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Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens

Fragmente

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über

politisch-religiöse Sekten und Mystiker.

Ueber Sekten überhaupt.

Das Wort Sekten bezeichnet den Inbegriff von Personen, welche einer und derselben Lehre und gleichen Grundsätzen zugethan sind. Es giebt politische, philosophische und religiöse Sekten, aber auch politisch-religiöse.

Die religiösen Sekten sind meistens auf Visionen und Ecstasen gegründet, und beschäftigen sich mit Uebungen, denen oft die Ueberspannung der Phantasie, oder die Täuschung der Sinne eine bald mehr, bald weniger merkliche Richtung zu der Ungebundenheit giebt. Mehrere dieser Sekten wurden sogar von Weibern gestiftet.

Heidnische und christliche Priester haben die Völker durch geheime Ordenskünste in den Banden des Aberglaubens zu halten gesucht und durch Vorspiegelung verborgener Kenntnisse, z. B. Geisterseherei, Goldmacherkunst etc., verführt. Die geheime Schrift und Wissenschaft der indischen und ägyptischen Priester – die Mysterien der Griechen – der große Bund der Pythagoräer, der aber schon in dem Sinne früher bestanden hatte – Alle diese hatten wahrscheinlich eine Aristokratie für die Eingeweihten gegen die willkührliche Alleinherrschaft und die Herrschaft des Volkes entgegen zu setzen gesucht.

Auch in unsern Zeiten gab es der geheimen Orden und Wissenschaften mehrere; die Namen der Rosenkreuzer, Jesuiten und Illuminaten etc. sind bekannt, und Magie, Theurgie und Magnetismus spukt noch allenthalben.

Jesuiten.

Aberglaube, Mönchstand und Fanatismus, Aufklärung, Philosophie und Irreligion, Wissenschaften und böotische Dummheit finden wir in der Hand des Jesuitismus, der durch alle Länder und Völker hindurch läuft, im Finstern schleicht, alle Gestalten annimmt und mit einer Uebermacht von Verstand und Bosheit ein Unterjochungssystem ausführt, das nur der menschliche Geist erfinden kann.

Und dieser Orden existirt?

Ja! Er wurde 1773 aufgehoben und 1814 wieder restaurirt.

Ist er nicht auszurotten?

Nein! Denn die ungeheuern Zweige seines Stammbaumes sind nicht zu finden. Nur ein Palliativ könnte ihn schwächen, und das wäre ein immerwährender Kampf gegen ihn!

Illuminaten.

Als die Jesuiten im Jahre 1773 vom Papste durch eine Bulle aufgehoben worden waren, und derjenige, welcher sie wieder herstellen würde, darin verflucht wurde, trat plötzlich eine Sekte auf, welcher man schreckliche Grundsätze schuld gab und die sich gegen die verborgenen Jesuiten verbunden haben sollte. Diese Verbündeten nannten sich Illuminaten, oder Erleuchtete. Unter andern sollen sie gelehrt haben: der Selbstmord sei eine himmlische Wollust; des Ordens Wachsthum sei aus Gott, Vaterland und Gewissen; der Zweck heilige die Mittel; das Beste des Ordens billige Verleumdung, Giftmischung, Todtschlag, Eidbrüche, Verrätherei, Rebellion, kurz alles, was die Jesuiten gelehrt haben sollten. Man spürte diesen Orden schon in mehreren Landen, wußte aber seinen Hauptsitz nicht. In Baiern schien man mehr Spuren von ihm zu haben; doch alles war umsonst, ein Mitglied zu entdecken und zu erkennen, bis die Jesuiten ihn verriethen und der Baierschen Regierung im Jahr 1785 anzeigten.

Professor Weiß zu Ingolstadt war ein Feind der Jesuiten und hegte neotorische Grundsätze, daher er 1775 eine Gegenparthei benutzte. Er nannte seine Zuhörer zuerst Erleuchtete, Illuminaten. Bald darauf sandte er einen Anhänger Namens Zwakh nach Augsburg, um das Geheimniß der Freimaurer zu erhalten, welches auch geschah; allein er erfuhr auch, daß die Jesuiten sich schon der Loge bemächtigt hatten. Hierauf ließ er durch den Marquis de Constarza den Freiherrn von Knigge zum Beistand einladen, der auch erschien und die Illuminaten zu Freimaurer rektifizirte. Er ging aber bald wieder ab.

Der erste Grad dieses Ordens waren die Minervaten; sie bildeten das Noviziat, kannten Niemand und studirten fort.

Im zweiten Grade hießen die Mitglieder Freimaurer, wo man auch nicht viel erfuhr, als daß man zur Wohlthätigkeit angefeuert wurde. Die Unbrauchbaren blieben hier stehen!

Im dritten Grade erschienen die kleinen Illuminaten; hierzu wurden die Tauglichen genommen. Sie kannten die Glieder ihres Grades und einen einzigen Obern.

Im vierten Grade waren die großen Illuminaten. Sie hatten einige des ersten, zweiten und dritten Grades unter der Aufsicht.

Im fünften Grade waren die dirigirenden Illuminaten oder Regenten.

Alle Mitglieder kannten die Obern nicht; letztere hießen daher auch die Verschwundenen. Auf die Briefe an die Obern, die der Uebergeber nicht kannte, schrieb man: quibus licet, wenn man wollte, daß die Provinzenräthe ihn erhalten sollten; an die Provinzialen schrieb man: Soli, an den General Primo. Den Brief übergab jedes Ordensglied, er mochte quibus licet, Soli oder Primo gehören, seinem ihm bekannten Mitgliede, dieser dem nächsten, und so gingen alle Nachrichten, Briefe oder andere Sachen stufenweise hinauf, und die Antworten und Befehle wieder stufenweise herunter, ohne daß man wußte, aus welcher Hand dieses alles kam.

Die Rosenkreuzer

wurden zu Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts bekannt. Ihr angeblicher Stifter hieß Christian Rosenkreuz; er hatte lange Zeit in den Pyramiden von Aegypten und im Orient gelebt, und dort göttliche Weisheit und Kunst erlernt, und dies sei schon im vierzehnten Jahrhundert geschehen. Der Zweck dieses geheimen Bundes war angeblich eine allgemeine Verbesserung der Kirche, so wie Gründung einer dauernden Wohlfahrt der Staaten und der Einzelnen. Allein man wollte den Stein der Weisen suchen, und ihre Charlatane und Adepten spukten lange in der Welt herum, bis sie in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit Cagliostro und Schröpfer verloschen.

