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Buchstabenmystik

I. DIE WURZELN DER BUCHSTABENMYSTIK

Reading edition

§ 1. DIE ANTIKEN ANSICHTEN ÜBER DEN URSPRUNG DER SCHRIFT

Nach dem Glauben mancher Völker stammt die Schrift von den Göttern. Keines unter diesen hat wohl die Findung der Buchstaben so sehr als kosmisches Ereignis ersten Ranges betrachtet wie es die altnordischen Skalden taten, von deren Dichtung die ältere Edda Reste erhalten hat. In der Edda[3] muß nach einem tiefsinnigen Mythus Odin, der oberste Gott, sich selbst opfern, um mit den Runen Wissen und Zaubermacht zu erlangen:

„Ich weiß, daß ich hing am windbewegten Baum Neun Nächte durch, Verwundet vom Speer, geweiht dem Odin, Ich selber mir selbst. Man bot mir kein Horn noch Brot zur Labung, Nach unten spähte mein Aug’, Ächzend hob ich, hob aufwärts[4] die Runen, Zu Boden fiel ich alsbald. Zu gedeihen begann ich und bedacht zu werden, Ich wuchs und fühlte mich wohl. Ein Wort fand mir das andere Wort, Ein Werk das andere Werk. Runen wirst du finden, geratene Stäbe, Stäbe voll Stärke, Stäbe voll Heilkraft, Von dem Fürsten der Sänger gefärbt, Von mächtigen Göttern gemacht, Es ritzte sie Ragna-Hropt“ usw.

Die Buchstaben sind hier die Fundamente alles Wissens und der Preis, um den sie erworben werden, kann gar nicht hoch genug sein. Ist nun Ähnliches schon im Altertum zu entdecken?

Die Vorstellung von der göttlichen Herkunft der Schriftzeichen finden wir sonst besonders da, wo die Kunst des Schreibens lange das Sonderrecht einer Kaste geblieben ist. Im alten Orient genießt der Schreiber, der in der Regel dem Priesterstand angehört, hohes Ansehen. Er trägt linnene Gewänder, da nichts Tierisches ihn berühren darf.[5] Der Schreiber hat unter den Göttern seinen Patron, der zugleich sein Gegenstück im Himmel, der Schreiber der Götter, ist. In Babel ist es Nebo[6], in Ägypten Thoth. Nebo, Marduks Sohn, ist der Gott, der die Schicksale aufschreibt und so das Leben verkürzt oder verlängert mit seinem „Griffel des Geschickes“.[7] Er gab den Menschen die Schrift. Für die Ägypter hat das Thot[8] getan, der Gott der Worte und Bücher, der Erfinder der magischen Formeln, denen nichts widersteht, und Verfasser der Zauberbücher, der Erfinder fast aller Kulturgüter. Jede Hieroglyphe ist für den Ägypter ein Gotteswort.[9] Später machte dem Thoth Isis die Ehre der Buchstabenerfindung streitig.[10] Im Islam finden wir die Lehre, daß Gott selbst die Buchstaben schuf und sie dem Adam offenbarte als ein Geheimnis, das er keinem der Engel kundtat.[11] Ja, eine alte und angesehene Tradition läßt diese Vorstellung sogar beim Beginn der Sendung Muhammeds eine Rolle spielen. Nach ihr wurde der Prophet von einem Engel nachts besucht und heftig aufgefordert, eine von dem Engel mitgebrachte Schrift zu rezitieren, die von Gott als Schöpfer und Offenbarer der Schreibkunst handelte — im Koran als Sura 96: „Verkündige im Namen deines Herrn, der schuf, der den Menschen von geronnenem Blute schuf; verkündige, denn dein Herr ist der gnädigste, er, der mit der Feder unterrichtete usw.“ In dieser Überlieferung spricht sich die naive Wertschätzung einer heiligen Schrift aus, die Muhammeds Buß- und Gerichtspredigt begleitete. Der Glaube daran, daß die Buchstaben in der Zeit, zumal durch menschliche Erfindung, entstanden seien, wird noch heute von orthodoxen Islamiten als Ketzerei gebrandmarkt.[12]

Darin treffen sie sich mit den Christen der orientalischen Kirchen. „Vor anderthalbtausend Jahren ersannen zwei Männer das armenische Alphabet, der heilige Mesrop erfand die Konsonanten und der Katholikos Sahak fügte die Vokale hinzu. König Wramschapuch half ihnen dabei und sorgte dafür, daß die neue Schrift durch eine Bibelübertragung sofort geheiligt wurde. Die einem fremden Auge wild verschnörkelten Zeichen, die mit geringen Änderungen heute noch gebraucht werden, gaben erst die Möglichkeit, die überaus lautreiche armenische Sprache schriftlich niederzulegen, für die das griechische und syrische Alphabet ungenügend gewesen war. Noch der Apostel Gregor, der dem Volke das Evangelium armenisch verkündete, hatte in den beiden fremden Sprachen geschrieben. Mit dem eigenen Alphabet war die Sprache fixiert, mit der Sprache die Kirche, die ihren monophysitischen Glauben für sich allein beibehielt, von der gefährlichen Berührung mit den Byzantinern geschieden, mit der Kirche die armenische Nation über alle politische Spaltungen hinaus vereint. Das armenische Alphabet ist nicht minder bedeutsam als das slawische, mit dem Kyrill und Methodius eine ganze Völkerfamilie von der westlichen Kultur trennten. Nur wer bedenkt, wie heute noch um Schriftzeichen gekämpft wird, wie etwa in Albanien unversöhnlicher Haß die Anhänger des arabischen und des lateinischen Alphabetes trennt, kann die Hartnäckigkeit verstehen, mit der im Orient jedes Volk an den krausen Zeichen hängt, die ihm seine kulturelle Selbständigkeit bedeuten oder doch vortäuschen. Und darum reden die Mönche von Etschmiadsin, deren Abt ein Papst ist und deren Gemeinde ein Volk, von den Buchstaben, die einer der Ihren erfunden, mit größerer Ehrfurcht als von Gott und seinem eingeborenen Sohne selber.“[13]

