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Das Nibelungenlied

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Sie sprach: "Mich jammern immer ihre Schönheit, ihre Zucht; 640 Wüst ich, wohin ich sollte, ich nähme gern die Flucht Und wollt euch nimmer eher nahe liegen bei, Bis ich wüste, weshalb Kriemhild die Braut von Siegfrieden sei."

Da sprach König Gunther: "Ich mach es euch bekannt: 641 Er hat selber Burgen wie ich und weites Land. Das dürft ihr sicher glauben, er ist ein König reich: Drum gönn ich ihm zum Weibe die schöne Magd ohne Gleich."

Was ihr der König sagte, traurig blieb ihr Muth. 642 Da eilte von den Tischen mancher Ritter gut: Das Kampfspiel ward so heftig, daß rings die Burg erklang. Dem Wirth bei seinen Gästen ward die Weile viel zu lang.

Er dacht: "Ich läge sanfter der schönen Frauen bei." 643 Er wurde des Gedankens nicht mehr im Herzen frei, Von ihrer Minne müße ihm Liebes viel geschehn. Da begann er freundlich Frau Brunhilden anzusehn.

Vom Ritterspiel die Gäste bat man abzustehn: 644 Mit seinem Weibe wollte zu Bett der König gehn. Vor des Saales Stiege begegneten da Sich Kriemhild und Brunhild; noch in Güte das geschah.

Da kam ihr Ingesinde; sie säumten länger nicht: 645 Ihre reichen Kämmerlinge brachten ihnen Licht. Es theilten sich die Recken in beider Könge Lehn. Da sah man viel der Degen hinweg mit Siegfrieden gehn.

Die Helden kamen beide hin, wo sie sollten liegen. 646 Da dachte Jedweder mit Minnen obzusiegen Den minniglichen Frauen: des freute sich ihr Muth. Siegfriedens Kurzweil die wurde herrlich und gut.

Als Siegfried der Degen bei Kriemhilden lag 647 Und er da der Jungfrau so minniglich pflag Mit seinem edeln Minnen, sie ward ihm wie sein Leben: Er hätte nicht die eine für tausend andre gegeben.

Ich sag euch nicht weiter, wie er der Frauen pflag. 648 Nun hört diese Märe, wie König Gunther lag Bei Brunhild der Frauen; der zierliche Degen Hätte leichtlich sanfter bei andern Frauen gelegen.

Das Volk hatt ihn verlaßen zumal, so Frau als Mann: 649 Da ward die Kemenate balde zugethan. Er wähnt', er solle kosen ihren minniglichen Leib: Da währt' es noch gar lange, bevor sie wurde sein Weib.

Im weißen Linnenhemde gieng sie ins Bett hinein. 650 Der edle Ritter dachte: "Nun ist das alles mein, Wes mich je verlangte in allen meinen Tagen." Sie must ob ihrer Schöne mit großem Recht ihm behagen.

Das Licht begann zu bergen des edeln Königs Hand. 651 Hin gieng der kühne Degen, wo er die Jungfrau fand. Er legte sich ihr nahe: seine Freude die war groß, Als die Minnigliche der Held mit Armen umschloß.

Minnigliches Kosen möcht er da viel begehn, 652 Ließe das willig die edle Frau geschehn. Doch zürnte sie gewaltig: den Herrn betrübte das. Er wähnt, er fände Freude, da fand er feindlichen Haß.

Sie sprach: "Edler Ritter, laßt euch das vergehn: 653 Was ihr da habt im Sinne, das kann nicht geschehn. Ich will noch Jungfrau bleiben, Herr König, merkt euch das, Bis ich die Mär erfahre." Da faßte Gunther ihr Haß.

Er rang nach ihrer Minne und zerrauft' ihr Kleid. 654 Da griff nach einem Gürtel die herrliche Maid, Einer starken Borte, die sie um sich trug: Da that sie dem König großen Leides genug.

Die Füß und die Hände sie ihm zusammenband, 655 Zu einem Nagel trug sie ihn und hieng ihn an die Wand. Als er im Schlaf sie störte, sein Minnen sie verbot. Von ihrer Stärke hätt er beinah gewonnen den Tod.

Da begann zu flehen, der Meister sollte sein: 656 "Nun löst mir die Bande, viel edle Fraue mein. Ich getrau euch, schöne Herrin, doch nimmer obzusiegen Und will auch wahrlich selten mehr so nahe bei euch liegen."

Sie frug nicht, wie ihm wäre, da sie in Ruhe lag. 657 Dort must er hangen bleiben die Nacht bis an den Tag, Bis der lichte Morgen durchs Fenster warf den Schein: Hatt er je Kraft beseßen, die ward an seinem Leibe klein.

"Nun sagt mir, Herr Gunther, ist euch das etwa leid, 658 Wenn euch gebunden finden," sprach die schöne Maid, "Eure Kämmerlinge von einer Frauen Hand?" Da sprach der edle Ritter: "Das würd euch übel gewandt.

"Auch wär mirs wenig Ehre," sprach der edle Mann: 659 "Bei eurer Zucht und Güte nehmt mich nun bei euch an. Und ist euch meine Minne denn so mächtig leid, So will ich nie berühren mit meiner Hand euer Kleid."

Da löste sie den König, daß er nicht länger hieng; 660 Wieder an das Bette er zu der Frauen gieng. Er legte sich so ferne, daß er ihr Hemde fein Nicht oft darnach berührte: auch wollte sie des ledig sein.

Da kam auch ihr Gesinde, das brachte neu Gewand: 661 Des war heute Morgen genug für sie zur Hand. Wie froh man da gebahrte, traurig war genug Der edle Wirth des Landes, wie er des Tags die Krone trug.

Nach des Landes Sitte, die zu begehen Pflicht, 662 Unterließ es Gunther mit Brunhild länger nicht: Sie giengen nach dem Münster, wo man die Messe sang. Dahin auch kam Herr Siegfried; da hob sich mächtiger Drang.

Nach königlichen Ehren war da für sie bereit, 663 Was sie haben sollten, die Krone wie das Kleid. Da ließen sie sich weihen: als das war geschehn, Da sah man unter Krone alle Viere herrlich stehn.

Das Schwert empfiengen Knappen, sechshundert oder mehr, 664 Den Königen zu Ehren auf meines Worts Gewähr. Da hob sich große Freude in Burgundenland: Man hörte Schäfte brechen an der Schwertdegen Hand.

Da saßen in den Fenstern die schönen Mägdelein. 665 Sie sahen vor sich leuchten manches Schildes Schein. Nun hatte sich der König getrennt von seinem Lehn: Was man beginnen mochte, er ließ es trauernd geschehn.

Ihm und Siegfrieden ungleich stand der Muth: 666 Wohl wuste, was ihm fehlte, der edle Ritter gut. Da gieng er zu dem König, zu fragen er begann: "Wie ists euch gelungen die Nacht, das saget mir an."

Da sprach der Wirth zum Gaste: "Den Schimpf und den Schaden 667 Hab ich an meiner Frauen in mein Haus geladen. Ich wähnte sie zu minnen, wie schnell sie mich da band! Zu einem Nagel trug sie mich und hieng mich hoch an die Wand.

"Da hieng ich sehr in Aengsten die Nacht bis an den Tag. 668 Eh sie mich wieder löste, wie sanft sie da lag! Das sei dir in der Stille geklagt in Freundlichkeit." Da sprach der starke Siegfried: "Das ist in Wahrheit mir leid.

"Das will ich euch beweisen, verschmerzt ihr den Verdruß. 669 Ich schaffe, daß sie heute Nacht so nah euch liegen muß, Daß sie euch ihre Minne nicht länger vorenthält." Die Rede hörte gerne nach seinem Leide der Held.

"Nun schau meine Hände, wie die geschwollen sind: 670 Die drückte sie so mächtig, als wär ich ein Kind, Daß Blut mir allenthalben aus den Nägeln drang. Ich hegte keinen Zweifel, mein Leben währe nicht lang."

Da sprach der starke Siegfried: "Es wird noch Alles gut. 671 Uns Beiden war wohl ungleich heute Nacht zu Muth. Mir ist deine Schwester wie Leben lieb und Leib! So muß nun auch Frau Brunhild noch heute werden dein Weib.

"Ich komme heut Abend zu deinem Kämmerlein 672 Also wohl verborgen in der Tarnkappe mein, Daß sich meiner Künste Niemand mag versehn. Laß dann die Kämmerlinge zu ihren Herbergen gehn:

"So lesch ich den Knappen die Lichter an der Hand: 673 Bei diesem Wahrzeichen sei dir bekannt, Daß ich hereingetreten. Wohl zwing ich dir dein Weib, Daß du sie heute minnest, ich verlör' denn Leben und Leib."

"Wenn du sie nicht minnest," der König sprach da so, 674 "Meine liebe Fraue: des Andern bin ich froh; Was du auch thust und nähmst du Leben ihr und Leib, Das wollt ich wohl verschmerzen: sie ist ein schreckliches Weib."

"Das nehm ich," sprach da Siegfried, "auf die Treue mein, 675 Daß ich sie nicht berühre; die liebe Schwester dein Geht mir über alle, die ich jemals sah." Wohl glaubte König Gunther der Rede Siegfriedens da.

Da gabs von Ritterspielen Freude so wie Noth. 676 Den Buhurd und das Lärmen man allzumal verbot. Als die Frauen sollten nach dem Saale gehn, Geboten Kämmerlinge den Leuten, nicht im Weg zu stehn.

Von Rossen und von Leuten räumte man den Hof. 677 Der Frauen Jedwede führt' ein Bischof, Als sie vor den Königen zu Tische sollten gehn. Ihnen folgten zu den Stühlen viel der Degen ausersehn.

Bei seinem Weib der König in froher Hoffnung saß: 678 Was Siegfried ihm verheißen, im Sinne lag ihm das. Der eine Tag ihn dauchte wohl dreißig Tage lang: Nach Brunhildens Minne all sein Denken ihm rang.

Er konnt es kaum erwarten, bis vorbei das Mahl. 679 Brunhild die schöne rief man aus dem Saal Und auch Kriemhilden: sie sollten schlafen gehn: Hei! was man kühner Degen sah vor den Königinnen stehn!

Siegfried der Herre gar minniglich saß 680 Bei seinem schönen Weibe mit Freuden ohne Haß. Sie kos'te seine Hände mit ihrer weißen Hand, Bis er ihr vor den Augen, sie wuste nicht wie, verschwand.

Da sie mit ihm spielte und sie ihn nicht mehr sah, 681 Zu seinem Ingesinde sprach die Königin da: "Mich wundert sehr, wo ist doch der König hingekommen? Wer hat seine Hände mir aus den meinen genommen?"

Sie ließ die Rede bleiben. Da eilt' er hinzugehn, 682 Wo er die Kämmerlinge fand mit Lichtern stehn: Die lescht' er unversehens den Knappen an der Hand: Daß es Siegfried wäre, das war da Gunthern bekannt.

Wohl wust er, was er wolle: er ließ von dannen gehn 683 Mägdelein und Frauen. Als das war geschehn, Der edle König selber verschloß der Kammer Thür: Starker Riegel zweie die warf er eilends dafür.

Hinterm Bettvorhange barg er der Kerzen Licht. 684 Ein Spiel sogleich begannen, vermeiden ließ sichs nicht, Siegfried der starke und die schöne Maid: Das war dem König Gunther beides lieb und auch leid.

Da legte sich Siegfried der Königin bei. 685 Sie sprach: "Nun laßt es, Gunther, wie lieb es euch auch sei, Daß ihr nicht Noth erleidet heute so wie eh: Oder euch geschieht hier von meinen Händen wieder Weh."

Er hehlte seine Stimme, kein Wörtlein sprach er da. 686 Wohl hörte König Gunther, obgleich er sie nicht sah, Daß Heimliches von Beiden wenig geschehen sei; Nicht viel bequeme Ruhe im Bette fanden die Zwei.

Er stellte sich, als wär er Gunther der König reich; 687 Er umschloß mit Armen das Mägdlein ohne Gleich. Sie warf ihn aus dem Bette dabei auf eine Bank, Daß laut an einem Schemel ihm das Haupt davon erklang.

Wieder auf mit Kräften sprang der kühne Mann, 688 Es beßer zu versuchen: wie er das begann, Daß er sie zwingen wollte, da widerfuhr ihm Weh. Ich glaube nicht, daß solche Wehr von Frauen je wieder gescheh.

Da ers nicht laßen wollte, das Mägdlein aufsprang: 689 "Euch ziemt nicht zu zerraufen mein Hemd also blank. Ihr seid ungezogen: das wird euch noch leid. Des bring ich euch wohl inne," sprach die waidliche Maid.

Sie umschloß mit den Armen den theuerlichen Degen 690 Und wollt ihn auch in Bande wie den König legen, Daß sie im Bette läge mit Gemächlichkeit. Wie grimmig sie das rächte, daß er zerzerret ihr Kleid!

Was half ihm da die Stärke, was seine große Kraft? 691 Sie erwies dem Degen ihres Leibes Meisterschaft. Sie trug ihn übermächtig, das muste nur so sein, Und drückt ihn ungefüge bei dem Bett an einen Schrein.

"O weh," gedacht er, "soll ich Leben nun und Leib 692 Von einer Maid verlieren, so mag jedes Weib In allen künftgen Zeiten tragen Frevelmuth Dem Mann gegenüber, die es sonst wohl nimmer thut."

Der König hörte Alles; er bangte für den Mann. 693 Da schämte sich Siegfried, zu zürnen fieng er an. Mit ungefügen Kräften ihr widersetzt' er sich Und versuchte seine Stärke an Brunhilden ängstiglich.

Wie sie ihn niederdrückte, sein Zorn erzwang es noch 694 Und seine starken Kräfte, daß ihr zum Trotz er doch Sich aufrichten konnte; seine Angst war groß. Sie gaben in der Kammer sich her und hin manchen Stoß.

Auch litt König Gunther Sorgen und Beschwer: 695 Er muste manchmal flüchten vor ihnen hin und her. Sie rangen so gewaltig, daß es Wunder nahm, Wie Eins vor dem Andern mit dem Leben noch entkam.