Schröpfer,

welcher in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Leipzig lebte und großes Aufsehen durch seine Charlatanerie machte, war nichts als ein Betrüger. Er wollte den soliden Freimaurer-Orden reformiren, wurde aber dafür auf die Finger geklopft. Allein als Geister-Beschwörer errang er ein Ansehen bei Hohen und Niedern, und erwarb sich durch seine optischen Zauberspiegel und Zauberlaternen, durch narkotisches Räucherwerk und berauschende Getränke den Glauben seiner Jünger und Gönner und ihren – Schutz. Er erschoß sich in Leipzig im Jahr 1774 aus Verzweiflung, da wahrscheinlich ein Plan einer geheimen Parthei nicht ausgeführt werden konnte.

Cagliostro

oder eigentlich Giuseppe Balsamo, in Palermo 1743 geboren, war anfangs in dem Orden der barmherzigen Brüder und widmete sich der Arzneiwissenschaft, wurde aber wegen Ausschweifungen aus dem Orden wieder gestoßen. Um sich zu erhalten, fing er an, Leichtgläubige mit Zauberkünsten und Schatzgräberei zu täuschen. Bald darauf fand er in Calabrien ein schönes Mädchen, die zu seinen Betrügereien die Hand bieten mußte, und er trat nun öffentlich als Graf Cagliostro auf. So durchflog er Spanien, Portugal, Frankreich, England, und erwarb sich durch seine Betrügereien und durch seine verschmitzte Frau ansehnliche Summen. Er verkaufte Schönheitswasser für alte und häßliche Frauen, und Lebenstinkturen, und seine Frau ihre – Tugend. Als aber dieser Handel zu stocken anfing, wollte er der Stifter einer neuen Sekte werden, wurde deshalb in London Freimaurer, und erschien als Wunderthäter, Magier, und kurirte Kranke unentgeltlich. Auf diese Weise durchzog er wieder verschiedene Länder, war in Curland, dann in Frankreich, wo er aber 1785 wegen der famösen Halsbandgeschichte in die Bastille kam. Daraus wieder entlassen, floh er nach London, von da in die Schweiz, endlich nach Rom, wo er 1789 wegen Freimaurerei und Ketzerei in die Engelsburg gesetzt und zuletzt zu einer lebenslänglichen Haft verurtheilt und 1795 zu St. Leo im Gefängnisse starb.

Die Seherin von Prevorst,

eigentlich Friederike Hauffe [geboren 1801 im Dorfe Prevorst bei Löwenstein im Würtembergischen], hat großes Aufsehen erregt und bedeutende Männer getäuscht. Schon in ihrer Kindheit soll sich bei ihr das Ahnungsvermögen entwickelt und durch Träume kund gethan haben; die Haselruthe schlug ihr auf Wasser und Metalle an. [Hier muß der vernünftige Mann schon stutzen und die kommende Erzählung mitleidig-lächelnd erwarten!] Auf Spaziergängen ergriff sie oft ein Wehegefühl und Frieren, und dieses überfiel sie auch in Kirchen, wo Gräber waren, oder auf Gottesäckern. Dazu gesellte sich an gewissen Stellen ein Sinn für Geistererscheinungen! Den ersten Geist sah sie in der Mitternacht im eignen großväterlichen Hause. [Da haben wir also die Geisterseherin schon als Kind; mit ihm werden wohl auch die Geister in dem zerrütteten Gehirn wachsen.] Im neunzehnten Jahre verheiratete sie sich, versank aber bald in eine unerklärliche Schwermuth, weinte Tage lang unter dem Dache des älterlichen Hauses und schlief, fünf Wochen lang, nie mehr. [sic!] Am Tage ihrer Verheiratung war das Leichenbegängnis des von ihr verehrten Stiftspredigers zu Oberstenfeld. Auf seinem Grabe wurde es ihr auf Einmal ganz leicht und hell, und in ihrem Innern ging ein höheres Leben auf. Am 13. Februar 1822 träumte ihr in der Nacht, als sollte sie sich zu Bette legen; aber da lag schon in demselben die Leiche des Verstorbenen. Sie sprach laut, weshalb ihr Mann sie weckte. Am andern Morgen befiel sie ein Fieber, das vierzehn Tage lang mit der größten Heftigkeit anhielt, und bald darauf brachen heftige Brustkrämpfe aus, welche später abwechselnd mit Blutflüssen und Kindbettfieber sie lange plagten. Ihr Gefühlsleben war nun so gesteigert, daß sie nach den größten Entfernungen hin Alles fühlte und hörte. [Das passirt Allen, welche das Nervenfieber haben!] Um diese Zeit fühlte sie, daß sie sieben Tage lang jeden Abend um sieben Uhr ein nur von ihr gesehener Geist magnetisirte, in welchem sie ihre Großmutter erkannte. [Lachet nicht, meine vernünftigen Leser!] Durch dieses geistige Magnetisiren in noch tieferen Schlaf gefallen, gab sie an, daß sie nur durch Magnetisiren zu erhalten sei. So wurde sie im Juni 1824 einer geregelten magnetischen Behandlung unterworfen. Ahnungsvolle Träume, Divinationen, Voraussehen in Glas- und Krystallspiegeln sprachen von ihrem aufgeregten Leben, so daß sie z. B. in einem Glase mit Wasser, das auf dem Tische stand, Personen, die erst nach einer halben Stunde das Zimmer betraten, schon im Voraus sah. [Also auch Krystall-Guckerin!] Doch wirkte die fortgesetzte Behandlung so wohlthätig auf sie, daß sie ihre weiblichen Geschäfte wieder verrichten konnte und zuletzt blos alle sieben Wochen magnetisirt wurde. Bei der zweiten Niederkunft, wo sie künstlich entbunden werden mußte, verfiel sie wieder in Fieber, mit Phantasieen und Krämpfen aller Art, und es stellte sich ein verstärkter magnetischer Zustand aufs Neue ein. Der Schlaf blieb aus, sie weinte die Nächte durch, hatte Durchfälle und Nachtschweiße, und wurde immer abgezehrter und elender. Wenn in dieser Periode ein Freund, der oft um sie war, sie mit dem Finger auf der Stirne zwischen den Augenbraunen berührte, sagte sie dem Dr. Kerner jedesmal einen Spruch, der auf ihn und seinen Seelenzustand Bezug hatte. Man kam auf den Gedanken, diese Krankheit sei durch dämonische Einflüsse erzeugt, und nahm Zuflucht zu einem als Teufelsbanner in Ruf stehenden Manne. [Dies ist also wirklich in unserm neunzehnten Jahrhunderte geschehen?!] Dieser sandte zuerst ein grünes Pulver, worauf sie wie im Veitstanze herumgedreht wurde, dann in Schlaf verfiel, in welchem ihre Stimme schreiend wurde und auf Einmal eine, Allen fremde Sprache redete, die sie ihre innere nannte. [Warum hat man nicht eine Grammatik, oder wenigstens einen Wegweiser herausgegeben; wir wollten auch die Geistersprache erlernen!] Ein Amulet, das jener Mann ihr gegeben, wollte nicht bei ihr bleiben, sondern lief einige Mal ganz von freien Stücken vor mehreren Anwesenden über ihre Brust und Bettdecke, wie ein lebendes Wesen weiter, so daß man es auf dem Boden fangen mußte. [Wir glauben, daß über das laufende Amulet die Kinder lachen, wenn sie es lesen, und vernünftige Männer den Schreiber bedauern, der solchen Unsinn wieder giebt.] Endlich zog man den Dr. Kerner zu Rathe, welcher seine Behandlung, so wie das Leben der Kranken unter dem Titel beschrieben hat: »Die Seherin von Prevorst. Eröffnungen über das innere Leben des Menschen und über das Hereintragen einer Geisterwelt in die unsere.« 2 Thle. Stuttgart 1832.

