Erzählungen
Reading edition
von
Geister- und Gespenster-Erscheinungen,
mit hier und da
eingestreuten natürlichen Erklärungen.
Verba movent, Exempla trahunt.
Das Gespenst im Hause.
Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252. erzählt seinem Freunde Sura eine Geschichte von einem Hause in Athen, welches von einem Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt worden, und hätte leer gestanden, bis endlich der Philosoph Arthenodorus hineingezogen, den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in den Hof gefolgt, wo er verschwunden sei. Den Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit angezeigt und aufgraben lassen, wo man denn die Gebeine einer Person gefunden hätte, welche in Ketten gelegen, und die er habe begraben lassen; worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden wäre.
Mehrere Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben, obgleich er selbst sagt, ex ponam ut accepi (daß er das Erzählte gehört habe), und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen!
Anzeigen des Todes.
I.
Der Rektor Gottfried Vockerodt in Gotha, der 1727 starb, hinterließ einen Sohn, welcher in Halle studirte. Dessen Mutter und Schwester wohnten noch in Gotha. Einstmals, da beide in der Stube sitzen, hören sie, daß jemand mit starken Schritten die Treppe herauf kömmt. Die Mutter geht hinaus, und erblickt ihren Sohn, der sich vor sie stellt, aber zu ihrem Schrecken eine große Wunde in der Brust hat, aus der das Blut hervorströmt. Da sie ihn anreden will, sinkt er vor ihr nieder und verschwindet. Am folgenden Tage erhält sie durch einen Boten die Nachricht, daß ihr Sohn um dieselbe Stunde, da er ihr erschienen war, auf der Saalbrücke in Halle erstochen worden sei.
Diese Erscheinung ist wegen der dabei eingetroffenen Umstände, als wichtig für den Geisterglauben, anzusehen; jedoch ebenfalls, wie alle andern, wo historischer Beweis der Thathandlung und die Glaubwürdigkeit der Zeugen fehlen, widerlegbar. Auch sind vorhergegangene Umstände der Mutter nicht berührt worden, welche fähig gewesen sein können, diese Vision zur Wirklichkeit zu bringen. Konnte nicht ein Landsmann der Mutter kurz vorher von ihres Sohnes bevorstehendem Duell Nachricht gegeben haben, und sie sich mit gewissen Vorstellungen gequält, bis sie jene Vision hatte, zu welcher Zeit ihr Sohn zufällig erstochen wurde. – Warum erschien das Gespenst nicht sogleich in der Stube, und machte erst Geräusch eines Kommenden, das die Mutter dann allein sahe?
II.
Dr. Jung, genannt Stilling, erzählt in seiner »Theorie der Geisterkunde, Nürnberg 1808.« eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser sonst würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie gezeigt, daß er ein Schwärmer und der abergläubigste Kopf sei; er hat alles frischweg geglaubt und so leider! dem Publikum wieder gegeben. – Seine Wahrheit sucht er besonders auf Glaubwürdigkeit der Personen zu stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst geschehen ist. Von vielen solchen abergläubigen und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie ein Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten Schaden nur bringen können, wollen wir die wichtigste herausheben, welche nach der Erzählung des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes von Seckendorf hier notirt worden ist.
König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Vater König Friedrichs II., stand mit dem König August II. von Polen in so freundschaftlichen Verhältnissen, daß sie einander, wenn es möglich war, wenigstens einmal des Jahres sahen. Dies geschah auch noch kurz vor dem Tode des Letzteren. Derselbe schien sich damals ziemlich wohl zu befinden, nur hatte er eine etwas bedenkliche Entzündung an einer Zehe. Die Aerzte hatten ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken sehr gewarnt, und der König von Preußen, welcher dieses wußte, befahl seinem Feldmarschall von Grumbkow (der den König bis an die Grenze begleitete und ihn dort in einem königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß alles sorgfältig vermeiden möchte, wodurch die dem König von Polen aus erwähnter Ursache von den Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung im Genusse des Weines überschritten werden könnte.
Als aber König August noch gleichsam zu guter Letzt einige Bouteillen Champagner verlangte, so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst liebte, nach, und genoß dessen auch seiner Seits so viel, daß er sich, indem er über den Hof des königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an einer Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich daher in einem Tragsessel zum König August bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm noch einige Aufträge an König Friedrich Wilhelm geben wollte. Hierbei war der König von Polen, außer einem vorn geöffneten Hemde, nur mit einem kurzen polnischen Pelz bekleidet.
In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen Augen erschien er am 1. Februar 1733 früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall von Grumbkow und sagte zu ihm:
Mon cher Grumbkow! je viens de mourir ce moment a Varsovie.
Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches damals noch wenig Schlaf gestatteten, hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner Nachtlampe und durch seine dünnen Bettvorhänge, bemerkt, daß sich die Thür seines Vorzimmers, worin sein Kammerdiener schlief, öffne, daß eine lange menschliche Gestalt herein komme, in langsam feierlichem Schritt um sein Bett herumgehe, und seine Bettvorhänge schnell öffne. Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so, wie Letzterer nur wenige Tage vorher lebendig vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige Worte gesprochen hatte, wieder zu eben der Thür hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener: ob er den nicht auch gesehen habe, der so eben gerade da herein und hinaus gegangen sei? – Der Kammerdiener hatte nichts gesehen.
Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang an seinen Freund, den damals bei König Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl. königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen von Seckendorf, und bat letzteren, die Sache dem König mit guter Art bei der Parade zu hinterbringen. Bei dem Gesandten von Seckendorf befand sich, als ihm das Grumbkowsche Billet schon früh um fünf Uhr zukam, dessen Schwestersohn und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf, nachheriger Brandenburg-Anspachscher Minister, und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath. Jener sagte zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen darbot: sollte man nicht denken, die Schmerzen hätten den alten Grumbkow zum Visionär gemacht? Ich muß aber den Inhalt dieses Billets noch heute dem König hinterbringen.
Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre) langte durch die von Warschau bis Berlin von drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen Uhlanen und Preußischen Husaren die Nachricht in Berlin an, daß der König von Polen in der nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei.
Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der Verf. fort, beruht auf der Glaubwürdigkeit solcher Personen, an deren Kopf und Herz zu zweifeln Verbrechen sein würde. Sie ist also gewiß! –
Können denn große Herren nicht auch Visionen, wie ein anderer gemeiner Mann, haben und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte nicht schlafen, seine Schmerzen rührten von dem übertretenen Befehl her, keinen Wein dem König von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß genossen hatte. Er dachte natürlich an den schon kranken König, welches Uebel ihn ergriffen haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen Idee bei ihm, die Einbildung wirkte mit, und die Erscheinung läßt sich durch die Sinnen-Täuschung, wie alle übrigen, natürlich erklären. Und des Königs Tod zur selbigen Zeit giebt blos der Erzählung einen Anstrich von Wahrheit, doch keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des kranken Grumbkow fehlen.
Das Sehen seiner selbst.
Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Rostock der Professor der Mathematik und Hauptpastor an der Jacobikirche, Becker, in Gesellschaft verschiedener guter Freunde, die er bei sich bewirthete, in einen theologischen Streit gerieth, indem er behauptete, daß ein bestimmter Gottesgelehrter in seiner Schrift eine gewisse Meinung hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte er sich und ging in seine Bibliothek, um das Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst auf dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich zu sitzen pflegte. Er ging näher und sah über die rechte Schulter des Sitzenden, bemerkte auch, daß dieses sein anderes Selbst mit einem Finger der rechten Hand auf eine Stelle der vor sich liegenden aufgeschlagenen Bibel wieß, und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein Haus, du mußt sterben. – Voll von Gedanken ging er zurück und kam mit einigem Tiefsinn zur Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob man ihm schon die Sache auszureden, auch alle nachtheilige Bedeutung kraftlos zu machen bemüht war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung, es würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten, daher er auch von seinen Freunden Abschied nahm. Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen 6 Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen Alter. –
Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die, wenn sie auf diese oder jene Art angegriffen werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes geschieht, das Bild eines Gegenstandes, der außer uns nicht wesentlich da ist, in uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen Gehirn also beschaffen ist, einige Schritte von sich ein Phantom zu erblicken glaubt.
Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel wegen einer Leichenpredigt aufgeschlagen und sich jene Stelle lebhaft eingeprägt, die er aber nachher wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem Alter war. Da er nun, wie Andere in ähnlichen Fällen, eine Vision seiner selbst erhielt, so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten jene Stelle wieder einfiel und auch diejenige Stellung wieder darstellte, in der er sonst, wenn er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle Leute von schwachem Gesichte es häufig thun, die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße Lebhaftigkeit und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den wichtigen Inhalt dieser biblischen Stelle mußte nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung des Nervengeistes, die der Stärke der Vorstellung entsprach und gemäß war, zum Begleiter haben, so wie die vergesellschaftete Idee von seinem ehemaligen Sitzen und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften Einbildung, sich seiner Seele in einem großen Lichte darstellte, womit ebenfalls derjenige Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in den Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu sein pflegt, wenn man außer sich ein Weisen mit dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket. Becker war nun in banger Erwartung; Furcht und Angst ergriffen ihn, und sein alter schwächlicher Körper wurde zerrüttet.
Vom Doppelsehen.
Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen, Heiraten, Begräbnisse, Streitigkeiten, Schlachten u. s. w. sehen. Auch sollen sie Geister sehen können. Diese Art Menschen müssen also nebst dem ordentlichen Gesicht noch ein außerordentliches Nachgesicht haben, und solche Doppelseher soll es besonders in Schottland gegeben haben.
Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was geschehen wird: z. B. einen Mann ohne Kopf, welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie einen Menschen mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, so bedeutet es dessen unverhofften Tod. Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie einen Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese Doppelseher, wenn die Sache wichtig ist, schwitzen, zittern und schreien; andere Zeit lachen sie wieder.
»Aber,« bemerkt der Autor, Joh. Beaumont, in seinem historisch-psychologisch- und theologischen Traktat von Geistern, Hexereien u. s. w. – »die Personen, welche diese Gabe besitzen, sind, wie man angemerkt, mehrentheils lasterhaft.« – Ueberhaupt sind die Doppelseher leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals Betrüger. –
Die Pferde und Hunde sollen auch die wandelnden Geister, Hexen und Gespenster sehen und – riechen. –
Beaumont erzählt folgende zwei Geschichten von Doppelsehern:
Eine Person von großer Gelehrsamkeit und vornehmen Stande reis’te einst mit vielen Dienern auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von ihnen ging etwas voraus, und indem er in ein Haus treten wollte, prallte er mit einem Schrei und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über einen Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was es gäbe? Da entgegnete er mit ernstem Gesicht: Man solle nicht in das Haus gehen, weil in kurzem ein Todter herausgetragen werden würde, denn verschiedene Personen, die solchen trugen, wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr lachte über diese Geisterseherei und ging in das Haus, erkundigte sich aber doch, ob eine kranke Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder Highländer. Aber nichts destoweniger starb er am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende das Haus verlassen hatte.
