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Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Die Wunderkunst.

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Einleitung.

Die jetzt immer fortschreitende tiefe Kenntniß der Natur, wodurch man die verborgenen Geheimnisse derselben untersucht, zu ergründen strebt, um dadurch einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, gehört in die Naturlehre, und heißt die Wissenschaft der natürlichen Wunderkunst, oder Magie – Eine sogenannte Zauberkunst, wobei Geisterbeschwörungen, Charaktere und andere übernatürliche Dinge vorkommen, giebt es nicht!

Die unzähligen wundervollen Erscheinungen von Sympathie und Antipathie, deren Unerklärliches, auf einer gewissen Stufe der Cultur, erzeugte den Aberglauben. So auch die Begierde, in die Zukunft zu schauen, um sich solche nach Willkühr anzueignen, und endlich das Bestreben, höhere Wesen (wenn der Mensch sie ahnet) in seine Leidenschaften, Plane und Verhältnisse hineinzuziehen, um durch diese zu erlangen, was man durch eigne Kraft nicht möglich machen kann – Das sind wohl die ergiebigen Quellen des Aberglaubens und der nächste Ursprung des Zauber-Aberglaubens alter und neuer Zeiten gewesen.

Bei allen Völkern gab es sogenannte Magi oder Weise: die Griechen und Römer nannten sie Philosophen, die Indier Braminen, die Celten und Gallier Druiden, Barden; bei den Aegyptiern waren es die Priester, bei den Juden die Cabbalisten und Propheten. Noch finden wir Verehrer der Magie: den Angekok in Grönland, den Schaman in Sibirien, den tibetanischen Geisterbeschwörer, den Wogulitze, und den Abipone in Paraguay; in Canada, Mexiko, die Jongleurs, auf den Caraiben die Playen, in Afrika bei den Kafern und Hottentoten die Gangas oder Fetischirer, die Singhilis der Gager, die Mirabus in Madagaskar u. s. w. Aber Allen liegt nur eine Hauptidee zum Grund, welche Alle leitet und beherrscht. –

Der berühmte, auch marktschreiersche Theoph. Paracelsus sagt von der Magie überhaupt: »Sie ist eine behende, reine Kunst ohne Ceremonie, Beschwörungen, Kreuzwege, Kreise, Schwerter, Kleider, Kerzen, Licht, Wasser, Oel, Feuer, Räucherwerk, Charakter, Stiften, Bücher, ohne die Pentacula, die Sigilla Salomonis, ohne Krone, Scepter, Gürtel, Ring u. s. w. Nur die Necromantie hat mit diesen Dingen zu thun. Die Magie gebraucht allein den Glauben, der Berge versetzt. Aber wenn sie gemißbraucht wird, mag auch Zauberei daraus geboren werden.« – Gleich darauf theilt er aber seine Magie in 6 Species ein:

1) Magica artis, Auslegung übernatürlicher Dinge.

2) M. Transfigurativa, Transformirung von einem Leib in den andern, wie es zu Mosis Zeiten geschehen ist.

3) M. Characteralis lehrt Wörter machen, welche so viel wirken als des Arztes Arzenei.

4) Gamaheos, welches thut, was natürliche Instrumente thun, z. B. ein Schlüssel öffnet ein Schloß, ein Schwert schlägt Wunden u. s. w. Sie macht also dasjenige unsichtbar, was die Natur sichtbar macht.

5) Altera in Altera, Bilder zu machen, welche andern Menschen gleichen. Durch diese Bilder kann man demjenigen, den es vorstellt, alles anthun, ohne ihn zu berühren.

6) Ars Cabalistica. Z. B. es kann Einer im Occident mit einem Andern im Orient reden; denn was die Natur 100 Schritte zu hören vermag, das kann diese Kunst 100 Meilen.

Ist unser Paracelsus hier nicht über die Grenze der Natur geschritten, wo ihm sein Glaube gewiß nichts helfen wird! – In seiner Necromantie lehrt er sogar die Menschen Geister unterthänig zu machen, aber von Allem sagt er nicht, ob er eigne Versuche gemacht habe.

Tharsander, in seiner Magia Naturalis, sagt: die Magie soll eine Wissenschaft geheimer Dinge und der verborgenen Kräfte in der Natur sein, wodurch man viel Wunderbares und Seltsames ausrichten, und solche Wirkungen hervorbringen kann, welche übernatürlich zu sein scheinen. Sie wird eingetheilt in die Teuflische und Natürliche.

Die Teuflische, welche auch ceremonialis[1] genannt wird, ist eine geheime Wissenschaft, sich mit den Geistern bekannt zu machen und durch deren Beihilfe große und wunderbare Dinge zu verrichten. Sie führt sonst den Namen Zauberei.

Die natürliche Magie[2] ist eine Wissenschaft der natürlichen Dinge und ihrer verborgenen, theils wider einander streitenden Kräfte und Eigenschaften, welche nicht jedermann bekannt sind, derer man sich also zu bedienen weiß, daß, indem man sie mit einander absondert, daraus bewundrungswürdige und erstaunende Wirkungen entstehen. Durch die übereinstimmenden und wider einander streitenden Kräfte und Eigenschaften versteht man die sogenannte Sympathie und Antipathie.

Die natürliche Magie wird ferner eingetheilt in eine schlechterdings natürliche, wo die Natur für sich selbst wirkt, z. B. wenn der Magnet das Eisen an sich zieht – oder in eine künstliche, da man durch Hilfe der mathematischen Wissenschaften wunderbare Wirkungen hervorbringt, z. B. die Zauberlaterne – Diese natürliche Magie wird auch noch eingetheilt in die weissagende und würkende. Die erste geht mit Anzeigung verborgener und Vorhersagung zukünftiger Dinge um; in der zweiten aber wird Geschicklichkeit und Kunst mit den geheimen Wissenschaften verbunden, und dadurch etwas Wunderbares bewerkstelligt, z. B. (wie der Abergläubische meint) wenn das Eisen, womit jemand verwundet worden, mit einer gewissen Salbe gestrichen, auf solche Art die Wunde heilt. –

Wir wollen endlich noch zu unserer Einleitung einige gelehrte und weise Männer anführen, die theils durch ihre Gelehrsamkeit, theils durch eigene und untergeschobene Schriften in den Ruf der Zauberei gerathen sind.

Der weise Salomo selbst konnte nicht dem Verdacht der Zauberei entgehen. Die große Anzahl magischer Bücher aber, die ihm zugeschrieben werden, beweisen schon ihre Unächtheit. Nur einige davon: 1) Clavicula Salomonis; 2) das Buch Lamene; 3) das Buch Pentaculorum; 4) das Buch de officiis Spirituum; 5) das Buch Razziel; 6) Speculum Salomonis u. s. w.