Den König Gunther ängstigte beiderseits die Noth; 696 Doch fürchtet' er am meisten Siegfriedens Tod. Wohl hätte sie dem Degen das Leben schier benommen: Dürft er nur, er wär ihm gern zu Hülfe gekommen.

Gar lange zwischen Beiden dauerte der Streit; 697 Da bracht er an das Bette zuletzt zurück die Maid: Wie sehr sie sich auch wehrte, die Wehr ward endlich schwach. Gunther in seinen Sorgen hieng mancherlei Gedanken nach.

Es währte lang dem König, bis Siegfried sie bezwang. 698 Sie drückte seine Hände, daß aus den Nägeln sprung Das Blut von ihren Kräften; das war dem Helden leid. Da zwang er zu verläugnen diese herrliche Maid

Den ungestümen Willen, den sie erst dargethan. 699 Alles vernahm der König, doch hört ers schweigend an. Er drückte sie ans Bette, daß sie aufschrie laut: Des starken Siegfrieds Kräfte schmerzten übel die Braut.

Da griff sie nach der Hüfte, wo sie die Borte fand, 700 Und dacht' ihn zu binden: doch wehrt' es seine Hand, Daß ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib. Da war der Streit zu Ende: da wurde sie Gunthers Weib.

Sie sprach: "Edler König, nimm mir das Leben nicht: 701 Was ich dir that zu Leide, vergüt ich dir nach Pflicht. Ich wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein: Ich hab es wohl erfahren, daß du magst Frauen Meister sein."

Aufstand da Siegfried, liegen blieb die Maid, 702 Als dächt er abzuwerfen eben nur das Kleid. Er zog ihr vom Finger ein Ringlein von Gold, Daß es nicht gewahrte die edle Königin hold,

Auch nahm er ihren Gürtel, eine Borte gut. 703 Ich weiß nicht, geschah es aus hohem Uebermuth. Er gab ihn seinem Weibe: das ward ihm später leid. Da lagen bei einander der König und die schöne Maid.

Er pflag der Frauen minniglich, wie es geziemend war: 704 Scham und Zorn verschmerzen muste sie da gar. Von seinen Heimlichkeiten ihre lichte Farb erblich. Hei! wie von der Minne die große Kraft ihr entwich!

Da war auch sie nicht stärker als ein ander Weib. 705 Minniglich umfieng er ihren schönen Leib; Wenn sie noch widerstände, was könnt es sie verfahn? Das hatt ihr Alles Gunther mit seinem Minnen gethan.

Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag 706 In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag! Inzwischen war Herr Siegfried längst schon hindann: Da ward er wohl empfangen von einer Frauen wohlgethan.

Er wich allen Fragen aus, die sie erdacht, 707 Und hehlt' ihr noch lang, was er mitgebracht, Bis er daheim das Kleinod ihr doch am Ende gab: Das brachte viel der Degen mit ihm selber ins Grab.

Dem Wirth am andern Morgen viel höher stand der Muth, 708 Als am ersten Tage: da ward die Freude gut In allen seinen Landen bei manchem edeln Mann. Die er zu Hof geladen, denen ward viel Dienst gethan.

Vierzehn Tage währte diese Lustbarkeit, 709 Daß sich der Schall nicht legte in so langer Zeit Von aller Lust und Kurzweil, die man erdenken mag. Wohl verwandte hohe Kosten der König bei dem Hofgelag.

Des edeln Wirthes Freunde, wie es der Herr gewollt, 710 Verschenkten ihm zu Ehren Kleider und rothes Gold, Silber auch und Rosse an manchen fremden Mann. Die gerne Gaben nahmen, die schieden fröhlich hindann.

Auch der kühne Siegfried aus dem Niederland 711 Mit seinen tausend Mannen —all das Gewand, Das sie gebracht zum Rheine, ward ganz dahin gegeben, Schöne Ross' und Sättel: sie wusten herrlich zu leben.

Bevor die reiche Gabe noch alle war verwandt, 712 Schon daucht es die zu lange, die wollten in ihr Land. Nie sah man ein Gesinde mehr so wohl verpflegen. So endete die Hochzeit: da schied von dannen mancher Degen.

* * * * *

Eilftes Abenteuer.

Wie Siegfried mit seinem Weibe heimkehrte.

Als die Gäste waren gefahren all davon, 713 Da sprach zu dem Gesinde König Siegmunds Sohn: "Wir wollen auch uns rüsten zur Fahrt in unser Land." Lieb ward es seinem Weibe, als ihr die Märe ward bekannt.

Sie sprach zu ihrem Manne: "Wann sollen wir nun fahren? 714 So sehr damit zu eilen will ich mich bewahren: Erst sollen mit mir theilen meine Brüder dieses Land." Leid war es Siegfrieden, als ers an Kriemhilden fand.

Die Fürsten giengen zu ihm und sprachen alle drei: 715 "Wißt nun, Herr Siegfried, daß euch immer sei Unser Dienst mit Treue bereit bis in den Tod." Er neigte sich den Herren, da mans so wohl ihm erbot.

"Wir wolln auch mit euch theilen," sprach Geiselher das Kind, 716 "Das Land und die Burgen, die unser eigen sind, Und was der weiten Reiche uns ist unterthan; Ihr empfangt mit Kriemhild euer volles Theil daran."

Der Sohn König Siegmunds sprach zu den Fürsten da, 717 Als er den guten Willen der Herren hört und sah: "Gott laß euch euer Erbe gesegnet immer sein Und auch die Leute drinnen: es mag die liebe Fraue mein

"Des Theils wohl entrathen, den ihr ihr wolltet geben: 718 Wo sie soll Krone tragen, mögen wirs erleben, Da muß sie reicher werden, als wer ist auf der Welt. Was ihr sonst gebietet, ich bin euch dienstlich gesellt."

Da sprach aber Kriemhild: "Wenn ihr mein Land verschmäht, 719 Um die Burgundendegen es so gering nicht fleht; Die mag ein König gerne führen in sein Land: Wohl soll sie mit mir theilen meiner lieben Brüder Hand."

Da sprach König Gernot: "Nimm, die du willst, mit dir. 720 Die gerne mit dir reiten, du findest Viele hier. Von dreißighundert Recken nimm dir tausend Mann Zu deinem Hausgesinde." Kriemhild zu senden begann

Nach Hagen von Tronje und nach Ortwein, 721 Ob sie und ihre Freunde Kriemhildens wollten sein. Da gewann darüber Hagen ein zorniges Leben: Er sprach: "Uns kann Gunther in der Welt an Niemand vergeben.

"Ander Ingesinde nehmt zu eurer Fahrt; 722 Ihr werdet ja wohl kennen der Tronejer Art. Wir müßen bei den Königen bleiben so fortan Und denen ferner dienen, deren Dienst wir stäts versahn."

Sie ließen es bewenden und machten sich bereit. 723 Ihres edeln Ingesindes nahm Kriemhild zum Geleit Zweiunddreißig Mägdelein und fünfhundert Mann; Eckewart der Markgraf zog mit Kriemhild hindann.

Da nahmen alle Urlaub, Ritter so wie Knecht, 724 Mägdelein und Frauen: so war es Fug und Recht. Unter Küssen scheiden sah man sie unverwandt, Und jene räumten fröhlich dem König Gunther das Land.

Da geleiteten die Freunde sie fern auf ihren Wegen. 725 Allenthalben ließ man ihnen Nachtherberge legen, Wo sie die nehmen wollten in der Könge Land. Da wurden bald auch Boten dem König Siegmund gesandt,

Damit er wißen sollte und auch Frau Siegelind, 726 Sein Sohn solle kommen mit Frau Utens Kind, Kriemhild der schönen, von Worms über Rhein. Diese Mären konnten ihnen nimmer lieber sein.

"Wohl mir," sprach da Siegmund, "daß ich den Tag soll sehn, 727 Da hier die schöne Kriemhild soll unter Krone gehn! Das erhöht im Werthe mir all das Erbe mein: Mein Sohn Siegfried soll nun selbst hier König sein."

Da gab ihnen Siegelind zu Kleidern Sammet roth 728 Und schweres Gold und Silber: das war ihr Botenbrot. Sie freute sich der Märe, die sie da vernahm. All ihr Ingesinde sich mit Fleiß zu kleiden begann.

Man sagt' ihr, wer da käme mit Siegfried in das Land. 729 Da hieß sie Gestühle errichten gleich zur Hand, Wo er vor den Freunden sollt unter Krone gehn. Entgegen ritten ihnen Die in König Siegmunds Lehn.

Wer beßer wäre empfangen, mir ist es unbekannt, 730 Als die Helden wurden in Siegmundens Land. Kriemhilden seine Mutter Sieglind entgegenritt Mit viel der schönen Frauen; kühne Ritter zogen mit

Wohl eine Tagereise, bis man die Gäste sah. 731 Die Heimischen und Fremden litten Beschwerde da, Bis sie endlich kamen zu einer Veste weit, Die Santen war geheißen, wo sie Krone trugen nach der Zeit.

Mit lachendem Munde Siegmund und Siegelind 732 Manche liebe Weile küssten sie Utens Kind Und Siegfried den Degen; ihnen war ihr Leid benommen. All ihr Ingesinde hieß man fröhlich willkommen.

Da brachten sie die Gäste vor König Siegmunds Saal. 733 Die schönen Jungfrauen hub man allzumal Von den Mähren nieder; da war mancher Mann, Der den schönen Frauen mit Fleiß zu dienen begann.

So prächtig ihre Hochzeit am Rhein war bekannt, 734 Doch gab man hier den Helden köstlicher Gewand, Als sie all ihr Leben je zuvor getragen. Man mochte große Wunder von ihrem Reichthume sagen.

So saßen sie in Ehren und hatten genug. 735 Was goldrothe Kleider ihr Ingesinde trug! Edel Gestein und Borten sah man gewirkt darin. So verpflag sie fleißig Sieglind die edle Königin.

Da sprach vor seinen Freunden der König Siegmund: 736 "Allen meinen Freunden thu ichs heute kund, Daß Siegfried meine Krone hier hinfort soll tragen." Die Märe hörten gerne Die von Niederlanden sagen.

Er befahl ihm seine Krone mit Gericht und Land: 737 Da war er Herr und König. Wem er den Rechtsspruch fand Und wen er strafen sollte, das wurde so gethan, Daß man wohl fürchten durfte der schönen Kriemhilde Mann.

In diesen hohen Ehren lebt' er, das ist wahr, 738 Und richtet' unter Krone bis an das zehnte Jahr, Da die schöne Königin einen Sohn gewann, An dem des Königs Freunde ihren Wunsch und Willen sahn.

Alsbald ließ man ihn taufen und einen Namen nehmen: 739 Gunther, nach seinem Oheim, des dürft er sich nicht schämen. Gerieth' er nach den Freunden, er würd ein kühner Mann. Man erzog ihn sorgsam: sie thaten auch recht daran.

In denselben Zeiten starb Frau Siegelind: 740 Da nahm die volle Herrschaft der edeln Ute Kind, Wie so reicher Frauen geziemte wohl im Land. Es ward genug betrauert, daß der Tod sie hatt entwandt.

Nun hatt auch dort am Rheine, wie wir hören sagen, 741 Gunther dem reichen einen Sohn getragen Brunhild die schöne in Burgundenland. Dem Helden zu Liebe ward er Siegfried genannt.

Mit welchen Sorgen immer man sein hüten hieß! 742 Von Hofmeistern Gunther ihn Alles lehren ließ, Was er bedürfen möchte, erwüchs' er einst zum Mann. Hei, was ihm bald das Unglück der Verwandten abgewann!

Zu allen Zeiten Märe war so viel gesagt, 743 Wie doch so herrlich die Degen unverzagt Zu allen Stunden lebten in Siegmundens Land: So lebt' auch König Gunther mit seinen Freunden auserkannt.

Das Land der Nibelungen war Siegfried unterthan 744 (Keiner seiner Freunde je größern Schatz gewann) Mit Schilbungens Recken und der Beiden Gut. Darüber trug der Kühne desto höher den Muth.

Hort den allermeisten, den je ein Held gewann, 745 Nach den ersten Herren, besaß der kühne Mann, Den vor einem Berge seine Hand erwarb im Streit: Er schlug darum zu Tode manchen Ritter allbereit.

Vollauf besaß er Ehre, und hätt ers halb entbehrt, 746 Doch müste man gestehen dem edeln Recken werth, Daß er der Beste wäre, der je auf Rossen saß. Man scheute seine Stärke, mit allem Grunde that man das.

* * * * *

Zwölftes Abenteuer.

Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud.

Da dacht auch alle Tage Brunhild die Königin: 747 "Wie trägt nur Frau Kriemhild so übermüthgen Sinn! Nun ist doch unser Eigen Siegfried ihr Mann: Der hat uns nun schon lange wenig Dienste gethan."

Das trug sie im Herzen in großer Heimlichkeit; 748 Daß sie ihr fremde blieben, das war der Frauen leid. Daß man ihr nicht zinste von des Fürsten Land, Woher das wohl käme, das hätte sie gern erkannt.

Sie versucht' es bei dem König, ob es nicht geschehn 749 Möchte, daß sie Kriemhild noch sollte wiedersehn. Sie vertraut' ihm heimlich, worauf ihr sann der Muth; Da dauchte den König der Frauen Rede nicht gut.

"Wie könnten wir sie bringen," sprach der König hehr, 750 "Her zu diesem Lande? das fügt sich nimmermehr. Sie wohnen uns zu ferne: ich darf sie nicht drum bitten." Da gab ihm Brunhild Antwort mit gar hochfährtgen Sitten:

"Und wäre noch so mächtig eines Königs Mann, 751 Was ihm sein Herr gebietet, das muß doch sein gethan." Lächeln muste Gunther ihrer Rede da: Er nahm es nicht als Dienst an, wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: "Lieber Herre, bei der Liebe mein, 752 Hilf mir, daß Siegfried und die Schwester dein Zu diesem Lande kommen und wir sie hier ersehn: So könnte mir auf Erden nimmer lieber geschehn.