Im Gegensatz zu diesen orientalischen Vorstellungen fehlen in Griechenland derartige Mythen nahezu ganz, ebenso wie ein bevorrechteter schreibender Priesterstand fehlt. Die gebildeten Griechen der klassischen Zeit waren sich bewußt, die Buchstabenschrift wie so manche Erfindungen, die dem praktischen Leben dienen, aus dem älteren Orient überkommen zu haben. Es machte ihnen wenig aus, trotz ihres regen Interesses für mythische εὑρεταί, ob ihren eigenen Vorfahren oder Nichtgriechen die Priorität zukam. Ja, sie haben der ehrwürdigen Weisheit des Ostens eher in zu vielen als zu wenig Dingen die Urheberschaft zugestanden. Der wirkliche Ursprung der von den Griechen übernommenen Schrift, der durch die Epigraphik bestätigt wird, steht bei Hekataios und Dionysios, den milesischen Logographen (fr. 36 I FHG I p. 29 II p. 5)[14] und bei Herodot zu lesen (5, 58): die Phoiniker — angeblich unter Kadmos — haben den Ionern die Buchstaben gebracht. Deshalb heißen die Buchstaben φοινιϰήϊα vgl. Kritias bei Athen. epit. p. 28 Kaibel = Fragmente der Vorsokratiker ed. Diels p. 614, 10 und unzählige Stellen, welche zeigen, daß die Gebildeten, insbesondere die Grammatiker, das immer gewußt haben.

Neben dieses Wissen trat früh eine andere Anschauung. Die ägyptischen Denkmäler einer uralten Vergangenheit haben auf die Griechen einen starken Eindruck gemacht. Sie sahen mit neidischer Bewunderung auf die schön geordnete Überlieferung einer ungeheuren Vorzeit, über die sie selbst nur die lästerlichen Lügen ihrer Dichter besaßen. Solon muß sich in Platons Timaeus p. 22 a sagen lassen: Ὧ Σόλων, Ἕλληνες ἀεί παῖδές ἐστε ... νέοι ἐστὲ τἀς ψυχὰς πάντες· οὐδεμίαν γὰρ ἐν αὐταῖς ἔχετε δἰ ἀρχαίαν ἀϰοὴν παλαιὰν δόξαν οὐδὲ μάϑημα χρόνῳ πολιὸν οὐδέν.[15] Hier war die Heimat der Kultur, von hier mußte auch die Schrift stammen, das mußte sich jedem aufdrängen, dem die Priester die uralten Inschriften auf Pyramiden und Tempelwänden wiesen.[16]

Wo Platon, der die Pyramiden wohl selbst gesehen hatte, auf den Ursprung der Schrift zu reden kommt, spricht er nur davon, daß der Ägypter Theuth die Buchstaben erfunden hat. Im Phaidros 274 c heißt es, der δαίμων Theuth sei einst zu dem König Thamus gekommen und habe ihm allerlei Erfindungen, darunter auch die Schrift, vorgelegt.[17]

Damit stand Platon unter den Griechen nicht allein. Kadmos wird dementsprechend zum Ägypter gemacht.[18] Auch Danaos, der Bruder des Aigyptos, sollte die Schrift aus Ägypten mitgebracht haben, nach Pythodoros (schol. in Dionys. Thrac. p. 190, 22; 183, 7 Hilgard). Der Historiker Antikleides aus Athen, der nach Schwartz (bei Pauly-Wissowa s. v. Antikleides) im 3. Jh. schrieb, bewies aus Monumenten, daß der ägyptische König Men die Schrift erfunden habe (Plin. n. h. VII 57, 192).[19]

Der ägyptische Thot von Hermupolis war nach griechischer Anschauung niemand anders als Hermes von Kyllene. Der erfindungsreiche Gott, dem Apollon die Lyra verdankte und die Griechen die Wettspiele, konnte recht gut auch die Schrift erdacht haben. Hekataios von Abdera, der die Bestrebungen der Lagiden, Griechen und Ägypter zu verschmelzen — vielleicht unbewußt — unterstützte[20], hat in seinem Bericht, auf dem Diodors erstes Buch beruht, erzählt (Diod. I 16), von Hermes (= Thoth) sei zuerst die allgemeine Sprache gegliedert und vieles bisher Namenlose benannt worden, von ihm seien die Buchstaben erfunden und alles, was die Verehrung der Götter und die Opfer betreffe, geordnet worden. Den Griechen soll er die Regeln der ἑρμηνεία gelehrt haben, daher sein Name Hermes.[21] Umformung hekatäischen Stoffes ist es, wenn bei Artapanos (um 100 v. Chr.) Hermes, der Vater der Erfindungen, zum Moses-Hermes wird.[22]

An den durch Philon von Byblos erhaltenen Stücken hellenistisch-phönikischer Kosmogonien kann man sehen, wie die Schrift als Gabe des Thoth in der Spekulation hermetischer Theologen für heilig angesehen wurde[23]: πρὸ δὲ τούτων ϑεὸς Τάαυτος μιμησάμενος τῶν συνόντων ϑεῶν ὄψεις, Κρόνου τε ϰαὶ Δαγῶνος ϰαὶ τῶν λοιπῶν, διετύπωσε τοὺς ἱεροὺς στοιχείων χαραϰτῆρας.[24] Und an einer anderen Stelle: Καὶ τὰ μὲν πρῶτα στοιχεῖα τὰ διὰ τῶν ὄφεων, ναοὺς ϰατασϰευασάμενοι ἐν ἀ<δ>ύτοις ἀψιέρωσαν, ϰαὶ τούτοις ἑορτἀς ϰαὶ ϑυσίας ἐπετέλουν ϰαὶ ὄργια, ϑεοὺς τοὺς μεγίστους νομίζοντες ϰαὶ ἀρχηγοὺς τῶν ὅλων. Die Stellung des Oannes bei Berossos (fr. 1 Dübner, FHG II p. 497), der den Menschen Schrift, Künste und Gottesdienst lehrte, will Reitzenstein, Poimandres 109[25], durch die Annahme ägyptischer Einflüsse verständlich machen. Aber warum sollen die Babylonier nicht von sich allein aus derartiges über Ea gelehrt haben, den „Herrn der Weisheit“?[26]