Die zweite Geschichte ist folgende:
Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen Familie befanden, erzählten dem Autor, daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei Mannspersonen zur linken Hand stehen gesehen hätten. Sie nannten die Herren und zweifelten nicht, da diese gleichen Standes wären, die Tochter werde einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht den andern nach des Ersten Tode. Endlich erschien noch ein Dritter, der der Tochter am nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht, ob sie ihn schon genau beschreiben konnten. Nach einigen Monaten erschien der Dritte in wirklicher Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf die Tochter, und beide leben auf der Insel Skye (nämlich im 16. Jahrhundert).
Der Poltergeist.
Manches Gespenster-Blendwerk würde sich in der wahren Gestalt zeigen, wenn ein unerschrockener Muth, dasselbe genau zu untersuchen, sich demselben näherte.
In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit von Breteuil, bemerkte man ein oft wiederholtes Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob das ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich ein schreckenvolles Geheul hören ließ. Doch ereignete sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den Tag Aller-Heiligen. Diese Beunruhigung erregte eine solche zaghafte Furcht, welche verursachte, daß Niemand den Muth hatte, diesen Ort zu bewohnen, bis auf den Pachter, der so glücklich war, von diesem Geiste nicht im Geringsten beleidigt zu werden, dahingegen Fremde, die dreist genug waren, daselbst zu schlafen, mit Schlägen so empfangen wurden, daß man die Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen konnte. Dieses Geisterspiel dauerte verschiedene Jahre, und that dem Besitzer, einem Präsidenten, beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter sein Landgut um einen sehr geringen Pacht überlassen mußte. Endlich bot er alle seine Kräfte auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür er die Sache mit vollem Rechte hielt, ein Ende zu machen. Daher reiste er um diejenige Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist geschäftig zu beweisen pflegte. Er legte sich in seinem Schlosse zu Bette, und gesellte neben sich noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die den ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten Lärm mit Pistolen auf den Geist Feuer zu geben. Allein nur in einer Kammer, die über des Präsidenten seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse und Lärmen, das dem Herumschleppen mit Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten und beunruhigten ihn mit eifrigen Bitten, er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen, weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge. Ihre Erzählungen und ihre Bitten bewog die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen, sich nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere Untersuchung ihnen zu überlassen. Sie gingen auch Beide hinauf, mit der Pistole in der einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs sahen sie nichts, als einen dicken Rauch, nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist in der Mitte sich in ganz schwarzer Gestalt darstellte und allerhand Sprünge machte, doch aber, wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und Dampfes, sich gar bald den Augen der Zuschauer wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf dem Kopfe und einen Abscheu erregenden Schweif, so daß auch der eine Edelmann zur Retirade anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden sei; der andere war jedoch beherzter und erwiederte, der Rauch sei von Stückpulver, und die große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes erhelle schon daraus, daß er nicht einmal die Kühnheit und Macht habe, die Lichter auszublasen. Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges los, mußte aber dennoch mit einiger Verwunderung wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung blieb und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn setzte, wodurch der Edelmann beinahe aus seiner Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich und ging dem Gespenste näher auf den Leib, um durch den Sinn des Gefühls mehreren Aufschluß in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und Berühren auszuweichen suchte. Da er nun zu nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus und eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann leicht denken, daß diese Flucht des Edelmannes Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden Siege Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem Feinde nachsetzte, und der mannichfaltigen krummen Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor, bis der Geist an einen Maierhof kam, den er offen fand und darin seine Zuflucht suchte. Doch stürzte er erst gegen die Mauer, wo der Edelmann selbigen zu erhaschen glaubte, obschon vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute herbei, die an dem Orte, wo das Gespenst verschwunden zu sein schien, nachgraben mußten, wo er dann bald eine Thür zu einem verborgenen Gange gewahrte. Er stieg hinunter und fand seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten, daß man nicht hart fallen konnte, wenn man übereilt hineinsprang. Nun jagte er das Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit heraus zu gehen. Und siehe, es war der Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse wirkungs- und kraftlos machte. Er wurde hierauf mit der Bedingung entlassen, daß er seinem Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte.
Herr Dr. Jung tischt uns noch eine andere Geschichte eines Poltergeistes auf, wobei er, wie in seinem ganzen Werke, als eifriger Vertheidiger der Geister-Erscheinungen, Erklärungen giebt, welche dem gesunden Menschenverstand das Grab bauen müssen.
Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen, sagt er, die das ernste göttliche Gericht auf lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen zum warnenden Beispiel, auf der Grenze zwischen dieser und jener Welt zu verweilen, bis ihr ewiges Schicksal entschieden ist (sic!).
Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger und Handwerksmeister in einer Stadt schrieb mir vor ein Paar Jahren eine merkwürdige Geister-Erscheinung, die einem seiner Freunde begegnet, aber mit der es noch nicht ganz im Klaren ist, weswegen ich sie auch hier nicht ganz erzählen mag. –
Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem Brief einer Geschichte, die er selbst erlebt hat; ich bat ihn, mir diese ausführlich mitzutheilen; hier folgt sie mit seinen eigenen Worten:
Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem lieben unvergeßlichen Meister *** in *** in Arbeit, allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen zubrachte, ehe ich mich in die Schweiz, und zwar nach Basel in Arbeit begab. Da ich nun von Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen schwachen Spuren) gesehen hatte, so war ich Tag und Nacht nicht furchtsam, sondern jederzeit und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken. Da geschah es nun öfters spät in der Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer etwas zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch jedesmal im Finstern, für mich und meine Nebengesellen, gern verrichtete, und ich kann wohl sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch aber schon gehört hatte; das schrieb ich denn, weil ich von nichts wußte und von nichts wissen wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien, den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so mögen ungefähr fünf Wochen verflossen gewesen sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne ein Licht mitgenommen zu haben, von meiner Schlafkammer wieder herunter in die Stube kam, daß unsere damalige Magd D.... von St.... zu lächeln anfing, und dabei sagte: der L.... fürchtet sich doch nicht; geht doch einmal kecklich auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es wird ihm anders kommen, wenn ihm einmal unser Sackträger begegnet, oder sich recht hören läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich weiter nichts; übrigens ging mir doch ein großes Licht über die Furcht auf, die man für den Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies nämlich niemand einzeln, geschweige ohne Licht, außer mir, wagte. Daher merkte ich bald, daß man da ein Gespenst ahnen müsse.
Nun war aber meine Spannung, so etwas auch zu sehen, oder von der Art, gründlich zu hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache erfahren hatte. Nun waren die Osterfeiertage vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus, daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und wirklich geschah es auch; denn als ich einmal mit meinen Nebengesellen des Nachts in die Schlafkammer ging, so fing es über derselben, also auf dem vierten Boden (denn unsere Kammer war drei, und dieser Boden vier Treppen hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von jeher die meisten Unruhen gespürt worden waren, ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen, gerade so, als wenn einer ganz matt und mühsam in alten Pantoffeln einherschleicht, und in der Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während diesem waren alle drei Gesellen im Bett, und mein Schlafkammerad schlüpfte indessen so unter die Decke hinunter, daß nichts von ihm bemerkt werden konnte, ich aber behorchte die Sache genau und athmete kaum hörbar. Da sich nun das Geschlürfe von hinten her bis über unsere Bettstellen gezogen hatte, so that es auf einmal einen so fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere Bettstellen zitterten. Es war just ein Fall, als wenn einer, von der Last gedrückt, einen schweren Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen. Ich muß gestehen, daß ich noch nie einen solchen schauerlich dumpfen Fall gehört habe; unterdessen dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang fort, ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein Nebengeselle, der unter der Decke steckte, an, und sagte ganz leise: Du wirst verstehen, warum wir Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete ich laut, den will ich aber auch sehen, ehe ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht! sei doch still, Du machst uns alle noch unglücklich! Ich lachte, und war gerade im Begriff, aus dem Bette und hinauf zu steigen, aber er hielt mich und bat um alles willen, doch stille zu sein und bei ihm zu bleiben. Dies that ich ungern, doch nahm ich mir vor, es zu thun, wenn alle schlafen würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich schliefen wir ein.
Des andern Morgens erzählten wir unserm Meister, was sich die Nacht zugetragen und was ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte es ohne Verwunderung an, und sagte mit einem besondern Nachdruck, der ihm ganz eigen war: Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind in unserm Hause nichts Neues, und waren einst die Ursache, daß es mein Großvater kaufen konnte. Er war aus M... in H... und auf der Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann einige Jahre zubrachte, ehe er sich entschloß, hier zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann, war deswegen ausgezogen, und gesonnen, es dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater, ein religiöser und unerschrockener Mann, benutzte diesen Umstand und ging hin, es zu kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel, daß er es selbst besehen konnte; aber er selbst ging nicht mit, sondern überließ es ihm sogleich käuflich um einen sehr geringen Preis und erzählte ihm, warum das Haus so ins Unglück gekommen und was ihm von den Vorfahren her gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von denen einer noch diese Stunde im Hause umherschwebe und des Nachts, besonders auf jenem Boden, die Menschen beunruhige. Die Ursache, warum? habe bisher Niemand erfahren können; aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters könne er in dem Hause selbst, so wie auch an den daran gebauten, wahrnehmen, z. B. Klostergemälde, Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren; und wenn er hinter dem Ofen in der mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle erst diese Stube gemacht worden sein. (Dies alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie Ihr selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen hinderten meinen Großvater nicht; er zog ein und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von ihm, daß sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und ein solcher Fall im Hause habe hören lassen, aber so öfters und so heftig sei es damals nicht gewesen, auch habe er und die Seinigen nie etwas zu Gesicht bekommen, und schon damals war dem Unruhmacher der Name Sackträger gegeben worden. Unter diesen Umständen starb mein guter Großvater, und mein seliger Vater bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas lauter.
Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens ***, das untere Stock zur Wohnung. Da dieser nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem Ofen stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte, hörte er endlich das schmale Gänglein herauf, das von der großen steinernen Kellertreppe in den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein leises Schlürfen, das ihm die nahe Ankunft eines lebenden Wesens verkündete und auch wirklich nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen, mit einer Kutte und einer ziemlich schwarzen Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen ihn herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu bleiben und etwa sein Begehren anzuhören, erschrak so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh, alles verschloß und verriegelte, sein Brod im Ofen stecken und, weil er vor hellem Tage nicht heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ. Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause. Hernach hat ihn in eben dieser Gestalt auch unser, auf diesem Boden wohnender Hausherr, der Weber gesehen, gerade als er die Steige des dritten Bodens auf den vierten hinaufschlich. Auch liegen des Webers Gesellen, die neben Eurer Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen Beunruhigungen willen, nicht mehr droben, sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch so ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer steht auch leer bis diesen Tag. Dieses ist es, sagte mein guter Meister, was ich von diesem Umstand zu reden weiß. Das war mir aber einstweilen schon genug, ich kannte ihn, daß er mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt war, sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen wäre, lieber nichts daraus gemacht hätte. Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich nun auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er nur nicht frech, wir wollen Ihm gewarnt haben. Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis ich wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören, allein es geschah nicht alle Nacht, sondern sehr unbestimmt.
Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines lieben Meisters seliger Bruder, ein Zeugmacher, der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank, und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger ließ sich der Geist oben auf der Bühne hören, so daß ich über dem Anhören dieser übernatürlichen Bewegungen, Tönen und Fallen manche Stunde schlaflos zubrachte[28]. Dies sagten wir dann unserm Meister, dem ging es diesmal mehr zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte, besonders aber, als vollends mein Nebengesell, der Schaden an seiner Gesundheit angab, gehen wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich konnte, und er blieb dann auch wirklich bis folgende Weihnachten. Aber die Krankheit des lieben seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende und ging ein zu seines Herrn Freude. Ich war bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind und bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle tragen in die dritte Kammer von der Stube abwärts, wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen entzogen wurde. Des Abends, da ich vorher manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit meinem Nebengesellen zu Bette; aber was geschah? Jetzt ließ sich der Geist auf eine solche Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn ich daran denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt, so fing es wieder an, von hinten schwer und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die Decke, allein diesmal nützte es nichts, denn diesen Vorgang hörten alle, weil es gleich darauf einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that, daß wieder alles zusammen zitterte. Ich behorchte es genau, und hörte, daß es nun eine Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s, als sich nach derselben ein Mark und Bein durchdringender hohler Seufzer hören ließ; diesen zu beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten, daß kein Mensch und keine Kreatur einen solchen kläglichen, trauer- und schauerlichen Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen, war es, wie wenn ein schwer Gefallener sich wieder allmälig aufzuraffen suchte und doch nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff des Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht und eine Pause wieder ohnmächtig da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern und dann wieder auszuglitschen, und darunter hinein die fürchterlichsten Seufzer hören zu lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören, und das Nämliche ließ sich auch in der zweiten Nacht hören.
Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften Menschen hätte geschehen können, denn, wie gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und aus dem Hause wäre um alles in der Welt Niemand auf den Boden gegangen, und von außen konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des seligen Mannes sagten wir unserm Meister nun, was sich in den verflossenen Nächten ereignet habe. Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er erzählte die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath *** und dann auch dem Herrn Hofkaplan ***, besonders aber bezog er sich auf die letzten Unruhen. Allein diese ließen sich auf die Sache nur in so weit ein, daß sie den Schluß machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder so selig in jene Wohnungen übergegangen, es diesem noch unseligen Geiste sehr schmerzen müsse, daß er auf diese Weise noch hier schweben solle, das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die außerordentliche Unruhe über den Heimgang seines seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß er sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus sei zu schließen, daß seine Erlösung noch ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend, weil er auf diese Art so bald keinen Ausgang hoffen durfte.
Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden, des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er, gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich, daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war; aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen. Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre. – Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht; und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w. aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen, was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang, der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun; – aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr 4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich; ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens; auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere, aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem Esse ist, doch sich nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses Seculi, und bei dem Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w.
So weit dieser liebe, verständige und gottesfürchtige Freund. –
Zu dieser Spukgeschichte müssen wir nun auch noch einige Erklärungen des Herrn Dr. Jung hinzufügen.
»Als ein frommer, begnadigter Mensch hatte er, da auch seine Absicht recht und gut war, nichts zu fürchten, ausgenommen da, als er die Rebenbüschel auseinander riß und also wahrscheinlich die Dunsthülle des Geistes mit seinen Händen durchwühlte; dies hätte bösartige und gefährliche Geschwüre verursachen können, die ihm das Leben gekostet hätten. Indessen scheint mir dieser Kapuzinergeist kein bösartiges, sondern vielmehr ein bedaurungswürdiges, schwer leidendes Wesen zu sein, das noch Hoffnung zur Seligkeit haben kann; folglich ist auch seine Dunsthülle nicht entzündet und giftig. Es kann aber auch sein, daß er in dem Augenblicke, als er wie ein grauer Schatten in den Reißern sich verlor, seine Hülle verließ und in sein Element zurückkehrte.«
Aus dieser Erklärung ergiebt sich, daß Herr Dr. Jung frischweg die obige Erzählung und Geistererscheinungen glaubt; allein eine solche Erklärung hätte man in unserem Jahrhunderte nicht erwartet.
Der Verfasser bemerkt ferner: »Es ist merkwürdig, daß sich der Geist zwei Mal in seiner Kapuzinergestalt hat sehen lassen; vielleicht hoffe er mit dem Bäcker oder Weber reden zu können, nahm daher sein gewöhnliches Kostüm an und machte sich sichtbar. Aber warum zeigte er sich dem Handwerksgesellen nicht, der ihn doch so gern gesehen und mit ihm gesprochen hätte? – Antwort: Weil er sich für diesen muthigen frommen Menschen fürchtete; – vielleicht hatte dieser auch die Eigenschaft nicht, daß er ohne Gefahr auf ihn wirken und sein Ahnungsorgan entwickeln konnte.«
Und so schwärmt der Verfasser fort und Gotterbarmt über den jetzigen Unglauben an Geistererscheinungen. Heißt dies nicht die vorige Dunkelheit wieder hervorrufen?
Die ganze obige lange Erzählung ist ein Märchen, wie so viele andere, wo Geister in gewissen Häusern spuken sollen und die Betrogenen die Absicht des Betrügers selten finden. Ein furchtsamer Mensch bleibt in keinem Hause, wo es spuken soll, und verkauft es lieber unterm Preis. Alle sogenannten Spukereien entstanden, wenn man genau untersuchte, entweder aus natürlichen Ursachen, oder waren Betrug. – Dr. Jung sagt ja selbst, der Geist habe sich vor dem Gesellen, weil er so muthig gewesen, gefürchtet. Dieser, als er noch nichts von dem Geiste erfahren hatte, dachte sich beim Gepolter Katzen, Ratten und Mäuse; aber wie er von dem Sackträger hörte, gab ihm seine Einbildungskraft eine andere Richtung und er hörte mehr.
Es wäre hier unnütz, das ganze Märchen zu zergliedern, das jeder Vernünftige erkennt und in die Spinnstuben und Herbergen gehört.
Das Glockengeläute.
Baxter in seinem historischen Discours von Erscheinungen und Hexen erzählt unter andern Albernheiten auch folgende:
Bei Herrn Harlakenden in Essex, in der Priorie, welches Haus vormals dem Grafen von Oxford gehörte, stand neben dem Hause ein gewölbtes Begräbniß, über welchem eine Kammer war. In dieser schliefen zwei seiner Diener, der Schenk Robert Crow, und William sein Kutscher. Bei diesen ließ sich alle Morgen um zwei Uhr der Klang eines Glockengeläutes hören. Da sie nun dieses bekräftigten, legte sich am Abend der Herr zwischen seine Diener schlafen, um seine Neugierde zu befriedigen. Als es zwei Uhr schlug, ließ sich der gewöhnliche Klang einer großen Glocke, die geläutet wurde, vernehmen, welches ihn so in Furcht und Schweiß setzte, daß er seine Diener stieß, welche erwachend sagten: Hört, der Henker hat einmal sein Spiel! – Dieses brachte ihn wieder zu sich selbst, da er sie reden hörte. – Bei einer besondern Gelegenheit brachte Herr Thomas Shepherd nebst einigen andern Kirchendienern und frommen Leuten eine Nacht im Gebet daselbst zu, indem er einige Absicht auf den Ort hatte, und Gott diente, um den Teufel zu vertreiben. Und von dieser Zeit an wurde niemals wiederum dergleichen Getöse in der Kammer gehört. – Der Herr Urian muß großen Respekt vor Herrn Shepherd gehabt haben, sogleich abzuziehen. Seltsam ist es, daß nur die Diener, und zwar nur in ihrer Kammer das Geläute hörten.
Eine ganz gewöhnliche Gespenster-Geschichte!
Zwei Gespenster-Geschichten.
I.
Die Stuttgarter Zeitung vom 26. August 1783 erzählt folgendes. Kaiser Joseph soll auf seiner letzten Reise in Siebenbürgen einen Ort angetroffen haben, wo man sehr vieles von fürchterlichen Gespenstern, die unweit davon eine große Strecke Gebirges unzugangbar machten, mit viel Glaubwürdigkeit erzählte. In Begleitung des Ortsrichters reisten Se. Majestät dahin, und der General Graf Kolloredo erbat sich die Ehre, voraus zu steigen und den Augenschein vom Gespenste einnehmen zu dürfen, um Sr. Majestät nicht etwa der Gefahr der Hinterlist auszusetzen. Wirklich kam dieser mit der Nachricht zurück, daß er auf dem vom Richter angezeigten Plätzchen einen altfränkischen Ritter gesehen habe, der ihm sehr ernsthaft und bedeutend mit der Hand das Zeichen gab, sich zurückzuziehen. – So was muß ich doch selbst sehen, rief der Monarch, und ging hastig mit seiner geringen Begleitung dahin. Der Ritter winkte freilich wieder zum Abzuge; allein der Monarch war festen Schrittes so lange vorgerückt, bis man einander verstehen konnte, und nun sagte er: »Ich bin Kaiser Joseph! Wer seid Ihr?« Auf den Knieen und mit herabgenommenem Visir antwortete der Ritter: Ich bin ein Räuber, Ew. Majestät! – »Was macht Ihr hier?« – Mich trifft heute die Vorwache. – »Wie viel sind Euer?« – Beinahe gegen 300 Mann. – »Und warum arbeitet und dienet Ihr nicht lieber, als daß Ihr so ein Schandleben führet?« – Wir sind lauter Unglückliche, Ew. Majestät! die größtenteils gut erzogen wurden, und nachher so ins Elend sanken, daß uns nichts mehr übrig war, als Hungers zu sterben oder zu stehlen. Wir morden Niemanden, und rauben bloß so viel, als wir zum Unterhalte nöthig haben, freuten uns auch schon lange Zeit, Ew. Majestät im Türkenkrieg zu dienen. – »Ich will Euch ohne Krieg Brod geben!« versetzte der Kaiser, und hiermit verließ er getrost den Kerl.
II.
Der oben erwähnte Dr. Jung erzählt folgende Erscheinungs-Geschichte, die ihm von einem sehr frommen Prediger zugeschickt worden. Der Verfasser spricht folgendermaßen:
Hier erfolgt die getreue Abschrift seines mir anvertrauten Aufsatzes:
Copia eines mir auf meine oft wiederholte Bitte überreichten Aufsatzes, den ich nach dieser genommenen Abschrift für den Herrn Hofrath Jung bestimmt, vernichten werde, damit er nicht nach meinem Tode gemißbraucht werde.
Ich hatte (so schreibt die Frau Pastorin N. N.) nach meiner Verheirathung 1799 eine mir unerklärbare Erscheinung; eine angenehme, und eine unangenehme; die Erste bestand darinnen: Es erschien mir am 2ten Dezember desselben Jahres, als ich mich bei meinem Nacht-Tischchen mit weiblicher Arbeit beschäftigte, eine kleine menschliche Figur, gleich einem freundlichen Kinde, mit einem weißen Talar bekleidet; ich wollte es anfassen, aber es verschwand. Nach einiger Zeit erschien mir diese nämliche Gestalt wieder, und ich wagte es zu fragen, wer sie sei? Die Antwort war: Ich bin als ein Kind gestorben.
Ich: Wie heißest Du? Antwort: Nenne mich Immanuel! – Von nun an erschien mir dieses Wesen öfters, fast täglich, des Morgens um 7, Mittags um 12 und Abends um 6 Uhr. Bald steht es neben mir, bald schwebt es im Zimmer in der Höhe, macht Schritte und körperliche Bewegungen.