"Deiner Schwester Güte, ihr wohlgezogner Muth, 753 Wenn ich daran gedenke, wie wohl mirs immer thut; Wie wir beisammen saßen, als ich dir ward vermählt! Sie hat sich mit Ehren den kühnen Siegfried erwählt."

Da bat sie ihn so lange, bis der König sprach: 754 "Nun wißt, daß ich Gäste nicht lieber sehen mag. Ihr mögt mich leicht erbitten: ich will die Boten mein Zu ihnen beiden senden, daß sie kommen an den Rhein."

Da sprach die Königstochter: "So sollt ihr mir sagen, 755 Wann ihr sie wollt besenden, oder zu welchen Tagen Die lieben Freunde sollen kommen in dieß Land; Die ihr dahin wollt senden, die macht zuvor mir bekannt."

"Das will ich," sprach der König: "dreißig aus meinem Lehn 756 Laß ich zu ihnen reiten." Die hieß er vor sich gehn: Durch sie entbot er Märe in Siegfriedens Land. Da beschenkte sie Frau Brunhild mit manchem reichen Gewand.

Der König sprach: "Ihr Recken sollt von mir sagen 757 Und nichts von dem verschweigen, was ich euch aufgetragen, Siegfried dem starken und der Schwester mein, Ihnen dürf auf Erden nimmer Jemand holder sein.

"Und bittet, daß sie beide uns kommen an den Rhein: 758 Dafür will ich und Brunhild ihnen stäts gewogen sein. Vor dieser Sonnenwende soll er hier Manchen sehn, Er und seine Mannen, die ihm Ehre laßen geschehn.

"Vermeldet auch dem König Siegmund die Dienste mein, 759 Daß ich und meine Freunde ihm stäts gewogen sei'n. Und bittet meine Schwester, daß sie's nicht unterläßt Und zu den Freunden reitet: nie ziemt' ihr so ein Freudenfest."

Brunhild und Ute und was man Frauen fand, 760 Die entboten ihre Dienste in Siegfriedens Land Den minniglichen Frauen und manchem kühnen Mann. Nach Wunsch des Königs hoben sich bald die Boten hindann.

Sie standen reisefertig; ihr Ross und ihr Gewand 761 War ihnen angekommen: da räumten sie das Land. Sie eilten zu dem Ziele, dahin sie wollten fahren. Der König hieß die Boten durch Geleite wohl bewahren.

Innerhalb zwölf Tagen kamen sie in das Land, 762 Zu Nibelungens Veste, wohin man sie gesandt, In der Mark zu Norweg fanden sie den Degen: Ross und Leute waren müde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden war eilends hinterbracht, 763 Daß Ritter kommen waren, die trügen solche Tracht, Wie bei den Burgunden man trug der Sitte nach. Sie sprang von einem Bette, darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster ließ sie eins ihrer Mägdlein gehn; 764 Die sah den kühnen Gere auf dem Hofe stehn, Ihn und die Gefährten, die man dahin gesandt. Ihr Herzeleid zu stillen, wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem Könige: "Seht ihr, wie sie stehn, 765 Die mit dem starken Gere auf dem Hofe gehn, Die uns mein Bruder Gunther nieder schickt den Rhein." Da sprach der starke Siegfried: "Die sollen uns willkommen sein."

All ihr Ingesinde lief hin, wo man sie sah. 766 Jeder an seinem Theile gütlich sprach er da Das Beste, was er konnte, zu den Boten hehr. Ihres Kommens freute der König Siegmund sich sehr.

Herbergen ließ man Geren und Die ihm unterthan 767 Und ihrer Rosse warten. Die Boten brachte man Dahin, wo Herr Siegfried bei Kriemhilden saß. Sie sahn den Boten gerne sicherlich ohne allen Haß.

Der Wirth mit seinem Weibe erhob sich gleich zur Hand. 768 Wohl ward empfangen Gere aus Burgundenland Mit seinen Fahrtgenossen in König Gunthers Lehn. Den Markgrafen Gere bat man nicht länger zu stehn.

"Erlaubt uns die Botschaft, eh wir uns setzen gehn; 769 Uns wegemüde Gäste, laßt uns so lange stehn, So melden wir die Märe, die euch zu wißen thut Gunther mit Brunhilden: es geht ihnen beiden gut.

"Und was euch Frau Ute, eure Mutter, her entbot, 770 Geiselher der junge und auch Herr Gernot Und eure nächsten Freunde: die haben uns gesandt Und entbieten euch viele Dienste aus der Burgunden Land."

"Lohn ihnen Gott," sprach Siegfried; "ich versah zu ihnen wohl 771 Mich aller Lieb und Treue, wie man zu Freunden soll. So thut auch ihre Schwester; ihr sollt uns ferner sagen, Ob unsre lieben Freunde hohen Muth daheim noch tragen.

"Hat ihnen, seit wir schieden, Jemand ein Leid gethan 772 Meiner Fraue Brüdern? Das saget mir an. Ich wollt es ihnen immer mit Treue helfen tragen, Bis ihre Widersacher meine Dienste müsten beklagen."

Antwort gab der Markgraf Gere, ein Ritter gut: 773 "Sie sind in allen Züchten mit Freuden wohlgemuth. Sie laden euch zum Rheine zu einer Lustbarkeit Sie sähn euch gar gerne, daß ihr des außer Zweifel seid.

"Sie bitten meine Fraue auch mit euch zu kommen. 774 Wenn nun der Winter ein Ende hat genommen, Vor dieser Sonnenwende da möchten sie euch sehn." Da sprach der starke Siegfried: "Das könnte schwerlich geschehn."

Da sprach wieder Gere von Burgundenland: 775 "Eure Mutter Ute hat euch sehr gemahnt Mit Gernot und Geiselher, ihr sollt es nicht versagen. Daß ihr so ferne wohnet, hör ich sie täglich beklagen.

"Brunhild meine Herrin und ihre Mägdelein 776 Freuen sich der Kunde, und könnt es jemals sein, Daß sie euch wiedersähen, ihnen schuf es hohen Muth." Da dauchten diese Mären die schöne Kriemhilde gut.

Gere war ihr Vetter: der Wirth ihn sitzen hieß; 777 Den Gästen hieß er schenken, nicht länger man das ließ. Da kam dazu auch Siegmund: als der die Boten sah, Freundlich sprach der König zu den Burgunden da:

"Willkommen uns, ihr Recken in König Gunthers Lehn. 778 Da sich Kriemhilden zum Weibe hat ersehn Mein Sohn Siegfried, man sollt euch öfter schaun In diesem Lande, dürften wir bei euch auf Freundschaft vertraun.

Sie sprachen: Wenn er wolle, sie würden gerne kommen. 779 Ihnen ward mit Freuden die Müdigkeit benommen. Man hieß die Boten sitzen; Speise man ihnen trug: Deren schuf da Siegfried den lieben Gästen genug.

Sie musten da verweilen volle neun Tage. 780 Darob erhoben endlich die schnellen Ritter Klage, Daß sie nicht wieder reiten durften in ihr Land. Da hatt auch König Siegfried zu seinen Freunden gesandt:

Er fragte, was sie riethen: er solle nach dem Rhein. 781 "Es ließ mich entbieten Gunther der Schwager mein, Er und seine Brüder, zu einer Lustbarkeit: Ich möcht ihm gerne kommen, liegt gleich sein Land mir so weit.

"Sie bitten Kriemhilden, mit mir zu ziehn. 782 Nun rathet, liebe Freunde, wie kommen wir dahin? Und sollt ich Heerfahrten durch dreißig Herren Land, Gern dienstbereit erwiese sich ihnen Siegfriedens Hand."

Da sprachen seine Recken: "Steht euch zur Fahrt der Muth 783 Nach dem Hofgelage, wir rathen, was ihr thut: Ihr sollt mit tausend Recken reiten an den Rhein: So mögt ihr wohl mit Ehren bei den Burgunden sein."

Da sprach von Niederlanden der König Siegmund: 784 "Wollt ihr zum Hofgelage, was thut ihr mirs nicht kund? Ich will mit euch reiten, wenn ihrs zufrieden seid; Hundert Degen führ ich, damit mehr ich eur Geleit."

"Wollt ihr mit uns reiten, lieber Vater mein," 785 Sprach der kühne Siegfried, "des will ich fröhlich sein. Binnen zwölf Tagen räum ich unser Land." Die sie begleiten sollten, denen gab man Ross' und Gewand.

Als dem edeln König zur Reise stand der Muth, 786 Da ließ man wieder reiten die schnellen Degen gut. Seiner Frauen Brüdern entbot er an den Rhein, Daß er gerne wolle bei ihrem Hofgelage sein.

Siegfried und Kriemhild, so hörten wir sagen, 787 Beschenkten so die Boten, es mochten es nicht tragen Die Pferde nach der Heimat: er war ein reicher Mann. Ihre starken Säumer trieb man zur Reise fröhlich an.

Da schuf dem Volke Kleider Siegfried und Siegemund. 788 Eckewart der Markgraf ließ da gleich zur Stund Frauenkleider suchen, die besten, die man fand Und irgend mocht erwerben in Siegfriedens ganzem Land.

Die Sättel und die Schilde man da bereiten ließ. 789 Den Rittern und den Frauen, die er sich folgen hieß, Gab man, was sie wollten; nichts gebrach daran. Er brachte seinen Freunden manchen herrlichen Mann.

Nun wandten sich die Boten zurück und eilten sehr. 790 Da kam zu den Burgunden Gere, der Degen hehr, Und wurde schön empfangen: sie schwangen sich zu Thal Von Rossen und von Mähren dort vor König Gunthers Saal.

Die Jungen und die Alten kamen, wie man thut, 791 Und fragten nach der Märe. Da sprach der Ritter gut: "Wenn ichs dem König sage, wird es auch euch bekannt." Er gieng mit den Gesellen dahin, wo er Gunthern fand.

Der König vor Freude von dem Seßel sprang; 792 Daß sie so bald gekommen, sagt' ihnen Dank Brunhild die Schöne. Zu den Boten sprach er da: "Wie gehabt sich Siegfried, von dem mir Liebe viel geschah?"

Da sprach der kühne Gere: "Er ward vor Freuden roth, 793 Er und eure Schwester. So holde Mär entbot Seinen Freunden nimmer noch zuvor ein Mann, Als euch der edle Siegfried und sein Vater hat gethan."

Da sprach zum Markgrafen des reichen Königs Weib: 794 "Nun sagt mir, kommt uns Kriemhild? Hat noch ihr schöner Leib Die hohe Zier behalten, deren sie mochte pflegen?" Er sprach: "Sie kommen beide; mit ihnen mancher kühne Degen."

Ute ließ die Boten alsbald vor sich gehn. 795 Da wars an ihrem Fragen leichtlich zu verstehn, Was sie zu wißen wünsche: "War Kriemhild noch wohlauf?" Er gab Bescheid, sie kam auch nach kurzer Tage Verlauf.

Da blieb auch nicht verhohlen am Hof der Botensold, 796 Den ihnen Siegfried schenkte, die Kleider und das Gold: Die ließ man alle schaun in der drei Fürsten Lehn. Da musten sie ihm Ehre wohl für Milde zugestehn.

"Er mag," sprach da Hagen, "mit vollen Händen geben: 797 Er könnt es nicht verschwenden, und sollt er ewig leben. Den Hort der Nibelungen beschließt des Königs Hand; Hei! daß er jemals käme her in der Burgunden Land!"

Da freuten sich die Degen am Hof im Voraus, 798 Daß sie kommen sollten. Beflißen überaus Sah man spät und frühe Die in der Könge Lehn. Welch herrlich Gestühle ließ man vor der Burg erstehn!

Hunold der kühne und Sindold der Degen 799 Hatten wenig Muße: des Amtes muste pflegen Truchseß auch und Schenke und richten manche Bank; Auch Ortwein war behülflich: des sagt' ihnen Gunther Dank.

Rumold der Küchenmeister, wie herrscht' er in der Zeit 800 Ob seinen Unterthanen, gar manchem Keßel weit, Häfen und Pfannen; hei! was man deren fand! Denen ward da Kost bereitet, die da kamen in das Land.

Der Frauen Arbeiten waren auch nicht klein: 801 Sie bereiteten die Kleider, darauf manch edler Stein, Des Stralen ferne glänzten, gewirkt war in das Gold; Wenn sie die anlegten, ward ihnen Männiglich hold.

* * * * *

Dreizehntes Abenteuer.

Wie sie zum Hofgelage fuhren.

All ihr Bemühen laßen wir nun sein 802 Und sagen, wie Frau Kriemhild und ihre Mägdelein Hin zum Rheine fuhren von Nibelungenland. Niemals trugen Rosse so viel herrlich Gewand.

Viel Saumschreine wurden versendet auf den Wegen. 803 Da ritt mit seinen Freunden Siegfried der Degen Und die Königstochter in hoher Freuden Wahn; Da war es ihnen Allen zu großem Leide gethan.

Sie ließen in der Heimat Siegfrieds Kindelein 804 Und Kriemhildens bleiben; das muste wohl so sein. Aus ihrer Hofreise erwuchs ihm viel Beschwer: Seinen Vater, seine Mutter ersah das Kindlein nimmermehr.

Mit ihnen ritt von dannen Siegmund der König hehr. 805 Hätt er ahnen können, wie es ihm nachher Beim Hofgelag ergienge, er hätt es nicht gesehn: Ihm konnt an lieben Freunden größer Leid nicht geschehn.

Vorausgesandte Boten verhießen sie bei Zeit. 806 Entgegen ritten ihnen in herrlichem Geleit Von Utens Freunden viele und König Gunthers Lehn. Der Wirth ließ großen Eifer für die lieben Gäste sehn.

Er gieng zu Brunhilden, wo er sie sitzen fand: 807 "Wie empfieng euch meine Schwester, da ihr kamet in dieß Land? So will ich, daß ihr Siegfrieds Gemahl empfangen sollt." "Das thu ich", sprach sie, "gerne: ich bin ihr billiglich hold."