Der griechische Hermes erscheint als Erfinder der Schrift bei Mnaseas (Müller, FHG III p. 156 = schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 15), Apollodor von Athen (schol. zu ψ 198), Cicero, de nat. deor. III 22, 56, Varro bei Augustinus, de doctrina christ. II 28, Hygin fab. 277, Cassiodor variae VIII 12 (da steht, Mercur habe die Form der Buchstaben dem Flug der Kraniche abgesehen, vgl. S. 10 Anm. 2).[27]

Natürlich nannten manche Griechen noch andere εὑρεταί. Nach Ephoros hatte Kadmos sie nicht nur gebracht, sondern auch selber erfunden.[28] Sehr nahe lag es, sie dem erfindungsreichen Palamedes[29] zuzuschreiben. Das tat zuerst Stesichoros in seiner zweiten Orestie.

Ob seiner ähnlichen Findigkeit wird man an Sisyphos[30] gedacht haben. Außerdem werden als Erfinder genannt Prometheus[31], Herakles[32], Phoinix[33], der Paidagogos des Achilleus (nach Duris) oder ein König von Tyros — offenbar eine Deutung der Bezeichnung φοινιϰήια. Den Musaios (vgl. schol. in Dionys. Thrac. p. 183) nennt einmal Artapanos (vgl. oben S. 8 f). Diese Ansicht muß nicht auf dem Umweg über die Gleichung Thoth = Moses entstanden sein[34]: auch Orpheus und Linos[35] erscheinen unter den Schrifterfindern. In Latium hat Euandros[36] sie gelehrt, der durch seine Herkunft aus Arkadien, dem reineren Lande weiser, gerechter Menschen, dazu berufen war, den Völkern geistige Güter zu übermitteln. In einem Scholion zu Dionysios Thrax steht, die Buchstaben seien vom Himmel gefallen[37], auch Athena wird dort[38] als Buchstabenerfinderin genannt. Sie lehrt schon auf einer schönen rotfigurigen Vase dem Palamedes — das wird wohl der bärtige Schüler sein — die Schreibkunst (Ch. Lenormant et de Witte, Elite des monuments céramographiques, Paris 1844, I p. 252 f.). Doch das ist ganz singulär. Wäre es etwas Geläufigeres, so hätte es der Rhetor Aristides in seiner Lobrede auf Athena gewiß hervorgeholt, wo er die εὑρήματα der Göttin preist. Aber da steht nichts von Buchstaben.

In Diodors Inselbuch V 74 wird den Musen die γραμμάτων εὕρεσις zugeschrieben. Daß der Kreter Dosiades[39] (3. Jh.) in seinen Κρητιϰά behauptete, die Buchstaben seien in Kreta erfunden worden[40], steht so vereinzelt, daß es wohl keine Kenntnis der Scripta minoa verrät. Denn die Notiz schol. in Dionys. Thrac. p. 184, 29: Ἀλέξανδρος δὲ ὁ Ῥόδιος (sc. φησί Φοινίϰεια τὰ γράμματα ἐλέγοντο) ἀπὸ Φοίνιϰος τοῦ Προνάπου ϰαὶ Εὐρώπης, εὑρόντος αὐτὰ ὲν Κρήτη, ὃν ἀπέϰτεινε Ῥαδάμανϑυς φϑονήσας ist bis auf weiteres nicht zu deuten. Pronapos sieht aus, als verdanke er sein Dasein einer genealogischen Operation mit Προναπίδης, dem Lehrer Homers aus Athen.

Die Widersprüche der Überlieferung, die verschiedene εὑρεταί gab, führten dazu, das Verdienst an mehrere Erfinder zu verteilen. Darin spiegelt sich zugleich die allmähliche Anpassung des phönikischen Alphabets an die griechischen Bedürfnisse durch Umdeutung und Hinzufügung von Buchstaben. Simonides, der manche palamedeisch-sophistische Züge zeigte und sich großen Rufes als Gedächtniskünstlers erfreute, und Epicharmos, der ἀρχηγός einer wichtigen literarischen Gattung, sollen dem anfangs unvollkommenen Schriftsystem noch Zeichen hinzugefügt haben. Die Zeugnisse darüber sind so verschieden, daß es zwecklos wäre, sie in Einklang bringen zu wollen.[41]

Diese Musterung der Traditionen über die Herkunft der Buchstaben hat wohl gezeigt, daß im griechischen Altertum den Schriftzeichen an sich noch keine Weihe innewohnen konnte wegen ihres göttlichen Ursprungs. Den besaßen sie nicht in dem Sinn, wie man es im Orient oder im altgermanischen Norden glaubte. Es hat keinen antiken Gott gegeben, dessen Funktionen mit der Schreibkunst wesentlich zusammenhängen, und was ein Heros erfunden hatte, war deshalb noch nicht heilig. Dieser Glaube scheidet also als Quelle für griechische Alphabetmystik und -magie aus.

