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Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Vom Aberglauben.

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Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!

Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche die Abergläubischen in allen Lebensverhältnissen anwenden: bei Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie, bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein Bekannten und werden schon daran genug haben.

Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel Jahre ich leben soll?

So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. – Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5, 10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger.

Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen entstanden sein:

Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte.

Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.

Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen Weiber meinen: man habe kein Glück.

Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.

Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – Rungius, im ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S. 54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan, so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb.

Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf dem Feuer stehen läßt.

Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen, wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt:

Nicht der Dreifuß, noch der Rost, Sondern eine magre Kost, Vieles Schminken, Cordoisiren, Und mit Salben sich beschmieren, Diese und dergleichen Sachen Sind es, die die Runzeln machen.

Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.

Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon. Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der Kropf bleibt am Halse. Probatum est!

Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.

Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg. Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.

Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.

Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.«

Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann erhalten werde.

Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann: was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren!

Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein Zeichen des kommenden Krieges.

Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder kriegerische Spiele vornehmen.

Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.

Der Klee (Trifolium) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur (Lusus naturæ) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein Anderer muß lange darnach suchen.

Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt hinein.

Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w. nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es müßte denn der Hoffarths-Teufel sein.

Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.

Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur, und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. Probatum est! De mirabilibus Albertus M.

Ein Jägerstückchen.

Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen.

Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden?

Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen Kopf hat, der stirbt das Jahr.

Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten dadurch oft zwei Köpfe.

Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.

Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche Ursachen angeben können.

Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses Krautes mit Nadeln durchsticht.

Das Johannis-Kraut (Hypericum perforatum) hat eiförmige und durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut fand, und es Daemonum fuga, Teufels-Scheu, nannte.

Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.

Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel besser! – Was sollte aber der arme Hase Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes begegnete!

Wenn man aus dem Hause geht oder verreis’t, soll man nicht wieder umkehren, sondern das Vergessene durch Andere bringen lassen.

Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen nicht gelingen. – Es ist zwar besser, man vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und man unterweges auf jemand warten soll, bis er das Vergessene nachbringe, so verliert man Zeit und hat oft Schaden davon.

Wenn einem am Morgen beim Ausgehen ein altes Weib begegnet, ist es nicht gut.

Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß man vielen alten Weibern Hexerei Schuld gab. Es mag einem aber ein altes oder junges Weib begegnen, die Geschäfte werden nie anders.

Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht geschmolzenes Blei ins Wasser gießt, erfährt es durch die Figuren, was der künftige Gatte für ein Geschäft treibt.

Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen Ländern getrieben, und manches gute Mädchen hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer leicht glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in den zerrissenen Stücken Blei immer gern das, was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen Mädchen in der Christnacht rückwärts ein Scheit aus einem Holzstoß, um zu erfahren, ob ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade sein werde.

Helle Christnacht, finstere Scheuern; finstere Christnacht, helle Scheuern.

Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel; wenn der Mond in der Christnacht hell scheinet, so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern voll und finster sein; wenn aber Neumond und trübes Wetter ist, sollen die Scheuern nicht voll werden. – Der alte Julianische und der neu verbesserte Kalender weichen von einander ab, folglich, da diese und andere Bauern-Regeln schon alt sind, kann es auch jetzt mit der richtigen Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit schon darin beweiset, denn einige Erfahrungen machen noch keine bestimmte Regel.

Zwischen Todten und Lebendigen soll eine Sympathie herrschen.

Wenn man dem Todten etwas von einem Lebendigen in das Grab legt, soll Letzterer nicht lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon erzählt. Aber es geht wohl natürlich zu. Derjenige, dem die Sache gehört, welche in das Grab gelegt worden, und an die Fabel glaubt, wird durch seine Einbildung sich selbst bald in das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte daran schuld ist.

Wer auf dem Acker etwas säen will, der soll den Saamen nicht auf den Tisch legen, er geht sonst nicht auf.

Wenn man Korn oder Waizen, das man zum Saamen bestimmt hat, aus Noth mahlen und backen läßt, so kommt er freilich auf den Tisch, und die Aussaat ist gehindert. Dies mag ein Spaßvogel gedacht haben, und andere nahmen es ernsthaft auf.

Wenn die Kinder schwer reden lernen, soll man ihnen Bettelbrod zu essen geben.

Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß die meisten Bettelkinder große Fertigkeit im Sprechen haben, um ihr Brod zu erbetteln, und dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere wieder bald reden zu machen!

Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu haben, nicht aus der Stube gehn.

Man glaubt, es nehme den Kindern die Ruhe. Der Ursprung dieses Aberglaubens ist schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen: Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft der Hausfrau hinderlich, und macht mehr Geräusch, als der Sitzende, wodurch das schlafende Kind gestört wird.

Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen Garbe kann man sehen, wie das Korn das folgende Jahr alle Quartale steigen und fallen werde.

