich hatte von dem Degen schier selbst den grimmigen Tod.

"Ich bot ihm zum Lohne Gold und Gewand, 1670 Daß er uns überführe, Held, in euer Land. Darüber zürnt' er also, daß er nach mir schlug Mit starker Ruderstange: da ward ich grimmig genug.

"Ich griff nach dem Schwerte und wehrte seinem Zorn 1671 Mit einer schweren Wunde: da war der Held verlorn. Ich steh euch hier zur Sühne, wie es euch dünke gut." Da gieng es an ein Streiten: sie hatten zornigen Muth.

"Ich wuste wohl," sprach Gelfrat, "als hier mit dem Geleit 1672 Gunther zog vorüber, uns geschäh ein Leid Von Hagens Uebermuthe. Nun büßt ers mit dem Leben: Für des Fergen Ende soll er selbst hier Bürgschaft geben."

Ueber die Schilde neigten da zum Stich den Sper 1673 Gelfrat und Hagen; sich zürnten beide schwer. Dankwart und Else zusammen herrlich ritten; Sie erprobten, wer sie waren: da wurde grimmig gestritten.

Wer je versuchte kühner sich und die Gunst des Glücks? 1674 Von einem starken Stoße sank Hagen hinterrücks Von der Mähre nieder durch Gelfratens Hand. Der Brustriem war gebrochen: so ward im Fallen bekannt.

Man hört' auch beim Gesinde krachender Schäfte Schall. 1675 Da erholte Hagen sich wieder von dem Fall, Den er auf das Gras gethan von des Gegners Sper: Da zürnte der von Tronje wider Gelfraten sehr.

Wer ihnen hielt die Rosse, das ist mir unbekannt. 1676 Sie waren aus den Sätteln gekommen auf den Sand, Hagen und Gelfrat: nun liefen sie sich an. Ihre Gesellen halfen, daß ihnen Streit ward kund gethan.

Wie heftig auch Hagen zu Gelfraten sprang, 1677 Ein Stück von Ellenlänge der edle Markgraf schwang Ihm vom Schilde nieder; das Feuer stob hindann. Da wäre schier erstorben König Gunthers Unterthan.

Er rief mit lauter Stimme Dankwarten an: 1678 "Hilf mir, lieber Bruder, ein schneller starker Mann Hat mich hier bestanden: der läßt mich nicht gedeihn." Da sprach der kühne Dankwart: "So will ich denn Schiedsmann sein."

Da sprang der Degen näher und schlug ihm solchen Schlag 1679 Mit einer scharfen Waffe, daß er todt da lag. Else wollte Rache nehmen für den Mann: Doch er und sein Gesinde schied mit Schaden hindann.

Sein Bruder war erschlagen, selber ward er wund. 1680 Wohl achtzig seiner Degen wurden gleich zur Stund Des grimmen Todes Beute: da muste wohl der Held Gunthers Mannen räumen in geschwinder Flucht das Feld.

Als Die vom Baierlande wichen aus dem Wege, 1681 Man hörte nachhallen die furchtbaren Schläge: Da jagten die von Tronje ihren Feinden nach; Die es nicht büßen wollten, die hatten wenig Gemach.

Da sprach beim Verfolgen Dankwart der Degen: 1682 "Kehren wir nun wieder zurück auf unsern Wegen Und laßen wir sie reiten: sie sind vom Blute naß. Wir eilen zu den Freunden: in Treuen rath ich euch das."

Als sie hinwieder kamen, wo der Schade war geschehn, 1683 Da sprach von Tronje Hagen: "Helden, laßt uns sehn, Wen wir hier vermissen, oder wer uns verlorn Hier in diesem Streite gieng durch Gelfratens Zorn."

Sie hatten vier verloren; der Schade ließ sich tragen. 1684 Sie waren wohl vergolten; dagegen aber lagen Deren vom Baierlande mehr als hundert todt. Den Tronejern waren von Blut die Schilde trüb und roth.

Ein wenig brach aus Wolken des hellen Mondes Licht; 1685 Da sprach wieder Hagen: "Hört, berichtet nicht Meinen lieben Herren, was hier von uns geschah: Bis zum Morgen komme ihnen keine Sorge nah."

Als zu ihnen stießen, die da kamen von dem Streit, 1686 Da klagte das Gesinde über Müdigkeit: "Wie lange sollen wir reiten?" fragte mancher Mann. Da sprach der kühne Dankwart: "Wir treffen keine Herberg an.

"Ihr müst alle reiten bis an den hellen Tag." 1687 Volker der schnelle, der des Gesindes pflag, Ließ den Marschall fragen: "Wo kehren wir heut ein? Wo rasten unsre Pferde und die lieben Herren mein?"

Da sprach der kühne Dankwart: "Ich weiß es nicht zu sagen: 1688 Wir können uns nicht ruhen, bis es beginnt zu tagen; Wo wir es dann finden, legen wir uns ins Gras." Als sie die Kunde hörten, wie leid war Etlichen das!

Sie blieben unverrathen vom heißen Blute roth, 1689 Bis daß die Sonne die lichten Stralen bot Dem Morgen über Berge, wo es der König sah, Daß sie gestritten hatten: sehr im Zorne sprach er da:

"Wie nun denn, Freund Hagen? Verschmähtet ihr wohl das, 1690 Daß ich euch Hülfe brachte, als euch die Ringe naß Wurden von dem Blute? Wer hat euch das gethan?" Da sprach er: "Else that es: der griff nächten uns an.

"Seines Fergen wegen wurden wir angerannt. 1691 Da erschlug Gelfraten meines Bruders Hand. Zuletzt entrann uns Else, es zwang ihn große Noth: Ihnen hundert, uns nur viere blieben da im Streite todt."

Wir können euch nicht melden, wo man die Nachtruh fand. 1692 All den Landleuten ward es bald bekannt, Der edeln Ute Söhne zögen zum Hofgelag. Sie wurden wohl empfangen dort zu Paßau bald hernach.

Der werthen Fürsten Oheim, der Bischof Pilgerin, 1693 Dem wurde wohl zu Muthe, als seine Neffen ihn Mit so viel der Recken besuchten da im Land: Daß er sie gerne sähe, ward ihnen balde bekannt.

Sie wurden wohl empfangen von Freunden vor dem Ort. 1694 Nicht all verpflegen mochte man sie in Paßau dort: Sie musten übers Wasser, wo Raum sich fand und Feld: Da schlugen auf die Knechte Hütten und reich Gezelt.

Sie musten da verweilen einen vollen Tag 1695 Und eine Nacht darüber. Wie schön man sie verpflag! Dann ritten sie von dannen in Rüdigers Land; Dem kamen auch die Mären: da ward ihm Freude bekannt,

Als die Wegemüden Nachtruh genommen 1696 Und sie dem Lande waren näher gekommen, Sie fanden auf der Marke schlafen einen Mann, Dem von Tronje Hagen ein starkes Waffen abgewann.

Eckewart geheißen war dieser Ritter gut. 1697 Der gewann darüber gar traurigen Muth, Daß er verlor das Waffen durch der Helden Fahrt. Rüdgers Grenzmarke, die fand man übel bewahrt.

"O weh mir dieser Schande," sprach da Eckewart. 1698 "Schwer muß ich beklagen der Burgunden Fahrt. Als ich verlor Siegfrieden, hub all mein Kummer an; O weh, mein Herr Rüdiger, wie hab ich wider dich gethan!"

Wohl hörte Hagen des edeln Recken Noth: 1699 Er gab das Schwert ihm wieder, dazu sechs Spangen roth. "Die nimm dir, Held, zu Lohne, willst du hold mir sein; Du bist ein kühner Degen, lägst du hier noch so allein."

"Gott lohn euch eure Spangen," sprach da Eckewart; 1700 "Doch muß ich sehr beklagen zu den Heunen eure Fahrt. Ihr erschlugt Siegfrieden; hier trägt man euch noch Haß: Daß ihr euch wohl behütet, in Treuen rath ich euch das."

"Nun, mög uns Gott behüten," sprach Hagen entgegen. 1701 "Keine andre Sorge haben diese Degen Als um die Herberge, die Fürsten und ihr Lehn, Wo wir in diesem Lande heute Nachtruh sollen sehn.

"Vermüdet sind die Rosse uns auf den fernen Wegen, 1702 Die Speise gar zerronnen," sprach Hagen der Degen: "Wir findens nicht zu Kaufe: es wär ein Wirth uns Noth, Der uns heute gäbe in seiner Milde das Brot."

Da sprach wieder Eckewart: "Ich zeig euch solchen Wirth, 1703 Daß Niemand euch im Hause so gut empfangen wird Irgend in den Landen, als hier euch mag geschehn, Wenn ihr schnellen Degen wollt zu Rüdigern gehn.

"Der Wirth wohnt an der Straße, der beste allerwärts, 1704 Der je ein Haus beseßen. Milde gebiert sein Herz, Wie das Gras mit Blumen der lichte Maimond thut, Und soll er Helden dienen, so ist er froh und wohlgemuth."

Da sprach der König Gunther: "Wollt ihr mein Bote sein, 1705 Ob uns behalten wolle bis an des Tages Schein Mein lieber Freund Rüdiger und Die mir unterthan? Das will ich stäts verdienen, so gut ich irgend nur kann."

"Der Bote bin ich gerne," sprach da Eckewart, 1706 Mit gar gutem Willen erhob er sich zur Fahrt Rüdigern zu sagen, was er da vernommen. Dem war in langen Zeiten so liebe Kunde nicht gekommen.

Man sah zu Bechlaren eilen einen Degen, 1707 Den Rüdger wohl erkannte; er sprach: "Auf diesen Wegen Kommt Eckewart in Eile, Kriemhildens Unterthan." Er wähnte schon, die Feinde hätten ihm ein Leid gethan.

Da gieng er vor die Pforte, wo er den Boten fand. 1708 Der nahm sein Schwert vom Gurte und legt' es aus der Hand. Er sprach zu dem Degen: "Was habt ihr vernommen, Daß ihr so eilen müßet? hat uns Jemand was genommen?"

"Geschadet hat uns Niemand," sprach Eckewart zuhand; 1709 "Mich haben drei Könige her zu euch gesandt, Gunther von Burgunden, Geiselher und Gernot; Jeglicher der Recken euch seine Dienste her entbot.