Der Bischof Albertus Magnus von Regensburg, war ein großer Gelehrter, Philosoph und Theolog, daher der Beiname des Großen. Er fiel in den Verdacht der Zauberei, da er ein Automat, einen redenden Kopf, verfertigt haben soll. Einige Bücher über Magie, die aber untergeschoben worden sind, machten ihn noch verdächtiger.

Dr. Ioh. Faust, der allbekannte Zauberer, dessen Leben idealisch aufgefaßt, aber geschichtlich unbekannt sein mag. Er soll ein fahrender Schüler und nicht jener Faust, der die Buchdruckerkunst mit erfand, gewesen sein. Eben so ist auch sein Buch: »Dr. Faust Höllenzwang,« wie sein Leben, erdichtet.

Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim (gest. 1541), den wir schon oben kennen gelernt haben, hat sowohl in der Philosophie, als auch in der Arzneikunst und Religion eine auffallende Rolle gespielt, und wird noch jetzt von Alchymisten hochverehrt. Seine Schriften über Magie hatten ihn verdächtig gemacht, allein die Neuheit seiner Ideen, die Undeutlichkeit seiner Schreibart und die Dunkelheit einer Menge Wörter machten es zweifelhaft, was er damit wollte, denn er selbst hat sich niemals seiner großen Geheimnisse, die er sich rühmte, bedient.

Ioh. Trittheim, Abt im Kloster Sponheim, war ein geschickter Mathematiker, Geschichtschreiber, Redner und Theolog, und wurde besonders von seinen Mönchen, weil er strenge Disciplin übte, der Zauberei beschuldigt. Er soll einen Geist um sich gehabt haben, der ihm Alles eröffnete – Das war freilich sein Verstand! – Sein Werk: de Steganographia, von verborgenen Schriften, welches aber untergeschoben sein soll, machte ihn der Hexerei verdächtig.

Heinr. Cornelius Agrippa, ein Schüler des Trittheim, war ein sehr gelehrter Mann. Seiner Philosophia occulta wurde ein viertes Buch voller magischen Ceremonien und abergläubischen Gebräuchen angehängt, daher dieser vortreffliche Mann auch in den Verdacht der Zauberei kam, obgleich er in seinem Buche de vanitate scientiarum seine Verachtung dagegen gezeigt hat.

So viel von den Berühmtesten, wenn diese als Zauberer nicht gelten, so werden die kleinen, die Betrüger und Taschenspieler von selbst wegfallen.

Die neuern, als Schwedenborg, Schrepfer, Saint Germain, Gassner, Messmer, Cagliostro, die Wunderheilungen des Fürsten Hohenlohe, des Bauers Martin Michel u. a. m. wollen wir jetzt mit Stillschweigen übergehen.

In den frühesten Zeiten machten schon die Menschen bei geringen Entdeckungen natürlicher Dinge große Geheimnisse daraus, und setzten das unwissende Volk in Verwunderung, und auf diese Weise erhielten sie einen Wundernamen. In der Folge gaben sie vor, geheime Künste zu besitzen, die aber nichts waren. Die natürliche Magie ist aber nichts anders, als was die Naturlehre uns bietet, und alle sogenannten Wunderkünste sind natürlich.

Die Magie wird also immer demjenigen eine geheime Wissenschaft bleiben, welcher die Kräfte der Natur nicht kennt, dem Wissenden bleibt sie ein Theil der Naturlehre. Es giebt zwar und wird immer noch viele neue Entdeckungen in der Natur geben, aber deswegen ist es und bleibt Alles nichts Uebernatürliches.

Wir werden nun unsern neugierigen und gelehrigen Lesern und Leserinnen nach und nach die alte versteckte Zauberei, womit so Viele geprahlt, aber selbst keine streng untersuchte Beweise gefunden haben, zu Tage fördern, nicht um die Dinge nach zu machen, sondern von der Entdeckung die Wahrheit zu erhalten: daß Unkenntniß der Natur, Leichtgläubigkeit und Betrügerei der Zauberei und Hexerei Nahrung geben.

Denn eine gewisse Classe von Menschen in Städten und Dörfern legt jetzt noch einen großen Werth auf Zauberbücher, und kauft sie sehr theuer, wenn sie dieselben nicht als ein Erbstück erhalten hat. Handschriften sind es gemeiniglich, die unter ihnen circuliren, und sie glauben, daß solche Bücher nicht gedruckt oder doch in wenigen Händen zu finden sind. –

Wir werden daher auch aus mehrern Handschriften, die sich in Criminalprocessen von Geisterbannern und Schatzgräbern vorgefunden haben, Auszüge (durch freundliche Mittheilung) mit wunderlichen Figuren geben können – Das ganze Werkchen zerfällt in 3 Abtheilungen: die erste handelt von der Zauberei, die zweite vom Aberglauben, die dritte giebt Erzählungen, welche auf die erste Abtheilung Bezug haben.

Jedoch werden wir auch, nach unserm vorgesetzten Plane, viele Abscheuligkeiten, wobei Gottes Name zu sehr von Vorwitz, Unverstand, Leichtsinn und bösen Willen gemißbraucht wird, unterdrücken.

So möge nun die Zauberei oder Hexerei anfangen, und, nach unserm Plane, recht viel Gutes stiften!

Von den Gespenstern.

Furcht und Einbildung erzeugten schon im grauen Alterthum den Glauben an Gespenster, denn die Phantasie ist von so grenzenlosem Umfange, sagt ein neuer Schriftsteller, daß sie sogar das bloße Beisammensein mehrerer Dinge zu einem Subjecte umbildet, und eine Eigenschaft der einen Sache zur Eigenschaft der andern macht. Es kann kommen, wenn man eine Stimme aus der Ferne hört, daß der Eine sie für die des Freundes, den er erwartet, der Andere für die des Feindes, den er fürchtet, und der Diener die Stimme für die seines Herrn hält.

Kinder, welchen Gespensterhistörchen erzählt werden, behalten die Furcht, und die Nacht, den Kopf mit Gespenstern angefüllt, erzeugt Phantome, die nicht sind. Klosterwunder, Vapeurs und hypochondrische Dünste brachten das Spuken und die Gespenster hervor. Die Bewohner der Klöster fanden ihre Rechnung dabei, um ihr Fegfeuer als eine Wahrheit zu vertheidigen, und dem gemeinen Haufen den Gespensterglauben nicht nur zu lassen, sondern auch zu verstärken.

Was soll aber nun ein Gespenst sein? Es soll eine geistige Substanz sein, die einen Körper angenommen, und darin sich sehen, hören und fühlen läßt, kurz, der Geist des Verstorbenen.