Die Landleute machen folgendes Experiment: Wenn sie anfangen zu dreschen, nehmen sie die erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden worden ist), dreschen das Korn aus, und nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll Korn, streichen es ab und schütten es auf den Tisch, welches das erste Vierteljahr bedeutet. Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und schütten es wieder in das Gefäß und streichen es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen, so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr; streichen sie aber nichts ab, so wird das Korn aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber bei Messung des Korns nicht zutragen, daß man nicht immer gleich abstreicht? daß man an den Tisch stößt, und bald etwas mehr oder weniger hat? Man mache nur den Versuch zur Ueberzeugung und lasse noch Einige dies Experiment machen, – wie verschieden wird die Weissagung ausfallen!

Wenn das Jüdel die kleinen Kinder nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel etwas zu spielen geben.

Viele Weiber werden nicht einmal das Jüdel kennen, und doch treiben sie damit Aberglauben. Kleine Kinder von wenig Wochen thun oft während des Schlafes die Augen halb auf, und die Augenäpfel wenden sie in die Höhe, fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder fort, oder schreien. Wenn dieses geschieht, sagen die Abergläubischen: »das Jüdel spielt mit dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben, machen sie Folgendes: Sie kaufen, ohne zu handeln, einen kleinen, neuen, irdenen Topf mit einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes Badewasser gegossen und auf den warmen Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen und das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen finden sie kein Wasser mehr im Töpfchen und glauben, das Jüdel habe es herausgespielt, ohne zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen eingetrocknet ist. Ferner blasen sie Eier in des Kindes Brei und in die Suppe der Mutter aus, und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen Kartenblättern mit Zwirn an des Kindes Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand rasch in der Stube, daß die leichten Sachen sich bewegen müssen, da rufen die alten Weiber: Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spielt! – Welche Albernheiten! und doch geschehen sie! Das Kind aber wird fort die Augen verdrehen und lachen und weinen, ohne das Spiel des Jüdels. Man gebe dem Kinde, welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und das alberne Jüdel verschwindet gewiß.

Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.

Man soll es, wenn der Sirius sich sehen lasse, so daß Mond und Sonne einen nicht bescheinen, und zwar mit der linken Hand aus der Erde mit einem eisernen Instrumente graben. Die Griechen nennen dies Kraut Peristecon, die Römer Verbena, und wurde für ein heiliges Kraut bei den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut ist es nicht, daher wir auch das Experiment nicht machen können.

Das Osterwasser

wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und 12 Uhr, aber stillschweigend. Es soll sich lange aufbewahren lassen und, damit gewaschen, eine feine Haut machen. – Jedes Wasser, das im Frühlinge, und wenn die Sonne nicht scheint, geschöpft wird, hält sich länger und ist weicher, als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte.

Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein Delinquent gerichtet werden soll.

Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem Schranke an einem Nagel hängt, fängt an sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn auch nicht direct durch das Gericht, sondern durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode verurtheilt werde, und er und die Seinigen, welche von den Urältern her jene Sage glauben, werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch der Todtengräber und der Tischler, der Särge macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt.

Es soll gefrorne und eingeschlossene Worte geben.

Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben, daß Worte durch Kälte erhalten, oder in ein gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner Zeit wieder gehört werden können! Was für eine Kälte müßte das sein, und sollte der Mensch nicht zuerst erfrieren? Wie sollte aber auch die Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen vielleicht vom Ovid. Metamorph. L. II, 4. genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ: Midas hat Eselsohren.

Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen werden, denn es bringt Unglück.

Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger Hahn legen und von einer Kröte im Miste ausgebrütet werden soll, soll ein monströses Geschöpf, der Basilisk, entstehen, welcher sich in alten Höhlen, Brunnen und Gemäuern aufhält. Es soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt, Esaiä 59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte haben in den ältern Zeiten über dieses fabelhafte Thier geschrieben, nur Einige haben es verworfen.

Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die Menschen tödten und alles um sich her mit seinem Hauche vernichten können; so bald er sich aber selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene Weise beschrieben, da ihn wohl Niemand lebendig oder todt gesehen haben wird, außer in einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er soll die Größe eines Huhns haben, Kopf und Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm und Hals sei gelbblau, der Leib und die Flügel gelb, blau, roth und grün gesprengt, habe lange gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht stehenden, gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten Schwanz.

So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften Thiere.

Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher einen Basilisken, der in Afrika mit Feuer getödtet worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius und Dr. Wedel in Jena, beschrieben das Thier; aber nachher erfuhr Letzterer in Hamburg von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein gekünstelter gewesen sei.

Von der Todtenuhr.

Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten oder Getäfel, gleich einer Uhr in abgemessenen Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische an Unglück und Tod. Linnæus nennt diesen Wurm Termitem fatalem, und ist die bekannte Papierlaus oder Bücherstaublaus.

Von Vampyren und schmatzenden Todten.