Einmal erschien es mir auf einer Reise, mehrere Meilen weit von meinem Wohnort, und da eben der Wagen in Gefahr war, umzufallen, hielt es denselben mit Kraft. Ein andermal, da ich eben einen Besuch bei einer herrschaftlichen Kammerjungfer machte, ließ sich dies Wesen auch daselbst sehen. Es kommt, wenn auch andere Menschen um und bei mir sind, und redet mit mir vor gewöhnlich in seiner eignen Sprache, die ich, zu meiner eigenen Verwunderung, bald verstehen und nachsprechen lernte. Es entdeckte mir zuweilen zukünftige Dinge, z. E.: der Freund von Dir wird bald sterben – Deine Mutter ist krank; heute kommt der *** zum Besuch zu Dir; deiner guten Herrschaft ist nicht wohl u. dergl. Es läßt seine Gegenwart in der Nacht auch im Finstern merken, daß ich geweckt oder am Einschlafen gehindert werde. Ich bat diesen Immanuel dringend, sich doch auch von meinem Manne sehen zu lassen; aber er weigerte sich dessen und antwortete: das wäre nicht gut und er – mein Mann – würde darüber die Welt verlassen. Ich fragte: warum ich ihn nur sehen könnte und dürfte? Die Antwort war: wenig Menschen sind dazu bestimmt, so etwas zu sehen.
Mehr als Einmal sah ich unsern Kirchhof voller menschlichen Figuren, die ein Freudenfest feierten, als das Fest der Geburt unsers Heilandes, den Charfreitag, und im Herbst eine Stunde, wo mich Immanuel hieß auf die Knie fallen und auf mein Angesicht legen. Die Sprache des Immanuels, so wie auch der lobpreisenden Figuren, war so sanft, daß ich nicht im Stande bin, es zu schildern. Auf Erlaubniß des kleinen Immanuels rufte ich in einer dieser feierlichen Stunden meinen Mann; allein dieser sah weiter nichts, als einen grünen Platz und den Kirchhof illuminirt.
So weit von dieser Erscheinung die Verfasserin. Ich füge noch hinzu:
1) Die Besuche dieses Wesens, das sich Immanuel nennen läßt, dauern Jahr aus Jahr ein fort. Fast täglich ist’s auf ein Mal da, und nach einem kurzen Aufenthalt wieder verschwunden. Einst kam’s, da ich Mittags zugegen war. Die Frau Pastorin gab mir von dessen Gegenwart einen Wink, allein ich sahe nichts, bemerkte aber am Tisch, an dem wir aßen, ein Wackeln, das ich keiner sichtbaren Kraft zuschreiben konnte. Auf meine Frage, woher diese Bewegung rühre? antwortete die Frau Pastorin mit abgebrochenen leisen Worten: Vom ***, er ist unter ***.
2) Zwei Kinder dieser Hausmutter sehen und bemerken auch diese Figur; der sechsjährige Sohn sieht sie an der Wand und Stubendecke hinaufsteigen und hin und her wandeln, und das kleine Kind auf seiner Mutter Armen lacht über diese kindliche Figur und greift nach ihr.
3) Von der Sprache, in welcher Immanuel mit dieser Frau und umgekehrt spricht, habe ich mir einige Redensarten sagen, und mit lateinischen Buchstaben niederschreiben lassen, aber ich vermisse den Zettel. Wie weit es damit geht, und wie viel beide Theile in der Sprache sich ausdrücken können, weiß ich nicht.
Nun erzählt die Frau Pastorin weiter:
Die andere Erscheinung hatte ich 1800 am 15ten Juni, Samstags Vormittags unter der Kirche, indem ich mich wusch: Es klopfte Jemand an meine Stubenthür, und sogleich öffnete sich die Thür, und es trat eine schwarze Figur, eine Manns-Person, herein, wie ein Pfarrer gekleidet, einen Hut unter dem Arm, sein eigenes Haar tragend, einen Kragen um den Hals, nach alter Art, mit vielen Falten, ging auf mein schlafendes Kind zu, und betrachtete dieses. Ich lief erschrocken zur Stube heraus, und jener ging zu einer andern Thür zurück, und warf diese dermaßen zu, daß die Klinke weit wegflog.
Nach fünf Jahren, nämlich 1805, auch im Juni, Sonnabends Nachmittags in der dritten Stunde, spielte Jemand mit der Stubenthür, und machte sie immer auf und zu. Ich denke, es ist mein Mann, da ich etwas vom schwarzen Kleide bemerkte, und rufe, komme doch herein! und siehe, der schwarze Pfarrer trat herein, ich sprang erschrocken davon; jener warf einen Stuhl mir nach, daß meine Ferse verwundet wurde. Ich rief meinen Mann, ging mit ihm in die Stube, fand den Stuhl noch liegen, aber sonst Niemand. So weit die Frau Pastorin.
Mir erzählte die Frau Pastorin noch einige Anekdoten, die ich der Kürze wegen übergehe u. s. w.
*******
Pfarrer zu *****
den 21ten August 1807.
Herr Dr. Jung glaubt dieses Märchen, denn er sagt unter andern: Diese Erzählung enthält verschiedenes, das uns merkwürdige Aufschlüsse über das Geisterreich giebt; daß es keine leere Vision sei, was die Frau Pfarrerin sieht, sondern daß sie wirklich Wesen aus dem Geister-Reiche sahe, ist daher gewiß, weil auch die Kinder den kleinen Engel bemerkten. Bei diesen, und besonders bei dem, das sie noch auf den Armen trägt, findet keine Täuschung Statt. Auch das Wegspringen der Klinke, die Verwundung der Ferse, und der noch daliegende Stuhl, sind Beweise für das wirkliche Dasein des unglücklichen Geistes eines ehemaligen Pfarrers. Bei der äußerst merkwürdigen Feier auf dem Kirchhofe sahe der Herr Pastor nichts, als den Kirchhof illuminirt. Ich bedaure, daß ich nicht weiß, ob Menschen den Kirchhof erleuchtet hatten, oder ob das Licht wirklich von Geistern herrührte? Auf diesen Punkt kommt vieles an: denn wenn der Pfarrer auch das Licht sahe, so ist auch dieses keine leere Vision, sondern die Feier hat ihre Richtigkeit. Also feiern auch die abgeschiedenen Seelen die Feste ihres Erlösers und Seligmachers im Hades. –
Kann wohl ein vernünftiger Mann in unserm aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert etwas Tolleres schreiben!
Wenn kein Betrug dabei Statt gefunden haben mag, da so viele Nebenumstände mangeln, so ist die nervenschwache Frau Pastorin mit ihrer Vision blos zu bedauern. Man beleuchte nur Folgendes:
Warum verschwand der Geist, wenn sie ihn anfassen wollte? – Weil ihre Imagination aufhörte, als sie körperliche Bewegung machte.
Ihr Mann sah ihn nicht, aber die Kinder sahen ihn an den Wänden und der Decke herumspazieren. – Was sehen die Kinder nicht alles! denen man alles weiß machen kann. Wie oft lachen und weinen die kleinen Kinder plötzlich, und man weiß nicht warum?
Aber die eigene Sprache des Geistes! – Wenn der Zettel verloren gegangen war, warum wurde nicht von der Frau Pastorin ein zweiter geschrieben, denn dieses gab doch einen gewissen Aufschluß. Aber das Wackeln des Tisches? – Frau Pastorin wird aus Begeisterung an den Tisch gestoßen haben.
Was war denn der Zweck des Geistes? – Wir wissen es nicht!
In das Irrenhaus mit solchen Geistersehern!
So ist es auch mit dem schwarzen Geiste; die Frau Pastorin hatte an einem nicht genug, und im Schreck fällt sie über den Stuhl, der freilich liegen bleibt.
Aber daß die Verstorbenen auf ihren Gräbern heilige Feste feiern, und Illumination anstellen, welches Herr Dr. Jung glaubt, weil die abgeschiedenen Seelen zuweilen sich mit ihrem Auferstehungskeim überkleideten, und so mehr der Sinnenwelt sich näherten. – Dies geht über alle menschlichen Begriffe!
So ist das ganze Buch voll, und Herr Dr. Jung sagt noch: Es ist fester Grundsatz bei mir, hier keine Geschichte aufzunehmen, von deren Gewißheit ich keine Beweise habe; sonst könnte ich Beispiele anführen, daß beherzte Leute sich schwarzen gefährlichen Geistern genähert haben, sogar durch sie hingegangen sind, welches ihnen aber sehr schädlich gewesen, indem Geschwüre auf der Haut ausgefahren, und sie sehr krank geworden sind.
Geistige Geschwüre erhält auch der Leser, wenn er durch den schwarzen Geist seines Buches geht!!!
Die Necromantisten.