"Das selbe thut auch Hagen, Volker auch zugleich, 1710 Mit Fleiß und rechter Treue; dazu bericht ich euch, Was des Königs Marschall euch durch mich entbot, Es sei den guten Degen eure Herberge Noth."

Mit lachendem Munde sprach da Rüdiger: 1711 "Nun wohl mir dieser Märe, daß die Könige hehr Meinen Dienst verlangen: dazu bin ich bereit. Wenn sie ins Haus mir kommen, des bin ich höchlich erfreut."

"Dankwart der Marschall hat euch kund gethan, 1712 Wer euch zu Hause noch heute zieht heran: Sechzig kühner Recken und tausend Ritter gut Mit neuntausend Knechten." Da ward ihm fröhlich zu Muth.

"Wohl mir dieser Gäste," sprach da Rüdiger, 1713 "Daß mir zu Hause kommen diese Recken hehr, Denen ich noch selten hab einen Dienst gethan. Entgegen reitet ihnen, sei's Freund oder Unterthan."

Da eilte zu den Rossen Ritter so wie Knecht: 1714 Was sie der Herr geheißen, das dauchte Alle recht. Sie brachten ihre Dienste um so schneller dar. Noch wust es nicht Frau Gotlind, die in ihrer Kammer war.

* * * * *

Siebenundzwanzigstes Abenteuer.

Wie sie nach Bechlaren kamen.

Hin gieng der Markgraf, wo er die Frauen fand, 1715 Sein Weib und seine Tochter. Denen macht' er da bekannt Diese liebe Märe, die er jetzt vernommen, Daß ihrer Frauen Brüder zu ihrem Hause sollten kommen.

"Viel liebe Traute," sprach da Rüdiger, 1716 "Ihr sollt sie wohl empfangen, die edeln Könge hehr, Wenn sie und ihr Gesinde vor euch zu Hofe gehn; Ihr sollt auch freundlich grüßen Hagen in Gunthers Lehn.

"Mit ihnen kommt auch Einer mit Namen Dankwart; 1717 Ein Andrer heißt Volker, an Ehren wohlbewahrt. Die Sechse sollt ihr küssen, ihr und die Tochter mein, Und sollt in höfschen Züchten diesen Recken freundlich sein."

Das gelobten ihm die Frauen und warens gern bereit. 1718 Sie suchten aus den Kisten manch herrliches Kleid, Darin sie den Recken entgegen wollten gehn. Da mocht ein groß Befleißen von schönen Frauen geschehn.

Gefälschter Frauenzierde gar wenig man da fand; 1719 Sie trugen auf dem Haupte lichtes goldnes Band, Das waren reiche Kränze, damit ihr schönes Haar Die Winde nicht verwehten; sie waren höfisch und klar.

In solcher Unmuße laßen wir die Fraun. 1720 Da war ein schnelles Reiten über Feld zu schaun Von Rüdigers Freunden, bis man die Fürsten fand. Sie wurden wohl empfangen in des Markgrafen Land.

Als sie der Markgraf zu sich kommen sah, 1721 Rüdiger der schnelle wie fröhlich sprach er da: "Willkommen mir, ihr Herren und Die in euerm Lehn. Hier in diesem Lande seid ihr gerne gesehn."

Da dankten ihm die Recken in Treuen ohne Haß. 1722 Daß sie willkommen waren, wohl erzeigt' er das. Besonders grüßt' er Hagen, der war ihm längst bekannt; So that er auch mit Volkern, dem Helden aus Burgundenland.

Er begrüßt' auch Dankwarten. Da sprach der kühne Degen: 1723 "Wollt ihr uns hier versorgen, wer soll dann verpflegen Unser Ingesinde aus Worms an dem Rhein?" Da begann der Markgraf: "Diese Angst laßet sein.

"All euer Gesinde und was ihr in das Land 1724 Mit euch geführet habet, Ross, Silber und Gewand, Ich schaff ihm solche Hüter, nichts geht davon verloren, Das euch zu Schaden brächte nur um einen halben Sporen.

"Spannet auf, ihr Knechte, die Hütten in dem Feld; 1725 Was ihr hier verlieret, dafür leist ich Entgelt: Zieht die Zäume nieder und laßt die Rosse gehn." Das war ihnen selten von einem Wirth noch geschehn.

Des freuten sich die Gäste. Als das geschehen war 1726 Und die Herrn von dannen ritten, legte sich die Schar Der Knecht im Grase nieder: sie hatten gut Gemach. Sie fandens auf der Reise nicht beßer vor oder nach.

Die Markgräfin eilte vor die Burg zu gehn 1727 Mit ihrer schönen Tochter. Da sah man bei ihr stehn Die minniglichen Frauen und manche schöne Maid: Die trugen viel der Spangen und manches herrliche Kleid.

Das edle Gesteine glänzte fern hindann 1728 Aus ihrem reichen Schmucke: sie waren wohlgethan. Da kamen auch die Gäste und sprangen auf den Sand. Hei! was man edle Sitten an den Burgunden fand!

Sechsunddreißig Mägdelein und viel andre Fraun, 1729 Die wohl nach Wunsche waren und wonnig anzuschauen, Giengen den Herrn entgegen mit manchem kühnen Mann. Da ward ein schönes Grüßen von edeln Frauen gethan.

Die Markgräfin küsste die Könge alle drei; 1730 So that auch ihre Tochter. Hagen stand dabei. Den hieß ihr Vater küssen: da blickte sie ihn an: Er dauchte sie so furchtbar, sie hätt es lieber nicht gethan.

Doch muste sie es leisten, wie ihr der Wirth gebot. 1731 Gemischt ward ihre Farbe, bleich und auch roth. Auch Dankwarten küsste sie, darnach den Fiedelmann: Seiner Kraft und Kühnheit wegen ward ihm das Grüßen gethan.

Die junge Markgräfin nahm bei der Hand 1732 Geiselher den jungen von Burgundenland; So nahm auch ihre Mutter Gunthern den kühnen Mann. Sie giengen mit den Helden beide fröhlich hindann.

Der Wirth gieng mit Gernot in einen weiten Saal. 1733 Die Ritter und die Frauen setzten sich zumal. Man ließ alsdann den Gästen schenken guten Wein: Gütlicher bewirthet mochten Helden nimmer sein.

Mit zärtlichen Augen sah da Mancher an 1734 Rüdigers Tochter, die war so wohlgethan. Wohl kos't' in seinem Sinne sie mancher Ritter gut; Das mochte sie verdienen: sie trug gar hoch ihren Muth.

Sie gedachten, was sie wollten; nur konnt es nicht geschehn. 1735 Man sah die guten Ritter hin und wieder spähn Nach Mägdelein und Frauen: deren saßen da genug. Dem Wirth geneigten Willen der edle Fiedeler trug.

Da wurden sie geschieden, wie Sitte war im Land: 1736 Zu andern Zimmern giengen Ritter und Fraun zur Hand. Man richtete die Tische in dem Saale weit Und ward den fremden Gästen zu allen Diensten bereit.

Den Gästen gieng zu Liebe die edle Markgräfin 1737 Mit ihnen zu den Tischen: die Tochter ließ sie drin Bei den Mägdlein weilen, wo sie nach Sitte blieb. Daß sie die nicht mehr sahen, das war den Gästen nicht lieb.

Als sie getrunken hatten und gegeßen überall, 1738 Da führte man die Schöne wieder in den Saal. Anmuthge Reden wurden nicht gescheut: Viel sprach deren Volker, ein Degen kühn und allbereit.

Da sprach unverhohlen derselbe Fiedelmann: 1739 "Viel reicher Markgraf, Gott hat an euch gethan Nach allen seinen Gnaden: er hat euch gegeben Ein Weib, ein so recht schönes, dazu ein wonnigliches Leben.

"Wenn ich ein König wäre," sprach der Fiedelmann, 1740 "Und sollte Krone tragen, zum Weibe nähm ich dann Eure schöne Tochter: die wünschte sich mein Muth. Sie ist minniglich zu schauen, dazu edel und gut."

Der Markgraf entgegnete: "Wie möchte das Wohl sein, 1741 Daß ein König je begehrte der lieben Tochter mein? Wir sind hier beide heimatlos, ich und mein Weib, Und haben nichts zu geben: was hilft ihr dann der schöne Leib?"

Zur Antwort gab ihm Gernot, der edle Degen gut: 1742 "Sollt ich ein Weib mir wählen nach meinem Sinn und Muth, So wär ich solches Weibes stäts von Herzen froh." Darauf versetzte Hagen in höfischen Züchten so:

"Nun soll sich doch beweiben mein Herr Geiselher: 1743 Es ist so hohen Stammes die Markgräfin hehr, Daß wir ihr gerne dienten, ich und all sein Lehn, Wenn sie bei den Burgunden unter Krone sollte gehn."

Diese Rede dauchte den Markgrafen gut 1744 Und auch Gotelinde; wohl freute sich ihr Muth. Da schufen es die Helden, daß sie zum Weibe nahm Geiselher der edle, wie er es mocht ohne Scham.

Soll ein Ding sich fügen, wer mag ihm widerstehn? 1745 Man bat die Jungfraue, hin zu Hof zu gehn. Da schwur man ihm zu geben das schöne Mägdelein, Wogegen er sich erbot, die Wonnigliche zu frein.

Man beschied der Jungfrau Burgen und auch Land. 1746 Da sicherte mit Eiden des edeln Königs Hand Und Gernot der Degen, es werde so gethan. Da sprach der Markgraf: "Da ich Burgen nicht gewann,

"So kann ich euch in Treuen nur immer bleiben hold. 1747 Ich gebe meiner Tochter an Silber und an Gold, Was hundert Saumrosse nur immer mögen tragen, Daß es wohl nach Ehren euch Helden möge behagen."

Da wurden diese beiden in einen Kreis gestellt 1748 Nach dem Rechtsgebrauche. Mancher junge Held Stand ihr gegenüber in fröhlichem Muth; Er gedacht in seinem Sinne, wie noch ein Junger gerne thut.

Als man begann zu fragen die minnigliche Maid, 1749 Ob sie den Recken wolle, zum Theil war es ihr leid; Doch dachte sie zu nehmen den waidlichen Mann. Sie schämte sich der Frage, wie manche Maid hat gethan.