Dieser Geist, welchen Einige den Astral-Geist oder Sternen-Geist nennen, soll sich nebst der Seele im Menschen befinden. Der Mensch bestände nämlich aus drei wesentlichen Stücken: dem irdischen Leib, der unsterblichen Seele, und einem Mittelding zwischen diesen beiden, dem Astralgeist. Diese Lehre der Trialisten hat schon Plato angeführt, dann kam sie in die Alexandrinische Schule, und so unter die Christen. Herr Paracelsus ist vom Astralgeist eingenommen und sagt: »der Mensch besteht aus drei großen Substanzen, die erste ist die Seele, von Gott kommend und nach dem Tode wieder dahin zurückkehrend; die andere der Geist, der aus dem Firmamente kommt, und aus Feuer und Luft besteht, auch endlich in der Luft sein Grab oder seine Zerstörung findet; die dritte Substanz ist der grobe Leib, welcher aus Erde und Wasser besteht, und wieder zur Erde werden muß.«

Da die Seele und der Körper des Menschen von ganz verschiedener Natur und verschiedenen Wesen sind, so kann man schwer begreifen, worin das Band und die genaue Vereinigung derselben besteht, daher bei diesen zwei Extremen, die gegen einander sind, nicht anders als durch ein Mittelding, welches in seiner Natur dem einen sowohl, als dem andern näher kommt, verbunden und vereinigt werden können. Dieses Mittelding sei zwar kein Geist, oder ein ganz unkörperliches Wesen, sondern eine sehr reine und subtile Materie, die wegen der Subtilität der Seele näher komme, als der grobe Leib des materiellen Wesens wegen dem Körper näher sei, als die ganz unmaterielle Seele. Um die Existenz eines solchen Mitteldings zu beweisen, nimmt man den Streit zu Hilfe, der sich oft bei den Menschen zwischen dem Verstand und den sinnlichen Begierden findet. Die Phantasie und die sinnlichen Begierden sollen Kräfte des Astralgeistes, aber Verstand und Wille, Kräfte der Seele sein.

Dieser Astralgeist, sagt Paracelsus, erscheint nach dem Tode des Menschen noch eine Zeitlang, da er das Vermögen, die Gedanken, Einbildungen und Begierden, welche er beim Abschied vom Körper empfängt, und die ihn stark eingedrückt werden, noch eine geraume Zeit zu behalten u. s. w.

Doch genug von dieser wunderlichen Einbildung, die sich von selbst und mit wenigen Worten widerlegt! Kann die Seele auf den Körper nicht wirken, so kann sie es auch nicht auf den Astralgeist, weil er ja auch materiell ist, er mag noch so subtil sein. Alle Dinge in der Natur sind entweder einfach oder zusammengesetzt, ein Drittes giebt es nicht, also woher ein Mittelding zwischen Seele und Leib!

Mit diesem sogenannten Astralgeiste wollen Viele, namentlich Paracelsus, das Spuken der Verstorbenen und das Erscheinen nach dem Tode erklären. Aber gewiß! weder sie noch wir haben den Geist eines Verstorbenen gesehen.

Eben so wenig kann sich die Seele wie von einem Verstorbenen, auch von einem Lebenden trennen und einem andern erscheinen – denn ist diese einmal vom Körper, kehrt sie nie wieder zu ihm zurück[3] – Daher das Sehen seiner selbst, die vielfältige Gegenwart einer Person an verschiedenen und entfernten Orten, und das Doppelsehen gehört zu den Täuschungen, Fabeln und Betrügereien[4].

Betrüger[5], Diebe[6] und Verliebte haben stets die Rolle eines Gespenstes gespielt. So sagt noch ein altes französisches Sprichtwort von den Verliebten:

Où sont filettes et bon vin C’est là où hante le Lutin. (Bei Mädchen und bei gutem Wein Pflegt meistens ein Gespenst zu sein.)

Die Necromantie.

Durch diese Wunderkunst ruft man die Todten aus ihren Gräbern, wenn man von ihnen geheime und künftige Dinge erfahren will. C. Agrippa nennt zwei Arten dieser Zauberei: Necyomantie, wodurch man die verstorbenen Körper sogar wieder lebendig dargestellt, und Sciomantie, wenn blos ein Schattenbild des Verstorbenen erscheint – Die Necromantie ist sehr alt, denn die Betrügerin zu Endor ließ ja den Schatten (Können denn Schatten auch sprechen?) Samuels erscheinen. Im allgemeinen ist diese Kunst eine große Betrügerei[7]. Die Kunststücke mit dem sogenannten Zauberspiegel, wodurch man erstaunungswürdige Dinge produciren, so auch mit der Zauberlaterne, wodurch man Gestalten in freier Luft präsentiren kann – finden wir in Wiglebs natürl. Magie, Berlin und Stettin 1779, wohin ich die neugierigen Leser verweise.

Alle Necromantisten sind feine Betrüger. Schwedenborg, Schrepfer und Cagliostro waren solche Subjekte, und die größten Geisterbanner, die sogar hohe Personen und angesehene Gelehrte täuschten (S. Abth. III. Schwedenborg).

Den Schwachen geht es mit der Geisterseherei, wie jenen, als ein gewisser Engländer, Sawney, ein berüchtigter Seher und Wahrsager, große Gebäude, herrliche Tempel, mit kunstreichen Statüen u. s. w. erblickte, welche aber alle von – Eis und Schnee waren, und als die Sonne aufging, das Ganze zerschmolz, und die Neugierigen nichts sahen!

Von der sogenannten Hexerei.

In allen Jahrhunderten, bei allen Nationen, findet man den Glauben an höhere, gute und böse Geister, und bei uns brachte man in der unglücklichen Zeit der Hexenprozesse – vom 13ten bis 17ten Jahrhundert – die Wunder des Teufels in ein System, behandelte sie wie andere natürliche Erscheinungen, indem man das Natürliche mit dem Uebernatürlichen durcheinander mischte. Von dieser Zeit an untersuchte man die Hexerei oder Zauberei, wie einen Mord, einen Diebstahl u. s. w., daher also die verwirrten Ideen in diesem Zeitalter bei allen Gelehrten und allen Klassen von Menschen. (S. Abth. III. die Hexe, der Hexenprozeß, der Hexenmeister.)

Ueberhaupt hat die Inquisition, da sie der Unglücklichen Güter einzog, erst die Hexerei bekannt gemacht. Im 15ten Jahrhundert stieg die Meinung der Zauberei aufs Höchste, namentlich durch die Bulle des Papstes Innocens VIII., den 4. December 1484. Diese Bulle brachte die Hexenprozesse in Gang, weil sie darin erst recht begründet und verbreitet wurden, und zwar durch Erklärungen über die Wirklichkeit von Teufelskünsten und Schilderungen ihrer Wirkungen. Um der Sache noch mehr Gewicht zu geben, erschien sogar zur Erläuterung das furchtbare Buch, der Hexenhammer, 1489.

In Teutschland brennten die Flammen, welche Unschuldige hinrichteten, und solche Tage, wo eine Hexe verbrannt wurde, waren Jubeltage des gemeinen Mannes. (S. Abth. III. die gerettete Hexe.)