Für den Analphabeten bildet die Kunst des Schreibens leicht ein unheimliches Mysterium, und derer wird es in der „unschuldigen Zeit“ des Altertums (Lachmann) stets viele gegeben haben. Was der Mensch an Bildung damals besitzen mußte, war unendlich viel weniger als bei uns, und infolgedessen wurden auch die Anfangsgründe nicht als etwas Selbstverständliches gering geachtet. Das Alphabet als Gegenstand des Wissens war im Athen des 5. Jahrhunderts etwas, worüber man ernsthaft reden durfte, selbst von der tragischen Bühne herab, wie γρίφος-artige Fragmente des Sophokles, Euripides, Agathon, Theodektes[42] und die später zu besprechende γραμματοτραγωδία des Kallias zeigen. Das Schreiben war für viele eine gewichtige feierliche Handlung. Trotzdem war dies keine entscheidende Ursache für die Entstehung der Buchstabenmystik. Diese liegt anderswo.

§ 2. PYTHAGOREISCHE GRAMMATIK

Der Unterschied zwischen Vokalen und Konsonanten ist unseres Wissens im 6. Jahrhundert von den Pythagoreern zuerst beobachtet worden.[43]) Wie die Pythagoreer dazu kamen, sich grammatisch zu betätigen, darüber gibt eine Notiz bei Quintilian Aufschluß (instit. orat. I 10, 17) Archytas atque Evenus etiam subiectam grammaticen musicae putaverunt. Sie rechneten die Grammatik zur μουσιϰή.

Die ungeheure Entdeckung des Pythagoras, daß die musikalische Tonhöhe von der Länge der tönenden Saite abhänge, hat die Mitlebenden geradezu berauscht und wie kaum jemals ein anderer naturwissenschaftlicher Fund das Denken Späterer bestimmt. Die Töne hatten sich als verkörperte Zahlen herausgestellt, die qualitativen Unterschiede waren auf quantitative zurückgeführt. Der tiefe Sinn der Musik war der, daß sie Klang gewordene Zahl ist. In der Zahl hatte man jetzt einen Schlüssel, der alle Tore zu öffnen verhieß. Sie war das Wesentlichste am Kosmos, vielleicht das Wirklichste überhaupt, das Symbol der Vernunft. Die schönsten Sätze darüber stehen bei Philolaos (fr. 11 Diels): Kenntnisspendend ist die Natur der Zahl und führend und lehrend für jeglichen in jeglichem, das ihm problematisch und unverständlich ist. Denn gar nichts von den Gebilden wäre irgend einem klar, weder ihr Zusich noch des einen zum andrem, wenn nicht die Zahl und deren Wesen wäre. Nun aber wirkt diese durch die Seele hin in die Empfindung gestaltend alles erkennbar aus und gesellig, nach des Gnomons Natur, gibt ihnen Leib und scheidet voneinander alle die Glieder der Gebilde als unendlicher wie als begrenzender. ... Sehen kann man nicht nur in den dämonischen und göttlichen Gebilden die Natur der Zahl und ihre haltende Macht, sondern auch in allen menschlichen Werken und Worten allenthalben und hin durch alle Schöpfungen des Bildens und hin durch die Musik.[44] —

Fällt also die Grammatik unter die Rubrik Musik, so mußten in der Tat die Schriftzeichen die Aufmerksamkeit der Pythagoreer besonders auf sich ziehen. Denn sie waren zugleich die Zeichen für die Zahlen und die Musiknoten. In ihnen, in ihrer Form, ihrer Anzahl und ihren Verschiedenheiten mußte wohl manches von kosmischer Bedeutung zu finden sein. Aristoteles erwähnt darüber Folgendes (Metaphys. N 6, 1093 a 20): ἐπεί ϰαὶ τὸ Ξ Ψ Ζ συμφωνίας φασὶν εἶναι ϰαὶ, ὅτι ἐϰεῖναι τρεῖς, ϰαὶ ταῦτα τρία (nämlich διατεσσάρων, διαπέντε und διαπασῶν). ὅτι δὲ μύρια ἂν εἲη τοιαῦτα, οὐϑὲν μέλει· τῷ γὰρ Γ ϰαὶ Ρ εἴη ἂν ἒν σημεῖον (d.h. man könnte ja ebenso gut auch den Laut γρ durch ein einziges Zeichen ausdrücken). εὶ δ΄ ὅτι διπλάσιον τῶν ἅλλων ἕϰαστον ἅλλο δ΄ οὔ, αἴτιον δ΄ ὅτι τριῶν ὄντων τόπων ἒν ὲφ΄ ἑϰάστου ἐπιφέρεται τὀ σῖγμα, διὰ τοῦτο τρία μόνον ἐστίν, ἀλλ' οὐχ ὅτι αί συμφωνίαι τρεῖς, ἐπεὶ πλείους γε αί συμφωνίαι· ἐνταῦϑα δ΄ οὐϰέτι δύναται. Ebenso wie sie die Dreiheit der Doppelkonsonanten musikalisch, d. h. metaphysisch, begründet dachten, so auch die Tatsache, daß es gerade 24 Buchstaben gibt (ebenda 1093 b 1): ϰαὶ ὅτι ίσον τὀ διάστημα ἒν τε τοῖς γράμμασιν ἁπὸ τοῦ Α πρὸς τὀ Ω, ϰαὶ ἁπὸ τοῦ βόμβυϰος ἐπὶ τὴν ὀξυτάτην νεάτην ἒν αὐλοῖς, ἧς ὁ ἁριϑμὸς ίσος τῇ οὐλομελείᾳ τοῦ οὐρανοῦ. So stellten sie die Elementargrammatik in die denkbar kosmischsten Zusammenhänge ϰαὶ ὅσα εἶχον ὁμολογούμενα δειϰνύναι ἒν τε τοῖς ἀριϑμοῖς ϰαὶ ταῖς ἁρμονίαις πρὸς τὰ τοῦ οὐρανοῦ πάϑη ϰαὶ μέρη ϰαὶ πρὸς τὴν ὅλην διαϰόσμησιν, ταῦτα συνάγοντες ἐφήρμοττον. Dieser Satz aus Aristoteles Metaphysik (A 5, 986 a) paßt nicht bloß auf die alten Pythagoreer: er erschöpft den Inhalt eines beträchtlichen Teils der europäischen Literatur bis in die Renaissance hinein.