Ihr rieth ihr Vater Rüdiger, daß sie spräche ja, 1750 Und daß sie gern ihn nähme: wie schnell war er da Mit seinen weißen Händen, womit er sie umschloß, Geiselher der junge! Wie wenig sie ihn doch genoß!

Da begann der Markgraf: "Ihr edeln Könge reich, 1751 Wenn ihr nun wieder reitet heim in euer Reich, So geb ich euch, so ist es am schicklichsten, die Magd, Daß ihr sie mit euch führet." Also ward es zugesagt.

Der Schall, den man hörte, der muste nun vergehn. 1752 Da ließ man die Jungfrau zu ihrer Kammer gehn Und auch die Gäste schlafen und ruhn bis an den Tag. Da schuf man ihnen Speise: der Wirth sie gütlich verpflag.

Als sie gegeßen hatten und nun von dannen fahren 1753 Wollten zu den Heunen: "Davor will ich euch wahren," Sprach der edle Markgraf, "ihr sollt noch hier bestehn; So liebe Gäste hab ich lange nicht bei mir gesehn."

Dankwart entgegnete: "Das kann ja nicht sein: 1754 Wo nähmt ihr die Speise, das Brot und auch den Wein, Das ihr doch haben müstet für solch ein Heergeleit?" Als das der Wirth erhörte, er sprach: "Die Rede laßt beiseit.

"Meine lieben Herren, ihr dürft mir nicht versagen. 1755 Wohl geb ich euch die Speise zu vierzehen Tagen, Euch und dem Gesinde, das mit euch hergekommen. Mir hat der König Etzel noch gar selten was genommen."

Wie sehr sie sich wehrten, sie musten da bestehn 1756 Bis an den vierten Morgen. Da sah man geschehn Durch des Wirthes Milde, was weithin ward bekannt: Er gab seinen Gästen beides, Ross' und Gewand.

Nicht länger mocht es währen, sie musten an ihr Ziel. 1757 Seines Gutes konnte Rüdiger nicht viel Vor seiner Milde sparen: wonach man trug Begehr, Das versagt' er Niemand: er gab es gern den Helden hehr.

Ihr edel Ingesinde brachte vor das Thor 1758 Gesattelt viel der Rosse; zu ihnen kam davor Mancher fremde Recke, den Schild an der Hand, Da sie reiten wollten mit ihnen in Etzels Land.

Der Wirth bot seine Gaben den Degen allzumal, 1759 Eh die edeln Gäste kamen vor den Saal. Er konnte wohl mit Ehren in hoher Milde leben. Seine schöne Tochter hatt er Geiselhern gegeben;

Da gab er Gernoten eine Waffe gut genug, 1760 Die hernach in Stürmen der Degen herrlich trug. Ihm gönnte wohl die Gabe des Markgrafen Weib; Doch verlor der gute Rüdiger davon noch Leben und Leib.

Er gab König Gunthern, dem Helden ohne Gleich, 1761 Was wohl mit Ehren führte der edle König reich, Wie selten er auch Gab empfieng, ein gutes Streitgewand, Da neigte sich der König vor des milden Rüdger Hand.

Gotelind bot Hagnen, sie durfte es ohne Scham, 1762 Ihre freundliche Gabe: da sie der König nahm, So sollt auch er nicht fahren zu dem Hofgelag Ohn ihre Steuer: der edle Held aber sprach:

"Alles, was ich je gesehn," entgegnete Hagen, 1763 "So begehr ich nichts weiter von hinnen zu tragen Als den Schild, der dorten hängt an der Wand: Den möcht ich gerne führen mit mir in der Heunen Land."

Als die Rede Hagens die Markgräfin vernahm, 1764 Ihres Leids ermahnt' er sie, daß ihr das Weinen kam. Mit Schmerzen gedachte sie an Nudungs Tod, Den Wittich hatt erschlagen; das schuf ihr Jammer und Noth.

Sie sprach zu dem Degen: "Den Schild will ich euch geben. 1765 Wollte Gott vom Himmel, daß der noch dürfte leben, Der einst ihn hat getragen! er fand im Kampf den Tod. Ich muß ihn stäts beweinen: das schafft mir armem Weibe Noth!"

Da erhob sich vom Sitze die Markgräfin mild: 1766 Mit ihren weißen Händen hob sie herab den Schild Und trug ihn hin zu Hagen: der nahm ihn an die Hand. Die Gabe war mit Ehren an den Recken gewandt.

Eine Hülle lichten Zeuges auf seinen Farben lag. 1767 Beßern Schild als diesen beschien wohl nie der Tag. Mit edelm Gesteine War er so besetzt, Man hätt ihn im Handel wohl auf tausend Mark geschätzt.

Den Schild hinwegzutragen befahl der Degen hehr. 1768 Da kam sein Bruder Dankwart auch zu Hofe her. Dem gab reicher Kleider Rüdigers Kind genug, Die er bei den Heunen hernach mit Freuden noch trug.

Wie viel sie der Gaben empfiengen insgemein, 1769 Nichts würd in ihre Hände davon gekommen sein, Wars nicht dem Wirth zu Liebe, der es so gütlich bot. Sie wurden ihm so feind hernach, daß sie ihn schlagen musten todt.

Da hatte mit der Fiedel Volker der schnelle Held 1770 Sich vor Gotelinde höfisch hingestellt. Er geigte süße Töne und sang dazu sein Lied: Damit nahm er Urlaub, als er von Bechlaren schied.

Da ließ die Markgräfin eine Lade näher tragen. 1771 Von freundlicher Gabe mögt ihr nun hören sagen: Zwölf Spangen, die sie aus ihr nahm, schob sie ihm an die Hand: "Die sollt ihr führen, Volker, mit euch in der Heunen Land

"Und sollt sie mir zu Liebe dort am Hofe tragen: 1772 Wenn ihr wiederkehret, daß man mir möge sagen, Wie ihr gedient mir habet bei dem Hofgelag." Wie sie ihn gebeten, so that der Degen hernach.

Der Wirth sprach zu den Gästen: "Daß ihr nun sichrer fahrt, 1773 Will ich euch selbst geleiten: so seid ihr wohl bewahrt, Daß ihr auf der Straße nicht werdet angerannt." Seine Saumrosse die belud man gleich zur Hand.

Der Wirth war reisefertig und fünfhundert Mann 1774 Mit Rossen und mit Kleidern: die führt' er hindann Zu dem Hofgelage mit fröhlichem Muth; Nach Bechelaren kehrte nicht Einer all der Ritter gut.

Mit minniglichen Küssen der Wirth von dannen schied; 1775 Also that auch Geiselher, wie ihm die Liebe rieth. Sie herzten schöne Frauen mit zärtlichem Umfahn: Das musten bald beweinen viel Jungfrauen wohlgethan.

Da wurden allenthalben die Fenster aufgethan, 1776 Als mit seinen Mannen der Markgraf ritt hindann. Sie fühlten wohl im Herzen voraus das herbe Leid: Drum weinten viel der Frauen und manche waidliche Maid.

Nach den lieben Freunden trug Manche groß Beschwer, 1777 Die sie in Bechelaren ersahen nimmermehr. Doch ritten sie mit Freuden nieder an dem Strand Dort im Donauthale bis in das heunische Land.

Da sprach zu den Burgunden der milde Markgraf hehr, 1778 Rüdiger der edle: "Nun darf nicht länger mehr Verhohlen sein die Kunde, daß wir nach Heunland kommen. Es hat der König Etzel noch nie so Liebes vernommen."

Da ritt manch schneller Bote ins Oesterreicherland: 1779 So ward es allenthalben den Leuten bald bekannt, Daß die Helden kämen von Worms über Rhein. Dem Ingesind des Königs konnt es nicht lieber sein.

Die Boten vordrangen mit diesen Mären, 1780 Daß die Nibelungen bei den Heunen wären: "Du sollst sie wohl empfangen, Kriemhild, Fraue mein: Nach großen Ehren kommen dir die lieben Brüder dein."

Als die Königstochter vernahm die Märe, 1781 Zum Theil wich ihr vom Herzen ihr Leid, das schwere. Aus ihres Vaters Lande zog Mancher ihr heran, Durch den der König Etzel bald großen Jammer gewann.

"Nun wohl mir diese Freude," sprach da Kriemhild. 1782 "Hier bringen meine Freunde gar manchen neuen Schild Und Panzer glänzend helle: wer nehmen will mein Gold Und meines Leids gedenken, dem will ich immer bleiben hold."

Sie gedachte heimlich: "Noch wird zu Allem Rath. 1783 Der mich an meinen Freuden so gar gepfändet hat, Weiß ich es zu fügen, es soll ihm werden leid Bei diesem Gastgebote: dazu bin ich gern bereit.

"Ich will es also Schaffen, daß meine Rach ergeht 1784 Bei diesem Hofgelage, wie es hernach auch steht, An seinem argen Leibe, der mir hat benommen So viel meiner Wonne: des soll mir nun Entgeltung kommen."

* * * * *

Achtundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Kriemhild Hagen entpfieng.

Als die Burgunden kamen auf das Feld, 1785 Auf schlug man drei Königen gar herrlich Gezelt. Sie stießen ein die Fahnen von eitel Golde roth. Da wusten nicht die Herren, wie ihnen nah war der Tod.

Da stieg zu den Zinnen Frau Kriemhild hinan 1786 Und sah auf dem Felde reiten manchen Mann. Des freute sich heimlich das wunderschöne Weib: "Nun endlich wird gerochen des kühnen Siegfriedes Leib,

"Der mir so mörderlich zu Tode ward geschlagen; 1787 Ich kann bis an mein Ende ihn nie genug beklagen. O weh der großen Ehren, die ich muß verloren schaun: So tapfrer Mann lag nimmer noch im Arm einer Fraun.

"Seine große Tugend schafft mir Herzeleid: 1788 Wenn ich daran gedenke, wie er zu jener Zeit Hin ritt mit so gesundem Leib, so mehrt sich meine Klage: Mir darf Niemand rügen das große Leid, das ich trage.

"Gott hatt ihn mir zu Manne aus aller Welt erkoren. 1789 Wär Einem Mann die Tugend Tausender angeboren, Viel größere doch Siegfried ganz alleine trug." Sehr klagt' um ihn die Königin, zu dem Herzen sie sich schlug.