Da sprach der mächtige König: "Sie kommen morgen fruh; 808 Wollt ihr sie empfangen, so greift nur bald dazu, Daß sie uns in der Veste nicht überraschen hie: Mir sind so liebe Gäste nicht oft gekommen wie sie."

Ihre Mägdelein und Frauen ließ sie da zur Hand 809 Gute Kleider suchen, die besten, die man fand, Die ihr Ingesinde vor Gästen mochte tragen. Das thaten sie doch gerne: das mag man für Wahrheit sagen.

Sie zu empfangen eilten auch Die in Gunthers Lehn; 810 All seine Recken hieß er mit sich gehn. Da ritt die Königstochter hinweg in stolzem Zug. Die lieben Gäste grüßte sie alle freudig genug.

Mit wie hohen Ehren da empfieng man sie! 811 Sie dauchte, daß Frau Kriemhild Brunhilden nie So wohl empfangen habe in Burgundenland. Allen, die es sahen, war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen mit seiner Leute Heer. 812 Da sah man die Helden sich wenden hin und her Im Feld allenthalben mit ungezählten Scharen. Vor Staub und Drängen konnte sich da Niemand bewahren.

Als der Wirth des Landes Siegfrieden sah 813 Und Siegmund den König, wie gütlich sprach er da: "Nun seid mir hochwillkommen und all den Freunden mein; Wir wollen hohen Muthes ob eurer Hofreise sein."

"Nun lohn euch Gott," sprach Siegmund, der ehrbegierge Mann. 814 "Seit mein Sohn Siegfried euch zum Freund gewann, Rieth mir all mein Sinnen, wie ich euch möchte sehn." Da sprach König Gunther: "Nun freut mich, daß es geschehn."

Siegfried ward empfangen, wie man das wohl gesollt, 815 Mit viel großen Ehren; ein Jeder ward ihm hold. Des half mit Rittersitten Gernot und Geiselher; Man bot es lieben Gästen so gütlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander die Königinnen schaun. 816 Da sah man Sättel leeren und viel der schönen Fraun Von der Helden Händen gehoben auf das Gras: Wer gerne Frauen diente, wie selten der da müßig saß!

Da giengen zu einander die Frauen minniglich. 817 Darüber höchlich freuten viel der Ritter sich, Daß der Beiden Grüßen so minniglich ergieng. Man sah da manchen Recken, der Frauendienste begieng.

Das herrliche Gesinde nahm sich bei der Hand; 818 Züchtiglich sich neigen man allerorten fand Und minniglich sich küssen viel Frauen wohlgethan. Das sahen gerne Gunthers und Siegfrieds Mannen mit an.

Sie säumten da nicht länger und ritten nach der Stadt. 819 Der Wirth seinen Gästen zu erweisen hat, Daß man sie gerne sähe in der Burgunden Land. Manches schöne Kampfspiel man vor den Jungfrauen fand.

Da ließ von Tronje Hagen und auch Ortewein, 820 Wie sie gewaltig waren, wohl offenkundig sein. Was sie gebieten mochten, das ward alsbald gethan. Man sah die lieben Gäste viel Dienst von ihnen empfahn.

Man hörte Schilde hallen vor der Veste Thor 821 Von Stichen und von Stößen. Lange hielt davor Der Wirth mit seinen Gästen, bis alle waren drin, In mancher Kurzweil giengen ihnen schnell die Stunden hin.

Vor den weiten Gästesaal sie nun in Freuden ritten. 822 Viel kunstvolle Decken, reich und wohlgeschnitten, Sah man von den Sätteln den Frauen wohlgethan Allenthalben hangen; da kamen Diener heran.

Zu Gemache wiesen sie die Gäste da. 823 Hin und wieder blicken man Brunhilden sah Nach Kriemhild der Frauen; schön war sie genug: Den Glanz noch vor dem Golde ihre hehre Farbe trug.

Da vernahm man allenthalben zu Worms in der Stadt 824 Den Jubel des Gesindes. König Gunther bat Dankwart, seinen Marschall, es wohl zu verpflegen: Da ließ er die Gäste in gute Herbergen legen.

Draußen und darinnen beköstigte man sie: 825 So wohl gewartet wurde fremder Gäste nie. Was Einer wünschen mochte, das war ihm gern gewährt: So reich war der König, es blieb Keinem was verwehrt.

Man dient' ihnen freundlich und ohn allen Haß. 826 Der König zu Tische mit seinen Gästen saß; Siegfrieden ließ man sitzen, wie er sonst gethan. Mit ihm gieng zu Tische gar mancher waidliche Mann.

Zwölfhundert Recken setzten sich dahin 827 Mit ihm an der Tafel. Brunhild die Königin Gedachte, wie ein Dienstmann nicht reicher möge sein. Noch war sie ihm günstig, sie ließ ihn gerne gedeihn.

Es war an einem Abend, da so der König saß, 828 Viel reiche Kleider wurden da vom Weine naß, Als die Schenken sollten zu den Tischen gehn: Da sah man volle Dienste mit großem Fleiße geschehn.

Wie bei Hofgelagen Sitte mochte sein, 829 Ließ man zur Ruh geleiten Fraun und Mägdelein. Von wannen wer gekommen, der Wirth ihm Sorge trug; In gütlichen Ehren gab man Allen genug.

Die Nacht war zu Ende, sich hob des Tages Schein, 830 Aus den Saumschreinen mancher Edelstein Erglänzt' auf gutem Kleide; das schuf der Frauen Hand. Aus der Lade suchten sie manches herrliche Gewand.

Eh es noch völlig tagte, kamen vor den Saal 831 Ritter viel und Knechte: da hob sich wieder Schall Vor einer Frühmesse, die man dem König sang. So ritten junge Helden, der König sagt' ihnen Dank.

Da klangen die Posaunen von manchem kräftgen Stoß; 832 Von Flöten und Drommeten ward der Schall so groß, Worms die weite Veste gab lauten Widerhall. Auf die Rosse sprangen die kühnen Helden überall.

Da hob sich in dem Lande ein hohes Ritterspiel 833 Von manchem guten Recken: man fand ihrer viel, Deren junge Herzen füllte froher Muth. Unter Schilden sah man manchen zieren Ritter gut.

Da ließen in den Fenstern die herrlichen Fraun 834 Und viel der schönen Maide sich im Schmucke schaun. Sie sahen kurzweilen manchen kühnen Mann: Der Wirth mit seinen Freunden zu reiten selber begann.

So vertrieben sie die Weile, die dauchte sie nicht lang. 835 Da lud zu dem Dome mancher Glocke Klang: Den Frauen kamen Rosse, da ritten sie hindann; Den edeln Königinnen folgte mancher kühne Mann.

Sie stiegen vor dem Münster nieder auf das Gras. 836 Noch hegte zu den Gästen Brunhild keinen Haß. Sie giengen unter Krone in das Münster weit. Bald schied sich diese Liebe: das wirkte grimmiger Neid.

Als die Messe war gesungen, sah man sie weiter ziehn 837 Unter hohen Ehren. Sie giengen heiter hin Zu des Königs Tischen. Ihre Freude nicht erlag Bei diesen Lustbarkeiten bis gegen den eilften Tag.

Die Königin gedachte: "Ich wills nicht länger tragen. 838 Wie ich es fügen möge, Kriemhild muß mir sagen, Warum uns so lange den Zins versaß ihr Mann: Der ist doch unser Eigen: der Frag ich nicht entrathen kann."

So harrte sie der Stunde, bis es der Teufel rieth, 839 Daß sie das Hofgelage und die Lust mit Leide schied. Was ihr lag am Herzen, zu Lichte must es kommen: Drum ward in manchen Landen durch sie viel Jammer vernommen.

* * * * *

Vierzehntes Abenteuer.

Wie die Königinnen sich schalten.

Es war vor einer Vesper, als man den Schall vernahm, 840 Der von manchem Recken auf dem Hofe kam: Sie stellten Ritterspiele der Kurzweil willen an. Da eilten es zu schauen Frauen viel und mancher Mann.

Da saßen beisammen die Königinnen reich 841 Und gedachten zweier Recken, die waren ohne Gleich. Da sprach die schöne Kriemhild: "Ich hab einen Mann, Dem wären diese Reiche alle billig unterthan."

Da sprach zu ihr Frau Brunhild: "Wie könnte das wohl sein? 842 Wenn Anders Niemand lebte als du und er allein, So möchten ihm die Reiche wohl zu Gebote stehn: So lange Gunther lebte, so könnt es nimmer geschehn."

Da sprach Kriemhild wieder: "Siehst du, wie er steht, 843 Wie er da so herrlich vor allen Recken geht, Wie der lichte Vollmond vor den Sternen thut! Darob mag ich wohl immer tragen fröhlichen Muth."

Da sprach wieder Brunhild: "Wie waidlich sei dein Mann, 844 Wie schön und wie bieder, so steht ihm doch voran Gunther der Recke, der edle Bruder dein: muß vor allen Königen, das wiße du wahrlich, sein."

Da sprach Kriemhild wieder: "So werth ist mein Mann, 845 Daß er ohne Grund nicht solch Lob von mir gewann. An gar manchen Dingen ist seine Ehre groß. Glaubst du das, Brunhild? er ist wohl Gunthers Genoß!"

"Das sollst du mir, Kriemhild, im Argen nicht verstehn; 846 Es ist auch meine Rede nicht ohne Grund geschehn. Ich hört' es Beide sagen, als ich zuerst sie sah, Und als des Königs Willen in meinen Spielen geschah.

"Und da er meine Minne so ritterlich gewann, 847 Da sagt' es Siegfried selber, er sei des Königs Mann: Drum halt ich ihn für eigen: ich hört' es ihn gestehn." Da sprach die schöne Kriemhild: "So wär mir übel geschehn.

"Wie hätten so geworben die edeln Brüder mein, 848 Daß ich des Eigenmannes Gemahl sollte sein? Darum will ich, Brunhild, gar freundlich dich bitten, Laß mir zu Lieb die Rede hinfort mit gütlichen Sitten."

Die Königin versetzte: "Sie laßen mag ich nicht: 849 Wie thät ich auf so manchen Ritter wohl Verzicht, Der uns mit dem Degen zu Dienst ist unterthan?" Kriemhild die Schöne hub da sehr zu zürnen an.

"Dem must du wohl entsagen, daß er in der Welt 850 Dir irgend Dienste leiste. Werther ist der Held Als mein Bruder Gunther, der Degen unverzagt. Erlaß mich der Dinge, die du mir jetzo gesagt.

"Auch muß mich immer wundern, wenn er dein Dienstmann ist 851 Und du ob uns Beiden So gewaltig bist, Warum er dir so lange den Zins verseßen hat; Deines Uebermuthes wär ich billig nun satt."

"Du willst dich überheben," sprach da die Königin. 852 "Wohlan, ich will doch schauen, ob man dich fürderhin So hoch in Ehren halte, als man mich selber thut." Die Frauen waren beide in sehr zornigem Muth.

Da sprach wieder Kriemhild: "Das wird dir wohl bekannt: 853 Da du meinen Siegfried dein eigen hast genannt, So sollen heut die Degen der beiden Könge sehen, Ob ich vor der Königin wohl zur Kirche dürfe gehn.

"Ich laße dich wohl schauen, daß ich edel bin und frei, 854 Und daß mein Mann viel werther als der deine sei. Ich will damit auch selber nicht bescholten sein: Du sollst noch heute sehen, wie die Eigenholde dein

"Zu Hof geht vor den Helden in Burgundenland. 855 Ich will höher gelten, als man je gekannt Eine Königstochter, die noch die Krone trug." Unter den Frauen hob sich der Haß da grimm genug.

Da sprach Brunhild wieder: "Willst du nicht eigen sein, 856 So must du dich scheiden mit den Frauen dein Von meinem Ingesinde, wenn wir zum Münster gehn." "In Treuen," sprach da Kriemhild, "also soll es geschehn."

"Nun kleidet euch, ihr Maide," hub da Kriemhild an: 857 "Ob ich frei von Schande hier nicht verbleiben kann, Laßt es heute schauen, besitzt ihr reichen Staat; Sie soll es noch verläugnen, was ihr Mund gesprochen hat."

Ihnen war das leicht zu rathen; sie suchten reich Gewand. 858 Wie bald man da im Schmucke viel Fraun und Maide fand! Da gieng mit dem Gesinde des edeln Wirths Gemahl; Zu Wunsch gekleidet ward auch die schöne Kriemhild zumal

Mit dreiundvierzig Maiden, die sie zum Rhein gebracht; 859 Die trugen lichte Zeuge, in Arabien gemacht. So kamen zu dem Münster die Mägdlein wohlgethan. Ihrer harrten vor dem Hause Die Siegfrieden unterthan.

Die Leute nahm es Wunder, warum das geschah, 860 Daß man die Königinnen so geschieden sah, Und daß sie bei einander nicht giengen so wie eh. Das gerieth noch manchem Degen zu Sorgen und großem Weh.

Nun stand vor dem Münster König Gunthers Weib. 861 Da fanden viel der Ritter genehmen Zeitvertreib Bei den schönen Frauen, die sie da nahmen wahr. Da kam die edle Kriemhild mit mancher herrlichen Schar.

Was Kleider je getragen eines edeln Ritters Kind, 862 Gegen ihr Gesinde war alles nur wie Wind. Sie war so reich an Gute, dreißig Königsfraun Mochten die Pracht nicht zeigen, die da an ihr war zu schaun.

Was man auch wünschen mochte, Niemand konnte sagen, 863 Daß er so reiche Kleider je gesehen tragen, Als da zur Stunde trugen ihre Mägdlein wohlgethan. Brunhilden wars zu Leide, sonst hätt es Kriemhild nicht gethan.

Nun kamen sie zusammen vor dem Münster weit. 864 Die Hausfrau des Königs aus ingrimmem Neid Hieß da Kriemhilden unwirsch stille stehn: "Es soll vor Königsweibe die Eigenholde nicht gehn."

Da sprach die schöne Kriemhild, zornig war ihr Muth: 865 "Hättest du noch geschwiegen, das wär dir wohl gut. Du hast geschändet selber deinen schönen Leib: Mocht eines Mannes Kebse je werden Königesweib?"