Diese Frau aber verschlimmerte, sie wurde ein wahres Marterbild, für welches der Tod eine Wohlthat gewesen wäre. Ihre Verwandten brachten sie endlich, fast gegen den Willen des Arztes, nach Weinsberg, wo sie den 25. Novbr. 1826 todtenbleich und völlig abgezehrt ankam. Der Arzt erklärte ihr nun, daß er jetzt nicht mehr auf das, was sie im Schlafe spreche, Rücksicht nehme, und setzte ein rein ärztliches Verfahren homöopathischer Art fort; allein es war zu spät, und er mußte wieder zum Magnetismus seine Zuflucht nehmen. –

Wir wollen nur einige Erscheinungen dieser kranken Frau anführen; wer noch mehr davon wissen will, lese das oben angeführte Werk.

Sie hatte beinahe keine organische Kraft mehr und lebte, wie sie selbst sagte, nur von dem Luft- und Nervengeiste Anderer. Eben so war der Geist der Metalle, der Pflanzen, der Menschen und der Thiere ihr fühlbar und wirkte auf sie ein. Das Sonnenlicht verursachte ihr stets Kopfschmerz. Bei einem Gewitter fühlte sie die Blitze immer früher, als Andere sie sahen, und zwar im Unterleibe. [Sollte das nicht vielleicht statt Blitze – Gewitter heißen?] Aus der Luft, sagte sie, komme ihr ein eigenes belebendes Prinzip; daher mußte ein Fenster bei Tage und bei Nacht, selbst in der strengsten Winterkälte, geöffnet bleiben; auch behauptete sie, es sei in der Luft ein Stoff, dessen sich die Geister bedienen, um sich hörbar und sichtbar zu machen [Nun wissen also die Leser, daß man Geister sehen kann]; sie hüllen sich in einen Stoff, der sich in der Luft befindet, ein. [Dieses ist sehr fein gegeben, aber der Leser wird zu künftigen Geister-Erscheinungen vorbereitet.] Je höher man sie brachte, desto magnetischer wurde sie. So oft sie in das rechte Auge eines Menschen sah, bemerkte sie in demselben hinter ihrem sich darin abspiegelnden Bilde immer noch ein Bild, das aber weder dem Andern, noch ihrem eignen Bilde vollkommen glich; sie hielt es für das Bild des innern Menschen dessen, den sie ansah; bei Manchem erschien es ihr ernster, oder auch schöner, verklärter, als das äußere. In dem rechten Auge der Thiere sah sie ein blaues Flämmchen. Sie sah durch die Herzgrube, erkannte die innern Theile, besonders die leidenden Organe ihres Körpers, und sprach von einem ihr sichtbaren Schutzgeiste. Sie behauptete auch, die Bewohner der linken Seite des Mondes seien mit Bauen beschäftigt. [Großen Dank, Frau Seherin! nun wissen wir doch gewiß, daß der Mond Bewohner und auch Zimmerleute, Maurer u. s. w., wie auf unserer Erde, habe. Aber wie sahen sie denn aus? Warum haben Sie keine Zeichnung oder wenigstens eine genaue Beschreibung geliefert?] Für die Krankheiten Anderer hatte sie ein so außerordentliches Gefühl, daß sie bei Annäherung eines Kranken, besonders nach dessen Berührung, alsbald die gleichen Empfindungen in denselben Teilen des Körpers erhielt, und zum größten Erstaunen des Kranken ihm alle seine Leiden aufs Genaueste sagen konnte. [Wir kannten einen sogenannten Wunderdoktor, der den Patienten gar nicht anrührte, und doch sogleich die Leiden desselben wußte, denn seine Frau hatte den Patienten vorher ausgefragt, und der Herr Doktor steckten hinter einer Spanischen Wand.] So heilte diese kranke Frau auch eine Gräfin von M.

Nun wollen wir auch Etwas von ihrer Mystik erzählen.

Ich fühle, sagte sie, die Zeit, wo ich eingeschlafen bin, bis dahin, wo ich erwache, wie einen Ring, der von der Herzgrube ausgeht, sich über die Brust verbreitet und gegen die linke Seite hin wie befestigt ist. Dieser Ring, welcher schwer und schmerzend ist, hat unter sich noch fünf solche Ringe und über sich einen leeren. Er hat zwölf Theile, und in diesen sehe ich die Haupteindrücke von dem, was mir in dieser Zeit begegnete. Der Ring mit den Sternen bedeutet wirkliche Sterne. Diese sind Wohnungen seliger Geister niedern Grades. [Wir verstehen die Madame nicht; liegt es an uns? In den Gedärmen des Leibes können wir uns solche Bilder nicht denken.] Der Mond ist die Wohnung solcher, die selig werden. [Aber, Madam, Sie haben ja die Bewohner des Mondes auf der linken Seite bauen gehört? Oder bauen die Geister auch?] Der dritte Ring ist sonnenhell; aber sein Mittelpunkt ist noch heller, als die Sonne. In ihm sah ich eine nicht zu durchschauende Tiefe, die, je tiefer, desto heller war; ich möchte sie die Gnadensonne nennen. [Sic!] Es kam mir vor, als schauten in diese Tiefe noch viele andere Geister mit mir, und als bestehe Alles, was da lebt und webt, aus Fünkchen aus dieser Tiefe, und als kämen alle Verordnungen aus ihr. Alle sieben Jahre fallen bei mir diese sieben Sonnenkreise ab, und Ihr ganzer Inhalt wird mit Einer Ziffer auf einen Punkt gesetzt, in welcher dann der Inhalt aller Stunden, Minuten und Sekunden von den sieben Jahren enthalten ist. So kann man nach dem Tode in Einer Zahl das ganze Leben überschauen. [Nach dem Tode in seinem eignen Körper? Ei! ei!] Der Lebenskreis ist kleiner, liegt unter ihm und hat 13¼ Abtheilungen. Er ist leicht, wie Luft und Geist. Im Mittelpunkte desselben liegt Etwas, das Zahlen und Worte setzt, und das ist der Geist. Wie im Sonnenzirkel diese Welt liegt, so liegt in diesem Lebenszirkel eine ganz andere, höhere; daher die Ahnungen, die in jedem Menschen von einer höhern Welt liegen. Auf diesem innern Ringe sehe ich meine Gefühle als Zahl und Zeichen stehen; es sind die Zahlen 10 und 17, von denen auch meine Rechnung geht. Die eine Zahl, der Zehner, ist eine beständige bei jedem Menschen und zugleich die irdische Zahl, mittelst welcher der Geist in die Außenwelt gehen kann. Die zweite Zahl, der Siebenzehner, ist keine beständige und kann bei jedem Menschen verschieden sein, ist aber zugleich die innere Zahl und die himmlische. Beide Zahlen sind zugleich auch Grundworte. In der Zahl 10 liegt das Grundwort für den Menschen als Mensch und für sein Verhältniß zur Außenwelt; in der andern das Wort für jeden Einzelnen und dessen inneres Leben, das er nach dem Tode mitnimmt. Allein dies ist nicht etwa eine notwendige Bestimmung zum Bösen, sondern es bleibt ihm die Wahl zwischen dem Guten und Bösen; ergreift er aber das Böse durch eigene Wahl und überwiegt es in seinem Leben: so verliert er die Grundzahl, und ist alsdann dem Bösen und seinen Folgen völlig anheim gestellt. Kommen von der Außenwelt so arge Dinge, daß sie die Grundzahl des Menschen übersteigen, so ist es des Menschen Tod. Wem diese Zahl durch gar nichts gestört wird, der erreicht das höchste Lebensalter. Für jede Sünde, jeden bösen Gedanken und Willen wird eine Zahl im Innern gesetzt; der Geist, der nichts Böses duldet, notirt dies, und nach dem Erwachen [dem Tode] im Mittelreiche, wo man ganz isolirt da steht, liegt dann Alles klar vor Einem, und es ist dann der eigene Geist des Menschen der Richter. Solche Ringe gehen durch die ganze Natur, durch Alles, was lebt und webt. – Beim Tode wird der Geist von der Seele, so wie von der Herzgrube und dem Gehirn losgemacht. Dann lößt sich auch die Seele; dies ist der Moment des Todeskampfes, wo aber selige Geister der Seele beistehen. [Da haben wir den Astralgeist, wie er lebt und webt! Wie kommt denn diese kranke Person dazu?] Der Nervengeist steht höher, als der Nerv [ganz richtig!], er verbindet die Seele mit dem Leibe, [also wieder ein Medium zwischen Seele und Körper?] und den Leib mit der Welt. Er geht mit der Seele nach dem Tode über und ist unzerstörbar. [Paracelsus sagt doch, daß sein Astralgeist zerstörbar sei; aber die kranke Frau will noch mehr haben! Was kann denn auch eine nervenschwache (zuweilen närrisch genannte) Frau kluges sprechen; dies wäre ja eine contradictio in subjecto.] Durch ihn bildet die Seele eine ätherische Hülle um den Geist [ob die Kranke schon die ätherische Hülle den Umstehenden genau beschrieben haben mag? denn Aether ist Luft, und Luft im eigentlichen Sinne nicht sichtbar, folglich Nichts in Nichts gesehen], und die Geister des Zwischenreichs [wahrscheinlich des Fegfeuers] können mit seiner Hilfe und mittelst eines in der Luft enthaltenen besondern Stoffes Töne hervorbringen, die Schwerkraft in den Körpern aufheben und sich den Menschen fühlbar machen. [Ach, liebe Madam! das haben Sie vielleicht von Hörensagen; denn da Sie keine Geographie und Geschichte der Länder kennen sollen u. s. w., werden Sie wahrscheinlich auch die Geographie und Geschichte der Seele und des Körpers nicht kennen.] In reinen Menschen bleibt dieser Nervengeist in dem Körper zurück, sie können sich daher nicht hörbar machen und spuken nicht. – [Welcher Unsinn! oder wie es meine denkenden Leser nennen wollen!]

Ich male mir, sagt diese kranke Person ferner, diese Gestalten nicht selbst aus. Ich habe nicht die mindeste Freude an ihnen, ich bin geplagt durch sie; auch denke ich nicht an sie, außer ich sehe sie [Sic!], oder man fragt mich über sie. Leider ist mein Leben so beschaffen, daß mein Geist in eine Geisterwelt schaut [nämlich in die Intestinen ihres Körpers!], die gleichsam auf unserer Erde ist, und so sehe ich die Geister nicht nur einzeln, sondern oft in großer Menge und von verschiedener Art. [Vielleicht von Baskiren- und Kalmucken-Art?] Mit vielen komme ich in gar keine Berührung [dieses mag die einzige Wahrheit sein!], andere wenden sich zu mir, ich rede mit ihnen [natürlich, in der Geistersprache!], und sie bleiben oft Monat lang in meinem Umgange. Ich sehe sie oft zu den verschiedensten Zeiten, bei Tage und bei Nacht, ob Menschen da sind oder nicht, und in allen Zuständen; ich kann ihnen nicht ausweichen. Oft treten sie vor mein Bett und wecken mich, wo dann andere Personen, die bei mir schlafen, von ihnen träumen, ohne daß ich ihnen etwas über ihre Erscheinung gesagt hätte. [Sic!] Ihr Aussehen ist gleich einer dünnen Wolke; im Sommer aber und im Mondenscheine sehe ich sie heller, als im Dunkeln. [Dies mag Wahrheit sein, denn das Mondenlicht giebt oft groteske Gestalten, aber doch keine Geister!] Mit geschlossenen Augen sehe ich sie nicht [wir auch nicht!], aber ich fühle ihre Gegenwart. [Wie ist denn dieses Gefühl?] Ihre Gestalt ist immer so, wie sie wohl im Leben war, aber wie aus einer Wolke [wir können Ihre Gestalt aus der Wolke nicht schauen, liebe kranke Madam!], nur farblos, grau; so auch ihre Kleidung, wie sie wohl im Leben war [welche Widersprüche!], aber wie aus einer Wolke; nur die Bessern sind gleich gekleidet, sie tragen ein langes, helles Faltengewand, wie mit einem Gürtel um die Mitte des Leibes. Ihre Gesichtsfarbe ist auch ähnlich der der Lebenden, nur auch grau, meistens traurig und düster; die Augen sind hell, oft wie Feuer; Haupthaare sah ich nie. Die Bessern erscheinen heller, die Bösen dunkler. [Nun wissen Sie, meine geneigten Leser, wie ein Geist aussieht; ohne diese kranke Frau hätten wir es nie gewußt!] Alle weibliche Wesen haben dieselbe Kopftracht, eine über die Stirn herlaufende, alle Haare bedeckende Verschleierung. Der Gang der Bessern ist schwebend, die Bösen treten schwerer auf, so daß man sie zuweilen hört! Durch Töne, wie durch Klopfen, Rauschen, wie mit Papier, durch Schlürfen, wie in Socken oder Pantoffeln, durch Seufzen, als ob man mit Sand würfe, suchen sie die Aufmerksamkeit derer auf sich zu richten, die sie nicht sehen können. [Die armen Geister! Hingen sie eine Trommel um, schlügen einen Marsch u. s. w., so würde man doch weit besser ihre Gegenwart erfahren.] Sie können aber auch schwere Dinge bewegen und werfen, Thüren auf- und zumachen, und je dunkler ein Geist ist, desto mehr spukhafte Dinge vermag er zu treiben. [Gewiß hat die kranke Madame auch Ratten und Mäuse zu dieser Gesellschaft gezählt.] Oft saugen Geister, besonders dunklere, die religiösen Worte, welche ich sprach, wie in sich ein, und ich sah sie dadurch wie heller und leichter werden!! Diejenigen Geister, die meistens zu mir kommen, sind in den untern Stufen eines Geisterreiches, das in unserm Luftraume ist, in dem sogenannten Zwischenreiche. Das sind Geister, deren Geist in diesem Leben theils durch Hinziehen nach der Außenwelt niederblieb [meint sie den Astralgeist?], theils solche, die nicht im Glauben an die Erlösung durch Christum starben [haben diese türkische oder chinesische Kleidung?], oder solche, denen noch irgend ein irdischer Gedanke an die Seele im Sterben anklebte, und der sie nun auch an diese Erdennähe bindet. Hier geht die Besserung einzig aus sich selbst. Sie wollen, ich solle ihnen ein Wort des Trostes sagen und durch Gebet aufhelfen. [Madame werden gewiß die Bittenden nicht haben warten lassen.] Auch glauben sie [nämlich die Geister], das Aufdecken einer Unthat, die auf ihrem Geiste lastet, könnte ihnen Ruhe bringen. [Man bemerkt, daß die Madame die Theorie der Geisterkunde studirt hat.] Sie könnten sich auch an bessere, selige Geister wenden, aber ihre Schwere zieht sie mehr zu den Menschen hin. – Solche Hilfe suchte bei ihr einer aus der Familie Weiler vom Lichtenberg, in Gestalt eines Ritters [ob er auch ein Schwert an der Seite gehabt hatte? Ei, liebe Madame! Sie hätten mehr genauer beschreiben müssen, denn Geister sind keine Kleinigkeiten, man sieht sie nicht alle Tage!], ein Brudermörder, ferner ein Mönch in einer Kutte, [war dieser ein Karthäuser oder ein Kapuziner? Vielleicht gar ein Jesuit!], auch ein Mörder, nachher ein gewisser K. in Weinsberg, welcher die Geschäfte des Kaufmanns F. zu dessen großem Nachtheile geführt hatte und wegen eines Geheimbuches [?] beunruhigt wurde, hierauf ein weiblicher Geist, aber nur kurze Zeit, nachher ein Bauer mit einer Bäuerin, Mörder eines Kindes, das sie im Stalle begraben hatten, und mit ihnen ein schwarzer Mann, der ihnen das Gift für das Kind gegeben hatte, dann ein großer Mann in einem weißen Rocke, der zwei Waisen um ihre Habe betrogen hatte; er brachte einen schwarzen, feindlich gesinnten Mann mit, einen höhern Beamten, der ihn immer wieder vom Guten abzulenken suchte. Der Schwarze erschien einmal in Gestalt eines Hundes, mit großer Schnauze und rollenden Augen [wahrhaftig! wie Dr. Fausts Mephistophilus], und bald nachher wie ein ungeheurer Skorpion. Nach diesen ein alter Mann mit einem langen Barte, einem Hute, ähnlich dem der Tyroler, kurzem Rocke, Halbstiefeln und langen Hosen. [Großen Dank! dies ist doch eine ächte Beschreibung, nur hätten Sie, Madame, auch sagen sollen, was für Tuch zu dem Rocke, und ob die Hose von Linnen oder vielleicht von Nankin war.] Er war 1529 gestorben. Bald nach diesem eine noch dunklere Gestalt, der Jäger des Andern und ein Feind desselben, der selbst noch nicht selig werden wollte. Auf diese folgte eine Lichtgestalt mit einer Glorie, der verstorbene Stiftsprediger T. zu Oberstenfeld, ein im Leben äußerst rechtschaffener, religiöser Mann; dann zum Beschluß mehrere unbedeutende Geister. [Kann wohl des Unsinns mehr erdacht und geschrieben werden? Aber lachen Sie nicht mehr, geehrte Leser, sondern bedauern Sie das gehirn- und nervenkranke Weib und diejenigen, die solche Dinge glauben!]

Diese kranke Frau starb endlich den 5. August 1829; aber noch in der Todesstunde sah die Schwester ein einfaches, unbefangenes Mädchen, die auch Geister wahrnahm, eine hohe, lichte Gestalt ins Zimmer treten, und in demselben Momente that die Sterbende einen heftigen Schrei der Freude. [Ob wir wohl die Schwester als zweite Auflage erhalten werden?]

Der Wunderdoktor.

Da wir einmal dem Lande Würtemberg so nahe sind, so kann zugleich, neben der Seherin von Prevorst, auch unser neuer Wunderdoktor hier ein Plätzchen finden.

Die Dorfzeitung Nro. 71, 1834, erzählt:

Die Würtemberger Blätter berichten von einem neuen Wunderdoktor. Bei Ravensburg habe kürzlich ein Schweizerknecht einen schrecklichen Fall gethan, das Gehirn aufs Heftigste erschüttert und das Schlüsselbein zersprengt. Alles habe rath- und trostlos um den Unglücklichen gestanden, da habe ein Hufschmied sich erboten, er wolle die Kur übernehmen, und ohne Einrichtung, ohne Verband, und ganz wohlfeil habe er den Armen kurirt, der nun auch richtig ein jammervoller Krüppel sei, lahm, einhüftig, mit verwirrtem Gehirn, jeder Kraft und Stärke beraubt. Das Geld für den Arzt sei aber glücklich erspart!

Prinz von Hohenlohe,

der Wunderbeter des neunzehnten Jahrhunderts.

Sein Titel ist: Alexander Leopold, Prinz von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Er ward geboren den 17. August 1793 zu Kupferzell bei Waldenburg. Sein Urgroßvater, Graf Ludwig Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst, war der Erste, welcher aus dieser Familie 1667 zur römischen Kirche übertrat, nachdem er vorher von mancherlei Geisterbeschwörungen und Goldmacherkünsten umgeben gewesen war. Seine Mutter war sehr andächtig und hatte ihn, als den Lieblingssohn, der Kirche geweiht; sie besiegte daher dessen Neigung zum Militairstande und übergab ihn einem Ex-Jesuiten, Riel, Lehrer in dem Convicte zu Schillingsfürst. Eilfjährig und bereits ganz dem geistlichen Stande ergeben, kam er 1804, um Humaniora zu studiren, in das Theresianum nach Wien; 1808 ging er nach Bern und 1810 nach Wien zurück. Als sechzehnjähriger Jüngling trat er daselbst in das erzbischöfliche Seminar für junge Priester, nachher in eine ähnliche Pflanzschule zu Tyrnau in Ungarn, dessen hohem Klerus er 1819 sein Gebetbuch »Sacerdos catholicum in oratione et contemplatione etc.« widmete. Doch waren seine theologischen Studien durch Reisen und Welterfahrungen öfters unterbrochen, bis er 1814 nach Ellwangen zurückgerufen wurde, um unter den Augen seines Oheims, des Weihbischofs Franz Karl von Hohenlohe-Schillingsfürst, auf der neuen Universität, besonders unter Leitung des General-Vicariathsraths und Professor der Moraltheologie Bestlin, zu absolviren. In diesem Jahre wurde er vom Metropolitanstift von Olmütz zum Canonicus gewählt. – Jetzt fing er schon an, Bettler und wundersüchtige Frauen aufzusuchen.

Im Januar 1815 erhielt er die Weihe des Subdiaconats, und fing an, durch eine Predigt über die Bedeutung der heiligen Taufe und der Sterbekerze sein Talent zum Kanzelredner zu zeigen. Die Priesterweihe ertheilte ihm der Oheim den 16. September 1815. Das folgende Jahr reiste er nach Rom, wo er von den Jesuiten in ihrem Hauptsitze, auf dem Monte Cavallo, aufgenommen wurde, vom Cardinal Somaglia die Erlaubniß, in jeder Kirche Roms Messe zu lesen, erhielt, und sich im Collegio Romano den englischen Jüngling, den heiligen Aloysius Gonga, zum Fürsprecher zu Erhaltung eines reinen Herzens erbat. Dann bekam er Wohnung und Kost im Jesuiter-Collegium. Hierauf begann er seine geistlichen Uebungen, wo er sich die Fragen »Hinterging dich die Welt, das Fleisch, der Satan? Ach schreckliche Zurückerinnerungen!!« ans Herz legte, sich besonders den heiligen Xaverius als den Seeleneiferer zum Patron wählte, und an dem alten Pater, Beichtiger Panisoni, bewunderte, wie die heilige Pflanze der Keuschheit den Verstand gegen Stumpfheit kräftig schütze, während er selbst glaubte, daß heute alle die Sünden, die sein Herz beschweren, in das Meer der göttlichen Erbarmung geworfen waren. Nachdem er Mitglied der Herz-Jesu-Sodalität zum heiligen Paul geworden war, und die päpstliche Bevollmächtigung, Rosenkreuze, Crucifixe etc. jedesmal bis auf 3000 Stücke zu benediciren, erhalten hatte, verließ er 1817 Rom.

Er kam unter andern auch nach München, wo man ihn aber bald der Scheinheiligkeit beschuldigte, und weil man in seinen Predigten einen untergelegten römischen Text zu bemerken glaubte. Selbst in Bamberg, wo ihn der König 1817 zum geistlichen Rath bei dem Generalvicariat ernannt hatte, verschrie man ihn schon als Römling und als einen dem Jesuitismus und Obscurantismus Verschwornen. Unter andern machte sich unser Mystiker durch eine Rede bekannt – »Was ist der Zeitgeist?« – die an die Kaiser Franz und Alexander, und an den König von Preußen gerichtet war. Er sagt darin: »nur der ächte Christ ist auch getreu gehorsamer Unterthan. Ein solcher aber ist ihm nur der ächt-römische!«

Dr. Bergold, Pfarrer zu Hasfurt, brachte den Fürsten Hohenlohe in Bekanntschaft mit einem noch aus Gaßners Zeiten her, durch eine Jesuiten-Tradition enthusiasmirten, schon lange an ein begeisterndes Erbeten von Wunderkuren gewöhnten Bauer, Martin Michel, zu Unterwittighausen, einem badischen Orte an der baierisch-fränkischen Grenze. Von diesem faßte der Prinz den vielversprechenden Zuruf auf: daß doch er, der Priester, noch mehr Wunder zu erbeten vermögen müßte, als der Bauer. Der Versuch wurde gewagt, daß der Bauer im Beisein des Prinzen und Priesters einer Prinzessin, Mathilde von Schwarzenberg, welche der Mechanist Heine zu Würzburg wegen einer Rückgrats-Verschiebung seit acht Monaten durch Maschinen allmälig schon zum Sitzen und Stehen gebracht hatte und jetzt das Gehen selbst versuchen lassen wollte, im Vertrauen auf den Namen Jesu und die heilige Dreifaltigkeit, ohne Wissen des Arztes, zum Gehen aufforderte. Sie faßte auf Michels Zuspruch Glauben und Muth, und der Versuch entsprach. [Sic!] Seit dem Gelingen aber trat nun, weiterhin ohne dem Bauer, der Prinz-Domherr als der Wunderthäter hervor, wirkte zugleich durch persönliche Haltung, durch das Imposante eines priesterlichen Prinzen, durch seine Art von Predigten, durch geist- und weltliche Verbindungen, Umgänge u. s. w., und erregte schnell ein Zusammenströmen der Hilfsbedürftigen, von denen er gewöhnlich festen Glauben, auch die heilige Beichte forderte, alsdann über sie mit Anstrengung betete und sie – bald erschüttert, bald wirklich gebessert, bald mit guten Hoffnungen, oft aber auch mit der Verzweiflung, daß ihr Glaube nicht stark genug sei – entließ. Indeß gelang im Würzburger und Bamberger Hospital keine der vielen, von dem Prinzen versuchten Heilungen, und die Sanitäts-Polizei wurde befehligt, die Wunder nur in ihrer Gegenwart versuchen zu lassen und genau zu beobachten.

Unmuthig (sagt der Schriftsteller, von dem wir diese Notizen nehmen) eilte der Wundermann ins Bad Brückenau. Man hörte aber nicht, daß dieses von Kranken leer geworden sei. Eine traurige Erklärung vielmehr, wie sehr sich die Augenkrankheit des Prinzen Friedrich von Hildburghausen (jetzt von Altenburg), da er aus Vertrauen auf das priesterliche Gebet keine Arzneimittel mehr gebrauchte, verschlimmert hatte, erschien unterm 1. September 1821 von Hildburghausen aus in den Zeitungen.

Als nun die Aussichten der Wunderkuren des Prinzen bedenklicher wurden, legte er die Sache, als ein bloßes Phänomen von Folgen auf seine Gebete, den 16. Juli 1821 dem Papste selbst vor. Allein die Antwort des Papstes blieb in den Händen des Bischofs von Würzburg und ist uns nicht bekannt worden. Man war aber auch zu Rom behutsam genug, auf die Tridenter Synode, daß neue Wunder ohne Prüfung und Billigung des Bischofs nicht zugelassen werden sollten, und auf die Mirakel-Bulle von Benedict XIV. zu verweisen. Der Prinz war dort persönlich im Andenken, und meinen gleich Manche, die Person des Wundertäters thue gar nichts zur Sache, so zweifeln doch Andere, ob die Gottheit, um gegen die Pest der Neuerer seine Kirche durch Wunder siegend zu machen, den seiner Priesterthumskraft allzuviel zuschreibenden acht und zwanzigjährigen Bisthums-Canditaten gewählt habe. Andere gingen bis auf P. Gaßner, dessen Einfluß auf die Hohenlohische Nachbarschaft und den unabgerissenen Faden zurück, welcher die Sache an starken Verkehr mit den Jesuiten festknüpfte.

Nach erhaltenen Winken von Rom wurde jetzt die ganze Sache nicht mehr Mirakel zum Beweis für die Kirche genannt, sondern blos priesterliches Gebet um Heilungen. Der von Brückenau zurück gekommene Wunderbeter erklärte aber auch sich selbst für erschöpft und verweigerte durchaus unter Aufsicht der Sanitäts-Polizei zu wirken. Reisen nach Wien und Ungarn entrückten ihn der allzusehr aufgeregten Beobachtung. Dafür ertheilte er aber jetzt Scheine, daß er für Kranke, die sich z. B. in Marseille und in Schottland an ihn gewendet haben, zu einer bestimmten Stunde Messe lesen und beten wolle, und daß sie in der nämlichen Stunde sich mit ihm in Gebet zu Gott vereinigen sollen.

Ob nun das Andrängen an Gott, wenn es zu gleicher Zeit geschieht, auf die Gottheit oder auf das Vertrauen der armen Kranken um so wirksamer sei, darf man kaum fragen, weil in diesen Dingen alles Fragestellen an den Verstand dem Pestübel der Aufklärung ähnlich sein soll. Der Gedanke aber, auf die nämliche Stunde in weiter Entfernung ein Gebet zu bestellen, ist lächerlich, da, wenn von Bamberg aus zu Marseille ein Gebets-Verein Punkt acht Uhr bestellt ist, der zu Bamberg Betende lange geendiget haben wird, ehe der zu Marseille, der Stunde nach, beginnen kann.

Bei dem Verleger dieses Werkes sind zu haben:

Domänen, die, nebst Bemerkungen zu der Schrift: Der Weimarische Landtag von 1832. 8. geh.

4 gr.

Inhalt.

1) Die Domänen und adeligen Güter.

2) Die Vereinigung der Ober-Administrations-Behörden.

3) Die souveräne Advokatenzunft.

4) Die demagogische Kaserne.

5) Die Weimarische Preßfreiheit.

6) Die politische Kirche.

Entwurf einer Advokaten-Ordnung für das Großherzogthum S. Weimar-Eisenach. 1832. 8. geh.

8 gr.

Gräbner, Dr. K., Frictions-Theorie. Ueber die Ursache der Entstehung der Weltkörper-Atmosphären, deren Verschiedenheit in Ausbrechung ihrer Lichtentwickelung u. s. w. Aphorismen zu einer Hypothese der höhern Physik. 1832. gr. 8. broschirt.

6 gr.

Henß, Adam, das politische Glaubensbekenntniß und die staatsbürgerlichen Ansichten eines teutschen Bürgers und Handwerkers. 1832. 8. geh.

6 gr.

Inhalt.

1) Staat.

2) Regierungsform.

3) Volk.

4) Vaterland.

5) Volksvertretung.

6) Rechtspflege.

7) Gemeinde-Verwaltung.

8) Polizei.

9) Preßfreiheit.

10) Reaction.

11) Pfaffenthum.

12) Juden.

13) Staatsbürger.

Heß, Dr. Mendel, Großherzoglicher Landrabbiner, Predigt, gehalten in Weimar, am 21. Jun. 1832. 8. geheftet.

2 gr.

Heß, Dr. Mendel, Confirmationsrede. 8. geh.

1 gr.

Lentin, Dr. Land-Thierarzt, Hausmittel für kranke Thiere, als freundlicher Rath für Viehbesitzer. 1833. 8. geh.

18 gr.

Romantik, die, des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer Nomenklatur der Romanschreiber von 1800 bis 1831, und einer Zahlangabe der jährlich herausgekommenen Romane von 1700 bis 1831. Herausgegeben von dem Verfasser der »Aphorismen über Schriftstellerei unserer Zeit.« 1833. 8. geheftet.

1 Rthlr.

Romane.

Artemisio, die Schauer-Ruine der alten Riesensteinburg, oder Ritter-, Räuber- und Geistergeschichten der Vorzeit. 1833. 8. geh.

20 gr.

August, Merlins Liebe und Zauberei. Phantasiestück. 1832. 8. geh.

14 gr.

Bartels, Friedrich, das Bombardement von Antwerpen im Jahre 1830. Historisch-romantisches Gemälde aus Belgiens neuester Geschichte. 1833. 8. geh.

1 Rthlr.

Bilder aus dem Leben. Vom Verfasser der Novantiken. 1833. 8. geh.

20 gr.

Ditmar von Cromsdorf, oder das Moosweibchen. Historisch-romantische Erzählung des dreizehnten Jahrhunderts, von dem Verfasser der Novantiken. 1834. 8. geh.

12 gr.

Gräbner, Karl, Novantiken. Bilder der Vergangenheit und Gegenwart. Mit einer lithographirten Abbildung. 1833. 8. geh.

1 Rthlr.

Jeremias, Joseph, sonderbare Schicksale des Sängers Joseph Gradweg. Ein curioser Roman. 1832. 8. geheftet.

1 Rthlr. 8 gr.

Desselben Hugo Raynald, oder das späte Glück. Historisch-romantische Erzählung aus den Zeiten der lombardischen Kriege in den Jahren 1162 bis 1176. 1832. 8. geh.

20 gr.

Insel, die, historisch-romantische Erzählung aus Rußlands und Polens Vorzeit. Vom Verfasser des Czar von Casimow. 1832. 8. geh.

20 gr.

Märchen. Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geheftet.

20 gr.

Opitz, Wilhelm, Paul Arner und seine Gesellen, oder die Räuberhochzeit im Höllenthale. Roman für die Lesewelt jetziger Zeit, nach biographischen Skizzen und Sagen aus dem letzten Jahrzehend des vorigen Jahrhunderts. 1832. 8. geh.

1 Rthlr.

Desselben Uso von Drachenburg, oder die Entweihung der Todtengruft. Ein Roman nach Sagen der Vorzeit des zwölften Jahrhunderts. 1833. 2 Bde. 8.

1 Rthlr. 16 gr.

Querner, Godofred, Volksmährchen. 1833. 3 Bände. 8. geh.

2 Rthlr.

Renegat, der, und die Jesuiten in den Jahren 1809 bis 1828. Eine Geschichte voller Abentheuer. Vom Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.

20 gr.

Schloß, das geheimnißvolle, am See, oder die Verschwundenen. Ein Roman aus neuerer Zeit. Von dem Verfasser der Novantiken. 1832. 8. geh.

22 gr.

Schumann, F. W., Curiositäten. Eine Sammlung von komischen Aufsätzen und Druckfehlern, lächerlichen Bekanntmachungen, drolligen Briefen, schnurrigen Einfällen und merkwürdigen Predigten u. s. w. Freunden des Frohsinns und der guten Laune als ein Präservativ gegen die Cholera gewidmet. 1832. 8. geheftet.

12 gr.

Sneh, Mada, die reisenden Handwerker. Ein romantisches Gemälde aus der wirklichen und idealen Welt. 1832. 8. geheftet.

1 Rthlr.

Spadolino Stefano, der räthselhafte Räuber-Hauptmann in den Umgegenden Roms. 1832. 8. geh.

22 gr.

Taf. 1.

Fig. 1.

492

357

816

Siegel des Saturns
Siegel des Saturns

Fig. 2.

163213

510118

96712

415141

Siegel des Jupiters
Siegel des Jupiters

Fig. 3.

11247203

41225816

17513219

101811422

23619215

Siegel des Mars
Siegel des Mars

Fig. 4.

632334351

7112728830

191416152324

182022211713

25291092612

365334231

Siegel der Sonne
Siegel der Sonne

Taf. 2.

Fig. 5.

2247164110354

5234817421129

3062449183612

1331725431937

3814321264420

213983322745

461540934328

Siegel der Venus
Siegel der Venus

Fig. 6.

858595462631

4915145253111056

4123224445191848

3234352928383925

4026273736303133

1747462021434224

955541213515016

642361606757

Siegel des Merkur
Siegel des Merkur

Taf. 3.

Fig. 7.

37782970216213545

63879307122631446

47739803172235515

16488408132642456

57174994173336525

26581850142743466

67275910512437535

36681960115234476

77286920611253445

Siegel des Mondes
Siegel des Mondes

Fig. 8.

Symbol gegen Feuer
Symbol gegen Feuer

Taf. 4.

Fig. 9.

Chiromantie
Chiromantie

Taf. 5.

Fig. 10.

Zauberkreis
Zauberkreis

Taf. 6

Siegel der Geister
Siegel der Geister

Fig. 12.

Pentaculum Salomonis
Pentaculum Salomonis

Taf. 7

Fig. 13.

Gürtel Salomons
Gürtel Salomons

Fig. 14.

Zauberstab
Zauberstab

Taf. 8

Fig. 15.

Gestalt, in der der Höllenfürst erscheint
Gestalt, in der der Höllenfürst erscheint

Fig. 16.

Geisterfürst Marbuel
Geisterfürst Marbuel

Taf. 9

Fig. 17.

Zeichen auf dem Mantel
Zeichen auf dem Mantel

Fig. 18.

Zeichen in der Hand
Zeichen in der Hand

Taf. 10

Fig. 19.

Gestalt des Höllenfürsten bei der Mantelfahrt
Gestalt des Höllenfürsten bei der Mantelfahrt

Fig. 20.

Symbolfigur zur Schatzgräberei
Symbolfigur zur Schatzgräberei
Buchrückseite
Buchrückseite

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