An den Vokalen mußte den Pythagoreern ihre Siebenzahl[45] wichtig erscheinen. „Sowohl die Altpythagoreer als auch der Verfasser der altionischen (nach andern [vgl. Boll, Neue Jhb. 31 (1913) S. 137 ff.] erst dem 5. Jahrhundert angehörigen) pseudohippokrateischen Schrift περὶ ἑβδομάδων erblickten in den sieben ionischen Vokalen (φωνήεντα, φωναί) oder Urbuchstaben eine der ältesten und wichtigsten Manifestationen der heiligen Siebenzahl.“ W. H. Roscher, Hebdomadenlehren S. 145. Dieser Hinweis auf die Bedeutsamkeit der Vokale ist, wie wir unten sehen werden, nicht ungehört verhallt.

§ 3. ELEMENTUM

Recht folgenreich für die antike Wertung der Buchstaben war es, daß man sie mit dem Wort στοιχεῖον bezeichnet hat. Durch dieses Wort wurden die Buchstaben der Schrift für den Griechen, der vom Namen einer Sache aus unwillkürlich weitergehende Folgerungen zog als wir, — die „Kritik der Sprache“ fing erst an —, in die Sphäre philosophischer und religiöser Begriffe gehoben.[46]

Die Wortgeschichte von στοιχεῖον stellt sich nach den Untersuchungen von Diels und Lagercrantz folgendermaßen dar: Die Ableitung des Wortes στοιχεῖον von στοῖχος bei Dionys. Thrax, worauf Diels seine Übersetzung „Reihenglied“ gründet, ist wertlos und verbindet zu nichts.[47] Es ist vielmehr von στείχειν = „gehen, marschieren“ auszugehen (S. 88). Στοιχέω ist nach Lagercrantz’ Nachweisen in der Bedeutung gehen, marschieren ganz geläufig (S. 103). Davon ist mit objektivisch-transitiver Verwendung der Endung -εῖον (S. 106) στοιχεῖον in der attischen Sprache gebildet und bedeutet:

I. das begangene Stück, der Gang, die Strecke (so die früheste Verwendung bei Aristophanes Eccles. 651):

II. Grund: a) Erdfläche; b) Grundlage, so bei Xenophon memor. 2, 1, 1; c) Stütze, so in der Astrologie (S. 62) und im Neuen Testament (S. 42). Die vollkommenste Analogie bietet die Bedeutungsentwicklung des von βαίνω abgeleiteten Wortes βάσις.

Das Wort dringt sodann in die wissenschaftliche Fachsprache und tritt auf: 1. in der philosophischen Sprache als Übersetzung von ῥιζώματα τοῦ παντός (der Elemente) bei Empedokles ins Attische, für uns zuerst bei Platon Soph. 252 b, Tim. 48 b (S. 16); 2. in der grammatischen als attischer Ersatz für πυϑμήν, ein Wort, das in grammatischen Ausführungen des Protagoras (Diels Vorsokr. S. 512, 26) in der Bedeutung „Grundform“ vorkam (S. 21). In Platons Theait. p. 202 e heißt στοιχεῖα τῶν γραμμάτων „Urbestandteile der Schrift“ (S. 19). Sicherlich waren aber schon vor Platon die Buchstaben στοιχεῖα genannt worden, sonst könnte Phileb. 19 c nicht so lauten, wie es überliefert ist. Da im Lauf der Kaiserzeit der persische Elementenkult, der besonders im Mithrasdienst ausgeprägt worden ist, in die griechische Welt eindrang (Diels S. 45)[48], so hat das Wort στοιχεῖον von diesen Kreisen her für viele einen starken religiösen Akzent erhalten.[49]

Die Verwendung des Ausdrucks in der Astrologie hat nichts mit der in der Philosophie als „Element“ zu tun, sondern ist eine unmittelbare Übertragung aus der Volkssprache, wo στοιχεῖον „Stütze“ bedeutet. στοιχεῖον heißt da 1. die Tierkreisfigur, insofern sie den wandernden Planeten zur Stütze gereicht[50], 2. Gestirn, insofern es für dessen δαίμων die materielle Stütze abgibt (S. 65 ff.).

Ferner hat Lagercrantz S. 74 ff. nachgewiesen, daß στοιχειοῦν durchaus nicht „verzaubern“ heißt, wie Diels S. 55 meint, der dort die Wortgeschichte auf einer sehr schmalen Linie weiterführt. Es heißt vielmehr gründen in der Bedeutung „festmachen“, real[51] und symbolisch. Als einer, der das symbolische „eingründen“, das ein magisches Binden und Festbannen an einen Ort bedeutet, besonders gut verstand, wird Apollonius von Tyana ein στοιχειωματιϰός genannt bei Cedrenus I 346, 18. Derselbe Ausdruck οί στοιχειωματιϰοί steht schon im Καρπός (Ps.-Claudius Ptolemäus)[52], ohne daß der Zusammenhang mehr lehrte als daß es sich um Leute handelt, die sich mit Astrologie abgeben. Wir müssen daraus schließen, daß es eine Anzahl von Magiern, Astrologen usw. gegeben hat, die diese Art von „Eingründung“ betrieb.

Im Neugriechischen heißt στοιχειό Geist, Gespenst. Lagercrantz entwickelt S. 80 ff. einleuchtend, wie dies aus Glauben und Brauch beim ϑεμελιοῦν von Häusern entstanden ist.