Alsbald ward dem Berner die Märe kund gethan. 1790 Da kam er geschwinde über den Hof heran; Er hatte Hilbranden der Sitte nach bei sich. "Viel edle Königstochter, das ließet ihr billiglich,

"Daß man euch weinen sähe bei dieser Lustbarkeit. 1791 Ihr habt hieher beschieden aus fremden Landen weit Viel der werthen Recken und manchen Biedermann: Daß man euch nun weinen sieht, das steht euch gar übel an."

"Ich mahne dich der Treue," sprach sie, "Hildebrand, 1792 Hast du je Gab empfangen aus meiner milden Hand, So räche mich an Hagen: ich gebe dir mein Gold Und bin mit guten Treuen bis an mein Ende dir hold."

Da sprach zu ihr der Berner: "Ihr seid ein übel Weib, 1793 Daß ihr den Freunden rathet an Leben und Leib, Und habt so manchen Boten hin an den Rhein gesandt, Bis sie euch nun kamen zu Haus mit wehrlicher Hand.

"Höret, Meister Hildebrand, so lieb als ich euch sei: 1794 Empfangt mir vom Rheine die Könige alle drei Und heißt sie hier zu Felde liegen bis an den Tag, So warn ich sie mit Treue, so gut ich immer vermag."

Da ritt wohlgezogen Meister Hildebrand, 1795 Bis er die drei Könige von dem Rheine fand. Er sprang vom Pferde ritterlich und ließ sich auf die Knie: Die drei Könige vom Rheine so empfing und grüßt' er sie.

"Willkommen seid, Herr Gunther, König an dem Rhein; 1796 So sei auch Herr Gernot, der liebe Bruder dein, Und Geiselher der junge und Hagen, ein starker Mann, Und noch manch schneller Recke, die ich nicht alle nennen kann.

"Euch entbeut der Berner, der liebe Herre mein, 1797 Seine Huld und Freundschaft und will euch hülfreich sein. Er räth euch, hier im Felde zu liegen bis zum Tag: Dann warnt er euch mit Treuen, so gut er immer vermag.

"Mög euch Gott behüten hier vor aller Noth: 1798 Schon vor vierthalb Jahren war euch bereit der Tod. Geschworen hat Frau Kriemhild, eure Schwester, manchen Eid, daß sie an euch will rächen all ihr großes Herzeleid.

"Er entbeut euch, daß ihr meidet, so lieb euch sei das Leben, 1799 Den Neubau an der Donau, wo euch Herberg ist gegeben: Das sollt ihr mir glauben, und käm darein ein Heer, Ihr müstet All ersterben und Keiner käme zur Wehr.

"Wißt, in drei schönen Rohren, die hohl von innen sind, 1800 Schwefel und Kohlen mischten sie falsch gesinnt: Das wird angezündet, wenn sie zu Tische gehn. Davor sollt ihr euch hüten ihr stolzen Degen ausersehn."

Des erschrak der König, die Rede war ihm leid. 1801 "Nun lohne Gott dir, Hildebrand, daß du uns gabst Bescheid Und daß du hast gewarnet manch heimatlosen Mann. Ich seh, wir treffen Treue bei den Heunen wenig an."

Des erlachten die Jungen und hielten es für Spott. 1802 Da sprachen die Weisen: "Davor behüt uns Gott. Wir sind in großer Treue geritten in das Land; Sie hat uns manchen Boten hin nach dem Rheine gesandt."

Da sprach wohlgezogen der König Gernot: 1803 "Meine Schwester Kriemhild hat uns geladen in den Tod. Zu großer Treue ritten wir her in diese Statt, Da meine schöne Schwester uns vom Rhein geladen hat."

Da sprach der Fiedelspieler, der kühne Volker: 1804 "Ich kam der Gabe willen vom Rhein geritten her. Nun will ich drauf verzichten," so sprach der Fiedelmann: "Ich fiedle mit dem Schwerte das allerbeste, das ich kann.

"Erklingen meine Töne, so weichen sie zurück, 1805 Und wollen sie's nicht laßen, so fügt es leicht das Glück, Ich schlag Einem ritterlich einen schnellen Geigenschlag, Hat er einen treuen Freund, daß es der beweinen mag."

Als Hildebrand der alte von dannen wollte gehn, 1806 Geiselher der junge hieß ihn noch stille stehn. Er gab ihm einen Mantel, den er ihm zu Ehren trug; Für dreißig Mark Goldes hatt er Pfands daran genug.

An sich nahm den Mantel Meister Hildebrand 1807 Und ritt hin wohlgezogen, wo er den Berner fand. "Schaut den reichen Mantel, der hier an mir zu sehn: Den gab mir Geiselher das Kind, als ich von ihm wollte gehn."

Als die Burgunden kamen in das Land, 1808 Da erfuhr es von Berne der alte Hildebrand. Er sagt' es seinem Herren. Dietrichen war es leid; Er hieß ihn wohl empfangen der kühnen Ritter Geleit.

Da ließ der starke Wolfhart die Pferde führen her; 1809 Dann ritt mit dem Berner mancher Degen hehr, Sie zu begrüßen, zu ihnen auf das Feld. Sie hatten aufgeschlagen da manches herrliche Zelt.

Als sie von Tronje Hagen aus der Ferne sah, 1810 Wohlgezogen sprach er zu seinen Herren da: "Nun hebt euch von den Sitzen, ihr Recken wohlgethan, Und geht entgegen denen, die euch hier wollen empfahn.

"Dort kommt ein Heergesinde, das ist mir wohl bekannt; 1811 Es sind viel schnelle Degen von Amelungenland. Sie führt Der von Berne, sie tragen hoch den Muth: Laßt euch nicht verschmähen die Dienste, die man euch thut."

Da sprang von den Rossen wohl nach Fug und Recht 1812 Mit Dietrichen nieder mancher Herr und Knecht. Sie giengen zu den Gästen, wo man die Helden fand, Und begrüßten freundlich Die von der Burgunden Land.

Als sie der edle Dietrich ihm entgegen kommen sah, 1813 Liebes und Leides zumal ihm dran geschah. Er wuste wohl die Märe; leid war ihm ihre Fahrt: Er wähnte, Rüdger wüst es und hätt es ihnen offenbart.

"Willkommen mir, ihr Herren, Gunther und Geiselher, 1814 Gernot und Hagen, Herr Volker auch so sehr, Und Dankwart der schnelle: ist euch das nicht bekannt? Schwer beweint noch Kriemhild Den von Nibelungenland."

"Sie mag noch lange weinen," so sprach da Hagen: 1815 "Er liegt seit manchem Jahr schon zu Tod erschlagen. Den König der Heunen mag sie nun lieber haben: Siegfried kommt nicht wieder, er ist nun lange begraben."

"Siegfriedens Wunden laßen wir nun stehn: 1816 So lange lebt Frau Kriemhild, mag Schade wohl geschehn." So redete von Berne der edle Dieterich: "Trost der Nibelungen, davor behüte du dich!"

"Wie soll ich mich behüten?" sprach der König hehr. 1817 "Etzel sandt uns Boten, was sollt ich fragen mehr? Daß wir zu ihm ritten her in dieses Land. Auch hat uns manche Botschaft meine Schwester Kriemhild gesandt."

"So will ich euch rathen," sprach wieder Hagen, 1818 "Laßt euch diese Märe doch zu Ende sagen Dieterich den Herren und seine Helden gut, Daß sie euch wißen laßen der Frau Kriemhilde Muth."

Da giengen die drei Könige und sprachen unter sich, 1819 Herr Gunther und Gernot und Herr Dieterich: "Nun sag uns, von Berne du edler Ritter gut, Was du wißen mögest von der Königin Muth."

Da sprach der Vogt von Berne: "Was soll ich weiter sagen? 1820 Als daß ich alle Morgen weinen hör und klagen Etzels Weib Frau Kriemhild in jämmerlicher Noth Zum reichen Gott vom Himmel um des starken Siegfried Tod."

"Es ist halt nicht zu wenden," sprach der kühne Mann, 1821 Volker der Fiedler, "was ihr uns kund gethan. Laßt uns zu Hofe reiten und einmal da besehn, Was uns schnellen Degen bei den Heunen möge geschehn."

Die kühnen Burgunden hin zu Hofe ritten: 1822 Sie kamen stolz gezogen nach ihres Landes Sitten. Da wollte bei den Heunen gar mancher kühne Mann Von Tronje Hagen schauen, wie der wohl wäre gethan.

Es war durch die Sage dem Volk bekannt genug, 1823 Daß er von Niederlanden Siegfrieden schlug, Aller Recken stärksten, Frau Kriemhildens Mann: Drum ward so großes Fragen bei Hof nach Hagen gethan.

Der Held war wohlgewachsen, das ist gewisslich wahr. 1824 Von Schultern breit und Brüsten; gemischt war sein Haar Mit einer greisen Farbe; von Beinen war er lang Und schrecklich von Antlitz; er hatte herrlichen Gang.

Da schuf man Herberge den Burgundendegen; 1825 Gunthers Ingesinde ließ man gesondert legen. Das rieth die Königstochter, die ihm viel Haßes trug: Daher man bald die Knechte in der Herberg erschlug.

Dankwart, Hagens Bruder, war da Marschall; 1826 Der König sein Gesinde ihm fleißig anbefahl, Daß er es die Fülle mit Speise sollte pflegen. Das that auch gar willig und gern dieser kühne Degen.

Kriemhild die schöne mit dem Gesinde gieng, 1827 Wo sie die Nibelungen mit falschem Muth empfieng: Sie küsste Geiselheren und nahm ihn bei der Hand. Als das Hagen sah von Tronje, den Helm er fester sich band.

"Nach solchem Empfange," so sprach da Hagen, 1828 "Mögen wohl Bedenken die schnellen Degen tragen; Man grüßt die Fürsten ungleich und den Unterthan: Keine gute Reise haben wir zu dieser Hochzeit gethan."

Sie sprach: "Seid willkommen dem, der euch gerne sieht: 1829 Eurer Freundschaft willen kein Gruß euch hier geschieht. Sagt, was ihr mir bringet von Worms überrhein, Daß ihr mir so höchlich solltet willkommen sein?"

"Was sind das für Sachen," sprach Hagen entgegen, 1830 "Daß euch Gaben bringen sollten diese Degen? So reich wär ich gewesen, hätt ich das gedacht, Daß ich euch meine Gabe zu den Heunen hätt gebracht."