"Wen willst du hier verkebsen?" sprach des Königs Weib. 866 "Das thu ich dich," sprach Kriemhild: "deinen schönen Leib Hat Siegfried erst geminnet, mein geliebter Mann: Wohl war es nicht mein Bruder, der dein Magdthum gewann.

"Wo blieben deine Sinne? Es war doch arge List: 867 Was ließest du ihn minnen, wenn er dein Dienstmann ist? Ich höre dich," sprach Kriemhild, "ohn alle Ursach klagen." "In Wahrheit," sprach da Brunhild, "das will ich doch Gunthern sagen."

"Wie mag mich das gefährden? Dein Uebermuth hat dich betrogen: 868 Du hast mich mit Reden in deine Dienste gezogen, Daß wiße du in Treuen, es ist mir immer leid: Zu trauter Freundschaft bin ich dir nimmer wieder bereit."

Brunhild begann zu weinen; Kriemhild es nicht verhieng, 869 Vor des Königs Weibe sie in das Münster gieng Mit ihrem Ingesinde. Da hub sich großer Haß; Es wurden lichte Augen sehr getrübt davon und naß.

Wie man da Gott auch diente oder Jemand sang, 870 Brunhilden währte die Weile viel zu lang. War allzutrübe der Sinn und auch der Muth: Des muste bald entgelten mancher Degen kühn und gut.

Brunhild mit ihren Frauen gieng vor das Münster stehn. 871 Sie gedachte: "Ich muß von Kriemhild mehr zu hören sehn, Wes mich so laut hier zeihte das wortscharfe Weib: Und wenn er sichs gerühmt hat, gehts ihm an Leben und Leib!"

Nun kam die edle Kriemhild mit manchem kühnen Mann. 872 Da begann Frau Brunhild: "Haltet hier noch an. Ihr wolltet mich verkebsen: laßt uns Beweise sehn, Mir ist von euern Reden, das wißet, übel geschehn."

Da sprach die schöne Kriemhild: "Was laßt ihr mich nicht gehn? 873 Ich bezeug es mit dem Golde, an meiner Hand zu sehn. Das brachte mir Siegfried, nachdem er bei euch lag." Nie erlebte Brunhild wohl einen leidigen Tag.

Sie sprach: "Dieß Gold das edle, das ward mir gestohlen 874 Und blieb mir lange Jahre übel verhohlen: Ich komme nun dahinter, wer mir es hat genommen." Die Frauen waren beide in großen Unmuth gekommen.

Da sprach wieder Kriemhild: "Ich will nicht sein der Dieb. 875 Du hättest schweigen sollen, wär dir Ehre lieb. Ich bezeug es mit dem Gürtel, den ich umgethan, Ich habe nicht gelogen: wohl wurde Siegfried dein Mann."

Von Niniveer Seide sie eine Borte trug 876 Mit edelm Gesteine, die war wohl schön genug. Als Brunhild sie erblickte, zu weinen hub sie an. Das muste Gunther wißen und alle Die ihm unterthan.

Da sprach des Landes Königin: "Sendet her zu mir 877 Den König vom Rheine: hören soll er hier, Wie sehr seine Schwester schändet meinen Leib: Sie sagt vor allen Leuten, ich sei Siegfriedens Weib."

Der König kam mit Recken: als er weinen sah 878 Brunhild seine Traute, gütlich sprach er da: "Von wem, liebe Fraue, ist euch ein Leid geschehn?" Sie sprach zu dem König: "Unfröhlich muß ich hier stehn.

Aller meiner Ehren hat die Schwester dein 879 Mich berauben wollen. Geklagt soll dir sein, Sie sagt: ich sei die Kebse von Siegfried ihrem Mann." Da sprach König Gunther: "So hat sie übel gethan."

"Sie trägt hier meinen Gürtel, den ich längst verloren, 880 Und mein Gold das rothe. Daß ich je ward geboren, Des muß mich sehr gereuen: befreist du, Herr, mich nicht Solcher großen Schande, ich minne nie wieder dich."

Da sprach König Gunther: "So ruft ihn herbei: 881 Hat er sichs gerühmet, das gesteh er frei, Er woll es denn läugnen, der Held von Niederland." Da ward der kühne Siegfried bald hin zu ihnen gesandt.

Als Siegfried der Degen die Unmuthvollen sah 882 Und den Grund nicht wuste, balde sprach er da: "Was weinen diese Frauen? das macht mir bekannt: Oder wessentwegen wurde hier nach mir gesandt"

Da sprach König Gunther: "Groß Herzleid fand ich hier. 883 Eine Märe sagte mein Weib Frau Brunhild mir: Du habest dich gerühmet, du wärst ihr erster Mann. So spricht dein Weib Frau Kriemhild: hast du, Degen, das gethan?"

"Niemals," sprach da Siegfried; "und hat sie das gesagt, 884 Nicht eher will ich ruhen, bis sie es beklagt, Und will davon mich reinigen vor deinem ganzen Heer Mit meinen hohen Eiden, ich sagte Solches nimmermehr."

Da sprach der Fürst vom Rheine: "Wohlan, das zeige mir. 885 Der Eid, den du geboten, geschieht der allhier, Aller falschen Dinge laß ich dich ledig gehn." Man ließ in einem Ringe die stolzen Burgunden stehn.

Da bot der kühne Siegfried zum Eide hin die Hand. 886 Da sprach der reiche König: "Jetzt hab ich wohl erkannt, Ihr seid hieran unschuldig und sollt des ledig gehn: Des euch Kriemhild zeihte, das ist nicht von euch geschehn."

Da sprach wieder Siegfried: "Und kommt es ihr zu Gut, 887 Daß deinem schönen Weibe sie so betrübt den Muth, Das wäre mir wahrlich aus der Maßen leid." Da blickten zu einander die Ritter kühn und allbereit.

"Man soll so Frauen ziehen," sprach Siegfried der Degen, 888 "Daß sie üppge Reden laßen unterwegen; Verbiet es deinem Weibe, ich will es meinem thun. Solchen Uebermuthes in Wahrheit schäm ich mich nun."

Viel schöne Frauen wurden durch Reden schon entzweit. 889 Da erzeigte Brunhild solche Traurigkeit, Daß es erbarmen muste Die in Gunthers Lehn. Von Tronje Hagen sah man zu der Königin gehn.

Er fragte, was ihr wäre, da er sie weinend fand. 890 Sie sagt' ihm die Märe. Er gelobt' ihr gleich zur Hand, Daß es büßen sollte der Kriemhilde Mann, Oder man treff ihn nimmer unter Fröhlichen an.

Ueber die Rede kamen Ortwein und Gernot, 891 Allda die Helden riethen zu Siegfriedens Tod. Dazu kam auch Geiselher, der schönen Ute Kind; Als er die Rede hörte, sprach der Getreue geschwind:

"O weh, ihr guten Knechte, warum thut ihr das? 892 Siegfried verdiente ja niemals solchen Haß, Daß er darum verlieren Leben sollt und Leib: Auch sind es viel Dinge, um die wohl zürnet ein Weib."

"Sollen wir Gäuche ziehen?" sprach Hagen entgegen: 893 "Das brächte wenig Ehre solchen guten Degen. Daß er sich rühmen durfte der lieben Frauen mein, Ich will des Todes sterben oder es muß gerochen sein."

Da sprach der König selber: "Er hat uns nichts gethan 894 Als Liebes und Gutes: leb er denn fortan. Was sollt ich dem Recken hegen solchen Haß? Er bewies uns immer Treue, gar williglich that er das."

Da begann der Degen von Metz Herr Ortewein: 895 "Wohl kann ihm nicht mehr helfen die große Stärke sein. Will es mein Herr erlauben, ich thu ihm alles Leid." Da waren ihm die Helden ohne Grund zu schaden bereit.

Dem folgte doch Niemand, außer daß Hagen 896 Alle Tage pflegte zu Gunthern zu sagen: Wenn Siegfried nicht mehr lebte, ihm würden unterthan Manches Königs Lande. Da hub der Held zu trauern an.

Man ließ es bewenden und gieng dem Kampfspiel nach. 897 Hei! was man starker Schäfte vor dem Münster brach Vor Siegfriedens Weibe bis hinan zum Saal! Mit Unmuth sah es Mancher, dem König Gunther befahl.

Der König sprach: "Laßt fahren den mordlichen Zorn. 898 Er ist uns zu Ehren und zum Heil geborn; Auch ist so grimmer Stärke der wunderkühne Mann, Wenn ers inne würde, so dürfte Niemand ihm nahn."

"Nicht doch," sprach da Hagen, "da dürft ihr ruhig sein: 899 Wir leiten in der Stille alles sorglich ein. Brunhildens Weinen soll ihm werden leid. Immer sei ihm Hagen zu Haß und Schaden bereit."

Da sprach der König Gunther: "Wie möcht es geschehn?" 900 Zur Antwort gab ihm Hagen: "Das sollt ihr bald verstehn: Wir laßen Boten reiten her in dieses Land, Uns offnen Krieg zu künden, die hier Niemand sind bekannt.

"Dann sagt ihr vor den Gästen, ihr wollt mit euerm Lehn 901 Euch zur Heerfahrt rüsten. Sieht er das geschehn, So verspricht er euch zu helfen; dann gehts ihm an den Leib, Erfahr ich nur die Märe von des kühnen Recken Weib."

Der König folgte leider seines Dienstmanns Rath. 902 So huben an zu sinnen auf Untreu und Verrath, Eh es wer erkannte, die Ritter auserkoren: Durch zweier Frauen Zanken gieng da mancher Held verloren.

* * * * *

Fünfzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried verrathen ward.

Man sah am vierten Morgen zweiunddreißig Mann 903 Hin zu Hofe reiten: da ward es kund gethan Gunther dem reichen, es droh ihm neuer Streit. Die Lüge schuf den Frauen das allergrößeste Leid.

Sie gewannen Urlaub, an den Hof zu gehn. 904 Da sagten sie, sie ständen in Lüdegers Lehn, Den einst bezwungen hatte Siegfriedens Hand Und ihn als Geisel brachte König Gunthern in das Land.

Die Boten grüßte Gunther und hieß sie sitzen gehn. 905 Einer sprach darunter: "Herr König, laßt uns stehn, Daß wir die Mären sagen, die euch entboten sind. Wohl habt ihr zu Feinden, das wißt, mancher Mutter Kind.

"Euch wiedersagen Lüdegast und König Lüdeger: 906 Denen schuft ihr weiland grimmige Beschwer; Nun wollen sie mit Heereskraft reiten in dieß Land." Gunther begann zu zürnen, als wär es ihm unbekannt.

Man ließ die falschen Boten zu den Herbergen gehn. 907 Wie mochte da Siegfried der Tücke sich versehn, Er oder anders Jemand, die man so listig spann? Doch war es ihnen selber zu großem Leide gethan.

Der König mit den Freunden gieng raunend ab und zu: 908 Hagen von Tronje ließ ihm keine Ruh, Noch wollt es Mancher wenden in des Königs Lehn; Doch nicht vermocht er Hagen von seinen Räthen abzustehn.

Eines Tages Siegfried die Degen raunend fand. 909 Da begann zu fragen der Held der Niederland: "Wie traurig geht der König und Die ihm unterthan? Das helf ich immer rächen, hat ihnen wer ein Leid gethan."

Da sprach König Gunther: "Wohl hab ich Herzeleid: 910 Lüdegast und Lüdeger drohn mir wieder Streit. Mit Heerfahrten wollen sie reiten in mein Land." Da sprach der kühne Degen: "Dem soll Siegfriedens Hand

"Nach allen euern Ehren mit Kräften widerstehn; 911 Von mir geschieht den Degen, was ihnen einst geschehn. Ihre Burgen leg ich wüste und dazu ihr Land, Eh ich ablaße: des sei mein Haupt euer Pfand.

"Ihr mit euern Mannen nehmt der Heimat wahr; 912 Laßt mich zu ihnen reiten mit meiner Leute Schar. Daß ich euch gerne diene, laß ich euch wohl sehn: Von mir soll euern Feinden, das wißet, übel geschehn."

"Nun wohl mir dieser Märe," der König sprach da so, 913 Als wär er seiner Hülfe alles Ernstes froh. Tief neigte sich in Falschheit der ungetreue Mann. Da sprach der edle Siegfried: "Laßt euch keine Sorge nahn."

Sie schickten mit den Knechten zu der Fahrt sich an: 914 Siegfrieden und den Seinen ward es zum Schein gethan. Da hieß er sich rüsten Die von Niederland: Siegfriedens Recken suchten ihr Streitgewand.

Da sprach der starke Siegfried: "Mein Vater Siegmund, 915 Bleibt ihr hier im Lande: wir kehren bald gesund, Will Gott uns Glück verleihen, wieder an den Rhein. Ihr sollt bei dem König unterdessen fröhlich sein."

Da wollten sie von dannen: die Fähnlein band man an. 916 Umher standen Viele, die Gunthern unterthan Und hatten nicht erfahren, wie es damit bewandt. Groß Heergesinde war es, das da bei Siegfrieden stand.

Die Panzer und die Helme man auf die Rosse lud; 917 Aus dem Lande wollten viel starke Recken gut. Da gieng von Tronje Hagen hin, wo er Kriemhild fand; Er bat sie um Urlaub: sie wollten räumen das Land.

"Nun wohl mir," sprach Kriemhild, "daß ich den Mann gewann." 918 Der meine lieben Freunde so wohl beschützen kann, Wie hier mein Herr Siegfried an meinen Brüdern thut: Darum trag ich," sprach die Königin, "immer fröhlichen Muth.

"Lieber Freund Hagen, nun hoff ich, ihr gedenkt, 919 Daß ich euch gerne diene; ich hab euch nie gekränkt. Das komme mir zu Gute an meinem lieben Mann: Laßt es ihn nicht entgelten, was ich Brunhilden gethan.