Das alles hat nicht unmittelbar damit, daß στοιχεῖον auch Buchstabe heißen kann, etwas zu tun, wie Albrecht Dieterich, Rhein. Museum 56 (1901) S. 102 f. = Kl. Schr. S. 225 f. will. Aber man begreift ohne Schwierigkeit, wie „die Tatsache, daß Buchstabe und Gestirn durch dasselbe Wort ausgedrückt werden, mystisch veranlagte Gemüter bewegen konnte, nach realen Entsprechungen zwischen ihnen zu suchen“. Lagercrantz S. 57.

§ 4. KINDHEITSMYSTIK

Noch eine letzte mögliche Wurzel der Buchstabenmystik möchte ich andeuten. In viel stärkerem Maße als es heute m. W. geschieht, wurde im Altertum und bis ins 18. Jahrhundert auf das Erlernen des Alphabetes bis zur virtuosen Beherrschung Wert gelegt.[53] Während für uns die Alphabetreihe nur für Verzeichnisse und Lexika wichtig ist, war sie für den antiken Menschen auch die Folge der Zahlen[54], und das hatte, wie wir sahen, infolge der pythagoreischen Lehren in Altertum und Mittelalter keine bloß praktische Bedeutung. Wir hören, daß man das Alphabet an der Schule vor- und rückwärts einübte und in der Reihenfolge Α Ω Β Ψ Γ Χ usw.[55] Die Beschäftigung mit den Buchstaben war also etwas, das ein Wesentliches der Kindheit bezeichnet, und daß Kindheitserinnerungen auf assoziativem Weg zu Faktoren im religiösen Leben der Erwachsenen werden können, ist bekannt.

Albrecht Dieterich hat in seiner „Mithrasliturgie“ über das „liturgische Bild“ der Gotteskindschaft schöne Sammlungen vorgelegt. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Zeugung durch die Gottheit und Geburt aus ihr. In der spätantiken, besonders der christlichen Mystik haben auch Dinge, die mit dem Kindesalter zusammenhängen, einen religiösen Gefühlston. Christus selbst hatte gesagt: ἐὰν μὴ στραφῆτε ϰαὶ γένησϑε ὡς τὰ παιδία, οὐ μὴ εἰσέλϑητε εἰς τὴν βασιλείαν τῶν οὐρανῶν Mt. 18, 3 Lc. 18, 17. Dies Wort hat man nicht immer in seiner einfachen Tiefe verstanden. Christus fungiert bei Clemens von Alexandria als Paidagogos, als Kindererzieher. Seine Gestalt war schon zu fest umrissen, ebenso wie seine Stellung im dogmatischen System, als daß es bei einem rechtgläubigen Schriftsteller in der Zeichnung dieser Figur zu realistischen Einzelheiten hätte kommen können. Desto mehr sollen sich die Zöglinge hier als kleine Kinder fühlen. Am befremdlichsten zeigt sich das in dem langen Kapitel über die Milch im Paidagogos I 6 p. 112 P, das betitelt ist πρὸς τοὺς ὑπολαμβάνοντας τὴν τῶν παιδίων ϰαὶ νηπίων προσηγορίαν τὴν τῶν πρώτων μαϑημάτων αἰνίττεσϑαι διδαχήν.[56] Dazu haben wir jüngst in der 19. Ode Salomos eine Parallele bekommen, die uns zeigt, daß es sich hier nicht um Seltsamkeiten Einzelner handelt, für die es erst etwa in bekannten deutschen Kirchenliedern des 17. Jahrhunderts oder in Zinzendorfs Ausdrucksweise Entsprechungen gibt, sondern um verbreitete Stimmungen:

Ein Becher Milch ist mir dargebracht worden, und ich habe ihn getrunken in der Süße der Freundlichkeit des Herrn.

Der Sohn ist der Becher, und der, der gemolken ward, der Vater.

Und es melkte ihn der heilige Geist, weil seine Brüste voll waren usw.

Man ist sich bewußt, Frommes zu tun, wenn man der Gottheit gegenüber und zu ihren Ehren Kindliches tut.

Der große Gnostiker Valentinos behauptete, der Logos sei ihm in der Gestalt eines kleinen Kindes erschienen und habe ihm so seine Offenbarungen mitgeteilt (Hippolytos philosoph. VI 5, 43 p. 309 Cruice). Sein Schüler Markos deutete den Vers 2 des 8. Psalmes: „Durch den Mund von Kindern und Säuglingen hast du ein Bollwerk gegründet um deiner Widersacher willen, damit du Feinde und Rachgierige zum Schweigen bringest“[57] so, daß er das Geschrei der Säuglinge als Vokale auffaßte. So loben die Kinder Gott ebenso, wie es in Psalm 19, 1 heißt: „die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“ Diesen letzteren Vers deutete er natürlich auf die unten zu behandelnde Beziehung zwischen Vokalen und Planeten (vgl. Iren. adv. haer. I 14, 8 Manucci; Epiphan. I 3, 7 haeres. 34) und hielt das Geschrei der Säuglinge für eine Bestätigung dieser Entsprechung. Die Buchstabenspielerei in den später zu besprechenden Branchosversen gegen die Pest hält Klemens von Alexandria für einen frommen Hinweis auf die Kindheit (Stromata V 8, 48 p. 675 P.): αἰνίσσεται, οἶμαι, τὴν ἐϰ τῶν τεσσάρων ϰαὶ εἵϰοσι στοιχείων ψυχῆς γαλαϰτώδη τροφήν, μεϑ' ἣν ἤδη πεπηγὸς γάλα βρῶμα, τελευταῖον δὲ αἷμα ἀμπέλου τοῦ λόγου τὸν „αἴϑοπα οἶνον“ τὴν τελειοῦσαν τῆς ἀγωγῆς εὐφροσύνην διδάσϰει.