Unter den schmatzenden Todten versteht man gewisse todte Körper, weiblichen Geschlechts, welche, wenn Seuchen grassiren, ihre Grabtücher, Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken und dabei schmatzen und, so weit sie mit dem Munde reichen können, alles verzehren. Und dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen den Daumen nicht aus der Hand gethan, oder den Mund nicht unbedeckt gelassen.

Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe kann nur von einem lebendig Begrabenen oder von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende Erzählung beweiset, herrühren.

In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf dem Gottesacker hören. Es kamen viele Menschen, um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin. Sie hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus dem das Schmatzen seinen Ursprung haben sollte, bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung junger Eulen sei, die in einem Mauerloche der Kirche, welche nahe dabei war, befindlich waren.

Die Vampyren oder Blutsauger.

Sie haben mit den obigen Verwandtschaft. Man versteht darunter todte menschliche Körper, welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch tödten sollen. Unter den Raizen, Serviern ist dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl und verbrennt den Körper.

Die ominöse Zahl 13.

Vernünftige Personen haben noch jetzt den Aberglauben, mit 13 Personen nicht an Einem Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen möchte in wenigen Monaten eine Beute des Todes werden. – Dies kann immer geschehen, ohne daß die arme Zahl daran schuld ist.

Exorcismus.

Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten Exorcisten, namentlich die Jesuiten, Kapuziner u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen herplauderten, verstanden, und daß dieselben eine Kraft haben sollen? – Man höre nur die barbarischen Worte: Theos Patir Heminas per Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa, Gebeche Banai Grabiai Elomnit u. s. w.

Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden ist.

Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen hat, kennen zu lernen, macht der Abergläubische mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall, melkt die Kuh, indeß er das Eisen glühend macht, gießt dann die Milch in das Loch, und buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis die Hexe kommt, welche, wie er glaubt, während diesem Buttern so sehr gepeinigt wird, daß sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst kommen, und etwas verlangen, um dadurch das Buttern zu verhindern. Man macht daher den Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht herein kann. Mancher ist dadurch in den Hexenverdacht gekommen, daß er zufällig gerade zu der Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei getrieben wurde.

Das Mutisheer.

Es soll eine Menge Kinder sein, welche in den Wochen gestorben, ehe sie zur heiligen Taufe gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im Himmel aufgenommen zu werden, und hielten sie sich bald da, bald dort unter vielem Winseln und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es der Pöbel gehört haben. – Im Virgil Aen. VI. v. 435. steht etwas ähnliches.

Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang erfahren will, muß man die Bibel von ungefähr aufschlagen; was man zuerst erblickt, daraus entdeckt man das Gesuchte.

Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung widerlegen.

Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er eine mit Dornen und Stechbeeren bewachsene Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige Schrift den Anspruch bestimmen und traf auf die Stelle Jeremiä 10, 19: Ich denke aber, es ist meine Plage, ich muß sie leiden. So unterblieb das nützliche Vorhaben.

Das Nasenbluten zu stillen.

Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen und diese in der Hand gehalten, bis sie erwarmt, stillt das Nasenbluten. – Dieses wird von selbst geschehen, wenn man so lange Zeit wartet.

Der Haselstock thut Wunder.

Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig, oder ein kleines Stück Fleisch an einen Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht, dreht sich der Stock von selbst über den Kohlen. – Dabei ist aber weder der Vogel, noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht sich von der Hitze natürlich zusammen und – dreht sich.

Vom Alpdrücken.

Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel selbst, oder irgend ein Gespenst sein. Er kommt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer, wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl gar herab und peinigt den Schlafenden. – Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im Körper ein Zusammenziehen der äußern Theile, krampfhafte Zufälle, Erstarrung u. s. w. Vollblütigkeit, das Liegen auf dem Rücken, das niedrige Kopfliegen, Ueberladung des Magens erwecken jene ängstlichen Träume und – das Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd. S. 180 ff.)

Heilung einer Fistel.

Dr. Joh. Dolæus erzählt in den Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch- und botanischen Abhandlungen Tom. V. Wahrnehm. LXI.:

Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten Fürstin von Nassau-Diez aufhielt, so erzählte mir der berühmte Dr. Geilfuß, es seie ihm jemand bekannt, der lange Zeit an dem Schenkel mit einer Fistel beschwert gewesen, woraus verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen Papier, Haare u. s. w. hervorkamen. Man habe vielerlei Arzneien, aber vergeblich, gebrauchet; endlich habe sich ein Mensch, den der Pöbel für einen Zauberer hielt, angegeben, und das Geschwür in Kurzem zu heilen versprochen. Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt, so habe er ein aschfarbiges Pulver in die Wunde gestreuet, und blos dadurch den Kranken in wenig Tagen geheilet. Dr. Geilfuß versicherte mir, es sei dieses Pulver nichts anderes, als Asche von einer verbrannten Hexe gewesen.

Solche Dinge glaubten damals auch gelehrte Männer!

Dritte Abtheilung.

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