Herr L. Fischer erzählt in seinem Buche »Vom Aberglauben,« Leipzig 1791, Bd. I., S. 319.) nachfolgende Geschichte:
Wir gingen des Abends nach der Wohnung der Necromantisten, weil sie ihre Kunst nirgends anders, als in ihrem Hause spielen wollten. – Sie versprachen unser Begehren zu erfüllen, wenn wir bis Mitternacht warten wollten. Unterdeß suchten sie uns den Kopf mit Gespensterhistorien und dergleichen anzufüllen, und fragten endlich: ob wir furchtsam wären? Es schlug eilf Uhr, und man machte Anstalten, den Geist herauf zu fordern; uns wurden Stühle zum Sitzen gegeben. Der Eine ging in die gerade über stehende Kammer, worin es ganz finster war, und warf die Thür gleich hinter sich zu. Dann fragte mich der Andere ganz leise: wen er jetzt herauf fordern sollte? – es müßte aber ein Todter sein. Den Aristoteles, antwortete ich. – Dann forderte er von meinem Freunde den Degen, holte das Zaubergeräth, breitete ein Todtentuch auf die Erde und setzte darauf einen mit schwarzem Tuch überzogenen Tisch, auf welchen er einen gräßlichen Todtenkopf legte. Neben ihm standen zwei Lichter, von denen er nachher behauptete, daß sie aus Menschenfett gezogen worden. Zu seiner Rechten lagen zauberische, mit wunderlichen Charakteren bezeichnete Bücher, darin er aufschlug, und uns winkte, daß Keiner ein Wort reden sollte. Darauf ergriff er den entblößten Degen, haute drei Mal um sich und machte einen Kreis, der bis an die Thür der Kammer ging. Endlich bildete er theils in der Luft, theils auf der Erde allerlei seltsame Figuren, verdrehte die Augen, schäumte mit dem Munde, wieß die Zähne u. s. w. Dann wurde er ruhiger und stieß im brüllenden Tone die Worte aus: Satan, ich beschwöre dich im Namen Beelzebubs und der ganzen Hölle, daß du dich jetzo in einer lebendigen und sichtbaren Gestalt zeigst! – Dann verdrehte er wieder die Augen, ward blaß und schlug sich drei Mal stark an die Brust. Hier sprang eine schreckliche, aber abgerichtete Schlange aus dem Busen, wand sich um den Todtenkopf, und wollte schon auf uns los, als sie der Zauberer ergriff, und bald war sie weg. Der Zauberer fluchte auf den Todtenkopf, als ob er die Schlange verschlungen hätte, und wir sahen Blutstropfen aus seinen Augenhöhlen fließen. Nun wendete der Zauberer sich nach der Thür der Kammer, in welcher ein fürchterliches Geräusch entstand, schlug mit der Spitze des Degens Einmal an, trat wieder zurück und hieb mit dem Degen um sich, trat abermals an die Thür, schlug stillschweigend 17 Mal an, sprang aber wieder in den Kreis und fing an zu zittern, hieb etliche Mal wie rasend um sich, ging wieder ganz leise an die Thür der Kammer, wo er 9 Mal anklopfte. Er nahm hierauf sein Zauberbuch, machte allerhand wunderliche Charaktere auf den Tisch, schlug 18 Mal, dann 19 und 14 Mal an und rief: Satan, ich beschwöre dich, daß du mir den Todten herauf bringst. Dann sprang er eilends auf und rief den Geist durch 19, 5, 11, 5, und endlich durch 18 Schläge. Nach Endigung dessen rief er mit fürchterlicher Stimme: Satan, ich beschwöre dich zum dritten und letzten Mal, daß du mir den Todten heraufbringst. Darauf entstand ein heftiges Gepolter in der Kammer, aus welcher der andere Necromantist hervorsprang, der Länge nach auf die Erde fiel und ausrief, daß er den Geist des Aristoteles gesehen. Ich wollte selbst in die Kammer gehen; sie aber verweigerten es, weil ich mich zu sehr erschrecken möchte. Endlich ließen sie es geschehen. Himmel, was sah ich! Einen alten, abgelebten Mann mit einem grauen Barte, eingefallenem Gesichte und einem langen Todtenhemde umkleidet, der die Augen zu bewegen schien, bald still stehen blieb, bald sich bewegte, als ob es auf mich zuwollte. Ich entsetzte mich, wich zurück, gab den Todten-Beschwörern, und wir gingen nach Hause. – Es machte mich die ganze Nacht hindurch unruhig; ich überdachte alles, und endlich fiel mir ein, daß ich an dem Gespenst eine Perücke gesehen hatte, die Aristoteles doch nicht kann getragen haben, weil die Erfindung noch nicht gar alt ist, und glaubte nun noch weniger, daß es der Geist des Aristoteles gewesen sein könne. Um in meiner Ueberzeugung gewisser zu werden, ließ ich mir des andern Tages den Cicero fordern. Alle Ceremonien waren so wie am vorigen Tage, aber die Verschiedenheit der Schläge entdeckte mir das Räthsel. Erst schlug er 3, dann 9 Mal u. s. w. an die Thür, weil C der dritte, I der neunte Buchstab des Alphabets ist. So hatte der Beschwörer auch vorher dem in der Kammer Steckenden den Namen des Aristoteles gesagt: erst 1 Mal, dann 17 Mal u. s. f. angeschlagen, weil A der erste, R der siebenzehnte Buchstab des Alphabets ist. Ich lief nach der Kammer; aber wie sehr mußte ich erschrecken, als ich ein Gespenst vor mir stehen sah, das den Kopf unterm Arm hatte. Zum Glück entdeckte ich die magische Laterne, die hinter einem Schirm versteckt war. Nun griff ich auch nach dem Todtenkopf und sah eine Schweinsblase mit Blut darin, welche es langsam aus den Augenhöhlen herausträufeln ließ. Die Necromantisten baten mich sehr, sie nicht zu verrathen, und ich erfuhr nachher, daß sie verlaufene Barbiergesellen wären.
Schwedenborg’s Betrügerei.
Dieser zu seiner Zeit (geboren 1688, gestorben zu London 1772) seltsame, bewunderte und nicht zu enträthselnde Mann erhielt einst von der Königin von Schweden, Luise Ulrike, den Auftrag, ihren schon damals verstorbenen Bruder, den Prinz von Preußen, zu fragen: warum er ihr auf einen gewissen Brief nicht geantwortet habe? Nach 24 Stunden hinterbrachte Schwedenborg der Königin die Antwort des Prinzen, daß sie, die völlig überzeugt war, Niemand kenne den Inhalt des Briefes, als sie und ihr verstorbener Bruder, in die größte Bestürzung gerieth und Schwedenborg’s Wunderkraft anerkannte. – Allein nachher erklärte Graf F... die Sache.
Von der im Jahre 1756 beabsichtigten Revolution in Schweden war die Königin als eine der Haupturheberin angesehen. In dieser bedenklichen Lage schreibt sie an ihren Bruder, den Prinz von Preußen, um sich Rath und Hilfe bei ihm zu erbitten. Die Königin erhielt keine Antwort, und da der Prinz bald nachher starb, so erfuhr sie nie, warum er nicht geantwortet hatte; daher trug sie Schwedenborg auf, seinen Geist zu fragen. Eben als er diesen Auftrag empfing, waren die Reichsräthe, die Grafen F... und H... zugegen. Letzterer, der den Brief unterschlagen hatte, wußte so gut als der Erste, warum keine Antwort erfolgt war; denn Beide hatten beschlossen, Schwedenborg zu gebrauchen, der Königin ihre Meinung über Etwas zu sagen, was sie ihr fühlbar zu machen wünschten. Sie gingen daher des Nachts zu dem Geisterbanner und legten ihm die Worte in den Mund, die er sagen sollte. Schwedenborg froh, in Ermangelung übernatürlicher Einflüsterungen, diese zu erhalten, eilte des andern Tages zur Königin und sagte ihr: der Geist des Prinzen sei ihm erschienen und habe ihm aufgetragen, ihr zu sagen, er hätte darum nicht geantwortet, weil er das Betragen seiner Schwester zu sehr gemißbilliget, da sie vor Gott schuld an dem, ihrer unvorsichtigen Staatsklugheit und ihres Ehrgeizes wegen vergossenen Blute wäre und dafür büßen müsse. Er bäte sie daher, sich nie wieder in Staatshändel zu mischen, der Regierung sich nicht anzumaßen und keine Unruhe zu stiften, wovon sie über kurz oder lang das Opfer sein würde.
Solche Auflösungen haben alle Wundergeschichten, die aber der Herr Dr. Jung unumstößlich für wahr annimmt und Alles von Schwedenborg glaubt. Die Auflösung hat er entweder weggelassen, oder nicht gehabt.
Die Hexe.
Remigius[29] in seiner Dämonolatrie erzählt folgendes Faktum aus Inquisitions-Akten:
Im Jahr 1526 bemerkte ein Bauer unweit Rom, daß seine Frau heimlich aus dem Bette stieg, sich mit einer Salbe anstrich, und darauf vor seinen Augen verschwand. Tags darauf setzte er ihr mit Drohungen und guten Worten so lange zu, bis sie alles gestand. Der Mann verzieh ihr unter der Bedingung, daß sie ihn das nächste Mal mit zum Hexentanz nehmen sollte. Dieß geschah. Als sie an Ort und Stelle angekommen waren, bat die Frau den Mann, ein wenig bei Seite zu gehen, bis die Versammlung dem Fürsten des Festes ihre Aufwartung würde gemacht haben. Der Teufel war, wie der Bauer sah, im prächtigen Anzug. Jetzt begann der Tanz. Der Bauer bemerkte, daß sich die Gesellschaft mit angefaßten Händen in runden Kreisen herum drehte, und dabei immer das Gesicht auswärts gekehrt. Dem erstaunten Bauer ward von seiner Frau beim Fürsten Lucifer ein gutes Wort verliehen; er machte ihm sein Kompliment, und hatte die Ehre, mit zur Tafel gezogen zu werden. Da die Speisen ohne Salz aufgetragen wurden, foderte er ungestüm Salz, welches ihm auch endlich gereicht wurde.
Gott sei Dank, daß einmal Salz da ist! sprach er, – und weg sind Teufel, Zauberer, Hexen und seine Ehehälfte und Alles. Er sieht sich ganz allein im Finstern, an einem ihm unbekannten Orte, in bloßem Hemde, vor Frost und Kälte zitternd. Es wird endlich Tag. Er sieht einen Hirten im Felde und fragt: wo er in aller Welt hier sei? In der Grafschaft Benevent, ist die Antwort. Er muß sich Kleider und Brod betteln, um wieder heim zu kommen. Sein erster Gang ist aber sogleich zum Richter. Die Frau wird auf der Stelle eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und lebendig verbrannt.
Noch ein Beispiel, welches Remigius erzählt.
Eine vornehme Dame zu Lion war zuerst lange Zeit ihrem Manne ungetreu, und zuletzt auch ihrem Liebhaber. Dieser beschloß zugleich für sich und den hintergangenen Mann eine schreckliche Rache zu nehmen. Er fuhr ihr, da er wußte, wo ihre Hexensalbe stand, einmal zum Tanze nach, sah hier Alles, machte die Anzeige davon, und die vornehme Dame ward eingezogen, gefoltert, zum Bekenntniß gebracht und – lebendig verbrannt.
Diese beiden Beispiele sind doch wohl natürlich zu erklären, und daß weder der Bauer, noch dieser Liebhaber zum Hexentanze gewesen waren, sondern blos ihre Rache ausübten.
In Italien wurden in 150 Jahren über 30,000 Hexen verbrannt, wie ein Inquisitor in Sicilien, Ludovico a Parama, bezeuget.
Hexen-Prozeß.
Frommann in seinem dritten Buche von der Bezauberung erzählt:
Ein teutscher Fürst lud zwei Geistliche zur Mittagsmahlzeit. Da sagte dieser über Tafel zu dem Einen: Mein Pater! was meint Ihr, thun wir auch recht, daß wir diejenigen Personen hängen lassen, die von zehn oder zwölf Hexen angeklagt werden, daß diese bei ihren Zusammenkünften, oder beim Sabbath erschienen wären? Ich glaube, wir werden vom Teufel betrogen, und daß es kein sicherer Weg zur Wahrheit sei, dessen wir uns bei dergleichen Anklagen bedienen, besonders da viele ansehnliche und gelehrte Leute hier und da anfangen, dawider zu eifern. Saget mir daher doch Eure Meinung.
Der Pater, voll Eifers für die Sache, gab zur Antwort: Was sollte uns in dieser Sache zweifelhaft machen? Oder was sollte unsere Gewissen rühren, da wir durch so viele Zeugnisse überwiesen sind? Kann man sich einen Skrupel machen, als ob Gott zulassen werde, daß unschuldige Personen also überführt würden? Ein Richter hat nicht Ursache, sich über einer solchen Anzahl der Beschuldigungen zu bedenken, sondern mag mit Sicherheit zufahren. –
Als nun der Fürst noch eine Zeit lang mit dem Pater pro und contra gestritten hatte, der Pater aber die Sache gänzlich zu vertheidigen schien, beschloß der Fürst endlich den Streit mit diesen Worten: Es ist mir leid, mein Pater, daß Ihr in einer Sache, die das Leben betrifft, Euch selbst verurtheilt habt, und Ihr könnt Euch nicht beschweren, wenn ich Euch in Verhaft nehmen lasse, denn mehr als funfzehn Hexen haben ausgesagt, daß sie Euch auf ihren Zusammenkünften gesehen. Um Euch zu zeigen, daß ich nicht scherze, will ich sogleich die betreffenden Akten herbei bringen lassen, damit Ihr solche lesen möget.