Dasselbe meinte Remigius von Auxerre († ca. 908) in seinem tractatus de dedicandis ecclesiis von dem Aschenkreuz auf dem Boden der neu zu weihenden Kirchen, auf welche das Alphabet geschrieben wird.[58] Auch der Kaiser Didius Julianus ließ 193 n. Chr. durch junge Knaben, die mit verbundenen Augen in einen Spiegel schauen mußten, die Zukunft erforschen.[59] Ein Knabe fungiert als Pythia bei Hippol. philos. IV 4, 1 p. 93 ff. Cruice.

So mag mancher, der schon vielleicht aus den erwähnten Gründen in den Buchstaben etwas Heiliges sah, in dieser Vorstellung dadurch bestärkt worden sein, daß sie ihm ein heiliges Stück Kindlichkeit waren. Und gerade die eifrige Erlernung des Alphabets mochte in dieser Richtung mitwirken; später wird sich zeigen, wie eine Anordnung der Alphabetreihe als mystisch bedeutungsvoll verwendet worden ist, die im Anfangsunterricht der Kinder ihre Stelle hatte. Ja, man hat auf dieser Unterrichtsstufe mit Zauberei nachgeholfen, wobei die Alphabetreihe im Sinn der hohen Anschauungen über den Ursprung der Schreibkunst als Symbol alles Wissens erscheint. Um ein Kind lernbegierig und leichtfassend zu machen, rät ein neugriechisches Zauberrezept, das ABC auf eine Schüssel zu schreiben, die für die heiligen Brote gebraucht wird, sie segnen zu lassen und die Schrift mit reinem Wein aufzulösen; das soll das Kind trinken.[60]