"Des hat mich schon gereuet," sprach das edle Weib, 920 "Auch hat er so zerbleuet zur Strafe mir den Leib, Daß ich je beschwerte mit Reden ihr den Muth, Er hat es wohl gerochen, dieser Degen kühn und gut."

Da sprach er: "Ihr versöhnt euch wohl nach wenig Tagen. 921 Kriemhild, liebe Herrin, nun sollt ihr mir sagen, Wie ich euch dienen möge an Siegfried euerm Herrn. Ich gönn es niemand beßer und thu es, Königin, gern."

"Ich wär ohn alle Sorge," sprach da das edle Weib, 922 "Daß man ihm im Kampfe Leben nähm und Leib, Wenn er nicht folgen wollte seinem Uebermuth; So wär immer sicher dieser Degen kühn und gut."

"Fürchtet ihr, Herrin," Hagen da begann, 923 "Daß er verwundet werde, so vertraut mir an, Wie soll ichs beginnen, dem zu widerstehn? Ihn zu schirmen will ich immer bei ihm reiten und gehn."

Sie sprach: "Du bist mir Sippe, so will ich dir es sein: 924 Ich befehle dir auf Treue den holden Gatten mein. Daß du mir behütest den geliebten Mann." Was beßer wär verschwiegen, vertraute da sie ihm an.

Sie sprach: "Mein Mann ist tapfer, dazu auch stark genug. 925 Als er den Linddrachen an dem Berge schlug, Da badet' in dem Blute der Degen allbereit, Daher ihn keine Waffe je versehren mocht im Streit.

"Jedoch bin ich in Sorgen, wenn er im Kampfe steht 926 Und aus der Helden Hände mancher Sperwurf geht, Daß ich da verliere meinen lieben Mann. Hei! was ich Sorgen oft um Siegfried gewann!

"Mein lieber Freund, ich meld es nun auf Gnade dir, 927 Daß du deine Treue bewähren mögst an mir, Wo man mag verwunden meinen lieben Mann. Das sollst du nun vernehmen: es ist auf Gnade gethan.

"Als von des Drachen Wunden floß das heiße Blut, 928 Und sich darinne badete der kühne Recke gut, Da fiel ihm auf die Achseln ein Lindenblatt so breit: Da kann man ihn verwunden; das schafft mir Sorgen und Leid."

Da sprach von Tronje Hagen: "So näht auf sein Gewand 929 Mir ein kleines Zeichen mit eigener Hand, Wo ich ihn schirmen müße, mag ich daran verstehn." Sie wähnt' ihn so zu fristen; auf seinen Tod wars abgesehn.

Sie sprach: "Mit feiner Seide näh ich auf sein Gewand 930 Insgeheim ein Kreuzchen: da soll, Held, deine Hand Mir den Mann behüten, wenns ins Gedränge geht, Und er vor seinen Feinden in den starken Stürmen steht."

"Das thu ich," sprach da Hagen, "viel liebe Herrin mein." 931 Wohl wähnte da die Gute, sein Frommen sollt es sein: Da war hiemit verrathen der Kriemhilde Mann. Urtaub nahm da Hagen: da gieng er fröhlich hindann.

Was er erfahren hatte, bat ihn sein Herr zu sagen. 932 "Mögt ihr die Reise wenden, so laßt uns reiten jagen. Ich weiß nun wohl die Kunde, wie ich ihn tödten soll. Wollt ihr die Jagd bestellen?" "Das thu ich," sprach der König, "wohl."

Der Dienstmann des Königs war froh und wohlgemuth. 933 Gewiss, daß solche Bosheit kein Recke wieder thut Bis zum jüngsten Tage, als da von ihm geschah, Da sich seiner Treue die schöne Königin versah.

Früh des andern Morgens mit wohl tausend Mann 934 Ritt Siegfried der Degen mit frohem Muth hindann: Er wähnt', er solle rächen seiner Freunde Leid. So nah ritt ihm Hagen, daß er beschaute sein Kleid.

Als er ersah das Zeichen, da schickt' er ungesehn, 935 Andre Mär zu bringen, zwei aus seinem Lehn: In Frieden sollte bleiben König Gunthers Land; Es habe sie Herr Lüdeger zu dem König gesandt.

Wie ungerne Siegfried abließ vom Streit, 936 Eh er gerochen hatte seiner Freunde Leid! Kaum hielten ihn zurücke Die Gunthern unterthan. Da ritt er zu dem König, der ihm zu danken begann:

"Nun lohn euch Gott, Freund Siegfried, den willigen Sinn, 937 Daß ihr so gerne thatet, was mir vonnöthen schien: Das will ich euch vergelten, wie ich billig soll. Vor allen meinen Freunden vertrau ich euch immer wohl.

"Da wir uns der Heerfahrt so entledigt sehn, 938 So laßt uns nun Bären und Schweine jagen gehn Nach dem Odenwalde, wie ich oft gethan." Gerathen hatte Hagen das, dieser ungetreue Mann.

"Allen meinen Gästen soll man das nun sagen, 939 Ich denke früh zu reiten: die mit mir wollen jagen, Die laßt sich fertig halten; die aber hier bestehn, Kurzweilen mit den Frauen: so sei mir Liebes geschehn."

Mit herrlichen Sitten sprach da Siegfried: 940 "Wenn ihr jagen reitet, da will ich gerne mit. So sollt ihr mir leihen einen Jägersmann Mit etlichen Bracken: So reit ich mit euch in den Tann."

"Wollt ihr nur Einen?" frug Gunther zuhand; 941 "Ich leih euch, wollt ihr, viere, denen wohl bekannt Der Wald ist und die Steige, wo viel Wildes ist, Daß ihr des Wegs unkundig nicht ledig wieder heimwärts müßt."

Da ritt zu seinem Weibe der Degen unverzagt. 942 Derweil hatte Hagen dem König gesagt, Wie er verderben wolle den herrlichen Degen. So großer Untreue sollt ein Mann nimmer pflegen.

Als die Ungetreuen beschloßen seinen Tod, 943 Da wusten sie es Alle. Geiselher und Gernot Wollten nicht mit jagen. Weiß nicht, aus welchem Groll Sie ihn nicht verwarnten; doch des entgalten sie voll.

* * * * *

Sechzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried erschlagen ward.

Gunther und Hagen, die Recken wohlgethan 944 Gelobten mit Untreuen ein Birschen in den Tann. Mit ihren scharfen Spießen wollten sie jagen Schwein' Und Bären und Wisende: was mochte Kühneres sein?

Da ritt auch mit ihnen Siegfried mit stolzem Sinn. 945 Man bracht ihnen Speise aller Art dahin. An einem kühlen Brunnen ließ er da das Leben: Den Rath hatte Brunhild, König Gunthers Weib, gegeben.

Da gieng der kühne Degen hin, wo er Kriemhild fand. 946 Schon war aufgeladen das edle Birschgewand Ihm und den Gefährten: sie wollten über Rhein. Da konnte Kriemhilden nicht leider zu Muthe sein.

Seine liebe Traute küsst' er auf den Mund: 947 "Gott laße mich dich, Liebe, noch wiedersehn gesund Und deine Augen mich auch; mit holden Freunden dein Kürze dir die Stunden: ich kann nun nicht bei dir sein."

Da gedachte sie der Märe, sie durft es ihm nicht sagen, 948 Nach der sie Hagen fragte: da begann zu klagen Die edle Königstochter, daß ihr das Leben ward: Ohne Maßen weinte die wunderschöne Fraue zart.

Sie sprach zu dem Recken: "Laßt euer Jagen sein: 949 Mir träumte heunt von Leide, wie euch zwei wilde Schwein Ueber die Haide jagten: da wurden Blumen roth. Daß ich so bitter weine, das thut mir armem Weibe Noth.

"Wohl muß ich fürchten Etlicher Verrath, 950 Wenn man den und jenen vielleicht beleidigt hat, Die uns verfolgen könnten mit feindlichem Haß. Bleibt hier, lieber Herre, mit Treuen rath ich euch das."

Er sprach: "Liebe Traute, ich kehr in kurzer Zeit; 951 Ich weiß nicht, daß hier Jemand mir Haß trüg oder Neid. Alle deine Freunde sind insgemein mir hold; Auch verdient' ich von den Degen wohl nicht anderlei Sold."

"Ach nein, lieber Siegfried: wohl fürcht ich deinen Fall. 952 Mir träumte heunt von Leide, wie über dir zu Thal Fielen zwei Berge, daß ich dich nie mehr sah: Und willst du von mir scheiden, das geht mir inniglich nah."

Er umfieng mit Armen das zuchtreiche Weib, 953 Mit holden Küssen herzt' er ihr den schönen Leib. Da nahm er Urlaub und schied in kurzer Stund: Sie ersah ihn leider darnach nicht wieder gesund.

Da ritten sie von dannen in einen tiefen Tann 954 Der Kurzweile willen; manch kühner Rittersmann Ritt mit dem König; hinaus gesendet ward Auch viel der edeln Speise, die sie brauchten zu der Fahrt.

Manch Saumross zog beladen vor ihnen überrhein, 955 Das den Jagdgesellen das Brot trug und den Wein, Das Fleisch mit den Fischen und Vorrath aller Art, Wie sie ein reicher König wohl haben mag auf der Fahrt.

Da ließ man herbergen bei dem Walde grün 956 Vor des Wildes Wechsel die stolzen Jäger kühn, Wo sie da jagen wollten, auf breitem Angergrund. Auch Siegfried war gekommen: das ward dem Könige kund.

Von den Jagdgesellen ward umhergestellt 957 Die Wart an allen Enden: da sprach der kühne Held, Siegfried der starke: "Wer soll uns in den Wald Nach dem Wilde weisen, ihr Degen kühn und wohlgestalt?"

"Wollen wir uns scheiden," hub da Hagen an, 958 "Eh wir beginnen zu jagen hier im Tann: So mögen wir erkennen, ich und der Herre mein, Wer die besten Jäger bei dieser Waldreise sei'n.

"Leute so wie Hunde, wir theilen uns darein: 959 Dann fährt, wohin ihm lüstet, Jeglicher allein" Und wer das Beste jagte, dem sagen wir den Dank." Da weilten die Jäger bei einander nicht mehr lang.

Da sprach der edle Siegfried: "Der Hunde hab ich Rath 960 Bis auf einen Bracken, der so genoßen hat, Daß er die Fährte spüre der Thiere durch den Tann. Wir kommen wohl zum Jagen!" sprach der Kriemhilde Mann.

Da nahm ein alter Jäger einen Spürhund hinter sich 961 Und brachte den Herren, eh lange Zeit verstrich, Wo sie viel Wildes fanden: was des erstöbert ward, Das erjagten die Gesellen, wie heut noch guter Jäger Art.

Was da der Brack ersprengte, das schlug mit seiner Hand 962 Siegfried der kühne, der Held von Niederland. Sein Ross lief so geschwinde, daß ihm nicht viel entrann: Das Lob er bei dem Jagen vor ihnen allen gewann.

Er war in allen Dingen mannhaft genug. 963 Das erste der Thiere, die er zu Tode schlug, War ein starker Büffel, den traf des Helden Hand: Nicht lang darauf der Degen einen grimmen Leuen fand.

Als den der Hund ersprengte, schoß er ihn mit dem Bogen 964 Und dem scharfen Pfeile, den er darauf gezogen; Der Leu lief nach dem Schuße nur dreier Sprünge lang. Seine Jagdgesellen, die sagten Siegfrieden Dank.

Einen Wisend schlug er wieder darnach und einen Elk, 965 Vier starker Auer nieder und einen grimmen Schelk, So schnell trug ihn die Mähre, daß ihm nichts entsprang: Hinden und Hirsche wurden viele sein Fang.

Einen großen Eber trieb der Spürhund auf. 966 Als der flüchtig wurde, da kam in schnellem Lauf Alles Jagens Meister und nahm zum Ziel ihn gleich. Anlief das Schwein im Zorne diesen Helden tugendreich.

Da schlug es mit dem Schwerte der Kriemhilde Mann: 967 Das hätt ein andrer Jäger nicht so leicht gethan. Als er nun gefällt lag, fieng man den Spürhund. Seine reiche Beute wurde den Burgunden allen kund.

Da sprachen seine Jäger: "Kann es füglich sein, 968 So laßt uns, Herr Siegfried, des Wilds ein Theil gedeihn: Ihr wollt uns heute leeren den Berg und auch den Tann." Darob begann zu lächeln der Degen kühn und wohlgethan.

Da vernahm man allenthalben Lärmen und Getos. 969 Von Leuten und von Hunden ward der Schall so groß, Man hörte widerhallen den Berg und auch den Tann. Vierundzwanzig Meuten hatten die Jäger losgethan.

Da wurde viel des Wildes vom grimmen Tod ereilt. 970 Sie wähnten es zu fügen, daß ihnen zugetheilt Der Preis des Jagens würde: das konnte nicht geschehn, Als bei der Feuerstätte der starke Siegfried ward gesehn.

Die Jagd war zu Ende, doch nicht so ganz und gar, 971 Zu der Feuerstelle brachte der Jäger Schar Häute mancher Thiere und des Wilds genug. Hei! was des zur Küche des Königs Ingesinde trug!

Da ließ der König künden den Jägern wohlgeborn, 972 Daß er zum Imbiß wolle; da wurde laut ins Horn Einmal gestoßen: so machten sie bekannt, Daß man den edeln Fürsten nun bei den Herbergen fand.

Da sprach ein Jäger Siegfrieds: "Mit eines Hornes Schall 973 Ward uns kund gegeben, Herr, daß wir nun all Zur Herberge sollen: erwiedre ichs, das behagt." Da ward nach den Gesellen mit Blasen lange gefragt.

Da sprach der edle Siegfried: "Nun räumen wir den Wald." 974 Sein Ross trug ihn eben; die Andern folgten bald. Sie ersprengten mit dem Schalle ein Waldthier fürchterlich, Einen wilden Bären; da sprach der Degen hinter sich:

"Ich schaff uns Jagdgesellen eine Kurzweil. 975 Da seh ich einen Bären: den Bracken löst vom Seil. Zu den Herbergen soll mit uns der Bär: Er kann uns nicht entrinnen, und flöh er auch noch so sehr."