Der Pater gerieth in Erstaunen, und konnte mit niedergeschlagenem Gesichte, alle seiner Beredtsamkeit ungeachtet, nichts als Bestürzung und Stillschweigen entgegen setzen.
Der Hexenmeister.
Dr. Hauber in seiner Biblioth. magic. XV. St. S. 215 erzählt:
Ein Mathematikus zu Aix in der Provence stellte im Jahr 1664 ein Skelet in der Mitte des Zimmers zwischen dem Fenster und der Thür hin, und gab ihm eine Zither in die Hände. Der Künstler setzte sich gegen das Fenster, und fing an, wenn die Luft hell und rein war, auf seiner Zither zu spielen, deren Saiten eben so gestimmt waren, wie jene, die er dem Skelet angehängt hatte. Dieses wiederholte die Töne sehr deutlich, und brachte die Anwesenden zum Staunen. Der Künstler aber wurde von der Kammer de la Tournelle als ein Zauberer angesehen, und mit dem Skelete verbrannt!
Die gerettete Hexe.
Bei einem Hexen-Prozeß zu London im funfzehnten Jahrhundert trug sich folgende Anekdote zu:
Die Hexen mußten gewöhnlich beschwören, daß sie weinen wollten, wenn sie unschuldig wären. Eine solche aber stand, von der Folter zerrissen, den Scheiterhaufen vor Augen, thränenlos und versteinert da. Sogleich wandte sich der Priester gegen den Richter und rief: Ich versichere Euch auf meine priesterliche Ehre, daß dieses Weib eine Hexe ist. – Und ich versichere Euch auf meine richterliche Ehre, daß Ihr kein – Hexenmeister seid, erwiederte der menschenfreundliche Richter, und rettete die Unglückliche, von deren Unschuld er überzeugt war.
Die Hexenwage.
Bis in die Hälfte des siebenzehnten Jahrhunderts war zu Oudewater in Holland der Gebrauch, Leute, welchen man Hexerei Schuld gab, auf der großen Stadtwage wiegen zu lassen. In Gegenwart des Stadtschreibers und der Gerichtsschöppen wurden sie bis aufs Hemde entkleidet; waren es Weiber, so mußte die Hebamme dabei sein. Man zahlte dafür sechs Gulden und zehn Sols, und erhielt ein gerichtliches Certifikat, worin bescheinigt wurde: »Daß ihr Gewicht ihrem Wuchse gemäß, und nichts Teuflisches an ihrem Körper befindlich sei.«
Die Behexte.
In der Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurde ein Mädchen in Sachsen inquirirt, welche vorgab, daß sie nicht nur behext, sondern auch von dem Teufel zu gewissen Zeiten geplagt würde. Der Chirurgus nahm ihr wirklich, im Beisein der Gerichtspersonen, aus den Armen, Beinen, und aus den Brüsten, Nadeln von verschiedener Art, Nägel, Haare, Pelzflecke, Werg und alte Lumpen heraus. Sie selbst ward öfter im Bette hoch in die Höhe geworfen, sie schäumte mit dem Munde, gab vor, daß sie in dieser Zeit in fremden Landen gewesen sei und Wunderdinge gesehen habe. Endlich gingen von ihr durch den Urin sogar eiserne Nägel und andere seltsame Sachen. – Allein, als hernach eine strenge Commission ernannt worden war, entdeckte sich der Betrug. Denn als eines Tages der Chirurgus aus der schon gemachten Incision der Brüste wiederum eine Menge krummer Nadeln ohne Köpfe heraus zu nehmen beschäftigt war, sah ein Bedienter der Königlichen Commission mit zu. Dieser sagte öffentlich, daß dieses nichts Wundersames sei, indem er eben dasselbe an seinem Körper ohne den geringsten Schaden nachthun wolle. Man brachte ihm darauf einige Nadeln, von welchen er die Köpfe abbiß, und diese nach und nach an einen muskulösen Theil des Armes mit wenigem Schmerz steckte. Die Patientin sah dies nicht ohne Entfärbung an, und erschrak so, daß sie eine Zeit lang nicht sprechen konnte. Nach einiger Zeit endlich sagte sie, daß sie alles entdecken wolle, wenn man ihr eine leidliche Strafe zugestände. Als dieses die Commission bewilligte, gestand sie aufrichtig, daß sie auf diese Weise die Nadeln an sich gebracht habe, und nachdem die Incision geschehen, es ihr gar leicht gewesen wäre, das aufgelegte Pflaster wegzunehmen, und in die Wunden Nägel, Haare und Lumpen zu stecken. Das in die Höhe werfen im Bette hätte sie durch Uebung auf einem Boden erlernt, und damit der Betrug noch furchtbarer scheinen möge, habe sie jederzeit Kalk von den Wänden abgekratzt und diesen in den Mund genommen, wodurch eine Art Schaum entstanden wäre. Kurz, sie entdeckte alle ihre Betrügereien. Als man sie aber nach der Ursache dieses Betruges fragte, entgegnete sie: daß sie durch solche ungewöhnliche Dinge hätte Mitleiden erregen, Geschenke erhalten, und sich einen Namen – in den Zeitungen machen wollen!
Haben wir solche Beispiele nicht auch im neunzehnten Jahrhundert?
Bezauberung des Viehes.
Die Ursachen, warum Kühe oft keine Milch geben, und was man gewöhnlich dem Bezaubern zuschreibt, ist mannigfaltig. Man weiß, daß die Kühe sich selbst ausgesogen haben.
Bei Shrewsbury in England bemerkte eine Bauersfrau im Sommer des Jahres 1786, daß ihrer Kuh auf einmal die Milch ausblieb, ohne daß sie krank zu sein schien. Sie gab nun auf die Kuh Acht, und wurde gewahr, daß sie, wenn sie auf der Weide war, alle Tage um eine gewisse Zeit sich in einem Winkel der Wiese begab. Die Frau schlich der Kuh nach und sah mit großer Bestürzung, daß eine ziemlich große – Schlange der Kuh am Euter hing und sie aussog. Die Frau rief ihren Mann dazu, welcher die Schlange, als sie ausgesogen hatte, verfolgte und tödtete. Die Kuh ging noch den übrigen Theil des Sommers hindurch alle Tage an den Ort und brüllte, als ob sie sich nach der Schlange sehnte.
Da dieses nicht unwahrscheinlich ist, so läßt sich daraus schließen, daß es den Kühen angenehmer ist, wenn ihre Euter ausgesogen werden, als wenn man sie, oft plump genug, durch Streichen mit den Händen auspreßt.
Wind machen.
I.
Olaeus Magnus sagt, daß die alten Finnen und Isländer den Schiffern Wind machen könnten – für’s Geld! Sie gäben ihnen nämlich drei Knoten, mit dem Unterrichte, wenn sie den ersten auflösten, würden sie einen gelinden Wind, lösten sie den zweiten Knoten, einen heftigeren, und wenn sie den dritten löseten, würden sie Sturm haben.
Da die ganze Nordsee voller Klippen ist, so verändert sich der Wind sehr, daß also die Lootsen schon darauf abgerichtet sind, daß wenn sie ein Schiff landeinwärts bringen, alles genau kennen und lustig rufen: Seid ruhig, wir haben den Wind ins Schnupftuch geknüpft!
II.
Dietmarus Blefkenius in der Beschreibung Islands versichert, als er aus Island mit einem portugiesische Schiffe abgereist sei, hätte ihm ein Isländer ein Schnupftuch, worin er drei Knoten gebunden, gegeben, mit der Erinnerung, wenn sie keinen Wind hätten, oder sonst stürmisches Wetter, solle er einen Knoten nach dem andern öffnen. Als sie nun ungefähr bis zum 20. September gefahren und schon Spanien im Gesichte hatten, wurde plötzlich Windstille, welche drei Tage anhielt. Da dachte er an sein Schnupftuch und löste einen Knoten auf, und bald darauf bekamen sie guten Wind. Da er aber noch etwas schwach ging, löste er den zweiten und dann den dritten, so daß sie in zwei Tagen in Lissabon waren.
Sehr natürlich! denn nach einer Windstille erfolgt jedesmal Wind und Sturm, und ohne die Zauberknoten würde alles auch so erfolgt sein.
Hexenfahrt.
Ein gewisser Amtmann zu Rockenhausen hatte schon viele Hexen verbrennen lassen, und fing endlich an zu zweifeln, ob sie wirklich etwas ausrichten könnten. Er ließ daher einige in eine Stube sperren und blieb selbst bei ihnen. Sie legten sich auf das Lager und schliefen ein. Als man sie endlich aufweckte, fuhren sie auf und sagten: Ei, Herr Amtmann, wie waren wir doch so fröhlich! Nicht wahr, nun glaubt ihr’s, daß etwas daran sei? Und als er sie daran erinnerte, wie sie nicht aus der Stube gekommen wären, entgegneten sie: Nein! wie dürft Ihr das sagen? War’t Ihr doch selbst bei uns auf der Wiese u. s. w. (Siehe Paulus Frisius im kurzen Bericht, den ganzen Handel von der Zauberei belangend, Cap. 3)
Also Träume wurden für Wahrheiten ausgegeben. – Diese Tollheit gehört ins Narrenhaus! Aber die Hexen hüteten sich wohl, es zu sagen, wenn sie Schaden gethan haben sollten.
Der gläubige Prediger.
Die Magd eines Predigers in Thüringen machte jedesmal, wenn sie Brod säuerte, einige Kreuze über den Teig. Der Prediger, der dieses sah, verbot ihr solche abergläubische Dinge. Als die Magd aber, um ihr Recht zu behaupten, das künftige Mal mit Fleiß den Sauerteig vergessen hatte, wodurch das Brod unschmackhaft wurde, fragte der Herr sie um die Ursache, da doch sonst das Brod immer gut gewesen sei.
Ich habe das Kreuz über den Teig nicht gemacht, antwortete die Magd. – Sie hatten es mir ja verboten, weil es Aberglaube sei.
Ei! rief der Prediger ungeduldig, – mach’ künftig so viel Kreuze, als Du willst, nur gieb mir schmackhaftes Brod.
Der Betrug ließ also den aufgeklärten Geistlichen, wenn auch nicht daran glauben, doch den Aberglauben geschehen.
Frei-Schützenkunst.
Diejenigen, welche damit prahlen, daß sie Kugeln auf sich ohne Verletzung schießen lassen, täuschen mit einem Kunststückchen. Sie verfertigen nämlich Kugeln von dünnem Glas und füllen sie mit Quecksilber, wodurch sie das Ansehen und die Schwere einer Bleikugel erhalten. Wenn nun eine solche Kugel in ein Feuergewehr geladen wird, zerstößt man sie mit dem Ladestocke, wodurch sie ihre Wirkung verliert. Andere haben noch einen dünnen metallenen Lauf, welchen sie schnell in die Pistole stecken und, wenn sie geladen, wieder herausziehen und den geladenen Lauf in die Tasche praktiziren.
J. L. Hartmann in seinem neuen Teufels-Stücklein (Frankfurt 1678.) erzählt unter Andern:
Einst erschien ein Jude bei dem Herzoge Albrecht zu Sachsen und überreichte ihm einen Knopf mit seltsamen Charakteren und Zeichen, welcher gegen Schuß, Stich und Hieb festmachen sollte.