"Nun frag ich um die Märe weiter bei euch an, 1831 Der Hort der Nibelungen, wohin ward der gethan? Der war doch mein eigen, das ist euch wohl bekannt: Den solltet ihr mir haben gebracht in König Etzels Land."

"In Treuen, Frau Kriemhild, schon mancher Tag ist hin, 1832 Den Hort der Nibelungen, seit ich des ledig bin, Ihn ließen meine Herren senken in den Rhein: Da muß er auch in Wahrheit bis zum jüngsten Tage sein."

Die Königin versetzte: "Ich dacht es wohl vorher. 1833 Ihr habt mir noch wenig davon gebracht hieher, Wiewohl er war mein eigen und ich sein weiland pflag; Nach ihm und seinem Herren hab ich manchen leiden Tag."

"Ich bring euch den Teufel!" sprach wieder Hagen, 1834 "Ich hab an meinem Schilde so viel zu tragen Und an meinem Harnisch; mein Helm der ist licht, Das Schwert an meiner Seite: drum bring ich ihn euch nicht."

"Es war auch nicht die Meinung, als verlangte mich nach Gold: 1835 So viel hab ich zu geben, ich entbehre leicht den Sold. Eines Mords und Doppelraubes, die man an mir genommen, Dafür möcht ich Arme zu lieber Entgeltung kommen."

Da sprach die Königstochter zu den Recken allzumal: 1836 "Man soll keine Waffen tragen hier im Saal; Vertraut sie mir, ihr Helden, zur Verwahrung an." "In Treuen," sprach da Hagen, "das wird nimmer gethan.

"Ich begehre nicht der Ehre, Fürstentochter mild, 1837 Daß ihr zur Herberge tragt meinen Schild Und ander Streitgeräthe; ihr seid hier Königin. So lehrte mich mein Vater, daß ich selbst ihr Hüter bin."

"O Weh dieses Leides!" sprach da Kriemhild: 1838 "Warum will mein Bruder und Hagen seinen Schild Nicht verwahren laßen? Gewiss, sie sind gewarnt: Und wüst ich, wer es hat gethan, der Tod der hielt' ihn umgarnt."

Im Zorn gab ihr Antwort Dietrich sogleich: 1839 "Ich bin es, der gewarnt hat die edeln Fürsten reich Und Hagen den kühnen, der Burgunden Mann: Nur zu, du Braut des Teufels, du thust kein Leid mir drum an."

Da schämte sich gewaltig die edle Königin: 1840 Sie fürchtete sich bitter vor Dietrichs Heldensinn. Sie gieng alsdann von dannen, kein Wort mehr sprach sie da, Nur daß sie nach den Feinden mit geschwinden Blicken sah.

Da nahmen bei den Händen zwei der Degen sich, 1841 Der Eine war Hagen, der Andere Dietrich. Da sprach wohlgezogen der Degen allbereit: "Eure Reise zu den Heunen die ist in Wahrheit mir leid,

"Da die Königstochter so gesprochen hat." 1842 Da sprach von Tronje Hagen: "Zu Allem wird schon Rath." So sprachen zu einander die Recken wohlgethan. Das sah der König Etzel, der gleich zu fragen begann:

"Die Märe wust ich gerne," befrug der König sich, 1843 "Wer der Recke wäre, den dort Herr Dietrich So freundlich hat empfangen; er trägt gar hoch den Muth: Wie auch sein Vater heiße, er mag wohl sein ein Recke gut."

Antwort gab dem König ein Kriemhildens-Mann: 1844 "Von Tronje ist er geboren, sein Vater hieß Aldrian; Wie zahm er hier gebare, er ist ein grimmer Mann: Ich laß euch das noch schauen, daß ich keine Lüge gethan."

"Wie soll ich das erkennen, daß er so grimmig ist?" 1845 Noch hatt er nicht Kunde von mancher argen List, Die wider ihre Freunde die Königin spann, Daß aus dem Heunenlande ihr auch nicht Einer entrann.

"Wohl kannt ich Hagen, er war mein Unterthan: 1846 Lob und große Ehre er hier bei mir gewann. Ich macht' ihn zum Ritter und gab ihm mein Gold; Weil er sich getreu erwies, war ich immer ihm hold.

"Daher ist mir von Hagen Alles wohlbekannt. 1847 Zwei edle Kinder bracht ich als Geisel in dieß Land, Ihn und von Spanien Walther: die wuchsen hier heran. Hagen sandt ich wieder heim; Walther mit Hildegund entrann."

So bedacht er alter Zeiten und was vordem geschehn. 1848 Seinen Freund von Tronje hatt er hier gesehn, Der ihm in seiner Jugend oft große Dienste bot; Jetzt schlug er ihm im Alter viel lieber Freunde zu Tod.

* * * * *

Neunundzwanzigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal saßen.

Da schieden auch die beiden werthen Recken sich, 1849 Hagen von Tronje und Herr Dieterich. Ueber die Achsel blickte Gunthers Unterthan Nach einem Heergesellen, den er sich bald gewann.

Neben Geiselheren sah er Volkern stehn, 1850 Den kunstreichen Fiedler: den bat er mitzugehn, Weil er wohl erkannte seinen grimmen Muth: Er war an allen Tugenden ein Ritter kühn und auch gut.

Noch ließ man die Herren auf dem Hofe stehn. 1851 Die Beiden ganz alleine sah man von dannen gehn Ueber den Hof hin ferne vor einen Pallas weit: Die Auserwählten scheuten sich vor Niemandes Streit.

Sie setzten vor dem Hause sich genüber einem Saal, 1852 Der war Kriemhilden, auf eine Bank zu Thal. An ihrem Leibe glänzte ihr herrlich Gewand; Gar Manche, die das sahen, hätten gern sie gekannt.

Wie die wilden Thiere gaffte sie da an, 1853 Die übermüthgen Helden, mancher Heuneumann. Da sah sie durch ein Fenster Etzels Königin: Das betrübte wieder der schönen Kriemhilde Sinn.

Sie gedacht ihres Leides; zu weinen hub sie an. 1854 Das wunderte die Degen, die Etzeln unterthan, Was ihr bekümmert hätte so sehr den hohen Muth? Da sprach sie: "Das that Hagen, ihr Helden kühn und auch gut."

Sie sprachen zu der Frauen: "Wie ist das geschehn? 1855 Wir haben euch doch eben noch wohlgemuth gesehn. Wie kühn er auch wäre, der es euch hat gethan, Befehlt ihr uns die Rache, den Tod müst er empfahn."

"Dem wollt ich immer danken, der rächte dieses Leid: 1856 Was er nur begehrte, ich wär dazu bereit. "Ich fall euch zu Füßen," so sprach des Königs Weib: "Rächt mich an Hagen: er verliere Leben und Leib."

Da rüsteten die Kühnen sich, sechzig an der Zahl: 1857 Kriemhild zu Liebe wollten sie vor den Saal Und wollten Hagen schlagen, diesen kühnen Mann, Dazu den Fiedelspieler; das ward einmüthig gethan.

Als so gering den Haufen die Königin ersah, 1858 In grimmem Muthe sprach sie zu den Helden da: "Von solchem Unterfangen rath ich abzustehn: Ihr dürft in so geringer Zahl nicht mit Hagen streiten gehn.

"So kühn auch und gewaltig Der von Tronje sei, 1859 Noch ist bei weitem stärker, der ihm da sitzet bei, Volker der Fiedler: das ist ein übler Mann: Wohl dürft ihr diesen Helden nicht zu so wenigen nahn."

Als sie die Rede hörten, rüsteten sich mehr 1860 Vierhundert Recken. Der Königin hehr Lag sehr am Herzen die Rache für ihr Leid. Da wurde bald den Degen große Sorge bereit.

Als sie ihr Gesinde wohlbewaffnet sah, 1861 Zu den schnellen Recken sprach die Königin da: "Nun harrt eine Weile: ihr sollt noch stille stehn. Ich will unter Krone hin zu meinen Feinden gehn.

"Hört mich ihm verweisen, was mir hat gethan 1862 Hagen von Tronje, Gunthers Unterthan. Ich weiß ihn so gemuthet, er läugnets nimmermehr: So will ich auch nicht fragen, was ihm geschehe nachher."

Da sah der Fiedelspieler, ein kühner Spielmann, 1863 Die edle Königstochter von der Stiege nahn, Die aus dem Hause führte. Als er das ersah, Zu seinem Heergesellen sprach der kühne Volker da:

"Nun schauet, Freund Hagen, wie sie dorther naht, 1864 Die uns ohne Treue ins Land geladen hat. Ich sah mit einer Königin nie so manchen Mann Die Schwerter in den Händen also streitlustig nahn.

"Wißt ihr, Freund Hagen, daß sie euch abhold sind? 1865 So will ich euch rathen, daß ihr zu hüten sinnt Des Lebens und der Ehre; führwahr, das dünkt mich gut: Soviel ich mag erkennen, ist ihnen zornig zu Muth.

"Es sind auch Manche drunter von Brüsten stark und breit: 1866 Wer seines Lebens hüten will, der thu es beizeit. Ich seh sie unter Seide die festen Panzer tragen. Was sie damit meinen, das hör ich Niemanden sagen."

Da sprach im Zornmuthe Hagen der kühne Mann: 1867 "Ich weiß wohl, das wird Alles wider mich gethan, Daß sie die lichten Waffen tragen an der Hand; Von denen aber reit ich noch in der Burgunden Land.

"Nun sagt mir, Freund Volker, denkt ihr mir beizustehn, 1868 Wenn mit mir streiten wollen Die in Kriemhilds Lehn? Das laßt mich vernehmen, so lieb als ich euch sei. Ich steh euch mit Diensten immer wieder treulich bei."

"Sicherlich, ich helf euch," so sprach da Volker. 1869 "Und säh ich uns entgegen mit seinem ganzen Heer Den König Etzel kommen, all meines Lebens Zeit Weich ich von eurer Seite aus Furcht nicht eines Fußes breit."

"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel edler Volker! 1870 Wenn sie mit mir streiten, wes bedarf ich mehr? Da ihr mir helfen wollet, wie ich jetzt vernommen, So mögen diese Recken fein behutsam näher kommen."

"Stehn wir auf vom Sitze," sprach der Fiedelmann, 1871 "Vor der Königstochter, so sie nun kommt heran. Bieten wir die Ehre der edeln Königin! Das bringt uns auch beiden an eignen Ehren Gewinn."