Notes in this chapter

Note 1 · In den „Sprüchen Hars“ (Hǫ́vamǫl): Die ältere Edda übers. Gering, Bielefeld u. Leipzig 1902 S. 105, vgl. R. M. Meyer, Altgermanische ReligioNote 2 · Dabei fällt einem der Ausdruck ἀναιρεῖν für das Orakelerteilen in Delphi ein, vgl. Heinevetter, Würfel- und Buchstabenorakel, Dissertation BNote 3 · So auch der Schreiberengel Hesekiel 9, 2, dazu Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft I (1898) S. 294 ff.: über die Tracht des ägyptischen Note 4 · Es ist sehr wahrscheinlich, daß die jüdische Vorstellung von einem himmlischen Schreiber, einem Buche des Lebens (Apc. 3, 5) babylonischer HNote 5 · In den Balkansprachen bedeutet der Ausdruck für „es ist sein Schicksal“ soviel wie „es ist ihm geschrieben“; es mag dabei auch die SternenscNote 6 · Maspéro, Histoire ancienne des peuples de l’orient classique I (1895) p. 145, 220. Brugsch, Religion und Mythologie der alten Ägypter, LeipzNote 7 · Hymnos von Ios IG XII, VI Nr. 14 Zeile 5–8; Hymnos von Andros Zeile 10 ff., dazu Sauciuc, Andros, Sonderschriften d. österreich. Instituts VNote 8 · Reitzenstein, Poimandres S. 63, 64 und 269.Note 9 · Schanawânî † 1610 n. Chr., Bl. 6 v. zitiert bei Goldziher, Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft 26 (1872) S. 782 (Flügel, CataNote 10 · Tiele-Söderblom, Kompendium der Religionsgeschichte, Berlin 1912 S. 185. Goldziher, Abhandl. d. Göttinger Ges. d. Wissenschaften 1907 S. 26.Note 11 · Weigel, Frankfurter Zeitung 14. Juli 1915, Nr. 193.Note 12 · Es stimmt gut zu den vielen Beziehungen Milets zur Kadmossage, daß hier zuerst „der Phönikier“ Kadmos als Buchstabenbringer betrachtet wird,Note 13 · Diese Äußerung Platons bekamen später die Ἕλληνες von den Christen oft zu hören: Clem. Alex. Strom. I 15 p. 357 P. S. 43 Staehlin. Euseb. PrNote 14 · Die „symbolische“ Schrift der Ägypter bei Clem. Alex. Strom. V 4 p. 657 P. und Porphyr. vit. Pyth. 12 ist das änigmatische oder anaglyphischNote 15 · Die Erzählung ist wohl eine altägyptische Legende, vgl. Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 123, Poimandres 123. Die Kritik Note 16 · Diod. I 23, 4; Hygin fab. 277; Pausan. IX 12, 2.Note 17 · Seine Gleichsetzung des Prometheus mit Thoth (Plut. de Iside et Os. 37, ebenso Istros περὶ τῆς Αἰγυπτίων ἀποιϰίας Clem. Alex. strom. I 21 p.Note 18 · Ed. Schwartz, RM 40 (1885) S. 256.Note 19 · Hermes λόγιος: Platon Kratyl. 407; Cornut. 16; Plotin Enn. 3, 6, 18; Hippolyt. philos. 5, 7; Porphyr. apud. Euseb. praep. ev. 3, 11 p. 114; Note 20 · F. Jacoby s. v. Hekataios bei PW Sp. 2756; Reitzenstein, Poim. 182, Zwei religionsgesch. Fragen 13. Auch nach Eupolemos hat Moses die BuchstNote 21 · Philon von Byblos, φοινιϰιϰὴ ἱστορία bei Eusebios praep. evang. I 10, p. 39 a. Müller FHG III p. 560 fr. 2 § 25. Reitzenstein, Poimandres 16Note 22 · Philon von Byblos περὶ τῶν Φοινίϰων στοιχείων fr. 9 aus Eus. praep. ev. I 10 p. 42 b FHG III p. 573. Reitzenstein, Poimandres 162, 2. Thoth Note 23 · Thoth erscheint außerdem noch bei Strabo p. 816. Plut. quaest. conv. 9, 3. 12 p. 738 e: daher sei ἴβις der erste Buchstabe (? noch unerklärtNote 24 · Jeremias in Roschers Lexikon s. v. Oannes III 1 Sp. 590 f.Note 25 · [29] Über Palamedes als großen Erfinder Jahn, Palamedes (1836) S. 23; Kremmer, de catalogis heurematum, Diss. Lips. 1890 p. 44; ich entnehmeNote 26 · Knaack, Hermes 16 (1881) 590.Note 27 · Schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 1. Hilgard (1901). Diese Scholien stammen nach Hörschelmann, acta societatis philol. Lips. IV (1875) p. 297Note 28 · schol. zu Dionys. Thrac. 185, 7.Note 29 · Aischylos Prom. 460 (467); schol. zu Dionys. Thrac. p. 190. 183, 16; 185, 8.Note 30 · Plut. quaest. Romanae 59 p. 278 e.Note 31 · Der Erzieher Achills nach Duris FHG II p. 473 fr. 16, schol. zu Dionys. Thrac. p. 184, 27; ein phoinikischer König nach Dosiades, s. S. 11.Note 32 · So Reitzenstein, Zwei religionsgeschichtliche Fragen 101.Note 33 · Orpheus nach Alkidamas Odysseus 24 (Dieterich, Die Grabschrift des Aberkios, Leipzig 1896 S. 34, 2); Linos als Kadmos’ Schüler nach Diod. IINote 34 · Livius I 7, 8; Dionys. Halic., arch. rom. I 33; Tac. I. I. Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici latini VI 194. Hae (sc. liNote 35 · Schol. in Dionys. Thrac. p. 185, 9.Note 36 · Ebenda p. 182, 18.Note 37 · Ebenda p. 183, 12.Note 38 · Bei ihm sind übrigens alle Erfinder aus Kreta.Note 39 · Aristoteles fr. 501 Rose = Plin. n. h. VII 57, 192: Kadmos 16, Palamedes ζυφχ, Simonides ψξωϑ, Epicharmos vielleicht ϑχ. Hygin fabul. 277, 3Note 40 · Euripides hat im Θησεύς die Buchstaben des Namens Θησεύς γρίφος-artig beschrieben, ebenso Agathon und Theodektes (Athen. X 454 bc.) ϰαὶ ΣοφοNote 41 · Aristot. metaph. XIV 6; Hippokr. περὶ ἐβδ. 541 Erm., π. διαίτης I p. 645 f. Kühn; Varro bei Gell. III 10, 2 und 16; alles bei Roscher, HebdoNote 42 · Deutsch nach Herman Schmalenbach, Das Seiende als Objekt der Metaphysik I: die erste Konzeption der Metaphysik im abendländischen Denken. DiNote 43 · Über die Siebenzahl Boll in PW s. v. Hebdomas Bd. VI Sp. 2552, wo gezeigt wird, daß die Heiligkeit einer Zahl sich dann herausbildet, wenn dNote 44 · Die Dielssche Bedeutungsgeschichte von στοιχεῖον („Elementum“, Leipzig 1899) wird in entscheidenden Punkten berichtigt durch Lagercrantz, ElNote 45 · Gegen eine verwandte Ableitung hatte auch schon Bedenken Pa.-Sabas, „Über die Mysterien der griechischen Buchstaben“, ed. Hebbelynck, MuséonNote 46 · Cumont, Textes et Monuments I 6; Dieterich, Mithrasliturgie 2. Aufl. S. 64; Diels Elementum 45; Cumont-Gehrich, Die Mysterien des Mithra² 19Note 47 · Zuerst bei Hippobotos, einem Schriftsteller des ersten Jahrh. v. Chr., der nach Diog. Laert. VI 102 von dem Hute des Menedemos, des StiftersNote 48 · Nach Diels ist dieser Wandel der Wortbedeutung auf dem Umweg über den grammatischen Gebrauch von στοιχεῖον als Bezeichnung von „Buchstabe“ eNote 49 · Schlagend spricht für Lagercrantz die Stelle in Anonymi Byz. Παραστάσεις ed. Preger (Progr. d. Kgl. Max-Gymnas. München 1898) p. 33, 12 § 72Note 50 · 16⁰-Ausgabe von 1552 S. 214.Note 51 · Man gab den Kindern Kuchen (Horaz sat. I 1, 25), elfenbeinerne Typen (Quintilian inst. I 1, 26) und Würfel, worauf das Alphabet stand (HieroNote 52 · Über das Alter des milesischen Zahlenalphabets (8. Jahrh.) s. Larfeld, Griechische Epigraphik³ (1914) S. 294 ff. Man hat aber auch mit den BNote 53 · Quintilian, inst. or, I 1, 25: Quae causa est praecipientibus, ut etiam, com satis affixisse eas pueris recto illo quo primum scribi solent Note 54 · Über Anklänge an gewisse Bräuche beim Verwandtschaftsschließen in diesem Kapitel Adolf Jacoby, Archiv für Religionswissenschaft 13 (1910) S.Note 55 · Der sich m. E. am besten erklärt, wenn man ihn mit dem Kommentar von Hitzig darauf bezieht, daß in einem Krieg ein siegreicher Feind durch dNote 56 · Migne PL 131, 851: Quid autem per alphabetum nisi initia et rudimenta doctrinae sacrae intelligi convenit? offenbar in Anlehnung an den HebrNote 57 · Aelius Spartian, vita Didii Iuliani VII 10. Über ϰατοπτρομαντία Bouché-Leclercq, Histoire de la divination, Paris 1879, I 185. Wünsch, Hess.Note 58 · Abbott, Macedonian Folklore, Cambridge 1903 S. 362. Pradel, Griechische Gebete usw. Religionsgesch. Versuche u. Vorarbeiten III, Gießen 1907
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