Da will ich es zuerst mit Dir Juden versuchen, entgegnete der Herzog, ließ ihn vor das Thor in das Feld führen, den magischen Knopf an den Hals hängen, zog sein Schwert und – durchstach den armen Juden.
Der Freischütz.
In den »Unterredungen von dem Reiche der Geister, fünfte Unterredung, Leipzig 1731.« wird Folgendes, aus gerichtlichen Acten gezogen, erzählt.
Im Jahre 1710 befand sich ein gewisser Schreiber, Namens Georg Schmidt, 18 Jahre alt, in einer gewissen Stadt Böhmens. Dieser hatte eine vertrauliche Bekanntschaft mit einem Bergjäger derselben Herrschaft, welcher nicht allein vielerlei Weidestückchen vortrefflich verstand, sondern auch aus der Zaubertasche gut zu spielen wußte. Der Schreiber war ein guter Schütze im Scheibenschießen, suchte aber dabei immer seinen Vortheil und Gewinn. Deshalb ging er einst zu dem Jäger, um sich bei demselben Raths zu erholen, welcher ihm auch behülflich zu sein gelobte. Nur verlangte er von ihm, daß er den 30sten Juli, am Abdous-Tage, in der Nacht mit ihm gehen möchte, um Kugeln zu gießen; alsdann sollte er 63 Kugeln erhalten, von welchen 60 treffen würden, wohin er zielen würde, drei Kugeln, welche aber nicht kennbar wären, müßten nothwendig fehlen.
Der Schreiber, vom blinden Eifer, Geld zu gewinnen, eingenommen, konnte kaum die Zeit erwarten. Man nahm Kohlen, Gieß-Kelle, Form und was zu der Arbeit gehört, mit, und begab sich mit einbrechender Nacht auf einen Kreuzweg, welcher eine Stunde weit gelegen war. So bald man daselbst angekommen, machte der Jäger einen weiten Kreis mit seinem Waidmesser, und setzte gewisse Charaktere rings umher, welche der Schreiber aber nicht lesen konnte. Nachdem hieß der Jäger Letzteren in den Kreis treten, sich nackend auszuziehen und Gott zu verleugnen. Darauf befahl er ihm, daß er seine Kohlen und das Gießgeräthe vor sich hinlegen, und wohl Acht geben sollte, daß er zwischen 11 und 12 Uhr mit seinem Gusse fertig sei; denn wenn nach verflossener Zeit nur Eine Kugel daran fehlte, so müßte er dem Satan eigen sein. Ferner ermahnte er ihn, sich durch nichts stören zu lassen, was ihm auch zu Gesichte käme, damit er sich nicht an der Arbeit hindern lasse.
Nachdem er ihm nun alles eingeschärft und befohlen, keinen Laut von sich zu geben, so stellten sie sich Rücken an Rücken und erwarteten die eilfte Stunde. – Kaum hatte die Glocke angefangen zu schlagen, als die Kohlen von selbst zu glühen anfingen. Nun machten sie sich ans Werk; doch kaum hatten sie einige Kugeln gegossen, da kam ein altes Weib auf sie zu, welches mit hölzernen Kochlöffeln umhangen war, einen großen Lärm damit machte, und sie fragte, ob sie nichts von ihrer Waare gebrauchen könnten? – Sie aber fuhren stillschweigend fort zu gießen, worauf das Weib verschwand; aber sogleich hörten sie das Rollen einiger Wagen, welche auch gerade auf sie zufuhren, und dann am Kreise über ihnen in der Luft zerstoben. Nachdem dieses Phantom vorüber, erschien ein Trupp Reiter, welcher ebenfalls über ihnen seinen Weg durch die Luft nahm. Jetzt erschien das wilde Heer, mit Hörner-Klang, großem Geschrei und gehetztem Wilde, nebst Jägern und Hunden, welches abermals den Weg über ihnen wegnahm. Zuletzt kam einer auf einem schwarzen Pferde langsam vor den Kreis geritten, und fragte sie, was ihr Begehren sei, daß sie diese Arbeit in seiner Gegend vorgenommen hätten? – Da sie nun gleich mit dem Gießen fertig waren, so gab der Jäger zur Antwort: Wir haben in Deinem Namen 63 Kugeln gegossen, von welchen drei Deine sind, die übrigen aber sollst Du uns geben! – Hierauf begehrte jener, sie sollten ihm die Gieß-Kelle nebst den gegossenen Kugeln geben; allein der Jäger sagte zu ihm: Wir haben sie in Deinem Namen gegossen, und weil die Zeit noch nicht um ist, so bleiben sie unser. – Sogleich warf jener mit Zähneknirschen etwas darauf, welches einen solchen penetranten Geruch von sich gab, daß Beide ohnmächtig zu Boden sanken, und die Kugeln im Kreise herumfielen. Bis zum Anbruch des Tages blieben sie liegen, wo sich der Jäger, der solches schon gewohnt war, zuerst ermunterte, der Schreiber aber nicht von der Stelle konnte. Der Jäger raffte hierauf die Kugeln zusammen, und eilte in das nahe gelegene Dorf, wo er den Einwohnern meldete, daß ein kranker Mensch am Wege liege; er selbst aber nahm die Flucht durch das Salzburgsche Gebirge. –
Als der halbtodte Schreiber in die Stadt gebracht worden war, kam er in gerichtliche Haft, wo er alles erzählte. Nach seiner gänzlichen Wiedergenesung wurde gegen ihn der Criminal-Prozeß eingeleitet. Das Urtheil brachte ihm das Schwert; allein wegen seiner Jugend und seiner Bitten kam er mit sechsjähriger Zuchthausstrafe davon.
Zuerst haben wir hier den Stoff der schönen Oper von Weber: »Der Freischütz;« – dann finden wir an der ganzen Sache eine Betrügerei, die mit einem jungen, unerfahrenen Menschen leicht vorgenommen werden kann. Da die Nebenumstände der Geschichte fehlen, so können wir auch den Betrug nicht näher beleuchten.
Die Wünschelruthe.
Ein listiger Bergmann, der eine Wünschelruthe hatte, wurde mit einem wohlhabenden Bauernburschen bekannt, und versicherte ihm, daß er durch sie schon verschiedene Schätze entdeckt hätte. Sie gingen hierauf an einen gewissen Ort, wo der Bergmann dem Bauernburschen die Ruthe schlagen ließ, und darnach vorgab, daß schon in der nächsten Nacht um 12 Uhr der Schatz gehoben werden könnte, wenn sie nur so viel Geld hätten, als zur Hebung des Schatzes nöthig sei. – Ich bin arm, sagte der Bergmann, und diese meine Armuth ist eben die Ursache, warum ich durch meine Wünschelruthe bis jetzt noch nicht reich geworden bin. Die unterirdischen Geister werden den Schatz ohne Schwierigkeiten heben lassen, so bald sie erkennen, daß ich funfzig Thaler in der Tasche habe. Merken sie aber, daß ich weniger oder wohl gar nichts bei mir führe, so werden sie ihn stets fortrücken, wenn man gleich glaubt, ihn schon in Händen zu haben.
Nun empfing er das verlangte Geld, welches der Bauer sich erspart hatte, es aber jetzt gern hergab, weil er dadurch mit einem Male reich zu werden hoffte. Sie gingen hierauf wieder an den bestimmten Ort und fingen um zwölf Uhr an zu graben. Die Erde war gefroren. Als sie etwas hineingearbeitet hatten, fragte der Bergmann seine Ruthe, die ihm, wie er vorgab, sagte, daß der Schatz nur noch einen Fuß tief stehe. Mit aller Arglist eines geübten Betrügers gab er dem Bauer zu erkennen, daß kein Ungeweihter zugegen sein dürfte, wenn der Schatz gehoben würde. Dieser gehorchte zitternd dem Schatzgräber. – Allein der listige Bergmann schlich sich mit den 50 Thalern davon und kam nicht wieder; während der Bauer in ein hitziges Fieber fiel und starb.
Die Wahrsagerin.
Eine Rotte Zigeuner kam in die Nähe eines Städtchens, und die Weiber weissagten den Leuten daselbst aus der Hand. Nach einigen Tagen zogen sie jedoch wieder ab, aber ein weissagendes Weib verspätete sich. Sie fragte daher auf dem Felde eine arbeitende Magd, die sich zuvor von ihr hatte wahrsagen lassen, ob sie nicht wisse, welchen Weg die Zigeuner genommen hätten.
Wenn Du mir die sechs Kreuzer wieder giebst, die ich Dir gestern gegeben habe, so will ich Dir’s sagen, entgegnete die Magd. Du weißt das nicht einmal, wo die Zigeuner so eben hingegangen sind, und Du unterstandest Dich doch, meine entfernten Schicksale mir sagen zu wollen!
Der Kobold.
In dem Hause eines Predigers spielte eine Magd den Kobold eine Zeit lang. Es kam ihr zu Statten, daß die Frau im Hause leichtgläubig war und der Prediger nicht weit sehen konnte. Einst besuchte ein anderer Prediger diesen. Die Magd, die sich auf ihre Geschwindigkeit verließ, wollte auch ihre Rolle spielen, und warf, wie Kobolde zu thun pflegen, mit Steinen. Der fremde Prediger merkte sich die Gegend in der Stube, woher die Steinchen kamen, und gab Acht auf die Magd, doch so, daß sie es nicht merkte. Bald sah er, daß sie einen Stein aus der Tasche holte und damit warf. Er bemerkte die geschwinde Handbewegung und den Wurf des Steinchens. Er ging sogleich auf sie zu und redete sie hart an. Sie kam bald außer Fassung, gestand ihren Betrug und der Kobold verschwand ohne Gespensterbanner.
Schatzgräberei.
In der »Monatlichen Unterredung von dem Reiche der Geister« im VI. Stück, S. 733 ff., wird Folgendes erzählt:
Zu Prag befand sich neben der alten St. Michaeliskirche in der Altstadt ein altes Kloster, welches vorher das Hussiten-Rathhaus genannt wurde. Einst kam zwischen zehn und eilf Uhr des Abends ein alter Bauer an die Klosterpforte und läutete stark an der gewöhnlichen Glocke. Als man ihm geöffnet und um sein Begehr gefragt, verlangte er den Vorsteher des Klosters zu sprechen. Man that es, ob es gleich außer der Zeit war, und brachte ihn zu dem Vorsteher. Diesem machte er bekannt, daß er mit ihm in den Klosterkeller gehen sollte; jedoch müsse er vier vertraute Personen mit sich nehmen und, nebst andern nöthigen Werkzeugen zum Graben, auch einen starken Hammer herbeischaffen. Der Vorsteher, auf einen Schatz gierig, nahm vier Vertraute und ging mit dem Bauer in den Keller. Daselbst ging Letzterer an einen Ort, an welchen der Vorsteher nicht gedacht hatte, und klopfte an die Mauer, daß ein Stück nach dem andern nach und nach herabfiel, bis sich eine von Ziegelsteinen gebaute Thür zeigte. Sogleich legten Alle Hand an und eröffneten die Thür ohne große Mühe, worauf sie in ein rundes Gewölbe gelangten, in welchem sie aber nichts fanden. Der Bauer beredete sie, in der Erde nachzugraben, wo sie gewiß Etwas finden würden, und darauf verlor er sich aus dem Gesichte.