"Nein! wenn ihr mich lieb habt," sprach dawider Hagen. 1872 "Es möchten diese Degen mit dem Wahn sich tragen, Daß ich aus Furcht es thäte und dächte wegzugehn: Von dem Sitze mein ich vor ihrer Keinem aufzustehn.

"Daß wir es bleiben laßen, das ziemt uns ganz allein. 1873 Soll ich dem Ehre bieten, der mir feind will sein? Nein, ich thu es nimmer, so lang ich leben soll: In aller Welt, was kümmr ich mich um Kriemhildens Groll?"

Der vermeßne Hagen legte über die Schenkel hin 1874 Eine lichte Waffe, aus deren Knaufe schien Mit hellem Glanz ein Jaspis, grüner noch als Gras. Wohl erkannte Kriemhild, daß Siegfried einst sie besaß.

Als sie das Schwert erkannte, das schuf ihr große Noth. 1875 Der Griff war von Golde, der Scheide Borte roth. Ermahnt war sie des Leides, zu weinen hub sie an; Ich glaube, Hagen hatt es auch eben darum gethan.

Volker der kühne zog näher an die Bank 1876 Einen starken Fiedelbogen, mächtig und lang, Wie ein Schwert geschaffen, scharf dazu und breit. So saßen unerschrocken diese Recken allbereit.

Die kühnen Degen beide dauchten sich so hehr, 1877 Aus Furcht vor Jemandem wollten sie nimmermehr Vom Sitz sich erheben. Ihnen schritt da vor den Fuß Die edle Königstochter und bot unfreundlichen Gruß.

Sie sprach: "Nun sagt, Herr Hagen, wer hat nach euch gesandt, 1878 Daß ihr zu reiten wagtet her in dieses Land, Da ihr doch wohl wustet, was ihr mir habt gethan? Wart ihr bei guten Sinnen, ihr durftets euch nicht unterfahn."

"Nach mir gesandt hat Niemand," sprach er entgegen, 1879 "Her zu diesem Lande lud man drei Degen, Die heißen meine Herren: ich steh in ihrem Lehn; Bei keiner Hofreise pfleg ich daheim zu bestehn."

Sie sprach: "Nun sagt mir ferner, was thatet ihr das, 1880 Daß ihr es verdientet, wenn ich euch trage Haß? Ihr erschlugt Siegfrieden, meinen lieben Mann, Den ich bis an mein Ende nicht gut beweinen kann."

"Wozu der Rede weiter?" sprach er, "es ist genug: 1881 Ich bin halt der Hagen, der Siegfrieden schlug, Den behenden Degen: wie schwer er das entgalt, Daß die Frau Kriemhild die schöne Brunhilde schalt!

"Es wird auch nicht geläugnet, reiche Königin, 1882 Daß ich an all dem Schaden, dem schlimmen, schuldig bin. Nun räch es, wer da wolle, Weib oder Mann. Ich müst es wahrlich lügen, ich hab euch viel zu Leid gethan."

Sie sprach: "Da hört ihr, Recken, wie er die Schuld gesteht 1883 An all meinem Leide: wie's ihm deshalb ergeht, Darnach will ich nicht fragen, ihr Etzeln unterthan." Die übermüthgen Degen blickten all einander an.

Wär da der Streit erhoben, so hätte man gesehn, 1884 Wie man den zwei Gesellen müß Ehre zugestehn: Das hatten sie in Stürmen oftmals dargethan. Was jene sich vermeßen, das gieng aus Furcht nun nicht an.

Da sprach der Recken Einer: "Was seht ihr mich an? 1885 Was ich zuvor gelobte, das wird nun nicht gethan. Um Niemands Gabe laß ich Leben gern und Leib. Uns will hier verleiten dem König Etzel sein Weib."

Da sprach ein Andrer wieder: "So steht auch mir der Muth. 1886 Wer mir Thürme gäbe von rothem Golde gut, Diesen Fiedelspieler wollt ich nicht bestehn Der schnellen Blicke wegen, die ich hab an ihm ersehn.

"Auch kenn ich diesen Hagen von seiner Jugendzeit: 1887 Drum weiß ich von dem Recken selber wohl Bescheid. In zweiundzwanzig Stürmen hab ich ihn gesehn; Da ist mancher Frauen Herzeleid von ihm geschehn.

"Er und Der von Spanien traten manchen Pfad, 1888 Da sie hier bei Etzeln thaten manche That Dem König zu Liebe. Das ist oft geschehn: Drum mag man Hagen billig große Ehre zugestehn.

"Damals war der Recke an Jahren noch ein Kind, 1889 Da waren schon die Knaben wie jetzt kaum Greise sind. Nun kam er zu Sinnen und ist ein grimmer Mann; Auch trägt er Balmungen, den er übel gewann."

Damit wars entschieden, Niemand suchte Streit. 1890 Das war der Königstochter im Herzen bitter leid. Die Helden giengen wieder; wohl scheuten sie den Tod Von den Helden beiden: das that ihnen wahrlich Noth.

Wie oft man verzagend Manches unterläßt, 1891 Wo der Freund beim Freunde treulich steht und fest! Und hat er kluge Sinne, daß er nicht also thut, Vor Schaden nimmt sich Mancher durch Besonnenheit in Hut.

Da sprach der kühne Volker: "Da wir nun selber sahn, 1892 Daß wir hie Feinde finden, wie man uns kund gethan, So laß uns zu den Königen hin zu Hofe gehn, So darf unsre Herren mit Kampfe Niemand bestehn."

"Gut, ich will euch folgen," sprach Hagen entgegen. 1893 Da giengen hin die Beiden, wo sie die zieren Degen Noch harrend des Empfanges auf dem Hofe sahn. Volker der kühne hub da laut zu reden an.

Er sprach zu seinen Herren: "Wie lange wollt ihr stehn 1894 Und euch drängen laßen? ihr sollt zu Hofe gehn Und von dem König hören, wie der gesonnen sei." Da sah man sich gesellen der kühnen Helden je zwei.

Dietrich von Berne nahm da an die Hand 1895 Gunther den reichen von Burgundenland; Irnfried nahm Gernoten, diesen kühnen Mann; Da gieng mit seinem Schwäher Geiselher zu Hof heran.

Wie bei diesem Zuge gesellt war Jeglicher, 1896 Volker und Hagen, die schieden sich nicht mehr Als noch in Einem Kampfe bis an ihren Tod. Das musten bald beweinen edle Fraun in großer Noth.

Da sah man mit den Königen hin zu Hofe ziehn 1897 Ihres edeln Ingesindes tausend Degen kühn; Darüber sechzig Recken waren mitgekommen: Die hatt aus seinem Lande der kühne Hagen genommen.

Hawart und Iring, zwei Degen auserkannt, 1898 Die giengen mit den Königen zu Hofe Hand in Hand; Dankwart und Wolfhart, ein theuerlicher Degen, Die sah man großer Hofzucht vor den übrigen pflegen.

Als der Vogt vom Rheine in den Pallas gieng, 1899 Etzel der reiche das länger nicht verhieng: Er sprang von seinem Sitze, als er ihn kommen sah. Ein Gruß, ein so recht schöner, nie mehr von Köngen geschah.

"Willkommen mir, Herr Gunther und auch Herr Gernot 1900 Und euer Bruder Geiselher, die ich hieher entbot Mit Gruß und treuem Dienste von Worms überrhein, Und eure Degen alle sollen mir willkommen sein.

"Laßt euch auch Willkommen, ihr beiden Recken, sagen, 1901 Volker der kühne und dazu Herr Hagen, Mir und meiner Frauen hier in diesem Land: Sie hat euch manche Botschaft hin zum Rheine gesandt."

Da sprach von Tronje Hagen: "Das haben wir vernommen. 1902 Wär ich um meine Herren gen Heunland nicht gekommen, So wär ich euch zu Ehren geritten in das Land." Da nahm der edle König die lieben Gäste bei der Hand.

Und führte sie zum Sitze hin, wo er selber saß. 1903 Da schenkte man den Gästen, fleißig that man das, In weiten goldnen Schalen Meth, Moraß und Wein Und hieß die fremden Degen höchlich willkommen sein.

Da sprach König Etzel: "Das muß ich wohl gestehn, 1904 Mir könnt in diesen Zeiten nichts Lieberes geschehn Als durch euch, ihr Recken, daß ihr gekommen seid; Damit ist auch der Königin benommen Kummer und Leid.

"Mich nahm immer Wunder, was ich euch wohl gethan, 1905 Da ich der edeln Gäste so Manche doch gewann, Daß ihr nie zu reiten geruhtet in mein Land; Nun ich euch hier ersehen hab, ist mirs zu Freuden gewandt."

Da versetzte Rüdiger, ein Ritter hochgemuth: 1906 "Ihr mögt sie gern empfahen, ihre Treue die ist gut: Der wißen meiner Frauen Brüder schön zu pflegen. Sie bringen euch zu Hause manchen waidlichen Degen."

Am Sonnewendenabend waren sie gekommen 1907 An Etzels Hof, des reichen. Noch selten ward vernommen, Daß ein König seine Gäste freundlicher empfieng; Darnach er zu Tische wohlgemuth mit ihnen gieng.

Ein Wirth bei seinen Gästen sich holder nie betrug. 1908 Zu trinken und zu eßen bot man da genug: Was sie nur wünschen mochten, das wurde gern gewährt. Man hatte von den Helden viel große Wunder gehört.

Der reiche Etzel hatte an ein Gebäude weit 1909 Viel Fleiß und Müh gewendet und Kosten nicht gescheut: Man sah Pallas und Thürme, Gemächer ohne Zahl In einer weiten Veste und einen herrlichen Saal.

Den hatt er bauen laßen lang, hoch und weit, 1910 Weil ihn so viel der Recken heimsuchten jederzeit. Auch ander Ingesinde, zwölf reiche Könge hehr Und viel der werthen Degen hatt er zu allen Zeiten mehr,

Als je gewann ein König, von dem ich noch vernahm. 1911 Er lebte so mit Freunden und Mannen wonnesam: Gedräng und frohen Zuruf hatte der König gut Von manchem schnellen Degen; drum stand wohl hoch ihm der Muth.

* * * * *

Dreißigstes Abenteuer.