Aber Teutsche waren es auch, die besonders und mit Gründen den allgemeinen Glauben an Zauberei und Hexerei zu bestreiten wagten. – Cornelius Loos, noch besonders ein Priester zu Mainz, war einer der ersten, welcher die Ungerechtigkeiten der Hexenprozesse zu zeigen sich erkühnte. Er mußte aber zweimal widerrufen, wenn er nicht auch verbrannt seyn wollte. Er starb 1593. – Auch die Jesuiten Adam Tanner (gest. 1632) und Friedr. Spee schrieben gegen die Hexenprozesse. – Endlich trat zu Anfang des 18ten Jahrhunderts ein kräftiger Mann auf: Christ. Thomasius, Lehrer der Rechtswissenschaft zu Halle, und kann als der eigentliche Zerstörer des Hexenprozesses betrachtet werden.

In der Folge wurde aller Zauberglauben durch die Naturwissenschaft vernichtet, doch ohne ihn gänzlich auszurotten; denn in gegenwärtiger Zeit publizirt man noch Berichte von Wunderkuren durch Zeitungen, wie der Hang zum Aberglauben sich bildet, und jetzt wieder besteht. –

Im Allgemeinen wird die Hexerei oder Zauberei folgendermaßen beschrieben:

Sie ist ein Verbrechen, wenn ein Mensch mit dem Teufel, welcher in einer menschlichen, thierischen oder andern Gestalt erscheint, einen Bund macht, darüber ein Instrument aufsetzet, und dasselbe mit seinem Blute unterschreibt, vermöge aber dessen Gott und die Religion verleugnet, und sich dem Teufel zu dienen verpflichtet, auch nach Verfließung einer bestimmten Zeit sich demselben mit Leib und Seele zu eigen übergiebt; wogegen der Teufel verspricht, einem solchen Menschen wiederum zu Willen zu seyn, und mancherlei Ergötzlichkeiten zu schaffen, ihm beizustehen, daß er große und wunderbare Dinge ausrichten, und andern Menschen nach Belieben Schaden zufügen könne, ihn auch zu gewisser Zeit abzuholen, und durch die Luft zu führen, wo der Teufel mit seinen Getreuen und Bundsgenossen die Versammlung hält, wo sie sich mit Singen, Tanzen, Fressen und Saufen u. s. w. recht lustig machen.

Im weitläufigen Sinn versteht man aber von Hexerei, wenn ein Mensch verschiedene ungewöhnliche und abergläubische Mittel und Ceremonien vornimmt, um Hilfe zu schaffen oder Schaden zu thun, ob er gleich nicht ausdrücklich mit dem Teufel einen Bund gemacht hat. Man muß aber die Magie der Alten von der heutigen Zauberei unterscheiden, welche letztere von der erstern entstanden ist.

Die Candidaten, besonders weiblichen Geschlechts, halten jährlich dreimal den sogenannten Hexensabbath. Der Ort der Versammlung heißt bei uns in Teutschland der Blocksberg, in Italien Noce di Benevento, in Schweden Blocula; in andern Ländern wird man vielleicht auch solche Versammlungsörter haben; sonst geschehen sie auch auf Kreuzwegen, unterm Galgen, auf Kirchhöfen, oder lieber bei einem See oder Sumpf, weil man das Wasser schlagen und dadurch Ungewitter erregen kann. An dem Ort, wo der Sabbath gehalten wird, soll nichts wachsen.

Ist nun die bestimmte Zeit da, so entkleiden sich die Zauberer und bestreichen sich mit einem Fett, welches ihnen jedesmal bei dem großen Sabbath ausgetheilt wird. Alsdann fahren sie zum Schornstein hinaus, an dessen Ende sie einen großen schwarzen Mann mit zwei Hörnern antreffen, der sie ergreift und nach dem Versammlungsort hin und zurück bringt. Sie bedienen sich zu ihrer Fahrt auch anderer Werkzeuge, als schwarze Böcke, Ziegen, Kälber, Wölfe, Katzen und Hunde, oder auch Ofengabeln, Spinnrocken und Besen, worauf sie durch die Luft fahren.

In der Versammlung erscheint nun der Teufel, als Vorsteher in mancherlei Gestalt, bisweilen wie ein Mensch, aber öfter als ein – Bock. So sitzt er auf einer schwarzen Kanzel, mit einer Krone von schwarzen Hörnern, zwei Hörner hinten und eins an der Stirn, mit welchem er der Versammlung leuchtet, mit zu Berge stehenden Haaren, mit blassem und verstörtem Gesicht, großen, runden, aufgesperrten, feurigen und häßlichen Augen, mit einem Ziegenbart, mit einem ungestalteten Hals, mit einem Leib, halb Mensch, halb Bock, mit Händen und Füßen, fast wie ein Mensch, außer daß die Finger alle gerade und spitz sind, und scharfe Nägel haben, seine Hände sind krumm, wie die Krallen der Raubvögel, die Füße so breit wie Gänsefüße; der Schwanz ist so lang, als an einem Esel. Er hat eine schreckliche Stimme, und ein melancholisch verdrüßliches Gesicht.

Sobald er sich gesetzt hat, küssen die Zauberer ein unter seinem Schwanze befindliches schwarzes Menschengesicht. Alsdann geht der Tanz an, und die Hexen singen:

Alegremonos Alegremos Que gente nue va tenemos.

Bisweilen tanzen auch Kröten vor ihnen her, und machen tausenderlei krumme Sprünge. Nach dem Tanze geht es zur Mahlzeit. Aber die aufgetragenen Gerichte sind ekelhaft, doch – der neugierige Leser muß alles wissen: – Sie bestehen aus Kröten, Aas, Leichnamen und ungetauften Kindern. Salz giebt es nicht, aber Brod von schwarzer Hirse.

Nach aufgehobener Tafel setzt sich der Teufel an einen Tisch und nimmt die Huldigung der Hexen an, die sie ihm, eine nach der andern, ablegen, indem sie alle angezündete schwarze Pechfackeln in Händen haben, die sie nach geendigter Ceremonie dem Teufel, den sie ihren Prinz nennen, wieder zustellen, der sie bis zur künftigen Versammlung aufhebt. Wenn dieses zu Ende, fragt er, was ihr Begehren sey? Was für Gift, den Menschen zu schaden, sie nöthig hätten? u. s. w. – und ertheilt ihnen Rath und Hilfe.

Eine jede Hexe bringt etwas auf den Sabbath mit, als Farrenkraut, Mistel, Wegerich, Kröten, Eidechsen, Schlangen und kleine Kinder, welches der Teufel in Stücken hackt, alles kochen läßt und von dem Fette die Salbe macht.

Genug sey es von dieser verwirrten Einbildungskraft, von der uns de Lancre Tableau de l’Inconstance des mauvais Anges et Demons erzählt hat.