Da lös'ten sie den Bracken: der Bär sprang hindann. 976 Da wollt ihn erreiten der Kriemhilde Mann. Er kam in eine Bergschlucht: da konnt er ihm nicht bei: Das starke Thier wähnte von den Jägern schon sich frei.

Da sprang von seinem Rosse der stolze Ritter gut 977 Und begann ihm nachzulaufen. Das Thier war ohne Hut, ES konnt ihm nicht entrinnen: er fieng es allzuhand; Ohn es zu verwunden, der Degen eilig es band.

Kratzen oder beißen konnt es nicht den Mann. 978 Er band es an den Sattel; auf saß der Schnelle dann Und bracht es an die Feuerstatt in seinem hohen Muth Zu einer Kurzweile, dieser Degen kühn und gut.

Er ritt zur Herberge in welcher Herrlichkeit! 979 Sein Sper war gewaltig, stark dazu und breit; Eine schmucke Waffe hieng ihm herab bis auf den Sporn; Von rothem Golde führte der Held ein herrliches Horn.

Von beßerm Birschgewande hört ich niemals sagen. 980 Einen Rock von schwarzem Zeuge sah man ihn tragen Und einen Hut von Zobel, der reich war genug. Hei! was edler Borten an seinem Köcher er trug!

Ein Vlies von einem Panther war darauf gezogen 981 Des Wohlgeruches wegen. Auch trug er einen Bogen: Mit einer Winde must ihn ziehen an, Wer ihn spannen wollte, er hätt es selbst denn gethan.

Von fremden Tierhäuten war all sein Gewand, 982 Das man von Kopf zu Füßen bunt überhangen fand. Aus dem lichten Rauchwerk zu beiden Seiten hold An dem kühnen Jägermeister schien manche Flitter von Gold.

Auch führt' er Balmungen, das breite schmucke Schwert: 983 Das war solcher Schärfe, nichts blieb unversehrt, Wenn man es schlug auf Helme: seine Schneiden waren gut. Der herrliche Jäger trug gar hoch seinen Muth.

Wenn ich euch der Märe ganz bescheiden soll, 984 So war sein edler Köcher guter Pfeile voll, Mit goldenen Röhren, die Eisen händebreit. Was er traf mit Schießen, dem war das Ende nicht weit.

Da ritt der edle Ritter stattlich aus dem Tann. 985 Gunthers Leute sahen, wie er ritt heran. Sie liefen ihm entgegen und hielten ihm das Ross: Da trug er an dem Sattel einen Bären stark und groß.

Als er vom Ross gestiegen, löst' er ihm das Band 986 Vom Mund und von den Füßen: die Hunde gleich zur Hand Begannen laut zu heulen, als sie den Bären sahn. Das Thier zu Walde wollte: das erschreckte manchen Mann.

Der Bär durch die Küche von dem Lärm gerieth: 987 Hei! was er Küchenknechte da vom Feuer schied! Gestürzt ward mancher Keßel, verschleudert mancher Brand; Hei! was man guter Speisen in der Asche liegen fand!

Da sprang von den Sitzen Herr und Knecht zumal. 988 Der Bär begann zu zürnen; der König gleich befahl Der Hunde Schar zu lösen, die an den Seilen lag; Und war es Wohl geendet, sie hätten fröhlichen Tag.

Mit Bogen und mit Spießen, man säumte sich nicht mehr, 989 Liefen hin die Schnellen, wo da gieng der Bär; Doch wollte Niemand schießen, von Hunden wars zu voll. So laut war das Getöse, daß rings der Bergwald erscholl.

Der Bär begann zu fliehen vor der Hunde Zahl; 990 Ihm konnte Niemand folgen als Kriemhilds Gemahl. Er erlief ihn mit dem Schwerte, zu Tod er ihn da schlug. Wieder zu dem Feuer das Gesind den Bären trug.

Da sprachen, die es sahen, er wär ein starker Mann. 991 Die stolzen Jagdgesellen rief man zu Tisch heran. Auf schönem Anger saßen der Helden da genug. Hei! was man Ritterspeise vor die stolzen Jäger trug!

Die Schenken waren säumig, sie brachten nicht den Wein; 992 So gut bewirthet mochten sonst Helden nimmer sein. Wären manche drunter nicht so falsch dabei, So wären wohl die Degen aller Schanden los und frei.

Des wurde da nicht inne der verrathne kühne Mann, 993 Daß man solche Tücke wider sein Leben spann. Er war in höfschen Züchten alles Truges bar; Seines Todes must entgelten, dem es nie ein Frommen war.

Da sprach der edle Siegfried: "Mich verwundert sehr, 994 Man trägt uns aus der Küche doch so viel daher, Was bringen uns die Schenken nicht dazu den Wein? Pflegt man so der Jäger, will ich nicht Jagdgeselle sein.

"Ich möcht es doch verdienen, bedächte man mich gut." 995 Von seinem Tisch der König sprach mit falschem Muth: "Wir büßen euch ein andermal, was heut uns muß entgehn; Die Schuld liegt an Hagen, der will uns verdursten sehn."

Da sprach von Tronje Hagen: "Lieber Herre mein, 996 Ich wähnte, das Birschen sollte heute sein Fern im Spechtsharte: den Wein hin sandt ich dort. Heute giebt es nichts zu trinken, doch vermeid ich es hinfort."

Da sprach der edle Siegfried: "Dem weiß ich wenig Dank: 997 Man sollte sieben Lasten mit Meth und Lautertrank Mir hergesendet haben; konnte das nicht sein, So sollte man uns näher gesiedelt haben dem Rhein."

Da sprach von Tronje Hagen: "Ihr edeln Ritter schnell, 998 Ich weiß hier in der Nähe einen kühlen Quell: Daß ihr mir nicht zürnet, da rath, ich hinzugehn." Der Rath war manchem Degen zu großem Leide geschehn.

Siegfried den Recken zwang des Durstes Noth; 999 Den Tisch hinwegzurücken der Held alsbald gebot: Er wollte vor die Berge zu dem Brunnen gehn. Da war der Rath aus Arglist von den Degen geschehn.

Man hieß das Wild auf Wagen führen in das Land, 1000 Das da verhauen hatte Siegfriedens Hand. Wer es auch sehen mochte, sprach großen Ruhm ihm nach. Hagen seine Treue sehr an Siegfrieden brach.

Als sie von dannen wollten zu der Linde breit, 1001 Da sprach von Tronje Hagen: "Ich hörte jederzeit, Es könne Niemand folgen Kriemhilds Gemahl, Wenn er rennen wolle; hei! schauten wir das einmal!"

Da sprach von Niederlanden der Degen kühn und gut: 1002 "Das mögt ihr wohl versuchen: wenn ihr mit mir thut Einen Wettlauf nach dem Brunnen? Soll das geschehn, So habe der gewonnen, den wir den vordersten sehn."

"Wohl, laßt es uns versuchen," sprach Hagen der Degen. 1003 Da sprach der starke Siegfried: "So will ich mich legen, Verlier ich, euch zu Füßen nieder in das Gras." Als er das erhörte, wie lieb war König Gunthern das!

Da sprach der kühne Degen: "Noch mehr will ich euch sagen: 1004 Gewand und Gewaffen will ich bei mir tragen, Den Wurfspieß samt dem Schilde und all mein Birschgewand." Das Schwert und den Köcher um die Glieder schnell er band.

Die Kleider vom Leibe zogen die Andern da: 1005 In zwei weißen Hemden man beide stehen sah. Wie zwei wilde Panther liefen sie durch den Klee; Man sah bei dem Brunnen den schnellen Siegfried doch eh.

Den Preis in allen Dingen vor Manchem man ihm gab. 1006 Da löst' er schnell die Waffe, den Köcher legt' er ab, Den starken Spieß lehnt' er an den Lindenast. Bei des Brunnens Fluße stand der herrliche Gast.

Die höfsche Zucht erwies da Siegfried daran; 1007 Den Schild legt' er nieder, wo der Brunnen rann; Wie sehr ihn auch dürstete, der Held nicht eher trank Bis der König getrunken; dafür gewann er übeln Dank.

Der Brunnen war lauter, kühl und auch gut; 1008 Da neigte sich Gunther hernieder zu der Flut. Als er getrunken hatte, erhob er sich hindann: Also hätt auch gerne der kühne Siegfried gethan.

Da entgalt er seiner höfschen Zucht; den Bogen und das Schwert 1009 Trug beiseite Hagen von dem Degen werth. Dann sprang er zurücke, wo er den Wurfspieß fand, Und sah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand.

Als der edle Siegfried aus dem Brunnen trank, 1010 Er schoß ihn durch das Kreuze, daß aus der Wunde sprang Das Blut von seinem Herzen an Hagens Gewand. Kein Held begeht wohl wieder solche Unthat nach der Hand.

Den Gerschaft im Herzen ließ er ihm stecken tief. 1011 Wie im Fliehen Hagen da so grimmig lief, So lief er wohl auf Erden nie vor einem Mann! Als da Siegfried Kunde der schweren Wunde gewann,

Der Degen mit Toben von dem Brunnen sprang; 1012 Ihm ragte von der Achsel eine Gerstange lang. Nun wähnt' er da zu finden Bogen oder Schwert, Gewiß, so hätt er Hagnen den verdienten Lohn gewährt.

Als der Todwunde da sein Schwert nicht fand, 1013 Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand. Den rafft' er von dem Brunnen und rannte Hagen an: Da konnt ihm nicht entrinnen König Gunthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode, so kräftig doch er schlug, 1014 Daß von dem Schilde nieder wirbelte genug Des edeln Gesteines; der Schild zerbrach auch fast: So gern gerochen hätte sich der herrliche Gast.

Da muste Hagen fallen von seiner Hand zu Thal; 1015 Der Anger von den Schlägen erscholl im Wiederhall. Hätt er sein Schwert in Händen, so wär er Hagens Tod. Sehr zürnte der Wunde, es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen; er konnte nicht mehr stehn. 1016 Seines Leibes Stärke muste ganz zergehn, Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug. Er ward hernach betrauert von schönen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann. 1017 Das Blut von seiner Wunde stromweis nieder rann. Da begann er die zu schelten, ihn zwang die große Noth Die da gerathen hatten mit Untreue seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: "Weh, ihr bösen Zagen, 1018 Was helfen meine Dienste, da ihr mich habt erschlagen? Ich war euch stäts gewogen und sterbe nun daran. Ihr habt an euern Freunden leider übel gethan.

"Die sind davon bescholten, so viele noch geborn 1019 Werden nach diesem Tage: ihr habt euern Zorn Allzusehr gerochen an dem Leben mein. Mit Schanden geschieden sollt ihr von guten Recken sein."

Hinliefen all die Ritter, wo er erschlagen lag. 1020 Es war ihrer Vielen ein freudeloser Tag. Wer Treue kannt und Ehre, der hat ihn beklagt: Das verdient' auch wohl um Alle dieser Degen unverzagt.

Der König der Burgunden klagt' auch seinen Tod. 1021 Da sprach der Todwunde: "Das thut nimmer Noth, Daß der um Schaden weine, von dem man ihn gewann: Er verdient groß Schelten, er hätt es beßer nicht gethan."

Da sprach der grimme Hagen: "Ich weiß nicht, was euch reut: 1022 Nun hat doch gar ein Ende, was uns je gedräut. Es gibt nun nicht manchen, der uns darf bestehn; Wohl mir, daß seiner Herrschaft durch mich ein End ist geschehn."

"Ihr mögt euch leichtlich rühmen," sprach Der von Niederland. 1023 "Hätt ich die mörderische Weis an euch erkannt, Vor euch behütet hätt ich Leben wohl und Leib. Mich dauert nichts auf Erden als Frau Kriemhild mein Weib.

"Nun mög es Gott erbarmen, daß ich gewann den Sohn, 1024 Der jetzt auf alle Zeiten den Vorwurf hat davon, Daß seine Freunde Jemand meuchlerisch erschlagen: Hätt ich Zeit und Weile, das müst ich billig beklagen.

"Wohl nimmer hat begangen so großen Mord ein Mann," 1025 Sprach er zu dem König, "als ihr an mir gethan. Ich erhielt euch unbescholten in großer Angst und Noth; Ihr habt mir schlimm vergolten, daß ich so wohl es euch bot."

Da sprach im Jammer weiter der todwunde Held: 1026 "Wollt ihr, edler König, noch auf dieser Welt An Jemand Treue pflegen, so laßt befohlen sein Doch auf eure Gnade euch die liebe Traute mein.

"Es komm ihr zu Gute, daß sie eure Schwester ist: 1027 Sei aller Fürsten Tugend helft ihr zu jeder Frist. Mein mögen lange harren mein Vater und mein Lehn: Nie ist an liebem Freunde einem Weibe so leid geschehn."

Er krümmte sich in Schmerzen, wie ihm die Noth gebot, 1028 Und sprach aus jammerndem Herzen: "Mein mordlicher Tod Mag euch noch gereuen in der Zukunft Tagen: Glaubt mir in rechten Treuen, daß ihr euch selber habt erschlagen.

Die Blumen allenthalben waren vom Blute naß. 1029 Da rang er mit dem Tode, nicht lange that er das, Denn des Todes Waffe schnitt ihn allzusehr. Da konnte nicht mehr reden dieser Degen kühn und hehr.

Als die Herren sahen den edlen Helden todt, 1030 Sie legten ihn auf einen Schild, der war von Golde roth. Da giengen sie zu Rathe, wie sie es stellten an, Daß es verhohlen bliebe, Hagen hab es gethan.

Da sprachen ihrer Viele: "Ein Unfall ist geschehn; 1031 Ihr sollt es alle hehlen und Einer Rede stehn: Als er allein ritt jagen, der Kriemhilde Mann, Erschlugen ihn Schächer, als er fuhr durch den Tann."

Da sprach von Tronje Hagen: "Ich bring ihn in das Land. 1032 Mich soll es nicht kümmern, wird es ihr auch bekannt, Die so betrüben konnte der Königin hohen Muth; Ich werde wenig fragen, wie sie nun weinet und thut."