Der Vorsteher mit seinen Vertrauten fingen nun an zu graben, stießen auf etwas Hartes, das ihnen zu widerstehen schien, und nun glaubten sie der Wahrheit des verschwundenen Bauers oder Geistes. Da sie aber den harten Körper nicht allein aus der Erde bringen konnten, so wurden noch einige Gehilfen herbeigeholt. Ehe diese ankamen, sah man eine große Schlange aus der Erde hervorkriechen, welche sich zwischen ihnen in der äußersten Oeffnung fortwälzte, ohne jemand Schaden zuzufügen. Da die Gehilfen ankamen und wieder zu graben anfingen, brachten sie einen großen zinnernen Kasten, in Gestalt eines Sarges, aus der Erde, welchen sie sogleich hinauf ins Kloster schafften. Darauf gingen sie wieder hinab, um weiter nachzusuchen, und fanden eine eiserne Truhe mit drei großen Vorlegeschlössern verwahrt, welche sie zu dem Sarge brachten und sich vergnügt zur Ruhe legten.
Am andern Morgen wurden nun durch einen Schlosser die beiden Kasten geöffnet. In der Truhe fanden sie schwarze Kohlen, im Sarge ein Todtengerippe, und in der Asche eine güldene Kette und einen güldenen Ring mit einem Saphir. Das Gerippe nebst den Kohlen wurde in die Moldau geworfen.
Die Kohlen waren von den unterirdischen Geistern verwandelt worden, hieß es.
Ist das nicht eine natürliche Schatzgräberei?
Entdeckung der Geisterbeschwörer.
Noch zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, und besonders in den Jahren 1819 bis 1822, fielen im Voigtlande, in dem Neustädter Kreise, im Kreisamte Kahla etc. häufige Geisterbeschwörungen vor, wodurch die Betrogenen an den Bettelstab geriethen, bis endlich die Obrigkeit aufmerksam wurde und Untersuchungen hierüber anstellte. Unter funfzehn Beispielen, von welchen die Criminalakten des Großherzoglich Weimarischen Criminal-Gerichts zu Weida sprechen und deren Betrugs-Entdeckung der Criminalgerichts-Assessor Dr. Bischoff 1824 in einem Werkchen »Die Geisterbeschwörer im neunzehnten Jahrhundert u. s. w.« mitgetheilt hat, wollen wir nur einige, und zwar die kürzesten, zur Warnung ebenfalls mittheilen.
Die Handelsfrau Juliana Sophia D..., geb. B..mann, in Schleiz war in ihrer frühern Jugend auf dem sogenannten Schweinsberge bei S... geäfft worden. Man hatte nämlich drei Mal nach ihr geworfen; aufgebracht hierüber, schimpfte sie, und ein unsichtbares Wesen hatte ihr sodann zugerufen: sie werde noch in ihrem 64sten Jahre hier glücklich sein. – Dieser Vorfall war ihr in spätern Jahren oft ein Gegenstand des Nachdenkens.
Sie hörte einst sagen: daß in dem Hause ihres Nachbars W... ein Schatz liege, und daß auch auf dem Schweinsberge im dreißigjährigen Kriege viel Geld vergraben worden sei. Durch diese Sage fühlte sie sich in die Ueberzeugung versetzt, daß dieses Geld für sie bestimmt sei.
Der Nachbar W... hatte in der Person des sogenannten Steudel-Müllers einen Mann gefunden, der Bekanntschaft mit Geisterbeschwörern hatte; sie sprach mit ihm über den Vorfall auf dem Schweinsberge, und erhielt das Versprechen, daß ihr zwei Männer zugeführt werden sollten, die schon große Thaten verrichtet hätten.
Der Steudel-Müller hielt auch Wort. Er brachte zwei katholische Geistliche in die Wohnung der D... Man beschloß, den Stammgeist zu fragen: ob wirklich ein Schatz auf dem Schweinsberge läge, und ob er der D... bestimmt sei? und ging Nachts 11 Uhr auf dieselbe Stelle, wo man nach der D... geworfen hatte.
Einer der Geistlichen zog ein Licht aus der Tasche, zündete es an und steckte es in die Erde. Dann ging er einige Mal um dieses Licht herum und sprach unverständliche Worte. Kaum hatte er geendet, als eine glänzende Gestalt sich zeigte und dem Beschwörer in einer sehr vernehmlichen Sprache erzählte: es liege hier an mehreren Orten Geld, es könne gehoben werden, man müsse aber bis zu dem nächsten Freitage das siebente Buch Mosis herbei schaffen, welches 200 Rthlr. koste. Sei der Schatz glücklich gehoben, so müßten 100 Rthlr. davon in die dortige katholische Kapelle bezahlt werden.
Darauf betete der Geist einen Psalm und verschwand. Dann vernahm man im Holze ein solches Heulen und Wehklagen, daß die D... nicht wußte, was sie in der Angst ihres Herzens beginnen sollte.
Man trat den Rückweg an, und da erfuhr dann die D... von den Geistlichen, daß die Wehklagen ein Werk der bösen Geister seien, welche sich grämten und ärgerten, daß die Schätze verrathen worden wären.
Die D... zahlte hierauf 100 Rthlr. zur Beischaffung des siebenten Buch Mosis, und der Steudel-Müller versprach, die noch fehlenden 100 Rthlr. dazu zu legen. – Leider haben aber die Geistlichen das Buch nicht gebracht, und die D... ist, getäuscht in ihren Erwartungen, verstorben!
Die Theilnehmer an dieser Betrügerei waren sechs Personen, nämlich:
1) der Steudel-Müller,
2) ein Sattler, aus Auma,

3) ein Schlosser,
4) ein Scribent,
5) ein Weib,
6) ein Landstreicher, Namens Klopfer.
Zwei von ihnen stellten die katholischen Geistlichen vor. Bei der Beschwörung richteten indeß die im Gebüsch versteckten, der Sattler und der Scribent, die Geistermaschine[30] vor, welche das Weib regierte und die Fragen beantwortete, alsdann mit den Beiden das Wehklagen erhob und sie sich endlich entfernten. – Die 100 Thaler theilten natürlich die Betrüger unter sich, und unterließen weitere Versuche, weil die D... wenig Vermögen hatte.
Ein zweites Beispiel.
Der Bauer Joh. Georg H... in Gr...schen arbeitete gegen Johannis 1802 auf seinen Feldern, als ein ältlicher Mann aus ihn zukam und ihm einen Brief überreichte. H... erbrach das Siegel, las und staunte. Es wurde ihm von den Obern eines genannten Klosters gemeldet: »Daß in einem seiner Holzgrundstücke ein großer Schatz liege; daß ein Mönch abgesendet worden sei, ihn zu heben, und daß die eine Hälfte dem H..., die andere Hälfte aber dem Kloster gehöre.«
Nachdem H... den Brief gelesen hatte, so erklärte der Ueberbringer: Der Mönch sei schon unterweges, H... möge ihm doch entgegen gehen und ihm sein Holzgrundstück zeigen.
Die nahe Aussicht auf ein unerwartetes Glück machte einen so tiefen Eindruck auf H..., daß er sogleich den Spaten wegwarf, seinen Acker verließ und schnellen Schrittes auf dem Wege forteilte, den, nach der Angabe des Alten, der Mönch eingeschlagen hatte.
Er traf den Wundermann, führte ihn in das bezeichnete Holzgrundstück, wo auch der keuchende Alte eintrat.
Der Jesuit fand den Platz sehr bald, wo der Schatz vergraben lag, und forderte den H... auf, ein Nösel Schnaps zu holen, womit die Erde erweicht werden müßte. H... eilte in seine Wohnung, brachte das geistige Erweichungsmittel und mußte sich nun abermals entfernen.
Der Alte begleitete ihn in seine Wohnung, und es dauerte nicht lange, als auch der Mönch dort eintraf. Die Nacht darauf sollte der Schatz gehoben werden! Als es eilf geschlagen hatte, betraten der Mönch, der alte Mann und H... den Weg nach dem Holzgrundstücke.
Dort angelangt, zog der Mönch den magischen Kreis und sprach unverständliche Worte. Es entstand ein Geräusch, veranlaßt durch böse Geister. Der Mönch wieß diese zurück, und nun erschien eine weiße Gestalt am Kreise, die es nicht unter ihrer Würde hielt, mit dem Beschwörer zu sprechen.
»Der Schatz, so versicherte der Geist, bestehe aus 80,000 Rthlr., aus einer großen silbernen Monstranz und aus den zwölf Aposteln, massiv von Silber und in Lebensgröße. Er könne sehr leicht gehoben werden, wenn der Beschwörer den Zwang der Erde herbeigeschafft haben werde.«
Der Mönch fragte, wo dieser Erdenzwang zu bekommen sei? und erhielt die Antwort: »Morgen Mittag kommt eine Person in das Rathhaus zu O...feld, welche das Buch besitzt.«
Der Geist wurde nun wieder abgedankt und der Rückweg in H...s Wohnung angetreten. Schon unterweges klagte der Mönch, daß ihn das Kloster nicht mit Geld versehen habe, obgleich es hätte wissen können, daß ohne Instrument kein Schatz zu heben sei.
H... meinte jedoch, das habe gar nichts zu bedeuten, er sei schon im Stande, Geld zu schaffen und habe gerade jetzt 200 Laubthaler liegen, welche er dem Mönche zu beliebiger Disposition überlassen wolle. Der Mönch dankte für das gefällige Anerbieten und forderte den H... auf, morgen selbst mit nach O...feld zu gehen und auf jeden Fall die 200 Laubthaler mitzunehmen.
Das geschah. Man traf im Rathhause zu O...feld den beschriebenen Mann. Der Mönch ließ sich in Unterhandlungen mit ihm ein, konnte ihn aber zur Herausgabe des Buches nicht bewegen.
Der Fremde hatte Eile, bezahlte die Zeche und ging; worüber H... ganz trostlos war, und den Mönch recht dringend bat, ihm nachzugehen.
Vor der Stadt wurde der Fremde eingeholt, nochmals bearbeitet und endlich auch, nachdem H... die 200 Laubthaler aufgezählt hatte, zu Herausgabe des Buches vermocht, welches H... in Empfang nahm.
Der Fremde entfernte sich mit dem Gelde, der ältliche Mann wurde durch Kopfweh genöthigt, nach O...feld zurück zu gehen, um sich in dortiger Apotheke Medizin reichen zu lassen, und nur der Mönch allein begleitete den H... nach Gr...schen zurück. Unterwegs ging der Mönch in ein Gebüsch, um ein gewisses Bedürfniß zu verrichten, aber H... hat weder ihn, noch seinen Kameraden jemals wieder gesehen. –
An dieser Betrügerei hatten vier Personen Theil genommen. Sie hatten nämlich erfahren, daß H... ein abergläubischer Mann sei, und beredeten sich daher, ihm einen Betrug zu spielen. Der Eine brachte den Brief, der Andere gab sich für einen Jesuiten aus, und trank den Branntwein, den er zur Erweichung der Erde bestimmte; ein Dritter spielte den Geist, und der Vierte verkaufte ein werthloses Buch, das er in einer Auktion für einen Groschen erhalten hatte, für 200 Laubthaler, welche die Betrüger unter sich verteilten.