Wie Hagen und Volker Schildwacht standen.

Der Tag war nun zu Ende, es nahte sich die Nacht. 1912 Den reisemüden Recken war die Sorg erwacht, Wann sie ruhen sollten und zu Bette gehn. Zur Sprache bracht es Hagen: Bescheid ist ihnen geschehn.

Zu dem Wirthe sprach da Gunther: "Gott laß euchs wohlgedeihn: 1913 Wir wollen schlafen gehen, mag es mit Urlaub sein. Wenn ihr das gebietet, kommen wir morgen fruh." Der Wirth entließ die Gaste wohlgemuth zu ihrer Ruh.

Von allen Seiten drängen man die Gäste sah. 1914 Volker der kühne sprach zu den Heunen da: "Wie dürft ihr uns Recken so vor die Füße gehn? Und wollt ihr das nicht meiden, so wird euch übel geschehn.

"So schlag ich Dem und Jenem so schweren Geigenschlag, 1915 Hat er einen Treuen, daß ders beweinen mag. Nun weicht vor uns Recken, fürwahr, mich dünkt es gut: Es heißen Alle Degen und haben doch nicht gleichen Muth."

Als in solchem Zorne sprach der Fiedelmann, 1916 Hagen der kühne sich umzuschaun begann. Er sprach: "Euch räth zum Heile der kühne Fiedeler. Geht zu den Herbergen, ihr in Kriemhildens Heer.

"Was ihr habt im Sinne, es fügt sich nicht dazu: 1917 Wollt ihr was beginnen, so kommt uns morgen fruh Und laßt uns Reisemüden heut in Frieden ruhn. Ich glaube, niemals werden es Helden williger thun."

Da brachte man die Gäste in einen weiten Saal, 1918 Zur Nachtruh eingerichtet den Recken allzumal Mit köstlichen Betten, lang zumal und breit. Gern schuf ihnen Kriemhild das allergrößeste Leid,

Schmucker Decken sah man von Arras da genug 1919 Aus lichthellem Zeuge und manchen Ueberzug Aus Arabischer Seide, so gut sie mochten sein, Verbrämt mit goldnen Borten, die gaben herrlichen Schein.

Viel Bettlaken fand man von Hermelin gemacht 1920 Und von schwarzem Zobel, worunter sie die Nacht Sich Ruhe schaffen sollten bis an den lichten Tag. Ein König mit dem Volke wohl nimmer herrlicher lag.

"O weh des Nachtlagers!" sprach Geiselher das Kind, 1921 "Und weh meiner Freunde, die mit uns kommen sind. Wie gut es meine Schwester uns auch hier erbot, Wir gewinnen, fürcht ich, alle von ihrem Haße den Tod."

"Nun laßt euer Sorgen," sprach Hagen der Degen, 1922 "Ich will heunte selber der Schildwache pflegen Und getrau euch zu behüten bis morgen an den Tag: Seit des ohne Sorge: so entrinne, wer da mag."

Da neigten sich ihm Alle und sagten ihm Dank. 1923 Sie giengen zu den Betten. Da währt' es nicht lang, Bis in Ruhe lagen die Helden wohlgethan. Hagen der kühne sich da zu waffnen begann.

Da sprach der Fiedelspieler, Volker der Degen: 1924 "Verschmäht ihrs nicht, Hagen, so will ich mit euch pflegen Heunt der Schildwache bis morgen an den Tag." Da dankte Volkeren der Degen gütlich und sprach:

"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel lieber Volker! 1925 Zu allen meinen Sorgen wünsch ich mir Niemand mehr Als nur euch alleine, befahr ich irgend Noth. Ich will es wohl vergelten, es verwehr es denn der Tod."

Da kleideten die Beiden sich in ihr licht Gewand, 1926 Jedweder faßte den Schild an seine Hand, Sie giengen aus dem Hause vor die Thüre stehn Und hüteten der Gäste; das ist mit Treuen geschehn.

Volker der schnelle lehnte von der Hand 1927 Seinen Schild den guten an des Saales Wand. Dann wandt er sich zurücke, wo seine Geige war, Und diente seinen Freunden: es ziemt ihm also fürwahr.

Unter des Hauses Thüre setzt' er sich auf den Stein. 1928 Kühnrer Fiedelspieler mochte nimmer sein. Als der Saiten Tönen ihm so hold erklang, Die stolzen Heimatlosen die sagten Volkern den Dank.

Da tönten seine Saiten, daß all das Haus erscholl; 1929 Seine Kraft und sein Geschicke die waren beide voll. Süßer und sanfter zu geigen hub er an: So spielt' er in den Schlummer gar manchen sorgenden Mann.

Da sie entschlafen waren und Volker das befand, 1930 Da nahm der Degen wieder den Schild an die Hand Und gieng aus dem Hause vor die Thüre stehn, Seine Freunde zu behüten vor Denen in Kriemhilds Lehn.

Wohl der Nacht inmitten, wenn es erst da geschah, 1931 Volker der kühne einen Helm erglänzen sah Fernher durch das Dunkel: Die Kriemhild unterthan, Hätten an den Gästen gerne Schaden gethan.

Bevor diese Recken Kriemhild hatt entsandt, 1932 Sie sprach: "Wenn ihr sie findet, so seid um Gott ermahnt, Daß ihr Niemand tödtet als den einen Mann, Den ungetreuen Hagen; die Andern rühret nicht an."

Da sprach der Fiedelspieler: "Nun seht, Freund Hagen, 1933 Uns ziemt, diese Sorge gemeinsam zu tragen. Gewaffnet vor dem Hause seh ich Leute stehn: So viel ich mag erkennen, kommen sie uns zu bestehn."

"So schweigt," sprach da Hagen, "laßt sie erst näher her. 1934 Eh sie uns inne werden, wird ihrer Helme Wehr Zerschroten mit den Schwertern von unser Beider Hand: Sie werden Kriemhilden übel wieder heimgesandt."

Der Heunenrecken Einer das gar bald ersah, 1935 Die Thüre sei behütet: wie schnell sprach er da: "Was wir im Sinne hatten, kann nun nicht geschehn: Ich seh den Fiedelspieler vor dem Hause Schildwacht stehn.

"Er trägt auf dem Haupte einen Helm von lichtem Glanz, 1936 Der ist hart und lauter, stark dazu und ganz. Auch loh'n die Panzerringe ihm, wie das Feuer thut. Daneben steht auch Hagen: die Gäste sind in guter Hut."

Da wandten sie sich wieder. Als Volker das ersah, 1937 Zu seinem Heergesellen in Zorn sprach er da: "Nun laßt mich von dem Hause zu den Recken gehn: So frag ich um die Märe Die in Kriemhildens Lehn."

"Nein, wenn ihr mich lieb habt," sprach Hagen entgegen, 1938 "Kämt ihr aus dem Hause, diese schnellen Degen Brächten euch mit Schwertern leicht in solche Noth, Daß ich euch helfen müste, wärs aller meiner Freunde Tod.

"Wenn wir dann Beide kämen in den Streit, 1939 So möchten ihrer zweie oder vier in kurzer Zeit Zu dem Hause springen und schüfen solche Noth Drinnen an den Schlafenden, daß wir bereuten bis zum Tod."

Da sprach wieder Volker: "So laßt es nur geschehn, 1940 Daß sie inne werden, wir haben sie gesehn: So können uns nicht läugnen Die Kriemhild unterthan, Daß sie gerne treulos an den Gästen hätten gethan."

Da rief der Fiedelspieler den Heunen entgegen: 1941 "Wie geht ihr so bewaffnet, ihr behenden Degen? Wollt ihr morden reiten, ihr Kriemhild unterthan? So nehmt mich zur Hülfe und meinen Heergesellen an,"

Niemand gab ihm Antwort; zornig war sein Muth: 1942 "Pfui, feige Bösewichter," sprach der Degen gut, "Im Schlaf uns zu ermorden, schlicht ihr dazu heran? Das ward so guten Helden bisher noch selten gethan."

Bald ward auch die Märe der Königin bekannt 1943 Vom Abzug ihrer Boten: wie schwer sie das empfand! Da fügte sie es anders; gar grimmig war ihr Muth. Da musten bald verderben viel der Helden kühn und gut.

* * * * *

Einunddreißigstes Abenteuer.

Wie die Herren zur Kirche giengen.

"Mir wird so kühl der Harnisch," sprach da Volker: 1944 "Die Nacht, wähn ich, wolle nun nicht währen mehr. Ich fühl es an den Lüften, es ist nicht weit vom Tag." Da weckten sie gar Manchen, der da im Schlafe noch lag.

Da schien der lichte Morgen den Gästen in den Saal. 1945 Hagen begann zu fragen die Recken allzumal, Ob sie zum Münster wollten in die Messe heut. Nach christlichen Sitten erscholl der Glocken Geläut.

Der Gesang war ungleich; kein Wunder möcht es sein, 1946 Daß Christen mit Heiden nicht stimmten überein. Da wollten zu der Kirche Die in Gunthers Lehn: Man sah sie von den Betten allzumal da erstehn.

Da schnürten sich die Recken in also gut Gewand, 1947 Daß nie Helden wieder in eines Königs Land Beßre Kleider brachten. Hagen war es leid; Er sprach: "Ihr thätet beßer, ihr trügt hier anderlei Kleid.

"Nun ist euch doch allen die Märe wohl bekannt: 1948 Drum statt der Rosenkränze nehmt Waffen an die Hand; Statt wohlgesteinter Hüte die lichten Helme gut, Da wir so wohl erkennen der argen Kriemhilde Muth.

"Wir müßen heute streiten, das will ich euch sagen. 1949 Statt seidner Hemden sollt ihr Halsbergen tragen Und statt der reichen Mäntel gute Schilde breit: zürnt mit euch Jemand, daß ihr wehrhaftig seid.

"Meine lieben Herren, Freund und Mannen mein, 1950 Tretet in die Kirche mit lauterm Herzen ein Und klagt Gott dem reichen eure Sorg und Noth: Denn wißt unbezweifelt, es naht uns allen der Tod.