Von denselben Brunnen, wo Siegfried ward erschlagen, 1033 Sollt ihr die rechte Wahrheit von mir hören sagen. Vor dem Odenwalde ein Dorf liegt Odenheim. Da fließt noch der Brunnen, kein Zweifel kann daran sein.

* * * * *

Siebzehntes Abenteuer.

Wie Siegfried beklagt und begraben ward.

Da harrten sie des Abends und fuhren über Rhein; 1034 Es mochte nie von Helden ein schlimmer Jagen sein. Ihr Beutewild beweinte noch manches edle Weib: Sein muste bald entgelten viel guter Weigande Leib.

Von großem Uebermuthe mögt ihr nun hören sagen 1035 Und schrecklicher Rache. Bringen ließ Hagen Den erschlagen Siegfried von Nibelungenland Vor eine Kemenate, darin sich Kriemhild befand.

Er ließ ihn ihr verstohlen legen vor die Thür, 1036 Daß sie ihn finden müße, wenn morgen sie herfür Zu der Mette gienge frühe vor dem Tag, Deren Frau Kriemhild wohl selten eine verlag.

Da hörte man wie immer zum Münster das Geläut: 1037 Kriemhild die schöne weckte manche Maid. Ein Licht ließ sie sich bringen, dazu auch ihr Gewand; Da kam der Kämmrer Einer hin, wo er Siegfrieden fand.

Er sah ihn roth von Blute, all sein Gewand war naß: 1038 Daß sein Herr es wäre, mit Nichten wust er das. Da trug er in die Kammer das Licht in seiner Hand, Bei dem da Frau Kriemhild viel leide Märe befand.

Als sie mit den Frauen zum Münster wollte gehn, 1039 "Frau," sprach der Kämmerer, "wollt noch stille stehn: Es liegt vor dem Gemache ein Ritter todtgeschlagen." "O weh," sprach da Kriemhild, "was willst du solche Botschaft sagen?"

Eh sie noch selbst gesehen, es sei ihr lieber Mann, 1040 An die Frage Hagens hub sie zu denken an, Wie er ihn schützen möchte: da ahnte sie ihr Leid. Mit seinem Tod entsagte sie nun aller Fröhlichkeit.

Da sank sie zur Erden, kein Wort mehr sprach sie da; 1041 Die schöne Freudenlose man da liegen sah. Kriemhildens Jammer wurde groß und voll; Sie schrie nach der Ohnmacht, daß all die Kammer erscholl.

Da sprach ihr Gesinde: "Es kann ein Fremder sein." 1042 Das Blut ihr aus dem Munde brach vor Herzenspein. "Nein, es ist Siegfried, mein geliebter Mann: Brunhild hats gerathen und Hagen hat es gethan."

Sie ließ sich hingeleiten, wo sie den Helden fand; 1043 Sein schönes Haupt erhob sie mit ihrer weißen Hand. So roth er war von Blute, sie hat ihn gleich erkannt: Da lag zu großem Jammer der Held von Nibelungenland.

Da rief in Jammerlauten die Königin mild: 1044 "O weh mir dieses Leides! Nun ist dir doch dein Schild Mit Schwertern nicht verhauen! dich fällte Meuchelmord. Und wüst ich, wer der Thäter wär, ich wollt es rächen immerfort."

All ihr Ingesinde klagte laut und schrie 1045 Mit seiner lieben Frauen; heftig schmerzte sie Ihr edler Herr und König, den sie da sahn verlorn. Gar übel hatte Hagen gerochen Brunhildens Zorn.

Da sprach die Jammerhafte: "Nun soll Einer gehn 1046 Und mir in Eile wecken Die in Siegfrieds Lehn Und soll auch Siegmunden meinen Jammer sagen, Ob er mir helfen wolle den kühnen Siegfried beklagen."

Da lief dahin ein Bote, wo er sie liegen fand, 1047 Siegfriedens Helden von Nibelungenland. Mit den leiden Mären die Freud er ihnen nahm; Sie wollten es nicht glauben, bis man das Weinen vernahm.

Auch kam dahin der Bote, wo der König lag. 1048 Siegmund der Herre keines Schlafes pflag, Als ob das Herz ihm sagte, was ihm wär geschehn, Er sollte seinen lieben Sohn lebend nimmer wiedersehn.

"Wacht auf, König Siegmund, mich hieß nach euch gehn 1049 Kriemhild, meine Herrin; der ist ein Leid geschehn, Das ihr vor allem Leide wohl das Herz versehrt; Das sollt ihr klagen helfen, da es auch euch widerfährt."

Auf richtete sich Siegmund und sprach: "Was beklagt 1050 Denn die schöne Kriemhild, wie du mir hast gesagt?" Der Bote sprach mit Weinen: "Sie hat wohl Grund zu klagen Es liegt von Niederlanden der kühne Siegfried erschlagen."

Da sprach König Siegmund: "Laßt das Scherzen sein 1051 Mit so böser Märe von dem Sohne mein Und sagt es Niemand wieder, daß er sei erschlagen, Denn ich könnt ihn nie genug bis an mein Ende beklagen."

"Und wollt ihr nicht glauben, was ihr mich höret sagen, 1052 So vernehmet selber Kriemhilden klagen Und all ihr Ingesinde um Siegfriedens Tod." Wie erschrak da Siegmund: es schuf ihm wahrhafte Noth.

Mit hundert seiner Mannen er von dem Bette sprang. 1053 Sie zuckten zu den Händen die scharfen Waffen lang Und liefen zu dem Wehruf jammersvoll heran. Da kamen tausend Recken, dem kühnen Siegfried unterthan.

Als sie so jämmerlich die Frauen hörten klagen, 1054 Da kam Vielen erst in Sinn, sie müsten Kleider tragen. Wohl mochten sie vor Schmerzen des Sinnes Macht nicht haben: Es lag in ihrem Herzen große Schwere begraben.

Da kam der König Siegmund hin, wo er Kriemhild fand. 1055 Er sprach: "O weh der Reise hierher in dieses Land! Wer hat euch euern Gatten, wer hat mir mein Kind So mordlich entrißen, da wir bei guten Freunden sind?"

"Ja, kennt ich Den," versetzte die edle Königin, 1056 "Hold würd ihm nimmer mein Herz noch mein Sinn: Ich rieth' ihm so zum Leide, daß all die Freunde sein Mit Jammer weinen müsten, glaubt mir, von wegen mein."

Siegmund mit Armen den Fürsten umschloß; 1057 Da ward von seinen Freunden der Jammer also groß, Daß von dem lauten Wehruf Palas und Saal Und Worms die weite Veste rings erscholl im Widerhall.

Da konnte Niemand trösten Siegfriedens Weib, 1058 Man zog aus den Kleidern seinen schönen Leib, Wusch ihm seine Wunde und legt' ihn auf die Bahr; Allen seinen Leuten wie weh vor Jammer da war!

Es sprachen seine Recken aus Nibelungenland: 1059 "Immer ihn zu rächen bereit ist unsre Hand. Er ist in diesem Hause, von dem es ist geschehn." Da eilten sich zu waffnen die Degen in Siegfrieds Lehn.

Die Auserwählten kamen in ihrer Schilde Wehr, 1060 Elfhundert Recken; die hatt in seinem Heer Siegmund der König: seines Sohnes Tod Hätt er gern gerochen, wie ihm die Treue gebot.

Sie wusten nicht, wen sollten sie im Streit bestehn, 1061 Wenn es nicht Gunther wäre und Die in seinem Lehn, Die zur Jagd mit Siegfried geritten jenen Tag. Kriemhild sah sie gewaffnet: das schuf ihr großes Ungemach.

Wie stark auch ihr Jammer, wie groß war ihre Noth, 1062 Sie besorgte doch so heftig der Nibelungen Tod Von ihrer Brüder Mannen, daß sie dawider sprach: Sie warnte sie in Liebe, wie immer Freund mit Freunden pflag.

Da sprach die Jammerreiche: "Herr König Siegmund, 1063 Was wollt ihr beginnen? Euch ist wohl nicht kund, Es hat der König Gunther so manchen kühnen Mann: Ihr wollt euch all verderben, greift ihr solche Recken an."

Mit auferhobnen Schilden that ihnen Streiten Noth. 1064 Die edle Königstochter bat und gebot, Daß es meiden sollten die Recken allbereit. Daß sie's nicht laßen wollten, das war ein grimmiges Leid.

Sie sprach: "Herr König Siegmund, steht damit noch an, 1065 Bis es sich beßer fügte: so will ich meinen Mann Euch immer rächen helfen. Der mir ihn hat benommen, Wird es mir bewiesen, es muß ihm noch zu Schaden kommen.

"Es sind der Uebermüthigen hier am Rhein so viel, 1066 Daß ich euch zum Streite jetzt nicht rathen will: Sie haben wider Einen immer dreißig Mann; Laß ihnen Gott gelingen, wie sie uns haben gethan.

"Bleibt hier im Hause und tragt mit mir das Leid, 1067 Bis es beginnt zu tagen, ihr Helden allbereit: Dann helft ihr mir besargen meinen lieben Mann." Da sprachen die Degen: "Liebe Frau, das sei gethan."

Es könnt euch des Wunders ein Ende Niemand sagen, 1068 Die Ritter und die Frauen, wie man sie hörte klagen, Bis man des Wehrufs ward in der Stadt gewahr. Die edeln Bürger kamen daher in eilender Schar.

Sie klagten mit den Gästen: sie schmerzte der Verlust. 1069 Was Siegfried verschulde, war ihnen unbewust, Weshalb der edle Recke Leben ließ und Leib. Da weinte mit den Frauen manchen guten Bürgers Weib.

Schmiede hieß man eilen und würken einen Sarg 1070 Von Silber und von Golde, mächtig und stark, Und ließ ihn wohl beschlagen mit Stahl, der war gut. Da war allen Leuten das Herz beschwert und der Muth.

Die Nacht war vergangen: man sagt', es wolle tagen. 1071 Da ließ die edle Königin hin zum Münster tragen Diesen edeln Todten, ihren lieben Mann. Mit ihr giengen weinend, was sie der Freunde gewann.

Da sie zum Münster kamen, wie manche Glocke klang! 1072 Allenthalben hörte man der Pfaffen Sang. Da kam der König Gunther hinzu mit seinem Lehn Und auch der grimme Hagen; es wäre klüger nicht geschehn.

Er sprach: "Liebe Schwester, o weh des Leides dein; 1073 Daß wir nicht ledig mochten so großen Schadens sein! Wir müßen immer klagen um Siegfriedens Tod." "Daran thut ihr Unrecht," sprach die Frau in Jammersnoth.

"Wenn euch das betrübte, so wär es nicht geschehn. 1074 Ihr hattet mein vergeßen, das muß ich wohl gestehn, Als ich so geschieden ward von meinem lieben Mann. Wollte Gott vom Himmel, mir selber war es gethan."

Sie hielten sich am Läugnen. Da hub Kriemhild an: 1075 "Wer unschuldig sein will, leicht ist es dargethan, Er darf nur zu der Bahre hier vor dem Volke gehn: Da mag man gleich zur Stelle sich der Wahrheit versehn."

Das ist ein großes Wunder, wie es noch oft geschieht, 1076 Wenn man den Mordbefleckten bei dem Todten sieht, So bluten ihm die Wunden, wie es auch hier geschah; Daher man nun der Unthat sich zu Hagen versah.

Die Wunden floßen wieder so stark als je vorher. 1077 Die erst schon heftig klagten, die weinten nun noch mehr. Da sprach König Gunther: "Nun hört die Wahrheit an: Ihn erschlugen Schächer; Hagen hat es nicht gethan."

Sie sprach: "Diese Schächer sind mir wohl bekannt: 1078 Nun laß es Gott noch rächen von seiner Freunde Hand! Gunther und Hagen, ja ihr habt es gethan." Da wollten wieder streiten Die Siegfrieden unterthan.

Da sprach aber Kriemhild: "Ertragt mit mir die Noth." 1079 Da kamen auch die Beiden, wo sie ihn fanden todt, Gernot ihr Bruder und Geiselher das Kind. Sie beklagten ihn in Treuen; ihre Augen wurden thränenblind.

Sie weinten von Herzen um Kriemhildens Mann. 1080 Man wollte Messe singen: zum Münster heran Sah man allenthalben Frauen und Männer ziehn, Die ihn doch leicht verschmerzten, weinten alle jetzt um ihn.

Geiselher und Gernot sprachen: "Schwester mein, 1081 Nun tröste dich des Todes, es muß wohl also sein. Wir wollen dirs ersetzen, so lange wir leben." Da wust ihr auf Erden Niemand doch Trost zu geben.

Sein Sarg war geschmiedet wohl um den hohen Tag; 1082 Man hob ihn von der Bahre, darauf der Todte lag. Da wollt ihn noch die Königin nicht laßen begraben: Es musten alle Leute große Mühsal erst haben.

In kostbare Zeuge man den Todten wand. 1083 Gewiss daß man da Niemand ohne Weinen fand. Aus ganzem Herzen klagte Ute das edle Weib Und all ihr Ingesinde um Siegfrieds herrlichen Leib.

Als die Leute hörten, daß man im Münster sang 1084 Und ihn besargt hatte, da hob sich großer Drang: Um seiner Seele willen was man da Opfer trug! Er hatte bei den Feinden doch guter Freunde genug.

Kriemhild die arme zu den Kämmerlingen sprach: 1085 "Ihr sollt mir zu Liebe leiden Ungemach: Die ihm Gutes gönnen und mir blieben hold, Um Siegfriedens Seele verteilt an diese sein Gold."

Da war kein Kind so kleine, mocht es Verstand nur haben, 1086 Das nicht zum Opfer gienge, eh er ward begraben. Wohl an hundert Messen man des Tages sang. Von Siegfriedens Freunden hob sich da mächtiger Drang.

Als die gesungen waren, verlief die Menge sich. 1087 Da sprach wieder Kriemhild: "Nicht einsam sollt ihr mich Heunt bewachen laßen den auserwählten Degen: Es ist an seinem Leibe all meine Freude gelegen.

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