Da wir aber einmal bei dem Teufel sind, so müssen wir doch noch etwas von seiner Person und seinen Umtrieben reden.

Agrippa in seiner occulta philosophia giebt von den bösen Dämonen neun Ordnungen an:

1) Diejenigen, welche man die falschen Götter nennt, die den Namen der Gottheit gleichsam usurpirt haben und als Götter verehrt seyn wollen. So wie jener, welcher Christus alle Schätze der Welt zeigte, und sie ihm verhieß, wenn er vor ihm niederfallen und ihn anbeten würde. Der Oberste dieser Dämonen wird Beelzebub genannt.

2) Die Lügner. Ein solcher war bei dem Propheten Achab, bei der Hexe von Endor und bei den Orakeln. Der Oberste dieser Teufel hieß Python.

3) Die Gefäße der Ungerechtigkeit und des Zornes Gottes. Sie sind die Erfinder allerlei Uebel. Der Oberste wird Belial genannt.

4) Die Rächer der Laster. Der Oberste heißt Asmodeus.

5) Weissager, Betrüger, Verblender, welche Mirakel nachahmen und Böses thun, wie die Schlange der Eva. Der Oberste heißt Satan.

6) Wettermacher. Es sind ihrer vier, nach den vier Hauptwinden, und der Oberste heißt Merizim.

7) Furien, Stifter der Zwietracht und des Kriegs. Der Oberste heißt Abaddon.

8) Verläumder. Die Griechen nennen sie Diabolos, unsere Teufel. Der Oberste ist Astaroth.

9) Versucher, böse Geister. Der Oberste heißt Mammon (Begierde nach Reichtum).

Man hat sehr verschiedene Auslegungen des Namens Teufel. Einige sagen, das Wort Teufel bedeute einen Zerstörer; andere – einen Verführer; die Griechen nennen ihn Verläumder; daher kann auch das Wort nicht allein eine Person, sondern mehr Handlungen und Gewohnheiten bedeuten.

Wenn nun auch dieser Teufel in den Abgrund gestürzt und gebunden ist, so bleibt er doch in dem Munde des Volkes, und hat sogar noch manchen Gegenständen seinen Namen geliehen.

So giebt es unter vielen andern die Teufels-Inseln (die Bermuden), von den Spaniern zuerst entdeckt, welche sie wegen ihrer fürchterlichen Felsen los Diabolos nannten.

Der Blocksberg auf dem Harz, berüchtigt durch die Hexenversammlung.

Die Teufelshochzeit ist ein Berg in Ungarn, unweit dem Bergstädtchen Boza, und wird wegen der daselbst häufig aufsteigenden großen Gewitter so genannt.

Der Teufelsgrund ist ein tiefes Thal im Riesengebirge unweit Greifenberg.

Die Teufelsgrube wird eine Höhle in dem bei Goslar gelegenen Rummelsberge genannt, wo der Teufel ein Bergwerk gehabt haben soll.

Das Teufels-Mör ist eine Gegend bei Bremen, unweit der Weser, wo zwischen Moor eine Viehweide liegt.

Der Teufelsweg auf den Gebirgen, welche Savoyen von Piemont scheiden, ist unter mehreren Pässen einer, welcher le Pas de Diable heißt, wegen der Gefahr der Reisenden, in Abgründe zu stürzen.

Die Teufelskirche. In dem fürchterlichen Thale bei Altdorf, zwischen Weihofen und Grunsberg, ist eine große Tiefe oder Kluft am Fuße eines waldbewachsenen Berges, welche so genannt wird.

Die Teufelsleiter ist ein steiler Berg bei dem Flecken Lorch, wo ein steiler Weg hinauf geht.

Die Teufelsmauer. Sie ist ein Werk der Römer, welche einen Wall oder Pfahlhecke zur Sicherheit gegen die Teutschen erbauten. Noch kann man ihre Ruine sehen, welche bei Pföring an der Donau anfängt und bis an den Neckar läuft.

Auch wird ein Berg einige Stunden von Quedlinburg die Teufelsmauer genannt, weil er wie von über einander liegenden Steinen zusammengetragen erscheint.

Die Teufelsbrücke, am St. Gotthardsberge in der Schweiz.

Die Regensburger Brücke soll auch durch Beihülfe des Teufels erbaut worden seyn.

Der Teufelsthurm, ein auf einem Felsen stehender Thurm, unfern des Strudels in der Donau.

So giebt es auch Teufelsmühlen, z. B. zwischen Corvey und Hameln, wo ein starkes, aus einem Felsen strömendes Wasser ein Mühlrad treibt.

Teufelssteine nennt der gemeine Mann große Blöcke, weil er ihren Ursprung nicht kennt.

Sogar ein Fisch muß den Namen Teufel tragen – der Seeteufel.

Auch unter Vegetabilien finden wir den Namen Teufel, z. B.: Teufels-Abbiß (Morsus Diaboli), Teufels-Aepfel (Coloquinten), Teufels-Dreck (Assa foetida), Teufels-Ingber (Arum), Teufels-Scheu (Daemonum fuga, Johanniskraut) u. s. w.

Zuletzt müssen wir noch den Paracelsus hören, was er von der Erkennung einer Hexe sagt: Sie liebt ihren Mann nicht, feiert besonders den Samstag und den Freitag, hat besondere Zeichen an sich, als krumme Glieder, besonders eine krumme Nase, ist leicht am Gewicht u. s. w. Sie hängt auch Zaubereien an sich, kocht selten und wäscht sich nicht, kehrt in der Kirche rücklings um und will gern allein und für sich seyn. (S. Abth. III. die Hexenwage.)

Elben, Holder und Hulderchen, die bösen und guten Dinger, die reisenden und fahrenden Kinder.

Durch diese Dinger stifteten die Hexen Krankheiten und vielerlei Unfälle. Bei dem Teufelsbündniß erhielt jede Hexe ihren Geist, oder einen besondern Leibteufel. Im funfzehnten Jahrhundert war es nichts Ungewöhnliches, daß eine Hexe mit ihrem Geiste menschliche Kinder zeugte. Mit diesen Geschöpfen, welches gewöhnlich Würmer waren, stifteten sie das Unheil: z. B. das Anthun, Behexen (s. Abtheil. III. die Behexte, Bezauberung des Viehes), Krankmachen, sogar Tödten. Diese Geburten, Elben, Holder u. s. w., wurden pulverisirt, welches das Hexenpulver wurde.

Die Hexen konnten auch Menschen und Vieh krank machen:

1) durch bloße Worte, wenn sie z. B. die Kinder beschrieen. Man lobte die Kinder ohne Neid, setzte aber hinzu: Gott behüte es! – Die Hexen aber sagten: Ei, daß dich mein Gott behüte! Dadurch aber sollen sie nicht den wahren Gott, sondern den Satan verstehen.

2) Durch bloßes Anschauen, z. B. mit Triefaugen.

3) Durch zauberische Salben an die Hausthür und andere Orten geschmiert. Oder

4) durch Charaktere.

5) Durch etwas Vergraben unter die Thürschwelle.

Vom Wind- und Wettermachen.

Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum; sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (Wierus de Lamiis erzählt mehr davon.)

Wind haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.)

Hexen-Salbe.

Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut, Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe. Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen.

Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine betäubende Kraft hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte, sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III. Hexenfahrt.)

Von Entzauberung und Amuletten.

In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen.

Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten, Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen.

Ein Anderes:

Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut, Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte.

Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an den Hals, vorzüglich erhielten Amulette die Kinder, sie vor Hexerei zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth. III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine, Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte Abracadabra, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers Severus und Caracalla von einem Arzt Sammonicus gekommen sein soll. Man schreibt es auf Papier, wie folgt:

A b r a c a d a b r a

a b r a c a d a b r

a b r a c a d a b

a b r a c a d a

a b r a c a d

a b r a c a

a b r a c

a b r a

a b r

a b

a

Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an den Hals gehängt.

Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner Philosophia occulta: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: El, Elohim, Elohe, Zebaoth, Elion, Escerchie, Adonay, Jah, Tetragrammaton, Saday.

Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister höchst nützlich und nöthig sein.

Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die Siegel der Planeten zu machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und – bei sich trage.

Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen so viel gehalten haben:

Das Siegel des Saturns.

Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15 addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln, sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne, welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8]. Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden.

Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen, und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab.

Das Siegel des Jupiters.

Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf dem Haupte einen Stern mit dem Namen Jupiter, dabei sein Zeichen oder Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich in allen Handlungen.

Siegel des Mars.

Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern, der Name des Mars und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden. Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht, wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.

Siegel der Sonne.

Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6 multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können. Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf dem Haupte eine Sonne, und den Namen Sol und das Zeichen[11]; zu den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut zunimmt.

Siegel der Venus.

Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann. Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem Namen Venus und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und giebt Geschicklichkeit in der Musik.

Siegel des Merkur.

Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8 multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte ein Stern, dann der Name Mercurius und sein Zeichen[13]. Das Siegel wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht.

Siegel des Mondes.

Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat, welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen. Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name Luna, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten, ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig.

Der Heckethaler.

Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen; wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will, Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.

Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals.

Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine Katze zu kaufen!

Vom Wehrwolf.

Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne. – Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten, bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. Bodinus, der Hexenrichter war, erzählt in seiner Dæmonomanie des forciers: daß ein gewisser Aegidius Garnier, welcher am Michaelistage, in der Gestalt eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern Dole, in einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu Dole den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde.

Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene Circe, die die Menschen in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.

Vom Bannen und Festmachen.

Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der Stelle bewegen kann, heißt bannen, z. B. Diebe, welche das Gestohlene nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w. Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben.

Einen stehend zu machen.

Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die Formel; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten, damit er nicht davon läuft.

Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß, gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden, So gewiß und vest, So vest, so vest, so vest, Als der Baum hält seine Aest, Und der Ast hält seine Aest, Und der Hirsch hält seine Zungen, Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen. So gewiß und wahr sollt ihr stehen, Als der heilige Johannes stand am Jordan, Da er den lieben Herrn Jesum getaufet, Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen, Bis die liebe göttliche Mutter Einen andern Sohn gebähret. So gewiß sollt ihr sein gebunden Zu dieser Tag und Stunden Im Namen Gottes † † † u. s. w.

Lossprechung des Gebundenen.

So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen.

Wider die Feuersbrunst.

Schon die Alten legten viel auf die Kraft der Worte, und die christliche Magie hat sie beibehalten.

Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: Arse Vorse schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen 11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8. Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes Aghela, oder auf einen Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu werfen.

Der Feuersegen.

Feuer stehe still, um Gottes Will, Um des Herrn Jesu Christi Willen, Feuer stehe still in deiner Gluth, Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut. Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen, Daß du nicht weiter kannst von dannen, Sondern behältst alle deine Funken und Flammen, Amen! Amen! Amen!

Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.

Sanguis mane in venis, Sicut Christus pro te in poenis: Sanguis mane fixus, Sicut Christus crucifixus.

Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.

Gott Vater fährt gen Acker, Er ackert fein wacker, Er ackert drei Würmer heraus, Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth, Hier liegen alle Würmer todt.

So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe, – Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w.

Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem Bannen des Wildes verfährt man also:

Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt, – im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen, als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.

Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird!

Das eigentliche Festmachen, die Frei-Schützenkunst, ist eine Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S. Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die Passauische Kunst genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit Charakteren und Wörtern: Arios, Beji, Glaji, Alpke, nalat, nasala, eri lupie, bezeichnet, zu verschlucken.

Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!

Andere Abergläubige tragen auch die Länge Jesu bei sich, um gegen den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut geheißen und bestätigt haben.

Das Noth-Hemd.

Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. – Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede, daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w.

Von der Waffen-Salbe.

Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr viele und verschiedene Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können. Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus:

Rz. Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1 Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch bolus ana 1 Unze, untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere noch 1 Unze Terpentin nehmen.

Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein, so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w.

Von der Wünschelruthe.

Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch nach ihrer mannichfaltigen Anwendung Wendes-, Windes-, Wünschel-, Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks- und Erlenruthe genannt, zuweilen auch die göttliche Ruthe – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders, mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, unterwärts gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt, so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber – wenn welches verborgen liegt!

Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit Athanasius Kircher in seinem dritten Buche de Art. Magnet.: Wenn eine Pflanze eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse, an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder Ausdämpfung der Atome per inspirationem insensibilem kommt, durch die Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme, an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen.

Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen von Eisen oder Kupfer.

Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, Quellen aufzusuchen.

Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.)

Die Springwurzel.

Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen, sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel, welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen.

Wer wohl die Probe gemacht haben mag?

Die Alraunwurzel.

Diese Pflanze (Atropa Mandragora) soll den Besitzer reich und glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen Circea, von der Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen sein sollte.

Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie auch Galgenmännlein genannt.

Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden, neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.

Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches hat, wird zu den betäubenden gerechnet und in der Medizin nicht gebraucht.

Das Sieblaufen (Oscinomantia).

Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen, oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister spricht folgende barbarische Worte:

Dies, mies, Jeschet, benedæfet, dowima, Enitemans.

Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei Nennung eines Namens, den man besonders in Verdacht hat, eine Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß sich das Sieb drehen!

Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem Erb-Schlüssel.

Speculum Salomonis, oder der Spiegel Salomons.

In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde, wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte mit Taubenblut auf Papier: Teonemanuel Iskiroh, und den Taufnamen desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan. Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere. Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht, wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des ersten Spiegels spricht man:

Aus Gott kömmt alle Weisheit.

}
}

In Gott ist

Bei Gott bestehet

Gott der Vater liebet

Bei Gießung des andern Spiegels spricht man:

Gott der Sohn erhält alle Welt.

}
}

Gott der Sohn erlöset

Gott der Sohn speiset

Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man:

Der heilige Geist erleuchtet alle, die Wahrheit lieben.

}
}

Der heilige Geist tröstet

Der heilige Geist stärket

Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel polirt.

Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er gemacht worden ist.

Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen steht.

Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben, und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die Nativität stellen.

Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen, Diebstahl, Betrügerei etc.

Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten Spiegel Salomons zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht.

Vom Unsichtbarmachen.

Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des Kaiser Domitian zu entfliehen.

Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches, wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen rothen Faden binden, um ihn zu finden.

Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht:

Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth?

Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf Wunden mich verbergen thun. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure Augen stets von mir abwenden müßt. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth!

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut!

Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich,

Und was ich bet’ und will und greif’,

Dem bin ich in Christo gleich,

Als der Heilige im Himmelreich.

Im Namen Gottes † † †. Amen.

Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar erfunden werden.

Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern christliche Magie, welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17. Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.

Von der Chiromantie.

Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand, ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern, von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie wird eingetheilt in die physische und astrologische. Die erste hat allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander. Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken u. s. w.

Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet – also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet?

Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun, wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten, auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet, wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen, die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von zukünftigen Dingen.

Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w. gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben, frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren. (S. Abth. III. die Wahrsagerin.)

Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9. und lese weiter.

Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen (Pulex), der Zeigefinger (Index seu demonstrativus), der Mittelfinger (Medius), der Goldfinger (Annularis) und der Ohrfinger (Auricularis).

Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man Mons Veneris (♀), den Berg am Zeigefinger Mons Jovis (♃), den am Mittelfinger Mons Saturni (♄), am Goldfinger Mons Solis (☉) und am Ohrfinger Mons Mercurii (☿).

Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt Restricta; man hat bisweilen 4 Restrikten.

Die Lebenslinie (Linea Vitae) fängt bei der Mittellinie an, zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und läuft bis an das Ende der flachen Hand.

Die Hauptlinie (Linea Capitis, Media naturalis) fängt bei der Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende.

Die Tischlinie (Linea Mensalis) fängt am Berge des Ohrfingers an und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.

Die Glückslinie (Linea Saturni) geht von der Restricta aus und bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet, gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten.

Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den Tisch der Hand (Quadrangulus oder Mensa manus), welcher zum Ohrfinger gehört; daneben sieht man den Triangel, und unter demselben den Mondberg (Mons Lunae), links vom Triangel liegt der Marsberg (Mons Martis).

Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn in Verbindung steht.

Ist nun die Lebenslinie lang und ganz, nicht zerschnitten, so bedeutet sie ein gesundes langes Leben.

Wenn die Linie des Hauptes krumm und zertheilt ist, bedeutet es Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen Handlungen geneigt.

Wenn die Glückslinie lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches Leben; ist sie zertheilt, Krankheit.

Der Triangel, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet einen frommen friedsamen Menschen.

Wenn der Tisch lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet, so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt Blutfluß.

Wenn die Tischlinie die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.

Der Tisch der Hand, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen.

Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, – denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band füllen könnten.

Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren Eigenschaften vornehmen:

Eine lange Hand mit langen Fingern bedeutet einen langsam trägen Menschen, einen Phlegmatikus.

Wenn die Mitte der Hand lang und hart ist, dabei die Finger lang sind, bedeutet es einen diebischen Menschen.

Ist die Mitte der Hand hart, doch wohl proportionirt, so bedeutet es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber nicht gut proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.

Sind die Hände dünn und lang, doch nach dem Körper proportionirt, so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar.

Ist die Hand kürzer, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und empfindlich.

Ist die Hand kurz und stark, so bedeutet es einen sündhaften Menschen, und je mehr die Finger hart sind, desto boshafter.

Wenn eine Hand lang und groß ist, doch proportionirt, so bedeutet es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten!

Wer lange Hände und lange kleine Finger hat, ist ein harter Mensch. Die Natur gab auch den Tyrannen lange Hände!

Von der Geomantie.

Dies ist die sogenannte Punktirkunst. – Ehemals zeichnete man die Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine Figur gemacht. Doch solche Punktirbücher, die für sechs Pfennige verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben.

Von der Onomantie oder Weissagung aus dem Namen.

Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß Sors Pythagorica. In der Folge brachten es die Christen in eine rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.

Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als:

A B C D E F G H I K L

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20

M N O P Q R S T V X Z

2 12 22 4 10 24 7 16 4 20 1

Statt des W nimmt man zwei Mal V, und statt des Y das I.

Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen, welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen beurtheilen:

Rest:

1. 2. ist Beherrscher des Widders ().

♈
♈

3. 4. " des Stiers ().

♉
♉

5. 6. 7. " der Zwillinge ().

♊
♊

8. 9. " des Krebses ().

♋
♋

10. 11. 12. " des Löwen ().

♌
♌

13. 14. " der Jungfrau ().

♍
♍

15. 16. " der Wage ().

♎
♎

17. 18. 19. " des Scorpions ().

♏
♏

20. 21. " des Schützen ().

♐
♐

22. 23. " des Steinbocks ().

♑
♑

24. 25. 26. " des Wassermanns ().

♒
♒

27. 28. " der Fische ().

♓
♓

Der Widder, Löwe und Schütze sind feurig;

Die Zwillinge, Wage und der Wassermann luftig;

Der Krebs, Skorpion und die Fische sind wäßrig;

Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock irdisch.

Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist es gut und bedeutet Zufriedenheit, und sind es Eheleute, so überlebt eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede.

Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so bedeutet es Zank und Unglück. Der das feurige Zeichen hat, lebt länger, als der andere.

Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so ist die Bedeutung mittelmäßig. Der im luftigen Zeichen behält die Oberhand.

Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es eine ganz unglückliche Vorbedeutung, und der luftige behält die Oberhand.

Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so bedeutet es Glück, und der im wäßrigen spielt den Meister.

Ein feuriges und luftiges Zeichen vertragen sich mit einander, jedoch überlebt das luftige das feurige.

Feuer und Erde vertragen sich nicht; das feurige überlebt das irdische.

Die luftigen und irdischen Zeichen sind böse; das luftige hat die Oberhand.

Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß Otto; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt, bleibt 20 und fällt in das Zeichen des Schützen, der feurig ist. Der zweite Name hieß Amalia, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt, 6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der Zwillinge fällt und luftig ist. – Also werden Beide sich mit einander vertragen; das luftige aber überlebt das feurige.

Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man dieselbe.

Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen ebenfalls auf Spielerei hinaus.

Von den Geistern.

Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:

1) Feuergeister, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner.

2) Luftgeister, welche man auch Poltergeister, Sylvane, Windleute genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun.

3) Erdgeister, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-, Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden.

4) Unterirdische Geister, welche in Höhlen und Bergen, besonders in Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch Erdbeben und Winde erregen.

5) Wassergeister. Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen, Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um.

6) Lichtscheue Geister. Sie lassen sich niemals bei Tage sehen, sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und fallen auch die Menschen an.

Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange, lange Zeit leben. –

Ein Mehreres hiervon lese man: Vom Bannen der Geister.

Die Berggeister.

Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten, Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein Hinterleder tragen.

Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den Dünsten verschiedene Abbildungen geben.

Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern.

Der Kobold.

Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte Kobalos, Betrüger, Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein Bergmännchen nennt. Sonst wird unter Kobold ein Hausgeist verstanden, der sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt werden, nicht leicht Schaden zufügen.

Unter vielen Erzählungen ist der Hildesheimische Kobold, Hödekin oder Hütgen, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute.

Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß, wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.)

Wassergeister.

Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele nennen sie Wassernixen, welche die Menschen zu sich in das Wasser ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden und Nereiden nannte.

Das wüthende Heer.

Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage allgemein gewesen.

Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben, Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau zu untersuchen, entflieht der Furchtsame.

Vom Bannen der Geister.

Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach, weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf Erden und der künftigen Erreichung derselben! –

Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor. Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister beschwören wollen.

Gewöhnlich werden die Geister der Planeten beschworen, welche gewisse Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt werden. So heißt der Geist der Sonne Michael – Der Geist des Mondes Gabriel – Der Geist des Mars Samael – Der Geist des Merkur Raphael – Der Geist des Jupiters Sachiel – Der Geist der Venus Anael und der Geist des Saturn Cassiel.

Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll.

Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert, daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein. Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben, vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen.

Der Zauberkreis[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet, in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat.

Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die Stunde, welche alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll, geschrieben[16]; 2) der Name und 3) das Siegel oder Zeichen des Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage, wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit, wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes, nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11) im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach Osten kommt das Alpha, nach Abend das Omega mit einem durch den mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den vier Dreiecken vier Pentagoni geschrieben. – So ist der Zauberkreis für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete Pentaculum Salomonis[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß; zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen:

Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, El, beschwören wir euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen Adonay, El, Elohim, Elohe, Zebaoth, Elion, Escerchie, Jah, Tetragrammaton, Sadai: Herr Gott, beschwören wir euch, und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den Namen Y und V, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den Namen Gottes Agla, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines Bruders Esau; und durch den Namen Anephexeton, welchen Aaron gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den Namen Zebaoth, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen Escerchie Oriston, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten, daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten; und durch den Namen Elion, welchen Moses nannte und solchen Hagel hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch den Namen Adonay, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land Aegypten kam; und durch den Namen Alpha & Omega, welchen Daniel nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen Emmanuel, welchen drei Männer, Sidrach, Misach und Abdenago im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch Hagios und den Sitz Adonay; und durch ô Theos iscyros athanatos; und durch die drei geheimnißvollen Namen, Agla, on, Tetragrammaton, beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn, welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird, und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz Baldachiæ, und durch den Namen Primeumaton, welchen Moses nannte, und die Erde verschlang Datam, Corah und Abiron; und in der Kraft jenes Namens Primeumaton, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude, bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl, wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen Adonay, Zebaoth, Adonay, Amioran. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt euch Adonay, Saday, der mächtige und schreckliche König, dessen Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein, wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint; es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges, nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen Adonay, Zebaoth, Adonay, Amioran, erscheinet, erscheinet! Was zaudert ihr? Eilet! Es befiehlt euch Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly, Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe, a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va!

Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen, welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen.

Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat?

Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc. 11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden. – Aber keine Geister, davon steht nichts in der Bibel!

Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern Figuren bestehet.

Verschiedene Manuscripte von Teufels-Beschwörungen, welche von Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher Auszüge genommen haben:

1) Arbatel de magia veterum.

2) Des schwarzen Cyprian Miracul- oder Wunderbuch von 1500.

3) Raziel, das alte Buch von der heiligen göttlichen Magie unserm Vater Adam, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln selbst offenbaret.

4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen Christophori, approbirt von dem bekannten Raphael Meyer aus der Gesellschaft Jesu.

5) Citationes der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche Mosis Bibliae Magicae.

6) Zoroaster des Rabbi und Juden Clavis Artis. Das Original ist von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben Anno Mundi 1996. Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden. Anno Christi 1236 durch S. V. R. et A. G.

7) Meines (Dr. Faust) Miracul- und Kunst-Buches, genannt der Dreifache Höllen-Zwang. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben wir zum Titelkupfer gewählt.

8) Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon 1689.

Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also:

Aziel, der Schutzgeist der Erde und des Meeres.

Ariel hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land.

Marbuel hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen geheimen Wissenschaften.

Mephistophilus dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und übergiebt die Pygmäen und Spiritus familiares.

Barbuel, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser und zu Land.

Aziabel, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze.

Aniquel, Fürst der Welt.

Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt. Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten Mephistophilus, welchen auch Dr. Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen.

Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der Gürtel Salomons, welcher 4 Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein Zauberstab von Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und magische Kerzen von wildem Bienenwachs.

Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn:

O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim † in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca † Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch † & Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi † Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus † Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas, mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla † Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen.

Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt, wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:

O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam † o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen.

Der Geisterfürst Marbuel erscheint, wenn er gerufen wird, in der Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt.

Der Sage nach wird manchen Lesern Dr. Faust’s Mantelfahrt bekannt sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher selbst reden:

»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß Du NB. ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und tritt NB. mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich. Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst, NB. so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.

Citation.

Ich rufe Dich Geist Aziel Memomac, und fahre mit mir nach N, und richte mit mir aus, was ich haben will.

NB. Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner:

O Du erhöre mich † Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim, daß ich fahre, durch den Geist Aziel an Ort und Stelle gebracht werde.

Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin Du willst.«

Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt.

Von Schatzgräberei.

Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen, gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne Beihülfe anderer Leute?

Das sogenannte Schatzlicht ist besonders am Johannistage zu sehen, und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe. Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen, daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist.

Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III. Schatzgräberei.)

Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel:

Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in Ewigkeit, Amen.

Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden:

O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex, Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam, Christe benedictam.

Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.

So Du einen Schatz heben willst, sagt Dr. Faust, und dazu kommst, so schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes, so kann es nicht verrücken:

Domini Seussa Kaatu.

Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst, so schreibe diese Worte darauf:

Saat Saato da Knuss Tetragrammaton Agla Elyla Elylam Mazakat Hane.

Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen, und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen.

So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich:

Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut, daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch begleiten † † †.

Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen, darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St. Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß.

Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein, in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die übrigen zwei Personen beten den Psalm de profundis; übrigens sollen auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist, über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man von allem Schrecken befreit.

Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden:

† Seglane † Sextex Jahix leomanx.

Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –

Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts.

Zweite Abtheilung.

Notes in this chapter

Explore with AITake your curiosity a little further.

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