"Ihr sollt auch nicht vergeßen, was je von euch geschah, 1951 Und fleht vor eurem Gotte andächtig da. Laßt euch alle warnen, gute Recken hehr: Es wend es Gott im Himmel, so hört ihr keine Messe mehr,"

So giengen zu dem Münster die Fürsten und ihr Lehn. 1952 Auf dem heiligen Friedhof, da hieß sie stille stehn Hagen der kühne, damit man sie nicht schied. Er sprach: "Noch weiß ja Niemand, was von den Heunen geschieht.

"Setzt, meine Freunde, die Schilde vor den Fuß 1953 Und lohnt es, beut euch Jemand feindlichen Gruß, Mit tiefen Todeswunden: das ist, was euch Hagen räth. So werdet ihr befunden, wie's euch am löblichsten steht."

Volker und Hagen die beiden stellten da 1954 Sich vor das weite Münster: was darum geschah, Sie wolltens dazu bringen, daß sich die Königin Mit ihnen drängen müße; wohl war gar grimmig ihr Sinn.

Da kam der Wirth des Landes und auch sein schönes Weib; 1955 Mit reichem Gewände war ihr geziert der Leib Und manchem schnellen Degen, der im Geleit ihr war. Da flog der Staub zur Höhe vor der Königin Schar,

Als der reiche König so gewaffnet sah 1956 Die Fürsten und ihr Ingesind, wie bald sprach er da: "Was seh ich meine Freunde unter Helmen gehn? Leid war mir meiner Treue, wär ihnen Leid hier geschehn.

"Das wollt ich ihnen büßen, wie sie es däuchte gut. 1957 Wenn ihnen wer beschwerte das Herz und den Muth, So laß ich sie wohl schauen, es sei mir wahrlich leid: Was sie gebieten mögen, dazu bin ich gern bereit."

Zur Antwort gab ihm Hagen: "Uns ist kein Leid geschehn. 1958 Es ist der Herren Sitte, daß sie gewaffnet gehn Bei allen Gastgeboten zu dreien vollen Tagen. Was uns hier geschähe, wir würden es Etzeln klagen."

Wohl vernahm die Königin Hagens Rede da. 1959 Wie feindlich sie dem Degen unter die Augen sah! Sie wollte doch nicht melden den Brauch in ihrem Land, Wie lang bei den Burgunden sie den auch hatte gekannt.

Wie grimm und stark die Königin ihnen abhold wäre, 1960 Hätte Jemand Etzeln gesagt die rechte Märe, Er hätt es wohl gewendet, was nun doch geschah: In ihrem hohen Uebermuth verschwiegen sie es Alle da.

Da schritt mit vielem Volke Kriemhild zur Kirchenthür: 1961 Doch wollten diese Beiden weichen nicht vor ihr Zweier Hände Breite: das war den Heunen leid. Da muste sie sich drängen mit den Helden allbereit.

Etzels Kämmerlinge die dauchte das nicht gut: 1962 Wohl hätten sie den Recken gern erzürnt den Muth, Wenn sie es wagen dürften vor dem König hehr. Da gab es groß Gedränge und doch nichts anderes mehr.

Als nach dem Gottesdienste man auf den Heimweg sann, 1963 Da kam hoch zu Rosse mancher Heunenmann. Auch war bei Kriemhilden manche schöne Maid; Wohl Siebentausend zählte der Königin Heergeleit.

Kriemhild mit ihren Frauen in den Fenstern saß 1964 Bei Etzeln dem reichen; gerne sah er das. Sie wollten reiten sehen die Helden auserkannt: Hei! was man fremder Recken vor ihnen auf dem Hofe fand!

Nun war auch mit den Rossen der Marschall gekommen. 1965 Der kühne Dankwart hatte mit sich genommen Der Herren Ingesinde von Burgundenland: Die Rosse wohlgesattelt man den kühnen Niblungen fand.

Als zu Rossen kamen die Fürsten und ihr Herr, 1966 Da begann zu rathen der kühne Volker, Sie sollten buhurdieren nach ihres Landes Sitten. Da wurde von den Helden bald gar herrlich geritten.

Was der Held gerathen, Niemanden wohl verdroß; 1967 Der Buhurd und der Waffenklang wurden beide groß. In dem weiten Hofe kam da mancher Mann; Etzel mit Kriemhild es selbst zu schauen begann.

Auf den Buhurd kamen sechshundert Degen. 1968 Dietrichens Recken, den Gästen entgegen. Mit den Burgunden wollten sie sich im Spiel ergehn; Wollt es ihr Herr vergönnen, so wär es gerne geschehn.

Hei! Was gute Recken ritten da heran! 1969 Dietrich dem Helden ward es kund gethan. Mit Gunthers Ingesinde das Spiel er verbot; Er schonte seiner Leute: das that ihm sicherlich Noth.

Als Dietrichs Gefolge so vermied den Streit, 1970 Da kamen von Bechlaren Rüdigers Geleit, Fünfhundert unter Schilden, vor den Saal geritten. Leid wars dem Markgrafen: er hätt es gern nicht gelitten.

Er kam zu ihnen eilends gedrungen durch die Schar 1971 Und sagte seinen Mannen: sie würden selbst gewahr, Daß im Unmuth wären Die Gunthern unterthan: Wenn sie das Kampfspiel ließen, so wär ihm Liebes gethan.

Als von ihnen schieden die Helden allbereit, 1972 Da kamen die von Thüringen, hörten wir Bescheid, Und vom Dänenlande der Kühnen tausend Mann. Von Stichen sah man fliegen viel der Splitter hoch hinan.

Irnfried und Hawart ritten zum Buhurd hin; 1973 Ihrer harrten Die vom Rheine mit hochfährtgem Sinn Zum Lanzenspiel mit Denen vom Thüringerland: Durchbohrt von Stichen wurde mancher schöne Schildesrand.

Da kam der Degen Blödel, dreitausend in der Schar. 1974 Etzel und Kriemhild nahmen sein wohl war, Da vor ihnen Beiden das Ritterspiel geschah. Die Königin es gerne aus Haß der Burgunden sah.

Sie gedacht in ihrem Sinne, schier wärs auch so geschehn: 1975 "Und thäten sie wem Leides, so dürft ich mich versehn, Daß es zum Ernste käme: an den Feinden mein Würd ich dann gerochen; des wollt ich ohne Sorge sein."

Schrutan und Gibeke ritten zum Buhurd auch, 1976 Hornbog und Ramung, nach heunischem Gebrauch. Sie hielten vor den Helden aus Burgundenland: Die Schäfte flogen wirbelnd über des Königssaales Wand.

Wie sie da Alle ritten, das war doch eitel Schall. 1977 Von Stößen auf die Schilde das Haus und den Saal Hörte man ertosen durch manchen Gunthers-Mann. Das Lob sich sein Gesinde mit großen Ehren gewann.

Da ward ihre Kurzweil so stark und so groß, 1978 Daß den Satteldecken der blanke Schweiß entfloß Von den guten Rossen, so die Helden ritten. Sie versuchten an den Heunen sich mit hochfährtgen Sitten.

Da sprach der kühne Volker, der edle Spielmann: 1979 "Zu feig sind diese Degen, sie greifen uns nicht an. Ich hörte immer sagen, daß sie uns abhold sein: Nun könnte die Gelegenheit ihnen doch nicht günstger sein."

"Zu den Ställen wieder," sprach der König hehr, 1980 "Ziehe man die Rosse; wir reiten wohl noch mehr In den Abendstunden, wenn die Zeit erschien. Ob dann den Burgunden den Preis wohl giebt die Königin?"

Da sahn sie Einen reiten so stattlich daher, 1981 Es thats von allen Heunen kein Anderer mehr. Er hatt in den Fenstern wohl ein Liebchen traut: Er ritt so wohl gekleidet als eines werthen Ritters Braut.

Da sprach wieder Volker: "Wie blieb' es ungethan? 1982 Jener Weiberliebling muß einen Stoß empfahn. Das mag hier Niemand wenden, es geht ihm an den Leib: Nicht frag ich, ob drum zürne dem König Etzel sein Weib."

"Nicht doch," sprach der König, "wenn ichs erbitten kann: 1983 Es schelten uns die Leute, greifen wir sie an: Die Heunen laßt beginnen; es kommt wohl bald dahin." Noch saß König Etzel am Fester bei der Königin.

"Ich will das Kampfspiel mehren," sprach Hagen jedoch: 1984 "Laßt diese Frauen und die Degen noch Sehn, wie wir reiten können: das ist wohlgethan; Man läßt des Lobs doch wenig die Recken Gunthers empfahn."

Volker der schnelle ritt wieder in den Streit. 1985 Das schuf da viel der Frauen großes Herzeleid. Er stach dem reichen Heunen den Sper durch den Leib: Das sah man noch beweinen manche Maid und manches Weib.

Alsbald rückt' auch Hagen mit seinen Helden an: 1986 Mit sechzig seiner Degen zu reiten er begann Dahin, wo von dem Fiedler das Spiel war geschehn. Etzel und Kriemhild konnten Alles deutlich sehn.

Da wollten auch die Könige den kühnen Fiedler gut 1987 Unter den Feinden nicht laßen ohne Hut. Da ward von tausend Helden mit großer Kunst geritten. Sie thaten, was sie lüstete, mit gar hochfährtgen Sitten.

Als der reiche Heune zu Tode war geschlagen, 1988 Man hörte seiner Freunde Wehruf und Klagen. All das Gesinde fragte: "Wer hat das gethan?" "Das hat gethan der Fiedler, Volker der kühne Spielmann."

Nach Schwertern und Schilden riefen gleich zur Hand 1989 Des Markgrafen Freunde von der Heunen Land: Zu Tode schlagen wollten sie den Fiedelmann. Der Wirth von seinem Fenster daher zu eilen begann.

Da hob sich von den Heunen allenthalben Schall. 1990 Abstiegen mit dem Volke die Könge vor dem Saal; Zurück die Rosse stießen Die Gunthern unterthan. Da kam der König Etzel den Streit zu schlichten heran.

Einem Vetter dieses Heunen, den er da bei ihm fand, 1991 Eine scharfe Waffe brach er ihm aus der Hand Und schlug sie all zurücke: er war in großem Zorn. "Wie hätt ich meine Dienste an diesen Helden verlorn!

"Wenn ihr diesen Spielmann hättet drum erschlagen, 1992 Ich ließ' euch alle hängen! das will ich euch sagen. Als er erstach den Heunen, sein Reiten wohl ich sah, Daß es wider seinen Willen nur durch Straucheln geschah.

Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings